irr. 207 ♦ ZS.�ahrgang Musgabe A Hr. 733 VezugSpreiS, VI erteil Shrl. 30,— SIL, monatL 1#�— St frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 10,— M. einschLZu- stellunasgebsthr. Unler Kreuzband fllr Deulschland, Panzig, das Saar- und Memelflebiet, sowie die ehemals dem- fchen Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— 9JL, für das übrige Ausland 27,— M. Post- lbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. TIchecho- Slowalei, Däne- wart Holland. Luremdurg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Voll und JJeit", der Unterhaltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn, tags und Montags einmal. Telegramm- Abreise i �Sozioldemolra» Berlin- Sonntags-Ausgabe wv Verlinev VolksblAtt (40 Pfennig) AnzeigeupretSi Die achtgespalten, ZloripareMezeii» faltet bfiO SIL„kleine Anzeigen" das lettgedrurkte Wort lL0 PL(zu- lässig zwei fettgedruckt» Wortes, jedes weitere Wort L— DL Stellengesuch» und Schlasllcllenanzetgen das erst, Wort L— SIL. jedes weiter» Wort 30 Pfg. Worte über Ib Buchstaben Zählen für zwei Worte. ffanülien-An- zeigen für Abonnenten Zeil» 3r- M SU Prelle verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die Nächste Stummer wüsten bis 6 Uhr nachmittags bn Hauptgefchäft. Berlin Sffl 68, Linden. ftraße 8, abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends, Zcntralorgan der rozialdemokrati fehen parte! Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW bS, �indenstr. 3 K-rnlAr-efr-r- Redaktion Mvritjvla», IKli>S-S7 jhernsprz-ryer. �p�ition Morinplatz 11763-54 Sonntag, den 3. Jnni 1921 vorwärtssverlag G.m.b.H., SW öS, Lindenstr. 3 Dornkttr-'i-lrt'r- Verlag, Expedition und Inseraten. tterrisprpaier. Zuteilung Moristplay 11753-54 Reichstagsmehrheit für öie Regierung. Der Reichstag hat gestern einen deutschnationalen Miß» trauensantrag gegen die Regierung mit 261 gegen 77 Stimmen abgelehnt und eine Entschließung z u- g u n st e n der Regierung mit 213 Stimmen gegen 125(wo- von 48 Enthaltungen) angenommen. Er hat sich damit zwei- mal, einmal in negativer, das andere Mal in positiver Form für das Verbleiben der Regierung Wirth im Slmte so deutlich wie nur möglich ausgesprochen. Der ganze Vorgang war sehr interessant und verdient, näher betrachtet zu werden. Die erste der beiden namentlichen Abstimmungen ging um den An t r o g H e r g t, der Regierung durch ausdrück- lichen Beschluß das Verlrauen zu entziehen, dessen sie zur Führung ihrer Geschäfte laut Art. 54 der Verfassung bedarf. Für diesen Antrag stimmten außer den deutschnationalen An- trogstellern nur die Kommunisten. Die Unabhängigen stimmten zusammen mit den übrigen Par- teien diesen Antrag, der den Sturz der Re- gierung bezweckte, geschlossen nieder. Mehr hätte man billigerweise nicht verlangen dürfen. Die Demokraten aber bestanden, nach unserer Ueberzeugung ganz überflüssigerweisc, auf einer positiven Formel, und so wurde in letzter Stunde wieder ein schon verschwundener An- trag Müller-Franten, Becker-Arnsberg, Koch-Weser hervor- gehöli, also ein gemeinsamer Antrag der Regierungsparteien, der folgendermaßen lautete: Der Reichstag nimmt von der Erklärung der Reichsrcgierung Kenntnis. Er erklärt sich damit einverstanden, daß die Regierung alles daran sehe, um die übernommenen verpflich- t u u g e a gegenüber den Zllliierlen zu erfüllen. Der Reichstag billigt insbesondere die Er- klöruog der Reichsrcgierung über Oberschlesien. Ueber den ersten entscheidenden Teil dieses Antrags wurde namentlich abgestimmt. Diesmal stimmten von den 261 Abgeordneten, die das Mißtrauensvotum abgelehnt hatten, 213 mstJa. MitJastimmtenauchdieUn- abhängigen. Die Deutschen Volksparteiler, 48 an der ahl, gaben blaue Zettel ab mit den Worten: ,,Ent- alte mich." Die Abstimmung über den zweiten, Oberschlesien bc- treffenden Teil war nicht namentlich. Jetzt erhoben sich die Regierungsparteien und die Deutsche Voltspartei, also wieder die Mehrheit, während die Unabhängigen sitzen blieben, da sie sich den Erklärungen Wirths über Oberschlesien nicht vorbehaltlos anschließen wollten. Im Fall einer nament- lichen Abstimmung würden sie sich enthalten haben. So hatten die Demokraten eigentlich das Gegenteil von dem erreicht, was sie beabsichtigten. Sie wollten eine Brücke zu der Deutschen Äolkspartei schlagen und einen Trennung?- strich gegen die Unabhängigen ziehen. Das Umgekehrte ist eingetreten. Die Deutschst Volkspartei hat abermals wie am 16. Mai versagt, die Unabhängig, n aber haben durch ihr Verhalten den Fortbestand der Re- gierung ermöglicht oder doch ganz wesentlich erleichtert. Die Deutschnationalen wollten den Sturz der Regierung herbeiführen, die Unabhängigen haben geholfen. ihren Sturz zu verhindern. Wir stehen nicht an, diese Wendung der Dinge zu be- §rüßen,weil sie zunächst einewesentlicheStärkungder Sozial- e m o k r a t i e in der Regierungskoalition zur Folge hat. Bisher wurde den Sozialdemokraten von den Demokratischen Aposteln der„breiten Basis" immer gesagt, die Regie- rung könne ohne die Deutsche Volkspartei nicht existieren, weil auf die Unabhängigen nicht zu zählen sei. Die Widerlegung dieser Behauptung durch die Tat ist ein gemeinsamer Erfolg der beiden sozialdemokratischen Fraktionen. Die bürgerlichen Koalitionsparteien werden nach diesem Vorgang mit einem größeren Gewicht des sozialistischen Ar- beitereinflusses in der Regierung zu rechnen haben. Damit soll natürlich nicht gesagt werden, daß die beiden sozialdcmokra- tischen Fraktionen nunmehr eine Diktatur über die Regierung errichten und die bürgerlichen Parteien an die Wand drücken werden. Die bürgerlichen Partelen sind ebensogut Herren ihrer Beschlüsse, wie wir es der unseren sind. Aber sie werden jetzt die Grenze ihres Entgegenkommens weiter hinonsrücken müsien, als sie es gemußt hätten, wenn die Deutsche Volkspartei den Antrag der Regierungsparteien an- genommen, die Unabhängige Sozialdemokratie aber ihn ab- gelehnt hätte. Eine dauernde Entscheidung ist damit freilich noch nicht ge- fallen, eine feste Regierungsmehrheit, die auch die Unab- hängigen umschließt, ist nicht gebildet. Die deutschnational- kommunistische Opposition wird ober immer wieder„die Front abklopfen", um eine schwache Stelle zu finden, an der sie mit aller Kraft vorstoßen kann. Das hat schon der gestrige tag gezeigt: Nachdem der Kern des Antrags der Regierungsparteien mit den Stimmen der Unabhängigen ohne die Deutsche Volks- Partei, der Nachsatz über Oberschlesien mit den Stimmen der Volkspartei ohne die Unabhängigen angenommen worden war, beantragte Schulz- Bromberg für die Deutschnatio- nalen namenlliche Abstimmung über den ganzen Antrag. Er spekulierte daraus, daß bei einer solchen Gesamtabstimmung die Regierungsparteien ollein und in der Minderheit bleiben würden. Mit komischem Eifer und mit grotesk verrenkten Be- ründungen versuchte Herr Schulz dem Reichstag einzureden, aß er den fürchterlichsten Bruch der Geschäftsordnung be- gehen würde, wenn er auf die deutschnationale Kriegslist nicht hereinsiele. Aber der Reichstagspräsident L ö b e führte den sonderbaren Hüter der Geschäftsordnung mit überlegenen Gründen ab. und der Reichstag ließ es bei zwei namentlichen Abstimmungen bewenden. Hätte Herr Schulz-Bromberg die Geschäftsordnung wirk- lich auf seiner Seite gehabt, dann hätten die Unabhängigen vor der schwierigen Frage gestanden, ob sie auch einmal einen Antrag schlucken wollten, der ihnen nicht ganz behagte, oder ob sie lieber die Regierung Wirth stürzen lassen wollten. Aehnliche, nicht ganz leichte Situationen werden sich auch in Zukunft wiederholen. In dem Augenblick aber, in dem die Unabhängigen abschwenken, wird die Rechte trium- p h i e r e n. Sie war schon gestern auf dem Sprung, und fie wird stete auf der Lauer bleiben. Eine wirksame Unterstützung erfährt diese Politik der Rechten durch die Kommunisten. Die Rede Kurt Geyers zeigte deullich, daß nun das ganze Kapitel von den „Regierungssozialisten", von den„Schleppenträgern der Bourgeoisie" usw. gegen die Unabhängigen abgehandelt wer- den soll. Hätte dieses Treiben der Kommunisten Erfolg, dann würde jeder Einfluß der sozialistischen Arbeiterschaft auf die j Regierung alsbald vernichtet sein, und die äußerste Re- attion wäre an ihrem Ziel. Die nächste Zeit wird also zeigen müssen, ob alles, was im Interesse einer besseren Zukunft der Arbeiterklosse müh- sam, stufenweise aufgebaut wird, immer wieder von Unver- nunft und Furcht vor der Unvernunft zerschlagen werden soll. Wieder einmal steht die Arbeiterbewegung an einer kritischen Wegscheide ihres Aufstiegs zur politischen Macht, wieder wird es vom Grad ihrer politischen Reife, von ihrer Fähigkeit, mit den Tatsachen zu rechnen, abhängen, ob sie steigt oder stürzt. Den entscheidenden Abstimmungen ging eine wenig be- wegte Debatte voraus, die jedoch unserem Genossen Hermann Müller Gelegenheit bot, eine kurze, ausgezeichnete Rede zu halten. Nach den ersten Streichen lag der antisemitische Kasperle o. G r a e f e, so lang er ist, auf dem Boden. Müller hielt sich aber nicht lange bei dieser Unbeträchtlichkeit auf, son- dern sprach noch zur Begründung unserer sozialdemokratischen Politik manche klugen und eindrucksvollen Worte. Sonst wäre auch dieser Tag einschläfernder Wärme mit seinem Graefe und Geyer unerträglich gewesen. «» Nach der bereits gemeldeten Rede des Abg. Graefe(Dnat.) nahm in der gestrigen Reichstagssitzung der Abg. Müller- Franken(Soz.) das Wort: Was die Judenfrage anlangt, so möchte ich Herrn v. Graefe doch vuf einen Brief aufmerksam machen, den Herr H e r g t an ein jüoisches Mitglied der D e u t s ch n a t i o n a l e n Volks- Partei gesandt hat, und in dem es heißt, daß die Parteimitglieder jüdischer Abstammung ihre Stellung in der Deutschnationalen Volks- parte! am ehesten dadurch befestigen, daß sie bereitwillig Opser bringen.(Hört, hört! links.) Ueberlcgen Sie sich diesen Brief und denken Sie dann an das, was Herr v. Graefe hier gesagt hat. Auf dem ganzen Mühlendamm werden Sie keinen so frechen Juden finden wie Herr o. Graefe.(Heiterkeit und Zustim- müng links.) Die Deutschnationalen haben noch nie gesagt, was denn geschehen wäre, wenn ihre Wünsche bezüglich des Ultimatums erfüllt wären. Auch wenn die Revolution nicht gekommen wäre, hätten wir genau dieselben Verpflichtungen zu erfüllen.(Unruhe rechts.) Wer anders als Hindenburg und Ludendorff hat denn im Okto- der 15)18 telegraphiert: Unsere letzte Menschenreserve ist verbraucht, die Fortsetzung des Krieges muh als aussichtslos aufgegeben werden, jede Stunde kann die Lage verschlechtern.(Hört, bört! links.) Bei der Uebermacht der Gegner an Material und Menschen konnten wir nicht mehr weiter. Jeder Mensch, der nicht den Ver- stand verloren hat, muß das einsehen.(Sehr richtig! links.) Zu den Steuerfrogen wollen wir uns im einzelnen erst bei konkreten Vor- schlagen äußern, eine Velaskung der Substanz des Volksvermögens muh zweifellos irgendwie vorgenommen werden. Wir verlangen ln erster Linie Vssihstcuern. Die Erhöhung der Körperschoftssteuer, die Börsen- und Stempel- steuer muh möglichst bald vorgelegt werden. Eher kann von indirek- tea Steuern nicht die Red« sein. Auch eine erhöhte Belastung des. Alkoholkonsums ist notwendig. Wir werden sicherlich, wie Herr Henke fordert, in der Regierung für eine niedrige Belastung der Arbeiter eintreten, es wäre mir aber lieber, wenn die Un- abhängigen in der Regierung selbst dahin wirken würden. Die Rede des Kollegen Henke ließ ja kein absolutes Mißtrauen gegen die Re- gierung erkennen, aber sie klang sozusagen nach einer b e w a f s- neten Neutralität. Herr Henke hat auch Kritik geübt an unserer Haltung in der Amnestiefrage. Es ist höchstes Recht, dort einzugreifen, wo eine schnelle Justiz zu Ungerechtigkeiten führt, wie es bei den Sondergerichten zweifellos der Fall ist. Eine allge- meine Amnestie aber würde auch von den Arbeitern nicht oerstan- den werden, solange auch die Arbeiter von Vergewaltigungen und Plünderungen bei kommunistischen Aktionen bedroht sind. Wir haben trotz der Beredsamkeit des Abg. Höllcin noch nichts gehört, daß die März-Aktion die letzte sein soll. Wir haben daher beantragt, die Rechtsprechung der Sondergerichte unter dem Gesichtspunkt weitgehender Begnadigung mit Rücksicht aus die An- gehörigen der Verführten zu prüfen. Die Auslösung der Orgesch wird zweifellos günstig wirken, sie ist wirklich nicht der Klub der Harmlosen, als der sie von den Rechtsparteien hingestellt wird. Unser Kollege Wels hat vorgestern gegen die Presse der Deut- schen Volkspartei polemisiert und daraus festgestellt, daß sie gar nicht in die Regierung eintreten will. Wir sind also darin ganz einig mit der Deutschen Volkspartei, und Herr Petersen hat diese Harmonie nur gestört. Wir haben von den Worten des Kollegen Wels, daß eine Partei, die gegen das Ultimatum gestimmt hat, nicht in der Regierung sitzen darf, weder etwas zu demen- tieren, noch zu interpretieren. Der„T e m p s", den Herr Stresemann gestern als französisches Regierungsorgan bezeich- nete, hat vor dem Eindruck gewarnt, den eine Beteiligung der Deutschen Volkspartei an der Regierung machen müsse. Wir sind der Ansicht, daß eine Verbreiterung der Regierung nach rechts die Schwierigkeiten nicht vermindern, son- dern vermehren würde. Herr Petersen hat gestern alle Fenster- I scheiden rechts und links eingeworfen— jedes Wort ein großer Pflasterstein. Es war die unvorsichtigste Rede, die ich seit langer Zeit gehört habe. Es ist absolut unzutreffend, daß der Sozialismus eine Schaufensterpuppe nach Art des Monarchismus der Deutscheu Volkspartei wäre. Der Monarchismus ist ein Gespenst der Vergangenheit, aber dein Sozialismus gehört die Zukunft. Die Arbeiterschaft, die jetzt leider noch gespalten ist, wird einmal aus ihrer Kriegspsychose erwachen und den Sozialismus, den die Welt braucht, zum Siege führen. Denn nur eine organisierte Wirt- schuft kann die zerrüttete Welt wieder in Ordnung bringen. Aller- dings haben wir über diesem Ziel die Tagesarbeit nie vergeflcn, haben in den schwersten Stunden dem Volke gedient und dadurch, daß wir in die Bresche sprangen, die Einheit des Reiches gerettet.(Zuruf rechts: Und im Juni 1920?) Damals mußten wir dem Bürgertum, das den Sinn des Krieges noch nicht begriffen hat, eine Lektion erteilen und ihm zeigen, wie eine fozia- listenreine Regierung aussieht. Und diese Regierung hat ja nun auch kläglich bankrott gemacht. Noch ist unsere Ret- tungsaktion nicht zu Ende, wir wollen auch niemand den Weg verlegen, der an dieser Rettung mitarbeiten will. Aber ans Steuer gehören nur solche Männer, die einen klaren Kurs wollen. Unsere Politik ist bewußt und eindeutig pazifistisch. Sie aber(zur Deutschen Volkspartei) reisen umher und machen blöde Witze über unsere pazifistische Politik. Glauben Sie denn, daß sich die deutschen Arbeiter Ihre chauvinistischen Redensarten von der Regierungsbank anhören würden, ehne ihre Vertrauensmänner aus einer so zusammengesetzten Regierung zurückzuziehen? Eine allgemeine Einheitsfront halten wir für Unsinn. Wir unterstützen das Kabineft Wirth, weil wir zu den Regicrungs- Parteien das nötige Vertrauen haben und hoffen, daß es seinen Worten wie bisher Taten folgen läßt, denn auf Taten allein kommt es an.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. vurlage(Z.): Es muß immer wieder gesagt werden: In welcher Lage würden wir uns befinden, wenn eine große Mehr- heit mit den Deutschnationalen gegen das Ultimatum gestimmt hätte? Mit dem Einmarsch in das R u h r g e b i e t wäre unsere ganze Verwaltung zerschlagen gewesen, auch Oberschlesien wäre glatt verloren. Die Regierung handelt klug, wenn sie Einzelheiten ihrer Steuervorlagen noch nicht hinausschreit, sondern einen um- fastenden Plan vorbereitet. Wenn Herr v. Gräfe sagte, daß die Deutschnationalen nicht die Persönlichkeiten, sondern das System bekämpfen, so beweist ein Blick in die deutschnationale Presse das Gegenteil.(Redner verliest einen Artikel der„Deutschen Zeitung", worin es heißt, die Linksparteien hielten das Reich nur deshalb zusammen, um ihre fetten Posten nicht zu verlieren.) Wer so arbeitet, arbeitet wie ein R e i ch s f e i n d und vermehrt das Un- glück unseres Volkes. Abg. Crispien(U. Soz.): Durch die Hetze gegen die Juden haben die Deutschnationalen den Zorn des Volkes über ihre ver- hängnisoolle Politik abzulenken gesucht. Wenn es sich darum handelt, von einer Bestrafung gegen Kopitalverschiebung befreit zu werden, so verschmähen selbst Herr helsserich und Prinz Eitel Friedrich die Hilfe jüdischer Rechtsanwälte nicht. Für den Erlaß der Am- nestie sind die Herren von rechts nur zu hoben, wenn es sich um ihre eigenen Leute handelt. So geht ein deutschnationaler Antrag im Wirtschaftsausschuß aus die Freilassung der wegen Getreidehinterziehung ins Gefängnis gesetzten Landwirte aus. Für die Aburteilung der Arbeiter hat man Eon, bcrpcndjto, für die Untersuchung der WiZifcnschicbungen will nnn nicht einmal Aominisiionen einrichten. Die San derge richte müjsen unbedingt ausgehoben werden. Die ßoziaiilierung soll endlich durchgeführt werden. Bringe» Sie(zu den Mehrheits- soziaiistl!!.) den, rnnis, dan Sie ernsthaft die S o g i a i i sj I r u n g dura�sühre-l wollen, so werden Sie unsere Unterstützung haben; wenn Sie es ovrr nicht wollen, so werden Sie uns zu schärf- sten Gegnern hoben. Unseren Eintritt in die heutige Aegie- rung verbieten uns unsere Grundsühe, denn Sozialisten in einer Koalitionsregierung sind Gefangene und Geiseln der Bürgerlichen. Die Arbeier können nur siegen, wenn sie die Macht allein in den Händen haben. Die neue Regierung wird bald vor dem Abgang stehen. Eine bürgerliche Regierung kann sich in Deutschland nicht mehr halten, und eine Demokratie in einem Klass-'nstaate ist undenkbar. Im Kapp-Putsch wurden nur durch den Klassenkampf die Diktataren gestürzt. Die Rechtssozinlistcn soll- ten sich die Frage vorlegen, ob sie den Mut hoben, mit uns eine rein sozialistische Regierung einzugehen. Die kommu- nistischen Kampfmitttel'ehnen wir ab und treiben unbeirrt unsere Politik im Interesse des Proletariats. Für meine Fraktion gebe iä) folgende Erklärung ab: Die ZNihiraucnsvolen der Deutschnationalen und der Kommunisleu lehnen mir ab. Das Programm der Rcichsregierung hat zwar den Anschauungen unserer Partei nicht entsprochen, sie ist auch unseren Forderungen wegen politischer Amnestie und wegen Aufhebung des Ausnahme- zustandes nicht entgegengekommen. Ihr Amtsantritt wurde aber herbeigeführt durch die Notwendigkeit, den Reichstagsbefchlutz für Annahme des Ultimatums durchzuführen. Dadurch erwächst unserer Partei, die zuerst für die Annahme des Ultimatunis sich aus- gesprochen hat, die Verpflichtung, dieser Regierung trotz tief- gehender Meinungsverschiedenheiten in anderen politischen Fragen hinreichend Spielraum zur Wiederherstellung internationaier Be- Ziehungen zu sichern. Erleichtert wird uns dieser Entschluß durch die bisherigen ernstlichen Bemühungen der Regierung in dieser Rich- tung. Wir werden auch weiter die Regierung streng sachlich nach ihren Taten beurteilen und behandeln, und ihr gegenüber die Rechte des Proletariats entschieden vertreten. Wir lehnen es aber ab, uns als Vorspann nationalistischer Bestrebungen benutzen zu lassen und auf ein reaktionäres Regime hinzuarbeiten.(Lebhafter Beifall bei den U. Soz.) Abg. Külz(Dem.): Wer fetzt nicht an der Erfüllung des Ulti- matums mitarbeitet, wie es der Abg. v. Graefe angekündigt hat, versündigt sich am deutschen Volke. Wir lehnen jede Wirtjchasts- und Steuerpolitik ab, die die lebensnotwendigen Voraussetzungen unseres Wirtschaftslebens gefährdet und die Sud stanz der Ber- mögen angreift. Ebenso lehnen wir jedes Experimentieren am deutschen WirtfchaftskLrper ab. Dos gilt insbesondere für die S o z i a l i s i e r u n g. Die Auffassung Müllers, daß die Regierung nur von Parteien gebildet werden könnte, die das Ultimatum an- genommen haben, ist grundfalsch. Die gegenwärtige Bnsis der Regierung ist zu schmal. Ein Spiel mit der Krisis und der Reichstagsauflösnng lehnen wir ob. Abg. Dr. Geyer(Komm.): Rur durch den Klossenkampf werden die deutschen Arbeiter zur Freiheit gelungen. Mit Mitteln der Finanzpolitik und einer bürgerlichen Wirtschoftspoiitik allein können die Neparationskosten nicht geleistet werden. Inzwischen ist folgender Antrag öer NegZerkmgsparteken unterzeichnet Müller- Franken(Soz.), Becker- Arnsberg(Ztr.), Koch(Denn) eingegangen: Der Reichstag nimmt von der Erklärung der Retchsrcgierung kennlnis. Er erklärt sich damit einverstanden, daß die Regierung alles daran sehe, um die übernommenen Berpslichlungcn gegenüber den Alliierten zu erfüllen. Der Reichstag billigt die Erklärung der Rcichsregierung über Oberfchlefien. Damit schließt die Aussprache. Es folgen Erklärungen einiger .Parteien bctr. die Mstimmung. Abg. Dr. Slrefemann(D. 25p.): Wir lehnen es ab, uns an diesen parteipolitischen Auseinandersetzungen zu beteiligen und uns durch die begreifliche' Erregung über die ungerechtfertigten Angriffe gegen unsere Partei in unserer sachlichen Stellungnahme beeinflussen zu lasten Tie Erklärungen des Reichskanzlers über die deutschen An- sarüche auf Odcrlchlesien finden unsere volle Z u st j rn m u n g. Eine Bekeilinung en einer Vertrauens- oder Vkisttrauenskundgebung lehnen wir«b. Vciin Antrag Müller-Franken werden wir uns beim ersten Zlbsech der Stimme enthalten, für den zweiten Absatz betreffs Oberfchlefien werden wir stimmen. Abg. Eeifpien(U. Soz.): Den ersten beiden Sätzen des Antrags Der Eeetbehrungsfaktor. In einem seiner Llufsötze spricht Walter Rothen« u, der neu« Wiederausbauminister, von einem„Entbehrungsfaklor", der unvermeidlich sei und den bei der heutigen Lage der Dinge jeder in seine Lebenshaltung einstellen müsse. Millionen Deutsche werden verwundert fragen, weshalb man sie daran erinnere. Sie brauchem diesen Faktor in ihre Lebens- Haltung gar nicht einzustellen: er stellt sich von selber ein. Andere aber rufen„Bravo!" und sind sich stete ihrer patriotischen Pflicht bewußt, dem Volke die Sparsamkeit zu erhalten. Aber sie selber? Wie sieht ihr„Entbehrungsfoktor" aus? Wenn die Not des Landes am höchsten, werden die meisten Seidenslriimpse getragen. Als das Paar noch 2,50 M. kostete, überlegte man es sich sechsmal, elze man eines kauft«, und bei der siebenten Uebcrlegung kaufte man Baumwollflorne für k.lll. Heute, wo das Paar Seidenstrümpse 85 M. kostet, überlegt man es sich erst gar nicht, sondern kauft das bessere Paar für 12(1 M. Nie war der Ehompagnerkonsum so groß wie in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Wenn das Blut und die Tränen bei den«inen in Strömen fließen, dann fließt bei den anderen der Sekt. Entweder galt es Siege zu ssiern oder Kriegsiieferungen zu begießen. Als die Flasche noch 5 M. kostete, ging der Heringshändler Kvhlhammer ernsthaft mit sich zu Rate, ob er zur Verlobung seiner Tochter Els- beth eine Pulle springen lassen sollte, und schließlich taten es auch zwei Flaschen Moselblüinchen zu 80 Pfennig. Heute verlangt er gicich massierenden Burgunder, die Flasche zu 220 M. Aber nicht nur die gesegnete Klasse der Kriegsgewinnler handelt und lebt so, sondern auch viele, sehr viele Bürgersleute, die es sich eigentlich nicht leisten können. Es ist seltsam zu beobachten: Je tiefer die Valuta sinkt, um so höher steigt der 25erbrauch an Seiden- strumpfen, Sekt, Zigaretten, Schokolade, englischen Stoffen, fron- wsischen Schaststieflettchen- italienische» und spanischen Apfelsinen. Je wertloser durch diese Wechselwirkung zwischen Zkiluta und Ber- brauch das Geld wird, um so rascher und leidenschaftlicher will man _ es, so scheint es, los sein. Wachsender Konsum bei wachsender Entwertung des Geldes— immer rasender rotiert dieser Kreislauf von Ursache und Wirkung. Und das Ende? Wer fragt danach? Es ist der Tanz auf dem Vulkan, der xlal.zenhumoristffche Kehraus der zusammenbrechenden kapitolisiisthen Epoche.„Morgen können wir's nicht mehr— darum loht uns heute leben!" Wie klangvoll wußte Exwilhelm, das Muster eines blöde vor- schwendenden Parvenüs, von.altpreußischer Sparsamkeit" zu pre- digen!»Heute hätte er die schönste Gelegenheit, sie zu üben. Stall dessen verlangt er seine hundert Millionen zur Aufrcchtseholtung des allerhöchsten Existenzminimums. Walter Rathenau hat gewiß che beste Absicht gehabt, als cr das deutsche Volk einlud, den unvermeidlichen„Entbehrungsfaklor" in seine Lebenshaltung einzustellen. Aber die� die dieser Tiuladuug Müller-Franken stimmen wir zu, behalten uns aber vor, die Maß- nobmen im einzelnen Inchlich und tätifch zu prüfen. Den letzten Sah über Oberschiesien lehnen wir ab. Abg. Schnl: Bromkerg lDnatl): Wir lehnen ftde Art einer Ver- tnnierskun.daebima für diese Regierung ab, inioigedessen auch den Antrag Müller. Bon den Worten des Reichskanzlers über Ober- i ch l c i i e n können wir das meiste unterschreiben: wir vermissen aber die Taten: wir lehnen deshalb auch den letzten Satz, über Ober- schtesien ab, weil man sonst aus unserer Abstimmung eine Billigung des passiven Verhaltens der Regierung herauslesen würde. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dernbueg(Dem.) erklart gegenüber dem Abg. Graefe, daß er bezüglich der Vertraulichkeit von Ausschußverhand- lungen andere Ansichten habe als dieser. Die Abstimmung. Das kommunistische Mißtrauensvotum wird gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Die Abstimmung über den deuffchnationalen Mißtrauensantrag ist namentlich. Der Antrag wird mit 261 gegen 77 Stimmen der Deutichnationalen und Kommunisten abgelehnt. Der Antrag der Regierungsparteien wird daraus in seinem ersten Teile mit 2lZ gegen 77 Stimmen der Deuksch- nationalen und Kommunisten bei 48 Enthaltungen(Oeulsche Volts- Partei) angenommen. In einsacher Abstimmung wird dann der Absatz über Ober- s ch l e s i e n gegen Deutschnationale, Unabhängige und Kommunisten angenommen. Präsident Löhe stellt darauf fest, daß damit nach seiner Ansicht der in ollen seinen Teilen angenommene Antrag Müller-Franken erledigt sei. Abg. Schulz-Bromberg lDnatl.) verlangt eine(Sesam tob« st i m m u n g, da sonst ein cklalanter Bruch der Geschäftsordnung vorliege. Präsident Lobe erklärt, eine Gesamtabstimmung sei nicht notwendig, da die Antragsteller sie nicht verlangten und der zweit« Absatz, der eine besondere Materie behandele, sonst von vornherein als besonderer'Antrag hätte eingebracht werden können. Bei der Abstimmung darüber lchließt sich das Haus gegen Deutschnationale und einige Deutsche Volksparteiler der Auffassung des Präsidenten an. Die kommunistischen und unabhängigen Anträge auf Beseitigung der Sondergerichte und Aufhebung des Ausnahme- zustandes werdcn abgelehnt. Angenommen wird der Antrag Müller-Franken(Soz.) auf Nnchprufimg der Urteils der Sondsracnchte unter dem Gesichts- vunkt der Begnadigung. Dafür stimmte mit den drei sozia- listischen Parteien ein Teil des Zentrums unter Führung des Reichs- kanzlers Wirth. der seinen Abgeordnetensitz eingenommen Hat. (Lcfchaste Aha-Rufe rechts.) Dos Haus verlagt sich �us Dienstag, den 14. Juni, 2 Uhr: Anfragen, Kleine Vorlagen. Schluß 6 Uhr. Monarchismus unö Sozialismus. Wir möchten, nachdem sogar die demokratischen Blätter von der Reichstagsrede des Abg. Petersen abgerückt sind, nicht so grausam sein, noch Salz in die Wunden zu streuen. Indessen glauben mir einen Vorfall nicht verschweigen zu dürfen, der sich während dieser Rede abgespielt hat und an dem sich die Richtigkeit des vom Genossen Wels am Donners- tag betonten und vom Genossen Hermann Müller gestern nochmals betätigten ablehnenden Standpunktes der Sozial- dcmokratie bezüglich der Erweiterung der Reichstagskoalition nach rechts klar erkennen löfzt. In seinem Bestreben, uns die Volkspartei schmackhafter .zu machen, hatte Herr Petersen behauptet, die Deutsche Volks- Partei stelle sich im Grunde genommen auf den Voden der Tatsachen, sie gkaube selbst nicht an die Möglichkeit der Wiederherstellung der Monarchie in absehbarer Zeit und ihr ganzer Monarchismus sei b l o ß e i n e„S ch a u» f e n st e rp n p p e". Als Herr Petersen dies lang und breit ailsführte; ertönten ober auf den recht zahlreich besetzten Bänken der Deutschen Volkspartei laute„Oho"-Ruse. die sich schließlich zu entrüsteten Protest rufen stei- gerten. Damit war nicht nur Kzerr Petersen blamiert, sondern die Vslkspartei hatte außerdem ein neues Mal ihr wahres man- bedürfen, geben sie entsagungsvoll an die anderen weller, deren ganzes Leben ohnehin aus lauter Eillbehrungssattoren zusammen- gesetzt ist._ Die exmllkerle Wissenschaft. Tat Laboratorium der ehemaligen MiliiäUegmiichen Iltadeime jn Cbariollenburg, daß im vorigen Iabrc der benachbarten Technischen Hochschule überwiesen und in c:n In st i l ii t für l b e o r« l i s ch e Physik umgewandelt wurde, wiid jetzt von der Eisenbabadirettion angefordert, die daraus Bnreauräume machen will. Der Umbau hat seinerieit eine Sumnze erfordert, die nach dem heutigen Markwert etwa 5 Millionen beträgt. Diele Ausgabe und olle im Gebäude steckenden Sachwerte wären zum größten Teil verloren, wenn der Plan der Eisenbahn- direktion zurAnSkühriing gelangt. Aber abgeieben von dieser Ber- lchleudernng würde die neue Umwandlung deS LaboiatonumS auch einen gewaltigen Verlust iür die Technisch« Hochschule bedeuten, dir i-vvn heute unter einer kaum noch zu ertragenden Plotznot leidet. Im Interesse der Wisseiiichost und ihrer Pflege ist daher dringend zu wünschen, daß daZ Projekt noch in letzter Stunde fallen gelösten loird. Ein neuer Reichsadler. Der Reichskunstwari Edwin Redslob macht in der Zeillchrist„Das Plakat" einen neuen Entwurf für den Reichsadler bekannt, der auf den Osfenbcuher Schriftkünstler Rudolf Koch zurückgebt. Koch fußt dabei aus den vielumstnllenen Adler Schmidt-Rottluss, strebt aber«ine mehr zeichnerische Lösung an. Auch der Rcichsprögcftempel von Doepler, mit einem Adler, ist jetzt durch einen neuen Entwurf ablösunasreif geworden. Sig- mund von Weech-Mänchen hat den neuen Stempel gezeichnet, der in Tier und Schrift gut zusammengeht und ein geschlossenes Ge- samchfld erhält. Für die Paßkarten der einzelnen Länder, diese weitverbreiteten Ausweis«, Hai der Berliner Graphiker Hadank, der Schöpfer der neuen Hundertmarknvte. die verschiedenen Wappen nengezeichnet. Di« Ausweise können sich nun mit Anstand sehen lassen. Der Wörmefcrnsähler. Eine merkwürdige Perspektive«össnet sich durch die Verbesserung des Bolom-tters. die dem deutichcn Phofiker O. H o f f m a n n nach den„Phyfitalischen Berichten" vor kurzem geglückt fft. Das Bolometer ist ein Instrument von solch enormer Wärme- empflndlichkeit, daß man die von einer Kerze ausgehenden Wärme« strahlen damit noch auf«ine Entfernung von Kilometern wessen kann. Man hat nun die Eigenschaft de? Wörme, daß auch sie sich nach Art d-s Lichtes in Strahlen ausbreflel. benützt, um auch ganz schwache Wärmestrahlungen mit Hiise eines paroboiffchen Spiegel» wie in einem Brennglaie einzusaugen. Mji solchen parabolischen Spiegeln i>at man sich ja schon langst den bekannten physikalischen Scherz erlaubt, der stets auf» neu« verblufft, daß man fern von einem Kominfeuer im anderen Ende des Saales im Brennpunkt des Spiegels durch die gesammelten WännestroAen eine Zigarette anzünde� Bringt man nun an diesem Punkt ein« willme-Iektrische Säule an, die mit einem Ealoonometer verbunden ist, kann man auf er- staunüch große Entfernungen hin allergeringst« Wärmeunkerschied« messen. Es wird auf diese Weise z. B. sofort erkennbar, wenn jemand ins Zimmer tritt. Jemand, der zrüchtluherwelle sich in ein archistisches Gesicht selbst gezeigt und somit die Haltung, die die S o z i a 1 d e m o k r a t i e ihr gegenüber einnimmt, selbst. auf das glänzendste gerechtfertigt. Isvfern könnten wi rbsinahe Herrn Petersen dafür dankbar sei», daß cr etwas Porzellan zerschlagen hat... Indessen hatte sich gleich danach der demokratische Red-' ner zu der Behauptung verstiegen, für die Sozialdemokratie ser der Sozialismus letzten Endes auch nur eine„Aushänge- puppe", ebenso wie der M o n a r ch i s m u s für die Volkspartei. Genosse Mistler hat ihm bereits im Reichstage die gebührende Antwort erteilt. Wir müssen bei dieser Gelegen- heit betonen, daß wir eine Parallele zwischen diesen beiden Begriffen und ihre Nennung im gleichen Atemzuge für g ä n z- lich unzulässig halten. Der Monarchismus verfolgt die Niederwerfung der R e p u hl i k, d. h. den S t u r z der Verfassung, auch ist die Monarchie nur durch einen solchen Sturz erreichbar. Der Sozialismus, der eine Umgestaltung der Wirtschaft bezweckt und planmäßig verfolgt, ist nicht allein ein mit der Reichsverfassung durchaus zu ver- einbarendes Ziel, sondern er ist sogar in seinen Grundgedanken in dieser Reichsversastung ausdrücklich verankert. Eine Gleichstellung dieser zwei Begriffe nach der Art des Herrn Petersen könnte zu einer höchst bedenklichen Ber- w i r r u n g führen, der unbedingt vorgebeugt werden mußte. tVerbeeummel in potsüam unö Umgegenö. Aus Potsdam wird uns mitgeteilt: Der Iu st i z m i n i st e r hat von der Potsdamer Slaatsanwolt- schaft eingehenden(Bericht über die vom Genossen Wels in seiner Reichstagsrede besprochenen Werbetätigkeit des Potsdamer Iustizsekretörs Oberleutnant a. D. 0 p per mann eingefordert. Der Bericht ist gestern vormittag abgegangen, lieber die W«rbetöligke:t des Oppermann fft folgendes bekannt: Täglich kamen dort während der Dienststunden junge von militärischen Führern empfohlene Leute und erhielten dort im Amtsgericht ihre Mobilmachungsanweisungen. Mit Herrn Oppermann Hand in Hand arbeitete ein Feldwebel von der Reichswehr, der täglich in dem Amtszimmer des 5)«rrn Oppermann die schriftlichen Arbeiten der Werbezentrole erledigte. Dieser Feldwebel ist Mit- glied und Führer des Verbandes naklonalgestnnter Soldalei'. Allein am 25. lllai worden 25 Mann im Amlsgerichtsgebäude durch Oppermann angeworben. Nur gediente Leute wurden angs- nommen, die einen Militärpaß aufzuweisen hatten und von ihren Führern als zuverlässig bestätigt werden konnten. In Potsdam fordert man die unverzügliche Amtsenthebung des Justizbeamien. Am gestrigen Vormittag wurde ans Beranlastung der Potsdamer Staatsanwaltschaft in Caputh in einer Villa gleichfalls ein großes Werbebureau ansgehoben. Jn der Potsdamer Press« werden durch Inserate blondgermanische(!) Männer und Frauen aristokratischer Gesinnung aufgefordert, unter Annen- zeichen sich zu melden, gleichzeitig wird um Bild- und Haarprobe(!) gebelen. Der Aufruf trögt die Unterschrift„Sieg oder Unter- g°ng".._. r-; ••'s* aMf* Der Rückzug der Hoperischen Volksparte!« Rcünchen. 4. Juni.(TU.) Der Landesvorstand der Bayer:- schen Dolkspartei hielt heute in München eine vierstündige Sitzung ab. Auch Ministerpräsident Dr. o. Kohr war zeitweilig zugegen. Die Vertreter der Kreise, die noch dem Bericht des ftelloerlretenden Fraktionsvorsitzenden zu Worte kamen, billigten in feder Beziehung das Verhalten der Landtagsftaktion und der Parteileitung. Aus ihren Darlegungen war zu entnehmen, daß man auch draußen im flachen Lande, so schmerzlich man auch von der Entwicklung der Dinge berührt fft ,und so besorgt man in die Zukunft blickt, den Zwang der Lage anerkennt und einsieht, daß der nun eingeschlagene Weg der einzig mögliche ist. Van ollen Seiten wurde der Hoffmmg Ausdruck gegeben, daß die Einwohnerwehr von sich a u s die schweren Opfer bringen wird, die von ihr unter dem Zwonge der Loge verlangt werden. Auf Vorschlag des Kreisvorfitzcndcn von Niederbaycrn wurde eine Enl- schließung in diesem Sinne einstimmig angenommen. 5>mi» rinickfleicht kann schon aus 180 Meter Entfernung entdeckt werden. Ja, man hat aus diese Weise aus viele Kilometer Ent- scrnung hin die Annäherung von Schissen,«inen kommenden Eisen- bohnzug, über den Wolken ziehende Flugzeuge festgestellt, damit eine Fülle praktischer Anwendungen gewonnen, durch die nun wieder einmal die Sinne des Menschen wie durch einen geheimnisvollen Wärmefernfühler ganz zauberhaft erweitert sind. Es ist kein Zweisel, daß dem neuen Instrument eine heute viel- leicht noch gar nicht ausdenkbare Zukunft beschieden sein wird. R. F. Ein Sklmmungsblld an» dem Sonst«t-Varad>es gibt folgendes Telegramm der Kopenhagener„Berlingske Tidende": Das Komitee für die notleidenden nffsiichen Gelehrten in Petersburg ha.' dem finnischen Hilfskomitee, dos aus Universitiitsprosesioren besteht, in einem Schreiben seinen Dank ausgedrückt für die überiandten Leben-- mittel und Kleider, sowie für tue Einladung, daß krank« und olie ruistsche Gelehrte in finnischen Sanatorien ihr« geschwächte Gesund- heit wicderberstellen sollen. D>e russischen Gelehrten erklären, daß sie von dieser Einladung jedoch keinen Gebrauch machen können, da ihre Abwesenheit aus Rußland gleichbedeutend damit sein würde, daß die russischen wissenschaftlichen Anstalten und höheren Schulen ge- lchlosten werden müßten. Das Schreiben ist von dem Sekretär der russischen Akademie der Wissenschaften Sergius von Oldenburg, sowie von einer Reih« angesehener russischer Gelehrter unterzeichnet worden. llapanlsche Flugzeaglechnik. Der japanische Marineoffizier Ternuchi bot ein Flugzeug rrfunden, dus in der Luft beliebig lang stehen bleibt. Proben lieierten den Beweis, daß sich Terauchi 140 Minuten in unveränderter Position in der Lust bölr. Auch ein„Wiederausbau". Direktor Rolf Ziegler vom Eise- nocher Stadttheater wird die Anme des von den Franzosen 1761 zerstörten Hochstifts bei Hersfeld mit Unterstützung der Stadt Hersfeld zu einem großen Freilichttheater" um- bauen. Tie DtaotSoPer veranstaltet zur Erinneninq au Me vor tM Jahren in den damaligen Känchlichrn Lchiuilpielen batlzekabten Ucautiöbiuvgen vou Vcber!„Ptejioie* und.flreiichü»-»wci Jr t ö c r• F eiern. Nm Sonntag, den 12.. rnittoa«',,12 Ilbr, wird ei.ic ülulfühTung der Musik zu„Preztolo- unter mufikaliicher Leitung Dr ffri? Stiedrds mit veibindendem Irrt, neuacilaltet und a elprochen von Dr. ßicorn Troescher und mit Frl. Svlot de Podilla in der Partie der Prezioio, srattsinden. Am Sonntag, den lS.. gebt der.Freischütz« in völliger Neuau-Zsiattung und Neuinszenierung tu Szene. «onimerspirle. Jmolge einer Flißverrenknng Anton Edt- b vi e i s. die er sich bei der Pnunere non üimcheS„SNobbu!« zuw. zogen Hot. muß der Spielplan in solgendcr Weise abgeändert weiden: Sonntag:.Büchse der Pandoru". Montag:„FiüblinzS Erwachen'. Tie Große Voltsoper Berlin veranstaltet am 2. Juli im Garten und i» sämtliche» Räumen de» Zoo«n großes Fett, bei dem die ersten Orchester und GelangBereiii« Berlins unier den bekanntesten Dirigenten neben den allerersten Solokrösten. die im'„'au'e des letzten Spielst Hees bei der Großen LoikSoper ausgetreten sind, m rt mittel,. Gr» st Tatler« jüugit, Vühneudichruug„Tie Buddiien« wurde im Dresdener.üuu in erHaus do.ch auiud Beictle zur Porleiuüz ge- bracht. Toller per, acht darin die Vorgänge der täglichen Maichinen- zerstorrr-Beiv-gairg am IVäO, den Austtand der H-udweier gegen die nni« ersim denen Webmaschine», ja einem Revolotumsdrama zu gepatiro, ftr. 261 ♦ SS. Fahrgattg 1. Seilage des vorwärts H$: i ■>\; Sonntag, 5. Juni 1921 SoMl-Romantit. Kein Wunder, wenn in dieser Zeit der Zerrüttung und Ver- fahrenheit die Weitbeglückungstheorien aus dem Boden schießen und auch in der schonen Literatur in Blüte stehen. Man geht nicht mehr von Erfahrungstheorien aus, beschäftigt sich mit dem sozialen Gedanken nicht um seiner selbst willen, man behandelt ihn ästhetisch, futuristisch, exzentrisch. Alle diese Sucher nach einer Idealform des Lebens empfinden die hierzu nötige Bewegung als Reflex. Wie ihr Organismus selbst darauf reflektiert, darauf kommt es ihnen an, sie wollen sich Reizzustände verschaffen. Die Verschiedenheit solcher Reizzustände läßt sich in einigen mir vorliegenden Romanen ver- folgen; ihre Verfasser geben sich den Anschein eines heiligen Ernstes, es ist ihnen vielleicht auch ehrlich ums Herz— jedoch, entkleidet aller schönen Worte, steht hinter ihrem Menschenglück immer versteckt das Ichglück, hinter ihrem Höhenmenschen immer der Genußmensch. Ihr Höhenflug strebt nach den Stationen des Genusses auch da, wo er wie Altruismus aussieht. Scharf besehen, entpuppen sich ihre Sentiments um Menschenleid, ihre Bekümmer- nisse und Helfebedürfnisse als Gefühlsspielerei, als jener feinste Egoismus, der sich im scheinbaren Altruismus seelische Wollust ver- schaffen will. Da ist in dem Roman K a s a i von Lugwig Winder(Ver- lag E. Rowohlt, Berlin) jenes Millionärssöhnchen Franz Heide- brand, der die Liebe zu den Menschen im Herzen trägt, das Getriebe der väterlichen Fabrik mit Ekel empfindet und seines Vaters Intsr- essenpolitit rhetorisch bekämpft. Und doch ist er nicht mehr, als eben nur Empfindungsmensch, der sein ganzes Leben auf Umwäl- zungen wartet, von denen er keine Vorstellung hat. Die Sache an sich gilt ihm eben weniger, als der Reizzustand, den sie bei ihm hervoruft, und wenn er es auch ein paar Wochen mit der Rolle eines niedrigen Arbeiters oersucht, so ist dies doch nur ein Experi- ment. Zwar horcht dieser artfremde Sohn des Kapitals lieber auf sein Herz, als auf das Getöse der Maschinen, indessen wo bleibt am Ende doch sein suchendes, unklares Herz hangen? Bei den Weibern, bei Sportoergnügen, beim Genuß. Ihm gegenüber steht Kasai, der afrikanische Findelknabe, dessen Schirmherr er wird! Er mit! ihn die Segnungen europäischer Kultur kosten lassen; aber, Kasai ist ein Ganzer, dieweil er, der Kulturmensch, nur ein Halder ist. Kasai, der undifferenzierte Triebmensch, verschleiert seine Natur nicht hinter Phrasen und macht sich das, was er in der„zivilisierten" Welt findet, brutal zunutze. Und so beneidet und haßt der Edel- trächtige den wilden glücklicheren Kasai. Ludwig Winder hat es verstanden. Tieferes anklingen zu lassen, er besitzt die zwingende Kraft, Gegenständliches bildnerisch zu formen, und wo er Beschrei- bendcs gibt, schützt ihn ein knapper, vielleicht manchmal zu aphoristi- scher Stil vor ermüdender Breite, so daß ein gewisser Gluthauch allen Kapiteln Feuer und Schwung gibt. Wie in Winders Roman ein Kind der andern Welt von Euro- Pens brüchiger Kultur aufgesogen wird und auch seinen Menschheit?- beglückenden Schirmherrn und Jdealsucher mit in den Abgrund der Ich- und Auslebetheorie reißt, so hat in O a n d a, Roman von Laurids Bruun(Gyldendalscher Berlag A.-G. Berlin) die Heldin einen stärkeren Schutz gegen die brausende Kultursymphonie oder richtiger Kulturdisharmonie New-Porks, wohin sie von ihrem stillen Eiland verschlagen wird, in ihrem gütigen Herzen. Dieses junge Mädchen ist gleichfalls vom Beglückungs- und Erlöserdrang besessen, aber, wo ihr Kopf sie im Stich läßt, schlägt ihre Herzens- güte eine Brücke, so daß sie Elend, Menschenhaß und Kapitals- Hochmut fast spielerisch besiegt. Die rohen Daseinskämpfe, des Fabrikbesitzers selbstsüchtige Herrschaft lösen sich in eitel Harmonie auf, denn ihre Devise lautet: liebet einander. Indessen, ist wirklich die Aufgabe gelöst, eine in Kncchtschafsenheit leidende Arbeiter- schar auf die Dau:r menschenwürdigen Zuständen zuzuführen, da- durch, daß der Kapitalist aus Liebe zu einer schönen Jdealistin deren Vorstellungen sozialer Beglückung zu Willen ist? Auch hier haben wir nicht die Umwandlung von Grund aus, sondern jene Reflex- bewegung, jenen feinsten Egoismus, der um der Selbstbeglückung willen in die Gestalt des Altruismus schlüpft. Wer Laurids Bruuns frühers Bücher, insbesondere sein Van-Zanten-Buch kennt, weiß, daß der Verfasser von einem Utopia der Menschengüte träumt, weiß auch, daß er seinen Träumen Gestalt zu geben versteht, und, wie seine Mattenwcberinnen der glücklichen Insel, in die Traumgesichte seiner schwärmenden Phantasie schöne Muster poetischer Kunst einwebt. Hatten wir in Oanda einen Sieg um der Liebe willen, so gibt der Roman: Der Ausrechte von Hans Gustav Wagner (Cottasche Buchhandlung Nachf., Stuttgart) eine Niederlage um der Liebe willen. Auch hier wird mit sozialen Problemen gerungen und den rechten Mitteln wahrer Volksbeglückung nachgeforscht. Das Weib Laja ist Kommunistin von reinstem Wasser, der Aufrechte ist Individualist, der erst mit sich selbst ins Reine kommen, an seinem Charakter, seiner Erleuchtung arbeiten will/ ehe er seine Kräfte der Allgemeinheit opfert. Und ein Glück der Massen erscheint ihm unmöglich, wenn nicht der einzelne erst sein Eigenglück gefunden. Dieses Glück besteht jedoch für ihn vor allem in der Liebe zu einem geliebten Wesen, und weil dieses gerade Laja. heißt und Kommunistin ist, gleitet auch der Aufrechte allmählich zum Kommu- nismus hinüber. Was also wieder anderes, als— Reflexbewegung? Allerdings rettet er sich zeitig genug aus dem umstrickenden Netz falscher Lebensanschauung, aber doch zu spät, um der Vernichtung gelegentlich eines kommunistischen Putsche? zu entgehen. Der Verfasser streut in seine Erzählung manchen trefflichen Gedanken, bleibt anerkennenswert frei von Tendenz, und fesselt doch durch seelische Wärme. Ein Buch mit reinen Zielen und getragen von Sehnsucht nach Wahrheit. Abhold der Phrase und doch eindring- lich, leider so wenig positiv wie die vorigen. Daß jedoch Positivität nicht immer ein Vorzug ist. könnte an Bill van Dyks Roman: Die Herrin von Kallborg (Verlag Conrad Hanf, Hamburg) illustriert werden. Erik Roß- müssen, der„Mann an sich", bei dem, wenn er liebt, es ist,„als brächen Gletscherflüsse über die Felsen im Frühling", stammt offen- bar aus dem Geschlecht der Positiven, und doch ist es ein Wedekind- scher Positivismus— der der Geschlechtlichkeit. Und auch das Weib, die Herrin, in einer Kette von Verwandlungen immer die eine, das Urweib, ist vom Lulu-Gepräge. Sie kennt nur die Wollust und saugt die Seele des Mannes auf. Lulu in Wedekinds Erdgeist hat eine Menagerie von Geschlechtstieren am Gängclbande ihrer Vam- pyrnatur, die Herrin von Kallborg hält's mit dem Starken, der mit dem Meere und seinen Stürmen fertig wird und doch nicht mit ihr. Denn sie ist die Glühend-Kalte, die nicht befruchtet. Vom „tiefen Denken" läßt sich wenig spüren, diese„Lustmenschen" sind kleine Ungeheuer, die mit dem Unterleib denken. Der Verfasser möchte sie zu lichtfrohen Uebermenschen stempeln, allein diese Act Glückseligkeitstheorie führt nicht in die reine Helle brüderlichen Allumfangens. Bill van Dyk verkleidet seine Wedekind-Pose in mythisches Gewand. Und seine Sprache hat Urlaute des Meeres, aber wenn die Wogen des Ueberschwangs genug geschäumt, streckt ein bleiches Artistentum seinen Kopf heraus. Ida Mauke-Vees. Mus aller Welt. Unwetterkatastrophen. Heber die Hochwasserkatastrophe im Alkatergebiet werden folgende Einzelheiten bekannt: Die heimgesuchte Gegend bietet ein Bild namenlosen Elends. Der Schaden auf den Feldern ist ungeheuer. Die ganze Ernte ist anscheinend vernichtet. Im Ge- birge erfolgten große Erorutsche. Außer den bereits gemel- deten Ortschaften sind auch die Gebirgsgemeinden G r ö d i tz und Breitenfurt, in denen schon vor Wochen ein Unwetter großen Schaden anrichtete, wiederum stark Heimgeslicht worden. Auch dort sind sämtliche Brücken zerstört und viel Privateigentum ist ver- nichtet. Die genaue Zahl ver Opser ist noch nicht festgestellt. Die Windhose, die in der Nacht zum Freitag über das Oftrau-Karwiner Kohlengebiet hinwegging, richtete in den Orten Poremba, Peterswald und Radwanitz eine furchtbare Verheerung an. Die Gegend gleicht einem Trümmerhaufen. Telephon- und Telegraphenleitungen find zerstört. Der Straßen- bahnverkehr und die Ueberlandbahnen sind vollständig lahmgelegt, da die Gleise unterwühlt sind. Gleichzeitig mit dem Wirbel- st u r m ging ein Wolkenbruch nieder. Die Felder sind voll- ständig vernichtet, zahlreiche Häuser gänzlich zerstört oder abgedeckt. In Eugen-Kolonie bei Peterswald sind allein 16 Privat- Häuser und 12 der Berg- und Hüttengesellschaft gehörende Gebäude zum Teil vernichtet oder schwer beschädigt. Sämtliche Bäume längs der Straßen und in den Gärten sind entwurzelt. Die Wieder- ausnähme des Grubenbetriebs sowie des Verkehrs ist vor 14 Tagen unmöglich. Wetterkatastrophe in Oberösterreich. Den Wiener Blättern zu- folge fanden bei der Wetterkatastrophe, welche in den österreichischen Alpenländern große Verheerungen anrichtete, zwei Frauen und zwei Kinder den Tod. Das Salzkammergut und Oderösterreich schweben in Hochwassergefahr._. Kampf mit Schmugglern. Im böhmischen Grenzstädtchen Böh- misch-Wiesenthal, auf der Siolzenheiner Höhe, kam es am Mittwoch abend zu einem schweren Kampf zwischen zwei tschechischen Grenzaufsehern und drei Schmugglern. Die Schmuggler, die in Rucksäcken Fleisch bei sich trugen, gingen mit den Aufsehern, dis nichts ahnten, ein Stück Wegs gemeinsam, bis sie plötzlich auf den verabredeten Ruf: Los! alle drei über die Aufseher herfielen und ihnen die Gewehre entrissen und sie derart bearbeiteten, daß der eine Grenzaufseher tot liegen blieb. Der andere Aufseher trug am Kopfe schwere Verletzungen davon. Man nimmt an, daß die Schmuggler aus Sachsen stammen. Teure Sardellen. Wegen verbotener Einfuhr von Sar» bellen wurden in Geestemünde der Fischhändler Wettering zu sechs Wochen Geängnis und 453 WO At. Geldstrafe, Fischhändler Wesemann zu vier Wochen Gefängnis und 130 060 M. �Geldstrafe und der Fischhändler Stade zu vier Wochen Gefängnis und 30 600 M. Geldstrafe verurteilt. Der Rassenkamps in Oklahoma. Wie der Exchange-Telcgraph ans NewDork meldet, beträgt die Anzahl der Opfer in den Kämpfen zwischen Weißen und Negern in T u l s a(Oklahoma) 175.(In der ersten Meldung war fälschlich der gleichnamige Hauptort der Provinz Oklahoma als Kampfort genannt worden). Einer der hesligften Kämpfe bei den Zusanimenstößen zwischen Weißen und Negern enk- spann sich um eine Kirche, in der sich fünfzig Neger verschanzt hatten. Mehrere Angriffe der Weißen wurden durch Schüsse ab- gewiesen. Schließlich wurde die Kirche in Brand gesteckt, worauf die Verteidiger sie räumten. Mehrere Neger wurden getötet. (Schlui des redaktionellen Teils.) Wie befreie ich mich von miaymatisüiiisl Rheumatismus und Gicht sind Stoffwechselkrankheiten. Das Blut ist bei diesen schmerzhaften Leiden nicht imstande, alle Schlacken, die aus dem Verbrennunpsprozess des Körpers als Rückstand bleiben, hinwegzuspülen. Deshalb lagern sich diese Rückstände, besonders die schädliche Harnsäure, in den Muskeln und Gelenken ab. Dort erzeugt sie die so schmerzhaften, und die Bewegung hindernden Gichtknoten oder rheumatischen Verdickungen. Sie sind nur dauernd zu beseitigen durch die Abtragung der Harnsäure- Ablagerungen. Zweckmäßig geschieht das durch die auf die alten unschädlichen und bewährten Vorseht iften des verstorbenen Dr. med. Olaf Toft zurückgreifenden Levathol-Tabletfen. Diese Levathol-Tablettcn haben folgende Zusammensetzung: rad. sarsaparillae 5, amm. spiric. 5, potass. jodid. 5, f. leg, art. tabl. 100, Dieselben sind leicht und bequem zu nehmen. Fordern Sie ausdrGckllch Levatfiolpräparate, weisen Sie Nachahmungen zurück. 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Könlggrätzer Str.: Täglich 7.30 Uhr: Mit kern Zweiter spielen S Uhr: Soknn» TSlaate Maria Orska Johannes Kiemann, Paul Bitdt Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhn DAS Hilde WCrncr, Ralph Artur Roberts, Uschi Elleot, Herbert Klper, Paul Rchkopf Komödienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Sngell von Robert Winterberg| Paul Heidemann a. G. Josefine Dora v, Staatsth. I a.O, Inge van derStraaten,[ Isa Marsen, Georg Basclt,! Kurt Busch, Julius Rogg| Centrnl-Theatcr TV, Uhr: JlOUka Uentschea OpernUan» 6«/, uhr: Margarete Krlertr. AVtlkelmat.Th. Jfe Die Kleine aus der BöUe Rl. Srliaunplelhaus iv, uhn Reigen Kleines Theater 4 Uhr: Nur ein Traum 7v.u.:MDr ein Traum I.uatspielbaue TU Uhr: Arnold Rleclc in Die spanisch. Flieg. iHetropol-Theuter Jhr: Die blaue Mazur Menea Operetteutheat. 7'/,uhr:Araerican-Girl Neue« V»Ik«theater 7 uhr: Die St. Jakohslslirl Keaidenx-Theater 31/,: Lady Windermer. Fächer 7 v.uhr; Ab dafür SeUUler-Theat. Chart. 3 Uhr: Der Meineidbauer .vhrtut Deideiherg HchloBpark• Tiieat. Steglitz, SchloßstraBe 48 7(j: Donna Diana ThaMa-Thratcr 7V. uhr: Mascottchen Th.amlVoUendorrplaCR SVt: Wenn Liebe erwacht Jhr: Der Vetter ans Dingsda TheaterB2nlagen and Balletts. Sommerpreise! Theater am MendschlaK niiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiniiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinfiKiiiiiiiiiiiiTii Allabendlich i/28 Uhr: Operette in Z Allen ion Hermann Halle» u.»i-bcomud nach einem Lustspiel»an K empnrr.Ho chstiidt. Musik von Gbnarb Künnete. : Bolls« Ztg.: Ein Bombenerfolg, wie von Anfang! > an richtig vorattsgeahnt. \ B. 3« a. M«: Ein Erfolg, ein voller und ganzer, i ! Boff. Ztg.: Auch der Verwöhnte— das darf j j man ohne Uebertreibung sage»— wird die an-- - genehme Bekanntschaft dieses gestern mit Jubel- i degrüßten»Vetter aus Dingsda- suchen, j :............................................................................J 5ür die Leser des„Vorwärts" Gültig vom S. 6. bis 19. 6. für 1— S Personen Nur Wochentag». Für alle vachsteh. PlSSe Halbe Menpreise: II. Rang-Tribüae II. Mang-Balfon i. Rang-Baffou II. Rang 1. Rang Parkett Sonnabond« fvl f. 1.— Ausschlag. Keine Unterbrechung der Spielzeit während des Sommers! Uiuermintieri relch- haiiljier Soieipiant JUNI- PROGRAMM: Gastspiel Karl Armsler v. d. Staatsoper Arie Hans Meiling Lieder, Balladen. Ferner: Vortragskunst Carl Bernhard Plastik Neue Bildwerke nach Dr. Angelos Entwürlen Drahtseil 3 Veras Turnen 3 Flnlays am Reck Imitator K. Baidur BALLETT 8) Gerda Quid« 3 Solo-Tänze b) Rumänische Tänze (12 Damen) ienne Jogischer Karte«. Heute I. Sonntag Im Monat): zo.Ta,m ie 2 M. Nachmittags Groß. Doppel-Konzert A S ch i m v a n s e n jetzt ibr Eommerquartier bei Ken Üldlerielie» bezogen, wohin die Zllenichcn- aifensration verlegt worden ist. Tort daben sie einen großen, ganz freien Auslauf, in dem sie sich je nach Laune übermütig umberlumnieln oder bell aglich gruppieren, jedenfalls aber können sie dort noch beiier gesehen und beobachtet werden als im Afienhanie. und werden das Publikum in noch erhohterem Maße anzicben und feficln. Au diesem ersten Iuni-Sonntag rostet der Eintritt nur 2 M., ebenso für das Ngiiarium, das von 3—7 Uhr geöffnet ist. Im Garten großes Nachmittags-Doppelkonzert der Kapellen unter Leitung der Obermustkmeister Knoch und Loeser. »Licht und Finsternis im Meerc� lautet das Thema des mit zabl- reichen Lichtbildern ausgestatteten Bortrages. den Herr Prof. Dr. Ludwig Brühl am Mttwoch, den 8. Juni, abends 7'k, Uhr, sin großeir Hörsaal der Treptow-Stern warte hält.—.Wunder d e S Schneeschuhs", der berühmte Ratursilm, wird jetzt in der Treptow-Stern- wart» vorgeführt: Sonntag, den 5.. nachm. 4 und 8 Uhr, Tonnerstag, de« 3., abends 8 Uhr, Sonnabend, den 11, abends 8 Uhr., Apollo-Tcheater. Schrecklich der Gedanke, einen Gedanken saffen zu tnüssen. Bei d i c Hitze l Es ist denn auch dem Autor des neuen Sommer- AusstattungS-Zcitbildes.Tip-Tch-Huira", C. Brclichneider, mit anerkennens- mertcr Mühe gelungen, sein hübsches Spiel mit keinerlei Lberslüisigem Ballakt von Gedanken zu befrachten. Ter Mann au» dem Rheinland'mit der weichen gemütlichen Stimme— Wilhelm Hartstein— macht die Sache fast ganz allein, und die Leute lachen Tränen über ihn. schwitzen, ichimvien über die Hitze und lachen. Tie Regie kriegt das Kunststück serllg, thn benebst zwei anderen aus wirtlichen Pferden über die Bühne jagen zu lasten. �Tiv-Tip" deutet nämlich nicht etwa ans ein paar lustige Tippfräuleins, sondern aus den Rennlport. �Dieser Ilmstand und die weitere Talsache. daß ein Teil des Stückes im Seebad ipielte(übrigens mit einer wirklich ganz entzückenden EnilleidiingSizcnc als Schattenspiel), lassen auch aus das soziale Gemüt von Bersasser und Autor schließen. Die Damen tonnten — bei die Hitze— im allerlus tieften Kostüm erscheinen. Denn eS will schon waS bedeuten, bei 80 Grad im Schatten anbei cn Leuten den ganzen Abend vortanzen, springen, horsten, singen und laufen zu muffen, nicht wahr? Zlußer Hartftein taten sich Elsa Gchloicka, Heinz Sarnow. Erna Aiberttz und der übermütige Albert Paulig bervor. Tie Musik, von Direktor Klein selbst beigesteuert, war flüssig und emichmeichelnd, Balletts entzückend, tztuSiIattung und Regie tadellos. UebrigenS wurde, unter dem Besiallsballo des'Parketts, Karl vonHabSburg.durch den Kakao gezogen" und ein ehe- maliger sozialiiiijcher Mmiiter llerävpclt.«ber. was viel näher liegt, an Eitel Schiederich, seinen Paba und sein Brüderlein trauen sie sich nicht heran. Dazu sind die deutschen Komiker, die heule alle Freiheiten der Republik ausnutzen, viel zu f e i iijühli g e!ke:le. Verloren. Am Freitag, den 3. Juni, Hot ein Arbciterrot au> der Fahrt von Ricder'chöneweide nach Treptow in dem Zuge der Stadtbahn »och Westend(12 Uhr 20 nachm.) eine schwarze Wachstuchtasche liegen lassen. Tie Tasche enihielt: Kowmcnlar zum Beliiebsrätegeietz. Notizblock mit schr wichtigen Notizen, welche nur sür den Verlierer einen Wert haben und Ziauchzcug. Um recht schnelle Rückgabe bittet Der Arbeitcrrat. J. V. Hamann. Allumulatorensadrik A.-G., Lberfchöncmeide, Wilbclmineiihoj-: I trage 68. Brot und Mcbl. In der Woche vom 6. bis 12. Juni dars Bröl und Mehl nur auf die Broikarle abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwart.Sarottis Frühsiücktknlao" tragen. Brot und Mcdl auf die Karle mit dem Stichwort„Sarottis Frühflückskalao" darf erst von Montag, den 6. Juni, ab verkauft werden. Demonstration der Lazarettinfaffe». Sonntag, den S.Juni, nach- mittags 2 Ubr, Temoiistratiou der Lazarcllinfasfcii Groß-BerlinS am Lüsten- viatz. Cdarlotlenburg. Kein Kriegsopfer darf fehlen. Erscheint in Massen, ganz gleich welcher Organisation. Groß'Serliner parteinachrichtea. Morgen, ZNonwg, den 6. Juni: ss 15. Kreis Z!iederschs>>e»eid«. 7U> LH» bei Stächet,©riinoaer Str. 8, 75 Sitzung sämtlicher Mirgtieder ber Bilduugsausschüsse, der Barstände der Z Iugenr-iereiirr, drr S«s-»g. und der Tnrnoercine, znxui,«esprechnrg— Sä Über ein gemeinsame, Sottfest. M 18. Kreis Beitzensee.">4 Ahr Krrisnertreterveisonnnlu»» i« Lokol 75 von©ompe, Sichtenberget Str. 8. Sichtige Tagesordnung an# Reu muht des Borstande,.. 20. Kreis Neinickeuders. 6 Uhr in Nathan, zn Bitten an erweiterte Ztrei-uorstaudssitzung. Stadt- and Sezirlsaerordaete find hiermit ein- goladea. Ziimschau. »SltkaS ber Gewaltige� heißt em italienischer Artistenkilm. den die Berolwa-Film-Geiellschast Vertretern der Presse vorsühete. Die italienische Ziamens. und Gcidaristolratie dars nicht aus der Uebung kommen! um in Ken Besitz des ftetS unermeßlichen Vermögens der»rechtmäßigen Linie" zu gelangen, wird alles gemordet oder unschuldig inS GesänguiS gebracht, was im Wege steht. Der Erbe, der unter Indianern aufwächst, dann zur Kultur zurückiehrt, weiß sich in mannigfache« abenteuerlichen Kämpf?« wieder in den Unumstrittenen Besitz feines Vermögens und der Geliebte« seines Herzens zu fetzen und seinen Lheim, den Uebeltäter, unschädlich zu machen. Eine echt» rechte Geschichte au» dem Filmland, die sich iorgids an aller Logik deS AuldauS der Handlung und ähnlichen unnützen Dingen vorüber- gebt. Es wird sriich dtausloS ein Artiftenkunslstiit nach dem andern gezeigt, eme lebensgefährliche Szene a la Shcrlok Hoimcs nach der anderen. Die Riestard-OSwald-Ltchtspisle bringen zurzeit eine Veriilmung von Karl SchönhcrrS geivaltigem Werk.Glaube und Heimat". Auch wer mit dem größten Mißtrauen i» die Lichtipiet« gebt, muß«in- gestehen, daß ihm in dieiem �ilm eine achtbare Leistung geboten wurde. Man sah vorzügliche Darbietungen. Das schwere Erlebe« der einzelnen tun ihre» Glaubens willen vertriebenen Personen zwingt unbedingt zum Mitfühlen.. und tiefe Eroriffenheit lam über vieie Zuschauer, als Rott, seinen toten Buben auf dem Wagen, zu seiner Frau sagt:.Weib, schied' an, wir suchen eine neue Heimat" und der wilde Reiter vor dem Madonnenbilk fem Schwert zerbricht. Martm 2 ü b b e r l. Ferdinand E x I. Anna Ex l, Ernst Auer, Ludwig Auer. Narre Meier und Eduard Köck boten Beachtenswertes. Dieser Film wird seinen Weg machen. �lus unseren öerliner Kreisen. Der Kreis Prenzlauer Tor hielt seine Kreisoertreterner- samwluna ab, in der der Kreisoorsitzende Kemnig den Beschäfls- boricht über das verflossene Geschästssoh: erstattete und an der Hand von Zahlen zeigte, daß die Organisation stetig fortschrcile. Die Wahl der Kreisleitung ergab: M. Kemnitz, P. Littouer. Vorsitzende; Kiehlreiter, Schriftführer;" Frau Kitte, Stellvertrcterin; Seelbinder, Streitner. Kling, Jahn, Schönfeld, Dehnte, Beisitzer. Vertreterin der Genossinnen Frau Hamann. Vertreter der Jugend Walter Rüdi- oer und Vertreter der Vezirksverordneten Heinriiy Metzke. Neuge- Bauer vertritt die Elternbeiräte. Der Kreisbildungsausschutz wird sich erst konstituieren. Der vom Kreis gebildete Männerchor hat sich gut entwickelt, was allerseits anerkannt wurde. c" i'"'t lZ £-r;.p.-ik.Zu yUim— i. Im',. fest— 4. Bdt. 7(6 Uhr bei Rückert, Steinmrtzstr. Zs», Sitzung der Bezirksführer und Betriebsvertrauensleute. 8. Abt."li Uhr bei Glaser. Sottbusrr Ufer 8S/40, Sitzung sämtlicher Funk- tionäre, Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte. 12. Ab!. 8 Uhr Borsiandsstbung bei Henschel, Wrangelftr. tos. 7 Lhr Sitzung der Betriebsoertrauensleut», Przrrksführcr und Elternbeiräte. Sichtige Tagesordnung, Erscheinen unbedingt erforderlich. 13. Abt. 7 Uhr bei Kastan, Sitschiner Srr. 62, Sitzung sämtlicher Funktionäre. Belriebsvertrauensleut« und Elternbeiräte. 24. Abi. 7 Uhr Sitzung der Funktionäre. Betriedsnertrauensleuts und Eltern- beiräle der Riisner, Zimmanuelkirchstr. 25. Wichtige Tage«>idnnng. 30. Abt. 7ZH Uhr Sitzung des Ableilungsnorstande» mit den Bezirksmhrern, Kreisdelrgierten und Bclriibsoertrunensleuten bei A. Sari, Wichertstr. SS. Kurze wichtige Aussprach-, 34. Abt. 7 Uhr Sitzung der Parteifunktionäre und Betriebsnertrauenaleute bei Obiglo, Stralsundec Str. 11. 35. Abt. 7t» Uhr, Sitzung der Bezirkssllhrer und Betriebsvertrauensleute bei Krüger, Husstteni«. 34. 38. Abt. IM Uhr bei Tritniver, Flensbtrrger Str. 3, Funktionärfitzuna. 42. Ad!. 70, Uhr bei Behrens, Tegeler Str. 22. Sitzung der Dezirksfilhrer und Veirlebsnertraucnsleutc. 43. Abt. 7 Uhr Sitzung des Abteilungsnorstanbc» und sämtlicher Funktionäre bei Diebel, Pankftr. 82. 48. Abt. 7 Uhr Funktionärnersommluna bei Dünther, Stetnickendorfer Str. Sl. Sämtliche Funktionäre und die Delegierten zur Kreisveetreternersammlung müffen erscheinen. 47. Abt. 7 Uhr wichtige Beiprechung des Abteilungmwrstandes mit den Be- zirksfllhrern bei Radzon, B'.tisteler Str. 43. Erscheinen dringend notwendig. 45. Abt. IM Uhr Sitzung der Bezirksführer und Betriebsvertrauensleute bei Taub«. Milllerstr. KZ». Karten zum Waldfes! beim Kossterer, bei den Bezirkssührern. bei Lewanbowski, Seestr. 104, bei Erunewald, Kameruner Straße IS und bei Taube, Müllerstr. S2,. 58. Abt. Ehartettenharg. 7t, Uhr Sitzung des Abtetlungsvorstande, und der Funktionäre der Schneider, Holtzendarfsstr. 14. Sichtrge Tagesordnung. 88. Abt. Mariendorf. 71t Uhr Funktionärsttzung bei Hoch, Ehauffeestr. 44. Pürrktliches und vollzähliaes Erscheinen Pflicht. 114.-11». Abt. Lickitenberz. 7Vn Uhr Funktionärkonferenz bei Kurkowaki, Pfaff. straße 74. Erscheinen aller Kreisoorstandomitglieder und Betriebsver. trauensleute ist unbedingt notwendig. Mitgliedsbuch und Legitimation»- karte mitbringen. l2t. Abt. karlshoeft. 8 Uhr Borstandssttzung bei Nieschan, Baldowallee 1. Ausslug dce Iugendsektion zum Wernsdorfer See am Sonntag. Treff- Punkt früh sz7 Uhr am Bahnhof Karlshorft. Sientälln. e Uhr bei Lehmann, Weser-, Eck« Tellftraße. Sitzung der SPD.- Elternbeiräte der 81. und 32. Scmeindeschule, Rütlistraße. Uebermorgen, Dienstag, den 7. Juni: 4. Kreis Prenzlauer Tor. 7 Uhr Sitzana de» alten und ecara- Kreisoorftanb«, und de, alten und neuen Sreisbrldungsansschnffe, sowie v- de» Aktionsaaaschaffe» der Elternbeirat« bei Burg, Prenzlauer Allee 18».|| 8. Krci, S-Ieschcs Tor.'M Uhr im Neichenbrrger Hof. Neichen- Berate Str. 147, Bersawmlung der ElUrabeirat« and Kandidaten. »llge» Erscheinen erfordert 27. Abt. IM Uhr Sitzung der Funktionäre und Betriebsvertrauensleute bei Dobrohlaw, Swinemünde. Str. 11 74. Abt. gehlenborf. 8 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre beim Denosten Micklen, Potsdamer Str. 25. 81. Abt. Zriedena«. IM Uhr Miigliedoiveifammlung im Desellschostszimmer des Rathauses, Am Lanierplatz. Thema:„Regierungsbildung— USPD. und Rechtsparteien". Referent Dr. Aechlin. 114, Abt. Lichtenberg. IM Uhr Mitgliederveriammlung im Lokal Rienäcker, Simon-Doch-Ltr. Lg. Zhemo:„RegicrunzZbildung und Sozialdemokratie". Referent Eenoff« Heinrich Liorbücher. Irauenabenöe. ZNonlag. den ö. Juni; 35. Abt. 8 Uhr bei Müller, Hufsitenstr. 18. Re>erentin Senvfstn Erna Düsing. Dienstag, den 7. Juni: 105. Abt. Adlershaf. 7Zj Uhr im Zeichensaal der Schule Radickestr. 2. Thema: „Wohlfahrtspflege". Referentin wenofstn Schcrdenhuber. llebungsstunden der SPD.-Chöre. Anfragen stnd zu richten an K. Schul», Eharlottenburg, Kirchstr. 33. Montag. 7>«, Uhr: Ärbeitergesanaoercin„Einigkeit". B u ch h o I Z bei Hennig. Pasewatter Str. 50.— Bez. Männerchor Friedrichshain im „Andreas-Kasino". Andreosstr. 3.— Frauouchor„Frohsinn". E h- r l o l t e n- bürg. Aula, Äosinenstrasie 14.—..Liederfreunde" Borfigwolde. Wittenau- Tegel bei Schade, Peidisiraße. Ecke Berliner Straße. — L Uhr: So,. Männerchor Prenzt. Tor, Botzow-Brauerei, Prenzlauer Allee. — Dienstag, l'ch Uhr: Soz. Männerchor Hallesche» Tor in der Aula der lt. Realschule. Boeckhstr.(hl».—„Harmonie"-Weißens««(8 Uhrl ! Weg.— Eoz. Mönnerchor Maricndors,48—10 Uhr. Sonnabend nachmittag Sommerfrst hei Stecher« am Behnhof Martendorf. Konzert, Gelang, Ainderbemstigung und Tanz. Alle Freunde und Genosten sind herzlichst eingeladen. Karten» 2 M. in den Be- ztr'swlolen. bei allen Sängern sowie an der Tageskasse. Wirtschaft Die Reichsmark nach öem Ultimatum. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Tatsache, daß eine Re« ffierung zur Annabnie deS Ultimatums gebildet war. besserte sich der Stand der Mark im Ausland. Wir wiesen damals bereits darauf hin, daß bei der Besserung der Mark spekulative Gründe wirksam waren, da es dem Ausland nicht entgangen sein konnte, daß die eingegangenen Verpflichtungen über alle Vorstellungen von der Leistungssähigkeit Deutschlands hinausgingen. In der Tat hat sich seitdem der Preis der ausländischen Devisen ander Berliner Börse wieder unter leichten Schwankungen allmählich er- höht. Einen Ueberblick über die Entwicklung gibt nachstehende Tabelle, die den Stand der Mark vom v. Mai mir den Kursen an den folgenden Wochenenden vergleicht. ES kosteten in Mark: am S. k. 13. 5. 21. 6. 100 ball. Gulden 2S8S.S0 2077.90 2,82.88 1 Pfd. Sterling 1 Dollar... 100 sranzös. Fr. 100 Schweiz. Fr. 100 österr. Kr. abgestempelt 100 rschech. Kr. 268.20 67,13 880.40 1193.30 10.68 93,68 233,00 88.31 497.00 1036,98 13.88 84,40 237.08 69,44 817,48 1072,68 14.93 88,18 28. 8. 2169,70 242,87 62,30 820.98 1098,90 15,08 90,50 3. 6. 2192,80 247.05 63,68 828.65 1116,35 14,68 92,90 Die Tabelle zeigt also einen leichten Rückgang der Mark etwa auf den DurchschnitlskurS, den fie vor der Annahm« deS Ultimatums innegehalten hat. Diese Tatsache ist außerordentlich bemerkenswert. Man mutz sich vergegenwärtigen, datz das Deutsche Reich die erste Goldmilliarde sozusagen aus dem Nichts auf- gebracht hat— ohne neue Steuern, ohne überhaupt in irgend einer Weise auf die Zahlung gerüstet gewesen zu sein. Etwa drei Milliarden Goldmark jährlich betragen die ersten Jahres- zahlungen. Mit anderen Worten: Das Reich mutz vorläusig auf dem Wege des Ankaufs an jedem Börsentoge über 10 Millionen Goldmark Devisen an sich bringen. Das geht natürlich nicht so jchematiich vor sich. Steht der Kurs günstiger, so wird stärker ge- kauft, als wenn die Valuta sinkt. Aber allein die ständige Nach- frage des Reiches nach fremde» Wechseln mutz bei passiver Handels- Bilanz auf den Kurs der Mark einen starken Druck ausüben. Trotzdem kann von einem Sturz der Mark bisher nicht die Rede sein. DaS beweift, datz im Auslande die Mark sich noch eines hohen Vertrauens erfreut und noch verhältnisnsätzig lebhaft gelauft wird. DaS zeigte sich in der BerichtSzeit auch auf einem anderen Gebiete, nämlich auf dem Markt älterer, niedrig verzinslicher ReichSanleihen und preuhischer Anleihen, die längst nicht in so grotzen Mengen im Verkehr sind, wie etwa Kriegsanleihen. Die drei-, dreiundeinhalb- und vierprozentigen deutschen ReichSanleihen stiegen derart, datz sie im Kurse nur noch wenig hinter den fünf- prozentigen Kriegsanleihen zurückblieben. Die Kurierhöhung wurde auf Käufe deS Auslandes zurückgeführt. In den letzten Tagen haben die Kurse wieder ein wenig nachgegeben. Vier- prozenlige Deutsche ReichSanleihe machte davon eine Ausnahme und hielt sich über 78 Proz., während die anderen Papiere durch- weg etwas zurückgingen. . Die Stetigkeit aber, mit der die Mark nach abwärts neigt. läßt darauf schlictzen, datz diese Bewegung sich mit Beschleunigung fortsetzen wird, wenn es nicht gelingt, die Wiedergutmachungslasten sobald als möglich ouS'einer gesteigerten Produktion aufzubringen. Darüber, datz die» vorläufig nicht möglich ist. sind sich auch diejenigen Leute klar, die das Steuerprogramm der Reichs- regierung bemängeln, ohne ein besseres an seine Stelle setzen zu können oder zu wollen. Die Inhaber der Goldwerte, deren grötzler Teil noch bis vor kurzem von der Undurchführbarkeit des Ultimatums überzeugt war, werden ihren Widerstand gegen eine Beteiligung des Reiche» am Volksvermögen ausgeben müssen, wenn sie nicht wollen, datz die ohnehin durch die Steuergesetzgebung herbeigeführte Geldentwertung zu einer enormen Steigerung de» Notenumlaufs und damit auch zur weiteren Verschlechterung der Valuta führen soll.__ Ein inketnalianalcs Institut für den Welthandel. Für die sta- tistische Erfasiung der landwirtschaftlichen Produktion der Welt besteht ein internationales Institut in Rom. Für den Handel ist jeßt ein ähnliches Institut unter Teilnahme von 16 Staaten in Brüssel errichtet worden. Dieses soll die statistischen Daten des Welthandels sammeln, eine Abteilung desselben aber die Handelsgesetzgebung und die Handelsverträge verfolgen. Eine Nachrichtenübermittlung durch drahtlose Tclegraphie ist vorgesehen. Gelreide- und Baumwollvorräte Nordamerikas. Die amtlichen Marktbericht« geben einen für den Export bereitstehenden Weizen- Überschutz von 168 Millionen Bushels(ein Bufhel=: 36 Liter» in den Bereinigten Staaten und Kanada an. Die gesamte Ernte be« lief sich auf 1 Milliarde 360 Millionen Bushels; davon entfallen auf den Bedarf beider Staaten 720 Millionen Bushels. Bon den vcr- bleibenden 442 Millionen Bushels sind 278 Millionen bereits ver- schifft, und der Ne�t steht zur Ausfuhr bereit. Der Baumwoll» Überschuh beträgt noch diesem Bericht für die ganze Welt unge- fähr 10 Millionen Ballen, wovon 6 750 000 Ballen auf die Pro- duktion der Bereinigten Staaten entfallen. Avbommw Hehtxoc AubeiraewähnlSoh tsreSswarli Xinier-WasäikleMer � � au» guten, geblümten Stoffen, SO cm lang, Stüde nCO'v Ii Je 5 em länger mehr QJ.00 4,00 am hühtchcn, hellen Voilestaffen, SO cm lang, Stück»S.5|y 4.00" 00 ;• 5 cm länger mehr 4.00 6.00 au» hübschen Sommerstoffen im Preise bedeutend ermäßigt Batktisch-MMif verechieden*££****] ff** doM Meter M � Wä sch e stoffe JSfC Twv. 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Die Befürworter weisen darauf hin, daß die Gewerkschaften den Arbeitsgemeinschaften beigetreten seien, um die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter an der Führung der Wirtschaft zu beteiligen. Solange noch keine Organisationsform vorhanden sei, welche die Arbeitsgemeinschaft ersetzen könne, wäre es unklug, aus ihnen her- auszugehen. Man müsse danach streben, daß die Arbeitsgemein- schaften dadurch überflüssig würden, indem man das Betriebsröte- gefetz weiter ausbaue. Hoffentlich bedeuteten auch die Bezirkswirt- fchaftsräte einen wesentlichen Schritt nach vorwärts. Es sei in der gegenwärtigen Zeit im Interesse der Arbeiter direkt falsch, wenn man sich die Möglichkeit der Mitkontrolle selbst verbaue. Der Ge- danke der paritätischen Mitarbeit durch die Gewerkschaften sei in Wirklichkeit ein Zentralproblem für den Reubau der Wirtschaft überhaupt. Deshalb sei es im Interesse der Gewerkschaftsbewegung notwendig, daß die ArbeiMehmerorganisationen mit ruhigem, nüch- ternem Wirklichkeitssinne die Arbeitsgemeinschaften als einen Kamps- boden betrachten, auf dem sie ihre Kräfte stählen können, um sich den Aufgaben der Zukunft gewachsen zu zeigen. Auch die Befür- worter ständen den Arbeitsgemeinschaften abwartend gegenüber-, je nach den Verhältnissen würde man Stellung zu den Arbeits» gemeinschaften nehmen müssen. Die Gegner der Arbeitsgemeinschaft führten aus, daß sie die Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern nicht als ein geeignetes Mittel betrachten, die Interessen der Bergarbeiter wirksam wahrzu» nehmen. Ein gemeinsames Interessengebiet könne es niemals geben, weil die Gegensätze des Klasseninteresses dem stets entgegenständen. Die Unternehmer hätten es geschickt verstanden, ihre eigenen Vor- teile so wahrzunehmen, daß heute das kapitalistische System stärker und gefestigter als se zuvor dastehe. Das brutale Vorgehen der Werksunternehmer in der Kaliindustrie sowie das stärkere hervortreten des herrn-im-haufe- Standpunktes beweise sehr deutlich, daß nicht in der Klassenharmonie, sondern nur im schärfsten Kampf Vorteile errungen werden könnten, die den Sieg des Sozialismus verbürgten. Sie verlangen, daß der Ver» bandsoorstond bei der nächsten Konferenz des ADGB. einen An- trag auf Aufhebung der Arbeitsgemeinschaft stelle. H u e führt aus, daß man die Frage der Arbeitsgemeinschaft nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten einstellen könne. Auch die Befürworter der Arbeitsgemeinschaften hätten an dieser Jnsti- tution vieles auszusetzen. Wahr sei, daß die Unternehmer nichts gelernt, aber vieles vergessen hätten. Notwendig sei, daß die Einheit und Geschlossenheit der deutschen Arbeiterschaft hergestellt werde, dann wäre vielleicht auch die Frage der Arbeits- gemeinschaft erledigt. Denn nur durch die Einheitsfront des schaf- senden Proletariats Deutschlands könne man dazu kommen, daß die Arbeiterklasse als maßgebender ökonomischer Faktor den Aus- schlag im deutschen Wirtschaftsleben gebe. U m b r e i t vom ADGB. stellt richtig, daß nur die Bauarbeiter aus der Arbeitsgemeinschaft ausgetreten sind, und daß somit die Angaben einiger Oppositionsredner, es seien sehr viele Gewerkschaf- ten aus der Arbeitsgemeinschaft ausgetreten, nicht den Tatsachen entsprechen. In einer Richtigstellung stellt Hue fest, daß entgegen der An- gäbe eines Oppositionsredners, die Reichswerke würden sich nicht rentieren, und mit ungeheuren Defiziten arbeiten, gerade das G e g e n t e i l der Fall sei. Dasselbe behaupteten ja auch die Blätter der Rechtsparteien, die Stinnespresse und die Privatkapitalisten. Tatsache sei, daß die Reichswerke keine Defizite mochten, sondern bereits eine größere Rentabilität als früher, und als manches privat- kapitalistische Großunternehmen, erreicht hätten. Auch genügten diese Werke höheren sozialen Anforderungen. Bei der A b st i m m u n g über die Anträge, die zu dem Punkt Arbeitsgemeinschaft vorliegen, verlangt die Opposition, daß die Dele- gierten und die Angestellten des Verbandes über diese Frage ge- trennt abstimmen. Das lehnt der Kongreß aber mit übergroßer Mehrheit ab. Sodann wird der Vorstandsresolution g�ezen 42 Stimmen zugestimmt. Sie besagt:„Die 2Z. Gene- ralversammlung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands be- trachtet die Arbeitsgemeinschaften nach wie vor al» ein geeignetes Mittel zur Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Berufsangehörigen. Unser Bestreben muß darauf gerichtet sein, die Arbeitsgemeinschaf- ten zugunsten der Arbeitnehmer zu benutzen. Die Tätigkeit in diesen läßt uns auch die Zusammenhänge in der Volkswirtschaft klarer erkennen. Die Gewerkschaften sind ihnen beigetreten, um auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter an der Führung der Wirt- schaft zu beteiligen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, sind die Arbeitsgemeinschaften auch ein brauchbares Mittel im Kampfe um die Eroberung der wirtschaftlichen Macht und für die Soziali- sierung der Wirtschaft. Sie sind die konsequente Fortführung der Tarifvertragspolitik der Gewerkschaften und haben die Anerkennung der vollen Gleichberechtigung der Arbeitnehmer mit den Unterneh- mern und die kollektive Regelung des Arbeitsrechts zum Ziele. Die Arbeitsgemeinschaften dienen diesem Zwecke überall dort, wo die Privatwirtschaft noch nicht durch eine sozialistische Wirtschaftsweise. ersetzt ist. Die Generalversammlung hält die weitere Mitarbeit der Verbandsvertreter in den Arbeitsgemeinschaften mindestens solange für erforderlich, bis durch Erfüllung des Artikels IbS der Reichsver- fasiung öffentlich-rechtliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer ge- schaffen wird." Hierauf nimmt der � Verbandstag den Bericht über den Ge- wer tschaft s kongreß in Nürnberg, den Kamerad Becker- Gießen erstattet, entgegen. Den Bericht vom Internationalen Bergarbeiterkongreß in Genf gibt Undeutsch. Zu dem Bericht vom Gewerkschaftskongreß nimmt der Der- bondstag einstimmig eine Resolution an, in der verlangt wird, daß auf die Tagesordnung des nächsten Gewerkschaftskongresses der Punkt Industrieverband gesetzt wird, da die Bergarbeiter auf dem Standpunkt stehen, daß !" die Bildung von Zndustrieverbänden unbedingt angestrebt werden muß. Die Opposition weist darauf hin, daß in der Soziali- sierungsfraze der christliche Gewerkschaftsführer Imbusch neuerdings einen ab lehnenden Standpunkt einnimmt, wäh- rend er auf dem internationalen Bergarbeiterkongreß in Genf sich fürdieSozialisierungausgefprochenhabe. Deshalb will man Imbusch nicht mehr zu den internationalen Kongressen zulassen. Sachse, Wißmann und Hue bitten den Verbands- tag, von einer Beschlußfasiung abzusehen, da sie von der Handlung Jmbuschz nichts wissen und den Gang der Dinge abwarten wollen. Im weiteren Verkauf der Tagesordnung kommt es zur Ab- stimmung über einen Antrag, der die Unterwerfung der Gewcrk- schaften unter die diklakorischen Anordnungen der Moskauer Zentrale mit Entschiedenheit ablehnt und verlangt, daß der Berg- arbeiteroerband an seinem freigewerkschaftlichen Grundsatz unbedingter Selbständigkeit gegenüber allen parteipolitischen und religiösen Gruppen festhält. Die Entschließung enthält weiter ein klares Be- kenntnis zum Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes und zur Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale. Wer sich durch Spaltungs- bestrebungen gegen freigewerkschaftliche Organisationen betätige, gegen den müsse mit den schärfsten Mitteln vorgegangen werden. Weiter wird in dieser Entschließung festgelegt, daß der Ausschluß von Mit- gliedern berechtigt ist, wenn sie sich an Bestrebungen beteiligen, welch« die Abtrennung des Bergarbeiterverbandes vom ADGB. und der Amsterdamer Gewerkschastsinternationale und zweitens bei berg- männischen oder allgemeinen sozialpolitischen Wahlen mit ihrer Zu- stimmung als Kandidaten iür separate Wahllisten— das sind solche, die nicht vom Bergarbeiterverband anerkannt— aufgestellt sind oder für sie agitieren, wodurch die einheitliche Aktion des Vergarbeilerverbande»' j durchkreuzt wird. Die kommunistisch« Opposition bezeichnet dies als eine Verge- waltigung ihrer politischen Betätigung. Dem wird entgegen geholten, daß die kommunistische politische Betätigung nicht innerhalb des Berg- arbeiteroerbandes betrieben werden dürfe. Di« vorgenannte Entschließung wird mit allen gegen 24 Stimmen angenommen. Weiter wird beschlossen, daß der International« Kongreß in Moskau auch nicht auf Kosten der Bezirks- oder Lokalkasien des Bergarbeiterverbandes beschickt werden darf. Gegen 7 Stimmen findet eine weitere Entschließung Annahme, daß Verbandsgelder des Bergarbeiterverbandes nicht für die rote Hilfe verwendet werden dürfen, und daß für diesen Zweck bereits verausgabte Verbandsgelder voll und ganz an die Hauptkasf« abgeführt werden müssen. Den Höhepunkt bildet das Referat des Reichstagsabgeordneten Hue über: Die Sozialisierungsfrage im Bergbau. Hu« betonte eingangs seiner Rede, daß das Sozialisierungsproblem keine spezielle Bergarbeitersrage fei, sondern eine Frage, die die Ge- samtheit des Voltes berühre. Das Sozialisierungsproblem sei nicht nur für Deutschland von Bedeutung, sondern habe weltpolitische Be- deutung. Die in jüngster Zeit in unerhörtem Umfange auftretenden prioatkapitalistischn Vertrustungsaktionen zwingen, die Uebertragung der Kohlenmacht an eine gesetzlich bestimmt« Vertretung des ganzen Volkes dringlicher zu fordern. Es gebe keinen anderen Weg, der zu beschreiten wäre, um die Etablierung eines übermächtigen trust- kapitalistischen Staates im Staate zu verhüten, durch welchen, wie auch zahlreiche nicht sozialistische Volkswirte schon vor dem Kriege anerkannten, das Volk in«ine beispiellose kapitalistische Versklavung gebracht würde. Nicht um egoistische Berussinteressen zu fördern, fondern um die wichtigsten staatsbürgerlichen Rechte eines jeden Volksgenossen vor der reaktionärsten Vergewaltigung durch ein Konsortium von übermäßigen Trustmonarchen zu schützen, deshalb fordere man die Sozialisierung der Volkswirt- schaftlich wichtigsten Bergwerksindustrie. Durch' den Versailler Frieden und der damit verbundenen Besitzergreifung des lothringischen Minettegebiets Hab« Deutschland über 70 Proz. der Eisenerzeugung verloren. Doch müsse man fordern, daß die deutsche Erzbergarbeiter- schaft im Maß« der Gewinnung beschäftigt werde. In der Kali- industrie sei Deutschland so günstig gestellt, daß es das Weltmonopol behaupten könnte. Durch das immerwährende Hinaufschrauben der Kalipreise durch die Unternehmerschaft sei die Absatzmöglichkeit immer geringer geworden. Der jetzige Wiederaufbauminister Walter R a t h« n a u Hab« in der letzten Zeit selbst erklärt, daß der Ver- sailler Frieden und dos Londoner Abkommen eine erhöhte Wirt- fchaftsschöpfung erforderten. Um diese zu ermöglichen, müsse man aber auch zur Umstellung unseres heutigen Wirtschaftslebens schreiten, privatkapitalistische Spekulationen eindämmen. Dadurch würde es auch möglich, die produktiven Kräfte mit dem guten Willen zur Wiederaufbauarbeit zu erfüllen. Die Sozialisierung bedeute voll- kommen« Uebertragung der Verfügungsgewalt Über die ganzen Bodenschätze an die Allgemeinheit. In England, Tschechoslowakei, Belgien und Frankreich sei ein« gleiche Bestrebung im Gange, nur würde man es dort mit dem Wort„Nationalisierung" bezeichnen. Auch der jetzt in England soviel propagierte Gildensozialis- m u s, das heißt, Bejchofsung von Selbstverwaltungskörperschaften, habe eine frappante Verwandschaft mit den deutschen Sozialisierungs- vorschlügen. Auch der Gildensozialismus basier« auf der Forderung: Uebertragung der Verfügungsgewalt an die Allgemeinheit. Be- treffs des Kommunismus machte Hue treffend« Ausführungen. Ueber das Wesen des Kommunismus herrschen selbst unter den deutschen Kommunisten falsche Auffassungen. Die hohen edlen Ideale des Kommunismus könnten erst über den Sozialismus verwirklicht wer- den. Kommunismus bedeute Gemeinschaftsgeist, Brüderlichkeit, darunter verstände man aber nicht Handgranaten- und Minenwerfen und dergleichen mehr. Bolschewismus fei der linkste Flügel des Marxismus, aber keine doktrinäre Idee. Wenn die schaffende Mensch. heil in ihrer Gesamtheit alles ohne Voreingenommenheit prüfe, dann käme man auch zu einer gemeinsamen und machtvollen .front gegen den Todfeind der Arbeiterschaft. das Kapital. Uebertragung des Besitzes an die Bergarbeiter selbst. wie sie von den Unionisten verlangt würde, sei nur eine neue Form des Privatkapitalismus. Die sozialistische Arbeiterschaft verlange aber Uebertragung des Besitzes an die Mgemeinheit. Die von Unternehmerseite so sehr propagierte Gewinnbeteiligung solle nur die Sozialisierung auf die lange Bank schieben. Die von Stinnes, Silverberg und Vögler vorgeschlagene Form der Klein. a k t i e n habe man bereits in Frankreich. Doch würde dieses den französischen Sozialisten nicht genügen und auch sie verlangten die Sozialisierung. Die Schaffung von Kleinaktien sei ein kapitalistischer Gedanke wie selbst Erzberger ausgeführt habe. Auch in Amerika habe man diese Form von Gewinnbeteiligung der Arbeiterschaft an den Stahltrustwerken. Jede große Reform und Umwälzung lös« Bedenken aus. Man solle sich aber nur daran erinnern, daß bei Einführung der sozialen Einrichtungen die deutsche Unternehmerschaft auch den Bankrott der deutschen Wirtschaft prophezeit, sich aber gründlich darin geirrt Hab«. Vorbedingung für die Sozialisierung sei aber auch die Sozialisierung der Menschheit. Die Defizite bei den verstaatlichten Betrieben wie Post und Eisen. bahn seien Folgen des Krieges. Erhöhungen in diesen Einrichtunoep hätten nicht mit der Geldentwertung gleichen Schritt geHalden. Drcka» liche Bergwerke machten erhebliche Ueberschüsse. Die Sozialisterung der Bergwerke habe die höchste Arbeitswilligkeit der Bergarbeiter zur Folg«. Die Bergarbeiter wollen statt brutalen Egoismus den humanen Menschheitsgedanken, statt Ausbeutung sozialistische Ge- meinwirtschaft. Das fei das Ziel, wonach die deutsche sozialistische Arbeiterschaft strebe.(Lebhafter langanhaltender Beifall.) Der Kongreß tritt sodann in die Debatte über diesen Tages« ordnungspunkt«in._ Erster verbanöstag öes 1 Weimar, S. Juni. Sechster Verhandlungstag. Lehmann- Dresden berichtet als Sprecher der B e» s ch w e r d e k o m m i s s i o n, die sich mit den beim Verbandstag eingelegten Berufungen befaßt. Sie beziehen sich mit einer ein- zigen Ausnahme auf vollzogene Ausschlüsse aus dem Verband, die fast sämtlich wegen Betätigung im Sinne der 3. Internationale erfolgt waren. Die Kommission empfahl einstimmig die Ver- werfung aller Berufungen und der Verbandstag schloß sich gegen S Stimmen der Entscheidung an. Nach einem Referat Uckos und lebhafter Diskussion über die Lehrlings- und Iugendfrage wurde eine Entschließung angenommen, die in eingehenden Richtlinien eine durch Gewerk- schastskampf und Gesetz herbeizuführende Reuordnung des Lehrllngswesens verlangt, durch die eine planniäßige Ausbildung des beruflichen Nachwuchses verbürgt wird. Zur Iugendfrage wurde be- schloffen, daß alle Ortsgruppen für ihre Mitglieder bis zum voll- endeten 17. Lebensjahre besondere Jugendabteilungen zu gründen haben, die außer der Förderung der Berusstätigkeit alle Ausgaben der proletarischen Iugendbildungsbestrebungen in den Bereich ihrer Tätigkeit zu z'ehen haben. Einem Referat Giebels über„Kapitalistische oder soziali-' stische Wirtschaftsordnung" folgte die debattelose einstimmige An- nähme einer Entschließung, durch die der Verbandstag sich zur sozialistischen Wirtschaftsordnung bekennt, die Erziehung der arbeitenden Klassen zu sozialistisch den- kenden und fühlenden Menschen verlangt und die Versuche, die Ar- beitnehmer durch Gewinnbeteiligung, Kleinaktie und dergleichen von ihrem eigentlichen Ziele abzulenken, zurückweist. Folgend einem Referat Am ans über die Frage:„In du» strieoerband oder Angestelltengewerkschaft", wurde in einer einstimmig angenommenen Entschließung ousge- sprachen, daß die Organisierung der Angestellten in Industriever- bänden gegenwärtig unmöglich ist und daß die Angestellten aus Fortbestehen ihrer beruflichen Verbände bestehen müssen. Jedoch wurde die unbedingte Rolweudigkeit solidarischen Zusammenwirken» oller freigewerkschaftlichen Arbeiter und Angestellten ausgesprochen; entsprechende Richtlinien wurden aufgestellt und der Vorstand be- auftragt, beim ADGB. und Asa-Bund im Sinne dieser Richtlinien zu wirken. Muf einmütigen Beschluß der Berotungskommission hin beschloß der Verbandstag ebenfalls einmütig, die Monatsbei- träge in der Pensionskasse zu erhöhen: in der 1. Klasse von 1,10 auf 3 M., in der 2. Klasse von 1,50 auf 4 M., in der 3. Klasse von 2 auf 5 M. Sie tritt am 1. Oktober in Kraft und von diesem Tage an tritt auch eine Verdoppelung der Leistungen der Kasse ein. Gegen 16 Stimmen wurde die Schaffung einer R u h e g e- h a l t s k l a s s e für die Angestellten des Verbandes beschlossen, zu der die Beiträge je zur Hälfte von den Angestellten und vom Ver- band getragen werd-n. Gemäß eines Referats Hausherrs(Vorstand) beschloß man in der umstrittenen Frage der Arbeitsgemeinschaften den zukünftigen Austritt aus diesen Körperschaften, der jedoch nur gemeinsam mit dem ADGB. und dem Asa-Bund erfolgen müsie. Deshalb solle der Vorstand bei diesen beiden Spitzenorganisationen dahin wirken, ferner aber mit Beschleunigung auf die in der Reichsoersasfung(§ 165 Abs. 2 und 3) versprochenen gesetzlichen Vertretungen der Arbeiter und Arbeiterinnen in W i r t s ch a f t s- räten bei allen zuständigen Körperschaften zu drängen. In einer Entschließung erhob der Verbandstag Protest gegen jede grundlose Entlassung von Behördenangestevlen., wie sie zugunsten von Beamten erfolge. Ferner verlangt er, daß Lerrenbeldejtliing Lodenmantel 475°° Gummimantel �Änitt. 550°° Jackett-Anzug 650°° Jünglings- Anzüge 275°° Knabenbekleidnng Wasch-Aimig SSÄÄ 5nw,-.i 40-» 130- Sport- und Schlupf-Anzug grau od. Eemustert 4500 J�OO BERLIN SW M Markgraf crutr. 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Weiter stellte der Berbandstag fest, daß der Artikel des Vor- fitzenden des chauptverbandes deutscher Ortskrankenkassen Fräßdorf in Nr. 1l> der Zeitschrift„Die Ortskrankcnkasse" aus einheitlichen Widerspruch der Ortskrankenkassenongestellten gestoßen ist, weil durch den Artikel angekündigt wird, daß beabsichtigt sei, die be- stehende Reichstarifgemeinschaft nicht fortzusetzen. Der Berbandstag erklärt, daß die Äufrechterhaltunh dieses Standpunktes unverträglich ist mit den sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Krankcnkassenangestellten. Er wendet sich aber auch gegen die freigewerkschaftlichen Grundsätze und muß deshalb mit Nachdruck abgewehrt werden. Der Verbandstag erwartet von den freigewerkschaftlich organisierten Vorstands- und Ausschußmitglie- dern der Ortskrankenkafsen, daß sie in dieser auch für die Orts- krankenkassen bedeutungsvollen Frage sich nur von freigewerkschaft- lichen Grundsätzen und nicht von kleinlichen Erwägungen bestim- wen lassen. Er beauftragt den Hauptvorstand und Reichsfachaus- schuß, sich mit allen gewerkschaftlichen Mitteln sür die Beibehaltung einer Reichskarifgemeinschaft einzusetzen. Landgraf- Chemnitz protestiert gegen den völlig unwahren Bericht der„Roten Fahne" über den Beschluß in der Frage Mos- kai� oder Amsterdam. I u n g b I u t- Berlin erklärt, daß � keiner der Delegierten diesen oder einen ähnlichen Bericht der„Roten Fahne" übersandt habe. Darauf stellt Giebel, ohne Widerspruch zu finden, fest, daß der Bericht der„Roten Fahne" eine aus den Fingern gesogene Fälschung und br- wußte Irreführung der Oeffentlichkeit ist. Bei der Satzungsberatung wurden weitgehende Aende. runaen nicht beschlosien. Der Sitz des Vcrbandsausschusies wurde in Hamburg, der Sitz der Beschwerdekommijsion in Stuttgart belassen. Als Delegierte zum Internationalen Kongreß in Wien wurden gewählt: Giebel(Vorstand), Cohn-Berlin, Ehrenteit-Ham- bürg, Lehmann-Dresden, Seifried-München, Horcks-Köln. Der Verbandstag findet zukünftig olle zwei Jahre statt. Zum Afa-Kongrch in Düsseldorf wurden 24 Delegierte gewählt. Damit schloß die arbeitsreiche Tagung in später Abendstunde am siebenten Tage. Die sparsame Hausfrau verwendet im Saushalt nur die täglich frisch hergestellte und gelieferte erstllassige Bolle-Margarine da dieselbe vorzüglich im Geschmack und sehr ergiebig ist. Erhältlich in allen einschlägigen Geschäften und in unseren Verkaufsstellen sowie an unseren Verkaufswagen. Tel. Amt Moabit 7911/7914. Meierei<5. Bolle Alt. Moabit 9S/ll03. Zoeben erscbien M*. 41/42 der Kleinen Bibliothek der Russischen Korrespondenz; N. LENIN Das Verhältnis du Arbeiterklasse zn Bauerntum (Rede auf dem X. Kongreß der Kommunistischen Partei Russlands) Preis Mark 1.— Zu beziehen durch Frankes Verlag Q. m. b. H. Leipzig«4%* 1* i ifö&Cvntett ■ Spezial'Arzt Dr. med. tirOtering Haut-, harn-, GesehlechtsleiO. b.Männ. u.Frauen, Blutunters. InvnlldenstraCe as. Ecke Chausseestr_ Stett.Bhf. 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Juni, abends 7tj Uhr, Bersommlung in den Unlous-ssestsiilen, Sreifsipglder Str.?2Z. Mittwoch, den Z. Juni, abends V/s Uhr, Berfanimlung der Hinterbliebenen in den linians-Zesttiilen. Sreifswalbsr Sir, 222. Ziefe» centin ffr. Härtel, Selreliirin des Neichsbundes. Bezirk Z Osten, Montag. den 9. Juni, abends 7 Uhr, tu der Aula glndreetsstr. 1 2. Kameradin Barlel: Hinterbliobenenfragen, Urbeiter-Efverantiften. Dienstag, den 7. Juni. TH Uhr im Sophien-Lytzenm, Weinmeifterstratze, Rongtsverfammiunz. Sriefkasten öer Redaktion. A. J. 99. 1. Uns ist nichts davon bekannt. 5. Za, sofern darunter Sriezs. beschiidizte verstanden werden. Sonst nicht.— lg Prozent einmalige«bsin- dung. Sie haben recht. Die Abfindung wird in Höhe de» dreifachen Jahre»- betrage« der Sebijhrnisse gewahrt.— O. 1. Sie kiinnen eine Entschädigung (Seldrente) fordern. Mit der Berstchcrungsgeselliwgft nehmen Sie Rücksprache, Falls eine Einigung iider die Höhe der Rente nicht zu erzielen ist, müssen Sie den Klageweg beichrei:en. Die Entfchödigungspflichi besteh! auch, wenn St» den Ueberbau genehmigen.- H.».«. Ja, kommen Sie um Stundung ein,— i E. B. lüg. Ja. Kr-rti. Ihre Freu ctneo Ehelcheidungsgrund hat.— Z. L. ld». Wenn Sie Detttschsr bleiben wollen, fa müssen Sie eine dahingehende Erklärung iahge'sen. Die Erklärung wird vom Polizeiprästdium entgegengenommen. f'Ül' cisn MMckvoimn« 5, enorm billige KMktar Kleid M» ous feinem gesireif fen vciie mir Hohl* qssp «ini im i i Vimfhnnrl- V Kleid|Ul. aus gufem dsst'iLk- ren Voii-Voiie/ reich W W m i Y Mnl-iKnnm nnr:& Os'cZi�iS'dsk'�.IS� (Am Oramenpiari� LelpziQQrsrr. (EcUe MarUarafenstT".! .rillanten | J uwelon kauft | au.h grolle Posten run höchsten Kurs Anstinlaaier , Dlsnuntsehlelfertl | 160 Prtcdrtghatr J— Gegr. lyz..--------------- K. S?. Uder, S6. 18. 8ngelufer 5 Zigaretten, Kau-, Rauch- u. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, 7.Juni,nachm. 8 Uhr, von der Leichenhalle des Nilolai- Kirch hojs, PrenzlauerAlleel.ans statt. stahlreiche Beteiligung er- wariel Der Vorstand, SlkslkAikesWe MülemiZner zu«« 8 14. Wallstr.«8. Bekanntmachung. Die am 28. Mai d. I. statt- gefundene Ausschnßwahl zeigt folgendes Ergebnis: Flir Liste I sind 8S2, fiir Liste II SZä gllllige Stimmen abgegeben worden, iöewählt sind von Liste 1 1t Vertreter und 22 Et- srchinänner, von Liste II 2g Vcr» Ircrer und H8 Ersahmänner. Die gewählten Vertreter der Liste I deginnen mit den Namen Josef Hartinann und ende» mit Rcinhold Rudel. Die Ersatzmänner beginnen mit Heinrich Malowsky und enden mit Josef Mornau. Die Bcrtrcter von Liste II beginnen mit Magdalena Kindier und enden nut Otto Kolhc. Die Ersatzmänner beginnen mir Paul Garn uud enoen mit Georg Wolf. Da von den Arbeitgeber nur eine Liste eingereicht ist, gilt dieselbe als gewählt. Die- leide deginnt mit den Namen Max Tschöte und endet mit Rudolf Gasert. Die ersten 20 Name» gelten als Vertreter. die lolgenden 40 als Ersatzmänner. Eine Anzahl von Mitgliedern hat an den Vorstand stuichrlftcn wegen Wahlbeelnfluisuug von Anhängern der Liste II ein» gesandt und ersud)en um Un- gstllialeitsertlärung der Wahl. Der Borstand sieht sich daher veranlasst, beim Vcrsicherungs- antt der Stadt Berlin die Un- gstlttgleit der Wahl zu beantragen. Wir bitten alle Mit- 8 lieber, welche Wahrnehmungen der Wahlbecinflussung ge- macht haben oder ig ihrer freien Willensäußerung durch das Auitreten der Anhänger der Liste II dehindert worden find, dein Vorstand einen iurzen. schnsrlichen Bericht einzusenden, oder ihre Wahrnehmungen im Kassenloial deirnGeschäslsführcr zu Prototoll zu geben. Der vorsiaud dar Ortokrauteukass. der Klempner zu Berlin. Joses Hartman», Vorsitzender. Heinrich Kunitz, Schriftführer. ZkWllMMKMfieltlM Vecwsltimazffelle Berlin X II. Z». Cinienffr. 83—85 Geschäftszeit von vorm. g Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: An» Norden 185, 1239, 1937, 9714 Dienstag, den 7. Juni, abends 7 Uhr, in der! Aula des Äiillnischcn GhmliasiumS. Jaselstr. 2—3: Branchen Versammlung sämtlicher Elektromontenre und Helfer Groh-Berlins. Tagesordnung: 1. Oos»ohmenabkommen für die MelaNIndustrie und seine Auslegung. 2. Bericht über die Tarllvcrhandlungen mit dem Verband deutscher Elektro-Installallonsfinnen. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. NM- Zutritt Hoden nur Kollegen, die sich durch ihr Mitgliedsbuch als Branchenangehärige ausweisen können! Es ist Pflicht eine» jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Die Vertraueusmänuerkonferenzen finden regelmäßig jeden dritten Donnerstag inr Monat, dir nächste am IS. Juni, abends 7 Uhr, in den Musikersälen. Kaiier-Wilhelm-Straße 31. statt. Die Kollegen und Vertrauensleute werden dringend ersucht, auch die Betriebsräte, Arbeiterräte und Bcdtriebs- obleute der Branche dazu einzuladen. Bcrbandsbuch und Vertrauensrnännerlarte oder Ausweis der freigewerkschaftlid-en Beiriebsrätezentraie legitimiert. Dienstag, den 7. Juni, nachm. 5 Uhr, in der Schulanla. iSeinmeislerstr. 16/17: Versammlung"WU aller in der Knopf- und Korsettstangen- Industrie bcschäft. Kolleginneu u. Kollegen. Tagesordnung: 1. Soll der verlrag gekündigt werden? 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch lein gutritt."SBfi Von der Reise zurück San.-Rat Dr. Ecbtermeyer Spezial-ÄFzt für Hals-, lasen- nnü Ohren-Kranke Luisensir. 47.>/z1— Vz2 u. 5—7 außer Sonntags. Dr. med. Keyenberg Ämi�Äsd27Bir Neuartige Behandln, aller Oeschlechtsleiden und Frauenleiden nach 14 D.-R.-Palenten bes. in veralteten Fällen, Verengung, Fäden i. Urin, schmerzlos u bei gewohnter 1 Lebensführung. Blutuntersuchung. Salvarsan. Das[ Buch; Sichere Hellung der Syphilis 10 Mark. Universalbehandlung der Frau 2 Mark. Prospekt kostenlos. Damenzimmer. 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NM- Die aufgestellten Deleglcrteukandidaten müssen persönlich erscheinen, da nur die mit eigenhändiger Unterschrift versehenen Liste» gültig sind. 91/0 Die Orlsveriualtuag. llnterleibsleiden, Syphilis, frisch und verallel, bei Männern u. Frauen; ohne Berufsstärung. Heilverfahren über 20 Jahre bewährt durä, hunderte Geheilte.— Sprech- u. Behandlungszeit! 9—1, 4— 7'/., Sonntag: 9—1.— Heilanstalt f. clrtiro- vhysik. und Licht-Therapie- und Natur-Seiloerfahren. Berlin SO 10, Brlidenftr. 10 bst beim Eintritt in die Versammlung zwecks Eintragung in die Anwesenheitsliste oorzu» zeigen. Anträge und Beschwerden, bei denen die Einsichlnahme in die Alten erforderlich ist, sind spä- testens 3 Tage vor der Vrr- sammlung dem Kaffenoorstand schriftlich mittzütiiwl, lil/S stlbert Kostnhom'» neueft« Patent-Rupee-Roffer (Vor Nachahmung gesetzlich geschützt D. R. E. 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SQnkti'snsarWse? ? a r i z. 4. 2uni.(DTV.) Kr'.egsmiv'stcr B a r i h o v ist he�ie vsrir.!kwg son seiner Znspekticnürclse im bejchliA Rheinland nach Paris zurückgekehrt. Lr erliärte de.'n Vertreter der hanas- Agentvr, er glaube, die Entlassungder Zahresklasse 1919 zu einem viel früheren Zeilpunkt in Aussicht stellen zu können, als er zu hoffen gewagt habe. Er habe die Ueberzeugung, dah, wenn Deutschland fortfahre, seinen guten Willen zu zeigen, der Monat noch nicht zu Ende gegongen sein werde, bevor die Söhres- klaffe 1919 in die Heimat zurückgeschickt worden sei. Vor diesem Zeitpunkt werde er die Entlassung der Söhne der Witwen und ferner derjenigen Soldaten, deren Druder im Sricge gefallen seien und wahrscheinlich auch der Studenien ins Auge sassen. Die �äuserlieferung vor üem Abschluß. Paris. 4. Juni.(MTB.) Die deutschen und die französischen Sachverständigen haben gestern und heute die Verhandlungen über die Lieferung deutscher Holzhäuser in der Wiederaufbauzone fort- gesetzt. Wie der„Temps" mitteilt, handelt es sich jetzt darum, die Modelle zu vereinfachen, um eine wesentliche Preisner- Minderung herbeizuführen. Noch dem„Jntranfigeanl" ist man wegen des Preises zu einem E i n v e r st ä n d n i s gekommen. In den beidcn ersten Monaten sollen je lSW) Häufer geliefert werden, in den folgenden Monaten soll die Zahl der Häuser auf SVtX) und vielleicht noch mehr steigen. Wie H-vas meldet, hat die Reparationckommission auf Der- langen der Kriegslostenkommifsion heute deutsche Sachver- ständige über die Bewertung der abgelieferten deutschen Schiffe gehört. Paris, 4. Juni. fEE.) Der„Temps" meldet: Der Vertreter der Kriegslastenkommission erklärte in der Reparctionstomtnifsion, Deutschland fordere für den abgelieferten Schiffsraum eine Bezahlung von 7 Milliarden Mark. Der Marineausschutz der Reparationskommission bestritt die Richtigkeit dieser Ziffer, worauf der deutsche Vertreter erklärte, datz die deutschen Angaben bezüglich der abgelieferten Tonnage nicht gestimmt Hütten und in- falgedessen auch die Bewertung der zu bezahlenden Summe zu hoch gegriffen sei. Deutschland erkannte dem„Temps" zufolge an, daß man 709 900 Tonnen als abgeliefert angegeben hätte, die nicht anzurechnen waren und serner 1 899 999 Tonnen, welche von den Alliierten während des Krieges mit Beschlag belegt worden waren und die ebenfalls nicht ziw Anrechnung gekommen feien. Demnach fordere Deutschland nur die Anrechnung von 2 Millionen Tonnen Schisssraum, und die Deutschen hätten auch das Zugeständnis gemacht, daß ein niedrigerer Prcisansatz als ursprünglich gefordert war, zur Geltung komme. Neue Kampfansage üer s!ngora-Türken. Im Bunde mit Towjet-Ru�land. Konstanlinopel, 4. Zuni. fhavas.) Fevzi Pascha. der Vorsitzende des Minflerrals und Kommissar für Landeover. kcidlgung der Regierung von A n g o r a. Hai vor der Rational- Versammlung eine Erklärung abgegeben, in der es heißt: 3n Aebereinstimmung mit den von der Hohen Versammlung aufgestellten Grundjäheu werden wir den Kampf fortsetzen, um unsere vollständige polltische. wirtschaftliche. finanzielle und militärische Unabhängigkeit zu erringen. Wir hoben die feste Ueberzeugung. daß der T a g nicht fern ist. an dem der Roden unserer Vorfahren von dem letzten feindlichen Soldaten befreit sein wird. Dank der Erfolge unserer Waffen st e l l e n wir neue Forderungen auf. Wir lehnen den Frieden nicht ab. aber wir wollen das Recht haben, zu leben und unsere Unabhängigkeit zu sichern. Alle unsere physischen und moralischen Kräfte stehen im. Dienste der Landesverteidigung. Dank der brüderlichen Verständigung mit den Sowjets enlwickelt sich unsere Orienlpolitlk günstig, wir konnten Äeziehungen aufnehmen zu P e r s i e n. dem Schwester- und Rach- borlande. Man darf hoffen, daß auch mit Frankreich und 3 l a l i c n innerhalb der Grenzen unserer nationalen Forderungen cule Beziehungen zustand« kommen werden.— Die Er- klärvngen wurden von der Raiionalycrsamn'lung mit V c- geisterung ausgeaommcn. öeuthen unter Jnsurgentenfeuer. Oppeln, 4. 3un!.(Eigener Drahlbericht des„vorwärk?".) Der deutsche S el b st s ch u tz Hot heute im rechten Akügel der Engländer einen kleinen Vorstoß uniernommen, um die Eng- ländcr nach dieser Seile hin zu decken und ihnen ein weiteres vor- gehen zu ermöglichen. Räch den soeben hier eingelaufenen Roch- richten scheint der Eisenbahnknotenpunkt K a n d r z i n, welcher bisher einige Silomeler von der deutschen Sclbstschuhfroul lag, nachher in die Hand des deutschen Selbstschuhes gekommen zu sein. 3m übrigen mutz sich der Selbstschutz gegen heftige Angrisse der Insurgenten, die mit Mincnwersrrn und Geschützen gegen die schlecht bewaffneten deutschen Truppen überlegen vorgehen, wehren. 3n der eingeschlossenen Stadt V e u k h e n haben die Insurgenten die Autzrnvieriel der Stadt erneut angegriffen und b e- schießen die Stadt fortwährend von dem erhöht liegenden Vuhuhofskörper. Die deutschen Einwohne: haben sich, da die Franzosen sich passiv verhielten, nachdem diese Angrisfe tagelang dauerten und die Insurgenicn nächtlich auch bereits Strcifzüge in das Innere der Stadt unternahmen, schlecht bewaffnet den Insurgenten enl- gegengrstellt. Deutschfeindliche Meldungen behaupten, datz diese deutsche Selb st wehr zu einem Angriff gegen die Kaserne, in welcher die Franzosen liegen, geschritten sei. Die Verbindung mit Veulhen ist zwar henke wieder vollständig obgejchnitien. nachdem in den letzten Tagen einige Briese durchgeschmuggeli waren. Es kann aber behauptet werden, datz ein deutscher Angriss gegen die Kaserne, welche ciwa 799 Meter outzerhalb der Stadlgrenze liegt und mit mehreren Stacheldrahtrinzcn umzäunt ist, vollständig ausgeschlcsien erscheint. Die Deutschen haben sich seil etwa zwei Wochen in die Auhenvicrtel der Stadt überhaupt nicht mehr wagen können. An- scheinend soll ein ziemlich blutiges Gemetzel unker der deutschen Bevölkerung durch diese Falschmeldung vertuscht werden. In der deutschen Bevölkerung diesseits der Insurgen- t e n l i n i e herrscht über die Verzögerung des Vorgehens der Enientestrcitkräste und die übereinstimmenden Schreckensnachrichten au» dem abgcschniitencn Industriegebiet furchtbare E r- r e g u n g. Die begründete Vermutung, datz die alliierten Streit- tröste sich zunächst zwischen die deutscher.» und die polnischen Linien schieben wollen, wird überall dahin gedeutet, datz dann für einen konzentrischen Vormarsch in dos von Zerstörung und Schreckenshcrr- schast bedrohte Industriegebiet nicht mehr genügend alli- ierte Truppen übrig bleiben können. Gegenüber der verzweifelten Stimmung der deutschgesinnken Be- völkccuug Oberschlesicne mutz allerdii.gz daraus hingewiesen werden, datz das neue englische Mtglled der Inleralliierlew Kommission, S i r Harold Stuart, erst heule morgen in Oppeln elngekrofsoa ist. und daß die EntZchlietzungen der Juteralliierten Kommission anscheinend verschoben worden sind, bis der neos englijche Ver- iretcr sich daran bclciügrn kann. Diese Verzögerung hat aller- dings im Industriegebiet hundecke Tote und taufende Verwundete gekostet, darunter viele Frauen und Kin- der. die bei den Kämpfen in Kattowih, Vogufchütz. Veulhen, Tarvowih und hindenbnrg von Infanterie-, Maschinengewehr, und ArkMerieseucr getrosten wurden. Die Rot der Bevölkerung in den Industriestüdkcn, insbesondere die der Kinder und Krauken und der verwundeten, ist nach den letzten hier augekammenen Briefen, die alle mehrere Tage alt sind, bereits unbeschreiblich, wenn die Alliierten mit einem energischen Vorstoß nicht sehr bald beginne», droht die Stimmung, insbesondere unter den Flüchtlingen, die um dos Schicksal ihrer zurückgebliebenen Angehörigen bangen, in äußerste Verzweiflung umzuschlagen. Weitere Kämpfe.— Verschärfung der Wirtschaftslage. Oppeln. 4. Juni.(WTV.) Die lebhafte Fe u ertätigt er t und andere Kampfhandlungen der polnischen Aufrührer dauerten auf einem großen Teil der von den Insurgenten besetzten Linie auch während der vergangenen Nacht und des heutigen Tages an. Im Kreis Kofel versuchten die Insurgenten,, durch Artillerie und Mi ncnwerfer unterstützt, mit starken Kräften in Richtung Kasel vorzustoßen. Sie wurden aber vom örtlichen Selbstschutz nach längeren Kämpfen zurückgeschlagen. Im Verlauf der Kämpfe gelang es den deutschen Derteidigern, Koselhafen z u b e s e tz e n. Die Kampftätigkeit der Insurgenten war ebenfalls in der Gegend des Annaberges wiederum sehr lebhaft. Auch hier blieben die polnischen Vorstöße erfolglos und ende- ten damit, datz einige von den Aufrührern bisher besetzt gehaltene Ortschaften von ihnen geräumt werden mutzten. Heute nachmittag wurde von den Aufruhrern die Klodnitzbrücke gesprengt. Die W i r t s ch a f t e l a g e im oberschlesischen Aufstandsgebiet verschärft sich immer mehr infolge der Wegnahme einer über- aus großen Zahl von Pferden durch die Aufständischen. Infolge der Zerstörung vom landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen wird die Bergung der Ernte auf großen Gebieten Ober- schlesiens unmöglich gemacht. Dazu kommt noch der Mangel an Arbeitskräften, da ein großer Teil der ländlichen Be> völkerung von den Ausstandischen zur Flucht gezwungen worden ist. Ungeheure Ernteschäden sind besonders in den Gebieten, die den Schauplatz der gegenwärtigen Kampfhandlungen darstellen, zu verzeichnen. Die Verwüstungen der polnischen Insurgenten steigern sich von Tag zu Tag. Ein cnqlischer Bericht. London, 4. Juni.(WTV.) Wie dem Reuterschen Bureau mit- geteilt wird, zeig-m hier eingegangene Drahimcldungen aus Ober- fchlesien keine Besserung der Lage. Die Insurgenten sprengen Brücken und verhindern den Durchgang von Lebensmittelzügen nach den Jndustriebezirken. Polnische Trupp» feuern auf die Pionier- abteilungen, die mit der Ausbesserung der Schäden beschäftigt sind. T o r n o w i tz ist von Polen umzingelt. Die Eisenbahn st ation wurde von ihnen genommen, obwohl französische Truppen in der Stadt sind. Die englische Regierung wartet nunmehr den Bericht Sir Harold Stuarts ab, dessen Eingang demnächst entgegengesehen wird. Ebenso wird die Wirkung der Anwesenheit der britischen Truppen abgewartet. Es ist nicht wahrscheinlich, datz der Obersic Rot früher als in 14 Tagen zusammentreten werde. Erfolge üer Sowjetopposttion. Helsiugfors, 4. Juni.(OE.) Dos Organ der Petersburger Sowjets, die„Ärasnoja Gaseta", meldet in ihrer Nummer vom 2. Juni, daß die Opposition auf der zweiten Penarsttzung des neuen Mcskauer Sowjets ihre erste Kraftprobe abgelegt habe. Die Red- ner der neugcbildrtsn Opposition wiesen nach, daß das k o m m u- nistische System zum Verfall des Wirtschafts- l e b e n s in Rußland geführt habe. Der linke Sozialrevolutionär S t e i n b e r g, der Menschcwist G u r e w i t s ch und andere Oppo. sitionsredncr forderten die Immunität der S o w j e t d e l e- gierten. Die kommunistiiche„Krosnaja Gaseta" schreibt, die „bürgerliche Demagogie der Menschewisten habe Erfolg gehabt und es durchgesetzt, daß in Zukunft eine Verhaftung von Svmsetmit- gliedern nur mit Wissen des Präsidiums erfolgen könne und der Bestätigung durch die Plenoroersammlung des Sowjets bedürfe. Die Sitzung verlief sehr stürmisch. Die Allrussische Konferenz der Kommunistischen Partei beschloß, den Konsumgenossenschaften Kreditoperotior. en zu gestatten und billigte den Beschluß, wonach in der Provinz Staatsbetriebe an Privatunternehmer verpa htet w?rdcn können., Kriegsverbrecherprozeß IV. In der Begründung des llrteils im Prozeß gegen Kapitän Neu- mann heißt es: Der Angeschuldigte bat das Lazarettschiff Dover Castle torpediert. Er hat den Erfolg, daß dabei Menschenleben in Verlust geraten könnten, in seinen Willen mit aufge- nammen. Die Tat ist als im Inlands begangen anzusehen »nd nach deutschem Strafrecht zu beurteilen. Maßgebend ist, ob der Angeschuldigte in den Grenzen des ihm erteilten Befehls ge- handelt hat, und daß der Untergebene durch Befehl seiner Borgesetzten gedeckt ist. In dem Recht sämtlicher Kultur- staoten ist dies anerkannt. Das deutsche Gesetz ist in dieser Hinsicht strenger als andere Strafgesetze, irgendeine Grausamkeit, wie es in den Anschuldigungen der Alliierten heißl. ist nicht erwiesen. Aus der Begründung ergibt sich, daß der Beschuldigte freigesprochen worden ist, weil er bei Ausführung der ihm zur Last gelegten Hand- lunq einem dienstlichen Beseht gehorcht hat. Ob ein solcher Befehl rechtmäßig oder rechtswidrig war. ist in diesem Ber- fahren nicht entschieden worden; diese Frage bildet den Segenstand eines anderen Verfahrens. » Leipzig. 4. Juni(MTB.) Die englische Kommsssson, die anläßlich der Kriegsprozesse hier anwesend war, kehrt am Man- tag nach London zurück.__ Lehrer zum ReichssÄulgefetz. Der Hauptvorstand der Arbeitsgemeinschaft soziali demokratischer Lehrer beschloß in einer Sitzung, d>e am S. Juni im Reichstagsgcbäudc stattfand, die folgende Kundgebung zum Reichsschulgesetz: Der Hauptvorstand der ArbeitsgemcmZchaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands hält das Reichsschulgesetz nur dann für annehmbar, wenn die folgenden Mängel abgestellt werden: I. Die Gemeinschaftsschule des Reichsschulgesetzes kann zur verkappten Bekenntnisschule werden. Beweis: 1. Sie braucht nach Landesrecht nur in einem Be- kenntnis Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach zu gewähren. (Begründung zu Z 2 b. g.) 2. Ihre Lehrer müssen zwar nicht einem bestimmten Bekenntnis, ober doch irgendeinem Bekenntnis onge- hören(vgl. 8 2 Abs.Z Satz 1 mit Z 4 Abs. 2 Nr. 2)— konfessions- lose Lehrer sind ausgeschlossen. 2. Und zwar sollen die Lehrer alle dem gleichen Bekenntnis angehören, wenn die Schüler überwiegend einem Bekenntnis angehören.(Z 2 Abf. 3 Satz 2.) II. Die Bekenntnisschule des Reichsschulgesetzes bedeutet eine Verschärfung der heutigen Bekenntnisschule. Beweis: 1. Die Lehrer müssen dem Bekenntnis der Schul« nicht nur rechtlich angehören, vielmehr kann Landesrecht noch weitere „objektive Merkmale" fordern.(§ Z Abs. 2 Rr. Z und Begründung S. 10.) 2. Die Lehrbücher, und damit der Geist des ganzen Unter- richte, können der Eigenart des Bekenntnisses angepaßt werden. (§ 3 Abs. 2 Nr. 3.) 3. Die Weltanschauungsschule kann als Gegen- gewicht gegen die Bekenntnisschule nicht galten— sie ist unter weit ungünstigere Bedingungen als die Bekenntnisschule gestellt(§ 4 Abs. 3), während sie ihr genau gleichgestellt sein sollte. III. Die weltliche Schule kann von den Ländern völlig entwertet werden Beweis: Sie kann nach Belieben der Schulverwaltung-n mit bekenntnismäßig gebundenen Lehrern besetzt werden.(Z 4 Abs. 2 Rr. 2.) IV. Die Bekenntnisschule wird der Verfassung zuwider zur N o r m a l s ch u I e. Beweis: 1. Die Bekenntnisschule„bleibt"(Z 1) die Gemein- schastaschule, wird nach Bedarf eingerichtet 8 Abs. 2).— Reichs» Verfassung Artikel 14t> Abf. 2 verlangt das Gegenteil. 2. Nicht an. gemeldete Kinder gelten als für die BekenntnUjchule angemeldet. (§ 13 Abf. 2-Satz 2.) 3. Die Hilfs-, Förder- und Begabtenklassen und der Unterricht abnormer Kinder werden der Bekenntnisschule ausgeliefert.(§§ 10, 16.) V. Die Bestimmung über den geordneten Schulbetrieb gefähr- det 5)öhe und Einheit unseres Schulwesens.(Z 9.) VI. Die wesentlichen Fragen werden dem Landesrecht (nicht einmal der Landssaesetzgebung) überlassen. Beweis: Sogar die zahlenmäßigen Anforderungen an einen rechtswirksamen Antrag(Z 6 Abs. 4) und über den Zeitraum für die Wiederholung der Antröge(8 8 Abs. 1) bestimmen die Länder. Tic Religio» des Kiudes. Im Rechtsausschuß des Reichstags wurde heute zur Grundlage der Verhandlung ein Antrag der Deutschen Volkspartei gemacht, der sich mit der religiösen Erziehung der Kinder beschäftigt. Danach soll in erster Linie über die religiöse Erziehung eines Kindes die freie, jederzeit widerrufliche, auch durch den Tod eines Ehegatten von Rechts wegen gelöste Einigung der Eltern bestimmen, so weit sie die Verfügungsgewalt über die Kinder besitzen. Besteht eine solche Einigung nicht oder nicht mehr, so sollen auch für die religiöse Erziehung die Borschriften des bürgerlichen Gesetzbuches über das Recht und die Pflicht für die Person des Kindes zu sorgen maßgebend sein. Es kann jedoch während Bs- stehen der Ehe von keinem Eheteil ohne die Zustimmung des an- deren bestimmt werden, daß das Kind in einem anderen als dem zur Zeit der Eheschließung gemeinsamen Bekenntnis erzogen, und daß das Bekenntnis des Kindes geändert werden soll. Der Arbeitsplan öes Reichstages. Nach einem Beschluß des A e l t e st e n r o t e s wird ssch der Reichstag von heute ab bis zum 14. Juni vertagen, in der Hoffnung, von diesem Termin ab binnen 2H Wochen das gesamte Arbeitspensum erledigen zu können, so daß Anfang Juli die Sommerpause eintreten würde. Mbau öer GstreiöeWirtschast. Brotverteuerung. ' Im Reichstagsausschuß für Volkswirtschaft wurde am Sonnabend die Debatte über die Neuregelung der Brotversorgung fortgesetzt.— Abg. Diez(Z) erklärl sich zwar grundsatzlich für die freie Wirtschaft, ober au» politischen Gründen müsse der Wunsch nach Aushebung der Zwangswirtschott nicht aus den Kreisen der Produzenten, sondern aus den Kreisen ber Konsumenten hervorgehen.— Abg. Dr. Hertz(U. Soz.): Bss reit» jetzt zeigt sich deutlich der Widerstand der Landwirtschatt gegen dos Umlngeverfahren und der mangelnde Wille zur Erfüllung der durch Gesetz auserlegten Berpslichtnngen. Die Regierung muß über die Absichten bezüglich der Erhöhuno des Brotpreises volle Säarbeit schaffen. Eine Steigerung des Broipreises kann van der Arbeiterschaft nicht getragen werden, wenn nicht auch gleich» zeitig die Arbeitskrast besser bezahlt wird. Wälzt man also die Erhöhung des Brotpreifcs auf die Verbraucher ob, so führt dies zu einem Kampf um die Erhöhung der Arbeitslöhne. Mindo- stens muß das M e h r c r t r ä g n i s. dos durch die Steio-erung des Brotprsises der gesamten deutschen Landwirtschaft zufließen wllros — und das würden ungefähr 5 Milliarden Mark lein—, für die der Entente versprochenen Reparationsleistungen ver- wendet werden. Bor allem muß die Zwangswirtschaft abgebaut werden, die der Industrie und der Landwirtschaft zugute kommt. Das ist bei der V e r b i l l i g u n g des Maises der Fall. Reichsernährungsminister 5)ermes: Um die landwirtschaftlichen Kulturen zu heben, muß man den Landwirten von den Erträgnissen ihrer Arbeit eine gewisse Rente überlassen. Das Umlage- verfahren muß sowohl nach Höhe wie in allen praktischen Details der Landwirtichaft soviel wi" möglich angepaßt werben. Im Gegensatz zu dem bereits im Februar prophezeiten Zusammen- bruch der Politik des Ernäbrungsminifteriums ist eine bedeutende Erleichterung eingetreten. Nach einem Bremer Auktion»- bcricht wurde in diesen Tagen dort das Pfund Butter für 1 S M. verkauft. Ejn weiterer planmäßiger Abbau de: Zwangswirtschaft muß angestrebt werden. Der B r o t p r e i s steht nicht im Zusammenhang mit dem Umiageverfahren; doch ist mit einer Erhöhung des Vrotpreises in jedem Falle zu rechnen, und zwar schon deshclb, weil der Abbau der Zwangswirtschaft unumgänglich ist. An einem der nächsten Tage werde eine Kabinetts» s i tz u n g diese Frage behandeln. �banöerung öes Mgadengefetzes. Der G c m e i n d c a u S f ch u ß de» Landtags beriet in seiner Tonnabendsitzung über die Abänderung des Kommunal-, KreiS- und Prodi nzialabgabengeietzes, sowie über die Realsieuern und ihre Erhebung durch die Gemeinden. Tie Beratung über die dazu vorliegenden Anträge Siering(Soz) und 0 lieg ver iZir.) winden vertagt, da die Regierung die als- baldige Einbringung der Novelle zum Abgabenge fetz ankündigie. Die Novelle liegt dem StaalSmiuisierium vor und wird demnächst an das Plenum gelangen. Auf die Not der Ge- meinden wird besonders Rücksicht genommen. Der Antrag Klos!- Essen(Ztr.) auf Annahme ernes Gesetzes betreffs Erhebung von NachtragSumlagcn durch Gemeinden und Gemeindeverbände wurde angesichts dieser Umstände zurückgezogen. Der verfossungsausschnh des Landtages nahm zu den Anträgen Dr. v. Krause(D. Vp.i Stellung und beichloß ein- Fassung dahin, daß der östlich der Weichsel gelegene deulschgebliebene Teil der ehemaligen Provinz West Preußen al« Regierung«. b e z i r 1 mit dem Namen Westpreußen b e st e h e n b l e i b t. Ferner soll die StaaiSregierung ersticht werden, baldmöglichst das Gesetz über die Zuleilung der Westlreis« von Wcstpreußen vorzulegen. Erhöhung der Grundsteuer in Lachsen. Der sächsische Land- tag bat gestern e i n st i m m i g das Gesetz über die Erhöhung der Grundsteuer im Rechnungsjahre 1921 angenommen. OewerMafisbewegung Provozierendes Vorgehen der Holzrahmenfabrikanten. Im Januar traten die Arbeiter in einigen Betrieben in den SusstanS. weil die Arbeitgeber sich weigerten, den Entscheidungen des SchlichtungSausschunes nachzukommen. Daraushin sperrten die Arbeilgeber sämtliche Arbeiter aus. Nach einem sechs Wochen langen Kampfe kam es zum Abschluß eines Lohntarifs mit einem durch- schnittlichen Aufschlag von 10 Proz. auf die vordem gezahlten Löhne. Wegen einer Reihe noch strittiger Fragen, wie der Ferien, sollten die Verhandlungen fortgesetzt werden, was die Arbeitgeber jedoch durch ihr Verhallen vereitelien. Ende April, nachdem der Lohn- tarif kaum vier Wochen bestand, wurde er von den Arbeitgebern wieder gekündigt. Am 31. Mai sollte über eine neue Lohn- regelung verhandelt werden. Da rückten nun die Arbeitgeber mit der Zumutung einer Lohnkürzung von etwa 40 Prozent heraus. Facharbeiterinnen, die bisher 4.65 M. Lohn erhielten, sollen nur noch 3,40 M. erhalren, solche unter 18 Jahren aber 2,60 M. Ihr Ansinnen suchten die Arbeitgeber unter Hinweis auf andere Industrien und ihre hohen Spesen zu begründen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Holzrahmenindusrrie könnten mit den geringeren Löhnen un- bedingt auskommen. Die Arbeiterschaft hätte keine Ahnung von der ganzen Wirtschaftslage, sonst würde sie diesem Lohnabbau� keine Schwierigkeiten entgegensetzen. Die politische Lage, die auf dem Wirtschaflsmarkt ihren Einfluß ausübe, sowie die Belastung der zu zahlenden Kriegsschulden führten dazu, die Lohnsätze zu reduzieren, um einen Ausgleich herbeizuführen, daß die Existenz der Arbeit- geber nicht gefährdet wird. Die Arbeitgeber S ch m i tz e r und H ö l l e r e r betonten weiter, daß man nicht hergekommen sei, um zu verhandeln; die Wirtschafts- läge gebiete eS, daß die von ihnen vorgeschlagene Lohnkürzung angenommen werde. Die Kommission der Arbeiter betrachtete dieses Ansinnen als eine Verhöhnung und Herausforderung und erklärte, daß sie jeden Lohnabbau entjchieden zurückweise. Nach sehr er- regten Auseinandersetzungen verließen die Herren das VerhandlungS- lokal, weil sie sich beleidigt fühlten. An der Arbeiterschaft der Holzrahmenbranche wird es nun liegen, sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln der Lohn- kürzung zu erwehren. Die Organisation wird den Machtgelüsien dieser Herren entgegentreten. Sämiliche in der Industrie Beschäftigte müssen darauf achten, daß dieser Vorstoß abgeschlagen wird. Die am Dienstag statt- findende Versammlung aller Arbeitnehmer wird dazu Stellung nehmen. liesondere« Erfolgen fn dkefer Richtung zeugt dt« Mitteklung aus Swanwick gerade noch nicht, selbst wenn sie richtig ist. Es gibt wieder Mineralwasser! Nach Ausbruch des Streiks riefen die Mineralwasserfabrikanten den S ch l i ch t u n g s a u s s ch u h an, der am Sonnabend verhau- delte. Nach sehr langen eingehenden Auseinandersetzungen kam es zu folgendem Vergleich: Sämtliche Löhne werden ab 1. Juni um 80 M. wöchentlich erhöht. Der Urlaub wird je nach Dauer der De- schäftigung um eine Woche verlängert. Der bisherige Tarifvertrag wird wieder wirksam aus die Dauer eines Jahres. Mahregelungen dürfen infolge des Streiks nicht vorgenommen werden. Die Streik- tage sind voll zu bezahlen. Der Streikoersammlung berichtete L i e b e n o w über die Der- Handlungen. In der Aussprache gingen die Auffassungen weit aus- einander. Die geheime Abstimmung ergab jedoch eine große Mehr- heit für die Annahme des Vergleichs, womit der Streik beendet ist. „Vcamkenbund und freie Gewerkschaften." Unter dieser Ueber- schrift veröffentlichten wir am Freitagmorgen eine Entschließung des erweiterten Vorstandes des Deutschen Transportarbeiteroerbandes, die sich gegen den Entwurf eines Kartellvertrags zwischen dem All- gemeinen Deutschen Gewerkschastsbund und dem Deutschen Be- amtenbund richtet. Daran anschließend wurde eine Erklärung des Beamtenbundes mitgeteilt, sich für alle Fälle freies Entschließungs- recht vorzubehalten. Aus dieser Erklärung zog unser Mitarbeiter die Schlußfolgerung, der Beamtenbund wolle je nach der Konjunktur bald nach rechts und bald nach links tippen.— Wir bedauern, daß diese Bemerkung der Streichung entging, da es weder in unserer Absicht lag, dem Deutschen Beamtenbuird den Vorwurf der Kon- junkturpolitit zu machen, noch uns ohne weiteres auf den Stand- Punkt zu stellen, den die Entschließung des Tronsportarbeiterver- bandes in dieser Sache vertritt. Die werbungskosten der technischen Arbeiter und Angestellken. Apotheker, Ingenieure usw. sind mit durchscbnittlich 10 Proz. des Arbeitseinkommens für daS Steuerjahr 1921 mit Wirkung ab 15. Mai festgesetzt worden. Zu den Werbungskosten zählen der Mehrauswand an Kleidung und Schuhwerk, die Beschaffung von Büchern. Instrumenten usw. Sofern tarifliche Rückvergütung solcher Aufwendungen durch den Unternehmer erfolgt, dürfen sie beim Steuerabzug nicht berücksichtigt werden. Besondere Aufwendungen, die den Satz von 10 Proz. übersteigen, können nur mit Zustimmung deS zuständigen Finanzamts berücksichtigt werden. Zur Wahl der Berliner Ortsverwoltung des Deutschen(Eisen- bahnerverbandes am 9. und 10. Juni liegen zwei Listen vor. Die Liste der.Amsterdamer" beginnt mit dem Namen Wilhelm Schulz, Gürtler, der als 1. Bevollmächtigter vorgeschlagen ist. Weiter sind zu den besoldeten Posten vorgeschlagen: Hermann Schultz als 2. Bevollmächtigter, KarI Paulick als Kassierer und Fritz Uhlich als Schriftlührer. Als unbesoldete Beisitzer sind Max Bonatzky, Fritz Voigt, Bruno Wilde. Albert Müller, Paul Weid- mann, Willi Grimm, Max Klein, Hermann Putzke und Oswald Weinert vorgeschlagen, zu Revisoren Wilhelm Jentzsch, Otto Johl, Hermann Discher, Alfred Endo, Erich Gerstmann und Erich Sasse, und als De?egierte zur Gewerkschaftskommission Otto Hildebrandt, Paul Rinke, Kurl Knäbel und Hermann Nowottnick.— Die Liste der.Moskauer" beginnt mit dem Namen Wilhelm Linke. Der Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß-Berlin. berufl seine Funktionäre am Donnerstag, den 9. Juni 1921, abends 7 Uhr, zu einer Allgemeinen Funktionärversamm« l u n g im LehrervereinshauS, Alexanderstr. 41. Tagesordnung: Bericht vom Verbandstag. Kein Funktionär versäume. pünktlich zu erscheinen! Einlaß nur gegen Vorzeigung des Funktionärausweises und Mitgliedsbuches.— Chemische Industrie. Funkiionärversammlung Dienstag, V'/z Uhr. in Häver- lands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35. Diese Auffassung, w«rch« nicht nur von dem Reichsarbeit»« minister, sondern auch bereits von vielen Demobilmachungskom« missaren einwandfrei vertreten worden ist, erscheint durchaus korrekt und dem eindeutigen Sinn des Betriebsrätegesetzes ent- sprechend. Viele gekündigte Betriebsvertretungsmitgiieder, zu deren Kündigung die Betriebsvertretung bzw. beim Obmann die Belegschaft ihre Zustimmung nicht gegeben hatte, haben bisher trotzdem den Schlichtungsausschuß, in der irrtümlichen Auffassung, auf diesem Wege schneller zu ihrem Rechte zu gelangen, angerufen. Der Schlichtungsausschuß kann aber in solchen Fällen nicht auf Grund des Betriebsrötegesetzes eine bindende Enffcheidung treffen, sondern nur einen Vermittlungsvorschlag machen. Wird dieser von dem betreffenden Arbeitgeber nicht angenommen, dann ist die Ver- bindlichkeitserklärung eines solchen Schiedsspruches mangels jeder rechtlichen Grundlage nicht möglich, erfolgt sie trotzdem, und der Arbeitgeber weigert sich wiederum, den Schiedsspruch zu erfüllen, dann wird kein ordentliches Gericht ebenfalls mangels Fehlens jeder Rechtsgrundloge die Vollstreckbarkeit eines solchen Schiedsspruches aussprechen können. Die Betriebsvertretungsmitglieder haben je- doch, wenn sie den Schlichtungsausschuß anrufen, dem Unternehmer jede Arbeit abgenommen, denn nach§ 97 des BRG. ist der Unter- nchmer in solchen Fällen zur Anrufung des Schlichtungsausschusses aLein berechtigt und er kann d-ese Anrufung nachholen in dem Termin, welcher auf Veranlassung des Arbeitnehmers angesetzt worden ist. Dadurch schädigt sich em Betriebsvertretungsmitglied und enthebt gleichzeitig den Arbeitgeber der Durchführung der ein- zigen positiven Bestimmung, die sich in dieser Beziehung im Be- triebsrätegesetz befindet. Also Betriebsvertretungsmitgiieder oder Betriebsobleute, welchen ohne Zustimmung der Betriebsvertretung oder der Belegschaft ge- kündigt ist, haben nicht den Schlichtungsausschuß anzurufen, sondern stets beim ordentlichen Gericht(Gewerbe- oder Kaufmaansgericht) die Lohn- oder Gehaltstlage einzureichen. ftistc». und jtotfermach»!. Montag Uhr Branchenversammlung bei Boeter, Weberstr. 17.— Die Dranchenleitung. Buchbinder. Pertrauensleule in den Iuchdruckereien: Montag Uhr bei Wegcner, Alte Iatodsir. St, wichtige Bertrauensmännersitzung. Bei Berhinde- rung ist unbedingt Bertretuna zu entsenden.— Die Branchenleitung. zeutralverband der Fleischer, Sektion I. Dienstag 7 Uhr Mitzliederver- Vom englische» Bergarbeitcrstreik. Wie aus London gemeldet wird, haben die Führer der Berg- leute von ihren Mitgliedscbasten die Ermächtigung erlangt, auf den Distriktskonferenzen mit den Grubenbesitzern frei zu verhandeln. Tausend Arbeiter der Kohlengruben von Swanwick sollen in eine Lohnkürzung von täglich 2>/.z Schilling eingewilligt und die Arbeil wieder ausgenommen haben..Der Ausstand, welcher jetzt schon 10 Wochen dauert, hat in allen Distrikten das größte Elend ver- ursacht. Daher nimmt man an