Nr. 262 38.Jahrgang Ausgabe Nr. 129 Bezugspreis: Bierteljährl. 30,-, monatl. 10-92 frei ins Haus, voraus zahlbar. Poft bezug: Monatlich 10,- M einschl. Zuftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet, sowie die ehemals deut schen Gebiete Polens, Defterreich, Ungarn und Lugemburg 20,- M., für bos übrige Ausland 27, Mr. Poft bestellungen nehmen an Desterreich, Ungarn, Tschecho- Glowatei, Däne mart, Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit". der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage„ Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 20 Pfennig Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezetle toftet 5,50 902. Aleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 1,50 W.( auLäffig amet fettgedructe Worte), fedes mettere Wort 1- M. Stellengefuche und Schlafftellenanzeigen das erste Mort M., jedes weitere Wort 60 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 8,-- M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag Anzeigen für die nächste Summer müiffen bis 8 2he nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Ubr frith bis 5 Uhr abends Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Mortsplan 15195-97 Expedition Morigolah 11753-54 Montag, den 6. Juni 1921 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Expedition und InseratenAbteilung Morigplas 11753-54 Schiedsgericht für Wiedergutmachung wie Orgesch mobilifiert. Am 31. Mai wurde, wie wir bereits meldeten, in Braunschweig durch die Polizeidirektion der Hauptmann Kuzen, Er Paris, 6. Juni.( WIB.) Wie„ Pefit Parifien" mitteilt, hat man sei glüdlich, daß der Schuldner fich endlich dazu ent Berner Str. 7 wohnhaft, in dem studentischen Verbin die Reparationsfommission den alliierten Regierungen durch Ver- fchloffen habe, seiner Unterschrift Ehre zu erweisen, damit die Weltbungslokal„ Germania", Rebenjir. 21, verhaftet. mittlung der Botschafterkonferenz den Vorschlag unterbreitet, daß, wieder ohne hintergebanten an die Arbeit gehen fönne. war der Leiter einer Werbestelle, die angeblich Freiwillige falls über eine der Klauseln des Teils VIII Anlage 2 Paris, 6. Juni.( EC.) Am morgigen Dienstag wird der. fran- für Oberschlesien werben sollte, in Wirklichkeit aber Anwer über die Reparationsfrage eine Juterpretationsschwie- zöfifche Ministerpräsident Briand auf dem Jahresbantett ber re- bungen für die Drgesch im großen Maßstabe vorge tigkeit entsteht, die Reparationsfommiffion berechtigt sei, diesen publitanisch- fozialistischen Partet eine große politische Rede Streitfall dem Schiedsspruch eines Neutralen zu unterbreiten. Im Falle fich die Reparationsfommission über die Wahl des neutralen Schiedsrichters nicht einigen fönne, schlägt sie schon heute vor, diefes Schiedsrichteramt dem ehemaligen schweizerischen Bundespräsidenten Ador zu übertragen. Gegen diesen Vorschlag wendet sich„ Petit Parifien", da der Bertrag von Versailles nur in Prozessurfragen, nicht aber in jachlichen Fragen ein schiedsrichterliches Verfahren zulaffe. halten. Bahnhof Kattowit in polnischer Hand. nommen hat. Im Besiz des Hauptmanns Ruhen wurde eine große Anzahl von Papieren belastenden Inhalts aufgefunden, aus denen einige nähere Angaben die Deffentlichkeit interBreslau, 6. Juni.( Eig. Drahtbericht des Borwärt".) Wie effieren dürften. der„ Breslauer Bolkswacht" gemeldet wird, ist auch der Bahnhof Rugen führte eine genaue Liste der von ihm für die Ratto wig von dem, französischen Kommandeur den polni. Orgesch angeworbenen Bersonen bei sich. Sie umfaßt 106 schen Eisenbahnern übergeben worden. Zur Bedin- Namen. Es handelt sich anscheinend durchweg um StudieTeil VIII Anlage 2 des Friedensvertrages umschreibt gung wurde gemacht, daß die Polen von dort aus nicht gegen bie rende der Braunschweiger Technischen Hochschule, meist die Zusammensetzung und die Befugnisse des Wiedergut Eisenbahndirektion oder gegen das Innere der Stadt vorgehen. Leutnants a. D., Bizefeldwebel u. dgl. Die Bisitenkarte eines machungsausschusses. Besonders wichtig sind die Oppeln, 5. Juni.( WTB.) Die Kampfhandlungen an soeben Angeworbenen lag noch auf dem Tische des WerbeKlauseln, in denen die Gesichtspunkte und Bestimmungen fest der von den Aufständischen gehaltenen Linie in den Kreifen Groß- lofals. gesetzt werden, nach denen der Wiedergutmachungsausschuß Strehliß und Kosel sind zum Stillstand gekommen. Die Ein mit Maschinenschrift hergestelltes Blatt, das den bei Aufstellung und Eintreibung der Wiedergutmachungs- von den Infurgenten gehaltene Linie verläuft nunmehr in den Kopf trägt„ N. W.- St. B.-Nr. 30", gibt genauen Aufschluß fumme zu verfahren hat. Dem Ausschuß werden hier sehr reisen Groß- Strehlitz und Kosel von Kosel- Oderhafen über Klod- über Besoldung, Reisefoften, Verpflegung, Unterkunft, Beweitgehende Rechte hinsichtlich der Verteilung der Wiedergut- niz- Randrzin- Bahnhof Slawentziz- Ort, machungsraten und der Abschätzung der deutschen Zahlungs- nandshof- Olschowa- Kalinow. Im Kreise Ratibor wurde von den fähigkeit gegeben. Es würde mithin einen großen Schritt vor. Infurgenten die Schichowitzer Brüde gesprengt und in Brand gemärts auf dem Wege zur Entspannung der europäischen Lage stedt. Im übrigen ist die Lage unverändert. bedeuten, menn in diesen lebenswichtigen Fragen im Zweifelsfall dem Schiedsspruch eines Neutralen das Recht der lezten Entscheidung zufäme. Die zweite Rate. Bro Mann werden täglich neben freier Unterkunft 50 M. gezahlt, woraus er die Kosten der Verpflegung selbst bestreiten muß. Ein andermal werden Stichworte für Meldungen über abgehende Transporte verabredet. Nach einer Meldung der Chicago Tribune" aus Oppeln ist einem Oberleutnant Schmidt, der angeblich Studenten für Gin weiteres Schreiben des Herrn Str. B. warnt vor die Uneinigkeit zwischen den Engländern und Stalienern auf eine, wilde" Formation anwirbt und auf eigene Faust Krieg der einen und der Franzosen auf der anderen Seite in den letzten führt". Der Eintritt in die Freikorps Roßbach und Ober Wochen noch gestiegen. Der neue kommandierende der land wird den Mitgliedern der Organisation" verboten. englischen Streitfräfte en neden, ber als einer der energischsten englischen Offiziere befannt sei, habe sofort nach seiner Ankunft eine Ein anderes der vielen Schreiben erzählt, daß die reinen famt führer" habe zugefagt, er wolle nur noch Freigut, jemilligenverbände durch unsere Stellen" annehmen und die Finanzierung sicherstellen. Besonders interessant ist folgende Stelle: Berlin, 6. Juni.( WIB.) Der Reparationstommiffion find am 31. Mai als zweite Rate auf die eine milliarde Gold- Konferenz der höheren britischen Offiziere berufen, doch noch nicht tampferprobt" feien. Der„ Ge= mart 50 millionen Goldmart angeboten worden. Diese um die militärischen Pläne zu erörtern, die von London bereits ge50 Millionen Goldmark find nunmehr in gleicher Weise wie die billigt worden seien. Die Anfunft des Generals fönne die Ordnung erste Rate von 150 millionen Goldmark der Federal Reserve Bank in Oberschlesien wiederherstellen. in New Yort in Dollars überwiesen worden. Entgegenkommen in der Dieselmotorfrage. In der Dieselmotor- Frage hat die Pariser BotschafterKonferenz der deutschen Botschaft in Paris eine Note überfandt, die folgendes feststellt: 1. Die Konferenz gewährt eine Berlängerung der der deutschen Regierung für den zu industriellen Zweden erfolgenden Umbau der noch nicht umgebauten U- Boot- Dieselmaschinen gesetzten Frist bis zum 30. September 1921. Deutschenhete in Polen. Pofen, 6. Juni.( TB.) In Ostrowo fanden am 2. Juni, mie erst jetzt befannt wird, Straßendemonstrationen gegen die Deutschen statt. Biele Deutsche wurden schwer miß handelt, deutsche Geschäfte und Wohnungen geplündert. Bon der polnischen Arbeiterschaft wurde die Entlaffung aller deut schen Arbeiter der Waggonfabrit erzwungen, und der deut schen Bevölkerung wurde mit meiteren Plünderungen gedroht, menn sie nicht sofort auswandere. Die Polizei erwies fich als macht. los, erst abends wurde die Ruhe durch Militär wiederhergestellt. Es scheint, daß die Ereignisse in Ostrowo die Borboten einer größeren Bewegung gegen die Deutschen sind. Die Unentschiedenen. 2. Aus dem am 30. März von der deutschen Marinefriedens. Commission an die interalliierte Marine- Ueberwachungskommission gerichteten Schreiben geht hervor, daß eine solche Frist reichlich genügt, um diesen Umbau vorzunehmen; jedenfalls ist dem Vorsitzenden der interalliierten Marine- lleberwachungskommission über den London, 6. Junt.( WTB.) Daily Telegraph" zufolge ist man bis Stand des Fortgangs der Arbeiten zum 30. September 1921| ieht der Lösung der oberschlesischen Frage nicht zu berichten., näher gerüdt. Tagtäglich werden zahlreiche schriftliche als 3. Bei Gewährung dieses Zugeständnisses bedingt die Rommiffion auch mündliche Mitteilungen zwischen Briand und dem britischen sich aus, daß die deutsche Regierung teine Mühe scheuen darf, um Botschafter in Paris, Lord Harbinge, ausgetauscht, jedoch ohne bie Umbauarbeiten in dem festgefeßten Zeitraum zu beenden. augenscheinliches Ergebnis und ohne Aussicht auf baldiges Einver nehmen. 4. Die umgebauten Maschinen sind unter den von der interalliterten Marine- lleberwachungskommission als befridigend er. Laut„ Times" hat Lloyd George augenblidlich alle off achteten Bedingungen einzubauen. Diese Bedingung findet nung aufgegeben, eine Konferenz des Obersten Rates zu naturgemäß auch auf die vier schon umgebauten Maschinen Anwen- fammenzubringen. Auch die von Frankreich vorgeschlagene Komdung, welche unter Bedingungen eingebaut sind, die die Interalliierte mission zur Prüfung der oberschlesischen Frage habe keinen Zwed. Die englische Presse wendet sich neuerdings wieder sehr scharf gegen die polenfreundliche Haltung der Franzosen im Aufstands. gebiet. Kommission für unzureichend erachtet hat. 5. Alle diejenigen Teile der Maschine, melche zu beseitigen sind, um den Umbau zu ermöglichen, find als Kriegsmaterial anzusehen; als solches müssen sie unter der Kontrolle der Interalliierten Kommission zerstört werden. 6. Die Konferenz hat andererseits festgestellt, daß 86 Maschi nen im Widerspruch mit den Bestimmungen des Vertrags eppor. tiert worden sind; sie behält sich vor, dieserhalb der deutschen Dele gation eine weitere Mitteilung zugehen zu lassen. nicht verkannt werden sollte." Intransigeant" will erfahren haben, Lloyd George habe Briand London anstatt Boulogne als Tagungsort der nächsten interafllierten Ronferenz vorgeschlagen. Die Kommunisten versuchen in unsere Linien hineinzufommen. Wird ein Kommunist festgestellt, so faffen ihn unsere Stellen möglichst durch Italiener festnehmen. um Unruhe in linksstehender Arbeiterschaft zu vermeiden. Mit Rücksicht auf den Erlaß der Reichsregierung( Orgeschverbot), der an unfern laufenden Maßnahmen nichts ändert, wird empfohlen, zur Geheimhaltung betr. Orgesch auf der Fahrt zu mahnen." telephonische Fühlungnahme( Vorsicht Feind hört mit!) mit In dringenden Fällen wird dem Hauptmann Kuzen der Brovinzialleitung Schlesien( n. Septe, Ring 46/48)" empfohlen, der ,, unsere verantwortliche Gesamtvertretung beim Heimatschutz D.-S." habe. Ein Bortommando" befindet sich in Breslau, Claasenstr. 6, bei Herrn v. Wietersheim I, der als Ber bindungsoffizier bei Herrn v. Schw. bezeichnet wird. Als sein Vertreter wird ein Herr v. d. Delsnig genannt. St. B. schreibt am 25. Mai: grade, Abteilungen usw. sind zu vermeiden; besonders dürfen Militärische Bezeichnung für Dienststellen, Dienst. in Zeitungen( Nachrufe für Gefallene) nicht Ausdrücke wie Freitorps, Ceufnant und Kompagnieführer erscheinen. Angehörige der G. D. D. S. in Führerstellen sind mit Führer", alle anderen mit Freiwillige" zu bezeichnen." Orgesch zunuze zu machen wissen, zeigt eine weitere VerWie sich die Nationalisten des Auslands die Tätigkeit der fügung von St. B.: „ Ein angeblich deutscher Major versucht in O. S. Freiwillige für die Fremben legion zu werben, ferner versucht die 2 po Freiwillige unferes Verbandes für sich abzufangen." Ein gewisser Major Simon wird als Verbindungsoffizier benannt. Postsendungen sollen an Herrn Lamotte, Bremen, Rontreestarpe 50, gesandt werden. Alle Transporte sollen über folgendes belehrt werden: Deutsch gesinnt. Ebenso größtenteils die Juden in D. S. Falsche a) Sehr viele polnisch sprechende Einwohner sind gut Behandlung fann großes Unheil anrichten. b) Bor Zusammenstößen mit Entente- Leuten wird dringend ge mart, auch wenn die Franzosen dazu reizen sollten. Die Abrüstungsfrage. Die Ronferenz gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die deutsche tantenhauses für auswärtige Angelegenheiten hat eine von seinem Mashington, 6. Juni.( Reuter.) Der Ausschuß des Repräsen Regierung alles in ihren Kräften stehende tun wird, um die Aus- Borsitzenden Porter nach Rüdsprache mit dem Präsidenten Harding führung von Entscheidungen zu erleichtern, deren liberaler Charakter aufgezeichnete Entschließung angenommen, in der erklärt wird, ber Rongreß befinde fich in voller Uebereinstimmung mit dem Präsidenten, wenn er eine internationale Ronferenz Eine Ansprache Millerands. über die Beschränkung der Rüstungen einberufe und für vorläufige Ausgaben zu diesem Zwede hundertausend Dollar be Paris, 6. Juni.( WTB.) Präsident Miller and hielt gestern willige. bei der Enthüllung eines Denkmals für die gefallenen Schüler eines Washington, 6. Juni.( Havas.) Der japanische Botschafter Gymnafiums eine Ansprache ,, in der er sagte, das republikanische veröffentlicht den Tegt der Antwort, welche die japanische ReFrankreich hänge mit allen Fafern am Frieden. Wenn es drei gierung dem Bölferbund am 26. April in der Abrüstungsfeine Jahre nach Beendigung der Feindseligkeiten noch Gewehr bei Fuß frage zugehen ließ. Jepan drüdt darin feinen Wunsch aus, alle stehen müsse, so sei es dafür nicht verantwortlich. Es würde seine Regierungen möchten gemeinsam eine era bjegung der gefallenen Söhne verraten, wenn es nicht mit Mäßigung die Aus- Bewaffnung beschließen, aber es vertritt den Standpuntt, baß Reichsregierung find als gesetzliche Unterlagen gegen Werbestellen ,, St. B. Nr. 55 vom 26. 5. 21. In einer der legten Noten der führung der feierlich übernommenen Verpflichtungen erlangen würde. I der Bölterbundsrat die Entwaffnungsfrage prüfe. langeführt$ S 127 und 110 bes Strafgesetzbuchs und Gesetz vom c) Die Artilleristen nicht in Hundertschaften zu fammenstellen, sondern getrennt in Gruppen. d) Tragen von Waffen und Abzeichen außerhalb des 2b. ffimmungsgebietes streng verboten. e) Unbedingter Gehorsam, Einzelne Schreiben sind auch aus Hannover, fie tragen Unterschrift. Recht intereffant dürfte besonders folgendes Schreiben fein: 22. MSrz 1921 betr. Ausfühning des Nriedensvertrag«. Beid« Te- sctzesbestimmungen sind, wie wir authentisch(!) hören, nicht handhaben für gerichtliches vorgehen, wenigsten» nicht gegen uns. 5>n diesen Bestimmungen handelt es sich um bewaffnete Ver- bände, um Mobil machungsmahn ahmen, um Aus. bildung im Waffen Handwerk und öffentliche A u f f o r d e. rung zum Ungehorsam gegen rechtsgültige Verordnungen. Tatsächtich haben sich auch Polizeipräsidenten auf Grund dieser Er« laste noch nicht für berechtigt gehalten, gegen Werbe stellen poli« zeilich vorzugehen, weil sie in den Gesetzen keine Unterlogen finden." Noch bezeichnender ist folgendes Schreiben: „St. B. Nr. 58. Sofort verbrennen! Zu der Erklärung der Reichsregierung ist wegen des Verbots der Anwerbung von Freiwilligen noch zu sagen: Unsere Sache ward dadurch nicht berührt. Es ist auch in deiner Weife damit zu rechnen, daß unfern Leuten bezüglich Versorgung später eine ähn- liche Behandlung zuteil wird, wie den Baltikumern seinerzeit. Davon ist bestimmt nicht die Rede.— Erlaß hat den Zweck, den Schein nach außen zu wahren, und gleichzeitig die durchaus uner- wünschten wilden Werbungen zu verhindern. Darum die Straf. androhung. Für uns kein Grund zur Beunruhigung, gez. N. SB." Endlich noch folgendes Stimmungsbild: „St.— 58. Nr. 56. Infolge eines Zusammenstoßes eines Trans- Ports mit einem Eisenbahnbetriebsrat wird gebeten, nicht nur durch Anweisung, sondern durch entsprechende Ueberwachung dafür zu sorgen, daß: 1. die Transporte kein Gepäck mit sich führen, das der SZer« kehrsordnung nicht entspricht, sondern nur Koffer, unausfällige, un- gleichmäßige Kisten. 2. die Transporte auf all« in Frage kommenden Züge verteilt find. Z. jeder Freiwillige ein« Fahrkarte besitzt und nicht etwa, wie schon vorgekommen, nur einen Ausweis, der angeblich zur freien Fahrt berechtigt, 4. die Freiwilligen ihr« Begeisterung für die.gute Sache" und ihre Zugehörigkeit zur O. E.(Orgesch) nicht gerade in breiter Oeffentlichkeit bekunden. Wir müssen in setziger Lage alles vermeiden, was die linksradikalen Elemente aufpeitscht." Alles in allem ein Bild äußerste? Gerissenheit, Doppel- züngigkeit ud Gefährlichkeit. Bon besonderem Interesse ist die Sophistik, mit der die Erlasse des Reichspräsidenten und Strafgesetze bald für ungültig, bald für unanwend- bar, bald für Schein erklärt werden. Werden die Gerichte Herrn Kutzen vom Gegenteil belehren? „ilsiftaatüche Hehanölungsweise�. Im„58. T." beschwert sich Konrad chaußmann bitter über die Sozialdemokratie, weil sie die Erweiterung der Koalition nach rechts verhindert habe. Die Rede des Genosten Wels nennt er .abstoßend". Weiter sagt chaußmann: ~ Wenn die Sozialdemokratie, die jetzt in der Regierung sitzt, das agitatorische Interesse an Neuwahlen in den Vorder- grund stellt, drängt sie diese un staatliche Behandlungs. weise der Deutschen Volkspartei geflissentlich auf. Dicht neben diesem Satz steht ein Redaktionvortikel i-es„B. T.", in dem es heißt: , Deshalb muß die breite Regierungsbasis geschaffen werden, entweder von außen her, durch Verbreiterung nach rechts oder links, oder von innen heraus, wenn es nicht anders geht, durch den Appell an das Volk. Also Herr Haußmann kann sehen, daß die.unstaatliche Be. Handlungsweise", Newahlen zu verlangen, in seiner eigenen Partei vorhanden ist. Die Waffen im Erbbegräbnis. Man schreibt uns aus Grimmen: Das benachbarte Rittergut Borgstedt ist im Besitz der Fa« milie von der Lancken. Als im Spätherbst vorigen Jahres bei der Wrukkenernte einige Arbeiter während der Arbeltspause sich in der Nähe aufhielten, kamen sie auf den Gedanken, einmal Harrp Walöens letztes Spiel. Bon MaxHochdorf. Er spielte zum letztenmal einen Teufel. Einen dämonischen Menschen sollte er darstellen, der alle Schicksalsfäden seiner Neben- menschen zusammenzieht, um sich nach Belieben zu lockern oder zu verwirren. Und als mehrere Bekannte in der Pause zusammen- traten, da flüsterten wir, beengt, und im Gefühle einer großen Trauer:„Wäre doch jener Selbstmord, den Walden vor Wochen versucht hatte, gelungen! Dann brauchten wir heute diesen schreck- lichen Zusammenbruch nicht mehr zu beklagen! Wir sagten das in schwerer Bekümmernis. Die Vorsehung hätte nicht gestatten dürfen, daß Harry Walden, todeemüd, mit Gramfurchen im Gesicht, mit erloschenem Auge, mit abgestorbenem Gedächtnis hin und her geschleudert vom Alkohol, der die verlorene Kraft für wunuten wiederschenken sollte, dort auf der Bühne stehe. Ja, ein Trunkener stand nur noch auf der Bühne. Die Soufleuse schrie sich heiser, um die beinahe tauben Ohren des Schauspielers, der sich dort oben abquälte, zu erreichen. Er ober mußte spielen, er mußte die größte Ueberlegenheit heucheln, er mußte sogar einen Uebermenschen heucheln. Er durfte nicht zeigen, daß es schon ein zerfahrener, elender Bajazzo geworden. Er mußte um jeden Preis wie ein siegreicher Lebensiünftler auftreten. Trotzdem alles bei diesem Spiel nur ein Krampf, Getorkel und Gestammel war, setzte sich bei dem Zuschauer die Meinung fest, daß immer noch ein genialer, flotter Komödiant dort oben auf der Bühne seine Rauschlaunc austobte. Man fand ihn unendlich lustig, man sah in seiner flackernden Erloschenheit oder in seinem erlöschenden Geflackere nur das Springen und Sprühen eines unendlich munte- ren Karnevaltcmperaments. Man wollte immer noch den Walden, den Jüngling aus der„Alt-Heidelberger"-Zeit sehen. Man be- klatschte ihn, man gestattete ihm jedes Gestammel und jedes Ver- sagen. Man lachte vor überschwänalicher Vergnüglichkeit mitten in seiner Rede hinein. Keiner stieß sich daran, daß die Soufleuse bis in die zehnte Reihe mit ihrer Angst hörbar wurde. Jetzt war es den Zuschauern doch vergönnt, ein Stück Privatleben dieses Künstlers kennenzulernen und das Austoben seiner dämonischen Abenteuere!. Man meinte, daß Walden der glücklichste Mensch von der Welt sei, darum durfte es es ungestraft wagen, derart, vom Wein und vom Schnaps hin und her geschleudert, vor sein Publikum zu treten. Man verzieh ihm olles. Die Spießer glaubten, daß alles das sehr festlich sei. Da sahen sie wenigstens einmal einen Menschen, der sein ganzes Leben wie eine ausgelassene Weinlaune auskostete. Sie klatschten ihm bei offenem Vorhang Beifall und merkten gor nicht. daß der Gefeierte schon halb im Jenseits wellte, daß er innerlich schon ganz zerfressen und auch äußerlich schon gräßlich zerrüttet war, während er dankend den Kopf neigte. 5Kur bei den Wenigen, die nicht zu blenden waren, schwieg die quälende Frag- nicht mehr: Warum hat er nicht schon früher sterben dürfen? Denn es tönte unter seiner gebrochenen Stimme an dem letzten Abend seines Spiels noch manchmal jener einschmeichelnde Ton, der has merkwürdigste an diesem Künstler war. In seiner Stimme durch das hochgelegene Fenster in den Raum zu sehen. Sie sahen ober etwas mehr, als in einem Erbbegräbnis vorhanden zu sein pflegt: einige nagelneue Maschinengewehre, Gewehre und Mu« niiionskisten. Nach Beendigung der Arbeit gingen die Landarbeiter zum Arbeitgeber, dem Gutspächter Glanz und verlangten von diesem den Schlüssel zum Erbbegräbnis. Der Schlüssel war „oerlegt"! Da sind die Landarbeiter mit einer Brechstange hinausgegangen, haben die Tür erbrochen, die Waffen zu sich ins Dorf genommen und den Landrat in Grimmen benachrichtigt. Der ließ die Waffen holen und brachte sie im Landratsamt unter und zwar so sicher wie möglich: in einem Holz st all, der un- mittelbar von dem geräumigen Hof mit anschließendem Garten z u- gänglich ist! Am nächsten Morgen waren Maschinengewehre, Gewehre und Munition spurlos verschwunden. Monate sind darüber oergangen. Jetzt endlich erhielten die Ver- treter der SPD, die amtliche Auskunft, daß alle Ermittlungen— natürlich— vergeblich waren— die Akken sind geschlossen! Was geht in Borpommern wieder vor? Die Truppen der Junker. Eine weitere Zuschrift aus Pommern besagt: Am 17. Februar d. I. fand in Pyritz eine Versammlung der deutschnationolen Vclkc Partei mit Thomas- Stettin als Redner statt. Unsere Genossen waren mit Genossen Schmidt-Stargard als Gegenredner anwesend. In dieser Versammlung waren 146 Zalti- kumcr bewaffnet mit Gummiknüppeln und Revolvern. Allein von dem Gute des Gutsbesitzers von Wedel waren von 1t) daselbst stationierten Baltikumcrn 9 zu der in Pyritz bestimmten Versamin- lung abkommandiert. Auf jedem Gut ist auch ein m i l i- tärischer Vorgesetzter, jede Truppe steht mit den anderen in Verbindung. Sie haben dieselben Aufgaben zu erfüllen wie die bayerischen Einwohnerwehren: bloß die Baltikumer betreiben es geschickter, weil sich um diese keiner mehr kümmert. Es ist nur bedauerlich, daß die Gauleitung vom Landarbeiterverband hier, in Verbindung mit ihren Mitgliedern der Sache keine größere Aufmerksamkeit schenkt: denn dann würde man noch mehr staunen und besonders die Waffenlager in Pommern herausfinden. « Dp: Republikanische Führerbund begrüßt in einem Telegramm an den Reichskanzler Dr. Wirth das Vorgehen des Herrn Reichskanzlers in der Entwaffnungsfrage. Der Republikanische Führerbund crklärt sich bereit, durch aufklärende Vorträge die Ar- bei: zu unterstützen und stellt seinen Nachrichtendienst über ver- borgengehaltene SLaffenlager illegaler Organisationen jederzeit in den Dienst der Regierung. Intermerungslager Stargarö. Zu unserem Artikel über die Zustände' im Internierungslager schreibt unser Stargarder Parteiorgan, die„Stargard-Pyritzer Volks- zeitung": „Taffache ist, daß im hiesigen Internierungslager in der letzten Zeit von einzelnen SBachtmannfchaften schwere Ueberschrei- tungen ihrer Machtbefugnisse vorgekommen sein sollen. Zur fraglichen Zeit des geschilderten Vorfalls ist der Leiter des Lagers, Hauptmann Lang«, abwesend gewesen und hat nach seiner Rückkehr sofort eine strenge Untersuchung eingeleitet. Es haben dieserhalb bereits!8erhandlungen zwischen den Berliner Regierungsstellen einerseits und dem hiesigen Lager andererseits statt- gefunden, welche zu dem Ergebnis führten, daß eine große Anzahl Vachimannfchasten heule Montag enklosscn werden sollen. Ge- fordert werden muß unter ollen Umständen, daß diese„SJefchützer" streng bestraft werden. Durch diese Art von„i8eschützung" wird Deutschland im Auslande immer mehr kompromittiert. Schon fett längerer Zeit sind uns Einzelfälle gemeldet worden, in denen verschiedene Wachtmannschaften mit den Inter- nierten rigoros umgegangen sind und sich Mißhandlungen den Internierten gegenüber haben zuschulden kommen lassen, so auch bei dem letzten Brande, wo die Inter- nierten, um sich vor dem SJerbrennen zu schützen, aus den verschlösse- nen Fenstern springen wollten. Tags darauf haben einige Leute auf die unglücklichen Opfer mlk dem Gewehrkolben eingeschlagen. Hoffentlich wird nun endlich im hiesigen Lager Remedur ge- schaffen." lebte etwas ungewöhnlich Werbendes, das die Köpfe verdrehte, dem die Frauen nicht widerstanden, das aber auch die Männer betörte. Es war etwas Dumpfes und zugleich Helles in dieser Stimme. Und er handhabte sie nicht zu Tiraden, sondern stoßweife, angreifend. grollend, aufregend und beinahe hinterlfftig. Er war ein Freund der großen Pausen und Gedehntheiten, nach denen er seine Stimme wie ein plötzlich verspritztes Rauschgift in das Ohr des Zuschauers schleuderte. So warb er, so gewann er. So hörte ich ihn. als er noch nicht zerfallen war. Er stand vor roten Seidenvorhängen und trug das phantastische Morgenlandskleid des Königs Ahasverus, der um die schöne Esther wirbt. Man spielte das Grillparzerfche Esther-Fragment und Waldens Partnerin war das sehr schöne Fräulein Wohlgemuth vom Wiener Burgtheater. Da schien in Ahasverus ein ganz einsamer, verquälter, doch unendlich weicher Mensch aus der Bühne zu stehen. Es verriet der Einsame aber, daß in ihm die opferwilligste Zärt- lichkeit wohnte. Nur mit dieser geheimnisvoll werbenden, nie wiederkehrenden Stimme verriet er dieses Geheimnis. Vielleicht war der Künstler, dem dieses Werkzeug geschenkt wurde, als Mensch nur ein schwacher, entgleister, sehr gewöhnlicher Mann. Das ist gleichgültig. Cr war eine Zeitlang Träger dieser kostbaren Stimme, die man nicht erklären konnte, und die doch deutlich tausende von Menschen aufregte und«inlullte. Run war an dem letzten Tage, da Harry Walden spielte, alles dieses schon so gut wie gestorben. Daß es so schnell ganz verklungen sein würde, ahnten wir damals kaum. Was uns yeraüe noch fehlt. In Berlin hat sich ein Arbeitsausschuß gebildet, um ein Denk- m a l für die auf Grund des Versailler Friedensvertrages o b g e- tretenen deutschen Länder zu errichten. Die Kosten, die sich auf 209 000 bis 300 000 M. belaufen sollen, stehen angeblich zur Verfügung. Trotzdem werden die Künstler aufgefordert, ihre Ent- würfe völlig kostenlos und unverbindlich einzureichen. Aus diesem Grunde warnt der Reichswirffchaftsverband bildender Künstler vor; der Beteiligung an dem Wettbewerb. Die Form dieses„Preisausschreibens ohne Preise" widerspricht allen für künstlerische Wettbewerbe geltenden Grundsätzen. Aber auch der Z w e ck verlangt schärffte Zurückweisung. Wer Paris kennt und das Denkmal der Stadt Straßburg auf dem Konkordienplotz vor dem Kriege gesehen hat, der wird sich der nationalistischen Kund- acbungen erinnern, zu denen, dieses Erinnerungszeichen eines törickijcn Gewalffriedens fast täglich herausforderte, und er wird nicht wünlchen, daß uns jetzt für Berlin etwas Aehnliches beschert wird. Im Anschluß daran möchten wir erwähnen, daß noch ein zweites Projekt dieser Art gegenwärtig„ventiliert" wird. Die eng. lffche Regierung soll die Denkmäler ffir Wissmonn, Karl Peters und den Major D o m i n i ck, die in den ehemaligen deutschen Kolonien standen, nach Europa geschafft und der deutschen Regierung angeboten haben. Es ist möglich, daß aus Gründen inter» nationaler Höflichkeit das Angebot akzeptiert wird, und wenn die Plastiken als Kunstwerke wertvoll sind— worüber der Reichskunft- wart zu entscheiden hätte—. so könnten sie ein« öffentlichen Samm- E!n voreiliger Triumph. Die„Rote Fahne" triumphiert, daß die USP. nach d« Ertlä- rung Crispiens Regierungspartei geworden ist. Wir lese» in dem zweispaltenlangcn Artikel: „Crispien hat es verkündet: Die Unabhängigen wollen dem Kabinett Wirth freien Spielraum lassen. Gibt es eine grausamere Verhöhnung der Arbeikermassen als dieses Wort Crispiens? Di- revolutionäre Maske ist gefallen! Der offene Verrat ist geblieben!" Die„Rote Fahne" sollte doch etwas vorsichtig« fein. Haben nicht ihre sächsischen Parteigenossen von d« VKPD. d« sächsischen Landesregierung gegenüber eine ganz ähnliche Erklärung abgegeben wie Crispien gegenüber der Relchsrcgie- rang? Und hüten sich nicht in Mecklenburg wie in T h ü- ringen die Kommunisten gleichermaßen, die dortigen Linksregie- rungen zu stürzen, um nicht einer Rechtsregierung ans Ruder zu helfen?! Die oppositionelle Jungfernschaft, mit der die BKPD. sich brüstet, Ist also in Wirklichkeit längst nicht mehr vorhan- den. Die BKPD. nascht auch von der Frucht, deren Genuß der USP. als schweres Verbrechen angekreidet wird. Der vorsihenöe üer VKPD. vor Gericht. Vor dem Sondergericht beim Landgericht I begann heute unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Braun der Prozeß gegen den der- zeitigen Vorsitzenden der Bereinigten kommunistischen Parteien Deutschlands B r a n d l e r. Die Anklage, die von Staatsanwalt Dr. P e l z e r vertreten wird, wirft Brandler vor, es unternommen zu haben, die Derfassung des Reiches gewaltsam zu ändern (Hochverrat), zum Ungehorsam gegen die Gesetze aus- gefordert und verschiedene Bevölterungsklassen gegenein- ander aufzuhetzen. Die Personaloernehmung des Angeklagten, der vom Rechteanwolt Dr. Weinberg- Berlin und Rechtsanwalt G a r e i s- Chemnitz verteidigt wird, ergibt, daß« in Karnsberg lDeutschböhmen) geboren ist und kurz nach der Revolution sechs Wochen lang sächsischer Unter st aatssekretär war. Im Kriege wurde er zweimal wegen politischer Vergehen mit geringen Geldbußen bestraft. Es gelangen dann drei Artikel der Zentrale der VSPv. zur Verlesung, die in der„Roten Fahne" vom 4., 10. und 24. März dieses Jahres erschienen sind. In dem ersten Aufruf an das d-uffche Proletariat wird auf den Abbruch der Londoner Verhandlungen und den Beginn der Sanktionen Bezug genommen und die deutsche Ar- beiterklasse aufgefordert, sich selbst zu helfen, dem drohenden Kamps nicht auszuweichen und das Doppeljoch fremder und deut- scher Ausbeuter abzuschütteln. Der zweite Aufruf bewegt sich in ähnlichen Gedankengängen,« fordert das Proletariat auf, sich zu dem Kampf für das Bündnis mit Sowjetrußland zu rüsten. Der dritte Artikel spricht von den Organisationen d« Orgeschbanditen in Mitteldeutschland" und den von � den Rechtsparteien inszenierten A t t cn t a t e n auf die Siegessäule, Gerichtsgebäude und Eisenbahnbrücken und v«langt die Entwaffnung der Konterrevolution und die Bewaffnung der organi- sierten Arbeiterschaft, die jetzt den ihr aufgezwungenen Kampf aufnehmen müsse. Auf die Frage des Borsstzenden, was die Zentrale der BKPD. mit diesen Aufrufen bezwecken wollt-, betont der Angeklagte zunächst, daß er für alle diese Aufrufe die volle polikische Verantwortung übernehme. daß« aber die Auskunst auf alle Fragen ablehne, durch deren Beantwortung er a n d e r e Personen belasten würde. Aus Beftagen erklärt Brandler weiter, daß er schon seit 1919 dem Spar- takusbunds und der späteren kommunistischen Partei angehöre, seit Mitte Februar dieses Jahres sei er noch dem Ausscheiden des Dr. Paul Levi Vorsitzender der LKPD. Auf die Frage des Vorsitzenden, wer diese Aufrufe verfaßt habe, verweigert der Angeklagte die Antwort und erklärt nur, daß die Zentrale der Partei damals zur politischen Loge Stellung genommen und dann einen Genossen beauftragt habe, diese Auftufe abzufassen. In läng«« poitischer Rede schildert Brandler dann die außen- und innerpolitische Lage dieses Frühjahrs, wie er als Kommunist sie be- trachtete. Der deutschen Regierung machte er den Vorwurf, daß sie nach der oberschlesischen Abstimmung in Schlesien Truppen und Waffen angesammelt habe, um das Abstimmungsergeb- nis mit Gewalt zu korrigieren. Er, Brandler, selbst habe das Material hierüb« von ein« hohen Stelle im Reichswehrmluisserim» erhalten. Fast gleichzeitig mit diesen' Vorgängen habe dann d« lung überwiesen w«den. Daß es ab« zu ein« Aufstellung dieser Denkmäler irgendwo in Deutschland kommen sollte, halten wir lür, ausgeschlossen. Schon der Hinweis auf Karl Peters dürfte als Begründung genügen. Das Denkmal eines Mannes, der seinerzeit wegen schwer« Bergchen aus dem Reichsdienst entlassen worden ist, würde das Rechts-, Ehr- und Anstandsgefühl des deuffchen Voltes aufs tiefste verletzen und einen dauernden Anreiz zu berechtigten Kundgebungen bilden. Nur chauvinistische Lockspitzel können der- gleichen wünschen. 58«i Wissmann und Dominick liegen die Ding« anders, aber auch hier wird man der Ansicht sein, daß die Kosten, die die Aufftellung ihrer Standbilder fordern würde, eine bessere Verwendung finden kann. Mangel an Denkmälern ist wahrhaftig nicht das, was uns heute am schmerzlichsten drückt. Deutsches Opernhaus. Gastspiel Baldanoff.' Trotz der Glut- Hitze wieder einmal ein ganz großes Erlebnis. Das ist nicht nur ein glänzender Virtuose und tüchtiger Spieler wie etwa Josef Schwarz, sondern eine Elementarkrast, die den letzten Ton und die leichteste Geste mit höchst« Natürlichkeit füllt. Eine fast unglaub- liche Vereinigung von titanischer Kraft und feinster Kultur, Süden und Norden in einer P«son. Das Flimmernde, Unstäte der Narren- falschheit bringt er wie ein Dollblutitaliencr, die merffchliche Größe des verwundeten Vaterherzens, der Rachedurst, die Angst, das Ent- setzen entströmen unerschöpflichen Tiefen. Zieht man eine kleine tonliche Senkung im großen Duett des 1. Aktes und den nicht ganz aus tiefft« Spannung herausgeholten Schluß ab, so bleibt immer noch ein herrlicher, lange nochbelebender Genuß. Do mußte seine tüchtige Umgebung, die wenig großzügige Kunst d« sonst vortrefflichen Herta Stolzenberg, die namentlich im 2. Akt etwas abfiel, der frische einschmeichelnde Tenor Bern- hard Botels und der tadellose Spamfucile K a n d l s dagegen stark verblassen. Slber trotzdem alle Hochachtung, auch vor der Regie Laqenpuschs und dem Dirigenteninstinkt Waghalter s. der jede rhythmische und hormonische Delikatesse im Orchester aufs feinste herausholt, ausgezeichnet begleitet, aber hie und da die mit- fcbwingende Empfindung der Orchesterbegleifflimmen vermissen läßt. H. M. Georges Feydean. d« bekannte französische Schwankautor, ist am Sonntag, 60 Jahre alt, in Paris gestorben. Sein be- kanntestes W«k war„2>ie Dame von Mcyrim". deren sich die Be- such« unseres Nessdenztheoters und Verehr« Richard Alexanders und der Rita Leon_noch mit Vergnügen erinnern w«den. Feydeau hatte die löbliche, für die französischen Possenschreiber charakteristische Gewohnheit, selbst den hahnebüchensten Blödsinn in ein« drama- tisch sauberen, sorgsältig durchgearbeiteten Form zu bieten. Seine Stärke war die verblüffende Situationskomik. In den letzten Iahren versuchte er seine Stücke auf„Weltanschauung" zu deichseln und den ernsten Denker zu posi«en, womit« indessen bei seinem Publikum kein Glück hatte. Tie Tchwarz-Weift-AuSftellung der Akademie der Künste, Paris« Platz 4, wird um einige Tage verlängert. Der endgMge S»lug der Ausstellung ist am Mittwoch, deu S, nachmittags 5 Uhr. bayerische Ministerpräsident v. Rahr erklärt, daß Bayern fich in Imerben, daß er über die Grenze des Babes hinausgeschwommen und der Entwaffnungsfrage nicht unterwerfen würde. Dann unbemerkt untergegangen ist. Nach seiner Leiche wird geforscht. habe die vom Oberpräsidenten Hörsing geleitete Aktion der Schuh- Ganz ähnliche Berhältnisse entwickelten sich in den übrigen Großpolizei gegen Mitteldeutschland begonnen. Attentate feien in der Berliner Freibädern. Besonders das Freibad Wannsee hatte einen schiedenen Orten inszeniert worden und zwar so stümperhaft, daß fie enormen Ansturm auszuhalten. Die Lotale am Wannsee, wie übernur von Spigeln der Rechtsparteien ausgeführt sein haupt alle irgendwie am Waffer gelegenen Lofale waren überfüllt fonnten. Aus allen diesen Vorgängen sei es für die Kommunisten und konnten faum den Ansturm der Gäfte bewältigen. Die Anfordeflar gewefen, daß die deutsche Konterrevolution zur militärischen rungen, die an Geduld und Nerven der Eisenbahner wie an alle Aktion in Oberschlesien und auch zur Abwehr der Santtionen schreiten übrigen Verkehrsbeamten gestellt wurden, waren außerordentlich. und deshalb die Hochburg der Kommunisten in Mitteldeutschland zer- Da das Barometer ständig fällt und aus Süddeutschland verftören wollte. In Abwehr dieser Gefahr habe die Zentrale der heerende Unwetter gemeldet werden, fann das Wetter in furzer Zeit BKPD. das deutsche Proletariat zum Generalstreit auf- umschlagen. Leider haben sich auch am Tegeler See Tragödien abgerufen. Bors.: Sie bestreiten also, sich des Hochverrats schuldig gespielt. Es sind dort beim Baden nicht weniger als 5 Personen gemacht zu haben und wollen nur zum Generalftreit aufgefordert ertrunken. haben? Angefl: Jawohl, man müßte uns für Jdioten und Narren halfen, menn man glaubt, daß wir mit diesen Aufrufen den Sturz der Verfaffung hätten herbeiführen wollen. Bors.: In den Leitfäßen Ihrer Partei heißt es doch aber, daß das Proletariat die Herrschaft mit Gemalt an sich reißen müsse? Angel L: Das steht in allen sozia listischen Leitfäßen. Im weiteren Verlauf beruft sich der Angeklagte auf mehrere Zeugen, die ihn seit langem fennen und befunden würden, daß er in der politischen Entwidelung stets die Anwendung von Gemalt abgelehnt habe. Gewerkschaftsbewegung Die Buchdruckereibefizer lehnen ab. Zu den von der Gehilfenschaft gestellten Forderungen nahm am Sonnabend eine Versammlung der tariftreuen Buchdruderei befizer von Groß- Berlin Stellung und beschloß einstimmig, die Forderung der Vertrauensleute der Gehilfen und Hilfsarbeiter auf eine allgemeine Lohnerhöhung von 35 M. sowie des 48stündigen Ultimatums abzulehnen. Sowohl die aufgestellte Forderung wie ihre Befristung stellten einen Verstoß gegen die bestehende Tarif. gemeinschaft dar; der angedrohte Streit würde einen flaren Tarifbruch bedeuten. Das Angebot im Abkommen Heenemann- Maffini foll bis Donnerstag abend 6 Uhr aufrecht erhalten bleiben. Es sei für Gehilfen und Hilfsarbeiter getroffen, so daß seine Ablehnung von einer der beiden Gruppen der Gesamtablehnung gleichfomme. Der Schatz unter der Birke im Grunewald. Der Einbruch bei der Opernsängerin Denera aufgeklärt. teten, ein Einbruch in die Wohnung der Opernfängerin Erna Großes Aufsehen erregte, wie wir vor einigen Tagen berich- Ende des niederschlesischen Bergarbeiterstreifs. Denera in der Pariser Straße 20, die diese seit längerer Zeit an eine Dauer heute zu Ende gehen. Nachdem der Schiedsspruch den Der niederschlesische Bergarbeiterstreit dürfte nach zweiwöchiger vermögende Ruffin, Frau Dr. Gurewißsch, vermietet hat. Ausbruch des Kampfes nicht verhindern konnte, fanden am Freitag Nach einer Gesellschaft, die sich bis 3 Uhr nachts hinzog, drangen unter Beteiligung des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns und des Einbrecher in die Wohnung ein und stahlen wertvolle Berserteppiche, Reichswirtschaftsministers Robert Schmidt neue Berhandlungen in eine große Menge Silberzeug und andere der Opernsängerin ge- Berlin statt. Die Notlage der niederschlesischen Bergarbeiter Der Wirtschaftsminister Fellisch aus Dresden behörende Sachen, außerdem aber aus dem Schlafzimmer der Ruffin, wurde allseitig, auch von Unternehmerseite anerkannt. Auf der an stätigt, daß Brandler, soweit er ihn fennt und mit ihm zusammen während diese im Bett lag und schlief, vom Nachttisch sehr foftbare deren Seite darf jedoch nicht übersehen werden, daß es sich um ein tätig war, feinen Anlaß genommen habe, zur Gewalt aufzufordern. Schmucksachen. Kriminalfommissar Trettin und den übrigen Be wirtschaftlich außerordentlich ungünstig gestaltetes Revier handelt, Der nächste Zeuge, Gewerkschaftsbeamter Friedel Chem. amten der Dienststelle B. I. 7 ist es schon nach wenigen Tagen ge- das zum Absterben verurteilt ist. Nur die zwangsweise nih, bestätigt diese Angaben und hebt besonders hervor, daß Brand- glückt, den Einbruch aufzuklären, Täter und Hehler zu ermitteln Bewirtschaftung der Kohle und deren Unentbehrlichkeit schützt es heute Ier nach den Taten des Hölz im Vogtland für den Ausschluß des und auch den weitaus größten Teil der gestohlenen Sachen wieder vor dem Zerriebenwerden. Die niederschlesischen Kohlenpreise Hölz aus der BKPD. gesorgt habe. herbeizuschaffen. Bei ihren Ermittlungen war den Beamten auf stehen heute 30 bis 50 m. je Tonne über den Preisen der anderen Fabrikdirektor Siemens Chemnih berichtet über ver- gefallen, daß ein Straßenmädchen, das in der Nähe des Alexander Reviere, obwohl die Kohle zum Teil minderwertigenr ist. Nur diese schiedene Vorfälle, bei denen Brandler während des Rapp- Butsches plages spazieren zu gehen pflegte, einen fehr wertvollen Pompadour Sonderpreise gestatteten in der Lohnfrage einigermaßen Schritt zu die Chemnizer Arbeiter von Gewalttätigkeiten abgehalten habe. trug und aus diesem des öfteren auf offener Straße eine goldene halten mit anderen Bergrevieren, während in der Vorkriegszeit der Rechtsanwalt Dr. Weinberg unterstüßt diese Aussage durch Buderdose hervorzog und sich damit puderte. Es ergab sich bald, Lohn um ein volles Drittel hinter anderen Revieren zurückblieb. das Verlesen eines Protokolls über eine Sigung der Chemnizer daß es sich um den der russischen Fürstin gestohlenen Pompadour han. Die Teuerung ist aber überall gleich schlimm. Eine Lohnerhöhung Stadtverordnetenversammlung. delte. Die Ermittlung führte bald auf die Spur der eigentlichen gab es in Niederschlesien seit Mai 1920 nicht, während andere ReHierauf wird die Beweisaufnahme geschlossen und es tritt eine Täter, unter denen ein gewisser Arnold vermutlich als der Haupt- viere solche wiederholt hatten. Eine Preiserhöhung hätte nur den breiviertelstündige Mittagspause ein. täter angesehen werden fann; in seinem Besitz wurden die übrigen niederschlesischen Absahmartt eingeengt und wäre zum Schaden der mertvollen Schmucksachen gefunden. Außerdem wurden noch andere Arbeiter ausgeschlagen. So war es alfo außerordentlich schwer, Schmudsachen beschlagnahmt, die, mie sich herausstellte, aus dem einen Ausgleich zu fchaffen, wie denn auch der Schiedsspruch von den Straße herrührten. Arnold war seiner Zeit bereits verhaftet worden, gegen den Willen der Gewerkschaften aus und er wäre ein nug. großen Einbruch bei dem Konsul Michaelis in der Sächsischen Arbeitern als solcher nicht empfunden wurde. Der Streit brach war aber wieder entwichen. Die Berhafteten leugneten zunächst, lofes Weißbluten geworden, wenn die Gewerkschaften nicht mußten aber angesichts des großen Belastungsmaterials schließlich die Führung übernommen hätten. Bielleicht wäre der Zusammen. den Einbruch zugeben. In dem Händler Peter Fenner aus Char- bruch gewissen radikalen Rechthabern lieber gewesen, deren Ziel ja lottenburg hatten sie einen Käufer für ihr Diebesgut gefunden. gerade die Anarchisierung des Reviers ist. Die Arbeiter wären aber Dieser spielte bei seiner Festnahme den wilden Mann" und gab an, erst recht die Leidtragenden gewesen. Denn nirgends ist die Gefahr die Sachen in einer Schlucht im Grunewald vergraben zu haben. größer, daß ganze Sohlen zu Bruch gehen wie in Niederschlesien. Als nun Beamte gestern dort hinausfuhren, wollte er die Stelle Die Unternehmer haben allerdings recht unflugerweise durch ihre felbft nicht wiederfinden. Endlich aber wurde der Schatz doch einseitigen Darstellungen in der Deffentlichkeit die Situation per unter einer Birte vergraben aufgefunden und gehoben. schärft. Es ist einzig den Gewerkschaften und den beiden beteiligten Ministerien zu danken, daß ein befriedigender Ausgleich gefunden wurde, der nicht allein die Formel für den Abbruch des Streits abgibt, sondern dem niederschlesischen Revier für die Zu funft seine wirtschaftliche Erhaltung sichert. Etatsdebatte im Landtag. Auf der Tagesordnung der um 12 Uhr beginnenden Landtagsfizung steht als einziger Gegenstand die Beratung des Staatshaus halts für 1921. Abg. Braun( Soz.): Durch die Annahme des Ultimatums ist endlich RI arheit ge fchaffen worden, wenn auch eine harte und niederdrückende Klarheit. Die moralische Heze gewiffer Barteien gegen die Unterzeichner des Ultimatums ist unberechtigt, denn gerade diese Parteien sind es, die durch ihre Kriegs- und Annegionspolitit die jeßige Lage geschaffen haben.( Großer Lärm rechts.) Sie( nach rechts) haben je stets gefagt: Der Unterliegende muß bezahlen. Bei den Kommunisten verstehe ich die Katastrophenpolitik, denn sie wollen Deutschland für die bolichemistische Gewaltherrschaft reif machen. Bei den Rechtsparteien aber ist ihre ablehnende Haltung nur aus parteipolitischen Erwägungen heraus zu der stehen. Der Ministerpräsident Stegerwald möge sich das gesagt sein lassen, wenn er auch in Preußen an die Neubildung der Regierung geht, die er ja felbft für notwendig erklärt hat. Die uns auferlegten Lasten fönnen nur aufgebracht werden, wenn eine Berringerung der Ausgaben und eine Bermehrung der Einnahmen eintritt. In Breußen werden allerdings größere Ersparnisse faum noch möglich sein. Es fommt für uns doch darauf an, die Produktion hoch wertiger Qualitätsarbeit möglichst zu heben. Das ist aber nur möglich, wenn man die Bestrebungen zur Hebung der Kultur unter ftügt. Darum find Ausgaben für fulturelle Zwede in hervorragen dem Maße werbende Ausgaben. Die Lasten, die wir zu tragen haben, find ungeheuer. Es kommt nun darauf an, daß das deutsche Bolf den festen Willen zeigt, zu leisten, was möglich ist. Dazu mer den noch gewaltige Abgaben auf Besitz und Kapital nötig sein. Wenn sich die Auffassung des Gerichts Bahn bricht, daß bei Kapitalverschiebungen in das Ausland, wie es neulich im Falle tige Absicht vorliegt, dann wird dies Beispiel bald wieder holt werden. Der Redner spricht bei Schluß des Berichts weiter. Keine Reichseinmischung in Braunschweig. Bekanntlich hat der braunschweigische Landeswahlverband" sich an die Reichsregierung gewandt und sie um Einschreiten gegen die angeblich verfassungs. midrig handelnde braunschweigische Regierung und Land. tagsmehrheit ersucht. Das Reichsministerium hat nunmehr nach Prüfung der Angelegenheit dem braunschweigischen Staatsministerium die Mitteilung zugehen lassen, die Stellungnahme des Reichsministeriums des Innern zu der Frage sei abgeschlossen und habe zu dem Ergebnis geführt, daß das Reich in dieser Sache, die einen Streit innerhalb der Braunschweigischen Landesversammlung darstelle, nach der Reichsverfaffung nicht zuständig sei und daher feinen Anlaß sehe, fich mit der Angelegenheit zu befassen. Im Jugendwohlfahrtsausschuß des Reichstages wurde heute die Stellung des Jugendamtes im Vormundschaftswesen behandelt. Abg. Dr. Rosenfeld( U. Soz.) unterstüßte einen Antrag feiner Fraftion, wonach die Tätigkeit des Vormundschaftsgerichts durch das Jugendamt ausgeübt werden solle. Das Zentrum und die Deutsche Volkspartei sprachen dagegen: es solle dem Vormundschaftsgericht von seinen Befugniffen nicht das geringste genommen werden. Der Ausschuß lehnte den Antrag der Unabhängigen a b. Groß- Berlin Der Glutofen. Maffensturm auf die Freibäder. Baron Asbach auf Asbach". Die Ein sehr vielseitiger Hochstapler, der seit einiger Zeit in Berlin und auch von hier aus in der Proving feine Geschäfte" betrieb, Nach der bisherigen, sehr schematisch gemachten und erhobenen wurde gestern auf frischer Tat bei einem Schwindel ertappt und un- Helfferichschen Kohlensteuer mußte die schlechtere und teuerere niederschädlich gemacht. In eine hiesige Familie fand ein Mann Eingang, schlesische Kohle eine wesentlich höhere Steuer auf. der sich Baron von Asbach auf Asbach nannte und den Eindruck bringen als die bessere und billigere der anderen Reviere. Nuneines gelegten, vornehmen und reichen Mannes machte. Durch den mehr soll durch das neue Kohlensteuergeset diese unsoziale Härte Verkehr in der Familie erfuhr er, daß in Peresin im Westhavelland wegfallen und darüber hinaus soll eine Differenzierung eintreten ein Gut zu verkaufen sei. Er bewarb sich darum, schloß auch den die ab 1. Juli eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 5 m. je Raufvertrag ab und bezahlte mit Schecks. Als Gutsherr spielte er Schicht ermöglicht. Beide Ministerien versprachen, sich in dem Ueberden großen Mann, bis nach furzer Zeit an den Tag fam, daß für einkommen für eine solche durchaus notwendige Differenzierung eindie Schecs feine Deckung vorhanden war. Jezt verschwand der zusetzen. Baron und suchte Opfer auf anderem Gebiete. Nach Berlin zurüd- Am Sonntag hatte eine Bezirtstonferenz über die gemachten gefehrt, lernte er in einem Musikverlag eine junge Dame lennen, Buficherungen zu entscheiden, so daß spätestens am Dienstag die dort als Vorspielerin tätig war. Er gab sich für einen großen mit der einmütigen Wiederaufnahme der Arbeit zu rechnen ist. Kunstschwärmer aus, gewann die Neigung der Dame, ließ sich in ihre Das Uebereinkommen bringen wir noch im Wortlaut. Familie einführen, verlobte sich mit ihr und beutete sowohl die Braut 18 Belegschaftsversammlungen am Sonntag haben sich in der Mehr. als auch deren Eltern unter allen möglichen Vorspiegelungen gründheit für die Wiederaufnahme der Arbeit ausgesprochen. lich aus. Nach geraumer Zeit verschwand er auch hier und legte sich Für die Berbandsleitung des Bergarbeiterverbandes ist der Streif ieht auf den Warenschwindel. Als Großgrundbefizer oder Groß durch den Beschluß der Betriebsrätefonferenz beendet. Wer nicht auf Leipzig, die sich später als wertlos erwiesen, verkaufte die Waren zahl von Grubenbelegschaften will am Dienstag geschlossen die Arfaufmann faufte er alle möglichen Waren ein, bezahlte mit Postschecks einfährt, tut das auf seine eigene Verantwortung. Eine ganze Anfofort wieder und lebte von dem Erlös einen guten Tag. Zuletzt beit wieder aufnehmen. In einer Reihe von Gruben sind heute die erstand er als Großlaufmann in einem Geschäft in der Fridrichstraße Belegschaften bereits wieder eingefahren. 15 Attentaschen. Eine nahm er zur Probe gleich mit. Als er am Sonnabend wieder fam, um den Reft abzuholen, hatte das Geschäft Vom Verbandstag der ZDA. erfahren, daß für seinen Boftscheck, den er in Zahlung gegeben hatte, Zum Schlußbericht ist voll nachzutragen, daß die Wahl des feine Deckung vorhanden war und ließ ihn festnehmen. Bei der Verbandsvorstandes diesmal und zwar trotz der im Kriminalpolizei entpuppte sich der Baron als ein 42 Jahre alter aus Erfurt stammender Arbeiter Paul Wenzel, der seine Frau mit Laufe der Berhandlungen zutage getretenen Gegenfäße- ohne mehreren Rindern in der Heimat fißen ließ, um fern von ihr von Gegenvorschläge, durch einstimmige Biederwahl der bis Schwindeleien zu leben. Betrogene, die noch feine Anzeige gemacht herigen Borstandsangestellten erfolgt ist. haben, wollen sich im Zimmer 107 des Berliner Polizeipräsidiums bei der Dienststelle B. I. I melden, Eine unerhörte Zenfuranmaßung erlaubte fich die Geschäfts leitung der Buchdruckerei A. Seydel u. Cie. Der Aftionsausschuß Maschinisten Komp. Antwerpen! Ehemalige Angehörige der der oppositionellen Buchdrucker bestellte bei dieser Firma ein auf die felben, welche am 7. Nov. 1914 beim Ingenieur- Komitee, Maaßenftr. 4, fritische Lage im Gewerbe bezugnehmendes Flugblatt. Der Auftrag eingestellt wurden, werden, falls dieselben ihre Adressen noch nicht ab. wurde auch bis zur Dölligen Fertigstellung des Sages ausgeführt. In gegeben haben, gebeten, diefelben sofort beim Stam. Maasch, Berlin der Zwischenzeit spielte das Telephon, worauf dann dem Besteller, G., Willibald Aleris- Str. 8 I, abzugeben. Insbesondere folgende Kameraben oder deren Angehörige: Anschüz, Arndt, Bittermann, der zufällig Borfikender des Betriebsrats bei der Firma ist, mitgeteilt Karl, Dreischer, Karl, Duban, Edstein, Kurt, Eppinger, Erich, Gronemann, wurde, daß die Firma nach Kenntnisnahme von dem Inhalt des Sagen, Georg, Hagemann, Heller Pollad, Georg, Heim oder Henn, Heinel, Flugblattes die weitere Ausführung des Auftrages in ihrem eigenen Friedrich, Bempelmann, Sattler, Richard, Schäfer, Schmidt, Hermann, mit der Geschäftsleitung zeitigte eine Debatte über den Begriff Prez Rudolf, Jeschkeit, Gustav, Staifer, Stöhn, Kretschmer, Kreuz, 2öblich, Kupfer, Interesse" ablehnen müsse. Eine sofort herbeigeführte Aussprache Schönfelder, Mar, Schreiber, Heinrich, Stanislaus, Bölker, van Hall, freiheit im Sinne des Buchdruckers"( fiehe§ 67 des BRG.), die Boywod, Friz, Biel, Georg. Es handelt sich um die Ersazansprüche, die jedoch an der Stellungnahme der Geschäftsleitung nichts änderte. den Betreffenden zustehen. Die baldige Meldung liegt also im eigenen Die Ausführung des Auftrages unterblieb, obwohl die Geschäfts. Interesse.( Um Nachdrud wird gebeten.) Leitung darauf hingewiesen wurde, daß wir Gehilfen ja tagtäglich Druckerzeugnisse herstellen müssen, die nicht in unserem Intereffe" liegen. Aber macht geht vor Recht. Groß- Berliner Parteinachrichten. 93. Abt.( Reutöln). Montag, 7 Uhr, Funktionärsigung. Sämtliche Elternbeiräte und Kreisvertreter find eingeladen. Sulterte, Kaiser Friedrichstr. 88. Nowames. Mittwoch 8 Uhr, Restaurant Thaltatlaufe( tleiner Gaal), Mitglieder verfammlung. Tagesordnung: Bericht vom Unterbezirtstag. Referent Genoffe Prof. Dr. Paul Lensch. 2. Bericht der Gemeindevertreter. Gäste tönnen eingeführt werden. Elternversammlung Dienstag, 7. Juni, abends 7%, Uhr, in der Aula ber 64. Gemeindeschule, Arautstr. 49. Um zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. Thema: Was sollen unsere Kinder lesen?" Referent Herr Rektor Boigt. Sport. 2. R.: Wir werden uns die Auffassung dieses Prinzipals und des dahintersteckenden Prinzipalsvereins über den Begriff Breßfreiheit zu merken haben nicht nur für den Fall von Klagen über unberech tigte Eingriffe seitens der Gehilfenschaft, sondern auch für den Fall einer Revision des Betriebsrätegefehes. Die Arbeiterschaft indes mag fich an der Solidarität der Unternehmer und an der rücksichtslosen Wahrnehmung ihrer" Interessen ein Beispiel nehmen. Die furchtbare Hize trieb am gestrigen Sonntag die Großstädter in unermeßlichen Scharen ins Freie hinaus. Die südöstlichen VorDie Berliner Straßenbahner zum Streit in Potsdam. Die Bollorte, insbesondere die Müggelfeegegend, hatten einen Besuch, der versammlung der Betriebsräte der Berliner Straßenbahner am alles bisher dagewesene weit übersteigt. Auf dem Bahnhof Rahns4. Juni beschloß, den im Kampfe stehenden Potsdamer Kollegen dorf tamen bis zu den Mittagsstunden bereits an die 40 000 Fahr ihre vollste Solidarität auszusprechen und dies durch sofortige gäfte an. Das Freibad Müggelsee wurde von 35 000 bis 40 000 Grunewald. Die fürchterliche Hibe hatte den Besuch der Grunewald- Sammlungen im ganzen Betrieb zu befunden. Personen besucht. Die höchste Zahl, die seit Bestehen des Freibades rennen am Sonntag fehr beeinträchtigt. In dem mit 85 000 m. aus. bisher erreicht wurde, war 24 000. 2s in der vierten Nachmittags- gestatteten Rennen wurde scharfe Musterung gehalten. Betriebsräte und-obleute der Bekleidungs- und Textilindustrie. stunde Gewitterregen fiel, eilten große Massen so stürmisch nach dem Tot.: 37: 10, BL. 15, 23, 46: 10. Ferner: Mineitra( 4), Salgir, Bolitit, versammlung in der Kommandantenstr. 57 im„ Blauen Saal" 1. R.: 1. Rosenfels( Cofina), 2. Sonnenrose( Behr), 3. Convention( Ebert). Dienstag, den 14. Juni, abends 6 Uhr, findet die Gruppenvoll. Bahnhof Rahnsdorf, daß die Verwaltung der Schutzpolizei herbei- Balestrina, Flugschrift, Feuerzauber, Erde, Sinnig, Sinn Fein. gerufen werden mußte, um die Ordnung einigermaßen aufrechtzu- 1. Beser( Staudinger), 2. Finnländer( Jenksch). 3. Muselmann( Kasper). statt. Die Wirtschaftslage in der Bekleidungs- und Textilinduftrie. erhalten. Viele Taufende, die zunächst feine Fahrkarten erlangen Sot.: 103: 10, BL 23, 18, 24:10. Ferner: Balestro( 4), Rosmarie, Mladar, Referent Rollege Brennede. Agitiert für diese Versammlung. fonnten, lagerten sich im Walde, um dort zu warten. Der Regen Mur. Sonntagsruhe, Sathe( ftgbl.). 3 R.: 1. Scala( Gorgler), 2. Scha- Berbandsbuch und Betriebsratsausweistarten am Saaleingang vorhörte bald auf, und die Massen, die nach Berlin zurückwollten, ver- denfreude( F. Conrad), 3. Lusa( H. Schmidt). Tot.: 81: 10. PL. 26, 28: 10. zeigen. Der Gruppenrat: J. A. Paezke. teilten sich jetzt mehr auf die Abendstunden. Bis zum Schluß des Ferner: Fee( 4), Tarnkappe, Livland. 4. R.: 1. König Midas( Olejnik), Gewerkschaftsunterkommission des Berwaltungsbezirks Berkehrs aber waren alle Züge überfüllt. 2. Petrilles( Rastenberger), 3. Difian( D. Schmidt). Tot.: 13:10, Bl. 11, Troz des ungeheuren Andranges ging es im Eisenbahnverkehr, 13:10. Ferner: Damenweg. 5. R.: 1. Menfing( Staudinger), 2. Eva Tempelhof- Mariendorf- Marienfelde- Lichtenrade. Dienstag, 7% Uhr, ( Bleuler), 3. Eris( Rastenberger). soweit bis jetzt bekanntgeworden ist, ohne Unfälle ab. Dagegen hat Ferrer: Snob( 4), Valeria, Pfälzer, Latona, Smaragd, Hellebarde II. Tot.: 36: 10, Bl. 15, 21, 17:10. im Lofal von ,, Schlembach", Tempelhof, Berliner Str. Ede Ordensdas Wasser mehrere Opfer gefordert. Im Müggelsee allein gingen 6. R.: 1.+ Laland( D. Ehmidt), 1. † Chalzit( G. Janet), 3. Hallunite( Raften bisherigen freigewerkschaftlich organisierten Beisiger der Mieteinimeifterstraße, Sigung. Neuwahlen der Mieteinigungsämter. Die beim ,, wilden Baden" vier Personen unter und fanden den Tod. berger). Tot.: 15:10( Paland), 7:10( Chalzit), BL 13, 11:10. Ferner: Im Freibad ergab sich abends beim Schluffe des Betriebes, daß ein Galant. 7. 9.: 1. Madam( Bimmermann), 2. Räuberhauptmann( Zarra), gungsämter aller vier Orte sowie die Parteivorstände und Bezirks. Mann feine Kleidung nicht abgeholt hatte. Heute morgen erschien 3. Broßer( Raftenberger). Tot.: 86: 10, 1, 28, 22, 21:10. Ferner: Col verordneten der sozialistischen Parteien werden gebeten, in dieser der Werkmeister after aus der Admiralstraße 18 b und erfonnte in berg( 4), Jo, Rappellobi, Sairas, Prüfung. Sigung zu erscheinen. J. A: Lentschen. Transportarbeiterverband. Branche der Gefchäftsfutfcher, Bagerarbeiter usw., den Sachen die feines Sohnes Paul. Der junge Mann, der einzige Die Madrennen in 2: cptow waren nur schwach beiucht. Die vielen Gruppe Beerdigungs- und Burusfuhrwesen. Seute, abends 7 Uhr, im Lokal von Sohn seiner Eltern, war nach dem Freibad Müggelsee hinausgefahren nicht erschienenen Radsportliebhaber haben aber auch nichts versäumt; der Mogwig, Barnimfit. 14, allgemeine Bersammlung: Stellungnahme zu und nicht wieder nach Hause gekommen. Es muß angenommen sportliche Genuß stand noch unter dem der einstmaligen Kriegserfagrennen. ben jezigen Lohnfägen. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und vorzuzeigen. -13. Verein Berliner Buchdrucker u. Schriftgießer Buchdruck.- Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen Das Abstimmungsmaterial ist für die Buchbruder auf der Verwaltung, Engelufer 14/15, für ble Hilfsarbeiter Alte Jakobftr. 5 am Dienstag abzuholen. Das Resultat der Abstimmung muß bis Mittwoch, den 8. Juni, vorm. 10 Uhr, an den vorbezeichneten Stellen abgeliefert fein. 41/7 Maffini. Gloth. Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsitelle Berlin.. 54, Cinienstraße 83-85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714 Mittwoch, den 8. Juni 1821, nachmittags 4 Uhr Branchen- Versammlung aller in den Buchdruckmaschinen- ReparaturWerkstätten beschäftigten Kollegen im Dresdener Garten", Dresdener Str 45a, Ecke Prinzenstr. Tagesordnung: 1 Unfere Berhältnisse in den einzelnen Betrieben". 2. Branchenangelegenheiten. 3. Ber schiebenes. Rahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. ETROPO VARIETE KABARETT Behrenstraße 54 Präzis 7, Uhr: Internat. Damen- Boxkämpfe und der unübertreffliche Juni- Spielplan Wer Stoff hat Fertige Anzüge, Baletot zu allerbilligsten Preisen. Feinste Ausführ nach modernster Art. Tomporowski, Dreibunbftr. 47, Laden. Ende Belle Alliance Straße, am Tempelhofer Feld. Fahrverb: Elektrische 44, 70, 73, 96, 99. Zentrum 1964 Lombard- Haus H. Graff, Leipz. 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