Nr.2S4 ♦ ZS.�ahrgang Msgabe B Hr. 130 Bezugspreis» BiretfllS�tLSO�SDU aonatl KV— 31 frri ins Saus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich lg,— DI. einschl. Zu- stellnnasgebiihr. Unter Kreuzband fllr Deutschland. Danzig, das Eaar- und Memelgebiet, sowie die ehemals deut- scheu Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M., für da» übrige Ausland 27,— M. Polt» beftellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Eiowalei, Däne- marl, Solland. Luremdurg, Schweden und die Schweiz. Der»Dorwans" mit der Sonntag«» beilage„Volk und Zeil", der Unier» haltüngsbrilage �eimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kletnganeir' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „Sozialdrmorcat Berlin" Abend-Attsgabe Verlinev Volksblstt ( 2Opf«nnIs) SUtzeigeopreiö, Dt» ach tg es palten» ZkonpareMezell» tostet bLv M..ttlotn» Sin z eigen" da» trttged ruckt« Bort\iO M.(zu- lässig zwei fettgedruckte Wortes, lebe, weiter» Wo« l.— Di. Stellengesuch» und Schlafstellenanzetgen da« erst, Wort u— M. lebe» wettere Wort 50 Psg.{gocte über 15 Buchstaden zählen für zwei Worte. ffaimiien-An- zeigen für Abonnenten Zeil« S,— M. vi« Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszulchlag. Anzeigen fllr die nächste Nummer müssen dt» S Ahr nachmittag» Im Sauptgeschäft, Berlin ED KS. Linden» siraße S. abgegeben werden. Seäffnet »SN 9 Udr Irüh bi» 5 Uhr abend». �entralorgan der rozialdcmokrati fchcn Partei Deutfchlands Reöaktion und Expedition: SW öS, Linden str. 3 S-tttttttttei-l,«'?» Redaktion Morttsplatz ISIvS— S7 �ernfpr�riier. Morittplatz 117S3— S4 Dienstag, den 7. Juni ISÄI vorwärts-verlag G.m.b.H., SM b8, Lindenft?. 3 » Verlag, Expedition und Inserate». tyrrnzprcryer ♦ gt,tetlMnfl gjjoripplol» H753— 54 Protest gegen öas Die deuksck�n Bokschafker in London. Pari» und Ro« sind, wie wir hören, branslragi worden, bei diesen Regierungen wegen des Ultimaiums der Znieralliierien Kommission in Oppeln an den General hoefer mündliche Vorstellungen zu erheben. Der vokschasier in London hak dies bereits getan. Eine Rote ist, entgegen anders lautenden Meldungen, nicht über» reicht worden. Das Ultimatum an hocser hat die Reichsregie- rung veranlajjl. bei den alliierten Regierungen noch einmal ein- gehendst gegen die nncihörte verquickung des Verlangens nach einem Zurückgehen des deutschen Selbstschutzes mit der Drohung der Sluslieserung der oberschlesischen Städte an die polnischen Zäsur- genlen Einspruch zu erheben. Neues polnisches Angebot. Einem Bericht des„Daily Telegraph" zufolge haben die Führer der polnischen Insurgenten der Interalliierten Kommission den Bor» schlag gemacht, die aufrührerischen Truppen 6 bis 10 Kilometer hinter die augenblicklich gehaltene Linie zurückzu» ziehen. Die neutrale Zone solle von den alliierten Truppen be» setzt werden. Die Polen verpflichten sich ferner, die systematische Zerstörung des Privateigentums und der öffentlichen Gebäude zu verhindern. An diese Angebote werden jedoch folgende B e d i n» g u n g e n geknüpft: 1. Sofortige Einstellung de» deutschen Vor- rückens. 2. Zurückziehung der deutschen Truppen. S. Aufhebung der deutschen Posten. 4. Einsetzung einer lokalen Polizei in der neutralen Zone, die unter der Kontrolle der Alliierten stehen mügte. ö. Versprechen der Alliierten, die polnische Bevölkerung unter ihren Schutz zu nehmen. Aehnliche Vorschläge haben die Insurgenten bereits öfter gemacht, aber nicht g e h a l» t e n.'Die„Times" schätzt die Situation wohl richtig ein, wenn sie an eine Oppelner Meldung, nach der sich General ch ö f e r bereit er» klärt hat, nicht vorzurücken, wenn auch die Polen ihre Aktion ein» stellen, den Kommentar knüpft, das sei gerade die Schwierigkeit, denn niemand— und am wenigsten der Stab der Aufständischen— könnte garantieren, daß sich die Aufständischen nicht rührten. Der Stab der polnischen Aufständischen bestehe zum größten Test au» nichtoberschlesischen Polen. Sie hätten das Vertrauen ihrer Leute und der örtlichen Befehlshaber verloren, die alle Krieg aus eigene Rechnung machten. » Der Berichterstatter des„Daily Telegraph" teilt mit, daß die Generäle Le Rand, de Marini und Harold Stuart die Einsetzung einer aus drei höheren Offizieren bestehenden K o m m i s» sion beschlosien haben. Diese hätte die Frage der neutralen Zone zu prüfen. Drohungen. Paris, 7. Juni..Dolly Telegraph" berichtet aus Oberfchlesten: General H ö f e r wurde davon verständigt, daß ein weiteres Borrücken seiner Truppen das Loben und Eigentum der Deut» schen in Oberfchlesten gefährden und auch die o o l l st ä n d i g e Z e r» störung der Bergwerke durch die Insurgenten zur Folge haben könnte. Im„Echo de Paris" erklärt Pertinax zu der Rote des Generals Hoefer an die Interalliierte Kommission, daß die einzige I n t e r» v e n t i o n von feiten Frankreichs nunmehr auf dem rechten Rheinufer vor sich gehen könnte. Englanü unü Gberschlesien. Paris. 7. Juni.(MTB.) Wie Pertinax im„Echo de Paris" mitteilt, hat die englische Regierung gestern dem franzö» sifchen Ministerium des«eußern eine neue Rote zugehen lasten. Die englische Regierung hat erklärt, sie werde die letzte französische Rote erst beantworten, wenn sie den ersten Bericht ihres neuen Vertreters in Oberfchlesten erhallen habe. Hinsichtlich der Haltung der französischen Truppen zu Beginn des polnischen Auf» standes, die die englische Regierung als zu pokenfreundlich bezeichnet habe, hält nach Pertinax die englische Regierung ihre ersten Behauptungen vollkommen aufrecht. Tie englische Presse ungeduldig. London, 7. Luni.(WTB.) Der diplomatische MUarbeller der „Daily News" schreibt: In England werde ein formelles BündnismitFrankrelchnichtgewünscht. Die britische und französische Politik seien heute radikal voneinander verschieden. Es sei zwecklos, zu behaupten, daß beide Länder dasselbe Ziel haben, wenn es doch nicht der Fall sei. „Daily Chronicle" schreibt in einem„Die Entente" über» schriebenen Artikel: Die nächste Zusammenkunft des Ober» sten Rates sei noch nicht festgesetzt worden, und dabei häuften sich die Fragen an, mit denen sich der Rat beschästigen müste. Oberschlesien bleibe das H a u p t p r o b l e w; die Verschleppung in der Behandlung dieser Frag« ziehe ernste und nicht notwendige Gefahren nach sich. Außerdem sedoch s?len vorhanden das Problem des nahen Ostens, das Problem der Aburteilung der Kriegs- beschuldigten, über das nach„Travestie der Gerechtigkeit" in Leipzig zumindest gesagt werden müste, daß es seine weitere Er» brterung erfordere,' und schließlich müßten noch eine oder zwei Reparationsfragen von dem Obersten Rate erörtert werden. hoefer-Ultimatum. „DailyEhronicle" erklärt wester, ein endgülliges Interalli. iertes Abkommen und eine gleichePolitikin Oberschlesien durch Frankreich und England seien für den europäischen Frieden u n e n t» behrlich. Der Grundsatz der beiden Länder, sich freie Hand zu bewahren, soweit das unter den Friedensverträgen möglich sei, und alle paar Wochen Konferenzen eines Obersten Rates ab- zuhalten, führe in der Praxis zu Unzuträglichkeiten. Man brauche nur die Reden zu lesen, die während der letzten Deballe in der französischen Kammer gehalten wurden, um sich zu vergegen- wärtigen, daß ein Fortschreiten auf dieser Grundlage den Tod der Entente bedeuten würde. Loucheur im fiufbaugebiet. pari», 7. Juni.(MTB.) Der Minister für Wiederaufbau Loucheur hat gestern eine Reise durch das ehemalige Kampf» gebiet gemacht und hierbei auch die Stadt Valenciennes be» sucht. Er hielt dort eine Rede an die Munizipalverwaltung, in der er u. a. sagte, er kenne die Gefühle der Bevölkerung der Nord» departements hinsichtlich der Beschäftigung der deutschen Ar» b e i t e r. Es sei eine Torheit anzunehmen, daß eine Stadt wie Valenciennes— 4000 bis 5000 Deutsche kommen lassen könne, um die Häuser wieder aufzubauen. Es würde dadurch ein Zusam» menwohnen entstehen, das man nicht dulden könne. Loucheur ging alsdann auf die Frage der Materiallieferungen durch Deutschland ein und erklärte, daß die französischen Indu- st r i e l l e n. zu stark mit den Lieferungen für die Wiederaufbau- zone beschäftigt, sich schließlich gegenüber einem Deutschland, das nur auf dem Weltmarkt beschäftigt ist, im R ü ck st a n d e befinden würden. Er verlange deshalb von den französischen Industriellen, daß sie sich ihren Kunden zuwenden und nicht zu große Vorteile aus den Liefe- rungen für den Wiederaufbau zu erzielen suchen. Eine Entscheidung über die Zukunft könne nicht getrosten werden, jedoch könne er nicht Verpflichtungen übernehmen, daß er nicht Lieferungen Deutschlands annehme, die für Frankreich eine Erleichterung darstellen könnten. Srianü gegen öen englisch-rMschen vertrag London, 7. Juni.„Dolly Telegraph" erfährt, daß am 2S. Mai das französische Ministerium des Aeußern der britischen Bostchaft in Paris eine von Brmnd unterzeichnete Rote über die Handels» beziehungen mit Räterußland überreicht hat. Die Note enthält einen energischen P r o t e st gegen die in A r t i k e l 9 des brl- tischen Handelsabkommens mit Rußland niedergelegten Grundsätze und gegen die durch die Entscheidung des britischen Appellations- gerichts geschaffene Loge. Briand legt dar, daß Artikel 9 des Ab- kommens dahin ausgelegt werden könne, daß er den B o l s ch e» wisten gestatte, nach England nicht nur Geld, sondern auch Wertpapiere auszuführen, die nicht als Eigentum der britischen Regierung anerkannt werden könnten. Briand erklärt, dadurch würden die Franzosen ihres Eigentums, das von den Bolschewiftsn für beschlagnahmt erklärt wurde, verlustig gehen. Die französische Regierung begreife vollkommen die Rotwen- digkeit der Wiederaufnahme der wirtschafllichen Beziehungen mit Rußland, diese könnte jedoch nur erfolgen, wenn die früheren Schulden anerkannt und die räuberische Gesetzgebung für nichtig erklärt werde. Daher halte es die französische Regierung in voller Uebereinstimmung mit der Erklärung des amerikanischen Staatssekretärs Hughes für notwendig, die britische Regierung zu benachrichtigen, daß Frankreich sich weigere, die in Ar- t i k e l 9 ausgedrückten Ansichten anzunehmen und daß sie sich die Rechte der französischen Bürger in aller Form vorbehalten werde. Die bayerische Waffenablieferung im Gange. München, 7. Zuni.(TU.) Die von zuverlässiger Seite ver- lautet, ist die Entwaffnung ln ganz Bayern in vollem Gonge. Allein in München sind gestern etwa bOO Maschinengewehre zur Ablieferung gelangt. 20 große von der Reichstreuhandgesellschast errichtete Sammellager sind über das ganze Land verteilt, und ein großer Tr an Sportapparat ist in Bewegung geseht worden, um dle Massen von überall her so rasch wle möglich den nächsten Sammellagcrn zuzuführen, die unter scharfe polizeiliche Be- wachung gestellt sind. Die Auflösung der Einwohnerwehren wird er- folgen, sobald dle Entwastnung bei den einzelnen Organlsa- t l o n e n beendet ist. Eine vorzeitige Auflösung würde dle ordanng». mäßige Durchführung der Akllon in Frage stellen, l?) Die bayerische Regierung ist überzeugt, auf dle loyale Haltung der Einwohner- wehren enksprechend den von ihnen übernommenen Verpflichtungen zuverlässig rechnen zu können. Hoffentlich täuscht sich die bayerische Regierung nicht in diesem optimistischen Urtelll_ Keine Revision im Teilirian-Prozeß. Da» Urteil in dem Pro» tesie gegen den Armenier T e i l i r i a n wegen Ermordung de» Taleat Pasiba erlangt in drei Tagen Rechtskraft. Die Staattanwaltschaft wird auf da» Rechtsmittel der Revision verzichte». Proletariat und„höhere Schule" Bon Siegfried Kamera u. In diesen Tagen tritt der Reichsschulausschuß zusammen, und folgenschwere Beschlüsse ruhen in seinem Schöße. Die Arbeiterschaft steht diesen Fragen meist gleichgültig gegenüber: was geht uns das an— denken viele—, ob man ein Abiturientenexamen macht oder nicht, ob man 8 oder 9 Jahre auf der höheren Schule sitzt, ob man in 3 oder in 4 Iahren die Grundschule zurücklegt? Was geht uns das an, uns, die wir durch die fiskalische Weisheit einer aus Gewistenhaftigkeit kulturlosen Finanzpolitik mit der dauernden Steigerung des Schulgeldes von diesen Lernkasernen doch ausgesperrt sind? Die Philologen meinen, die Welt gehe unter, wenn man nach der Grundschule nur 8 Jahre lang im Bildungskestel schmorte, es müßten unbedingt 9 Jahre sein, sonst werde die Mischung nicht richtig. Schon spielen sie die„gekränkte Leber- wurst", wie der Sachse so schön sagt, und arbeiten an Deutsch- lands Gesundung, indem sie 1 3 I a h r e S ch u l b e ßn ch als Vorbedingung jeglicher Geistesbildung bezeichnen. Gewiß, es ist zu verstehen, wenn man sagt: laßt doch diese Leute sich immer mehr vom Leben abkapseln, desto ruhiger geht das Leben an ihnen vorbei. Und dennoch! Man denke an unsere G e r i.ch t s u r t e i l e I An unsere Staats- behörden! Können wir es wirklich auf die Dauer er- tragen, wenn Lebensfremdheit, wenn dem K a p i t a- l i s m u s unwissend-selig verfallene Korrektheit die Geschicke des Proletariats belastet? Ist es wirklich für das Proletariat gleichgültig, wie die„höhere Schule" beschaffen ist? Das Proletariat wird die sogenannte„höhere Schule" der alten Zeit abtragen, wird unter Schaffung einer ge- staffelten Schulsteuer feine Kinder in schulgeldfreie Schulen schicken, wo sie in Gemeinschaft mit allen Kindern des Volkes leben und lernen. Diese Schule kann nur die„weltlich e" Schllle sein: D. h. weder eine alte Lernschule ohne Religions- stunden noch eine monistische oder atheistische Jakobinerschule. sondern die Schule, die aus tätigem Erleben Sittlichkeit in den allen Volksgenossen gemeinsamen Grundzügen heraus- arbeitet. Das Bild dieser Schule zeichnet uns soeben in scharfen Zügen Paul O estreich in seiner Broschüre: Die elastische Einheitsschule(Lebens- und Produktions schule Zweifellos entspricht dieses Schulideal in allen wesentlichen Punkten dem, was sich die Sozialdemokratische Partei und darüber hinaus weite Kreise des deutschen Volkes als Pro- gramm der Zukunft gestaltet haben oder gestalten werden. Ueber das Abiturientenexamen heißt es da: Hinter aller Schlußprüfungsverteidigung steckt der Glaube an die Notwendigkeit der Kasten und Klassen, steckt das Mißtrauen gegen andere und sich selbst, steckt der Wunsch, aus der Berantwortung einer wesenhaften Entscheidung sich zu retten hinter formalistisches Regelwerk. Und man sehe sich ferner diesen Begriff gleichmäßiger Bildungshöhe in allen Fächern bei Licht an. aus welchem Prinzip heraus durchaus 9 Jahre nötig seien, um„reif" zu werden! Das heißt doch: Verachtung der Meisterschaft aus begrenztem Gebiet— die doch ollein wahrhaft volksgesundend ist— Hochachtung vor Kenntnissen auf allen Gebieten— die doch in Wahrheit Täuschung sind, die doch notwendigerweise Oberflächlichkeit, Unwahrhastigkeit, formale Sicherheit vei innerer, sachlicher Haltlosigkeit bedeuten. Ist also das Proletariat nicht aufs stärkste daran beteiligt, ob in Zukunft weiter Klassenschulen auf seine Kosten bestehen sollen zur Heranzüchtung seiner Feinde und Verdcrber, oder ob nicht diese Klassenschulen zu wahrhasten Schulen des Volkes werden können, wo jeder sid) nach seiner Fähigkeit entwickelt, seine Meisterschaft zu seiner Zeit findet und ohne Schema und Prüfungsschwindel soweit vorwärts dringt, wie seine geistigen oder werktätigen, seine künstlerischen oder tech- Nischen Kräfte und Veranlagungen reichen, ist nicht das Prole- tariat aufs stärkste daran beteiligt, daß die Grundschule alle Kinder mindestens 4 Jahre vereine, ja, wird es nicht in der Folge eines wirklich ausgereisten Schulplanes der Zukunft liegen, daß bei wirklicher innerer Beweglichkeit in Fächern und Zielsetzungen alle Kinder bis zum 16. Lebensjahr z u- sammen erzogen, wenn auch nicht immer zusammen unterrichtet werden müssen? Im Kampf gegen das Abiturientenexamen, im Kampf gegen die neunjährige Philologenschule, im Kampf gegen äußerliche Zerreißung der Volksjugend nach Konfession oder Geldbeutel— in diesem Kampf ist das Proletariat, das sich seiner Aufgabe bewußt ist, das stärkste Bollwerk und die stärkste Phalanx. Das Proletariat entwickelt langsam die Ordnung der neuen Gesellschaft, und die Erziehung, die nach Paul Barth Fortpflanzung der Gesellschaft ist, muß sich un- weigerlich umstellen auf diese neue Gesellschaft, auf ihr Wer- den und ihre Gesetze. In dem Schlußwort der„Soziologischen •) Verlag Schwotschk« u. Sohn. 1921, Heft 4 der„Lebensschule" (Preis« PL) Pädagogik", die er soeben im Verlag Quelle m Meyer erscheinen läßt, sagt der Verfasser: „Ob der Staat mitmacht oder nicht: die neue Gesellschaft ist bereits im Begriff, sich ihre Schulen zu schaffen� und es wird die Zeit kommen, sich ihre Schulen zu schaffen, und es wird die Zeit kommen, wo die neue Gesellschaft über drei- und viersträngige höhere Schulen, über Berechtigungen und Universitätsklausur lächelnd zur Tagesordnung übergehen wird, ja, wo sie unter Umständen den staatlichen Schulzwang zerbrechen wixd, wo sie ihre Einheitsschule ohne Berechtigun- gen, ihre Volkshochschulen ohne zünftige Größen, wo sie ihre Sittlichkeit, ihre Religion haben wird, während in den amt- lichen Schulen die alte Mühle klappert, die Geheimräte weiter reformieren und die Universitäten nach wie vor den höchsten Wert auf gymnasiale Vorbildung legen. Wir aber, die wir als wahre Realpolitiker, fußend auf dem Tatsächlichen, End- lichen, strebend ins Kosmische, Unendliche, wurzelnd im Mate- riellen, blühend und reifend ins Ideelle, um den Sieg der neuen Gesellschaft wissen, wir bauen an der neuen Schule. mir arbeiten an der neuen Erziebuna— denn alle Revolution ist umsonst, wenn wir nicht neue Menschen gewinnen." Stimmen zur Regierungsfrage. Die gestrige Regierungserklärung Stegerwalds findet in der„Deutschen Tageszeitung" den vielsagenden Kommentar, ob die Sozialdemokratie sich wohl klar sei, was dje Stegerwaldsche Rücktrittsbedingung einer vorherigen Einl- gung der Parteien f ü r s i e b e d e u t e. Die Ausführungen im heutigen Morgenblatt dürften die„Deutsche Tageszeitung" darüber belehrt haben, daß wir uns über den Charakter dieser Erklärung vollkommen klar sind. Sehr zufrieden mit Herrn Stegerwald ist die„Deutsche Allgemeine Zeitung". Das Stinnesorgan stimmt einen förm- lichen Lobgesang auf Stegerwald an: Daß Herr Stegerwald das Vertrauen derbürgerllchen Parteien genießt, ist unbestreitbar.(Sehr wahr! Red. d. V.) Und es ist wahrscheinlich, daß auch die Sozialdemokratie für die Verbreiterung der Regierungskoalition in ihm in erster Linie den Mann sehen wird, der für diese Aufgabe in Frage kommen kann. Die Taktik der„D. A. Z." ist immer die gleiche: Sie will der Welt partout einreden, die Sozialdemokratie sei für die Koalition mit der Deutschen Volkspartei zu haben, jetzt mächte sie die Partei auch noch als das schüchterne Mädchen hinstellen, das Herrn Stegerwald heimlich liebt, aber es noch nicht laut zu sagen wagt. Die„D. A. Z." wird inzwischen auch hier gelesen haben, daß wir Herrn Stegerwald ganz anders an- sehen, als die„D- A. Z." uns unterschiebt. Einen sehr merkwürdigen Artikel bringt die„Germania" mit der Ueberschrift„Nun aber Schluß". In diesem Artikel werden die Demokraten fürchterlich ausgescholten, wie man etwa einen untüchtigen Heiratsvermittler ausschilt, dör unauffällig zarte Bande anknüpfen sollte, aber statt dessen mit der Tür ins Haus gefallen ist. Die Demokraten, schilt das Zentrumsblatt, hätten ihren Auftrag, zarte Beziehungen zur Deutschen Volkspartei anzuknüpfen, so u n g e- schickt wie möglich ausgeführt, Petersen habe-in seiner „Tollpatschigkeit" einiges Porzellan zerschlagen und Schiffer habe die Ungeschickstchkeiten noch vergrößert, als er unter Druck die Volkspartei in die Regierungskoalition hineinziehen wollte. Die„Germania" setzt den armen Demokraten aus- - � einander, daß gut Ding Weile haben müsse. Die Demokraten hätten bei allem Eifer die alte politische Regel nicht vergessen dürfen,„daß man s ch r i t t w e i s e zu erringen sich begnügen muß. was man aufeinmal nichtHaben kann". Volks- parteiler und Sozialdemokraten seien im Augenblick für eine gemeinschaftliche Koalition innerlich„noch nicht reif". Dabei liegt der Ton auf den Worten„im Augenblick". Das Zentruni will die„Koalition auf breiter Grundlage" eben schrittweise herbeiführen. Und die„Germania" unter- streicht unsere Auffassung, daß die Fortexistenz des Kabinetts Stegerwald das P ressionsmittel sein soll, um die So- Wanöern unö Bergsport. Von Geh. Sanitätsrat Professor Dr. F. A. S ch m i d t.*) Welch erfrischende Wirkung da? Wandern in Flur und Wald, durch Täler und über Bcrgeshohen für Körper und Geist besitzt, welche reichen Schätze für das Gemütsleben die Freude an der schönen Natur draußen in sich birgt, bedarf keiner weiteren Aus- führung. Nur einige gesundheitlichen Hinweise über den rechten Betrieb des Manderns seien hier gegeben. Im Gegensatz zum bloßen Spaziergange, der zweifellos eine gesundheitliche nützliche Erholung von der Alltagsarbeit darstellt, handelt es sich bei einer eigentlichen Wanderung, mag sie nur eine Halbtags- oder eine Tageswanderung fein, immer um eine mehr oder weniger eingreifende Leistung, eine rechte Dauerübung. Soll sie ihre wohltätige Einwirkung auf den Körper nicht einbüßen, so darf sie nicht durch Ueberdauer die Marschfähigkeit der Teilnehmer überschreiten und zu den Folgen starker Allgemeinermüdung führen. E» ist sclbswerständlich dabei ein großer Unterschied, ob einer marsch- gmbt ist und häusiger wandert, oder ob einer, längere Zeit jeder körperlichen Uebung entfremdet, sich plötzlich eine starke Leistung auf- erlegt. Die beste Tageszeit für eine längere Wanderung, namentlich wenn sie sich über mehrere Tage erstreckt, ist der frühe Morgen, wo inan am frischesten zur Wanderung ist. Unmittelbar nach der Mittagsmahlzeit fall man sich keine Marschleistungen zumuten. Der Marsch ist hier und da durch Marschpausen zu unter. brechen, namentlich in der ersten Stunde nach dem Aufbruch, wenn Schmerzen am Schienbein eine Entspannung der Muskeln nötig machen. Diese Marschpause soll man ober— namentlich gilt das für Bergsteigen— im Stehen zubringen, um so wieder frische Kraft und ruhigen Atemzug, der bei steilcrem Anstieg immer sehr schnell anwächst, wiederzugewinnen. Niedersetzen während des Marsches und des Steigens macht nach dem Wiederaufrichten nur geneigter zur Ermüdung— eine alterprobte Wandererfahrung! Bei längerem Marsch beginne man niemals von vornherein in lebhaftem Schrittmaß, sondern beginne gemächlich und laufe sich erst allmählich in schnellere Gangart ein. Andauernd langsames, schleppendes Zeitmaß beim Wandern ermüdet weit mehr und weckt weit eher Ruhebedürfnis als frisches, wenn auch nicht überhastetes Ausschreilen Bei längerem Bergste-igen gilt allerdings die Regel, langsam, aber stetig zu gehen, jede Rast zu meiden öder höchstens mir kurz einmal stehen zu bleiben um sich zu verschnaufen. Bezüglich der Bekleidung ist bei einem längeren Marsch in erster Linie gutfitzendes, bequemes, schon etwas ausgetretenes Schuhwerk nötig. Nur nicht in neuen Stiefeln marschieren! Im übrigen sei die Kleidung bequem, nirgendwo beengend und der Witterung an- gemessen. Was die Erfrischung mit Speise und Trank betrifft, so sei vorab bemerkt, daß gutes Trinkwafscr, in mäßiger Menge genossen, beim *) Diese Ratschläze erteilt der bekannte Verfasser in seinem in der Sammlung„Aus' Natur und Gnsteswelt" bei B. G. Teubner, Leipzig, erschienenen Bändchen„Wie erhalte ich Körper und Geist gesuiÄ?'.(Kart. ZW AL, dazu 120 Prozent Teuerungszuschlag.) zialdemokratie mürbe zu machen, denn der Artikel schließt mit dem kategorischen Imperativ:„Nun aber Schluß mit der Beunruhigung unseres politischen Lebens durch Re- gierungskrisen!" Wir können dazu der„Germania" nur ver- sichern, daß die Luft nicht krisenrein wird, solange das Ministerium Stegerwald in Preußen fortexistiert. Spartakus unö Januarputsch. Auf die Darstellung, die Lauffenberg und Wolf- h e i m im„Vorwärts"(Nr. 260) über den Ianuarputfch 1919 gegeben haben, ergreift jetzt in der„Roten Fahne" W. P. (Wilhelm Pieck) das Wort zu einer Gegendarstellung. Pieck bestreitet zunächst, daß Karl Liebknecht am 9. November 1918 grundsätzlich bereit gewesen sei, in die provisorische Re- gierung einzutreten. Es habe sich nur um ein Provisorium von drei Tagen gehandelt. Das ist die Geschichte von der Jungfrau, die zwar ein Kind gehabt hatte, aber doch nur ein ganz kleines! Ueber den Januarputsch von 1919 führt Pieck folgendes aus: Es ist ferner nicht wahr, daß Liebknecht, Rosa Luxemburg und Leo Logisches gegen die Abwehr der Amtsenthebung Eichhorns ge- wesen seien. Auch Rosa und Leo waren dafür, daß jede G e» l e g e n h e i t benutzt werden müsse, um die Empörung der Arbeiter- schaft zur revolutionären Entladung zu bringen. So hat Rosa in der„Roten Fahne" die flammendsten Aufrufe für die Steige- rung der Jonuaraktion geschrieben und erst dann, als durch die Verhandlungen der USP.-Führer mit der Regierung der damit beabsichtigte Verrat der Vcwegung immer deutlicher zutage trat, verlangten Leo und Rosa kategorisch den Rücktritt Lieb- knechte von der Aktion. Hiergegen wehrte sich Liebknecht, weil er sich als Mensch, wie als Politiker so verantwortlich für die Aktion fühlte, daß er glaubte, sich nicht zurückziehen zu können. Ueber diese Frage wurde in der eingangs erwähnten Sitzung in der Puttkamerstraße gestritten. Da auch die r e v o- l u t i o n ä r e n Obleute sich immer mehr in das Fahrwasser der USP.-F ü h r e r drängen ließen, so wurde es Liebknecht e r- leichtert, dem Verlangen von Rosa und Leo nachzugeben. Nimmt man diese Darstellung als richtig an, so stürzt gerade der H a u p t v o r w u r f, der gegen die Sozialdemo- kratie von linksradikaler Seite wegen ihres Verhaltens in dieser Zeit gemacht wird, in nichts zusammen. Dieser Vorwurf geht bekanntlich dahin, die Sozialdemokratie habe die Verhandlungen mit den Unabhängigen scheitern lassen. (Sie scheiterten bekanntlich anderWeigerungder Auf- ständischen, die besetzten Gebäude freizu- geben.) Nun stellt sich heraus,, daß die Kommunisten bereits in der Tatsache der Berhandlungen einen Verrat der Be- wegung erblickten und allein die Steigerung der Bewe- gung im Auge hatten. Man kann also heute noch viel sicherer als damals sagen, daß praktisch die Verhandlungen auf alle Fälle resultatlos geblieben wären, denn die Unabhängigen hatten es garnichtinderHand.die Bewegung abzu- brechen. Bei einem Vergleich mit den Unabhängigen wäre diese einfach von den Kommunisten weiterge- führt worden. Diese Situation war schon im Januar jedem Kundigen klar, sie wird jetzt offiziell von kommu- nistischer Seite bestätigt. Und damit ist klipp und klar erwiesen, daß die blutigen Ereignisse allein auf das Schuldkonto der KPD. fallen. Rofenfelö in Opposition. Im Dresdner Organ der Unabhängigen hat der Reichs- tagsabgeordnete Dr. Kurt R o s e n f e l d vor kurzem einen Artikel veröffentlicht, der sich g e g e n d i e T a k t i k d e r U n- abhängigenReichstagsfraktion richtete. In dem Artikel heißt es: In dieser Situation kann auch nicht in Frage kommen, etwa durch Stimmenthaltung der jetzigen Regierung das Leben zu retten. Wer nicht gegen die Regierung ist, ist für die Re- gierung... Wir müssen die gegenwärtige Regie- rung stürzen, um freie Bahn zu bekommen für den Kampf Marsche nie schädlich ist. Ist das Trinkwasser sehr kalt, so warte man mit dem Trinken wenigstens so lange, bis nach einem Halt von 6— 10 Minuten Atmung und Herzschlag sich genügend beruhigt haben. Nächst gutem Ouellwasser ist kalter Kaffee oder Tee vdcr eine Lösung von Zitronensäure oder Zucker am meisten zu empfehlen uno zum' Mitführen in der Feldflasche geeignet. Von alkoholischen Getränken fft allenfalls während des Marsches ein leichter Land- wein mit Wasser verdünnt— für einen 3— 4 stündigen Marsch im ganzen gegen 300 Gramm— unschädlich. Wer ohne das auskommt, fährt pekuniär und gesundheitlich besser. Jedenfalls wirkt Alkohol- gcnnß nach anfänglicher kurzer Anregung lähmend und beeinträch- tigt die Muskelkraft. Namentlich sei vor B i e r g e n u ß beim Wan- dern gewarnt. Ganz und gar zu verwerfen ist Schnaps in jeder Form.— Die Nahrung bei längeren Märschen sei gehaltvoll, aber von mäßiger Menge. Namentlich taugt ein reichliches Mittagsmahl nicht für stramme Fußwanderung. Bei mehrtägigen Wanderungen ist die Fußpflege besonders wichtig: abends Abreiben der Füße mit kaltem Wasser: bei Fuß- schweiß Einpudern mit Salizyl- oder Vasenolstreupulver usw. ist notwendig. Dos lästige Wimdwerden(sogenannter Wolf) zwischen den Oberschenkeln und am Damm ist am besten zu beseitigen durch Abwaschen mit übcrfettetcr Seife, dann Abreiben mit Spiritus zum Trockenlegen und Ueberstreichen mit einer Salbe aus Talg, der etwas Perubalfam oder Benzvebarz beigemischt sein kann. Tiefer eingreifend sind die Wanderungen im Hochgebirge. Hier kommt zu der erhöhten Atem- und Herztätigkeit noch hinzu der Ein- fluß der verdünnten Höhenluft, die Einwirkung des Sonnenbrandes und die starke Belebung und Erregung des Nervensystems, welche teils hervorgerufen wird durch die mächtigen Natureindrücke in der erhabenen Einsamkeit und Majestät des Hochgebirges, teils auch durch die Regungs- und Kampfesfreudigkeit, welche erforderlich ist, um die Schwierigkeiten, Mühsale und nicht selten auch Gefahren einer Hochtour zu überwinden. Zur Rok der geistigen Arbeiter in organssatorischer Hinsicht gibt der geschäftsführende Direktor des„Schutzverbandcs Deutscher Schriftsteller", der bekannte Dramatiker und Erzähler Hans K n f e r, in einer Sondernummer des„Schriftstellers" einen auf- fehenerweckenden Beitrag. Der„Schutzverband Deutscher Schrift- steller" ist der erste deutsche Verband freier Schriftsteller gewesen, der seine Aufgabe allein auf die wirtschaftliche und rechtliche Berufs- Vertretung seiner Mitglieder, im Gegensatz zu den zahlreichen mehr oder weniger geselligen Vereinen, beschränkte. In den elf Iahren seines Bestehens hat er durch kostenlosen Rechtsschutz, durch Berufs- beratung, Arbeitsvermittlung und namentlich in den letzten Jahren durch Unterstützungen, die in die Hunderttausende gingen, die Be- rechtigung und Notwendigkeit seines Bestehens voll erwiesen. Die Tendenz seiner Arbeit kommt in der neuerdings aufgenommenen Bezeichnung„Gewerkschaft Deutscher Schriftsteller" zum Ausdruck. Es verdient daher allgemeine Aufmerksamkeit, wenn nunmehr diese Bestrebungen durch eine privatkapitalistische Konkurrenz unter der Maske einer gleichgerichteten Berufsvertretung in gemeingefährlicher Weise bedroht werden. Der sichtliche Urheber diefe»„Verrats am um den Sozialismus. Deshalb Ablehnung de» Ver, trauensvotums für die Regierungl Schärfster, uue erbittlicher Kampf gegen die Regierung. Die„Rote Fahne", die diese Ausführungen voller Freude abdruckt, stellt im Anschluß hieran die Frage: Die unabhängigen Arbeiter haben das Wort. Wer ist ihr Führer? Hilferding oder R o f e n f e l d? Die„Rote Fahne" triumphiert also darüber, daß Rosen- feld sich radikaler gebärdet als die K o m m u n i st e n in Sachsen, Braunschweig, Thüringen, Meck, l e n b u r g usw., die dort alle die Hllferdingsche Taktik be-. folgen, eine links gerichtete Regierung nicht zu stürzen, um das Kommen einer Rechtsregierung zu ver- meiden. Rosenfeld hat in Halle den Kommunisten zuge- rufen, er hätte auf ihrer Seite gestanden, solange die Vernunft bei ihnen war: jetzt t r e n n e er sich, weil sich die Kommunisten von der Vernunft trennten. Es zeigt sich aber, daß eine Dauerehe zwischen Rosenseld und der Vernunft leider nicht m ö g l i ch ist._ poiil Müller unö Palmerston. Zu dem Hamburger Privattelegramm, das wir in der Morgenausgabe vom 1. Juni unter der Ueberschrift: �„Eine Disziplinlosigkeit" abdruckten, erhalten wir eine Zuschrift des 1. Vorsitzenden des Aktionsausschusses seemännischer Berufs- verbände Paul Müller. Die Zuschrift beginnt mit der Erklärung: Der Vorsitzende des Aktionsausschusses seemännischer Berufs» verbände, Koll. Paul Müller, hat in der Hamburger Flaggen. kundgebung... weder als Sozialdemokrat noch als Politiker überhaupt gesprochen.... Wester wird erklärt, die Rede sei ftei von allen nationa- listischen Redensarken gewesen und habe den einmütigen Bei- fall der anwesenden organisierten Seemannschaft gefunden. Die Wiedereinführung der rein schwarz-weiß-roten Handels- flagge werde auch von den Senaten von Hamburg und Lübeck gefordert, die zur Hälfte aus Sozialdemokraten zusammen- gesetzt seien. Weiter heißt es in der Erklärug: Der englische Staatsmann Palmerston war es, der am 2. Juli 1849 die schwarz-rot-goldene Flagge mit einer Seeräuberflagge ver» glich. Paul Müller sprach nur die Vermutung aus, daß sich heute dieser Vorgang wiederholen könne. Paul Müller hat allerdings vergessen, daß die schwarz- rot-goldene Flagge im Jahre 1849 die Flagge eines Völker- rechtlich nicht anerkannten Reiches war, während die Deutsche Republik von heute völkerrechtlich anerkannt ist. Die ver- fassungsmäßigen Hoheitszeichen einer völkerrechtlich aner- kannten Macht sind in keinem Fall in Gefahr, mst einer See, räuberflagge vergl'chen zu werden. Im übrigen wird es keinen wundern, daß der 1. Bor- sitzende des Aktionsausschusses seemännischer Verbände der- selben Flagge, die er„für immer" über Antwerpen sehen wollte, nun wenigstens in der deutschen Handelsschiff- fahrt ewiges Leben wünscht. Es sei ihm zugestanden, daß er auch damals schon„nicht als Sozialdemokrat" und schon gar nicht„als Politiker" gesprochen hat.; W» Der 1. Vorsitzende des Aktionsausschusses seemännischer Berufsverbände wird es uns aber nun auch nicht verübeln dürfen, wenn wir als Sozialdemokraten und Politiker über seine Aussprüche manchmal die Hände über dem Kopf zu- siammenschlagen. � €m Urteil über Ponsick. Im heutigen Morgenblott hatten wir uns mst dem skandalösen Urteil der Disziplinarkammer in Potsdam beschäftigt, die die unerhörten Angriffe des Ministerialrats Dr. Ponsick gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Genossen Braun mit einer Ver- -warnnng bestrafte, wobei offenbar die hohe Meinung des Ge» richtshofs vor den Qualitäten des Herrn Dr. Ponfick entscheidend war. Noch uns zugegangenen Mitteilungen aus durchaus zuvcr- lässiger Quelle sind wir in der Lage, der Oeffentlichkeit ein Bild■ von der Persönlichkeit des Herrn Dr. Ponfick zu unterbreiten, das deutschen Schrifttum" ist ein Rechtsanwalt Wenzel Gold- bäum, ein Auch-Schriftstsller, der sich als Syndikus des„Der- bandes Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten' fo» wie des„Verbandes Deutscher Filmautoren" bereits gute Pfründen zu sichern gewußt hat. Goldbaum ist an der Gründung eines neuen „Verbandes Deutscher Erzähler" beteiligt, dessen angebliche Bestre- bungen sich bereits im Rahmen des'„Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller" verwirklicht finden, wenn es sich eben um die Berufs- interessen der Schriftsteller handelte und nicht um die Dividenden einer mst 200 000 M. begründeten Geschäftsstelle des Erzählerver- bandes. In diesem Verbände herrscht ein kleiner Kreis von Be- gründern der Geschäftsstelle unter Führung Goldbaums autonom, erzwingt ohne Befragen der Mitglieder ein Kartell mit den Film- autoren und Bühnenfchriftstellern und plant weiter ein Zwangs- kartest mit einer Verlegergruppe, dessen vorliegender Entwurf die bisher mühsam errungenen Rechte der Schriftsteller in wesentlichen Punkten zugunsten der Verleger oerschandest. Das Ziel dieser„G o l d b a u m i s i er u n g der Litera- t u r", wie es Kyser nennt, ist, durch das Zwangskartell mit den belletristischen Verlegern, alle Autoren dem Erzählerverbande zuzu- treiben, dessen Mitglieds chaft nicht durch die besondere literarische Tätigkeit, sondern voraussichtlich durch den Anschluß an die Gold- baumsch« Geschäftsstelle bedingt ist, den Schutzverband überflüssig zu machen und. anstatt genossenschaftlich zu arbeiten, die Geld- männer der Geschäftsstelle aus den Zwischenhandelsgewinnen zu füttern. Die Angelegenheit fft nicht nur eine berufliche der Schriftsteller, sondern eine allgemein kulturelle, insofern, als sie eine fundamentale Bedrohung des wirffchasllich schwer ringenden deutschen Schrifttums darstellt, und Kyser verlangt daher mit Recht, daß die betreffenden Verbände den Hauptschädling dieser sauberen Pläne unverzüglich seiner Vertrauensstellungen entheben. Die Luxussteuer im Reichswirsschaftsrat. Der steuerpolitische' Ausschuß und der Ausschuß zur wirtschaftlichen Förderung der geistigen Arbeit hoben im Reichswirsschaftsrat einen gemeinsamen Unterausschuß zur Bearbeitung der Frage der Luxussteuer einge- setzt. Den Vorsitz übernahm der Maler Otto Marcus, der General- sekretär des Reichswirtschaftsverbandes bildender Künstler Deutsch- lands. Das Ziel ist hier, aus dem Luxussteuergesetz, solange es als Ganzes aus politischen Gründen nicht beseittgt werden kann, die Be- stimmungen herauszubringen oder abzuändern, welche die Ouali- tätsarbcit beeinträchtigen und damit Deutschlands wirtschaftliche Kraft schwächen. Ter künstlerischen Betätigung im Kunstgewerbe mutz volle Freiheit gewahrt bleiben. Volksbühne. Bei der Erstauffflhrrntit von Karl Hauptmanns.Die lange Julc" am Sonnabend lind die wichtiasten Rollen wie solat besetzt: Vincenz Hallmann— Edgar Klitsch. Beate Hallmann— Martha Weibleder, die lange Jute— Hohanna Koch-Bauer, der alte Stief— tzlnliuS Sachs, Gertrud Stief— Ann-marie Laote. Theobald st ei— Harry Berber, Baier Aonathan— Paul t-imuber. Schlüter Dreiblatt— Ernst Siabl-Nachbaur. geruer sind befchäftigt: Frl. Ltlli Zchond itn und die Serren William Such und HanS Schultz-. Regie: Edgar Klitsch, BühnenSilder und Kostüme: tzant Strohbach. etn etwa, ander«»ussehen als da, von der SustizbehSrd« ent» warfen« hat. In den Kriegsjahren 1016 bis ISIS war Herr Dr. Ponfick Leiter der Handelsabteilung der Stadt W i l n a. Wenige Wochen vor Aus- bruch der deutschen Novemberrevolution stellte sich heraus, daß bei der Handelsabteilung der Stadt Wilna mit beträchtlicher Unter- bilanz bearbeitet wurde, die 7336377,13 M. betrug. Als nun am S.November seine Entlassung durch den Stadthauptmann in Wilna mit Genehmigung des Soldatenrats erfolgte, wurde der letzte Satz aus dem Zeugnis, das ihm der Stadthauptmann mitgab, und der lautete:.Er hat seinen schwierigen Posten mit großem Fleiß, praktischem Blick und gutem Erfolg ausgeführt," vom Soldatenrat gestrichen und durch folgende Bemerkung ersetzt: „Wenn auch ein gegen ihn eingeleitetes Verfahren noch unter der alten Regierung eingestellt worden ist, so sind dadurch doch nicht die Zweifel beseitigt, die in einem sehr großen Kreise gegen die Lauterkeit seiner Geschäftsführung erhoben werden. gez.: Drei Unterschriften." Dieses Zeugnis wurde charakteristischer Weise durch den Stadt- Hauptmann in Wilna schleunigst beseitigt und durch das alte erfetzl, mit dem sich Herr Dr. Ponf'.ck alsbald nach Potsdam begab. Das Urteil des Soldatenrats in Wilna, an desien Objektivität wir zu zweifelt keine Ursache haben, zeigt die Fähigkeit des Herrn Dr. Ponfick in einem anderen Licht, als er sie selbst vor Gericht in breiter Ausführlichkeit darlegte und sie vom Gericht dem UrteU zu« gründe gelegt wurde. Für die Verfassungstreue des republikanischen Beamten Dr. Ponfick sei überigens nebenbei erwähnt, daß er sich in einem dienstlichen Schrift» stück an die Verwallung Litauen als.Geheimer Regierungs- und Ministerialrat im Lrbeitsministerium, tgl. preußischer Hauptmann d. R. im Grenadierregiment 11" bezeich- nete. Der 2. Titel wurde— offenbar gleichfalls aus.Unkenntnis der Derfaffung"— von dem treuen Beamten der Republik Hand» schriftlich hinzugefügt. Ein Mörüer von Rosa Luxemburg verhastet l Wie die.Freiheit" erfährt, wurde Leutnant K r u l l, der in dem Verdacht steht, an der Ermordung Rosa Luxemburgs be- teiligt gewesen zu sein, von der Staatsanwaltschast verhaftet. Krull spielte in dem berüchtigten Baltikum-Abenteuer eine be- sondere Rolle. Er gehört« zu dem.Sturmbataillon Roßbach", das im Oktober 1919 zuwider dem Verbot der Reichsregierung über die ostpreußisch« Grenze rindrang und gegen die deutsche Re- publik Krieg führen wollte. Schon damals rühmte er sich vor seinen Kameraden, Rosa Luxemburg erschossen zu haben, und zwar ist er seinen eigenen Angaben nach der unbekannt gebliebene Schütze, der von dem Trittbrett des Automobils aus den tödlichen Schuß auf Frau Luxemburg abgab. Es ist dringend zu hoffen, daß die Staatsanwaltschast mit dem gleichen Eifer an die Verfolgung der Angelegenheit herangeht, den sie kommunistischen Spreng st offhelden gegenüber an den Tag zu legen pflegt. Besonders wünschenswert wäre es. wenn die Oestentlichkeit von einer offiziellen Stelle aus so schnell wie möglich über den Stand der Angelegenheit informiert würde. GrojfcBerBn Sraunkohlenfunüe bei Erkner! Nach einer Meldung eines Berliner Mittagsblattes soll bei Tief- bohrungen, die die Stadt Berlin zur Anlage eines neuen Wasier- wertes bei Erkner anstellen läßt, einmächtigesBraunkohlen- flöz angebohrt worden sein. Da das Borkornmen kleinerer Braunkohlenlagerungen in der Umgegend Berlins kein« Seltenheit darstellt, so muß erst eine nähere Untersuchung ergeben, ob der Fund für Berlin tatsächlich von Wirt- schastlicher Bedeutung sein kann. Die Fundstelle soll übrigens auf fiskalischem Boden liegen, außerdem sind bei sämtlichen angrenzen- den Besitzungen die Mutungsrechte grundsätzlich seit alter Zeit dem Bergfiskus(Bergwerksdtrektion Kalkberge-Rüdersdorf) vorbehalten, so daß für die etwaige Ausbeutung lediglich der Staat in Frage kommt. Wie uns hierzu vom Magistrat auf Anfrage mitgeteilt wird, handelt es sich bei dem Funde nach den bisherigen Feststellungen n i ch t um ein abbauwürdiges Flöz, sondern um minderwertige Vor. kommen, wie sie bei Wasserbohrungen öfters gefunden wurden. Es ist verfrüht, daran irgendwelche Hoffnungen zu knüpfen. ver Seeweg nach Sem Gsten. Billiger als der Bahuverkehr. Wie auS dem Reichsverkehrsministerium mitgeteilt wird, haben die im Seedienst Ostpreußen täligen Reedereien, die Saßnitz-Linie und die Hamburg-Amerika-Linie, in Verständigung mit dem Reilbs- Verkehrsministerium ab 1. Juni neue Tarife aufgestellt. Der bisherige Anteil des Seeweges am Fahrpreis ist von 110 M. auf 30 M. herabgesetzt, wodurch sich die Fahrpreise über den Seeweg Swinemünde— Pillau von den verschiedenen Plätzen zum Teil sehr wesentlich günstiger stellen, als der direkte Bahnweg durch den Korridor. Die nachstehende Gegenüberstellung der Fahrpreise von einigen Hauptplätzen nach Königsberg zeigt die Vorteile der Benutzung des Seeweges. Swinemünde— Sönigsberg. om»«.w-w U-i-r Villau— Fahrprelsvorteile Direkte Bahmahrt Zwinemünd« des Seeweges H. Klasie.. 232 M. 97 M. 135 M. HI. Klasie.. 137 M.' 90 M. 47 M. Stettin— Sönigsberg. II. Klasie.. 208 M. 132 M. 76 M. III. Klasie.. 123 M. 112 M. 11 M. 33 erfln— Sönigsberg. n. Klasie.. 219 M. 162 M. 67 M. m. Klasie.. 129 M. 129 M.— M. Hamburg— Königsberg. II. Klasie.. 322 M. 223 M. 99 M. IH. Klasie.. 191 M. 166 M. 26 M. Die Fahrten ssnden täglich statt. Der Seeweg erfordert be- kanntlich keine Patz- und Zollformalitäten: der übliche Personal- ausweis genügt. Der Anschlutzverkehr von Berlin nach Swinemünde und von Pillau nach Königsberg wird durch besondere Seedampfer-Eilzüge austecht erhalten. Gegen Auswüchse des Berliner Nachtlebens richtete sich die Ankündigung einer von Gegnern des Alio- hol» zu Montag nach dem Stadthaus einberufenen D« r f a m m- lung. Die meisten der Referenten— es sprachen Universitäts- profesior Niebergall-Heidelberg, die Abgeordnete Genossin Dr. Weg- s-.Vider, ein Oberverwaltungsgerichtsrat Weimann, ein Arzt Dr. Röschmann, ein katholischer Pfarrer— betonten die Schädlichkeit des Alkohols überhaupt, im besonderen seine Gefahren für Kinder und Jugendliche. Der Hauptreferent Niebergall äußerte sich scharf gegen das Treiben tu Schlemmerftatten der Großstädte,! warmbolös Etatreöe. Nach Erledigung einiger kleiner Anfragen wurde in der heuti- gen Sitzung des Preußischen Landtags die Beratung des Haus- Halts fortgesetzt. Nach kurzen Ausführungen des Abg. B r e d t (D. Wirtfchaftsp.) ergreift das Wort Abg. Heilmann(Soz.): Der Abg. v. d. Osten hat gestern zur Einigkeit und zum Zu- sommenhalten gemahnt. Aber bereits im nächste» Satz seiner Rede hat er seiner Mahnung selbst ins Gesicht geschlagen und uns schwerer beleidigt als ein anderer Redner des Hauses. Er erwarte wegen der Unterzeichnung des Ultimatums, daß die deutschen Arbeiter zu Sklaven des Ententekapstals gemacht und die deutsche Produktion totgeschlagen würde. Als ob sich nicht der Feind, wenn er ins Land gekommen wäre, rücksichtslos der ganzen deutschen Produktion bemächtigt hätte. Ein Narr ist, wer das nicht erkennt, ein Schurke, wer es wider besseres Wissen dem deutschen Volke verschweigt. Wir stöhnen noch jetzt unter den Folgen Ihrer Niederlage(nach rechts). Das Zitat, das Herr v. d. Osten dem „Vorwärts" entnommen Hot, war gefälscht.(Lebhaftes Hört, hört links.) Es heißt da lediglich: „Wir wollen t-inen Revanchekrieg, wir wollen, daß Deutschland auf den T~aum verzichtet, seine Verluste In einem stegreichen Krieg wieder einzubringen." Herr v. d. Osten hat den Sinn in das Gegenteil verfälscht. (Zuruf links: Deutschnotionale Praxis!) Wenn Herr v. Richter in seiner gewohnten Anmaßung hier erklärte, daß Braun wie ein „sozialdemokratischer Parteisekretär" gesprochen hat, so weiß ich nicht, welche geistigen Anforderungen die Deutsche Volksportei an ihre Redner stellt. Bei uns hätte es Herr v. Richter jedenfalls nicht bis zum Parteisekretär gebracht. Die Lasten des Ultimatums können wir aus dem Iahresertrag unserer Arbeit vor- läufig nicht bezahlen und müssen daher entweder die breiten Massen bis zu ihrer gänzlichen Verelendung besteuern oder wir müssen den Besitz heranziehen. Nach weiteren Ausführungen des Genossen Heilmann und des Zentrumsabgeordneten K l o f t ergreift das Wort Landwirkschasksminister Warmbold: Bei der Wichtigkeit der dem landwirtschaftlichen Restart ob- liegenden Aufgaben möchte ich mir gestatten, Ihnen schon an dieser Stelle der Beratungen des diesjährigen Haushastsgesetzes einen kurzen Ueberblick über das zu geben, was in nächster Zeit auf land- wirtschaftlichem Gebiete zu geschehen haben wird. Ich beschränke mich hierbei aus die wesentlichsten Ziele und Auf- gaben. Sie lassen sich unter zwei Gesichtspunkten zusammenfassen: 1. Vermehrung der ansässigen Landbevölke- rung durch dichtere Besiedelung des vorhande- nen, Gewinnung und Besiedelung neuen Kul- t u r l a n d e s. 2. Schnelle Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung auf der schon vorhandenen und der neu zu schaffen. den Nährfläche mit dem Ziel, unsere Levölkernng möglichst bald aus eigener Erzeugung ausreichend zu ernähren. Eine Gesundung der unhaltbaren bevölkerungspolitischen Ver- hältnisie kann nur durch eine möglichst schnelle Durchführung der ländlichen Siedlung herbeigeführt werden. Das wirk- samste Mittel ist die Vermehrung der bäuerNchea Landeigentümer nnd die Ergänzung bereits bestehender unzureichender Ackernohrun- gen zu lebensfähigen Betrieben. Vor dem Kriege sind in Preußen etwa 1200 bis 1400 neue Stellen jährlich geschaffen worden. Es darf damit gerechnet werden, daß schon im laufenden Jahr etwa 4000 neue Stellen gegründet werden. Die jährliche Anlegung von jährlich 4000 neuen Siedler- stellen führt eine wesentliche Belebung des Boumorktes herbei. Sie mildert die Arbeitslosigkeit und gibt durch die notwendige Vermehrung des Wirtschaftsinventars und sonstigen Zubehörs auch dem Handwerk und der I n d u st r i e neue Be- schäftwung. Soll die Anlegung von fährilch 4000 neuen Stellen durch- geführt werden, so ist eine namhafte Erhöhung der staatlichen Einlagen bei den gemeinnützigen Siedlung s- gssellschoften sowie eine beträchtliche Vermehrung der staat- lichen Mittel für die Gewährung von Zwischenkrediten ein unbedingtes Erfordernis. Eine Gesetzesvorlage, die diesen Bedürfnissen Rechnimg trägt, wird binnen kurzem vorgelegt werden. Gani besondere Aufmerksamkeit verdient die Errichtung neuer und die Verbesserung bestehender Arbeilerwohnuvgea auf dem Laude. Die bereitgestellten Reichsmittel werden in Verbindung mit den steuerlichen Erleichterungen einen ersten und wirksamen Anstoß bilden, um diesem Gebiet der ländlichen Wohnungssürsorge dauernd größere Auimerksamkeit zu widmen. Die in die Wege geleitete Verbindung der produktiven Er- werbslysenfür sorge mit der Kultur von Moor- und Oedländereien sowie der Landgewinnungsarbeiten an der Küste wird fortzusetzen sein. Es schweben Verhandlungen über die Bereitstellung eines besonderen Kredits zur Förderung von Bodenverbesserungen. In den letzten Friedensjahren hat die E i n f u h r v o n L e b e n s- und Genußmitteln sowie von Hilfsstoffen der landwirtschaft- lichen Erzeugung die Ausfuhr um fast 3 Milliarden Goldmark über- troffen. Di« weitestgehende Steigerung der ländlichen Erzeugung kann auch in Zukunft nicht dazu führen, die Einsuhr gewisser H i 1 s s- st o f f e, die«ine fortgeschrittene Landwirtschaft nicht entbehren kann, überflüssig zu machen, weil diese Stoffe im Inland« in ausreichender Menge nicht zur Verfügung stehen. Das Ziel, unsere Bevölkerung aus eigener Erzeugung ausreichend zu ernähren, muß unter den gegenwärtigen Berhältnisien mit noch größerem Nachdruck verfolgt werden. Schnell« Ber- mehrung der inländischen landwirtschaftlichen Er- z- u g u n g ist eines der wirksamsten Mittel zur nachhaltigen Verbesserung unserer Zahlungsbilanz, zur Festigung unserer Valuta und-zur Erleichterung der Einfuhr industrieller Rohstoffe. Ein« Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung aus Friedenshöhe und «ine Steigerung darüber hinaus bedarf bei der Eigenart der land- wirtschaftlichen Produktion eines verhältnismäßig langen Zeitraums. Eines der vornchmsten Mittel zur Erreichung dieses Zieles ist dl« Schaffung erhöhter Sicherheit auf dem Lande. Nicht minder wichtig ist die Aufrecht«.? Haltung des Wirt- s cha f t s f r i e d e n s und die Förderung des Arbeits ge- meinschaftsgedankens sowie der Ausbau des Schlich- t u n g s w e> e n s. Die im Kriege unvermeidliche Zwangswirt- schaft mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen erweist sich als«tn um so schwereres Hemmnis für das Wieder erstarken der länd- lichen Erzeugung, je länger sie über die Beendigung de« Krieges hinaus fortbesteht. Neben der Erweiterung des Realkredits bedarf— namentlich auch für die mittleren und kleineren landwirtschaftlichen Betriebe— der vorwiegend auf genossenschaftlichem Wege bereit zu stellend« Perlonalkredit einer ganz besonderen Pflege und eines schnellen Ausbaues. Im Vordergrund steht hierbei die Förderung des ländlichen Genosieuschafkswesens. insbesondere der Kreditgenossenschaste n. Mit der Annäherung der Inlandspreise landwirtschaftlicher Erzeugnisse an die Weltmarktpreise werden die durch den unbeständigen Wert unseres Geldes vergrößerten Preisschwan- k u n g e n des Weltmarktes sich auf den inländischen Märkten geltend machen. Die hieraus entspringenden produktionshemmenden Einflüsse bedürfen einer besonders sorgfältigen Beobachtung. Die in erfreulichem Ansteigen begriffene Erzeugung von gebundenem Stickstoff muß in vollom Umfange zur He- bung unserer Ernten verwendet werden. Eine dauernde beträchlliche Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung kann nicht erreicht werden ohne eine weitere Ausbveitung und Verbesserung der sachlichen Schulung der Landwirte. Produktionssteigerung ist auf länger« Zeit letzten Endes eine Frage der Verallgemeinerung einer zeit- und sachgemäßen landwirtschaft- lichen Berufsausbildung. Soll dieses Ziel erreicht werden, so muß ein meiwerzweigtes Netz sich gegenseitig ergänzender Einrichtungen für die praktische und theoretische Ausbildung der heranwachsenden Landwirte geschaffen und sorgsam gepflegt' werden. Schon die Volksschule muß nach Möglichkeit diesem Gedanken dienstbar ge- macht werden. Die ländliche For tbildungsschule wird für die große Masse des ländlichen Nachwuchses die einziqe Möglich- keit zur Aneignung eines bescheidenen theoretischen Fachwissens bilden. Für die zukünftigen, vornehmlich als Beamte wirkenden Leiter großer landwirtschaftlicher Betriebe müssen besondere Ein- richtungen getroffen werden. Die sogenannten Seminare für L an d w i r t e bedürfen daher der Bermehrung. Von gleicher Bedeutung wie die Ausgestaltung des Unterrichts- wefens ist der umfassende Ausbau des landwirtschaft- lichen Beratung-wesen-, dem die Aufgabe zufältt, den bereits ausübenden Landwirten mit eine sachgemäße Betriebs- führung vertraut zu machen und sse zur Anwendung aller neuzeit- lichen Hilfsmittel auf dem Gebiete der Bodenbearbeitung, der Dün- gung, der Sortenwahl, des Maschinemoesens usw. zu veranlassen. Ein möglichst dichtes Netz bäuerlicher Beispielswirt- schaften wird hierbei ganz besonders wertvolle Dienste zu leisten vermögen. Auch an den Ausbau der populären Fachpresse wird zu denken sein. Einer besonderen Pflege bedarf das landwirtschaftliche Versuchswesen. Es muß versucht werden, in den einzelnen Wirtschaftsgebieten wissenschaftliche Mittelpunkte zu schaffen, die in Spezialinstituten, deren Einrichtung und Arbeitsrichtung den jeweils vorliegenden besonderen Verhältnissen anzupassen wäre. der Ausgabe obliegen, wie die Landwirtschaft unter den gegebenen Bedingungen am besten gefördert werden kann und wie insdeson- dere die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung auf einfache unmittelbar anwendbare Formeln und Rezepte gebracht werden können.> Alle diese Maßnahmen werden jedoch, soweit es sich um staat- liche Unterstützungen handelt, nur in dem Rahmen durchgeführt werden können, den die ungünstige Finanzlage des Staates zuläßt. Dabei darf allerdings nicht aus dem Augs ver- loren werden, daß gerade Anfwenoungen für die Hebung der land- wirtschaftlichen Erzeugung sich früher oder später durch die Er- sparung der Einfuhr von ausländischen Lebensmitteln hoch bezahlt werden. Es darf wohl der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß angesichts der außerordentlichen Tragweite der auf dem Spiel stehenden Interessen und im Hinblick auf die der Landwirtschaft ob- liegenden Pflichten gegenüber dem Staatsganzen sich niemand dieser Aufgabe entziehen wird. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) gegen Luxus und Völlerei. Ueberraschen konnte den Großstadt- bewohnern seine Versicherung, daß in der Kriegszeit„wir in der Provinz gefastet haben". Wir in Berlin haben uns damals oft erzählen lassen, daß im Punkt der Ernährung die in der Provinz mit uns wahrhaftig nicht tauschen würden. An der Diskussion be-� telligten sich auch ettiche Kommunisten, die ja aus jeder Blüte ihren Honig zu saugen versuchen. Besser soll's in der Welt erst werden, wenn sie ihr den Gang vorschreiben dürfen. Die von den Ver- anstaltern der Versammlung vorgelegte Entschließung ver- meidet es, den Alkoholgenuß überhaupt zu bekämpfen. Sie bedauert, daß Parlamente, Regierungs- und Verwaltungsbehörden „immer noch ohne genügenden Widerstand dem der Allgemeinheit schädlichen Luxusleben zusehen", klagt besonders über wach- sende Ausbreitung raffiniert luxuriöser Likör st üben, fordert möglichst schnellen Abbau der bestehenden und Verweigerung weiterer Konzesstonen und wendet sich schließlich auch gegen die Be- strebungen aus Verlängerung der Polizeistunde. Diese Ent- schließung wurde widerspruchslos angenommen. IZfldong eines Volkshochschul-Vezirksausfchusses. Eine für die Entwicklung der Volkshochschule sehr wichtige Maßnahme, nFmlich die Bildung eines Dolkshochschul-Bezirksausschusies für den Verwaltungsbezirk 17(Lichtenberg), wird auf Antrag des Bezirksamtes in der nächsten Bezirksverordnetenversammlung beraten werden. Dieser Ausschuß ist die einzige Instanz, durch die der Bezirk bzw. die In» teressenten der Dolkshochschule Einfluß aus die Gestaltung des Lehr» planes gewinnen können. Auch werden von diesem Ausschuß, der nach dem Dorschlag des Bezirksamtes au« 2 Bezirksamtsmitqliedern, 4 Bezrrksverordneten. 6 Hörervertretern und höchstens 2 Lehrerver- tretern bestehen soll, die Dertreter zum Hauptausschuß der Volks- Hochschule abgeordnet. Ein Berliner Heirvkfchmindler im harz verhoilei. Heirat?» scbwindel im großen betrieb ein Gauner, der jetzt auf Verglttassung der Berliner'Kriminalpolizei in Blankenburg am Harz im- schädlich gemacht wurde. Er mochte sich an Berliner heiratslustige Damen heran und gewann um so eher die Zuneigung der Witwen und Mädchen, als er über viel Geld zu verfügen schien. Wenn er einer Dame dps Heiratsversprechen gegeben hatte, so kam er auch schon bald mit der freudigen Botschaft, daß er eine sehr günstige Gelegenheit habe, eine Wohnungseinrichtung für den zu gründenden gemeinsamen Haushalt billig zu kaufen. Sobald er je- doch das Geld in der Tasche hatte, ließ er sich nicht mehr sehen, suchte vielmehr sofort ein neues Opfer und ipielte wieder den Kavalier. Eine Dame aus der Provinz, die der Schwindler, der als ein 30 Jahre alter aus Kreseld gebürtiger Alfred S ch r c y festge- stellt wurde, auf einer Reise kennenlernte, besaß bereits eine reiche Aussteuer und werwollc Möbel. Schrey bewvg sie unter der Vor- spielung. daß er sofort in Berlin den Hausstand gründen ivoll". alles an seine Berliner Adresse zu senden. Als jedoch die Güter in Berlin eintrafen, ließ er sie gleich nach dem Empfang ver- steigern und steckte den Erlös ein. Auf diese Weise erbeutete der Gauner in der letzten Zeit mehrere Hunderttausend Mark. Die Dienststelle C. II. 5 der Kriminalpolizei spürte ihn in Blankenburg auf, wo er festgenommen wurde. «Siedlung und Kleingarten", unsere illustrierte Beilage. liegt der heutigen Postauslage bei. Bereinigunq der Freunde für Religio» und Bölke»frieden Heilte, abends>/,S Uhr. spricht Herr Pfarrer B I e i e r in der Aula der ztailer-Friedrich-Sckule, Knesebeckstraße(nahe Savignhplatz), über den be- kannten Indischen Dichter Rabindranath Tagore. Groß-Sediner Parteinachrichten. Alorgea. Miktwoch. den 8.)uni: 70. Abt.(®tCmct«ho*fy. Der gahlabend fällt au» und fwdef Mittwoch den I.i. Juri, ilatt Lakai wird noch Mnimlfleerbeiv «4.«b., fia und-.7 Bezi-i. g-hladcnd nicht Wandesfra�e. sondern Weisestr. 23. IM. Abi.(Adlcrshast 7'/,UJ)r im Zcichmsaal der II. Dem�indeschule, Nad.ckestraße, Mitgliederoersomvilung. I 12. verbanöstag öer Holzarbeiter. Hamburg, S. Juni 1921. Der Verbandstag wurde am Sonntag, nachdem die Be- grüßungsansprachen, die Bureauwahl und die Wahl der Kam- misstonen vorhergegangen, mit einem schönen Festabend eingeleitet. Als Verhandlungsleiter wurden ohne Widerspruch Verbandsvor- flfoender Tornow und der Hamburger Zahlstellenleiter Bann- wolf gewählt.— Zahlreicher als auf irgend einem vorhergegangenen Verbandstag sind die angemeldeten und zum größten Teil bereits erschienenen Delegationen verbrüderter Körperschaften: Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund(Graßmann), Internationaler Bund der Holzarbeiter(Woudenberg-Amsterdam), zwei schwedisch« Verbände, ein englischer Verband, ein tschechoslowakischer, ein schweizer, ein belgischer, ein österreichischer, ein norwegischer, zwei dänisch« Verbände. Ein lebhafter Protest, begründet durch Gauleiter Kohl- Breslau, wurde gegen die mit allen terroristischen Mitteln erstrebte Lostrennung und Vergewaltigung Oberschlesiens erhoben, deren Delegierte den Verbandstag nicht erreichen könnten. Am Montagmorgen begannen die Verhandlungen. Di« Ver- lesung der Präsenzliste ergab die Anwesenheit von zirka 300 Dele- gierten und 40 Vertretern des Vorstandes, Ausschusses, der Redaktion und Preßkommission und der Gauleitungen. Ein Antrag, zum Punkt .Gewerkschaftliche Zeit- und Streitfragen" einen Korreferenten zu bestellen, wurde abgelehnt. Ablehnung fanden auch alle Anträge auf Umstellung sowie Erweiterung der vorgeschlagenen Tagesordnung. Bei der Stellung der Unterstützungsfrage zu den in der Borlag« enthaltenen 4S9 Anträgen wurden neben einer Reihe Anträgen anderen Charakters auch solche nicht genügend unterstützt und damit von vornherein fallen gelassen, die eine Beschickung des Internationalen Gewerkschaftskongresses in Moskau und den Anschluß an die Inter- nationale, Sitz Moskau, verlangen. Vor Eintritt in die Vorstandsberichterstattung widmeten M. Petersen- Kooenhagen, Groß- Wien, R e i ch m a n n- Zürich im Namen der übrigen auswärtigen Gäste dem Verbandstage mit starkem Beifall aufgenommene Begrüßungsworte. Dann gab Tornow den Vorstandsbericht.— An die Spitze feiner Ausführungen setzte er Worte des Gedenkens an die seit dem letzten Verbandstag der Organisation entrissenen Kollegen: A. Neumanu, Slusche, Gerlitzke, C. Lechen, aber auch an die verstorbenen namenlosen Kollegen, die ebenfalls so treu und beharlich dem Verband gedient.— In bezug aus den Vorstandsbericht ergänzte er im wesentlichen das den Delegierten zugestellte Jahrbuch und den gedruckten Vorstandsbericht, aus dem wir die wichtigsten Entwicklungsziffern bereits in einem Vorbericht besprachen, in einer mehrstündigen Rede. An Polen hat der Verband infolge der Gebielsabkrelungen 18 Zahlstellen mit über 2000 Mitgliedern, an Dänemark 6, an Frank- reich S Zahlstellen abtreten müssen.— Im einzelnen bespricht der Redner die Art und Weise der Ausführung der Anträge, die der letzte ordenlliche und dann der außerordentliche Verbandstag dem Vorstand überwies. Die Schaffung eines R« i ch s t ar i f s für Sägewerke war«in sehnlicher Wunsch des Vorstandes, ge- lang aber bis setzt nicht ganz, jedoch sind starke Bezirksverträge ge- schaffen. Zur Tätigkeit des Vorstandes selbst sagt der Redner, daß außerordenllich schwer der Wechsel empfunden wurde, der wieder- holt im Vorsitz des Vorstandes eingetreten ist. Kollege Leipart, der als Minister nach Württemberg ging, war der überragende Leiter des ganzen Vorstandes. Als er ging, waren sich alle Stimmen des Vorstandes darüber einig, daß als Nachfolger Leiparts nur Neumann in Betracht kommen konnte. Aber der Vorstand lebte von Anfang an in banger Sorge darum, daß ihm Neumann plötzlich entrissen werden tonnte. Und das trat dann auch ein. Die weitere Wahl ist dann auf Tarnow gefallen, der von sich nur sagen will, daß er sich mit aller Kraft bemüht habe, sich in seine Aufgab« hineinzuarbeiten. Neue Aufgaben haben eine Vergrößerung des Verbandsbureaus notwendig gemacht. Die Mitgliederzahl und Angestelltenzahl im Hautpbureau verdoppelte sich, aber die Zahl der Lohnbewegungen v e r o i« r- fruchte, die Zahl der Beteiligten versiebenfachte sich. Aehn- lich steht es auch mit der Zahl der Uebertritte und noch anderen Fragen. Es wird daher nötig fein, weiter« Anstellungen im Ver- bandsbureau vorzunehmen, um dort wieder zu einigermaßen mensch- Ilchen Arbeitsverhältnissen zu kommen.— Die Mitgliederbe- w e gu n g ist im ganzen genommen erfreulich. Sriege und Abwanderung und zum Teil auch unangenehme Auseinandersetzungen haben die Werbekraft des Verbandes in letzter Zeit etwas abgeschwächt. Er wird sich bemühen müssen, diese Mißlichkeit zu beheben.— Was mit Lohnbewegungen zu schaffen war, habe der Vorstand ehrlich er- füllt. Er sei in Lohnbewegungen fast erstickt und auch bis an die Grenze der Finanzkraft des Verbandes gegangen. Glücklicherweise habe die Disziplin des Verbandes ausgereicht, um einzulenken, als etwas gebremst werden mußte. Ein außerordentlicher Verbandstag bekundete ebenfalls volles Verständnis zur finanziellen Kräftigung des Verbandes.— Differenzen, die sich aus der k o m m u n i st i f ch e n Strömung bestimmter Mitgliederkreise ergaben, sind nicht völlig ausgeblieben, jedoch auch durchaus nicht so erheblich aufgetreten wie in manchen anderen Organisationen. Zuletzt beruhe dies wohl nicht zum wenigsten auf der Taktik des Vorstandes, den Zahlstellen diefe Differenzen möglichst allein ausfechten zu lassen, wobei dann vielfach die Erkenntnis valer den Alikgliedern aufkam: wie wüten wir doch gegen unsere eigenen Interessen, indem wir uns gegenseitig die Köpfe zerschlagen.— Ein ernsthaftes Zerwürfnis trat nur ein zwischen Vorstand und der Zahlstelle Halle. Der Vorstand legte der Ortsverwaltung die Abgabe einer Erklärung vor, die als Mindestforderung an die vom Verband hochzuhaltenden Grundsätze anzusehen ist.— Die Abgabe einer solchen Erklärung wurde abgelehnt. Die letzte Neuwahl der Ortsoerwaltung in Halle sah nur noch eine kleine kommunistische Majorität. Wiederum ist der Verwaltung in Halle die Abgabe einer Erklärung, sich im Rahmen der Beschlüsse des Verbandes, der Gewerkschaftskongresse und der Amsterdamer Internationale zu halten, auferlegt. Diefe Erklärung ist noch nicht abgegeben worden, aber der Redner hofft, daß die Beschlüsse dieses Verbandstages nun die Kollegen von Halle vernünftigerweife dazu führen werden, ihren Frieden mit der Zen- tralstelle zu machen.— Einige wenige Ausschlüsse von Kollegen werde der Verbandstag noch nachzuprüfen Gelegenheit haben.— Redner bespricht eine Reihe innerer Derwaltungsmaßnahmen orga- nifatorischer Art. Mit der Abfassung einer verbandsgeschichke ist Redner vor Iahren betraut worden, aber Krieg und Belastung mit dem Vorstandsposten haben bis jetzt die Fertigstellung gehindert. Dann ist Kollege Leipart mit dieser Arbeit betraut worden, aber wieder zurückgetreten, well die Uebernahme des Vorsitzendcnpostens im ADGB. vorangestellt werden mußte.— In absehbarer Zeit wird nun aber ein Werk, darstellend.Die Geschichte des Holzarbeiter- gewerbes" erscheinen.— Der Vorstand hat weiter eine„Volks- wirtschaflliche Abteilung" mit einer nationalökonomisch gefchulten Kraft, Dr. Eassau, an der Spitze, eingerichtet. Die Bestätigung dieser Einrichtung ist dem Verbandstag vorbehalten.— Die Druckerei und Buchhandlung des Verbandes entwickeln sich günstig, ebenso das Fachblatt, das vor dem Kriege im Höchstfall 12 000 Abonnenten hatte, jetzt 22 500 bat. Redner bespricyt dann die Arbeitslosenfrage und die Teilnahme des Vorstandes an Maßnahmen zur Behebung. Der Vorstand habe nichts unterlassen, um das Elend der Arbeitslosen zu mildern. Es fei auch eine ganze Menge erreicht worden durch sien Druck der gewerkschaftlichen Organisation. Eine Milliarde ist im Jahre 1920 vom Reich, eine Milliarde auch von den Ländern und Gemeinden an die Arbeitslosen gezahlt worden. Im November vorigen Jahres ist durch den Druck der Gewerkschaften noch eine Er- höhung der Unterstützungssätze durchgesetzt worden. Aber die Ge- werkschaften sind weiter gegangen und haben ihre bekannten 10 Punkte ausgestellt, in denen im wesentlichen statt Unterstützung Arbeit verlangt wird, bei deren Vergebung den Gewerkschaften ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird. Erfolge sind auch hier erziell worden, insbesondere bei der R e i ch s v e r k e h r s v e r w a l- tung, in deren Ausschüssen zur Regelung von Arbeit stets auch ein Vertreter des Holzarbeiterverbandes sitzt. Daneben ist die Re- gierung aufgefordert worden, durch die Belebung der Bautätigkeit der Arbeitslosigkeit zu steuern. Auch hier sei schon etwas getan worden. Der Redner zeigt, wie der Verband hier noch weiterdrän- gend und organisierend vorgehen will. Schon seit Iahren habe der Verband auch darauf hingearbeitet, daß bei allen ösfenllichen Ar- beiten das Privatunternehmertum ausgeschaltet wird, so auch bei den Wiederaufbauarbeiten. Mag aber diese» Problem fo oder so gelöst werden, Belebung der Bautätigkeit und Wieder- aufbau werden die Arbeitslosigkeit sehr stark eindämmen, vielleicht gänzlich beleben. Die besonderen Interessen der arbeitslosen Holzarbeiter vertrat der Vorstand besonders in der Frage der H o l z w i r t s ch a f t, und auch hier nicht ganz erfolglos. Was hier nicht mit einem Schritte erreicht wurde, und auch nicht erreicht werden kann, dazu müsse und werde die Anzahl Schritte gemacht werden, die notwendig ist. Tarnow entwickelte die aufaestellten Forderungen zur Vefchneidung der Selbstherrschaft des Prioatkapikals und die ihnen zuteil gewordene öffentliche Beachtung. Uns schwebt der Gedanke vor, zunächst einmal das ganze lholz- Material in Öffentlichen Forsten in Gemeinwirtschast zu überführen und so die Grundlage zu haben, die ganze Holzwirtschast zu diri- gieren. Die Wege, die Bedenken der Länder im Reiche dabei zu überwinden, müssen gefunden werden. Redner zeigt noch durch weiteres Eingehen auf den ganzen Fragenkomplex, wie die Schwierigkeiten zwar noch nicht überwunden sind, aber wie man auf dem Wege dazu ijt. Sie glatt zu überwinden, sei auch eine Unmög- lichkeit, denn es seien Fragen der Entwicklung, die Zeit beanspruchen. Das möge die Kritik würdigen und anerkennen, daß die Leiden der Arbeitslosen noch ganz erheblich größer gewesen wären, wenn die von den Gewerkschaften für richtig gehaltenen Mittel niAt angewandt worden wären.(Lebhafter Beifall.) Llus England. Man rechnet mit der Möglichkeit einer allgemeinen Arbeits» einstellung in der Moschinenindustrie. Well„man" die Löhne ab- bauen will?— Die Bergwerksbesitzer suchen Eindruck zu schinden durch die Mitteilung, daß 190 Kohlenschächte wieder in Betrieb seien. Es sollen aber„meist kleinere Schächte" sein, wie in Swamoick. Die hafeuarbeiter in Buenos Aires beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. vcranrw. tür den redalt. Teil: Dr. Werner Seilet, Charlotlenburg: für Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Lerlag: Borwlirts-Bcriag®. m. t>. H.. Berlin. Druck: Vor« ivSria.Bucbdruckerei u. BeriaaSansialt Bau! Singer v. Co. Berlin Sindenltr. i. Gcwinn-Auszug der 17. Preust.-Südd. s243. Kreutz.) Klassen» Lotterie S. fiiaffe. 22. Ziehungtlag. g. Juni 1921. aiuf)«de gezogene Nummer find zwei gleich hohe»«Winne gesollen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beive« Abteilungen I unb N Ohne SewZhr. RaSdrnck»erhole». Gfi wurden Gewinne llh-r»90 Mark gezogur. 2 NU 1000 M and die Prtrnle rg 600000 M 24322 4 un 390 M nnd die Prämie in 100000 M 180401 314318 2«n 76000 M 62056 2 lOOO1 M 38149 2 NN 6000 M 62236 76 ZN 3000 M 3287 4449 7981 14140 15224 16492 20977 31036 31601 41418 42498-0908 69016 74657 76161 86818 88563 99211 99282 102334 113156 124849 126811 136056 149730 161188 161648 162901 192188 168033 170181 179535 205449 209773 212800 226 87 229467 230368 166 ZN 1000 M 2691 3482 7805 8440 8676 12817 16268 16395 17132 19714 24192 24372 27908 31014 32371 33687 39903 44195 45780 49883 60377 5 056 57250 62387 63336 76720 78160 77616 77667 80087 81590 81625 87185 87583 101413 102319 102936 103480 113164 119001 121076 122149 126004 129892 131190 133204 134929 136467 139328 147391 162313 166072 166390 180514 181362 182117 182641 184281 185008 190417 193165 194315 J 97390 197904 203038 203362 206627 208583 214253 214698 222067 226076 226288 227603 231343 33430 236906 238818 218 ZN 600 M 2041 2514 7816 6749 7866 10131 10666 18904 14898 16238 18-66 20727 22310 24743 26518 27342 28143 33945 35301 37047 3791- 38747 39481 40323 41041 49763 49872 62734 54475 64643 59327 69813 63442 63833 64328 64594 66246 71668 79337 81966 82766 82914 84870 87904 89815 99191 104720 106384 107641 110110 114001 116488 121422 124168 124202 128390 132269 133902 130898 137800 138231 139-96 148678 147328 161107 161266 162796 156230 156282 167811 168668 161438 166964 160621 171836 179337 177686 179306 180217 183444 184859 186211 188268 187610 194602 194691 20133 201679 203687 206571 206388 207766 20798 209631 211110 212677 214006 214309 216526 220870 221891 223150 226302 227814 22-722 229886 230762 232272 237317 Die Ziehung der 1. Klasse iSOM. Lotterie findet i'mt am 12.— 13. Süll. 0L**j4*V� gelangt ln unseren sarntliclien Großberliner �usschan�steller? nm ffmtiemb zum Anstich. Engelharöt�Vrauere» Aktien-Gsjellschast� Nutzaisen SUbsiten, Bleche, T-Träger, U-�isen, Rohre, Ketten, LagerbOche, Riemenscheiben, FuBstanzen usw. In verschied. Dimensionen haben abzugeben NDtzeisenabteüang, BlD.-Neukfilln Wosemtr. 35 36— Tel. Neuk. 4170 COHN& BORCHARDT Zentrale: litchtenberg, Rlttergutstr. 47/48 Telegr.-Adresse„Erzcobor". Tel. Lichtenbg. 546/647 Fabrikpreise Lieferung Sei Hann Hetaii- Bettstellen Kinderwagen, Bettfedern, Korbmöbel Fürst, Neukölln Hermannstraße 38 Ecke Mahlower Str.* Fabrik I. Ruhebetten, Auflege- Matratzen u. Feldbettstellen- ®teiUf< Arlt Deinen Oolb- und Silbcrbrnch. Charwttenb., Beel. St. 48. 13.1. Au tcllzatalune.5(.Garant. Kroneu I8M. Plomo /annp ZI 3,—. etalmziehen IN Emspr. hdchsi schmerz 4.UIIII0 v Tan llnd. Umarh. schlechisltz. Oeoisse. Rep sof. ilabnarzi W o I f. Potsdamer Str. 53, Hochb. 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