Nr.S5H4 ZS.�cchrgavg Mlsgabe B Nr. 12b «ez«gSpr»iS, Merte�SHrl. 30,— M., numatL 10s— 98. frei ins Saus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 10.— M. einschl. Su* ftellungsgebuhr. Unter Kreuzband fiir Deutschland, Danzig, das Eaar- und Memelgebiet, sowie die ehemals beut» scheu Gebiete~ Un Abend-Ansgabe llngarn und! das übrige Ausland Zf,— M. Poli- bestcllungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tfchecho- Slowalei, Däne- marh Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilaae.Boll und geit", der Unter- baltungsbeilage„Hennwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erscheint wachen täglich zweimal. Sann- tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: «Sozialdemokrat Serlln- Oeelinev Volksblstt (20 Pfennig) AuzetgenpretS, Dt« achlgespaUen« NonvareMezeil, lostet&50 M„Sieine Anzeigen� das fettgedruckte Wori IM Hl(zu* lässig zwei fettgedruckt, Wortes, ledee wettere Wort l,— SR. Stellengesuch« und Schlafstellenanzeigen das erst, Wort ir- SR, Ildes weiter« Wort lill Pfg. Wort» über lb Buchstaben zählen für zwei Worte ffamillen-Am zeigen fllr Abonnenten Zeil« H— 3JI Die Preise verstehen sich-inschließlich Teuerungszuschlag Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis» Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68. Linden. strahe 3. abgegeben werden Geöffnet von ü Uhr früh bis i Uhr abends Zentralorgan der rozialdemokrattfchen parte! Deutfchlands Neöaktion und Expedition: SW HS, Linöenftr. Z Redaktion Moristplatz 151 95—97 �fcrnivt-taser. e�ebitifln Mvritzplatt 11753-54 Donnerstag, den Ä. Jnni ISÄI m vorwärts-verlag G.m.b.H., SW HS, Linüenstr. Z £trevnfav(>rh(>r- Verlag, Expedition und Inseraten- »jsrrnlpreryer. Morttzplatz 11753-54 vas Echo öer Kanzlerreüe. Die Presse der Regierungsparteien zeigt sich mit der gestrigen Programmerklärung Wirtbs im allgemeinen zufrieden und stellt den lebhaften Beifall fest, den sie zum Schluß bei der Mehrhest des Reichstags gefunden hat. Man zeigt sich bestrebt, das Einigende zu betonen und das Trennende in oen Hintergrund zu stellen. In der„Vossischen Zeitung" lobt Bernhard den optimistischen Grundton der Rede, meint aber, um ihn zu rechtfertigen, sei es notwendig, finanz- und wirt- schaftspolitisch neue Wege zu gehen. Die Ausbreitung des Steuerbuketts verrate aber keine neuen Methoden, sie sei nicht die glücklichste Stelle der Rede gewesen. Daß die deutschnationale Presse schimpft, was sie schimpfen kann, ist selbstverständlich, darin wird sie höchstens noch von der„Roten Fahne" übertroffen. Den Gipfelpunkt der De- magogie erklimmt die„Deutsche Tageszeitung", indem sie ihre Betrachtungen über, die Rede mit der Ueberschrift versieht: „W ir unterschreiben, ihr dürft zahlen!" Nach- dem die deutschnationale Presse die ganzen Kriegsjahre hin- durch die These verfochten hat, daß der Besiegte bis zum Weiß- bluten zahlen müsse, hat sie jetzt offenbar das Rezept entdeckt, wie man sich, ohne zu zahlen, aus der Niederlage heraus- winden kann. Leider verrät sie es nicht. Die üblichen Redensarten wiederzugeben, mit denen die deutschnationale Presse über den Reichskanzler herfällt, lohnt nicht die Mühe. Bemerkenswert ist nur, wenn es auch durch- aus nicht überraschend kommt, daß auch die deutschvollspartei- liche„Tägliche Rundschau" in dasselbe Horn stößt: Alles muß für die Entente„ausgeschöpft" werbe n. Und wenn nichts mehr da ist? Dann wird, nach Herrn Wirth, die Entente m ihrem erprobten Gerechtigkeitssinn sich endlich zufrieden geben, Deutschland in Gnaden wieder in die Gemeinschaft der zivilisierten Völker aufnehmen, und endlich erscheint dann das neue demokratische, friedfertige Europa. So liest der Reichskanzler es von feinem Konzept ab, ohne mit der Wimper zu zucken. Wenn bis dahin nur überhaupt noch etwas von Deutsch- land übrig ist. Herr Wirth baut Luftschlösser, daß einen der Schwindel packt. In sachlicher Weise setzt sich das Organ der Unabhängigen, die„Freiheit", mit der Programmrede auseinander. Sie er- blickt in ihr den Versuch einer schwachen Regierung, Unter- stützung von mehreren Seiten zu gewinnen und findet, dag die im Kabinett herrschenden widerstrebenden Ansichten und Interessen in ihrem Spiegel deutlich zu erkennen gewesen wären. Klar und bestimmt findet sie die Erklärungen über die auswärtige Politik, unzulänglich die über die innerpolitischen Absichten der Regierung, besonders in bezug auf Amnestie, Ausnahmezustand und Sondergerichte. Wenn das Regie- rungsprogramm auch manches Richtige und Zutreffende ent- halte, so bleibe es doch weit hinter dem zurück, was das Pro- gramm einer rein sozialistischen Regierung besagen würde. Ueber das Steuerprogramm Wirths sagt sie: Daß in all diesen Punkten das Programm der Regierung trotz- dem nicht an übermäßiger Deutlichkeit leidet, ist nicht nur die all- gemeine Erscheinung solcher programmatischer Kundgebungen von Koalitionsregierungen, sondern weit mehr die Folge ihrer in- neren Gegensätze. Jede Koalitionsregierung ist schwach, weil sie die verschiedenartigsten Elemente unter einen Hut zu bringen sucht. Am schwächsten aber ist eine Koalition mit bürgerlichen Parteien in Steuerfragen. Die nach außen betonte Ein- mütigkeit der Regierung kann deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, daß gerade wegender Steuerfragen in den nächsten Wochen selbst mit jenen Parteien die heftigsten Kämpfe werden aus- gefochten werden müssen, die in der Regierung vertreten sind. Nicht das Programm der Regierung, sondern ihre Taten werden ent- scheiden, wie die Lasten für die Wiedergutmachung aufgebracht werden. Die besitzenden Klassen werden sich allerdings selber sagen müssen, daß der Kampf gegen Besitzsteuern kein Mittel ist, die Stellung einer politischen Partei in der Demokratie zu festigen. Fänden sie sich nicht zu weitgehenden Zugeständnissen bereit, so könnte es für sie am Ende noch schlimmer kommen. kanzlerreüe unü Ausland. Paris. 2. Juni.—-»—— � deutet eine Ärtwertuno mittel besitzt, also Mas langt bei jeder solchen Verschlechterung einfach mehr Papiermark, er folgt also durchweg der Geldentwertung. Nicht sellen eill er ihr weit voraus. Getroffen werden von der Geldentwertung die breiten Massen der Lohn- und Gehalts- empfänger, vor allem also die Arbeiter, Angestellten und Beamten, die dieser Geldentwertung mit ihrem Ein- kommen nur schwer und niemals vollständig folgen, und dazu kommt die bedauernswerte Klasse der Kleinrentner. Die schwerste Finanzlast, die all diese Kreise in den letzten Iahren etragen haben, war diejenige, die durch Verschlechterung des K.dwertes entstand. Staatliche Geldfabrikation zur Deckung von staallichen Lasten bedeutet Abschiebung der Staatslast auf die breiten Massen der Lohn- und Gehallsempfänger. Dieser Vorgang darf sich bei der schwersten Last, die das deutsche Voll je auf sich genommen hat, unter keinen Umständen wieder- holen. Wir müssen verlangen, daß neben der unvermeidlichen Erschwerung, die aus Belastungen des Verbrauchs nun einmal hervorgehen werden, auch der Besitz, und zumal der Be- 'itz an Sachwerten, der bisher trotz Reichsnotopfer im ganzen glänzend aus der Kriegs- und Nachkriegszeit hervorgegangen ist, die Lasten übernimmt, die der verlorene Krieg dem ganzen Volle aufbürdet. Wir sind uns vollkommen darüber klar, daß die Beschaf- fung der nötigen Zahlungsmittel für die Abdeckung unserer Goldschuld nur durch Steigerung der Gesamtleistung der deut- schen Volkswirtschaft und insbesondere durch Steigerung der deutschen Ausfuhr möglich sein wird. Wir sind uns weiter darüber klar, daß diese Steigerung der deutschen Ausfuhr nicht durch ein Tiefhalten der Ausfuhrpreise auf die Dauer erreicht werden kann, weil sonst die Antidumping-Maßnahmen gegen uns überhandnehmen würden. Die Steigerung der Ausfuhr muß erzielt werden durch Gewinnung bisher noch verschlossener Märkte, zumal auch des Ostens und Südostens, und durch Steigerung unserer Qualitätsarbeit. Wenn die deutsche Industrie trotz niedrigerer Löhne den Leistungsgrad der amerikanischen nicht erreicht, so ist einer der Gründe vielleicht in den zu niedrigen Produktionskosten zu '....... Nie......~ � suchen, tiedrighaltung der Woh- wie sie bei uns durch die nungsmieten, der Kohlenpreise, der Frachttarife erzeugt wor- den sind. All das hat neben der schlechten Valuta vielfach eine solche Konkurrenzerleichterung geboten, daß die absolut notwendige Erhöhung des Leistungsgrades unserer Industrie nicht überall den nötigen Ansporn gehabt hat. Diese Politik der Zuschüsse ist zum Wieder- Ingangsetzen des Wirtschaftslebens wohl unumgänglich ge- wefen. Wenn aber jetzt eine Annäherung der Preise an die Weltmarktpreise erfolgen muß und auf dem Ernährungs- gebiete ist sie ja tatsächlich schon bis auf eine einzige Ausnahme ziemlich durchgeführt—, so bedeutet das eine gewaltige W erterh ö h u n a fü r die Besitzer der Produk- tionsmittel. Soll diese Werterhöhung den Besitzern der Produktionsmittel zufallen, während zugleich die breite Masse des Volkes unweigerlich von den schwersten Lasten betroffen wird? Sollen die Reingewinne, welche sich aus der Freigabe der Wirtschaft für die Landwirtschaft ergeben haben und demnächst noch ergeben werden, restlos dort verbleiben, während zugleich die übrige Bevölkerung für die Produkte einen immer größeren Teil ihres Einkommens hergeben und außerdem noch die Last der Finanzierung der Reparation leisten soll? Wer ein solches Steuerprogramm bringen wollte, der würde feine Durchführung gegen den Willen der gefchlosse- nen Masse des arbeitenden Volkes versuchen müssen. Zwei Arten von Besitz haben sich der steuerlichen Be» lastung bisher weitgehend entziehen können: der Grund» besitz und der Besitz an industriellen und ge» werblichen Produktionsmitteln. Beim landwirtschaftlichen Besitz liegt die Sache ziem- lich klar: Auf Grund sorgfältiger Berechnungen wurde Anfang 1920 z. B. festgestellt, daß nach den damaligen Produktionskosten der Landwirtschast bei reichlicher Einrechung von Gewinn ein Kartoffelpreis von 18 M. angemessen war. Um einen «Kroduktionsanreiz" zu geben» wurden gerade für die Kar» toffeln höhere Preise, zuletzt 23 M. festgesetzt. Ms die Kapp- Regierung kam, lautete ihr Programm: Aufhebung der Zwangswirtschaft gegen gleichzeitige Auferlegung einer kräfti- gen Grundsteuer. Die reinbürgerliche Regierung des Jahres 192V hat ungefähr die ganze Zwangswirtschaft aufgehoben, der Kartoffelpreis ist nicht 18, nicht 23 M., sondern er ist in- zwischen 6V M. geworden. Aber wer hat etwas von der Grundsteuer gesehen? Das vorige Kabinett hat der Landwirtschaft geschenkt, was Kapp versprach, aber ihr nichts, reinweg nichts dafür aufgebürdet! Trotz Kapps Vorbild! Die ungeheuren Gewinne aus der Freilassung der Wirtschaft dürfen unter keinen Umständen auch noch von der Reparatwns- last frei bleiben. Die Erfahrung hat gelehrt, daß Steuern im allgememen vom landwirtschaftlichen Grundbesitz sehr schwer zu erlangen sind. Es bleibt deshalb wohl nur die Eintragung einer die gewaltige Werter- höhung berücksichtigenden Grundschuld auf den landwirtschaftlichen Besitz zur Deckung der ungeheuren Lasten des Reichs. Der industrielle Besitz hat durch feine unsinnige Dividendenpolitik im ganzen Auslande die Aufsaffung erzeugt, daß Deutschlands Industrie blühe und gedeihe, und daß die Leistungsschwäche des Deutschen Reiches mit der Leistung?- stärke der deutschen Industrie in einem seltsamen Widerspruch steht. Dieselben Industrien, die um 1 oder 2 Proz. Ausfuhr- abgäbe in den Außenhandelsstellen ein Lamento erhoben, wiesen dann nach Rückstellungen, die das deutliche Kopf- schütteln der gesamten bürgerlichen Handelspresse trotz aller Abschreibungstheorien hervorriefen, Dividenden von 60 Proz., 80 Proz. und gelegentlich auch 100 und mehr Prozent auf, wobei dann noch Vorzugs- und Gratisaktien, Genußscheine, Gründung von Tochtergesellschaften und andere noch weniger erkennbare Mittel der Finanzierungstechnik den wirklichen Ge- winn verhüllen mußten. Run soll das Volk eine ungeheure Last tragen. Soll daneben und gleichzeitig die Gewinnpolitit dieser Kreise ungestört fortgehen? Glaubt man mit ein wenig Körperschafts st euer hier dem Verlangen der Volks- moste auf Aenderung dieser ganzen Verhältnisse und zumal auf Tragung der Reichslasten durch die wirklich Leistungs- fähigen mit irgendwelchen kleinen Mitteln entgegentreten zu können? Man wird sich täuschen! Vor der Annahme des Ultimatums hatten sehr weite Kreise, auch der bürgerlichen Parteien, den Gedanken, schlimmstenfalls dem Gegner eine Beteiligung an der deutschen Industrie anzubieten, nicht ab- gelehnt. Will man jetzt wagen, dem deutschen Volke eine gleichartige Beteiligung an dem Gewinn ins- befonderedergroßenUnternehmungenaller Art der Industrie, des großen Handels, der Banken zu versagen? Wir wollen nicht allein den Der- brauch, sondern auch den Gewinn der Unternehmungen in ganz anderem Maße als bisher unverschleiert bei der Deckung der Lasten mitwirken sehen. Schwerer ist die Frage der Belastung des H a u s b e- s i tz e s. Die Niedrighaltung der Miete war und ist für weite Kreise eine Lebensnotwendigkeit. Sie hat aber wie jede andere Art der Zwangswirtschaft, die mitten in einer rundumfluten- den freien Wirtschaft versucht wird, die Folge, daß sie auf viele Arten umgangen wird, so daß schon setzt der Mietpreis für möblierte Wohnungen tatsächlich die Geldentwertung wider- spiegelt, bei den übrigen vielfach Nebenleistungen bei Woh- nungswechsel übernommen werden müssen, die ungemein drückend sind und nur unnützen �wischenhänden zufallen. Bor allem aber: während die Niedrighaltung der Mieten immer noch vielen einen großen Wohnungsluxus gestattet, der volks- wirtschaftlich nicht gerechtfertigt ist, hemmt sie die freie Bau- tätigkeit, die im Frieden hunderttausende deutscher Arbeits- kräfte beschäftigt hat. Sie hält die Löhne niedriger, als es den volkswirtschaftlichen Selbstkosten entspricht. Die Industrie hatte infolgedessen ein leichtes, gewinnsicheres Arbeiten und zugleich zahlte der Staat Milliarden über Milliarden an Bau- zufchüsten. Vor allem läßt sich diese Zwangswirtschaft isoliert auf die Dauer nicht halten, den Gewinn werden letzten Endes die Besitzer der Häuser haben— wenn nicht der Staat schon jetzt einen Riegel vorschiebt, indem er inden allmählich steigenden Wertzuwachs jeweils eintritt und damit von vornherein verhindert, daß sich die Konjunktur- �hineststhe Weisheit. Ewer der tiefsten Philosophen des Ostens ist der Chinese Laots«, der etwa K00 Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte. Daß sein« Lehre nicht in dem Maße Gemeingut der abenbländischen Literatur geworden ist, wie etwa die Märchen der tausend und einen Nacht, liegt wohl der Hauptsache nach in der Schwierigkeit, sein« Spruch- Weisheit klar und eindeutig zu übersetzen. Mit Unrecht wirft man chm, wie überhaupt den morgenländischen Philosophen, eine passive, lebenverneinende Weltanschauung vor. Wenn Laotse z. B. das „Nicht-Tun" als die höchste Tugend preist, so will er damit nicht sagen, es sei am besten, überhaupt nicht zu handeln, als vielmehr, es sei vom Uebel, sich von seinen niederen Instinkten und egoistischen Willensäußerungen leiten zu lassen. Das letzt« Ziel des Menschen müste immer sein, so zu handeln, wie es der Allgemeinheit am nütz- lichsten ist. So verstanden ist die Weisheit Laotses von einem Ge> meinschaftsgeist durchdrungen, der auch unserer Zeit vorbildlich sein sollte. Sehen wir einmal zu, was Lapste vom Volt und seinen Führern verlangt. Er sagt an einer Stelle:„Wer in Liebe zum Volk das Land regiert» wirkt auch durch Nicht-Tun. Erzeugen und erhalten, erzeugen und nicht besitzen, wirken und nicht dabei verweilen, fordern und nicht beherrschen: das heißt tiefst« Tugend." Wer denkt bei diesem Ausspruch nicht an das demokratische Führerideal, das eine ähnlich« Selbstlosigkeit voraussetzt, wer denkt dabei nicht an Goethes Faust, der zuguterletzt zu einem ähnlichen Resultat kommt! Der tiefer« Sinn des„Nicht-Tuns" wird später genauer dahin erläutert:„Wer das Reich erobern will durch fein Tun, dem sehen wir es mißlingen. Das Reich ist ein geistiges Gefäß und nicht durch Tun zu bezwingen. Der Täter zerstört es. Der Eroberer verliert es. Darum vermeidet der Heilig«(soviel wie der gute Mensch) den Ehrgeiz, meidet die Ueberhebung, meidet die Größe." Auch hier wieder Selbstlosigkeit zugleich als höchste Tugend und tiefste Weisheit, wie ja Tugend und Weisheit recht verstanden immer zusammenfallen. Auch hier die Warnung vor jeder gewalttätigen Polltit. Der Führer ist der beste, meint Laotse, nach dessen Tode das Volk jagen kann:„Wir blieben ganz wir selbst." Räch diesen Proben wird man es oerstehen, wenn Laotse sein« politische Weisheit dahin zusammenfaßt:„Die Hochstehenden nicht bevorzugen, hält das Volt von Eifersucht ab. Das Schwererreichbore nicht schätzen, hält das Volk von Diebstahl ab. Das Begehrenswerte nicht anschauen, erhält dem Herzen seine Ruhe. Darum: wenn der Heilige regiert, macht er leer die Herzen des Volkes, aber gibt Fülle ihren Seelen. Er schwächt ihr Begehren, aber stärkt ihr Rückgrat... So wirkt er durch Nicht-Tun und alles ist wohl regiert." Leitsätze, die für Valk und Führer gleich bedeutsam sind. Erp der Verzicht geainne, wie sie bei der Aufhebung de? Zwangswirtschaft in der Landwirtschaft aufgetreten sind, beim städtischen Grund- besitz wiederholen. Das sind Grundgedanken, wie die Lücke ausgeMt werden kann, die die tapferen Borkämpfer der alleinigen Belastung des Berbrauchs und der Arbeit anscheinend mit Papier stopfen wollen. Die Last muß von denen getragen werden, die bisher von der Geldentwertung nicht nur sreigeblieben sind, sondern teilweise von ihr noch profitiert haben. Grundgedanke der gesamten Reparationsleistung muß sein: Steigerung der volks- wirtschaftlichen Produktivität, Belastung nicht allein des Ber- brauchs, sondern vor allem auch des Besitzes und zumal der bisher viel zu schwach belasteten Goldwerte. Der neue Kaiser. Wer bislang geglaubt hat, daß Wilhelms Regierungs- tätigkeit mit seiner Desertion nach Holland aufgehört habe, sieht sich jetzt eines schweren Irrtums überführt. Wilhelm hat nicht nur wichtige Rechtsstreitigkeiten zu schlichten, sondern auch schon die Regierungsgeschäfte des„neuen Kaisers" vor- zuberesten. Wir lesen nämlich im„Lokal-Anzeiger" folgendes: Im Jahre ISIS erwarb der soeben von neuen im Rheinlande errungenen Triumphen heimgekehrte Berliner Lehrer- gesangverein die von Wilhelm II. gestiftete Kais er kette als Ehrenpreis. Es ist nun wiederholt die Frage erörtert worden, welches die Zukunft dieses Ehrenpreises fei und wem sie gehören soll. Um die Frage endgültig zu. entscheiden, hat sich der Vorstand des Vereins an den Kaiser nach Amerongen persönlich gewandt und von Wilhelm II. die Versicherung erhalten, daß sie dem Berliner Lehrerverein vorläufig zustehe. Das Antwort- schreiben, das vom Generaladjutanten des Kaisers unterzeichnet ist, hat folgenden Wortlaut: Ich beehre mich, den Empfang des geehrten Schreibens vom 13. ds. mit Dank ergebenst zu bestätigen und dem hinzuzufügend zu bestätigen, daß ich nicht perfehlt habe, dessen Inhalt Seiner Majestät dem Kaiser und König vorzutragen. Seine Majestät steht auf dem Standpunkt,„der Berliner Lehrer-Gesang-Verein hat sich die Kaiserkette 1913 erfungen, bleibt im Besitz des Preises solange, bis ein neuer Gesangswettstreit durch einen neuen Kaiser aus- gerufen wird, um den Preis alsdann zu verteidigen oder neu zu erringen". Es wird nun den gesamten übrigen deutschen Ge- sangvereinen nichts wester übrig bleiben, als einen neuen Kapp-Putsch zu inszenieren, denn ehe nicht ein neuer Kaiser da ist, kann dem Berliner Lehrergesangverein die Kette nicht entrissen werden.— Die Sache hat aber auch ihre e r n st e Seite: Sie zeigt, daß das Denken Wilhelms und seiner Um- gebung keineswegs auf Resignation gestimmt ist! Sapenftbe Gberschlester. Gestern mittag gegen Vti Uhr fuhr auf der Ringbahn gegen Westend ein langer Militärzug mit Artillerie, Ma- schinengewehren, Pferden usw., der mit blauweißen Dahnen als bayerischer Transport kenntlich gemacht war. Etwa um 7 Uhr abends fuhr ein ebensolcher Zug in der Richtung von Westend nach Berlin. Wie aus Bayern„Olerschlefler" gemacht werden, davon zeugt folgender Vorfall. Ans dem Bureau der Berliner Buchdrucker meldete sich ein Organsiarionsmitglied und gab an, daß er sich als Arbeitsloser in München für Oberschlesien habe anwerben lasten gegen das Versprechen von 60 M. täglich und freie Verpflegung. Da er aber kein Geld erhielt, kehrte er wieder um. Der Betreffende hatte folgenden Ausweis, dessen Original in unserer Hand ist: Ausweis. Herr(Name ausgefüllt) ist gebürtiger Oberjchlester und auf der Fahrt nach der Heimat. München, den 18. Mai 1921.% Vereinigt« Verbände heimattreuer Oberschlesier, München. Stempel. I- A. Unterschrift(unleserlich). Da der Inhaber des Ausweises unverfälschten bayerischen Dialekt sprach, wurde ihm auf den Kopf zugesagt, daß er doch gar keinOberschlesiersei. Er gjb die» unumwunden zu. Er ist niemals dort gewesen! auf jede Art von Egoi.mus, sei es nun Klassen- oder Einzelegoismus, führt zu wahrhaft posttioer und aktiver Politik. Und deshalb preist Laotj« das Nicht-Tun im guten Sinne des Wortes als das höchste Gut für Volt und Führer: „Geist ist ewig«in Nicht-Tun Und doch bleibt nichts ungetan... Begehrungslosigkeit die große Ruhe schafft. So aus sich selbst die Welt zum Guten wird gebracht." _ H.®. Da» Recht auf Schlager. Vor kurzem, so schreibt un»«in alter Berliner, war im„Vorwärts" unter dem Titel:„Die Aufgaben der Unterhaltungsmusik" eine bewegliche Klag« über die Derflachung. die Seichtigkeit moderner Kompositionen zu lesen, die als„Schlager" angeblich das Musikleben diskreditieren. Wäre ich Künstler, so wäre es möglich, daß ich in allem dem Verfechter der klassischen Musik zustimmen würde. Da ich aber nur Laie, nur Hörer bin, so habe ich ein Recht, mich zu amüsieren bei Dingen, die mir zu- sagen. Und wenn man so über 40 Jahre das Berliner Musikleben in allen Tonarten kennengelernt hat, so getraut man sich eben auch ein bißchen mitzusprechen. Was ist denn ein„Schlager"? Eine von der Gunst des Publikums getragene, von der Menge leicht und sicher aufgenommene musikalisch« Schöpfung. Darüber hat keine Kritik zu befinden. Ungezählte Tausende finden daran einen Ge- nuß. Wohl gemerkt, einen zeitlichen Genuß, denn das ist der Unterschied zwischen Schlager und Klassizität, daß ersterer nur eine bestimmt« Zeit einen Resonanzboden find«, während klassische Dinge für die Ewigkeit geschaffen sind. Niemal» kann der Schlager entbehrt werden. Ist nun unsere Schlagerproduktion wirklich schlechter geworden? Als vor mehr als 40 Iahren Ernestine Wegen« den Schlager schuf, den ganz Berlin nachsummte:„Ach ich weih nicht, mir ist heut so mollig", als ein armer Klavierspieler im Hotel de Rome vor 30 Iahren den„Rixdorfer" komponierte, als um dieselbe Zeit„Der Mann mit hem Kots ist da", und olle diele Schöpfungen die inter- nationale Runde mochten, standen die auf höherer Warte als die neuesten? Der Vergleich fällt sehr zugunsten unserer modernen Schlager aus. Richtig ist, daß alle Schlagerproduktionen mehr oder weniger Anlehnungen sind, aber wenn man bei großen und musikalisch wert- vollen Produktionen überall ein« kritische Sonde anlegen, wollte, würde man bei vielen auch Anlehnungen an ältere Meister oder die Dekarbeitung von Boltsmelodien finden. Es hat früher ein nun längst aus den Konzertsälen verschwundenes Potpourri von Schreiner-„Musikalische Vexierbilder" gegeben, worin sich der Kom- vonist die Aufgabe stellte, moderne und alte Musik in drastischer Weise zusammenzustellen, so daß immer die frappanteste Aehnlich- keit zwischen den Tonstücken vorhanden war. (Wir pflichten zwar dem Einsender nicht bei, glauben vielmehr, daß bei zunehmender Musikkultur auch die Unterhaltungsmusik sich veredeln wird. Aber als Darstellung dessen, was vielfach ist, geben «rr der Zuschrift Raum. Nicht daß gelegentlich leicht oder besser: Danach steht fest, daß von den Münchener Freischärlern mit de» Mitteln der Urkundenfälschung und des Betruges strupek los gearbeitet wird. Englisther Kabinettsrat über Gbersthlesien. London, 2. Juni.(EE.) Gestern fand ein Sablnettsrak statt, der sich mit der Frage von Oberschlesien und von Angara beschäfligke. 3n Ergänzung der vor zehn Tagen abge- sirndteu englischen Note ist gestern neuerlich eine Note an die französische Regierung gesandt worden, in der gesagt wird, daß Lord d'Abernon bisher in der oberschlesijcheu Frage wertvolle Dienste geleistet habe. ». London. 2. Juni.(WTB.) Der Pariser Berichterstatter der „Morningpost" meldet, es bestehe Grund zu der Annahme, daß der eigentliche Zweck der Zusammenkunft des Obersten Rates in Boulogne der dringende Wunsch Lord Curzons sei, eine gemeinsame Aktion gegen die Kemalisten zu erleichtern. Eine Warnung an Frankreich. London, 2. Juni.(WTB.) Die Blätter weisen auf die Gefahr einer weiteren Verschlepung der oberschlestschen Frage hin. Die „Time s", der zufolge sich Polen in politischen Schwiee r i g k e i t e n befinde, forderte, daß Franzosen und Eng- länder gemeinsam handeln. Durch einen Zwischenfall in Oberschlesien würde die HaUung der englischen Besatzungstruppen in schwersten Gegensatz zu der der französischen kommen. In solch einem Falle würden die Helden der Orgesch und des Ballikums den Engländern eine baldige und unerwünschte Unterstützung zuteil werden lassen wollen. Der Gedanke, daß diese Truppen den Eng» ländern helfen sollen, und daß britische Truppen, wenn auch mittel, bar ihre Operation gegen die Polen erleichtern sollten, sei für alle Engländer unerträglich. Trotzdem könnten keinerlei An- strengungen diese Schmach abwenden, wenn die englischen Truppen gezwungen werden sollten, ohne die gründliche Unterstützung der andern Mächte die Ordnung gegen Polen zu erzwingen. Die Wirkung einer unabhängigen britischen Aktion zu diesem Zwecke auf die Entente und auf das Gesamtseld der Weltpolitit brauche nicht erst hervorgehoben zu werden. Ter englische Vormarsch. Zu den Auseinandersetzungen in der Interalliierten Kommission über den englischen Vormarsch wird der„Franks. Ztg." aus Oppeln gemeldet: Von französischer Seite wird behauptet, daß die neuen Kämpfe zwischen Polen und deutschem Selbstschutz durch die O f f e n- sioe des deutschen Selbstschutzes ausgelöst worden seien, eine Darstellung, die von den englischen Offizieren aufs entschiedenste bestritten wird.-Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Engländer» und Franzosen sollen sehr scharf zum Austrag gekommen sein. Im Prinzip hat man sich auf die Schaffung einer neutralen Zone zwischen Deutschm und Polen geeinigt, wobei jedoch von eng- lischer Seite die Bedingung gestellt und von den Franzosen nach an- sanglichem heftigen Widerstand angenommen wurde, daß der deutsche Selbstschutz die von ihm gegenwärtig ge- halten? Linie besetzt halten darf. Die Schaffung einer neutralen Zone soll derart erfolgen, daß die polnischen Aufrührer von den interalliierten Truppen zurückgedrängt werden sollen. Wegen der Frage, welche Truppen an dieser Aktion teilnehmen sollen und welche Ausdehnuntz den Operationen zu geben ist, sind die V e r- Handlungen, die sich infolge der bestehenden Gegensätze äußerst schwierig gestatten, noch im Gange. Ein FreikorpSheld. Breslau, 2. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der Führer der Freiwilligentruppe, welche in Neiße im un- besetzten Gebiet Oberschlesien unseren Genossen H« r t t w i g bedrohte, und auch sonst mehr durch innerpolitische Störungen als durch Heldentaten gegen die Polen glänzte, ein Oberleutnant H. O. Schmidt, gegen den bereits Verhaftungsbefehl erlassen war, ist jetzt endgültig mit seiner Truppe aus Oberschlesien verschwunden. Der Mann wurde vom deutschen Selbstschutz als Angehöriger nicht anerkannt, da er seinen Angehörige» phantastische Versprechungen machte. ._______,_l_______——»1_-______ ii flache Musik genossen wird,.st bekämpfenswert, sondern, daß stö z. T. ausschließlich kultiviert wird und den Geschmack am echten Kunstwerk verdirbt. Die Red.) Keyserling und Taqore. Hermann Keyserlwg hat jetzt beim Be» such Rabindranath Tagores in Darmstadt, wohin der indische Dichter und Weise noch einmal bei seiner jetzigen Anwesenheit in Deutsch- lond für ein« Woche zurückzukehren gedenkt, ein Zusammenarbeiten seiner Schule der Weisheit mit Tagores indischer Schule verabreder. Tagore will, um an der Verständigung des Osten« und Westens durch die Vermittlung des indischen und des deutschen Geistes wirk» sam zu'arbeiten, seine Schule„Shanti Niketon"(Friedensstein) in Volpur, einer kleinen Stadt etwa 100 Meilen von Kalkutta an der Bahn gelegen, zu einer internationalen Universität ausseswlten. Beide Schulen werden ihre Schüler austauschen. Auch ein Aus- tausch geistiger Führerkräste ist in Aussicht genommen. Dazu soll eine Verbindung von Darmstadt und Volpur auch mit dem anderen großen alten asiatischen Kulturmittelpunkt in China treten. Dr. Karl Wilhelm, der früher in Tsingtau tätig war und mit seinen Veröffentlichungen altchinestscher Weisheitsbücher in Deutschland für die tiefer« Kenntnis des fernen Ostens gewirkt hat, wird zu diesem Zweck in Peking eine Weisheitsschule gründen. Labiche in den Kammersplelen. Labiche ist einer von den wich. tigsten Großvätern des Pariser Schwankes. Da-man sich ein wenig schämt, diese Ware heute nagelneu aus Frankreich zu beziehen, liefert Herr Heinrich Bürger die Aufarbeitung nach dem alten Modell. Der Schwant heißt sommerlich„Der Strohhut". Es handelt sich dabei natürlich um einen Fehltritt, den Madame begangen hat. Hat sie ihn schon begangen? Wird sie ihn noch begehen? Wie benimmt sich der Gatte mit den Hörnlein? Wichtige Fragen, die im Wirbel auf- gerollt werden. Ein Strohhut soll als Korpus delikti dienen. Ein Pferd soll ihn aufgefressen haben, ein Zuavenhauptmann kriegt dar- über den Tropentoller, ein Bräutigam, sein Bräutlein vom Lande, der Schwiegerpapa, der taube Onkel, der blöde Vetter, sie sind alle auf der Bühne, sie halten einen Modesalon für ein Standesamt und die Wohnung einer Baronin für ein Wirtshaus, wo sie sich jämmer- lich andudeln. Schließlich entwischt natürlich Madame, der Herr Ge- mahl trägt seine Hörnlein mit Grazie, der unzufriedene Schwieger- papa wird seine Tochter los, der Bräutigam, der mit einer Modistin wirklich und mit der flüchtigen Madame nur dem Scheine nach--. Sie verstehen. Es gibt nichts mehr zu erklären. Alles erklärt sich, nichts erklärt sich, es soll auch alles Unsinn bleiben. Es bleibt ein fröhlicher Unsinn zwei Akte lang. Als der 5. Akt vorbeigeflogen ist, hat sich des Sommerzuschauers Müdigkeit schon bedenklich eingestellt. Die Künstler, vor allem Herr E t t h o f f e r,«in eleganter, ins Miene- rische übertragener Grätzer, Herr Diegelmann und andere, Fräulein Hagenbruch, Käte Nevill, Dorothea Thies usw. spielten das Stück als Parforcejagd. Es darf trotz der Hundstagshitz« nicht anders gefpiell werden._ M. H. Volkshochschule Grosi-Serlt». Pros. Ferdinand Gregor wird am kommenden Sonnlag, vorm. 10»/, Uhr, m de» Aula Wewmeisler» ftratze IS Erzählungen und lyrische Gedichte kje». B preußischer LanStag. 24. Sitzung. Donnerstag, den 2. Juni, mittags 12 vhr. Vor Eintritt in die heutige Tagesordnung entwickelt sich eine ausgedehnte Geschäftsordnungsdebatte. Abg. Goebel (Ztr.) stellt den Antrag auf wirtschaftliche Unterstützung der bedrohten Einwohner des oberfchlesifchen Abstimmungsgebietes. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Dr. Meyer-Ostpreußen beantragt den Bericht des Rechtsausschusses über die S o n d e r g e r i ch t e auf die Tagesordnung zu fetzen. Genosse Siering(Soz.) unterstützt diesen Antrag. Der Antrag wird darauf, da sich kein Widerspruch erhebt, auf die Tagesordnung gefetzt. Codann ergreift der Finanzminister Sämisch das Wort zum Haushaltetat für das Jahr 1921 und schildert ausführlich in seiner Rede das Finanzelend, in dem sich auch Preußen durch den Dersailler Vertrag befindet._ Das Wehrmachtversorgungsgefetz. Im Reichstagsausschuß für soziale Angelegenheiten stand heute das Wehrmachtoersorgungsgesetz zur Be- ratung. das die Versorgung der Angehörigen des Reichsheeres und der Reichsmarine samt ihren Hinterbliebenen regelt. Ein Antrag Hoch(Soz.) verlangte, daß den Unteroffizieren und Mannschaften, die keinen Zivildienstschein besitzen, bei Nachweis der Bedürftigkeit auf Antrag ein V o r f ch u ß auf die laufenden Ueber. gangsgebührnisse bis zu ihr�r vollen Höhe gewährt werden solle, während der Gesetzentwurf die Borschußgewährung durch eine Kann» Vorschrift in das Belieben der Behörde stellt. Der Ausschuß nahm dann einen entsprechenden Antrag Andre(Z.) an, der an Stelle der Kann- Vorschrift eine die Behörde bindende Soll- Vorschrift setzt. Auf weitere Ausführungen des Abg. Hoch(Soz.) entgegnete Reichswehrminister Dr. Gsßler, daß bei wichtigen Verwaltungsangelegenheiten stets die Vertrauensmänner der Truppen gehört würden; eine Mitwirkung der Unter- offiziere und Mannschaften sei also gesichert. Im übrigen wurde der Gesetzentwurf bis zu§ 22 teilweise in veränderter Form an- genommen. Weiterberatung Freitag. Eine Ansprache öes Ministers Sarthou. Paris. 2. Juni.(EE.) Auf feiner Inspektionsreise ins Rheinland hielt der französische Kriegsminister B a r t h o u vor den Soldaten in Worms eine Ansprache, in der er ausführte, er habe sich allenthalben davon überzeugt, daß die Leute gut gekleidet, gut ge- nährt seien und gut« Wohnungen hätten. Er beglückwünsche die Offiziere zu ihrer Wachsamkeit und Aufmerksamkeit und stelle fest, daß der Jahrgang 1919 allen Drohungen und Versuchungen Widerstand geleistet Hab«, Er habe eine Hallung eingenommen, für die Frankreich dankbar fein könne. Die Soldaten von 1919 sollten von ihrer unvorhergesehenen Rheinlandreise einen be- friedigenden Eindruck haben. Ihre Einberufung sei nicht zweck- l o s gewesen. Der Anwesenheit dieser Soldaten sei es zu ver- danken, daß Deutschland sich unterworfen habe. Die Soldaten wären es, die Deutschland zum Zahlen zwangen. Und darauf könnten sie stolz sein. GroßGerüu Die Nöte üer Sezirksämter. Die unerfreuliche Hinausschiebung der Bildung der Bezirks- Smter hat zu einer überhasteten Aufstellung der Be» zirkshauShaltpläne geführt, die nicht im Interesse der Entwicklung des neuen Berlin liegen kann. Die Beznte mußten bis 31. Mai die HauShaltpläne fertig gestellt haben, das Gesetz ver- langt die Fertigstellung des Etats Berlin bis zum 80. Juni. Die erste Etataufstellung im neuen Berlin sollte man meinen, erfordert eine eingehende vorbereitende Arbeit, die doch nur Borbedingung sein kann» die schwierigen finanziellen Klippen zu umschiffen. Kommt doch für die Bezirke 7—20 hinzu, daß nicht allein die Haushaltpläne der früheren Einzelgemeinden mit hineingearbeitet werden müssen, sondern auch die Bezirksvoranschläge müssen dem Berliner Musterentwurf angepaßt werdend der nahezu unüber- sichtlich ist. Den Bezirken müßte nach Zusammenstellung aller Voranschläge die Möglichkeit der Nachprüfung ihrer eigenen HauShaltpläne gegeben werden. Der»LoS-von-Berlin*- Bewegung wird durch die un- zureichende Beratung nur neuer Stoff zur Agitation geliefert werden. wenn nicht, was kaum zu erwarten ist, bei der Etataufstellung in Berlin die örtlichen, verschiedenarttg gelagerten Bedürfniffe der ein- zelnen Bezirke berücksichtigt werden. Waren doch im Jahre 1920 die Lasten in den Lrbeitergemeinden schon fast unerträglich. Bei größter Sparsamkeit wurden fast alle Finanzquellen erschöpft, um den Bedarf per Kopf der Einwohnerzohl zu erhalten, der hier gegen- über den westlichen Gemeinden bedeutend niedriger geholten wurde, was ja in den Schulverhältniffen sowie öffentlichen Anlagen be- sonders zum Ausdruck kommt. Berlin hatte 1920 einen Bedarf per Kopf von 410 M., der 10. Bezirk(Zehlendorf) 589 M., der 16. Bezirk(Köpenick) 222 M.. der 7. Bezirk(Charlottenburg) 471 M., der 17. Bezirk(Lichtenberg) 260 M. Der Etat 1920 schloß mit einem Fehlbetrag von 400 Millionen ab. die in den nächsten fünf Jahren getilgt werden sollen, für 1921 erstmalig 80 Millionen. Die Teuerung gegenüber 1920 bringt schon allein eine starke Mehrforderung aller Bezirke mit sich, so daß es äußerst schwierig ist, in so kurzer Zeit Einnahmen und Ausgaben in Einklang zu bringen und hierbei die Bedürfnisse der Außen- bezirke genügend zu berücksichtigen. Die Bautätigkeit beginnt sich hier zu regen, die nachgesuchten Bauerlaubnisse steigern sich in er- freulicher Weise, womit natürlich die Aufgaben der Bezirk«- Verwaltung wachsen, wie Schaffung von Schulen usw. Diese für die Gesamtgemeinde in ihrer zukünftigen Entwicklung bedeutungs- vollen Vorgänge können bei der mit Eilzugsgeschwindigkeit be- triebeuen Aufstellung der HauShaltpläne nicht gebührend beachtet werden. ES sollte daher die Frage aufgeworfen werden, ob eS nicht im Interesse der ordnungsgemäßen und gewissenhaften Ausstellung der Etats der neuen Stadtgemeinde Berlin liegt, eine Verlange- rung der gesetzlichen Einreichungsfrist zu erreichen. Dem Werden des neuen Berlin sind schon soviel Widerstände er« wachsen, die durch eine oberfläche Etatberatung nur noch gesteigert werden könnten. Komtesse Gceana aus Neukölln. Man sollte meinen, daß in Berlin, der»Stadt der Intelligenz", die Leute allmählich so klug geworden sind, daß sie nicht gleich bei der Nennung eines Adelsnamens in»Ehrfurcht ersterben". Da das aber nicht der Fall ist, so kann es denn nicht Wunder nehmen, daß Gauner und Schwindler immer wieder mit Erfolg auf die Titelsucht jener Leute spekulieren, die nicht alle werden. Eine Heiratsschwindlerin ungewöhnlicher Art machte am Kaiser- dämm eine ansehnliche Beute. Bei�einer Familie, die dort wohnt, Die /lrmeniergreuel vor Gericht. Der Prozeß gegen den Mörder Talaat Paschas, des ehemaligen türkischen Großvesiers, bildete heute den Gegenstand einer umfang- reichen Verhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts ll unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. L e h m b e r g. Die Anklage wegen Mordes richtet sich gegen den türkischen Staatsangehörigen, Studenten der Mechanik, Salomon T e i l i r i a n aus Eharlottenburg, der beschuldigt ist, am 15. März den srüheren türkischen Eroßvesier Talaat Pascha ermordet zu haben. Die Anklage wird vom Staatsanw.-Rat Dr. G o l l n i ck ver- treten, die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Geh. Iustizrat Dr. v. Gordon, Iustizrat Dr. Werthauer und des bekannten Staatsrechtslehrers Prof. Dr. N i e m e y e r- Kiel. Da der Angeklagte der deutschen Sprach« nicht mächtig ist, sind zwei Dolmetscher der armenischen und der französischen Sprache ge- laden. Unter den zahlreichen von der Anklage und der Verteidigung geladenen Zeugen befindet sich die Witwe des Ermordeten, Frau Talaat Pascha, General Liman von Sanders, Lektor Hahn-Charlottenburg. Als Sachverständige sind anwesend: Geh. Sanitätsrat Dr. Schmielinsky- Charlottenburg, Prof. Dr. C a s- f i r e r, Prof. F o r st e r, Geh. Rat Prof. L i e p m a n n, Medizinal- rat Dr. S t o r m e r, prakt. Arzt Dr. Sch l o ß, Kaufmann Baker, Hofbüchsenmacher B a r e l l a. Der jetzt 24 Jahre alte Angeklagte ist in Pakaritsch in der Türkei geboren. Auf Befragen des Vorsitzenden schildert er zur Vor- geschichte der Tat ausführlich die türtischen Greuel in Armenien. Im Jahre 1915 sei die armenische Bevölkerung dieses Ortes durch die Nachricht in die höchste Erregung verfetzt worden, daß die türkische Regierung gewaltsame Maßregeln gegen die Armenier ergreifen werde. Er war damals 18 Jahre alt. Es sei plötzlich das Gerücht gekommen, daß die Schulen geschloffen werden und die angesehensten Personen der Stadt weggebracht werden würden. Das sei denn auch geschehen. Die Bevölkerung sei in Kolonnen unter Führung von Gendarmen und Soldaten, denen sich zahlreicher Pöbel angefchloffen habe, weggeschleppt worden, nachdem man den Leuten ihr Geld und ihre Habe weggenommen, und es fei dann ein Maffaker veranstaltet worden, dem auch feine Eltern und Geschwister zum Opfer gefalle« seien. Cr selbst habe, nachdem seinem jüngsten Bruder mit einem Beil der Schädel gespalten worden sei, einen Schlag aus den Kopf erhalten, so daß er bewußtlos zu Boden stürzte. Nach seiner Meinung sei er erst nach zwei Tagen wieder zu sich gekommen. Die Leiche seines ältesten Bruder» habe auf ihm gelegen. Er sei dann in das nächste Dorf gewandert, wo ihn eine zum Stamm der Kurden gehörende jjui] ycmuiiucLi, ixtu u;ii eint g'lir» wiuiiikii wt*. wvmwv«».-v—/— alte Frau beherbergte, bis feine Wunden geheilt waren. Dann habe! Pascha zu töten. ihn die Frau bedeutet, daß sie ihm nicht weitere Gastfreundschaft ge- währen könne, da die Regierung es oerboten habe, armenischen Flüchtlingen Obdacht zu gewähren. Nachdem sie ihm, da seine eigenen Kleider blutbefleckt waren, alte kurdische Kleidung gegeben hatte, flüchtete er in die Wildnis und stieß in den Bergen auf zwei Leidensgenossen. Sie wären zu Dreien dann des Nachts marschiert und am Tage hätten sie geschlafen, da sie sich nicht von den türki- schen Gendarmen sehen lassen durften. Der Angeklagte schilderte, mit Hilfe des Dolmetschers schwer verständlich, sein wei- teres ruheloses Hin- und Herwandern in Persien und anderen Län-> dern. Als er gehört, daß feine Vaterstadt wieder befreit sei, sei er dorthin zurückgekehrt, habe aber nur noch zwei Familien der früheren armenischen Bevölkerung vorgesunden. Als er fein völlig verwaistes und verödetes Vaterhaus betteten, fei er völlig haltlos geworden, ohnmächtig zusamt mengesunken und habe seitdem mehrfach solche Anfälle gehabt. Von seinen Eltern wußte er, daß sein Vater etwas Geld in der Erde vergraben gehabt hatte: er habe danach gefahndet und auch 4800 türtische Pfund ausgraben können. Der Angeklagte schil- dert feine weiteren Wanderungen in aller Welt. Auf Befragen nach dem Grunde dieses Hin- und Herreisens erklärte er, daß er stu- dieren wollte. Anfang 1920 sei er nach Paris gekommen. Die Armenier haben Talaat Pascha für den Urheber und Verantwortlichen für das Maffaker angesehen und allgemein sei die Empörung gegen diesen Mann gewesen. Schon damals fei ihm der Gedanke ge- kommen, Rache für die an seiner Familie begangenen Verbrechen zu nehmen.— Geh. Rat Prof. Dr. N i e m e y e r: Ist dem Angc- klagten bekannt, daß vom Kriegsgericht in Konstantincpel wegen der armenischen Greuel Talaat Pascha zum Tode verurteilt worden ist?— Dem Angeklagten ist dies bekannt. Hierauf wird der Eröffnungsbeschluß verlesen und ins armenische übersetzt. Der Angeklagte erklärte heute, daß er die Frage nicht mit ruhiger Ueberlegpng begangen habe. Auf den Vorhalt, daß er früher dies offen zugegeben habe, erklärt T e i l i r i a n: 3ch fühle mich nicht schuldig, weil mein Gewissen rein ist. Etwa zwei Wochen vor der Tat, tauchten wieder die Bilder des Massakres von Erflnia vor mir auf. 3ch sah meine Mutter und meine Brüder und meine vergewaltigten Schwestern als Leichen liegen. Plötzlich stand die Leiche meiner Mutter auf. stellte sich vor mir hin und sagte:„Du weißt, daß Talaat Pascha hier ist. Du bist völlig indifferent, du bist also nicht mein Sohn!" Ich wurde nun plötzlich wach und da faßte ich den Entschluß, Talaat ein Unterkommen. Es nannte sich Komtesie Tronjewitas Oceana von Odparlemolanowicz und erzählte, daß es vor den Bolschewiften aus der russischen Heimat habe fliehen müssen. Die Russin gab sich für eine Verwandte der Familien von der Osten aus, die in Ruß> land einen Grundbesitz im Werte von 22 Millionen hätten. Ihr eigener Grundbesitz sei auch 20 Millionen wert. Verfügen könne sie aber darüber einstwellen noch nicht, weil sie noch unter Vormund- schaff stehe. Vorgespiegelte Beziehungen zu einem bekannten Staats- sekretär waren geeignet, ihr Vertrauen und Ansehen zu verschaffen. So kam es, daß die Russin nach und nach auf einen Sohn der Fa. milie so großen Eindruck machte, daß er um sie warb. Der 20-Mil- lionen-Grundbesitz in Rußland mag den günstigen Eindruck wohl noch etwas verstärkt haben. Die»reiche Russin" erwiderte auch die Net- gung, bat jedoch, die Verlobung hinauszuschieben, bis sie selbständig über ihr Vermögen verfügen könne. Die Regelung der Vermögens- verhältniffe kostete aber einstweilen noch erhebliche Mittel, die die Russin auch nach und nach erhielt, bis sie eines Tages unter Mit- nähme schöner Schmucksachen verschwand. Der Familie war, alles in allem, ein Schaden von 150 000 Mark erwachsen. Jetzt beschäs- tigte sich die Inspektion B IT, 2 der Kriminalpolizei mit dem ruf- fischen Flüchtling und erkannte in ihm'eine 26 Jahre alte, aus Neu- kölln gebürtige Erna Preiß, die Tochter eines Schmiedegesellen wieder, die schon einmal die Polizei beschäftigt hatte. Eine Spur führte nach der Lutherstraße. Hier wurde sie dann auch bei einem zweiten Bräutigam, den sie mit den gleichen Vorspiegelungen ein- gefangen hatte, ermittelt und festgenommen. Die Verhaftete ver- sichert, daß sie niemals um Geld gebeten habe. Ihr falscher Name und ihre allerdings schwindelhaften Erzählungen allein hätten ge- nügt, die Leute zu veranlassen, ihr»das Geld nur so an den Hals zu werfen"._ Auto- und �usirwerksfalle in Zehlendorf. Wir erhalten folgende Zuschrift: Im Zuge der Potsdamer Chauffee zwischen Zehlendorf und Schlochtensee befindet llch eine Bahnüberführung der Wannseebahn. Das Niveau der Sttaße mußte bei der Herstellung der Ueberführung stark gesenkt werden, so daß die Straße unter der Uebersührung eine starke Einsenkung erfahren hat. Nach den letzten Regengüssen waren die Wasiermassen von beiden Seiten in diese Einsenkung ge- strömt und stauten sich dort, da kein Abfluß vorhanden ist, bis zu einer Tiefe von einem Meter an, so daß der starke Fuhrwerksoertehr (Auto, Wagen, Motorräder und Fahrräder) am letzten Sonntag nicht nur gehindert, sondern zum Teil geradezu gefährdet war. Einige Autos, die die Durchfahrt versuchten, erlitten mitten im Wasser eine Panne. Vor den Fuhrwerken scheuten die Pferde. Am schlimmstey aber waren die Motorradfahrer daran, die ihre schweren Räder über einen sehr schmalen Fußsteg führen mußten. Diese schauderhaften verkehrehemmenden Zustände bestehen schon längere Zeit, ohne daß anscheinend eine Behörde sich darum kümmert oder gar sür Abhilfe sorgt. Die fragliche Stelle liegt zwar im Dereich des 10. Bezirks (Zehlendori), aber die Chaussee wird vermutlich Provinzialchaussee Sein, so daß die Provinzialverwaltung für die Aenderung zu sorgen jätte. Wer auch immer„zuständig" sein mag, je schneller hier Abhilfe geschaffen wird, desto besser ist es für den Verkehr., Es könnte sonst geschehen, daß geschädigte Fuhrwerksbesitzer Schadenersatzansprüche stellen, für die dann die' Steuerzahler aufkommen müssen. Eine neue Verteuerung der Gräberpflege. Auf den meisten Friedhöfen muß, wer die Gräber feiner Ver- storbenen pflegen und schmücken will, die ärgste Geldschneiderei über sich ergehen lassen. Er kann z. B. keinen Denkstein aufftellen, keinen Baum oder Strauch pflanzen, ohne d'aß man- ihm dafür eine besondere Gebühr abnimmt. Daher ttitt denn auch der Klassen- gegensatz auf den Friedhöfen fast noch kraffer als im Leben hervor. Gräber zu begießen ist gewöhnlich nur nächsten Angehörigen der Verstorbenen erlaubt. Wer diese Arbeit nicht selber besorgen kann, darf sie nicht einer beliebigen fremden Person Überträgen. Zur Gräberpflege gegen Entgelt müssen die Hinterbliebenen sich der Angestellten des Friedhofes bedienen. In neuester Zeit sind er- finderische Köpfe auf den Gedanken verfallen, auch bei Pflege durch Angehörige noch eine Gebühr zu erheben. Warum sollen wir, sagten sie, den Leuten das Waffer umsonst liefern, wo die Herrichtung von Brunnen oder gar einer Wafferleitung uns schweres Geld kostet? Zwar hat früher wohl niemals ein Mensch daran gezweifelt, daß die Lieferung von Gießwasser zu den selbst- verständlichen Leistungen gehört, auf die mit der Zahlung des Grab- stellengeldes ein Anrecht erworben wird. Aber„in dieser teueren Zeit" ist man ja um Begründungen nicht verlegen, wenn dem Ver- braucher ein neue» Opfer aufgepackt werden soll. Wie die Ein der Brief einer alten Frau, die auf dem Weißenseer Friedhof der Berliner Georgengemeinde die Gräber von Angehörigen pflegt. Sie Nagt bitter, daß dort plötzlich eine Wassergebühr von 5 M. pro Sommer erhoben wird. Wer sie nicht bezahlen will, darf auf dem Friedhof kein Wasser mehr entnehmen und kann die Gräber seiner Lieben verkommen lassen. Auf Anfrage beim Zenttalbureau der Georgenkirchengemeinde(Kurze Stt. 2) wird uns allerdings ge- sagt, daß Unbemittelten die Gebühr erlassen werden kann. Da sind wtt neugierig, wie weit man den Begriff„unbe- mittell" ersttecken wird. Wir empfehlen, in weitestem Umfange den Anspruch auf Gebührenerlaß geltend zu machen. Aeriensonderzöge. Zum ersten Male nach dem Kriege sollen in diesem Jahr» wieder Feriensonderzüge gefahren werden, die die Ausgabe haben, zu ermäßigten Sätzen den Haupffttom der Reisenden auszunehmen und so zur Entlastung der fahrplanmäßigen Züge beizutragen. Zu diesen geplanten Feriensonderzüge» soll ein ermäßigter Satz gelten, und zwar wird in der dritten Klaffe der Einheitssatz statt 19.5 Pfennig je Kilometer nur 13 Pf. betragen. Da jedoch die sonst üblichen 45tägigen Rück« fahrkarten nicht mehr ausgegeben werden, müssen die Reisenden für jede Fahrt in solchen Zügen einfache Karten zu dem ermäßigten Satze lösen. Infolge der durch die oberschlesischen Vorgänge hervor- gerufenen Kohlennot sind nur verhältnismäßig wenige Züge gegen« über dem Friedensverkehr vorgesehen. Bon Berlin aus ist der Verkehr von Feriensonderzügen vorgesehen: nach dem Riesengebirgs 6 Züge, nach dem Harz 3 Züge, nach der Nordsee 3 Züge, nach Baden 3 Züge, nach München 4 Züge, nach den Ostseebädern inS« gesamt 10 Züge, von denen u. a. Züge nach Warnemünde. Rügen, Swinemünde, Kolberg und Stettin verkehren sollen, nach Württem- berg sind 2 Züge vorgesehen, während nach dem Sauerland, nach Thüringen und der Sächsischen Schweiz je ein Zug verkehren soll. Die Fahrpläne und die Preise für die Sonderzüge werden erst jetzt aufgestellt und voraussichtlich in etwa 14 Tagen, jedoch rechtzeitig vor Beginn des Vorverkaufs, veröffentlicht. ......~* l]. ly Hi l � � 4? er..... U"'•„It..... v.. v,,, t.. U.„...... I....™..•,**.~—■.......-----—.- u— T-T--~"lw—--------- fand i« Dezember». I. ein junges Mädchen als russischer Flüchtling jsührung der besonderen Wassergebühr wirkt, zeigt unsjEme in diesem Sinn» gehattene Resolution wurde angenommen. Keine Besteuerung des„Existenzminimums". Die Stadt Berlin hatte, wie erinnerlich, nach lebhaften Kämpfen die Besteuerung des reichssteuerfreien Einkommensteils beschlossen und erwartete hieraus eine jährliche Einnahme von 10 Millionen. Durch die im März Gesetz gc-uordenen Aenderungen des Reichs- einkommenfteuergesetzes ist diese Steuerquelle der Stadt verschlossei, worden. Eine Besteuerung des reichssteuerfreien Mindestein- kommens gibt es nicht mehr. Die preußischen Minister des Innern und der Finanzen heben dies in einem Erlaß an die Oberpräsidenten ausdrücklich hervor. Eine Genehmigung und Zustimmung zu Ge- meindesteuerordnungen über eine derartige Besteuerung des Mindest- einkommens kommt also nicht mehr in Bettacht. Ueber die Frage, inwieweit den Gemeinden hierfür Ersatz geleistet werden soll, schweben noch Verhandlungen mit dem Reichssinanzminister, die aber bald zum Abschluß kommen dürften. Eine Liebeskragödie hat sich heute Nacht in der Nähe von Gatow auf der Havel abgespielt. Beamte der Schutzpolizei hörten mehrere Schüsse fallen und bemerkten ein führerloses Boot. Als man es ans Land gezogen hatte, entdeckte man in dem Kahm die leblosen Körper eines jungen Paares. Der Mann hatte einen Revolver in der Hand, mit dem er erst da» Mädchen und daraus sich selbst durch Kopffchüffe getötet hatte. Die Leichen der beiden wurden zunächst nach dem Krankenhaus in Spandau gebracht, wo die ärztliche Unter- fuchung nur den Tod bestätigen tonnte. Die Personalien konnten noch nicht ermittett werden. Die Lnkter im Freioerkehr kostete heute im Westen Berlins 28 M. da» Pfund, während in den Außenbezirken das Pfund mit 25 M. angeboten wird, ohne allerdings große Abnahme zu finden. «Die Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten mit vielen kleinen Kindern können diese Preise nicht zahlen und sind weiter auf Schmalz und Margarine angewiesen. Gegen die Besteuerung der Kraftdroschken wandt« sich eine von etwa 2000 Personen besuchte, in den Germaniasälen tagende Protest- Versammlung der Berliner Kraffdroschkenbefitzer. Falls die Absicht BerlmS, die Kraftdroschken mit einer zehnprozentigen Steuer zu belegen, durchgeführt werde, sei mit einer 25prozentigen Abnahme de« Verkehr« zu rechnen. Das würde aber die Entlassung von mindesten« zwei Dritteln der Angestellten zur Folge haben. Biel- mehr müffe auf einen Abbau der Fahrpreise hingewirkt werden. Erster verbanöstag öes Zö/i. .x W e i m a r, den 1. Juni 1321. Schluß des dritten Der Handlungstages. Die Dishrfsion über die Vorstandsberichte wurde am Dienstag in um mehrere Stunden verlängerter Sitzung zu Ende geführt. In den oft leidenschaftlich aufwallenden Debatten spielte be- sonders das kommunistische Problem, soweit es das Ver- bandswefen betrifft, eine Rolle. Die scharf oppositionelle Note wurde vor allem von Delegierten Leipzigs, einem Teil der Berliner, einem Hanauer, einem Halleschen und dann noch einem Magdeburger Delegierten ange- schlagen. Sie wandten ein, die„Zellenbildung" von links sei zu verurteilen, aber ebenso seien es die Ueberradikalinskis von rechts. Wer zielklar gegen die Bestrebungen der Organisation handele, müsse entfernt werden, aber ohne Rücksicht darauf, welches Partei- Mitgliedsbuch er in der Tasche habe. Hierzu aber biete schon das Statut allein die Handhabe. Der Beiratsbeschluß dagegen sei g e- fährlich und würde zu neuem Kampf. Verwirrung und Zerrüttung führen. Dem wurde von der anderen Seite, insbesondere von M a y n z- Berlin, Brüggemann-Mannheim, Meier-Freiburg, Ehren- teit-Hamburg, Franz Krüger- Berlin, Landgraf-Chemnitz und dann von Urban und Giebel in ihren Schlußworten entgegen- gehalten, Idealismus brauche man einem großen Teil der Kommu- nisten nicht abzusprechen: aber die Duldung könne nicht so weit gehen, daß man ihnen gestatte, in ihrer jugendlichen Erkenntnis kulturnot- wendige Organisationen zugrunde zu richten. Der Beiratsbeschluß sei der natürliche Selbstschutz gegen das Bestreben, aus den Ge- werkschaften Rekrutenschulen für die Dritte Internationale zu machen. Es genüge nicht, daß ein Beamter sich nicht gegen die Zweite Internationale wendet, es komme darauf an, daß der Beamte und ehrenamtlich Tätige die Zweite Internationale und alle Derbandsziele fördere. Nicht soll« schon ausgeschlossen wer- den, wer einer Partei der Dritten Internationale angehöre, aber er solle keine beamtete und ehrenamtliche Tätigkeit im Verband aus- üben dürfen. Ausgeschlossen aber solle werden, wer sich im Sinne der wahnwitzigen Richtlinien von Moskau betätige. In namentlicher Abstimmung wurde der heißumstrittene Beiratsbe- schluß mit 63 gegen 59 Stimmen angenommen. Damit war ein Mittelsantrag, Flatau-Cohn-Iacobowitz-Berlin und 28 weiterer Genossen, sich auf den Boden des minder weitgehenden Beschlusses des Afa-Bundes stellen, gefallen. Weiter wurde von Diskussionsrednern bemängelt: Langsamkeit in der Vornehmung der notwendigen Maßnahmen zur Stärkung der Kasse, in der Anstellung von Beamten und Verbandsrevisoren, wie überhaupt in der Ausführung von Verbandstagsbeschlüsien, das ge- tätigte Kompromifseln bei den Kaufmannsgerichten usw. Verschiede- nerseits wurde gewünscht, daß die Presse den Mitgliedern nicht mehr nur auf Bestellung, sondern allgemein vom Verband gegeben werde. Stärkung der Hauptkasse und Erhebung höherer Ortszuschläge zu selbständiger-Erfüllung der Ortsaufgaben wurde empfohlen. Zu der strittigen Frauensrag« äußerten sich die meisten der dazu Redenden dahin, daß ihr einheitlich im Gesamtverband gedient werden möge. Bezüglich der Verschmelzung mit dem Verband der Angestellten des Buchhandels wurde ein Antrag der Leipziger De- legierten, unter ihrer Mitbcteiligung die Verschmelzungsbedingungen noch einmal durchzuberaten, abgelehnt und das Verschmelzungsab- kommen gegen S Stimmen gutgeheißen. Nach Schlußworten der Vorstandsberichterstatter erfolgte die be- antragte Entlastung kür Giebel als Leiter der Pensionskasie und Wucher als Haaptkassierer. Eine Reihe interner, zum Teil auf die Presie bezüglicher Anttäge (die Zustelluim der Presse betteffend) wurden angenommen bzw. dem Bor st and überwiesen. Vierter Verhandlungstog. Bei Beginn der Mittwoch-Sitzung beantragt Boepple-Lud- wigshafön die Ungültigkeitserklärung der Mandate der kommunistischen Delegierten und bezeichnet dies als Konsequenz der gestrigen Zustimmung zum Beiratsbeschluß. Eine Reihe Redner sprechen für und gegen den Antrag. Giebel führt aus, der Verbandstag schaffe zwar die Gesetze, aber die Aus- führung obliege den zuständigen Verbandsinstanzen, schlägt Aus- fetzung der Abstimmung und Prüfung der satzungsmäßigen Mög- lichkeit des Antrags Boepple vor. L e i p a r t führt aus, schon gestern Zweifel über die Zweckmäßig- tett des Antrages und gestrigen Beschlusses gehabt zu haben: diese Zweifel seien ihm angesichts der jetzigen Vorgänge noch stärker geworden. Er empfiehlt dringend den Vorschlag Giebels auf Ein- fetzung einer Kommission, die aber den gestrigen Beschluß und die daraus zu ziehenden Konsequenzen noch einmal vollständig nachprüfen möge und es dann wohl zuwege bringen werde. da» wahre Gesicht des Verbandstages wieder herzufl ollen. Der Verbandstag beschloß, die Beratung des Antrages Boepple zunächst auszusetzen und trat in die Beratung des Punktes„R e- organisation der Afa" ein. Urban, als Referent, und L e i p a r t, als Dertteter des All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, empfehlen in eingehender Begründung die Zustimmung zu dem vom ADGB. und Afa-Bund vereinbarten, gedruckt vorliegenden Organisationsoertrag. — Nachdem Lange-Redakteur, Hausherr-Vorstand, Süß-Afa-Bund, Küblcr-Köln und F l a t a u- Berlin beipflichtend, Kliem-Leipzig und Ehrenteit-Hamburg dagegen für das alte Derbleiben beim ADGB. gesprochen, wird Debattenschluß gemacht und in namentlicher Ab- stimmung mit 73 gegen 47 Stimmen die Vorlage angenommen. Ohne Debatte«nd in namentlicher Abstimmung wird daraus einstimmig die bereits im Mittwoch-Morgenblatt gemeldete Auslegung des Beiratsbeschlusies vom 21. 9. 20 an- genommen._ GewerGhQstsbewegung Zum Streik der Mineralwasserarbeiter. Die Fabrikanten veröffentlichen in der bürgerttchen Presie eine Notiz, die behauptet, daß unerfüllbare Lohnforderungen gestellt wor- den sind und der Geschäftsgang sich verschlechtert hat. Diese Behaup- tungen sind den Tatsachen nicht entsprechend. Von Forderungen, die nicht bewilligt werden können, kann gar keine Rede sein, die Fabrikanten wollen nicht, sie hielten es nicht einmal für not- wendig, Verhandlungen zu führen. Allgemein üblich ist, daß die Bertragskontrahenten sich gegensettig aussprechen, um letzten Endes dann doch zu einer Einigung bzw. Berständigung zu kommen. Die Löhne sind im Verhällnis zirka um das Achtfache gegen früher ge- stiegen, die Produkte dagegen um das Zehn- bis Fünszehnfache. Hinzu kommt, daß die Qualität erheblich schlechter geworden ist. Auch sind der Organisation von einigen Arbeitgebern Angebote ge- macht, über die verlangten Lohnsätze hinaus Bewilligungen zuzu- gestehen, bisher hat aber der Deutsche Transportarbeiterverband solche Angebote mit Absicht abgelehnt. Auch die Behauptung, daß der Konsum in Selterwasser und Limonaden nachgelassen hat, ist Nicht zutreffend. Einige Unternehmer glaubten den Schutz der „Grünen" anfordern zu müssen, der ihnen auch sofort gewährt wurde. Besonders rühmt sich die Firma Pohl, Romintener Straße, damit, daß bereitwilligst und sofort Schutz gewährt worden ist. Trotz der großen Arbeitslosigkeit beschäftigt die Firma Handwerter, die tagsüber anderweitig voll beschäftigt sind. Andere Unternehmer haben ihren Arbeitern erklärt, daß das Arbeitsverhältnis gelöst wer- den wird. Die Streikenden werden diesen„Bluff" nicht tragisch nehmen. Die Streitlokale befinden sich für den Osten bei Feyfara, Melchiorstr. 15(Moritzplatz 1548): für den Süden bei Blentle, Bopp- straße 1(Moritzplatz 19533): für den Norden bei Kerfin, Pankstr. 69 (Moabit 5344): für den Westen bei Petrie, Nehrmgstr. 9(Wilhem 1821)._ Die Doksdamer städtischen Arbeiter beschlossen in ihrer gestrigen Versammlung, von einem Gesamtausstand abzusehen und dafür von ihrem Lohneinkommen die streikenden Straßenbahner zu unter- stützen. Die Unterstützungsquote wird von den Organisationen fest- gesetzt. Dt« englischen Bergarbeiter haben in den meisten Bezirken die letzten Borschläge Lloyd Georges abgelehnt. Sie beharren auf ihrem Standpunkt, daß die Gewinne aus allen Bergwerken in eine gemeinsame Kasse fließen müssen. Bund der technische» Angestellten und«ennlten. Mitgliederversammlungen Freitag! Neukölln, Bllrgersäie, Bergstr. la, 71/, Udr— Zentrum-Siideil. Alexand- rlner. Meiandrinenstr 37, 7'/, Uhr.— Oberschöneweide, Hubertus, Edison-, Ecke Waidstr., 7V, Uhr.— Osten II, Logenkastno, Knorrpromenad« 2, 7>/, Uhr.— Pots- dam-Nowawe«, Zum Miihlenparh Neubabelsberger Str.. 7>s, Uhr.— Schöncberg. Ebershof, Ebersstr. 68, TU Uhr.— Südosten, Grünauer Garte», Grünauer Str. 14, 7l/i Uhr.— Tempelhok, Castno- Restaurant, Temoclhof. Berliner Str., 7V, Uhr.— Weißense«, Spatenbräu, Berliner Allee 23?. TV, Uhr. Wirtschaft Einfuhrbeschränkung— wirtschaftliche Materialausnutzung. Im Zusammenhang mit den Erörterungen über die ungeheuer schwierig« Erfüllung der uns auferlegten Reparationsleistungen wird mit Recht gefordert, daß wir mehr noch als bisher die Einfuhr nach Möglichkeit beschränken, und daß wir olle Kräfte anspannen müssen, um die gewerblichen Betriebe und das uns zur Ver- fügung stehende Material rationell und restlos auszu- nützen. Insbesondere wurde verlangt, daß eine Organisation gebildet werde, die sich die rationelle Ausnutzung der Rohstoffe und Materialien und die möglichst weitgehende V«brettung dieser Be- strebungen in der Industrie zum Ziele fetzt. Hierzu wird von zuständiger Seite demerkt, daß da» Reichs- wlrtschaftsmtnisteriumfeit langem diesen Fragen besonder« Beachtung schenkt. Es sind mit Unterstützung durch Reichsmittel fett Iahren größere Aufgabengebiete in Bearbeitung. Di« Inangriff- nähme der Rationalisierungsarbetten und organisatorischen Maßnahmen wurde dadurch vereinfacht und beschleunigt, daß bereits Körperschaften bestanden, deren Arbeitsprogramm in der Hauptsache auf die Erreichung dieser Ziele eingestellt war. Der Verein Deutscher Ingenieure und mehrere angeschlossene Körper- schaften haben sich die Hebung der gewerblichen und industriellen Produktion zum Ziel gesetzt nach folgenden Richtlinien: 1. Sparsam st es Umgehen mit unseren Roh- st off- und Energievorräten, 2. weitestgehende Verwendung nationaler Roh- stoffe: deren wirtschaftlichst« Gewinnung, Aufbereitung und Ver- arbeitung: sparsamstes Umgehen mit teuren Einfuhrstoften, 3. Wirkungsvollste Ausnutzung aller Produkttonsmittel, 4. Anwendung der Normalisierung, Speziali- sierung und Typisierung ohne Beeinträchtigung der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung, 6. Verbreitung der Grundsätze wissenschaftlicher Be- trtebsführung, 6. Erziehung des Menschen als Produktionsfaktor zum wirt- schaftUchen Denken und Handeln. . Zur Erhaltung unserer Wettbewerbsfähigkeit wird asio neben der rationellen Rohstoffausnutzung, d«' weitgehenden Verwendung ein« heimischer Rohstoffe und der Freimachung von ausländsichen Roh- ftoffbezügen mit allen Mitteln angestrebt, die Steigerung der Güto und die Herabsetzung der Kosten der Erzeugnisse im Handwerk und in den verschiedenen Industriezweigen zur Durchführung zu bringen. Zur zusammenfassenden Bearbeitung aller dieser Fragen hat das Reichswirffchastsministerium im Jahre 1929 einen Reichskom- missar für gewerbliche Wirtschaft«ingesetzt. Um diese aus dem Wirtschaftsleben herauswachsenden Aufgaben der Selbst» Verwaltung zu übergeben, wird an dessen Stelle in den nächsten Wochen ein aus führenden Männern des Wirtschaftslebens, Parlamentariern und Behördenvertretern zusammengesetztes„Reichs- turatorium für Wirtschaftlichkeit in Industrie und Gewerbe" treten. Heber die Wirkung der Sankkonen im bergischeu Lande wird den PPN. geschrieben: Im bergischen Lande besteht bekaunllich ein lebhafter Veredelungsverkehr von und nach dem besetzten Gebiet, der sich auf das Färben von Texttlwaren bezieht, und ein Ausbesse- rungsverkehr(Feilenschleiferei). Durch die Errichtung der Rheinzoll- grenze ist eine Versendung derarttger Waren, die zweimal die Zollkontrolle überschreiten müssen, infolge der überaus umständlichen Versendungsvorschriften unmöglich gemacht. Der Industrie, die schon jetzt unter einer umfangreichen Beschäftigungslosigkeit leidet, wird dadurch eine weitere Möglichkeit genommen, ihre Arbeiter zu beschäftigen, so daß mit einer weiteren Vermehrung der Arbeits- losenzahl unbedingt zu rechnen ist. Auch für andere Sendungen hat sich die Konttolle an der Rheinzollgrenze als derartig hinderlich er- wiesen, daß ein ganz erheblicher Rückgang in solchen Sendungen eingetreten ist, ganz abgesehen von der erheblichen Verteuerung der Waren infolge der Verzollung. Die Verzögerung der Bahn- und Postsendungen nehmen von Tag zu Tag zu, da die Erteilung der Ein- und Ausfuhrbewilligungen der Dienststelle in Bad Ems schwer zu erhalten ist. Auf gezogen» Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefulleo, und zwar 1» einer auf die Lose gleicher Nummer ia veu belvem Abteilungen I unb N LH« Gewähr. Nachdruck verdate», In der Lormittagiziehune wurde» GewKme wer 290 Mark gezogcu, 3 ZU 40000 äl 30003 J« zu 1060« U 3642 33634 7(517 112181 201818 6 zu 6000 M 21418 62301 184(18 88 zu 300« H 8364 8643 12407 12865 26(75 33411 86771 48845 63818 64385 67472 59(08 69279 77236 79694 81127 83767 97428 99542 105135 108887 116171 117427 118480 119148 11681( 132483 161123 162788 U1428 167716 176962 176133 178027 180342 188812 191294 199246 199652 210868 218384 228180 231644 335633 198 ZU 1800 M 6016 6287 8905 9382 9674 16318 17810 17848 21155 21838 25008 36624 27786 29047 29368 37808 40370 43797 47508 62019 52818 62049 6-972 68868 69017 69428 60331 60656 61417 71878 75682 76030 76727 7801» 80482 83362 86918 87973 90239 92353 100123 101832 102900 104478 106761 107808 1'6842 117689 118379 118988 121981 125866 137453 137810 139338 140047 144784 146842 147027 148579 160897 160905 162778 163749 167352 16100« 188205 168731 169189 176244 179122 182147 183678 183716 184668 187168 1878(1 189878 194008 194723 198291 19((70 198345 200749 202937 204318 306044 216272 223008 224812 226101 226103 228071 229774 232030 236130 239438 239934 278 Z 600 M 6429 7593 8383 8690 11466 13601 14868 14959 15480 15748 18412 17878 20814 20748 23127 23956 24880 29069 32985 85692 36983 38289 39689 40(63 43683 4(874 44059 48121 49261 47733 48111 49209 49781 61623 53291 53893 67304 68813 69700(1880«3118 8893» 70662 71501 72028 72089 73600 75297 78328 78756 7796 0 78462 86097 87720 88016(1172 63266 951,8 96229 97115 102796 106114 105471 1064(0 1087X4 100943 107350 107367 110856 111301 115443 116523 11634» 120849 121,83 1,43,8 1,4404 126615 125734 126979 128442 128681 129460 129990 131823 131(33 132868 134693 138674 137035 137717 140645 144138 144(63 160010 152617 163844 160(07 1(«589 1(6001 168240 180426 171018 171368 174636 176361 177484 178639 182188 1(9651 190932 191742 194619 196916 108219 2021(4 203865 205837 206272 208263 203303 209614 212264 213846 216334 21((3( 218782 2181(7 218386 220467 221099 221748 222472 2282(7 228664 233020 237176 238387 239419 I» der Nachmittagszieh mig wurd-u Gewbme wer 390 Mark gezoge», 2 zu 60000 H 160748 4 ZU 30000 M 166706 Z2I627 9 zu 1 0000 M 103270 4 ZU 6000 M 73300 207986 118 zu 3000 U 2263 6973 11(94 16848 17081 25340 34303 47888 49868 66496 66687 68 1« 66091 71627 79928 87461 91307 100900 104042 106668 107271 107819 109638 112984 113987 119478 127823 129088 137631 140276 144828 145197 145291 149019 162123 166738 161669 161805 163028 170929 174432 178398 180687 180688 183091 192108 198448 204123 204748 206812 208231 211913, 17446 226687 232184 234042 2361(6 238913 192 zu 1(00 M 2940 4178 148(4 16624 19316 21888 24792 28643 31003 37791 40416 42(03 439(3 48458 49061 51111 61371 68451 60309 64485 66686 68098 68168 68718 69374 7i623 76332 75380 79851 84337 88275 86360 38189 88608 88(16 69687 97480 96961 103683 103801 108633 109300 111477 111902 117652 117970 119433 119676 126210 126980 126406 126849 128300 129697 134470 139108 142338 142643 143080 166410 16683» 168810 160664 162627 187206 184590 186522 185966 186461 186760 188037 189716 191691 198254 198944 199088 190127 199617 201614 202174 204278 205811 207697 208948 212027 214026 222138 224192 224591 228007 229369 230767 235138 236166 237636 238290 240 ZU 60» M 160 1864 18X3 3813 5482 7267 11622 16867 18391 19881 21131 2(841 2(308 29921 30662 31692 33264 33799 37227 47428 49734 60888 63491 66728 56350 67726 68911 61974 62917 66821 67194 69367 70609 74206 7660» 76907 77217 78619 78987 80182 0,222 95999 96690 i 01500 102876 102749 106716 111812 112714 113764 114633 116656 116897 117163 118898 119762 120282 121232 124036 126088 126737 133644 136206 143612 146222 146262 147823 160596 162641 166498 166816 169000 164600 166718 167763 168663 169177 1739(1 174837 176098 176289 176993 178600 170188 181901 181905 186039 187646 189343 191143 191298 192647 196890 200362 206969 207100 207630 209862 209947 210968 312677 213699 914964 216499 217739 218696 219322 220226 221167 222469 223218 227761 936303 228619 229964 232901 333495 335224 237942 237981 Berantw. für den redalt. Teil: Dr. Weruer Petfcr, Eharlottenburg: für Anzeigeu: Th. Glucke. Berlin. Verlag: Lorwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vor- «ärls-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Bau! Singer». Co.. Berlin. Lindeustr. 3. Gewinn-Auszua 17. Preutz.- Südd.(243. Preust.) Klassen- LoKerk«! 5.»l-il«. 19. Ziehuugstug. 1. Juni 1921. Hauptsitz: Stockholm Eigenvermögen: 5000000 schwed. Kronen Svenska Ekonomiaktiebolaget Z veignieder lassung: Berlin NW 7, Unter den Linden 68 a T eltgrammadrmse. Fernsprecher: Scbwedeabaak BerHn Zentrum 12811 and IS 14 T" L An Teiliahlunr. 5 J.Garant. Kronen 18M. Plomb l/innfl tl 3,— J Zahnziehen tn.Einspr, höchst schmerz- *•011110'■' a" lind. Umarb. schlechtsitz. Gebisse. Re». sof Zahnarzt W o 1 1. Patsdaner Str. 53, Hochb. Sprechz. 9-7 Nutzeisen jeder Art: P M- I Rund-, Flach-, Quadrat-«. Bandeisen, Gas-Siede-Rohre, T-Träger n.(1-Eisen, Feldschmieden«nd Ambosse I sofort ab Lager lieferbar Felix Kobis, BerilnC.2S. Dircksenstr. 12, | Maritzpiatz 12072. Sit Boitairestraße. 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