fte.16» ♦ ZK.�tchrgakg flusgabe B Kr. 12$ BezngSpre»st MertelMrl. 39,— SDt, Monat l. 10,— St frei ins Haus, voraus zal,Idar. Poft- fcenUg: Monatlich 10,— M» einschl. 8»- strllungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, das Saar- und Memelcicbiei, sowie dkb ehemals beut- fchen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M,, für das übrige Ausland 27,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschelho- Slowakei, Däne» mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilage„Boll und fjeit", der Unterhaltungsbeilage �ennwelt� und der Beilage„Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat ScrkW* Abend Ausgabe Devlinev Dolksblstt (20 Pfennig� AnzeinenpretSi ®it»chtgespalten» Ronvareillezetl» tostet bchv M,„»loin« Anzeig««� das fettgedruckte Won IÄ) M.(zu- lässig Iwet teNgedruckre Wortex sede, weitere Wort l.— M. Stellengeluch« und Schlafstellenan, eigen da» erste WlN» U— DU lede» wettere Won K) Dsg. Wone über Id Buchltaden zählen für zwei Wone. isannlien-An- zeigen für Abonnenten sseile 3.— M, Die Preise verstehen ficki einschliehlut Teuerungs.zuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauvtgelchäst, Berlin EW 68. Linden. straste 8. abgegeben werden. GeSfine« van S Ubr iruh bis 5 Uhr abends Zentralorgan der rozialdeniokratifcben parte! Deutfcblands Reüaktion und Expedition: SW SS, Lindenste. Z Ki'rAtvve'rkiot»» Redaktion Morivplah FZtgs— 97 »hrrliiyrrairr. M>mt#latz 11753-54 Sonnabend, den 4. Juni 1931 08538 VonvärtS'verlag G.m.d.h., EW SS, Lindenstr. Z Äeernkvt'-'okor-- Verlag- Exvedition und Inseraten. Abteilung Morttzplah 11753-54 Frankreich wünjcht Englanös /lllianz. Nach emer Haager Meldung des„B. T." hat der ameri- kanische Rheinlandkommissar Pierpont B. N o y e s in einem Vortrag England und Amerika eindringlichst vor dem franzö- fischen Militarismus gewarnt, der unausgesetzt auf die Be- setzung des Ruhrgebiets ausgehe, um dann die Hand an der Gurgel der gesamteuropäischen Wirtschaft zu halten. Wir er- halten nun folgende Meldung über französische Bestrebungen nach einem Bündnis mit England— o, Wilson, wo sind deine Punkte!—, das freilich vom französischen Zivil standpunkt aus ganz anderen als Eroberungszwecken dienen soll. Aber man weiß ja, wie die Vertragsbindung trotz allen Friedens- absichten bei der Gründung in der Hand späterer Kriegs- Politiker wirken kann. Paris, 4. Juni.(EE.) Der tschechische Außenminister Dr. Bs- n e s ch er kt arte einem Londoner Telegramm der„Chicago Tribüne" zufolge, daß eine dauernder Frieden in Europa nur hergestellt wer- den könne, wenn eine neue Entente zwischen Frankreich und England abgeschlosien würde. Diese Meldung der„Chicago Tribüne" deckt sich mit Informa- tionen, die Philipp M i l l e t bereits vor einigen Tagen im„Peti: Parisien" veröffentlichte. Danach scheint Dr. Benesch von der sran- zösischen Regierung in Aussicht genommen zu sein, in London zu sondieren, wie man sich dort zu einem französisch-englischen Bund- nisvertrag stellen würde. Millet spricht auch heute wieder im „Petit Parisien" über diese Angelegenheit und führt aus, daß man zwischen Frankreich und England nicht nur Abmachungen bezüglich Oberschlesiens treffen müßte, sondern ein für allemal die Haltung der beiden Länder in allen Punkten der auswärtigen Politik regeln sollte. Man habe Anlaß zu glauben, daß innerhalb des englischen Kabinetts sich eine Strömung geltend mache, die dieselben Absichren verfolge. Frankreich werde England nicht nur in der Frage der Dominions, sondern namentlich im Orient beistehen. In Asien und in der Levante brauche England die französisch« Unter- stützung. Dafür wünsche aber Frankreich von England auf dem europäischen Fe st lande unterstützt zu werden. Frankreich suche hier keinerlei Abenteuer. Es habe große Mäßigung bewiesen, als es nicht in das Ruhrgebiet eindrang. Allerdings habe Front» reich gewisse Forderungen, namentlich die Aufrechlerhaltung der Sankkionen am Rhein, doch das werde sich an dem Tage ändern, an dem Deutschland sich seiner Verpflichtungen gegenüber Frankreich vollkommen entledigt. An diesem Tage werde Frankreich bereit sein, sein Bestes zu tun, um die Aufgabe der deutschen Regierung zu erleichtern. Jede andere Politik würde von der großen Mehrheit des französischen Volkes verurteilt werden. Aus diesen Ausführungen, die zweifellos offiziös inspiriert sind- ersieht man deutlich, daß sich die Politik des Kabinetts Briand gegen- wärtig in der Richtung bewegt, einen Bündnisvertrag mit England zu erhalten, damit es den Franzosen sagen könne, die Sicherheit Frankreichs sei durch England gewöhrleistet und deshalb könne sich auch die französische Politik gegenüber Deutschland anders orion» tieren. Frankreich würde im Besitz des Allianzoertrages mit Eng- land vermutlich ii4 der Lage fein, gewisse Forderungen politischer und militärischer Natur gegen Deutschland fallen zu lassen. Ein prinzipieller Widerstand Deutschlands brauche wohl kaum in Be- tracht gezogen zu werden, da ja doch Deutschland keinerlei Angriffs- absichten gegenüber irgendeiner Macht heg«. Wenn also das Bünd- nis zwischen Frankreich und England zustande käme, so brauchte nach französischer Aufsassung von Deutschland kein Einspruch dagegen erhoben zu werden. Zu den Schlußsätzen ist zu bemerken, daß Deutschland gegen Bündnisse nur dann Einspruch erheben kann, wenn sie der Völkerbundsakte widersprechen; der Nacyweis, daß dies der Fall, ist, wird nicht so leicht zu führen sein. Was aber die Ausführungen Millets über die Sanktionen betrifft, so lassen sie den Schluß zu, daß die m i l i t a r i st i s ch e Richtung in Frankreich noch immer die Macht hat, diese völkerrechtswidrigen Maßnahmen aufrechtzuerhalten. Dabei werden sich aber alle einsichtigen Politiker Frankreichs selber sagen müssen, daß es in Frankreichs eigenem Interesse liegt, von sich aus das Rechte zu tun und sich nicht erst von anderer Seite dazu nötigen zu lassen. Wer für die Zukunft ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich wünscht, der muß auch wünschen, daß diese Angelegenheit zwischen Deutsch- land und Frankreich im Sinne des Rechts geregelt wird. Das bedeutet aber schleunige Aufhebung der Sank- tionen._ Bewertung unserer �anöelsflotte. Paris, 4. Juni.(EE.) Die Rsparotionskommifsion ist mit der Bewertung der von Deutschland abgelieferten Tonnage noch nicht fertig geworden. Die deutschen Vertreter wünschen, daß für die Tonnag« der gleiche Preis veranschlagt werde, wie er zur Zeit des Waffenstillstandes auf dem Weltmarkt bestand, d. h. 4M— 500 Dollar pro Tonne. Im Kohlenabkommcn von Spa„einigte man sich dar. auf, daß die Bewertung der deutschen Schiffe noch den bei dem Verkauf erzielten Preisen zu erfolgen habe. Diese Preise be- wegen sich nun zwischen 50 und öv Dollar pro Tonne, Die Schiffe „Imperator und„Bismarck wurden kürzlich von der englischen Regierung für Millionen Pfund verkauft. Der amerikanischen Regierung wurden für den stüheren deutschen Dampfer„Vaterland" 200 000 Dollar angeboten. Eine Streitfrage zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten besteht auch noch bezüglich der Be- Zahlung der 600 000 Tonnen deutschen Schiffsraums, die während des Krieges in den Vereinigten Staaten beschlagnahmt wurden. Andererseits müsse ober die deuffche Regierung 100 000 Tonnen be> zahlen, die Amerika gehörten und während des Krieges von Deutsch. land oersenkt wurden. Der amerikanische Kongrß hat beschlossen, für die m Nord- amerika beschlagnahmten deutschen Schiffe nichts zu zahlen. Bmsrikas ßrieöenssthluß. Vashingkon, 4. Juni.(MTB.) Der Ausschuh des Repräfen- tantenhauses für Auswärtige Angelegenheiten beschloß, dem Hause die Resolution Porter zugehen zu lassen, die die Aufhebung des Kriegszustandes zwischen den Vereinigten Staaten und Deuffchland und Oesterreich vorsieht. Diese Resolution soll an die Stell« der Resolution Knox treten. Porter, Vorsitzender des Ausschusses, er- klärte, feine Resolution werde dem Repräsentantenhause in der nach- sten Woche zu sofortiger Beratung unterbreitet werden. P!eß wieöer polenfrei. Kaklowih. 4. Juni.(MTB. Die Stadt Pleß ist auf direkten Befehl der JA. erneut der interalliierten Verwaltung unterstellt worden. Die gestern abgezogenen französischen Alpenjäger versehen wieder ihren Dienst. Die verschleppten Bürger sind zum größten Teil zurückgekehrt. Auch Abg. H a r t m a n n(Dn.), Chefarzt eines Knoppschafts- lazaretts, ist wieder frei. Der Uebermut der Korfanty-Leute vor Kattowitz veranlaßte sie, einen französischen Transport an der Stadtgrenze anzuhalten. Roch einigen nutzlosen Schreckschüssen stürmte die französische Besatzung die Polenbarrikade. Getroffen und zum Teil sogar getötet wur- den natürlich wieder einige Zuschauer. 83 Mann und 4 Offiziere vom Selbstschutz, die auf tschechoslowakisches Gebiet abgedrängt und in Pardubitz interniert worden waren, sind von dort spurlos verschwunden. Zur Verhinderung pol- nischer Spionage hat die Tschechoslowakei den Fernsprechverkehr mit Pol«i(Galizien) unterbrochen. Der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph" erklärt, daß die Haltung der deutschen Verteidigungstruppen beunruhi- gend sei. Im Namen des Generals v. Hoefer habe Herr v. Moltte erklärt, wenn die gegenwärtige Lage nicht sofort gebessert werde, so könnte General o. Hoefer ein neues Vorrücken feiner Leute nicht verhindern und er habe dann die Verpflichtung, einzudringen. * Ausständische beschossen die Häuser von Kasel aus Maschinen- gewehren, überschütteten Selbstschutzstellungen und plattes Land mit Munitionsmassen und zerstörten wieder die Drahtleitungen. Die Engländer halten noch immer vor Groß-Strehlitz, in dessen Nähe Korsantys Kulturbringer ein Schloß angezündet haben. Lenins wanülung. Paris. 4. Juni.(EE.) Aus Washington wird gemeldet, daß das Staatsdepartement eine Botschaft Lenins erholten habe. worin dieser mitteilt, in der Politik der Sowjetregierung seien grundlegende Veränderungen eingetreten.(Mit Vorbehalt wiedergegeben. D. Red. d.„V.".) Reval, 4. Juni.(WTB.) In seiner Rede am 27. Mai auf dem Volkswirtschafts-Sowjetkongreß erklärte Lenin, Zweck des Kon- gresses sei die Feststellung dessen, welche Wirkung die neue Wirt- schaftspolitik im Lande hervorgerufen habe. Die Konzessionen an die Bauern seien nötig gewesen, damit die Großindustrie erstarke. Die Konzessionen seien gemacht worden, um den Soziaiismus zu erhalten und die Gefahr der Wiederkehr der Kapitalisten und Gutsbesitzer abzuwenden. Notwendig sei«ine Diktatur für die Lebensmittelversorgung. Mit dem Zentraloerbande der Koopera- tiven sei ein Vertrag geschlossen worden, wonach alle Waren in die Kooperative geleitet werden. Diese haben sür das Proletariat und nicht um ihrer selbst willen zu existieren. Es habe sich erwiesen, daß in getreidereichen Gouvernements die Bauern zweimal so viel oerbraucht hätten, als sie durften. Solchen Mißständen muß di: Lebensmittel-Diktatur vorbeugen. Ohne Zwangsmittel kann man nicht auskommen._ Südslawische„Grenzmanöver". An der Grenze von Kärnten finden sogenannte Grenzmanöver der Jugoslawen statt. Man glaubt, daß es sich um eine politische Demonstralion der Jugoslawen gegen die Anschlußbewegung handelt, deren volle wirtschafi- liche Berechtigung selbst schon von tschechischen bürgerlichen Blättern anerkannt wird. Graf Oppersdorf, der bekanntlich aus Oberschlesien einen mLo- nomen Kleinstaat machen wollte, ist zurzeit in Pari? und Hot dort Verhandlungen mit Cambon und mit dem Kabinettrchej des Mi- nifterprästdeirten gehabt. Wer wollte den Januarputsch l Die ganze Arbeiterbewegung hat ein Lebensinteresse daran, von der Krankheit des Putschismus ge- heilt zu werden. Dazu aber ist die Aufklärung der ge- schichtlichen Tatbestände unentbehrlich. Wir verösfenl- lichen daher gern die folgende uns zugegangene Erklärung von Heinrich Laufenberg und Fritz W o l f f h e i m mit dem Bemerken, daß wir selbstverständlich auch der Gegenseite gleiches Recht zu gewähren bereit sind. Wir wollen nichts als d i e W a h r h e i t! Red. d.„Vorw.". Fast die gesamte Arbeiterpresse Deutschlands greift Be- houptungen auf, die Dr. Paul L e v i nach seinem Ausschluß aus der VKPD. der Oessentlichkeit unterbreitet hat. Leoi ver» sucht den Anschein zu erwecken, als ob die Erhebung eines Teiles der Berliner Arbeiterschaft im Januar 1919 gegen die damals bestehende Regierung aus die Politik Karl Liebknechts zurückzuführen sei, während Leoi gemeinsam mit Rosa Luxemburg und Leo I o g i ch e s die heftigsten Gegner der Taktik Liebknechts gewesen seien. Er behauptet nach den im„Vorwärts" veröffentlichten Auszügen das Fol- gende: Und, Genosse Meyer, Sie waren, glaube ich, nicht mehr zu- gegen, aber ich denke, Genosse Pieck war bei jener Sitzung in der Puttkamerstraße, als wir mit Karl Liebknechts Haltung in Wider- spruch kamen! Sie erinnern sich, wie Karl Liebknecht widerspenstig war, und Sie erinnern sich, wie Leo Iogiches damals es war, der den Dorschlag machte, noch jetzt, während der Aktion, eine scharfe Er- klörung in der„Roten Fahne" zu veröffentlichen, die von Karl Lieb- knecht ganz deutlich abrückte, die einfach erklären sollte: Karl Lieb- knecht vertritt den Spartakusbund nicht mehr bei den revolutionären Obleuten. Sie wissen genau, wie ablehnend Rosa Luxemburg dem Verhalten Karls gegenüberstand, und wissen, wie scharf ihre Kritikwar.... Und ich glaube, Genosse Pieck, Sie werden es auch wissen, daß die Genossin Rosa Luxemburg damals sogar den Gedanken hatte, es könne nicht mehr lange gehen mit Karl Liebknecht zusammen, so scharf lehnte sie sein verhalten damals ab.... Paul Leoi ist vorsichtig. Er beruft sich auf drei Zeugen, die tot sind, und zwei, von denen ihm selbst zweifelhaft er- scheint, ob sie dabei waren. Seine Gedächtnisschwäche ist so stark entwickelt, daß er sogar die Puttkamer- mit der Anhalt- straße verwechselt. Aus einer genauen Kenntnis der damaligen Situation erklären wir: Nicht nur Rosa Luxemburg, sondern auch Karl Lieb- knecht war ein Gegner derIanuar-Erhebung. Die einfache Feststellung der Tatsache, daß beide für die Be- teiligung der Kommunistischen Partei an den Ianuar-Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung eintraten, beweist, daß sie nicht zur gleichen Zeit einen bewaffneten Aufstand gegen die provisorische Regierung und damit gegen den Zu- sammentritt der Nationalversammlung vorbereiten konnten. Karl Liebknecht ist grundsätzlich am 9. November bereit ge- wesen, in die provisorische Regierung einzutreten und hat sich durch den Widerspruch von Rosa Luxemburg und Leo Iogiches beeinflussen lassen, seine ursprüngliche Zusage zurückzuziehen. Die Ianuarerhebung, die sich gegen die Amtsentsetzung des damaligen Berliner Polizeipräsidenten, des Unabhängigen Eichhorn, richtete, war in ihrer Entstehung nicht eine Sache der Kommunisten, sondern eine Parteiangelegenheit der Unabhängigen, mit denen bis kurze Zeit vorher ohne das Zuwn Karl Liebknechts, aber im Einklang mit den Forderungen Rosa Luxemburgs und Leo Iogiches' der Spar- takusbund organisatorisch verbunden gewesen war. Eine bewaffnete Erhebung in jener Situation, gleichgültig aus welchem Anlaß sie entstand, richtete sich in ihrer Wirkung zwangsläufig gegen die bestehende Regierung. Wenn Karl Liebkneckt, nachdem er wider feinen Willen in diese Erhebung hineingerissen war, ihr den einzig möglichen konkreten politischen Inhalt zu geben ver- suchte, so tat er dasselbe, was Rosa Luxemburg und Leo Io- giches auch taten und handelte damit nach dem Grundsatz Lassalles: aussprechen, was ist. Ob und wieweit taktische Differenzen in der Bewertung der jeweiligen Togessituation zwischen den drei führenden Persönlichkeiten bestanden, ist für ihre allgemein- politische und theoretische Einstellung völlig belanglos. Man mag die bei ibnen bestehende politische und theoretische Ein- stellung grundsätzlich ablehnen, wie wir es taten, an der Tat- fache, daß Karl Liebknecht, genau wie die anderen, eine zwar falsche, aber klare politische Richtlinie verfolgte, kann für keinen Beurteiler, der nicht persönliche Sonderzwecke verfolgt, der geringste Zweifel bestehen. Wenn aber feststeht, daßdiedreioffenenFührer der damaligen KPD. in Berlin Gegner der Ja- nuar-Erhebung waren, wer sorgte dann hinter den Kulissen dafür, daß die Berliner Kommunisten zwangsläufig i n d i e USP.-Katastrophe hineingerissen wurden? Und wer hat dann im Einklang mit dieser Taktik dafür gesorgt. daß die Kommunisten in München, wiederum * gegen den Willen und die Einsicht ihrer lichen Führer, in die Leitung des von vorn- herein zum Zusammenbruch verurteilten R ä t e e x p e r i m e n t e s hineingetrieben mur- d e n? Damals war Karl Liebknecht ebenso tot wie Rosa Luxemburg und Leo Iogiches— der lebende Erbe aber dreier toter Führer war Dr. Paul Levi! Dr. Paul Levi übernahm die Erbschaft nicht ohne die intimste Kenntnis der nun offen von ihm zu verwaltenden Erbschaftsmasse. Er war es, der unmittelbar vor der Revo- lution jene verkommenen Gewalthaufen zu schaffen begonnen hatte, die als„Roter Soldaten- bund" nach seinem' eigenen späteren Eingeständnis bis zu 60 Pro z. von Lockspitzeln durchsetzt waren. Karl Liebknecht saß im Zuchthaus, Rosa Luxemburg im Gefängnis, Leo Iogiches in Schutzhaft, als Paul Levi gegendenein- mütigen Willen aller revolutionären Grup- Pen seinen berüchtigten Aufruf zur Massen- desertion an die Front versandte, in welchem den Herren Deserteuren angekündigt wurde, in der Heimat„würde für sie gesorgt". Nur die Zusammenfassung und Finanzie- rung seiner Lumpengarde hat das Abgleiten der Revolution in den bewaffneten Kampf der Arbeiter widereinander und die kapitalistische Restauration ermöglicht. Was bezweckt dieser Mann mit seinen plötzlichen Ent- deckungen? Er wittert das Kommen der„r e i n s o z i a l i st i- s ch e n Re g i e r u n g"— und wünscht dabei zu sein. Es ist nicht unseres Amtes, den parlamentarischen Arbeiterparteien Ratschläge zu erteilen. Langjährige Führer der deutschen Ar- beiterbewegung in diesen Parteien werden selber wissen, wie sie einen Menschen vom Schlage des Dr. Paul Levi zu werten haben. Hamburg, den 3. Juni 1921. Heinrich Laufenberg. Fritz W o l s f h e i m. Der§all Nissen. Der Hauptredner der Skagerack-Feier, Oberbootsmanns- maat N i s s e n, ist am gestrigen Tage im Polizeipräsidium ver- Nammen worden. Er bestreitet entschieden, die in dem Versammlungsbericht der„Freiheit" wiedergegebenen Aeuße- rungen getan zu babest und beruft sich dabei auf das Zeug- nis verschiedener Teilnehmer bzw. Mitglieder des Vorstandes der� Versammlung. Diese stehen Nissen natürlich restlos bei. Aus der anderen Seite ist der Lokalberichterstatter der„Frei- heit",.K o h l e r, vernommen worden, der der Feier in der Singakade.'ne beiwohnte und von dem der Bericht im unab- hängigen Zentralorgan stand. Kohler versichert demgegenüber, daß er alle von ihni mitgeteilten Aeußerungen Nissen und der anderen Redner des Abends nicht nur gehört, sondern auch m i.t 9: e n o g r a p h i e r t habe. Auf die entlastenden Aussagen der von Nissen angeführten Zeugen, die selbstverständlich lauter Gesinnungs- genossen von ihm sind, unter anderem ein Major a. D., geben in i r gar nichts. Wir wissen aus Erfahrung, wie die Offiziere der alten Regimes, aus denen der Deutsche Offiziers- bund zusammengesetzt ist, zu schwindeln imstande sind, wenn es der„guten Sache" dienlich sein kann. Eine Krähe hackt be- kanntlich der anderen die Augen nicht aus. Auch berührt es eigenartig, daß kein einziges rechtsstehendes Blatt nach dem Erscheinen des Berichtes der„Freiheit" irgendeine Entgeg- nuna� sei es von Nissen, sei e's von einem anderen Veranstalter des Skagerack-Abends veröffentlicht hat, obgleich die betreffen- d-n Herren, wenn sie sich unschuldig fühlten, das größte Jnter- esse und logar die P f l i ch t gehabt hätten, von den ungeheuer- lichen Aussprüchen, die ihnen angeblich in den Mund gelegt worden sind, sofort und entschieden abzurücken. Auf das Leug- neu sind die Herrschaften offenbar erst gekommen, als die Ge- schichte brenzlsch zu werden anfing. Indessen ist, so wie die Dinge liegen, die ganze Angelegen- heit vom Polizeipräsidium pflichtgemäß der Staats- a n w altschaft übergeben worden. Wie wir hören, wird von dieser die Hoch verratsanklage erhoben, da- mit der Tatbestand in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung klargestellt wird. Der Fall Nissen wird demnächst vor das außerordentliche Gericht des Landgerichts I in Ber- lin kommen, das das Urteil zu fällen haben wird. Bismarck bleibt verboten! In der Klagesache des Verlages Cotta gegen den ehe- maligen Kaiser Wilhelm wegen Aufhebung seines Ein- spruches gegen die Herausgabe des dntten Bandes von Bis- marcks„Gedanken und Erinnerungen" wurde heute vom 10. Zivilsenat des Kammergerichts die Entscheid u n g gefällt, nachdem vor kurzem die mündliche Verhandlung voraus- gegangen war. Bekanntlich hatte das Landgericht I dem Ein- ipruch des Kaisers gegen die Veröffentlichung des dritten Bandes stattgegeben. Hiergegen hatte der Verlag Cotta als Kläger die Entscheidung des Kammergerichts angerufen. "Das heute vom Senatspräsidenten Dr. Queck verkündete Urteil lautet: Auf die Berufung der Klägerin s'Serlag Totta) wird das Urieil der 4. Zivilkammer vorn 3. Dezember 1920 dahin abgeändert: Es wird versiigk, daß die Klägerin berechtigt ist, die Briefe des Beklagten an den Fürsten Bismarck vom 14. lluli 1889 und die Briese des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, des späteren Kaisers Friedrich III., an den Fürsten Bismarck vom 17. August 1881 und vom 28. September 1886 als Bestaudleile des Werkes zu oerösfentlichen und gewerbsmäßig zu verbreiten. Die weitere Berufung wird zurückgewiesen. Die Kosten werden unter den Parteien gegenseitig aufgewogen. Im übrigen bleibt das Verbot bestehen. Bei den freigegebenen Briefen handelt es sich um den zweiten Stadtmissionsbrief des früheren Kaisers Wilhelm, dann um den Brief des Kaisers Friedrich, mit dem der Band beginnt, und um den Brief Des Kaisers Friedrich, der sich mit der Erhebung Badens zum Königreich beschäftigt. Der Kern des Urteils ist also die Aufrechterhal- t u n g des bisherigen Verbotes. Während das Ausland — insbesondere Holland und Amerika— durch ausführliche Auszüge aus Bismarcks Werk längst genaue Kenntnis seines Inhalts erworben haben, gilt in Deutschland der Wunsch des fahnenflüchtigen Exmonarchen als maßgebend, und Deutsch- land muh zum Gespött des Auslandes seine Informationen über Bismarcks Gedanken sich aus fremden Sprachen ins Deutsche zurückübersetzen! Hierbei ist besonders charakteristisch, daß das Verbot der Veröffentlichung von Bismarcks Erinne- ningen von einem Richterkollegium ausgesprochen wird, das sicher der ehrlichen Ueberzeugung ist, daß nur die mangelnde Kenntnis bismärckifcher Staatskunst uns in den„Fluch der Revolution" gestürzt habe!— Das schwächliche Kompromiß, das den Abdruck einiger Briefe freigibt, ändert nichts an der Tatsache, daß Wilhelm von Doorn als Sieger aus dem Prozeß hervorgegangen ist. Rechtliche, politische und künst- lerische Erwägungen hätte nzu einem entgegengesetzten Urteil führen müssen, das der politischen Einsicht ein besseres Zeug- nis ausgestellt hätte._ die ein so erdrückendes Material beibrachten, daß dessen Verlesung bzw. Berücksichtigung bei der Verhandlung vollauf genügt hätte, um die Richtigkeit der seinerzeit von Lehmann in dem genannten Artikel ausgesprochenen Behauptung über die Etappen- offiziere zu bekräftigen. Das Gericht lehnte jedoch die Beweisanträge als belanglos ab! Der Staatsanwalt beantragte 300 M. Geldstrafe. Der Vertreter des Nebenklägers be- antragte eine exemplarische Gefängnis st rase. Das Gericht erkannte auf 1000 M. Geldstrafe. Gegen das Urteil ist sofort B e- r u f u n g eingelegt worden. parlamentskretim'smus. Die kommunistischen Abgeordneten, die vor den Wahlen parla- mentarisch und nach den Wahlen antiparlamentarisch sind, benutzen die Tribüne des Reichstags, um auch von ihr aus den„proleta- rischen Klassenkampf" nicht nur gegen die bürgerliche Gesellschaft, sondern in erster Linie gegen die nicht kommunistischen Arbeiter- Parteien zu führen. Von der katastrophalen Wirkung der dreistün- digen Rede des gefürchteten Herrn H ö l l e i n auf seine näheren und weiteren Kollegen hatten wir bereits berichtet. Als nun Höllein im besten Zuge war und vor völlig geleertem Hause zwei Stunden gesprochen hatte, wurde ihm von einem Parteifreunde ein Zettel mit folgendem klassischen Inhalt heraufgereicht: Du mußt mal sagen: Ich komme zum Schluß! damit der klingelt. Und dann weiter reden! Wenn sie alle hereinkommen, Zur Erklärung dieses köstlichen Sprüchleins sei bemerkt, daß der Präsident des Reichstages gegen Schluß besonders langer Reden zur Informierung des Hauses das Klingelzeichen gibt. Aber die freund- schaftlichs Mahnung nützte nichts. Ob Höllein die Drohung aus- sprach, er komme zum Schluß oder nicht, wissen wir nicht: feststeht, daß der Präsident ihm nicht den Gefallen tat, die geflüchteten Ab- geordneten herbeizuholen, und daß Höllein seine Dreistundenrede un- gestört zu Ende halten konnte. Der Sankraub in Mettmann. Das beleiöigte Gstizierkorps. Frankfurt a. O„ 4. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorm.") Heute vormittag 10 Uhr fand vor dem Schöffengericht die Verhand- lung gegen den Lokalredakteur des„Frankfurter Volksfreund". Ge- nossen Kurt Lehmann, statt, der unter Anklage stand, das Offizierskorps in seiner Gesamtheit durch einen am 9. No- vember v. I. im lokalen Teil des„Volksfreund" erschienenen Artikel beleidigt zu haben. Lehmann hatte in dem betreffenden Artikel von einer schlemmenden und prassenden Ossiziersmeute hinter der Front „weitab von dem Schreckensschrei der Front" berichtet. Obwohl nur Etappenoffiziere gemeint waren, hat trotzdem der Deutsche Offlziersbund Strafantrag bei der Staatsanwalt- schast gestellt. Der Staatsanwalt ist dem Offiziersbund zu Willen gewesen. Als Nebenkläger trat u. a. ein General v o n H u t i e r auf. Infolge eines durch die sozialdemokratische Presse gegangenen Aufrufs nach Zeugen hatten sich zirka 1S00 Personen gemeldet, Elberfeld. 4. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Vor dem außerordentlichen Gericht hatten sich gestern einige Teil- nehmer an dem Bankraub in M e t t m a n n am 2. Osterfeiertage zu oerantworten. Es handelt sich um den Roller Woche, den Fliesenleger Schmidt und den Kohlenarbeiter Mahl, sämtlich aus Düsseldorf. Alle drei sind Mitglieder der Kommunisti- schen Partei. Aus den Verhältnissen der Angeklagten ist besonders bemerkenswert, daß der Angeklagte Woche es im Kriege vom ge- meinen Mann bis zum Vizefeldwebel gebracht hat, und, wie sein Verteidiger ausführte, ihm die Disziplin noch so in den Knochen saß, daß er den Befehlen seiner Partei blindlings Folge leistete! Der Bankraub ist mit militärischem Schneid ausgeführt worden. Der Angeklagte Schmidt stand trotz seiner 2S Lebens- jähre schon mehrmals vor Gericht und ist. bereits mit Gefängnis und Zuchthaus in Höhe von etwa 10 Iahren vorbestraft. Drei Jahre Zuchthaus hat er noch wegen schweren Diebstahls zu verbüßen. Es handelte sich bei ihm natürlich nicht um politische, sondern restlos um schwere Eigentumsvergehen. Von ihm behauptet der Ver- teidiger, daß er aus l a u t e r en und ernsthaften Motiven heraus gehandelt habe, da er„ehrlich bestrebt gewesen sei, an der Umgestaltung der politischen und wirtschastsichen Verhältnisse im Sinne der Kommunistischen Partei mitzuarbeiten." Wie diese Mit- arbeit aber in Wirklichkeit aussah, darüber ergab die Verhandlung ein eigentümliches Bild. Schmidt ist beobachtet worden, daß er bei dem Bankraub etwa 100 000 Mk. in die eigene Tasche gesteckt hat. Er ist dann in die Wohnungen der Polizeibeamten von Mettmann eingedrungen, die ihm von einer früheren Straftat her bekannt und verhaßt waren: ihre Angehörigen bedrohte er mit dem Revolver. Nach dem Raub von über 487 000 Mk. wurden die Angehörigen der„Roten Armee" gelöhnt. Verheiratete bekamen 200 Mk., Unverheiratete 100 Mk. Löhnung. Mit dem Rest ist ein gewisser I a e ck e l in Begleitung des Mahl nach Düsseldorf El Staatstheatee. „Stroh* von Hans I o h st.—„Die Fliege" von ß e o n■ hard S ch r i ck e l. Hans Iahst, einer unserer jüngeren Autoren, dessen eigenartig bizarres Grabbe-Drama und expressionistisch stilisiertes Werk„Der junge Mensch" früher über Berliner Bühnen gingen, zeigt sich in diesem neuen Stück von völlig anderer Seite. Seine in drei kurze Szenenbildcr gegliederte„Bauernkomödie" ist ein interessanter An- satz zu aktueller kecker Zeitsatire, leuchtet grell und schneidend ins moderne Schiebertum, wie es uns dos moralische„Stahlbad" des großen Krieges als glorreiche Erbschaft hinterlassen. Er nimmt in seiner Schilderung des Treibens habsüchtig verlogener Lumperei, das überall in allen Klassen wuchert, speziell die wackere, seit altersher ob ihrer Steuerscheu berufene Landwirtschaft aufs Korn, die in dem Kriege und dann später durch systematische Umgehung der Gesetze die Not des Volkes rentabel für sich ausmünzt. Die Solidarität spitzbübischer Praktiker, die gegen jede staatliche Kontrolle und For- dcrung eine geschlossene Phalanx bilden, wird in markanten, bei aller Kraßheit im wesentlichen doch nicht übertriebenen Zügen dar- gestellt. Im Haus des Müllerbauern wie auch sonst im Dorf herrscht trotz des Krieges eine innere Vergnügiheit, di» sich hinter dem üb- lichen Lamentieren über schwere Zeiten mühsam nur verbirgt. Hauptsache ist, die Summen, die man in sicherem Unterschlupf aus- gehäuft hat, wachsen unaufhörlich. Das Korn, das abgeliefert wer- den sollte, liegt wohl geborgen vor dem Auge des Gesetzes unter den Strohhaufen der Scheunen. Indes bei Angabe der Ernte hat jeder einzelne so stark gemogelt, daß die Behörde stutzig wurde und In- spektion in Aussicht stellte. Mit ernster Amtsmiene macht der Ge- meindevorsteher dem Müllerbauern Mitteilung von dem Schreiben. Er solle sich noch einmal überlegen, ob er nicht ein bißchen gor zu wenig angegeben habe und die Zahlen rechtzeitig revidieren wolle. Ein Ansinnen, das ungeheuere Entrüstung weckt. Wie kann man so was von ihm glauben? Und außerdem, warum soll gerade er der Dumme sein, der nun herausrückt? Die andern und der Vor- steher selber hätten es doch genau so gemacht. Mögen die Stadt- Herren nur kommen, sie werden nichts entdecken! Des Vorstehers offiziöse Hoheit schmilzt, so abgeblitzt, zu verständnisinnig schmun- ecladcm Wohlwollen. Es wird auch so schon gehen! Man wird doch nicht sein wohlverdiente? Eigentum sich mir nichts dm nichts aus den Händen winden lassen! Ein Schnaps hift der Erneuerung genossenschaftlichen Sinnes nach� Im zweiten Bild ficht man d>e Bauern des Gemeindevorstondes, wie sie nach der Beratung beim Glase Bier sich über die angesagte Untersuchung lustig machen. In dem Gemälde dieser hartgesottenen Unvernunft, die, wenn's ihr in den Kram paßt, jederzeit bereit ist, darauf zu schwören,' daß zweimal zwei gleich fünf sei, liegt viel treffende Beobachtung. Aber die Umsetzung satirischer Zustands- schilierung in Handlung kommt nicht in gleich prägnanter Weise heraus. Iohst läßt die wohlhäbigen Gauner von zwei zerlumpten Landstreichern noch übergaunert werden, was jenen ja vollauf zu gönnen ist. Doch bringt's die Prellerei bei ihren etwas kompliziert- unübersichtlichen Voraussetzungen zu keiner rechten Schlagkraft auf der Bühne. Es fehlt das überraschend Epigrammattsche. Die Darstellung schloß sich dem derb-naturalistischen, dem Schau- spielhause bisher ganz fremden Stile, den das Stück verlangt, mit überraschend glücklichem Gelingen an. Herr Pohl war der Müller- bauer, von den anderen wäre besonders Mannstädts Vorsteher, der junge Landstreicher Heinrich Wille? und Martin Wolf- gang als dessen älterer frömmelnd alkoholischer Kollege zu nennen. Den Abschluß bildete ein Posseneinakter von Echrickel, in dem Ernst Legal höchst amüsant-phantastisch nach Heinescher Simpli- zissimus-Art die Pedanterien, den trockenen Starrsinn und die orro- gante Selbstgerechtigkeit eines juristischen Würdenträgers karikierte. Eine in dem bestellten Bierseidel gefundene Fliege bildet den Aus- gangspunkt hochnotpeinlicher Rekriminationen, in deren weiterem Verlauf der Herr sich selber eine kompromittierende Abfuhr holt. Die famose schauspielerische Bravourleistung rief große Heiterkeit hervor. dt. „Woderner Dustverkehr in Wort. Film und Bild" war der Titel des Vortrogs, den Ingenieur Theo Rockenfeller in der Urania hielt. Besonders eingehend sprach der Redner über die Veränderungen und Verbesserungen auf dem Gebiete der Personen- und Postbeförderung. Die Fluggästc der Gebrüder Wright sahen neben dem Führer und hatten.mngenehmerweise" den Motor im Genick. Es wurde Bilder von den ersten Opfern der Flugtechnik ge- zeigt, und Zeitungsnotizen aus den Jahren 1910, 1911 und 1912 vor- gelesen. Dabei mutete es eigentümlich an, wenn in ihnen von einem glänzenden Flug berichtet wird, der 1 Min. 42�» Sek. dauerte. Unter den vielen neuzeitlichen Moschinen fiel ein aus Blech gebauter Junker- typ auf, der in Amerika viel verwendet wird. Ungeheuer waren die Anforderungen, die während des Krieges an unsere Wasserflug- zeuge gestellt wurden. Als man 1919 aus einigen uns zum Per- sonenverkehr verbleibenden Flugzeugen die Maschinengewehre her- ausriß und Kabinen einbaute, mußten die Fahrgäste sich noch mit dicker Fliegerklcidung schützend umgeben. 1921 aber wurden Pelz- stiefel überflüssig, der Passagier kann an Kleidung tragen, was ihm beliebt, und in den prächtig eingerichteten Kabinen ist dos Rauchen nicht bloß gestattet, sondern direkt erbeten. Als bedeutsame Neu- erscheinung sind auch die Sportflugzeuge anzusprechen, die mit Seich- tigkeit nach dem Flugplatz zu transportieren sind und, was von großem Vorteil ist, in einer Viertelstunde im mitgebrachten Zelt verpackt werden können.'Von dem wirklichen Stand des heutigen Luftverkehrs haben nur wenige eine Ahnung. Ereignet sich der geringfügigste Unfall, so liest davon jeder in der Zeitung, von den wirklichen Leistungen ober hört man selten etwas. Es wurden Entfernungen von Verkehrsflugzeugen zurückgelegt, die der Strecke KX> mal um die Erde gleichkommen und dabei ereigneten sich soviel Unfälle, daß gerade für 10 Pfg. Heftpflaster verbraucht wurde. Mit einer warmherzigen Aufforderung, der deuffchen Luftschiffahrt während der Zeit des durch die Entente erzwungenen Bauverbots beizustehen, schloß der Redner seinen überaus beifällig aufgenomme». nen Vortrag. Ein RIefcndenkmal entsteht gegenwärtig in Amerika, zwölf Meilen östlich von Atlanta(Georgia). Es wird, wie die„Umschau" mitteilt, nach Entwürfen und unter Leitung von Gutzon Vorglum ausgeführt und soll den für die Südstaaten verlorenen Bürger- krieg verewigen. Nicht weniger als 1000 Führer der Südstaalen werden aus einem Granilberge von£00 Meter Läifge und 330 Meter Hohe frei herausgearbeitet. Jede Figur ist 50 Fuß hoch und wird auf 8 Kilometer Entfernung zu erkennen sein. Am Fuß des Berges sind RuKmeshallen, Riesenanlagen und ein künstlicher See geplant. Gegen diese amerikanische„Besiegten-Allee" kann unsere Siegesallee — wie die Berliner sogen— freilich„nicht anstinken". Zsadora Dunran hat ihre Tanzbeine schon öfters in den Dienst der bohen Politik gestellt. Während des Krieges tanzte sie auf de» Straßen Athens, um die Griechen zur Teilnahme am Völker« morden— auf Seite der Entente— zu begeistern. Jetzt glaubt Sowictrußland in den griechischen Tänzen Jfadoras ein Mittel zur bolschewistischen Volkserziehung gefunden zu haben, und der Rat der Bolksbeauflragten bat durch Vermittlung KraisinS die Dame eingeladen, nach Rußland zu kommen, um in Moskau und PeierSburg Tanzschulen einzurichten. Jiadora, die das Land der Griechen mit der Sohle suchte, hat die Einladung angenommen und wird am 1. Juli die Reise nach Rußland antreten. Wie sie einem Interviewer deS„Matin" erklärte, hat sie von Kraffin, den sie als großen Slaatsmann bewundert, auch gar nichts anderes er- wartet. Er wie die anderen Mitglieder der Sowjetregierung hätten sich eben schließlich zu der Erkenntnis durchgerungen, daß eS eine sozialpolitische Notwendigkeit sei, der heranwachsenden Jugend den Tanz zu lehren.„Auf dem Tanz beruht das Leben", erklärt Jfadora Duncan mir Emphase.„Man lebt überhaupt nur. wenn man tanzt." Danach scheinen wir uns gegenwärtig auf der Höhe des Lebens zu befinden, denn nie hat man wohl so intensiv getanzt wie heute. Erstaufführung der Woche. Sonnabend: Volksbühne:„Die lange Jule." tlrania-Vorträge. Monlag und Dienstag:„DerSiegüberdie Kleidermotte durch Herstellung mottenechter Wolle." Mittwoch und Sonnabend:„Die Insel Rügen.' Donnerstag: .Moderner Luftvertehr." Sonntag und Freitag:„Der H a r z.' Sonntag, den 5., nachm. i'l,, zu kleinen Preisen:„Von der Zugspitze zum Watzmann.' Bernhard Rose, der bekannte Berliner Theaterlciler, bcabsichllgt, wie wir böre», am 1. September leine Dirctlion niederzulegen� Eamillo Hildcbrand, der frühere, langjährige Dirigent des Phil- harmonischen Orchesters, übernimmt vom Herbst ab die Leitung deS Blüthner-OrchesterS. Defichren. Nach oubtitu DRatBmiggn fall das Adrige(Bett die Kommunistisch« Partei erhalten haben. Bestimmtes war nicht zu ermitteln; jedenfalls ist das Geld nicht wieder gesehen worden. Das Gericht erkannte gegen Schmidt auf eine Zucht- Haus st rase von 7 Jahren, während W o ch e 4 Jahre Gefängnis erhielt. Mahl, der nur eine untergeordnete Rolle spielte und bei den Borgängen der Verführte war, erhielt 6 Monate. Gegen Schmidt wurde außerdem aus Aberkennung der bürgerlichen Ehren- rechte und auf Stellung unter Polizeiaufsicht auf die Dauer von 10 Iahren erkannt. Erzberger für üas Reichskabinett. Reichsfinanzminister a.D. Erzberger sprach gestern in einer stark besuchten Versammlung in Hamm über die politische Lage. Er for- derte die loyale Ausführung der Verpflichtungen des Ultimatums und schärfsten Kampf gegen alle Saboteure, da sonst die Einheit des Reichs gefährdet sei. Der neue Außenminister Dr. Rosen werde den Wasserkopf des Auswärtigen Amtes ganz erheblich verkleinern müssen und einen neuen Geist einführen. Das in Frankreich zutage getretene Mißtrauen gegen Rosen sei ganz unbegründet. Dunkle Kräfte suchten dem Reichskanzler Wirth die Arbeit zu er- schweren, doch diese Machinationen würden scheitern; eine Neuauf- läge des Kabinetts und der Politik Simons sei ganz ausge- schloffen, da sonst Deutschlands Untergang unabwendbar fei. Das neue Kabinett sei st a r k genug, um seine schwere Aufgabe zu er- füllen. Zum Schuß befaßte sich der Redner noch eingehend mit der R e p a r a t i o n s s r a g e. Das versenkte �ospitalschiff. Heute morgen begann vor dem Reichsgericht in Leipzig der vierte Kriegsverbrecherprozeß, der sich, wie von uns bereits mit- geteilt, gegen den Kapitänleutnant Karl Neumann richtet. Neu- mann wird beschuldigt, mit seinem U-Boot ein englisches Hospitalschiff versenkt zu haben. Die Zusammensetzung des Senats ist die gleiche wie in den voraufgegangenen Prozessen; den Vorsitz führt wiederum Senats- Präsident Dr. Schmidt. Dem Angeklagten steht Rechtsanwalt Dr. Hannemann aus Leipzig zur Seite. Die englischen und fran- zösischen Regierungsoertreter sind vollständig erschienen. Eine Zeugenladung ist bekanntlich nicht erfolgt. Die Derhand- lung wird sich hauptsächlich auf Erörterung völkerrechtlicher Fragen beschränken, hieran werden sich die Plädoyers schließen, so daß die Urteilsfällung voraussichtlich noch in den Nachmittags- stunden des heutigen Tages zu erwarten ist. Der Angeklagte, der zurzeit als Kaufmann in Breslau an- säfsig ist, wurde am 22. September 1887 in K a t t o w i tz geboren, trat 1907 bei der Marine ein, erhielt 1917 Beförderung zum Oberleutnant und wurde 1918 Kapitänleutnant. Er war dem Mittel- meergeschwader zugeteilt und befehligte das ll-Boot 57. Noch Eröffnung der Sitzung ergreift der Präsident zu fol- gendem Ausführungen das Wort: Nach der Anklage wird von der großbritannifchen Regierung gegen Neumann der Vorwurf erhoben, daß Sie Völkerrechts- widrig und mit besonderer Grausamkeit und. überdies ohne vorherige Benachrichtigung das englische Lazarettschiff„Dover Castle", ein Schiff von 1670 Tonnen, von Ihrem U-Boot tor- p ediert hoben. Es wird daraus geschloffen, sofern der Vorwurf des völkerrechtswidrigen Verhaltens begründet ist, daß Sie dadurch auch widerrechtlich sechs auf dem Lazarettschiff befindliche M e n s che n— Matrosen, Heizer usw.— getötet haben, und es wird angenommen, daß, vorausgesetzt, daß die tat- sächlichen Bedingungen gegeben sind, dann der Tatbestand des Mordes im Sinne des§ 211 des StrGB. vorliegt. » wie IV 23. bei Schluß des Dlafles meldet, wurde Reumann freigesprochen._ Bajuwarische Rohheilen. Auf den sozialdemokratischen Land- tagsabgeordneten Genosien Dr. S a e n g e r, der in einer Münchener Versammlung des reupblikanifchen Reichsbundes über„Die deutsche Hochschule und die Republik" gesprochen hatte, wobei in der Ver- snmmlung Unruhen entstanden, wurde auf dem Heimwege ein U e b e r f a l l verübt. Der Abgeordnete bekam von hinten mit einem schweren Stock heftige Schläge über den Rücken. Es gelang nicht den Angreifer festzustellen, da dieser noch drei oder vier Leute zu seiner Unterstützung hatte.(In Bayern gelingt es selten, derartige Helden festzustellen; man denke an den ungesühnten Fall Hirschfeld!) Glückliches Frankfurt I Durch Stiftungen ist es dem Magistrat in Franlfurt a. M. gelungen, das Gleichgewicht im städtischen Haushaltsplan 1920/21 herzustellen, sodaß der Etat jetzt ohne Fehlbetrag abschließt. Das Friedeusdiklat von Trlauon. wodurch Deutschösterreich von Ungarn das Burgenland erhalten und Ungarns Abrüstung Gesetz werden soll, ist noch nicht ratifiziert. Die französische Kammer be- ginnt am Dienstag mit der Beratung darüber. Siunfeiner unterbrecheu die Drahwerbinduugen. Eine große Anzahl Telephon- und Telegraphendrähte rund um Liverpool sind von unbekannter Hand durchschnitten worden, sodaß Liverpool so gut wie vollständig vom übrigen England abgeschnitten ist. Auch an der Eisenbahn Liverpool-London sind verschiedene Telegraphen- pfähle umgelegt worden. Die irischen Kampfhandlungen fortlaufend zu verzeichnen, ist unmöglich�_ Reichstag. Nach der gestrigen Krise, die wohl mehr eine nervöse als eine politische Krise war, beginnt der Reichstag feine heutige Sitzung 20 Minuten nach 12 Jlhr im Zeichen sichtlicher Erschlaffung. Die Bhnke sind spärlich besetzt, der Regierungstisch ist vollständig leer. Ais erster Redner in der fortgesetzten Debatte über das Regierungs- Programm spricht der bayerische Volksparteiler Böhm, der nach einigen Ausführungen wirtschaftspolitischer Natur zum Schluß erklärt, die Regierung werde die Bayerische Dolkspartei an ihrer Seite finden, wenn sie geeignete sachliche Vorschläge zur Erfüllung des angenommenen Ultimatums erstatte. Dementsprechend würde auch die Stellung der Bayerischen Boltspartei zu den gestellten An- trögen sein. Danach examiniert der Deutschnationale v. Graes« die nicht anwesende Regierung in ernstem Tone, wie es mit den gefährlichen Vorschlägen des Reichswirtschaftsministers Schmidt über die Be- steuerung des Grundbesitzes stehe, und ob etwa diese Vorschläge gemeint gewesen seien, als Dr. Wirth in seiner Programmrede von einer Besteuerung der Goldwerte sprach. Ein kommunistischer Antrag will den arbeiterfeindlichen Charakter dieser Regierung feststellen und ihr das tiefste Miß- trauen ausspreckien.(Heiterkeit.) Ein Antrag D r. Rosenfeld(USP.) fordert die Auf- Hebung der Sondergerichte. Inzwischen hoben die Minister Robert Schmidt und Ralhenau am Regierungsttzch Platz genommen. GroMervn Knupper... Wie rote Traubenköpfe, nur leuchtender noch und lockender, lachen sie aus den breiten Körben der Händler, blitzen sie munter vom Straßenwagen. Als wir Kinder waren, aßen wir davon so viel wir konnten. So süß waren sie. Schmerzverzerrte Gesichter und andere Folgen reizten den Zorn der Eltern. Heute... „Werdersche Knupper, M Pfund 2 Mark."... Vor einer Woche stand zu lesen„Ii Pfund 2 Mark". Und wenn es regnet, steht vielleicht morgen an derselben Stelle: Pfund 1,50 Mark". llcberall wo Kinder, die Finger im Mund, begehrend auf rot und schwarz leuchtende Kirschen schauen, ist diese selbe Stelle. Ja, ja, die Revolution.... Die Obstbäume, die alle noch vor dem Kriege gepflanzt wurden, als noch ein Baum halb so viel kostete wie heute ein Pfund Kirschen, haben Lohnerhöhungen erholten. Der Regen ist teuer geworden. Die Händler hungern, daß fettiger Schweiß in dicken Bächen ihnen über den Nacken rinnt. Früchte... Fruchtbarkeit— Worte voll Segens, voll froher Erfrischung, voll Kinderfreude, voll Erquickung in drückender Hitze. Heute kostet das Pfund Kirschen 4 Mark, 400 Pfennige, mehr als der Baum selbst gekostet hat, als er gepflanzt wurde. Sich gegen den Mundraub an Früchten zu schützen, gibt es heute noch keine Organisation. Und doch könnte man sie schaffen, waffenlos und ohne gegen eine hohe Entente zu verstoßen, ohne die Karren der Händler zu stürzen, überhaupt so sozialpazifistisch wie irgend möglich. Ein Händler, dem ich fragte, warum die Kirschen so teuer seien, sagte mir:„Ja,— Angebot und Nachfrage". Wer ist denn die Nachfrage?— Ich, der ich eben die Kirschkerne aufs Straßenpfloster spucke, weil es gerade noch auf ein halbes Pfund gereicht hat; du, Nachbar, der du vor Ingrimm noch die Stiele bekaust. Und weil wir es uns nicht verkneifen können,„fragen" wir „nach", kaufen, obwohl die Kirschen in wenigen Tagen foulen wür- den und sie auf einmal billig werden müßten— denn der Baum will verdienen und der Händler nicht sterben. Nur fünf Tage Käuferstreik in ganz Deutschland— und wir könnten vielen verlangenden Kindern das Leuchten des Kirschcnrots schenken. Wer fängt an? Eine neue Iahrsteuer. Besteuerunq der Zugtiere und Wasserfahrzeuge. Der Berliner Magistrat hat in seiner letzten Sitzung eine neue Steuerordnung für das Halten von Wagen und Pferden, Maul- tieren, Mauleseln usw. angenommen und errechnet aus ihr einen jährlichen Ertrag von etwa 6 Millionen Mark. Alle Personen- wagen, die zur Fortbew-gung einer tierischen Kraft bedürfen(aus- genommen sind die Wagen, die von Hunden und Ziegen gezogen werden), unterliegen der neuen Steuer in Höhe von etwa 300 M. jährlich. Sport- und Luxuswagen sollen mit 400 M. jährlich ver- anlagt werden. Dagegen ermäßigt sich die Steuer für Droschken auf 100 M. für das Jahr. Pferde, Maultiere und Maulesel sollen mit 100 M., Luxuspferde mit 1000 M. und Pferde, die zum Reiten vermietet werden, mit 300 M. jährlich veranlogt werden. Die Steuer erhöht sich für Pferde, die für Personenfahrzeuge usw. be- nutzt werden(Kutschpferde), auf 400 M. Jedes Pferd erhält eine Pferdemarke ähnlich der Hundemarke. Steuerfrei bleiben alle Pferde, die für Krankenwagen, Leichenwagen, Dienstfahrzeuge des Reiches, der Staaten und der Kommunen Verwendung finden. Ein zweites Steuergesetz regelt die Steuer auf Lastkraftwagen, Wasserfahrzeuge mit Motorenbetrieb und auf moderne Reifen mit Luftichlöuchen, sofern sie von Per- sonenkraftwagen benutzt werden. Dreiräder kosten nach dieser Steuerordnung jährlich 400 M. Steuer, Lastkraftwagen bis zu 1 Tonne 600 M., von 1 bis 2 Tonnen 800 M., von 2 bis 3 Tonnen 900 M., von 3 bis 4 Tonnen 1000 M. und von 4 bis 5 Tannen 1100 M. Alle Wagen mit mehr als 5 Tonnen sollen mit 1200 M. Steuer veranlagt werden. 800 M. sind zu entrichten für selbst- fahrende Maschinen bis zu 3 Tonnen, 1000 M. für 3 bis 5 Tonnen, 1200 M. für 5 Tonnen und mehr. Wosierfahrzeuge bis 6 UZ 100 M., bis 10 PS 200 M., bis 16 PS 400 M., bis 22 PS 800 M. und über 22 PS 1000 M. Der Minister des Innern har die von den Berliner Gemeinde- behörden beschlossene Wertzuwachs st euerordnung in der vorliegenden Form nicht genehmigt, sondern seine Zustim- mung von einigen Aenderungen abhängig gemacht. Der Mogistrat hat diesem Verlangen entsprochen und ersucht nun die Berliner Stadtverordnetenversammlung, den Aenderungen zuzustim- men. Der Minister verlangt u. a., daß die Gemeindewertzuwachs- steuer 1— SU Proz. des Wertzuwachses nicht übersteigen darf. MLcken-Sommer. Die riesige Hitze in den Frühlingstagen har die Entwicklung der Mückenbrut außerordentlich gefördert. In Brieselang bei Finken krug kann man wieder was erleben, überhaupt in ollen Laubwaldgegenden, und die Sitte, daß Damen rauchen, die vielfach als Unsitte angesprochen wird, kann hier zur Rettung werden. Bis nach Berlin hinein ziehen sich die Mückenschwärme, und ein der- artiger riesiger Mückenschwarm, der am Dienstag abend seinen Tanz um den Turm der Dankeskirche aus dem Wetzding ausführte, war Ursache, daß man annahm, im Kirchturm sei Feuer au?- gekommen: man sah den Mückenschwarm für Rauch an. Die Feuerwehr, die sonst in allen Fällen Hilfe weiß, konnte zwar für Aufklärung des beunruhigten Publikums, nicht aber für Abtransport der Mücken-Bolschewisten sorgen. Von anderen Stellen Berlins wird gleichfalls dos masienhafte Austreten der Mückenschwärme qe- meldet. Sehr unangenehm machen sich in den äußeren Vororten auch die„Gnitzen", winzig kleine Stechfliegen, bemerkbar, deren Stich klein« Beulen hinterläßt. Uebrigens, gab es nicht im Krieg „Kommandos zur Bekämpfung der Schnaken"? Wo blieben sie mit ihrer Wisienschaft? Die Mädchen mit ihren dünnen Strümpfen und zarten Beinchen können einen besonders leid tun. Störenfriede im Lazarett. Zu der Darstellung in der heutigen Morgenausgabe über die Vorgänge im Versorgungskrankenhaus Schloß Charlotten- bürg sendet uns der Bundesvorstand des Reichsbunde» der Kriegsbeschädigten eine längere Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Seit längerer Zeit bestehen in diesem Versorgungskrankenhaus Differenzen, weil angeblich eine Anzahl Lazorcttinsasien sich der Hausordnung nicht gefügt»nd sich auch sonstige Ileberarisfe er- lau'ot haben soll Dieser Vorgang halte zur Folge, daß da? Hauptversorgungsamt Berlin die Verlegung dieser„Unruhestifter" jür angezeigt hielt und in einer Verfügung dem Chefarzt des Lazaretts mitteilte, daß die Ueberfsthrung dieser Personen nach dem Versorgungskrankenhaus Tempelhof durchgeführt werden solle. Bereits mehrere Male bestand die Gefahr der Schließung des Lazaretts, was aber immer wieder verhindert werden konnte. Zu der Verfügung des Hauptversorgungsamtes haben die im Schloß Chorlottenburg befindlichen Lazarettinsassen in einer Versammlung Stellung genommen und den Beschluß gefaßt, sich der V e r f ü- gang zu widersetzen, von der Ansicht ausgehend, daß in der Verlegung einiger Kriegsbeschädigter eine Strafmaß- nähme zu erblicken sei. In dem vorliegenden Falle wird einigen im Lazarett befindlich-n Kriegsbeschädigten nachgesagt, daß sie sich grobe Tätlichkeiten gegen einen Assistenzarzt zuschulden kommen ließen und daß deshalb die Verlegung angeordnet worden ist. In der Tat hat das Hauptversorgungsamt wiederholt betont, daß eine Strafmaßnahme oder Maßregelung in der Verlegung nicht �zu erblicken sei, daß man aber beabsichtige, die„Unruhe- stifter" von diesem Lazarett in ein anderes Lazarett zu oerlegen und hat gedroht, wenn dieser Verfügung nicht Rechnung getragen wird, das gesamte Lazarett aufgelöst werden wird. Vertreter der Organisationen haben in d"r Zwischenzeit versucht, eine Lösung dieser Streitfrage herbeizuführen. Es hatte den Anschein, als ob die letzte Verhandlung am 3. Juni d. I. im Reichsarbeitsministerium zur Beilegung des Konfliktes führen würde. Es wäre seitens des Hauptversorgungsamtes unserer Auffassung nach richtiger ge- wesen, es hätte diejenigen Lozarettinsasfcn, die als„Ruhestörer" in Frage kommen, den Organisationen mitgeteilt. Die Organiso- tionen würden einer Verlegung dieser Personen sich nicht widersetzt haben, wenn sie die Ueberzeugung gewonnen hätten, daß in der Tat diese Personen als„Störenfriede" aufgetreten sind.. Ein zaghaftes Wohnungsamt. Zu dem Artikel„Arbeit für das Wohnungsamt" (im„Vorwärts" Nr. 248) schickt uns die in Frage kommende Woh- nungsinfpektion, die nach der neuesten Umorganisation als Woh» nungsamt 1b bezeichnet wird, eine Erwiderung. Ein Versuch, irgendwie unsere Angaben über die im Hause Zionskirch- straße 6 auf Anordnung des Wohnungsamtes erfolgte Räumung einer kleinen Einzimmerwohnung zu bestreiten oder zu berichtigen, wird nicht gemacht. Das Wohnungsamt 1b will uns nur erzählen, warum— wie wir in jenem Artikel feststellten— die geräumte Wohnung noch nach zehn Tagen un- benutzt stand und warum der in demselben Hause wohnende Hauswirt bisher den von uns gerügten Wohnungsluxus hat treiben dürfen. Die Zuschrift behaupte, bei dem Versuch der Zwangsräumung jener kleinen Wohnung seien die Beamten des Wohnungsamtes von 500— 600 Personen dedrängt worden, daher habe man nicht wie sonst die Wvhnungsuchendcn schon vor Frei- werden des Quartiers zur Besichtigung zu schicken gewagt. In- zwischen sei ein Mieter eingewiesen worden, doch habe sein Einzug sich dadurch noch verzögert, daß die in demselben Hause«ine beson- dere Zweizimmerwohnung benutzende Mutter des Mieters jetzt ihr Quarfier gegen die geräumte Eir�zimmerwohnung tauschen wolle. Hiernach müsien wir annehmen, daß diese Wohnung noch heute. nachdem seit der Räumung reichlich drei Wochen vergangen sind, unbenutzt steht. Zu unserer Feststellung, daß die Wirtssamilie an vier verschiedenen Stellen de? Hauses vier Wohnungen benutzt— für sechs Personen eknschließlich Mutter und Hausangestellte: im Vorderhaus-Erdgeschoß eine große Wohnung aus fünf Zimmern und Küche, ein« Treppe hoch ein Einzelzimmer, vier Treppen hoch ein Einzelzimmer, im Seitenflügel eine Wohnung aus zwei Zim- mern und Küche—, erklärt das Wohnungsamt Id, daß die Beschlagnahme eines Zimmers in Frage kommt und auch durchgeführt werden wird, wenn das Mieteinigungsamt so entscheidet. Warum die alte Mutter des Wirtes nicht in seiner großen Wohnung unter- gebracht werden soll, sondern einsam ohne Bedienung immer noch ein« eigene Wohnung haben muß— das möchten wir wissen. Sezirksversammlungen. Rersin-RNtte. Nach Erledigung zahlreicher geschäftliche� Mit- teilungen und Verpflichtung des Gen. Nagel als Bezirhsoerord- neter an Stell« des ausgeschiedenen Gen. Stadtrat Kühne, entspann sich eine lebhafte Aussprach wegen der erfolgten, dann aber rückgängig gemachten Ueberlassung eines Klassenzimmers der 13. Gemeindeschule an das ehemalig« Böhmsche Lyzeum. Gleich leb- haste Auseinandersetzungen entfesselte der komnnmistische Bezirks- verordnete Dr. R o s e n s e l d wegen eines die Vermehrung von Lese- hallen ablehnenden, jedoch verständlich begründeten Bescheides des Magistrats, dem er Kulturfeindlichkeit vorwarf. Der Redner wurde jedoch unter fast allgemeiner Zustimmung vom Bezirksverordneten Merten(Dem.) so treffend abgefertigt, daß dem Gen. Klukow- s k i nur übrig blieb, namens der Fraktion eine dem Magistrat zu- stimmende Erklärung abzugeben. Der übrige Tell der Tagesordnung fand schnelle Erledigung. Außerhalb der Tagesordnung wählte die SPD.-Fraktion an Stelle des Gen. Kühne den Gen. Harsch zum Vorsitzenden. 4. Bezirk(Prenzlauer Tor). In der Versammlung wurden zunächst an Stelle der zum Stadtrat gewählten Genossen Fröhlich und Weber die Genossen Huhn fleisch und Hecht als Bezirks- verordnet« eingeführt und-verpflichtet. Verschiedenen Beschlüssen der Vezirksverordneten ist das Bezirksamt beigetreten, so un.er anderem, daß Herr Hartmann nicht mehr als Wohnungsinspektor für unseren Bezirk in Frage kommt; daß für eine bessere Pflege der gärtnerischen Anlagen in den Hauptstraßen des Bezirks Sorge getragen wird und daß die von einzelnen Brotkommissionen usw. benutzten Schulräume endlich für den Schulunterricht frei gemacht werden. Befremden erregten zwei Schreibendes Magistrots wegen des Haus- h a l t s e t a t s und wegen der Beanstandung des Ortsgesetzes über Entschädigungen der Ehrenbeamten durch den Oberpräsidenten. Sie sollen in der nächsten Sitzung zur Debatte gestellt werden, nachdem die einzelnen Fraktionen dazu Stellung genommen haben. In einem Schreiben des Magistrats wurde mitgeteilt, daß für die verfrllenen Abschnitte der alten Kohlenkarten die Bezirkskohlenstellen angewiesen sind, Sonderkarten auch noch nach dem 1. Mai 1921 auszugeben. Die Wahl der Mitglieder der Bezirksversammlung für die sechs B e r- waltungsdeputationen ging nach Einspruch der Komm»- nisten auf Mehrberücksichtigung, welchen n i cht stattgegeben wurde, glatt von statten. Einen Antrag der Kommunisien, der Bcreiislellung eines Raumes für die Vertreter der Erwerbslosen im Bezirksamt verlangt, wurde zugestimmt unter der Voraussetzung, daß es sich um die von den organisierten Arbeitslosen gewählten Verlreler handelt. Die Ferien sollen mit denen der Stadtoerordneiruversammiuvg zu gleicher Zeit gelegt werden. Mehreren DringUchkeitsanträgCil der Kommunisten wurde die Dringlichkeit abgesprochen, nur einem An- trage, der die sofortige O e s.f n u n g der Schwimmhalle in der Oderberaer Straße verlangt, wurde einstimmig zuge- stimmt. Stadtrat Fliech oersprach alles zu tun, um dieses durchzu- setzen. Die Versammlung beschloß ferner für das Bezirksamt den Namen„Prenzlauer Berg"._ Der diesjäbrtge Tommerfabrplan der Bäderdampfer des Norddeutschen Lloyd ist erschienen. Das kleine Büchlein bringt die über- sichtliche Darüellung aller von dem Norddeutschen Lloyd in diesem Sommer betriebenen Bäderfabrtcn. Neben den Fahrten der Bäderdamvser in der Nordlee sind auch die Ostseesafjrten des Lloyd von Swinemünde nach Zoppot, Danzia. Villau, Memcl und Libau bebandelt. Der Fabrvlan ist bei allen Vcrlreiungcn des Norddeutschen Lloyd unentgeltlich zu haben. Groß-Serliuer Parteinachrichten. IunqsoziaNsten. Montagabend 7 Uhr im Saal der Juristische-35795 136000 137969 139119 139518 141476 142108 166673 167782 162658 163022 166173 167810 167969 168678 171463 173261 174822 176864 178013 179129 180936 181449 182710 163082 188163 197874 197987 201204 201484 206492 207360 213361 216412 218872 221010 226268 228720 220838 228870 230012 238519 246 zu 600 M 1133 2063 2996 3016 4378 9190 0193 9829 11508 12699 13810 14471 19648 20364 21767 22467 23766 24369 26629 28561 36897 39642 40868 40913 42376 44365 61729 68769 64993 67330 67625 67701 59849 60049 61929 62608 66953 66267 67079 73919 76608 78762 78894 81067 82780 83363 00875 88219 100138 100909 103005 110035 111960 1124(7 117193 11781# 120733 126688 126307 128661 129083 131839 132055 133260 134604 135275 135517 137015 139638 139922 140321 140393 141956 143385 144656 146601 146869 148730 161: 70 161622 184879 157169 169942 1 60828 161833 164906 167919 169862 170028 172562 178390 179112 186207 188758 191286 164263 96374 166425 108053 168261 200108 207600 209167 211017 212602 213164 213743 214203 216148 218662 219193 219244 22130: 221715 222343 223494 225184 229127 230752 232053 235115 238415 239805. ■y.i«„ Telliahlun�.SJ.Garant. Kronen I8M. Plornb /anno ä"1, 3,—. Talinziest«» in.Llnspr. stöcststsctimerz- «.tillllU v.'TUll ijn