Stt, i71 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Hc. 138 Bezugspreis» viertel; Shrl. 30,— M.. monatl 10,— M. frei ins Haus, voraus zahlbar. Poll» bezug: Monatlich!0,— SDL einschl. Su- flellunasoebiihr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Eaar- und Menlelgebiet, sowie die ehemals beut- scheu Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M., für das übrige Ausland 27,— M. Post« beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Elowalei, Dane- Marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts� mit der Sonntag»- beilage„Poll und �eit". der Unter- hallungsdeilage �»eimweir' und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal, Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Sozialdemokrat vrrNu" Morgen-Ansgabe r* t Vevlinev Volksblstt � so Pfennig) LlnzetgeupreiS, Die achtgeipallen» Ronpareillezetl» toitel dL0 M„klieine Anzeige«,- da, tetigedruckte Won lchO M,(zu- lässig zwei teugedruckt» Worte!, leb« «eitere Wort L— M. Siellengeluch» und Schlassiellenanzeigen das erst« Won iy- M. leg« weiter, Won SO Pfg, Wott» über l! Buchstaben zählen für zwei Won«. ssaintlien-An- »eigen für Abonnenten geile S,~ M. Die Preise oerstehen sich einschließlich Teuerung«, Uschlag, «nz-tgen für die nächst» Nummer müssen bt» S Uhr nachmittag» im Hauvtgeschäft, Berlin SW 68 Linden» straße 3, abgegeben werden Geöffnet oon» Uhr Irüh bis 5 Uhr abend». Zentralorgan der fozialdemohrati feben� partei Peutrehtande Redaktion und Expedition: EM 88, Lindenstr. Z Nedaktion Morttzplatz ISlitS— S7 ,>crn,preaier. MorHsvlntz U7SA-5t Sonnabend, den 11» Jnni 1931 vorwärts'verlag G.m.b.H., SV) 88, Linüenstr. Z - Berlag. Expedition und Inseraten. Moristplach 11753—64 > V Dreitägiger Generalstreik in Sapern. München, 10. 3unl(Eigener vrahkbericht des«Vorwärts".) Eine SommWon der Gewerkschaften. Betriebsräte und der drei sozialistischen Parteien hat soeben— nachmittags — den Generalstreik beschlossen und folgenden Aufruf erlassen: An die werktätige Bevölkerung Münchens! Die Aolgen einer systematischen hehe gegen die Arbeiterschaft Bayerns(Mordanschläge auf führende Genossen) zwingen zum raschen hau- deln. Die Arbeiterschaft Münchens wird hiermit, entsprechend einem einmütigen Beschluß der Organisationen, ausgefordert. in einen dreitägigen Generalstreik einzutreten und ihn restlos durchzuführen. Beginn: Areitag, den 10. Juni, nachts 12 Uhr, Ende: Montag, den 13.. nachts 12 Uhr. München. 10. Juni, abends.(Eigener Drahtberichk des ..Vorwärts".) Die Streikparole ist in den Betrieben mit Ruhe und Ents6)lossenheil aufgenommen worden. Der erste Streik- tag wird ein Massenmeeting der Arbeiter im Ausstellungs- park an der Theresienwiese. wo die«Bavaria" steht und Kurt Eisner die Republik proklamiert hat. bringen. Die polizeiliche Genehmigung ist zwar bis zur Stunde verweigert, doch scheint das Ministerium dem Druck der drei sozialistischen Parteien nachgeben zu wollen. Ob irgendwelche Forderungen an das Ministerium Kohr gestellt werden, kann zur Stunde noch nicht gesagt werden. Trotz des Streiks er- scheinen beide sozialistischen Blätter—..Münchener Post" und «Der Kampf", die„Reue Zeitung"(VKPD.) ist seit dem mitteldeutschen Aufstand unterdrückt—. mit Genehmigung der StreiNeitung. unter der Bedingung, daß kein Inserat aufgenommen. der Inhalt auf sozialistische Propaganda beschränkt und keine Geschästsmache damit gelrieben wird. Der Streik soll lediglich ein Ausdruck der Empörung der Münchener Ar- beilerschasl über die Hetze zum Mord und Totschlag unter dem Schuhe der bayerischen Regierung sein. München. 10. Juni»(Eig. Drahtber. des„Vorm."). Die Generalstreikleitung hat sich konstituiert. Die Landes- leitungen der sozialdemokratischen Parteien in Bayern haben die Ausdehnung des Streiks auf das grämte Landesgebiet beschlossen. Der Generalstreik gilt als Auftakt einer parla- mentarischen Aktion zur Erlangung bindender Garantien gegen weitere Duldung der haß- und Mordpolitik der letzten Monate. Der Selagerungszuftanö gegen links!! München. 10. Juni.(Eig. Drahlbericht des.Vorwärts".) Auf Befehl der Pöhnerschen Polizcidireklion hak das Telegraphenamt sämtliche Iernsprechleiiungen nach dem Gewerkschaflshaus, dem Sitz der Generalstreitleiwng. gesperrt. Die Polizei hat im Gewerkschaflshaus nach Generalsireikflugblättern gehaussucht, sie beschlagnahmte die Flugblätter auf den Straßen und slellie die Verbreiter namenl- lich fest, weil die Flugblätter ihr trotz dem velageruugszusland nicht vorher vorgelegt worden sind. wie öer Morö geschah. München. 10. Juni.(TU.) Die„München er Zeitung" teilt mit, daß die Schüsse aus etwa sieben Meter Entfernung abge- geben wurden. Die Kugel, die Gareis traf, ging hinter dem linken Ohr in das Gehirn. Ein Dienstmädchen, das in kurzer Entfernung hinter Garcis nach Haufe ging, erklärte, einen Mann beobachtet zu hoben, der schnellstens von der Ungererftraße herkam, rasch die Frey- straße überquerte und dann zu schießen begann� Der Täter floh in der Richtung Kunigundenstraße. Gareis war feit einem halben Jahre oerheiratet, heute früh, 7 Uhr, erschien eine Gerichtskom- Mission am Tatort. Bis zur Stunde fehlt jede Spur des Täters. Dieser soll ein Mann mittlerer Größe sein, grauen Stofshut, dunkel- braunen Sakko, Wickelgamaschen oder Touristenstrümpfe getragen haben. Mnnchener Pressestimmen. München. 10. Juni.(TU,) Die Blätter verurteilen ausnahm?- los aufs schärfste die Ermordung des Abgeordneten Gareis. Die Sozialdemokraten haben eine öffentliche Versammlung für Mittwoch- abend(?) im Münchener Kindl-Bräu einberufen mit der Tagesord- nung:„Brutale Gewalt über soziale Aufbaupolitik". Die ,M ü n- ch e n e r P o st" bezeichnet die Tot als eine fascistische Mordtat, als einen kalten, überlegten und vorbereiteten Mord. Die„Mün- chener Zeitung" äußert das tieffte Bedauern darüber, daß der Zu» stand geistiger Verwirrung, wie diese Tat es erschütternd zeige, immer noch so hochgradig ist. Der„Bayerische Kurier"(B. Vp.) spricht von einem feigen verbrechen und hofft, daß der Täter seiner ver- dienten Strafe zugeführt werde. Wäre es anders, es wäre in der Verwilderung unseres öffentlichen Lebens kein Ende abzusehen. Das USP.-Organ„Der Kampf" hat nachmittags eine Sonderausgabe erscheinen lassen, in der der Mord als eine Folge der Politik des Ministeriums Kahr und als ein Racheakt der Einwohnerwehr dargestellt und gefordert wird, daß mit der Regierung Kahr und | ihrem politischen System gründlich aufgeräumt werde. Die„M. IN. Nachr."(scheindemokr.) bemerken, es gebe gar keine Worte, die dem allgemeinen Abscheu vor einer so feigen und hinterhältigen Bluttat voll Ausdruck verleihen könnten.— Was die Mörderorgane „Miesb. Anz." und„Dölt. Beob." schreiben, liegt noch nicht vor. m Der Landtagsprästdent Königsbauer(B. Dp.) gibt in sei- nem herzlichen Schreiben an die USP.-Fraktion seiner Erbitterung über die bubenhaste Mordtat Ausdruck. Im Besoldungsausschuß hielt der Vorsitzende dem Abgeordneten Gareis einen ehrenden Nach- ruf: die Sitzung wurde zum Zeichen der Trauer aufgehoben. Kahr schrieb der Witwe Gareis' sein Mitgefühl. Die schon mitge- teilte öffentliche Erklärung der Staatsregierung ist von dem Kultus- minister Matt gezeichnet, da Kahr nicht in München war. Hungerstreik der �estuugsgefangenen. Müncheu. 10. Juni.(TU.) Wie„Der Kampf" mitteilt, sind die politischen Gefangenen in der Festungsanstall Nieder-Schönenfeld in den Hungerstreik getreten. Anfrage wegen des Rusten-Kongresses. München. 10. Juni.(TU.) Im Landtag haben die Unabhängi- gen die Anfrage an die Regierung eingebracht, warum sie in Wider- spruch mit ihrer sonstigen Fremdenpolitik mehr als 100 Äuslän- Kern, die zum Zwecke einer Verschwörung nach Bayern kamen, die Einreiseerlaubnis gegeben hat, und warum diese Erlaubnis nicht zurückgezogen wurde, als der politische Chorotter der Zusammen- kunft ersichtlich war. 3frage nach München. Sind die Mordbuben, die Saenger überfallen und Gareis er- mordet haben, vielleicht Ausländer, die einer besonderen Aufent- Hallserlaubnis in Bayern bedürfen, auch wenn sie ständig in Deutschland leben oder nichtbayerische Reichsdeutsche, die sich binnen 12 Stunden nach ihrer Ankunft bei sonstiger schwerer Strafe persönlich der Polizei vorstellen müssen? Wie gehetzt wurde. Im folgenden geben wir noch ein paar Stilproben aus dem Münchener chetzorgan, dem von Ludwig Thoma redigier- ten„Miesbacher Slnzeiger". Am 5. Juni schrieb dieses Blatt: „Dielleicht geht einmal dem Volke die Geduld aus, und es wird alle diejenigen, die andauernd das bayerische Volk bei der Entente verkaufen, nach der Art traktieren, wie in Italien die Fos- eisten dem internationalen Gesindel den Respekt vor der Heiligkeit einer Nation beibringen. Wenn die Herren den Kampf nun darauf einstellen wollen, wir sind bereit und pfeifen dann aus jeden Paragraphen, der dem Volkswohle entgegensteht. Wir hoben nur einen Paragraphen, den wir respektieren, und der lautet:„Wer am Volke Hochverrot übt, der werde vom Bolte geächtet!" Ueber Crzberger schreibt der„Miesbacher" am 31. Mai 1321: Der Bursche hatte tags zuvor mit dex ganzen taktlosen Auf. dringlichkeit, die dem Buttenhauser Steißtrommler eigen ist, seine Zustimmung zu Ludendorffs Ausführungen kund- zugeben. Jetzt freut sich die D r e ck s e e l e über den Sieg.... Dieses Urbild von Gemeinheit grinste zu Scheidemann hinüber.... Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß das Blatt, das diesen Hetz- und Gassenton führte, ein a m t- liches Organ der Regierung Kahr war. Die Re- gierung Kahr trägt also chrvollgerütteltesMaßvon Mitschuld an der Ermordung des Abgeordneten Gareis, well sie nicht bloß diese Hetze duldete, sondern das schlimmste Hetzblatt sogar noch zum Amtsblatt machte. « Kein einziges Blatt der sieben oder acht reaktiv- nären Blätter, die in Berlin erscheinen, fand gestern nach- mittag auch nur das leiseste Wort der Ent- r ü st u n g über die Ermordung des unabhängigen Landtags- abgeordneten Gareis.„Kreuz-Zeitung".„Deutsche Zeitung", „Deutsche Tageszeitung" usw. geben die Meldung so unauf- fällig wie möglich auf einer rückwärtigen Seite. Die„Tägliche Rundschau" entrüstet sich— aber nicht über den Täter, son- dern daß die Tat„von den Radikalen politisch ausgebeutet" werde. Eine Ausnahme macht allein die„D. A. Z.", das ge- mäßigtere Organ der Deutschen Bolkspartei, die schreibt: Alle Kreise werden ohne Unterschied der Partei einig sein in der entrüsteten Verurteilung dieser ruchlosen Mordtat, die Zweifel- lcs politischen Motiven entsprungen ist. So loHge es noch Elemente gibt, die den politischen Gegner mit Kugeln und Messern zu er- ledigen suchen, kann eine Gesundung Deutschlands nicht eintreten. Die linksstehende Presse macht aus ihrer tiefsten Empö- rung kein Hehl. Uebereinstimmend kommt in allen Blättern der Gedanke zum Ausdruck, wie wenig die Münchener Atten- tatsseuche zu dem eiteln Ruhmwort der„bayerischen Ord- nungszelle" paßt. Neichsregierung gegen Cscherich. Amtlich wird durch WTB. verlautbart: Die im„Berliner Lokalanzeiger" wiedergeaebenen Aus- führungen des Forstrats E f ch e r i ch über die Auflösung der Organisation Escherich beruhen auf unrichtigen An- n a h m e n. Eine Durchbrechung der Grundsätze des deutschen Bereinsrechts liegt nicht nur in der Auflösung der Organisation Escherich, sondern auch in der Auflösung der bayerischen Ein- wohnermehr und der ostpreußischen Wehren, soweit diese Ver- bände nach der Entwaffnung friedliche, mit dem Vereinsrecht vereinbare Ziele verfolgen. Zu dieser Durchbrechung ist Deutschland durch den Friedensvertrag in Verbin- dung mit der Pariser Rote und dem Ultimatum gezwun- gen und verpflichtet. Das Ullimatum enthält eine ge- wisse Interpretation des Friedensvertrages. der wir uns nach der Annahme des Ultimatums fugen müssen. Selbst wenn dazu dos Gesetz vom 22. März d. I. nicht ausreichte, was nach dem Gesetz letzten Endes von der Reichsregierung zu entscheiden ist, könnte dies nur dazu führen, daß ein neues Gesetz zur Ausführung des Ultimatums erlassen werden müßte. Daß die Entente die Auflösung der Organisation Escherich, wenn sie nicht auf� die Liste gesetzt worden wäre, gar nicht gefordert haben würde, i st i r r i g. Dies geht schon daraus hervor, daß General Rollet, wie amtlich bereits mitgeteilt, nach lieber- reichung der Liste diese noch jetzt für unvollständig erklärt hat. Im übrigen hat die Reichsregierung vor Auf- ltellung der Liste selbstverständlich über die Bedeutung, die dieser Teil des Ultimatums nach der Auffassung der Haupt- mächte haben sollte, vorher Fühlung genommen und es dabei an Aufklärung über Statuten und Zweck der Organisation nicht fehlen lassen. Nach dem Ergebnis dieser Fühlungnahme wie nach dem Wortlaut des mit dem Ulli- matum beendeten Notenwechsels hat die Reichsregierung den einzig männlichen Schritt getan, in Erfüllung des Ullimatums die Organisation Escherich fristge- recht in der Liste aufzuführen. Die Entwaffnung der ostpreuhischen Grenzwehren. Der amlliche preußische Pressedienst teilt mit: Zur Durchführung der Entwaffnung der ostpreußischen Orts- und Grenzwehrsn find die notwendigen Anordnungen seitens der zuständigen Behörden erfolgt und zum großen Teile bereits durchgeführt. Die Erfüllung der Verpflichtung hat sich bisher in Ostpreußen ohne besondere Schwierigkeiten durchführen lassen. Dank der Aufklärungsarbeit der zuständigen Kreise und den vorbereitenden Maßnahmen konnten Reibungen bei der Durchführung der schwie- rigen Aufgabe vermieden werden. Der Kapp-Ofsizier als Ffreikorpswerber. Magdeburg, 10. Juni.(WTB.) Bon zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Die Beiordnung des Herrn Reichspräsidenten über dos B er bot militärischer Verbände vom 24. Mai 1921 wurde von einem hiesigen früheren Polizeioffizier, der in den Kapp-Tagen aus der Schuhpolizei enilassen werden mußte. nicht befolgt. Er sammelte, entgegen der genannten Verordnung. junge Leute, um sie nach dem bedrohten Grenzgebiet Oberschlestens zu entsenden. Der Plan wurde vereitelt, indem sowohl jener ehemalige Offizier wie auch sämtliche Leute von der Polizei sestge- uommen und dem außerordenllichen Gericht zur Bestrafung zuge- führt wurden. Orgesch als Obstzüchter. Aus Potsdam wird uns berichtet: Unter der Bezeichnung einer Obstzüchterbesprechung wurden die deutschnationalen Ein. wohner von Bornim und B o r n st e d t aufgefordert, an einer Versammlung teilzunehmen. Diese angebliche Obstzüchterversamm- lung führte zur Gründung einer Orksgruppe der Escherich-Organi. salian. Der Kreisleitsr, der im„Vorwärts" schon früher gekenn- zeichnete Major v. Jena, bezeichnete es als eine Schande, daß Männer wie der Reichskanzler Dr. W i r t h und R a t h e n a u uns regieren. V. Jena bezeichnete die bayerischen Verhältnisse als vorbildlich(Ermordung Gareis'I) Die Escherich-Organi- sation sei schon im Einverständnis mit den Kreisen Westhavelland, Priegnitz und Neuruppin. Auch mit der Reichswehr und Schupo sei Verständigung erzielt, um im Ernstfälle gemeinsam vorzugehen. Sitz der Organisation ist K i e m b e r g bei Nauen.— Bielleicht sekstn sich die Behörden dieses Ding einmal näher an. Daß die Orgesch am Vorabend ihres Verbots Ortsgruppen gründet, ist interessant. Eine würüi'se Ergänzung. Die Telegraphen-Union und sogar das WTB.(!) teilen mit, daß Graf Ernst R e v e n t l o w die Leitung der äußeren Politik an den von dem Reichstagsabgeordneten W u l l e herausgegebenen Blättern„Das Deutsche Tageblatt" und„Da, Deutsche Abendblatt" übernommen hat. Solang« es aber Herrn Wulle nicht gelungen fein wird, Herrn Rudolf L e b i u s für sein Blatt zu gewinnen, wird dieses den Ber- gleich mit dem„Miesbacher Anzeiger" doch nicht aushalten können. Staatsmann StegerwaV. 3m„Preußischen Pressedienst" läßt der MSnisterprSstdent Stegerwald einen seine» jungen Leute aus dem„Porwärts" las. Wir würden auf diese Stilübung, die größtenteils in der Wiederholung einer früheren Stegerwaldfchen Ministerrede besteht, nicht näher eingehen, wenn nicht am Schluß der Er- örterung sich folgender Satz befände: In der Kernfrage der Meinungsverschiedenheit zwischen dem Ministerpräsidenten und dem„Vorwärts" befindet stch Stegerwald zudem in guter, Gesellschaft, mehrheitssozialdemokra- tische Führer, die staatsmännisch denken und dos gegenwärtige deutsche Elend ohne Rücksicht auf parteipoli- tische Vorteile oder Nachteile sehen, stehen mit Stegerwald auf dem Standpunkt, daß, wenn die Durchführung des Reparations- Programms gelingen soll, eine Verbreiterung der Koa- l i t i o n im Reich und im Preußen auch nach rechts eine nicht zu umgehende Notwendigkeit fei. Der junge Mann des Herrn Stegerwald hat wohl mit dieser Formulierung ausdrücken wollen, daß die ungeheure Mehrheit der Sozialdemokratischen Partei und der sozialdemo- kratischen Führer, die eine Koalition mit der Deutschen Volks- aprtei ablehnen, nicht staatsmännisch denken und parteipoli- tische Ziele verfolgen. Wir nehmen solche Unterstellungen nicht tragisch, gestehen Herrn Stegerwald aber offen, daß uns in der Tat jene staatsmännische Ader fehlt, um das Heil und die Zukunft Deutschlands als gesichert anzusehen, wenn sich mit dem wunderlichen Trotz- Minister noch ein schwerindustrieller Protz- Minister und ein reaktionärer Klotz- Minister ver- binden, um als gemeinschaftlicher Hemmschuh zu wirken. Herr Stegerwald beschwert sich, daß ihn der sozialdemokratische Redner schärfer angegriffen habe, als die Redner der Unabhängigen und Kommunisten. Die pflegen bekannter- maßen ihre Wald- und Wiesenagitationsreden zu halten. Wir aber find seit Lastalle gewohnt, unsere Kraft auf den ent- scheidenden Punkt zu konzentrieren, und das ist in Preußen die B e s e i t i g u n g des von der Reaktion abhängt- gen, aufbauhinderlichen und dem Ausland gegenüber kom- proinittierenden Ministeriums Stegerwald. Nur Taten können helfen! Langsam bricht sich in Frankreich seit der letzten Kammer- debatte und dem Sieg Briands die Erkenntnis Bahn, daß die bisherige Gewaltpolitik gegen Deutschland nur zur Schwächung des demokratischen Gedankens und zur Stärkung� der reaktiv- nären und militaristischen Kreise in Deutschland führen muhte. Der„Petit Parisien", das in ganz Frankreich mit einer täg- lichen Zweimillionen-Auflage verbreitete Organ, das stets be- strebt ist, die Ansichten der Regierungskreise zu widerspiegeln, schreibt am 6. 3uni über das Ergebnis der Schlußabstimmung der Reichstagsdebatte: „Es ist offenkundig, daß der Sieq des demokratischen und friedliebenden Deutschlands über das feudale und militaristische Deutschland klarer hervortritt und Fortschritte macht.... Wir würden die demokratisch« Richtung in Deutschland und die neue Regierung ganz bedeutend verstärken, wenn wir aus die im vorigen März angewandten Sanktionen— Besetzung der Ruhrkohlenhäfen und Zollgrenze am Rhein— verzichten und wenn wir dos Deutschland des Reichskanzler» Wirth in Oberschlesien weniger hart behandeln würden, ats wir es gegenüber dem widerspenstigen Deutschland des Herrn Simons getan haben würden." Der Gedankengang ist zweifellos richtig und nur die- jenigen, die es im Interoffe ihrer demagogisch-nationalistischen Parteiagitation vorziehen würden, wenn die deutsche Wirt- schaft weiter unter den Sanktionen litte, und wenn möglichst viel deutsches Land in Oberschlesien den Polen zugeteilt wäre, werden sich darüber entrüsten, daß wir dem„Petit Parisien" zustimmen. Daß es unter unseren Deutschnationalen viele gibt, die im Hinblick auf ihre Propaganda auf Gewaltmah- nahmen und Demütigungen Deutschlands durch die Entente 'tzeraßezü fpe?ulle?ert im? jedes Entgegenkommen der Gegen- feite bedauern, das haben die letzten zwei Jahre zur Genüge gezeigt. Indessen nützen die schönen Worte und guten Absichten der Entente nichts, solange keine Taten folgen. Und des- halb erwarten wir, daß Frankreich nicht allein seinen Wider- stand gegen die Aufhebung der März-Sanktionen aufgibt. sondern daß es sich auch zu einer objektiven Auffassung der oberschlesischen Frage aufrasst. Und sollte die Entscheidung über Oberschlesien in einem der Gerechtigkeit widersprechen- den Sinne erfolgen, so wäre dies der Triumphderdeut- schen Reaktion. In diesem Zusammenhang möchten wir no chauf folgende Tatsache hinweisen: Am morgigen Sonntag findet in Berlin eine Massen- demonstration zugunsten der 117 Aoignon-Gefangenen statt. Kürzlich wurde gemeldet, daß etwa 20 dieser bisher zurück- gehaltenen armen Teufel nach der Heimat zurückbefördert wurden, die sämtlich aus Bayern stammten. Wir gönnen diesen 20 Süddeutschen natürlich von Herzen die Befreiung von ihren Leiden, müssen aber diese bevorzugte Behandlung bayerischer Staatsangehöriger gegenüber den norddeut- schen Avignon-Gefangenen als eine besondere an den letzteren begangene Grausamkeit auf das schärfste brandmarken. Es ist eine Schande, mit Kriegsgefangenen„Politik" git treiben. Und zweifellos war das der Zweck dieser französischen Maßnahme, die ganz in den Rahmen jener Politik des Quai d'Orfay paßt, die bis vor kurzem darin bestand, Bayern gegen Preußen fortwährend auszuspielen. Dieser der reaktionären Sch andregierung Kahr-Pöhner geleistete Liebesdienst(vielleicht zur Belohnung ihrer hartnäckigen Haltung in der Entwaffnungsfrage?) war jedenfalls nicht ge- eignet, die demokratische Richtung in Deutschland zu stärken. Entrechtung öer polizeibeamten. Die Zentralstelle für Beamtenagllation beim Parteivorstand hat an den Genossen Dr. G r a d n a u e r im Interesse und aus Veran- lassung der Schupobeamten folgendes Schreiben gerichtet: „Den Angehörigen der Schutzpolizei wurden vor einiger Zeit vom Preußischen Ministerium des Innern neue Anstellungs- grundsätze mit einem Verpflichtungsschein zur Unterschrift vor- gelegt, in denen unter anderem bestimmt war, daß die Schupo- beamten nur. auf eine Dienstdauer von 12 Iahren mit Monat- licher Kündigung verpflichtet werden und ihnen verboten wurde, sich im Dienst oder in den Diensträumen(zu denen auch die Dienstwohnungen der Beamten gerechnet werden) sowie in Uniform politisch zu betätigen. Diese Bestimmungen laufen auf eine Recht- losmachung der Schupobeamten sowohl in wirtschaftlicher wie staatsbürgerlicher Hinsicht hinaus. Die gesamte Schutzpolizei ein- schließlich der Offiziere weigerte sich, diese Artstellungsgrundsätze anzuerkennen. Sie befand sich dabei in Uebereinstimmung mit dem Deutschen Bcamtenbund, der die Einbeziehung der Schutzpolizeibeamten in das B e r u f s b e a m ten tu m fordert. Darauf wurden die Anstellungsgrundfätz« vom Preu- ßischen Ministerium des Innern dahin abgeändert, daß die Offiziere von den Bestimmungen ausdrücklich ausgenommen wurden. Nunmehr gaben die Offiziere den Widerstand gegen die Anstellungsgrundsätze auf und versuchten unter Anwendung eines Druckes die Unterschrist der Bill, zu erwirken. Bis Sonntag, den 12. Juni, mittags 12 Uhr sind den Kommandostellen und bis I?. Juni dem Ministerium des Innern diejenigen Schupobeamten n a m e n t- l i ch zu melden, die die Unterschrift nicht geleistet haben, obwohl von oben die Unterschrift als eine freiwillig« bezeichnet wurde. Da angeblich trotz fortwährender Reueinstellungen in der deutschen Schutzpolizei etwa 30 000 Beamte zu viel vorhanden sind und dem- nächst gekündigt werden sollen, kann kein Zweifel darüber be- stehen, daß nunmehr diejenigen zur Entlassung kommen werden, die die Anstellungsbedingungen nicht„freiwillig" unterschrieben haben. Die Angehörigen der Schutzpolizei erklären daher, daß sie zur 9er Cmfluß öes Klimas auf öas Antlitz öer Eröe. Di« Abhängigkeit der Oberslächensormen der Erde vom Klima ist erst spät erkannt worden. Die Kiimaunierjchicde, die in den Kulturländern Mittel- und Westeuropa- herrschen, sind meist nicht groß genug, um unmittelbar die Aufmerksamkeit auf stch zu lenken. Erst in neuester Zeit hat die geographische und geologische Forschung den Einfluß untersucht, den das Klima auf die Formen unserer Landschaft ausgeübt hat. und die deutlichen Spuren aufgezeigt, die die Witterung im Antlitz unserer Erde hinterlassen. In seinem soeben bei B. G. Teubner in Leipzig erscheinenden Werk„Die Oberflächen- formen des Festlandes" behandelt der Geograph der Heidelberger Universität Prof. Alfred Hettner eingehend dies« bisher wenig beachteten Züge im Gesicht der Mutter Erde. Zuerst hat man bei Untersuchungen des W ii st e n k l i m o s er- kannt, welch« Bedeutung hier der Wind für die Gestaltung der Ober- stäche besitzt. Aber allmählich hat sich die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß jedes Klima einen besonderen Formenschatz in der Landschaft ausbildet, und daß sich die klimatische Eigenheit eines Erdstriches be- sonders in den Kleinformen ausspricht. Dabei genügt es allerdings nicht, einig« Zahlen über Temperaturschwankungen oder Regen- menge zusammenzuraffen, sondern man muß den ganzen Charakter des Klimas im Zusammenwirken von Wärme und Niederschlägen und überhaupt aller Witterungsfaktoren auffassen, und muß damit auch den Einfluß der Pflanzendecke und— in geringerem Maße— der Tierwelt in Verbindung bringen, deren Eigenart ja eng mit dem Klima zusammenhängt. Aber nicht nur die leisen Spuren und Veränderungen, die die Witterung beständig in dem Bilde unserer Landschaft hervorruft, be- schäftigen den Geographen, sondern er muß auch die oielumstrittene Frage beantworten, inwieweit das Klima der B e r g a n g e n h« i t die Formen der Erdoberfläch.' bestimmt hat. Für dl« Grohformen der Land- schaft kann dabei kein Zweifel bestehen. Stammt doch der Boden ganz Norddeütschlands aus der Eiszeit, in der ein ungewöhnlich kaltes Klima die stärksten Spuren bis aus den heutigen Tag hinter- ließ. Auch die Täler der Alpen sind zweifellos in der Eiszeit um- gebildet worden, und ebenso scheint eine vorgeschichtliche Steppen- zeit mit ihrem charakteristischen Klima auf die Bildung unserer Natur eingewirkt zu haben. Bei den Kleinformen, die gewöhnlich von geringerer Lebens- dauer sind, ist die Bestimmung der klimatischen Einflüsse schwieriger. In den letzten Jahrtausenden haben wir im wesentlichen dasselbe Klima gehabt wie heute, und die größeren Klimaänderungen liegen sehr weit zurück Trotzdem lassen sich auch da wichtige Beobachtun- gen machen. Manche Schuttbildungen und Felsenmeere, wie z. B. der Schlesilche Zobten, sind erst während der letzten Eiszeit in dem rauhen und schneereichen Klima gebildet worden, das damals am Rande des großen Inlandeises herrscht«. Di« Dünen und Flugsand- bildungen der Oberrheinischen Tiesebene, der Dresdener Heide und anderer Gegenden setzen«in Klima voraus, das trockener und waldloser war als das heutige, und stammen aus einer vorgeschichtlichen Steppenzeit. Doch auch in geschichtlicher Zeit haben die formen- bildenden Vorgänge keineswegs aufgehört. Es gibt in Chroniken und anderen historischen Quellen viele Berichte über Neubildung von Formen, und wenn man sogar an menschlichen Bauwerken die Umbildung durch Noturvorgänge beobachten kann, so muß dies für die Natur als selbstverständlich gelten. Unsere heuttgen Winter sind zwar lang« nicht mehr so streng wie die der Eiszeit, aber doch kalt genug, um eine beträchtliche Frostverwitterung hervorzurufen, und unser Sommer bringt genug Wärme und Feuchtigkeit- um an ge- eignetem Gestein chemische Zersetzung zu begünstigen. Durch Aus« spülung des Bodens wird Bodenzersetzung in nicht unbeträchtlichem Maße hervorgerufen. Freilich muß man sich davor hüten, aus der Veränderung einzelner Formen gleich auf einen dauernden Einfluß des Klimas zu schließe y. Ein durch Abspülung sanft abgedachter Hang kann nach einem heftigen Regenguß von Rissen und Spalten durchzogen werden, die dann allmählich wieder ausheilen und die alte Form annehmen. Auf eine Wirkung des Klimas kann man nur dann schließen, wenn olle Veränderungen der Gegend den gleichen Sinn haben und daher überall die gleichen Bedingungen vorliegen müssen. EinheiMche Klassenbezeichnung in den Schulen. In dem vom Kultusministerium herausgegebenen„Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen" schlägt der Berliner Schulpoli- tikcr Studienrat Dr. Erich Witte eine einheitliche Klassenbezeichnung für alle deutschen Schulen vor. Bisher ist die Benennung der Schul- klassen ganz verschieden. Während die erste Klasse' in einigen Ländern, z. B. in Bayern, die unterste ist, ist sie in Preußen die oberste. Eine weitere Verschiedenheit ergibt sich daraus, daß die Zahl der Klassen an den Schulen nicht dieselbe ist. So entspricht z. B. die„Quarta" der höheren Schulen nicht der vierten Klasse der Lyzeen und Volksschulen Dr. Witte macht nun den Darschlag, in ganz Deutschland die- unterste Klasse der Volksschule Klasse 1, die ztveitunterste Klasse 2 usw. zu benennen und dies« Bezeichnung auch auf die anderen Schulen auszudehnen, so daß die Klasse gleich- zeitig auch das Schuljahr der Schüler angibt, vorausgesetzt, daß sie immer versetzt werden. Würde aus die vierjährige Grundschule eine achtjährige höhere Schule aufgesetzt werden, so würde die unterste Klasse dieser dann die fünfte sein. Der Klasse soll dann nach dem Vorschlag Wittes die Schulart hinzugefügt werden, z. B. 5 V (5. Jahraang der Aottsschule), S R(unterste Klasse, jetzige S. Klasse der Realschule). Das höfliche Moskcm. Die.Iswestisa" teilt mit. daß bei den Eröfsnungsfelerlichkeiten des 3. Kongresses der Moskauer Internationale ein großes russisches Ausstattungsstück zu Ehren der deutschen Delegierten in deutscher Sprache ausge. führt werden wird. Da die deutschen Moskowiter sonst von russischer Seite nicht gerade verwöhnt zu werden pflegen, so ist dieser Akt der Höflichkeit Abwendung dieser drohenden Maßregeinngen dt« AnfletlmigSbe- dingungen unterschreiben werden, ohne sie jedoch als rechlsgülllg zu betrachien. Sie bitten daher den Herrn Reichsminister des Innern, von seinem Aufsichtsrecht über die subventionierte Polizei der Einzel- staatcn dahin Gebrauch zu machen, daß er gegen die Anstellungs- bedingungen aus staatspolitischen und polizeitechnischen Gründen Einspruch einlegt und verlangt, daß das Dienstverhältnis der Schupobeamten unter Wegfall aller einschränkenden Bestimmungen zum Beamtenverhältnis ausgestaltet wird." Genugtuung für Kalinow! Ports. 10.?uni.(TU.) Das„Pekit Journal" meldet, daft die sranzöfische Regierung dem deutschen Botschafter Dr. Aleyer mit- geteilt hat, sie würde den Zwischenfall in Oberschlesien als sehr ernst betrachten und die Berliner Regicrnng dafür v c r a n l w o r t- l i ch machen. Die französische Patrouille, die cmgearissen worden ist. gehörte zu den Truppen, die die neutrale Zone zwischen den Deutschen und Polen beseht holten. Der deutsche Angriff sei daher eine ernste Beleidigung für die Interalliierte Kommission und für die ftanzösi- schen Truppen. Der Zwischenfall könne mit der Entschuldigung der deutschen Regierung nicht als erledigt betrachtet werde«. Die sranzöfische Regierung pflegt ocgenwäriig Beratungen mit den Kabinetten von London und Rom über einen gemeinsamen 5 ch r i t t, der in Berlin erfolgen soll. Die Alliierten werden von der densschen Regiernng volle und präzise Genugtuung oerlangen. Wenn die Franzosen dort die neutrale Zone sichern sollten— warum hoben sie die Polen schießen lassen? » Wie aus Oppeln amtlich gemeldet wird, hat die Kampftötig- keit der Aufrührer allgemein nachgelassen. Die Beoölke- r u n g im Industriegebiet leidet immer mehr unter der Nahruugs- Mittelknappheit. Mehl, Milch. Zucker. Kartoffeln und Gemüse fehlen fast ganz. Die Insurgenten führen weiterhin große Mengen der geförderten Kohle nach Polen aus. Die polnischen Truppen an der deutschen Grenze wurden in den letzten Tagen durch sogenannte Zollbatoillone ersetzt. Tragikomödie! Paris, 10. Juni.(TU.) Im Unterhause hat Chamberlain auf eine Anfrage erklärt, es sei zu befürchten, daß die oberschlcsische Tragikomödie, die schon seit fünf Wochen dauert, noch weiter hingezogen werde: General L e R o n d, der von den englischen und italienischen Formationen untersttitzi werde, behauptet immer wieder, daß die Ententearmee in Oberschlesien trotz der englischen Verstär- kung noch zu schwach sei, um die Ordnung wiederherzustellen. Tie F-lüchtlinge. Die Zahl derjenigen' deusschen Oberschlesier, die Heim und Arbeitsstelle verlassen mußten, aus den Kreistn Kofel, Kreuz- bürg, Leobschütz, Ober-Glogau, Oppeln und Ratibor beträgt 6680; die Zahl derjenigen, die„nur" ihre Arbeitsstelle verloren haben, bettogt in diesen Kreisen IS 252. Für die oberschlesischen Flüchtlinge ist in Berlin eine Fürsorge- zentrale errichtet in der Kaserne General-Pape-Straße, Filialen im Schlestschen, Lehrter und Bahnhof Friedrichstraße. Bor Unterstützung ausweisloser Flüchtlinge wird gewarnt: Ausweise und Hilfe in der General-Pape-Straße erhältlich. der nördliche korfantp. k o w n o. S. Juni(Cif. Telegr.-Ag.) Die Zeligowski-Regie- nmg hat in Rttlna neue Postwerlzeichen herausgegeben, deren Ertrag zur llnkerstützung der oberschlesischen Aufrührer bestimmt ist. Die Rlarken sind mit der Ausschrifk„für Oberschlesien"(zwei Mark) oersehen.— Da der Völkerbund daraus beharrt, daß Je- ligowski wilva räumt, Neiden die Polen ganze Truppenteile in Zivil ein, um ihre Pläne weiterführen zu köuneu. Zu Zivil verkleidete polulsche Truppeuabieilungen erschienen in letzter Zeit bei Vareny(Orany), Rudtiiki und Zaschuny. Räch bewährten Rknstern. In Krakon hat sich jetzt ein« „stowakische Regierung" aufgetan, die die Slowakei von der CSR. (Eestoslovensta Republika) losreißen will. Früher waren diese Be- strebungen ungarische Mache, jetzt werden sie auf polnischem Boden betrieben. Polen als Hort von Unterdrückten— wie schlicht, wie einfach— und doch wie ergreifend! für sie gewiß sehr schmeichelhaft. Roch schmeichelhafter aber wäre e?. wenn man statt des russischen ein Stück gewählt hätte, dos dem deusschen Verständnis näher liegt und für unsere Kommunisten von aktuellerem Interesse ist. Etwa das gegenwärtige Revertoireltück dcs Theaters in der Königgrätzer Straße„Mit dem Feuer spielen" oder, aus der älteren Possenliterotur, Benetixens „Zärtliche Verwandte". Die Welt nach dem Wettkriege heißt ein Buch, dos das er''- lisch- Soziolistenpaar Charles R. und Dorothy Fr. Bux- t o n herausgab und das soeben in deutscher Uebersetzung svsn Rudolf Berger) im Verlage C. A. Schwetschke und Sohn erschein?. Dos Buch ist für uns deussche Sozialisten ein Dokument der Ho:;- nung: Drüben sind auch Menschen, die, den Wahnsinn durchschauend, aus ihm herauswollen! Die Buxtons haben nach dem Kriege die Länder Europas b*- reist, waren an vielen Hilfsaktionen beteiligt, haben ohne Vorurteile die Verhältnisse studiert. Sie stellen die„Balkanisterung" Europas fest und decken den Sinn der neuen, aussichtslosen aber Verderb- lichen„Gleichgewichts"politit auf: gleichzeitig zwei gefährlichen Mächten zu widerstehen, der Revanche geschlagener Feinde und dem Vormarsche de» revolutionären Sozialismus. Edelster und wahrheitsliebender Internationalismus führt die Feder, nichts wird verschwiegen, gefärbt oder beschönigt, weder die Versailler Trag!» komödie, noch die Entartung des Völkerbunds, der Hohn der Fris- densverträge, das Versagen Wilsons, die Mordpolitik der Aushunq.'. rung, der Cimnischunq in Rußland oder aucb die Gewissenlosigkeit englischer und französischer Staatsmänner. Nicht als ob deutsche Unzulänglichkeiten dabei etwa gut wegkämen. Die Verfasser sind nicht prvdeutsch: wer ein Trostbuch für seine eigenen Fehler sucht. kommt nicht auf seine Rechnung. Die Verfasser sind Sozialisten und Internationalisten! Allo sehen sie das ollgemeine Elend, das große Sterben, den Wirt- schaftszusammenbruch, die Feigheit und Blindheit der Staatsmänner. den nationalistisch verbrämten Kampf des Kapitalismus gegen die Sozialisten in allen Ländern, also beurteilen sie den Bolsche- wismus gerecht. Und am Krankenbette Europas behalten sie den Glauben und Willen zur Genesung. Sie sehen Anzeichen sür einen antimilitaristischen Feldzug durch ganz Europa, sie glauben, daß der Druck der wirtschaftlichen Tatsachen die Völker wieder einander nähern wird, sie sehen den überstaatlichen Wirtichaftsauibau zur Verteilung der-Bedarfsgüter nach dem Bedürfnisse statt noch der Zahlungsfähigkeit kommen, sie vertrauen auf die Wirksamkeit der sozialististyen Idee. Das sind auch unsere Hoffnungen! pö. hie I. Weber-Feier, die nrn Sonntag, den 12.. mittags 1t1/, Ubr. in der Staat» Dp er stattfindet, wird durch die Ouvertüre zur .Eurhanlbe" eingeleitet werden. G» lolgt da» Konzertstück .?- m o I l" für Klavier und Orcbeller; am Flügel Michael von Za- d ora. In der avschließenden Aufführung der Mufik zu.Vreciosa" wird die Tileldartie von Eenia Guszalewicz, der von Dr. Georg D r ö s ch e r neugestaltete verbindende Teyl non diesem selbst voraetraoen. Dirigent Dr. Fittz Stiedrh Mitwirlend: die Kapelle und der Chor der Siaetöoper. E erhart Hauptwann»„Weder« werden miter der Ztegie von Karlheinz Martin im G r o jz e» Schauspielhau» neu- elnslndiert. Nk.S7I»Z«.?aheg»«s_-�CtfO�C 0�0 Sonnabend, II. �unl 1921 GroßGerlln Eine Dubrow-Vanöerung. Südlich von Königswusterhausen liegt das ausgedehnte Waldgebiet der D u b r o UM Man erreicht es am besten von Groß- Besten aus mit dem Fernzug der Görlitzer Bahn, lieber Galluns- brück wandern wir zum Pätzsee und weiter auf der Chaussee, die nach Wendisch-Vuchholz führt, zum Forsthaus Sauberg. Wir haben die Dubrow erreicht. Sie wird im Osten und Süden vom Schmölde- see und Hölzernen See, im Westen vom Förstersee begrenzt und reicht im Norden etwa bis an die Chaustee von Prieros nach Gräbendorf. Vom Forsthaus Sauberg gehen wir durch das Gatter gen Ost zum Forsthaus Dubrow am Nordende des Förstersees. Der Wald besteht vorwiegend aus Kiefern', allmählich geht er in ziemlich reine Eichenbestände über. Manche prächtige alte Eiche von knorrigem Wuchs können wir hier finden. Die Dubrow beherbergt die größte Reihertolonie der Mark Brandenburg: wohl 70 bis 8l> Paare dieser Vögel horsten hier. Es sind Fischreiher. Ihr Gefieder ist einförmig grau, nur am Halse und an den Schwingen ist es von schwarzen Streifen abgesetzt. Schon aus der Ferne machen sie sich durch ihr Gekrächze und Geschrei bemerkbar. Kommen wir näher hinzu, dann erkennen wir bald ihre Spuren. Der Boden unter den Horstbäumen ficht aus, als wäre er mit Kalk bespritzt. Von den sprichwörtlich f(f>arfen Ausscheidungen der Reiher ist der Pflanzenwuchs in der Nähe abgestorben, und auch die Horstbäume leiden darunter. Viele von ihnen sind im Laufe der Zeit abgestorben. Man nndet die Reiherhorste daher häufig in den Wipfeln von Eichen, deren Leben erloschen ist. Dadurch ist es uns möglich, das Leben und Treiben der Vögel am Horst und die Jungen, die gerade jetzt noch nicht flügge sind, gut zu beobachten. Die Reiherhorste liegen im Jagen V8. Vom Forsthaus Dubrow wandern wir auf dem Weg nach Prierosbrück etwa 1l> Minuten und dann gen Südost auf dem Gestell, das uns zu den Reiherhorsten bringt. Auf dem Ufer des Schinöldesees kommen wir durch schönen Wald nach Prierosbrück. Das Master wird hin und wieder von Ruderbooten belebt: wir sind an der Fahrstraße nach Teupitz. Von Prierosbrück geht die Wanderung über Gräbendorf und Senzig nach Neue Mühle. Der Wald besteht hier aus Kiefern: er zeigt fast gar kein Unterholz. Der Tiergarten bei Neue Mühle ist dagegen ein schöner Mischwald, der uns für die etwas eintönige Kiefernheide der letzten Strecke reich entschädigt. In kurzer Wan- derung haben wir Königswu st erhausen erreicht, ein freund- licher Ort, der von Berliner Ausflüglern viel besucht wird. Von hier kehren wir mit den Vorortzügen der Görlitzer Bahn(zur Stadtbahn in Niederschöneweide umsteigen) nach Berlin zurück. Hinfahrt früh 7.V0 Uhr vom Görlitzer Bahnhof oder 6,36 Uhr von Friedrichstraße (in Niederschöneweide umsteigen). Weglänge etwa 20 Kilometer. der Fuöe wirö vermöbelt! Ankisemliische Siudenlen als Rowdys. Wie dringend, wie außerordentlich dringend uns eine Etrafprozeßreform nottut, beweist der folgende Bericht über eine Verhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts III. Ein paar Studenten waren in der anscheinend im deutschen Stu- dententum nach wie vor üblichen und geschätzten Besoffenheit zum Rowdytum herabgesunken. Die Strafkammer aber konnte sich selbst in der zweiten Instanz nicht entschließen, die antisemitischen Burschen auf ein paar Wochen ins Gefängnis zu schicken. 1000 Mark Geld- strafe war alles. Die erste Instanz, das Schöffengericht, hatte sogar auf nur je 200 Mark Geldstrafe erkannt. Der Kaufmann Ioustin Sachs ging in der Nacht zum 28. No- vember gegen 8H Uhr den Kurfürstendamm entlang in der Rich- iung Halensee. Kurz vor ihm waren an einer Stelle der Straße etwa 10 Personen aus einem Nachtomnibus gestiegen, die den ganzen Vürgersteig sperrten. Es wurde die Parole ausgegeben: �.Wir halten jetzt jeden an, und der erste Jude wird vermöbelt!"' Bald wurde Sachs umringt und durch Schimpf- 2, Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. l. Zwei Fälle. Liebe sprach bei dieser geplanten Verbindung nicht mit, nur eine ruhige Sympathie, in die sich bei Hermann Reisner noch etwas wie Neugier mischte, eine Neugier, die von einem geheimen Mißtrauen nicht ganz frei war. Was er von dem jungen Mädchen wußte, ging nicht weit über die Grenzen dessen hinaus, die in der guten Gesellschaft dem geselligen Ver- kehr der jungen Leute gesteckt sind. Das Mädchen war von ibm weder heftig begehrt noch gegen Widerstände erobert wor- den, es war ,hm gleichsam von selbst zugefallen, er pflückte es auf dem nüchternen Weg, den er ging, wie eine hübsche Blume, die man ohne tiefere Wünsche abreißt, um sie daheim in eine Vase zu stecken. Ohne sich sondersich zu beeilen, im Grunde sogar von einer dunklen Unruhe, die ihm zuweilen im Blute pochte, geängstigt und gehemmt, strebte er dem Ziel zu, das ihm vom Schicksal vorgezeichnet schien: einem Leben, dessen Sinn und Zweck der Erwerb und die Familie waren. In dem Leben dieses Menschen vollzog sich nun jäh und von niemandem, am wenigsten von ihm selbst, erwartet eine Wandlung. Aeußeriich veranlaßt wurde sie durch den rasch nacheinander erfolgten Tod seiner Mutter und seines Baters, durch den er nicht nur in den unbeschränkten Besitz eines er- heblichen Vermögens kam, sondern der ihn auch von einer Kontrolle befreite, die, ohne je scharf oder streng zu werden, doch immer dagewesen war. Er erwies sich als einer jener Menschen, die für sich allein nichts sind, die nur gedeihlich wirken können, wenn eine andere Hand sie führt, und die rat- los werden und schließlich in die Brüche gehen, wenn jener fremde Einfluß erlischt. Hermann Reisner befaß mit einem Male viele Freunde. Er, der bisher nie ein Bedürfnis nach Bekanntschaften emp- sunden hatte, suchte jetzt welche, weil er den Einsluß brauchte, der von ihnen ausging. Allen Einflüssen dieser Art, die be- ständig wechselten, gab er sich hm. betete wahllos an. was ihm der Tag zuführte, und war immer bereit, das zu verhöhnen, was er am Tag zuvor noch gepriesen hatte. Er wurde ein haltloser Mensch. Daß es inoeflen nicht nur äußere Umstände waren, die Ihn wandelten, daß«felnuhr schon immer Neigungen zum wort« belästigt. Der Belästigte erklärte, daß er gar keinen Hehl daraus mache, Jude zu sein, aber bitte, ihn in Ruhe zu lassen. Dann soll Zillmann den Nebenkläger„Iudenaas" geschimpft, ihm einen Fußtritt in die Hüfte und Streit ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben, so daß er starken Vluwerlust hatte. Streit soll dabei noch gesagt haben: Solche feige Bande muß man verdreschen! Der Nebenkläger schrie nun um Hilfe und lockte dadurch zwei Sicher- heitsbeamte herbei, die an Ort und Stelle aber nur noch den Zill- wann festnehmen konnten, denn die übrigen hatten sich entfernt. Seiner Festnahme setzte Z. positiven Widerstand entgegen. Als dann der Nebenkläger in Begleitung des einen Sicherheitsmannes seiner Wohnung zusteuerte, lief ihm zufällig der zweite Angeklagte in den Weg, der nun auch festgenommen wurde. Als die Angeklagten durch die Vorladung vor das Gericht sahen, daß die Sache eine ernste Wendung nahm, schickten sie dem Nebenkläger eine(Entschuldigung zu, die besten Vertreter, Iustizrat Dr. Werthauer, aber nur unter der Bedingung annehmen wollte, daß die Angeklagten die Erklärung abgeben, daß ihr Vorgehen nicht antisemiti- schen Tendenzen entsprungen sei. Da diev nicht geschah, kam es zur Hauptoerhandlung vor dem Schöffengericht. Die Ange- klagten entschuldigten sich damit, daß sie in sehr animierter Stim- mung aus ihrer Kneipe gekommen seien, wo ein Kommilitone seinen Abschied begosten habe. Daß sie betrunken gewesen seien, gehe schon daraus hervor, daß Zillmann sich eine Soldotenmütze aufgesetzt hatte. — Das Schöffengericht verurteills beide Angeklagte zu je 2 00 M. Geldstrafe, Zillmann außerdem wegen Widerstandes zu 50 M. Geld- strafe.— Wegen des Strafmaßes hatte Dr. Werthauer Be- rufung eingelegt. Er hielt die Strafe für viel zu gering, well es sich hier doch um eine große Roheit handle, da zehn Menschen der söge- nannten gebildeten Klaste über einen einzelnen, der sich durchaus korrekt benommen, hergefallen seien.— Der Verteidiger Rechts- anwalt A r e n s, gab zu, oaß sich bedauerlicherweile die Angeklagten als Studenten sehr unwürdig und unmanierlich oenommen hätten, bat aber, aus einer offenbar betrunkenen Mücke nicht einen anti- semitischen Elefanten zu machen.— Das Gericht verurteilte die An- geklagten zu je 100 0 M. Geldstrafe, da es sich doch um einen sehr üblen Exzeß handle._ Rektor Bocks Kampf. Die gestern begonnene neue Verhandlung gegen den früheren Rektor Robert Bock wegen Beleidigung des früheren Kriminal- kommistars Toussaint nimmt einen sehr longsamen Fortganz, da der ganze Fall Bock aufs neue aufgerollt und gründlichst er- örtert wird. Nach Verlesung der unter Anklage gestellten Broschüre und des früheren Urteils gegen Bock hält der Vorfitzende dem An- geklagten vor, ob er sich auch darüber klar sei, daß er dem Neben- kläger Toussaint den überaus schweren Vorwurf mache, sein Amt dazu mißbraucht zu haben, Zeugen wissentlich zu einem falschen Eid zu verleiten? Der Angeklagte er- klärte, daß er sich dessen wohl bewußt sei: es sei ja furchtbor, was er behauptet habe, entspreche aber durchaus der Wahrheit. R.-A. Bahn führte den Gedankengang des Angeklagten dahin aus: Toussaint habe gesehen, daß sein erster Versuch, Bock etwas anzuhängen, mißglückt war und da er wohl annehmen konnte, daß ein solcher Fehlschlag einem angesehenen Manne gegenüber seiner Karriere hätte schaden müssen, habe er alles in Bewegung gesetzt, um sich ins Recht und Bock ins Unrecht zu setzen. Die Beweis- aufnähme wird wieder hineinführen in das fast unentwirrbare Labyrinth von Beschuldigungen seitens früherer Schülerinnen des Angeklagten und späteren Widerrufen selbst unter dem Zu- geständnisse, bei den früheren Belastungen Meineide geleistet zu haben. Gestern wurden erst zwei der Hauptbelastungszeuginnen vernommen. Sie mußten über Dinge aussagen, die bis zum Jahre 1910 zurückgreifen. Das Wesentliche ihrer Aussagen bestand darin, daß sie jetzt ebenso wie auch schon bei früheren Vernehmungen ver- sicherten, mit dem Rektor Bock nichts Sträfliches oder Unzüchttges vorgehabt zu haben. Wie sie zu ihren ersten schweren Beschuldigun- gen gekommen waren, konnten st« in überzeugender Weise nicht recht darlegen.— Die Verhandlung wurde nach Vernehmung dieser beiden Zeugen auf Montag vertagt. Sie wird voraussichtlich fünf Tage in Anspruch nehmen. Wir werden unseren Lesern etwa hervortretende bemerkenswerte Moment« mitteilen und im übrigen da» Ergebnis de» Prozesses melden. S-Mill!arüen'Etat für Groß-Serlin. Der Berliner Stadtverordnetenversammlung sind schon Hau?- haltSpläne für 1921 vom Magistrat zugegangen, so daß am nächsten Donnerstag, den 16. Juni, der Stadtiämmerer feine ElatSrede in der Stadtverordnetenveriammlung halten kann und die Beratungen Bösen in ihm geschlummert hatten, die ein Zufall geweckt hatte und triebhaft hatte wachsen lassen, das bewies die Tatsache, daß Hermann Reisner mit einer sonderbaren Scheu gerade jenen Einfluß floh, der ihm vielleicht neuerdings einen festen Halt hätte geben können. Seit dem Tode seines Daters nämlich zog er sich mehr und mehr von der zurück, die seine Braut hatte werden sollen. auf so unverständlich schroffe Art, daß dieses Verhältnis, das immerhin aus aute Freundschaft gegründet gewesen war, nun- mehr in Feindschaft ausartete. Es war, als hasse er in dem Mädchen die verflossene Zeft, die Zeit des Zwanges zum Guten und zum Geraden, von der er sich innerlich von Tag zu Tag weiter entfernte. Kein Mensch haßt ja den Zwang, den Antrieb glühender als der, der seiner nicht entraten kann. Hermann Reisner hatte jetzt täglich neue Herren und Be- rater. Von allen verlangte er unbewußt, daß sie ihm für etwas der Antrieb feien. Sie waren es ihm auch, und Her- mann Reisner fügte sich ihnen. Nichts in der Welt findet leichter Willige und Sklaven als das Böse. Um diese Zeit machte Hermann Reisner durch seine neuen Freunde die Bekanntschaft eines Weibes, von dem für fein ferneres Leben die entschiedende Wendung ausgehen sollte. Er war zweiunddreißig Jahre alt, als er zum ersten Male mit Lena Körting zusammentraf, einer Frau, deren Älter nicht leicht zu bestimmen war, die manche für noch nicht dreißig- jährig, andere schon für vierzigjährig hielten, von der aber, was alle bestätigten, die sie kannten, die sonderbare Macht ausging, Männer unter einem anzuziehen und abzustoßen, und sie in jedem Fall unglücklich zu machen. Man hätte Lena Körting nur mangelhaft charakterisiert. wenn man gesagt hätte, daß sie schön sei, was sie im Grunde auch gar nicht war, und da das, was sie den Männern so ge- fährlich machte, mehr eine Eigenschaft ihrer Seele als ihres Korpers war. »Ich glaube, daß es Ihnen Freude machen könnte, wenn einer, der Sie liebt, um Ihretwillen zum Schurken würde,— ja, daß das gerade allein Ihr Glück ausmachen könnte," sagte einmal Hermann Reisner zu ihr. »Gewiß," antwortete sie darauf mit einem dunklen Lächeln, und ihre Augen, die versonnen dem Anblick eines Grausamen hingegeben schienen, bestätigten mit ihrem satten Glanz, daß sie die volle-Wahrheit sprach. Es gingen viele Gerüchte um sie. Man wollte wissen, daß sie eine Dänin sei. man dichtete ihr eine aristotrattsch« Ab- im EtatSausschuß beginnen können. Der Gesamtetat für Groß- Berlin schließt in runder Summe mit sechs Milliarden Mark ab, übertrifft alio die meisten Etats der Länder. Während der vorjährige Haushalt wegen der mitten im Haus- Haltsjahr erfolgten Bildung der neuen Stadtgemeinde im wesent- lichen eine Aneinanderreihung der nach den verschiedenartigsten Grundsätzen aufgestellten Voranschläge der früheren Groß-Berliner Gemeinden darstellte, ist für 1921 ein Gesamthmishaltsplan nach einheitlichen Gesichtspunkten aufgestellt worden. Die Einheitlichkeit ist durch Anwendung nicht nur eines gemeinsamen Haushallschemas, sondern auch einer bestimmten Gliederung des Stoffes gesichert worden. Die Gemeindehaushalte und die Anforderungen der Guts- bezirke sind in den Außenbezirken gemäß 8 22 Abf. 1 und 2 des Eingemeindungsgesstzes zu Bezirkshaushaltsplönen verschmolzen worden. Für die Innenbezirke 1 bis 6 ist mit Rücksicht darauf, daß die Verteilung der Geschäfte auf die einzelnen Bezirke noch schwebt, «in Einheitshaushaltsplon aufgestellt worden: nach Uebernahme der Geschäfte wird ihnen jedoch durch Unterverteilung der Mittel die Möglichkeit der selbständigen Bewirtschaftung gegeben werden. Für die von der Zentrale der Stadt wahrzunehmenden Aufgaben sind Zentralhaushaltspläne gebildet worden. Der Gesamthaushaltsplan für 1921 zerfällt somit in zwei Abschnitte, und zwar: A) Bezirks- verwollungen und B) Zentralverwaltungen. Auf die Zentral- Verwaltungen entfallen folgende Etatstitel: Verwaltungskosten, All- gemeine Wohlfahrt, Gemeindebettiebe(die zentral verwaltet wer- den), Kapital- und Schuldenverwaltunq(Zentrale und Bezirke k bis IV), Verschiedene Einnahmen und Ausgaben, Steuern: auf die Bezirksverwaltungen:" Grundeigentum und Berechtigungen, Unter- richt, Iugendwohlfahrtspflege, Arbeitsamt. Kranken- und Gesund- heitspflege, Polizei, Gerichte, Standesämter, Militärwesen, Beleuch- tung, Straßenreinigung, Park- und Friedhossverwaltung, Beerdi- gungswesen, Bauwesen, Volksbildung, Verwaltungskosten, Ge- meindebetriebe(soweit sie nicht zentral verhaltet werden). Kapital- und Schuldenverwaltung(Bezirke VII bis XX), Verschiedene Einnahmen und Ausgaben. Die ernste Lage der städttschen Finanzen hat dazu gezwungen, bei der Beratung des Haushaltsplanes bei möglichster Steigerung der Einnahmen eine Herabsetzung der Ausgaben auf das unbedingt Notwendige vorzunehmen. Di« Haushallsentwürfe sind in ständiger Fühlungnahme mit den beteiligten Verwaltungen einer Revision nach einheitlichen Gesichtspunkten unterzogen worden. Die Bezirks. bürgermeister sind gemäß§ 25 Abs. 2 Punkt 1 des Gesetzes Groß- Berlin in gemeinsamer Beratung über den Haushaltsplan gehört worden.� Die endgültige� Zahlen über den Bedarf und unsere Por- schlage über die Deckung des Bedarfs wird der Magistrat der Stadt- verordnetenversammlung in ausführlicher Darstellung nachweisen. Die Quäker iu Heinersdorf. Das Jugendamt der Stadt Berlin hotte die in Berlin anwesenden englischen und amerikanischen Quäker zu einem Besuch der Kinder- Heimstätte auf dem städtischen Gut Heinersdorf eingeladen, wo etwa 100 besonders erholungsbedürftige Berüner Kinder untergebracht sind. Die Vorsitzende der Deputation für Iugendwohlfahrt,. Frau Stadträtin Weyl, dankte den Erschienenen namens der Stadt Berlin für alles, was von der amerikanischen Kinderhilfsmission und den englischen Quäkern für die unterernährten Kinder und Mütter Berlins in so reichem Maße getan worden ist und noch weiter getan wird. Für die Quäker dankte Mr. Eves. Die Gäste, die auf ihrem Rundgang in dem Gutspark durch Märchengruppen begrüßt wurden, die von Heimkindern gestellt waren, blieben zusammen mit dem Führer der amerikanischen Quäkermission, Mr. Scatesqood, mehrere Stunden mit ihren Berliner Schützlingen in lebhaftem Spiel beieinander. Eine Sruppenkonferenz der Zuugsozlalist. Vereinigung Graß- Berlins SJJD. beschäftigte sich mit der Bielefelder Reichstonserenz. Nach einem Referat des Genossen Boch„Bon Weimar bis Bielefeld", an das sich eine rege Aussprache anschloß, nahm die Konferenz fast einstimmig«ine Reihe von Anträgen zur Reichskonferenz an. Es wurde beschlossen, an Stelle der„Tribüne der Jugend" in der„Ar- beiterbildung" eine besondere Zeitschrift für die gesamte Bewegung zu schaffen. Hierzu gelangte ein Zusatzantrog Wegner, der sich mit der Redaktion und Geschäftsführung befaßt, zur Annahme, lieber die Zusammensetzung des zu errichtenden Reichsausschusses wurde ein Antrag angenommen, nach welchem der Reichsausschuß aus fünf Iungfozialisten, dem Redakteur der Zeiffchrift, dem Vertreter des Zentralbildungsausschusses und einem Vertreter der Arbeiterjugend bestehen soll. Sitz des Ausschusses soll Berlin sein. Weiter wurde beschlossen, den Parteivorstand zu ersuchen, den Iungsozialisten eine regelmäßige Vertretung auf den Parteitagen zu gewähren. Um die Zusammengehörigkeit mit der Partei auch nach außen zu bekunden, kunft an und behauptete andererseits wieder, daß Je aus der Hefe des Volkes stamme und auf abenteuerliche Weise hoch- gekommen sei. Wie es sich in Wirklichkeit verhielt, wußte niemand. Sicher war nur, daß sie in der Lage war,.auf großem Fuß zu leben, frei und in recht abenteuerlichen Formen, und daß ihr ein Schwann von Verehrern anhing, von denen sie keiner liebte, dafür alle begehrten. Sie war ein Irrlicht. Für Hermann Reisner wurde sie der Mensch, dessen Ein- fluß so stark und so zauberhast auf ihn wor, daß er nichts sehn-' licher wünschte, als ihm zu unterliegen. Er bot sich ihr vorbehaltlos an.„Wollen Sie mich?" sagte er zu ihr.»Nehmen Sie mich. Ich bin Ihr Sklave. Ich tue, was immer Sie von mir verlangen." »Alles?" fragte sie. „Alles," antwortete er in einer heißen Aufwallung seines Blutes, das zum ersten Male einen gebieterischen Zwang auf ihn ausübte, das schwer und wie gebunden in seinen Adern kochte und bereit war, alle Gefäße zu sprengen. Er erlag widerstandslos ihrem Bann, Er ging in einer füß-fchweren Trauer umber, glücklicher als je zuvor in seinem Leben und sich doch des Unheils dumpf bewußt, in das sie ihn allmählick einspann. Er litt, aber liebte sein Leiden. Es bereitete ihm Qualen, wenn er sah, wie andere sich an ihr entzündeten, ober er hätte doch nicht leben mögen, wenn sie nicht die gewesen wäre, die die Männer brauchte, um froh zu werden, wenn sie litten. Die Eifersucht war der Atem, der seine Leidenschaft zu immer heftigeren Flammen entsachte. „Es quält Sie, wenn ich andere liebe," sagte sie zu ihm, mit einem Lächeln, das sich hingab,„andere, alle— nur Sie nicht?" »Es quält mich, ja." »Warum dulden Sie es?" »Was kann ich tun?" fragte er bestürzt. Sie sah ihn eine Welle stumm an. so daß er es begriff, wenn andere, wie es hieß, sich um sie ruiniert hatten.„Was Sie tun sollen? Sie sind kein Mann, wenn Sie so fragen. Etwas, das mir zeigt, daß Sie meiner wert sind. Nicht nur meiner: überhaupt einer Fraul Bisher waren Sie das nicht." „Wie?" „Nein. Damit man eine Frau erringe, muß man zeigen, daß sie einem alles gilt.-, Wieviel gelte ich Ihnen?" »Alle«." yskmgts ein Antrag zur Aimahiue. der»srlangk, d!e nächste Aeichs- lonferen� d«r Iungsozialiste» im Jahr« 1922 niit dem Parteitag der SPD. gemeinsam abzuhalten. Ms Delegierte nach Bielefeld wurden die Genasten E b e r t, Keller. Lamm. Turß und Spengler entsandt. Vom prooi. sarischen Reichsausschust fahren nock> Bielefeld die Genossin Ulli Wissell. die Genossen Bach und Wegner. Ein Wüstling wurde wegen einer ganzen Reih« von Sittlich- keitsoerbrechen an schulpflichtigen Mädchen von der Kriminalpolizei gestern festgenommen. Der Unhold ist ein 42 Jahre alter Tischler Hermann Hartmann aus der Lübbener Straße 11, der sein schänd- liches Treiben eine ganze Zeit hindurch fortgesetzt hatte, ohne daß es zur Kenntnis der Kriminalpolizei gelangt«. Hartmann machte sich an Mädchen, auch an solche von nur 12 Iahren, heran, sowohl an Mädchen aus dem Haus« wie auch aus der Nachbarschaft, und wußte deren Vertrau«» dadurch zu gewinnen, daß er ihnen Obst und Süßigkeiten schenkte. Dann lockte er sie in seinen Arbeits- ketter und verging sich an seinen Opfern. Belriebsönderungen bei der Berliner Straßenbahn. Vom 12. Juni d. I. ab tritt auf der Linie X, Kupfergraben— Charlotten- b'irg. Straßenbahnhos, ein neuer Fahrplan in Kraft, über den die Aushänge in den Wagen näheres besagen. An Sonn» und Feier- tagen wird diese Linie anstatt bis Spandau, Triftstraße, nach Bedarf bis nach Pichelsdorf durchgeführt. ?as nächste städtische Nolkskonzert dee plütbner-Qrchcfler». welch«? am Mnntag, den 13. Juni, in der Brauerei Köniqftndt. Gchönhmlser Allee ic>/11, ltallfindet. bringt ein Brogramm lebender Komvonittcn. Karten sind zu haben bei Harsch, Engeluser 15;.Vorwärts", Lindenstr. 2, sowie an der Abendkasse. Steglitz. Di« Ausgabestelle der Zeitungs-Aentrale ist von der Schlldhornstr 12 nach der Iahnstr. 31, Ecke Schildhornstraße, Restaurant Mahlow, verlegt worden. Wir bitten, Bestellungen und Beschwerden über unregelmäßige Zustellung nach dorthin zu richten. Potsdam. Die Ausgabestelle der Zeitungs-Zentrale, von welcher auch der„Vorwärts" zu beziehen ist. befindet sich von jetzt ob bei Frau L a ck, Potsdam, Kurfürstenstr 11. Wir bitten, alle Bestellun. gen nach dort zu richten. Dorwörts-Derlag G.m.b.H. �er Aufmarsch zur Avignon-Knndgebung l« Lustgarten. Ilm d«r Bevölkerung Kroß-Berlins die sichere Teitnadme an den Ausmarsch- zügcn*ur Avignon-Kundgebung im Lustgarten und hiermit zugleich einen guten AusstellungSplatz zu gewährleisten, seien die Treffpunkt« und Treff« zeiten der Grast. Berliner Ortsgruppen der.ReichSvcreinigung ehemaliger Kriegsgefangener" hiermit bekannt gegeben: Norden 1: 9 Ilhr Seeftrastc; — Norden II: 9.80 Ubr Schönhauser Allee, Ecke Wörther Straste;— Westen: 9 Uhr Winterseldlpläh;— Südwest; 9.30 Uhr Kreuzkirche, Vinn» uttt;— Süden: 9 Ubr Kottbuser Tor;— Osten: 9.30 Ubr Weberwiese, Memelcr Straste, Ecke Franksurter Allee:— Nordost: 9.30 Uhr KönigStor «Plast vor dem Märchenbrunnen);— Teltow. Friedenau. Schöneberg: 9 Ubr Neues Rathaus, Schöncberg, Rudols-Wilde-Platz;— Steglist: 9.30 Uhr RatbauS;— Wilmersdorf: 9 Ubr Festpbelliiier Plast;— Char» tattenburg: 9.30 Uhr Wilhelmplast;— Weistensee: 0.30 Uhr Lindenhoi, wedanstraste;— Neukölln: 9 Ubr Hermannplast, Kniser-Friedrich-Jtrasten- Promenade;— Tempelhof: 9 Uhr. Der Ausmarsch im Lustgarten erfolgt um 10.30 Uhr vorm. Nach der Kundgebung findet die Zusammenstellung des grasten D-monstratlanSzugeS statt, der sich am Belle- Alliaiice-Platz auslöst.___ Hroß-Serliner parteknachrichten. heule. Sonnabend, den 11. Zun,: Zaagsazialiste». Stoppe Xrtpiaa. Abends 6 Uhr Treffpunkt zur Wanderung nach Malchow und Schwärzsee am Bahnhof Treptow. Treffpunkt für Nach» -•"~.-)t0n)_ Mitte. Bon W hii 10 Uhr Alte Alle Sangesbrüber werden freund- Der wirtsihaßsminifter zur Wiedergutmachung. lichst eingeladen. Monat Juni fällt au». Bollsversammlung am ---------------------..._____...__ Kau», Grünauer Sit. 5S. Thema:„Die drohende Autzerbetriebssestung unserer Straßenbahn". Res. Bezirl»oerordueter Genoff» Thiele. Vorträge, vereine und Versammlungen. «eftjttrten-Betri««übe». Donnerstag, den 1«. Zuni. abend» 7 Uhr, in ies»estsalen, Fichieftr. 29, Mitgliederversammlung und Unterhaltung». ad.— Schlefier-Berelu„Ziflbezahl" Sharlotteuburg. Sonntag, den 12. Juni, Nabe» abend. Treffpunkt auf der nkt auf der Wiese hinter Aestaurant Freund, Pichelsberg«. Erkennung: Flagge gelb'weiß. Spiel und Sport liebende Landsleute und SäNe _____...___ willkommen.— Acichsbund der Kriegsbeschädigte», Kriegsteilnehmer und Kiieterbliebene», Lichtenberg, Bezirk ZI. Mitgliederversammlung am Dien»- tag, den 14. Juni, im Cecilien-Lyzeum, Pathausstr. 8, Tbj Uhr. Tagesordnung: Referat der Kameradin Bartels über„bintcrbliebenenfragen".— Intereffe»- Vertretung der geschädigten«-»land-d-»tsch-n. Montag, den 1Z. Zuni. 7',i Uhr, Versammlung fit der Stadthall«. Klosterstraß«. Wichtige Bortraae Uber das Entschädigungsverfahren.— Bereinigung fnr Schul- und Erziehungsfragen, Treptow. Am Sonnabend, den u. Juni, abends%H Uhr, spricht in der Aula de, Realgvmnaslum», Neue Krugallee 7, in öffentlicher Versammlung Fräulein Hecker, Lchrerin am Pestalozzi-Fröbelhau», über„Eharaktererziehung im frühen Kindeoalter".— D. L. B. s. Naturkunde. Sonntag, den 12. Juni, Bredower Forft— Brieselang. Ab Lehrter Bahnhof 7,15 Uhr, Puttliststraße 7,21 Uhr nach Finkenkrug.— Arbeiter. Samaritrr-Kolouue Beeli» E. B. Abteilung Friedrich». Hain-Lichtenberg. Montag, den Ist. d. M, abend« 7 Uhr, im Lokal von Blecken- bogen, Lichtenberg, Scharnweberstr. 60, Vortrag:„Das RervensvUem". Referent Dr. Grünthal.— Freireligiäse Gemeinde Sonntag vorm. 1l Uhr im Rathaus, Köniaslraße, Vortrog de» Herrn Dr. M. Bi«:„Beethoven als Mensch und Musiker". Mit Erläuterungen am Harmonium, hauptsächlich aus der ö. Sym- phonie. Gäste willkommen._ Sport. Rnhseben. DaS trübe, regnerische Wetter hat nicht vermocht, die Leute vom Besuch de? Rennens abzuichrecken, wobei das Hauptereigni?, •der LugendprciS. von den Zweijährigen bestritten, wohl daS meiste Interesse erweckt haben wird. BemerlenSwert war die zahlreiche Bescstunz der Rennen. I. Rennen. 1. Rautendclein(Inust jun.). 2. Morganat fK. Ncuenseld), 3. Iuglnnd(Schülwgmanl. 4. ASPirin(I. MillS). Tot.: 54: 10, VI. 10, 13, 77: 10. Ferner liefen: Gladialar, Nordsen, Kronprinz I, Ethelbert, WallnuStern, Edinnard, Goldstern fdiSgualifiziert), AariechenH., Harald I, Irrfahrt, Mac Gregor, Handschlag, Schlips.— 2. Rennen: 1. Volkslied(Höhne), 2. Tip Küfer(Daumgart), 3. Burgvogt(Unterreiter), 4. Wachlmeifter Frist. Tot. 105: 10. Pl. 25. 35. 24: 10. Ferner liefen: Perry St., Toni H., Flieger, Cybina disq.. Hoflakai, Ril. Holfleinerin It.— 3. R« n n e n: 1. Simpel(2. Weist), 2. Elfchen(Hm. Schleus), 3. Glücks- mädel(E.Neuenseld). 4. Taifun l. Tot. 78: 10, Pl. 21, 10, 15: 10. Ferner liesen: Haschabell, Journalist, HanneSlicb, Shbiv, JbiriS Onward. Frübauf.— 4. Rennen: 1. Kulerkud Marschall Hindenburg(Jauienbg.), 3. Allenstein. Tot. 21: 10, Pl. 14, 14, 22: 10. gerner liefen: Long Pauline. Morgenwind, Arena I(toleZ Rennen).— 7. R e n n e n. I. Abt. 1. Wachtmeister Frist(Knabe), 2. Fafner l(Steger), 3. Handstreich(W. Lemzer). Tot.: 102:10, Pl. 27, 20, 47:10. Ferner liefen: Pollux, Quecksilber I, Topinambur, JalluS, Die Beste, Gudrun II, Joses. 7 Nennen. II. Abi. 1. LaSbccler(F. Schmilt), 2. Colonel Dillan (2. Weist), 3. Erbtochter(S. Treuhcrz), 4. Erbschleicher. Tot.: 147:>0, Pi. 3Z, 22. 34:10. Fe» ner liesen: Marder. Long Direckt. ServuS I. Fremdling. ZeuatrateS, Ebristel W.— 8. Nennen. 1. Johanne«(Großmann), 2. Dr. Prcstbourg(SU Grube). 3. Prckuia lSinorastti), 4. Ehelsealand. Tot.: 22: 10, Nl. 13, 14: 10. Ferner liefen: Sigurd, Lttomar. Arbeitersport. «rieitersportsest lm Stadion, Grunewald. Am Sonntag, den 1!. Juni, nachnr. 2 Uhr. veranstalten der Schwimmverein.Vorwärts" Berliu 1897 und die Märkische Spieloereinigung ein großangelegte« Sportsefl im Stadion. Dt««rbeiterschwimmer werden in«wem bei un» noch nicht gezeigten Massenreigen von zirka 150 Teilnehmern in Figuren- und Kunst- schwimmen in 7 Bildern elwaS ganz Neue« bringen. Das Kruppensvlingen von allen zur Verfügung stehenden Brettern wird besondere Ausmerlsamkeit finden. In den Staietlenlämpien werde« sich Mädchen. Knaben. Jugend, Frauen und Männer spannende Kämpie licsern. Leipzig und Hannover trete» hier gegen die besten Mannschaften Grotz-BerlinS an. Zum Schlust finde»« Dasserballspieie statt, und auch hier werde» Lelpzig-Hannover- Am 9. Juni fand eine vertrauliche Tagung des wirtschafts � politischen Ausschusses d-s Reichswirtschaftsrats gemeinsam mit dem ! sozial- und finanzpolitischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrats statt, ! um die Erklärung der Regie: ung über die mit der Erfüllung des Ultimatums zusammenhängenden Pläne für die künftige Wirt- schaftsgestaltung entgegenzunehmen. Der Reichswirtschaftsminister Genosse Robert Schmidt führte aus: Die Regierung komme nicht mit einem völlig fertigen Pro- gramm. Wir wollen die einzelnen Probleme nur streifen und die Richtung weisen, in der sich die künftige Regelung bewegen müsse. Gefordert wird vom deutschen Volk eine feste Leistung von 2 Milliarden Goldmork jährlich, eine variable nach der Ausfuhr bemessene Leistung, uie noch oem gegenwärtigen Stands auf etwa 1,2ö Milliarden Goldmark zu berechnen ist, und schließlich die Leistungen auf Grund der Ausgleichsforderungen und für die Besatzlingskosten. Dos sind etwa 3�—4 Milliarden Goldmark oder S0— 60 Milliarden Papier mark, die jährlich in Goldwerten aufzubringen sind. Teilweise geschieht diese Leistung durch Erhebung der 26pra zentigen Aus f uhrabgabe in den feindlichen Ländern, zu deren Rückvergütung an den Deutschen Exporteur in Papiermark die Reichsregierung oerpslicht-t ist. Im Zusammenhang hiermit steht die Frage, ob die Ausfuhr überhaupt gefördert oder gedrosselt wer- den soll, da sie als Index für die Höhe unserer Leistung gilt. Die Regierung ist der Ansicht, daß die nuhlragende Ausfuhr erleichtert, die Einfuhr dagegen geregelt und besonders bei Luxusartikeln möglichst beschränkt werden soll. Die Ausfuhr kann nicht dauernd als brauchbarer Boden für die deutsche Leistungsfähigkeit gelten, es soll die Aufgabe des Reichswirtschaftsrats fein, womöglich einen besseren Index, etwa die Erzeugung an Kohle, Erz und Eisen, den Ernteertrag, die Schuldenbelastung pro Kops, den Ertrag der Umsatzsteuer oder die VerkehrsleisUrngen von Eisenbahn und Schisfahrt zu finden. Den hohen Leistungen müssen hohe Einnahmen entsprechen. Die Steuern müssen ergiebig gemacht werden. Die Umsatzsteuer und die Sohlen- steuer müssen erhöht werden, die letztere so, daß der Unterschied zwischen Inland, und Weltmarktpreis fortlaufend verringert wird. Es ist weiterhin unmöglich, aus Kosten des Etats und durch Er- höhung der Schuldenlast die Preise gewisser lebensnotwendiger Produkte künstlich niedrig zu halten. Diese Preispolitik hat niedrige Löhne und in manchen Industrien eine ungesunde Export- prämie zur Folge gehabt. Sowie sie aufgegeben wirh, ist auch ein Ausgleich der Löhne und Gehälter notwendig. Die hohen kommenden Steuern legen den Gedanken einer neue» Steuererhebung nahe. Die in der Oeffentlichkeit erörterten Steuersyndikate scheinen vorerst jedoch nur durchführbar, wo große In-spstrien sich bereits eine dafür benutzbare Organisation geschaffen haben. Als weitere Ein- nohmequelle kommt die vchasfung von neuen Monopolen, ferner die Staalsbeteiligung an Realwerten in Frage. Da Steuern ollein keine genügende Deckung für SO Milliarden pro Jahr ergeben können, muß der Gedanke einer G e- winnbeteiligung des Reiches bei Betrieben, so wie sie etwa in Schweden für den Bergbau, in Deutschland für das Reich bei der Reichsbank besteht, ins Auge gefaßt werden. Zum Schlüsse führte der Minister aus, daß das Kabinett alle diese Fragen noH nicht endgültig entschieden habe. Es sei beab- sichtigt, Schritt für Schritt vorzugehen, jede denkbare Lösung des Problems zu prüfen und die schwere Last auf tragfähige Schultern zu legen. Die Regierung sei fest entschlossen, alle Kräfte einzusetzen, um die Bedingungen zu erfülleu. und hoffe dabei auf die Unterstützung des Reichswirtschafteratcs. Hierauf ergriff der Staatssekretär im Reichswirtschaftsministe- rium Dr. Hirsch das Wort. Die Ausfuhr als Index der deutschen Leistungsfähigkeit ist schon deswegen unmöglich, weil zur deutschen Ausfuhr augenblicklich noch die Wiederausfuhr eingeführter Waren, der Veredelungs- und Austnuschgrenzverkehr gerechnet wird. und die eingeführten Auslandsrohftoffe nicht abgesetzt werden.. Eine schnelle Regelung dieser Fragen liegt auch im eigensten Interesse der Entente. Die unsoziale Ausfuhrabgabe bleibt bestehen nach dem Stande vom 13. Mai d. I., da eine weitere Abänderung durch die Annahme des Ultimatums unmöglich geworden ist. Die Ausfuhrkontrolle soll den neuen Notwendigkeiten angepaßt, im übrigen nach aller Möglichkeit erleichtert werden. Es bleibt dem Reichswirtschaftsrat vorbehalten, eine geeignete Form für die Aus- fuhrbehandlung vorzuschlagen Eine Einfuhrregelung ist unbedingt uotweudig. um jede ver- meidbare Einfuhr, besonders die von Luxusgütern zu verhüten. Di« Regierung ist fest entschlossen, die Gesetzgebung auf diesem Gebiete rücksichtslos zu handhaben, insbesondere auch mit Rücksicht auf das wiederentstehende Loch im Westen, und jede verbotener- weise eingeführte Luxuswore entschädigungslos zu beschlagnahmen. Um eine lückenlose Durchführung an der Rheinzollinie zu ermög- lichen, ist an eine a» dieser Linie durchzuführende Kontrolle der Po st pakete gedacht, für die ein Entwurf dem Reichswirt- schastsrat in den nächsten Tagen zugehen wird. Zum Schluß gab der Staatssekretär die Richtlinien für die Ge- staltung der allgemeinen Wirtschaftspolitik des Reiches. Di« künstliche Nerbilligmigsaktion müsse aufhören. Di« Selbstkosten der Produktion würden dann auf das durch die allgemeinen weltwirtschaftlichen Verhältnisse bedingte Maß st e i g e n und sich den Weltmarktverhältnissen an- gleichen. Die daraus in Deutschland entstehenden Zwischengewinne fiehörten der Abdeckung der Reparationslast. Dadurch werde einer- eits das sogenannte Valuto-Dumping und damit auch die Gegen- maßregeln der anderen Länder vermieden; andererseits zwinge dieser Druck zu einer Rationalisierung de? Ivtrlschafi. die anders in gleicher Weise nicht zu erreichen sei. Die Produktionsgrundlage werde auch gefestigt werden durch Deckung des Etats und damit innere Festigung der Währung. Das Endziel der Regierung für ihre Maßnahmen fei stets die Erhöhung der Produktivität, die dem deutschen Volke verbleibt ut-d dauernd nutzbar wird, auch wenn einst die Lasten abgetragen sind. Vaterlandslose Schnapsfabrikanten. In der Fortsetzung der Beratung über den neuen Entwurf, betreffend dos Branntweinmonopol, richtete gestern der Referent, Kommerzienrat Untucht, im Reichswirtschaftsrat an die Ver- treter der Regierung eine Anzahl Fragen, dahingehend, ob die Monopoloerwaltung gehindert wird, im besetzten Gebiet den ablieferungspflichtigen Branntwein abzunehmen, ob sie behindert wird, die dortige Kundschaft aus ihren Branntweinoorräten zu be- liefern, ob die großen Bestände der Monopolverwaltung beschlag- nahmt worden sind, ob tatsächlich im besetzten Gebiet von dortigen Spiriluvinteressenten versuch« worden ist. unter Leteiltgung der Entente ein eigenes Brauntweinmouopol zn schassen, das sich ouf das besetzte Gebiet beschränkt, und ob Frankreich und Belgien ver- suchen, erhebliche Mengen von Branntwein in das besetzte Gebiet hineinzubringen, um damit vielleicht zu erreichen, daß beim Fallen der Zollschranken diese Bestände nachher von der deutschen Monopol- Verwaltung übernommen werden müssen. Ein Bertret-er des Reichsfinanzministers erklätt. auf diese Fragen noch keine erschöpfende Antwort geben zu können Der Versuch, erhebliche Mengen Branntwein in das besetzte Gebiet hineinzubringen, sei leider Tatsache...... Der Präsident der RIonopolverwaltung bestätigt, daß die Brenner durch die Aniorderungen der Entente gezwungen sind, Steuern in einem Umfange zu entrichten, wie sie vom Reiche nicht gefordert werden. Der Referent sieht durch diese amtlichen Auskünfte feine Besurch- tungen bestätigt und fordert die Regierung auf, sich der An- gclegenheit anzunehmen Die Autgobe, die eigenen Einnahmen des Reiches angesichts der neuen Lasten des Reiches zu erhöhen, wäre durch diese Maßnahmen erschwert und die Entente hätte schließlich selbst den Schaden. Der Entwurf wird mit einigen Abänderungen angenommen. Der Entwurf einer Geschäftsordnung wird nach längerer Debatte mit einigen von Leipart, Um breit und A u f h ä u f e r beantragten Abänderungen angenommen. Im Z 8, wonach die Aus- chüsse das Recht haben. Unterausschüsse einzusetzen, wird die Be- ugnis dieser Unterausschüsse ausdrücklich auf die Vorberatung bc- timmter Fragen beschränkt. Die Geschäftsordnung im ganzen wird odann einstimmig angenommen. Die Tabaksteuer. Es folgt der Bericht des Finanzpolitischen Aus- schusses zu einem Antrag Bernhard, betreffend Abänderung des§ 45 des T a b a k st eu e r g e s e tz e s. Der Antrag Bernhard lautete: Der ß 45 des Taboksteuergesetzes ist dahin zu andern, daß der versteuerte Bonderolepreis nicht länger Mindestoerkcmfspreis sur Zigarren und Zigaretten bleibt. �„.».. Chefredakteur Bernhard(Vertreter der Presse): Der§ 45 do? Taboksteuergesetzes legt auf Grund der Banderole sowohl den Höchst- als Mindestoerkaufspreis für Zigarren und Zigaretten fest. Diese Preisstaffelungen sind sehr merkwürdig. Bei den Zigaretten mach? der Preis von einer zur anderen Sorte immer einen Sprung von zehn Pfennig. Bei teueren Zigarren wird die Preisdifferenz erheblich höher. Würde es möglich sein, mit genügendem Verdienst eine Zigarette mit 31 Pfg. zu verkaufen, so ist das nicht angängig, und es müssen 49 Pfg. ge- nommen werden, weil unter dem Banderolepreis nicht verkamt werden darf. Der Aueschuß war daher der Ansicht, daß der Steuer- satz nicht gleichzeitig der Verkaufspreis sein dürfte, oder aber, daß eine andere Staffelung eintritt. Wenn dagegen Klage erhoben wurde, daß zwar Sachverständige der Industrie, nicht aber des Handels gehört worden seien, so liege das daran, daß es sich um eine Anregung aus industriellen Kreisen han- delte. Es läßt sich schlechterdings nicht verteidigen, daß eine ,etzlge Zweimarkzigarre, die noch eine Steuer von 15 Pf. zu tragen haben wird, nicht zu zweimarkfünfzehn, sondern zu zweimarkfünfzig ver- kauft wird. Ich bitte um Annahme des Antrags. Die Borlage wird angenommen. Einstimmig angenommen wird folgender Antrag des Wasserwirtschaftlichen Ausschusses: Zur Linderung der Arbeitsnot, namentlich in dichtbevölkerten Gegenden oder in der Nähe von Großstädten, ist die Inangrist- nähme und Fortführung der als baubedürftig befundenen Kanal- und Talspcrrenplänc dringend zu befürworten. Deutschland hat zirka 7,6 Milliarden Kilowattstunden an Wasserkräften, von denen wenigstens 59 Proz. nutzbar gemacht werden können, was eine jährliche Kohlen- ersparnis von 5,1 Milliarden Tonnen bedeutete. Derzeit werden nur 19 Proz. der Wasserkräfte ausgenützt. Wir müssen von unten herauf arbeiten durch Einrichtung von Bezirksversorgungswerten mit gegenseitiger Verkuppelung, da für eine großzugige plan- mäßige Unternehmung die Finanzen nicht ausreichen. Bürgermeister Dr. Derthold(Derbrauchervertreter der kleineren Landgemeinden) berichtet über seinen, vom Finanzpolitischen Aus- schuh angenommenen Antrag, der Reichsregierung zu empfehle». in Erwägungen über Abhilfemaßnahmen einzutreten gegen die außerordentliche Selastung öer Sparkassen und der hinter ihnen stehenden öffentlichen verbände mit Kriegs- anleiben. Die Sparkassen hätten 24 Milliarden— etwa ein Drittel des Gesamtbetrages, gezeichnet. Eine Abhilfe könnte gefunden werden in der Gleichstellung mit den Genossenschaften hinsichtlich der Bestimmungen betr. oas Reichsnotopfer usw. oder auf andere geeig- nete Weise. �_. Oberbürgermeister A. D künzer(Vertreter der Sparkasien): In den Sparkassen steckt wohl ein Drittel des gesamten Rationol- Vermögens. Von den 2414 Milliarden Kriegsanleihen befinden sich noch 11 Milliarden in den Tresors der Sparkassen, der Verlust daran beträgt 2—214 Milliarden, wovon 86 Proz. noch ungedeckt sind. Kaufmännisch betrachtet sind die Sparkassen überschuldet. ihr Verlangen noch Rcichshilfe ist begründet. Der Antrag wird unter Streichung des Schlußpassus angenom- men. Es folgt der mündliche Bericht des Finanzpolitischen Aus- schusses betr. Sonversteuer für Kraftfahrzeuge. Dr. Berthold befürwortet den Antrag, der solche Sonderstenern für Kraftfahrzeuge in den einzelnen Gemeinden so lange gar nicht oder nur zeitlich begrenzt genehmigt sehen will, bis die geplante oll- gemeine Fahrzeugsteuer eingeführt ist.— Nach kurzer Debatte wird der Antrag unter Streichung der Worte„gor nicht, oder angenom- men. Die beiden Anträge über internationale Verein- barung zur Feststellung von im Ausland befind- lichen Vermögenswerten und über den Ausbau der Handelsstatistik werden infolge Abwesenheit zuständiger R«- gierungsvcrtreter— dies obwohl der Reichskanzler besonderen Wert auf die Behandlung dieses Punktes durch den Reichswirt- schastsrat gelegt hat— von der Tagesordnung abgefetzt. Ohne Aussprache wird darauf ein Antrag des Sozialpolitischen Ausschusses angenommen, daß erwerbslosen Arbeitnehmern bei Ein- tritt in eine auswärtige Arbeitsstelle«ine Zahrpreisermäßigung eingeräumt werde, obwohl«ine schriftliche Aeußerung des Verkehrs- Ministers-dagegen vorliegt. Die Vollversammlung oertagte sich auf unbestimmte Zeit. * Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß schon die Na» tionalversammlung aus sozialdemokratischen Antrag, den Minister Erzberger befürwortete, einstimmig international« Vereinbarungen zur Feststellung von ins Ausland verschobenen Ka- pitalien gefordert hat. Berlin!m friedlichen Wetttamvfe beweisen, das die Arbcllerschwimmer in ihren LcMungen und ihrem Können nur IS zu scheuen brauchen. Die Arbeitersugballspieler bringen ebenfalls ein iebr gute« Programm zur Aufführung. Schülerfutzballipiel. Fauit-, Raffball, Schwimm« fiafette. Stafettenläufe und Hockeyspiel werden vor dem größten sportlichen Sreignt» der guhballspleler, Siädie-Wettsplel tzamburg-Berlin. vonstatten gehen. Berlin wie Hamburg treten In stärkster Ausstellung an. und veriprscht dieser Kamps bei der guten Entwicklung, den die Arbeiler-Futz- ballbewegung in den letzten Jahren genommen hat. ein hochwtereffanler zu werden. Die Borlämp'e finden bereit» vormittag? 10 Uhr statt. Eintrittskarten fiud bei den Funktionären und in den mit Plakaten bedach'cn«Aeschäpen zn haben. Kinder in Begleitung Erwachsener haben sreien Zutritt. Ger«rieit»r.S>»»f»htet.«n»d..Solii>«:Ität" vernnstalici am Sonntag, den 12. Juni 1921, IN Kaulsdorf-Slld, Restaurant Sanssouci, ein W-Idse«. verbunden mit svortlichen Veranstaltungen. Relgenfahren,«indcrbelustigunzen und Tanz. Rüt Bohnsaltrct ist dt« beste Verbindung di» Bahnhof Sadowa, von da au» 10 Minute» Spaziergang durch den Wald. Arbeitersportler, kommt! Geschäftliche Mitteilungen. „In de? Morgenstunde" kündigen die Kleiderweek« Vaer Sehn, alleinie» Berkausestellc Berlin. Ehauffeestraße 2?iZ0. in dem gestern verässenlllchtcn Zn. serat vreiowLrdige„----- r>.—--—- � au» sehr haltbaren s und Hcrrcnartikel >:n, Thaufleeftrahe 29iZ0, in dem gestern verijssentltchtcn Zn. : Sachen an, A. 8. Herrenanzugstoff, Herren-Buckskinbole» . Stoffen usw. Wo verdichte Pelertnen für Harre» und Dame» werde» billtg angeboten..... Mus aller Welt. ÄaubLberfall auf der Eisenbahn. Ein schwerer Rckubüfesall Bfilrbe in einem Abteil zweiter Klasse in dem in Dortmund um 1 Uhr nachts eintreffenden Personenzuge aus die chotelbesitzerin Meyer aus Dortmund verübt. Der Verbrecher suchte die Reisende zu betäuben und schlug ihr mit einem eisernen Gewicht die Schädel» decke ein, weil sie sich zur Wehr setzte. Dann nahm er ihr den cholsschmuck ab, streifte ihr die Ringe von den Fingern und bemäch- tigte sich ihres Handgepäcks. Bevor die Frau bewußtlos wurde, tonnte sie noch die Notbremse ziehen. Als der Zug stand, lief der Räuber die Böschung hinunter und verschwand hinter den dort lagernden Holzstapeln. Die sofort aufgenommene Verfolgung oerlief ergebnislos. Die tödlich verletzte Frau wurde in einem Dortmunder Krankenhause untergebracht. Bei einem Großfeuer in dem Unterengadiner Dorf S e n t sind 8 0 Häuser innerhalb 1'/, Stunden niedergebrannt bis Hilfe kam. da die Bevölkerung auf den Feldern und im Wald« � beschäftigt war. Die Gebäude waren bersichert, die Fahrhabe aber nur wenig. Der Bieh stand ist verloren. Der Brand soll durch Kaminschaden entstanden sein. 180 Personen sind ob« d a ch l o S. Skraßenbezeichnung mit Ziffern ist u. a. in Mannheim langst eingeführt und durch die vollkommen lineare Anlage der Stadt ge- rechtfertigt. Daß aber uralte Städte plötzlich dazu übergehen, ist kaum stilgerecht: trotzdem ist der Bcrgwerksstadt D u x an der deutsch- tschechischen Sprachgrenze kein anderes Mittel übrig geblieben, um ihre tschechische Minderheit von dem landesüblichen Kampf gegen deutsche Strahcntafeln abzubringen. In dem nahen B i l i n ist man der Zerstörung durch Entfernung der Tafeln zuvorgekommen. Jetzt drohen die Hauptkompfhähne Wehe all denen an, die sich an einer Geldsammlung für tschechische Straßentafeln nicht beteiligen würden— also auch der deutschen Mehrheit. Indessen hatte das Meeting, wo diese Parole ausgegeben wurde, nur 200 Besucher. Börsenspekulakiouen eines Eutenke-Delegierten. Der französische Oberstleutnant Graf G a i l l a r d in Budapest erstattet« gegen den Borsenkommissionär Kalman Anzeige ünker der Beschuldigung, dieser habe ihm zu Spekulationszwecken an der Budapester Börse übergebene Gelder veruntreut. Graf Gaillard behauptet, zur Deckung Höchstseiner Börsenspekulationen dem Kommissionär 120 000 französische Frank ausgehändigt zu haben. Kalman hingegen leugnet den Erhalt des Geldes. Die polizeilichen Ermittlungen haben indessen ergeben, daß eine Pariser Bank tatsächlich die ge» nannte Summe nach Budapest an Kalman überwiesen hat. Darauf. hin wurde der Börsenkommissionär von der Polizei verhaftet. Mcder einer! Wie der römische„Messagero" mitteilt, ist das Luftschiff A u s o n i o, eines der Zeppeline, die Italien von Deutschland erhalten hatte, in seiner Halle infolge starken Windes von seiner Aufhängeankerung losgerissen worden und vollständig zusammengebrochen. Das Luftschiff hatte noch vor kurzem einen Flug nach Sardinien ausgeführt. Mnentod. Der Dampfer Bubulina ist, von Smyrna kommend, auf eine Mine gestoßen und gesunken. Von den 240 Passagieren, die sich an Bord befanden, konnten nur zwei durch die Mannschaft des Panzerschiffes Lemnos gerettet werden. Geschäfftsberichfi der Dresdner Bank 1920. Die detrtsche Volkswirisohaft befindet sieb nöeb Immer fm 8ts- fiium des Ueber ganges. Durch wiederholte außenpolitische Störungen. doich die Unsicherheit In Oberschlcsien und die Ungewißheit über die mit den Volksabstimmungen In den Grenigebicten verbundenen Entscheidungen wurde der Gang der Wirtschaft Im Jahre 1920 gehemmt. Fehlte so schon jede sichere Unterlage für einen geregelten wirtschaftlichen Betrieb, so brachten der Kapp-Putsch und die daran anschließenden kommunistischen Unruhen und da und dort immer wieder aufflackernde Streikbewegungen weitere Schwierigkeiten. Die industrielle Arbeit blieb durch die Rohstoff- und Kohlcnknapphelt beeinträchtigt. Zwar ist eine Erhöhung der Arbeitsleistung des einzelnen gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen, und es konnten Reparaturen an den industriellen Anlagen und im Verkehrswesen in größerem Umfange nachgeholt werden; aber noch bleibt die Arbeitsleistung ganz erheblich hinter der Fried cnsziff er zurück, und wird die Ausnutzung der industriellen Anlagen nur auf etwa 50% geschätzt, noch stockt, zum Teil infolge behördlicher Zwangsmaßnahmen, die Bautätigkeit, so daß in allen Städten eine unerträgliche Wohnungsnot besteht und es trotzdem der Industrie an Aufträgen auf diesem Gebiet fehlt. Einfuhr und Ausfuhr erreichten der Menge nach nur knapp V* der Friedenszahl. Der Passiv-Saldo des Außenhandels war verhängnisvoll groß, er ist auf mindestens 50 Milliarden Mark zu schätzen. Die Valuta hat sich unter diesen Umständen während des Jahres weiter verschlechtert, wenn auch gegenüber dem im Februar erreichten ungünstigsten Stand eine Erholung zu verzeichnen ist; der Dollar kostete zu Jahresanfang M. 60.—, im Februar M. 104.—» am Jahresschluß 73.37. Die Schuld des Reiches und der Länder stieg im Verlauf des Jahres 1920 von 230 auf»00 Milliarden Mark, wozu nunmehr noch die aus der Annahme des Ultimatums sich ergebenden Schuldverpflichtungen treten. Die Herstellung des Gleichgewicht» des Rcichshausbalts bietet somit außerordentliche Schwierigkeiten, zumal die direkte Stcucrhe- lastung der Einkommen und Vermögen das erträgliche Maß heute bereits übersteigt und in ihrer vollen Schwere nur eine verhältnismäßig kleine Schicht von Zensiten trifft, da eine gleichmäßige Veranlagung und Erhebung der direkten Steuern bis jetzt noch nicht möglich gewesen i?tj und die Ungerechtigkeit in der Veranlagung.sich um so fühlbarer macht, je höher die Steuersätze sind. Die von lb bis zu 60% ansteigende Einkommensteuer trifft schon die über 60 000 Papiermark, das sind also etwa 4000 Goldmark, hinaus gehenden Einktmraoo mit 45%. Die infolge der aus Krieg und Versa: Ii er Vertrag herrührenden VTlrtschafts- sebädigungen mehr denn je!■ Deutschland nötige Spartätigkeit wird durch diese hebe Einkommensteuerbelastung In verhängnisvoller Weise gehemmt. Die» wird dann deutlich zutage treten, wenn mleht mehr wie bisher die steigende Inflation Uber den Mangel an Kapltalneubll- dung hinwegtäuscht. Ein Ausgleich des Reichshaushaltes darf daher ebensowenig durch weitere Eingriffe In die Vermögens Substanz wie durch Erhöhung der Einkommensteuer gesucht werden, und es bleibt, abgesehen von den unbedingt notwendigen Ersparnissen h» der Verwaltung, im wesentlichen— trotz innerpolitischer Bedenken— nur ein Ausbau der Indirekten Steuern möglich. Der Notenumlauf einschließlich der Darlehn skassensebe ine stieg von 49 auf 81 Milliarden Mark, und der Geldmarkt war angesichts flieser Inflation während de» ganzen Jahres außerordentlich flüssig. Der Bankdiskont, dem allerding» zurzeit nur nominelle Bedeutung zukommt, blieb unverändert 5%. Der Börsenverkehr« der während des größten Tolle» de» Jahres außerordentlich lebhaft war, erhielt zeitweise durch Käufe aus dem Ausland sowie durch von der industriellen Konzentrationsbewegung ausgehende Majoritätskäufe besondere Anregung; die Aktienkurse erfuhren im Verlauf des Jahres eine starke Steigerung. Auch der Devisenverkehr war während des größten Teiles des Jahres»ehr lebhaft. Die großen Schwankungen der Valuta sind ein weitere» Hindernis für einen geregelten Wirtschaftsverkehr, da sie eine zuverlässige Kalkulation in Handel und Industrie erschweren. Der durch die Geldentwertung hervorgerufene Kapitalbedarf m Handel und Industrie konnte von den Aktiengesellschaften in großem Maßstabe durch Ausgabe von Aktien und Anleiben gedeckt werden, welche meist ohne besondere Schwierigkeit auf dem durch die anhaltende Inflation bisher durchaus aufnahmefähigen offenen Markte untergebracht werden konnten. Daneben bestand steigende Nachfraa» nach Bankkredit, den wir unserer Kundschaft bereitwilligst in größeWm Umfang zur Verfügung stellten, zumal es sich in den meisten Fällen lediglich um vorübergehende Inanspruchnahme handelte. Die Zukunft der deutschen Wirtschaft erscheint In erster Reihe davon abhängig, daß es gelingt, den großen Passiv-Saldo unserer Handelsbilanz und die uns Jetzt vorgeschriebenen Wledergutraachungsleistungen durch außerordentliche Steigerung unserer Ausfuhr bei möglichst sparsamer Einfuhr aufzubringen. Im Vergleich zu den, im Jahre 1920 allerding» besonders großen, Ausfuhrziffern Englands und der Vereinigten Staaten von Amerika von 850 bzw. über 500 Milliarden Papiermark mag die deutsche Ausfuhr von schätzungsweise 65 Milliarden Mark ■teigenmgs fähig erscheinen. Um diese Ausfuhr zu vervielfachen, genügt »» indessen nicht, die Erzeugung zu steigern, sondern Deutschland muß auch für die Waren, die es auf dem Weltmarkt anbieten kann. Abnehmer finden; Schutzzölle und Sanktionen, wie sie in einer Reihe von Ländern eingeführt oder geplant sind, müssen schließlich nicht nur die deutsche Ausfuhr, sondern auch die Gesamtwirtschaft Deutschlands und damit»eine Fähigkeit, als Käufer auf dem Weltmarkt aufzutreten und Wiedergutmachungen zu leisten, beeinträchtigen. Die Ueberzeupung, daß dem deutschen Außenhandel keine besonderen Einschränkungen auferlegt werden dürfen, wenn die Weltwirtschaft gesunden soll, scheint in einsichtigen Wirtschaftskrelsen auch des uns früher feindlichen Auslandes an Ausdehnung zu gewinnen; sie muß Indessen such in die Praxis überführt werden. Ein anhaltender Ausfall der deutschen Kaufkraft kann nicht ohne schädigenden Einfluß auf die Kaufkraft aller mit ihm in Handelsbeziehung stehenden Lander bleiben und würde sieb mit aller Schärfe im Mechanismus des Welthandels geltend machen. An der Hebung der deutschen Wirtschaft sind daher alle an der Weltwirtschaft beteiligten Länder Interessiert. Von der künftigen Stell an gn ahme der Alliierten und der Handelspolitik des Auslandes gegenüber Deutschland, aber auch von der Entscheidung darüber, ob Deutschland durch die Losreißung der unentbehrlichen ober- sehlesischen Kohlengruben und der allein durch deutsche Arbeit aufgebauten obcrschlcsischen Industrie eine weitere unabsehbare Schädigung erfahren»oll. wird nicht nur das Schicksal der deutschen, sondern auch das der internationalen Wirtschaft abhängen. Für unser Institut war die geschäftliche Entwicklung im vergangenen Jahre befriedigend. Der Gesamtumsatz auf einer Seite des Hauptbuches belief sich auf M. 1 089 64? 748 714.55 gegen M. 399 809 415 001.80 im Vorjahre. Die Zahl der Konten stieg von 427 850 in 1919 auf 499 848 Ende 1920. DI» Zahl der Angestellten betrug am Jahresschluß 32 681 gegen 9810 Im Vorjahre. Nach besonder» vorsichtiger Bilanzierung, wie»ie durch die Unsicherheit der allgemeinen Verbältnisse geboten ist, verbleibt ein Rohgewinn von M. 423 495 091.85 gegen M. 15« 007 281.10. Im einzelnen betragen die erzielten Gewinne auf 1920 gegen 1919 Sorten- und Zinssehein-Konto«»»» M 11 862 915.70 M. 2 972 020.25 Wechsel- und Zinsen-Eonto«,»«„ SSO 199 186.55„ 81 061 480.85 Provislona-Konto........„ 175 124 019.70„ 48 227(»9,15 Konto Dauernde Beteiligungen•»•„ 8 627 486.70„ 2 864 310.45 Das Erträgnis auf Wechsel- und Zinsen-Konto hat sehen mit Rücksicht auf die Zunahme der fremden Gelder eine erhebliche Steigerung erfahren; bezüglich der Gewinne auf Provisionskonto ist daran tu erinnern, daß die Erhöhung der Provisionssätze Im Bankge werbe im Jahre 1920 voll zur Geltung gekommen ist Der Stelgerung der Provislona- einnabmen um 127 Millionen Mark steht indessen eine Erhöhung der Unkosten und Steuern um 220 Milllomea Mark gegenüber; dieselben betrage* M. 814 268 985.85(einschließlich der au» dem Reingewinn abgesetzten Vergütungen an die Beamten) gegen M. 94 340 182.30 in 1919. Insbesondere sind die Gehälter und Teuerungszulagen Im Vorlaufe de» Jahres, wie bereit» im vorigen Geschäftsbericht i* Aussicht gestellt, weiter erheblich gestiegen. Im Herbst trat der Relohstarlf für die Bankbeamten in Kraft Wenn er auch eine gewisse Beruhigung in die Beamtenschaft gebracht hat so hat er doch den bei Kopfarbeitern besonder« schwerwiegenden Kachteil, daß er die Tendenz zur Nivelücrnng In sich trägt. Wir können In ihm daher einen Fortschritt nicht erblicken. Es verbleibt ein Reingewinn von M. 144 226 126.— gegen M. 50 653 039.40, aus dem wir dl» Ausschüttung einer Dividende von 1254% gegen 9%!m Vorjahre beantragen. Seit unserem letzten Bericht haben wir neue Wloderlaeiungen in Danzig, Duisburg(unter Uebemahme des Bankhauses A. Hilger G. m. b. H.) und In Würzburg errichtet Wir haben in der Ausdehnung unsere» Filialnetzes größtmögliche Zurückhaltung geübt werden aber genötigt sein, die Lücken, die sich durch das Fehlen eigener Niederlassungen an einigen größeren Plätzen noch«eigen, auszufüllen, und beabsichtigen in Essen a. Ruhr, als dem Zentrum des rheinisch- westfälischen Industriegebietes, sowie in Halle a. d. Saale Filialen zu errichten. Der Raummangel zwang an verschiedenen Plätzen zu Neuerwerbungen von Grundstücken nnd Vergrößerungsbauten; die hierbei durch Ueberteuerung entstandenen Kosten schlagen wir vor abzuschreiben. Der Stand der Liquidation unserer Londoner Filiale hat»ich nicht wesentlich verändert;»ie wäre weiter geführt worden, wenn die Londoner Niederlassungen der deutschen Banken in da» Abrechnungsverfahren eingeschlossen worden wären. Unsere Filiale In Bukarest hat ihre Tätigkeit aufgenommen, doch schreitet ihre Entwicklung infolge der noch ungeklärten politischen Verhältnisse einstweilen nur langsam vorwärts. Unsere Amsterdamer Vertretung Proehl& Gutmann haben wir unter eigener Beteiligung, die auf Konto„Dauernde Beteiligungen*' verbucht Ist, in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Entwicklung ihrer Geschäfte entspricht unseren Erwartungen. Die Deutsch-Südamerikanische Bank wird für 1920 10% Dividende gegen 8% für 1919 zur Verteilung bringen. Ein ausführlicher Geschäftsbericht d«»s Institut« wird In den nächsten Tagen erscheinen. Bei der Deutschen Orientbank haben die Berliner und Hamburger Niederlassung befriedigende Ergebnisse erzielt. Im übrigen verweisen wir auf das im letzten Bericht darüber Gesagte. lieber einzelne Bilanzposten ist folgendes zur Erläuterung zu bemerken: Wertpapiere und dauernde Beteiligungen, Die eigenen Wertpapiere bestanden am tl. Dezember 1920 aus: a) Anleihen des Reichs und der Bundesstaaten M. U 913 267,05 b) sonstigen bei der Reicbsbank und anderen Zen- tralnotenbankcn belcibbarcn Wertpapieren•. h-aVieh r'1Qf',leac" Koni« erkl&rt«ich Im-ewnüichon durch die Uebernahme von Anteilen bezw. Aktien der Hardv& Co G m b. H. und Dfitener Bank,»owl« durch die BeteilieunB an der neu eriich- tefcm Bank für San Nabctal Akticn-Gesellschaft und an der Firma Proehl & Gutmann in Amsterdam. e) sonstigen börsengängigen Wertpapieren. d) sonstigen Wertpapieren.«..•••»j Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken..........• 9 450 343.20 93 500 785,70 6 805 995.85 M. 121 205 891,80 M. 77 211 035,85 Konsortiaibcteiligungs-Konto. vor Gewinn an» Konsortial-Gesehäftcn nnd derjenige des ESektcn- Konto» tat nach Abrag ron 4% Geldiinscn, welche dem Zinsen-Konto zugute gekommen sind, zu Abschreibungen verwandt worden. Unter KonsortialbeteUigungs-Konto zeigt folgende Zusammensetzung: 1. Fünf Beteiligungen an festverzinslichen Werten.. M. 22 903 665,10 2. Sieben Beteiligungen an Eisenbahn- und Straßenbahn- ünternebmungen............... 8- Fünf Beteiligungen an elektrischen und Kabel-Unter- 9 915 793,50 nehmungen................. 4 Elf Beteiligungen ac Banken und Versicherungsgesellschaften.****•• 5. Sechs Beteiligungen an Bergwerks- und HÜttcnunter- nehmunger................. 6. Dreinndfünfzlg Beteiligungen an and. Unternehmungen 8 383 290.25 13 348 891,— 19 038 059,05 2 969 450.40 M. 71 577 149,30 Bankgebäude und sonstige Immobilien. Die Erhöhung des Saldo» beim Konto„Bankgobände" erklärt sieh durch Erwerbung TO» Häusern in Brieg. Duisburg, Eisenach, Greis, Hamburg, Heldelberg. Linden. Lübeck, Mannheim, Münster, Stettin und Wünbnrg sowie durch Um- nnd Keubaulcn an' verschiedenen Plätien. Unser gesamter Immobilbesitx bleibt mit vertragsmäßig noch nicht ablösbaren Hypotheken Im Betrage von M. 4 271 436,34 belastet. Penslons-Ponds-Konto. Das flrlthaben des im Jahre 1879 begründeten Pensionsfonds betrug am ÄL Dosember 1919........... M. 10 000 000,— Merau kamen Zinsen Im Jahre 1920..........»56 433,15 BttckTergOlnngen des BeamtenTersichernngsverelus... an m.-.'u .......... 838 721.30 blsmm ab gewährte Pensionen........ Durch die tob uns beantragte Zuweisung von... wird er die Höbe tob......... erreichen. Die tob uns aa den BeamtenTersichernngSTetnio des Deutschen Bank- nnd Baakiergeweibes im Jahre 1920 gerahlten Prämien beliefen sich auf M. 2 041 303,75. M. 9 747 841,05 ., 10 252 158,95 M. 50 000 000,— ROcklage-Konto. Die ordentliche Rücklage beläuft sieb auf..... M. 51 ooo ooo__ die Rücklage B auf..............„ 29 000 000.— Durch die ren uns beantragte Deberwelsnng ans dem Reingewinn ron M. SO 000 OOO,— wird sieh die Rücklage B auf M. 59 000 000,— erhöhen. nnd die Gesamtreserren werden alsdann M. ÜO 000 000,— gleich 42,308% unseres äktienkapita's betragen. Tb Ueberelnstimmnng mit dem Aufsicbtsrais he antra. gen wir, den als Ueberscbuß der Aktira über die Passiva sich ergebenden Reingewinn von wie folgt«r renvenden: Zuweisung snr Rücklage B.. Abschreibung aar Bankgebäude..„ Abschreibung auf MobUien-Knuto..„ Zuweisung cum Penslnnsfonds.... Zuweisung c. Eugen-Gutmann-Foud»„ Rückstellung für die Talonsteuer.. ,. . M. 144 226 12«,— 4% Dividende auf M. 260 000 000,- M. SO 000 000,— „ 15 000 OOO,— „ 11 140 475,35 10 252 158,95 3 000 000.— 500 000,- 10 400 000.— 80 292 034,30 Ssfzungsgemäßer Gewinnanteil an den Aufsicbtsrat.......... M. 3 nsfl 189,— Gratifikationen an die Beamten..„ 30 000 000,— 8%% weit. Divid. a- M. 260 000 000,—„ 22 100 000,— Vortrag.»»»»..»...„ 3 744 302,70 M. 63 933 491,70 M. 63 933 491,70 Berlin, im Juni 1991. Der Vorstand. Nathan. JüdeQ. Herbert M. Ontmenn. Ritsober. Frisch. Hrdina. Kleemann, DeHtssber Uetillarbelltrierl). Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nach» richt, dag unser Rollege. her Arbeiter 91/16 Alfons Hflttner aboetilrofte 24 tun 7. Juni gestorben ist Die Beerdigung findet am Sonnabend, den IL Juni. nachmittags s Uhr, von der Leichenhalle der Ahrenc feider Rirchhvses aus statt. Ferner starb am 7, Zuni unser Rollege, der Rlenipncr Ml Rnopke Neuiiilln, Raijer-Friedrich» Etrahe 165. Die Einöscherung findet Sonnabend, den IL Juni. nachm. 2 Uhr, ttn Rrerna» tonum Baumschulenweg, Rielholzfirahe. statt. Ehre ihrem«udenfenl Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnug. Am Mittwoch entriß mir der unerbittliche Tod nach lnrzem, aber schweren, mit ©cbuib getragenen Leiden meinen innigftgeliebten, treusorgenden Gatten und Baier, meinen lieben Sohn, unfern lieben Bruder, Cmfel und Schwager, den Bu- reauangestellien ?slll Vogel im besten Mannesatter bpn 38 Jahren. 38/20 In tiefstem Schmey, namens aller Hinterbliebenen, Frieda Vogel geb. Vierth und bahn Erich. Die Einäscherung findet am Montag, den 13. Juni, 3 übt tm Rretna- statt DRESDNER BANK. AcbtundilerzIgstB ordentliche Generahrersanffliicng. Gemäß S25 der St» taten werden die Aktionäre rar eabt» aadvienlgatea ordentlichen üeneratversanunlnng, welche Donnarstag, den 30. Jan) 1081, mlttage 18 Uhr, im Bankgebäude: Oresden, Köoig-Jahann-Straüe 3, statt- finden wird, eingeladen. Tagesordnang. L Vorlage dee Jahresberichtes mit Bilsna, Gewinn- nnd Verluatrechnung und den Bemerkungen dos Anfatchts- rates hiersu- 2. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahree- bilans nnd die Gewinnverteilung. 8. Beschlnßfasenng über die Entlastung das Vorstands« and des Aufalehtsrates. 4 Wahlen in dsn Anfolohtsrat gemäß g 18 der Statuten. A Erhöhung dos Aktienkapitals um 90 000 000.— Mark und Festoetsung der Bedingungen für die Aasgabe der neuen Aktien. st Aendornng der§3 ö und 6 der Statuten im Hinblick anl die Kapitalsrböhung. Zur Ausübung des Stimmrechtes In der General- ver-arnmlung sind nach S 27 der Statuten diejenigen Aktionäre berechtigt welche ihre Aktien oder eine Bescheinigung über bei einem deutschen Katar bis nach Abhaltung dar Generalversammlung hinterlegte Aktien spätestens am 5. Tage vor dem Tage der Generalversamra- lang, den Tag der Generalversammlung nicht mitgerechnet, bei einer der nachverseiohneten Stellen; bei der Dreidner Baak in Dresden nnd Bcrtta sowie ihren übrigen Niederlassungen, bei der Allgsatslami Denlssbtn Oradtt Lstvata, bei der Würllambaralsebea Verstasbamk in Stattgart, bei der Deuts ohaa Voralnsbank\ In Praak- boi dem Bankhsuj« LAB, Werth olmbar i fnrl a. DL, bei dem Bankbaus» T. A. Keobsnor in Kngdsbnrg, bei dem Hark hause A- Levy/. KA. fiel dem Baakhans» Btegtried Slmaa j bei der Dfireasr Blak in Dören, bei dem Bsekhsnse limaa Mtrsahland la laaan, bei der Eachwelltr Baak in BaafcwaBer, bei dem Bankhaus» Msyor It CslUorn in D aasig gegen eins Empfangsbescheinignag hintsrlegsn und bis nach der Gsneralversamoliug daselbst bslasaen. stimmberechtigt eind»ach diejenigen Aktieair«, die elae Bescheinigung der Baak des Berliner Kassea-Verelas verlegen. wonach ihre Aktien»pitseton» aa 5. Tage vor dem Tage der Gensratverasmaiaag. dsn Tag dar latitsran sieht mitgereakeet, bei der Baak de» Berliner Kasaen-Vorelna bis nach Abhaltung der GenerslversammJung hinterlegt sind. Ortsdso, den st Juni 1921. Direktion der Dresdner Bank, NatBaa. JOdelL - Anstalt in MW" Ein Versuch genügt und beweist"WU Seit ca. 30 Jahren bestbewährtes, im Gebrauch billigstes Waschmittel in garantierter Friedensqualität Fort mit Seife und Sodai IVIinlos*chesWaschpulver spart Zeit, Geld und Arbeit. Garantiert unschädlich für die Wäsche L. MINLOS& Co.. KÖLN-EHRENFELD f Vertreter z Ferdinand Ladwlp, Berlin, Gnelsenaustr. 65. Ferngpr.: Amt Morltacpl. 3563. MWMMMlMM verwalwttgnst-ll» Derlin r:» 84, Clniensfrahe 03 08 Drichaitsze» ron norm. 9 Uhr bis nachm 4 Uhr. Trlrphon: Amt Norden 155. im 9714. Achtung! Banschlofser! Achtung! tnonfag. De« 13. Sunt 1921, abends 5 Ahr Branchen Versammlung der Bauschlosier und der Kollegen aus den Betrieben für gelochte Bleche in der Sdtttlattla, Wrinmeisterstrahe 16/17. Tagesardnuna: 1. Bericht über den Siahmenoertrag. 2. Etellnngnnhme zur Tariffünbigung. st Bra.ichenangrle�en. Die Branchenleiiung erwartet, daß w Anbetracht der wichtigen Tagesordnung non allen Betrieben lämiliche Rollegen piinftUch erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. via OrlsderwaNnng. Neu! Neu! Lothar Schücking: Gin Jahr auf Oesel Beiträge zum System Ludendorff geb. 12,—, biosch. 9,60 Sortiments■ Buchhandlung Vorwärts BERLIN SW 68, UndeBStr.2 Aufpolstern, Sosadezitge, billigst. Pappelallee 12. 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VAS Hilde WSrncr, Ralph Artur Roberte, Ueclil Blleot, Herbert Klper, Paul RehRopl KomQdienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Roberl Winterberj Paul Heidemann a. G, Josefine Dorav Staatsth. a.Q., Inge van derStraaten, Isa Marsen, Georg Baseit, Kurt Busch, Julius Rogg Kotnisehe Oper Opernspielzeit Täglich l3/t Uhr jllt-Keiäelberg Oper von Pacchierottl Stg.aV.: Der BarMerv. Sevilla sr WodieSehwalben nisten Polles Caprice' EckeFriedrich- u.LinfenstraBe Täglich 8 Uhr: Da» neae Fräulein Da» weliic Blatt Der letligeFhemann mit Ferd. Qrünecker. Berliner frater Kastanien-Allee 7—9 Täglich P/t Uhr: DleSchönstev.alien Operette i. 3 Akt.vJeanGllbert Variete-Sensationen Volksbühne Theater am Blllowplata. Zum ersten Male 7 Uhr: Die lange Jnle Lessing-Theater Somineraplclxelt Allabendlich 7'/, Uhr: Die Ballerina des KBöigs (Konstantin, Gütz) Dentsches Künstter-Tiieater Allabendlich 71'g Uhr: Rosenmontag: (Haack, Loos, Schroth) Oentral-Theater 8 Uhr; JlOnkO Dentar.hes Opernhana 6,/jUhr; TauuhSuse? Frledr.WlIhelmst.Tli. $äJ1e Kleine ans tier Hölle Kl. SehanspleLhaii» 7'/, uhr. Reigen Kleine» Theater 7Va Uhr: Olga Limburg in Nur ein Traum Luatspiellian» 7*/. Uhr: Arnold Rleck In Die spatriache Fliege Mntrop ol-Theater Jhr'Die blaue Nazur *cucb Operetlentheat. wsUhrAinerican-Girl Kene» Volhsthe.ater 7 uhr: Die St Molistalirt Reaidenz-Theater 7�/z Uhr. Max Adalbert in Ab dafür! äelilller-Theat.Clinrl. 7,/i v~ Die versilitEPte Brant Sch loßpark- Theat. Steglitz« schloßstraße 48 iv, u.: Timon Thalia-Theater /v.uhr Mascottchen Th.ani �ollpndo rfplnta y/4 Uhr: Die berühmte Frau Der Yetter ans Dingsda Theater de» Westen» lorgen wieder tnstik! Trlanon-Theatrr Aii�A�m: Am Teetlech Th.l.d.Kommandantenstr, t', uhr Die goldene Freiiieit WalJtalla-Theater Jh�Sciieidnugsreise BehrenstraQe S4 Präzis l1/. Uhr: Internat. Damen-Boxkämpfe und der unübertreffliche ReiehslialL-taler Stettiner Sänger Anlang 7'/, Uhr I«. Jim!: Britton« Benefiz Soeben enchlenen! Soeben enddenenl Russische Korrespondenz iiiiiiiniiiiiiiuiiiuiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiiiiintiii'uiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Nr. 5«ssb» Inhalt: N. Lenin: Die Vorbedingungen und die Bedeutung der neuen Politik Sowjet-Rußlands(lieber die Naturalsteuer)/ lieber die Rolle nnd die Aufgaben der Qewerksciiaften(Reden von Q. Slnowjew, L. Trotzki und A. Schlapnlkow auf dem X. Kongreß der Kommunistischen Partei Rußlands, Moskau, März 1921)/ N. Lenin: lieber die Einheit der Partei (Rede auf dem X. Kongreß der K. P.R.)/ N. Bncharin: lieber den Partei aufbau(Rede auf dem X Kongreß der K. P. R.)/ L. Krltzmann: Aufbai der wirtschaftlichen Organisationen in Sowjet-Rußland/ E. Varga: Die Kritzmann: Aufbau 7e Lenins Rede auf der All- russiscnen äonrerenz aer i ransporraroeiier/ Der engllscb-rnssisctaa Handelsvertrag/ Vertrag zwischen Rußland nnd Perslen/ Vertrag zwischen Rußland nnd der Türkei/ Friedensvertrag zwischen Rußland, der Ukraine nnd Polen/ J. Rappoporf: Die Wirtschaft Turkestans im Jahre 1920/ A. Golzmann: Das Problem des Arbeitslohnes. 128 Sellen Preis 5 M. Zu beziehen durdi Frankes Verlag G.m.b.H., Leipzig INE U E WELT Arnold Scholz Hascnheld» 108.114 Mmirals-Falast /-.uhr: Abrakadabra Morgen 7').: Ahrnkadobra Heule sowie täglich i Gr.Vari�-Vorsteilung (16 erstkl. Attraktionen) Anfang 6 Uhr Einlaß Vgl Uhr Jeden Donnerstag und Sonntag: Großer ELITE«BALL Nutzeisen jeder Art: Rund». Flach-, Quadrat-«. 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Wir fordern die wahlberech- tfgten Kassenniitglieber nochmals anf, sich rechtzeitig den erforderlichen Wahlauswci« bei ihrem jeweiligen Arbettgeder ober im Zkaffenlolal w den GeschästLftunden von S bis 1 Uhr ausstellen zu lasten. Ohne Ausweis darf nicht ge- wählt werden. Sie Stimmzettel müsten non weißer Farbe und 10 mal 8 gemimeter groß fein. Fstr die wahlberechtigten «rbrifaebn ist nur et* gültiger W-Hworfchlag emge- gangen» enthaltenb 15 Ver» »eier und 30 Ersatzmänner, eingereicht durch W. Stolle, Ab» teiwngslester, beginnend mit 9L Stock 4 Co., AtL-Gef.. Marienfelbe, B-rtret-r Diretior Roelie. �. Sämtliche Bertreier und Cr- fatzmänner gelten gemäß 19 der Wahlordnung als gewählt und fällt die für den 20. Juni er anberaumte Wahl der tztr- bcifgebctoctitefet aus. Sämtlich« Wahloorfchiiixe können von den Wahlberechtigten werktags von 8 bis 1 Uhr im Rastenlokal eingesehen werden. 21/12 verlin- Mariendorf, 10. Juni 192L «ng. Lelp, Vorsitz ender. den des Ergednistes der am 28.5.1021 tfunbenen Wahl den ___ ltaeyrner- vertreten zum Ausschuß der Raste. stattges— Mtbeitae :m Aussu,.�--------- ffi» find von beiden Wahl» Vorschlägen die ersten 30 der ordentlichen«ertreter. der ersten und zweiten Ersatzmänner als gewählt zu betrachten. Ver Vorstand den 0rf»- frantenkaste 6. Bndhbinden und ueciuanblec Gewerbe ja Setila. 21,11 gez.:«.«otte»mann,Vorsttzcnbe« am.: Fr. Rees«, Schriftführer, > reue Siwie L, Reicher« Haarkraitwaste: .Reell- mir« wände: [er Wunder nach tzmaliaem Einreiben. So ober ähnlich lauten ntel« Anerfennungen. FL M 11.— und 17.— 0«a Reichel, verlw«Z. »»» SO, Eisenbahnstraße 4 1. 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche I und Schlafstellenanzeigen das erste Wort(fettgedruckt) I M.,■ Jedes Wort 1 M. Pf«•".gedruckte Wort UOM.(zulässig| und Schlafstelleranzeige jedes weitereWort 60 Pfg. 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Reflektiert wird auf e.ne tüchtige Kraft Selbiger muß Ober eigenes Wissen und innere Festigkeit verfügen Neben den Gewerkschaftsund Betriebsrätetragen soll er sich in der Hauptsache den kulturellen Autgaben widmen. Gehalt nach Ueberei■ kunft. Bewerbungen sind bis spätestens den 15. Juli 1921 tu richten an 188/19 GeweFkschaits-Sekretarlst° Leipzig, 10. Juni.(VDZ.) Alsbald nach Eröffnung der Freitag- fiizung hält Reichsonwalt Dr. F e i st« n b e r g e r die Anklagerede: Bisher hatten wir uns hier mit militärischen Delikten zu be- schäftigen, während wir es heute mit Straftaten zu tun haben, die nach dem bürgerlichen Strafgesetzbuch zu beurteilen sind. Bei der Wertung von Kinderaussagen ist außerordentliche Vorsicht geboten. Schwerer als der Vorwurf der Mißhandlung erwachsener Gesänge- ner ist der, daß der Angeklagte so gegen Kinder vorgegangen sein soll. Der Reichsanwalt kommt nach ausführlicher Untersuchung zu dem Schluß, daß die Geheimen Feldpolizistcn Reichs b'eamt« waren. Zur Strafbarkeit nach§ 148 RStGB. gehört die subjektive Kenntnis des Täters, daß er Beamter ist. Diese Kenntnis liegt vor. Der Angeklagte wußte, daß er nur Personen festnehmen durfte, die als Täter in Frage kamen. Er hat immer erklärt, daß es sich um die Aufklärung von Straftaten gehandelt habe. Wenn er heute sagt, er habe auch polizeiliche Vorbeugungsmaßregeln treffen wollen, so hat daran früher offenbar nicht gedacht. Jeder, der im öffentlichen Dienst steht, hat die Rechtmäßigkeit seiner Hand- lungen zu prüfen. Nach der Verordnung vom Dezember 1899, die die Grundlage des Verfahrens gegen Jugendliche bildete, ist die Festnahme Unverdächtiger unzulässig, wenn die Festnahme nur zu Ermittlungszwecken dienen soll. Was die Festnahme Ver- dächtiger betrifft, so hat. das Bewußtsein von der Widerrechtlichkeit dem Angeklagten gefehlt. Der Reichsanwalt führt auch entgegen- gesetzte rechtliche Möglichkeiten an und fährt dann fort: Aller- dings hat der Angeklagte gesagt, die Umstände hätten dies geboten erscheinen lassen: aber jugendsiche Personen brauchi man nicht nachts aus dem Bette zck> holen: dazu ist morgens noch Zeit genug. Die Fesselung einer Reihe von Jugendlichen und das Zusammenbinden zweier Knaben sind ebenfalls unzulässig. Hier kommt auch das Sittengesetz in Frage. Der Angeklagte ist vielleicht nicht mit Unrecht der Schrecken von Dendermonde genannt worden. Der Angeklagte hat ferner die Host der sechs Knaben, welche strafunmündig waren, obwohl die Untersuchung bereits im Dezember abgeschlossen war, noch über den 22. Dezember hinaus verlängert. Dadurch hat er gegen§ 343 des Strafgesetzbuches verstoßen. Ein positiver Beweis dafür, daß er Jugendlichen Esten und Waster entzogen hat, ist nicht erbracht. Diese Kinderaussagen sind mit großer Vorsicht aufzunehmen. Kinder lügen bewußt nur dann, wenn sie selbst etwas getan haben. Im übrigen aber kann man nur wünschen, bei Erwachsenen so wenig bewußte Unwahrheit zu finden, wie bei Kindern. Kinder sind abhängig von dem, was um sie vorgeht, weil sie nicht die Urteilsfähigkeit wie die Erwachsenen haben. Sie lasten sich daher auch mehr beeinflussen als diese. Die hier abgegebenen Kinderaussagcn sind sicher übertrieben, können aber nicht als völlig unwahr angesehen werden. Das Verhalten des Angeklagten zeigt eine gcwiste Härte und er war von starkem Ehrgeiz beherrscht. Dadurch wurde er veranlaßt, in den Mitteln nicht allzu wählerisch zu sein. Wenn der Angeklagte bei seiner Vernehmung durch die Reichsanwoltschast dauernd Ausflüchte machte(die er auf die Besorgnis zurückgeführt hat, an Belgien aus- geliefert zu werden. Red.), so spricht dies nicht dafür, daß er ein ganz reines Gewisten hatte. Der Zweck des Vorgehens gegen die Kinder war die Erzielung von Geständnissen und von Angaben über andere. Wenn ein Kind so viele Wochen im Gefängnis ge- lizei in Belgien. festen hat, so prägt sich seinem Gedächtnis manches ein, was es sonst vergessen Höste. Eine Anzahl der Mißhandlungen, die von den KW» dern behauptet werden, mutz deshalb als erwiesen angesehen werden. Zu betonen ist, daß der Angeklagte den guten ZweA verfolgte, dos deutsche Heer zu sichern. Aber manche Momente lasten die Tat des Angeklagten in wesentlich ungünstigerem Lichte erscheinen. Er mußte daran denken, daß das Andenken des deutschen Namens geschädigt werde. Besonders schwer wiegt es, daß er die Geständnisse von Kindern herausgeholt hat. Eine Zuchthausstrafe würde keine an- gemessene Sühne sein, mildernde Umstände können dem Angeklagten zugebilligt werden, denn aus ehrlosen Motiven hat er nicht ge- handelt. Deshalb ist ein Ehrenrechtsverlust nicht am Platze. Der Reichsanwalt beantragt am Schlüsse seiner zweistündigen Red« eine Gesamtstrafe von zwes Jahren Gefängnis und Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Äemter auf die Dauer von fünf Iahren. Verteidiger Justizrat Dr. Kaiser- Leipzig geht zunächst aus den Sinn der ganzen Kriegsprozeste ein, die nicht der Gerechtigkeit. sondern der Rache dienten. Die feindlichen Staatsmänner wissen ganz genau, daß Enigleisungen überall vorgekommen sind. Es liegt ihnen aber nur daran, immer wieder aller West vor Augen zu führen, wie die Deutschen gehaust haben. Dem An» geklagten muß geglaubt werden, daß er sich nicht als Beamter, son- dern als Soldat in der Etappe gefühlt hat. Wenn er in der ersten Zeit der Reichsanwoltschast die Unwahrheit gesagt hat, so darf man ihn deshalb nicht als unglaubwürdig ansehen/ denn er hatte dos Recht, möglichst zurückhaltend zu sein, um der Entente nicht in die Hände zu arbeiten. Höchst bedenklich wäre es, die Verhältniste, unter denen der Angeklagte im Herbst 19l? tötig war, setzt im Jahre 1921 am grünen Tisch vom kühlen Rechtsstandpunkt aus würdigen zu wollen. Unsere Leute hatten die Pflicht, den Machinostonen der feindlichen Einwohnerschaft im besetzten Gebiete energisch entgegen- zuarbeiten. Mit dem Strafgesetzbuch in der Hand hätte der An- geklagte seine Ausgabe nicht erfüllen können. Das pflichttnößige Ermesten bestimmt sich nicht nach dem Strafgesetzbuch, sondern nach den Kriegsnotwendigkeiten. Wenn der Angeklagte die Sstofunmün- digen freigelasten hätte und infolgedesten vielleicht zwei Tage später wegen einer neuen Störung der Signale ein Eisenbahnunglück sich ereignet hätte, sollte er dann seinen Borgesetzten gegenüber sich etwa mit dem Strafgesetzbuch entschuldigen?(Das Publikum klatscht spontanen Beifall, wird aber vom Präsidenten energisch zur Ord- nung verwiesen.) Was die Erpressung der Geständnisse anbetrifft, so ist den Kinderaussagen in keiner Weise Glauben beizumessen. Es war eine Freude, die Hungen so lügen zu hören. Ihre Angaben stnd vollkommen unzutreffend. Bei den ganzen Ver- hältnisten des Gefängnisses war es vollkommen ausgeschlossen, dag der Angeklagte die Kinder fast täglich geschlagen haben sollte, ohne daß die« von anderer Seite beobachtet worden wäre. Auf den An- geklagten fällt mich nicht der Schatten eines Verdachts. Der Ver- teidiger beantragt, den Angeklagten in allen Punkten freizusprechen. In seiner Erwiderung betont der R e i ch s a n w o l t, es ent- spreche nicht den Tatsachen, daß die Verfolgung der Kriegsdelitte auf Befehl der Entente erfolge. Sie geschehe vielmehr aus Grund der deutschen Gesetzgebung und es entspreche dem deutschen Rechtsempfinden, daß strafbare Handlungen auch zur Bestrafung gezogen würden., Der Angeklagte bleibt dabei, die Kinder niemals geschlagen zu haben. Das Urteil soll Sonnabend 1 Uhr verkündet werden. �rbeitslosenkrawall im Gewerkschaftshaus. Das Berliner Gewerkschaftshaus war gestern der Schauplatz wüster Tumulte. Mittags, gegen 1 Uhr, erschien nach Be' setzung sämtlicher Zugänge eine Deputation von Arbeitslosen im Bureau des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschastsbundes und ver- langte, daß dieser den zirka 2000 Arbeitslosen, die— offenbar von Kommunisten aufgehetzt— mit roten Fahnen erschienen waren, eine Erklärung darüber abgebe, was er zu tun gedenke, um seine be- kannten zehn Forderungen zur Behebung der Arbeitslosigkeit durch- zusetzen. Dos zufällig allein im Bureau anwesende Vorstandsmit- glied, unser Genosse K n o l l, begab sich dann in die Höhle des Löwen und erklärte den außerordentlich erregten Demonstranten, daß ein Teil der Forderungen des ADGB. bereits erfüllt sei und daß der andere erfüllt werden würde. Sollte ein Rest zu erfüllen übrig blei- den, so würden die Mittel zu prüfen sein, die ihre Durchführung er- möglichten. Unser Genosse erklärte weiter, daß die Gewerkschaften im gegebenen Augenblick auch nicht davor zurückschrecken würden, alle geeigneten gewerkschaftlichen Mittel anzu- wenden, um der schreienden Not der Erwerbslosen ein Ende zu bereiten. Das ganze Lexikon der kommunistischen Schimpfworte bekam der Redner natürlich an den Kopf geworfen. Außerdem aber wurde sehr stürmisch verlangt:„Werst dos Aas ins Wasser!" und„Ersäuft doch die ganze Bande!". Nur dem Einschreiten der besonnenen Ele- mente ist es zu verdanken, daß Genosse Knoll nicht im Engelbecken durch Arbeiterhände ein schmähliches Ende gesunden hat. Diesen „Edelmut" begründete ein Zwischenrufer mit dem Wort:„Na ja, sie haben uns schon den alten Graukopf runtergeschickt, weil sie wissen, daß wir dem so leicht nichts tun." Außer diesen persönlichen Bedrohungen wurde der ganzen Gewerkschaftsbewegung angekündigt, daß man sie„kurz und klein schlagen" und aus den Gewerkschaften herausgehen werde. Die Diskussionsredner er- klärten, man würde heute sämtlich:: Gewerkschafts- und Mogistrats- angestellte, die in den Arbeitsnachweisen eine Funktion ausüben, hinausschmeißen und die Kontrolle selbst übernehmen. Das soll der Auftakt zu„größeren Dingen" werden. Man will die De- monstration nach dem Gewerkschaftshause tagtäglich in ver- stärktem Maße wiederholen und wird, wie aus den Dro- Hungen zu schließen ist, dann, wenn die Aktion die genügende„Stei- gerung" erfahren hat, auch nicht vor dem äußersten Mittel zurück- schrecken. Dieser Tatbestand ist für die Arbeiterschaft äußerst beschämend. Eben ist ein von Freund und Feind anerkannter Arbeiterführer durch die Hand eines Mörders gefallen, der aller Wahrscheinlichkeit nach im Lager der Reaktion zu suchen ist. Das eben vergossene Blut sollte allen Arbeitern die Notwendigkeit vor Augen führen, dem unglück- seligen Bruderkrieg in ihren Reihen eine Ende zu setzen. Durch solche wüsten Auftritte, wie sie oben beschrieben sind, wird man dieser Notwendigkeit nicht im geringsten gerecht. Ganz im Gegenteil! Das Bürgertum reibt sich vor Vergnügen die Hände und sieht schon den Tag herankommen, an dem auch bie Ge- werkschaften zernagt vom Brudcrkampf zusammenbrechen und die Arbeiterschaft schutzlos der Profitgier des Unternehmertums und der Gewalt der Kahr und Escheriche ausgeliefert ist. Aber die Vorgänge des gestrigen Tages geben auch der Regie- rung und den Unternehmern zu denken Anlaß. Große Teile des deutschen Proletariats befinden sich in einer e r s ch r e ck l i ch e n N o t. Wenn diese Menschen, die seit Monaten sehr oft weit über ein Jahr, keine Arbeit und kaum das Brot zum Sattesten haben, in ihrer höchsten Verzweiflung sagen, uns ist alles egal, wir haben nichts mehrzuverlieren, dann stnd nicht jene, die zu solch verzweifel- tem Mittel greifen, allein die Schuldigen, die Hauptschuldigen sind jene, die nicht genug getan haben! Die Fürsorge der Regierung für die Erwerbslosen darf nicht allein bestehen in der Zahlung von Un- terstützung. Sie muß unter allen Umständen Arbeit schaffen. Das Unternehmertum aber muß dazu angehalten werden, seine Verpflichtungen gegenüber der Allgemeinheit zu erfüllen. Es darf nicht einfach— weil es sich nicht mehr lohnt— durch Stillegung von Betrieben, die Arbeitsbeschaffung sabotieren und skrupellos neue Arbcitermasten auf die Straße setzen. Die Regierung kann versichert sein, daß die Arbeiterschaft sie rückhaltlos unterstützen wird, wenn sie die Forderungen des ADGB. nicht nur anerkennt, sondern auch durchführt. Nur auf diese Weise kann die große Gefahr, die aus der Not der Erwerbslosen für unser öffentliches Leben erwächst, gebannt werden. Allen jenen aber, die gewissenlos genug sind, diese Not für ihre poliüschen Zwecke auszunützen und nachher die Aermsten der Armen den Gerichten überlasten, rufen wir zu:„Hände weg von den Erwerhs- lose nl"_ Säuberung in Stargarü. Skprgard i. Pom.. 10. Juni.(Eigener D:al)tbericht des„Vor- wärts".) Wir berichteten am Montag, daß Verhandlungen zwischen den Berliner Regierungsstellen und den hiesigen Gefangenenlagern stattfinden jollten, um zu prüfen, in welcher Weise sich einzelne Wach- Mannschaften Uebergriffe gegen die internierten Ostjuden haben zu- schulden kommen lasten. Die Untersuchung ist nun abgeschlossen und hat das Ergebnis gezeitigt, daß die Wachleute Erich Otto, Willnow und Raps wegen schwerer Mißhandlungen am Donnerstag au» dem Dienst entlasten worden sind, und daß deren Bestrafung erfolgt. Gegen drei weiter« Leute schwebt das Der» fahren; es ist noch nicht abgeschlossen. Di« Internierten behaupten mit positiver Bestimmtheit, daß sie von einem Wachmann mit dem Gewehrkolben geschlagen worden sind, und daß dabei das Gewehr mitten entzwei gesprungen ist, während die Wachleute dies bestreiten. Tatsache ist jedoch, daß das Gewehr eines Wachmannes am anderen Tage nach dem Brande in zwei Stück« geschlagen war. doch will der betreffende Wachmann mit dem Gewehrkolben auf den„E r d- b oben"(!) geschlagen haben. Di« Wachleute wollen zu den Miß- Handlungen von den Internierten gereizt worden sein. Daß die unglücklichen Opfer geschlagen und mißhandelt worden sind, hat die Untersuchung einwandfrei ergeben. Allen Wachleuten wird von jetzt ab ein Revers vorgelegt, worin sie sich unterschriftlich ver- pflichten, alle Mißhandlungen usw. zu unterlassen. Wer gegen diese Vorschrift verstößt, wird sofort entlasten. Hossenllich läßt man die entlassenen Prügelhelden nicht lausen, sondern führt sie ihrer wohl- oerdienten Strafe zu._ Der Weg zum Richkeramt verbarrikadiert. Der H o u p t a u s- schuß des Preußischen Landtags führte am Freitag die Beratung des Justizetats zu Ende. Aus den Debatten ist das offene Ge- ständnis des Deutschnationalcn Dr. D e e r b e r g zu erwähnen, daß der weitaus größte Teil der Richter sich innerlich noch nicht auf den Boden der Republik gestellt hat. Um weiteren Volkskreisen den Weg zum Richteramt zu öffnen, hatten Sozial- demokraten und Demokraten den hier bereits ausführlich_ besprochenen Antrag gestellt, befähigte Personen aus allen Bevölte- rungskreisen zur Staatsprüfung zuzulassen, auch wenn sie nicht den vorgeschriebenen Bildungsgang zurückgelegt haben. Wegen dieses Antrags hat bereits der„Lokal-Anzeiger" Lärm geschlagen mit der Behauptung, daß dadurch„die Rechtspflege untergroben" würde. Auch die Mehrheit des Hauptausschustes meinte, daß das heilige Monopol der zünftigen Juristen nicht angetastet werden dürfe, und stimmte den Antrag mit den Stimmen der beiden Rechts» Parteien und des Zentrums nieder. Auch die Kommunisten stimmten dagegen, ließen aber nachher erklären, daß dies nur irr- tümlich geschehen sei. Erhöhung der versicher ungsgreuze für Augestellte. Der Reichs- rat nahm den Geietzenlwurf über Aeuderung des Versicherungs- geietzes für Angestellte an. Die BersicherungSgrenze wird auf 28 000 M. erhöhl. Patriotismus und Geschäft. Im Rheinlande sind Bestrebungen im Gange, die das deutsche Spiritusmonopol zertrümmern und ein rheinisch-ftanzösisches Spiri- wsmonopol ausrichten wollen. Die Abgeordneten Sollmann und M e e r f e l d haben folgende Anfrage an die Reichsregierung gerichtet: Zwischen der Interalliierten Rheinlandkommis- s i o n in Koblenz und zwischen rheinischen Spiritusinte r- e s s e n t e n haben Verhandlungen zur Herbeiführung eines f r a n- zösisch-rh ei nischen Spiritusmonopols stattgefunden. Sind der Reichsregierung diese Vorgänge bekannt? Sind Maß- nahmen getroffen, um das Durchbrechen des deutschen Spiri- tusmonopols zu verhindern? Die wieüergutmachungshäufer. Paris, 10. Juni.(Havas.) In der Besprechung, die vor einigen Tagen im Ministerium für die befreiten Gebiete zwischen französischen und deutschen©ochverständigen über das deutsche Angebot an Frank- reich, als Reparation 25000 Holzhäuser zu liefern, geführt wurden, wurde festgestellt, daß der Preis für diese Häuser bedeutend höher sei, als für die gleichen von der französischen Industrie ge- lieferten Modelle. Um eine beträchtlich« Verminderung des Preises der verschiedenen Typen zu erreichen, wurden ge- wisse Aenderungen an den vorgelegten Plänen und Voranschlägen von der deutschen Delegation verlangt. Da diese kein« endgültige Verpflichtung übernehmen konnte, wurde beschlosten,«ine Kam- Mission von Sachverständigen nach Deutschland in Begleitung eines Vertreters des Ministeriums für die befreiten Gebiet« zu senden, die die fertiggestellten Konstruktionen an verschiedenen Plätzen wie Stuttgart. Berlin und seiner Umgebung besichtigen und von den Unternehmern gleichzeitig mit den verlangten K a n st r u k t i o n s. änderungen einen Preisnachlaß zu erzielen suchen soll, um die Preise mit den französischen in Einklang zu bringen. »- Paris, 10. Juni.(MTB.) Wie„Petit Parisien" mitteilt, wird die französische Sachverständigenkommission, die über den Dertaufspreis der Häuser mit den Herstellern in Deutschland verhandeln soll, Sonnabend abreisen. Etwa acht Tage später werde der Minister für Wiederaufbau in der Lag« sein, die E n t sch e i d u n g über das deutsche Angebot zu treffen. Grft zerstören, dann neubauen. Paris. 10. Juni.(EP.) In der Deputiertenkammer führte Bvuisscm(Soz.) zur Marinevorlage aus: Wäre es nicht bester, statt so- viel Schiffe zu bauen, den Artikel 190 des Versailler Vertrages zu revidieren, der Deutschland erlaubt, Kreuzer bis zu 6000 Tonnen und Panzer bis 10000 Tonnen zu bauen? Warum 36 U-Boote bauen, während Deutschland gemäß dem Versailler Friedensvertrag 34 dieser Schiftsgattung liefern muß und wir 24 zu zerstören verpflichtet sind?" Der Berichterstatter Denis« er- klärte, daß die Kommission ihr bestes getan habe, um diese un- sinnige Zerstörung zu vermeiden, sie habe sich jedoch den Beschlüsten des Obersten Rate» fügen müssen. Der Berichterstatter für die Fi- nanzkommisston, Chappedelaine, unterstützte Bouiflons Vor- schlag, die Artikel des Friedensoertrages von Versailles, welche die Schiffskräfte Deutschlands betreffen, zu revidieren, er werde jedoch für die Vorlage stimmen, well sie als ein Minimum erscheine, und Frankreich müsse in der Lage sein, seine Neutralität anderen 'Mächten gegenüber im Falle eines Krieges zu verteidigen. öegnaüigung französischer Meuterer. Paris. 10. Juni.(TU.) Auf Antrag des Justiz- und Marine- Ministers hat der Präsident der Republik eine Reihe von B e g n a- digungsmaßnahmen zugunsten der aufständischen Seeleute im Schwarzen Meere gell offen. Der Marine. minister wird heute die Liste der begnadigten Seeleute, ungefähr 20 an der Zahl, bekanntgeben.(Es handelt sich um die vom Kriegs- gericht verurteilten sogenannten„Rädelsführer" der Matrosenmeu- terei, die vor Odessa und Sebastopol im Frühjahr 1919 an Bord mehrerer Kriegsschiffe ausgebrochen war. Die Matrosen erklärten damals, der Krieg, den man sie gegen die B o l s ch e w i k i zu führen zwinge, sei verfassungswidrig, da eine Kriegserklärung nicht erfolgt sei. Auf das ausdrückliche Versprechen des kommandierenden Admirols, daß man sie nach Frankreich zurückbefördern und daß ihnen nichts geschehen würde, gaben die Matrosen die von ihnen ge- fangengenommenen Offiziere wieder frei. Kaum in Toulon wieder angelangt, wurden sie jedoch«ingesperrt und verurteilt. Die sozio» listischo Partei führte seit zwei Jahren für die Begnadigung einen hartnäckigen und bisher erfolglosen Kamps.) Deutschlands Zahlungen. Paris, 10. Juni.(Dcna.) Die Reparationskommissien gibt amtlich bekannt: In Ausführung des Artikels V des Zahlungs- plans hat Deutschland bis heute rund 840 Millionen Gold- mark in Gestalt von Schatzbons mit Fälligkeit am 31. August 1921 und rund 200 Millionen Goldmark in fremden Devisen gezahlt. Der überschießende Betrag von etwa 40 Millio- nen Goldmark wird zur A m o r t i s i e r u n g eines Teils der vor- erwähnten Schatzbons Verwendung finden. Front, und Besitzwechse! der.Times". Aus London wird der TU. gemeldet, daß die„Times" in das Loger der Regierung übergeht. Lord Northclisf« soll dies« teure Zeitung, die ihm wöchentlich 2500 Pfund kostet, veräußern wollen. Den- reiche Reeder Sir John E l l e r m a n n hat bereits die Anteile angekauft. Der„Outlock" nennt die Erwerbung der„Times" einen persönlichen Erfolg Lloyd Georges. Dieser hatte sich immer schon geärgert, daß die„Times" in den M e i- nungsverschiedenheiten mit Frankreich nicht auf seine Seite getreten s«'. Zwischen der Tschechoslowakei und Rumänien ist ein Ab- kommen abgeschlossen worden, in dem die beiden Siaaicn sich gegenseitige Hilfe zusichern für den Fall eines unprovozierten An- griffs durch Ungarn. Die ewig Steuerscheuen. Der Reichslandbund veröffentlicht eine Entschließung, in der er gegen die bekanntgewordenen Steuerprojekt« zur Erfüllung des Ultimatums Stellung nimmt. Insbesondere pro- testiert er gegen das Steuerprojekt, das darauf abzielt, den Gold- wert des Grund und Bodens mit einer 20prozentigen Zwangshypotbek zu belasten. Er sieht darin den ersten Schritt zu einer Verstaatlichung des Grund und Bodens und der Vernichtung des deutschem Bauernstandes.—, Natürlich enthält die Entschließung auch e'ne theoretische Bereitschaftserklärung. der Landwirtschaft, die„schwersten Opfer" zu bringen. Aber sobald praktische Vorschläge gemacht werden, dann ertönt jedesmal ein lautes Nein. Die„Deutsche Zeitung" bringt unter großer Aufmachung eine Pariser Meldung, wonach der Aomiral v. Holtzendorff durch das Reichsgericht unter Anklage gestellt werden soll. In seiner Entrüstung hat das Blatt Gergesten hinzuzufügen, daß der betreffende Admlral schon seit etwa zwei Jahren— gestorben ist. Ebenso reingefallen sind der„Reichsbote" und die„Tägliche Rundschau". f Zum verbanöstag öer Glasarbeiter. Der Verband der Glasarbeiter hält vom 12—18. Juni seinen Verbandstag in Weihwasser(O.-L.), dem größten Glasindustrie- ort der Welt ab. Aus klemen Anfängen heraus ist der Verband der Glosarbeiter erstarkt. Vor dem Krieg 18 000 Mitglieder zählend, werden jetzt SS 000 Arbeiter in der Organisation gemustert: damit umfaßt die Organisation fast dle gesamten Arbeiter der Glasindustrie. Die Delegierten haben eine reiche Tagesordnung zu erledigen. Waren die Lohn, und Arbeitsverhältnisse in der Glasindustrie vor dem Krieg äußerst trostlos, so ist durch emsige Arbeit in den Ar- beits. und Tarifgemeinschaften ein ganz bedeutender Fortschritt erreicht worden; trotzdem besteht unter einem verschwin- dend kleinen Teil der Mitglieder die Auffassung, daß die Arbeits- Semeinschaften zu beseitigen sind. Der Verbandstag aber wird be- hließen, daß die Arbeitsgemeinschaften beibehalten werden, weil es im Interesse der Mitglieder l-egt. Der Vorwurf, daß die„Eewcrkschaftsbureaukratie" nur nach neuen Unterstützungseinrichtungen sinnt und dabei die Interesien der Arbeiter zurückstellt, wird dadurch entkräftet, daß von einem roßen Teil der Glasarbeiter die Gründung einer P e n f i o n s- a s s e verlangt wird und die Mitglieder sich mit dem Gedanken vertraut gemacht haben, dafür sehr hohe Beiträge zu leisten. Das Problem ist allerdings sehr schwierig zu lösen, denn die Unfall- gcfahr ist in der Glasindustrie nicht gering und durch die schwere Arbeit tritt sehr früh Invalidität ein. Bei der großen Bedeutung, die einer solchen Einrichtung in den Kreisen der Glasarbeiter bei- gelegt wird, ist eine eingehende Beschäftigung damit zu erwarten. Auch die S o z i a l i s i e r u n g der Glasindustrie ist auf die Tagesordnung gesetzt. Die Glasindustrie Deutschlands ist vornehm- lich Exportindustrie, und besonders nach der Kriegszeit haben die Industriellen ungeheuerliche Gewinne erreicht. Diese Ueberschüsse flössen nun in die Hände der Kapitalisten, während die Arbeiter, trotz der günstigen Verhältnisse, schwere Auseinandersetzungen mit den Industriellen führen mußten. Die Glasindustrie hat in tech- nischer Beziehung nur geringe Umwälzungen erfahren, noch heute ist ein Teil der Industriellen tätig, die früher selbst als Glasarbeiter arbeiteten, aber über ungeheure Vermögen oerfügen. Bei dem finanziellen Zusammenbruch unseres Staatswesens darf nicht mehr zugegeben werden, daß eine so ungeheure Bereicherung auf Kosten der Gesamiheil möglich ist. Die Glasarbeiter fordern deshalb mit allem Nachdruck, daß die Glasindustrie sozio- lisiert wird und erklären, daß die technische Leitung aller Betriebe sehr leicht von der intelligenten Arbeiterschaft durchgeführt werden könnte und die gewaltigen Gewinne zur Deckung unserer ungeheuren Ausgaben Verwendung finden dürften. Die Frage Amsterdam ode'- Moskau wird nur eine unterge- ordnete Rolle spielen, falls sie überhaupt behandelt werden sollte. Die Anhängerschaft von Moskau ist zwar in den letzten Wochen, besonders bei der Wahl der Delegierten emsig tätig gewesen aber sie hat bei dem gesunden Sinn der deutschen Glasarbeiter mit den' zersetzenden Tendenzen Moskaus reinen Boden gefunden. Zu einer längeren Aussprache dürfte die Beitragserhöhung und die Erhöhung der Unterstützungssätze führen. Der Verdienst in der Glasinoustrie ist sehr verschieden, weshalb die Beiträg« gestaffelt sind. Der höchste Beitrag von 3 Mk. wöchentlich, wird mit Leichtig- keit auf S Mk. erhöht werden können� doch dürfte es schwierig werden, die niedrigen Beitragsklassen für die Arbeiter, deren Ber- dienst nur minimal ist, in ähnlicher Weise zu erhöhen. Der Verbandstag wird zugleich eine internationale Heerschau werden und gewinnt dadurch wesentlich an Bedeu- tung. England hat 3, Frankreich 2, die Tschechoslowakei 5, Belgien, Holland, Dänemaark, Oesterreich und Schweden haben je einen Ber- treter gemeldet. Es sind also aus 8 Ländern IS Vertreter zu erwarten, so daß damit der� Beweis erbracht ist, daß die internationale Bewegung der Glasarbeiter vorwärts marschiert. Wir begrüßen hiermit den Verbandstag der GlasarbeUer in Weihwasier und hoffen, daß die umfangreiche Tagesordnung zum Besten der Mitglieder erledigt wird. Die deutschen Glasarbeiter haben ihre Organisation über die schwierigsten Stürme hinwegge. bracht, und der Verbandstag wird dazu beitragen, daß die Organi- sation ein starkes Bollwerk gegen jede Unterdrückung bildet' und den Aufftieg der Glasarbeiter aus tiefer sozialer Not ermöglicht. auSgeSttdet worden sind, sehe« sich gezwungen, in anderen Be« trieben daS nachzuholen, wo? ihnen nicht gezeigt werden konnte. Die Bezahlung ist natürlich so minimal, daß die Eltern gezwungen find, den Sohn noch über das 18. Jahr hinaus zu unterstützen. Die LehrlingSgesuche erscheinen in kurzer Zeit l Eltern, seid vorsichtig bei der Auswahl deS Berufes für eure Kinder I Erkundigt Euch bei den betreffenden freien Gewerkschaften über die Aussichten eineS Berufes vor Unterschreiben des Lehrvertrages. Auskunft über daS Vermessungswesen erteilt bereitwilligst nach vor« heriger schriftlicher Anmeldung der Genoffe Vermessungstechniker Karl Z e m l i n, Berlin-Schöneberg, Apostel-PauluS-Str. 37, GthS. I. GewerMostsbeWegunH vermesiungstechnkkerlehre. Wohl sehr wenig bekannt ist der Beruf deS VermeffungS- technikerS, in verschiedenen Gegenden auch Feldmesser oder Geometer genannt. Der Vermessungstechniker genießt seine Ausbildung in einem Vermessungsbureau, oft auch technisches Bureau genannt, oder aber bei Kommunal- und Reichsbehörden. Während die Ausbildung früher drei, vier und fünf Jahre dauerte, braucht der zukünftige Vermessungstechniker jetzt vier Jahre bei einem dem Verband selbständiger vereideter Landmesser in Preußen angehörenden Landmesser zu seiner Ausbildung. Verpflichten sich die Ellern, d«n Lehrling aus ein Jahr auf eine staatliche Baugewerlschule zu schicken, verringert sich die Lehrzeit auf drei Jahre. Infolge der großen Unkenntnis drängen sich viele junge Leuie zu diesem Beruf, der an die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit deS jungen Mannes die höchsten Anforderungen stellt. Der Vermessungstechniker muß örtliche Aufmessungen selbständig bornehmen, mit der häuslichen Bearbeitung der Aufmessungen, mit ber mathematischen Berechnung aller Figuren und Flächen vertraut sein. Man verlangt von ihm die Anfertigung von Plänen, wozu eine gute Hand-, Rund- und Karlenschrift gehört. In vielen Bureaus werden die Vorarbeiten für Eisenbahn«, Wege- und Straßenbauten, sür Be- und Entwässerungsanlagen von BermestungS- technikein ausgeführt. Andere Arbeiten aufzuführen, verbietet der zur Verfügung siehende Raum. Vor dem Eintritt in ein VermeffungSbureau wird den Eltern deS jungen Mannes der Beruf in den rosigsten Farben geschildert. Der Inhaber eines VermeffungSbureauS macht Versprechungen, die bielfach nicht eingehalten werden können, weil es an Arbeit mangelt. Viele Vermessungsbureaus haben kurze Zeit viel zü tun, nachher ober lange Zeit gar nichts oder sie bekommen nur kleine Aufträge, die keine guw Ausbildung gewährleisten. In Preußen gibt eS eine Reihe von Vermessungsbureaus, welche 1 bis 3 Lehrlinge und keine Techniker, andere noch mehr Lehrlinge und nur 1 oder 2 Techniker beschäftigen. Vielfach haben hier die Lehrlinge die Geschälte der Arbeiter(Maßgehilseni mitzumachen, wobei der Inhaber die Arbeiter- löhne spart. Dem Aufiraggeber iperden selbstverständlich die Sätze für einen Maßgehilfen angerechnet. Daß in BureauS ohne ge- nügende Aussicht die Ausbildung nur mangelhaft sein kann, leuchtet ohne weitere« ein. Vermessungstechniker, die in solchen BureauS Sturm gegen eine Verbindlichkeitserklärung. Vor der Zivilkammer des hiesigen Landgerichts fand am Freitag eine Verhandlung statt, bei der Fragen von höchstem Interesse für alle Gewerkschaften entschieden werden sollten. Kläger war der Arbeitgeberverband der Kaliindustrie, vertreten durch Rechtsanwalt Brinkmann, Beklagte waren der Gewerk- oerein der Fabrik- und Handarbeiter, der Verband der Heizer und Maschinisten, der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter, der Ver- band der Fabrikarbester Deutschlands und der Deutsche Metall- arbeiterverband. Der Kläger beantragte, festzustellen, daß der Reichsarbeitsmini st er nicht befugt war, den Schieds- spruch des vom Reichsorbeitsministerium gebildeten Schlichtungs- ausschusses vom 20. November 1S20, der in einer Lohnstreiffache zwischen den Parteien gefällt war, für verbindlich zu er- klären und daß die Beklagten aus diesem Schiedsspruch für sich und ihre Mitglieder keine Rechte herleiten können. Ferner das Urteil für vorläufig vollstreckbar zu erklären und die Kosten des Verfahrens den Beklagten aufzuerlegen. Als Vertreter der Beklagten beantragte Genosse Rechtsanwalt Heine, die Klage abzuweisen. Die Kammer beschloß, das Urteil am 24. Juni zu verkünden. UnWirtschaftlichkeit der Eisenbahnvcrwaltnng. Darüber wird uns von dem Vorsitzenden eines Betriebsrats geklagst Unter der Flagge des Sparens segeln die Herren der Direktion in ihren Aemtern herum und geben Anweisungen, die auf das � e g e n t e i l hinauslaufen. Der§ 70 des Betriebsrätegesetzes, t, die Verwastung durch Rat a b o t i e r t, wirklich praktische wonach der Betriebsrat ermächtigt i zu unter st ützen, wird einfach Vorschläge bleiben unbeachtet. Trotz aller Proteste gegen die Ver- gebung der Arbeiten im Hochbau an Unternehmer wird weiter gewurstell. Es soll vielmehr nackzuweisen versucht werden, daß die Ausführung der Arbesten durch Privatunternehmer vorteilhafter ist. Den Unternehmern wird durch Zuroerfügungstellen von Eisen- bohnern die Arbeit möglichst erleichtert, um so den Beweis zu liefern, den man suchst Den Eisenbahnarbeitern aber, die solche Arbeiten verrichten, werden sie künstlich erschwert. Kommt da z. B. eine Wirtschaftskommission in der Dienststelle mst der Theorie: auf je ein Kilometer Hauptgleis ein Kopf pro Jahr auf ein Kilometer Nebengleis die Hälfte, zusammen soundsoviel Köpfe: augenblicklich 39 Mann. In Friedenszesten haste dieselbe Dienststelle 78 Mann. Das für 1920/21 vorgeschriebene Arbeitspensum ist derartig be- messen, daß 80 Mann beschäst igt werden müßten. Bei den unteren Kategorien wird„gespart und wenn dabei auch noch so wertvolles Material verfahren und rascherem Verfall ausgesetzt wird. Dabei sitzen die Herren oben und rechnen genau aus, was ein Lokomotivpfiff kostet, anstast sich mit praktischen Aufgaben zu befassen. Die Betriebsräte werden bei allen wichtigen Fragen aus- geschaltet und drangsallerst So wird die Arbeitslust gehemmt und die unteren Gruppen geben jeden Versuch als nutzlos auf, bessernd einzugreifen. Ueber Wnnland. Gegenüber den hier veröffentlichen Zuschriften deutscher Arbeiter und Angestellten in Finnland über ihre dort erlebten Enstäuschungen, ichreibt uns die Deutsch-Finnische Vereinigung von 1918 in Berlin: „Finnland ist eins der wenigen Länder, in dem der Deutsche noch angesehen ist und zuvorkommend, größtenteils sogar in herz- licher Freundschaft aufgenommen wird. Das finnlöndiscke Volk erinnert sich dankbar der Befreiung seines Vaterlandes von bolsche- wistisckem �Schrecken und zaristischem Joch durch die deutschen Truppen im Jahre 1913. was sich auch darin zeigt, daß in diesem Sommer wieder 400 Ferienkinder und eine große Anzahl erholungS- bedürftiger Studenten durch Vermittlung des Städtischen Jugend- Pflegeamts, der Deutsch-Finnischen Bereinigung und der Deutschen Studentenschaft völlig kostenlos zu achtwöchentlichem Ferienaufent- halt nach Finnland eingeladen wurden. Vor der Einwanderung nach Finnland muß allerdings im Augenblick gewarnt werden, da der Lebensunterhalt drüben teurer ist als hier, und sich sehr viele Deutsche bereit« in dem dünnbevölkerten„Land der tausend Seen" befinden.� In dieser als.Berichtigung' gedachten Zuschrift wird im letzten Satze durchaus bestätigt, was der.Vorwärts' veröffentlichte. Es wäre daher sehr wünschenswert, wenn die Deutsch-Finnische Ver- einigung ihren Einfluß dahin geltend machte, daß bei Stellen« angeboten aus Finnland nicht unzureichende Lobnvorschläge genannt werden, von denen man in Finnland weiß, daß sie unzureichend sind. Wenn deutsche Arbeiter sür Finnlands Reicksdruckerei geworben werden, müßte in erster Linie ein auskömmlicher Lohn geboten werden. Wenn finnischen Unternehmern in dieser Beziehung Vorwürfe zu machen sind, so ist damit nichts gegen das finnländiicke Volk gesagt, daS für Deutschland hoffentlich aus anderen Gründen Zuneigung hegt, als etwa lediglich wegen der Mitwirkung de» preußischen Militarismus an der Niederschlagung seiner Revolution. Kurzum, es bleibt dabei: vor Arbeits- annahme in Finnland muß gegenwärtig gewarnt werden._' Die Berliner Fciseurgehllfen nahmen am Donnerstag in den Bubi-Sälen den Bericht vom Verbandstag entgegen. Zobel gab zunächst einen eingehenden Ueberblick über den Geschäftsbericht der Verbandsleitung für die Jahre 1919 und 1920. Die aufgeworfene Frage einer Verschmelzung des Verbandes mit dem Beklei- dungsarbeiterverband wurde als verftüht zurückgestellt, aus Grund des vorliegenden Schriftwechsels. Der Würzburger Delegierte habe die Berliner angegriffen und ihnes besonders bezüglich des Streiks unberechtigte Vorwürfe gemachst Hierauf schilderte Redner den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen. M a t u s ch k e ver- wies auf die vom Perbandstage betonte Notwendigkeit, von den Rechten des Betriebsrätegefetzes weit mehr als bisher Gebrauch zu machen, insbesondere für die Wahl von Betriebsobmännern und Betriebsräten in den größeren Geschäften zu sorgen. Weiter aber auf den Beschluß, um der Ueberfüllung des Berufes durch die Lehrlingszüchterei zu steuern, die Aufnahme�neuer Lehr- linge während der nächsten zwei Jahre zu unterbinden. Eingehend befaßte sich Redner mst der EntschNeßung de» Verbandstages zu? allmählichen Ueberleitung des Friseurgewerbes in gemeinwirffchaft- lichen Betrieb. Der dritte Delegierte, Genosse Schwanz, be- richtete über die Beschlüsse zur Herbeiführung der vollständigen Sonntagsruhe, wobei er näher auf die Vorgänge in Sachsen einging, wo die probeweise Anführung der Sonntagsruhe während der Sommermonate dieses Jahres angeordnet war, auf Drängen der Friseurinnungen jedoch die Verordnung wieder zu- rückgezogen wurde. Auch die Neuregelung der internationalen Beziehungen berührte der Redner und trat dafür ein, das internatto- nale Sekretariat in Deuffchland zu behallen. Vor Beginn der Aussprache über die Berichte erfolgte die Wahl der Beisitzer zum Berbandsvorstand. Gewählt wurden Schwanz, Küchler, Hartmann, Etzkorn und Heidebring. Zu Revisoren der Hauptkasse wurden Stengert, Porr und Nölte gewählst Der Perbandsvorsitzende Lorenz stellte fest, daß die drei Fraktionen der Linken im Plenum des Sächsischen Landtags am 2. Juni ge- schloffen für die Sonntagsruhe stimmten, die jedoch mit 41 gegen 3S Stimmen abgelehnt wurde. Etzkorn ersuchte um gehörige Beachtung der Verbandsbeschlüsse und um Mitarbeit zu ihrer Durchführung. Als 2. Vorsitzender des Zweigvereins wurde Präfchke, als Revisor Simon gewählt. Beschlossen wurde, den Lokalbeitrag auf 7S Pfg. festzusetzen, womit der Wochenbeitrag ab 1. Juli 3,7S M. beträgt. Zum Entwurf des Arbeiksnachweisgesehes teilt das Reichs- arbeitsministerium mit, daß es nicht die Absicht der Regierung sei, mit diesem Entwurf eine Zwangswirtschaft auf dem Arbests- markt einzuführen. Die freie Entschließung des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers soll durch den Entwurf in keiner Weise beein- trächtigt werden. Sein Ziel ist ausschließlich, die vorhandene Orga- nisation des Arbeitsnachweiswesens zu festigen und zu ver- einheitlichen und damit sowohl dem Arbeitgeber wie dem Arbeitnehmer, darüber hinaus aber auch den allgemeinen Bedürf- nissen des Wirtschaftslebens zu dienen. Verbindlich erklärter Tarifvertrag. Das Reichsorbeitsmini- sterium hat den Nachtrag vom 8. April 1921 zum Tarifvertrag vom 30. Januar 1920 für die Ange st eilten der Herren- und Knabenkonfektion, Damen- und Mädchenmäntel- konfektion und Blusen- und Kleiderkonfektion für die Einheitsgemeinde Berlin mit Wirkung vom 1. Februar 1921 für allgemein verbindlich erklärt. Im Waldenburger Dergreoier fft, wie der amtllche preußische Pressedienst misteilt, eine weitere Entspannung eingetreten. Am Frestag morgen ist- die Arbeit nicht nur im Waldenburger, son- dern auch im Neuroder Bergrevier, in dem Donnerstag noch gestreikt wurde, fast vollständig wieder aufgenommen worden. Es herrscht Ruhe; zur Sicherheit bleibt aber eine Hunderffchoft Schutzpolizei einstweilen noch im Waldenburger Gebiet. Die Delegiertenkonferenz der englischen Bergarbeiter beschloß die Vornahme einer Abstimmung über die Annahme der Bedingungen der Grubenbesitzer. Die Abstimmung soll am Mittwoch stattfinden und das Ergebnis am Freitag festgestellt werden. Nach einer TU.-Meldung besagen die neuen Vorschläge der Unternehmer u. o., daß der Minimollohn um 20 Proz. höher(?) sein wird als die Löhne der Vorkriegszeit. fius üer Setriebsrätepraxis. 8 36 BRG.— Geschäftsführungskosten des Betriebsrates. Der Gewerberat Spandau hat am 26. Januar 1921 unter Tagebuch- Nr. 199 folgenden Entscheid gegeben:„Aus der Besprechung, die am 25. d. M. im Verwaltungsgebäude der S.-Werke stattfand und an welcher seitens der Firma die Herren B. und D., seitens des Angestelltenrates die Herren A. und K. sowie der Unterzeichnete teilnahmen, habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß der Angestellten- rat zur Durchführung der ihm im Betriebsrätegesetz gestellten Auf- gaben, namentlich zur Beseitigung von Zweifeln und Unklarheiten und zur Vermeidung von Zeitverlusten eine Liste derjenigen Angestellten führen muß, deren Verstetung dem An- gestelltenrat obliegt.— Meine Entscheidung geht somit dahin, daß die Firma S. gemäß § 36 des Betriebsrätegesetzes verpflichtet ist, dem Angestelltenrat außer den allgemeinen Geschästsbedürfnissen das für eine Liste der Angestellten nötige Schreibmaterial unent- geltlich zur Verfügung zu stellen.— Gegen diese Entscheidung ist binnen einem Monat nach ihrer Zustellung die Beschwerde an den Herrn Polizeipräsidenten in Berlin zulässig. _ gez.: Unterschrift. Angestellt« l« Buchdruck» und Buchblndereigewerd«! OeffentNche Be-lumm- lirng Montag fili Uhr im Weihen Saal der Sophiengile, Sophienstr. VHS. E» gilt, die Kampfansage der Unternehmer zu beantmorten. Jeder Angestellte muh erscheinen. Afa, Ortskartel�Broh-Berlin. Wietsthaft Rückgang des englischen Außenhandels. Der Wert der e n g l i- schen Einsuhr im Monat Mai betrug 86 308 308 Pfund Ster- ling. Das bedeutet im Vergleich zum Mai des Vorjahres einen Rückgang um 80 105 724 Pfund Sterling. Die Ausfuhr bestes sich im gleichen Monat auf 43 088 418 Pfund Sterling, gegen tPS Vorjahr ein Rückgang um 76 231 004 Pfund Sterling. Die Wieder- ausfuhr betrug 7 231 836 Pfund Sterling, das sind 13 028242 Pfund Sterling weniger als zur gleichen Zeft des Jahres 1920. Iugenöveranftaltungen. Lerciu Arieiter-Zugeud Sroh. Berlin. Sekretariat: ZiB. t«. Ja de« Zelten 2Z. Sonnabend, den 11. Zun!: Sine Wanderleiterkauferenz findet heut« abend um W Uhr im Zentral- iugsndhelm, Lindenpr. Z, mit einem Lichtbildervortrag:„Wald und Wandern" statt. Moabit: Wanderung Potsdam— Llenewihse«. Treffpunkt 7 Uhr Strom-, Scke Tnrmstrahe.— Prenzlauer Vorstadt: Wanderung Tlefensee— Samengrund— Heidekrug— Ihlandfee. Treffpunk: 7 Uhr Danziger, Ecke Weihenburger Stratze. — Schiincberg I: Wanderung Pützer Lorderfee. Treffpunkt o Uhr Zaifer-Wil- Helm-Platz. Sonntag, den 12. Zun!: Sermodors: Wanderung Lshintzsee. Treffpunkt 14« Uhr Bahnhof.— Martendorf: Wanderung Motzener See. Treffpunkt« Uhr Bahnhof.— Reu- külln-SW»: Besuch der Treptower Sternwarte. Treffpunkt 7 Uhr Hertzberg- platz.— Pankow: Epaziergang. Treffpunkt Z Uhr Kirche.— Prenzlauer Bor- stodt: Wanderung Strausberg— BStzsee. Treffpunkt 6 Uhr Danziger, Ecke Weihenburger Stiche. Bcrantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Petier, Tbarlottenburg: für Anzeigen: Tb. Glocke. Perlin. Verlag: Lorwärts-Verlag m. 6. H., Perlin. Druck: Bor- würts-Buchdruckerei u. Bcrlagsanstalt Paul Singer u. Co., Perlin. Lindeultr. 3. Hierzu 1 Beilage. verkroter für Scclin; Cllli ö. WeWser. Min E 50. Mher Str. Z. Tel. mo 521 WWhMMl WflWne G. M.H.H., WW W W»