Nr.2ö�ZS.�ahrgat»g Ausgabe ßk Nr. 137 Bezugspreis» ?!eriel>ährI.Z0,— ÜJt, monatL 10,— M. frei ins Saus, voraus zahlbar. Post. bezug: Monatlich 10,— M. einschl. Zu» stellungsgebühr. Unter Kreuzband tür Deutschland, Danzig, das Saar» und Meinelaeblet, sowie die ehemals beut» scheu Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Post- bestcllungcn nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tscheche- Elowatei, Düne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Boll und Zelt", der Unter- haUungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tag, und Montags einmal, Telegramm- Adresse: »SojialBeroottal SerNa"» argen"Ansgabe Berliner Volksblntt 30 Pfennig) Anzeigenpreis» Dt« achtgespalten« illonpareMezetl» lostet SchO M. �kleine Anzeige»- da» iettgedruckte Won IchO M.(zu- lasstg zwei fettgedruckte Wortes, sede« weitere Wott I,— M. Stellengesuch, und Echlasstellenanzeigen das erst« Won U— M., lede, weuerr Won »ii Pfg. Don» über 15 Buchstaden zählen für zwei Won«. Fainilien-An- zeigen für Abonnenten gelle S/~ M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bl» 0 Ahr nachmittag» tm Hauptgeschäft. Berlin EW W, Linden. straße Z. abgegeben werden. Geäffne» von 9 Uhr früh bis S Uhr abend». Zcntratorgan der foztaldcmokratircben Partei Deutfchlands Neüaktion und Expedition: SW H8, Ändenstr. Z Nedaktion Morissplai, �ernfprerrier. Morissplnss i17S»-S4 Freitag, den 10. Juni lOAl vorwärts-verlag G.m.b.H., SW HS, Lindenstr. Z ?k«?r«»t»r«'iii»-v- Verlag. Expedition»tid Inseraten. »ycrwiyrccqcr. Abteilung M-rii-piass 11753-54 Gbersthlesiens Reiben. Die Stadt Tarnowitz ist von den Insurgenten besetzt wor- den. Der noch nicht von Polen besetzte Teil von Kattowitz wurde in der Nacht zum 7. Juni wüst beschossen. Ein Ausruf der Kattowitzer Frauen schildert die furchtbaren Folgen der schon fünf Wochen dauernden Belagerung, besonders der Wasser- und Milchsperre, für die Volksgesundheit und nament- lich für die Säuglinge. In Hindenburg lehnte der französische Kreiskontrolleur den Empfang einer Abordnung ab, die gegen die Ausladung einer Kompagnie Polen in der„neutralen" Zone protestieren wollte. Immerhin wurde ihr Versuch, in Hindenburg einzudringen, wahrscheinlich von Franzosen ver- eitelt. Mit einem Aufatmen begrüßen wir das angeblich schon erfolgte Einrücken der Engländer in Königs- Hütte und, da die Polen vor den Engländern ausreißen wie Schafleder, können wir feststellen, daß die heute gemeldete Ab- lehnung eines polnischen Waffenstillstandsangebots durch Ge- neral Henniker nicht eine Fortsetzung, sondern eher ein Ende des Blutvergießens ankündigt. Die„Times" nennt die Si- tuation in Oberschlesien operettenhaft, der Uebergang der Städte aus französischer an polnische Herrschaft bedeute Mord, Raub und Plünderung. Außer Kandrzin find der Coseler Hafen, Ujest und Sla- wentzitz vom Selbstschutz zurückerobert. Der Berliner Vertreter des Reuter-Bureaus erfährt, daß General H o e f e r dem General Hennitcr das endgültige Ver- sprechen gegeben habe, er werde nicht vorrücken. Man ist in London der Ansicht, daß dieses Versprechen die Aufgabe der alliierten Truppen bei der Wiederherstellung der Ordnung in den Jndustriegegenden sehr erleichtern wird. ver englisch-französifthe Notenwechsel. Paris. 9. Zum. sVTB.) Zm Gegeusah zu»en Morgenblättern gibt der„Xetnps" in seweni Leitartikel folgenden Per- mutungen über den Inhalt der gestern hier dnfrtrosfenen englischen Note zu der Oberschlesischen Frage und der Antwort der französischen Regierung Raum. Danach teilt das eng- tische Auswärtige Amt mit, daß es in Verlin durch Lord d'Aber- n o n habe wissen lassen, daß die Anwesenheit englischer Streitkräfte in Schlesien jeden Eingriff der Deutschen überslüs- sig mache. Andererseits oerlmge die englische Regierung, daß die Verbündeten unverzüglich strenge Maßnahmen ergrei- sen, um dem polnischen Ausstand ein Ende Z« bereiten und daß die Anweisungen an«eneral Le Rand eine fit»d ige Zusammenarbeit zwischen ihm und seinen englischen Sol- legen sicherstellen. Zn ihrer Antwort sü die französisch« Re- gierung aus, daß sie ihrerseits nie gezögert habe(?) in Ober- schlesien alle Maßnahmen zu ergreifen, die zur Wiederhersleklu� der Ordnung beitragen könnten. » Dies« letzt« Versicherung der franzäsischen Regierung wird am schlagendsten durch die Bekundung des französischen Genossen C a u s s y im„Populaire" widerlegt, über die wir bereits im gestrigen MorgenblaU berichtet haben. Auch der zweit« Artikel Caussys, der bereits auszugsweise durch WTB. übermittelt wurde, liegt jetzt im Wortlaut hier vor. Wi« uns Caussy mitteilt, ist die Angabe des Wolsfs-Telegramms, wonach er berichtet hätte, es«erde französischer- scits einem jeden empfohlen, Korsanty zu besuchen, falsch. Wir hoben uns unterdessen davon überzeugen können, daß ein solcher Satz in dem erwähnten Artikel tatsächlich nicht steht. Im übrigen sind die Enthüllungen Caussys für die französischen Militärs in Oberschlesien so belastend, daß der Pariser WTB.« Korrespondent besser getan hätte,«mstatl in seinem kurzen Tele- gramm unrichtig« Angaben zu machen, einige weitere Tatsachen in richtiger Form zu übermiteln. Wir wollen zu dem zweiten Bericht unseres französischen Genossen noch folgende» nachtragen: Der Berichterstatter stellt fest, daß die Franzosen auf der einen Seite mit den Insurgenten, die Engländer auf der ande- ren Seite mit der Orgesch(damit dürfte wohl irrtümlicherweife der S e l b st s ch u tz gemeint sein) verhandeln.„Und doch," fährt er fort,„gibt es einen Unterschied, nämlich, daß hie Fraazose« al, erste intrigiert haben, um Obeesthlesien de, Polen in die Hönde z> spielen."... Die ganze Aktion der Engländer gehe dahin, einer vollendeten Tatsache zu widerstehen und bestehe namentlich darin, die deutsche Eisenbahnverwaltung m ihrem Bestreben zu unterstützen, den Augverkehr zur Riederzwmgung der Ieisurgenten Zu hemmen. Dieses Mittel sei jedoch unwirksam, denn die Znsnrgenten erhiellen alles, was sie w««len»on Polen, dessen»renze nur nach einer bi�omatischen Fiktion«esthtoGen. in«ieAilhkeit dnrch die sraozöfisthen vehärben«bstchllsch»st«» Mloge»«erb«,.«in Offizier de» franzäsischen Stabe» in VeaGe» HM mk gigmäber zn�goben. daß. wenn man die Polen bi» ino hör; der Stab« Hab«»oedrwgen lassen. 81» zum Tor der franzäsischen Kasernen, so nur. um ihnen äen Gebrauch der Straße»»n Roßberg bi» zur»renze zu überlassen. Die ganze Aktion der Franzosen geht dahin, die vollendete Tat- fache auozubauen." In dem Eisenbahnkonfiitt zwischen der deutschen Verwaltung «nd Aorsanty habe die stanzösische Besotzungsmacht die preußische Verwaltung abgesetzt, und überall, wo es nötig sei, benähten die Znsingenten die Bahnen«nter dem Schntze französischer Posten. Co konnte ich im Bahnhof von B e u t h e n, den die polnischen Militärzüge während des ganzen Tages mit Musik durchfahren, «inen französischen Posten mit einer ausgiebigen Bewaffnung von Tanks«nä Rlaschinengewehren sehen, die aber gegen die wafsenlose deutsche Bevälkernng gerichtet waren. Caussy bestätigt aus eigener Anschauung, daß die Lebens- mitteltransport«, die Deutschland sich weigerte, abgehen zu lassen,»on den Znsnrgenten beschlagnahmt wurden. Diese Tatsache wurde übrigens von den Franzosen nicht bestritten, aber durch„Miß- Verständnisse" erklärt. Um die Zurückdrüngung der Polen durch den Selbstschutz bzw. durch die Engländer zu verhindcrn, hätten die Franzosen nicht nur die Schaffung einer deutschen Pusserzon« empfohlen, sondern sie gingen so weit, wie er in Stubendorf selbst beobachtet habe, sich zwischen Engländer und Polen dazwischenzustellen. „So stehen in jeder Hinsicht die Franzosen im Dienste der Znsnrgenten." Die Folg« davon sei übrigens, daß die polnischen Nationalisten die Franzosen zum Narren halten. In Kattowitz, wo ein verständiger französischer Kontrolloffizier, der bezeichnender- weise kein Berufsoffizier sei und der sich ausnahmsweise den polnischen Wünschen nicht füg« und die Besetzung des Bahn- Hofes nicht dulde, rächten sich die Insurgenten an der deutschen Be- oölkerung, indem sie ihr die Wasserzufuhr abschneiden!(Inzwischen ist auch der Kattowitzer Bahnhof bekanntlich befetzt worden.) Daher sei dort dos Verhältnis zwischen Polen und Franzofen gespannt und es fei sogar zu einer blutigen Schießerei zwischen beiden Par- teien gekommen. Jhriiener schlitzen Ngtibor. R atibor. 9. Juni.(WTB.) Der Magistrat der Stadt Ratibor sandte an die Interalliierte Kommission ein Telegramm, worin er fordert, daß der dauernden Beschießung Ratibors durch die Geschütze der polnischen Insurgenten sofort Einhalt getan werde. In der gestrigen Sitzung des Awolfer-Ausschusses zu Ober-Glogau ver- sprachen nach dem Hinweis des Vorsitzenden, Pfarrer Ulitzka, Generalleutnant H o e f e r und der anwesende Oberst S a l o i o n i, bei der Interalliierten Kommission vorstellig zu werden, daß dem rücksichtslosen Treiben der polnischen Insurgenten entschieden ent- gegengekreten werde. Wie der italienische Kreiskontrolleur, Major I n o r e a mitteilt, daß, falls die Stadt Ratibor weiterhin von polnischer Artillerie beschossen n>erde, die italienisch« Artillerie die polnischen Stellungen in Hohenbirken, Lubom, Siryn und anderen Orten vor Ratibor ebensalls unter Feuer nehmen würde. Die Insurgenten gaben da r a u f das Versprechen, Ratibor nicht mehr mit Artillerie zu beschießen. Anfrö««ung. Oppeln, 9. Juni.(WIB.l Amtlich. Der Kreis Rosenberg ist von polnischen Banden zum Teil geräumt worden. Die Ortschaf- ten Caselwitz, Skronskau, Ostellitz, Schönwald, Bilchdorf, Oroschau und Iastrzigowitz sind frei van Insurgenten. Bei Zembowitz in- folge polnischer Angriffe K ä m p i e. Amalienhos, Neudors und Pruskan worden durch polnische Artillerie beschossen, ebenso im Kreise Ratibor Niedane. Ein von Luckasino vorstoßender polnischer Panzerzug konnte außer Gefecht gesetzt werden. Ter Zwischenfall von Kalinow. Paris, 9. Juni.(WTB.l Botschafter Dr. Mayer hat mit dem Ministerpräsidenten, Briand den Zwischensatz besprochen, der sich am Dienstag in Oberschlesien zwischen Truppen des Generals Höfer und einer französischen Patrouille ereignet hat. Der Botschafter sprach das Bedauern seiner Regierung über den Zwischenfall aus. korflmtpbanötte« stürmen ein Ge«erksthast»hous. Folgendes Protokoll ist am 12. Mai mit einem unserer Ge- nassen in Hindenburg aufgenoinmen worden: Am 11. Mai gegen TV* Uhr abends umlagerten etwa 3v Mann dos Gewerksihaftshaus. Bor dem Haus« wurde ein Minen- werser ausgestellt, und im Garten begann die H a n d g r a n a t e n- s ch i e ß e r e i. Ungefähr 10 Mann drangen in das Gewerkfchasts- haus, umstellten die Ein- und Ausgänge, mit großem Lärm jorder- ten sie, einzeln herauszukommen, durchsuchten uns nach Waffen und wir wurden in Gruppen zu 4 gestellt. Ungefähr dreiviertel Stunden standen wir in Gruppen und noch dieser Zeit wurde alles nach dem Zechenhause geführt. In der Zeit wurden all« stark be- lästigt. Ausrufe wie„verstuchte Orgeschhanditen, olles wird heute niedergeschossen, ihr sollt erst sehen, bis ihr rauf kommt" ertönten. Sin französischer Offizier, der während der Episode herankam, sowie Broll, Zaborze, verhandelten. Im Zechenhaus« wurden alle von polnischen Apo-Beamten nochmal durchsucht, die Schriftstücke sowie Ausweis« revidiert, und die Namen notiert. 11 Mann wurden als .gefährlich" zurückgehalten. Während der Haussuchung sollte angeblich unter der Trepp« eine Pistole mit 100 Schuß gesun- den worden sein. Wer st« hingebracht hat, ist unbekannt. 6 Mann solltn heut«,«m 12. Hoi, fortgeschafft und die anderen 5 herausgelassen werden. Gewerkschaftsreise nach Oberschlefie«. Pari», 9. Juni.(WTB.) Der Kommission der Gewerkschaft- lichen Internationale, die sich nach Oberschlesien begibt, um die poli- tische Seite der schwebenden Frogen zu studieren, wird für Frank- reich u. a. auch I o u h a u x angehören. von der Justiz zur Gerechtigkeit Die deutsche Rechtspflege steht in tieferem Mißkredit denn je. Daran trägt keine sozialistische Propaganda die Schuld, sondern die Rechtsprechung der Gerichte entfaltet selber die intensivste Agitation gegen sich, eine Agitation, die nur auf solche Gemüter unwirksam ist, die nicht fähig oder nicht willens sind, Tatsachen und Urteile miteinander zu vergleichen� Die Erniedrigung der Justiz zur Dienerin rückschrittlicher Interessen liegt auf der Hand. Aber nicht alle, die diese be- klagenswerte Tatsache kritisieren, haben ein moralisches R e ch t d a z u. Im Hauptausschuß des preußischen Landtags hielt zum Iustizetat der Kommunist Käß eine Rede, aus der hervorging, daß die Kommunisten den Mißbrauch der Justiz nur verurteilen, weil s i e s e l b e r ihn n i ch t ausüben dürfen. Käß kündete ganz offen an, daß die Kommunisten, wenn sie zur Macht gelangten, ihren Gegnern alles doppelt und dreifach heimzahlen würden, daß sie die Richter ins Gefängnis sperren würden, die heute die Arbeiter einsperren, daß die Kom- munisten mit allen ihren politischen Gegnern kurzen Prozeß machen würden usw. Ja, als im Rechtsausschuß die Sozial- dentokratie sich für eine wesentliche Einschränkung der Aus- nahmejustiz einsetzte, da erklärte derselbe Katz von oben herab, die menschewistischen Politiker brauchten sich um die Opfer der Ausnachnejustiz nicht zu sorgen, die VKPD. werde in kurzer Zeit diese Opfer aus den Zuchthäusern befreien und statt dessen ihre politischen Feinde hineinsperren.(Was übri- gens die Kommunisten im Reichstag nicht gehindert hat, den sozialdemokratischen Anträgen zuzustimmen.) Mit solche» Redereien wird der Kampf um eine wirtliche Verbesserung der Rechtspflege nur auf das empfind- lichste geschädigt: denn die Anhänger der heutigen Klassenjustiz erhalten dadurch Gelegenheit, triumphierend zu oerkünden: Seht, ihr selber wollt ja nur die Justiz zum Werk- zeug eurer Polstik machen! Deshalb muß mit aller Schärfe betont werden, daß die Sozialdemokratie mit jenem kommunistischen Streben, den Mißbrauch der Justiz von rechts durch einen Mißbrauch der Justiz von links zu ersetzen, nicht das mindeste ge- m e i n s a m hat. Die Sozialdemokratie erstrebt die Befrei- ung der Rechtspflege von jedem Mißbrauch. Die kommuni- stische Anschauung, daß die Arbeiterklasse künftig genau so die Rechtspflege als vergiftete Waffe handhaben solle, wie die heutige Kapitalistenklasse, weisen wir als» n g e i st i g und kulturwidrig in jeder Beziehung zurück. Wenn die Ar- beiterklaffe nur zur Herrschaft gelange« wollte, um sämtliche Brutalitäten der früheren Herrschastsklassen n a ch z u- »hm e n, dann hörte die Arbeiterbewegung auf, ein Kampf um höhere, sittliche Kultur zu sein. Dann könnte niemand mehr mit sittlicher Begeisterung für' die Ar- beitersache kämpfen, sondern dann ließe sich die«rbeitersacbe nur noch mit jenem rein geschäftsmäßigen Interesse vertreten, mit dem etwa der Syndikus eines Hausbesitzer- Vereins die Interessen seiner Mandanten verficht. Die Kom- munisten haben vollkommen Ferdinand L a f s a l l e vergessen, der im„Arbeiterprogramm" die Bewegung der unteren Klassen deswegen pries, weil sie„ihrer Richtung nach durchaus zusammenhängt mit der Entwicklung des gesamten Volkes, mit dem Siege der Idee, mit den Fortschritten der Kultu r".- Diesen Fortschritt der 5wltur wollen wir Soziakdemo- traten. Deswegen verwerfen wir die Ersetzung der heutigen Klassenjustiz durch eine ähnliche. Unser Ziel ist die Ueber- Windung der niederen Kulturstufe der heutigen Justiz durch die höhere Kulturstufe, in der die Rechlspftege allein um des idealen Ziels der Gerechtigkeit willen da ist. Die Vorwürfe, die jüngst der Staatsanwalt(!) G y s a e in der„Deutschen Tageszeitung" erhob, die Sozialdemokratie wolle eine Rot-Iustiz,„die den Andersdenkenden um Ehre, Freiheit und Gut bringen soll, den Genossen aber auch bei Erpressung. Raub oder Meuchelmord schützt",— diese vor- würfe treffen uns nicht. Die Ueberwindung der heutigen niedrigen Kulturstufe der Justiz vollzieht sich Hand in Hand mit der Entwicklung vom Kapitalismus zum Sozialismus. Deshalb haben unser« Vertreter bei der Beratung des Justizetats im Hauptausschuß des preußischen Landtags es nicht allein bei scharfer Kritik der heutigen Rechtspfkege be- wenden lassen, sondern positive«orschläge zu ihrer Besserung gemacht. Der tendenziöse Charakter unserer Justiz beruht nicht auf moralischer Minderivertigkeit der einzelnen Richter, sondern er ist die logische und notwendige Folge der einseitigen Rekrutierung des heutigen Richter- standes aus kapitalistischen und reaktionären Kreisen. Rur diese einseitige Zusammensetzung des Richterstandes macht Ur- teile möglich, wie sie von den Genossen Heilmann. Kuttner und Dr. Rosenseld in Massen vorgetragen wurden. Nur sie erklärt es, daß beispielsweise massenweise in Hinterpommern Arbeiter, die dem Gutsbesitzer ein Schimpfwort zurufen,„im ö s f e n t- lichen Interesse" angeklagt und verurteilt werden,«äb- rend umgekehrt ein Rittergutsbesitzer, der den Gewerkichaste- sch?ktssekr<'tär des Landarbeiterverbandes beschimpfte, frei- gesprochen wurde mit der Begründung, daß die SchtaPs» worte zwar erwiesen seisn, daß so e>wa? aus dem? or!" 1 aBer üblich sei! Nur sie erZlürt es. daß der beln.dtigts Lebius, der zweimal öffentlich zur Ermordung politischer Gegner, darunter des berühmten Professor E i n si e i n, auf- gefordert hat, mit 1000 M. Geldstrafe davonkam- Nur sie erklärt es. daß die Staatsanwälte bei offenen Aufforderungen der Reaktionäre zum Ungehorsam gegen die Gesetze, bei schwe- ren Verleumdungen sozialistischer Minister durch deutschnatio- nale Blätter in Untätigkeit verharren, während aus den nichtigsten Gründen gegen die sozialistische Presse eingeschritten wird. Nur sie erklärt die Sonderbehandlung ange- klagter Hohen zollern vor Gericht: nur sie erklärt die Hartnäckigkeit, mit der heute noch Richter die Abnahme des Eides in nichtreligiöser Form trotz klarster verfassungs, mäßiger Bestimmungen verweigern. Die einseitige Zusammensetzung des Richterstandes ließe sich sür die Zukunft überwinden, wenn der Weg zum Richter- amt wirtlich allen Bevölkerungskreisen offen stände, nicht bloß wie heute jenen, die die teuren K o st e n der Ausbil» dung eines Richters tragen können. Dazu wäre die Ein- h e i t s s ch u l e mit dem Aufstieg der Begabten notwendig, ferner die Ermöglichung des weiteren Studiums für diese Be- gabten, auch wenn sie über keine Mittel verfügen. Aber selbst wenn all dies schon geschaffen wäre, würde es noch Jahrzehnte dauern, bis auf diese Weise ein neuer sozial denkender Richter- stand alis allen Bevölkerungskreisen geschaffen märe. So lange aber können wir mit der Reform der Rechtsprechung nicht warten. Deshalb haben unsere Genossen mit Unterstützung der Demokraten bei der Beratung des Iustizetate folgenden An- trog eingebracht: Der Ausschuß walle beschließen: den Herrn Iustizminister aufzufordern, einen Plön auszuarbeiten, nach dein in Abänderung de« Eerichtsoerfoffuagsgesetze, hervor- ragend befähigte und praktisch erfahrene Personen aus allen Kreisen des Aolks durch Ablegung der Gericht». assessorprüfung die vesählgung zum Rlchleramt erlangen tonnen, die nicht den bisher vorgeschriebenen Ausbildungsgang durchgemacht haben. Dieier Antrag bezweckt, daß auch Personen, die durch ihren Beruf und ihre Tätigteit in ständiger Fühlung mit der Rechtsprechung stehen, aber nicht mehr ein dreijähriges juristi- fches Studium und drei- bis vierjährige Referendarzeit auf sich nehmen können, die Fähigkeitzum Richteramt künf- tig erlangen. Namentlich wünschen wir, daß es auf diese Weise ermöglicht wird, befäfftgte Arbeitersekretärezu Boll- r i ch t e r n aufrücken zu lassen. Die zünftigen Richter werden sich zwar gegen das Eindringen dieses neues Elements mit Händen und Füßen sträuben. Aber es gibt keine andere Mög- lichkeit. der jetzigen Justiz in kürzerer Zeit chren einseitigen Charakter zu nehmen und die Rechtsprechung aus einem Privi- leg der besitzenden Klaffen in eine Einrichtung zu verwandeln, an der o l l e Bevölkeningskreife teilhoben. Erst wenn sie dies 8«worden ist, werden auch die Fehler der heutigen Recht- »rechung und wird damit das Mißtraue n. gegen die Justiz schwinden., * In der gestrigen Sitzung des Hasptau»'s chufse« de» Preußischen Landtage» wurde die Beratung de» Justiz» etat» forlgesetzt. Am Mittwoch hotte der Demfchnationale Dr. Deerbcrg die Kritik des Genossen Heitmann an der Justiz mit dem spöttischen Hinweis auf die„paar Fälle" abtun zu können geglaubt. Das oeranlaßte Genossen Ä u i t n e r, die Ausführungen Heilmanns durch weiteres umfangreiches Material zu ergänzen, wo- bei sich auch Gelegenheit fand, andere reaktionäre Au�iälle Dr. Deer- bergs, wie z. B. seinen Kampf gegen die Zulassung der Frauen zum Richterberuf, in das rechte Licht zu stellen. Genosse Kuttner erwähnte auch die Hinrichtung des Massenmörders Schumann, der nach Fällung des Todesurteils noch volle neun Monat» auf dessen Boll st reckung hat warten müssen. Der Iustizminister Am Zehnhoff suchte darzutun, daß ihn an der Aerzögerung keine Schuld treffe. Von den bürgerlichen Rednern gestand der ,Au Wasser und zu Lande.. Von Jakob A l t m e i e r. .Treuefte Pflichterfüllung in allen Dienstobliegenheiten'', da» war der Kadavergehorsam des preußischen Militarismus, der Unter- tanenverstand des DreiNassenstaates, der im guten Gewissen als sanftem Ruhekissen endete und von, Bischof Henle in die religiöse Formel gepreßt wurde:„Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben." Wenn preußische Fürsten ihren Raub in der Tasche hatten, wenn Groß« agrarier oder Schlotbarone Millionenvermögen ihren Erben hinter- ließen, herausgeschunden aus der 5)aut von armen Proletariern: wenn der Hauptmann und die Unteroffiziere die Rekruten schliffen, daß ihnen„das Kaffeewasser im Hintern kochte", wenn Liebknecht, Sült und tausend andere auf der Flucht erschosien wurden: solche Räuber, Mörder und Folterknechte bleiben nicht nur vor den Uni- verfitätsprofessoren und Richtern weiß wie schnee, nein, auch ihr eigenes Bewußtsein stratt sie nicht, denn sie glauben, ihre Pflicht getan zu haben. Ihr« Pflicht auch gegenüber der Sittlichkeit, der Menschlichkeit und der Menschheit? Derartige Begriffe hat es nie w einem Obrigkeitsstaat gegeben. Hier galt nur der Herr und der Borgesetzte. Und Immer noch war ein Größerer da, und immer noch «in Dienstülterer, und immer noch ein höherer Vorgesetzter, und der höchste war der Wesenlose, der Unsichtbare, der sich in Gestalt von Buchstaben im Exerzierreglement niedergelassen hatte. Die Allerhöchsten ober, die selbst über den Paragraphen standen, denen hotte der alte Zieten den Weg zum„Großen Alliierten" ge- wiesen, dessen pflichterfüllendes, veramwortungsloses Instrument sogar Wilhelm II. gewesen ist. Als am vergangenen Sonnabend in Leipzig der Kapitänleutnant zur See Neumann vom Gerichtspräsidenten gefragt wurde:„Haben Sie noch etwas zu Ihrer Verteidigung zu sagen?" antwortete der Angeklagte stolz:„Ich habe nur meine Pflicht getan!" Er hatte ein Lazarettschiff versenkt. Neumann erhielt ja seine Be- lehle von der Admiralität, die durch das Große Hauptguartier gedeckt war, und dieses wiederum durch eine Regierung Helfferich Beth- mann und diese durch da» Vaterland und durch Gott. Nicht allein daß Reumann seine Pflicht getan, wofür er die noch am Zioilrock sichtbaren Orden und Ehrenzeichen trug. Er hatte nach der Tat sogar ein gute» Gewissen, wie der Vorsitzende väterlich versicherte. In den Zeitungen stand damals zu lesen, wie dl« Engländer ihre Lazarettschiffe mißbrauchen, und hätten selbst die Zeitungen während des Krieges einmal gelogen— dos Vaterland— die Feinde... Der Freispruch für Neumann war sicherlich berechtigt. So oder so, wo Ludendorff frei ist und patriotisch« Reden schwingt, kann«in Kapitänleutnant»irklich nicht im Gefängnis sitzen. Was un» jedoch beschämte, war erstens die Entrüstung, mit der er die Behauptung der englischen Anklageschrift zurückwies, daß ihm ein auf seinem U-Boot Gefangener Vorwürfe über die Tat gemacht haben soll. »Ich«herhalte wich mtt keinem skriegsgciangeuen. Der Steuer« Dcn-' c t T t r k! erhebliche Mangel der Rechtsprechung zu, wsh.n'd der Poltsparttiler Dr. v. Campe den Standpunk: ver- lre.t. daß ein nach Objektivität ringender Richter gerade seine eige- neu Parteifreunde schärfer anfasien würde als seine Gegner.— So sollt« es fein, ober io ist es nicht!— Für die Sozialdemokratie ergriff dann nochmals Genosse Dr. Siegfried Rosenfeld das Wort und zeigte als Rechisbeistond des Landorbeiterverbandes an der Hand zahlreicher Fälle dos Wüten der hinterpommcrjchen Justiz gegen streikende Landarbeiter. Bon Sozialdemokraten und Demokraten wurde dann der im Leitartikel behandelte Antrag ein- gebracht. Nachdem noch für die Unabhängigen Dr. Cohn zum Wort gekommen wer, wurde die weitere Beratung auf Freitag vertagt._ die Probe aufs Exempel. Die stinnefiertc„Telegraphen-UnioN" meldet aus Ham- burr; unter der tendenziösen Ueberschrift„Französische Schikane": Vom Scefahrtsausschuß wird der Telegraphen-Union mitge- teilt: Am tz. d. M. hat der Bremer Dampfer Wigbert der Reederei 5)amburg.Bremer Afrika-Linie den Hafen von D u a l a angelaufen. Er ist am Landen und Löschen der Ladung von der französischen Behörde unter der Begründung verhindert worden, daß er die falsche Flagge führe: er müsse statt der reinen fchwarz-weiß-roten Handelsflagge die neue Hau- delsflagge führen. Der Dampfer hat den Hafen von Duala wieder verlassen müssen, obwohl er für französische Rechnung geladen hatte. Gegen das Berhalten der französischen Behörden ist for- mal garnichtseinzuwendcn. Erst kürzlich haben wir gegen den Vorsitzenden des Seemannsbundcs Paul Müller unseren Standpunkt zu dieser Frage präzisiert. Paul Müller behauptete u. a. in seiner Zuschrift an uns, die neue durch die Verfassung vorgeschriebene schwarz-rot-goldcne Flagge liefe Gefahr, vom Auslände als„Seeräuberflagge" behandelt zu werden. Schon jetzt zeigt sich, wierechtwirhattcn, als wir dieser unsinnigen Behauptung entgegentraten. Nicht die neue, sondern die alte Handelsflagge wird als„Seeräuber- flagge" behandelt. Es ist nur bedauerlich und für die deutsche Handelsmarine beschämend, daß diese erst ausgerechnet durch französische Behördelt über ihre Pflicht belehrt wer- den muhte, die Weimarer Verfassung zu achten. Escherich gegen das Reich. Seitdem die Reichsregierung in Erfüllung des angenommenen Entente-Ultimatums die Orgesch mit auf die Liste der aufzulösenden sogenannten„Selbstschutzorganisationen" gesetzt hat, wird der Kampf gegen die Reichsregierung von Bayern aus mit ganz besonderer Schärfe geführt. Um dem Wider- stände gegen die Auflösung besonderen Nachdruck zu verleihen, machte Forstrat E s ch e r i ch einem Vertreter der schwerindu- striellen Scherlpresse gegenüber Ausführungen, die sich nicht wie bisher darauf beschränken, gegen die Reichspolitik zu pro- testieren, sondern die der Reichsregierung den offenen Krieg ansagen. Escherich behauptet, die Entente besser zu kennen als die Reichsregierung— woraus man bei böswilli- ger Auslegung eigentümliche Schlüsse ziehen könnte— und b e st r e i t e t, daß der Druck der Entente so stark gewesen sei, um ihm in dieser Form nachzugeben. Ferner ist Escherich darüber empört, daß man ihm, bevor man seine Organisation auf die Auflösungsliste setzte, nicht um Erlaubnis gefragt habe und ihm auch keine Erklärung darüber abgab, weshalb sich die Reichsregicrung genötigt sähe, gerade diese Organisa- tion aufzulösen. Die Orgesch behauptete bisher, eine privateInstitu» tion„zum Schutz van Ordnung und Sicherbeit" zu sein. Hier enthüllt sich, was allen Einsichtigen schon längst klar war, daß Escherich seine Organisation als Staat im Staate ansieht, deren Wirksamkeit in der Oefsentlichkelt auch öffent- lich-rechtlich berücksichtigt und gewürdigt werden müsse. Bis- her war es nicht üblich, sich mit den privaten Leitern einer mann meines Schiffes mag es getan haben. Das war ober kein aktiver Soldat, der die Kriegsgefangenen nicht kannte wie ich." Zum zweitenmal.stieg uns die Röte ins Gesicht bei dem Gc- danken, daß der U-Boot-Führcr bei der Verhandlung nicht den Schimmer eine» Gefühls für die Opfer und 5)interbliebenen besaß. Kein Wort für die Mütter, kein Wort für die Waisen. Jeder Befehl ist für den Untergebenen bindend, sagen die Mi- litärgesetzbücher aller Staaten. Der Ausführende hat weder Prü- fungsrecht noch Prüfungspflicht. Der Vorgesetzte trägt die Ver- antwortung. Nur da» preußische Militärrecht gibt einen Zusatz. Beabsichtigt der Befehl ein Verbrechen, das von beiden Teilen vorher erkannt wurde, dann ist der Ausführende zu bestrafen. Fexierbild! Vier Jahre Massenmord ohne die Hiller und Marloh — und wo ist das Verbreche»? Die einen haben Belgier deportiert, die anderen Kranke maifa- kriert, wieder andere Frauen und Rekruten schikaniert die Lusitania torpediert, Gasbomben fabriziert und expediert und die ganz anderen haben Kinder und Greise und Schwangere blockiert, und ob Fron- zosen oder Deutsche, Russen, Engländer oder Italiener, wir alle torpediert, Gasbomben fabriziert und expediert, und die ganz anderen unsere Pflicht getan, in der Luft, zu Wasser und zu Lande. Millionen werden sie ferner erfüllen, bis wir die beste aller Dienstobliegenheiten erkannt haben: die Treue zur Menschlichkeit und zur Menschheit, die keine Vorgesetzten und keine Untergebenen kennt und die nur in dem Frieden und in der freien Arbeit jenes Gewissen verehrt, dessen einziger Richter das Glück und Wohlergehen aller Völker ist. Weiterer Ausbau der drahtlosen Musitübertragung. Nachdem am Mittwoch in der Staotsoper der erste Versuch geglückt ist, eine Berliner Opernaufführung durch Fernübertragung über einen großen Teil Mitteleuropas zu verbreiten, will man jetzt an einen weiteren Ausbau des funtentelegraphischen Verkehrs gehen. Zunächst soll die Philharmonie mit einer drahtlosen Telephon- einrichrung ausgerüstet werden, an die nicht nur Hotels und Restaurants, sondern auch Privatwohnimgen angeschlossen werden können, deren glückliche Inhaber sich diesen Luxus leisten dürfen. Es wer- den dann in Zukunft vielleicht die Bewohner von Kapstadt, New Park und Wladiwostok die Konzerte unserer Philharmonie genießen können. Die drahllose Fernübertragung der �„Madame Butterfly" hat übrigens, wie uns mitgeteilt wird, mit dem C. Lorenz- Akt.- Gest-Poulsender stattgefunden. Dieser arbeitete mit ein« Antennenleistung von ungefähr 3 Kilowatt und übertrug die Oper sicher nach Orten von über 1V Kilometer Entfernung. Die Mikrophone waren bereits vor dem Kriege in den Opernroum«ingebaut, kamen aber jetzt erst zur Anwendung. Dabei haben sich allerdings noch einige Mängel herausgestellt. Di« zarten Tön« sielen zu leise, die kräftigen zu laut aus. Es besteht aber die Hoffnung, daß es schon in einigen Wochen gelingen wird, noch dieser Richtung hin Abhilfe zu schaffen. Ein Farbenges eh. Ilm Sicherheit aus dem Gebiet« des Farben- wesens zu schaffen, streben jetzt die wirtschaftlichen Künstlerverbände oereinsrechtlichen Vereinigung von Reichs wegen in Verbiv- dung zu setzen, und nach der These des Herrn Escherich müßte der Reichskanzler etwa auch mit dem Borsitzenden eines Kriegervereins oder mit dem Bandens�hrer Hotz in Verhandlungen treten, wenn diese Aktionen unternähmen, die den Bestimmungen des Friedensvertrages zuwiderlaufen. Unter diesem Gesichtspunkt kann Escherichs Beschwerde über einen Mangel an'Loyalität seitens der Reichsregic- rung nur als D r a.i st i g k e i t sondergleichen empsun- den werden.* Zum Schluß seines Intkroiews ging Escherich zu o s f e- nen Drohringen über. Er erklärte, daß„die Herren sich auch dieses Mal verrechnen würden und daß er den zu treffenden Maßnahmen mit größter Ruhe entgegensähe". Diese Ausführungen des Mannes, der dem Reich durch seine Organisation unabsehbaren Schaden eingetragen hat. werden der Reichsregierung den Beweis erbringen, daß der Orgesch gegenüber irgendwelche Rücksichtnahme nicht o m P l a tz ist, daß ihr gegenüber vielmehr mit der gleichen Rücksichtslosigkeit verfahren werden muß, die die Orgesch bisher an den Tag legte. Die Reichsregierung kann der Ueberzeugung sein, daß sie bei einem festen und energischen Zupacken die Sympathien der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung auf ihrer Seite hat, die es endlich überdrilffig wird, sich durch eine verhältnismäßig geringfügige Organisation von Freischärlern dauernd beunruhigen und in ständigen Konflikt mit dem Ausland bringen zu lassen. München, 9. Juni.(Eigener Drahtbericht de?„Vorwärts" t Dv wegen Sprengung einer Gewerkschaftsoorstellung, Körperverletzung und Mißhandlung eines Gewerkjchaftssekretärs seit 114 Jahren von der Staatsanwaltschaft gesuchte Leutnant Brand wurde soeben nach wochenlanger Verschiebung der verschiedensten Waffen aus Bayern nach Tirol im Aufttag der Orks von der Polizei in Rosen- heim verhaftet. Er telephonierte vom Gefängnis aus das Cinwohnerwehrkommando an und verlangte, daß da» Kommando beim Justizministerium seine Freilassun? durchsetze und seiner Mittelsperson in München mitteilen solle, daß er verhaftet sei. Auf telephonische Anfrage des Rosevhetmer Polizeireferenten wurde diesem mitgeteilt, daß der gegen Brand er- lassen« Haftbefehl aufgehoben sei. Die Staatsanwaltschaft ver- füPe trotzdem die Inhaftierung�_ dauerobftruktion in Hraunschweig. In der gestrigen Sitzung der vraunschweiger Landesversamm- lung sollte darüber abgesiimmi werden, den Staatshaushaltsplan dem Fl»an zausschuh zur Vorbereitung zu überweisen. Einax Meldung des WTV. zufolge«gab sich wiederum die Veschlutzuv- sählgkell des Hauses. Der PrSsidenl schloß die Sihung mit der Mlileilung. daß der Aelteslenausfchuß beschlossen Hobe, die Sitzungen ans etwa drei Wochen zu unterbrechen. diätenabzug für Parlamentsradau. Der Geschästsordnungsausschuß des Preußlschen Landtags nahm bei der zweiten Lesung der Geschäftsordnung eine Entschließung an, welche die Aendcrung des Diälcngesetzes bezweckt. Danach soll es künftig zulässig sein, die Verletzung der Ordnung de» Hauses mit zeitweilig« Entziehung d« Diäten zu bestrafen— Die Kommunisten ergingen sich in schweren Protesten gegen.diesen. Antrag, nichtsdestoweniger sind sie es gewesen, die durch ihre systematische Parlamentssabotage— erinnert sei nur an das Triller- pfeifenkonzert nach der Aufhebung der Immunität Schalem»— und durch ihre unverhohlene Drohung, diese Sabotage mit allen Mitteln fortzusetzen, den Anstoß zu einer derartigen Bestimmung gegeben haben. Ei» varleh« für Ostpreußen. Im Hauptautschuß bei Preußüch�'n Üandiage« teilte der HandelSminisler mit, daß für Ostpreußen sofort ein unverzinsliches Darlchn von 25 Millionen Mark»ur Elektrisierung der Provinz gegeben werden müsse. Vom Reich seien 50 Millionen Mark in Aussicht gestellt. eine gesetzliche Regelung an. Die Relchsregierung zeigte sich schon vor dem Kriege der Schosfung eines solchen Gesetzes geneigt, etwa nach Art des Nahrungsmittelgesetzes, um weitere Verschlechterun? der Farben zu verhüten. Reichsrogsabgeardnete ermunterten damals die Künstler, an den Reichstag mit solchen Wünschen heran- zutreten. Das unterblieb seinerzeit infolge des Fehlens, ein« stoß- kräftigen Gesamtorganisation der KünsUerschaft. Nun, nachdem der Rcichswirtschafrsverband eine solche geschaffen hat. tonn mit bester« Aussicht auf Erfolg vorgegangen werden. Ein solches Gesetz greift weit über die Kreise der Kunst in Industrie, Handel und Gewerbe ein. Man könnte nicht etwa einfach olle unhaltbaren und unreinen Farben verbieten, weil künstlerischc Gründe dafür sprechen. Bei gewerblichen Arbeiten, die nicht lange zu dauern brauchen, kämen weniger gute, billige Farbstoffe auch weiter in Betracht. Um die verschiedenen Bedürfnisse der Der- braucherkreise auszugleichen, müßte ein Farbengesey den Weg fin- den. Eine andere Frage ist es, ob es möglich wäre, allein für dos Gebiet der Kunst gewisse«chutzbestimniunoen für Farben zu treffen. Denn hier ist der Zustand geradezu bedrohlich, der Künstler ist ganz allein voni guten Willen der Fabrikanten abhängig. Wie man weiß, ist aber auch die Farbindustrie lebhaft an der Herstellung reiner und dauerhafter Farbstoffe interessiert, wie z. B. die Aus stellung„Farbe und Mode" in der Berliner Akademie der Künste bewiesen hat. Bei beiderseitigem guten Willen dürfte die rechtliche Grundlage eines Farbengesetzes ohne allzu große Schwierigkeiten zu schaffen sein. cichlbild-Zeitungen in Moskau. Da die großen Sowjetzeitun- gen in ihren Auflagezifsern stark beschränkt worden sind, werden jetzt auf zwei der größten Plätze Moskaus abends amtliche Lich.tbild-Zeitungen demonstriert, die die wichtigsten poli- tischen Nachrichten enthalten. Geschminkte knie. Die bürgerliche Presse Europas vertündct soeben ihren Lesern und Leserinnen die ollerneueste Mode-Parole der eleganten amerikanischen Damenwelt. Sie heißt: Schminke dein Knie! Die Röcke sind Gottlob kurz genug, der obere Rand der Strümpfe wird einfach umgeschlagen, und schon bietet sich den Augen und dem Farbentopf die schönste Malflöche dar. Merkwürdig, daß man nicht schon früher darauf verfallen ist, und noch mttkwürdiger, daß man sich mit einfachem Rot- oder Weißsärben begnügen will. Wenn fromme mittelalterliche Miniaturen häufig oui gemeines Schweineleder gemalt wurden, warum soll sich distinguiertes omeri- konisches Damenleder nicht ebensogut als Malgrund für komplizierte bildliche Darstellungen eignen? Die schlanken Knie der..Girls" könnten Charakterkopfe und Stilleben zeigen, während das Beinwerk allerer gut genährter Jahrgänge genügenden Raum für stimmungs- satte Landschaften und heroische Historienbilder darbieten würde Ab« zu gleicher Zeit trifft uns die Kund«, daß die kurzen Röcke bereit» wieder au» der Mode kommen. Was nun? Der einzige Ausweg scheint uns darin zu liegen, daß man die schon betröchtig tiefen Nackenausschnitt« der Madedamen kühn entschlossen so weit hinabfüPt, bis sie einen gewissen Körperteil bloßlegen, der noch ein« viel ausgiebigere Gelegenheit für malerische Kunstüvungen bietet und in besonders günstigen Fällen ganzen Panoramen Aufnahme gewähren könnte._ Im Tbolia-Tbeater geht die Operette»Mascolkchm" am«onnobeno z'NN IM. Mole in Szene. !Tt. 269 4 ZL. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Ireitag, 10. Juni 1021 Herlins Jinanzlage. Der Stadtkämmercr gegen deutschnationalc Schwarzmalerei.— Stnrmlauf gegen die PreispriifnngOstellen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte gestern über die Bürgschaftsleistung für ein Darlehen der Volks- vühne zu beschließen. Der Deutschnationale L ü d i ck e machte den Fürsorglichen, der zur Vorsicht mahnte, damit Berlins Finanzen nicht einer Katastrophe entgegengingen. Das gab dem Stadtkämmerer Karding Veran- 'assung, einmal den schwarzmalenden Uebertrei- b u n g e n, mit denen die Deutschnationalen gegen die Finanz- Wirtschaft des jetzigen Magistrats Hetzen, scharf cntgegenzu- treten. Er widerlegte eine Reihe falscher Behauptungen, die im Landtag der dcutschnationale Abgeordnete(und Stadtver- ordnete) Pfarrer Koch aufgestellt hat, und kennzeichnete Kochs raschfertige Art, die Zahlen zu interpre- t i e r e n. Di? verlegene Antwort des Stadtverordneten Koch zeigte, wie schmerzlich er die ihm verabreichte Stäupung emp- fand. Daß die rechtsstehenden Fraktionen bei diesen An- griffen gegen das„rote Berlin" an die— Neuwahlen zur Stadtverordnetenversammlung denken, ge- stand Herr Koch schließlich selber ein. Die Mogistratsvorlage auf Uebernahme der Bürgschaft für das Darlehen der Volks- bühne wurde von den linksstehenden Fraktionen angenommen. die mit ihrem gewaltigen bureaukratischen Apparat nur noch eine ungeheure Belästigung des Publikums und des Gcwerbestandes dar- stellten.— B r o l a t(Soz.) tritt den Rednern der Rechten scharf ent- gegen und niinmt die angegriffenen Kontrollcure in Schutz. Vergeb- lich sei es, abzustreiten, daß die Preise vielfach künstlich zum Nach- teil der Konsumenten erhöht würden und daß die ganze Tätigkeit der Kartelle und Syndikate doch fast nur darauf hinauslaufe, den Einfluß von Angebot und Nachfrage illusorisch zu machen. Beim Brotgetreide drohe tatsächlich wiederum eine derartige Machen- schaft.— Pfeiffer(Komm.): Die Preisprüfungsstellen sind schließlich nicht das Mittel, die werktätige Bevölkerung vor Ueber- vorteilung zu bewahren. Nur die Kommunalisierung der Lebens- mittel kann wirklich helfen. Man hat bisher höchstens die kleinen Diebe gehängt, aber die großen laufen lassen. In dem Abbau dieser Einrichtung können wir eine Gefahr nicht entdecken. Gegen die Stimmen der Bürgerlichen wird der Antrag der De- mokraten abgelehnt. In der zweiten Losung der Satzung für die Hochbau- und Tiefbaudeputation beantragt Lüdicke(Dnat.), die Bor- läge an den Magistrat zwecks Anhörung der Bezirksbauräte zurück- zugeben bzw. Ausschußbcratung stattfinden zu lassen. Beide An- träge werden nach kurzer Erörterung abgelehnt, die Satzung an- genommen. Auch über die Borlage wegen Uebernahme der Bürgschaft für m,„„-- an i, i m.,> ein von der„B o l k s b ü h n e C. B." aufzunehmendes Darlehen von w-» teilt den Wortlaut eines Beschwerdeschrnbens g Millionen Mark muß heute eine besondere zweite Lest.ng statt- J. 5, �as Berkehrsamt gerichtet hat, weil wiederholt finde», in der Lüdicke abermals die vorgeschlagene Mahnahme Mitglieder der Versammlung auf der Straßenbahn durch Nicht-----------------------«■*.....•—..° D' /Ii*• ti» rvv Of. f..?...... f~t____ r. I � Sitzungsbericht. rcspektieicn ihrer Ausweise in eine peinliche Lage gebracht worden für höchst bedenklich und für verhängnisvoll erklärt. Tm-T r�'V" luuium Kämmerer Dr. K a r d i n g entkräftet diese Bedenken. Von einem sind. Baurat Nitz rede bemerkt, die gerügten Unzutraglichkeiten großen Risiko könne keine Rede sein. seien dadurch entstanden, daß auch die Bezirksverordneten unbe- rechtigterweise den Anspruch aus Freifahrt erhoben bötten. In einigen unklaren Köpfen unter dem 8000 Mann starken Schaffnerpersonal sei dadurch Verwirrung entstanden. Die Schaffner würden nochmals gründlich instruiert, evtl. sollten die Belästigten zur Fest- stellung des Namens des Schaffners schreiten. Im Anschluß an eine dringliche Anfrage des Stadtv. Lüdicke lDnat.) erfolgt vom Vorstehet die Mitteilung, daß der Magistrat den Entwurf eines neuen Ortsstatuts für das Kaufmanns- und Gewerbe- gericht als Dringlichkeitsvcrlage der Versammlung hat zugehen lassen. Ohne Erörterung wird diese Vorlage einem noch heute zu wählenden Ausschusse überwiesen. Ein Dringlichkeitsantrag v. E y n e r n(D.Vp.), den an den Charlottenburger Mädchenschulen beschäftigten Lehrkräften die ge- sperrten monatlichen Eehaltszuschüsse sofort und bis zum 1. Oktober weiterzuzahlen, wird zum Beschluß erhoben. Eine Anfrage der Wirtschaftlichen Vereinigung verlangt vom Magistrat Auskunft, was er zu tun gedenkt, um die in der Kriegs- zeit entstandenen und jetzt überholten Prcisprüfungsslcllen abzubauen. Ein Antrag der Demokraten ersucht den Magistrat, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden, um die Preisprüfungsstellen- Verordnung vom 25. September 1915 aufzuheben oder dahin abzn- ändern, daß Städte über 10 000 Einwohner nicht mehr verpflichtet n„ w a i-i v m--, m. s„>. find, eine solche Stelle zu unterhalten.— Die Anfrage wird von? S™?.*5 � �®ctctun9 bcr Vorlage, Größer vember als Wetterversicherer, bezog wieder 26 Wochen Krankengeld, gab dann Gastrollen bei anderen Kasten, wurde im Mai 1318 wieder von R. Dornheim bei der Mechanikerkasse gemeldet und bezog Unterstützung. Anläßlich einer von ihm gegen die ge- nannte Kasse 1320 beim Versicherungsamt anhängig gemachten Klage wegen 15 M. statt 5 M. �täglich Krankengeld brach der von Kuhlemann fein ausgeklügelte Schwindel zusammen. Kuhlemann war überhaupt nicht von Dornheim beschäftigt wor- den, sondern hatte, um die Betrügereien ausführen zu können, den Namen seines Schwagers Dornheim benutzt und alle 1315 und seit 1318 gemachten Kastenmeldungen, Geldsendungen usw. selbst mit dessen Namen(Dornheim) gezeichnet. Ebenso hat Kuhle- mann jahrelang alle von der Kasse an Dornheim gerichteten Briefe usw. stänöig in Empfang genommen. Dem Versicherungen amt und dem Gericht gab Kuhlemann an, sich 1315 in der Person Dornheims einen„Kompagnon" genommen zu haben, den er zu- fällig„am Moritzplatz" kennengelernt haben will, besten Wohnung er aber nicht zu wiflen angab, trotzdem er bei Dornheim verkehrte. Kuhlemonn hat durch die genannten gemeinen Schiebungen die Ortskrankenkaste der Mechaniker um 1650 M. geschädigt, und nur durch die Klage ist die Kasse vor noch größerem Schaden bewahrt worden. Dem Versicherungsamt schrieb der Betrüger in seiner Rechtfertigung u. a.:.... Das Verholten der„Vertrauensärzte zugunsten der Kasten" habe ich in meinem Artikel„Sozialdemo- kratische Krankenkassen— sozialistische Freiheit" tn der„Deutschen Zeitung" am 13. 6. 20 genügend beleuchtet, Penstonaten wohnte. Der junge Mann batte kein Geld, ledte aber trotzdem auf großem Fuße. Dazu derhalf ihm die Vorspiegelung, daß er schwäbischer Offizier sei. F» besseren Restaurants'machte er große Zechen, ohne bezahlen zu können. Er erzählte dann dem Oberkellner oder Geschäftsführer, daß seine reichen Eltern ihm eine größere Summe bereits geschickt hätten, daß er aber noch nicht dazu gekommen sei, daß Geld von der Post abzuholen, weil das für Ausländer immer mit Umständen verbunden sei. Die Nach- forschungen der Kriminalpolizei ergaben, daß der Schwede, ein Gunar R i n g st r ö m aus I ö n k ö p i n g, nicht Offizier ist, und daß seine Eltern, die noch in schweben wohnen, gar nicht in der Lage sind, seine Schulden zu bezahlen. Als er festgenommen werden sollte, ergab sich, daß der Lebemann aus Berlin verschwunden war. Nach einer Karte, die er geschrieben, hat er sich nach Nizza ge- wandt, wahrscheinlich um dort sein Schwindlerleben fortzusetzen. Der Gesuchte ist ein Mann von 24 Jahren, 1,74 Meter groß, mit einem mageren, pockennarbigen Geficht. imd wird dieser skandalöse und unglaublich« Vorfall auch noch nügend in der Oeffentlichkett gebrandmarkt werden, auch werden mtt dem Hintertürparagraphen der RVO., der in der„freien" und „gleichheitlichen" sozialistischen jüdischen„Regierung" zurecht gezimmert ist, auch die Rechtsparteien im Reichstag in allernächster Zeit sehr lebhaft beschäftigen..." In einem Schriftstück an den Staatsanwatt, in dem Kuhlemann sich als Obmann des Deut. scheu Herold und H a t e n k r e uz l er bezeichnet, sagt er: ..... Mag es nun Absicht sein oder nicht, die Herren Genosten machen eben olles verkehrt, sie billigen einem Sttaßenbahnfchaftner oder Müllkutscher ein größeres Gehalt zu als einem Staatsanwalt und suchen Dornheim erst, nachdem er fort ist, damit sie einem ihnen verhaßten Kastenmitglied, welches nichts mit ihrem blöden Sozialismus gemein hat, sondern mtt aller Macht an dem Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes sich beteiligt, einen Strick drehe» können..."— Der erste Zeuge, sein Schwager Dornheim. verweigerte sein Zeugnis. Nach Vernehmung der anderen Zeuge« beantragte der Staatsanwalt zwei Jahre Gefängnis. Das Gericht sprach Kuhlemann schuldig der Urkunden- f i l s ch u n g, begangen durch Annahme und Benutzung eines fal- schen Namens, sowie des Betruges, billigte ihm, da er unbestraft ist, mildernde Umstände zu und hielt, wie der Vorsitzende ausführte, für die überaus g e m e i n s ch ä d l i ch e Handlungsweise eine Strafe von acht Monaten Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre für angemessen. Betrügereien im Lebensmittelamt. Grobe Unregelmäßigkeiten bei dem Lebensmittelamt Oberschöneweide kamen in einer Verhandlung zur Sprache, die das Wuchergericht des Landgerichts II beschäftigte. Angeklagt wegen Unterschlagung und unerlaubten Handels war der Kaufmann Hugo P r a tz k e, während sich der Konditoreibesitzer Otto Jod- z e m b s k i wegen Hehlerei zu oerantworten hatte. Pratzke wurde beschuldigt, als kaufmännischer Angestellter des Lebensmittelamts Oberschöneweid« 240 Zentner Mehl und 40 Zentner Zucker unterschlagen und damit Schleichhandel getrieben zu haben. Iadzembski soll sich der Hehlerei dadurch schuldig gemacht haben, daß er von diesem Mehl 46 Zentner erworben hatte. Schon seit längerer Zett war in Oberschöneweide das Gerücht aufgetaucht. daß auf dem Lebensmittelamt allerlei Schiebungen passierten. Ins- besondere sollten einzelne Bäckermeister über die ihnen zustehende Menge Mehl erhalten haben, so daß sie hintenherum backen konnten, während anderen das Mehl mehr als genau zugeteitt wurde und jedes kleine Manko Anlaß zu allerlei Schikanen gab. Schließlich ergab eine längere Beobachtung, daß der Angeklagte Pratzke mtt dem Koaditoreibesitzer I. unter einer Decke steckte. Von Gericht bekundete der Bücherrevisor B e i st e r- Grünau, daß eine genaue Prüfung der Bücher des Lebensmittelamts ein Fehlen von 240 Zentnern Mehl und 40 Zentnern Zucker ergeben habe. Das Gericht eckanttte gegen Pratzke auf 1 Jahr Gefäug- ni» und gegen Iadzembski auf 6 Monat« Gefängnis und 5 000 M. Geldstrafe. Zchwittdelmanöver eines Schwede». Unter Hinterlassung großer Schulde» ist em junger Schwede ans Berlin verschwunden, der jett April in«ehreteu Hptels und, Eine sozialistische Kommunal-Regierung hat jetzt der Villenvorort Eichwalde bei Perlin an der Görlitzer Bahn, und zwar ist sie zu- stände gekommen mit Hilfe der bürgerlichen Parteien. Di« Ge- meindevertretung dieses Ories setzt sich zusammen aus 7 Mitgliedern der drei sozialistischen Parteien und 5 Anhängern der vereinigten Bürgerlichen. Bis vor kurzem war ein leidliches Zusammenarbeiten unter den Mitgliedern der einzelnen Parteirichtungen vorhanden. Die bisherig« für die Außenwelt vorhandene Gemeinsamkeitsarbeit hat in der am 31. Mai d. I. stattgefundenen Gemeindevertretersitzung elend Schiffbruch gelitten und durch Niederlegung der Aemter seitens der Bürgerlichen den Einwohnern Eichwaldes die verhaßte rote Regierung verschafft. Der Anlaß war der folgende: Der bis- herige Gemeindevorsteher hat infolge anderweitiger Wahl sein Amt niedergelegt. Den vereinigten sozialistischen Parteien war es ge- lungen, einen in jeder Beziehung einwandfreien Nachfolger zu fin- den, der nicht nur die Eigenschaften einer sehr guten Allgemeinbildung besitzt, sondern auch seit Jahren Kommunalbeamter ist, der von der Pik« auf gedient hat und seit einigen Iahren bereits Gemeindevor- steher in einem anderen Berliner Vorort war. Allerdings hat er im Sinne der Bürgerlichen den einen großen Fehler an sich, daß er der alten Sozialdemokratischen Partei angehört. Mir allen möglichen und unmöglichen Einwendungen versnchlen deshalb die Burger- lichen, die Wahl des von den vereinigten sozialistischen Parteien prä- sentierten Kandidaten zn hintertreiben, und zwar wurde der Bor- chlag gemacht, den dienstältesten Schöffen bis zur allgemeinen Neu- wähl der Gememdevertretung, welche nach Ansicht dieser Herren auf Grund der neuen Landgemeindeordnung bereits in allernächster Zell fiattfinden soll, interimistisch mit der Fortführung der Gemeindevor- tehergeschäfte zu betrauen. Dieser Herr, ein Mitglied der Deutschen Volkspartei, ist zwar ein durchaus ehrenwerter Mann, jedoch infolge eines Alters absolut zur Führung der Gemeindevorstehergeschäfte ungeeignet. Die Gemeinde Eichwalde benötigt jedoch unbedingt eine ünger«, ftischere Kraft. Der Grund der Bürgerlichen zu ihren Vor- chlägen war klar: sie wollen lediglich deshalb gegenwärtlg die Ge- memdevorftehergefchäfte durch ihren Schöfien interimistisch verwalten lasten, weil sie die Hoffnung haben, bei der kommenden Neuwahl der Gemeindevertretung die Mehrheit zu erlangen, um' alsdann un- geniert ihren Gemeindevorsteherlandidaten. den ste schon seit vielen Monaten bereithalten, aus den Schild zu erheben. Nachdem die Bürgerlichen aber sahen, daß ihre Intrigen von den Sozialisten durchschaut wurden, verliehen ste den Sitzungssaal und überließen hiermit der sozialistischen Mehrheit Eichwaldes die Verwaltung des Ortes. Do die letztere während ihrer mehrjährigen Tätigkett in der Verwaltung wiederholt den Beweis erbrachte, daß ste für das Wohl der Allgemeinheit einttitt, so dürfte durch die Handlungsweste der Bürgerlichen für die Gemeinde Eichwalde nicht der geringste Nachteil entstehen. Die Vermittlungsstelle für Schwerbeschädigte Berlin hat die Aufgabe, die nach§ 11 des Schwerbeschädigtengesetzes gewählten Ver- trauensleute mit den Gesetzesbestimmungen vertraut zu machen. Sie ladet deshalb alle auf Grund dieses Paragraphen gewählten Ver- trauensleute der Schwerbeschädigten zu einem Bor trag über die neue Verordnung vom 28. April 1321 für Montag, den 13. Juni, nachmittags 7 Uhr, in den Bürgersaal des Rathauses, Spandau«:.Straße, ein und bittet um rege Beteiligung. weitere Flußbädereröfiauogen. Gestern stt die Flußbadeanstalt in der Fruchtftraß« dem Verkehr übergeben worden, und heute nachmittag soll die Flußbadeanstall an der Lessingbrücke folgen. Badezeiten: nur an den Wochentagen von 12— 7 Uhr nachmittags. Preis des Bades für Erwachsene 40 Pf. und für Kinder 20 Pf. Die Todesfälle beim Baden häufen sich weiter in erschreckender Weise. Am Turnplatz an der Köpenicker Straße in Oberschöne weide landete man gestern die Leiche eines etwa 25 Jahre alten Mannes, die nur mtt einem Badetrikot bekleidet war. Der Unbekannte hat starkes blondes Haar. Besonders ausfällig sind eine Rarbe auf dem linken Handrücken und der fehlende klein« Finger an der linken Hand.— Der Istjährige Leljrttng Erwin Langer ertrank beim Segeln zwischen Tegelort und der Insel Scharfenberg im Tegeler See, nachdem das Boot gekentert wor. Seine Leiche konnte erst nach mehreren Stunden geborgen werden. — Beim Baden in der Spree zwischen Karolinenhof und Schmöckwitz ertrank gestern der berufslos« 2vjB»rige Willi Glaser-Nickler at» Cichwakde. Ewukfiousmilch im freien Handel gelangt jetzt zum Preis« von 4 M. pro Liter zur Ausgab«. Reunbahujonderzüge der Straßenbahn. Am Freitag, den 10. Juni, und M o n t a g, den 13. Juni, verkehren nach der Ren n- bahn Ruhleben folgende Straßenbahnsonderzüge: 1, Ab Alexanderplatz 1,10, 1,30, 1,50 über Spittelmarkt. Potsdamer Platz, Lützowplatz, Zoologischer Garten, Knie:— 2. Ab Hallesches Tor 1,45 über Porckstraße, Bülowstraße, Nollendorfplatz, Wittenbergplatz, Zoologischer Garten, Knie:— 3. Ab Eisen acher. Ecke Haupt st raß« 2,00 über Winterfeldtplatz, Nollendorfplatz, Witten- öergplag, Zoologiichet Garten, Knie:— 4. Ab Charlottenburg, Knie 1,00, IM 1,40. Fahrpreis 5 M.. für die Teilstrecke Zoologi» scher Garten— Ruhleben 3 M. Die erste Generalprobe der Jugeub-Kreilichtbiihueu auf den Außenspielplätzen der Stadt Berlin l Direktion Hans Bohmhardt) findet statt am Sonnabend, den 11. Juni, nachmittags 5 Uhr, aus dem Spielplatz Blankenfelde II. ES werden gelpielt:.Lügenmäulchen und Babrheitsi mündchen', Märchen in drei Bildern von Görner, und dann Kasperl- komödien von Franz Poect. Für Fabrgelegenheit der Kinder von der End- hallestelle der Straßenbahn in Nordend nach dem Spielplatz Blanken« felde II ist gesorgt. Das Kabarett Schall und Rauch wartet mit eine« abwechslunzZ- reichen Programm aus. Max Laurence. wohlbetanut vom Trianon-Theoter, stellt als liebenswürdiger Conferencier die Brücke zu den einzelnen Darbietungen her und trägt durch selbstverfaßte Borttäge auch zur Unter- Haltung bei. Ein sogenanntes Nunderkmd scheint der achtjährige Kurt Eric zu fem, der zur Klavierbegleitung die 2. Rhapsodie 8. Liszt sowie einen Marsch meifterhost aus dem Xylophon vorträgt. Herta Löwe bringt mit einer kleinen, aber sehr sympathischen Stimme geschmackoolle Lieder zu Gehör. Such der Tanz kommt zu seinem Recht durch da« Tänzerpaar Bittor Hardy und Wem Meron sowie die spanische Tänzerw La Suella. Erwähnt seien außerdem Pank Echeldon als routinierter Zauberkünstler und der Däne Henry Lorenzen, der einzelne Berlwer Charaktertypen treffend pantomimisch wiedergibt. Zum Schluß interessiert Paul Slemitz wiederum als gewandter Stegreisdichter und witziger Plauderer. Bau den Geheimnisteu des Meeres erzählt ein Bortrag, den in der Treptow-Sternwarte der Kustos am Institut für Meeres- künde. Pros. Dr. Ludwig Brühl, a« Mittwoch zum ersten Male hielt. Der Vortragstitel„Licht und Finsternis im Meere' erschöpft bei weitem nicht das, was Brühl in seine» gemeinverftän blichen, durch zahl- reiche Lichtbilder unterstützten Darlegungen bietet. Lehrreich und s-ffelnd find vor allem auch dt« Anblicke in das Leben der seltsame» Tier- aäi. die das Meer und seine Tiefen bevölkert und sich den gegebenen Lebensbedingungen angepaßt hat. Die Ergebnisse der Tiesseeforlchung. die uns da vorgelegt werde», find ei» ehrendes Zeugnis sür den emstg-.u Fleiß mtd bttvulldernsgssllröig»«H-'-ff»> des Forschers. Zilmschau. .Memoire« eines Kammerdieners- nach dem bekannte» üaaaa vo» Eugen Sue wurde verfilmt mit nicht allzuglücklichen Mitteln in de» Oswald-Licht spielen, Kantstraße, aufgefuhtt. In 7 Akte» rollt dieses dickleibige Buch, das an und sür sich schon eine Hintertreppenlettür« von noch nicht einmal unterhaltsamer Art darstellt, m breit ausgesponneneu Bildern ab. DaS Ganze ist unklar und nur bei größter Aufmerksamkell oerftändlich. wozu der ins Ungeheuere gesteigerte, sortlousende Text das seinige bellrägt. Unwahrscheinlich wirkte die Sache besonders, well man sie in modernen Kostümen spielt, wodurch die Historie den geringen Reiz ganz einbüßt, den sie vielleicht in Kostümen ihrer Zell behalten hätte. Vroß-Serliner Parteinachrichten. heute. Areitag. den 10. Zrntl: Zvnzsozialifte».unkt Sonnabend SM Porsd. Ferndhf.— ckharlottenbnrg: Plessower See, Ahf. Sonntag SM Potsd. Bahnhof. Sriefkasten öer Reöaktioa. Die juristische Sprechstund« findet heute nicht von Z bi» S Uhr statt, sondern von y25 bis 6 Uhr. «Un Ge»oN«. X. Etwa 150 M. 2. Gitunbuxh von fteti u. tBiafw_ 3L 100» Äa, fotem oU 1200 B eitragswoch e» iwuitji.— «4� «.«. 566. Darüber bestehen keinerlei Borschristen.— v, 2. Erheben Sie»läge aus Herstellung„JWW�W�WWWWWWW anwalr. Etwa 1000 M.— A. K. oi» die Reute wall« hti der der ehtticksni Gemeinsch« utT&at «varlaffe«n. Dt». Pfre«-eitern Hab«» iSnm Anspruch daran». Sie Otmar allerdings die weUero Berpflegunz drs»ftrdcs pon der AhfLhrftnz der Rwir an 6i Mausig mach-n. WLrtfchcrst Wirkungen öer Sanktionen in der Pfalz. Den PPN. gehen folgende Auslassungen des Reichstagsabgeord- neten Genossen H. H o f f m a n n- Ludwigshafen zu: Durch Abtrennung Elsaß-Lothringens vom Deutschen Reiche so- wie durch Bildung eines neuen neutralen Saarsiaales wurde die Pfalz nicht nur politisch, fondern auch wirtschaftlich eingekeilt und durch(Errichtung der beiden Zollgrenzen im Süden und Westen in ihrem Wirtschaftsleben außerordentlich beengt und geschädigt. Die Durchsührung der sogenannten Sanktionen mit einer Rheinzoll- linie hat die Atemnot des pfälzischen Wirtschaftslebens noch erhöht. Wie ein Alpdruck lastet di-se Abschnürung vom rechtsrheinischen Deutschland auf der pfälzischen Bevölkerung. Die pfälzische Industrie war bisher schon bei Bezug von Rohstoffen und Halbfabrikaten zum größten Teil auf das rechtsrheinische Deutschland angewiesen. Durch die neue Zollbelastung am Rhein, wie durch die hemmenden Umständ- lichkeiien und Verzögerungen bei Bewilligung von Ein- und Aus- rühr, sowie ferner durch die höheren Arbeitslöhne im besetzten Ge- biet ist die pfälzische Industrie der rechtsrheinischen gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig. Einstellung zahlreicher Be- triebe und dadurch erzwungene Arbeitslosigkeit werden in Bälde die verhängnisvollen Folgen fein, zumal sich die Aufträge vom rechtsrhemischen Deutschland und vom Auslande infolge der oer- leuernden Wirkungen der Sanktionen wesentlich verringert haben. Tabak-, Zündholz- und Brauindustrie sind durch den Zoll der Rhein- linie am meisten belastet. Sie können nur noch linksrheinisch Absatz finden. Der pfälzische Weinbau und Weinhandel, welche im Wirtschaftsleben der Pfalz einen bedeutenden Faktor bilden, werden durch die sogenannten Sanktionen in ihrem Lebensnerv ge- troffen. Schon jetzt schätzt man die V e r l u st e, welche dem pfälzi- schen Weinhandel infolge der durch die Rheinlandskommission an- geordneten Einfuhrerleichterungen für ausländische Weine er- wachsen, auf Millionen Mark. So sind z. B. am 12. Mai in Ems allein an einem Dorniittag für etwa eine Viertel Milliarde Mark Einfuhrbewilligungen monatlich für Weine und Spirituosen erteilt worden. Die vom 30. April ab eingeführte Verzollung verursacht beim Eisenbahnverkehr schädlich wirkende Verkehrssperren, die durch die am 10. Mai in Kraft getretenen Ein- und Ausfuhrverbote ver- mehrt werden. Was Verkehrshinderungen in der jetzigen heißen Jahr es zeit in bezug auf Warenverderb bedeuten, weiß jedermann, abgesehen von verteuernder Neubelastung durch Standgeld für Eisenbahnwagen. Die pfälzischen Zollämter sind bei der Besetzung des links- rheinischen Gebietes sehr schwach mit Personal besetzt, weil ein er- heblicher Teil der aus rechtsrheinisch Bayern stammenden Beamten teils auf eigenes Verlangen, teils auch unfreiwilligerweise nach Bayern zurückkehrte, ohne daß entsprechender Ersatz dafür eingestellt werden konnte. Infolgedesien sind die Zollämter den durch die Sanktionen erHöhlen Anforderungen nicht gewachsen. Der Postverkehr wird zurzeit mit einer Mark pro Paket be- lastet. Dabei mag als Kuriosum festgestellt werden, daß auch die R e i ch s d r g ck s a ch c n. die der Abgeordnete zur Ausübung feines Mandates doch unbedingt benötigt, mit solcher statistischen Gebühr belastet werden. In der Pfalz sehnt man sich in allen Kreisen der Bevölkerung nach dem Tag, an dem das Wirtschaftsleben von den Fesseln der Sanktionen befreit wird, zumal nach Annohme des Ultimatums, wo jeder Vorwand für sie hinfällig geworden ist. Rekordausschüktungen. Nicht weniger als 120 Proz. des Aktienkovitals schenkt das Elektrounternehmen F. W. Busch A.-G. in Lüdenscheid seinen Aktionären. ES schüttet dabei die relativ geringe Dividende von 20 Proz. auS und gibt dazu 1 800 000 M. den Aktionären, damit diese sich die bei einer neuen Äapitalerhöbung lum 3.3 Millionen Mark) zu billigem Kurse entstehenden neuen Aktien kaufen können.- Die Maschinenbau-A.-G. vormol-S Beck u. Henkel verteilt aui ähnliche Weise 100 Proz., indem sie 25 Proz. Dividende gewährt und 76 Proz. deS Aktienkapitals den Aktionären zur Einzahlung auf neue Aktien zur Verfügung stellt. In beiden Fällen werden Rekorddividenden erzielt, die sich im Berbältnis zur Finanznot des Reiches mehr als merkwürdig ausnehmen. Tie Kapitalverdoppelungen der beiden Gesellschaften sind in Wirklichkeit Kapiralverwässerungen, die nur den Zweck verfolgen, den Dividendensatz niedrig zu halten und so die Körperschafts st euer zu umgehen. Das in Zukunft iflimöglich zu machen, wird eine wichtige Aufgabe der Steuer- gesetzgebung sein. Am wirksamsten ist daS nur denkbar durch eine Beteiligung des Reiches am Industriekapital, die zugleich eine Kontrolle der tatsächlichen, nicht nur der dividendenmäßigen Gewinns ermöglicht._ Gegen die Kapitalflucht durch Warenausfuhr wendet sich ein Antrag der sreigewerkschaftlichen Angestelltenvertreter im Reichs- wirtschaftSrat Schweitzer und Marx, der vom finanzpolitischen Ausschuß angenommen wurde. Bekanntlich wurden im letzten Jahre vielfach Waren ausgeführt, deren Kaufpreis nicht nach Deutschland hereinkam. Der Gegenwert wurde der erportierenden Firma im Ausland gutgeschrieben. So sammelten sich im Ausland deutsche Vermögen, die dem steuerlichen Zugriff entgingen und die der deutschen Volkswirtschaft nicht zugute kamen. Die Dresdner Bank verzeichnete allein in ihrem Geschäftsbericht 4,8 Milliarden Mark ausländische Guthaben, von denen ein wesentlicher Teil auf diese Weise entstanden sein dürfte. Andere Banken schweigen sich vorsichtshalber über solche Konten aus. Der erwähnte Antrag fordert nun den vorl. Reichswirtschaftsrat auf, die Reichsregierung zu'eriuchen, an einen Ausbau der Außenhandels st atiftik mit dem Ziele heranzutreten, daß ein genauer Nachweis über den Wert und den Verbleib deutscher Forderungen an da? Ausland vorhanden ist. Die deutsch« Sohlenkrise. Die durch unsere Ententelieserungen, den Fortfall der Ueberschichten im Ruhrbezirk und insbesondere durch da» Ausbleiben aller Sendungen aus Ober- s ch l e s i e n immer schwieriger werdende Sieinkohlenlag« zwang den Reichskohlenkommissor, das den Hüttenzechen zu- stehende Brandstoffkontingent um 10 Proz. herabzusetzen. Allein durch den Ausfall der Sendungen aus Oberschlesien wird die dem übrigen deutschen Markt zur Verfügung stehende Kohlen- menge um arbeitstäglich 45000 bis 50 000 Tonnen verkürzt. können wir zahlen? In der..Glocke" rechnet Parvus aus, daß Deutschland vi r dem Kriege für die R ü st u n g e n jährlich nahezu 2000 Millionen Goldmark ausgegeben hat. Jetzt geben wir dafür 273 Millionen Goldmark aus und dabei könnte an der Reichswehr noch viel gespart werden. Allein durch die Entwaffnung können wir mindestens zwei Milliarden Goldmark im Jahr gewinnen. Die Zahlung der Reparationen, die etwa 3— S'/j Milliarden Goldmark im Jahre betragen, müssen und werden danach möglich sein, sobald die deutsche Wirtschaft sich von den Kriegsfolgen erholt hat. Voraussetzung ist freilich dafür auch, daß das Ausland seinen Markt nicht durch Zölle gegen deutsche Waren sperrt. Bis dahin muß die Regierung aber den Mut haben. die Besitzer der Goldwerte, deren Vermögen durch den Sturz der deutschen Valuta in keiner Weise beeinträchtigt worden ist, ge- hörig zur Tragung der Lasten heranzuziehen. Die Kohlenförderung des Ruhrbeckens(einschließlich der links- rheinischen Zechen) ist im Monat Mai nach vorläufigen täglichen Anschreibiingen auf 7,05 Millionen Tonnen(in 231-) Arbeitstagen) zu veranschlagen: im April 1921 belief sich die Förderung aui 7,89 Millionen Tonnen(in 28 Arbeitstagen). Die arbeitstägliche Förderung wird sich mit rund 303 200 Tonnen voraussichtlich un- gefähr auf der gleichen Höhe halten wie im Monat April(3 033 850 Tonnen). Starke Zunahme des deutsch-französifchen Handels. Die letzte französische Handelsstafistik läßt für das erste Vierteljahr des Jahres 1921 gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres eine deutliche Steigerung des deutsch-französifchen Handelsverkehrs erkennen. Die Ausfuhr von Deutichland nach Frankreich, die im ersten Vierteljahr 1920 393 883 000 Fr. betrogen batte, stieg in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres auf 818 940000 Fr. Umgekehrt wies auch die französische Aussubr nack Deutschland eine Wertzunahme von 298 709 000 auf 630 070 000 Frank auf. Ms öer Partei. 19 094 Reuaufnahmen. Die Bezirksorganisation Hamburg- Nordwest kann 7849 Neuausnahmen ohne die Uebertritte aus den Reihen der USP. und KPD. registrieren. In diesem Jahre sind im Bezirk insgesamt 19094 Neuaufnahmen zu ver- zeichnen. In dieser Zahl ist das gesamte Ergebnis der Werbewoche nicht einbegriffen. Nach den umgesetzten Beitragsmarken zählt der Bezirk 99 040 oollzahlende Mitglieder. M W ttl Ml flftkl MW? Der moderne Grudeherd mit patentiertem Well« siebe nach Riesche! stellt im Gegensatz zu den alten Grudekästen eine finnreich konstruierte Maschine dar. die wie das Herz stets ohne Unterlaß Tag und Nacht arbeitet: in gewissem Sinne ein perpetuum mobile. See brät, backt, kocht, heizt und stellt warme«, heißes und kochendes Wafier stets zur Verfügung. Was diese? ober in der jetzigen Zeit der Kohlenmisere, der Gassperre und der Streik- gefahr für HauS und Familie und gewisse Berufe bedeutet, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Dieser Herd erfordert zu seiner Wartung und Pflege nur geringe Intelligenz und noch weniger Kraft. Er wird zudem mit einem billigen Heizmaterial, sogenanntem Grudekoks, einem Abfallprodukte der Braunkohle, der früher meist achtlos fortgeworfen wurde, in Betrieb gehalten, der auch den hygienischen Anforderungen durchaus entspricht. Aber nicht nur daS l Der Herd ist auch ein treuer Diener der modernen Hygiene insofern, als er in stets williger Weife durch daS beständig vorhandene warme und heiße Wasser die Handhaben für Sauberkeit und Reinlichkeit abgibt. Der von den Alten geprägte Say.Das Wasser ist da» Beste' kommt im Riesche!- Herd für die Gesundheitslehre zur vollen Geltung. Infolge der ununterbrochenen Betriebsfäbigkeit des HerdeS hat besonders der Arzt leichte? Spiel bei seinen Verordnungen in der Säuglings- und Kranken- pflege. Man denke an die Bäder und an die mannig- fachen warmen und heißen Umschläge. Nicht minder aber leistet der Herd zweckmäßige Dienste bei der Sterilisation der Instrumente und Verbandsstoffe: ganz besonders treten dieselben auch in Erscheinung auf dem Lande, wo der Arzt gezwungen ist, auf dem Gebiete der Chirurgie und Geburtshilfe rasch einzugreifen. Auch da, wo der Arzt bei magendarm- schwachen und heruntergekommenen Kranken auf leicht verdauliche, gut zubereitete Speisen bedach sein muß. findet er im Rieschel-Herd einen stet« bereiten Helfer. Nach allen diesen Vorzügen kann man mit Recht behaupten, daß der Rieschel-Grudeherd die soziale Oekonomie und Hygiene vorwärts bringt. Wie man früher den Kulturzustand eines Volke» nach dem Verbrauch an Seife beurteilte, kann man jetzt weiter gehen und ihn nach der Verwendung eine» modernen.Riefchel") einschätzen. Leipzig. Februar 1921. vr. med. Th. H. *) Allemiger Hersteller: Deutsche Patent-chrudeofen-Fskuri Galter Riesche!& To. m. ti. H., Niederlage Herliri C. 19, Zerusalemer Straße 15. üeitssher«ttsllarbsltinert. Lerwaltuugistclle Berlin. Den Kollegen zur Nach- -icht, daß unsere ttolleain. die Ardeüerin>91/15 Marie Jung Falckensteinftr. 9 am 7. Juni gestorben ist. Ehr« ihrem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, lt. Zunt. nachmLUhr, von derLeichen» Halle des Friedhofes in Saumschulenweg au« statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung, «rilolurnorsobstt Berlin Bezirk Neukölln Wen Mitgliedern die rrauriae Nachricht, daß unser Turngenosse WU Hasselhuhn verstorben ist. Durch sein Leiden am Turnen ver» dinderr,war er doch� stets eiu Freund unserer freien Turn- fache. Wir werben selner immer ehrend gedenken Die Beerdigung findet Sonnabend 8V» Uhr von der Leichenhalle des Jakodi- kirchhofes. Neukölln, Her- mannstraße, aus statt. Rege Beteiliaung erwartet Z5lSb ver vorstand. 2x2-5 ist genau so falsch, wie der Gebrauch von schlechter Wassercreme für Ihre teuren Schuhe! Das Leder wird brüchig, grau, die Kleidersäume und hellen Strümpfe werden beschmutzt, insbeso»- dere bei Regenwetter. Der beste, der reine Terpentinöl-Schuhputz Nigrin ist die einzige Garantie für langes Leben Ihrer Schuhe. toi(Btnlnct, Deaol Betlln 5 42. Mmfn M. Seit 703atiren| ist San.-Rat f Dr. Strahls I d. Hautausschlar, Flech- 1 ;en, Bein» u. Krampf- j aderpeschwOren, Frost- 1 schaden, Hämorrhoiden 1 ein bestbewährtes undl schnellheilendes Mittel. I Orgt- Dose 6.25 U.12.00M. I • Leipziger Str. 7« M Oönhoffpl.l Spezial»Arzt r.Scotti, Rosentbalerst. 69-70 r alle Geschlechts-. Haut-, arn-, Frauenleid. Syphilis-, ilvarsan«Kuren- Blutunicrs. amen separat. 10—1- 5—7. 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Aber man weiß längst, daß m'ä ch t i g e K a p i- talinteressen von Ententebürgern von der Wiederein- sctzung der Habsburger, zunächst in Ungarn, die Wiedcrver- cinigung der Donaumonarchie erwarten, die dann e i n großes. geschlossenes Ausbeutungsgebiet sein soll, ohne die schweren Unbequemiichteiten in Kauf zu bieten, die die Zerreißung Oesterreich-Ungarns zur Folge hat. Run aber wird die Ver- bindung dieser Kapitalinteressen nicht nur mit dem Karl- Putsch, sondern auch— mit großen französischen Zeitungen bekannt. Aus London meldet die Denn: ver„Sunday Expreß" macht die sensationelle Enthüllung, daß das lehle Abenteuer Kart hobsburgs von Sir Basil Zaharoff finanziert worden ist. einem der einslußrelchsien Mitglieder der europäischen Hochfinanz. Zaharoff. cin Mann von fabelhaftem Reichtum, ist ruslisch-griechlscher Abstammung und hat enorme �inanzinter eisen in England und Frankreich. Ihm gehört halb Monte Earlo, er ist hauptaktionär der englischen Vickers A. G. und der hauptbeteiligte bei der Gründung der englisch.sranzösischen Oel-Zniercssengemein. schast. gleichzeitig kontrolliert er eine Anzahl Ranken. Wir sind in der Lage, diese Mitteilungen noch ergänzen zu können: Zaharofi. der heute hoch in den siebziger Zahren fleht, kam vor etwa zwölf Zahren nach Paris, wo er großen Aufwand trieb. Mit seinem Geld, da» die Rüstungsarbeiter de» Konzerns vickers-Maxim- Schnelder-Ereufot unausgesetzt mehrten und noch steigern, gründete er da» große Pariser Platt„Exzelsior". 3m Kriege schuf er als getreuer Freund Frankreich, die Depefchenagentur.Radio". Es wird auch behauptet, daß er einen großen Teil der Aktien de».Figaro" an sich gebracht habe, und wenn wir das anch nicht zu unserer Behauptung machen wollen, so ist die Haltung de«.Figaro" während de? Karl-Putsches jedenfalls ein starkes Berdachtsmoment nach dieser Richtung. Solche Verdienste um die gute Sache der Entente konnten natürlich nicht vnbelohnt bleiben, und so wurde Vasil Zaharofi Großoffizier der Ehrenlegion und als Ritter des englischen VatHordens auch Sir. Was uns sonst über die Beziehungen Zaharosfs zu sehr maßgebenden französischen Persönlichkeiten erzählt wird, denen er zwar unpolitische, aber desto angenehmere Dienste geleistet habe, wollen wir aus Höflichkeit und Galanterie verschweigen, denn wir Baches find doch bessere Menschen. Uns genügt es für heute, den Zusammenhang zwischen dem großen Geldsack und der monarchischen Legitimität aufzudecken. Karl Habsburg aber sollte seinem Finanzpapa zu dem redlich verdienten und so stllgerechten Orden vom Goldenen Blieh noch den 5) 0 s- lieferantentitel verleihen, den andere Staatslenker in- folge mangelhafter Bersassungseinrichtungen nicht vergeben können. Schweizer parlamentsöebatte über Karl. Sern, g. Juni.(EP.) Im Nationalrat wurden die Inter- pellationen der Nalionaträte Grimm(Soz.) und Bvlsi(Kathol.- kons.) über das dem früheren Kaiser Karl gewährte Asylrecht be- handelt. Während die sozialdemokratische Interpellation in dem Der- balten des Kaisers, besonders in seiner Reise nach Ungarn eine Der» legung der Bedingungen des Mylrechts erblickt und die Frage stellt, ob dem Exkaiser der Aufenihall in der Schweiz nicht zu verbieten sei, bedauert die Interpellation Basti, daß man einen Druck auf Karl ausgeübt Hobe, um ihn zum Verlosten der Schweiz zu be- wegen. Dieser Druck gehe von M o s a r y k aus. Bundesrat M o t t a erklärte, monarchlstifche Treibereien in. der Schweiz könnten nicht geduldet werden. Zuweilen habe stch eine politische Tätigkeit Karl» wahrnehmen lasten, doch ließen sich Beweise nie erbringen. Als man nach der mißglückten Ungarreise Karls die Rückkehr in die Schweiz provi- forisch wieder genehmigte, handelte es sich nicht um die Person des Königs Karl, sondern um den Frieden von Europa. Die besonderen Umstände bei der Ausreise Kaiser Karls im letzten Früh- ling waren nicht zu erfahren, sicher fei, daß Taver von Bour- b o n am 26. März aus Frankreich nach der Schweiz kam und sie über Basel wieder verließ. Jedenfalls stehe die Flucht Karls damit in Zusammenhang. Exkaiser Karl hat dem politischen Departement erklärt, daß keine unkorrekte Handlung eines s ch w e i- z e r i s ch e n Beamten vorliege, daß er aber keine weiteren Ent- büllungen machen könne.— Auf die Schweiz sei kein Druck aus- geübt worden, um die Ausreise Karls zu veranlasten. Doch hat S ü d s l a w i e n daraus aufmerksam gemacht, daß eine Rückkehr Karls nach Ungarn einen Krieg mit diesem Staat herbeiführen müsse. Jede Einmischung dcs Auslandes sei im Hinblick auf die schweizerischen Souveränitätsrechle zurückgewiesen worden. Würde Karl seinen Versuch nochmals unternehmen, so würde er die Be- Ziehungen der Schweiz zu den anderen Staaten gefährden. Der jetzige Entschluß des Exkaiser», die Schweiz zu oerlassen. sei keineswegs unfreiwillig. Der Nationalrat Grimm erklärte sich von der Beantwortung der Interpellation befriedigt. Wenn aber nun wirklich kein schweizerischer Beamter eine Inkorrektheit begangen hat, dann gibt es bei der heutigen scharfen Kontrolle aller Grenzübergänge nur drei Möglich» kellen für Karls Ausreise: In kaiserlicher Würde bei Nacht und Nebel ausgerückt, als Hochtourist über die Gletscher ge- stiegen— oder als unantastbarer Ententeoffizier ganz legal mit hoheitsvollem Gruß nach Tirol hinüberwechselt! flrbeiterwahlfteg in Englanö« Daudou. 9. Juni.(WTB.) Bei der Ersatzwahl zum Parlament in Hehwood, Grafschaft Lancaster. siegte der Kandidat der Arbeiterpartei Halls mit 16430 Stimmen. Der Kandidat der KoalitionSliberalen erhielt 13 125 und der der Liberalen 5671 Stimmen._ Die nächste Tagung ües völkerbunösrats. Poris, g. Juni. Wie der„Temps" mitteilt, wird die nächste Sitzung des P z l k e r b u n d s r a t-e s am 17. Juni in Genf eröffnet werden. Aus der Tagesordnung, die außerordentlich umfang- reich ist. seien folgende Punkte hervorzuheben: die deutschen Protest« gegen die Anwesenheit französischer Truppen und die Anwendung der französischen Militärgesetz- gebung im Nuhrgebiet, gegen die Ausweisung van Em» zvohlUM MS dem Zllchrgebiet und gegen die SeHitlt»Kah»lu»g Deutsche Jelöpslizei in Belgien. Im Reichsgerichtsprozeß gegen Stud. R a m d o h r gab am Donnerstag der Schüler Rvbeit van Woeyenberghe, der 8 Jahre alt war. als er vcrhasict wurde, an, er sei vom Angeklagten etwa ZOmal geschlagen word-n. Als er die Beschuldigungen zuge- geben habe, sei er nicht mehr mißhandelt worden. Auf Befragen gibt er schließlich zu, gesehen zu haben, daß andere größere Jungen? sich an den� Drahten der Eisenbahn zu schassen machten. Der 17jährigs Fabrikarbeiter Franz von der Heyden ist seinerzeit vom Feldgericht zu 2% Jahren Gefängnis verurteilt worden. Auch er will wie die anderen mit Gewalt zum Geständnis gezwungen worden fein. Er sei vom Angeklagten in eine Dunkelzelle bei Wasser und Brot gesperrt worden.— Der Angeklagte b e- streite t dies energisch.— Der Zeuge widerruft heute sein Geständnis vor dem Feldgerich', obwohl dies in den Einzel- hellen durchaus den Eindruck der Wahrheit gemacht haben soll.— öiilssrichrer Flaxland aus Ludwigsburg, der die Verhandlungen vor dem Feldgericht geleitet hat, hatte den Eindruck, daß die Unter- suchung gegen die Eisenbahn frevler sehr gut vorbereitet und sach. gemäß war. Er könne versichern, daß vor dem Feldgericht keine Einwirkung auf die Angeklagten erfolgt sei, und daß sie volle Freibcit hatten, ihre Geständnisse aufrechtzuerhalten oder nicht. Das Feldgericht habe seine Feststellungen nicht ausschließlich aus Grund der Rom- dohrschen Protokolle getroffen, sondern jeder einzelne Angeklagte sei frei zu Worte gekommen. Von Romdohr habe er den besten Eindruck gehabt. Der Zeuge hält es für möglich, daß eine Für- forgeerziehung für die Strasunmündigen angeordnet wer- den konnte.— Zwei weitere belgische Zeugen beschuldigen Ramdohr, ihnen Geständnisie abgenötigt zu haben. Ihre heutigen und die Aussagen vor dem Feldgericht widersprechen einander,— Zeuge Ulbert B i d t s, der zu 21- Iahren Gefängnis vom Feldgericht ver- urteilt wurde, will eine ganze Nacht hindurch an den Händen ge- fesselt an einem Haken aufgehängt gewesen sein.— Clovis van Hove hat vor dem Feldgericht sein Geständnis nicht wider- rufen, weil ihm dort gesagt worden sei, er habe gestanden und es bleibe dabei.— Der deutsche Zeuge Flaxland trllt jedoch dieser Aussage entgegen und wiederholt, daß vor dem Feld- gericht jeder Angeklagte zu Worte gekommen sei.— Der belgische Zeuge Händler Frans de T u n d t ist vom Angeklagten verhostei worden wegen Verdachts der Berbergung von Waffen. Er sagt aus, daß er in eine dumpfe Zelle gesperrt worden sei, daß in seinem Hause bei der Durchsuchung die M ö b e l demoliert und Bäume im Garten ausgerissen worden seien. Der Angeklagte erklärt dazu, daß die Haussuchung verborgene Waffen zutage gefördert habe, zwei Revolver und Munition sowie Seitengewehre, während der Zeuge alles abgegeben haben wollte. Von einer Demolierung des Hauses und des Gartens könne keine Rede fein. Der Zeug« ist seinerzeit bestraft worden, weil seine Angabe, daß er keine verbotenen Waffen besitze, falsck war.— Zeuge Landwirt van der My.nsbruage aus Neederboulaere ist oerhaftet worden, weil er Eisenbahndrähte in Unordnung gebracht haben sollte. Er ist während der 5)aft an- geblich mißhandelt worden, kann aber nicht genau angeben, ab von dem Angeklagten. Selgiscbe flerzte als Zeugen. Der belgische Arzt Dr. van der S ch u e r e n aus Ooerboulaere, der als Zeuge und Sachverständiger vernommen wird, ist seinerzeit unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden. Er hat einmal verhaftete Sinder weinen hören. Seine Bekundungen bleiben ebenso wie die Darlegungen zweier anderer belgischer Aerzte im Zuhörerraum fast unverstandlich. Es scheint aus ihnen hervorzugehen, daß Spure,, von Mißhandlungen in ein bis zwei Fällen festgestellt wurden. Der Zeuge Kaufmann Georg Landow aus Forst, Gefängnis- vermalter bei der Etappenkommandantur Geeraarbzbergen, besaht die Frage, ob Beschränkungen der Kost und des Lichts non der geheimen Feldpolizei zu Disziplinarzwecken angeordnet worden seien: er kann aber nicht sagen, wer die Anweisung gegeben Hot. Schreie eines gefangenen Knaben hat er ein einziges Mal gehört. Daß ein Gefangener einmal acht Tage nichts zu essen bekommen habe, hält er für ausgeschlossen. Mißhandlungen hat er nicht wahrge-- nommen. Auch hat sich niemals ein Gefangener über Deutsch« bei ihm beschwert. Oberregierungsrat G a ß n e r- Berlin, Kriegsgericht-rar beim Kommandanturgericht, ertlärt, daß die Befugnisse der geheimen Feldpolizei nicht genau abgegrenzt gewesen seien Welche Zwecke der Angeklagt« mit der Einsperrung der Jugendlichen verfolgte, habe dieser ihm nicht gesagt. Die Bor- qänge aus dem Bahnhos waren Kriegsverrat, weshalb die Unter-, suchung der geheimen Feldpolizei überlasten wurde. Den Aussagen von Belgiern, namentlich von Kindern, habe er immer skeptisch gegenübergestanden. Er habe es erlebt, daß belgische Zeugen erst hoch und heilig versichert hätten, sie wüßten nichts, während sie eine halb« Stunde später das Gegenteil aussagten. Ramdohr Hab- ihm den Eindruck eines wohlerzogenen, korrekten Mannes gemacht. Kommerzienrot Robert S ch w a r tz, Adjutant bei der Orrs- kommandantur Geeraardsbergen, erklärt, daß von eigentlichen Dunkelzellen keine Red« sein könne.' Die Zellen seien lediglich durch Teilung größerer Zimmer entstanden, und es sei immer genug hell gewesen. Wenn irgendwelche Mißhandlungen vorgekommen wären, wäre ihm dies sicher von den Eltern der Kinder mitgeteilt worden, die ihm sämtlich bekannt waren. Der Zeuge Landow bemerkt, daß er bei seiner Vernehmung anscheinend mißverstanden worden sei. Er habe nicht sagen wollen, daß die Verdunkelung der Zellen angeordnet worden sei. Nach Vernehmuna einer Anzahl deuffcher Zeugen, die den An- aeklaqten entlasten, führt der Sachverständige Polizeirat Bauer- München in seinem Gutachten u. a. aus; Im besetzten Gebiet Hobe der Grundsatz geherrscht, ein Meineid vor einem deutschen Gericht sei kein Verbrechen. Auf Schädigung der Eisenbahntransporte sei Todesstrafe gesetzt worden und auch einige Excmpel statuiert worden. Gerade die Kinder seien zu Spionagezwecken usw verwendet worden. Es feien auch in den fraglichen Fällen Kinder dieser Tätigkeit überführt und deshalb verurteilt worden. Auf den Einwurf dcs Präsidenten hält der Sachverständige nochmals die Festnahme von Kindern für gerechtfertigt, da die Kinder un- schädlich gemacht werden mußten. Wenn sie ihren Eltern über- geben worden wären, so hätte dies den Deutschen gar nichts ge- nutzt. Das Erzwingen von Geständnissen durch Mißhandlungen der Kinder hätte der Sachverständige nicht gebilligt. Vorschriften über die Aufnahme von Protokollen seien den Beamten der Feldpolizei nicht gegeben worden. Hierauf wird die Beweisaufnahme gefchlosten. Weitcrverhond- lung Freitag vormittag 10 Uhr. Schluß der Sitzung gegen%9 Uhr. in französischem Gcldc für gewistc Beamte. Ueber diese Fragen soll der chinesische Delegierte berichten. Der japanische Dele- gierte wird über Angelegenheiten des Freistaates D a n z i g. desten Lerfastung, den Danzigcr Waffenhandel, die Verteidigung des Frei- staates u?w, berichten. Vcnizelos Generalsekretär des Völkerbundes? Wie von englischer Seite behauptet wird, soll B e n i z e l v s, der auf Einladung Lloyd Georges in London eingetroffen ist, zum Generalsekretär des Völkerbundes ernannt werden. Eine solche Ernennung wäre allerdings nur geeignet, den Rest des Vertrauens, das man in die Unparteilichkeit des Genfer Völkerbundes noch hoben könnte, zu untergraben, denn der gestürzte griechische Ministerpräsident war doch nichts anderes, als eine Kreatur und cin treuer Diener der Entente. Sieölungswefen � Neichshastpflichtgesetz. In der gestern mittag fortgesetzten weiteren Debatte des Reichs- wirtfchaftsrates zieht Urban(Arbeitnehmers seinen Antrag zurück, nach dem Unternehmungen, deren Betriebe an verschiedenen Orten liegen, zur Trogung der Unkosten verpflichtet werden sollen, die den Betriebsräten aus den für die Wahl und die Berichterstattung erfolgenden notwendigen Zusammenkünften erwachsen. Ueber den Gesetzentwurf zur Abänderung des Gesetzes über das Branntweinmonopol erstattet für einen Sonderausschuß Bericht Kommerzienrot U n t u ch t(Arbeilgebervertreter der In- dustrie). Die Vorlage hat im Ausschuß keine günstige Aufnahme gefunden, die Grenzen der Besteuerung sind allzu schwankend be- mesten. Die Rechte der Monopolverwaltung werden in der Vorlage viel zu weit erstreckt. Der Ausschuß hat die Vorlage im ganzen nicht ablehnen wollen, macht aber verschiedene Gegenvorschläge. Die Macht der Manopolverwaltung über die Spiritus verarbeiten- den Industrien ist von, Ausschuß beschränkt worden und dem Beirat eine zweckmäßigere Gestaltung gegeben. Darauf muß die Debatte abgebrochen werden, weil das Reichs- finanzminifterium keinen Vertreter entsandt hat, der einige Fragen des Berichterstotters beantworten könnte. Es folgt der mündliche Bericht des Aosschustes für Siedlungs- und Wohuungswesen. Dazu liegen zwei Ausschußanträge vor, von denen der erst« fordert: Die als Entschädigung für Siedlungen ausgegebenen Rentenbriefe sollen auch für den Zinsempfangcnden von der Kapitalertragsteuer befreit sein, wenn und solange der Zinsempfangende ein gemein- nütziges Siedlungsunternehmen oder Ausgeber der Rentenbriefe ist. die als Unterlage des Rentcnbriefaufkommens dienten. Ein Aböndcrungsa'ntrag Dr. Belian- Blüher fordert, daß die durch die Wohnungsabgabe aufgebrachten Mittel in der Regel dort zu verwenden find, woZie aufgebracht sind. Dr. häkel(Vertreter der Derbraucherfchoft) als Berichterstatter: Die Erträge der Wohnungsabgabe sollen restlos für dos! ö n d- liche Siedlungswesen nutzbor gemacht werden. Die länd- lichen Sicdlungsbauten sollen staatlich bevorzugt, die verfügbaren Truppenübungsplätze zu Siedlungszwecken bereitgestellt, dagegen soll verhindert werden, daß man in den einzelnen Ländern put bewirtschaftete Güter enteignet. Der Erleichterung der Siedlungsarbeit soll die Befreiung aller diesem Zweck dienenden Ge- schäfte von öffentlichen Abgaben. Stempeln usw. helfen. Die kleinen, wenig leistungsfähigen Siedlungen müsten finanziell unterstützt werden. Oberbürgermeister Dr. Deüan(Vertreter der Derbraucherschast): Die Hälfte der Mittel der produktiven Erwerbslosen- f ü r s o r g e soll von den Landkreisen zu ländlichen Bauten ver- wendet werden. Do? geschieht bisher leider sehr schablonenhaft. Man muß auch der W o h n n n g s n o t der kleinen und mittleren Städte steuern und viel reichlichere Mittel zur Verfügung stellen Oberbürgermeister Llüher(Vertreter des Hausbesitzes) befürwortet gleWall» bat AbSudenmgsav-trag. � s. Dr. August Müller und Dr. Häkel wenden sich gegen die An- träge, da die städtische Siedlung hier nicht zur Behandlung stehe.— Die Abstimmung ergibt, daß der Abänderungsantrag Dr. L e- l i o n- B l ü h c r ebenso wie der Ausschußantrag über die Be- sreiung der Rentenbriese von der Kapitalertragsteucr mit großer Mehrheit abgelehnt wird. Es folgt der Bericht des Verkehrsausschustcs betr. Abänderung des Reichshaftpflichkgesehes. Berichterstatter Generaldirektor Dr. W u s s o w weist die unbedmate Notwendigkeit einer Revision des Gesetzes nach.— Gewerkschasts- sekretör Rathmann(Skraßenbahngesellschaften): Wir unterstützen den Antrag, nicht»in die Bahnen zu schonen� sondern aus bloßem Gerechtigkeitsgefühl.— Der Antrag wird einstimmig a n g«- n o m m e n. Es folgt der Bericht des Ausschusses zur Heranbildung unserer wirtschaftlichen Kräfte, in dem beantragt wird, zum Zwecke der wirtschaftlichen Fortbildung der werktätigen Kräfte ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen. Nachdem der Berichterstatter Schlosser C z i e s li k auf die Notwendigkeit betriebstechnischer und volkswirtschaftlicher Lehrgänge hingewiesen hat, wird der Antrag einstimmig ahne Aussprache angenommen. Nach Erschöpfung der Tagesordnung vertagt sich das Haus auf Freitag O'j Uhr vormittags: Branntweinmonopol, Aufftsllung einer Geschästsardnung, Taboffteuergesetz, Ausbau van Kanal- und Talsperren, Belastung der Sparkassen durch Kriegsanleihen. Fest- ftellung der im Auslände befindlichen Vermögenswerte, Ausbau der Handelsstatistik.— Schluß 2 Uhr. Diszlplitzorvcrfahren gegen Amtsrichter hoene. Der.Vorwärts" benchleie vor einiger Zeit über den Amtsrichter Hoene beim Amtsgericht Neukölln, der sich weigert, den Personen, die er zu ver» eidigen hat, den Eid in der n i ch t r e l i g i ö s e n Form abzunehmen und sogar in einem Falle mit Bestrafung und Auferlegung von Kosten gedroht hat, weil er„am alten festhält". Hierzu teilt der.Preußische Prestediensi" mit, daß der preußische Justizminister Schritte getan hat zur Einleitung des Disziplinar» Verfahrens gegen AmtsgerichtSrat Hoene. Klara Zetkin in Riga verhaftet. Wie der Rigaer Korrespondent der„Dena" drahtet, wurde die kommunistische Reichstagsabgeordnete Klara Zetkin auf der Durchreife nach Moskau, wo sie am dort stattsindenden Kongreß der Dritten Internationale teilzunehmen beabsichtigte, in Riga von der dortigen politischen Polizei ver- haftet und einer Visitation unterzogen. Auf den sofort erfolgte» Protest des deutschen Geschäftsträgers beim lettischen Außen» Ministerium wurde Frau Zetkin nach mehrstündiger Fcsthaltung freigelassen. Dem Gesetz über die veschränkung des Luftsahrzeugbaues, das einer Forderung der Entente auf Grund des Friedensvertrages ent- spricht, stimmte der Reichsrat gestern zu, unter Hinzufügung eines non den Ausschüssen angenommenen Paragraphen, wonach der durch das Gesetz geschädigten Lufffahrzeugindustric Ersatz aus Reichsmitteln gewährt werden soll. Die Regierung erklärte sich gegen diese Entschädigung. Dem Gesetzentwurf über die Der- löngerung der Gültigkeitsdauer des Kohlensteuergesetzes bis zum 31."März 1922 stimmte der Reichsrat zu. Endlich wurde noch der Gesetzentwurf über ein deutsch-belgisches Abkommen, betreffend die soziale Versicherung in den abgetretenen Gebieten, angenommen Auch die Südasrikanische Union gibt bekannt, daß sie nicht be- obsichtigt, ihr Versailles-Recht der Beschlagnahme des Eigentums deutscher Staatsangehöriger auszuüben, falls Deutschland vorsätzlich seinen Reparationspslichten nicht nachkommt. ver horthyprozeß gegen Rabbiner Löw, über welches Symptom ungarischer Zustände wir jüngst berichteten, ist eingestellt, soweit er auf.nochverrat ging, wird ober wegen 5zorthybeleidigung weitergeführt. Der angeklagte GrckS ist auf freien Fuß gesetzt. 3a Argentinien ist durch Gesetz der Achtstundentag«in« geführt worden. 12. verbanöstag öer ho!Zarbeiter. Hamburg, den 8. Juni 1321. Nach einer Berichterstattung der vorberatenden Antragskom- Mission sprachen K a y s e r und Tornow die Schlußworte, die teil- weise zu einer recht lebhaft zugespitzten Zurückweisung einiger Dis- kussionsredner wurden. Als Gesamtcindruck der ganzen Diskussion des Vorstandsberichts konnte Tornow konstatieren, daß die Kritik sich in durchaus mäßigen Grenzen bewegt habe und daß trotz der Einzelausstellungen meist anerkannt wurde, daß der Vorstand getan und auch erreicht hat, was in seinen Kräften stand und in der Mög- lichkeit lag. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wurde folgende Reso- lution e i n st i m m i g angenommen: „Seit mehr als Jahresfrist liegt die Holzindustrie unter dem Druck einer schweren Krise. Viele tausende 5)olzarbeiter sind durch langanhaltende Arbeitslosigkeit und Verdienstausfall infolge Kurz- arbeit in schwere und unverschuldete Not geraten. Angesichts dieser Tatsachen fordert der Verbandstag die schleunige Durchführung der 10 Punkte des ADGV. zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Fürsorge muß in erster Linie in der Beschaffung von Arbeit bestehen. Soweit aber Arbeit nicht beschafft werden kann, muß den Erwerbslosen und Kurz- arbeitern mit ihren Angehörigen durch ausreichende Unterstützung die Existenzmöglichkeit gewährleistet werden. Der Verbandstag erkennt, daß das Arbeitslosenproblem end- gültig nur gelöst werden kann durch die Umstellung der privaten Profitwirtschaft in eine planmäßig organisierte Bedarfswirtschaft. Diese Umstellung muß sofort vorgenommen werden bei der Durch- führung aller wirtschaftlichen Aufgaben mit öffentlichen Mitteln. Dazu gehören insbesondere die Leistungen und Lieferungen Deutsch- lands auf Grund des Friedensvertrages und in der inneren Wirt- schaft die Erstellung von Bauten mit öffentlichen Zuschüssen sowie die Vergebung von Slaatsaufträgen. Der Verbandsvorstand wird be- austragt, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die Inangriffnahme dieser Aufgaben beschleunigt und die Mitwirkung des Verbandes bei der Vergebung der Aufträge und der Ueberwachung der Arbeiten sichergestellt wird. Die Ersullyng der Medergulmachungsforderungen und die dringend notwendige Erstellung von Bauten im Inland müssen von tiefgreifender Bedeutung für die Holzwirtschaft werden. Bei Aufrechterhaltung der freien Wirtschast auf dem Holzmarkt würde durch den starken Holzbedarf erneut die Gefahr eines maßlosen Holz- wuchers in greifbare Nähe gerückt sein. Der Verbandstag erneuert deshalb seine Forderung auf gemeinwirtschaftliche Regelung der Holzwirtschaft und erwartet von den gesetzgebenden Körperschaften und den Regierungen die alsbaldige Durchführung geeigneter Maß- nahmen." Gegen wenige Stimmen auch ein Zusatzankrag:„bei der Regie- rung den Erlaß einer Notverordnung zu erwirken, daß für alle Be- triebe, in denen mehr als S Proz. Kollegen arbeitslos sind, eine Kür- zung der Arbeitszeit eintritt, um die Arbeitslosen zu beschäf- tigen." Für die Punkte 6 und 7 der 10 Punkte soll unverzüglich die ganze Arbeitermacht» eingesetzt werden. Ferner gegen wenige Stimmen:„Der Verbandstag erklärt sich mit den Maßnahmen des Vorstandes in allen Auseinandersetzungen mit der Zahlstelle Halle einverstanden und erwartet von ihr, daß sie den Anweisungen des Vorstandes Rechnung trägt." Einstimmig wurde der Vorstand beauftragt, Maßnahmen vor- zubereiten, die die Herabsetzung der Luxussteuer betreffen, weiter seinen Einfluß zur Preisherabsetzung der Lebensmittel geltend zu machen. Zur Berücksichtigung wurde dem Vorstand ein Antrag überwiesen, für Aenderung des Erwerbslosenfür- sorgegesetzes dahingehend einzutreten, daß die Unternehmer durch einen Beitrag pro Kopf der Beschäftigtenzahl zur Aufbrin- gung der Mittel für die Erwerbslosen herangezogen werden. Weiter wurde beschlossen, den Anteil des Verbandes am Ver- band sozialer Baubetriebe auf 100 000 M. zu erhöhen. Ferner: Das Holzarbeiterjugend blatt in größerer Auf- läge und mindestens einmal monatlich, das F r a u c n b l a t t alle 14 Tage als Beilage herauszugeben— diese beiden Beschlüsse mit der Modifizierung, daß der Verbandstag dem Vorstand für die Ausführung freie Hand läßt. Die Anstellung Dr. E a s s a u s zu den vom Vorstand berichteten Bedingungen wurde einstimmig genehmigt. Zum Pressebericht wurde folgende Resolution ange- nommen: „Die„Holzarbeiter-Zeitung" ist das Organ des Deutschen Holz- arbeiterverbandes. Die Redaktion ist verpflichtet, das Blatt im Sinne der vom Berbandstag gegebenen Richtlinien und in Ueber- einstimmung mit der Verbandsleitustg zu redigieren. Im Hinblick darauf, daß der Deutsche Holzarbeiterverband dem ÄDGB., der Internationalen Union der Holzarbeiter und dem Jnter- nationalen Gewerkschaftsbund angeschlossen ist, hat auch die„Holz- arbeiter-Zeitung" die von den berufenen Organen dieser Körper- schaften gefaßten Beschlüsse gebührend zu beachten. Die„Holzarbeiter-Zeitung" soll von gesundem, gewerkschaftlichem Geist erfüllt sein. In den wirtschaftlichen Kämpfen der Holzarbeiter hat sie deren Interessen wahrzunehmen. Sie soll das Verständnis der Kollegen für die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge fördern, ihnen das Wesen des Sozialismus nahebringen und dadurch zu ihrer Er- Ziehung zu Klassenkämpfern beitragen. Der sozialpolitischen Gesetzgebung und ihrer praktischen Aus- Wirkung soll sie besondere Aufmerksamkeit widmen, aber Partei- politische Auseinandersetzungen nach Möglichkeit vermeiden. Die Versuche, die„Holzarbeiter-Zeitung" in den Dienst einer politischen Partei zu stellen, muß die Redaktion verhindern. Die parteipolitische Zerrissenheit des Proletariats ist ein Unglück für die Arbeiterschaft und für die Holzarbeiter. Deshalb soll die „Holzarbeiter-Zeitung" die Einigkeit der Arbeiterschaft fördern: sie muß die Bestrebungen abwehren, die darauf hinzielen, die Uneinig- keit zu schüren, insbesondere durch die Bildung kommunistischer Zellen in den Gewerkschaften und in unserem Verband. Den Mit- gliedern steht das Verbandsorgan zur Erörterung gewerkschaftlicher Fragen zur Verfügung. Die Redaktion hat jedoch darüber zu wachen, daß dabei die vorgenannten Richtlinien beachtet werden. Der Berbandstag erkennt an, daß die Redaktion bemüht war, den ihr obliegenden Verpflichtungen gerecht zu werden. Indem der Berbav/-!m tri» R-«vkl.'-.-r ha? T.•:�n ou: spricht, erklärt er die Anträge, welche die„Hclzer.xiier-Zsitung" zum Gegenstand haben, für erledigt." Eine Erweiterung der Rechte der Preßkommission sowie ein Antrag auf Neuwahl der Redakteure auf jedem Verbandstag war zugleich damit abgelehnt. Auf Antrag der Revisionskommission, die Bücher und Belege in bester Ordnung befunden, wurde dem Kassierer König Eni- lastung erteilt und auf ihren weiteren Antrag beschlossen, daß zu- Achtung, Eisenbahner! Viele von Euch haben Ihr Wahlrecht noch nicht aus- geübt. Eilt, um das Versäumte nachzuholen. Wer wirk- lich die Interessen der Eisenbahner sördern will, wählt Äste ÖHllp Schulz! künftig die Revision der Bücher durch die Vorberatungskommission vor dem Verbandstag stattfinden soll. Einem mit starkem Beifall aufgenommenem Referat des Vor- standsmitgliedes Jahn über„Aufgaben und Organisation der Be- triebsräte" hotte der Referent Leitsätze zugrunde gelegt. Die nicht geschlossene Debatte über das Referat wird zu Ende geführt werden im Anschluß an zwei Referate über„Lohn- und Vertragsbewegungen", mit denen der Verbandstag in g e s ch To s s e n e r Sitzung beginnt. OewerMoDbewegung Die öetrkebsratswahlen im Ruhrgebiet. Die Betriebsratswahlen im Ruhrgebiet sind nunmehr ab geschlossen. Das Ergebnis ist für die freien Gewerkschaften außer ordentlich erfreulich. Im Gegensatz dazu haben die radikalen Richtungen, insbesondere die Kommunisten, eine ganz gehörige Schlappe erlitten. Während die freien Gewerkschaften allein 1226 Betriebsrats Mitglieder erhaltxn haben, zählen die anderen fünf Vereinigungen zusammen 1402 Vertreter. Davon entfallen auf die christlichen Gewerkschaften 434 und auf die Pob nische Berufsvereinigung 106. Für die Ardeiter-Union, die Syndl kalisten und Kommunist»» bleiben danach ganze 862 Betriebsrats Vertreter übrig. Den Löwenanteil davon schluckt die Freie Ar- beiter-Union(Gelsenkirchener Richtung), die 670 Vertreter hat, dann folgt in sehr weitem Abstand die Freie Arbeiter- Union(Berliner Richtung) mit 120 Vertretern und ganz zum Schluß trottet die„Revolutionäre M a s s e n p a r t e i" mit 72 Delegierten einher. Die Kommunisten posaunen tagtäglich in die Welt hinaus, daß sie die einzig richtige Arbeiterpartei geschaffen haben, daß hinter ihnen ungeheure Massen stehen und daß nur die wenigen ande- ren, die noch den„Arbeiterverrätern", den„Gewerkschaftsbonzen', nachlaufen, zu ihr kommen müssen, um im Nu den Sieg des Pro- letariats zu erringen. Bei geheimen Abstimmungen zeigt sich aber dann, daß die Kommunisten regelmäßig ins Hintertreffen geraten. Immer mehr erkennt die Arbeiterschaft, daß mit dieser Partei keine Lorbeeren zu holen sind, daß man mit Phrasen die Welt nicht erobern, aber um so besser die Interessen der Arbeiter schädigen kann. Das Abstimmungsergebnis zeigt, daß selbst im Ruhrgebiet die Blütezeit der Kommunisten vorüber ist. Darüber täuscht auch nicht die beachtenswerte Stärke der Arbeiter-Unionen hinweg. Denn auch sie üben sich wie die Kommunisten fleißig im Spalten, und auch sie werden eines Tages die traurige Ersah- rung machen müssen, daß die deutsche � Arbeiterschaft jetzt genug Phrasen gehört hat, daß ihr Bedarf an Spaltung gedeckt ist, daß sie erkannt hat, nur Einigkeit und praktische, ziel- bewußte Arbeit, wie sie die freien Gewerkschaften leisten, kann uns unseren Zielen näherbringen! Deutschnationaler Arbeitsnachweis. Als der Krieg beendet und nach der Revolution die Macht der arbeitenden Klasse bedeutend gestärkt war, da verschwand auch mit einem Schlage der alte Gegner der modernen Arbeiterbewegung, die gelbe Werkvereinsbewegung. Doch je länger und schär- fer der Bruderkampf zwischen den sozialistischen Parteien und inner- halb der freien Gewerkschaften geführt wurde, desto dreister trat das Unternehmertum auf, und auch die gelben Werkvereine feiern bereits wieder ihre Auferstehung. Wie innig die reaktionären Parteien mit den. Unternehmern zusammenarbeiten und für die Stärkung der „wirtschaftsfriedlichen" Werkvereinsbewegung eintreten, zeigt folgen- des Beispiel. In Halle wie überhaupt in Mitteldeutschland hat die freie Gewerkschaftsbewegung infolge der k o m m u n i st i f ch e n Taktik eine arge Schlappe erlitten. Das wird von dem Unternehmer- tum und seinen Trabanten natürlich klug ausgenutzt. Das zeigen die Bestrebungen der Mansfelder Bergherren auf Herabsetzung der Schichtlöhne und die Bauarbeiteraussperrung in diesem Bezirk. Selbst der öffentliche Arbeitsnachweis wird sabo- tiert, und der Arbeiffuchende gezwungen, sich der Vermittlung seiner schlimmsten Gegner zu bedienen. Die Deutschnationale V o l k s p a r t e i hat nämlich ihr Parteibureau in Halle zu einem regelrechten Arbeitsnachweis eingerichtet. Nachstehendes Schreiben, das uns von einem Arbeiter zur Verfügung gestellt wurde, liefert dafür den besten Beweis. „Wir nehmen Bezug auf Ihre Vorstellung in unserm Bureau, bei der Sie um Vermittlung einer Arbeitsstelle baten und teilen Ihnen heute mit, daß wir, falls Sie noch darauf reflektieren, Sie bei einer Firma in Leuna unterbringen können. Sollten Sie gewillt sein, dort zu arbeiten, so bitten wir, bei uns vorsprechen zu wollen und sich ein B e f ü r w o r t u n g s- schreiben in der Geschäftsstelle aushändigen zu lassen." Mit deuffchem Gruß Deutschnationale Volkspartei. Volksverein Halle und Saalkreis. Poche. Der Arbeiter hat allerdings verzichtet, sich durch das Wohl- wollen einer erzreaktionären Partei in Lohn und Brot bringen zu lassen. Er hat aber bei seinem ersten Besuch in dem Bureau der Deutschnationalen Volkspartei gesehen, daß sich verschiedene Arbeiter dort eingefunden hatten, woraus hervorgeht, daß die Arbeitsvermitt- lung dort im großen betrieben wird. Daran, daß die Einrichtung eines Arbeitsnachweises im Bureau der Deutjchnationalen Volks- partei die Vorarbeit für die Errichtung gelber Werkoer- eine in den Betrieben ist, braucht wohl nicht gezweifelt werden. Kennt man doch die Wesensverwandtschaft dieser beiden arbeiter- feindlichen Institutionen. Ihnen kann das Wasser nur abgegraben werden, wenn das Vertrauen zu den freien Gewerkschaften wieder- kehrt und nicht in unverantwortlicher Weise von gewisser Seite ständig Mißtrauen gegen die Führer gesät wird. An der Einig- keit der freien Gewerkschaftsbewegung werden auch die schwarzen Pläne des Unternehmertums scheitern. -■% Streikende in Waldenburg. Waldenburg, 9. Juni. sEigener Drahtberich t.) Die Belegschaften der mederschlesischcn Gruben sind heute morgen, i n ihrer großen Mehrheit eingefahren. Der Streik ist damit beendet._ Russische Gewerkschaftsstatistik. Anläßlich des Moskauer A l l r u s s i s ch e n G e w e r k s ch a f t s- kougresses bringt die«owjelpresse eine Reihe von stalistischen Angaben über die russischen Gewerkschaften. Die Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder in der föderativen Sowjetrepublik be- trägt gegenwärtig 6 800 000. Bonden einzelnen Gewerk- schaften wird die Mitgliederzahl für die Metallindustrie auf 538 000, die Nahrungsnuttelindustrie aus 226 000, die Textilindustrie auf 800 000, die städtischen Betriebe auf 170 000, die Zuckerindustrie auf 137 000, die Tabakindustrie auf 42 000 angegeben. Ende 1920 betrug sie der Moskauer„Prawda"(Nr. 260 und 289) zufolge 900 000 für das Transportwesen, 320 000 für die Kohlenindustrie und Bergbau, 103 000 für das Post- und Telegraphenwesen, 123 000 für die chemiickie Industrie, 45 000 für die Leder- und 38 000 für die Konfeklionsindusirie, 996 000 für das Sowjctver- waltungswesen, 838 000 für das Sanitätswesen, 238 000 für das Bildungswesen. 125 000 für die Kunstanstalten. In einem Be- richt an den Kongreß über den Stand des Kampfes mit dem Analphabetismus wurde mirgeieilt, daß die Zahl der Analpha- beten unter den Gewerkschaftsmitgliedern 60 Proz. für das Nahrungsmittelloesen, 75—80 Proz. für Landwirtschaft und Forstwesen, 70—80 Proz. für die städtischen Betriebe. 60 Proz. für die Textilindustrie, 75—80 Proz. für die Tabakindustrie und 2 bis 3 Proz. für das Sowjetverwaltungswesen betrage. Von den Eisen- bahnern seien etwa 60 Proz., von den Schiffsarbeitern 25—27 Proz., dagegen von den Metallarbeitern nur etwa 12 Proz. Analphabeten. Internationale Streiknachrichten. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der englischen Tex- t i l i n d u st r i e werden am Freitag in Manchester zu Vcrhand- l u n g e n zusammenkreten. Man hofft, daß durch diese der Streik beendet wird. In der Bewegung der italienischen Staatsbeamten macht sich ein starker Druck Giolittis bemerkbar. Er setzt an die Stelle der Entlassenen zum Dienst fähige Kriegsinoaliden, Kriegs- witwen und-waisen. Die Streikenden sollen erklärt haben, den Ausstand sofort abzubrechen, wenn die Bestrafungen rück- gängig gemacht werden. Eine solche Lösung erscheint aber nicht möglich, stößt zumindest auf große Schwierigkeiten. Ins Telegra- phenamt zu Rom werden nach der militärischen Besetzung nur noch solche Beamte eingelassen, die sich bereit erklären, den vollen Dienst auszuüben. Aus Belgien wird gemeldet, daß in der Borinage 11 000 Kohlenarbeiter als Protest gegen die Lohnredu- z i e r u n g in den Streik getreten sind. Landarbcikerstrelk in vanern. Im Bezirke Starnberg ist ein Landarbeilerstreik ausgebrochen. Auf sieben größeren Gütern sind gegen 400 Arbeiter in den Streik getreten. Ein vom Landes- Einigungsamt gefällter Schiedsspruch mit höherer Entloh- n u n g war von den Arbeitern als unzureichend abgelehnt worden. Bei Beendigung des Terkilarbeiterslreiks in Baden ist zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vereinbart worden, daß die Ar- beit wieder aufgenommen und über die Lohnsrage vor einem Schiedsgericht verhandelt, werden soll. Zuftiedene Arbeiter. Zu dieser Notiz in Nr. 225 teilt uns Herr Jakob Hofmann, Franzsir. 6, mit, daß er nicht mehr In« baber der Firma ist und dieselbe jetzt C. I. Hofmann N ch f l g. firmiert. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Luxuspapierbranchc: Freitag S'/i Uhr in den Sophien-Sälen, aophicnftr. 17,18, Versammlung aller in den Chroino» und Phato-Bctricben Bcschiiftigtcn. Bericht von der Lohnuerhandlung. Verantw. kür den redatt. Teil: Dr. Werner Veiser, Eharlotlenburg: sllr Anzeigen: Tb. Glolte, Berlin. Verlag: Vvrtiärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Var- wärts-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Vaul Einger u. Co.. Berlin. Lmdenstr. Z. Hicrzn 1 Beilage. mtin&umd DUJAD£»Ns,C* O.mb.n UGDtNQEN Dh LAQOCttLLE:( co&ac- cniBiNn uAan�e> A General-Vertreter für Groß-Beriin und Brandenburg: JErnst Moritz, Charlotten bnrg, Kaiserdamm 114 Telephon; Amt Wilhelm Nr. 4946 und 4947. Stoffe für Herren- a. öaraea-ßekleidimg „Aparte Neuheiten" Verkauf meierweise Koch& Seeland£: h*. Gerfraudtcnstralie 20—21 Das Haus für Tolkskleidung- Xoiom* Rmz, m. Sport-, Touristen Somnierjßppe bringt heute folgendes besonders günstiges Angebot: Lodenmäntel Sportanzüge M. 325.- 390.— 490.- 550,— 650.- Sportjoppen u°d M. 95.- 120.— 190.- 275— 350.- QrkOr'f hrkCOM haltbare Stoffe und oponnosen Manchester: M, 08.- 150,- 190.- 250.- 290.- M. 250- 290.- 350- lZummimMöl.. m. 290- 390.- 490.- Gümmipelerinen m. 55.-«5.-?».- RlßPäH", Turniiosen blauu weißM. 24.-35.- M. 49- 68.— 95- M. 39.— 55. Litewka-Joppe flOSen mod. 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