Nr.SSS ♦ ZS.�ahrgattg /lusgabe B Hr. 131 Bezugspreis t «fftteljälitU 30,- M.. monalL 10- Ot frei ins Saus, voraus zahlt ar. Post- tezug: Monatlich 10,—•SIL«nschl-Zu- f! ollungsgedUhr. Unter Kreuzband nir Deulschiand, Danzig, Bas Eaar- und SKemelfiebiet, sowie die ehemals deui- scheu Gebiete Polens. Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Post. fcefteliungen Nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tichecho- Slowakei, Däne» mark, Holland, Luiemburg, Schweden und die Schweiz, Der„Borwiirls' mit der Sonntagsbeilage.Poik und-sei:", der linier» hallunasb, ilage �Heimwelf und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� ericheint wochentäglich zweimal, Somt» tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Soglaldomokrus verliu" Abend Ausgabe (M ) Derlrnev Volksblstt AnzcisienpretS, Die achigeipaltene RonoaretllezeUe tostet dL0 M„ßlctuc Anzeigen»' das fettgedruckt» Wort ILO M.(zu- lafstg zwei sengednickte'Borte), jedi» weitere Wort U— M. Stellengesuche und Schlasslellenanzeigen das erste Morl U— M. lebe» wettert Wort 60 Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. jsan»Iien-An- zeigen für Abonnenten geil» 3,— M Sie Preise oerstehen kch»inlchließlich Teuerung-»', Uschlag, Anzeigen für die nächste Numnut müssen dt»» Itstr nachmittags im Hanotgeschäft. Berlin SW SS. Linden» Vrahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Übt früh bis 5 Uhr abend» Zentralorgan der fozialdemokrattfcben parte» Dcutfcblanda Reöaktion und Expedition: SM HS, Lindenftr. Z 'Sf rni Ureter• Rrdaktio» Morifiplatz J5la5— 97 ntl"'«xpedition Morir.vlatz l17SZ-öit Mittwoch, den 8. Juni 19Ä1 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SM öS, Lindenstr. Z Kernktirf> Verlag. Exvebition und Inseraten. »zrviMzurc«)":' Abtrilung MoritfPIal, I17SZ-K4 Grönung für Gberfchlesien. o r i S, 7. Illlli. thaoas.) Die englische Regierung Hai der i französischen Regierung geslera die Aaiwort auf die srauzöjische Rvie! votn 30. Mai zuzeheu lassen. Die britische Regierung erklärt sich, darin mit der französischen Regierung einig, dah die gesetzliche Ord- nung in Oberschlesicn gemäss dem Ariedeusoertrag wicdcrhergcsielli werden müsse, bevor irgendeine Entscheidung geirofscn werde. Die englische Regierung fügt hinzu, daß sie den Bericht ihre» neuen Kommissars in Obcrschiesien(Stuart) über die Lage, wie er sie bei seinem Einlresfen in Obecschlesien vorfand, abwarten wolle, ehe sie sich über die Iraze der Prozedur aussprechen wolle, die versucht werden solle, um das oberschlcjifche Problem zu lSseu. Die französisch« Regierung hat sosorl auf diese Rdilteilung geanlworkel und erklärt, das; sie sich in diesen beiden Punkien dem englischen Siandpunkt an» schUesze. Es habe immer in der Absicht der französischen Regierung gelegen, die Ordnung in Oberschicsien wiederherzusiellen. Die feauzösischc Regierung hoffe, daß die Ankunft der britischen Truppen hierzu beitragen werde, und daß der neue englische kommisiar baldigst seiner Regierung Bericht ersiatten werde, damit sie sich vollkommen Ausschluß über die Lage in Obecschlesien geben könne.' Grnnntenfeuer auf Plania. Ratibor,?. Znni. swTB-) Nachdem seil Sonnabend die Borstadi Plania unter polnischem Arkillerieseuer gelegen Halle. richteten die Insurgenten morgens gegen 4' Ahr eine Anzahl 7ch Granaten ins Stadlinnere. » Vcn einer neutralen Zone und einer legalen oder Bo jowka-Terlherrschast Polens in Oberschlesien weiß der Friedens- vertrag bekanntlich nichts. Will die Entente ihn erfüllen, so muß sie ganz Oberschlesien wieder unter ibre Gewalt bringen und die Bewohner'von den furchtbaren Leiden befreien, die ein Notruf der Stadt Kattowitz in die Welt hinausschreit. Die Gefahr von Zerstörungen durch die Insurgenten scheint ja nicht zu bestehen, da sie sich vor Ententemilitär kampflos zu- rückziehen und da sie großenteils aus Teilen der von franzosischer Disziplin beherrschten polnischen Armee bestehen! Die Entente Hot ja genügenden Einfluß auf die polnische Regie- rung und könnte auch prüfen, ob es nützlich für Europa und Polen selbst ist, daß es drei Viertel seiner Staatsousgaben für das cheer verwendet und für dessen Ausrüstung und Erhal- tung sich eine Schuldenlsst von 210 Milliarden polnische Mark aufgehalst hat. Der„Lok.-Anz." erhebt ein großes schlesisches Bolsche- wistengeschrei, welchem jetzt leider die Waldenburger Kom- munisten durch die alberne Streikfortsetzung die Leiter halten. Daß jedoch das reaktionäre Getue nur den Orgeschtruppen eine Daseinsberechtigung verschaffen soll, zeigt wiederum eine Ratiborer Schilderung ihres Treibens in der„Roten Fahne". Schleunige Wiederherstellung des gesetzmäßigen Zustandes in Oberschlesien allein kann böse Folgen auch westlich der Oder verhindern. Kein englisch-franzö'sisches Sünöm's. Paris, 7. Juni.(WTB.)„Mal in" läßt sich aus London meiden: Nach Informationen, die aus amtlichen englischen Kreisen stammen, ist auf Anregung des englischen Auswärtigen Amtes die neuerdings in der französischen und englischen Presse vielfach erörterte Frage einer festumschriebenen Entente zwischen Frankreich und England in drei Sitzungen des englischen Kabinetts zur Sprache gekommen, Der Gedanke sei in der Form vorgeschlagen worden, daß England sich verpflichten solle, im Falle eines deutschen Angriffs Frank- reich beizustehen und daß Frankreich als Gegenleistung die englischen Bedenken gegen die Besetzung des Nuhrgebietes berücksichtigen und mit England im Orient zusammenarbeiten soll. Für diesen Gedanken seien zwei oder drei Minister, darunter Lord Eurzon und Chamber- lain iowie der UtUerstoatsIekretär im Auswärtigen Amt Sir Crewe «ingetreten. DI« Mehrheit der Minister, darunter Churchill, habe aber den Plan nicht unterstützt. Gegenwärtig werde die Frage von den amtlichen Slellen nicht mehr erörtert. Englands Ruftlandhandel. London, 7. Juni,(chavas.) Reuter zufolge wird in der britischen Antwort auf die französisch« Note wegen des«nglisch-russischen Handelsabkommens ausgeführt, England könne nicht all« von der französischen Regierung vorgebrachten Argumente anerkennen. Ins- besondere könnten die von englischen Gerichten gefällten Entschei- düngen nicht abgeändert werden. Wenn der Augenblick sür eine allgemeine Regelung zwischen den Vertretern der verschiedenen Möchte gekommen sein werde,«ine Regelung, die mit dem englisch- russischen Handelsabkommen nichts zu tun haben werde, dann würden die französischen Forderungen, wie der englische Premier- minister bereits in unzweideutiger Weife erklärt«, volle Beachtung sinken. Inzwischen richtet sich Sowsetrußland in London häuslich ein: es hat«in sechsstöckiges Haus für sein« Delegation und eine anglo- russische Bant gekaust. Selbftbestimmungsrecht neuer Fassung. Paris, 7. Juni.(WTB.)(Kammer.) Im Verlaufe der De- batte über die Ratifizierung des ungarischen Friedensvertrags kriti- sierte Abg. Boncourt(Soz.) die Zerstückelung Ungarns. Es sei unmöglich, daß Oesterreich und Ungarn getrennt voneinander leben könnten. Wenn man die wirtschaftliche Lage betrachte, müsse man erkennen, daß einzelne neugeschaffene Kleinstaaten vor anderen b e- o o r z u g t wurden. So besähe Ungarn beispielsweise die Zufuhr- weg« zu einzelnen Kohlengruben, während diese Kohlengruben der Tschechoslowakei gehörten. Eine Donauföderal' on werde nicht ge- nügen: es sei nur dann möglich, alle Grundsätze, die beim Abschluß der Friedensverträge von Aerfailles, St. Germain und Trianon vorgcherrscht hätten, zu erfüllen, wenn Europa neuorgani- s i e r t sei.> Ministerpräsident B r i a n d erklärte, Frankreich habe unter allen Umständen den Grundsatz hochgehalten, andere Bölker leben zu lassen und ihr Selbslbesiimmungörech! zu realisieren.(!) Aber wenn es sich um Völker Mitteleuropas handle, stoße die Anwendung dieses Grundsatzes auf Schwierigkeiten. Frankreich müsse den kleinen Staaten, da es an ihrer Schaffung teilgenommen habe, mit den Alliierten die Lebensexistenz sichern.(Gilt natürlich nicht für Dentschösterreich! Red.) Von Föderalismus könne jetzt nicht mehr die Rede sein. Man hätte ihn ins Auge fassen können, solange Oesterreich-Ungarn nicht zerstückelt war. Man habe die neuen Staaten nicht gegründet, um ihnen ihr Leben- wieder zu nehmen. Frankreich verliere nichts an seiner Größe, wenn es von den wirtschaftlichen Reichtümern der Länder If Bn unsere Leser! Die Buchdrucker und Hilfsarbeiter haben mit erheblicher Mehrheil für den Streik gestimmt. Ob die Zweidrittelmehrheit voll erreicht ist. steht augenblicklich noch nicht fest. In der Versammlung heute nachmittag wird die Entscheidung fallen. Tritt der Streik ein. ist auch das Erscheinen des „Vorwärts" bis auf weiteres in Frage gestellt. Verlag und Redaktion des„vorwärts". Ruhen ziehen wolle, die von seinen zur Anwendung gebrachten Grundsätzen profitiert hätten. Ungarn müsse sehen, wie es sich mit seinen Nachbarn verständige, um Erleichterungen mit Bezug auf den Fxiedensoertrag zu erlangen.— Das Gesetz über den Friedens- vertrag wurde darauf, wie bereits gemeldet, mit 478 gegen 74 Stimmen angenommen. Di« deutsche Dölkerbundliga ist auf der Genfer Tagung mit Einstimmigkeit in den internationalen Bund dieser Vereini- gungen aufgenommen worden. Kemal und Englanü. Di« Hinrichtung eines Inders durch die Kemal-Truppen wird in England schwer angekreidet; die Regierung von Angora hat Auf- klärungen gegeben. Di« Entsendung weiterer britischer Kriegsschifs« nach Konstantinopel soll angeblich nur indirekt gegen Kemol ge- schchen, nämlich griechische Landungen schützen. Das Griechenheer ist wesentlich verstärkt und soll wieder losgehen. Konstantin reist an die Front und ein Prinz übernimmt den Oberbefehl. Alle Vor- bedingungen für neu« Erfolg«— Kemals sind also gegeben. Hraönauer über öie RegZerungsbUüung. Paris, 8. Juni.(EE.) Der Berichterstatter des„Figaro" hatte eine Unterredung mit Dr. G r a d n a u e r. Auf die Frage des Korrespondenten, ob« Deutschland das Ultimatum erfüllen werde, sagte der Minister:„Für die Ruhe Europas und für uns selbst war es nicht möglich, die eingeschlagene Politik fortzusetzen. Es ist für alle wünschenswert, daß die Beziehungen zwischen der Entente und Deutschland normal werden. Dr. Wirth hat dle Absicht, seiner Regierung die breiteste Grundlage zu geben, und in dieser Absicht hat er die Tore nach rechts und nach links geöffnet. Es wäre aber schwer, die Mitarbeit der Deutsch en Volks- parte! anzunehmen, wenn diese nicht im voraus Sicherhelken geben würde. Die Politik des Kanzlers will eine solche der Einig- keit und der Versöhnung sein. Er will den Voltsparteilern nicht nachlaufen, aber er will sie auch nicht grundsätzlich aus- schließen. Ueber die Frage einer Auslösung des Reichstages sagte Dr. Gradnauer: Ueber diesen Punkt ieien die Ansichten der einzelnen Parteien verschieden. Eine große Zahl der Sozialdemo- traten hielte Neuwahlen für unvermeidlich. Gradnauer ist persön- llch überzeugt, daß die Sozialdemokraten einen Stimmenzuwachs erhalten würden, der jedoch nicht genügte, um ihnen ein über- wiegende Mehrheit zu sichern. Es wäre besser, ein Zusammen- arbeiten der Sozialdemokratie und der Deut» schen Volkspartei zu erreichen, weil Neuwahlen nicht wünschenswert seien. Aufammenbruch ses Putschismus Das Bestreben der kommunistischen Presse, das Interesse an dem Prozeß gegen Brandler wach zu erhalten, erscheint uns auch von unserem Standpunkt aus als nützlich. Die„Rote Fahne" wirft uns vor, daß wir«die weißen Ge- richte auf die Kommunisten Hetzen", weil wir die Gründe ge» würdigt haben, die das Gericht dazu führten, über den Vor- sitzenden der VKPD. keine entehrende Zuchthausstrafe zu verhängen. Ueber die Unsinnigkeit dieser Beschuldigung ist kein Wort weiter zu verlieren. Es fällt uns gar nicht ein, eine strengere Strafe zu wünschen für einen Mann, wie es Brandler nach seinen eigenen Aussagen vor Gericht und nach den Be- kündungen der„Roten Fahne", die nur seine Freisprechung gerecht gefunden hätte, offenbar ist. Nach dem Bericht, den wir am Montag veröffentlichten, at Brandier auf das entschiedenste in Abrede gestellt, daß die Zentrale der VKPD. mit ihrer Märzaktion den Sturz der Verfassung bezweckt hätte.„Nur Idioten und Narren" hätten eine solche Absicht haben können. Brandler zeigte die tärkste Abneigung gegen jede Anwendung von Gewalt und chob die Schuld an den Gewalttätigkeiten in Mitteldeutsch- land ausschließlich der Regierung und den Spitzeln der Rechts- Parteien zu. Eine bessere Vertretung des sozialdemokratischen Stand» Punktes, daß an der Erregung von Putschen nur die F e i n d e der Arbeiterbewegung interessiert seien, hätten wir uns gar nicht wünschen können. Da aber der Bericht des„Vorwärts" möglicherweise auf „menschewistischen Lügen" beruht, wollen wir uns weiter nur an den Bericht der„Roten Fahne" halten, deren Wahrheits- liebe von der„Ryten Fahne" selbst vielleicht doch nicht an» gezweifelt werden wird. Nack; dem Bericht der„Roten Fahne" also erklärte Brandler: Wir sind der Meinung, daß ein zäher Klassenkampf stattfinden wird, daß aber während des März nicht daran gedacht wurde, die Verfassung zu„stürzen". An einer anderen Stelle des Berichts heißt es: Genosse Brandler zitiert Stellen aus dem Spartakusprogramm, die beweisen, daß die Kommunisten dle Regierung nur übernehmen durch den Willen der ungeheuren ZNehrheit des Volkes. Er bezeichnet die Dynamitattentate als Rechtospitzelei und blöden Unsinn. Das strategische Ziel der Kommunisten sei, die Massen zu er- B b e r n. Zum Beweis dafür, daß er ein Gegner aller Gewalttaten sei, zitierte Brandler einen leibhaftigen„menschewistischen" Minister aus Sachsen, den Genossen F e l l i s ch, den„men- schcwistischen" Gewerkschaftsbeamten Friedet und sogar den bürgerlichen Direktor Siemens herbei, die alle drei ihm das allerbeste Zeugnis ausstellten. Also auch nach dem Zeugnis der„Roten Fahne" hat Brandler jeder Putschtaktik die klarste Absage erteilt. Und wenn es vorher auch vielleicht etwas anders klang, v o r G e- r i ch t hat er nicht wie ein Linkskommunist gesprochen, sondern eher wie ein Sozialdemokrat. Er hat ausdrücklich erklärt, daß die Kommunisten die Regierung nicht anders übernehmen wollen als„durch den Willen der ungeheuren Mehrheit des Volkes". Wer hätte vor zwei Iahren noch ein solches klares Bekenntnis zur Demokratie aus dem Munde eines Kommunisten, eines Linkskommumsten sogar, erwartet? Der ganze Streit in der Arbeiterbewegung Hot sich seit dem 9. November doch darum gedreht, ob es möglich ist, den Kapitalismus durch gewaltsames Vorgehen einer Minderheit zu stürzen oder ob dazu„die ungeheure Mehrheit des Volkes" notwendig ist. Die Kommunisten, zeitweilig sogar die Unab» hängigen, haben das erste behauptet, während die Sozial- demokratie das zweite vertrat und jedes gewalttätige Vor» gehen von Minderheiten verwarf. Und jetzt stellt sich vor Gericht heraus, daß das alles nichts als ein kolossales Mißverständnis gewesen ist. Die Kommu» nisten haben im Grunde nie etwas anderes gemeint als die Sozialdemokraten, das steht sogar— schade nur, daß es bisher übersehen worden ist!— schon im Spartakusprogramm. Man könnte auf den Gedanken kommen, es handle sich bei Brandler um eine plötzliche Bekehrung. Aber wo ist der deutsche Kommunist, der heute noch eine andere Auffassung oertritt? Von L e o i haben wir gehört, daß nicht nur er aus den gleichen Gründen wie Brandler ein Gegner jedes Putsches ist, sondern daß auch. Rosa Luxemburg und Leo I o g i ch e s schon den Ianuarauistand von 1S19— gegen Karl Liebknecht— mit der Kraft der Verzweiflung be- kämpft hätten. Sodann traten hier im„Vorwärts" die beiden ehemaligen Führer der KAPD. in Hamburg. Laufenberg und Wolfsheim, auf den Plan, um„zur Ehrenrettung eines Toten" zu bekunden, daß auch Liebknecht ein Gegner des Januaraufstandes gewesen sei. Die beiden ehemaligen Führer der Kommunistischen Arbeiter parte! betrachten es als eine Ehrenkränkung, wenn man von einem Men». I jchen behauptet, er hätte den Januaraufstand gewollt!_, 4 Im Ernst gesprochen: Was wir hier erleben, d a s i st e i n katastrophaler Zusammenbruch aller kam- munistischen Theorien und eine über Erwar- ten rasche und vollständige Rechtfertigung der sozialdemokratischen Politik. Die kommu- nistischen Führer wagen es nicht einmal mehr, sich zu ihren früheren Irrtümern zu bekennen, sie wollen so klarsehend, wie sie es jetzt durch die bitteren Lehren der Tatsachen geworden sind, schon immer gewesen sein. Bei diesem Zusammenbruch aller deutsch-bolschewistischen Kartenhäuser versinkt sogar der Streit zwischen Rechts- und Linkskommunisten in das Nichts. Es ist wirklich nicht einzusehen, wie der Kampf der kommu- nistischen Linken gegen die Rechte wegen ihres„Opportunis- mus" weiter fortgeführt werden soll, nachdem sich nun auch Brandler als vollkommener„Opportunist" entpuppt hat. Wir können von dem Geständnis der Kommunisten, daß gewalttätige Minderheitsaktionen ein sinnloses V e r- brechen an der Arbeiterklasse selbst sind, nur mit tiefer Genugtuung Kenntnis nehmen. Aber wir müssen noch einen Schritt weitergehen und die Einsicht verlangen, daß unter solchen Umständen auch jede Fortsetzung derzer- setzenden Kämpfe in der Arbeiterbewegung ein sinnloses Verbrechen an der Arbeiterbewegung selbst ist. Wer weiß denn heute überhaupt noch, um was eigentlich ge- kämpft wird? Solange sich die Kommunisten zur Eroberung der politischen Gewalt durch Minderheiten, die Sozialdemo- traten zu demokratischen Methoden bekannten, hatte der Kampf noch einen Sinn. Seit sich selbst die Linkskommunisten durch Brandler zu der Auffassung bekannt haben, daß eine politische Partei ihre Ziele nicht früher verwirtlichen kann, als bis sie„die ungeheure Mehrheit des Volkes" für sich gewonnen hat, sind alle kommunistischen Angriffe auf die Sozialdemokratie nur noch stumpfsinniger Krakeel. Der Kommunismus hat sich als unfähig erwiesen, dem Kampf der Arbeiterklasse um ihre Befreiung neue Wege vor- zuzcichnen. Er stirbt an seiner geistigen Armut. Jetzt muß auch der letzte Arbeiter begreifen, daß es zur Eroberung der politischen Macht kein anderes Mittel gibt als das der Demo- kratie, zu dem sich die Sozialdemokratische Partei stets bekannt hat. Einstellung der Bruderkämpfe, Zusammen- schluß im Zeichen der Sozialdemokratie, um„die ungeheure Mehrheit des Volkes" für die Ziele der sozialistischen Arbeiter- bewegung zu gewinnen, ist jetzt die Losung! De? Minister aus Trotz. Wenn es noch eines Beweises für den reaktionären und arbeiterfeindlichen Charakter des gegenwärtigen Preußen- kabinetts, insbesondere aber seines Chefs, des preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald, bedurft hätte, so wurde er durch die Vorgänge erbracht, die sich gestern im Parlaments- saal wie im Ministerzimmer des Abgeordnetenhauses ab- spielten. Bei der Zähigkeit, mit der Herr Stegerwald an seinem Portefeuille klebt, erscheint es notwendig, auf seine verschiedenen, auherordenllich bemerkenswerten Aeußerungen vom gestrigen Tage nochmals zurückzukommen. Sämtliche Reden Stegerwalds werden durch die Be- mühung charakterisiert, bei den Rechtsparteien Sympathien zu erwerben, während er— insbesondere durch seine Aeußerungen zur Frage der Regierungs- Neubildung— die Linke unaufhörlich provoziert. Durch seine bewußt nationalistischen Aeußerungen gelang es ihm denn auch, in seiner gestrigen Rede den besonders stürmischen Beifall der bürgerlichen Reaktion zu erlangen. Herr Steger- wold sprach den lapidaren Satz aus:„Jchbinsozufagen M i n i st e r aus Trotz". Diese Äeußerung zeigt einmal. daß Herr Stegerwald von der UnHaltbarkeit seiner Stellung auf Grund der parlamentarisch- demokratischen Prinzipien selbst überzeugt ist, darüber hinaus aber geht aus dieser Äeußerung sein Wille hervor, ein klein wenig den Diktator von Pveußen zu spielen. Die Demokratie kennt Mini st er aus Vertrauen. Minister aus Trotz find ihr unbekannt, und sie hat verfassungsmäßige Mittel, vinzent van Gogh. Ausstellung im Kronprinzenpalais. Ein genialer Künstler, der ein notorisch Geisteskranker war.„Na< türluh ein Expressionist!" wird mancher Leser ausrufen. Aber er irrt sich: dieser seltsame holländische Maler, der zwischen zwei Tobsucht?- anfallen die wunderbarsten Meisterwerke schuf, ging mit oerzehren- der Leid«nsd?ast daraus aus, die Eindrücke der Natur, wie sein Auge und sein Gefühl sie aufnahmen, in Linien und Farben zu über- tragen. Er malte im Freien, während der Sturmwind seinen Stuhl rüttelte, oder in der Mittagshitz«, entblößten Hauptes, so daß der Brand der südsranzösischen Sonne ihm mit der Zeit alle Haare vom Kops gesengt hatte. Und«? malte stets in rasender Eile, mit vor Anstrengung kochendem Atem, da die Effekte, die er getreu wieder� zugeben sich müht«, oft nur kurze Zeit währten, und immer in einer Sitzung auf die Leinwand fixiert werden mußten. Wer auch nur ein einziges Bild von ihm gesehen hat, der kennt die seltsame, charak- teristische Pinselführung. In dicken, geraden oder gekrümmten Linien, die wie Würmer nsbeneinander oder durcheinander krabbeln, tragt er sein« Farbe auf. Mit Blau, Gelb, Grün und Rot erzielt er olle seine Effekte. Aber diese Farben erscheinen in«ine? un- «rschöpjlich reichen Rüancierung, und es ist für ein empfängliches Auge einer der größten Genüsse, diesen seinen und zarten Abwand- lungen auf der Malfläche nachzugehen. Und jeder Pinselstrich wirkt für sich, jedes der farbigen Würmer scheint zu leben und eine Seele zu haben. Und ebenso baut er feine Federzeichnungen aus Strichen und Punkten, und jeder Punkt und jeder Strich ist ein selbständiges Wejen von eigener Ausdruckskraft. Seit länger als dreißig' Iahr«n ruht Dinzent van Gogh unter der Erde. 186? wurde er in einem Dorf der niederländischen Provinz Rnrd-Brabant als Sohn eines Pfarrers geboren. Er wandte sich erst im Haag, denn in London und Paris dem Kunsthandel zu, ging 1876 ol? Schullehrer nach England, trieb im Jahre darauf in Brüssel theologisch« Studien und trat dann als predigender„Evangelist" in den Kreisen d«r belgischen Minenarbeiter auf. Von hier datieren seine ersten künstlerischen Versuche, die er dann, teils in Brüssel, teils im Hause seiner Eltern, mit großer Energie fortsetzte. 1885 besuchte er auf kurze Zeit die Antwerpener Akademie, 1886 ging er nach Pari», wo«r durck seinen Bruder, einen Kunsthändler, mit den Kreisen der Impressionisten in Berührung kommt. 1887— 89 lebte er in Arles in Südsrankreich. Dies war die Blüteperiode seines Schafsens: in den zwei Iahren entstanden mehrere hundert Bilder. Aber seine physische Kraft war bereits aufgebraucht, sein Nerven- system vollständig zerrüttet. Bei einem Besuche seines Freundes, des genialen Malers Gauguin, kam es zur Katastrophe. Eines Abends warf er im Wirtshaus dem Freund ein Glas an den Kopf. Gauguin wich aus, teilte aber am andern Morgen d'm Zerknirschten mit, daß er Arles oerlassen und den Börfoll Gogh? Bruder melden werde, von dessen Unterstützung der Moler lebte. Vinzent schwieg, aber am Abend ging er auf ossener Straß« mit einem Rasiermesser aus Gauguin los. Als auch dieser Angriff zurückgewiesen wurde, begabt sich van Gogh noch Hause, schnitt sich selber ein Ohr an der Wurzel diesen Trotz zu brechen, wenn er sich eine Rolle anmaßt, die ihm seiner Bedeutung nach nicht zukommt. Charakteristischerweise hielt es Herr Stegerwald für an- gebracht, auf die Friedensresolution vom Juli 1917 zurückzukommen. Auch hier rückte er unverkennbar von jener Aktion des Reichstages ab, die den Grundstein zu dem erst durch die Revolution geschaffenen und vollendeten parla- mentarischen System legte und damit die eigentliche Voraus- setzung für seine gegenwärtige Stellung schuf. Seine Aeuße- rung, er halte zwar an den„Grundgedanken" der Friedens- resolution fest, ober die Inszenierung sei falsch gewesen, zeigt zur Genüge, wie Stegerwald in Wirklichkeit über jene Aktion denkt. Im Verlauf seiner Rede erklärte der Ministerpräsident, er habe zur Deutschen Volkspartei keine besondere Zuneigung. Diese Erklärung wurde ihm offenbar von keiner Seite geglaubt, und charakteristischerweise erwiderte der Sprecher der Deutschen Voltspartei, Dr. v. Camp e, der so- fort nach Stegerwald das Wort ergriff, die Ausführungen des Ministerpräsidenten hätten seine politischen Freunde sympathisch berührt. Stegerwald spielte also ein wenig die Rolle der spröden Jungfrau, die ihre Liebe nicht zu erkennen geben will, aus deren Verhalten man aber auf ihre wahren Gefühle schließt. Am gleichen Tage hatte der Ministerpräsident mit einem Vertreter des„B. T." eine Unterredung. Hier wurde er deutlicher. Er kam auf die Verhandlungen mit den sozial- demokratischen Vertretern Wels, Siering und Krüger vom 11. Mai zurück und erklärte, er habe die Herren nicht im Zweifel darüber gelassen,„daß zuerst' einmal die Parteien sich über die von mir gestellten Vo.r- fragen einigen müßten". Auch hier also macht sich das Bestreben Stegerwalds bemerkbar, nicht parlamen- tarisch zu verhandeln, sondern diktatorisch zu g e- bieten. Einen wie geringen. Wert man im übrigen seiner kühlen Erklärung der Deutschen Volkspartei gegenüber beizu- legen hat, geht aus einem weiteren Satze jener Unterredung hervor, nach dem Stegerwald für eine PolitikderMitte eintritt,„die von der Deutschen Volkspartei bis zur Sozialdemokratie" reicht. Hier zeigt sich die gleiche Verkennung der politischen Situation, die Stögerwdd in seinen sämtlichen, zur Regierungsbildung von ihm vor- liegenden Aeußerungen erkennen ließ. So kann man der„Nationalliberalen Korrespondenz" nur zustimmen, wenn sie als Ideal des Ministerpräsidenten die seinerzeit von der Deutschen Volksparte': in Vorschlag gebrockte „nationale Einheitsfront" bezeichnet. Die alle Er- fahrung, daß der Trotz den Blick des Menschen trübt, be- stätigt sich auch im Falle des preußischen Ministerpräsidenten, der offenbar von seiner hohen Warte herab jedes Verständnis für die politische Situation verloren hat und eine falsche Einschätzung der Sozialdemokratie zeigt, die zwar über kurz oder lang für ihn, nicht aber für diese von katastrophalen Wirkungen begleitet sein muß. Die sozialdemo- kratische Landtagsfraktion befindet sich jedenfalls in voller Uebereinstimmung mit den Parteigenosien im Lande darüber, daß für sie in einem Kabinett neben der Deutschen Volks- Partei kein Platz ist._ öerechtigte Mahnung...... Die„Kreuzzeitung" veröffentlicht an der Spitze ihrer beutigen Morgennummer einen kurzen Artikel von Graf W e st a r p, der davor warnt, die Möglichkeiten zur Erfüllung der Wiedergutmachungsforderungen zu überschätzen. Er glaubt zwar, daß die Zablyng der ersten Milliarde zur rechten Zeit ermöglicht werden kann, erinnert aber daran, daß dann weitere Zahlungen von 890 bis 900 Millionen in jedem Vierteljahr fällig werden. Man solle sich also nicht einbilden. daß schon„alles in schönster Ordnung" sei. Der deutschnatio- nale Führer schließt mit warnend erhobenem Zeigefinger: An diesen Sachoerhalt muß erinnert werden, um einer ein» schläfernden und betäubenden Wirkung auf die ab, verband sich und lieferte das Fragment in einem Haus« der Nachbarschaft ab. Am andern Morgen fand Gauguin das Haus des Freundes von einer Volksmenge belagert, die ihn txes Mordes beschuldigte. Er ließ einen Arzt holen und reiste ob. Gogh aber begab sich in dos Irrenhaus von Artest wo er die herrlichsten Bilder malte. die sein Pinsel je hervorgebracht hat:«in Selbstporträt mit dem ver- bundenen Kopf, den Klvstergarten des Irrenhauses mit wunderbaren Blumenbeeten, kostbare Stilleben u. o. Den Rest seines Lebens»er. brach!« er dann in einer Nervenheilanstalt in Auvers an der Oife, rastlos arbeitend, bis er im Juli 1890 seinem Leben ein Ende machte. Zlls ihn der Doktor mit der KugA im Leibe fand und ihn nach der Ursache des Selbstmordes fragte, zuckte Vinzent die Achseln. Er bat dann noch eine Nacht und einen Tag gelebt, ruhig seine Pfeife rauchend Und von Kunstdinqen sprechend. Die Alisstellimg, die heute mittag im obersten Stockwerk des Kronprinzenpalais eröffnet wurde, zeigt eine Reihe der größten Meisterwerte van Goghs, darunter die berühmte„Arlesienne", den „Postbeamten" und zahlreich? Landschaftsbilder und Stilleben. Im letzten Räume sieht man seine Zeichnungen. Alles, mit wenigen Ausnahmen, stammt aus Berliner Privatbesitz. Wenn man diese Herrlichkeiten betrachtet, dann überkommt«inen das Gefühl der Trauer und der Empörung: nicht ein einziges Werk van Goghs be- sitzt die Nationalgalerie als ihr Eigentum! Und dabei wurden ihr seinerzeit nicht weniger als sechs wertvolle Gemälde als Geschenk angeboten, aber sie durste sie nicht annehmen, da Sr. Majestät diese „janze Richtung nicht paßte". Dos Kronprinzenpalais»mschließlich der van-Gogh-Räume ist Dienstags, Mittwochs und Sonntags öon 9—� Uhr unentgelt- l i ch geöffnet. Ich kann den Besuch dieser Ausstellung, die ein Kunst- ereignis allerersten Ranges bedeutet, jedem dringend empfehlen. ___ Dr. John Schikowski. Gegen die Reform der Rechtschreibung, die vom Reichsmini- sterium des Innern vyrbereitet ist und über die demnächst der Reichs- Ichulausfchuß entscheiden soll, wendet sich der Buchhändler- Börsenverein in einer an die Unterrichtsoerwaltungen der Einzelstaaten gerichteten Einaabe. Er mcint, die Reform würde die jetzige Alphabetordnung umstoßen und alle Lexika. Karteien usw. verwirren. Dadurch würden die wirtschaftlichen Bedrängnisse des Buchhandels gesteigert und eine Beunruhigung unseres ganzen Schriftwcsens hervorgerufen werden. Die diesjährige Handelshochschulkonserenz fand an den letzten drei Tagen der Psingstferien in der Berliner Handelshochschule statt. Außer einigen amtlichen Vertretern nahmen von jedem Dozenten- kollegium noch mehrere Herren teil. Den wichtigsten Gegenstand der Beratungen bildete die Frage der Angliederung der Handels- Hochschulen an Universitäten oder Tecknische Hochschulen. Die Rek- torenkonserenz ist.nach eingebenden Beratungen zu dem Beschluß aekvmmen, daß gegen jede Art der Verschmelzung einer Handels- Hochschule mit anderen Hochschulen Bedenken bestehen, wenn nicht die Erfüllung der bisherigen Aufgaben der Handelshochschule in vollem Umfange gewährleistet bleibt. Diese Aufcaben bestehen in der wissenschaftlichen Ausbildung des kausmännifchen Nachwuchses sowie der Handelslehrer: ferner in der Darbietung wirtschaftlicher Vor» öffentliche Meinung vorzubeugen, an der da» Kabinett Wirth ein Interesse haben mag, die sicher ober nicht im Jntercsie des deutschen Volkes liegt. Wir glauben nicht, daß das Kabinett Wirst) an einer Ein» schläserung der öffentlichen Meinung interessiert ist. Es muß im Gegenteil die stärkste Aufrüttelung wünschen, damit die zur Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen not- wendigen Mittel auch rechtzeitig aufgebracht werden. Graf Westarp kann mit seiner Mahnung zweierlei wollen. Entweder will er den Glauben des Auslands an die Einhal- tung der nächsten Zahlungstermine durch Deutschland er- schüttern und damit die Pfändertheorie der französischen Im- perialisten unterstützen— das wäre dann ein geradezu l a n- desoerräterisches Beginnen. Oder aber, er will daran erinnern, daß alle Volksschichten, vor allem die leistungsfähig- sten des Großgrundbesitzes und des Groß- k a p i t a l s große patriotische Opfer bringen müsien, um Deutschland vor den Folgen der Nichterfüllung zu schützen. Wir nehmen zugunsten des Grafen Westarp das letztere an und betrachten seine Ausführungen in diesem Sinne als eine berechtigte Mahnung. Sollten wir ihn falsch verstanden haben, dann kann er es ja sagen.,, Bismarck vor öem Reichsgericht. Der Streit um den dritten Band von Bismarcks„Gedanken rnib Erinnerungen" ist durch das solomonische Urteil des Kammergerichts. wonach dem Verlage Cotta der Abdruck einiger Briese erlaubt wurde, noch nicht erledigt, da sich der Colla-Berlag mit diesem Urteil begreislicherwcise nicht zufrieden gibt. Wie aus Stuttgart ge- meldet wird, wird der Berlag Cotta gegen die Entscheidung des Kammergcricht Berufung einlegen, so daß der Prozeß nunmehr in der letzten und höchsten Instanz dos Reichsgericht be» schäftigen wird._ Klassenversöhnung mit Masthinengewehren. Am Montag beging die„Tiroler Heimatwehr" einer Meldung aus München zufolge das Fest ihres einjährigen Bestehens. Zur Verschönerung der Feier war auch der Landeshauptmann der boye» rischen Einwohnerwehren Forstrat E s ch e r i ch estchienen, der, der „DAZ." zufolge, als den Sinn der Heimatwehren nicht den Klassenkampf, sondern die Klassenvcrsöhnung be- zeichnete. Ferner wird„von berufener Seite" die Meldung der„Deutschen Zeitung" dementiert, wonach Escherich von seinem Posten zurück» zutreten beabsichtige. Demgegenüber heißt es, Escherich denk« nicht daran,„in diesem kritischen Stadium von der Leitung der bayerischen Einwohnerwehr und auch der Orgesch zu- r ü ck z u t r e te n". Diese Mitteilung bestätigt unsere sofort nach Bekanntwerden der Nachricht der„Deutschen Zeitung" geäußerten Zweifel. Allerdings möchten wir fragen, welche Aufgaben Herr Escherich an der Spitze einer Organisation Zu erfüllen gedenkt, die auf Grund des angenommenen Ultimatums in wenigen Wochen a u s g e l ö st sein muß? Wir glauben nicht, daß Herr Escherich sich als„Offizier ohne Soldaten" sonderlich wohl fühlt; wenn es ihm wirtlich ehrlich um seine so oft mit verdächtigem Lärm verkündet« Vaterlandsliebe ist, so sollt« er durch sein Verhalten nicht den Zweifel erwecken, daß die Auflösung nur«ine Komödie war und daß hinter ihm noch immer eine Anzahl leitungsbedürftiger bayerischer Mannen steht. Oder will Herr Escherich als„Leiter der Einwohner- wehren a. D." auch weiterhin im Sinne einer„Älassenversöhnung" wirken, die er durch seine militärischen Spielereien mit Maschinen- gewehven und Schießprügeln so prächtig eingeleitet hat? Zreikorpswerbung auf üem Amtsgericht. Bekanntlich wurden im Amtszimmer des Schöffengerichts Potsdam von dem Iustizsekretär Oberleutnant a. D. O p p e r» mann viele Leute angeworben und nach Oberschlesien ge» schickt. Diese mußten sich dem„Verein deutschnational gesinnter Sol- baten" angliedern. Diele von ihnen sind in Gefechten mit den Polen verwundet worden. Die verwundeten Soldaten halten sich jetzt an das Werb-zbureau Oppermann. Im Laufe des gestrigen Tages kamen dies« Verletzten auf das Amtsgericht in der Lindenstroße, um lesungen und Uebungen für solche Kausleute, Beamte und Inge- nieure, die bereits im Berufsleben stehen. Gegen Arbeitsgemein- schaften mit anderen Hochschulen werden ksine Bedenken erhoben. Von den weiteren Beratungsgegenständen sind zu erwähnen die Be- dingungen für die Zulassung zum Handelshochschulstudium und die Regelung der Gebühren. Die Hochschuwertreter haben be- schlössen, einstweilen keine Erhöhung der Gebühren vorzu- schlagen. Zum nächsten Vorort der deutschen Handelshochschulen wurde an Stelle des bisherigen Vororts Berlin die Handelshochschule Mannheim gewählt. volksunkerrichi in der Budike? Wie ein hiesiges Mittagsblatt festgestellt haben will, existieren in Berlin pri»ote Dolksschul- z i r k e l, die ihre Unterrichtsräume in den Vemnszimmern einfacher Restaurationslokale unmittelbar neben dem Schanrraum haben. Ob aber ein pädagogisches Interesse vorliegt, den Kindern die Segnungen des Elementarunterrichts ausgerechnet in dem Dunst- kreise Berliner Kneipräume angedeihen zu lassen, erscheint etwas fraglich. Dielleicht tritt die Unterrichtsverwaltung der Sache näher. Zeder fein eigener Schnapsfabrikanl! Der Kommissar für die Durchführung des Alkohowerbotes im Staate Ohio tritt in seinem Jahresbericht mit per erstaunlichen Behauptung hervor, daß es jetzt statt der paar hundert Brauereien und Schnapsfabriken von früher viele Hunderttausende derartige Einrichtungen gebe. Nach der An- sicht dieses Beamten ist jeder Amerikaner heute fein eigener Schnav.s- fabritant und Brauer. Die Erhebungen der Polizei haben z. B. in Columbus City ergeben, daß eine von vier Familien durchschnittlich ihr eigenes Bier braut und daß manche Hausfrauen die Her- stellung von Schnoys in so großem Umfange betreiben, daß sie damit auch noch andere Familien und Freunde versorgen. Alle Früchte. die sich zur Herstellung berduschender Getränke eignen, werden in großen Mengen aufgekauft, und in manchen Gemeinden gibt es kein 5iaus mehr, dos nicht einen Destillationsapparat für die Herstellung von Schnaps enthält. Die Schnapsfabrik gehört für viele Ameri» kaner zum Haushalt so gut wie die Küche. Bolschewistische Münzen mit dem Zarenbildnis. In russischen Kaufmannskreisen erzählt man,' daß die Bolschewisten begonnen haben, Silbcrmünzen im Werte von je 10 000 Volichewistenrubeln zu prägen. Diese Münze soll zur Bezahlung von Bauern dienen, die sich weigern, Papiergeld anzunehmen. Da die neuen Münzen in den alten Prägestücken hergestellt werden, so werden die russischen Muschiks, abgesehen von der guten Bezahlung, auch die_ Freude hoben, auf den Geldstücken das Porträt ihres verflossenen Väterchens wiederzusehen. Tie»rftansfübrung der„Götterdämmerung-' Im Deutschen Overnbause findet am 17. Juni statt. Die mufikatische Leitung hat Eduard Möricke. Prof. dKayert der den Lehrstuhl für Geschickte der Philosophie in Heidelberg inne hatte, ist als Nachfolger de« vcrstorkeuen Geh. ZtätZ B. Er�mann nach Berlin berufeu Ivlirsen und hat die Lerujung an- genommen. hört bei dem IustizsekretZr ihre Ansprüche geltend Zn machen. Ge< meinschaftlich mit den Angeklagten, die auf ihre Termine warteten, standen die angeworbenen Soldaten aus dem Gerichts- korridor. Wir hotten Gelegenheit, einen dieser Oppermonn-Leu'e nach Verlassen des Amtsgerichts zu sprechen. Der Mann gab an, daß er augenblicklich aus R e i ch s k o st e n im Earnijonlazarelt zu Potsdam behandelt wird. Ferner erklärte der Desragle, doß der „Deutschvölkisch« Schutz- und Trutzbund" mit der de u t s ch« n S t u- dentenschaft und Tausenden von deutschnational gesinnten Sol- daten augenblicklich an der Front st ehe. Dieser Werberummcl spielt sich Tür an Tür neben dem Beratungszimmer der R i ch t e r ab! Die Schuld an den Märzunruhen. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages zur Untersuchung der Märzunruhen hielt am Dienstag ein« Sitzung ab, in der die beid«n Berichterstatter Dr. o. D r y a n de r(Dnatl.) und Dr. Liebknecht« zum obigen Termin der Möbel- auSfubikommiision die Absicht der AuSreije und ihren Voraussicht- lichen Zeitpunkt mitzuteilen haben. Eine kosispicllge Aukofahrt. Für 150 000 M. Schmuck» fachen gingen einer Dame verloren, die vorgestern um 10 Uhr vormittags vom Anhalter Bahnhof mit einer Kraftdroschke nach Zehlendorf fuhr. Dort an ihrem Ziel angelangt, trüg sie ge» meinsam mit dem Chauffeur ihr Gepäck aus dem Wagen heraus und in das Haus hinein..Plötzlich entdeckte sie zu ihrem Schrecken, daß ein kleiner schwarzer L cder k offer, der für 150 000 M. Schmucksachen verschiedener Art, Gold, Brillanten usw. enthielt, fehlte. Der Chauffeur war inzwischen schon wieder abgefahren und nicht mehr einzuholen. Di« Dame setzt apf die Wiederbeschasfung des Koffers mit dem Inhalt eine Belohnung von 5000 M. aus. Mit- teilungen nimmt die Kriminalpolizei Berlin-Zehlendorf, .Polizei-Revier 1, entgegen. Vom Krankenhaus in den Tod. Ein 19 Jahre altes Mädchen Eltriede Giäf aus Luckenwalde, da» sich einige Tage in der Uni- verntälsklinik aufgehalten halte, sprang gestern vormittag an der Lllyowbrücke in den Landwehrkanal. Leute, di� den Vorgang bemerkten, bemühten sich mit einem Rettungsboot um die Erinnkende. Es gelang ihnen auch, die Lebensmüde zu bergen, doch konnte ein Arzt nur»och den Tod feststellen. .Königlich" nennt sich immer noch das Charlottenbur- ger Standesamt II, dessen Bureau in der Lützower Straße untergebracht ist. Zwei kleine Tafeln, die an der Hauswand zu beiden Seiten der Türnische befestigt sind, zeigen noch die Inschrift „Köniql. Preuß. Standesamt". Da die Tafeln samt der Inschrift aus Eisen gegossen sind, tonn man allerdings das„Känigl." nicht so einfach austilgen wie ein paar aufgemalte Buchstoben. Längst wäre es aber ohne viel Mübe und Kosten möglich gewesen, die ganz leicht befestigten Tafeln völlig zu beseitigen und zeitgemäß umgc- änderte Inschriften an die Wand zu pinseln. Warum ist das noch nicht geschehen, obwohl nun schon über 2)4 Jahre verflossen sind, seit die aufgeblasene Herrlichkeit des preußischen Königtums zu- fommenbrach? Ein Parteigenosse, der uns auf dieses immer noch „königlich" fein wollende Standesamt aufmerksam macht, empfiehlt. es dem nach Holland ausgerissenen„königlichen" Deserteur zum Ge- brauch für feine„königlichen" Beamte» nachzuschicken.— Ein an- deres Stück hartnäckig konservativer„Koniglichkeit" erfahren wir aus dem Dorf Schwanebeck bei Buch. Uns wird der Abdruck eine» Stempels vorgelegt, der lautet:„König l. Kirche zu Schwane- b e ck. Ein Parteigenosse aus Schwanebeck versichert, daß dort dieser sonderbare Stempel noch in Gebrauch fei. Wir gestehen offen, daß selbst in den Zeiten der Königlichkeit Preußens uns von einer amtlichen„Koniglichkeit" der Kirche nichts bekannt war. Aber richtig ist, daß stets und überall die Kirche durch den Eifer, mit dem sie das Königtum stützte und schützte, tatsächlich sich den Titel«köni» lich" erdient hat. GelvsMhaftsbeVegung WaS der Rüdersdorfer Arbeiterschaft geboten wird! Am 23. Mörz gab der Schlichhmgsousschuh Graß-Berlin einen Schiedssprvch ab, der einen Aufschlag von IS Prozent auf die Grund- löhne vorsah. Diese Zulage wurde einmal mit Rücksicht auf die Rot- laae der Arbeiterschaft in der Ruderedprfer Zementindustrie begründet, weiter aber damit, daß seit September 1S2l> die Löhne nicht erhöht worden sind. Eine weitere Erhöhung sollte in der Lohnwoche beginnen, in die der 1. April fällt. Di« Arbeitgeber verweigerten die Anerkennung des Schieds fpruchs. dessen Verbindlichkeitserklärung der Herr Demobilmachungs kommiffor abzulehnen für gut befand. Seit dem 27. Mai stehen nun die Handwerker in allen Betrieben in Streik, und die Arbeiter sind ausgesperrt, so daß insgesamt 2000 Personen erwerbslos sind. Alle Bemühungen, einen Ausgleich zu finden, scheiterten an dem Wider- stand der Arbeitgeber. Am 4. Juni sollte im Reichsarbeitsministe- rium eine Einigung versucht werden. Die Arbeitgebervertreter blieben aus. Am S. Juni kamen sie und erklärten, anstatt einer Lohnerhöhung müsse eine Lohnkürzung um 10 Prozent vorgenommen werden. Die Streikenden sollen„nach Bedarf" wie- der eingestellt werden. Nebenbei soll bei dieser„günstigen Gelegen- heit" die Akkordarbeit eingeführt werden, die bisher im Rüdersdorfer Bezirk noch nie bestand. Außerdem soll eine systema- tische Ueberstundenwirtschaft eingeführt werden. Die Herren erklär- ten, ihre Lage wäre trostlos und könnten die geforderten Lohn- erhöhungen nicht bewilligen, obwohl sie Millionen Reingewinne im Jahre zu verzeichnen haben. Die Arbeitgeber müßten sich denn doch einmal die Frage vor- legen, ob sie durch derartige Provozierungen der Arbeiterschaft ihre Interessen nicht mehr schädigen als fördern. Doch das ist ihre Sache. Sache der Rüdersdorfer Arbeiterschaft wird es sein, sich gegen der- artige Unverschämtheiten energisch zu wehren, wobei sie auf die Sympathien der gesamten Arbeiterschaft rechnen dürfen. Gegen de» Lohnabbau in der Holzrahmenbranche. Die in der Holzrahmen- und Goldleistenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen waren am Dienstag zahlreich im Gewerk schaftshaus versammelt, um zu dem angedrohten Lohnabbau Stell lung zu nehmen. Beteiligt an der Angelegenheit sind die Verbände der Holzarbeiter, der Glaser, der Transportarbeiter und der Buch Kinder. Möller erstattete Bericht über den Verlaus der Verhanb lungen und gab die Lohnherabsetzungen bekannt, mit denen die Ar- beitgeber aufwarten wollen. Es handele sich— wie aus den Zahlen hervorgehe— um einen ganz gewaltigen Lohnabbau, gegen den die Arbeiterschaft sich mit aller Kraft zur Wehr setzen musie. Alle im Tarif aufgeführten Gruppen, Arbeiter wie Arbeiterinnen, würden durch die geplante Lohnherabsetzung schwer geschädigt werden. Ar beiterinnen, die bisher im Tarif als Facharbeiterinnen geführt wür den, sollen nach dem Plan als„angelernte" Arbeiterinnen geführt und ihr Stundenlohn soll von 4,6S auf 3,15 M.„abgebaut" werden. Jetzt habe die Arbeiterschaft das Wort. Auf keinen Fall werde man auf die Zumutungen der Arbeitgeber eingehen können, sondern den Kampf aufnehmen, selbst wenn dieser Monate dauern sollte. (Beifall.) Die folgende Aussprache hatte zum Ergebnis, daß sich alle Red- ner für den Kampf gegen denLohnabbau erklärten. Sobald in einem Betriebe Lohnabzüge vorgenommen werden, soll sich die Arbeiterschaft sofort an die Ortsverwaltung wenden, damit das Er- forderliche veranlaßt werden kann. Folgende Entschließung wurde einmütig angenommen: „Die heutig« Versammlung aller in der Goldleistenindustrie be- schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen weisen mit Entschiedenheit die freche Provokation der Unternehmer zurück und verpflichten sich mit allen Mitteln, da» heißt, auch durch Streik, den Lohnabbau zu verhindern."_ Einiguni, im Baugetncrbe der Provinz Sachse». Räch mehrstündigen Verhandlungen ist es Dienstag nachmittag gelungen, in dem Konflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitern im Baugewerbe der Provinz Sachsen und in Anhalt eine Einigung zu erzielen. Die Arbeiter erhalten Lohnerhöhungen von 20—30 Ps. pro Stunde. Alle Aussperrungen und Streiks werden aufgegeben. Die Arbeit soll am Donnerstag früh wieder aufgenommen werden.— Die Darstellung der„Freiheit", das Schiedsgericht sei vertagt, um erst Erhebungen zu veranstalten, ist damit gegenstandslos und der„Roten Fahne" ist ein fetter Happen ins Wasser gefallen. Tarifvertrag mit der Reichspostverwaltung. In einer Funktionärversammlung de« verlebrSbundes im Ge- werksckiasiShau» am Sonnabend berichtele Schmidt über di, Verhandlungen über die Erneuerung des Tarifvertrag«. Ein« Aenderung de» jetzt bestehenden Lohntarifs iet nickt vor- gesehen. Do» sei e» bei den Verbandlnngen möglich gewesen, für einzelne soziale,- mit dem Tarif verbundene Bestimmungen eine günstigere Gestallung für die Kollegenschaft z» erreichen. Der end- giltige Abschluß werde erst nach einigen Tagen erfolgen. Die Geltungsdauer toll für di» Zeit vom I.Juli 1021 bis 81. März lS22 festgelegt werden. Am 20. Juni wird in einer Bollvrrsammlung im GewertschaftShau« ausführlich Bericht erstattet werden. Die Elektromonteure und Helfer Graß-Berlins hotten am Dienstag eine Branchenverfammlung in der Aula des Köllnischen Gymnasiums. Man beschäftigte sich zunächst mit dem Rahmenab- kommen mit dem Verband Berliner Metallindustrieller und seiner Auslegung. Z i p p e l hielt darüber einen eingehenden informieren- den Bortrag, woran sich eine Diskussion schloß. Heber die Tarifverhandlungen mit der Organisation der Kleinunternehmer, dem Verband deutscher Elektro- i n st a ll a t i o n s f i r m e n. wurde dann vom Branchenleiter mitgeteilt: Visher handelte es sich um eine unverbindliche Aussprache zwischen der Kommission des Deutschen Metallarbeiterverbandes und der Vertretung d-ejes Unternehmeroerbandes. Hierbei wurde über eine Reihe von Tarifpunkten Einmütigkeit erzielt, während andere Punkte strittig blieben. Gegenseitiges Einverständnis wurde unter anderem erreicht über folgendes: Die Arbeitszeit soll ge. regelt werden wie in dem Rahmenabkommen mit" dem Verband Berliner Metalljndustrieller. Ueberstunden, die im allgemeinen zu vermeiden sind, sind in dringenden Fällen mit Zustimmung der Ar- beiteroertretung zulässig. Soweit möglich, muß jede lleberstunde durch Freizeit ausgeglichen werden Eine Urlaubsregekung ist vor. aejehen. Auch in der Arbcitsnachweisfrage war man sich einig. Keine Einigung tonnte bisher namentlich über die Lohnhöhe herbeigeführt werden. Die Kommission wird sich Mühe geben, die Verhandlungen zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Der Lohnkampf in der Saarindustrie. Im Saargebiet kündigten die Arbeitgeber der Hütten- i n d u st r i e den Metallarbeiterorganisotionen den Lohntaris zum 1. Juni. Der Zweck der Tarifkündigung war ein20prozentiger Lohnabbau. In Anbetracht der im Soargebiet bestehenden außerordentlichen Teuerung und des Umstandes, daß die Beschäf- tigungs- und Verdienstmöglichkeit der Hüttenbetriebe zurzeit durch- aus nicht u n t e r n o r m a l ist, oertraten die Metallarbeiterorgani sationen den Standpunkt, daß kein Lohnabbau stattfinden könne, bevor nicht die Löhne die oorkriegszeitliche Kaufkraft wieder erreicht hätten. Gerade die Saarländifche Hüttenindustrie hat gute Zeiten hinter sich. Die Dillinger Hütte konnte im letzten Geschäfts- jähr 67 Millionen Mark Reingewinn ausschütten: die Burbacher Hütte gar 37 Millionen Frank. Auch bei der Dölk linger Hütte(Gebrüder Röchling) soll die Prositrate ü b e r 6 0 M i l lionen Mark betragen haben. Dabei sind die bezahlten Löhne keineswegs glänzend. Durch den 20prozentigen Lohnabbau würden die Stundenlöhne sinken für gelernte Arbeiter auf 1,35 Fr.: für angelernte Arbeiter auf 1,20 Fr., für ungelernte Arbeiter auf 1,10 Fr. Kein Wunder, daß die Stimmung der Belegschaften äußerst erregt und die Mehrheit für sofortigen Streik war. Da sich auch die Bergarbeiter in einer Bewegung zur Ab- wehr der Lohnreduzierung von 4 Fr. pro Schicht sowie der Feierschichten befanden, drohte der Kampf sich nicht allein auf die Hüttenindustrie zu beschränken. Verhandlungen zeitigten kein anderes Ergebnis, als daß die Arbeitgeber einen st u f e n w e i s e n Lohnabbau anboten. Danach sollte am 1. Juni 5 Proz., am 1. Juli 5 Proz. und am 1. August 10 Proz. abgebaut werden. Die Frauen- und Kinderzulagen sollten dagegen erhöht werden. Während der Deutsche Metallarbeiteroerband jeden Lohnabbau ablehnte, erklärten sich die Vertreter des Christlichen Metall- arbeiterverbandes und des Hirsch-Dunckerschen Gewerkoereins mit dieser Art des Abzugs einverstanden. In verschiedenen Werken traten in den letzten Tagen die frei- organisierten Metallarbeiter in den Ausstand. Besonders auf der Völklinger, Dillinger und Hostenbacher Hütte war der Ausstand vollständig. Der Christliche Metallarbeiterverband und Hirsck-Dunckersche Gewerkverein traten für die Wiederaufnahme der Arbeit ein, so daß die Mitglieder dieser Organisationen wieder arbeiten. Zwischen Streikenden und Arbeitswilligen ereigneten sich bereits blutige Zusammen st äße, worauf französisches Militär einzelne Be- triebe besetzte._ Die Führer der englischen Bergarbeiter erklären, die Bergwerks- eigentümer haben beträchtliche Zugeständnisse gemacht, und ihre letzten Vorschläge stellen einen großen Fortschritt gegenüber allem dar, was bisher angeboten worden ist. Die gesamte Lage hat da- durch ein vollkommen anderes Gesicht erhalten, da die Bergleute nun in der Lage sind, die Arbeit wieder aufzunehmen, ohne zu be- 'ürckten, daß die Löhne unter das lebensnotwendige Niveau gesenkt werden. Der Vollzugsausschuß hat daher Vorbereitungen ge- troffen, um seinen Einfluß in der Richtung einer Verständigung ein- zusetzen. Bund der technilchsn AngcfteTItc« und Beamten. Morgen find Mitglieder- nersämmlunoen i Norden U- Lamperl« Feftiäle. Schönhauser Alle« 129. Vi, Uhr; Nordost:„Ifirei«waider Hos", Dretiewaider Str. es.?'/, Udr; Köpenick:„Bayernhof". KLlluischcr Piah, 7> � Uhr.— Donncr»log sind Milgiiederuersammlungen: Skariottendura!i: Restaurant Rnhlcnd. Saolnnoplahö, 7% Uhr; Lichtenberg:„Zur SUlte", Frontlmter Wee ZZS. 7>/, Uhr: Norden I: Brauere>ail»tck>anl O«wald Berliner, Brunnenitr IjO. 7", Uhr; Osten I;„Hychdcit.nreswuranr", Stralau er itilee 48, 7', Uhr; Südwesten:„Zur Bierglocke". Belle-Allianceftr I0S, 7>/, Uhr; Charlottendurg I:„Augusta-fiasino". Katserin-Augusta-AIIee 85, P/t Uhr. Wivtfdyaft Der Söder der Gewinnbcieiligung. Man schreibt uns: Die„Rbenania", Berein Chemischer Fabriken Aft.-Ges., Aachen, Hot wie alle chemischen Fabriken Deutschlands, sehr hohe Profite erzielen können. Nach 3 Millionen Abschreibungen gegenüber 1 Million im Vorjahre, werden 30 Proz. Dividende(im Vor- jähre 25 Proz.). jedoch auf das verdreisachle Stammaktienkapital verteilt, 8� Millionen Mark auf Werkerhaltungskonto und 1�4 Millionen Mark auf Feuerverficherunzskonto zurückgestellt. Das Stammaktienkopital soll von neuem mehr als verdoppelt wer- den. die alten Aktionäre erhallen die neuen Attien zu 107 Proz. im Verhältnis zu 1:1 angeboten. Infolge des Friedensvertrages bot Deutschland einen großen Teil der hergestellten Medikamente und insbesondere Anilinfarben der Entente zur Verfügung zu stellen. Die chemischen Fabriken haben es bisher verstanden, hierfür vom Reiche Preise zu nehmen, welche einen durchweg sehr hohen Gewinn gesichert haben. Di« chemische Fabrik„Rhenania" will, jedenfalls angesichts dieser Schröpfung der Allgemeinheit, ein übriges tun und von den neu auszugebenden Aktien etwa VA Millionen den Angestellten zur Der- füguno stellen. Wohl gemerkt: nur den Angestellten, nicht etwa der Belegschaft im ganzen.„Divide et irnpera",„teile und herrsche" ist die Porole. Die Angestellten sollen jedoch diese Aktien zu einem den Ausgabekurs für die alten Aktionäre übersteigenden „Vorzugspreis erhallen. Sie sollen auch nicht in der Lage sein, ebenso wie diese Aktionäre durch Verkauf der neuen Aktien an der Börse sich ebenfalls einen Profit zu sichern, sondern di« den Ange- stellten zur Dersüguna gestellten Attien unterliegen einer Sperrver- pflichtung, können also nicht weiterverkauft werden. Da die An- gestellten soviel übrige Mlllel nicht besitzen, um sich Aktien von 1000 M. Nennwert zu einem den Ausgabekurs übersteigenden Kurs in bar zu taufen, wird ihnen jedenfalls die Firma entgegenkommen« derweise den Betrag vorschießen und monatlich in Noten abziehen. Das Vorgehen der Firma zeugt von einer geradezu grenzenlosen Wohllätigkeit. Die Angestellten bekommen einen Hapven hingeworfen und können auf diese Weise, wenn nächstes Jahr wiederum 30 Proz. Dividende verteilt werden, ihr Jahreseinkommen je nachdem wie viele Attien st« nehmen, um 300, 600 M. usw. erhöhen, wobei natürlich die leitenden Angestellten, da sie mehr Geld übrig haben. mehr Aktien übernehmen können und dadurch gegenüber den Durch- schnittsangestellten, die überhaupt nichts übrig haben, im Borteil sind. Die Arbeiter werden zu den Angestellten infolge der„bevor. zugten" Behandlung der letzteren durch die Firma in einen Gegen» satz gebracht, und diese werden restlos an die Firma gefesselt, da sie alle einen Borschuß zur Erwerbung der Aktien aufnehmen müsien. Di- Folgerungen, die sich aus der von Stinnes propagierten Idee der Kleinaktien ergeben, zeigen sich hier bereits in Reinkultur. Hoffentlich weisen die Angestellten der„Rhenania derartige korrumpierenden Almosen mit Entrüstung zurück und setzen sich zu- sammen mit der Arbeiterschaft dieses Werkes mit größter Energie für die Abschaffung der Privatwirtschaft und die Durchführung der Ge- Meinwirtschaft ein, in welcher der einzelne Arbeitnehmer nicht mehr auf Almosen angewiesen ist. sondern sein verbürgtes Anrecht an dem Ertrag der Volkswirtschaft hat._ upl. Staatlich« Wohnung», und Sirdlnngsdau in Ostpreußen. Bis zum März dieses Jahres waren für die Provinz Ostpreußen ein» schließlich des Bezirk» Marienwerder aus Staatsmitteln 34 Millionen Mark für Landesbaudarlehen überwiesen worden. In- zwischen sind, wi« mitgeteilt wird, für den gleichen Zweck vom preußischen Bolkswohlsahrtsministerium weitere 1 0 M> l l i o n e n Mark zur B-rfügung gestellt worden. Hiervon sind 7 Millionen Mark lediglich zur Förderung landwirtschaftlicher Sied. lungsbauten in den Regierungsbezirken der alten Provinz Dsb- preußen zu verwenden, zwei Millionen 100 000 M. diesig � Un'erstützun« mehrerer größerer Wohnungsbau- und Siedlung-. Unternehmungen des Regierungsbezirks Königsberg. Sowjetrußlands zunehmender Außenhandel. Nach den in dem sowjetamtlichen Wirtschaftsorgan„Ekonomitscheskaja Shijn ver» öffentlichten Daten hat sich der Außenhandel Sowjetrußlands im Lame des April d. I. bedeutend gehoben. Das Gewicht der em- geführten Waren beträgt 2,1 Millionen Pud(1 Pud— 16,32 Sgr.) gegen 624 000 Pud im Mär, und 1,6 Millionen Pud im Februar. Die Erböhung der Einfuhr erstreckt sich auf fast all» Warengruppen außer chemischen Produkten und Papierwaren. Besonders groß ist die Einiuhr von Lebensmitteln und Produkten der Gruppe.Erze, Metalle und Metallsabrikate". Lebensmittel sind im ganzen 720 000 Pud eingeführt worden und zwar hauptsächlich Bohnen, Heringe, Reis und Saatkartosseln. In der Gruppe der Metallsabrikate, die 587 000 Pud ausmacht, fällt fast die Hälft« aus landwirtschaftlich« Moschinen und Seräte. Die Aprileinsuhr dieser Maschinen und Geräte übertrifft die Summe der entsprechenden Einfuhr für di« drei Monat« Januar, Februar und März,«n Lederfabritaten. besonders S chu h we r t, sind im Apnl 115 000 Pud, an Steinkohle 182 000 Pud. Papier 110 000 Pud, Kunstdünger V5 000 Pud und Samen 7V000 Pud eingeführt worden. Zum ersten Male nach dem Kriege wurde in diesem Berichtsmonat Baumwolle nach Rußland eingeführt._ Auch di« Ausfuhr hat im April etwas zugenommen. Ausgeführt wurden hauptsachl-ck Rohstoffe und Halbfabrikate im Gewichte von 540 000 Pud(noch nicht 9000 Tonnen. Die Art der ausgeführten Waren wird von der Sowjetrezierung nicht im einzelnen bekanntgegeben. J\m aller Welt. Großer �abritbvauV. Wandsbek. 8. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Seit Tagesanbruch steht die Kakao- und Schokoladenfabrik der G. m. b. H. Reichard t in hellen Flammen. Die Brandursache ist noch unbekannt, di« Löscharbeit in vollem Gonge. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Mehrere Personen erlitten leichtere Der- wundungen. Die Kosten der Konferenz von Spa. Im belgischen allgemeinen Etat kommt ein Posten von 910 000 Frank vor, welcher die Kosten der Konferenz von Spa darstellt, wo die ausländilchen Vertreter die Gäste der belgischen Regierung gewesen sind. Auf der Konferenz wurden allein füx 15000 Frank Zigarren geraucht.— Na, die Ver- schiebung unserer Ruhrkohle wird diese Kosten schon decken! Siranti». für Un redalt. Zell: Dr. Sinn Seifet, Tharlottenburg:(Sc Dreisen: *1. öl»rfe. Berlin. Berlaa: LorwärlS-Berlag S. m. d. H., Berlin. Druck: Bor- «SrtS-Buiddruckerei n. Berlaatanitali Bau! Singer DIE DEUTSCHE VOUKSWIKTSCHAFT Ch'ae Oinfibruna»»» Georg Sradnaute und Rod. Schmidt prei« dr«lchi,e>Il ,«d. 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