Nr. 27Z 4 ZS. Jahrgang Musgabe II Nr. 159 Bezugspreis» B!«rteII!!hrl.S0.— M., monall. U>/— M. frei ins Saus, voraus zahlbar, Postbezug: Monatlich 10.— M. einschl. Zu- stellungsgediihr Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. das Saar- und Memelgediet. sonne die ehemals deut- scheu Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20.— PU, für das übrige Ausland 27,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tichecho- Slowakei, Däne- mait, Kolland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der„Borwiirrs� mit der Sonntags- beilage„BoU und Zelt", der Unter- haltungsblilage �eimwelr" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse! «Kozialdemokrot Berlin- Sonntags Ausgabe Oerlinev Nolksblstt (40 Pfennig) Auzetgeupret», Dt»»chtgefpalten, NonvareMezetl, tostet k>„bv M„Kleine Unzeigen" da, fettgedruckte Wort Ichv M,<,u- lässig zwei tengedruckt» Worte», fede, weiter» Wort l.— M. Stellengesuch, und Schlasstellenanzetge» da, erst, Wort M, fede» wettere Wort >0 Lsg Worte über ld Buchstaden »ählen für zwei Worte, gamilien-An- zeigen tili Abonnenten Zeile 8,— M Die Preise oerftehen sich«tnlchliesslich Teuerungszuschlag, Anzeigen»vi dt, nächst, Rmmne, müssen dl» b Ith» nachmittags im SauvtgeschSft. Berlin SW«8, Linden- ltratze ij, abgegeben werden Deoffnei oon g Übt früh bis i Uhr abends, Zentralorgan der rozialdcmokratlfd�en parte» Deutfcbtands > 5 Redaktion und Expedition: SV bS, Ändenstr. 5 Redaktion iv.oritzplat? lSlitS— i>7 »hernfpr�nzer. Spedition Moritzplatz»1763— St Sonntag, den 1Ä. Juni 1931 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Siv 08, Lindenste. 5 Kernsvre'ifte'B- Berlag. Exvedition und Inseraten- . Abtetiun« Moritsplass 1l7SS-St Demonstriert gegen öie Mörder! Saperns Ankunft. ?. Kt. München, den 11. Juni.(Eigener Draht- bcricht des„Vorwärts".) Der Fremde, der am Morgen des ersten Streiktages Mün- chen betritt, merkt im ersten Augenblick keine sonderliche Ver- änderung. Das Straßenbild ist belebt wie immer, die Gast- Höfe sind überfüllt, die Straßenbahn fährt. Aber da und dort ballen sich Msnschenhaufen zusammen, um die jüngsten er- regenden Vorgänge zu besprechen. Sie sind am dichtesten dort, wo Verkäufer der sozialdemokratischen„Münchener Post" und des unabhängigen„Kampf" erscheinen, denen die Blätter aus den Händen gerissen werben. Die bürgerliche Presse istchcute morgen ausnahmslos nicht erschienen, und der Spießbürger, der sich über die fahrende Straßenbahn freut, schimpft über das ausgebliebene Morgenblatt. Die Organisationen sind be- müht, die Lücken, die das Streikbild heute noch bietet, am Mrntag, an dem die Arbeitseinstellung sich auf ganz Bauern ausdehnen soll, zu schließen. Inzwischen wird lebhaft erörtert, wie die eingeleitete direkte Aktion durch ein entsprechendes Parlamentär i- fches Vorgehen wirksam zu ergänzen ist. Die Bluttat von Schwabing hat in die Reihen des bürgerlichen Ordnungsblocks starke Erschütterung getragen. Ein Zeichen dafür ist die scharfe Stellungnahme des„Regensburger Anzeigers", des Orgckns des banerisch-volksparteilichen Führers Dr. Held» gegen das deutschvölkifche Rowdytum der äußersten Rechten. Das Gefühl, daß es mit dem K a h r- E s ch e r i ch- Pöhner-Regime nicht weitergeht, ist auch in den Kreisen des Bürgertums sehr stark. Unklar ist allerdings, in w e l ch e r W e i s e die Aenderung erfolgen soll. Im Landtag, der voraussichtlich schon am Mittwoch wieder zu einer Vollversammlung zusammentreten wird, sind die Kräfte folgendermaßen verteilt: Bayerische Volkspartei 65, Bäuerische Mittelpartei 20, Demokraten 13, Bauernbund 12, Sozialdemokratie 26. Unabhängige 15. Kommunisten 7. Sozialdemokraten und Unabhängige verfügen zusammen also nur über-11 Mandate, von denen jeßt eines, eben das des er- mordeten Gareis, infolge der Spaltung von Halle auf die Kommuni st en übergeht. Aber auch die Unabhängigen lehnen grundsätzlich die Beteiligung an einer Koalitionsregierung mit den Bürger- lichen ab, so daß die Arbeiterparteien für eine solche Koalition nur über 26 Mandate, nämlich die der Sozialdemokratie, ver- fügen. Wenn nun auch ein Teil der bürgerlichen Abgeordneten mit großer Sorge einen Ausweg aus dem Labyrinth und viel- leicht gern den Weg einer Koalition, ähnlich der im Reiche, be- treten würde,'so ist auf der anderen Seite die Stimmung der Arbeiterschaft begreiflicherweise gerade jetzt aufs schwer st e gereizt. Wie soll ein Zusammenarbeiten möglich sein zwischen der Sozialdemokratie und den bürger- lichen Parteien, die man für die erbitternden Vorgänge der letzten Zeit verantwortlich macht, und die es zum guten Teil auch wirklich find? Inzwischen versucht der PoNzeipräsident Pöhner zu beweisen, daß seine Herrschaft noch unerschüttert ist. Sein Versammlungsverbot hat die Arbeiterschaft freilich nicht ge- hindert, sich heute zu vielen Tausenden in dem verbotenen und militärisch besetzten Ausstellungsgelände zusammenzufinden. Aber wer weiß, was weiter geschehen wäre, wenn nicht Ge- null: Erhard Auer gerade noch im richtigen unter schärfftem Protest gegen die Kayrsche Brutalitätspolitik auf- gefordert hätte, auseinanderzugehen? Draußen standen die Panzerautomobile und drehten ihre Rohre in der Richtung auf den„Feind". Hinter ihnen standen die g r ü n e n Lanzenreiter— eine bayerische Spezialität, dergleichen man sonst nirgendwo sieht. Das Bild mahnt ein wenig an die Kosaken des alten russischen Zarenreiches. Daß die Masse, obwohl es ihr natürlich sehr gegen den Strich ging, die Mah- nung des Genossen Auer befolgte, zeigt die große Autorität des sozialdemokratischen Führers. Kommunistische Zwischen- rufe fanden keine Beachtung, und was sollte auch der Wider- spruch? Für die Sozialdemokratie ist Arbeiterblut ein be- sonderer Saft; sie ist nicht geneigt, mit ihm so freigebig um- zugehen wie die Kommunisten. Diese sind natürlich drauf und dran, die Bewegung „weiterzutreiben" und jeden seiner Verantwortung bewußten Arbeitervertreter als„Verräter am Proletariat" zu be- schimpfen. Um so notwendiger ist es, ein reibungsloses Zu- sammenarbeiten mit den Unabhängigen zu ermöglichen, was bisher auch ganz gut gelungen ist. Der W u n f ch n a ch Einigkeit ist durch den tragischen Tod des Abgeordneten Gareis in der Arbeiterschaft nur noch viel stärker gcwor- den. Allgemein erkennt man, daß eine�Zusammenarbeit der beiden Parteien auf vernünftiger Grundlage die Voraussetzung Arbeiter, Angestellte, Beamte! Sozialisten, Republikaner! In München wüket der weiße Schrecken. Die Gegenrevolutionäre, die Monarchisten, die Orgesch-Leuke üben unter dem Schutze der von ihnen eingesetzten Regierung Kahr, unter Mithilfe der großen Kriegsverbrecher unerhörten Terrorismus. Alle Machtmittel der Gewalt, des Terrors und der brutalen Unterdrückung werden angewandt. Versammlungen werden gesprengt, linksstehende Referenten überfallen, mißhandelt und ermordet. Gegen unseren Par- teigenoffen Saenger wurde meuchlings sin Attentat verübt. Der unabhängige Abgeordnete G a r e i s ist als Todesopfer dieser gewissenlosen Maffia gefallen. Die Arbeiter Bayerns kämpfen gegen die Regierung Kahr, gegen die reaktionären Machenschaften, die sie unterstützt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins, die Angestellten und Beamten, die die Republik in Bayern nicht gefährden lasten wollen, die den Bund preußischer und bayerischer Gegenrevolutionäre nicht zur Herrschaft gelangen lassen wollen, werden am Montag um 3 Uhr nachmittags protestieren gegen die Zustände in Bayern in folgenden Versammlungen: Lehrervereinshaus, Alexanderplatz. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee. Germaniasäle, Chausseestr. 119. Prachtsäle des Westens, Spichernstr. 3. Kammersäle, Teltower Stratze. Kliems Festsäle, Hasenheide. Aus den Versammlungen werden die Masten in Demonstrationszügen nach einem noch zu bestimmenden Platz marschieren und dort in ge- meinfamer Schlußkundgebung den Kampf ansagen den gegenrevolutionären Mächten, denen feiger Meuchelmord ein zulässiges Kampfmittel ist. In Massen versammelt Euch! In allen Betrieben, in allen Bureaus, in allen Amtsstuben werbet für diese Demonstration! Nieder mit den Mördern! dafür ist, daß man mit der Kahr-Wirtschaft schließlich doch feitis wird. Ueber den ermordeten Führer der Unabhängigen. Gareis, hört man auch in sozialdemokratischen Kreisen nur Gutes. Seiner Begabung dankte er es, daß er schon im Alter von etwas über 30 Jahren in eine leitende politische Stellung kam. Sein Charakter wird als untadelig gerühmt. Die Soli- darität in der Trauer um den Verlust dieses Mannes ist so vollkommen, wie es auch die Solidarität des politischen Handelns sein müßte, wenn sich Bayern eines Tages doch durch die Kraft der Arbeiter aus dem blutigen Sumpf, in dem es sich befindet, erheben soll. Einheitsfront in München. München, 11. tzuni.(Eigener Drahkbericht des«vor- wärks".) Die Einheitsfront des Münchener Proletariats zur Erreichung der politischen Generalstreikfordcrungen ist wieder- hergestM. Die Formel der SPD. ist mit zwei Zusätzen (Wiederherstellung der versammlungs- und Preßfreiheil, Freilassung der unschuldig polilifä) Inhaftierten) von allen im Streik stehenden Organisationen angenommen und als Parole von der Streikleitung ausgegeben worden. Die Beerdigung des Abgeordneten Gareis findet Montag nachmittag S Uhr. auf dem Ostfriedhof statt. Die Beteiligung am Streik in München ist trotz aller Schi- konen sehr groß. Die Musiker der Gaflstäkkeu wurden mit der Entlassung bedroht. Der Straßenbahnbetrieb wird von der gelben Beamtengewerkschaft zum Teil ausrechter halten. Die Brauerei-, Hotel- und warenhausangestellken haben die Ar- beik niedergelegt. Die Eisenbahner stehen in Verhandlung mit dem Streikkomitee. Die Morgenausgabe des„Kampf"(USP.) wurde heute mittag beschlagnahmt und die Vorzensur über das Blatt»»er- hängt. Auftufe des bayerischen Bcaiutenbundes fordern zum Fernbleiben vom Streik aus. Anschläge und Handzettel reak- tionärer Herkunft kamen zum Ausgabe mit dem Inhalt:„Die waffenoblieferung der Einwohnerwehr unterbleibt. Die schon abgelieferten Waffen sind in den Depot» sofort abzuholen." Abends wird uns gedrahtet: Die Lage in München ist außerordentlich verschärft worden. So ist die Beschlagnahme der..Münchener Post"»vegen Aufforderung zur Ausdehnung des Streiks auf lebenswichtige Betriebe erfolgt sowie das Verbot des„Kampf" wegen versteckter Aufforderung zum Mord, Aufforderung zum Generalstreik. Aufforderung zum Besuch einer verbotenen Versammlung und Bezichtigung der Regierung an der Ermordung Gareis' mitschuldig zu sein. Trotz der großen Erregung der Arbeiterschaft ist es nirgends zu Ausschreitungen gekommen. Bei dem Aufruf der„Münchener Post" handelt es sich um eine Aufforderung der Streikleitung, die aber Fortführung der wirklich lebensnotwendigen Arbeit in Krankenhäusern, Waffer- und Kraftwerken vorschrieb. 5ort mit pöhner! München, 11. Zonl.(Eigener Drahtberichl des.Vorwärts-.) 3m Stadtrat München verließen heute mittag um 12 Uhr die bürger- lichen Fraktionen nach Abgabe einer Erklärung, daß sie sich im gegenwärtigen Augenblick, in dem die Mordtat noch keineswegs aufgeklärt fei, an politischer Auswertung dieses an sich traurigen Falle» nicht beteiligen könnten, den Sitzungssaal. Hierauf be- antragteo die sozialistischen Fraktionen, die Forderungen des Generalstreiks dem Landtag zu unterbreiten. 3n dieser Formet. führt« der Referent aus, sei selbstverständlich die Beseitigung der Leitung der Müncheoer Polizeidirektion eingeschloffen. Tie fehlen noch: Manchen, 11. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Haupwerfammlung des Reichsbürgcrrats hat heute mittag be- gönnen. Das Referat hielt der preußische Minister a. D. Wahl- rechtsfeind L ö b e l l. Er redete gegen die Kriegsprozeffe in Leipzig und gegen die Farbigen im Rheinland, und brachte eine Entschließung für Unteilbarkeit Oberschlesiens und sein Verbleiben bei Deutsch. land ein. Interpellation im Reichstag. Die Unabhängigen bringen folgende Interpellation ein: In der Nacht zum 10. Juni 1921 ist der bayerische Landtags- abgeordnete Gareis, Vorsitzender der Fraktion der UEPD. er- mordet worden. Der Täter ist entkommen. Es steht jedoch fest, daß das Verbrechen angesiistet wurde von den monarchistisch-militaristi- schen Kreisen, die sich unter Begünstigung der Kahr-Regierung in den Einwohnerwehren und Orgeschformationen Waffen für ihre reaktionären Pläne geschaffen haben. Was gedenkt die Regierung zu tun, um: 1. eine ausgiebige Sühne für die Ermordung des Abg. Gareis zu bewirken: 2. die der Sicherheit Deutschlands im Innern und Aeußeren gefahrbringenden Einwohnerwehren und Orgeschformationen zur soforNgcn Auslösung zu bringen und ihre restlose Entwaffnung zu sichern; 3. in Bayern verfaffungsmäßige Zustände herbeizuführen durch Beseitigung des Ausnahmezustandes und der Volksgerichte? Was gedenkt sie 4. zu tun, um die verfassungswidrige, allen reaktionären Um- trieben in Bayern Vorschub leistende Kuhr-Regierung daran zu hindern, weiteres Unheil anzurichten? Diese wirklich dringliche Interpellation muß natürlich sofort auf die Tagesordnung gesetzt werden. Amtliches Sajuvaristh. Der„M i e s b a ch e r Anzeiger", das amtliche Organ der Regie ung Kahr, bringt in seiner eben eingetroffenen Nummer vom 10. Juni 1921 folgenden Lsitartikel: „Ein Loch vor, eines zurück. Zurzeit steckt der Iud vor. Hauen wir ihn nicht bald auf's B r a tz l, steckt er noch einigemal vor. Erwischen wir ihn nicht bald bei den Löffeln und beuteln ihn ab, dajz ihm die Frechheit in die Hose rutscht, wird es zu spat sein. Eon Iud Gralmauer, und was für a Züd. Doktor ist er der Rechte und auch sonst der Rechte für Neu-Daitschland, Minister ist er auch in der Banknvtenfalscher�Rcpublik, der Jüd Gradnauer bat bekanntlich als Enlwassnungsdiktator das Rundschreiben an die Regierungen der Emzellander unterzeichnet. Was das heißt? Nichts, als daß das Iii die Gradnauer regiert, und wer nicht pariert, wird von ihm und den anderen drei Berliner Regierungsbeschnittenen massakriert und geschächtet. Und der Richtjude, ober deshalb nicht Nichtbessere, der G e ß- l e r, des langen Noske»ußhadernglitschriger Nachfolger, steht fest zur deutschen Regierungs-Bundeslade. Auch er steckt ein Loch vor und verbietet den„M i e s b a ch e r Anzeiger" für die deutsche Reichswehr. Unsere Achtung! Er hatte sie zwar schon vorher, aber jetzt steigt sie immerhin noch um Verschiedenes. Wegen Gefahrdung der Reichseinheit, erzäylt uns Gsßler, hat er den „Mksbacher Anzeiger" oerboten. Das ist natürlich eine Ausrede, denn wegen Gefährdung der Reichseinheit müßten zu allererst die Gcßler, Rathenau, Schiffer, Gradnauer und die andern Regie- rungs- Teilet es verboten werden. Jawohl, wegen Ge- jährdung der Reichseinheit. Der Berliner Sau st all ge- fährdet die Reichseinheit— nicht wir, die wir nichts anderes tun, als daß wir dann und wann einen der größeren Bären aus dem Regierungsoerschlag in die Auslage stellen. Der Reichswirth, nicht der Schnapsler Eberl, sondern der Reichskanzler Wirth, hat sich vorgestern mit einem französischen Zeitungsschreiber unterhalten, und deutsche Zeitungsschreiber über- Mitteln diese hundertzeilige Unterhaltung dem deutschen Volke. Uns interessiert nur eine Stelle aus dieser Unterhaltung, und die lautet:(folgt Zitat. Red.). So siehste, lieber Reichskanzler, waste für ne Macht hast.— Zum Reden reicht's noch, aber für die bayerischen Bauern reicht's schon nicht mehr! Da ist das Geßlerchen doch was anders, bei dem reicht's wenigstens zu einem Verbot des „Miesbacher Anzeigers" bei der Reichswehr— und zu einer Unter- Haltung im Gisenbahnkupee zweiter Klasse mit Vater Auer— was man nachher ableugnet. Ja, ja: ein Loch voraus, aber es werden jetzt schon viele Löcher im Deutschen Reiche, die es weit nach Vorne und nach Oben gebracht haben, leider sind es aber fast immer hinlere, die wir an der Spitze sehen und bewundern. Wir sind fest überzeugt, daß kein Staatsanwalt in ganz Bayern wegen dieses Artikels Anklage erheben wird. Schluß mit Gegefch. Berlin, 11. Juni.(Amtlich.) Auf Grund der Pressemeldung, daß die Doischaflerkonfarenz für die Auflösung und Enlwaffming der bayerischen Einwohnerwehren welkere Fristen in Aussicht genommen habe, hat die Reichsregierung sofort amtliche Erkundigungen eivge oaen und die ZNittcilnng erhatten, daß die Nachricht unzu- treffend sei. Die Dotschafterkonserenz hat flch in ihren letzten Sihun- gen mit der Frage der bayerischen Einwohnerwehren überhaupt nicht befaßt und insbesondere eine Verschiebung der Ter- inine nicht beschlossen.____ Aufhebung von Sonüergerichten. Verlin. 11, Juni.(MTV.) Die außerordentlichen Gerichte in Arnsberg, Dortmund, Elberfeld, Münster, Wesel, Stendal. Altona, Flensburg und Reiningen sind, wie der Reichsminisier der Justiz im Rcicheiag in Aussicht gestellt Halle, aufgehoben worden. Die Auf- Hebung weiterer außerordentlicher Gerichte steht bevor. Gegen die Freisprechung Teilirians hat, nach dem„S-Uhr-Llatt" die Staatsanwalllchaft Revision eingelegt und man betreibt seine Ausweisung als lästiger Ausländer. Talaat war keiner— 1 Loucheur kommt nach Wiesbaden, angeblich wegen der Kunst- ausftellung. Die Nachricht, daß der Wiederaufbaummtfter Dr. Ra° t h e n a u sich zu Verhandlungen mit Loucheur nach Paris begebe. wird dementiert. ?m Saumgipfel. Von Felix Timmermans. Em Frllhsommeridull au» dem soeben im Insel-Veriag erscheinenden Werke„Palüeier- von Felix Timm-rniann». Nach dem Essen zog Pallieter Klettersporen an die Beine, nahm eine Leiter auf die Schulter und zog in die Felder hinaus, um einmal nachzusehen, wie ee mit den Eiern und den jungen Vögeln stand. Er nahm beinah« jeden Baum vor, legte die Leiter an die Bäume, um in die Astlöcher zu sehen, und kletterte mit Katzen- gewandtheit bi» in die Spitzen der Bäume. So sah er die rosigen, grün- und schwarzgesprenkelten Eier in den dunklen Nestern glänzen, er zählte sie und hatte seine Freude daran, sie vorsichtig mit leisen Fingern zu streicheln. Aber am längsten konnte er stehen vor einem Nest mit nackten Jungen, die mit ihren gierigen, weit offenen Schnäbeln nach Futter schrien. Die Felder lagen im Mittagsfrieden. Wenig Bauern waren auf dem Land. Rur die Sonne allein tat ihre große Arbeit, sie erwärmte das fette Laub durch und durch. Die Rüben schwollen davon in der Erde, und das blaugrüne Korn wuchs sichtbar dabei in die Höhe. Die Fernen waren sauber, wie auf gotischen Ge- mälden. Und Pallieter kletterte an vielen Bäumen in die Höhe, sprach mit einem Bauer oder einem Dauernmädchen, besah die Felder, löschte seinen Durst an einer Quelle, und so war er schon ein ganzes Ende gegangen und hatte solchen Hunger, daß sich ihm der Magen umdrehte. Cr dachte schon ans Heimgehen, aber da sah er auf einmal auf dem höchsten Feld der weiten Landschaft ein« schlanke Pappel ganz allAn, turmhoch in die Luft hineinragen, mit einer weißen Wolke ans Holland hinter sich. Da wollte er erst noch hinauf! Und im Handumdrehen saß er in der Krone. O, du Gott der Meere! wie war die Welt paradiesesschön. Stundenweit erstreckte sich das fruchtbare Land unter ihm. Er sah an zwanzig Kirchttinne, und ich weiß nicht, wieviel Bauern- Höfe aus allen Seiten liegen. Alle Dcrfer hatten Mühlen, und die roten Dächer und weißen Giebel lagen wie feine Perlen von Korallen und Austerschalen in dem tostbore» Reichtum von all dem verschiedenen Grün von Wäldern, Wiesen und viereckigen Feldern. Schwarze Eisenbahnzüge fuhren ganz weit hinten mit einer langen, weißen Wolke hinter sich langsam in die Ferne. Segelschiff» zogen über die Reih«, die blitzend in ruhigen Buchten den einen Horizont mit dem anderen verband. Und groß stand der Himmel darüber, fünfmal so hoch, und die Sonne füllte die Erd�nschale mit ihrem überreichen Licht. Alles schien so. klein und sauber, wie ein Stück neues Spielzeua. und Pallieter sagte: „Bon hier aus ist der Mensch noch keine Pfeife Tabak wert." Er saß da so hoch oben wie ein Ries«, der Herr war über da» der ewkg Mißverftanöene. Die„Frankfurter Zeitung" hat in einem sehr scharf ge- hallenen Artikel dem Ministerpräsidenten Stegerwald vorgeworfen, daß er sich durch seine Zweideutigkeit u m jeden Kredit bringt. Er hat seinen Rücktritt gleich nach Pfingsten versprochen, denkt aber jetzt nicht daran, sein Versprechen auszuführen. In einem Brief an die„Frankfurter Zeitung" sucht Ministerpräsident Stegerwald diesen Vorwurf zu widerlegen. Er beruft sich auf die Unterredungen mit Genossen Wels, S i e r i n g und Krüger und behauptet: Der Zweck der Besprechung war die Frage, ob nicht noch vor Pfingsten die preußische Regierungsumbildung durchgeführt werden könnte. Weil aber die sozialdemokratischen Vertreter während der Besprechung einsahen, daß dies ohne die Neuwahl des Minister- Präsidenten nicht möglich fei, haben sie nunmehr nicht weiter auf die sofortige Regierungsumbildung ge- d r u n g« n. Herr Stegerwald verschweigt das wichtigste: die genannten Genossen haben auf die sofortige Regierungsumbildung eben verzichtet, weil Stegerwald die Regierungsumbildung sofort nach Pfingsten in Aussicht gestellt hat. Es hat aber keinen Zweck, mit Herrn Stegerwald über seine Versprechungen zu diskutieren, weil er eben zu jenen unglückseligen Menschen gehört, die man immer mißversteht, auch wenn man sie noch so k l a r zu verstehen glaubt. Wenn Herr Stegerwald der„Frankfurter Zeitung" gegen- über bestreitet, daß sein Benehmen zweideutig sei. so wollen wir ihm gern das eine zubilligen: sein jetziges Verhalten ist vollkommeneindeutig.' Der schmollenüe Stresemann. Auf der Tagung des Zentralvorstandes der Deut- schen Volkspartei hielt der Borsitzende Dr. Stresemann ein Referat über die politische Lage. Er führte darin aus, daß die Deutsche Volkspartei in eine Kritik des Kabinetts Fehrenbach eingetreten fei, als dieses eine auswärtige Politik einschlug, die die Deutsche Volkspartei nicht mitmachen konnte. Man oürfe aber bei allem nicht vergesien. daß Dr. Simons«in Mann von durchaus nationalem Wesen lei. Als Legende bezeichnete Strese- mann, daß die Deutsche Volkspartei das Kabinett Fehrenbach- Simons gestürzt habe. Nachdem die Anrufung Hardintzs als Schiedsrichter gescheitert sei, wäre Simons ohnehin zum Rucktritt entschlossen gewesen und Fehrenbach habe sich mit ihm solidarisch erklärt. Ueber die Annahm» des Ulttmetums sagte Stresemann, daß bis zum Sonnabend, den 7. Mai, kaum eine Meinungsverschieden- heil über die Ablehnung vorhanden gewesen sei, da sei plötzlich die Erklärung des Zentrums gekommen, daß es einstimmig die Annahme des Ultimatums beschlossen habe. Daraufhin(!) sei auch die Sozialdemokratie nicht mehr zu halten gewesen. Die Mit- gliever der Deutschen Voltspartei, die für Annahme des Ultima- tums gestimmt haben, entschuldigte Stresemann damit, daß sie in erster Linie Oberschlesien hätten retten wollen. (Trifft das nur auf Mitglieder der Deutschen Volkspartei zu?) Stresemann wandte sich dann weiter gegen die Herbeifüh- rung von Neuwahlen. Damit würde man nur der So« zialdemokratie einen Gefallen tun.(Zustimmung.) DiM brach der Redner in bittere Klagen über die Sozialdemokratie aus: ein Jahr lang schon erkläre sich die Deuffche Volkspartei bereit, mit der Sozialdemokratie zusammenzuarbeiten, aber dies« wolle-nicht darauf• eingehen und stelle, die Partei über das Vaterland. Die Sozialdemokratie verschulde es durch ihre„De- magogie", wenn ein Zusammenarbeiten„auf breiter Grundlage" nicht zustande kommt.(Wir verstehen diese Tränen, aber sie rühren uns nicht! Red.) Nach längerer Debatte wurde folgende Entschließung gegen eine Stimme angenommen:„Der Zenttaloor- stand billigt die Ablehnung des Ultimatums durch die Reichstagsfraktion." Ferner wurde eine Resolution angenommen, in der der Zentral- vorstand sich mit der von der Reichetagsfraktion eingenommenen Haltung sachlicher Opposition einverstanden erklärt und die Erwar- tung ausspricht, daß die Reichstagsfraktion durch positive Arbeit etwaigen sozialistischen Experimenten in bezug auf Wirtschafts- und Finanzpolitik entgegenwirkt. Diese Eni- schlietzung fand einstimmig Annahme.(In der Sorge um den Geldbeutel sind alle Volksparteiler einig.) Land. Und zu seiner großen Freude kam ein Wind und bewegte die Krone der Pappel. Pallieter wiegte sich mit, und es war, als ob er auf einer Wolke in ein anderes Land geweht würde. Ohne daß er es wußte, tönte aus feine Kehle ein mächtiges Lied, das bis zum Himmel hinauf klang. Es war hier zu schön, um herunterzusteigen, aber dos weiße Licht färbte sich golden, und die Sonne wurde größer und größer und rot. Das Rot jubelte in die Wolken hinein und rollte über die Welt. Und hinter fernen, blauen Wäldern sank die Sonne hinein in ein Ehaos von ruhigen, hell erleuchteten Riesenwolten. Die Schatten schössen lang heraus und nahmen die Helligkeit weg. Unten lag die Welt in Dämmerung, aber auf Pallieter klebte da» Sonneiigold noch wie rotes Papier. Er hätte sich selber streicheln können. Ganz von fern sah er zwei Reiher schweben. Er ließ sie nicht aus den Augen, denn sie waren großartig in dem wachsenden Abend. Er verfolgte die große Linie, die sie mit weichem Flügel- schlag durch den sich schließenden Abendhimmel zogen. Manchmal blieben sie eine ganze Zeitlang still mit weitausgebreiteten Flügeln und zogen dann regungslos weiter auf dem dunkelnden Blau. Sie waren geheimnisvoll und machten einen tiefen Eindruck. Und ebenso reglos und schweigend wie sie gekommen waren, verschwan- den sie in der purpurnen Dämmerung am gegenüberliegenden Horizont. Als sie weg waren, war doch noch etwas von ihrer Seele in der Luft geblieben. Der Sonnentriumph war gestorben; im Westen flackerte noch eine unbestimmte Helligkeit, und in den Feldern brannte irgendwo ein Lichtchen. Das war der Abend. Da ließ Pallieter sich hinuntergleiten und ging schleunigst nach Hause, denn sein Magen knurrte wie ein wildes Tier. Aber er schwieg, denn er war gerührt bis in das Kerngehäuse seiner Seele. Die lange �ule. (Volksbühne.) Carl Hauptmann wandelte ständig auf Poetenwegen. Er über» ließ sich ganz seiner Sehnsucht, ties in den Kern der Menschenseele zu dringen. Schrieb er ober auf, was er aus Vision und Ersahrung schaffen sollte, dann geriet er ins Zittern und Stammeln. Nach dem Urwort suchte er. und er blieb häusig nur beim romantischen Worte haften. Die Gestalten, die er dachte und bildete, verloren stets einig« Unzen des Blutes, das sie zum wirklichen Leben brauchten. So war ein« gewisse Tragik in die poetische Natur dieses edlen Mannes ge» kommen. Man muhte ihn schon mit Hingebung lieben, um das Starre und Dürre in seiner so blühend gesühlten. aber im Augen- blick des Bilden? verwelkenden Dichhing zu überhören. Daß er di« Bühnen nur mühselig gewann, und daß er mit keinem seiner Dra» men lange aus dem Theater blieb, hatte darum seine wichtigen und schr natürlichen Gründe. Zur Ehre des Toten, de» der letzt» Früh» l Erhöhung üer Sezüge der Kriegsopfer, Durch eine Verordnung des Reichsorbeitsministeriums vom 31. Mai, die jetzt erschienen ist, ist die Teuerungszulage, die den Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu den Renten zusteht, die noch dem Reichsversorgungsgesetz gewährt werden, mit Wirkung vom 1. Januar 1S21 ab von 25 auf 35 Proz. erhöht worden. Die Erhöhung der Teuerungszulage gilt auch für das Haus- geld. Gleichzeitig ist eine Erhöhung der Einkommens- grenze vorgenommen worden, von der ab das Ruhen der Rente beginnt bzw. Elternrente gewährt wird. Bis jetzt hat das Ruhen der Rente dann begonnen, wenn das steuerpflichttge Einkommen mehr als 5000 M. pro Jahr betragen hat. Mit Wirkung vom 1. Januar 1921 wird eine Kürzung erst dann vorgenommen, wenn das steuerpflichtige Einkommen 7009 IN. übersteigt. Elternrente wird künftighin unter den anderen im Reichsversorgungsgesetz vor- gesehenen Boraussetzungen dann gewährt, wenn die Ellern ein steuerpflichtiges Einkommen von weniger als 3 0 00 M. pro Jahr haben. Da durch die Novelle zum Einkommensteuergesetz der Be- griff„Steuerpflichtiges Einkommen" gefallen ist, wird das steuer- Pflichtige Einkommen im Sinne der ZZ 45, 03 und 04 des Reichs- Versorgungsgesetzes in der Weise berechnet, daß von dem steuer-- baren Einkommen für jede Person 1200 M. in Abzug gebracht werden. Das Ruhen der Rente beginnt also ab 1. Januar 1921, frühestens bei einem steuerbaren Einkommen von mehr, als 8290 M.. wenn es sich um einen ledigen Kriegsbeschädigten oder eine allein st ehende Kriegerwitwe handelt. Für jede weitere zum Haushalt der Steuerpflichtigen zählende Person werden weitere 1800 M. hinzugerechnet, so daß z. B. die Kürzung der Rente bei einer Kriegerwitwe mit zwei Kindern bei einem steuerbaren Ein- kommen, von mehr als 10000 M. beginnt. Für das Steuerrechnungs- jähr 1921 beträgt der als steuerfrei hinzuzurechnende Bettag für jedes minderjährige Kind nicht mehr 1200 M., sondern 1800 M. Das Ruhen der Rente beginnt dann auch erst bei einem entsprechend erhöhten Einkommen. Elternrente steht nunmehr dann zu, wenn ein Clternttil ein steuerbares Einkommen von weniger als 4200 M. oder beide Elternteile ein solches von weniger als 5400 M. haben. Diese Verbesserungen des Reichsversorgungsgesetzes haben ihren Ursprung in einer von dem Reichsbund der Kriegs- beschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegs- Hinterbliebenen im Oktober v. I. an den Reichstag eingereich- ten Denkschrift, in der mehrere Anttäge zur Abänderung des Reichsversorgungsgesetzes gestellt sind. Ausdrücklich zu betonen ist, daß die Höhe der Teuerungszulage nur zu den Renten zu gewähren ist, die tatsächlich nach dem Reichs- versorgungsgesetz, nicht etwa nach früheren Gesetzen gezahlt werden. Die preußische Domänenverwaltung. Der Ha-uptausschuß des Landtages beriet am Sonn- abend den Domänenetat. Abg. Peters(Soz.) oerlangte energisch eine Erhöhung der Domänenpachten. Evtl. müssen die Domänen ihre Erzeugnisse auch zum allen Friedenspreise abgeben. Zu emv- fehlen ist die Verpachtung nach den Preisen, welche die Natural- erzeugntsse haben, so daß etwa pro Morgen ein Zentner Brot- getteide zu enttichten wäre. Abg. Dr. Kaufhold(Dnat.) begründet einen deutschnationalen Anttag, die Berfügung über die Erhöhung der Domänenpachtpreise sofort wieder auszuheben.— Abg. Weber (Soz.) wendet sich gegen die Absicht des Landwirtschaftsministeriunis, Domänenland an geeignete Anlieger als Eigentum zu übergeben. Das Land muh unbedingt in der Hand des Staates bleiben: es ist vielmehr danach zu streben, daß alles Land in Staatseigentum übergeführt werde. Der Landwirtschaftsminister bespricht die Ausdehnung der Pachtschutzordnung auf die DomikNen. durch die der Geldentwertung Rechnung getragen werden soll. Es ist bereits eine Verfügung erlassen, eine Berpachtung sowohl nach Geld als nach Naturalpacht durchzufuhren, bei neueren Pach- tungcn ist nur der Roggen- und Weizenpreis zugrunde gelegt. An- siedlungsflächm sind freigegeben bis Juli 1920: 5541 Hektar an ganzen Vorwerken und 4807 Hektar feit 1. Juli 1920, insgesamt also fast 11 000 Hektar. Bis 1. August 1920 sind die Zahlen für die Anliegersiedlungen 11500 Hektar, seitdem 5773 Hektar, so daß bereits 27 000 Hektar von den Domänen abgegeben sind.— Nach weiteren Ausführungen des Abg. Held(D. Vp.) wird die Beratung auf Montag vertagt. ling dahinraffte, spielt« die Volksbühne„Die lange Jule". Es ist die Tragödie von der unersättlichen Habgier. Die Bauerntochter, die ihre Stiefmutter tödlich haßt, will der Allen Hab und Hoj bis zum letzten Dachziegel nehmen. Eben glaubt sie, auf dem so er- oberten Vatergut einziehen zu können, als alles von den Flammen zerstört wird. Die lange Jule geht in den Tod. Es Ist ein naturalistisches Drame, und doch lebt«in schwänyen- der Heiliger darinnen, der des Dichters Ebenbild ist: ein Ebenbild, das Selbstverräterei tteibt. Denn auch dieser Heilige ist nur ein Halber und Gebrochener, zu verehren bis in den letzten Hauch, aber unzulänglich und nicht übermächtig stehend außerhalb dieser Welt. Im schlesischen Dialekt soll gesprochen werden. Der Dialekt hemmte. Der eifernde Zuchtmeister für diese Dinge, Otto Brahm, ist eben tot. Frau Johanna Koch-Bauer spielte die lanae Jule. Man sah sie zum ersten Male in Berlin. Sie verfügt über Kraft und im- posantes Wesen, sie schielt nicht nach grober Wirkung, sie dämpft eher. Rur schien sie nicht fähig, ohne Stilschwankungen fertig zu werden. Und dann erlahmte die Aufmerffamkeit für ihr Talent. Annemarie Laos, auch äußerlich von dem gesunden Geschlecht der Frau Höflich. zeigte alle Verheißung ihrer Jugend. Herr Stahl-Rachbaur spielte feinen wuchernden Spitzbuben am ehesten so, wie Carl 5)auptmann ihn sah. Max H o ch d o r f. Mktsommernacht. Im Sinne des Astrynomen wird es jetzt auf eine Reihe von Wochen überhaupt nicht mehr Nacht; denn der Kreis, den die Sonne von ihrem scheinbaren Rundlauf am Himmel be- schreibt, taucht in allen Gegenden nördlich des 50. Breitengrades schon vom 1. Juni ab auch in der Mitternachtsstund« nicht mehr so tief unter den Horizont herunter, um alle Spuren des Dämmerlichts zum Verschwinden zu bringen. Zuweilen werden dann in der Nordrichtung am Firmament auch jene in seltsam mattem Glänze leuchtenden Nachtwolken sichtbar, die uns verraten, daß jetzt jenseits des Polarkreises die M i t t e r- nachtssonne ihr Licht ergießt, das als phosphoreszierender Widerschein bis in unsere Zonen gelangt./ Tagore im Phonographen. Wie die Denck erfährt, wurde die Stimme Rabindronath Tagores für die phonetische Abteilung der preußischen Staatsbibliothek auf der phonographischen Platt« festgehalten. Der indische Dichter sprach mehrere Stücke in den Apparat. Wieviel Kinos gibt es in Deukfchland? Wer jetzt in den großen Städten die zahlreichen Kinos sieht, könnte zu der Annahme versucht sein, ganz Deutschland sei mit Kinos überzogen. In Wirklichkeit ist es aber noch nicht ganz so schlimm. Deutschland hat„erst" 3730 Kinos in 2104 Orten; das macht im Durchschnitt noch nicht zwei Kinos in jeder Stadt. Und es gibt sogar 30 Städte mit mehr als 10 000 Einwohnern, die sich noch ohne Kino bchelfen müssen. Da- gegen haben von Orten mit weniger als 10 009 Einwohnern 1219 berests ein Kino. Der wohlbelcibke Deuffche fcihcl billiger als sein gleichschweres Gepäck! Eine seltsame Totsache hat die neue, ungeheure Steigerung der Aepäcktarife auf den deutschen Reichseisenbahnen mit sich ge. bracht. Nehmen wir«n. ein Reisender, der dos in heutiger Zell schon wieder anzutteffend« Körpergewicht von IjS Zentnern auf» Nr. 273 ♦ 3S. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts Sonntag, 72. Junk 7�27 Mvignon. Von Willy Meyer, Hauptmann a. D. Am linken Ufer der Rhone, etwa zwei Tagemärsche von den Gestaden des Mittelländischen Meeres entfernt, liegt das alte, ungefähr 50 000 Seelen beherbergende Städtchen A v i g n o n. Im 14. Jahrhundert war es dadurch berühmt, daß feine Mauern die Residenz der Päpste umschlossen. Jetzt kennt man es als Sitz bestrafter deutscher Kriegsgefangener. Werden doch dort immer noch 115 deutsche Feldgraue zurückgehalten! Ihr Verbrechen war ihre Freiheitsliebe, ihr Drang nach Hause, ihre Sehnsucht nach Weib und Kind, ihr gefoltertes Nerven- system, das einmal seinen Dienst versagte. Der Krieg war zu Ende. Die Hoffnung erwachte. Freund- liche Bilder umgaukelten den trüben Sinn des gefangenen Kriegers. Der Rücktransport ins lang entbehrte Vaterland, nun mußte�r kommen! Heute, morgen, in acht'Tagen! Nun mußte der Tag anbrechen, der das ganze Denken seit Beginn der Gefangenschaft erfüllt hatte. Die von Deutschland gefangen Gemachten rollten ja schon auf den Schienen. Woche vergeht um Woche, Monat reiht sich an Monat. Dem Sommer folgt der Herbst. Die Gefangenen Englands, Amerikas und Belgiens... sie sitzen schon in Erfurt, Dresden, Königsberg, daheim, geborgen, bei Weib und Kind. Nur Frankreich läßt die 400 000 Männer noch immer nicht ziehen. Da gibts kein Halten mehr für manchen. Er flieht. Der Häscher ist ihm auf der Spur. Ein Ringen und Schlagen. Der Flüchtling unterliegt und wird wegen tätlichen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 20 Jahren Gefängnis ver- urteilt. Er verbüßt sie in Avignon. Der Kriegsgefangene A. hat ein Leiden. Die Aerztetom» Mission ordnet kurz vor Kriegsschluß seine Jnternierung in der Schweiz an. Am nächsten Tage wird die ärzlliche Untersuchung der Kriegsgefangenen fortgesetzt. Der gesunde(oder besser ge- sündere) Kamerad B. bittet den glücklichen A. unter seinem (B.'s) Namen nochmals vor der Aerztekommission zu er- scheinen, damit auch er(B.) nach der Schweiz geschickt werde. A. tut dies. Er wird dabei erwischt und erhält für seinen Freundschaftsdienst öJahreGefängnis. Er verbüßt sie in Avignon. Wenn man die Liste dieser unglücklichen Menschen, die nach teilweise langer Kriegsgefangenschaft nun noch die lange Gefängnisstrafe in Avignon, Cuers oderAgay verbüßen müssen, durchsieht, so findet man, daß ihre„Verbrechen" in der Haupt- fache lediglich nur in Arbeitsverweigerung, Ungehorsam und in Diebstählen bestehen. Letztere wurden meist bei mißglückten Fluchtversuchen begangen. Man brauchte Brot, Kleidung, Geld. Es sind— soweit wir klar sehen können— eigentlich nur zwei Fälle, wo g e m e i n e Verbrechen vorliegen. Zwei Not- zuchtsfälle. In einem Falle wurde der Täter auf frischer Tat ertappt und schlug den Bauern und die Bäuerin, die ihn über- raschten, tot. Frankreich sollte keinen Augenblick mehr zögern, alle die deutschen Kriegsgefangenen, die keine ehrenrührigen, gemeinen Verbrechen begangen haben, unverzüg- lichfreizulaffen. Vor etwa Jahresfrist hatte„Die Offiziersvereinigung der Deutschen Republik" den Marschall Foch gebeten, seinen Ein- fluß geltend zu machen, daß die Avignoner Strafgefangenen sogleich zurückgesandt würden. Die„Offiziersvereinigung" wurde aufgefordert, eine namentliche, begründete Liste über 50 Strafgefangene einzureichen. Das geschah umgehend. Aber es erfolgte von Frankreich nichts darauf. Hossentlich fin- det der Appell, den die Vereinigung heute erneut erlassen hat, ein geneigteres Ohr. Interessant ist es, daß am 3. Januar'dieses Jahres samt- liche bayerischen Strafgefangenen— 13 Männer— plötzlich entlassen und nach Hause gesandt wurden. Frankreich hat Bayern damit sicherlich eine große Freude gemacht. Nun sollte es nicht zaudern, den anderen deutschen Staaten die gleiche Freude zu machen und die 115 schwer geprüften Männer in einem Extrazug zu Muttern senden. Mit einer solchen Tat würde sich Frankreich in Deutschland lebhaste Sympathien er- werben und zur Anbahnung freundlicher Beziehungen bei- tragen, ohne die die beiden Länder auf die Dauer doch nicht leben können. Frankreich hat seit Jahrhunderten als ein ritterliches Land gegolten, und man sollte meinen, daß es Wert darauf legen würde, diesen Ruf nicht zu verlieren. Die entscheidenden Manner drüben mögen sich trotz ihrer Arbeitsüberlastung einmal zehn Minuten Zeit nehmen, sich in einen Sessel setzen, die Augen schließen und sich einmal an- schaulich in die Lage eines deutschen Kriegsgefangenen hinein- versetzen. Dann werden sie dessen unerhörte Seelenqualen ver- stehen und werden sich fragen, ob sie in gleicher Lage nicht ebenso gehandelt hätten wie der Mann, der zu 20 Jahren oder wie der, der zu 5 Jahren Gefängnis ver- urteilt wurde. Und alles verstehen, heißt— so sagt ein französi- sches Sprichwort—- alles verzeihen. Deshalb sollten Sie, Herr Ministerpräsident B r i a n d, ohne zu säumen einen Beschluß herbeiführen, der den deutschen Kriegsgefangenen schon morgen ihre Freiheit wiedergibt. Das deutsche Volk wirh. Ihnen dies danken. Und das deutsche Vaterland wird tatkräftig dafür sorgen, daß den Freigelassenen der Rücktritt ins bürgerliche Leben erleichtert wird. Am heutigen Vormittag veranstaltet die„Reichsvereini- gung ehemaliger Kriegsgefangener" eine große Massenkund- gebung im Berliner Lustgarten mit dem Ziel, die Männer von Avignon, Cuers und Agay frei zu bekommen. Wir erwarten, daß diese Kundgebung in sachlicher und würdiger Weise verläuft und daß sie bei unseren westlichen Nachbarn offene Ohren findet. Hunderte von Vätern, Müttern, Ehe- stauen und Kindern warten mit verzehrender Ungeduld auf die Heimkehr der Dulder an der Rhone. Und Tausende von Augen sehen mit hoffnungsvollem Blick auf Sie, Herr Minister- Präsident Briand. Nichts getan! Wie sehr die Vorwürfe gegen den Vorstand des Allge- meinen Deutschen Gewertschaftsbundes, er tue n i ch t s für die Arbeitslosen, unberechtigt sind, geht aus folgen- den Darlegungen hervor: Bekannt sind die 10 Forderungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die der Bundesvorstand am 2S. Februar 1921 der Reichsregierung unterbreitete, sowie die unbefriedigende Antwort des Reichskanzlers Fehrenbach daraus. Natürlich kann- ten die Vorstände der Spitzenoerbände sich mit diesem Bescheide nicht zufriedengeben, und es kam zu weiteren Verhandlungen im Reichs- Postministerium und im Reichsverkehrsministerium. Es ist hervorzuheben, daß besonders der Verkehrsminister G r ö n e r sich ernst- lich darum bemüht«, daß bei der Auftragserteilung den Forderungen der Gewerkschaften Rechnung getragen würde. Das Verkchrsministerium hatte im ganzen für IS Milliarden Mark Aufträge zu»ergeben. dabei die meisten auf rollendes Material, Lokomotiven und Waggons. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich«in geschlossener Widerstand des Verbandes der Lokomotivfabrikanten dagegen, daß auch Austräge an Betriebe vergeben würden, die dem Verbände nicht angehören. Aehnlich ging es bei Vergebung von Aufträgen für die Waggonfabrikation. Bezüglich der anderen Aufträge, bei denen dem Reichsoerkehrsministerium keine geschlossenen Unternehmer. verbände gegenüberstanden, ging die Sache besser. Es wurde die Frage beraten, ob entsprechend dem Verlangen der Gewerkschasts- Vertreter, daß an einer Zentrale, d. h. an dem Sitz des Verkehrs- Ministeriums in Berlin, eine Kommission von Gewerkschaftsvertretern gewissermaßen als Beirat bei der Auftragsvergebung eingesetzt werden sollte, und weiter tn dem Sitz einer jeden Eisenbahndirektion eine Kommission, die mit den jeweiligen Generaldirektionen die Frage der Art und des Umfanges der Auftragserteilung beraten sollte. Die Gewerkschaften hatten«inen Dorschlag eingereicht über die Tätigkeit dieser Arbeiteroertretungen. Man verständigte sich aus die Aufstellung von Richtlinien. Aus diesen ist hervorzuheben, daß beim Reichsoerkehrsministerium eine Kommission eingesetzt- werden sollte, bestehend aus fünf Vertretern des Allge- meinen Deutschen G e w e r k s chaft s b u n d e s, zwei des Deutschen Gewerkschaftsbundes(christlich) und je einem Dertreter des Gewerkschaftsringes(Hirsch-Duncker) und des Allgemeinen freien Angestelltenbundes. Diese Kommission sollte her- angezogen werden zur Mitberatung bei der Durchführung der For- derungen 1 bis 4 des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes, die von der sofortigen Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten, der Vergebung dieser Aufträge, der ilmstellunq von Betrieben und der Erklärung der betreffenden Arbeiten zu Notftandsarbeiten handeln. Die Vertreter der Gewerkschaften sollten serner ständig aus dem laufenden gehalten werden über die vorliegenden Arbeiten, um u. a. auch bei der Beschaffung von Arbeitskräften mitwirken zu können, außerdem bei der allgemeinen Regelung der Auftrags- erteilung. Den Vertretern der Gewerkschaften sollte auch das Recht zustehen, an sie gelangend« Beschwerden vorzutragen. Aehn- liche Vertretungen waren für jeden Eisenbahndirektionsbezirk vorge- sehen, und die Direktionen sollten verpflichtet sein, die Vertreter nach Bedarf, mindestens aber monatlich einmal zur Beratung zusammen- zuberusen. Solche Zusammenkünfte sollten auch dann stattfinden, wenn sie von der Gewerkschaftsvertretung beantragt würden. Die Eisenbahndirektionen sollten verpflichtet sein, den Gewertschastsver- tretern«inen vollständigen Ueberblick über die vorliegenden Arbeiten und Ersahrungen aller Art zu«eben und mit ihnen über die Maß- nahmen zu beraten, wie die sofortige Inangriffnahme möglichst vieler und umfangreicher Arbeiten zu hewerkstelligen ist.— Di« gewerkschaftlichen Spitzenoerbände sollten innerhalb 10 Tagen dem Reichsvertehrsministerium die für die einzelnen Eiscnbahndirektionen ernannten Gewerkschaftsvertreter mitteilen. Diese Richtlinien riefen jedoch den Widerstand der Unternehmer aus den Plan. Sie wollten anfangs den Arbeitnehmerorganisatio- nen durchaus keinen Einfluß auf die Regelung der Arbeitsbe- schaffung einräumen. Schließlich aber kam es doch so weit/ daß die Arbeitgeber sich mit der Bildung der genannten Kommissionen ab- fanden. Die Kommission, die beim Reichsoerkehrsministerium mitwirkt, trat zum ersten Male am 1. Juni zusammen. Der Vertreter des Verkehrsministeriums gab einen Situationsbericht, wobei zum Aus- druck kam, daß die Arbeitslosigkeit im allgemeinen noch weiter zugenommen habe. Es habe jedoch sich im Baugewerbe eine lebhaftere Tätigkeit gezeigt, während sich in der Metall- und in der Textilindustrie die Arbeitslosigkeit noch weiter vergrößert habe. Dies sei möglicherweist auf die K o h le n k n a p p- h e i t zurückzuführen, namentlich da die oberschlesische Kohle voll- ständig fehle. Es wurde weiter berichtet, daß mit Rücksicht darauf, daß Lokomotiven 0 bis 8 Monate vor ihrem Liesertermin bestellt werden müssen, die in 0 bis 8 Monaten zu liefernhen Lokomostoen inzwischen alle bestellt sind, und daß im Lause des Spätsommers weitere Bestellungen erfolgen werden für im nächsten Frühjahr zu liefernde Lokomotiven. Entsprechend dem Verlangen eines Ar- beitervertreters soll«ine Spezialausstellung über den Umfang der den emzelnen Firmen erteilten Aufträge hergestellt und den Mit- gliedern der Zentralkommission mitgeteilt werden. Bezüglich der Ausführung von Reparaturen an Lokomotiven und Waggons er- klärte der Vertreter des Derkehrsministeriums, daß die Zahl der aus- zuführenden Reparaturen geringer werden und die Werkstätten der Eisenbahn die Ausführung von Reparaturen zwecks Voll- beschäftigung übertragen erhalten sollten. Zurzeit smd noch 119 Privatbetriehe mit Reparaturen von Lokomotiven und 228 mit Re- paraturen von Güter- und Personenwagen aller Art beschäftigt. Sodann wurde berichtet, daß man bezüglich der Ausführung von Bauarbeiten, auf die das Verkehrsministerium sein besonderes Augen- merk gerichtet habe, der Meinung sei, daß sehr vieles getan werden könne, um die Arbeitslosigkeit zu beheben. Hierbei soll Sachsen mit seiner großen Arbeitslosigkeit besonders berücksichtigt werden. Für die nächste Sitzung ist v8r. läufig der 6. Juli in Aussicht genommen. Di« Kommissionen für die einzelnen Eisenbahngeneraldirektionen sollen demnächst gleichfalls zur Tätigkeit herangezogen werden. Die Frage der A r b e i t s st r e ck u n g wurde durch Vcrmitt- lung der Zentralarbeitsgemeinschaft den einzelnen Reichsarbeitsge- meinschasten zur Begutachtung unterbreitet. Nachdem das Arbeits- Ministerium geoen Ende Mai gemahnt hatte, wurden die bis dahin eingelaufenen Anworten der einzelnen Reichsarbeitsgemeinschaften dem Arbeitsministerium übermittelt. Ueber diest werden noch weitere Verhandlungen nötig fein. Im Zusammenhange mag noch erwähnt werden, daß der Vor- stand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundcs Ende April bei mündlichen Verhandlungen mit der Regierung verlangt und auch �r- reicht hat, daß die erhöhten Wintersähe der Erwerbslosemmkerstützung weiter gezahlt werden. Man mag die Unterstützung auch noch so sehr als unzulänglich ansehen; jedenfalls ist sie den Arbeits- losen doch eine Hilse. Es zeigt sich von neuem, wie sehr die Vor- würfe unberechtigt sind, daß der Bundesvorstand sich nicht um die Arbeitslosen bemühe. Sodann hat der Bundesvorstand noch von den beiden sozialdemokratischen Parteien Unter- stützung bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gefordert. Die Folge war, daß die Fraktionen der SPD. und der USPD. im Reichstag die bekannten gleichlautenden Anträge einbrachten. Hier- auf sind die Verhandlungen im Reichstag zurückzuführen. Die An- träge wurden einer Kommission überwiesen. Wenn sie noch nicht erledigt sind, so ist dies nicht die Schuld des Bundesvor- sta n d e s. Dies ist der Gang der Dinge, soweit der Vorstand des Allge- meinen Deutschen Gewerkschastsbundes daran beteiligt ist und es ist zu verstehen, daß dieser Gang den Arbeitslosen zu langsam er- scheint. Das ist aber nicht die Schuld der Vertreter der gewerk- schastlichen Spitzenoerbände, denn diese haben es an Drängen nicht fehlen lassen, ebensowenig wie sie der freundlichen Aufmunterung durch die Arbeitslosen bedürfen, damit sie in ihren Bestrebungen nicht erlahmen, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Bei alledem dürfen wir stdoch nicht aus dem Auge verlieren, daß die Bemühun- gen der Spitzenoerbände allein noch nicht genügen werden, die Arbeitslosen unterzubringen. Di« in Arbeit stehenden Ge- nassen müssen ebenfalls zur Hilfe herangezogen werden, und zwar mehr als es bisher geschehen i st.— Wo es irgend möglich ist, muß dort, wo noch voll ge- arbeitet wird, die Arbtilszeil verkürzt werden? entsprechend den Forderungen ö und 7 des ADGB. Es ist dringend notwendig, daß die Arbeitsgenossen, die noch voll be- schäftigt sind, ihren arbeitslosen Kollegen das Opfer bringen. In früheren Zeiten der Arbeitslosigkeit handelt« man nur in Ausnahme- fällen so solidarisch. Die Arbeiterschaft muß nun ober doch zeigdn, daß sie auf dem Weg« der Solidarität inzwischen weiterge- kommen ist, sie muß sich zu diesem Opfer verstehen. Unberührt von allen diesen Maßnahmen bleibt das Endziel der Arbeiterbewe- gung, die S o z i a l i s ie r u n g der Produktion; gegenwärtig handelt es sich jedoch vor allen Dingen darum, der nächsten, größten Not zu wehren. Wo zu diesem Zwecke die Allgemein- h e i t und nicht zuletzt auch das Unternehmertum in An- spruch zu nehmen ist, da muß es selbstverständlich ebenfalls ge- schehen. Die gewerkschaftlichen Spitzenoerbände werden es an Bemühungen in dieser Richtung nach wie vor nicht fehlen lassen. 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Täslich 7.30 Uhr; Mit drin Ifcttcr ipirlrn o Uhr; Satan« Maske Maria Orska Johanne» Kicmann Paul llildt Berliner Theater Allabendlich 7.30 Uhr: VoiksbBhüe:Thealer Dentsclies Künsfler-Tlieater 3 Uhr; Pygmalion Allabendlich 71'2 Uhr: Rosenmontag _(Haack. Loos, Schroth) Central-Thcater 8 Uhr: Jlonka Oenfsahcs �ipernhana 7 uhr: Undlne Morgen?: Der Troubadour rrfie(1r.Wlliicim«(.TIi. n* Hilde W5rnery Ralph Artur Roberts, Uschi Elleot, Herbert Kiper, Paul Rehkopf Komödienhaus Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Sngel von Robert Winterberg Paul Heidemann a. G, Josefine Dorav. Staats-h. a.O. Inge van derSti aaten, laa Marsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg Hotnische Oper Opernspieizeit Täglich /b/4 Uhr jllt-lleiäeierg Ooer von Pacchierotti Stg.3V<: Der Barbier v. Sevilla Foiies Kaprice* EckeFriedrich- u.Linienstraße Täglich 8 Uhr; IIa» neue i'rttnlein IIa» wefUe Blatt I>er ledijgcIJhcmunn Morgen 7, zum ersten Male: Der Rangierhnhnhol Thnliit-Tlienter ni, Uhr Blascottchen Th.ainXollendorfplnfK Al/z,: Wenn Liebe erwacht u'hrDer Vetter ans Dingsda Theater des U'estei 3U» U.: Die Piarrhauskomvtlie vhr': IllvWii Mlier lllStll! Th.i.d.Kommandabtenstr. 7v2uitt Big gcltlene Freitieit Trlanon-Tbeatep 4 Uhr: Ära Tcetlsoh 7V5 uhn Am Teetisch Walhalla-Theater VL Uhr: Scheidunosreise Berliner frater Kastanien-Allee 7—9 Täglich 4'/, Uhr: Die Schönste v. allen Operette i. 3Akt.v.Jean0ilhert Vanefg-Sensationsji mit Ferd. Grünecker. Behrenstraße 54 Präzis T1/, Uhr: Internat. Damen-Boxkämpfe und der unübenreftliche Ze« logischer Arten. Heute AQUARIUM .c e ö f f n e t von 9 bis 7 Uhr Admirals�alast '/z? Uhr» Abrakadabra ges gesch. a. 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TVtUht American-Oirl Neuen Volknt lionter 7 uhr: Bis St. Jakolislalirt Heflidehz-Theater S1,1* Lady Windcnncres Fächer pu uhr Ab dafür! He hlll rr-Thftiit. Clin rl. 3 Uhr; Der Meinelrlbauer 7 /:uhr: 100 000 Taler Morg 71/. Die versilberteBraut Schloßpark• Tfaeat. Steglitz, ScIiloDstraQe 48 ''/.u.: Donna Diana Naehtbesuch in der Norihernbank Dram» in 4 Akten t. Paul Rosenhayo mit Grit Hegesa, I'Brm.vnn Vallentln Regie Karl Grone Ein»tilles behagliches Nest B. B. Schwank mit Leo Peokert Th. a. Kottbuser Tor Tel.Moritzpl. 16077 Tägl. VI, Uhr; Elite-Sänger —.10 Herren!— Witz I Komik 1 Urkora. Typen! GröBt. Lacherfoig Vorvk.ll-1'/,, 4-6U. Rcichsöall.-Tlieaier Stert. Sänger. 7>/, U. Do, 16 Juni: Britten-Benefiz zur Feier seiner tOjähr.Mitglicd- senatt bei den Slcttin.Sän�ern KSnlggrStzer Str. 121 Am Potsdamer Platz GroSsladt- Hädels. z. Teil. Erlebnisse aus Berlin W SU 8 U Wer ist der Vater? 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GeLffnet West«»: Stegiiger Etr. S7. Ede Magdeburger 'öffnel von tZ-S Uhr. Glldee: vdrwaldflraße»2, a. d. lZncifenaustraße. Geöffnet von 9—6 Übt.— Prinzenlir. 31. Hof recht» pari. Ge- »ffnet van»-S Uhr. Osten: Martuosir. 36. Geöffnet von 9—6 Uhr.— Petersburger Plag 4. Geöffnet von 9—6 Uhr. Sikofttn: Laulitzer Plag 14/13. SeSstnet von 9—6 Uhr. Nordoste»: Immanuelkirchstr. 24. Geöffne! oan 9-6 Uhr. ''aoener Str. 4«. Süd~ Moabit! öffnet oo;i 4—6 Uhr. Weddlng: MMerstr� 34»,� Ed« Ulrechier Straße. Gr» WWWWW�--, Frau Schneider Zteiiiictendorfer Sir. 11, Pnpiergefchäfl. Gingang Schönwaider Srraße. Geöffnet von 9—6 Uhr. Nofenttzale, un» Oranienburger«»rftaöl! Wallftr. 9. Ge- Wnet von t—t üb». Gefvodbr,»»»»!»ostienlfs. 7. Seöffnet von st— 6 Utzr. Schi»b,,fe» Mörstadt:»r«ts»nh°,i*>er Str. 22. Geöffnet oon st-a u»,. «"«»»t. Ult-GItentdr: Urt.»alter. Adt-r-hof.«e- n»ffeilss,asi,g,. 6,»orlerre. •anmMaienaeg: Frau Röpke, Riefholzstr. l»0, Loden. Meroau. Ninlgcolol, sttpereis. 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Tuchmäntel 375, 525, �Waschkleider 89 InHf. kiMfe Pelzmäntel 2800, 3900, 4600, 5900, 6600 JcIZli Plfiscbmäntel 789, ästracbanmäntel 450, 300 Westmann 1. Geschält: lerliiW, 2. Geschäft: Berlin NO, MobrenstraOe 37a Gr. Franhlürter Str. 115 Nr. 273 ♦ 3$. Jahrgang 2. Heilage öes Vorwärts Sonntag, 12. �uni 1921 GroßSerlln Der aufgefrischte Aoo. Der Zoo ist wieder auf der Höhe. Die Kriegszcit, die ihn arg mitgenommen hatte, ist jetzt für den Garten so ziemlich überwunden, zumal ihm bis in die neueste Zeit dankenswerte Schenkungen zu- gegangen sind, die manchen fühlbaren Mangel ergänzt haben. Heute fällt gleich beim Eintritt vom Tiergarten aus in der Mitte des Bärenzwingers die weiße Gestalt der geschenkten Eis- bärin auf, deren Käfig längere Zeit leer stand. Schlagen wir den großen Weg an der Nordseite des Gartens ein, so kommen wir zu dem alten Hause, das neben anderen kleinen Tieren zwei Exemplare des Landschnabeltieres, darunter des langschnäbeligen birgt, jene merkwürdigen Klookentiere, die neben den Beuteltieren die älteste uns erhaltene Form der Säugetierwelt darstellen und den eigen- artigen Fauna Australiens charakterisieren. Nach einem kurzen Be- suche bei Zebras, Pferden und Eseln schreiten wir entlang an den Gehegen des Hornviehs und schauen seltene Tiere wie Zebus, Faks, Wisente und Bisons. Der Wisent, der lange Zeit für den längst ausgestorbenen Auerochsen gehalten wurde, gehört ebenfalls zu den im Schwinden begriffenen Tierarten, findet sich im wilden Zustande nur noch im Kaukasus und wurde bisher noch in der Heide von Bialowies gezüchtet, doch hat hier der Bestand im Kriege sehr gelitten. Der Bison ist der eigentliche Büffel der Prärie Nord- rmerikas und unserer Schuljugend durch die Indianergeschichten be- sonders vertraut. Daß gleich andern Tierarten manche dieser Rinder den Garten durch Junge bereichern, ist eine erfreuliche Tatsache. Der eingeschlagenen Richtung folgend, kommen mir zu felsigen Partien und stehen bald vor der großen Inschrift, welche die Men- schenaffenstation ankündet. Da haben wir eine Sehenswürdigkeit, die der Garten vor dem Kriege nicht aufwies. Die großen Schim- pausen und der hier geborene junge geben durch ihre Menschen- ähnlichkeit den Anhängern der Abstammungslehre viel Stoff zu Beobachtungen. Bon den Felsen der Raubvögel aus machen wir einen Abstecher in südlicher Richtung, kommen zu dem großen Antilopenhause mit der prächtigen Palmenpslanzung und zu Vogelhäusern und den malerischen Teichen für Schwimmvögel. Die wenigsten Besucher dürften sich heute noch bei den Raben- vögeln des schwarzgefiederten Gesellen entsinnen, dessen Name 1869 dazu beitrug» dem damals gegründeten Aquarium einen schnellen Ruhm zu verschaffen, des in Australien heimischen, durch seine wun» derbere Kunstfertigkeit im Pfeifen von Melodien ausgezeichneten Flötenoogels. Die Wasiervögel sind wieder sehr reich vertreten und zeigen sich namenllich an den Felsgrotten an der Südfront des großen Vogelhauses in ihrer ganzen Schönheit. Unter den Stelz- vögeln ruft der ehrwürdige Marabu mit seiner philosophischen Er- scheinung so manches Witzwort hervor. Etwas weiter nach Osten konimen wir zu dem Hause, das für die Besucher unter zwanzig meist die Hauptanziehung besitzt, dem großen Raubtierhause. Von Tigern findet sich nur noch ein, dafür aber auch sehr schönes Exem- plar aus dem Amurgebiete, von Löwen aber mehrere, dazu Pumas, Wölfe, Hyänen, Schakale und ein prächtiger Luchs. Und so durch- wandern wir noch viele schöne Gegenden des Gartens, die uns auch durch Gewässer, Hügel- und Baumwuchs locken, um mit der westlichsten Partie abzuschließen. Hier besuchen wir u. a. die Fasa- nerie, deren Bestand in anerkennenswerter Weise immer weiter ergänzt wird, und zuletzt die drei Hauptbauten: Flußpferdhaus. Siraußenhaus und Elefantenhaus. Das erstgenannte hat leider nur noch einen Insassen, ein altes, seit dem vorigen Jahre oer- witwetes Flußpferd, das meist in träger Ruhe vor sich hindämmert. Zwei Zwergflußpferde, welche von Unkundigen oft für junge Fluß- Pferde gehalten werden, wohnen im Elefantenhause. Letzteres weist noch zwei sehr stattliche Vertreter des langgerüsselten Riesen unter den Landtieren auf,«inen Asiaten und eine Afriknerin, dient auch den Hissarzebus zum Heim. Außer Straußen und Kasuaren zeigen sich hier auch Känguruhs, darunter einige von beträchtlicher Größe. Man kann den Rundgang mit dem Bewußtsein beschließen, daß die berühmte Tiersammlung trotz der schweren Zeiten noch immer ihren alten Ruf bewährt. So mancher Zoologische Garten ist in den letzten Jahren eingegangen. Der Berliner ober soll uns erhalten bleiben. » Im Berliner Aquarium sind jetzt in der Infekten- Abteilung zahlreiche interessante Vertreter unserer heimischen Kerb- tierwelt in den verschiedenen Entwicklungsstufen ausgestellt. So finden wir Gabelschwanz-, Trauermantel-, Pfauenaugen-, Bären- und viele andere Raupen, die nun bald der Verpuppung entgegen- gehen. Auch Hirschkäfer sind nicht nur in stattlichen männlichen und weiblichen Stücken, sondern auch als Larven— riesige Engerlinge— vorhanden. Die endgültigen Staötbahnfahrpreife. Einheikssatz: Z. Klasse 70 Pf., 2, Klasse 1 ZN. 3m Vorortverkehr über 10 Kilometer höher. Die neuen Fahrpreise auf der Stadt- und Ringbahn ab 1. Juli sind nunmehr endgültig fe st gesetzt: Danach bleiben die Preise im Stadt- und Ringverkehr, wie sie zunäckst in Aussicht genommen waren, d. h. der Einheitssatz für jede Fahrt innerhalb der Stadt- und Ringbahn beträgt in der 2. Klasse 1 M. und in der 3. Klasse 70 Pf.— Im Vorortverkehr werden ab 1. Juli erhoben: bei Entfernungen bis zu 10 Kilo- meter 70 Pf. in der 3. Klasse und 1 M. in der 2. Klasse. Für Eni- fernungen bis zu 23 Kilometer beträgt der Fahrpreis 3. Klasse für jede weitere 3 Kilometer 10 Pf. und bei Entfernungen über 23 Kilometer für jeden Kilometer 10 Pf. mehr. Der Fahrpreis der 2. Klasse ist um das 1,3fache höher als in der 3. Klasse. Kinder- fahrkarten kosten die H ä l f t e des Fahrpreises für Erwachsene. Militärfahrkarten werden nicht mehr ausgegeben, ebenso sind auch die Arbeiterrückfahrkartenpreise in den neuen Tarif nicht mehr aufgenommen. Besondere Hundekarten liegen für den Berliner Verkehr nicht mehr auf, für die Beförderung eines Hundes muß eine Fohrkarte wie für einen Erwachsenen gelöst werden. Die Mlndeskfahrpreise im Vorortverkehr gelten nach diesem neuen Tarif bis zu folgenden Stationen: Vom Stettiner Bahnhof noch Wittenau(Kremmener Bahn), Wittenau(Nordbahn) und Blankenburg; vom Lehrter Bahn- Hof nach Fürstenbrunn, Charlollenburg nach Grunewald, Spandau- West, Pichelsberg; vom Potsdamer Bahnbof nach Marienfelde, Groß-Lichterfelde-Ost und Groß-Lichterfelde-West; vom Görlitzer Bahnhof nach Niederfchöneweide-Iohannisthal und nach Oberspree; vom Schlesischen Bahnhof nach Kaulsdorf, Sadowa und Nieder- schöneweide. Die kriegsbeschädigkenabteile. Zur Sicherstellung einer bequemen Beförderung der Kriegsverletzten während der Zeiten des Berufsverkehrs hat die Eisenbahnverwaltung im Eifenbohndirektionsbezirt Berlin auf sämtlichen Strecken in allen Vorort- und Ringbahnzügen zwei Ab- teile, die unmittelbar neben den Wagen 2. Klasse liegen, als Abteile bezeichnet, die nur für die Kriegsbeschädigten bestimmt sind. Die Mehrzahl der Reisenden, die diese Abteile benutzen, sind aber kern- gesund, und nur zu häufig muß man die Beobachtung machen, daß Beinverlegte in letzter Minute humpelnd nach einem anderen Abteil hasten, um überhaupt mitzukommen. Diesen Zuständen soll nun eine Verfügung der Eisenbahndirektion Berlin an die Beamten ab- helfen, die angewiesen werden, den Kriegsbeschädigten, die sich als solche ausweisen, in den Abteilen für Schwerbeschädigte einen Platz zu verschaffen. Reisende ohne Ausweis- als Kriegsbeschädigte haben auf Verlangen in den Kriegsbeschädigtenabtcilen(durch rote Schilder gekennzeichnet) Platz zu machen. Gegen Sie Auflösung öes Schloßlazaretts. Nochmaliger Appell an die Oeffenllichkeit. Die im Schloß. Lazarett in Charlottenburg unter» gebrachten Kriegsbeschädigten hatten gestern eine Versammlung noch dem L u i s e n p l o tz einberufen, um nochmals öffentlich Protest gegen ihre Behandlung zu erheben. Es waren etwa 3000 bis 4000 Personen erschienen, unter denen sich Vertreter mehrerer Organi- sationen von Kriegsbeschädigten befanden. Iostomski vom „Internationalen Bund der Kriegsopfer" erklärte, daß dieser gegen die rigorosen Mittel protestiere, die man im Charlottenburger La- zarett in Anwendung bringe. Es sei dringend notwendig, die Auf- lösung des Lazaretts zu oerhindern und die darin be- findlichen Brüder in ihrem Kampfe zu unterstützen. Riemer (Wirtschaftliche Bereinigung Kb.) sprach sich in gleichem Sinne aus. Genosse Pfarrer Blei er wandte sich u. a. gegen die Maßregelung eines Lazarettinsassen, der im Grunde genommen doch nichts weiter getan habe, als seinen Kameraden die Treue zu halten. Man mög« Msnschenliebe und Nächstenliebe bekunden und durch die Tat zeigen, daß man das Elend beseitigen wolle. Es sei zu wünschen, daß man den Opfern des Krieges die Schloßräume weiter belasse, um ihnen hier eine wohlverdiente Erholungsstätte zu bieten. P i r e n t e(Ber- trauensmann) unterzog die Berichte in der bürgerlichen Presse einer scharfen Kritik. In den Berichten habe man alle Dinge aufgebauscht, um die Abwehr der Kriegsverletzten in ein schlechtes Licht zu setzen. — Schließlich wurde ohne Gegenstimme eine Resolution angc- nommen, die gegen die Maßregeln der Behörden, insbesondere gegen die Sperrung der Nahrungsmittel für die Verwundeten pro- testiert und die sofortige Wiedereröffnung des Lazarellbetriebes, die Forffetzung der arztlichen Behandlung und Bewilligung der sonstigen gerechten Forderungen der Kriegsopser verlangt. Tie erschwindelte» Liebesgabenmillionen. TaS Strafverfahren gegen die Deutichamerikanerin Miß Vir» pinia Moll, die feinerzeil wegen eines ins Ungeheuere gegangenen LiebeSgabenickwindels verhahet worden ist und den ReickiSfiskuS um kolossale Summen geschädigt hat, ist so weit zum Abschluß gebracht, daß die Anllage erhoben ist und die Haupt- Verhandlung noch vor den Gerichisierten staltfinden wird. Die Anklage richtete sich gegen die verwitwete Privatiere Virginia Moll aus Lodi in Nordamerika, den Kaufmann Kurt Mautner wegen Betruges, Schleichhandels und Preistreiberei, ferner gegen den Bankbeamten Erich F l a t o w wegen Beihilfe. Der Hauptbeteiligte, Kaufmann Leo H i r f ch f e I d aus Kopenhagen, ist flüchtig geworden. Die Verhandlung, die vor dem Wuchergericht bei dem Landgericht i stattfindet, wird einen großen Umfang annehmen, da außer den von der Staatsanwaltschaft vorgeladenen hohen Beamten der in Frage kommenden Reichs- und Ministerialbehörden und anderen Personen auch zahlreiche Entlastungszeugen vorgeladen sind, io daß etwa 30 Personen als Zeugen vernommen werden sollen. Das Goldversteck im Mundwasser. UebermangansaureS Kali hat in aufgelöstem Zustand« eine fast undurchsichtige tiefpurpurne Farbe. Das benutzte ein Dieb, der eine Haussuchung erwartete. Er zerschlug allerlei Gold- fachen, die er gestohlen halte und versenkte die Stücke in eine Flasche, die mit der purpurnen Flüssigkeit gefüllt war. Das Gold war so nicht zu sehen, und der Dieb ließ die Flasche ganz offen auf dem Waschtische stehen, als ob sie sein Zahn Wasser enthalten hätte. Vielleicht hatte er vorher die berühmte Novelle von E. A. P. Oe...„Der entwendete Brief" gelesen. Doch der deutsche Detektiv Dupin war glücklicher als Bobby Poad. Wenn es ihm auch nicht gelang, einen Millionendieb zu fassen, so konnte er doch wenigstens die Goldschätze dem purpurnen Kalibade entreißen und sie dem Eigentümer wieder zustellen. Ein großer Zuwelendiebstahl in Paris beschäftigt auch die Der- liner Kriminalpolizei. Dem Pariser Iuwelenhändler Boucheron wurde ein Halsband gestohlen, das 400 000 Fr. wert ist. Es besteht aus 87 weiß-cremfarbenen Perlen verschiedener Größe. die zusammen 333 Gramm wiegen. Das Schloß trägt einen runden Brillanten. Man vermutet, daß der Dieb versuchen wird, seine kost- bar« Beut« in einer der großen Hauptstädte zu Geld zu machen; vielleicht im ganzen,-vielleicht auch in einzelnen Perlen. Deshalb fahndet auch die Berliner Kriminalpolizei nach dem Schmuckstück. Mitteilungen sind an die Dienststelle Bl. 7 zu richten. Die Beisetzung Harry Bälden«. Unter großer Beteiligung de» Publikums fand gestern nachmittag aus dem alten L u> s e n k i r ch- h o f am Bahnhof W e st e n d die Beisetzung des auf so tragisch« Weise aus dem Leben geschiedenen Harry Waiden statt. Der An- drang der Menge war so groß, daß der Zugang zum Kirchhof durch Schutzpolizei abgesperrt werden mußte und kaum der hundertste Teil der Erschienenen in die Leichenhalle Einlaß finden konnte. Der Deutsche Bühnenverein, die Deutsche Bühnengenossenichaft, der Oesterreichische Bühnenverein, der Verband der Bühnenautoren, der Verband der Berliner Theaterdireitoren und zahlreiche andere hatten Deputationen entsandt. Nach einleitendem Cborgesang und der Trauerrede des Pastors der Luisenkirche widmete Präsident Rickelt namens der Bühnengenossenichaft und des Wiener BurgtbeaterS dem Dahingeschieden ergreifende Abschiedsworte. Nach Rickelt sprach namens deS Deutschen Theaters Bertbold Held, namenS des Deutschen BühnenvereinS der geschäftSsübrende Vorsitzende Aitur Wolfs, für die deutschen Bühnenschriftsteller Ludwig Fulda und schließlich am offenen Grabe, das Tausende von Menschen tief bewegt umstanden. Direktor Alfred Halm. Dann senkte sich der Sarg in die Grube, auf den Hunderte und Hunderte von Händen die letzten Schollen warfen. ?1 Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. „Beweisen Sie es mir... Schlagen Sie,— schlagen Sie — Ihren Nebenbuhler aus dem Felde. Ihn. Den einen..." Sie sprach das Wort„schlagen" leise aus, zog es hin und gab ihm einen Ton, der in seiner Grausamkeit etwas Lieb- kosendes hatte. Er sah Blut, aber es schien ihm. als ob es zwischen pmgen Blumen rönne. Gar nichts Abschreckendes hatte das, dafür viel, das ihn reizte, sich um seine Sinne wie ein süßer Dust legte. Von diesem Tag an haßte er sie, weil er wußte, daß er sie würde lieben müssen, was immer sie ihm auch antäte. Und von dieser Stunde an wurde es ihm zur Gewißheit, daß jener Mann, jener andere, jener eine, den sie meinte und von dem er wußte, daß sie ihn liebte, ihm verfallen war. Und von diesem Augenblick an, da er sich über dies im klaren war, blühte ein seltsames Gefühl in ihm auf, ein Gefühl des Milleids mit diesem Fremden, so, als bedauerte er es, daß er ihn, der von ihr verurtellt und der ahnungslos war, töten mußte... Es kamen Tage, an denen sein Blut so ungestüm nach ihr verlangte, in so weher, blinder Glut, daß er das Gefühl hatte, jedes Verbrechens, auch des abscheulichsten, fähig zu sein. Dann wurde es dunkel vor seinen Augen und eine Stimme schrie ihm heiser zu:.Eile, eile— denn du hast keine Zeit!" Unablässig grübelte er darüber nach, wie er zu seinem Ziel gelangen könnte, mit einem Schlag, über Nacht. Mitten in der Arbeit konnte ihn dieser dunkle Drang an- fallen, so daß er stöhnend auffah und stundenlang abwesend vor sich hinstarrte..Wie?" jagten unablässig die Gedanken in ihm.„Wie?" Er ersann die unmögstchsten Gelegenheiten und Situatio- nen, Duelle, Ueberfälle, heimtückische Morde. Und'er trat zitternd vor sie hin, vor sie, die ihn zum Bösen trieb, und suchte in ihren Augen. Diese sprachen, in- dem sie schwiegen. Und sie schenkten sich ihm ganz, ganz und gar, in all chrer rätselvoll lockenden Tiefe.„Tue es," schmeichelten sie,„du tust es für mich!" Da überraschte den Schwankenden ein Zufall, als wäre er eine Schickung. Unvermutet stand er dem Mann, der ihm im Wege war, gegenüber, nachts, in der helldunklen Bsleuch- mng des Nu» m D« Wohnung Lena», Er erstarrte, als er ihn sah. Sein Atem stand still, und vor seinen Augen kreisten rote Räder. Alles Blut stieg ihm zu Kopf und machte ihn trunken. Drinnen wartete sie... Er sah ihr Lächeln, fühlle ihre Locken und sehnte sich namenlos nach den Armen, die ihn umfangen sollten, um ihn für immer zu binden. Da hob er mit einem Lachen, das voll hallender Freude war, voll Befriedigung und voll Befreiung, die Waffe, die er ständig bei sich trug, und richtete sie auf den Mann, der zurück- wich, in Todesangst, schreiend, die Arme vor das Antlitz haltend, um dem Anblick des scheinbar Wahnsinnigen zu ent- gehen. Und plötzlich krachten die Schüsse, rasck hintereinander, hart, das Hell-Dunkel mit metallener Schärfe durchschneidend.. Aber die Schüsse weckten ihn auf. Wo war er? Was hatte er getan? Er stand sich selbst plötzlich wie einem Unbekannten gegen- über, besah sich, bestaunte sich und gewann doch keine Klarheit über sich. Er starrte auch auf sie. die aus dem Zimmer stürzte, wie auf eine Fremde, verwundert, feindselig, aber jetzt völl,g ohne Haß und ohne Liebe. Sie war blaß, jedoch ihre Augen leuchteten.„Sie," rief sie laut und kalt und so grausam, daß er vor ihr erschrak. „Sie,— was haben Sie getan?" „Getötet," sagte er müde, wie erschöpft von einer An- strengung, die Jahre gewährt hatte. „Nein," höhnte sie ihn,„er lebt!" „Er lebt?" In ihrer Stimme war derselbe Jubel wie in der Geste, mit der sie jetzt den Geretteten umfing.„Stümper!" schrie sie.„Narr! Mörder!" Die Worte trafen ihn, als kämen sie aus weiter Ferne, sein ganzes bisheriges Leben winkte ihm aus dieser Feme zu, vor ihm enteilend, während er zurückblieb, in einem neuen Leben, das er noch nicht kannte, dessen Schrecklichkeit er aber ahnte, unter Menschen, die ihn nun hielten, fessesten, mit sich fortschleppten... *** Der Direktor legte das Manuskript weg und sah den Pastor an. Dieser schien geniert und unschlüssig, wie er sich zu ver- halten habe, Wieder rieb er sein« gepflegten Hände, ,3a," sagte er schließlich und dehnte die Worte,„so. wie Sie das lesen, ist es ein Roman..." „Es ist die Wahrheit," entgegnete der Direktor,„nur mit mehr Wärme gesehen, als ein Gerichtshof sie aufbringt." Der Pastor wischte diese Worte mit einer frommen Geste gleichsam aus.„Sie haben recht," sagte er friedfertig und machte doch- zugleich ein unnahbares Gesicht,„der Mann war' kein Charakter, er verdiente seine Strafe." „Fünf Jahre, die er als ein Bereuender und Gebrochener entgegennahm, um sich bald darauf mit seinem Schicksal zu versöhnen." Der Direktor zündete sich eine neue Zigarre an und gab seiner Stimme etwas Lässiges, als verachte er den Mann, über den er sprach.„Wie jedem Einfluß, so unterlag Hermann Reisner sehr schnell auch dem des Gefängnisses. Das Ge- fängnis modelte ihn um, wie ihn jenes Weib umgemodelt hatte: aus einem Mörder wurde ein Büßer. Er, der nie ein starkes Ich besessen hatte, besaß auch hier keines und nahm gern jenes Ich an, das man hier von ihm verlangte. Deshalb wurde er ein Mustergefangener. Und so geht er übermorgen in die Freiheit, um dort von dem, dem er zuerst in die Hände fällt, wieder ein neues Ich zu erhalten." „Wobei wir hoffen wollen, daß es ein gutes Ich sein wird," sagte der Pastor mit Nachdruck.„Aber Sie sprachen noch von einem zweiten Fall— dem Fall--" „Behrens," nickte gelassen der Direktor, sog nachdenklich an seiner Zigarre, griff nach dem zweiten Manuskript und las: 3. An einem heißen Augustnachmittag des Jahres 1893 hatten zwei Boote, die auf der Hamburger Außenalster fuhren, einen aufregenden Anblick. Etwa einen halben Kilometer von ihnen entfernt schwamm ein drittes Boot, deffen Insaffen zwei Männer waren, deren heftige Gesten darauf schließen ließen, daß sie erregt mitein- ander strstten. In dem einen der zwei zuschauenden Boote saß ein junger Mann, ein Handlungsgehilfe, der seinen freien Nachmittag dazu benützt hatte, mit seinem Freund und besten Braut, die sich in dem anderen Boot befanden, auf der Alster zu rudern. Dieser junge Mann ließ nun die Ruder sinken, richtete sich auf, zeigte auf die in der Ferne Streitenden und sagte lachend:„Was die nur haben!" In dem gleichen Augenblick aber stieß er einen lauten Schrei aus.(Fortsetzung folgt.) Gegen Geldicmmlungen voler Schulkinder?- Geldsammlungen unier Schullindern dürfen seit Jahrzehnten nicht ohne Genehmigung der SchulaufsichtSbeöorde veranstallel werden- Die Genehmigung soll nur in seltenen Fällen erteilt werden. Im Krieg sind die Sammlungen häufiger zugelassen worden. Der VollSbildungS- minister hat jetzt sein Bereich angewiesen, bei derartigen Anträgen wieder die größte Zurückhaltung zu üben. Die großen Diebstähle in der Alonlierungslammer der ehemali- gen Gardehufarentaserne zu Potsdam kamen in der letzten Sitzung der Strafkammer zur Aburteilung. Die Reiter Libera. Limke und chuth hatten die Kammer um Militärbekleidungsstücke im Werte von 80 000 M. nach und nach„erleichtert". Abnehmer der ge- stohlenen Sachen war ein Potsdamr Schuhmachermeister. Die Straf- kammer verurteilte ihn wegen Hehlerei zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus, Libera zu einem Jahr vier Monaten Zucht» haus, zwei Jahren Ehrverlust und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes, Limke und Huth erhielten sechs Monate bzw. «in Jahr Gefängnis. Zum Direktor der Sladtrechuungskammer ist Bürgermeister Dr F r a n z- Köpenick gewählt worden. Sein« bisherig« Stelle als Vorsteher des Bezirksamts Köpenick ist damit frei geworden. Be- »verber mit Befähigung zum Richteramt können sich bei der Bezirks» -Versammlung Köpenick um das Amt des Bürgermeisters bewerben. Massenkundgebungen für paulsen. Es ist jedem Einsichtigen klar, daß die Riesenauigabe der Reform des gesamten Groß-Berliner GwulwesenZ, die auf den Schultern des OberstadtschulralS Paulien laitet. nur dann von ihm gelöst werden kann, wenn ihm ein Kreis tüchtiger Fachleute zur Mitarbeit zugebilligt wird. Die Schul- depuiation hatte für die Schuldezernate den Neuköllner Stadtlchnl» rat Nydahl(Bolktschulwesen). die bekannte Schulreformerin Frau Oberlehrer Anna Siemsen shöhere Schule) und Herrn Dr. Herring lFach- und Fortbildungsschulwesen) vorgeschlagen. Der Magistrat bat unter dem Druck der Reaktion diesen Vorschlägen vorläufig seine Bestätigung versagt. Um dem Magistrat zu zeigen, wie die Mehrheit seiner Wähler denkt, veranstalten die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer(Ortsgruppe Berlin) und die Freie Lehrer- gewerkschaft lOrtSgruppe Berlin) am Montag abend?>/, Uhr 4 Massenversammlungen mir dem Thema:.Abwürgung der Berliner Schulreform! Soziali st ische oder re- aktronäre Schuldezernenten?"(Wir verweisen auf die Anzeige im Inseratenteil.) DaS Brotkartenstichwort. In der Woche vom 13. bis 19. Juni karf Brot und Mebl nur aus die Brotkarte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwort 21. Ol- VolakZ Pudding tragen. Ein Einkasfierer de» XranSportarbeiterverbandcs bat am Frei- tag vormittag gegen 8 Uhr in einem Ringbabnzuge auf der Station Vapestrahe einen grünen Nucksack mit Verbandsmalertal und Beitrags» marken liegen lassen. Abzugeben gegen Belohnung bei Joh- Grimsmann, Lichtenberg, Goethestr. 8, Part. Bezirksbildungsouöschuft Groft. Berlin. Die von der 2lrbeitS- gemeinschast des Ge». Grnnwald beabsichtigten Besuche der Börse welcher Geschicklichkeit der Verfasser Jane Beh fast sämtliche Verbrechen und Vergehen des Sti asgesetzbucheS in dieiem Sittendrama binetngepackt ha». Als da sind: Verführung einer Minderjährigen, Münzfälschung, Verbreitimg gesölsltitcn Geldes. Betrug. Kuppelei. Uebertrelimg der Polizeistunde usw. Die nächsten 18 Akte eröffnen hoffnungsvolle Perspektiven Prächtig war Leopold Hastet als Schubmachermeister.— HcrrnfetdZ(hier schon besprochenes» Gastspiel brachte jene Schwankart, deren überwältigende Komik an den Darsteller und Bersaffer Herrnseld gebunden ist � und die, ohne liierarische Werte, berechtigte HeiterleitSstürme erregt. Hroß-Serliner parteknachrichten. heule. Sonnlag. den 12. Zum: -i-U.-' I> I I> u»»LI! 28, Juni im Stootiichen EchrnlivUlboir«»«stellten Karten sin» bis idätestens Donnerstag abzuholen. Ueber bis dahin nicht abgeholte Karlen wird ander» weitiq verfügt. Städtische» Bolkskonzert des Blüthucr. Orchesters Dienstag, den lt.. Blütbneriaal, Lützowstr. 76, abends 8 Uhr, Tanzweisen auS alter und neuer Zeit. Karten find m den bekannten Vorverkaussstellen sowie an der Abendkasse zu haben. Lichtbildervorträge über BolkSgeinndheitsvffeq«. DaS B e- zirkSamtVI, Schleiermacherftr. 23, veranstaltet Lichtbildervorträge über Bollsgesundheitspflege in der Aula deS Friedrich-RealgymnasiumS, Mitten- Wälder Str. 37. und zwar für Eltern, Elternbeiräte und Erzieher über Rgtlchläge für Eitern in der sexuellen Belehrung ihrer Kinder am Montag, den 13. Juni, abendS 8 Uhr. für Schüler und Schülerinnen Filmvorsührung »Die Wunder deS Schneeschuhs' Dienstag, den lt. Juni, 3'/, Uhr nach- «sttagZ, ferner am Dienstag, den lt. Juni, nachmittag» 6>j, Uhr, für Frauen und abends 8 Uhr für Männer und Frauen Filmvorsührung über vroitische AuftlänrngSarbeil auf dem Gebiet der Bekämpfung der Geschlechts- kronlbeiten, sowie.Dl« Wunder de» Schneeschuhs'. Die beiden ersten Vor- »lä-e kosten 1 ZU. Eintrttt, der letztere 2 M. Einlaßkarten durch das Bezirks- umt. Zimmer 5. Freie Lehrergewerkschast. Montag 7>k, vhr vier öffentliche Der- sammlimgen. Stehe Inserat. Sllle Mitglieder zur Stell«. Ziimschau. DaS Brogromm in der Schauburg. Fortsetzung der.Gross, stadtmädelS', der Tragödie dritter Teil mit hoffnungsvoller Aus- sicht aus den vierten TeU tden 18. bis 24.?lkl). ES ist überraschend, mit lt. tirei». Rcuköll». 11 Uhr Auhcrorieittlich« erweiterte greis»«»- standsfitzutrg im Sekretariat, Jägcrstr. öS. Außerordenttichc Maßrrahmea zu den Mautag stattfindenden Versammlungen. Z. Kreis. Wedding. Waldfest der 17. und 48. Abteilung mit der Arbeiter- iugend. Gruppe Wcdding, Gesundbrunnen und Narben In der Jungfern- Herde. Treffpunkt mitrags thl Uhr Seestratze, Promenade tzwtschcn der Togostraßc und Guineastraße). Kaffee aus dem Fcstplatz zu haben. Kannen und Tagen sind mitzubringen. Morgen. Montag, den 13. Juni: 18. Kreil. Die Genossen treffen sich zur Demonsirattonaorrsammlung um tzh Uhr im Lehrcmreinshaus am Aleianderplad. 20. Kreis. 5 Uhr im Rothaus Wittenau, Fraktionssißung des Kreise«. 7 Uhr Sitzung des Äreisbildungsausschusses im Rathaus Wittenau. Gharlatteaburg. Die Partergeiiossen treffen sich wegen der Vorgänge in Bayern in den Prachtfälcn des Westens, Evichernstraße. 10. Abt. 7 Uhr bei Echonak, Eamariterftr. 8, Ecke Rigaer Straße, Funktionär- sitzung sämtlicher Parteifunktionäre, Bczirksfllhrcr, Betriebsräte und Bcc- trauensleute. Tagesordnung: Wichtige Abtcilungsangcleaenheitcn. 33. Abt. 7 Uhr Funktionärsitzung bei Gillwold, Puttbufer Sir. 24. 70. Abt. Schancbcrg. tz Uhr im Lokal Groß, Srdanstr. 17, erweiterte Bor- standssitzung. Die Funktionäre werden ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. 08. Abt. Neukölln. 7 Uhr bei Zimmermann, Svpfstr. IS. Ecke Lcssingsiraße, Abrechnung der Bezirksfilhrer mit den Bezirkskassierern. mit ollem Mate- rial, auch mit den Billetts vom Kunstodend, da Quartalsschluß. 101. Abt. Treptow. Ssh Uhr Flugblatwcrbreitung von den bekannten Lokalen aus. 132. Abt. Blankenburg. 7 Uhr Ocffentllche Versammlung im Lokal Klug. Dorfstraßc. Thema:„Thristentum und Sozialismus'. Ref. Gen. Pfarrer Bleier. 137. Abi. Reinickendarf-Deft. 7 Uhr Funktionärsitzling bei Strauß, Schorn- wederstraße 109. Dienskag, den 14. Juni: 15. Kreis. 7% Uhr 3 große öffentliche Volksverfammlunge«: Trep- tow-Banmfchnlenweg: in Treptow, Viktoriagarten, am Treptower Pari. Ref. Gen. Robert Brener.— Oder- na» Riederschöneweidc»ud Zohan- nisthal: in RiederfchSneweid«. Restaurant Loreley, Berliner Straße l01. Ref. Gen. Kermanu Zudemana.— Adlersbof, Alt-Glieuick«! I» Adlers- bof»ei Wöllstein, Bismarckstraß-. Thema ia alle» drei Versammlungen: „Die innere und»ußere Politik Denttchland»'. Res. Franz Kriiger. In allen Versammlung«» wird gegen die Bayeruoorgäuge demonstriert. 10. Kreis. Köpenick. 7 Uhr Sitzung des«reuworstandao und der Fraktion im Rathaua lläpenick, Zimmer 42.. � �_.., 33, und 34. Abt. Oeffentliche dltarnverfonnnknng In der SS. GemrindeWule. Puttbufer Straße 3—4. abends 7 Uhr. Thema:„Sabotierung des Lehrer- kollegiums gegenüber ben Eliernbeiräten".,._• 74. Abt. gehleuborf. 8 Uhr B-rfammlung im«aiferhof, Potsdamer Sir. 80. Thema:„Unser SGulideal'.,.,-« 137. Abt. Reinickendorf.««?!: 7 Uhr Ritgli-d-rv-rs-mmlung m der 5. Ge- meindeschule, Aua-tste-Vikwria.Allee 30,37.„., Beamte und Angrftrll-'.- der Reichoschnl'senrrrmalinug! Rachmittags 4 Uhr in den Brminhallen, Kommandantenstr. 88-89 i großer Saal), Groß« Mfentnche Versammlung aller männlichen und weiblichen Beamten und Angestellten der ReiGsschuldenoerwaltung. Tagesordnung:„Der neue Staat und d:- Beamten'. Ref. Sc». Finanzmiinftcr a. D. Hermann Lildcmann. Freie Aussprache. Der SPD.-Werbcausschuß der Perwaltungsbeamicn. IrauenabenÜe. Morgen. Montag, den 13. Junl: Abt. Reulölln. Bei Grieger. Sessingstr. 0, Ecke Sopfstraße- wrrtschaftliche Lage". Ref. Genossin Bohm-Schuch.. 128. Abt. Weißcasce. T.i Uhr im Fried ensgirrten. Rällestraße, Eck« Prstorius- "----.Beltansibaqung und Ethik'. Res. Frl. Dr. Ltchtenhausen. � 8 Uhr bei Koritkowski, Florastr. 73, Dichterabend. 58. Thema:„Die straste. Thema:..— 128.-130. Abt. Pankow. llebungsstunden der SPD.-Ehöre. Aufrage» find zu richten an K. Schulz, Gharlottenburg, sirchttr. 33- Mostag. 7M Uhr: Arbcitergefangverein„Einigkeit". B n ch h o l i hei Hennig, Pasewalker Str. 86.— 6oj. Männerchor Friedrichohain im „Andreas-Kasino". Andreasstr. 3.— Frauenchor„Frohsinn"-Eharlotten- b u r g. Aula, Rosinenitraßc lt.— Dienstag. 7>ä> Uhr: Sozialistischer Männerchor$ a l l e s ch e s Tor in der Aula der ll. Realschule, Boeckhstraße 9— 10.—„Harmonie"- W e i ß e n s e e 8 Uhrl. Pistorius», Ecke Rölkestraßs-— Donnerstag. Sänqerchor SPD..Pankow {T,2—10 Uhrl bei Engel, Mühlenftr. 48.— Freier Männerchor R e l n i ck c»- darf(718—10 Uhr) bei Lindstedt. Residenzstr. 120, Ecke Grüner Weg.— Soz. Männcrchor Mariendorf(8—10) bei Niendorf, Ehausseestr. 19.— Freitag. Männerchor Harmonie" Charlottcnbnrg(71»— Slä) Aula der Siemens-Oberrealfchulc. Schloßstraße 27.—.Liederfreunde" Borsigwalde. Wittenau- Tegel bei Schade, Beidtstraßc, Ecke Berliner Straße. — 8 Uhr: Sozialistischer Männerchor Prenzlauer Tor, Bötzow- Brauerei, Prenzlauer Allee.— Sonnabend. Sozialistischer Männerchor Bor- l i n- M i t t e 71h Uhr im„Bürgerheim". Alte Schönhauser Str. 23. Am Sonntag, 12. Juni, vormittags 9 Uhr. in Havellands Festsiileu, Reue Friedrichstraße, gemeinsam« Uebuugsswnde. Geübt wird: Empor zum Licht. Tord Foleson. Nachdem um ll Uhr Mitwirkung im Lustgarten. Dt« Sange,- brüder aller Ehöre werden gebeten, pünktlich zu erscheine». 4. Kreta. Prenzlauer Tor. Am 18. Juni feiert der Soz. Männer- ch o r, Kreis Prenzlauer Tor, fein Sommerfest in den Gesamträumen der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee. Reichhaltiges, abwechselndes Programm sorgt für- genügende Unterhaltung. Eintrittskarten bei Lehmann, Franieckn- siroßc 39, bei Vogel, Kopenhagener Str. 14, sowie bei den Kassierern der 23.. 24., 26.. 28., 29., 30., 31. und 32. Abteilung. Für Berlin-Mitte beim Genen en Riese, Fehrbelliner Straße 87, 4 Tr. Jugenüveranftaltungen. Heuke. Sonnkag, den 12. Zun!: EI« Waldsrü vom KrsiS Weddina findet heute in der Jungfernbeid» ( Schießstand)(mit. Treffpunkt 12 Uhr Ceestraße(Kirche). Unkostenbeitrag 80 Pfennig. Monlag, den 13. Zum: Grsinan. Werner, Kövcnicker Straße. Vortrag:„Die linksradikale Jugendbewegung."— Johannisthal. Johannes-Werncr-Sttaße. Mädchenabend.— Marienfelde. Turnhalle, Torfslraße. Vortrag:„Die Germanische Mark- genostenschalt."— Reichcnbergcr Viertel. Glogauer Straß« 12/18, Sckiule. Vortrag:„Die Entstehung des Menschen.'— Zrhlrndors. B. Mikleh. Potz- damer Ctt. 25. Vortrag:„Von der Postkutsche' zur Schnellbahn.' Mittwoch, den 15. Juni, 7 Uhr: Allgemeine Fuuktionörkonfr«»,. Schul«, Weinmeisterstt. 15. Tbcina:„Unsere Stellung in der deutschen ' IjUgeiioneivegting. Referent: E. Ollenhauer.— Aussprache. Mus aller Welt. Tödstche Aukoraserel. Bei Cham in der bayerischen Ober- Pfalz ereistnele sich auf der Staatsstraß« von Willhoff nach Alien- dorf ein schwere? Automobilunglück; zwei Personen wurden p e t ö t e t, weitere vier Insassen kamen mit dem Schrecken davon. DaS Unglück soll durch rasches Bremsen an einer Kurve und da- durch bewirkte« Ueberschlagcn deS Wagens verursacht worden sein. Das Mincnunglück im Aegäischen Meer. Der Dampfer Hnbillina. lS12 Tonnen, hatte den Verkehr zwischen dem PirSus. der Insel Cbio» und Smyrna zu besorgen und war für den Heim- Iransport griechischer Flückitlinge ans von den Kemalisten bedrohien Dörfern in Kleinasien bestimmt. Es muß mit einer großen Zahl von Opfern gerechnet werden. Dienstag, den 14. Juni: Anolchuß fstr Ardeitcrwohlfahrt. 6 Uhr im Zugendheim, Lrnbenftr. 8, 2. Hof, 3 Treppen. Erörterungsabend für Sazialbeomtinncn. Tagesordnung:„Die Aufgaben unserer Sozialbeomtinnen beim Aufbau der Bohliahrtsackbett'. Reierentinnen: Frau Wroncki und Hedwig Wachenhetm. Freie Ausivrache. lZl.«bt. Ri-d-rlchonhausrn. T.i Uhr bei Bergmann, Elchenstr. 12. Thema: „Unsere Freiheitsdichter". Res. Max Schütte. 13. Abt. Mittwoch, den 18. Juni, Ausflug nach Sadowa(Waldschänke Kaffee- kochen). Treffpunkt Bahnhof Iannowißbrücke mittag» llh Uhr. Arbeitersport. «rbeiter-ZSaffersvort-Verband. Der Gedanke der Zentralisation nimmt endlich durch den einmütigen Beschluß de» Verbands lages des Ar. beilcr-Wasseriport-Verbandc? in Jena geeignete Formen an. Die Richt- linicn sind aus dem DerbandStage des Arbeiter-Turn» und SportbundcS mit großem Beifall und rinstimmlg angenommen worden. Es ist nun Slufgabe der Mitglieder des?IWV., dieic zu lanktionieren, welches bis M. Juni durch eine llrabstimmüng in den rinzelnen Bereit, en geschehen muß. Die Urabstimmung geschieht durch Eintragung in Asten, die die Vorstände der Vereine auflegen müssen; die Mitglieder trage« ihren Namen peisönlich ein niit dem Bemerken: ja oder nein. Im Interesse deS ADV. werden die Mitglieder gebeten, die Juninummer des.Freien DafsersportS" fleißig zu lesen. Die BereinSvorstänbe werden aufgesardert, Beriamm- lungen einzuberufen und die Nichtlimen zu diskulieren, damtt Klarheit ge- schassen wird m unseren Rethen. Darum aui, ihr Sport genossen des ASV., zur Urabstimmung für die Einheitsfront deS Arbeiter-spoitbundet! Gefchästüche Mitteilungen. Am Mittwoch morgen NM 8 Nhr beginnt der 4-Toge.Berkauf dp« El. Ado». Er bietet: Kleidung vorzüglichster Verarbeitung und seinen SefchviackS in großer Preiswürdiglett. ..18.80 8p0rti»Ill5«»o» weiü f»- tzMtraftora Zephir... Morgenjackc«m h«--q druck tern WoodutoH., _-tu weißem Frottd. Kock etoti,. T 79- Dirndl-IClciJ*iu h»,_q druckten! W»»ehsto(k», o 77— ....,»uo hodmckecn» Kleid Voll..... 125- Scidcnsioffe Schantunfsiseide, roh oder gefärbt. 80 cm... Meter Baotaeide so�f'�Meter 54— —- in romiieh. Streif en /• q Paillette 88 an.. Meter OO.-' .- bell-od. dunVel�e- roulard mustert, 90 cm Mtr. O Kunst« eidene Trikotstoffe Lorhitz. 140 cm•. Meter 155— Tagkemd mit Lantfett«. 19.50 _..mit Stickerei f)/- 1 aghemd und Lanfettc~ Bemkleid mit Lugette. 19.50 Vvrci'l?er Unterrock mit-_ breitem Sticker, daß sich nach dieser niedrigsten Notierung ihre Bewertung im Monat Mai bis auf 12 Proz. erhiihte und bis zum Jahresende wieder auf 8 Proz. zurückging. Diese Schwankungen bieten einen Maßstab für den weitgehenden Einfluß, den das Aue» land als Besitzer von Milliarden an Roten und Guthaben unserer Währung auf unsere Wirtschaft gewonnen hat. Deutschland war in den ersten Monaten des Jahres 1920 der große Meßplatz für die Käufe aller Länder, bis die überall eintretende Absatzstockung auch bei uns die Produk» tion hemmte. Die Wirksingen dieser Arisis sind noch uicht überwunden. Die durch die Valuta-Verhältnisse vermehrten Zusammen- hänge ausländischer Interessen mit dem deutschen Wir!» schoitslcben haben das Maß der Verantwortung, die den Leitern unserer Unternehmungen obliegt, außerordentlich gesteigert. Der Kampf gegen die Ueberfremdung ist nicht nur nötig zur Wahrung unserer wirtschaftlichen Unabhängig- keit, sondern auch zum Schutz der Lebenshaltung aller der- jenigen, die als Angestellte und Arbeiter in unseren Berg- werken und Fabriken tätig sind. Eine Anzahl Unternehmer hat ihre Stellung durch völligen Zusammenschluß ihrer Werke oder im Wege der Interessengemeinschaft zu stärken gesucht und Organisationen geschaffen, die unsere Wirtschaft- liche Grundlage festigen sollen: zum Teil sind Zusammen- schlllsse durch Auskauf von Aktienmehrheiten bewirkt war- den. Diese Vorgänge sind von Neugründungen und um- fangreichen Erhöhungen de» Aktienkapitals der in Betracht kommenden Unternehmungen begleitet gewesen. Neben ihnen haben die Verteuerung aller Anschasfungen, die Er- höhung der Löhne, die Notwendigkeit, die Betriebsmittel zu verstärken, in solchem Umfange zu Kapitalvcrmchrunqen beigetragen, daß das Akticnkapit»! aller deutschen Gesell- schaften, das Ende 1013 rund 17 000 Millionen Mark betrug, bis zum Schluß des Jahres 1920 auf rund 30 000 Millionen Mark gestiegen war und zurzeit auf mehr al» 35000 Rillio- neu Mark zu schätzen ist. Die geschilderte Entwicklung hat in hohem Grade zu der außerordentlichen, von sehr erheblichen KurserHöHungcn begleiteten Lebhaftigkeit des Marktes der Jndustrie-Aktien beigetragen. In erster Linie jedoch ist diese Bcwegun« durch die fortschreitende Umstellung unserer Wirtschaft auf die neuen Verhältnisse verursacht worden. Die Inflation mit ihrer Begleiterscheinung, der Entwertung unseres Geldes, hat unseren alten Wertmesser zerstört. Die Papier- mark aber, die an ihr« Stelle getreten ist, kann, solange ibre Stabilität nicht erreicht ist, die Goldmark als zuver- lässigen Wertmesser nicht ersehen. Sie bleibt vorerst auf der einen Seite notwendiges Geldbeschaffungsmittel für den Staat, solange die Steuercingänge nicht ausreichen und die Verhältnisse die Aufnahme einer Anleihe nicht gestatten, auf der anderen Seite Epekulationsobjekt für die ganze Welt. Die Folge ist eine Unstetigkeit unserer Währung, unter der Handel und Verkehr außerordentlich leiden. Die Preisbildung aller Waren ist ganz unregelmäßig, soweit nicht behördliche Einwirkungen, wie bei der Festsetzung der Gctreidepreise, beim Niederhalten der Mieten, eine illnst- liche Stetigkeit erzwingen. Es sind daher alle Bergleiche der Umsätze, Gewinncrgebnisse und Dividenden unserer Aktiengesellschaflen mit den Ziffern der Vorkriegszeit ver- wirrend. Die zunehmenden Ziffern von Umsatz und Ge- winn erwecken den Eindruck von Prosperität, während in Wirklichkeit der Umsatz, in Worenmengen ausgedrückt, sehr erheblich gesunken ist, und die Kaufkraft der verteilten höheren Gewinne nur einen geringen Bruchteil der Kauf- kraft der frühcrew Erträgnisse darstellt� Es wird ferner nicht scharf genug beachtet, daß die zu Goldmarkpreiscn einstehenden Anlagen industrieller Unternehmungen nach und nach aufgebraucht werden, und daß es Raubbau an unserer Wirtschaft treiben heißt, wenn der Absatz nicht Ueberschstsse läßt, die die Instandhaltung der alten Anlagen und den Auswand für die zur Sicherung der Leistung». fähigkeit unentbehrlichen neuen Einrichtungen zu den heuti- gen in P-Piermark ausgedrückten Preisen gestatten. Dar- über hinaus muß aber auch ein« angemessene Kapitalrente bleiben: ohne eine solche würbe die Bereitwilligkeit des Publikums, seine verfügbaren Mittel weiter in Aktien an- zulegen, gehemmt und die jetzt mehr al» je notwendige Fort- «ntwicklung unserer Industrie unterbunden werden. Die Dividendenpolitik der Unternehmungen wird diesen Gesichts- Punkt zu berücksichtigen haben. Der Aktienbesitz ist in Deutschland in der Hauptsache nicht IN den Händen des Großkapitals, er verteilt sich vielmehr auf sehr breite Schichten der Bevölkerung, die daran nur festhalten können, wenn er ihnen einen auskömmlichen Ertrag bringt. Nach unseren Feststellungen über die Verteilung der Atiien un- serer Bank kann auf den einzelnen Aktionär durchschnitt- lich ein Besitz von nicht mehr al, 00 M. Nennwert ange- nommen werden. Der den Aktionären zukommende Ge- winnanteil spielt im übrigen gegenüber den durch Steuern, Verteuerung aller Anschasfungen, hohe Löhn«, Gehälter usw. außerordentlich gestiegenen Handlungsunkosten eine viel unter- geordnetere Rolle, al, gewöhnlich angenommen wird. Bei un« betrugen die gesamten Handlung»unkosten lStO 125 Pro». 1914 1915 1916 1917 1918 140 118 136 159 252 1919 412 1920 725 der al» Dividende verteilten Summe«, der vorgeschlagenen Dividende. Gemäß Beschluß der Kcncralvcrsammlunq vom 29. Ro- »ember vorigen Jahre, ist das Grundkapital unserer Bank durch die Ausgabe von 125 900 000 M. Aktien auf 400 000 000 Mark erhöht worden. Di« neuen Aktien sind bis auf«inen verhältnismäßig kleinen Detrag von 14 600 000 M. bereits für das Jahr 1920 voll dividendenberechtigt. Im Zu- sammenhang Mi» dieser Kapitalerhöhung hat dieselde Generalversammlung bi, Fusion mit drei un» nahestehenden Instituten, der Hannoverschen Dank, der Brau»- schweizer Privatbank A.-G. und der Privat- dank zu Gotha, deschlvssen, sowie ferner Vorschläge der Verwaltung genehmigt, durch die die Beziehungen zu zwei weiteren uns eng befreundeten Banken, nämlich der Bürttcmbergifchen Lerein-dank und der Hildesheimer Bank, noch inniger gestaltet worden find. Sämtliche Beschlüsse sind in der Zwischenzeit voll. ständig durchgeführt worden.___ Der Ertrag der„Dauernden B« t e i l i g n n g« n und«ommandtten enthält die für 191» vereinnahmten Diot- denden auf unseren Besitz an Aktie« der Deutschen Treuhand-Gcsell- schaft(15 Pro,)(für 1920 15 Proz,) der Deutsche» Ueberseeischen Dan! (6 Pro,, für 1918)( der Deutschen Vereinsbank(6Prz,)( der EssenerEredit-Anstalt(SProz)( der Hannoverschen Bant(8 Proz.) der Hildesheimer Bank(9 Pro,,)( der Mecklenhurg.Hvpotbeken- und Wechfeidont(15 Pro»)( ber Riederlausitzer Bank(9 Pro,,)( der Oldenburaitchen Spar- und» Leih-Bonk(10 Proz)( der Osnabrücker Bank(8 Pro,,)( nur IfTH Proz. eingezahlt waren, hie Bollzahliing geleistet worden ist, und daß wir Kommanditisten der Bankfirma Hermann Paderstei» in Bielefeld geworden lind. Schließlich sind 6 Millionen Mark Aktien des E l b c r- felder Bankvereins als dauernder Besitz über- nommen worden, Unsere Niederlassungen haben durchweg mit gutem Erfolg gearbeitet. Di- Bilar.zzahlen unserer aus- ländifchen Filialen in Brüssel, Konstantinopel, London und Sofia haben wir diesmal nach deren Ausweisen vom 31. Dezember 1920 in unseren Abschluß eingestellt. Die Bank hat gegenwärtig 133 Niederlassungen außer- halb Berlins. Die Eröffnung der Filialen in M a g d e- bürg, Negensburg und Amsterdam steht un- mittelbar bevor. Di« Zahl der bei der Deutschen Bank geführten K n n- benrechnungen jst von 601 921 aus 738 869 am Ende des Berichtsjahres gestiegen. Die persönlichen Aufwendungen für Misere Angestellten haben gegenüber unserer im letzten Sefchs-• beruht angeführten Schätzung durch den am 5. Oktober 1929 noch langwierigen Verhandlungen zum Abschluß gelangten ersten Reichstarisvertrag für das deutsche Bankgewerbe eine unerwartete Erhöhung erfahre». Wenn wir unter Berücksichtigung der im Frühjahr 1929 freiwillig erfolgten Neuregelung der Bezüge und der im Anschluß daran gewährten desonderen Teue- rnngszulagen mit einer Belastung in etwa doppelter Höhe aegcn das Vorfahr rechneten, fo stellt sich der Auf- wand infolge Einführung des Tarifs, eines darüber binaus noch freiwillig gewährten Zuschlag» zur Weih- nachtsgratifiiation und der Mchreinstcllung vo» Arbeitskräften auf»inen Betrag, welcher unsere Annahme bei weitem übertrifft und gegen die Belastung von 1919 in Wirklichkeit ein Mehrfaches darstellt. Buch die Berlänac- Hing de, Tarifvertrages über den 31. Dezember 1920 hinaus brackie den Banken neue Lasten in Höbe von mindestens 20 Proz. des tariflichen Einkommens. Die weiteren Ein- kommens-Erhöhungen, die den Banken durch de» Schieds- fpruch vom 28. April d. I. für den Fall der Berlängerung des Tarifs über den 31. März 1921 hinaus auferlegt werden sollten, haben sie abgelehnt. Di« Z a hl d e r A n q« st e I l t e n der Bank hat gegen- über dem Stand von 1919 eine wesentliche Erhöhung er- fahren»nd beläust sich Ende 1929 auf 17 808. Wegen der Busdehnung des Geschäfts, vornehmlich aber wegen der ständig zunehmenden Belastung de, Banlbetriehe, 1 mit verwaltungstcchnifchen Arbeiten infolge ber Gefetz- ! gebung ist ein« durch die Bermchruna des Personal, bc- i dinate Vergrößerung der Räumlichkeiten erforderlich ge- worden. Es mußten in Berlin und on den Filialvistzen Ankäufe von Gebäuden und Reubauie» zu wefenllich ge- steiaerieti Preisen vorgenommen werden. Zu diesem Zu- wachs sind die Gebäude der Hannoverschen Bank, der Braun- schweiger Privatbank und der Privatbank zu Gotha hinzu- gekommen. Die für da» Konto„G e b ä u d gemochten Aufwendungen sind zum überwiegenden Teil abgeschrieben worden. Unser Borschlag, aus dem Reingewinn des Jahres 1920 weiter« 7 640 000 M. für Abschreibungen zu verwenden, g-schiebt in der Abstcht, den Buchwert der Gebäude ln der bisherigen Höhe zu belassen. Für Stenern und Abgaben hatten wir ein- schließlich der Rücklage für flin-bogensteuer.67 357 906,76 M. zu erlegen gegen 25 059 847,20 M. im Boriahre. Die von un» für Rechnung de» Deutschen Reiche» und ber Reichsbank im Aii-I-nd übernvmenen Bcrvflichtungen haben sich erheblich vermindert. Eil b-li-f-n sich Ends des Jahre» 1929 auf 17» 284 990 M. und sind im laufenden Jahre weiter zurückgegangen.. Unsere Unternehmungen in der Petrv- leumiudustrie baden im vergangenen Jahr« grund- legende Umgesi-ltuna-» erfahren. Die«oiitrolle übe: die rumänische«ktienaefellschaft Steaua Roman- ist an ein rumänisch-englifch-französtsche, Kans-rimm übergegangen. Damit ist die Deutsche P e t r o I e u m- A k t i- n- Gesellschaft endgültig ans einem Unternehmen aus- geschieden, da, unter deutscher Führung zu hoher Blüte ge- langt ist und sowohl der rumänischeu wie der deutschen Wirtschaft groß« Dienste««leistet hat. Die Deutsche Petro- leum-Aktien-Gesellschafi ist entschlossen, soweit die Verhält- Nisse es g-st-tten, die für ein großes Land unerläßliche De- teiligung an der Petroleumindustrie in angemessenem Um- fange wiederzugewinnen, hat ober angesichts der schon im Vorjahre auch in der Petrolcumindustrie der Welt bemerk. bar gewordenen Ueberproduktion vorgezogen, mit neuen Investitionen nur langsom vorzugehen. Inzwifchen ha. die Gesellschaft sich durch die Erhöhung igre, Aktienkapitals von 35 auf 100 Millionen Mark-in- breiter« Dans geschaffen. Die im Ausland« erzielten Gewinne ermöglichten es, für da« Geschäftsjahr 1919/20 sowie für ein kurzes.Zwischen. geschäftsjahr, für welches bereits das erhöhte Aktienkapital dividendenberechtigt war, ein« Dividende von je 30 Proz. auszuschütten.. Der Bayerische Lloyd Schiffahrt I-Ak- tiengesellschaft hat während de- abarlauf-nen Jahre» wieder belangreiche Transporte durchführen tön- nen, obwohl die Verhällnisse auf der Donau im ganzen noch w-nig geklärt sind.. Es ist zu hoffen, daß die von dem Bayerischen Lloyd auf deutschen Wersten lediglich illr Bedürfnisse der heimischen Wirtsibast a-baut-n Schiff- ihm auch weiter belassen werden. Die Gesellschaft hat neuer- ding, ihr Kapital von 16 auf 32 Millionen Mark erhöht. Ueber da» Schicksal mancher uns nahestehender Aus- landsunternehmung«» ist noch nicht entschieden. Di. T-mvelhofer Feld Äktt.ngeseN- kibaft für Grundstücksverwertung in Berlin mußte den größeren Teil ihre, Baugelöndes für Siedelungs- zwecke zugunsten von«riegsteilnehmtrn zur Verfügung stellen. Dadurch hat der Vertrag der Gesellschaft mit dem Fiskus ein« grundlegend« B-rönderung erfahren. Da» �lktienkapital wurde, da die Aufgaben der«efellfckait nun- mehr llark eingeschränkt find, von 20 auf 12)h Millionen �'"unsere Vemeinschaftgeschäste sind in dem bei unseren Stellen erhältlichen Berichie namentlich aufgeführt. Unser« enthielt am Jahresschlüsse Vier 5ffenil. Volksversammlungen Berlin«x. So: verlin O, 10. am Montag, den IZ.Innl, abend» 7V. Ahr, in Molnm-isterflraste 15 l verlin 3t, 39. Gem. Sch,, Mtillerstrnste 159, Ecke Triftstr. Gem-Sch., Petersburger Strohe 4 i Aen«»ln. Avalgymnastnm, Salfer.Friedrich.Skrah« A«:%mmm fterBeißnecMrefonn! MMW MreattioMe SAwezerueM? AnfchNehend Divknfsioa.— Referenten sind namhafte Sladlnerordnete und Schalreformer. vrolekorier, denkt an Eure Schulzeit zurück. Was ist Euch die Schule alles schuldig geblieben?— Prolet-ri-r-Itern. kämpft um das Glück Eurer Kinder!— Elternbeiräte, lut Eure Pflicht!— Es laden ein die Arbeilsgemeirifchafl fozialdem. Lehrer(O-lsgr. Verl in). Freie Lehrergewer.schafi lvrlsgr. verliot» NMeMMNöeitmelliM Verwaltungsstelle Berlin:: 31 54, Liuienftrnste 83—55 Geschöktszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm 4 lihr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. AM! delegierte m GenerMrimlnlling! Laut Beschluß der Ortsverwaltung sollen vom 15. bl» 27. Znni die Wah>k5rperoersammlungen stattfinden. Da sich die Drucklegung der Anträge verzögert hat, können dieselben erst vom Mittwoch, den 15. Inn-, ad ausgegeben werben, Die Ausgabe erfolgt ini Zimmer 3 am Mittwoch,»on vormittags 9 Uhr bis 6 Uhr nachmittags und an den fotgende» Tagen in den Bureaustunden von 9 vi» 4 Uhr. 91/18 Sie Orlsvorwolkuag. 30 Proz. vorgeschl.) IlProz/ 10 Pro,,) l«-,-. Proz.) 10 Pro,,) 10 Pro,,) 8 Proz) noch nicht bekannt) der Piälziichcn Dank(7 Pro,) der Privatbank zuGotho(7>/,Prz,i der RheinischenEreditbanI(7Prz.)(,«och nicht bekannt) der Württemdergischen Vereins- dank(7 Proz)(, 8 Proz) Die Dividende der Deutschen Ueberseeischen Bank für das Jahr 1919 in Höhe von 39 Proz, ist erst In 1921 verrechnet worden. Die Bank hat auch im abgc- laufenen Jahre recht befriedigend gearbeitet und dürste vor- ausflchtlich wiederum 30 Proz. verteilen. Obwohl der Besitz an Aktien der Hannoverschen Bank und der Privatbank zu Gotha weggefallen ist, hat sich der Betrag der„Dauernden Beteiligungen" Im Vergleich zum Kontos am End- de» Jahres 1919 um un- gefabr 23 Millionen Mark dadurch erhöht, daß fast alle Banken, an denen wir durch Aktienbestß beteili-t sind, Kavilalvermehrungen vorgenommen haben, und die auf iinferen Anteil eutfallendeu juiigen Aktien von uns de- zogen worden sind,Uv Kflehe mit Eafuuea-...... M. 571 B.slchtijume lokasadt Bels@ry L«tlinR«er Str. 67. Untftlrrb«lelben, SnphUi«, frisch»nd ocraltft, bei Männern U. Frauen: ohne Botufeftlinrnn. Öeilbetfaljrtn übet 20 Jahre bewährt durch Ytmdecfe©«heilte.— 6ptcch. u.«ehonblunqsjeit: fl— 1, 1—7'/,, Sonntag: 9—1.— öeilanffalt f. eleltto- phyfi'. imb Licht-Therapie» unb Sohit-ineiloerfahrcn. Set:in SO 18, Srlidenttr. 10b(»hf. Iannomrtzbt.).| Prof. Dr. med. P. Mistelsky, Ar,<. spprob. Im Auslande, v, d. deutsch. 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Herr Sigmund Braun und sein juristischer Kompagnon, Dr. Hermann, hat» ten es verstanden, mit dem Reichsarbeitsministerium Verbindungen anzuknüpfen, dort 25 Millionen Mark locker zu machen, mit denen beide nun auf ihre Weise die Warenverbilligung gewerbsmäßig be» trieben. Braun und Dr. Hermann spannten die Gewerkschaften aller Richtungen vor ihren Wagen, was ihnen nach monatelangen Ber» Handlungen gelungen war, indem sie z. B. den freien Gewerkschaften androhten, sich sonst nur einer Kontrolle der christlichen zu unter- stellen und umgekehrt. Braun und Dr. Hermann hielten hernach sich möglichst im Hintergrund und betrieben ihre Reklame unter dem Namen der Gewerkschaften. Mit der Unterschrist„Berliner Gewert- schastskommission" verteilten Braun und Dr. Hermann u. a. folgende Zettel: „Arbeiter und Angestellte Berlins! Eure Not an Ober- unB Unterbekleidung zu lindern und gleichzeitig euren Kollegen der Bekleidungsindustrie Arbeit zu schaffen, ohne daß die Unternehmer die üblichen Gewinne dabei erzielen, hat der Allgemeine Deutsche Ge- werkschaftsbund Kleidung und Wäsche aller Art unter seiner Kontrolle herstellen lassen.,,* Die Angabe, daß ble durch Herrn Braun gelieferten Waren unter der Kontrolle der Gewerkschaften hergestellt werden, ist natürlich falsch. Sie wird auch nicht dadurch bewiesen, wenn Herr Braun etwa behaupten sollte, es würden den Gewerkschaftsvertretern Preiskaltu- lationen vorgelegt. Mit solchen Kalkulationen kann man wohl kleinen Kindern, nicht aber erwachsenen Menschen imponieren. Am aller- wenigsten jetzt, nachdem am 24. März 1921 die Unternehmerzeitschrift „Konfektionär" ausgeplaudert hat:„Ein großer sächsischer Fabrikan- tenverband hat unlängst die Einführung einer Mindestkalkulation für seine Mitglieder beschlossen. Das bedeutet, daß jede Fabrik bei ihren Angeboten einen für alle Betriebe gleichmäßig festgelegten Kalküls- tionssatz nicht unterschreiten darf." Also von einer Kontrolle über die Herren Braun und Hermann kann keine Rede sein. Die Waren- Versorgungsstelle deutscher Gewerkschaften sorgt allerdings dafür, daß die Unternehmer nicht die üblichen Gewinne dabei erzielen. Sie hat es nämlich dahin gebracht, daß die Unternehmer mehr als die üblichen Gewinne erzielen. Infolge ihrer guten Verbindungen mit dem Reichs- arbeitsministerium haben Braun und Hermann die Zusage erhalten, daß. wenn die Gewerkschaften, die den Unternehmern ihre Waren zu hohen Preisen abgenommen haben, diese nicht loswerden, dann das Reichsarbeitsmintsterium aus Reichsmitteln den Konjunkturverlust trägt. Das ist auch tatsächlich geschehen. Nachdem sich im Februar, März und April 1921 herausgestellt hatte, daß die Preis« der Waren- Versorgungsstelle deutscher Gewerkschaften höher waren als im Privat- Handel, setzte sie diese herab. Den so entstandenen Konjunkturverlust hat das Reich übernommen, das für diesen Zweck zunächst 10 Mil- lionen Mark ausgeworfen hat. Im Geschäftsleben muh sonst dos Unternehmertum den Konjunkturverlust selbst tragen. Die Textil- Unternehmer, die mit Braun und Hermann in Verbindung stehen, haben das nicht notwendig, well— wie gesagt— das Reich diese Verluste übernimmt. Das Reich hat indes keine unerschöpftiche Geld- kiste, aus der es diese Verluste decken kann, sondern diese Verluste werden den Konsumenten durch direkte, in der Hauptsach« aber durch indirekte Steuern aufgezwungen. Außerdem hatten Braun und Her- mann aussichtsreiche Verhandlungen angeknüpft, von der Umsatz- steuer befreit zu werden. Demgegenüber sei folgendes festgestellt: Der Reichskredik von 25 Millionen Mark ist nicht den Herren Siegmund Braun und Dr. Hermann» sondern den Gewerkschaften aller Richtungen eingeräumt wor» den, die damit die von ihnen gekauften und in ihrem Austrag angefertigten Waren bezahlen. Herr Braun, unter besten Namen die Firma in das Handelsregister eingetragen wurde, ist den Gewerkschaften gegenüber der Einkäufer, weil er Kaufmann ist, und zur Beurteilung, ob eine Ware qualitativ gut oder gering ist, Sachkenntnis gehört. Herr Braun kann aber nicht nach Belieben große Posten von Waren kaufen, die ihm die Gewerkschaften dann abnehmen müssen, sondern er hat nur dafür zu sorgen, daß die täglich eingehenden Bestellungen möglichst schnell erledigt werden. Die Kontrollkommission hat das Recht, durch Entziehung des Ver- trauens HerrnBraun zum Rücktritt zu veranlassen und die Firma zu löschen. Die Kontrolle der Fabrikanten, die für die Warenversorgungsstelle Austräge bekommen, besteht darin, daß sie beim Abschluß des Kaufvertrags folgende Bedingungen anzuerkennen haben: 1. Der Kaufpreis deckt sich mit der zum Abschluß obigen Kaufvertrags vorgelegten Kalkulation. 2. Auf Verlangen sind dem Käufer zum Nachweis über die Kalkulation die Belege über die Zusammensetzung der Kalkulation vorzulegen. 3. Der Verkäufer verpflichtet sich, in die Kalkulation nur die tarif' mäßigen Löhne einzusetzen und auf Verlangen auch den Nachweis über die Bezahlung der tarifmäßigen Löhne zu führen. 4. Der Verkäufer verpflichtet sich, den Vertreter einer der deutschen Gewerkschaften als Beauftragter des Käufers anzuerkennen und ihm auf Verlangen eine Kontrolle über die in 1 bis S eingegan- genen Verpflichtungen zu ermöglichen, sowie die Abnahme der gekauften Waren durch ihn vornehmen zu lasten. Es wäre den Konsumvereinen sehr zu empfehlen, die in diesen Ge- nostenschaften organisierte Macht der Verbraucher den Fabrikanten gegenüber viel mehr, als dies bis jetzt geschehen ist, in ähnlicher Weise auszunutzen. Zu bemerken ist ferner noch, daß Arbeiterproduktivgenossen- schaften und von Gewerkschaften errichtete Betriebe von der Waren- Versorgungsstelle ebenfalls zu Lieferungen herangezogen werden. Daß die Unternehmer als Lieferanten der Warenversorgung mehr als die üblichen Gewinne erzielen, ist eine Behauptung.des Herrn Lange, für die er nicht den Schatten eines Beweises erbracht hat. Daß im Februar, März und April dieses Jahres, wie in allen Ge- schäften, so auch in der Warenversorgungsstelle deutscher Gewerkschaften die Preise für»inen Teil der Waren herabgesetzt worden sind, ist richtig: aber doch nicht deshalb, weil sie zu teuer eingekauft waren, sondern«eil die Tagespreise im allgemeinen gefallen waren. Diese Senkung der Preis« hatte ihre Ursache in dem Preissturz der Baumwolle. \ Nun ist in dem mit dem Reich abgeschlossenen Vertrag vorgesehen. daß die durch die veränderte Marktlage bedingte Herabsetzung der Waren- preise der Warenversorgung deutscher Gewerkschaften entstehenden Ver- luste bis zur Höhe von zehn Millionen Mark aus dem Fonds für produk- tive Erwerbslosenfürforge getragen werden. Wenn Herr Lange, ebenso wie die Händler, dies als eine Belastung der Steuerzahler dezeichnet, so ist das Geschmacksache. Dann ist nach seiner Anschauung jede Ausgabe aus dem Fonds für produktive Erwerbslosenfürsorge, einschließlich der Arbeitslosenunterstützung, eine solche Belastung, also auch die Notstands- arbeiten der Gemeinden, die Zuschüsse für Siedlungen und Instand-� setzungen von Wohnungen. Dann fällt darunter auch die Verbilligung der Manufakturwaren, welche die Großeinkaufsgesellschast deutscher Kon- sumoerein« von den Textilfabrikanten in Gera übernommen hoben, sowie die aus Mitteln des Reichs verbilligten Schuhwaren von den Fabrikanten in Pirmasens. Dagegen gehen jedoch die Forderungen der Gewerkschaften aber dahin, den Abbau der Erwerbslosenfürsorge durch Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für die Erwerbslosen zu fördern und zu diesem Zweck Darlehen und Zuschüste aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge zu be- willigen. Auf diesen Grundsatz ist die Warenversorgungsstelle deutscher Gewerts6)asten aufgebaut. Der Unterschied zwischen der Warenvertei- lung und dem Handel soll darin bestehen, daß im ersteren Fall die Waren zum genau kalkulierten Fabrikpreis mit einem geringen Auftchlag für die durch die Verteilung entstehenden Kosten an die Verbraucher ab- gegeben werden sollen. Das ist aber nur möglich, wenn das Risiko der Preisschwankungen und speziell das Risiko der Valutadifterenz nicht mit einkalkuliert zu werden braucht, sondern vom Reich getragen und dies- bezügliche Verluste aus dem Fonds für produktive Erwerbslosenfürsorge gedeckt werden. Denn gerade das Risiko der Valutaschwankungen hat alle Fabrikanten und Händler, einschließlich der Genossenschaften, gezwungen bzw. veranlaßt, die Waren mit einem Aufschlag zu belasten und sie dadurch noch mehr zu verteuern. Die schnelle Entwicklung der Warenversorgungsstelle deutscher Ge- werkschaften zeigt am besten, daß die Konsumvereine ebenfalls andere Wege einschlagen sollten, anstatt sich über die Konturrenz gewerkschaftlicher � Unternehmungen zu beschweren. Vor Gründung der Warenoersorgungsstelle deutscher Gewerkschaften haben Besprechungen mit Vertretern des Zentralverbonbes und der Groß- e.ntaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine stattgefunden, deren Er- gebnis der Genosse Graßmann in folgenden Sätzen zusammenfaßte: L Die Vertreter der Gewerkschaften sind einstimmig der Auffastung, daß auf dem Gebiet der Kleiderbeschaffung etwas geschehen muß. 2, Die Genossenschoftsvertreter erklären sich bereit, den hier erörterten Plan im engeren Kreise gründlich zu beraten und zu prüfen. 3. Mit der Regierung sollen Verhandlungen eingeleitet werden über die Frag« einer eventuellen finanziellen Unterstützung des Projekts und über die weitere Frage der Sicherstellung der Konsum- genossenschaften vor Reueingrifsen. Daraus sind dann aber nicht nur Wochen, fvndern Monate ver- gangen, ohne daß dem Vorstand des Allgenzeinen Deutschen Gewerk- fchaftsbundes irgendeine Nachricht zugegangen ist, so daß inzwischen die jetzt so stark bekämpfte Gründung der Warenversorgungsstelle erfolgt ist. Es besteht auch heute noch nicht die Absicht, die Konsumvereine zu bekämpfen oder die Gewerkschaftsmitglieder von dem Eintritt in dieselben sernzuhatten. Wenn die Mitglieder der Gewerkschaften in den Konsum- vereinen ebenso gut oder noch bester bedient werden wie in den Vertei» lungsstellen der Warenoersorgungsstelle, so wird das für die Genossen- schaften eine größere Wirkung ausüben, als alle Angriffe auf gewerk- schastliche oder andere Konturrenzunternehmen und auf die in denselben tätigen leitenden Personen. Uns scheint aber eine Umstellung zur schnelle- ren Entwicklung der Konsumvereine dringend notwendig zu sein, um den Mitgliedern bei ihrem Einkauf in dieser schweren Zeit sichtbare Vorteile bieten zu können. Der Reichskredit. t»ie auch die Zuschüsse aus dem Fonds für die produktive Erwerbslosenfürsorge müssen den Konsumvereinen ebenfalls zur Verbilligung der Waren zur Ver- fügung gestellt werden» so daß die Warenversorgung durch die Gewerkschaften überflüssig wird. Der Bezug von verbilligter Ober- und Unterkleidung, Textil- und Schuhwaren muß der großen Masse der Gewerkschaftsmitglieder durch die Konsumverein« möglich gemacht werden. So wie bei der Gründung der Hamburger„Pro- duttion" das Ziel der Eigenproduktion in den Vordergrund gestellt wurde, müßte auch in diesem Falle die Verbilligung der Waren als Ziel vorangestellt werden, dann würde eine Ueberleitung der Warenversor- gungsstelle deutscher Gewerkschaften an die Konsumvereine möglich sein. Geschieht dies nicht, dann ist jede Kritik an der durch die Gewerkschaften den Konsumvereinen entstandenen unliebsamen Konkurrenz, ohne den Derbrauchern einen Weg zu zeigen, wie es anders gemacht werden kann. zwecklos und wird dieselbe infolgedessen unbeachtet bleiben. Die KontrollkommilQon des Allgemeinen Deuifchcn Gewerkfchaftskundes E Warenversorgungsstelle deutscher Gewerkschaften "s/i ytiar.!-- jt-'-ri-'.>p.'■* >�s.' .v<6- Arbeiter und Angestellte Berlins! Als Orisausschufe des Allgemeinen Deutsdren Gewerkschaftsbundes hat die Berliner Gewerkschaftskommission die Versorgung der Arbeiterschaft und Angestellten Berlins mit Kleidung/ Wäsche und Schuhwaren in die Hand genommen./ Die Waren gelangen zur Verteilung: MiiiliMUVMiililWMfilMi....................................... ............................. ■ v.v'A- 5t»'- ."7,.. c/.;. � _;_:_________ Am Comcniusplatz 4> Gitschiner Strafe 19 Für Arbeiter aller Gasanstalten Schneiderei-Genossenschaft „Hoffnung", Berlin N, Brunnensir. 185 Spandau, Friedrichstr., Ecke Adienbergsir. Karlshorst, Waldsiedlung Hegemeisterweg 54 Potsdam, Alexandrinenstr. 4 Zimmerstrafje 58 SchastianstraHc 57/35 Betriebswerkstättc des Schneiderverbandes Engelufer 20 ß T ransportarbeiterverband Charitestrahe 5, A.E.G. Konsumverein Schönhauser Allee 173 Eingang Schwedter Strafee Reichsdruckerei, Oranienstr.91 Nur für Arbeiter des Betriebes mmmmmmm Berliner Gewerkschafiskommissioh LA: Sabath Die Ware kann in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends besichtigt und gekauft werden. 12. verbanöstag öer Holzarbeiter. Hamburg, den S. Juni 1S21. Zum Punkt„Lohn- und Vertragsbewegungen", dcr in geschlossener Sitzung behandelt wurde, gab Schleicher(Vor- stand) in großen Zügen ein Bild der äußerst umfangreichen Lohn- bewegungen der beiden letzten Jahre, dann des Verlaufs der zcn- traten Verhandlungen über den Reichsmanteltarif und der bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen. Deren Schwierigkeiten entstehen hauptsächlich aus der Uneinigkeit unter den Arbeitgeberorgani- fationen. Der Arbeitgeberschutzverband— bisher wichtigster Vertragspartner— hat in der Reichsbcrufsfachgruppe nicht mehr die ausschlaggebende Bedeutung. Die im Erfurter Kartell vereinigten Verbände, besonders Sächsischer Verband und Rheinijch-Westfälischer Tischlerinnungsverband, suchen ihrem abweichenden Standpunkt energisch Geltung zu verschaffen. Dazu kommen die Berliner Ver- bände, die zur Verlängerung der Verhandlungen besonders bei- trugen. Jetzt sind die Paeth und Kükelhaus, die an den zentralen Verhandlungen tellnahmen, im Begriff, den Reichsbund des Tischler- aewerbes ins Leben zu rufen. Diese Gründung steht offenbor mit den Verhandlungen im Zusammenhang. Strittig blieben bei ihnen hauptsächlich noch die Bestimungen über die Entlassung von Arbeitern bei Arbeilsmangel, die nach der cholzarbeiterverbands-Forderung erst erfolgen darf, wenn vorher die Arbeitszeit verkürzt wurde; ferner die Forderung, daß die bestehenden besseren Bedingungen durch den neuen Vertrag nicht verschlechtert werden dürfen. Nunmehr hat das Reichsarbeitsministerium eingegriffen und zum 13. Juli die Parteien zu Verhandlungen geladen. Sollten sie scheitern, so erwartet der Vorstand, daß die Kollegen mit allen ge» werkschaftlichen Kampfmiteln für ihre Forderungen eintreten und hinter dem Vorstand stehen.(Lebhafter Beifall.) Da mm er(Derbandsvorstand) als zweiter Referent befchäf- tigte sich mit den Lohnbewegungen in den verschiedenen anderen Branchen.(Die große Tarifbcwegung, über die der Vorredner be- riästete, erstreckt sich hauptfächlich auf die Tischler und einige ihrer Abzweigungen.) In vielen der kleinen Branchen ist die Erringung günstiger Arbeitsbedingungen sehr erschwert durch die starke Deschäfkigung angelernter und ungelernter. vor allem auch weiblicher Arbeitskräfte. Auch Heimarbeit hat in einzelnen Branchen sehr große Bedeutung. Es bestehen jetzt R e i ch s t a r i f e für Bürsten-, Pinsel-, Blei- stift-, Knopf- und Stockindustrie. Der im April 1920 abgeschlossene Reichstarif"für die Korkindustrie gilt heute schon nicht mehr; ebenso blieb der Reichstarif für die Klavierindustrie unerneuert. Redner schildert die Schwierigkeiten des Abschlusses der einzelnen Verträge; daß nun trotz der Tarifverträge nicht Verschlechterungen der Ar- beitsbedingungen durchgeführt werden, kann nur durch größte Wach- famkeit der Kollegen verhütet werden.— Kommt der Reichsmanteltarif zustande, durfte auch die Unterstellung der Klavierindustrie unter ihn erfolgen. In anderen Branchen hat die Abneigung der Unternehmer da« Zustandekommen von Reichstarifen verhindert. Aber keme Branche könne berechtigtcrwelfe den Vorwurf erheben, daß vom Verband nichts für sie getan«erd«. In sogenannten g»- mischten Betrieben finden die Bemühungen des Verbandes zur Der- befferung der Arbeitsbedingungen oft nicht die wünschenswerte Unterstützung bei den Angehörigen anderer Berufe. Bei Meinungs- Verschiedenheiten mit anderen Verbänden wegen der Zugehörigkeit einzelner Berufsgruppen werde der Verband die Entscheidung des ADGB. abwarten. Die Einrichtung eines besonderen Ressorts für die Neinen Branchen im Verbandsvorstond hat sich als sehr nützlich erwiesen. Unter den für die kleinen Branchen abgeschlossenen Ver- träge zählen 34312 Beschäftigte, darunter 14 382 weibliche. Der Vorstand werde alles tun, den Wünschen der Kollegen gerecht zu werden.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurde unter anderem ausgeführt, daß die Kollegen in den Betrieben streng an den Errungenschaften festhalten müßten; die Mafchinenarbeiter seien bisher Stiefkinder gewesen. Ihre Fachausweise seien nicht ein Ausfluß des Zunftgeistes, sondern ein Mittel zur Bekämpfung der Unfallgefahren. Die Maschinen- a r b e i t e r müßten als gleichberechtigt anerkannt werden. Die un- günstigen Verhältnisse der Sägereiarbeiter seien hauptsächlich durch die starke Beschäftigung Ungelernter verursacht. Man müsse an die Hilfe der gelernten Kollegen appellieren. Der Lohnunterschied zwischen Gelernten und Ungelernten dürfe nicht zu groß sein. Die Unternehmer, und nicht nur die in Ostpreußen, suchen die Löhne ab- zubauen. Dem müsse man entgegentreten. Der Entlohnung der Arbeiterinnen sei mehr Aufmerksamkeit zu widmen— gleicher Lohn für gleiche Leistung. In der Fürthcc Industrie lägen die Verhältnisse ganz außer- ordentlich ungünstig. Weshalb solle sich der Reichsmanteltarif nicht auf Kistenmacher und Politurleistenarbeiter erstrecken? Di« tägliche Ar- beitszelt dürfe unter keinen Umständen auf mehr als 8 Stunden ver- längert werden. Für die in Rheinland-Westfalen im Lohn immer besser gestellt gewesenen Maschinenschreiner müsse ein um 20 Proz. Höherer Lohn als für die Bankschreiner verlangt werden. Gegen die Lohn- und Achtstundenlag-Abbauversuche müsse das Schwert des Generalstreiks scharf gehalten werden. Gegen fernere Versuche des Metallarbeiterverbandes, den Holzarbeiterver- band in gemischten Betrieben von Verhandlungen auszuschalten, müsse man sich energisch wehren. Der Heimarbeit in der Korkindustrie müsse große Beachtung geschenkt werden. B o e s e und Dorn- Berlin ersuchten, die bisherige Bewe- gungsfreiheit dcr Berliner in Lohnbewegungen nicht einzuschränken. Sie� und noch andere Redner(Meyer-�Nürnberg, L e i st n e r- Zwickau, Menzel- Höchst) empfahlen, die bisherigen Verhand- lungsergebnisse als unzureichend zu bezeichnen. In der Abstimmung wurde folgende von den Referenten einge- reichte Resolution angenommen: Lohn- und Derkragsbewegung. „Der Verbandstag erneuert seine früheren Beschlüsse über die Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch Abschluß von Tarifverträgen. Er erblickt in dem Ausbau und in der Zusammen- fassung der seitherigen örtlichen, bezirtlichen und beruflichen Ver- träge zu Landes- und Reichstarifverträgen für absehbare Zeit einen geeigneten Weg, zu einem einheitlichen Vertragsrecht für die Ar- beiterfchaft der gesamten deutschen Holzindustrie zu kommen. Beim Abschluß künftiger Verträge ist auch fernerhin ein besserer Ausbau der Arbeiterferien, die Regelung des Lehrlingswesens und die Erweiterung des Mitbestimmungsrechts der Arbeiterschaft in den Betrieben in den Vordergrund zu stellen. Besonders in den kleinen Betrieben muß überall die Schaffung einer Betriebsvertretung mit den gleichen Befugnissen gefordert werden, die das Betriebsräte- gefetz der gesetzlichen Ärbeitervertretung übertragen hat. Der Derbandstag protestiert gegen die endlose Verschleppung der zentralen Verhandlungen über die Erneuerung des Reichsvertrages für das deutsche Holzge- werbe durch die Arbeitgeberverbände. Er billigt die Haltung der Arbeitnehmervertreter bei diesen Verhandlungen. Die vorliegenden Verhandlungsresultate stellen, wenn die noch ausstehenden Punkte im Sinne der Arbeitnehmeroorschläge erledigt werden, ein Mindest- maß für das Zustandekommen des Reichsmantelvertrages dar. Jede Verschlechterung dieser Verhandlungsergebnisse lehnt der Ver- bandstaa entschieden ab. Sofern der letzte Versuch, die VerHand- lungen durch Vermittlung des Reichsarbeitsministeriums zu einem ftiedlichen Ende zu führen, an dem Widerstand der Arbeltgeber scheitern sollte, sind die deutschen Holzarbeiter gewillt, ihre Forde- rungen mit allen gewerkschasMchen Mitteln in die Tat umzusetzen." Eine Reihe von weiteren Anträgen fand Annahme, welche be- sagen, jeden Unternehmerversuch, den Achtstundentag zu durchbrechen, mit aller Schärf« zurückzuweisen, auch den Versuch, den Achtstunden- tag dadurch zu durchbrechen, daß bei Kurzarbeit die Dochenstunden aus wenige Wochen zusammengelegt würden; tariflich für Betriebe mit weniger als 3 Befchafligten ebeniall»«ine Vertretung nach dem Betriebsrätegesetz zu schaffen; tariflich die Verpflichtung der Unter- nehmer zur Versicherung der Werkzeuge der Arbeitnehmer gegen Feuersgefahr nach dem jeweiligen Geldwert festzulegen; in Gemein» ichv-t mit dem Metallarbeiterverband einen Reichstarif für die Waggonindustris zu schaffen. Dem Borstand zur Berücksichtigung überwiesen wurde: tarifliche Festlegung der Bezahlung aller auf einen Wochentag fallenden ge- setzlichen Feiertage sowie die Bezahlung der Karenztage durch den Arbeitgeber für unfallbetrofsene Maschinenarbeiter zu erwirken. Ferner: Schaffung eines Reichstarifs für die Sägewerks-, für die Schuhleistenindustrie und für die Korbmacher anzustreben, sowie bei der Teilnahme an- den Städtetonserenzen abwechselnd auch die kleinen Städte zu berücksichtigen. Durch ein Sympathie-Telegramm übermittelte der Verbands- tag den seit 28 Wochen im Abwehrkampf stehenden Werft- arbeitern Englands Grüße und Wünsche auf vollen Erfolg. Darauf wurde, ohne daß erneut in eine Debatte eingetreten wurde, der zurückgestellte Punkt„Betriebsräte" wieder auf- genommen und nach einem Schlußwort des Referenten Jahn, in dem er sich polemisch gegen verschiedenes in der Diskussion Borge- brachte wandte, im übrigen aber der Kritik über die Unzulänglichkeit des Gesetzes vollständig beipflichtete, eine entsprechende Resolution des Referenten einstimmig angenommen, in der von den gesetz- gebenden Körperschaften die beschleunigte Verabschiedung einer Novelle zum Detriebsrätegeseh gefordert wird, weiter aber die Ausgaben der Betriebsräte um- schrieben werden. Der Verbandstag lehnt die selbständigen, zumeist aus parteipolitischen Gründen gebildeten Räteorganisationen ab und tritt dem Beschlüsse des 1. Gewerkschaftlichen Betriebsrätekongresses bei, die Betriebsräte innerhalb der Gewerkschaften organisatorisch zu, erfassen.. Dem Vorstand wurde noch aufgegeben, mehr finanzielle Mittel zu Bildungszwecken für Betriebs- und Wirtschaftsräte aufzuwenden; außerdem soll das Referat Jahns den Kollsgen gedruckt als Bro- schüre zugängig gemacht werden. Dann trat der Verbandstag in die Behandlung des Punktes „Gewerkschaftliche Zeit- und Streitfragen" ein. eingeleitet durch ein Referat Tornows. Gewerkschaftsversammlungen. ZcntralvcrSlmd dcr Angcftcllter. Mitglicdcrdersaimnlungen Montaa. Zi<,a- rellen mduittre:"H Uhr„MuMerfSle". Naiscr-Wilbelm-Str. St.— tarnten» lailcn-Betufafienoffenfiiaften: 4 Uhr Lchrcrverclnsbaus Alexnnderstr. 4v/4l. Tcmsihlr Transportaricltcrdcrbnnd. Scrricdrriitc, Ardciicrräic. Bcirirlic. «hleute aller Sektwncn! Montan 7 Uhr BoUversainmlnnn Gcwerks»astsh. Donnerstag 8 Uhr in den..Arminsülen", Kommandanlenstr. 58/29. Mil- gltederverfainmlung. Tagesordnung:„Die Beveniimg des Tarisivesens für unser Gewerbe." Rescrent Genosse Liebenow. 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Wieviel schwerer würde es aber erst noch sein, neue Flugplätze entstehen zu lassen, wenn infolge der Vernichtung der Luftfahrzeugfabri- fotion und des Luftverkehrs die heute unter großen Opfern geschaffenen Flugplätze aufgegeben werden und jeder Anreiz zur Schaffung neuer Flugplätze dahin wäre. Wenn die Luft- fahrt zu existieren aufhört, so verschwinden in Kürze natürlich auch die Flugplätze, die zum größten Teil aus reinem Idealis- mus von städtischen Verwaltungen im Hinblick auf die Zu- kunftshoffnung der deutschen Luftfahrt geschaffen wurden. Ge- lingt es, dem Luftfahrzeugbau über die nächsten schweren Uebergangszeiten hinwegzuhelfen, so werden auch die Flug- platze der Gefahr entzogen werden, als solche zu verschwinden. Dann wird auch der Idealismus und Optimismus, der ohne Hnsfnung auf Gewinn die Flugplätze schuf, trotz ihrer Un- renta'. ilität zu weiteren Opfern bereit sein. Wels mahnt Zrantreich. Der„Petit Parisien' verössentlicht eine Unterredung seines Korrespondenten mit Otto Wels, der betonte, die Republik in Deutschland sei das Friedensunterpfond. Der Wille zur Entwaff- nung sei der Beweis dafür. Republikaner und Sozialisten der Entente müßten das verstehen und die deutschen Republikaner und Sozialisten unter st ützen. Wenn am 30. Juni die Entwaffnung durchgeführt sei, dann werde Frankreich einen neuen Beweis des guten deutschen Willens haben und dann wäre es gut, wenn man sich entschließen würde, die Sanktionen aufzuheben, die nach dem Mißerfolg der Verhandlungen in London durchgeführt war- den sind. Jede Lösung, die in Oberschlesien nicht Rücksicht auf die Volksabstimmung nehme, würde der deutschen Reaktion Trümpfe verschaffen und würde, ohne daß das wieder gutzumachen wäre, die Loge derjenigen Parteien kompromittieren, die sich bereit er- klärt haben, das Ultimatum auszuführen. Korfantps Gesehe! Die Regierung der Insurgenten hat jetzt eine Schulreform in Angriff genommenl Deutsche Eltern, die deutschen Unterricht für ihre Kinder wünschen, müssen dies sofort dem Schulleiter anzeigen, andernfalls nehmen die Kinder ohne wcüeres am polnischen und deutschen Unterricht teil. Es soll ein rein polnisches und ein rein deussches Schulsystem eingerichtet werden. Reue Lesebücher sind in Vorbereitung. Deutsthpreußische Geschichte ist verboten. An ihre Stelle tritt sofort die Geschichte Oberschlesiens und im Zusammenhang damit die polnische Geschichte. Die alte Schulbehörde wird als abgesetzt und die preußischen Verfügungen als ungültig erklärt. Jeder zweisprachige Leiter darf sich im Verkehr Mit den Schülern nur der polnischen Sprache bedienen. Lehrer, die sich den Anordnungen nicht fügen, werden sofort entlassen. Die deutsche Fahrkartenverteuerung läßt auch Korfanty gelten. Io dem von den Insurgenten besetzten Gebiet werden die Be- wahner durch Androhung schwerer Strafen gezwungen, die polnische weiß-rote flagge zu hissen. Sind die Straßen dann geflaggt, so erscheinen Photographen, um Aufnahmen zu machen, die dem Ausland«, der JK. und den neu- traten Pressevertretern als Beweis für die polnische G e s i n- nung Oberschlesiens dienen sollen. So prangen BIsmorckhütte und Zalenze seit den letzten Togen in den weih-roten Farben. Beide weist, fährt nach einer der südlichsten Städte des Reiches. Dann zahlt er in der 3. Klasse Schnellzug z. B. nach Lindau am Bodensee 170 M., nach Freiburq i. Br. 174 M., nach Konstanz 182 M. Nimmt er auf seine Reise im Gepäckwagen ein Gepäckstück mit, dessen Gewicht seiner Körperfülle gleichkommt, also auch Iii Zentner wiegt, lo mub«r dafür entsprechend dem neuen Gepäcktaris in jedem Falle 193 M. bezahlen. Voraussetzung ist allerdings, daß er nicht als Kriegsaewinnler 2. oder 1. Klasse fährt. In diesem Falle steht er in der Wertschätzung durch die Eisenbahnverwaltung höher nls sein Gepäck und muß für seine Person mehr blechen als für seine Rohrplattenkoffer. Sächsische Gemütlichkeit. In Gundorf— so erzählte ein Mit- erbeiter des Leipziger„Drachen'— hatte ich die Außenbahn be- stiegen. Ich stehe auf der Hinteren Plattform eines Sonderwagens rhne Anhänger. Die Menschenmasse quetscht mich in«ine Ecke. Der Schaffner schwitzt vom Knipsen. Ich vom Gcquetschtwerden. In Leutzsch hält der Wagen. Niemand steigt ein. Niemand steigt aus. Der Schaffner ist fertig mit Knipsen und klingest ab. Der Wagen rührt sich nicht vom Flecks.„Vielleicht ist die Sicherung durch", denke ich. Jetzt wird der Schaffner ungeduldig, zieht heftig am Klingelslrong und beugt sich sodann zum Perron hinaus. Der Wagen steht immer noch. Das Antlitz des Schaffners überzieht sich mit Lächeln. Der Wagen rollt endlich weiter.„Was war's?" Der Schaffner gibt die Erklärung ab:„Mei Gollehje iss eenzj. Läßt enne Frau obschdeijn, weil dehr ihr Gleenr emmeahl mußde. Nu > iss« widdr druff."_ Grillparzer zur Weltloge. Die Entente- Kommission über Oberschlesien. Hans soll sidh de« Schlagen« enthalten, Und Kunz seine Schläge behalten: Dock wird er auf« neue geschlagen, So soll er von neuem klagen. Berliner Tante-Feier� Am 8. Juli, vormittag« II1/, Uhr, wird vor geladenem Publikum in der S t a a t« o v e r eine Dante-Feirr zur Erinne- rung an den SOOjäbrigen Todestag de« Dichter« mit folgendem Programm stattfinden: Palcstrina, Motette■ Tu e« Pelru«. Ansprache: Adolf ». Harnack. Gabriel!, Sonate silr Streich- und Blasorchester. Ge- dSchtnisrede: Ernst T r o« l t l ch. P. Nicolai, CholaI: Wachet auf, ruft un« die Stimme sin rhythmischer Form für iechSnimmigcn Chor, Orgel und Blasorchester gcleht von Geoig Schumann), Emil P i r ch a n wird lür die geier den Bübnenrabmen enlwerfen. Prof, Georg Schumann leitet unter Mitwirkung de« Cyore« der Singakademie den mustkaiifchen Teil der Feier. Am Montag, dem 4. Juli, wird im Knvferstich-Kabinett eine Ausstellung von Dante-Illnftratlonsn aller Zellen, u. a. der im preuhlichen StaaiSbesth befindlichen Originalzeichnnugen B o t t i c e l l i S zur„Göttlichen Komödie', durch eine Festrede von Prof. Dr. Ostac Fisch el eröffnet werden. Grobe« Tchanlviclhan«. Die Erstailffübrrma von Gerhart Sauptmann«.Webern' findet Montag, dcu 20 Juni, statt. Die Oauplrollcn find beseht mit den jccrrni Krau«. Ticrerlc. Bäicher. Kampcr«, Wallouer, Pabst, Ritter, Ncmetz, Richard. Schweikart und den Damen Eber»), Pagah, Duval, Stein, Burger. Regie: Karlheinz Martin. Orte haben bei der Abstimmung eine große deutsche Mehrheit ergeben. Folgende Verordnung ist ergangen: Vervrdnuug! Es wird hiermit verordnet, daß alle Aufschriften und F i r- m e n s ch i l d e r der Kaufleute, die in deutscher Sprache geschrie- ben sind, bis zum 87. Juni in die polnische umgeändert wer- den müssen. Das ist zu tun auf rotem Untergrund mst weißer Ausschrist. Wer sich dieser obigen Verordnung widersetzt, wird bestraft mit 5000 bis 10 000 M. Geldstrafe oder mit drei Monaten Gefängnis. Neudorf, 8. K. 1921. gez. Waclawczyk, Platzkommandant. Das Fernsprechamt TarnowitzistvonHaller-Soldaten besetzt, die den Fernsprechverkehr streng überwachen und jede Per- bindung nach außerhalb verhindern. Etwa 200 Deutsche sind fest. genommen und zum Teil sehr schwer mißhandelt worden. Einzelheiten sind bis zur Stunde nicht zu erhalten. Die Insurgentenbehörden haben der Gemeinde Laurahütte ein Ullimatum gestellt, daß sie bis zum 10. Juni ein« Nachmessung aller dienstfähigen Leute der Jahrgänge 1892 bis 1901 einzureichen habe. Die„Oberschlesssche Morgenzeitung' in kattowitz ist neuerdings auf acht Tage verboten worden, angeblich wegen einer unrichtigen Nachricht über die Zurückziehung von Besatzungstruppen. — Die Einbrüche und Räubereien in Kattowitz nehmen von Tag zu Tag größeren Umfang an, wobei die grüne Apouniform benutzt wird. Im Südpark sind von den Ausständischen mehrere Ge- schütze und Minenwerfer aufgebaut worden. Das Ausheben von Schützengräben im Südpark dauert an. Im Stadtteil Bogutfchütz steht ein Panzerauto, das nach allen Seiten hin den Patrouillen- dienst wahrnimmt. Ter englische Vormarsch. Oppeln, 11. Juni. lWTB.) Englische Truppen haben bei Ujest die Orte Niesdrowitsch, Rudzinitz und Latscha besetzt. Die polnische Kampftätigkeit hat heute wieder zugenommen. Im Kresse Oppeln wurden fünf deutsche Freiwillige bei Zamoscie östlich Malapane überfallen, zwei wurden verschleppt, die verstümmetten Leichen der drei übrigen sind aufgesunden worden. Im Kreise Broß-Strehlitz ist in der Gegend von Stubendorf ein polnischer Angriff im Gange. Italienischer Parlamentsbeginn. Rom, 11. Juni.(WTB.) In seiner Thronrede begrüßte der König die Vertreter der zurückgewonneneu Gebiete(die zum Teil niemals italienisch waren, wie Deutschsüdttrol, dessen Abgeordnete mit faszistischen Attentaten bedroht sind. Red.). Er fügte hinzu. daß Italiens äußere Politik sich in loyaler Weife bemühen wird. die Gegensätze der Leidenschaften und Interessen zu mildern. in dem steten Streben nach Aufschwung des italienischen Voltes, das im Bewußtsein semer moralsschen Gesundheit und seiner Stärke erkennt, daß es nur auf den geraden und sicheren Pfaden wahrhaften Friedens, die es in frei gewähltem Entschluß be- schritten hat, das Gedeihen finden wird, auf da« ihm feine blutigen Opfer von gestern und feine zähe Arbeit von morgen ein Anrecht geben. Die Sozialisten. Rom, 11. Juni.(EP) Die sozialistische Kammergruppe beteiligt sich nicht an der feierlichen Eröffnung de» Parlaments. Ueber die Haltung der Regierung wurde in der Fraktton keine Der- ftändigung erziell. Die gemäßigten Führer Turati und Bal» defi sind trotz der grundsätzlichen Bekämpfung des Kabinetts Giolltti einer gelegentlichen Mitwirkung in der Regierung nicht ab- geneigt, um dem Proletariat darzutun, daß die Kammergruppe sich nicht nur auf Kritik beschränkt, sondern sich auch praktisch betätigt.. � • Der italienische Beamten streik ist beendet, die Regierung hat eine allgemeine Gehaltserhöhung bewilligt. Der Moskauer Kongreß. Am heutigen Sonntag beginnt in Moskau der dritte Kongreß der Kommunistischen Internationale(KI.). ES ist wohl eine Frage der Regie, ob der scharf« Gegensatz zwischen Radek-Trotzky und dem .Revisionisten' Lenin mit seinem viel größeren Anhang offen zutage- lreten wird. Der.Osterpreß' läßt sich auS HelfingforS mslden, daß die Radikalen wieder einmal eine internationale Aktion be- antragen wollen: da werden sich die Pöhner und Horthy aller Länder freuen. Sinowjew soll erkrankt sein und man redet davon, daß Rädel ihn als Pulschgeneralisfimus ersetzen soll. Kein Rheinstaat von Gntente Gnaden! Köln. 11. 3unL(D.A.) Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei des Rheinlandes erklärt ihre Zustimung zu der Entschließung der anderen politischen Parteien des Rheinlandes gegen jede Volks- abstimmung auf Grund des Artikels 18 der Reichsoerfassung(Er- richtung neuer Bundesstaten), auch nach Ablauf der Sperrfrist, so- lange das Rheinland von den Alliierten besetzt ist. Ramöohr freigesprochen. Im Prozeß Romdohr vor dem Kriegsgericht in Leipzig wurde Sonnabend nachmittag 1 Uhr das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde freigesprochen und die Kosten des Verfahrens der Reichskasse auferlegt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Begründung sagt u. a.: Der Angeklagte war dringend verdächtig, sugendssche Personen, um sie zu einem Geständnisse zu bringen, mißhandelt zu haben. Das ist ein durch§ 343 RStGB. mit'chwerer Strafe be- drohtes Verbrechen. Aber ein ausreichender Beweis für einen be- stimmten Einzelfall ist nicht erbracht. Ein Teil der Zeugen- aussagen konnte ja dazu führen, eine gewiss« W-hrscheinlichkeit für die Beschuldigung anzunehmen, aber gerade die Gleichmäßigkeit der Beschuldigungen und der Umstand, daß verschiedene Zeugen bewußt unwahr ausgesagt und Vorgänge geschildert haben, die erwiesenermaßen nicht vor- gekommen sind, mußte dazu führen, die Feststellung eines straf- baren Tatbestandes als ausgeschlossen erscheinen zu lassen. Die Glaubwürdigkeit der vernommenen Zeugen ist insofern aus ein bestimmtes Maß zurückgegangen. Die Angaben der Zeugen haben keine Unterstützung gefunden, auch nicht durch die hier vernommenen glaubwürdigen belgischen Aerzie. Ob die angeblichen Mißhandlun- gen durch den Angeklagten oder sonst jemand begangen worden sind, war nicht festzustellen. Andererseits haben glaubwürdige deutsch« Zeugen bekundet, daß sie niemals Mißhandlungen bemerkt haben, und der Zeuge Schwartz hat ausgesagt, daß Klagen ihm gegenüber nicht vorgebracht worden sind. Es kann deshalb angenommen wer- den, daß RUßhandlungen erheblicher Ark nicht stattgefunden haben.' Das Gericht hat die verschiedenen Angaben der Zeugen bis ikl die kleinsten Einzelheiten nachgeprüft, kann aber nicht einen be» stimmte», konkretisierten Vorfall feststellen, der unter den§ 343 fällt. Es genügt nicht, daß der Angeklagte geschlagen hat, sondern es muß geschehen sein im Sinne des§ 343. Scheidet dieses Verbrechen aus, fo kann die weitere Anklage, daß er die Zeugen widerrechtlich der Freiheit beraubt habe, nicht als erwiesen angeschen werden. Objektiv war er zur Festnahme auch der Strafunmündigen bercch» tigt, wenn er durch diese Festnahme weitere Straftaten ver» hindern wollte. Daß diese Absicht den Angeklagten leitete, ist nicht zu widerlegen. Jedenfalls war er fest davon durchdrungen. daß er bsfugterweise handelte, wenn er die Jugendlichen festnahm und sie zur Ablieferung an die zuständige Behörde festhielt. Er hat mit dem Zeugen Schwartz darüber gesprochen, ebenso mit dem Zeugen Gaßner: er ist von diesen Herren in seiner Auffassung nicht korrigiert worden. Es ist deshalb erwiesen, daß der Angeklagte pflichkmäßig zu handeln glaubte. Ob aus der unberechtigten Fesselung und der an sich gerechtfertigten Festnahme der Tatbestand des ß 341 hergeleitet werden kann, mag dahingestellt bleiben. Es handelte sich um die Festnahme sugend« licher und sehr beweglicher Personen, und ez war natürlich, daß der Angeklagte es für erforderlich hielt, sie in dieser Weise am Entweichen zu verhindern. Eine absichtliche Verzögerung der Angelegenheit mit dem Bewußtsein, daß die Dauer der fjoft dadurch verlängert werde, ist nicht nachgewiesen. In Ermangelung eines ausreichenden Beweise« irgendwelcher strafbarer Handlungen mußte der Angeklagt« frei- gesprochen werden. ♦ Der nächste Kriegsprozeß soll erst am 29. Juni stattfinden. An- geklagt sind Major a. D. C r u s i u s aus Torgau und Generalleutnant o. D. S t e n g e r, erstem wegen angeblicher Erschießung von Gefangenen, letzterer wegen des angeblichen Befehls, kein« Gefan- genen zu machen. Diese Prozesse waren ursprünglich für die nächst« Woche in Aussicht genominen, sind aber auf Wunsch der fron. zösischen Regierung verschoben worden. Rur beurlaub!! Wir meldeten aus Halle, daß Oberst v. Hartwig von der dortigen Schutzpolizei vom Dienste suspendiert worden sei. weil er Zeitfreiwillige gegen die ausdrückliche Anordnung des Oberprästdenten und Regierungspräsidenten eingestellt habe. Wie den PPN. von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, trifft die Meldung in dieser Form nicht zu. Es ist richtig, daß gegen den Obersten v. Hartwig wegen der oben genannten Beschuldigung eine Unter- iuchung eingeleitet worden ist. Bis zur gerichtlichen Fest- stellung ist er lediglich beurlaubt. Sind Titel wirklich abgeschafft? Wie den PPN. von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat das Preußische Staatsministerium auf Antrag des Justizministers beschlossen, die bisherigen Handelsrichter zu Handelsgcrichtsräten und die stellvertretenden Handeis- richter zu H a n d e l s r i ch t« r n zu ernennen. Kampf um» verbandsbnreau. Der Führer der französsschen, Ktzthin zur Minderheit gewordenen iozioldemotratsscken Eisenbahner, Bidegaray, drang in Begleitung von 20 Personen nachts in das Haus des Essenbahnverbandes ein, entfernte drei Kommunisten, wechselte die Türschlösser und nahm mehrer« umfangreiche Pakete mit. Den Kommunisten gelang es, am. nächsten Mittag wieder in das Gebäude zu kommen, indem sie durch den Keller gingen. Sie nahmen das Inventar auf und beschuldigten Bidegaray, die Karro- thek, Schreibmalchinen und 5000 Verbandsmarken mitgenommen zu haben. Zeikuvgsverbot. Dos„Echo vom Niederrhein' ist mit seinen Kopfblättern von der Besatzungsbehörde auf drei Monate verboten worden._ Wirtschaft Der jetzt erschienene Geschäftsbericht der Devtschen Bank für de» 51. Geschäftsjahr 1920 hebt hervor, daß für dieses Jahr sine in keinem Vorjahre auch nur annähernd erreichte Steigerung der Um- sötze zu verzeichnen war. Sie beliefen sich auf 1281 L Milliarden Mark gegen 428,9 Milliarden in 1919. Die Ursach« für dieses ko- losiale Anschwellen wird darauf zurückgeführt, daß durch das Schwanken in der Bewertung der Reichsmark tiefgreifende wirt- schaftlich« Bewegungen ausgelöst wurden. Diese Schwankungen bieten einen Maßstab für den weitgehenden Einfluß, den das Aus- land als Besitzer von Milliarden an Noten und Guthaben unserer Währung aus unsere Wirtschaft gewonnen hat. Aus dem Abschluß geht hervor, daß der zur Verteilung verbleibende Ueberschuß zirka 185 Millionen beträgt. Der den Aktionären zukommende Gewinn- anteil spielt— heißt es hierzu— gegenüber den durch Steuern, Der- teuerung aller Anschaffungen, hohe Löhne und Gehälter usw. außerordentlich gestiegenen Handlungsuntosten eine viel unter- geordnetere Rolle/ als gewöhnlich angenommen wird. Be! der Deutschen Bank betrugen die gesamten Handlungsuntosten in 1913 125 Proz. der als Dividende verteilten Summen, stiegen 1919 auf 432 Proz. und erreichen in 1921 725 Proz. der vorgeschlagenen Di- vidend«. Wenn in dem Bericht die Dividendenpolitik der Aktien- gesellschaften damit begründet wird, daß der Aktienbesitz in Deutsch- land sich in der Hauptsache nicht in den Händen des Großkapitals befindet, sich vielmehr auf„sehr breite Schichten der Bevölkerung" verteilt, die nur daran festhalten können, wenn er ihnen einen aus- tömmlichen Ertrag bringt, so ist eine derartige zarte Rücksichtnahme aus die breiten Schichten natürlich erfreulich. Vielleicht erinnert die Deussche Bank ober die ihr nahestehenden industriellen Unter- nehmungen daran, daß noch viel breitere Schichten der Bevölkerung von der Preispolitik der Industrie ab- hängen, so daß eine gewisse Rücksichtnahme auch in dieser Hinsicht noch mehr am Platze wäre.— Wenn schließlich noch ausgeführt wird, daß nach Feststellungen der Bant übr die Verteilung ihrer Aktten auf den einzelnen Aktionär durchschnittlich ein Besitz von nicht mehr als 9000 M. Nennwert angenommen werden kann, so sst eine Nachprüfung dieser interessanten Angabe natürlich nicht möglich. Daß in so bretten Schichten der Bevölkerung ein Interesse gerade an Bankaktien vorhanden sei, wurde bisher allerdings nicht angenommen. Der Stand der Rlark. In der letzten Zusammenstellung war bereits angedeutet worden, daß die leichte Besserung in der Be- Wertung der Mark nach Annahme des Uttimalum« nicht von Dauer sein würde. Dementsprechend zeigt die nachstehende Tabelle ein deutlich wahrnehmbares Sinken. E« wurden bewertet: am 2t. 6. 23. 5. 8.«. 8. 6. 9. 0. 100 boll. Gulden 2132,85 2160.70 2192.80 2222,75 2240.25 1 Pfd. Sterling 287,05 242.87 247,05 251,70 254,20 1 Dollar..• 69,44 62,80 63,68 66,30 68,18 100 sranzös. Fr. 517.45 520,95 628,55 533,05 532,70 100 Schweiz. Fr. 1072,65 1098,90 1116.35 1137,35 1141,35 100 österr. Kr. abgestempelt 14,93 15,08 14.68 14.83 14,83 100 tschech. Kr. 88.15 90,50 92.90 93,40 94.— Der Rückgang erstreckt sich also auf olle Märkte, so daß der Stand gegenüber Ende Mai erbeblich verschlechtert ist. Für eine Besserung des Kurse« in der nächsten Zeil sind kaum irgendwelche Anssichieil vorhanden. Ausgedehnte Betriebsstillegungen infolge der polnischen Aurnheu. Die infolge der polnischen Unruhen abgeschnittene Kohlenzusuhr bat da» Slektrizitätswerk Schlesien gezwungen, zunächst für acht Tage den Kraflstrom zu sperren.— Dadurch sind, wie die„Deutsche Konfektion" mitteilt, etwa dreißig Großunternebmungen der schkeiifchen T e x t i l- I n d u str i e. Spinnereien, Webereien, Färbereien in den Bezirken Reichenberg, Waldenburg »vd Tannhauien zur unjleiuiilligeu Einstellung ihrer Be- i l r i e v e»crurleilt. GeVerMofisbewegung Arbeiter und flngeftellte! Zlls eines der vielen Opfer der reaktionären bayerischen Gewalt- Herrschaft ist der Arbeiterführer Gareis in heimtückischer Weise ermordet worden. Diese Tat, die den wahren Charakter der von der Orgesch gestützten Kahr-Leute zeigt, läßt erkennen, daß die mutigen Führer des Proletariats völlig schütz- und rechtlos find. Wie lange noch sollen diese Zustände andauern, die bei der Ermordung E i s n e r s zuerst in voller Deutlichkeit her- vortraten? Es wird Zeit, daß sich die gesamte organisierte Arbeit- nehmerschaft zur Wehr setzt. Dem immer unerträglicher werdenden Treiben der Reaktion, die in Bayern ihren Sammelpunkt hat, muß ein Ende gemacht werden. Arbeiter und Angestellte! Bereitet Euch für den ent» scheidenden Abwehrkampf vor! Fordert, daß die Mörder und ihre Auftraggeber zur Verantwortung gezogen, daß überall in Deutschland wirklich freiheilllche Zustände geschaffen. daß insbesondere Bersammlungs- und Preßfreiheit hergestellt und der Belagerungszustand aufgehoben werden. Arbeiter und Angestellt« Groß-Berlinsl Protestiert in voller Einmütigkell gegen die reakklonäre Schreckensherrschaft in Bayern, die mit der Sahr-Regierung verschwinden muß! Um die Einheitlichkeit nicht zu stören, haben wir von einer be- sonderen Demonstration abgesehen. Wir fordern Euch auf, Euch an den Demonstrationen der Parteien zu beteiligen. Afa-Bund, Ortskartell Groß-Berlin. Flatau. Otto. Schikor a. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Sabath. W. Relmann. vas warme herz für üie Arbeiter. Wer wollte behaupten, die Sorge um das Wohl der Ar» b e i t e r fei erheuchelt, wenn die„Deutsche Arbeitgeber» Zeitung" schreibt: „Auch unter den Arbeitern mehrt sich die Zahl derjenigen, die über und über genug haben von den„Segnungen der Re- v o l u t i o n". Wie aufrichtig ihre Sorge ist, zeigt schon der nächste Sotz:„Sie fragen sich, ob das die durch die Berfasiung oerheißende Freiheit des einzelnen bedeutet, wenn Nichtorganisierte Arbeiter von der organisierten Arbeiterschaft aus den Betrieben verjagt und womöglich noch schwer mißhandelt werden." Es ist schon richtig, das warme fjerz für die„Gelben" wird in der„Arbeit- geber-Zeitung" nimmer stillstehen. Für die tausende und aber- tausende frei organisierten Arbeiter mit ihren Familien aber, die in Deutschland monatelang arbeitslos sind, für die Kurzarbeiter, deren Einkommen auch kaum vor dem Hungern schützt, für sie hat das Scharfmacherblatt nie ein Wort übriggehabt, es fei denn eines ihrer Verdächtigung als arbeitsscheu. Trotzdem der„Arbeitgeber-Zeitung" bekannt ist, daß 1t> Proz. des Lohnes als Steuer vom Einkommen jedes Arbeiters prompt in Abzug gebracht werden und Deutschlands Finanznöte wesentlich geringer wären, wenn ebenlo prompt die Steuern von den Unternehmern eingezogen werden könnten, behauptet das edle Organ, viele Arbeiter versteuerten nur 1,3 bis 3 Proz. ihres Einkommens.„Bei dem nicht zu umgehenden Ausbau der direkten Steuern müsse daher besser zugegriffen werden. Es Müßten schärfere Unterschiede gemacht werden zwischen den Unverheirateten ober kinderlos Verheirateten und den Arbeitern, die unversorgte Kinder durchzubringen hoben. Mcht als ob diese entlastet werden sollten, vielmehr sollen die übrigen Arbeiter stärker belastet werden— um so mehr, als sie indirekte Setuern nur für ihre eigene Person zu zahlen haben. Wenn dafür das Wein- und Biertrinken, das Zigarettenrauchen und sonstige k o st s p i e l i g e Vergnügen der jüngeren Arbeiter eingeschränkt werden, so würde das durchaus im Sinne der ernsten Zeit liegen, in der wir leben." Durch solche demagogischen Wendungen sucht das Blatt seine Absicht zu bemänteln, die ganzen Steuerlasten in Gestalt in» direkter Steuern auf die Schultern der breiten Masse abzuwälzen.— Der Kapitalismus nimmt den jüngeren Arbeitern soviel an Jugendglück, daß seinen Verfechtern jedwede moralische Legitimation dazu fehlt, ihnen Enthaltsamkeit zu predi- gen. Di» nötige Erziehungsarbeit mag die„Arbeitgeber-Zeitung" ruhig Sache der Gewerkschaften sein lassen. Sie ist ja deshalb ge- schworene Feindin der Gewerkschaften, weil diese bie Arbeiterschaft mehr und mehr zu vernünftigerer Denk» und Le- b e n s w e i s« erzogen hat und sie damit widerstandsfähiger ge- macht hat gegen die kapitalistische Unterdrückung der Herr-im-Hause» Mbeiter! Parteigenossen! Denkt an de« Kampf der Gastwirtsgehilfen gegen die Wiedereinfnhrnng des Trinkgeldsystems, für feste Löhne! Gebt keine Trinkgelder! Menschen. Und eben deshalb der gelb« Gimpelfang, „das gute Herz" der„Arbeitgeber-Zeitung" für die Gelben und ihr Unwille über die sozialpolitischen Segnungen der Revolution. Hegen ökeHalle-Moskauer imMetallarbeiterverbanü. Eine Konferenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes für den Bezirk Halle, die von 71 Delegierten aus 4S Ortsgruppen be- sucht war, tagte am S. und 6. Juni in Dessau. Vom Vorstand nahm der Vorsitzende Brandes» Stuttgart t«il. In seinem Vor- trag über die Weltkrise und die Wirtschaftslage behandelte er die großen Probleme, die als Folge des Krieges in allen Ländern, oer- stärkt durch die Reparationsbedingungen in Deutschland ganz be- sonders ausgelöst worden sind. Bezirksleiter R ö ß l e r- Hall« erstattete dann einen Tätigkeits- bericht der Bezirksleitung, wobei er in erster Linie die Vorgänge in der Halleschen Ortsverwaltung, die mit den Kämpfen um die selb- ständige, von den Gewerkschaften losgelöste, wirsschaslliche Räte- organisation begannen, dann infolge der 21 Moskauer Bedingungen zur Sprengung des Verbandes in Halle geführt haben. Die Aus» spräche über diese Vorgänge war von hohem Ernst und großer Sach- lichkeit getragen. Am Schlüsse derselben wurde die folgend« Ent- schließung mit allen gegen 7 Stimmen angenommen: „... Die Konferenz billigt die Amtsentsetzung der Ortsverwaltung in Hall« sowie die bisher getroffenen Maßnahmen des Vorstandes in allen seinen Teilen. Der Vorstand hatte die Pflicht, sich der» artiger Zersetznngsarbeit energisch entgegenzustellen. Die ihres Postens enthobene Ortsverwaltung hat durch die Errichtung eines selbständigen Bureaus und der Fortführung von Verbandsge- fchäften mit eigens hergestellten Beitragsmarken und Mitglieds- büchern eine Sonderorganisation geschaffen. Die Mitglieder der Ortsverwaltung haben sich dadurch selbst außerhalb des Deutschen Metallarbeiterverbandes gestellt, so daß das schon vorher be- antragte Ausschlußverfahren durch die Ereignisse überholt ist. Da die Konferenz in dem Vorgehen der ihres Posten» ent- hobenen Ortsoerwaltung das schwerste Verbrechen an der Orga» nisation und der Arbeiterschaft erblickt, wird der Vorstand ersucht, die in Betracht kommenden Mitglieder der sogenannten Ortsver- waltung Lerchenfeldstraße für nicht wiederaufnahmefähig zu er- klären." Auch die sieben Kollegen, welche politssch zur KPD. gehören, er- klärten mit aller Deutlichkeit, daß für die Weyer und Genossen im DMV. kein Platz mehr sei, nachdem sie in derartig unverantwortlicher Weise die Organisation gesprengt hätten. Wenn sie dennoch gegen die Entschließung stimmen würden, so deshalb, weil sie eins D?» schlußfassung auf dieser Konferenz für unnötig hielten. Die Be- schlußfassung über die ganzen Vorgänge in Halle sei Sache des Der- bandstages in Jena, dem der Vorstand zweifellos das ganz« Ma- terial in dieser Sache vorlegen werde. Im letzten Teil der Konferenz besprach Brandes die Auf- gaben des kommenden Derbandstages in Jena. Der Vorstand hatte di« Absicht, auf die Tagesordnung nicht nur die üblichen geschäst- lichen Dinge zu setzen. Er wollte vielmehr durch einen hervorragen- den Volkswirt die Frage der Durchführung des Sozialisnm» oSge- mein und dessen Durchführuna in der Metallindustrie besondere behandeln lassen. Infolge der Fülle der eingegangenen Anträge ist zunächst davon Abstand genommen worden. Der Vorstand wird jedoch Vorsorge treffen, damit eine etwaige Aenderung der Tages» ordnung ohne Schwierigkeiten vorgenommen werden kann. Die zurzeit aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben würden selbst- verständlich, wenn nicht anders, so im Geschäftsbericht des Vorstandes besprochen werden. Die Konserenz zeigt, daß in diesem, früher für die Moskau« Bewegung günstigen Bezirk die Ernüchterung gekommen und die Arbeiter allgemein, die Mitglieder des Metallarbeiterverbandes insbe- fonder«, wieder den Weg zu gesunder Gewerkschaftsarbeit gefunden haben._ Die gegenwärklgen Höchstsätze der Erwerbslosenfürsorge werden entsprechend einem neuerlichen Beschluß des Reichskabmetts vor- läufig biszum31. Iulid. I. gezahlt. Die Ortsverwaltungswahl der Berlin« Eisenbahn« hatte fol- aendes Ergebnis: Abgegebene Stimmen SS7S. Davon entfielen auf Liste Schulz- Amsterdam 5094 und auf Liste Li n k e- Moskau 4324 Stimmen, ungültig waren öS7. Die Wahlbeteiligung war überaus stark und betrug 62 Proz. Wahl bei den Schuhmachern. Morgen ist die Delegierten- wähl zum Internationalen Schuhmacher- und Lederarbeit«kongreß in Wien. Pflicht aller Kollegen ist es, sich an der Wahl zu beteili- gen. Die Zahlstelle Berlin hat in ihrer Mitgliederversammlung als Kandidaten fast einstimmig den Kollegen H ö r tz aufgestellt. Die Wahllokale und die Zeit der Stimmabgabe sind folgende: Von 9 bis 1 und 3 bis 6 Uhr, Verbandsbureau. Engelufer 14/1S, von 4 bis 7 Uhr, Tröbel, Große Frankfurter Str. 47, von 4 bis 6 Uhr bei Huth, Michaelkirchstraße 29a, und bei Hummel, Sophienstr. S, von 5 bis 8 Uhr bei Henkel, Usedomstr. 18, bei Ahlburg, Neukölln, Zietenstr. S8. bei Kasper, Schiffbauerdamm, bei Wiemers, Bülowstr. S8, und bei Hoffmann, Gubener Str. S. Di« Ortsverwaltung. Tarifabkommeu im Glas- und Snamik-Großhandell D« am 21. Mai 1921 vor dem Schlichtungsausschuß Groß-Berlin getroffene Vergleich hat jetzt die endgültige Zustimmung der Unter- nehmer erhallen. Das neue Abkommen hat rückwirkende Kraft ab 1. Januar«. und schwanken die Zulagen /für die einzlnen Gruppen der Angestellten zwischen 30 M. und 75 M. Nähere Auskünfte er- teill der Zentralv«band der Angestellten, Belle-Alliance-Str. 7/19. Neue Gehallsregelung im hochbaugew«bel Am 28. Mai d. I. ist mit dem Verband der Baugeschäfte von Groß-Berlin ein Ab- kommen getroffen worden, nach welchem den kaufmännischen An- gestellten im Hochbaugewerbe mit rückwirkender Kraft ob 1. Fe- bruar«. Zulagen von 25 bis 199 M. zu zahlen sind. Firmen, die diese Nachzahlungen noch nicht geleistet haben, sind möglichst umgehend dem Zentrolverband der Angestellten, Belle- Alliance-Str. 7/19, zu melden. wegen h«absehung d« Löhne um 5 Proz. sind In einzelnen Betrieben in Malmedy Teilstreits ausgebrochen. Lerantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Veiler, Tvarlottenburg: Illr Anzeigen: T>.«locke, Berlin. Verlag: vorioSrtS-verlag®. in. b. Berlin. Druck: vor- wärtS-Buchdruckerei n. LerlagSaniialt vanl Singer«e. So.. Berlin. Lindenitr. 3. Hlerzn 3 Beilagen. Wie befreie ich mich von Rheumatismus? Rheamatismus und Qicht sind Stoffwechselkrankheiten. Das B ut ist bei diesen schmerzhaften Leiden nicht imstande, alle Schlacken, die aus dem Verbrennungsprozess des Körpers als Rückstand bleiben, hinwegzuspülen. Deshalb lagern sich diese Rückstände, besonders die schädliche Harnsäure, in den Muskeln und Gelernten ab Dort erzeugt sie die so schmerzhaften, und die Bewegung hindernden Gichtknoten oder rheumatischen Verdickungen. Sie sind nur dauernd zu beseitigen durch die Abtragung der Harnsäure- Ablagerungen. Zweckmäßig geschieht das durch die auf die alten unschädlichen und bewährten Vorschi iften des verstorbenen Dr. med. Olaf Toft zurückgreifenden Levatbof-Tabletten. 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