Kr.S74 ♦ ZS.�ohrgavg Musgabe B Nr. 735 Bezugspreis» Werteyilhrl.S0,— M�monati.«�-. 5 Abend-Ausgabe frei ins Saus, voraus zahlbar. Post» ' zug: Monatlich lo,— M. einschl. j}»- , llungsgebllhr. Unter Kreuzband filr Deulichland. Danzig. da» Eaar- und Memelaebiet, sowie die ehemal« beut» scheu Gebiete Polen». Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20.— M, filr das übrige Ausland 27,— M. Post» bestellungrn nehme» an Oesterreich. Ungarn, Tschecho• Slowakei. Dänemark, Holland, Luremburg, Schwede» und die Schweiz. Der.Vorwärts* mit der Sonntags» deilage„Volk und Reit*, der Unter» haliungsbrilage �eimwelt* und der Beilage„Siedlung und jtletngarteu* erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montag, einmal.- Telearamm-Adresse: «Sozialocmolral kZerlln- Oevliner Volksblsti (20 pksnnig) Anzrigenpret«, Dt« achrgespalicn, Vonvareilleze», tostet SLv M.Klein» Unzelgeo- da» letigedrurkte Won l,V) M(zu. lässig zwei fettgedru-kt» Worte), leb«, weiter« Morl t— M. SieUrngeluch, und Schlasstellenanzeigen da« erst, Wort v— M.|cb«, weller» Won SO Vsg Worte lider li Vuchstadeo zählen silr zwei Won«. ffamilien-Ai» »eigen für Abonnenten Ret!» i.- M Die Preis« verstehen sich einschliehliä teuerungsiulchlast Anzeigen sitr d>, nächst« tRummn müssen big 5 Uhr nachmittag, tm hauvlgeschäst. Berlin SW«d. Lindem ltrahr 2. abgegeben werben wedffnN oon 9 Ubr siith dt» b Uhr abend» V Zcntralorgan der rozialdcmokrati feben parte» Deutfcblands Reüaktion«nü Expedition: SW bS, Linöenstr. Z Gerrnitortiher' Rrdakttou Morttiplat? 15ia5— 97 Moritzplat,»l7SS—»4 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SW öS, Linüenstr. Z 2e«-n«kt,f- Verlag. Cxvebiiio» und Inseraten. «dteilnng Moritiplat) ll7SS-»« Heute S Uhr proteftüemonftration! Fort mit Kohr! Die werktätige Bevölkerung Berlins wird heute nach- mittag gegen die bayerischen Zustände demon- str ieren, und man darf annehmen, daß alle Bolkskreise, denen nicht durch reaktionären Parteifanatismus der Sinn für Gerechtigkeit und Menschlichkeit verloren gegangen ist, mit ihrem Herzen an diesen Kundgebungen teilnehmen werden. Was in Bayern vorgeht, ist ungeheuerlich. Untätig sehen die Behörden zu, wie eine verbrecherische Hetze alle fortschrittlich gerichteten Persönlichkeiten zum Freiwild macht. � Ueberfall folgt auf Ueberfall und steigert sich schließlich zum tückischen Mord im Dunkeln, aus dem Hinterhalt. Die Bs- Hörde vermag den Mörder nicht zu finden, wie ihrem Scharf- blick auch die Urheber früher minder tragisch verlaufener An- griffe entgangen sind, wie sie auch der wüstesten Aufreizung zu solchen Angriffen tatenlos gegenübergestanden hat. Aber diese selbe Behörde vermag nach der andern Seite hin doch zu zeigen, daß Bayern noch immer der von allen Reaktionären gerühmte„Orbmingsstapt" ist. Die eines jun- gen, hoffnungsvollen Führers beraubte, in ihrem Rechtsgefühl aufs tiefste getroffene Münchener Arbeiterschaft will ihrer Trauer über den Verlust, ihrer Entrüstung über den( politischen Mord Ausdruck geben: der Münchener Polizei»! Präsident Pöhner verbietet ihr alle Kundgebungen, er bedroht sie mit der Anwendung aller verfügbaren Macht- mittel, und zeigt den Ernst dieser Drohung durch kriegerische Rüstungen, die das Blut in den Adern erstarren lasten. Wer die Vorgänge des letzten Sonnabend miterlebt hat, wer gesehen hat, wie Herr Pöhner die Rohre seiner Panzer- autos und die Lanzen seiner Reiter drohend gegen eine Men- schenmenge richten ließ, die nicht die geringste Ausschreitung beging und der Aufforderung ihrer Führer, ruhig nach Hause j zu gehen, mit bewunderungswürdiger Disziplin folgte, der � mag warteipolitisch stehen, wie er wolle— wenn er ein recht- lich denkender Mensch ist, wird er für dieses System kein Wort! der Verurteilung mehr zu scharf finden. Selbst die Erlasse und Vorbereitungen eines Jagow gegen die Berliner Wahlrechts- i Versammlungen halten mit dieser Infamie der Provo- k a t i 0 n einen Vergleich nicht aus. Heute wollten sich die Münchener Arbeiter auf der The- resienwiese versammeln, um sich in geordnetem Zug nach dem Ostiriedbof zu begeben, wo die Beisetzung des Ermordeten er- folgt. Auch diese einfache Kundgebung der Trauer ist vom Polizeipräsidenten mit der landesüblichen Drohformel v e r- boten worden, und die Arbeiter werden sich nun von ge- fchlostenen Lokalen aus gruppenweise nach dem Friedhof be- geben. Es liegt auf der Hand, daß die ursprüngliche Anord- mtng, die durch das Berbot des Polizeipräsidenten durchkreuzt wurde, gerade im Intereste der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung die weitaus zweckmäßigere war, denn es ist viel leichter, die Einmischung unlauterer Elemente zu verhindern. wenn die gesamte Masse unter der Leitung ihrer Ordner bleibt, als wenn sie sich in zahlreiche, unübersichtliche Einzel- züge auflöst, die bei der begreiflichen Erbitterung der Masten viel leichter zu Zusammen st ößen führen könnten. Nicht bei den Anordnungen des Münchener Polizeipräsidenten. sondern nur bei der Disziplin der Arbeiter liegt die Hoffnung, daß der heutige Tag in München unblutig verlaufen wird. Was der in München auf die Spitze getriebene Kampf für ganz Deutschland bedeutet, das zeigt schon ein Blick in die Berliner Rechtspresse. Bon Bayern aus will die Reaktion das ganze Reich erobern, daß die Regierung Kahr- Pöhner bleibt, ist eine entscheidende Frage für alle ihre wei- teren Pläne. Darum die tendenziöse Berichterstattung, die den Streit als zusammengebrochen schildert, die wüste Stim- mungsmache gegen die Münchener Arbeiterschaft, die unter schweren Lohnopfern das letzte Mittel anwendet, um ihrer Verzweiflung über die schändlichen Zustände Ausdruck zu ge- den. die aus den Fingern gesogene Behauptung. G a r e i s fei gar nicht das Opfer eines polltischen Attentats, sondern einer Eifersuchtstragödie. Nicht das Geringste liegt vor, um diese Behauptung zu rechtfertigen. Dagegen weiß man, daß Eareis in der letzten Zeit zahlreiche Drohbriefe er- hallen hatte des Inhalts, wenn die Einwohnerwehr aufgelöst werde, dann werde er das nicht überleben. Am Tag noch dem Mord fanden viele Mitglieder der Einwohnerwehr in ihrem Briefkasten Zettel mit der Aufforderung, ihre Waffen nicht abzugeben, bereits abgegebene wieder zurückzuholen. Viel- leicht würde es sich verlohnen zu untersuchen, ob nicht zwischen dieser Aktion und dem Mord an Gareis ein Zusammenbang besteht. Aber so wenig die Münchener Polizei Zeit hat, Mör- der zu suchen, so wenig hat sie auch Zett, die Urheber von Auf- Mrbeiter, Parteigenosten! Die ruchlose Mordkat in München, ein Ausfluß des reaktionären Regierungssystems Kahr- Escherich und eine Folge der monal�langen Duldung reaktionärer Gewalttaten durch den Polizeidirektor Pöhner, hat die Entrüstung der Ar- beiterschaft in hellen Flammen emporschlagen lassen. Das bayerische Proletariat demonstriert in gewaltigen Proteststreiks gegen die Regierung Kahr, die wohl bereit ist, den gerechten Zorn der Arbeiter mit Maschinengewehren niederzuschlagen, aber weder dem Mörder noch seinen Hintermännern bisher ein Haar gekrümmt hat. Es gilt» den bayeris6)en Genossen Sympathie und Solidarität zu beweisen. Deshalb erscheint in Masten zu unseren heutigen Protestkundgebungen, di� um 5 Uhr nachmittags in folgenden Lokalen statlsindem Lehrervereitishaus, Alexanderplatz.. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee. Germaniasäle, Chansseestr. IlO. Prachtsäle des Westens, Spichernftr. 3. Kammersäle, �eltower Stratze. Kliems Festsäle, Hasenheide. Aus den Versammlungen werden die Massen in Demonstratwnszügen nach einem noch zu bestimmenden Platz marschieren und dort in gemeinsamer Schlußkundgebung den Kampf ansagen den gegenrevolutionären Mächten, denen seiger Meuchelmord ein zulässiges Kampfmittel ist. Gestaltet die Kundgebung zu einem wuchtigen und würdigen Protest. deröezirksvorftanü üer SPD. Groß-Serlin forderungen zu Ungesetzlichkeiten ausfindig zu machen, die aus Gründen der auswärtigen Politik für das ganze Reich ge- fährlich sind. Ja, es handelt sich nicht nur um Bayern, sondern es han- delt sich um das ganze Reich. Das haben die Berliner Ar- beiter klar erkannt, und es ist zu wünschen, daß diese Erkennt- ms in alle Kreise dringt, denen die Erhaltung der Republik am Herzen liegt, und die ein Sichüberschlagen der Klaffen- gegensätze in blutige Gewalttaten vermieden sehen wollen. Mögen sich auch die bürgerlichen Parteien des Ernstes der Stunde und ihrer Verantwortung bewußt sein. Sie sind in Bayern allesamt Träger und Stützen des Systems Kahr-Pöhner, sie können jetzt, nach all den Früchten, die dieses System gezeitigt hat. die Entschuldigung des Irrtums, nicht mehr filr sich geltend machen. Sie mögen dem bayerischen Generalstreik mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen, die plumpen Versuche des in Bayern ganz bedeutungslos gewordenen Kommunismus,„die Bewegung wetterzutreiben", mtt unbegründeter Sorge betrach- ten— sie werden nicht vergessen dürfen, daß es ein furchtbarer Druck war, der den Gegendruck des Generalstreiks erzeugte und daß nichts geeigneter ist, die Massen einer überradikalen Agitation.zugängllch zu machen als eben das System Kahr- Pohner. Die Anbahnung gesunder Zustände im Reich und einer Politik der Beruhigung nach außen,.wie sie die Reichsregierung will und wie sie von der Mehrhett des Reichstags gebilligt worden ist, wird immer wieder auf unübersteigbare Hindernisse stoßen, solange dieses System be- steht. Wenn wir in Berlin hier alles tun, um die Bewegung in Bayern moralisch zu»mterstützen, und wenn wir auf diese Weise wieder einmal für die Reichseinheit demon- strieren, die von dorther bedroht wird, so verkennen wir nicht, daß die Entscheidung in Bayern selb st fallen muß. Sie wird nicht fallen durch den Generalstreik, der nur dazu dienen soll, die Gewissen wachzurütteln, sie kann nur erfolgen eben durch das Erwachendes Volksgewissens, durch die alle Kreise durchdringende Erkenntnis, daß es so wie bis- her nicht weitergeht! Indem die bayerische Arbeiterschaft den Kampf gegen das System Kahr-Pöhner aufnimmt, kämpft sie für das blutig gekränkte Recht, für die freiheitliche Entwick- lung des Volkes, für den Schutz des republikanischen Staats- wesens. In diesem Sinn stimmt auch die Berliner Ar- beiterschaft in den Ruf mit ein, der heute durch ganz Bayern gellt: Fort mit Kahr! der haperische Generalstreik. Vollkommene Arbeitsrnhe in Nürnberg. Nürnberg. 1Z. 3uni. l Eigener Drahkberichi des„vorwärts".) hier ist der Streik allgemein. Tn den Großbetrieben ruht die Arbeit vollstäudlg, auch die Straßenbahn verkehrt nicht. Ucderall wird die Parole der beiden sozialistischen Parteien mit großer Einmütigkeit befolgt.(Die VüPV. hat sich viel weilergehende Ziele gesteckt als die beiden sozialistischen Parteien nnd streikt aus eigene Jaust.) Der einmütige Verlauf des Streik»» zeigt, daß die sozialistische VevStkeruug ihren Mann fleht, wenn es heißt zu demonstrieren gegen Gewalt, gegen ZNord, für Recht und Gerechtigkeit. Die Nürnberger Arbeiterschaft wirst alle Mahnungen der Stinnes und Konsorten, der Kohr nnd Escherich beiseite, obwohl diese alle Lügenregister über die VorgSnge in München und über den Generalstreik aufziehen. Es wird von bürgerlicher Seite das Märchen verbreitet, das, Gareis das Opfer der Eifersucht(!) ge- worden sei, aber dieses Märchen widerspricht der Meldung des süd- bayerischen Korrespondenzbureaus, wonach es noch immer nicht gelungen ist. von dem Täter eine Spur zu finden, geschweige denn diesen festzunehmen. Soburg. 1Z. Juni.(MTV.) Die Arbelt ruht lu fast allen Betrieben. Straßenbahn, Gas-, ClettrlzilSl»- und Wasserwerk Hegen still. Die Zeitungen sind nicht erschienen. Ganz Bayern im Streit. München. 13. Zunl.(Eigener Drchkbericht des»Vorwärt»".) Der Streit dauert hier in unverminderter Stärke fort, er hat sich auf ganz Bayern ausgedehnt, henke nachmittag werden auch die Straßenbahnen den Betrieb einstellen. Die„Pl n n ch e n e r Po st" soll unter Vorzensur gestellt werden. Pöhner hat seine Leute nach der Redaktion geschickt nnd die Vorlegung der Plattenabzüge verlangt, bevor Druck- erlaubnis erteilt wird. Die Redaktion erklärt, sich dieser Anordnung n i ch t f ü g c n zu wollm. bleibt sie bestehen, so wird die„Münchener Post" heute nicht erscheinen. Zur Teilnahme an der Bestattung des ermordeten AbgeordnetenGareiv wollten sich heule die Arbeiter auf der Iheresienwiese versammeln, um sich von dort in geordnetem Zug« nach dem Ort der Beisetzung, dem Ostfriedhos. zu begeben. Auch diesekundgebung ist vonPöhner verboten worden. Man wird sich daher in geschlossenen Lokalen versammeln und von dort gruppenweise nach dem Irledhof ziehen. Die polizeilichen Vorbereitungen sind enorw und gegen den Sonnabend womöglich noch ver stärkt worden. Die sozialdemo- tralische Parteileitung wird daher alles aufbieten, damit die heutige Trauerkundgebung in veränderten Jormen ruhig und in aller würde verläuft. Ter Streiksonutag i« München. München, 1Z. Juni(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der Streiksonnteg in München ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Die bürgerliche Presse brachte ein gemeinsames Blatt heraus, in dem sie gegen die General st reikidee Sturm lief. Das Extrablatt schreibt: Der Generalstreik ist inzwischen völlig entartet und schwer mißbraucht(!) worden. Man Hot das Recht, von einer Herabwürdigung anständiger Gefühle(l) zu sprechen und alle Streikenden darauf aufmerksam zu machen, daß sie wissen sollen, ob sie sich bewußt zum Werkzeug oon Plänen(!) machen lassen, oon denen bei Ausbruch des Streiks überhaupt keine Rede war. Dieses Extrablatt der bürgerlichen Presse und das verbok der Polizcidirekkion Pöhner. die angekündigten Monlagsverfammlungen und den Trauerzug abzuhalten, haben ein« starte Erregung in der Arbeiterschaft ausgewst. Zn Ausschreitimgen ist es aber nirgends gekommen. Das Streik�ild in München war durch die Tonntäglichkeit des Stadtbildes wesentlich verwischt. Es verkehrte ein Teil der Straßenbahn, ebenso war ein Teil derGa st statten und chotels geöffnet. Die Einheitlichkeit der Streikleitung konnte im allge- meinen aufrechterhalten werden. Am Sonntag vormittag erklärten allerdings die Kommunisten, daß sie weiterhin mit der politischen Streikleitung nicht zusammenarbeiten könnten, weil die Sozialdemokratie die Geschlossenheit der Bewe- gung durch ihr„ständiges Nachgeben(!) gegenüber der Polizei- direktion" gefährde. Abends um g Uhr jedoch erklärten sie, daß sie wieder bereit wären, in die Streikleitung einzutreten. Auf das Verbot für der Montag angekündigten Veranstaltungen durch die Polizeidirektion versuchte die Streikleitung, abends 6 Uhr beim Ministerpräsidenten Kohr vorzusprechen, ch e r r Kahr ließ sich jedoch verleugnen. Daraufhin begab sie sich zum Polizeipräsidenten P ö h n e r. Dieser äußerte, er wäre durch das Programm von Massenversammlungen und einer großen Traucrkundgebung„überrascht" worden. Der Generalstreik sei„nicht notwendig" gewesen. Der Impuls der Massen wäre„nicht vorhanden"(!) gewesen. Das Verbot sollte den Ar- beitcrn, die gegen den Streik seien, das Rückgrat stärken. Seine Handlungsweise würde vollkommen gedeckt werden durch das Ministerium des Innern und die Staalsregierung. Er habe kein Bedürfnis, den 7. November 1318 zu revidieren. Er wolle keine Neuauflage von Eisners Begräbnis, hierauf machte ihn Unterleitner auf die ungeheuer ernste'Lage und die Erbitterung aufmerksam, welche die Arbeiterschaft nach Bekanntwerden des Verbotes ergriffen hat, und ersuchte, in irgend- einer Form eine Berichtigung des erlassenen Verbotes im Fnteresis der gesamten Bevölkerung Münchens vorzunehmen. Die Sitzung verlief refultailos. Proteste gegen üen Morü. Men, 12. Juni.(MTB.) Die gestrige Sitzung des Wiener Kreisarbciterrates wurde von Dr. Adler mit einer Sympathie- kundgebung für die bayerische Arbeiterschaft eröffnet, in der er ausführte, die gemeinsame Aktion des Mllnchener Proletariats sei ein Zeichen der Hoffnung, daß auch in Deutschland die Kampf- tätigkeit des Proletariats für die Selbstbestimmung der Genossen wiederum gestärkt werde. Auf Antrag Dr. Adlers wurde ein- stimmig die Absenkung eines Telegramms an den von dem Proletariat Münchens eingesetzten gemeinsamen Ausschuß be- schlössen, in dem der kreisorbeilerrat dem klassenbewußten Proletariat Bayerns sein tiefstes Mitgefühl aus Anlaß der Ermordung des Abgeordneten Garcis ausspricht. Der Parteivorstand der österreichischen Sozialdemo- kratischen Parter sandte an die unabhängige sozialdemo- kratische Partei in München ebenfalls ein Beileidstelegramm. Frankfurt a. M.. 12. Juni.(K.) llebor das Thema:„Neues Deutschland— Neues Europa" sprach Hermann Wendel, in einer öffentlichen Volksversammlung im Schumann-Theater. Er ging in seinem Referat auch ein auf die meuchelmörderische Tat der bayerischen Reaktion. Die Versammlung nahm hierzu einstimmig eine Protestresolution an. Mstellungsbeöingungen üer Schutzpolizei. Die Sozialdemokratische Fraktion hat folgende Große An- frage der Abgeordneten Braun, heilmann, Krüger-Potsdam, Heller und Genossen im preußischen Landtag«ingebracht: Ist der Herr Minister des Innern bereit, d. Mai 1921 bei allen Schutzpolizei- beomten ein sta r k e r W i d erstand entwickelt hat? Trifft es zu, daß dieser Erlaß die ursprünglich festgesetzten Anstellungsbedingungen ausschließlich zugunsten der » Offiziere geändert hat? hat sich das R e i ch s m i n i st« r i u m des Innern mit dem Erlaß einverstanden erklärt? Das Ministerium des Innern behauptet in einer Zuschrift an uns, daß der Widerstand gegen die Anstellungsbedingungen nur von Tagores Senöung und Slenöung. Von Max Hochdorf. Tagore, der als lyrischer Dichter und Erzähler einer weichen, unterrichtenden, über alle Zeiten und Landesgrenzen gültigen Bona- lität huldigt, ist banal, weil ihm die erobernde Phantasie fehlt. Die Ereignisse in der Kinderseele, die Zustände im bürgerlichen Hause, die Verwicklungen im Gedankendrama, die er erfindet, die er um- brämt, die er andeutet, die er gestaltet sind alle ein sanftes Echo von schon vorhandenen Welten der Erfindung. Dieser Mann des Ostens hat als Träumer und dichtender Phantast einen beengten Europäerhorizont. Von den Genies seiner Heimat hat er nur historische philologische Eindrücke gewonnen, nicht aber eine un- geheuer weitertreibende Kraft des Poetischen. Sein Koxf ist dank- bar, sein Gefühl ist Ergebenheit, sein Temperament ist Abklärung, aber auch Mattigkeit. Er lebt mehr in der Predigt als in der Poesie. Er ist mehr erbaulich als schöpferisch. Da er jedoch mit weihevoller Feierlichkeit alles das pflegt, da ihm der Kampf zwischen dem Gewollten und Geformten erspart bleibt, und er in einer an- genehmen Glückseligkeit des Geistes, die zum edelsten Dilettantismus gehört, sen Werk betreibt, gefällt er allen Unruhigen, allen Ge- quällen, allen Westlichen, allen Geschäftigen, denen die Freiheit zum Alleinsein und Ruhigsein als der kostbarste Traum erscheint. Tagore hat ein Stück Leben, das uns Europäern ganz verloren ging, zu seiner Lebensform und zu seiner Kunstform gemacht. Die Würde des edlen Weltbifchofs oder des imposanten Onkels mit Propheten- monieren, das ungezwungen Priesterliche, das nicht stolziert, sondern unabhängig blüht, diese ganze bei Europäern heute so seltene Men- schenhaltuna, die sich von der Kriegerhaltung, von der Bettlerhaltung, von der Schie�erhaltung, von der Literotenhaltung und aufgedon- nerten Staatsmann- und Diplomatenhaltung unterscheidet, das ge- fällt so außerordentlich an Tagore. Und man merkt kaum, daß er einen Ueberschuß von Selbstverständlichkeit, sogar von süßlicher Ein- sali und ermüdendem Alltag ausbreitet. Die zweifelssteie, von dem Ueberfluß an Historie und von dem Mangel an Eigennatur eben herstammende hausbaSenheit und Philisterei dieses Mannes ist nicht schwer zu erkennen. Nicht um etwas Großes eigensinnig zu zerbröckeln, sondern nur. nm der Gerechtigkeit zu dienen, sagt der Beobachter, daß die Herren des Nobelpreises sthrem zaghaften, ihrem nicht jungen, ihrem der Glut des Genies behutsam ausweichenden Gemüt folgten, als sie den Gold- und Zeigefinger auf Tagore legten. Es ist unklug, lächerlich und gar nicht diskutabel, wenn Tagore mit Tolstoi vergliche» wird. In Rußland der ungeheure Gestalter wider Willen, in Bengalen der mühselige Schriftsteller, der seine Feder fleißig übt. Tagore ist Wahrheitzfreimd und Sitlenlehrer, Führer zur Weisheit, Gesährte für den Weg zu Gott. Er ist es, aber er ist es ' einer kleinen Gruppe VerNner Beamten ausging«, während die großen Verbände ihr Einverständnis erklärt hätten. Es wird ja nun Ge- legenheit fein, die Angelegenheit in voller Oeffentlichkeit vor dem Landtag nachzuprüfen. Kommuniftifchs? Zusammenbruch im Maus- feiöer Kreis. hallo a. S.. den 13. Juni.(Eigener Drahtberich« des„Vor- wärts".) Am Sonntag fanden Kreistagswahlen für den Mansfelder Seekreis statt. Sie brachten eine Wahlbeteiligung von noch nicht öl) Proz. Der Zusammenbruch der VKPD. ist katastrophal. Von 21 887 bei der letzten Preußenwahl erhalte- nen Stimmen rettete diese Partei nur b719. Nur infolge des Vor- wärtsfchreitens der anderen sozialistischen Par. t e i e n wurde eine vernichtende Niederlage der Arbeiterklasse verhindert. Es stehen jetzt im Kreistage 15 Vertreter der Linksparteien gegen 11 Vertreter der Rechten. In den Kreistag entsenden die SPD. 5, die USPD. 3, die VKPD. 7, der Vüroerblock 10 und das Zentrum 1 Abgeordneten. Bisher herrschten im Kreistage die Kommunisten mit absoluter Mehrheit. Sie verlieren von 13 Mandaten 6. Die SPD. ge- winnt 3, pis USPD. 2 und der Türgerblock 1. An Stimmen er- hielt die SPD. 4L3S, die USPD. 2334, die VKPD. 0713, die oet- einigten Bürgerlichen Listun 9560 und das Zentrum 1067. Verhandlungen Loucheur Rathenau. Paris. 13. Iuni.(MTV.) Die der Außenpoliflker des „Pclit Parificn" Philippe Millot aus Mainz berichtei, fand gestern in Wiesbaden eine Begegnung zwischen L o o ch e u r und Rathen au statt. Er bemerkt, daß diese Begegnung den Alliier- ten Regierungen mitgeteilt wurde und daß bei derselben weder über ■.ine obqxschlesische Frage, noch über die Sanktionen am Rhein ge- sprochen wurde. Paris,- Juni.(EE.) Die Unterhaltung dauerte insgesamt ö)� Stunden. Zweimal versuchte Rathenau das ober- schlefischc Problem anzuschneiden. Er wollte darlegen, daß diese Frage wirtschaftlichen Charakter habe. Wenn das Industrie- gebiet von Oberschlesien Polen zufiele, so würde Deutschland einen Kohlenmongel haben. L o u ch e u r ließ sich nach dem„Petit Porisien" nicht auf dieses Gebiet hinüberführen und er erinnerte Rathenau an die Bestimmung des Verstnllcr Friedensvertrages, der Deutschland 15 Jahre hindurch die oberschlesische Kohlenlieferung durch Polen stchÄe. Zudem sei dies eine politische Frage, und er habe nicht die Aufgabe, über solche zu oerhandeln. Rathenau wandte sich dann als erstem Beratungsgegenstonde der 2öprozenl'.gcu Aussuhrabgabe zu. Er konnte noch keinen festen Vorschlag auf Abänderung dieses Index machen, doch teilte er Loucheur mit, daß er dem System von London das Pariser System vorziehen würde, bei welchem die festen Jcchresraten höher wären. Außerdem wünscht Rathenau, daß das System der Schuldverschmbung, wie es in London be- schlössen wurde, durch ein anderes ersetzt werde, wonach Deutsch- land jelbst Anleihen auf den Weltmarkt begeben könnte. Loucheur gab ihm zu verstehen, daß Deutschland sich nicht die Hoffnung machen dürfe, derartige Anleihen würden von den Alliier- ten garantiert werden. Nothenau erörterte sodann ausführlich die Naturalleistungen. indem er darauf hinwies, daß bei der gegenwärtigen Valuta dies für Frankreich wie für Deutschland Leben und Tod sei. Loucheur wies Rathenau auf die große» Schwierigkeiten hin, die bei den Naturallieferungen zu überwinden seien. Insbesondere drang er darauf, daß derartige Lieferungen nicht im gleichen Jahre gezahlt werden, in dem sie erfolgen, sondern wie dies bei der Industrie all- gemein üblich ist, daß die Bezahlung ausmehrereJahre verteilt würde. Keinesfalls aber dürfe von Frankreich inner- halb eines Jahres für Lieferungen mehr bezahlt werden als die jährlichen Leistungen Deutschland? in Geld ausmachen; denn wenn Frankreich mit barem Geldc der Bezahlung der deutschen Lieferungen nachhelfen müßte, so hätte es wenig Interesse an ihnen. Wenn mit höchster Kansistarialratswürde. Für den Belesenen ist er der anständig wiederhallende Herold jahrtausendalter Orientsweisheit. Er ist ein Journalist für llpanischodenpropaganda, ein Entleiher, ein Anlehner. wenn auch ein Ergriffener und Andächtiger. Nicht mit Bewußtsein blendet er Europa, sondern er täuscht sich über seine Sendung, weil er nur mit geringer Hellsichtigkeit in europäische Geistesverfassung und Gesellschaftsordnung hineinzublicken vermag. Die Einkehr, die er an sich selber verführerisch übt, die er seinen Nebenmenschen einprägen möchte, ist im Grunde verkapptes, roman- tische? Patriarchentum, das wieder Hörigentum erzeugt. Seine Ethik verlangt vom Menschen alle Leugnung des Kleinen, des Mar- ternden, es ist Ethik für Kleinrentner, für Kleinbauern, für Millio- näre aber auch. Wenn das Pythagoräische und das Tolstoianische Wort, das wieder mit dem tiefsten Satz des Bhagarad-Glute zusam- menhängt, richtig ist, dann ist die Welt nicht aus Mertschen, sondern der Mensch aus Welten zusammengesetzt. Der sittliche oder religiöse Mensch muß aber erzogen werden, um diese Weltenbuntheit in sich reichlich zu entdecken. Tagore will die Welt durch die Menschen bessern, indem er alles Opfer und jeden Kampf vom Menschen ver- lairgt. So hat sich in den Jahrtausenden bisher jede Rückständigkeit gerechtfertigt. Es ist aber, wie etwa der Prediger des sittlichen Sozialismus sagen würde, menschenfreundlicher, den Versuch zur Vermehrung der Menschensreude durch Vermehrung der erfreulichen Welten zu machen. Vielleicht sagen Tagores heul ige Anhänger, die übrigens schon seit Jahrtausenden lebten, daß solche Abwehr der Seelenerziehung eine banausische Roheit ist. Dann mag ihnen be- hutsam erwidert werden, daß der Beobachter der Tagoreschen Moral unheilbar mißtrauisch bleibt, weil er im Menschen immer nur Menschliches, niemals aber Uebermenschliches gesehen hat. Ob ein Weisheitslehrer gestatten will, daß der Mensch aus Heldenkraft unmoralisch sei oder übermoralisch, es ist immer die gleiche, gefähr- liche, blendende Ethik. Tagore liebt die Breite. Der Sinn seiner Lehre wurde hier etwas verdichtet. Der Kern nur wurde getroffen. Das hindert nicht, daß hie und da aus diesem schönen Haupt auch sekundenlang Ein- schmeichelndes entsprang. lÄeber-Frier I. Es war nur ein Vorspiel Lur Feier, eine philo- logische, etwas kleinbürgerlich-langweilige Angelegenheit im Opernhaus. Die„P r e z i a s a","die vor 100 Jahren, kurz vor dem„Freischütz", herauskam, wird nicht mehr zugkräftig werden, trotz der hornseligen, auch waldsrischen Instrumentation, trotz flotter, zigeunerhaft rhythmisierter Chöre. Die wurden vom Staatsopern- chor prachtvoll, smiber, mit keckem Schwung herausgesungen. Den Text zwischendurch sprach der Philologe und Regisseur Droescher. und Genia Giiszallwirz deklamierte mit richtig singendem Ton, sang mit schmachtend binaufgezogene? Deklamation ihr einsames Liedchen. Vor der Büste Webers prangten die Mannen und schleiften ihre trockenen Kehlen. Die Preziosa-Tanz-Suite soll leben, ohne Aktion, dagegen die deutschen Lieferungen einen Ratenvorschnß ans die künftige Iahreszahlung bedeuten würden, so könnte sich Frank- reich mit diesem Projekt abfinden. Loucheur fragte Rathenau, ob es nicht möglich wäre, sich gewisser Einkaufsgesellschaften als Vermittler zu bedienen, so daß Deutschland in der Lage wäre, die Zahlung auf mehrere Jahre zu verteilen. Die Be- sprechung wandte sich dann der Frage der Holzhäuser zu, wobei Loucheur darauf drang, daß der Preis für diese ver- mindert werde. Einem Vertreter des„Matin" in Wiesbaden gegenüber äußerte sich Loucheur selbst über die Unterredung mit Rathenau. Wir sind auf dem Gebiet der Allgemeinheiten oerblieben. Morgen früh werden wir in die Details übergehen. Gegenwärtig kann ich nur sagen, daß ich in Rathenau, den ich zum ersten Male gesprochen habe, einen Menschen fand, der von den besten Absichten be- seelt ist, und der den deutlichen Willen hat, zu bekunden, daß die Unterschrift Deutschlands von diesem respektiert werden muß. Heute will Loucheur drei oder vier Punkte, die ihm besonders interessieren, mit Rathenau diskutieren und zwar: die R ü ck � e r st a t t u n g des von Deutschland während des Krieges beschlag- nahmten Jndustricmaterials, worüber schon seit langem VerHand- lungen mit der deutschen Regierung schweben, die Rückerstattung des Mobiliars und des Viehs und endlich die Lieferung der Holzhäuser. Die Entwaffnungsfrage in Obsrfthlesien. Paris,- 13. Juni.(EE.) Der Berichterstatter der„Chicaga Tribüne" meldet aus dem Hauptquartier Korfantys: Das Pro- gromm, das auf Grund von Konferenzen zwischen Alliierten, Deut- schen und Polen durchgeführt werden soll, lautet wie folgt: 1. Am 14. Juni beginnen die Truppen der Insurgenten und des deutschen Selbstschutzes die E n t w a f f n u n g.�ie am 22. Juni durchgeführt sein muß. 2. Je nach Fortschreiten dieser Entwaffnung übernehmen die alliierten Truppen die Garnisonen in dem Abstimmungs« gebiet. 3. In Abänderung der Korfanty-Linie soll eine neutrale Zone geschaffen werden, die die Insurgenten und die deutschen Truppen vollständig trennt. 4. Jede der beiden Zonen wird durch Militärstreitkräste geschützt sein. Im Korfanty-Gebiet werden nur Polen für die Polizei rekrutiert, im deutschen Gebiet Deutsche. 5. Angriffsakte von beiden Teilen werden im Verlaufe der Entwaffnungspsriode oder späterhin das ganze Zlbkommen un- wirksam machen. Die alliierten Truppen würden in einem solchen Falle zur Gewalt greifen. Den letzten Nachrichten zufolge haben die deutschen Dele� gierten dos Abkommen angenommen. Seitdem das Gerücht verbreitet wurde, daß K o r f a n t y dem Abkommen zu- gestimmt habe, ist heller Aufruhr in seinen Reihen einge- treten und sichtbare Zeichen der Desorganisation machen sich bemerkbar. Man wirst Korfanty vor, daß er im Interesse inter- nationaler Kapitalisten handle. Diesen Zustand haben die Kam- m u n i st e n benutzt, um Unruhe in seine Reihen zu bringen. Ein- zelne dieser Agitatoren wurden bereits gefangengesetzt und vor ein Kriegsgericht gestellt. Diejenigen, die mit dem Abkommen Konsantys unzufrieden find, stellten sich hinter einen gewissen Hauptmann Adolf Hauke, der Kommunist ist und sich zum Oberkomman» dierenden der Insurgenten gemacht hat. Er wurde verhaftet, ebenso mehrere Mitverschworene. Allerdings mußten sie«lle am gleiche» Tage wieder entlassen werden. Hauke soll' es sogar gelungen sein, mit seinen Soldaten Korfantys Haus mit Maschinen- gewehren zu bedrohen. Korfanty wurde aber aus dieser Gefangen- schaft befreit, was allerdings nur dadurch möglich wurde, daß er zu- nächst vom Balkon aus die Mitteilung machte, daß Hauke und seine Soldaten straflos ausgehen würden. Korfanty hotte am Sonntag mehrere Besprechungen mit militärischen und politischen Bevollmächtigten der Alliierten, in denen er besonders Amnestie für die Insurgenten verlangte. Der König von Griechenland ist in Smyrna eingetroffen. Er begab sich sofort an die griechisch-türkische Front. ohne Deklamation, ohne Auswand. Gräbt man aus, so hole man die Lustigkeit der drei Pintos her und forsche in den Mahler-Bio- graphien danach, wie das anzupacken wäre. Stiedry dirigiertes« Beginn die Euryonte-Ouvertürc, die— seit der berüchtigten Passe« Aufführung— immer noch den Generalprobenstemvcl trägt. Und Michael von Zadora spielte die Phantasie äußerst virtuos, wirbelnd, faszinierend, nachdem er in Busonischer.Haltung die Einleitung her- ausgestochen hotte. Heraus aus dieser echt deutschen Feier, au? dieser gefälligen Lieberhaberbühnen-Aktion! Gebt uns Wald und Sonne und Agathe und einen Blick in die romantisch verzauberte Welt! Wer anders Weber feiert, ist unglücklich oder unbegabt. K. S. Humoristischer Wandschmuck. Den englischen Architekten Lethaby schmerzt es, daß die meisten Menschen heute so mißvergnügt sind. Um diesem Uebelstarde abzuhelfen, empfiehlt er in einer Londoner Fachzeitschrift, die Tapeten unserer Wohnzimmer in leuchtenden und freudigen Farben zu holten und sie mit lustigen Bildern und komischen Szenen zu schmücken. Er weist dabei auf die reizenden farbigen Darstellungen hin, die man auf den Fußböden und an den Wänden der pompejanischen Häuser sieht, und er schwärmt von den vergnüglichen Bildern und Ornamenten, die die Renaissance und das Rokoko an die Wände zauberte. Lichte, warme oder kühle Farben wirken zweifellos teils be- ruhigend, teils steudig anregend auf die Stimmung. Aber einerseits stumpft sich diese Wirkung mit der Zeit ab, und andererseits ist sie nie so stark, daß sie den Gemütszustand dauernd beinflussen könnte. Ein Melancholiker wird auch in einem rosenrot tapezierten Zimmer nicht heiterer werden, und wer heute nicht weiß, wovon er morgen leben soll, dem wird auch der schönste himmelblaue Wandanstrich seine Sorgen nicht nehmen. Dasselbe gilt in noch höherem Maße für bildliche humoristische Darstellungen. Ein Witz, den man zum zweitenmal hört, wirkt nicht mehr, und das ulkigste Bild muß den Beschauer schließlich langweilen, wenn er es stündlich vor sich sieht. Die reichen Leute, die in der Renaissance- und Rokokozeit die Wände ihrer Paläste mit heiteren Stimmungsbildern und Orna- menten schmückten, kannten die Sorgen des Alltaas nicht, und die fröhliche Zimmerzier entsprach ihrer allgemeinen Gemütsverfassung. Außerdem war das, was sie vor sich sahen, nickt eine fabrikmäßig hergestellte Tapete, sondern das Werk eines Künstlers. Und bei einem wirklichen Kunstwerk sprechen neben dem Inhalt immer noch andere Werte mit, die auf die Stimmung viel kräftiger einwirken und ihre Wirkung nicht so leicht erschöpfen wie das rein Stoffliche der Dar- stellung. Wenn man die Wände unserer Schulzimmer mit heiter stimmenden Farben überzieht, so ist das zu billigen, denn es ent- spricht dem leichten und leicht zu beeinflussenden Sinn der Jugend. Als Wandanstrich oder-bekleidung von Wohnzimmern aber wird eine neutrale Farbe mit möglichst sparsamem ornamentalen Schmuck stets das empfehlenswerteste sein. Sie schließt sich jeder heiteren oder traurigen Stimmung an und hat überdies d->n Vorzug. daß sie eine passende Grundlage für jeden farbigen Wandschmuck bildet, den man daraus befestigen will. Klingers Ricsengemöldr„Chcii-us im Olymp" ist jetzt einge- troffen und im Klingersaal der Moabiter Ausstellung ansgestelll. GrvMerlw $ur üie �vignon-Gpfer. Die Avignon-Kundgebung im Lustgarten batte sich einer alle Erwartungen übersteigenden Beteiligung zu erfreuen. Der Auf- marsch erfolgte gruppenweise mit Musik. Tafeln mit Aufschriften bekundeten den Zweck der Demonstration und weithin über die Fläche leuchtete ein großes Schild, auf dem in Lapidarschrift die Worte standen:„Frankreich, gib die deutschen Kriegsgefangenen frei!" Einige Minuten nach Uhr war der Aufmarsch beendet. Bald darauf leitete das Lied:„Empor zum Licht!"— vorgetragen von den SPD.-Männerchörcn— den Beginn der Veranstaltung ein und die Redner begaben sich nach den im voraus bestimmten Plätzen. Es wurde von den Stufen des Reiterdenkmals, des Doms und des Museums herab gesprochen. Vom Museum aus sprachen Erwin V ars an ti, Reichstagspräsident L ö b e und Prof. Schücking. Genosse L ö b e führte u. a. aus: Schon Jahre hofft die chcimat, ihre Lieben wiederzusehen. Eine rigorose Auslegung des Friedens- Vertrages hält sie zurück. Sie sollen 5 bis 20 Jahre im Zuchthaus büßen wegen Vergehen, die aus der Kriegsnot geboren wurden. Daß es sich nur um Verstöße aus seelischer Zerrüttung handelt, hat man auch in Frankreich schon anerkannt, denn es sind 13 aus Bayern stammende Gefangene ohne weiteres entlassen worden. Zur Versöhnung der Völker würde es beitragen, wenn der Präsident der französischen Republik nun auch alle anderen amnestieren und end- lich der Heimat wiedergeben wollte. Nicht aus den Geist der Rache, sondern auf Menschlichkeit und Gerechtigkeit wollen wir verweisen, an die Kulturnation Frankreich wollen wir appellieren. Eine an allen Redeplätzen verlesene Resolution, in der ausgesprochen wird, daß die im Lustgarten versammelten deutschen Männer und Frauen mit tiefer Betrübnis und in gerechter Ent- rüstung Kenntnis davon genommen haben, daß jetzt noch 115 deutsche Kriegsgefangene in Frankreich zurückgehalten werden, obgleich Deutschland längst alle Kriegsgefangenen, auch die wegen gemeiner Verbrechen bestraften, entlassen hat, und die verlangt, daß die deutsche Regierung die Befreiung der deutschen Gefangenen fordern soll, wurde einstimmig angenommen. Ein Lied der SPD.-Männerchöre schloß die eindrucksvolle De- monstrati on. Wie uns von anderer Seite berichtet wird, sollen sich die Aus- führungen einiger Redner derRechtspart-eien leider wie- der auf sehr bedenklichen Bahnen bewegt haben. Insbesondere die der Abgeordneten Lawerrenz und Dr. Fleischer. Beide sprachen unter großem Aufwand von parteipolitischer Demagogie. Mit Bezug auf die Aeußerungen des Freihcrrn v. Lersner, der auch zu den Rednern zählte, schreibt uns Genosis Pfarrer B l e i e r: Was hat denn Freiherr v. Lersner getan der Bergewal- tigung der belgischen und französischen Bevölkerung �gegenüber, der Deportation der Frauen und Kinder von Lille gegenüber? Er kennt nur einen Schmachfricden von Versailles— aber nicht einen solchen von Brest-Litowsk und Bukarest und stimmt andauernd Haßgesänge auf den Feindbund an. Darum sind meine Freunde und ich der Auffassung, keine nationale Einheitsfront mit diesen Kreisen, son- dern die internationale Einheitsfront der Sozialsten und Pazifisten allein kann uns die Gefangenen zurückgeben unter der Parole„Nie wieder Krieg" auf dem Boden der Gerechtigkeit. Bei unseren heutigen Prokestversamm- lungen. aus die wir auf der ersten Seite hinweisen, sind folgende Genossen als Redner vorgesehen: im Lehrervereins- naus: K r Ü g e r. M. d. L., in der Königstadt-Brauerei: Mols Braun, Rt. d. R., in den Spichernsälen: heilmann, M. d.£., in den Sammersölen: Rod. Breuer und in Sliems Zestsälen: Erich S u t t n e r, 2TI. d. L. Notstanüstarife für Zeitkarten. Heber die bereits angekündigte herabsetzungderPreis« der Monats- und Wochenkarten wird amtlich folgendes bekanntgegeben: Die zum 1. Juni d. I. im allgemeinen Verkehr in Kraft getretene Tariferhöhung, die für Monatskarten eine Bcrech- nung nach 20 Teilfahrtcn, die Wochenkarten eine solche nach zehn Dreißigsteln des Monatskartenpreifes vorsieht, bleibt an sich bestehen. Mit Rucksicht ober auf die schwierige Lage des Arbeitsmorktes, die insbesondere die auf die Benutzung von Monats- und Wochenkarten angewiesene Bevölkerung trifft, hat der Reichsverkehrsministcr die Einführung folgender Notstandstarisc angeordnet: Die Monatskarten werden derart berechnet, daß ihnen nicht 20, son» dern 16 Einzelfahrten im Monat zugrunde gelegt werden, so daß bei einer Benutzung zur Fahrt zwischen Wohnplatz und Ar- beitsstätte an acht Tagen die übrigen Fahrten im Monat frei sind. Die Wochenkarten werden nicht zu zehn Dreißigsteln, sondern zu sieben Achtundzwanzigsteln des Monatskartenpreises berechnet. Diese Tarisherabsetzungen, die nicht über die Dauer der zurzeit be- stehenden Wirtschaftslage hinaus gelten sollen, werden mit gröht- möglicher Beschleunigung durchgeführt werden. Mit Rücksicht auf die hierbei zu überwindenden technischen Schwierigkeiten werden aber die neuen Tarife nicht vor dem 1. September eingeführt werden können. Zum gleichen Zeitpunkte werden die auf anderen Grund- sätzen aufgebauten Zeitkarten des Berliner und Hamburger Nororwertehrs, die am 1. Juli d. I. in Kraft treten, in dem gleichen Verhältnis ermäßigt werden, wie dies bei den Monats- und Wochen- karten des Fernverkehrs geschieht. Ehen«.auf Scheiöuitg�. Heiratsschwindel mit gefälschten Geburtsurkunden. Eine große Heiratsschwindelaffäre spielt zurzeit von Berlin nach Leipzig hinüber. Die erste Verhaftung erfolgte bereits am 6. Mai. Schon damals wurde der Rechtskonsulent Ewald H a e u s- l e r festgenommen, der in der Vorsigstraße ein Rechts- und Detektio-Auskunftsbureau betrieb. Die weiteren Ermittlungen wurden von der Berliner Kriminalpolizei sofort aufgenommen und in Verbindung mit der Leipziger Behörde durchgeführt. Sie sind auch jetzt noch nicht ganz abgeschlossen. Bisher wurden weiter ver- haftet ein Darlehnsvermittler D a n z i g e r. ein früherer Apo- theker W o l f f und eine Malerin Frau Anna von Hohendorf, die feit längerer Zeit Heiratsvermittlungen betrieb. Wieviele Eben mit falschen Dokumenten»gleich auf Scheidung" geschlosien worden sind, steht auch heute noch nicht fest. Ueber 20 Fälschungen sind bereits aufgedeckt. Es bedarf noch weiter der Untersuchung, wie weit die Schwindeleien bereits zurückliegen. Die Verhaftungen erfolgten zum Teil in Leipzig, zum Teil in Berlin. Hier hatte einer der Beteiligten unter einem falschen Namen in einem Vororts- sanatorium ein.u Unterschlupf gefunden. Er wurde aber schon vor Wochen ermittelt und festgenommen. Die Schwindeleien wurden nrit gefälschten Geburtsurkunden und Standesamt- stempeln betrieben, die sich die Gauner in Berlin anfertigen ließen. Die.Namensehen" zustande zu bringen, wurde dem Konsortium nicht schwer, denn adlige Namen werden auch in der Repubsik von vermögenden, heiratslustigen Damen noch gesucht. Fest im„Lindcnhof". In dem Berliner Erziehungsheim.,L i n d e n h o f" zu Lichtenberg wurde aus Anlaß des im.Vorwärts" schon er- wähnten Jubiläums am gestrigen Sonntag eins Feier veranstaltet.. höh vor Am heutigen Vormittag hat der Prozeß gegen Hölz begonnen. Das äußere Bild ist folgendes: Bor dem alten Kriminalgerichts- gebäude in Moabit patrouillieren zahlreiche Beamte der Schutz- polizei mit umgehängten Karabinern und halten alle Neugierigen vom Gebäude fern. Wer keine Vorladung oder eine Eintrittskarte hat, wird erbarmungslos zurückgewiesen. Am Eingang zum kleinen Schwurgerichtssaal findet eine nochmalige Kontrolle und eine ein- gehende Leibesvisitation nach etwaigen verborgenen Waffen statt. Umvl0i£ Uhr betritt Hätz, eskortiert von Polizeibeamtcn in Begleitung seines Anwalts, Rechtsanwalt H e g e w i s ch- Celle, den Saal. Hölz hatte sich hartnäckig geweigert, nur in Begleitung von Schutzpolizisten den Gang zum Gericht anzutreten, weil er befürchtete, unterwegs niedergeknallt zu werden. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsrat Dr. Braun erfolgt zunächst der Aufruf der Zeugen. Von den insgesamt ge- ladenen 70 Zeugen sind für den heutigen ersten Tag nur 10 bestellt, die auch nicht alle erschienen sind. Als Sachverständige find er- schienen die Eesängnisärzte Dr. Hirsch und B ü n g e r, sowie Medizinalrat Dr. E t ö r m e r. Dem Angeklagten stehen außer Rechtsanwalt Dr. Hegewisch noch die Berliner Iustizräte Dr. B r o h und Dr. F r ä n k e l zur Seite. Die vom Staatsanwalt Dr. Jäger vertretene Anklage wirft Hölz etwa 50 einzelne Straftaten vor, von denen 1K Schiververbrechen darstellen. U. a. werden ihm folgende Straftaten zur Last gelegt: Mord, Totschlag, Land- friedensbruch, Hochverrat, Aufforderung zum U n g e- I�orsam gegen die Gesetze, Störung des öffentlichen Friedens,. räuberische Erpressung, schwerer Raub, Brand st iftung. Vergehen gegen das S p r e n g st o f f- gesetz und Transportgefährdung. Alle diese Straftaten beziehen sich lediglich auf die Tätigkeit Hätz' in Mitteldeutsch- l a n d im März dieses Jahres. Wegen seiner Verbrechen stn V o g t- lande im vorigen Jahre wird er sich vor dem Plauener Schwurgericht zu oerantworten haben. Hierauf wird der Angeklagte zu feinen Personosien vernommen. Bors.: Wann sind Sie geboren? Hölz: Ehe ich die Frage be- antworte, möchte ich eine Erklärung abgeben. In der Vor- Untersuchung habe ich jede Aussage abgelehnt. Wenn ich mich jetzt trotzdem zu der Anklage äußere, so geschieht das nicht, well ich mein Prinzip geändert habe, sondern aus taktischen Gründen. Ich stehe hier nicht als Angeklagter, sondern als Ankläger gegen die menschliche Gesellschaft. Wenn Sie über mich zu Gericht sitzen, so haben Sie es nur dem Umstände zu verdanken, daß Sie noch die Macht und damit das Recht besitzen. Vors.: Wann sind Sie also geboren? Hölz: Am 14. Oktober 8g in Moritz bei Riesa. Vors.: Wer ist Ihr Vater und mit wem sind Sie verheiratet? Hölz: Dar- über verweigere ich die Llussage. Vors.: Sie haben gehört, was Ihnen zur Last gelegt wird. Vorläufig will ich jedoch nur den all- gemein en Teil erörtern. Wie haben Sie also angefangen und wie sind Sie zu ihren Handlungen gekommen? Hölz: Am 21. März hörte ich in Berlin, wo ich mich damals befand, daß der General- streik in Mitteldeutschland proklamiert worden war. Ich beschloß darauf hinzugehen und mich den Genossen zur Verfügung zu stellen. Vors.: Ihre Taten haben in Kloster Mansfeld angefangen. Stimmt das? Hölz: Das weiß ich nicht. Vors.: Was haben Sie nun zuerst getan? Hölz: In den ersten Stunden der Aktion habe ich in Versammlungen gesprochen. Vors.: Was haben Sie da er- klärt? Hölz: Darüber verweigere ich die Aussage. Vors.: Hier liegt nun ein Aufruf mit Zhrer Unterschrift vor. Ist die Unterschrift richtig? Hölz, dem der Aufruf vorgelegt wird, erkennt seine Unterschrift an.— In dieser Prokla- mation fordert Hörz die deutschen Arbeiter auf, zu ihm zu eilen, Sipo und Reichswehr zu entwaffnen, Brücken zu sprengen, die Eisenbahnen zu zerstören und die Bourgeoisie, wenn sie Widerstand leiste, abzuschlachten. Ferner wird ein von Hölz unterzeichneter Aufruf zur Verhängung des proletarischen S t a n d r e ch t s verlesen. Vors.: Was verstehen Sie denn dar- unter? Hölz: Das proletarische Standrecht ist der Gegensah zur Diktatur des Kapitals. Vors.: In diesem Aufruf heißt es, daß die Bürger der von Ihnen besetzten Orte erschossen oder abgeschlachtet werden sollen, wenn Sipo oder Reichswehr die Ortschaften einzu- nehmen versuchen. Sämtliche in den Händen von Bürgern befind- lichen Waffen sind der militärischen Oberleitung abzu- liesern. Wer war denn die militärische Oberleitung? Hätz: Dar- über verweigere ich die Aussage/ Vors.: Geben Sie zu, daß Sie eine Kundgebung an die Braunschweiger Genossen erlassen haben, in denen diese aufgefordert werden, sich der Mitteldeutschen Bewegung anzuschließen? Hölz: Dieser Aufruf erfolgte m i t meiner Einwilligung. Ich bekenne mich zu diesen Pro- klamationen und ich bekenne auch, daß darin von Tötung und Ab- schlachiung der Bourgeoisie gesprochen wurde. Allerdings handelte es sich hier nur um Drohungen. Im Ernst dachten wir natürlich nicht daran, Bür- ger zu töten. Zum Beweis hierfür möchte ich auf die Vorgänge 1920 im Vogtland verweisen. Bei den Kämpfen in Mitteldeutsch- Als Gäste waren neben den Angehörigen der»Lindenhof"°Jungen viele im Erziehungswesen der Stadt tätige Personen erschienen, auch Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats. Unter den schönen Linden des Turn- und Spielplatzes der Anstalt sahen die Festteilnehmer dem unfreundlichen Wetter trotzend und lauschten den musikalischen und deklamatorischen Darbietungen der Jungen. Der„Lindenhof" ist nicht nur eine Stätte fleißiger Arbeit, sondern in ihm wird auch für edle Unterhaltung gesorgt, die den rechten Gebrauch der Muße ermöglicht. Die„£indenhof"-Jungen pflegen Chor- und Quartettgesang, sie haben ihr eigenes mit Blas- instrumenten ausgerüstetes Orchester, und sie versuchen sich auch in der Aufführung kleiner Theaterstücke. Bei dem Fesi mühten sie sich wacker, ihre Sache gut zu machen, und fanden verdienten Beifall. Direktor Blum sprach in seiner warmherzigen Festrede von den Auf- gaben dieses Hcjms, das den schwer Erziehbaren das Elternhaus ersetzen muß. Im„Lindenhos" werden die Jungen in eine Gemein- schaft von Zöglingen und Erziehern hineingestellt, die ihren Schaf- senstrieb aus den richtigen Weg lenkt und sie zur vollen Lebens- freude kommen läßt._ Ein falscher Rechtsanwalt wurde von der Kriminalpolizei ent- larvt und festgenommen. In der letzten Zeit trat wiederholt ein Mann auf, der Waren aller Art einkaufte und mit wertlosen Schecks bezahlte. Er wurde jetzt als ein 31 Jahre alter Kaufmann Walter B e n a s aus der Geneststraße 9 zu Schöneberg ermittelt und fest- genommen. Eine Haussuchung ergab, daß sich der Verhaftete unter dem Namen Dr. jur Benas auch als Rechtsanwalt betä- < i g t hat. Er hatte sich entsprechende Stempel anfertigen lassen, und in seiner Wohnung eine förmliche Anwaltsregistratur eingerichtet. Es ergab sich, daß Benas in Zivilprozessen Vertretungen übernahm und sich Vorschüsse zahlen ließ. Als seine Rechtsgeschäste nicht mehr recht gingen, legte er sich auf den Scheckschwindel, bei dem er der Kriminalpolizei in die Hände fiel. In seiner Registratur fand man unter anderen Sachin auch noch Prozeßakten vom Gericht. Doppelselbstmord lm Grunewald. Gestern nachmittag wurden in der Röhe des Restnurrnit? Moorlake im Grunewald zwei Damen bewußtlos von dem Besiher des Lokals Trautmann aufgefunden. Bei einer der Damen fand man Papiere auf den Namen Freifrau Maria von König, die in der Stubenrauchstraße in Schöne- berg wohnte. Die ander« Dame scheint die MuUer der Freifrau zu sein. Beide hatte» sich mit emem noch nicht festgestellten Gift ums Gericht. land war uns allen klar, daß es hier sich nicht um den Endkampf zwischen Proletariat und Kapitalismus, sondern um das Vor- postengefecht handeln müsse. Deshalb haben wir von Ge- walttätigkeiten abgesehen. Wir erreichten durch unsere Drohungen, daß uns das gegeben wurde, was wir verlangten. Vors.: Sie sagen, Sie haben die Drohungen nicht ernst gemeint. Run sind doch aber ein Mord bzw. Mordversuche geschehen. Sie haben doch, wie Zeugen sagen, auf den Kaufmann Hilde- brandt aus Berlin, als er in Eisleben am Fenster stand, vier Schüsse abgegeben, von denen ihn einer in den Oberarm traf. Sie sollen doch ferner Gutsbesitzer Heß von hinten erschossen haben? Angekl.: Das wird behauptet und es wird ja so vie»l behaupte-t. Vors.: Sie sollen auch auf die Kinder des Zeugen Rlcyer geschossen haben/ allerdings ohne sie zu treffen. Angekl.: Das wird sich ja alles herausstellen. Vors.: Sie haben aber doch verschiedentlich Gewalt gröbster Art angewendet? Angekl.: Ich nenne das nicht Geivalt. Es ist richtig, wir haben requiriert, d. h. der Bourgeoisie Geld abgenommen. Das ist aber nicht ge- plündert. Wir hatten die absolute Herrschaft und Gewalt und wir mißbrauchten sie nicht. Dann aber wurde uns gemeldet, daß sich die Lage der„Roten Armee" sehr verschlechtert höbe. Ich ließ deshalb bekanntmachen, daß wir, wenn die Reichswehr ihren Bor- marsch nicht einstellen würde, gezwungen wären, die Bourgeoisie ohne Unterschied abzuschlachten, und wenn wir schon aus dem Leben gehen müßten, so wollen wir wenigstens einen Teil der Bourgeoisie mitnehmen. Vors.: Wir haben hier einen mit roter Tinte geschriebenen Zettel folgenden Inhalts:„Wenn die Sipo in 6 Minuten die Waffen abgibt, darf sie unbehelligt abziehen, andernfalls geht die ganze Stadt in Trümmer. Max hölz." Angekl.: Dieser Zettel bezieht sich auf Hettstedt. Als ich diesen Zettel schrieb, hatten die Sprengungen des Bahnhofs und anderer Gebäude schon längst stattgefunden. Ich schickte mit dem Zettel eine bürgerliche Frau, welche durch die Sprengungen schon völlig veränstigt war, zu der Sipo und der Bourgeoisie, um zu«r- reichen, daß diese noch mehr eingeschüchtert werde und nichts gegen uns unternimmt. Tatsächlich konnten uür nach einer Stund« abrücken. Vors.: Ich habe hier ferner«inen „Befehl an den Aktionrat". Es heißt darin:„Es sind sofort alle waffenkundigen Männer durch Musterung und Aushebungg zu- sammenzubringen, insbesondere Mg.-Schützen. Die Aktionsriite müssen sofort alleMachtansichreißeu und mit Waffengewalt verteidigen usw. Die militärische Oderleitung: Max Hölz."— Waren Sie Soldat? Angekl.: Jawol, ich war als Husar eingezogen und wurde im Felde Meldereiter' bei einer Insanlerieorigade. Bei Amiens Wierde ich durch Artillcriefeuer verschüttet. Der Vor- sitzende hält dem Angeklagten mehrere sogcnaunte Requisisionsscheine, u. a. über 500 Zigaretten, 1500 Zigarren, Pfesserminzbonbons, vor und w«i stihn im Anschluß hieran darauf hin, daß im Gefängnis ein gewisier Bergschmidt erklärt habe, Hölz sei gar nicht der Haupt- macher beider ganzen Sache, sondern«in gewisser Kruse. Die ganze Sache gehe von Nußland aus: Trotzki habe eine Million in Gold für die Aktion in Deutschland hergegeben. Angekl.; Unsere Aktionen waren von keiner Partei, weder von der KPD. noch von i»cr Exekution der 3. Internationale inszeniert worden. Me ganzck Situation war durch die Provokation von Hörsing geschossen, welche den Widerstand in der Arbeiterschaft erzeugte, und wir haben diesen Widerstand weiter geschürt. Vor s.: Haben Sie die Ausführungen des Dr. L e v y nicht gelesen. Der ist anderer Meinung. Angekl.: Das ist eben ein« andere Meinung. Vors.: Sie sagen, Sie wollten in Mitteldeutschland die Herrschaft des Pro- letariats ausrichten? Angekl.: Jawohl. Das war meine Absicht. Ich will hierbei mein« Auffassung von der ganzen Anklage dahin erläutern, daß ich in der festen Meinung bin, daß der Teil der An- klage, der von Morden spricht, k ü n st l i ch konstruiert ist. Die Zeugen, welche über angebliche Morde etwas sagen, sind gekauft« Zeugen. Staatsanw.-Rat Dr. Ja« ger: Bielleicht kann uns der Angeklagte sagen, wer diese Zeug«n„gekauft" haben soll; ich jeden- falls nicht. Justizrat Dr. Broh: Ich möchte bei dieser Gelegenheit gegen eine Maßnahme protestieren, die sich zum ersten Male in der Kriminalgeschichte Deutschlands ereignet hat. Ich mein« den Auf. ruf, nach welchen? sich gegen Belohnung Zeugen melden sollten, welche gegen Hölz aussagen könnten. Etunis derartiges ist eine Infamie. Deshalb kann der Angeklagte auch von gekauften Zeuqen sprechen. Staatsanw. Dr. I a e g e r protestiert gegen diese Ausführungen. Die Polizei habe gar keinen Preis ausgesetzt für solche Leute, die etwas gegen Hölz aussagen wollen, sondern nur dafür, daß die Leute sich überhaupt als Zeugen melden sollten, denn es ist doch klar, daß sich Zeugen mit Rücksicht auf den Druck und den Terror, der gegen sie ausgeübt wird und wurde, nur sehr schwer bereit finden, sich zu melden. Damit ist die Vernehmung des Angeklagten beendet. Es folge» die Gutachten der medizinischen Sachverständigen. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Leben bringen wollen. Sie wurhen in hilflosem Zustande nach einem Krankenhaus? geschafft. Der Beweggrund zu der Tat ist noch völlig in Dunkel gehüllt. Mißglückter Fluchtversuch. In der vergangenen Nacht gegen 1215 Uhr versuchte die 17jährige Käthe Sissenbach, die in der F ü r s o r g e- A n st a l t in der Tauroggener Straße untergebracht war, aus der Anstalt zu flüchten, obgleich sich ihr Aufenthaltsraum im vierten Stockwerk befand. Sie band zu dem Zwecke vier Bettbezüge, ein Bettlaken, mehrere Decken und ein etwa drei Meter langes Seil zusammen und versuchte, auf die Straße hinabzuklettern. Als sie sich erst wenige Meter hinabgelassen hatte, riß das zusammen- geknotete„Seil" und die Leichtsinnige stürzte aus beträchtlicher Höhe in die Tiefe, wo sie mit schweren Verletzungen liegen blieb. Sie fand im Krankenhause Aufnahme. Einschränkung der pfenaigrechnung. Die Pfennige, die bei den Gehaliszahlungeu abgerundet wurden, mußten bisher für jeden Empfänger und jede Besoldungsgruppe besonders in denZahIungS« listen, den Nachweisungen und Jahresrechnungen nachgewiesen lverden. Zur Vereinfachung der Geschäfte und Ersparnis von Arbeit hat jetzt der Reichsminister der Finanzen sich damit ein- verstanden erklärt, daß der Nachweis dieser AbrundungSbeträge wegfällt. Nur noch die Gesamtsumme der Abrundung ist dem Grundgehalt am Schlüsse des Besoldungsdienstes mit der Bezeichrnmg AbrundungSbetrag zuzusetzen. Ein KurSbnch für die Provinz Brandenburg ist soeben im B«r. lag von Alexius Kiehling, Berlin SW 11, erschienen. Mit 3 Plänen 3,50 M. ES enthält den Berliner Vorortverkehr in praktischer und ganz ausführlicher Darstellung, sämtliche Haupt-, Neben- und Kleinbahnen der Provinz Brande». bürg sowie der Verbindungen nach Nord-, Ost- und Mitleid eutschland. Auch die Krastlvagcnpcrsonenpostcn in der Mark Brandenburg find mit ausgenommen. Dringend wünschenswert wäre eS allerdings, datz der Kiefili,,,, endlich unter Dranwendung von einigen Seiten dazu überginge, die Vorortsahrpläne vollständig abzudrucken. Die seit Jahrzehnten noch immer übliche Form macht ein schnelles Orientieren unmöglich und verweist wohl oder übel imnier wieder aus den bahnamtlichen Fahrplan. Dem Oesterreichisch-Dentsche« Sommerfest im Zoo wird eine Ansprach« des ReichStagSpräfidenten L Z b e Bedeutung geben. Niiler der Leitung Nosa ValeltiS werden zahlreiche bekannte Künstler im Kabarett auftreten und daS spezifisch Wienerische bringt der„Heurige' in der Waid- schenke. Der gesnintc Reinertrag des Feiles dient der Förderung der An- ichlusjbewezuug. Karte» zu 7ö und 100 W. in de» grotzen Waren- häujeru usw. 72. verbanöstag öer HolZarbetter. In seinem großen Referat über„Gewerkschafttiche Zeit- und Streitfragen" ging Tornow davon aus, daß man über ein« ganze Neihe der heute aufgetauchten und die Arbeiterbewegung zerfpal- t e n d e n und schwächenden Streitfragen sich auch schon fricher in der Bewegung unterhalten habe. Der Unterschied sei nur der, daß heute ein Teil der Kampfhähne ihre meist gar nicht neue Auffassung in diesen zum großen Teil alten Streitfragen als vollständig neue Erkenntnisse ansehe, wegen der man sich nun eventuell bis zur Tod- femdschoft und Zersplitterung belämpfen müsse. Zu diesen alten Streitsragen gehöre auch die Auffassung, daß man nur die poli- tische Macht zu erringen brauche, um dann auch die Wirtschaft- lichen Verhältnisse gewaltmäßißg umändern zu können,«ine Auf- fassung, die durch die Verhältnisse in Rußland und durch die Kon- zcsswnen, die jetzt die dort herrschende politische kommunistische Ge- malt dem Kapitalismus machen muß, glänzend widerlegt werde. Aber trotzdem: jener Aufassung huldigen die Kommunisten. Ihr gegenüber steht die alte soziakistische Auffassung von der organlschcn wirtschaftlichen Weiterentwicklung und auch die darauf gestützte Praxis der Gewerkschaften. Ihrer ganzen Grundausfassung nach müsse die kommunistische Partei sich gewerkschafts f e i n d l i ch betätigen. Der Redner schildert eingeghend, welch« Verhältnisse die Führer von Moskau in Rußland herbeigeführt und wie die deutschen Gewerkschaften es machen müßten, um sich die Gunst der Führer von Moskau zu erwerben. Er schilderte die (setzt zentralorganisierte) Keimzellenbewcgung der Moskauanhänger in den Gewerkschaften, der gegenüber insbesondere der Holzarbeiter- vorstand bisher eine sehr große Ruhe und Nachsicht bewiesen habe, der ober jetzt" die Gewerkschaften zu Leibe rücken müßten durch Mehrheitsentscheidungen ihrer Verbandstage, denen sich alle zu fügen haben. Als solche Entscheidung vertrat der Redner Richtlinien, in ihren Hauptabschnitten folgenden?nhaltcs: betrügen. Deshalb: die Gewerkschaften fallen nicht werden die Prostituierten der Unternehmerorganisationen. Deshalb seien die Arbeitsgemeinschaften zu verurteilen. Die Kommunisten wollen die Gewerkschaften umgestalten zu Werkzeugen der sozialen Revolution. Sie bilden sich auch nicht ein, morgen schon den Sozialismus auf- bauen zu können. Man solle sie nicht wegen ihrer ehrlichen Ueber- zeugung unterdrücken. Auf dem 7. Gewerkschaftskongreß 1910 habe Legien gesagt, daß wir keine Ursache hätten, sentimental mit dem Unternehmertum zu sein; gerade so wollten die Kommunisten verfahren. Die Haller Verhältnisse streifend, legte Redner dar, daß dort nicht die Kommunisten, sondern der Angestellte des ADGB. mit seinem Anhang die Gewerkschaften gespalten habe. S t ö w e r- Düsseldorf führte aus: Tornow habe mit Recht gesagt, daß durch die jetzige Zersplitterung der Arbeiterbewegung der Weg zum Sozialismus erschwert werde, aber Tornow hätte doch vorurteilsloser an die Bestrebungen der Kommunisten he: antreten müssen. Deutschland sei in einem Zeit- räum von 30 bis 40 Iahren vom Agrarstaat zum großen impcria- listischen Wirtschaftsstaat emporgestiegen, da hätte mit dieser Entwick- lung nicht Schrill halten können auch die geistige und politische Schulung einfach aller Schichten. So seien die bizarren Gedanken� gange mancher Kommunisten zu erklären. Es sind vielfach junge unaufgeklärte Leute, denen man aber deshalb kaum so eni- gegentrcten dürfe, wie Tornow in seinem?teferat und seiner Rcso- lution es tue. Die deutschen Gewerkschaften könnten sich jedoch nicht zwingen lassen, die seinerzeit vielleicht einmal, und vielleicht auch nur theoretisch, notwendig gewesene russische Eewerkschaftstaktik zu übernehmen. Der Redner erklärt(als Unabhängiger) feine Partei als grund- sätzlichen Gegner der Zellenblldung. Aber diese sei kein Spezifilum der Kommunisten, sondern ern Verfahren auch der Rechtssozialisten. (Lebhafter Widerspruch.) Redner polemisiert gegen Tornow und oerwarf das Festhalten an den Arbeitsgemeinschaften. Die Arbeits „Der Verbandstaq bekennt sich für den Verband zur vartei- Semeinschaften müßten Platz machen dem Wirken der Betriebs ......"•...... olm.' damit den Ver'ickt au? i und Bezirksrateorqanifation und des Reichswirtschaftsrates. Wir -- u' lehnen ab, gemeinsam mit den Kommunisten Zersplitterung zu be- treiben, werden aber innerhalb der Gewerkschaften revolutionierend wirken. politischen Fraktionen zerstört die für den gewerkschaftlichen Kamps',-,?n 6ir weiteren Diskussion �warfen noch H orn und unerläßliche Geschlossenheit und ist nnrercinbor mit dem Geist des! �?\e,r®erhn. I0chle Frei v e r g« r- München die Arbertsgs Verbandes und dem Wortlaut des Statuts. Der Verbandstag weist mit Entschiedenheit die Versuchs zurück,! den Verband in das kommunistische Fahrwasser zu leiten und ihn j der kommunistischen Partei auezuli-ssern. Die zur Durchführung � dieser Absicht in einzelnen ZahlsteMen gebildeten kommunistischen' politischen Neutralität, ohne damit den wirtschastspoiitische Betätigung auszusprechen. Der Verbänd darf! nicht zum Tummelplatz parteipolitischer Auseinandersetzungen gemacht! werden. Die organisatorische Trennung der Verbandsmitglieder nach s Keimzellen zerrütten das Verbandsleben und schwächen die gewerk- schastliche Kampikraft. Sie sind ein Krebsschaden, den aus- zurollen allen Zahlstellen zur Pflicht gemacht wird. In der Ver- bindung der Keimzellen untereinander und der Abhaltung von Sonderkonferenzen siebt der Verbandstag eine Nebenorgani- s a t i o n, die die Tendenz der Abspaltung in sich tragt. Die Teil- nehme an diesen Veranstaltungen ist unvereinbar mit der Mitglied- schast im Verband. Der Verbandsporstand wird beauftragt, mit allen statutarischen Mitteln der verderblichen Keimzellenbewegung entgegenzutreten. Der Verbandstag sieht in der Moskauer sogenannten Gewerk- schafts-InFrnationale lediglich den Versuch, die Gewerkschaften ebenso zu spalten wie die politischen Arbeiterorganisationen gespalten wurden. Er lehnk jede Gemeinschaft mit Moskau ab und bekennt sich nach wie vor zum Internationalen Gewerkschafts- bund, Sitz Amsterdam." Eine Resolution zur Frage der Arbeitsgemeinschaft besagt: „Ausgehend von der Ueberzeugung. daß sich die Mitwirkung der Arbeiter an der Gestaltung des Wirtschaftelebens nicht auf die Regelung des Arbeitsvertrages beschränken darf, sondern ausge- dehnt werden muß auf die gesamte Wirtschaftsführungg, fordert der Verbandstag eine Organisation der Wirtschasft bei der den Bertrc- tern der Arbeitnehmer verfassungsmäßig und gesetzlich der ihnen gebührende Einfluß gesichert ist. In dem Maße, w i e diese Wirtschaftsorganisation verwirklicht wird, verlieren die Arbeitsgemeinschaften ihre Be. deutung und werde» schließ! ich ganz überflüssig. Der Verbandstaq hält jedoch die Zeit noch nicht für gekommen, um auf die Benutzung der Arbeitsgemeinschaften verzichten zu können." Ein weiterer Abschnitt empfiehlt Maßnahmen zur Anbahnung des in der Zukunft liegenden Ue'oergangs zu Industrie- verbänden. Es wurde sofort beschlossen, das Referat den Dele- gierten möglichst scbnell im Wortlaut zukommen zu lassen. Das Bureau schlug für Müller- Holle und S t ö v e r- Düsseldorf je eine halbe Stunde Redezeit vor und der Verbandstag beschloß dem- gemäß. Müller- Halle führte aus, er wolle nicht versuchen, für sich in Anspruch zu nehmen, das allein sclizmachende Rezept in der Tasche zu haben, und bittet Tornow, zu beweisen, daß tatsächlich eine gewerksrfmftszerstärende Arbeit der Kommunisten festgestellt werden kann. Auch die Arbeit der drei ausgeschlossenen Mitglieder(Lieske, Schnetter u. a.) sei nicht gewerkschastsfeindlich gewesen. Wir glauben nicht daran, doß es anders möglich ist, mit den Unter- nehmsrn fertig zu werden als dadurch, daß man der Gewalt G e- walt entgegensetzt. Das Unternehmertum lasse sich die Pro- duktionsmittel nicht abschwatzen. Es werde immer das Proletariat zog der ZdA. die Beschwerde beim Schlichtungsausschuß zurück, um nicht erst die Verhandlungen vor dem Demobilmachungskommissar abwarten zu müssen. Eine neue Beschwerde ist inzwischen einge» reicht, so daß über die Tarifangelegenheit in kürzester Zeit wieder verhandelt wird. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, daß mehr als bisher die Einigkeit und Geschlossenheit der Ange» stellten der Filmindustrie hergestellt werden muß und daß sie sich im Zentralverband der Angestellton zusammenfinden müssen, um die Erfüllung ihrer Forderungen durchzusetzen. memschaften und plädierten in der kommunistischen Frage insbe sondere für Duldsamkeit. Demgegenüber wurde von Dieb- l e r-Frcibcrg, Kuntke-Breslau K e l l e r m a n n- Stuttgart, S ch i n t e r- Bremerhaven und W c n d l e r- Köln der Standpunkt vertreten, der Verband fei mit dieser Duldsamkeit bis an die Grenze des Möglichen gegangen.— In der Frage der Organisations form besprachen vereinzelte Redner befürwortend die Tendenz zur Her- ausbilduny größerer Gebild". Nachdem ein Schlußantrag angenommen, erhielt noch Graß- mann(Vertreter des Eewerkschaftsbundes) das Wort und nahm den Sekretär Schulz«(ADGB.) wegen feines Verhallens in Halle in Schutz. Es wäre töriäit. die Tendenz zu verkennen oder ihr zuwiderzuhandeln, die auf die Schaffung großer leistungsfähiger Zudustrieverbände hinauslaufe, diese Frage sei ober so schwierig, daß ihre Lösung nicht übers Knie gebrochen und in der nächsten Zeit kaum, wenigstens nicht abschließend, zu erreichen sei. Die Ardeitsgcmcinschaftcn seien nicht der Weisheit letzter Schluß, seien nicht das Mittel, sondern eines der vielen Mittel, der wir uns bedienen, solange sie uns ge- werkschaflliche Erfolge oersprechen. Das fei vorläufig noch der Fall. Zum Schluß wies Graßmann auf die Gefährlichkeit des Experi- mentierens in kommunistischem Sinne hin und zeigt, was in der Beziehung an Ruhland zu lernen fei. Möge die notwendige Einigkeit erreicht werden, ehe uns unser wirtschaftlicher Feind durch starke Nackenschläge wieder zu- sammenschweißt.(Lebhafter Beifall.) Im Schlußwort beschäftigte Tornow sich eingehend mit den Auffassungen der Opposilion und betonte daß der Vorstand die nun zu sossenden Beschlüsse des Berbandstages in dieser Frage strikte handhaben werde. Die Resolution Tornows wurde angenommen, die Abschnitte 1 und 4 gegen eine Stimme, Abschnitt 3 mit großer Mehrheit, Absc'mitt 2 in namentlicher Abstimmung mit 223 gegen 77 Stimmen. Oewer5sÄastsbewegiing Angestellte der Filmindustrie. Am 29. Mai fanden mit den Arbeitgebern der Filmindustrie wiederum Verhandlungen statt. Der Schlichtungsausschuß hatte wieder einmal versäumt, die Kammer ordnungsgemäß zu- sammenzusetzcn, so daß der Zentralverband der Angestellten zwei Arbeitgeber-Bcisitzer ablehnte, weil sie unmittelbar an der Streitsache beteiligt sind. Der Arbeiigebersyndikus lehnte daraufhin die drei Arbeitnehmcr-Bcisitzer ab. Der Arbeitgeber-Beisitzer K o- backen hielt sich selbst für befangen und wurde der Ablehnungs. antrag gegen denselben auch von der Kammer für begründet er- achtet. Der Ablehnungsanteag der Arbeitgeber gegen die Arbeit- nehmer-Beisitzer wurde abgewiesen. Darauf erklärte Herr Dr. Friedmann, deswegen Beschwerde beim Demobilmachungs- tommissar erheben zu wollen und beantragte Vertagung. Darauf Gewerkschaftliche Jugeudkonferenz. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund beruft zu Freitag, den 19., und Sonnabend, den 20. August, eine Konferenz zur Besprechung von Fragen der g e w e r k s ch a f t- lichen Jugendbewegung nach Kassel ein. Die Einladung zur Entsendung von Delegierten richtet sich nur an die Verbandsvor» stände, doch können auf Wunsch auch Gewerkschaftskartelle, die be> sondere Iugendsekretäre angestellt haben, an der Konferenz teil- nehmen. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Methoden der gewerkschaftlichen Jugendbewegung.— 2. Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Jugendlichen.— 3. Bildungsfragen.— 4. Das Verhältnis zur politischen Jugendbewegung.— 5. Zentrales und lokales Zusammenarbeiten der gewerkschaftlichen Jugendabtcllungen. Die Gaslhaustw gestellten Hannovers sind Sonnabend ln den Streik getreten. Deutscher Wertnteister- Verband. Fachgruppe„Graph. Berufe�. Mittwoch S'l, Uhr im„Echuitheiß", Brllckenstraße 65. Vranchenversavunlung mit wichtiger Tagesordnung. gentraloerband der Zimmerer. Disnetag, N/zUhr. im SewerllSastshaus Saal 1 ollq-mew« Mitgiiederversammiung Tagesordnung: Die aehn Forderungen des ADGB. Referent: Otto Ziska. Jlotref ecentin: Ruth Fischer. Um vollzShlrgen Besuch ersuch: der Borstand. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Seuie Mitglie t ervers amm- lung Nordwest II im Jugend hau«. Rathenower Str. 48a. V', Uhr.— Wildau. V/, Uhr im Kasino Wildau.— Versammlung der Bertrauensleuie der Fachgruppe Staats» lechniker. 7", Uhr, in der Eeschäftsitelle.— Versammlung der Erwerbslosen im Roten Saal Logenhau«. Linienstr. 121, vormittags U Uhr.— Dienstag: Mitgliederversammlung Lichterfelde-gehlendorf, 7>/, Uhr, im Hohenzollern, Kindenburg- dämm Ra.— Fachgruppenoersammiung Landmesser im Berliner Klubhaus, Ohm- straße 2, 7 Uhr. Sport. Rennen zu Grunewald. Der mit 60 000 M. ausgestattet» Prüsungspreis iah Heribert unter Lewickr als Ueberraschungssieger, nachdem die Favoritin Zarin an der Wallhecke gefallen war und den aussichtsreichen Landvogt in ihren Sturz verwickelte. Die ge« nauen Ergebnisse sind: VerkausShürden-Rennen.(SS 000 M., 2800 Meter); 1. SIg» vorclli(Ulbrich), 2. Narr(Kuhnke), 3. Robert(Knospe). Tot.: 30, PI. 17, 16. Ferner liefen: Major Roih, Jodler, Poesie.— Fichten-Jagd- Rennen(22000 M.. 3600 Meter): l. Orlog(o. Berchem), 2. Demsttiu» so. Falkenbagen). 3. Mara(Hr. Back) ges. u, nachger. Tot.: 38, Vi. 21, 24. Ferner lief: Tetta(gef.).— Prüsungs-PreiS(Ehrenpr. u. 60 000 M., 3800 Meter): 1. Heribert(P. Lowick!>, 2. Marmolata, 3. Glatteis (v. Berchem). Tot: 81. PI. 32, 31. Ferner liefen: Rosenritter(angeh.), Zarin(gcs.l, Landvogt(ges.).— stern-Hürden-Rennen(22 000 Mark. 3000 Meter): 1. Rosmarie(Bismark), 2. Springer(H. Scholz), 3. Reiniall(Stolpe). Tot.: 32, Pl. 19, 64. Ferner liesen: Libelle, Hussa, Geisierilnnde.— Metropoie-PreiS(35 000 M., 4000 Meter): 1. Lnciser(Tyhr). 2. Elemer(Bismart), 3. glichen(v. Berchem). Tot.: 63, Pl. 24. 18, 27. Ferner liesen: Harlekin. Hundmg(ges.), Albani. Roderich (ges.), Sonntagsmädel(ges.).— Preis von Golm(16 000 M., 3200 Meter): 1- Note(Streit), 2. Kiefer(Wegener), 3. Siegeslauf(Bismart). Tot.: 73, PI. 28, 18. Ferner liesen: Perseus, Williberta(gef.). Marietta (gef.).— Amazonen-Preis(Ehrenpr. u. 30 000 M., 4000 Meter). 1. Haliti(v. Keller), 2. Slcinbcrgcr(v. Berchem), 3. Tilly(v. LewinSkij. Tot.: 103, PI, 34, 18, 26. Ferner liefert: Stella IX(angeh.)» Tapitalist, Hagelschlag(gef.), Eichelkönig, Barbar, Rustic. Die Rodreunea auf der Olympiabahn waren des unbeständigen Wetters weaen nur schwach besucht. Die Rennen verliefen jedoch recht interessant. In den Tauerrennen war— begünstigt durch wiederholten Raddefekl Sawalls— Appelhans siegreick: und in den Fliegerrennen teilten sich Sennecke. Ostermeier und die Leichtgewicht« Mannschaft Schulz- Neinas die Siegespreisc. Wie die Direktion mitteilte, sieht sie sich infolge der neuen Lustbarkeitssteuer genötigt, von heute ab ihren Betrieb einzustellen. Die Ergebnisse der Rennen sind: RosenpreiS. Hauptsahren über 1200 Neter: 1. Sennecke 2 Min. 33 Sek., 2. Hoümann, 3. Ostermeier, 4. Kops.— GrosierMatadoren« preis. 1. Lauf über 40 Kilometer: 1. Appelhans 33 Min. 2 Sek., 2. Sal- dow 210, 8. Sawall 2280, 4. Stabe 3110, 3. Kufchkow 5290 Meter zurück. 2. Laus über CC Kilometer: 1. AppetbanS 50 Min. 32 Sek., 2. Saldow 810, 3. Sawall 4230, 4. Stabe 4310, 5. Kuschkow 17600 Meter zurück. Gesamt- ergcbniS: 1. ApPelbanS 100 Kilometer, 2. Saidow 98,980 Kilometer, 3. Sawall 93,490 Kilometer, 4. Stabe 92,530 Kilometer, 5. Kuschkow 77,110 Kilometer.— Levkojenpreis. Prämiensahren über 15 Runden: 1. Oitermeiser 8 Min. 57 Sek., 2. Hahn. 3. Packebusch. 4. Hoffmann, 5. Stolz.— Ranienpreis. Zweisiper-Borgabefadren über 5 Runden: 1. Schulz-NeinaS 2 Min. 32 Sek. i60). 2. H iffmann-Hahn(20), 3. Ofter- meier-Packebusch(0), 4. Hiepel-Kops(120)," 5. Sennecke-Müller(40 Meter Vorgabe). Berantw. für den rednlt. Teil: Dr. Werner Peiscr, Eharlottenburg: tür Anzeigen: Td. Ellackc. Berlin. Verlag: Borwärts-Veriag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vor- «ürtS-Bulddruckeret u. Verlagsanstalt Vau! Singer e. Co.. Berlin. Lindenftr. 8. Soeben erschienen! Soeben erschienen! Russische Korrespondenz Nr. 5 � Inhalt: N. Lenin: Die Vorbedingungen und die Bedeutung der neuen Politik Sowjet-Rußlands(Ueber die Naturalsteuer)/ lieber die Rolle und die Aafgaben der Gewerkscliakten(Reden von 0. Sinowjew, L. Trotzki und A. Schlapnikow auf dem X. Kongreß der Kommunistischen Partei Rußlands, Moskau, März 1921) I N.Lenin: Ueber die Einheit der Partei (Rede auf dem X. Kongreß der K. P. R.)/ N. Bucharin: Ueber den Parteiaulbau(Rede auf dem X. Kongreß der K. P. R.)/ L. Kritzmaan: Aufbau der wirtschaftlichen Organisationen in Sowjet-Rußland/ E. Varga: Die neue Wirtschaftspolitik Sowjet-Rußlands/ Lenins Rede auf der Allrussischen Konferenz der Transportarbeiter/ Der englisch. rassische Handelsvertrag/ Vertrag zwischen Rußland und Persien/ Vertrag zwischen Rußland nnd der Türkei/ Friedensvertrag zwischen Rußland, der Ukraine und Polen/ J. Rappoport: Die Wirtschaft Turkestans im Jahre 1920/ A. Goizmann: Das Problem des Arbeitslohnes. 128 Seilen Preis 5 M. Zu beziehen durch Frankes Verlag CL m.b.H., Leipzig 7äU» A u reiUahlung.iJ.Garant. Kronen ISM.PIomv. /nniiH U 3,—. Zahnziehen m.Einspr. höchst schmerz ZtUIMlW v.*Tan lind. Umarb.schlechtsitz.Qebissp. Ken unL lind. Umarb. schlechtsitz. Gebisse, Rep. sof. Zahnarzt W o I». Potsdamer Str. 55. Hochb Snrechz. 0-7. Wer den Rüpif �KSllfh�k einmal versucht hat, wird wegen seines eigenartig feinen Geschmackes stets ein neuer Kuride bleiben. Man verlange ßbcral! ersten Knarfan. Kautabak in den Geschäften. Carl Köcher, Berlin, Ucbtcnbergcrätr. 22.(Kgst.iaöl.) Die bedeutenden Gestalten der großen französischen Revolution von 1/80 und die gewaltigen Ereignisse zeichnet SchikowsM In seinem Buche; Sitten- U.Charakterbilder aus derf ranzösischen Revolution in lebendigen u. packenden Bildern. Preis geb. 7,50 Mk. nnd 20°/» Buchhandlung; Vorwärts, Berlin SW.«, LlndenstzaBe 3