Nr. 277 ♦ ZS.�ahrgaag Ausgabe A Nr. 141 BezvqSpretSt BkrtelZikhrl. 30,— ajt, monatl. 14— 9t frti ins Heus, voran« jichlbar. Post» bezug: Monatlich lv,— M. einschl. Sn» itellunasgebsthr. Unter«rruzband Nir Deuischlond. Danng. da» Saar- und Memelaebiet, sowie die ehemals bellt- schen Gebiete Ungarn und 5 das übrige A bestellnngen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tschecho- Slowakei, Däne- Marl, Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der vorwärts" mit der Sonntags- beilage.Voll und Zeit", der Unter- haltungsbcilage Lermwelt* und der Beilage.Siedlung und ktleingarten� erschetut wochcntSglich zweimal. Sonn- tags und Montag» einmal. Morgen-A«sgabe M_________ f» Fl*%:■ Telegramm- Adresse r „Soziaioemofcal Ocrlio" Vevlinev VolKsblstt (30 Pfennig} VuzeiseapretSi Di««chtg espalten»»onvaretllezeil, dostet 4« HL.ttleta»«ioj*«aca* da, settgedruckte«Bon UO M. szu- lassig zwei settgedruckte Dottel, jede« «eitere Dort L— SR. Stellengesuch, VN» Kchlafstellenanzeigen da» erst» Wort U— SR, sede» wettere Bor» « Bsg.«ort» über ld«uchkabe» zähle» für zwei Worte. Kaimlie»-Sln- zeige» für»donnenien gell» 4— M Die Preise»erstehe» sich einschließlich Teuerungszoschiag «nzeige» für dt»»stchfte Stumme, müsse» bi»» Vhe nachmittag» im Hanvlgeschäs», Belli» KW«4 Linde». straße 3. abgegeben werde». D-iistnet von» Ubr srüh bis- Uhr abend» Tentralorgan der rozialdcmokratifdicn Partei Deutfchlanda Neöaktion und Expedition: SW bS, Ändenstr. 3 «edatti»» Moritzplatz!Sli,S-97 ztzernfprcaier. Exp�ttso» Moritzplatz 11753—54 Mittwoch, den 15, Juni 1921 vorwärts-veelag G.m.b.H., GM SS, Lindenste. S Vietttiüveihev» Verla«,«xpcbitio» und Joierate». Sl2III£E£2£L: Hbtettuue Moritzplatz 117 53— 54 Neu« Konflikt in Gberflhleflen. � vppew, 14. Zunl. flvTS.) Die?vk-rallliert« So«- Mission hat die SSnberaugsattioa in Oberschlesieu«in- gestellt. Sil» Grund hierfür gab sie den politischen Parteien an. dafl der Selbstschuh sich weigert, vor Itiederschlaguug des Ausstande« die durch ihn befreiten, von ihm beschühleu Gegenden zu rSnmen. Die deutsche« Parteien vertrete» den Standpunkt, daß e» Aufgabe der Zateralliiertea Kommission ist, endlich einmal gegen die Znsurgenlen vorzugehen, uichl ober gegen den Selbstschvh, der sich mit Leendigvng de» Aufstände» von selbst auflSst. Die De- oölkerung kann sich den von ihr selbst geschossenen Schuh nicht nehmen lassen, bevor sie durch Taten der Sommtsfion eine Gewähr sür ihre Sicherheit erhallen hat. Um den Annaberg. Oppeln, 14. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Bonöärt«*.) Die bisherigen Versammlungen der deutschen Parteien und Ge- merkschaften in der Interalliierten Kommission über die Durch- führung der Räumung wurden al» ergebnislos abgebrochen. Der Streitpunkt war die von den Polen gefordert« gteigabe es Annaberge». Dieser beherrscht den mittleren Teil de» durch �berschlesisn führenden Oderflusies und die wichtigsten Dahnlinien. Fie W e i g e r u ng, ihn zu räumen, wird damit begründet, dah es 5 0 r f a n t y war, der diese Forderung an die Interalliierte Komik ission gestellt hat. Die deutschen Parteien wollen sich nicht dazu 'ergeben. Korfanty goldene Brücken zu bauen, die mit größter Wahrscheinlichkeit zu einem vierten Polenaufstand führen '.innten, nachdem L e R o n d es nicht fertig bekommt, ein« b«- ingungslose Entwaffnung der Polen durchzusetzen. lnfere Parteigenossen stehen auf dem Standpunkt, daß der Anna. berg geräumt werden kann und daß alles vermieden werden sollt«, was nach einer. Verzögerung der Räumung durch die Deutschen aussehen könnte. Voraussetzung hierfür sind sedoch ge- wisse Garantien. Die bisher von der Interalliierten Kom- Mission angebotenen Bürgschaften genügen nicht, um diesem Standpunkt unserer Tenossen im Zwölferausschuß Geltung zu verschaffen. Man kann es nicht verstehen, daß die Entente an Korfanty Zugeständnisse macht, wo sie z« rücksichtslosem Durchgreifen verpflichtet ist. Die deutschen Parteien und Gewerkschaften haben die Boraussetzung für ein« erfolgreiche Mumung Oberschlesiens in den bekannten Forderungen formuliert. Roch unverbürgt verlautet, daß einige von den Polen früher besetzte und in Verfolg der Räumungsaktion wieder auf- gegebene Dörfer neuerding» wieder von Insurgenten besetzt worden sind. verlin, 14. Juni.(WTB.) Zu größeren Zusammenstößen ist es im Laufe des heutigen Tage» in Oberfchlcsien nicht gekommen, doch haben die Insurgenten ihr« Angriffe auf Zembowitz im Kreise Rosenberg erneut aufgenommen. 3a der Gegend von Rosenberg hoben sich nach Abzug der Engländer in südlicher Richtung pol- ulsche Landen gebildet, die erneut gegen die Abstimmungspolizei und die deutsche Levölkerung mit Wosfeugewalt vorgehen. Es be- stötigt sich, daß im Kreise Rotibor die Polen gegenüber der Stadt Ratibor die Ortschaften Markowitz, Lucasini und chohenbirten ge- räumt haben. Tie Tekegation der Amsterdamer eingetroffen. Me bekannt, hotte der Inlernaklonale Gewerk- schaflsbund beschlossen. Kommissionen nach den wlchklgsien europäischen Ivirtschastsgebietea. insbesondere denen von Rordfrankreich, Oesterreich, nach dem Saargebiet und O b e r s ch l e s i e n zu enksendea. um dort die Lage zu studiere» und sich ein Gesamturteil über dte europäische Mrlschaslslage zu bilden. Seinerzell wurde die Einreise dieser Kommission, die aus 3 v u h a u x. dem Vizepräsidenken der Ge- wertschaflszenlrole, Aimmen, dem Setrelär der Gewerkschofls- inkeruatlonale. und P 0 u l t 0 n als Vertreter der englische« Gewert- schaften bestehen sollte, untersagt. Jetzt hat sie die Einreise- erlaubnl»er hallen. 3ouhaux und Alm wen sind mit ihren Setretären und in vegleilung des Genossen Sohl für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund und des Genossen Zu- l a w s t i. Sekretär der dem Internationalen Gewerkschastsbund an- geschlosseneu po lutschen Landesgruppe. in Oppeln elnge- l r 0 f f e u. um von da au» die Weiterreise in» Industriegebiet an- zutreten. Das Ergebnis von Wiesbaöen. Pari». 14. Zuni.(WTB.) Im heutigen IMnlsterrat hat Minister L 0 u ch c u r über seine Zusammenkunft mit Dr. Rathenau Bericht erstattet, wie der„Temps" mitteilt, Ist zwischen den beiden Ministera vereinbart worden, daß sich Sachverständig« am Freitag, den 24. 3 0 v i. in Pari» zusammenfinden, um über ein neues, endgültige» Wiederaufbauprogramm zu be- raten. Pari«, 14. Juni.(EE.) Eine halvamiliche Erklärung hierüber besagt folgendes: Die Zattlaiive zu dieser Begegnung ging von der deutschen Regierung aas. Dte französische Regierung war von ihr benachrichtigt worden, daß sie den Wunlch habe, mit ihr in einen Gedankenaustausch über die Frage der Reparationen zu treten. Sie hatte bei Brtand den Gedanken angeregt, die Eröffnung der franzosischen Kunst« ausstellung in Wiesboden zu einer Zusammenkunft mit dem deutschen Wiederaufbauminister zu benutzen. Die beiden Minister kamen zum erstenmal am vergangenen Sonntag in Berührung und trafen am Rachmittag neuerdings zusammen. Die Unterredungen gingen am Montagnachmittag zu Ende. Di« zehnstündigen Besprechungen bestanden ausschließlich in einem G e» dankenaustausch. Man Närte einander über die Art und Weise auf, wie die beiden Regierungen gewiss« bedeutsame Fragen ansehen. Der deutsche Minister war beispielsweise mit den Bestim» mungen des französischen Gesetzentwurfs über die Reparation der angerichteten Schäden nicht vertraut. Loucheur mußte ihm dieses Gesetz im einzelnen darlegen und er» klären, wie sich dieses Programm in den Augen der franzöflschen Regierung darstelle. Auch bezüglich des Wiederaufbaue» der Städte zeigte sich die deutsche Regierung über gewisse Gesühlsfragcn. denen die französische Regierung Rechnung tragen muß, nlchl zur Genüge aufgeklärt. Die beiden Minister suchten vor allem keine Er- örtcrungen anzustellen, sondern ihren aegenseitigen Stand- punkt darzulegen, was dazu führen sollte, der einen oder anderen Lösung in gewissen Fragen den Vorzug zu geben. Sie suchten sich in den einzelnen Berührungspunkten zu unterrichten, und besonders über solche, die unzweifelhaft Schwierigkeiten an dem Tage verursacht haben dürsten, wo die Besprechungen wieder out» genommen werden, um zu einer sofortigen Lösung zu gelangen. Nach- dem für diese Erörterungen der Vöde» geebnet war, richtet» Loucheur an Rathenau eine größer« Anzahl von Fragen, und or nicht in der Absicht, eine sofortige Antwort zu erhalten. Frage der Holzhäuser. Der französische Minister forderte hierüber genaue neue Feststellungen. Di« letzt« Zusammenkunft fand im Beiseln von Dr. Lergwaun statt, den Rathenam an« Berlin berief und der Loucheur bereits kannt». Bergmann wird in Pari» die Der- Handlungen an dem Tage fortsetzen, wo Rathenau sein endgültiges Programm ausgearbeitet haben wird. Zwischen ihm und Loucheur ist für Freitag, den 24. Zunl. elae Zusamenkunst verein- barl worden. Der Minister für die befreiten Gebiete zeigte sich von den ersten Besprechungen sehr befriedigt. Er fand in seinem deutschen Kollegen einen in allen Wirtschafts- und Finonztragen sehr erfahrenen Mann, der den Wunsch bekundet«, zu einem Einvernehmen zu ge- langen und der bei seinen Erörterungen von vollkommenem Freimut beseelt war. Was die Aenderungen des Index betrifft, d. h. den Ersatz für Ausfuhrabgabe durch einen anderen Inder, so hat Rathenou keinen Vorschlag gemacht: er ist mit der Prüfung dieser Fragen beschästlgt. Bezüglich der Ratural« l e i st u n g e n wurde erklärt, daß diese im Verhältnis zu der Schuld Deutschlands nur gering fein könnten. Sie dürften keinesfalls ein Fünfzehntel dieser Schuld übersteigen. Was insbesondere die 25 000 Holzhäuser betrifft, so bemerkte Loucheur. daß e» sich bei diesen nicht nur um eine Frage der Sachleistung, sondern auch um eine solche der P r e i s- festfetzung handele. Bisher seien di» von den Deutschen ver- langten Preise nlchl vorteilhaft. Diese vorbereitenden Besprechungen liefen einzig auf eine San- dkerung hinaus. Eis bestanden ganz besonders in einem weit- gehenden Meinungsaustausch, doch ist ihre Bedeutung darum nicht weniger groß._ Amerikas ßrieöen mit deutschlanü. Rem Park, 14. Fun'.(WTB'Funkspruch. l Im Reprösen. lanlenbause stimmten 4l> Demokraten sür und ein Rcpubli- kaner gegen die Resolution Porter. Einer der Unterschiede zwischen der Resolution Knc; ist der, daß di« letztere den Per- einigten Staaten ausdrücklich alle Recht« vorbehält, die sie auf Grund des Waffenstillstandes erworben baben, und bestimmt, da» beschlagnabmie deuu'che und österreichliche Eigentum solle beschlag- nahmt bleiben, bis die Bertröge in beiden Ländern ratifiziert sind. Depeschen au« watbington besagen, e» werde geraume Zeit dauern, bi« der BerhondlungSaussckuß beider Häuser sich über eine endgültige Fassung der FriedenSreiolution geeinigt haben werde..Rem York Herald' meldet au» Washington, man glaube, daß der Text der Friedensresolution dem Präsidenteu Harding überwiesen werden würde, wenn in den Verhandlungen de» NuS- lchusse« ein langer Stillstand eintreten sollte. Während der Debatte über die Pocter-Resolution prophezeiten mehrere Republikaner, daß alS nächster Schritt über etnen Friedensvertrag hauptsächlich kom merzieller»atnr mit Deutschland verhandelt weichen würde. Dir entnehmen die folgenden Ausführungen der über« aus interessanten, demnächst im Verlag der„Vorwärts'» Luchhandlung erscheinenden Broschüre des Verfassers „Etinnes und feine Süv 000 Arbeiter'. Red. d.„Vorwärt«', Macht wächst aus Geld, aus Kapital. Wie ist es möglich, daß Stinnes noch heute feine industrielle und wirtschaftliche Ge» walt immer weiter ausbauen kann, da doch die großen Besitz» und Einkommensteuern die Reichen und Reichsten ,chis an die Grenze des Möglichen zugunsten des Landes auf steuerlichem Wege enteignen"? Man erinnere sich nur, daß die außer- ordentliche Kriegsabgabe für das Rechnungsjahr 1919 die hohen Gewinne bis zu 70 Proz., daß das Gesetz über eine Kriegsabgabe vom Vermögenszu- wachs(von 1913 bis 1919) diesen bis zu 100 Proz., dah das Kapitalertrags st euergefetz die Industrierenten bis zu 70 Proz. und daß die Reichseintommensteuer die Verdienste bis zu 60 Proz. versteuern sollen! Wenn diese Gesetze nicht neunbundertneunundneunzig Lücken hätten und wenn die eben verschwundene Reichsregierung den ernsthaften Willen besessen hätte, dem privaten Reichtum wirklich zu Leibe zu rücken, dann wäre auch Herr Stinnes nur«in mätzig ver- mögender Mann. Die Zahl der Millionen des Herrn Stinnes steht in direktem Verhältnis zu der Menge Hintertüren, die in den wichtigsten deutschen Steuergefetzen vorhanden sind. Für die Sozialdemokraten ist es seit 1919 eine Hauptaufgabe gewesen, in den Steuergesetzen der Republik die Löcher zu verstopfen, durch die das Papiergeld der reichen Leute aus Angst vor dem Steuererheber sich flüchtete. Unter Führung Helfferichs und Hergts haben feit dem Juni 1920, nach den „Wiederaufbau"- und„Roten-Ketten"-Wahlen, alle Geld- schränke Deutschland» unter Gesang patriotischer Lieder hinter deutschnativnaleN und deutschvolksparteilichen Fahnen einen unermüdlichen Stellungskrieg gegen den letzten Wall geführt, der Deutschland mühsam vor dem finanziellen Untergang schützt. Man braucht deswegen bei dem steuerlich fo merkwür- dkg zart angefaßten Reichtum des Herrn Stinnes und anderer Leute nicht gleich an illegale Steuerhinterziehun- gen zu denken. Es gibt ja fo viele„gesetzliche" Wege; und es wird sich hoffentlich nicht ein braver Beamter finden, der die Steuererklärung des Herrn Stinnes ebenso behandelt wie >die Erzbergers, sie photographiert und publiziert. Stinnes besitzt Kohlen- und andere Läger, Schiffe, Berg- merke, Aktien und Anteile aller möglichen Unternehmungen: er ist an vielen Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht be- teiligt und hat in aller Herren Länder Bankkonten. Ist es nicht Hugo Stinnes selbst, dann sind es seine Firmen, seine Geschäftsfreunde oder ihm nahestehende Unternehmen. Ueberall kann man recht- und gesetzmäßig„abschreibe n", überall kann man ordnungsmäßige" Reserven bilden. Herr Stinnes hat viel nichtdeutschen Besitz, er war schon immer an großen ausländischen Unternehmungen beteiligt. Liegen diese Objekte im neutralen Ausland, dann bringen sie gute Valuta, liegen sie im feindlichen Gebiet und wurden sie auf Grund des Friedensvertrags weggenommen, dann entschädigt ihn bestimmungsgemäß das Reich. Stinnes treibt umfangreichen Auslandshandel, Stinnes kauft viel Auslandsware, seine Ge- sellschaften treiben Auslandshandel, dort, wo er beteiligt ist, werden die Beziehungen zum Ausland gepflegt. Es quillt ihm aus tausend Poren zu, je größer sein Interessenkreis wird. Welcher Steuerbeamte will da nachkommen? Wer weiß außer ihm selbst in seinen Angelegenheiten so gut Bescheid, daß er ihm wirklich nachrechnen kann? Niemandl Der Staat, das Reich ist auf seine Ehrlichkeit angewiesen. Schon Treitschke sagte, daß es keinen ehrlichen Kaufmann gebe. Ist der Mann der Steuerbehörde gegenüber ehrlich, dann ist es kein Kauf- mann. Nehmen wir ans den tausend Möglichkeiten der Umge- hung der steuerlichen Nachteile nur eine heraus: Die Aktien- gefellfchaften usw. wurden schon bei den großen Vermögenssteuern auffällig begünstigt. Kriegszuwachssteuer und Reichsnowpfer traf nur den Privatmann mit den vollen Sätzen, juristische Personen wurden mit lächerlicher Milde be- handelt. Noch stärker triff dies bei der Körperschaft»- st e u e r hervor. Heute wird im besonderen bei den Gesellschaften, die von wenigen Großaktionären beherrscht werden, und dazu zählen w erster Linie die Stinnesschen Unternehmen, nur ein ver- hältnismäßig kleiner Teil der erzielten wirklichen Gewinne zur Ausschüttung verwendet. Begründet'wird dies mit der Notwendigkeit wirtschaftlicher Borsicht. In Wirklichkeit hat diese„Vorsicht' den Vorteil ungeheuerlicherSteuer- e r s p a r n l s s e. Im besonderen dort, wo die Macht der neuen Industrieherzöge hinreicht, wird heute nur noch ein Neiner Teil der industriellen und Handelsgewinne in den Jahresabschlüssen sichtbar gemacht, und noch weniger geht in Form von Dividende, Tantieme oder Gratifikation der Ge- winnst den Weg der gewöhnlichen Verteilung. Rur dieser Niiierneümergewlim gM auf e�nem?erark?gen Wege zum Empfänger, daß er voll zur Steuer herangezogen werden kann— wenn dieser Empfänger ehrlich ist. Die ganze deutsche Industrie arbeitet nach dem System Stinnes, wenn sie Steuern zahlen soll. Je größer die Ge- schäfte und je umfangreicher das Interesse, um so besser ist es für die Steuererklärungen. Ueberlegen wir uns doch nur. wie die Gewinne der Aktiengesellschaften mit beschränkter Hastpflicht versteuert werden. Der gesamte Gewinn unterliegt nicht etwa den 60 Proz. des Einkommensteuergesetzes, er wird nur mit etwas mehr als 10 Proz. auf Grund des Körperschafts st euergesetzes erfaßt. Nur die eigentlichen Dividenden usw. werden beim Empfänger voll zur Einkommensteuer herangezogen, aber alles, was jene Untenichmungen an Gewinnen nicht auszahlen, wird geschont! Kauft oder übernimmt nun z. B. eine Aktiengesellschaft erhebliche Posten von Papieren anderer Unternehmen, an denen sie interessiert ist, dann hat sie jede Möglichkeit, durch enorme Abschreibungen auf Grund„wirtschaftlicher Vorsicht" ihren Aktienbesitz so unterzubewerten, daß der größte Teil ihres Verdienstes verschwindet. Es besteht aber gar kein Grund, daß die Tochtergesellschaften nicht wieder Aktien oder Anteile von Enkelunternehmen besitzen und diese ebenfalls durch Abschreibungen aus Gewinnen unterbewerten sollen. Enkelunternehmen können es dann in den lieblichsten Ver- schlingungen wieder ebenso mit Anteilen an Schwester-, Mutter« und sonstigen Gesellschaften machen. Vermögens» masfen, die in festen Händen sind, bieten noch mehr Möglich- keiten. Ist es eine zahlreiche Familie— siehe Familie Stinnes— mit Brüdern, Tanten und Anverwandten, dann hat der Spaß überhaupt kein Ende, dann kann man so Ver- stecken spielen, daß Steuereinnehmer und Steuergesetzgebung in zwanzig Jahren nicht den Weg zum Geldbeutel finden. In diesem Zusammenhang sei auf eine kleine Stinnessche Gründung technisch recht beachtenswerter Art hingewiesen: es ist die A.-G. Hugo Stinnes für Seeschiff- fahrt und Ueberseehandel, Hamburg. Die Geschäftsleitung besteht im wesentlichen aus Mitgliedern der Familie Stinnes: die Firma ist aus 15 kleinen Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht(Kapital je 30 000 M.) entstanden, jede besaß einen Stinnesdampfer als Aktivposten. Die Muttergesellschast Hugo Stinnes ist überdies auch eine G. m. b. H., die jahrzehntelang mit dem lächerlichen Grundkapital von 50 000 M. auskam; erst neuerdings wurde das Kapital auf 5 Millionen erhöht. Die Wirklichkeit war mit dem offiziellen Grundkapital allzu arg in Konflikt geraten. In derartigen mit mehr oder weniger stillen Reserven auswattierten Gesellschaften und Unternehmen braucht n i e das gesamte Aktienkapital in den Händen der eigentlichen Herrscher zu sein, es genügt schon die Hälfte, um über das ganze verkettete und ineinandergeschachtelte Inter- essenfeld zu herrschen. König bleibt immer Hugo Stinnes. Auf diese Art— neben vielen anderen Methoden— zahlen heute die deutschen Großverdiener und Trustmagnaten bei weitem nicht die Steuern, die ihrem tatsächlichen Vermögen und Einkommen entsprechen. Die Steuergesetze und die Rou« tine, gutfrisierte Bilanzen aufzumachen, geben ihnen auf nicht gerade ethischem, aber meistens auf„legalem" Wege die Mög» lichkeit, die Pflicht, dem Staate durch Geld zu helfen, nach allen Regeln der Kunst zil vermeiden. Die Verzauberung gewaltiger Kapitalien hat aber neben der Rettung vor dem Steuererheber noch eine andere eigen« tümliche Wirkung. Die aufgestapelten Geldmengen haben die Tendenz, auf Grund der ihnen innewohnenden geheimnisvollen Kraft, immer neue Gelder hecken zu müssen. Sie verlangen stets erneute Anlage und Betätigung. Anders würde das in alle Ecken und Schränke gestopfte Geld den Betrieb, der es brachliegen lassen wollte, einfach ersticken. So ist der auch bei Hugo Stinnes heute erkennbare hastige Aus- dehnungsdrang zu einem Teil die Folge der allgemein üblich gewordenen Verschleierung und Hinterziehung der industriellen und Handelsgewinne. Sie sind die Grundlage und Not- wsndigkert zu immer neuen Derschachtekungen und Interessen- verquickungen. Auf dem Rattenkönig immer zahlreicher wer- denden Unternehmen sitzt dann als Regent ein Mann mit verhältnismäßig geringem Einkommen und einem steuerlich kleinen Kapitalbesitz, der aber in Wirklichkeit der Herr über Abermillionen und Milliarden ist, von dem Hunderttausende von Arbeitern abhängen, der die öffentliche Meinung und politische Parteien beeinflußt, der zum Staat im Staate ge- worden ist! Das kann aber ein Staat auf die Dauer nicht ertragen. Er kann es nicht dulden, daß sich an seinem Leibe ein Glied selbständig macht, obwohl es durch den Gesamtorganismus ernährt und erhalten wird. Hier hilft aber nur ein Radikal- mittel, und das ist der Sozialismus. Der Weg dahin führt über eine ernst zu nehmend« Besteuerung der Großverdiener. Stegerwalüs Kapitulation. Nichts gegen die Rechtsparteien: Den Trotz püegt iron lidj iw ailgenreia»«' ichwewend v� zustellen. Der Trotzminister Stegerwald zeichnet sich durch großes Redebedürfnis aus. Er muß immer wieder der Welt sagen, warum er eigentlich noch Minister ist, und hat deshalb sich von dem Chefredakteur der„Germania" ausfragen lassen. Das Intervierw bedeckt eine volle Seite der„Ger- mania", aber fein wesentlicher Jnhall läßt sich kürzer skizzieren. Für Herrn Stegerwald gibt es gute und schlechte Menschen. Zu den guten Menschen gehört natürlich er, die schlechten Menschen sind die, die ihn bekämpfen, also in erster Linie die Sozialdemokraten. Die guten Menschen ü In Stegerwald stellen die„S t a a t s n o t w e n d i g k e i t e n" in den Mittelpunkt ihrer Politik und gehen von„politischen Realitäten und Mög- lichkeiten" aus, während die schlechten Menschen„parteipoli- tischen Strömungen" folgen und zu erkennen sind an chrer „formalistisch-demokratifchen" Denkweise. Als solch Musterbild eines schlechten Menschen mit forma- listisch-demokratischer Denkweise stellt Stegerwald seinen Par- teikollegen Erzberger hin, der im Juli 1917 durch die Friedensresolution Deutschland vor dem Zusammenbruch des Jahres 1918 bewahren wollte und sich dabei auf die Parla- mentsmehrheit stützte, während doch die„politischen Reali- täten", nämlich Offizierskaste, preußische Bureau- kratie, Schwerindustrie und Agrariertum g e g e n ihn waren. Diesen„politischen Realitäten" muß man sich nach Stegerwalds Auffassung unter ollen Umständen beugen. Und deshalb verkündet Herr Stegerwald von den nächsten Aufgaben Preußens, als die er Steigerung der Pro- duktivität der Landwirtschast, ertragreiche Grundsteuer und Durchführung-der Verwaltungsreform ansteht, wörtlich folgendes: keine dieser drei Aufgaben läßt sich bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Preußen durchführen gegen den geschlossenen Widerstand der beiden Rechtsparteien. Da die beiden Rechtsparteien im Preußischen Landtag, worauf ein„Formaldemokrat" hinweisen würde, höchstens ein Drittel der Sitze haben, so heißt dieser Ausspruch nichts weiter, als daß Herr Stegerwald vor den Mächten kapituliert, die hinter diesen beiden Parteien stehen. Herr Stegerwald kapitu- liert vor Schwerindustrie und Agrariertum, altpreußischer Bureaukratie und ausrangierten Militärs. Gegen ihren ge- schlossensn Widerstand wagt dieser republikanische Minister keinen Schritt zu tun. Dagegen traut sich Herr Stegerwald sehr wohl, gegen den geschlossenen Wider st and der ge- samten Arbeiterschaft zu regieren. Seine Kapitulation vor der Rechten begründet Herr Stegerwald mit einem eigenartigen Geständnis: nämlich mit dem Geständnis, daß das Zentrum sich so weit nach rechts entwickelt habe, daß es gegen eine Agitation der Rechtsparteien nicht mehr widerstandsfähig ist. Herr Steger- wald will nämlich die alte Koalition von Sozialdemokratie, Zentrum und Demokraten nicht wiederherstellen, weil er glaubt, da? Set rechte agrarische Fkssg� ves Zentrums etiffoch MM bei der Stange bleiben, sondern überlaufen würde. Her? Stegerwald schreibt: � Wenn bei solcher Sachlage die Führer der Zentrumspartei selbst den ernstesten Willen hätten, in den entscheidenden Fragen mit der Mehrheitssozialdemotratie zusammenzugehen, dann würde trotzdem damit praktisch s o gut wie nichts gewonnen. Den» die Fraktton würde in einer Reihe entscheidender Fragen u n« i n< heitllch und gegeneinander stimmen, womit die Koa- littonsmehrheit sofort ohne weiteres in ein« Minderheit umgewandelt wäre, und im übrigen würde die Agitation der beiden Rechtsparteien im Lande de» agrarische» Flügel des Zentrum» nach rechts ziehen, und an Stelle einer Star- tung der Mitte, die für das nächste Jahrzehnt für deutsche Verhältnisse das Gebot der Stunde ist, würde in kürzester Zeit eine Recht»« Mehrheit erstehen. Deutlicher und kläglicher kann man nicht vor der Reaktion kapitulieren. Herr Stegerwald hat nun wenigstens mit Offen- heit ausgesprochen, daß er sich als Gefangenerder bei- denRechtsparteien betrachtet, daß er von ihrem guten Willen lebt und nichts gegen sie unternehmen will. Wer der Freund der beiden Rechtsparteien ist, der ist der natürliche Feind der Arbeiterschaft. Die Geständnisse des Herrn Stegerwald tragen ungemein zur Klärung der Situation bei._,.„•: Selbstschutz Zlegel. Hei lewet noch— nämlich der Berliner Selbstschu?, Nachfolge» der Einwohnerwehr. Wer es nicht glaubt, der lese folgendes ge- druckt« Zirkular, dos uns in mehreren Exemplaren zu Gesicht gekommen ist: Berliner S e l b st f ch u ß. G. m. b. H. Ortsgruppe Neukölln. Geschäftsstelle: Finowstraße 8. Fernruf: Neukölln 8764. Neukölln, Datum de» Possstempel,. Sehr geehrter Herr Kamerad! Ihnen hierdurch die ergebenste Nachricht, daß die Kamerode» der ehemaligen Einwohnerwehr Reukölln sich korporativ dem Ver- liner Selbstschutz(Ortsgruppe Reukölln) angeichlossen haben. Auch Ihr uebertritt ist nach Angabe der Kameraden erwünscht. Zwecks Aufnahme und Informierung können Sie Auskunft ev» halten in der oben bezeichneten Geschäftsstelle oder in der am Freitag, den 10. Juni 1921, abends 7)4 Uhr, stattfindenden Derfammlung im Deusschen Wirts» haus« Neukölln, Bergstraße 136/37, Seitenflügel 1 Treppe. Mit kameradschaftlichem Gruß Der Dorstand: gez. R o ch l i tz, Major a. D. i. A.: P. F l e g e l, Oberlt. d. L. a. D„ Neukölln. Finowstr. 8 II. Dieses Zirkular ging auch einigen Parteigenossen zu. Als dies« jedoch in berechtigter Neugierde, was hier wohl gespielt würde, zur Versammlung erschienen, wurde ihnen trotz Einladung der Zutritt verweigert! Nicht gerade ein Zeichen, daß die Einberufer ein sehr reines Gewissen hatten.— Ein Genosse hatte sich am 2. Juni durch Oberleutnant d. L. a. D. Flegel für die„Berliner Selbssschutz"-Genossenschaft werben lassen und einen Anteil von 20 Mark bereits«ingezahlt. Er erhiett unter dem 9. Juni folgendes Schreiben: „Berliner Selbssschutz" Berlin W. 10, den 9. 6. 2t. E. ffl. m. b. H. Vendlerflr. Z9. Mit Postanweisung erhalten Sie den Betrag von 2 0 M. zurück. Ihre Aufnahme in den„Berliner Selbstschutz" kann zu unserem Vedauer« nicht statlstndeu. Einschreiben. Berliner Selbssschutz Eingetragen« Genossensch, m. b. H. (gez.) Koch. Es wäre sehr interessant, die Gründe zu erfahren, warum dle Ausnahm« nicht stattfinden konnte. Etwa weil dieser Selbstschutz ein politisch reaktionäres Gebilde ist, das nur Anhänger der Rechtsparteien aufnimmt? Schließlich ist noch beachtenswert, daß dieser Selbssschutz seinen Sitz in der Bendlerstraße, in nächster Nähe des Reichswehr- Ministeriums, hat. Teutsthe Jugend. Kleinigkeiten von H. Matthäus Becker. Kommt da neulich ein Trupp Arbeiterjugend, Burschen und Mädel, mit Rucksäcken und bebänderten Lauten die Straße ent- lang. Di« Kleidung ist so, wie sie sein muß, wenn der Mensch sich nicht vor der Natur blamieren will. Ein hoher Stehkragen kann eine ganze Gegend verschandeln und ein schwarzer Gehrock alles Grün in Wald und Wiese auslöschen. Die Burschen tragen Kniehosen, und gleich ihnen sind auch die Mädel strumpflos. „Sogar die Frauenzimmer," hörte ich eine Dame mit feister Besitzrundlichkeit zu ihrem Begleiter sagen, dessen Gesicht— ein Gesicht, das eigentlich in die Hose gehört— sofort den Faltenwurf sittlicher Entrüstung annimmt. Spießer bleibt Spießer. Ich habe an ein Erlebnis kurz vor Kriegsausbruch denken müssen. Es war in einer kleinen südwest» densschen Universitätsstadt. In den Gossen des heimattrauten Restes lag die Morgendämmerung. Junge Burschen und Mädel, wohl ein Dutzend, käme,» unter Gesang und Lautenklang aus der Alt- stadt herunter. Der Morgen war so recht angetan zu einer Man- derung durch die frischen Buchenwälder der Lahnberge. Eben erklingt«u» hellen Kehlen Eichrndorffs Lied: „Fliegt der erste Morgenstrahl Durch das stille Nebeltal—" Da kommen aus einer Seitenstraße drei oder vier buntbe- mutzte Jünglinge. Hochfeudale Korporatton. Doch der nächtliche Suff hat die übliche schneidig-korrekte Haltung etwas beschädigt. Zwei Welten: Hier frische Jugendlichkeit, dort deren ekelhafte Karikatur. Das Dichterherz des guten Freiherrn von Cichendorff ist ganz sicher nicht von umstürzlerischem Drang erfüllt gewesen. Aber die künfttgen Führer der Natton fühlen instinktmäßig, daß jedenfalls in den Herzen der Sänger etwas lebt, das oll ihrer faulen Tradition gefährlich ist. Das fordert heraus zum Protest. Und dieser Protest vollzieht sich in jener Form, die auch der dümmste Vertreter dieses Typs immer zur Hand hat: drei oder vier bier- heisere Kehlen brüllen auf einmal das Deusschland-Lied in den Gesang der andern. Armer Hoffnumn von Fallersleben, wie oft schon haben jene, die dich einst maßregelten, mit deinem Sang den neuen Geist totzubrüllen versucht! Das Lied der Burschen und Mädel schallt um so frischer in den erwachenden Morgen. Nur eine ganz Blonde, die fröhlichste von allen, kann beim Anblick jener dreifach armseligen Männlichkeit vor Lachen nicht singen. Da muß schweres Geschütz heran. Und nun gröhlen die Akademiker eines jener zur Zote verschandelten Volks- lieber, deren ständig wachsende Strophenzahl die Phantasie eines gewissen Studententyps kennzeichnet. Das war im Frühjahr 1914. Es ist nur ein kleines unbedeo- tendes Erlebnis. Ader«eil die vielen Erlebnisse der dazwischen- liegenden sieben Jahre haben es in meiner Erinnerung nicht ge- löscht. Und wenn ich höre, daß teussche Jünglinge irgendwo mit dem Lied des braven Hoffwann von Fallersleben andere Leute niederzubrüllen versucht haben, dann weiß ich jedesmal, daß es bei ihnen bis zur offenkundigen Gemeinheit nur ein Schritt ge- wesen wäre. » In der Hamburger Vorortbahn am Tage nach Eisners Tod. Arn Dammtor steigen zwei Jünglinge ins Abtell, Typ: Haken- kreuzler. „Schneidiger Kerl dieser Arro," sagte der eine,„von der Art müßten wir noch viele haben." „Jawohl, es muß reiner Tisch gemacht werden," meint der andere.„Der nächste, der dran glauben muß, ist dieser— na, hels mir doch mal auf den Namen— Ferdinand nennt sich dieser Iudenbolschewist schamhaft mit Dornamen. Na. Du kennst ihn doch?" Der erste kennt ihn nicht. Ich natürlich auch nicht. Meine Neugierde wächst. Da geht es wie eine Erleuchtung über das Gesicht des hoff» nungsvollen Jünglings:„Also ich Hab'»: Lassall« heißt da» Schwein." « Im Oberlyzeum. Die vberlehrerin erzählt von Diogenes aus Sinope, dem Philosophen und Proletarier.„Ja, und einmal, als Diogenes vor feiner Tonne lag und sich von der Sonne befcheinen ließ, hatte er eine Begegnung mit Alexander von Mazedonien, der mit seinem Gefolge gekommen war. Der König gewann so leb- hafte» Interesse an ihm, daß er ihm gestattete, sich«ine Gnade auszukitten. Diogenes tat es, indem er Alexander aufforderte, ihm ein wenig aus der Sonne zu gehen. Fräulein Kulike, wofür ist uns diese Aeußerung ein Beweis?" „Für die Begehrlichkeit der unteren Schichten," sagt Fräulein Kulike. Die Wissenschask kennt keine Grenzpfähle. Montag hielt Professor Einstein in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saale des Londoner Kings College in deutscher Sprache seinen Dortrag über die Relativitätslehre. Bei seinem Erscheinen erhob sich«in großer Beifallssturm, der sich noch steigert«, als Lord H a l d a n« in seiner Einleitungsrede Einstein als ein Genie de« 20. Jahr- Hunderts bezeichnete und erklärte, die Wissenschaft kenne kein« Grenz- pfähle. Nach der Borlesung Einsteins wurde ihm von der Zuhörer- schaft eine stürmische Kundgebung dargebracht. Bei dem rin Abend veranstalteten Essen zu Ehren Einsteins begrüßte Ernest Barker den deutschen Gelehrten, der als Gast aus einem Lande kärtte, das bis vor kurzem der Feind Englands qewesen sei. Er helfe dle zerschniltei cn Fäden des internationalen Bande- wieder zusammenfügen. Barker erklärte in deutscher Sprache, daß die wieder aufgenommenen Beziehungen eine gerade Linie zeigen, die stets bleiben werde, nämlich die gerade Linie des Rechts und der Gerechtigkeit. Er sei' überzeugt» daß die Parallele des englische� und deusschen Gedankens, trotz der Lehre der Mathematik, die beiden Nationen in Freundschaft mtteinander und mit den anderen Nationen der Welt zusammenbringen werde. Einstein erwiderte, er sei außerordentlich erfreut, daß lein Besuch unmittelbar ein« gute Wirkung auf die internationalen Be- Ziehungen auszuüben v-rsprech«. Ein Teil der Oldenburger Galerle i« Amsterdam versteigert! Dle heimliche Fortschaffung der Hauptteile der Oldenburger Galerie, die leider Privatbesitz des Oldenburger Großherzogs war und eine der erlesensten kleinen fürsttichen Sammlungen Deutsch- land» bildete, erregte 1919 berechtigte Empörung. Der olenburgische Staat hatte damals nicht zugegriffen, und so wanderten 4 Rem- brandts, 3 Rubens und manches andere wertvolle Bild nach Holland. Man glaubte sie längst über den großen Teich. Da meldet jetzt„Der Sammler", daß in aller Stille und mit ungewöhnlichen Borstchtsmaßregeln dieser Tag« in Amsterdam ein« Versteigerung der neueren® mn ä l d e aus dem Besitz des Großherzogs stattgefunden hat. Das Haupsstück, die„Medea von Anselm Feuerbach, erwarb der Berliner Kunsthändler Casstrer. Der Großherzog hatte weder das Recht, die Kunstwerke außer Landes zu bringen, noch hat er für diesen Besitz die Lasten aus sich genommen, die er ol» deutscher Rattonalangehöriger zu tragen ver- pflichtet ist. Sollte es nicht doch Mittel und Wege geben, dem edle« Exlandesooter, der sowohl den deusschen K u n st b e s i tz als den deusschen Fiskus auf» schwerste geschädigt hat, dos Geschäft gründlich zu oessalzen? „Die Elgenmark« and ihre Anwendung." Unter diesem Titel gellt der Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker, Landesgruppe Berlin- irandendurg, jetzt in der Bibliothek der Unterrichtsanstalt unseres Kunstgewerbemuseums eine groß« Reih« von Arbeiten seiner Mitglieder aus. E» sind Marken und Signete, die für die ver- schiedensten Zwecke entworfen worden sind und die unsere Gebrauchs- graphik auf einer recht respektablen Höhe zeigen. Unter den vielen Eigenmarken liegen auch die Wappen der deutschen Län- d e r, die H a d o n k von der Berliner Kunstgewerbeschul« entworfen hat, und daneben sieht man die neue Patz karte, für die diese Wappen bestimmt sind. Der wettlauf zwischen London und New York. Die New Parka haben nach da letzten Volkszählung den Anspruch erhoben, daß ihre Vaterstadt die größte da Welt sei. Das mag im«artwörtliche» Sinne vielleicht stimmen, denn da, riesige Flächengeblet. das Groß. Rem York bedeckt, wird von keina anderen Stadt da Well»reicht. »ba dieses Gebiet umschließt groß« Flächen, die ganz dünn od» überhaupt nicht bevölkat sind, und da wir die Größe einer Stadt nach der Zahl ihr» Einwohna bestimmen, so ist London da Neben. buhlain immahin noch um ein Beträchtliches voraus. Groh-Londo» hat über 7 Millionen Einwohna; New Bork hat es bisher nur auf üba SH Millionen gebrocht. Di» New Porker Bevölkerung ist aba m einem viel fchnelleren Temp» gewachsen al» dte Londoner, und man hat berechnet, daß Neko York im Jahre 1930 London überholt haben und dann tassächttch die größte Stadt da Welt sein wird. «.®n8. nS-ft- ftädtstche«jtylwjat(ttcha*. Nr. 277 ♦ 38. Jahrgang 1. Beilage öes Vorwärts Mkttwoch, 15. Inn! 1921 Invaliden- und Hinterbliebenen Versicherung. Don rente Kinder unter 15 Jahren, so erhöht sich die Rente bei einem Kinde um 96 M., bei zwei Kindern um 168 M. und für jedes weitere Kind um 48 M. Neu ist, daß die Zulagen auch für Enkel gewährt werden, deren Unterhalt der Renten- ! empfänger bestritten hat. Die Härten beim Verlust der An- Rriebrirfifflleet« wartschaft sind gemildert worden durch Aufnahme der Vor- «r i« �-mort t rj,f t s. m'■*. t x-»-a schriften in das Gesetz, welche die Verordnung vom S. Februar JSL*•SSÄ«ÄS m«-nq-lt. M die Anwartschaft a�s n � loschen, wenn die zwischen dem Eintritt m die Versicherung und dem Versicherungsfall liegende Zett zu mindestens drei Viertel durch ordnungsmäßig entrichtete Deittaae gedeckt ist. In der Richtung der erweiterten Mitwirkung der Ver- sicherten in der Verwaltung der Versicherung geschieht über- Haupt nichts. Und doch wäre eine zeitgemäße Demo- kratisierung auch hier sehr nötig. Die ganzen Geschäfte der Invalidenversicherung führen„beamtete" Vorstandsmst- regierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den der Notlage der Landesversicherungsan- stalten abgeholfen wird, und die Vorlage so zu beschleunigen, daß die erforderlichen Maßnahmen spätestens mit dem 1. Juli 1921 in Kraft treten. Inzwischen beschloh auch der preußische Landtag, bei der Reichsregierung eine solche Gesetzesänderung anzuregen, und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hat erst noch in den letzten Tagen eine Eingabe an die Reichs- gesetzgebung gelangen lassen, nach der Einrichtungen zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit der Landesverficherungs- anstasten gefordert werden. Anlaß zu diesem Schritte gab be- sonders der Beschluß der Landesoerficherungsan- st alt Berlin, die Heilbehandlung so gut wie gänzlich aufzuheben. Es ist nun auch ein Entwurf eines„Gesetzes über die ander- weite Festsetzung der Leistungen und Beiträge in der In- validenoersicherung" fertiggestellt worden. Er ist beglettet von einer Begründung und einer längeren„Denkschrift über die Höhe der Besträge zur Invalidenversicherung", die eingehende versicherungsmathematische Angaben enthält. Im allge- meinen ist zu sagen, daß der Entwurf nicht nur u n z u l ä n g- lich, sondern auch fehlgreifend ist. Zu beheben sind drei Mißstände: Die Nollage der Versicherungsträger, die immer noch bestehende Geringfügigkeit der Renten und die bureaukratische Verwaltung der Landesversicherungsanstalten durch erweitert« Mitwirkung der Versicherten. In erstgedachter Richtung begeht man den einzig möglichen Weg der Neueintellung und Vermehrung der Lohnklassen. Aber w i e das geschieht! Es werden neun Lohnklassen ge- bildet, Klasi« I umfaßt die Versicherten mtt einem Jahres« arbeitsverdienft bis 1009 M., Klasse II von 1000 bis 2000 M., Klasse III von 2000 bis 3000 M. usw. Der Klasie IX gehören alle Versicherten mit einem Jahresarbettsoerdienst von mehr als 8000 M. an. Zunächst ist es höchst ungenügend, daß die immer um 1000 M. auseinanderlie�enden Grenzen mit 8000 M. aufhören und alle die vielen Versicherten mtt einem höheren Verdienst ein und derselben Klasse angehören. Die Erklärung, welch« die anttliche Begründung für diese Beschränkung gibt, ist ganz ungenügend. Es heißt, eine größere Anzahl von Lohn- klassen würde„versicherungsmathematische" Schwierigketten mtt sich bringen. Mag sein. Aber wenn man die Zwischen» räume der Klasien erweitert, kommt man bei etwa zehn Klassen zur viel besieren Erfassung der höheren Verdienste. Der zweite Fehler ist, daß die getroffene Klassifizierung ganz willkürlich ist und sich glieder, die aufsichtsbehördlich eingesetzt werden. Die Ver- treter der Arbeitgeber und Versicherten werden nur zu be- stimmten Beschlußfassungen zugezogen, die in der Satzung fest- gelegt sind. Die beamteten Vorstandsmitglieder stimmen auch mit ab. und sie haben meist soviel Stimmen, wie die Vertreter der Arbeitgeber und Versicherten zusammen. Hier sind ein- schneidende Aenderungen nötig: z. B. daß auch die beamteten Vorstandsmitglieder vom Ausschuß der Anstalt gewählt werden usw. Es ist nicht einzusehen, warum jetzt nicht auch in solchen Fragen das Gesetz geändert werden soll. Der Verband der Landesversicherungsanstalten schlug einmal kürzlich eine Demo- kratisierung der Verwaltung durch Neugestaltung der Satzun- gen der einzelnen Anstalten vor, die jedoch so gut wie nicht befolgt wurde. Deshalb muß der Gesetzgeber das nötige ver- anlassen. Der Geist der neuen Zeit muß endlich auch hier einziehen. Hermes über die Getreiöewirtsthast. Zu Deginn der Relchskagsflhunq teilt Präs. Löbe mit: Presse- s gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich ist, weil dabei die Siche- Mitglied dieses Hauses, der Abg. rung des bisherigen Bedarfs......~ Meldungen zufolge soll ein weiteres Dias(Soz.) aus Beuihen von polnischen Znsurgenten an einen un bekannten Ort verschleppt worden sein.(Hört, hört!) Dazu teilt mir der Minister des Auswärtigen mit:„Eine B e st ä t i g u n g des deutschen Vertreters bei der Interalliierten Kommisston liegt noch ... zu erschwinglichen Preisen nicht erreicht werden könnte. Dem Hinweis darauf, daß der Preis des Inlandsgetreides bei steier Wirtschaft durch Lerbilligung des Auslandsgetreides mittels Reichszuschüssen niedrig gehalten werden könnte, muß widersprochen werden, denn es wäre die De- nicht vor. Graf P r a s ch m a ist sofort angewiesen worden, reitstellung von ausländischen Zahlungsmitteln im Werte von 14 bis falls sich die Nachricht bestätigen sollte, bei der Interalliierten Kom Mission in nachdrücklichster Form Verwahrung gegen, dieses neueVerbrechender Insurgenten einzulegen, die sofortige Befreiung des Verschleppten und Genugtuung und Garantien gegen, neue Rechtsbrüche zu verlangen. Auf Antrag des Abg. C r i f p i e n(U. Soz.) wird die un- abhängige Znlerpellalion über die Ermordung de» bayerischen Land- lagsabgeordnetea Gareis als erster Punkt neu auf die Tages- ordnung gesetzt. Minister des Innern Gradnauer: Die Regierung wird die Interpellation nochin dieser Woche beantworten. Auf der Tagesordnung stehen zahlreiche Anfragen. Unter anderem verweisen die Abgg. Ivel»(Soz.) und ZubeU(U. Soz.) auf die Tatsache, daß die Reichsdruckerei infolge unzureichender Zuweisung von Aufträgen durch die einzelnen Ministerien, die die S t i n n e s- D r u ck e r e i e n der Reichsdruckerei vorziehen, zu verkürzter Arbeitszeit uud dauernden Arbeiter- euklassungen gezwungen wird, wenn diesem Zustand durch die Reichs- regierung nicht bald ein Ende bereitet wird. Ein Vertreter des Reichspost Ministeriums: llm der Reichsdruckerei die nötigen Aufträge der Reichs- und Staatsbehörden zu sichern, sind durch den Reichskanzlererlaß vom IS. August 1910 der Präsident des Reichstags, die obersten Reichsbehörden und die preußi- fchen Ministerien ersucht worden, alle Druckausträge der ihnen unter- ....i v. stellten Behörden in Berlin der Reichsdruckerei zukommen zu lasten. gar nichts mach �l��prakuschen � Wichsend des Krieges und zunächst auch noch in der Nach Leben richtet. Es ist schon oft der vernünftige Standpunkt ver treten worden, daß die Lohnklasien der Invalidenversicherung mtt denen der Krankenoersicherung übereinstimmen sollen, so daß der z. B. in der 1. oder 6. Klasse der Invalidenversicherung lst, sich auch in den entsprechenden Massen der Krankenversiche- rung befindet. Das würde eine ganz gewaltigeBerein» f a ch u n g des Versicherungswesens darstellen. Wir schlagen z. D. vor. daß die I. Klasie die Tagesverdienste bis zu 5 M. und die Iahresarbeitsverdienste(300 Arbeitstage zu je 5 M.) bis 1500 M., die IL Klasie die Tagesverdienste von 5 bis 10 M. und(300 Arbeitstage zu je 5 bis 10 M.) die Iahresarbeitsverdienste von 1500 bis 3000 M.. die III. Klasie 10 bis 15 M. bzw. 3000 bis 4500 M. umfaßt usw. So kommt man mit 10 Klasien triegszeit war die Reichsdruckerei fo stark nnt Aufträgen ver- sehen, daß umfangreiche Arbeiten an die Privatdruckereien abgegeben werden konnten. Als sich später eine Abnahme der Druckausträge bemerkbar machte, haben sich die Direktion der Reichs- druckerei und auch das Reichspostministcrium unter Bezugnahme auf den erwähnten Reichskanzlererlaß bemüht, der Retchsdruckerei zu- kommende Arbeiten von den Behörden zu erlangen. Diese Be- mühungen haben auch Erfolg gehabt, so daß eine Verkürzung der Arbeitszeit und Arbeiterenllasiungen bisher nicht nöNg waren. Hin- sichtlich mancher Aufträge ergaben stch jedoch Schwierig- leiten, die nicht ohne weiteres zu beseitigen waren. Namentlich steht der Ueberwecsung der fortlaufend erscheinenden Blätter, sowie sonstiger zur allgemeinen Verbreitung bestimmter Veröffentlichungen mehrfach entgegen, daß mit diesen auch ein Der verbunden ist. Eine genügende Ver aus 15 000 M. Natürlich muß dann diese Lohnstufenab- l a g s g e s ch ä st oer b u n d en ist. Eine genügende HU? iowu JA._ v, j,„ L. sorgung der Reichsdruckerei mtt amtlichen Druckauftragen wird grenzung einheillich durch Gesetz auch für alle Krankenkassen vorgeschrieben werden. Damit würden auch die ganz unbe- gründeten Verschiedenheiten bei den einzelnen Krankenkassen aufhören. In Oesterreich. Dänemark usw. besteht diese Einheit- lichkeit schon lange. Die Wochenbeiträge sollen nach dem Entwurf in der niedrigsten Klasie 3,50 M. betragen, sich in ieder Klasie um 50 Pf. steigern bis.zu 7 M. m der VIII. Klasie. Für die IX. Klasi« sind 7.80 M. festgesetzt. Das ist zwar viel, aber es läßt sich nicht billiger machen. Die bisherigen freiwilligen Zu- satzmarken hören auf. weil sie sich gar nicht bewährt haben. Wer bisher welche geklebt hat, bekommt auf Anttag sein Geld zurück. Der Gedanke, der z. B. auch vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund geäußert worden ist. daß die einzelnen Landesversicherungsanstalten je nach ihren Bedürfnisson(besonders für die Heilbehandlung) verschiedene Zuschläge zu den Normalbeiträgen erheben könnten, wird ver- warfen, weil er praktisch undurchführbar wäre. Das ist auch ganz unsere Ansicht. Es würde dadurch auch nur die bisher erfreuliche Einheitlichkett in der Invaliden- und Hinter- bliebenenversicherung gestört. Der Sanierung der Finanzierung dient auch der Vorschlag des Entwurfs, die Witwengelder und Waisenaus- steuern zu beseitigen. Das sind bekanntlich einmallge Ab- findungen an Witwen und Waisenrentenempfänger, die das 15. Lebensjahr überschritten, wenn die W'twe selbst Beiträge zu der Versicherung enttichtet hat. Um die Einrichtung ist es nicht schade. Sie ist so kompliziert und so wenig bekannt, daß ein großer Teil der Anspruchsberechtigren die Leistung nicht beantragt. Die Abfindungen haben auch volkswirtschaftlich kaum noch einen Wert. Ein Witwengeld(das nicht etwa mit der Witwenrente zu verwechseln ist) beträgt im Durchschnitt 84 M. und eine Waisenaussteuer 27 M.! Die Erledigung der Anträge auf diese Abfindungen erfordert viel mehr Derwal- tungskosten als die ganze Fürsorge wert ist. Die bisher festgesetzten Renten. Zulagen und Beihilfen werden in dieser Höhe weiter gewährt und es tritt keine Aufbesserung ein. Das wird manche Enttäuschung her- vorrufen, betrögt doch z. B. der Gesamtbezug eines Invaliden- rentenempfängers nur durchschnittlich 100 M. im Monat. Ein Altersrentner erhält noch weniger. Bei der herrschenden Teue- rung kann mit diesen Beträgen kein Mensch auskommen. Für die zukünftig festzusetzenden Renten tritt eine neue, ver- einfachte Berechnung ein und es ist dann schon �möglich, daß höhere Renten herauskommen, namentlich wenn der Renten- bewerbe? auch neue, erhöhte Beitröge entrichtet hat. Damit ist aber nur wenigen und nur langsam geholfen. Es werden erstmalig auch MindestbetrSge für die Renten einge- führt. Es muß eine Invaliden- und Altersrente fährlich mindestens 1000 M., eine Witwenrente 750 M., und eine Waisenrente 400 M. betragen. Die Kinderzulagen erhalten auch weiter nachdrücklich angestrebt. Wie allgemein im Druckgewerbe, hat sich in den letzten Wochen auch hier die G e- schöftslage gebessert und es wird alle« getan werden, um Entlassungen und Betrieb-einschränkungen zu vermeiden. Auf«ine Anfrage des Abg. v. Lerener(35. Vp.) wird die Auskunft erteilt, daß die wiederhov betriebenen Schritt« der deutschen Regierung, die F r e i l a s s u n g der IIS noch in Avignon � zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen zu erwirken, bisher nur das Ergebnis gehabt haben, daß 14 Gefangene entlassen sind. Die Gefangenen haben keineKlagen in bezug auf Ernährung und Gesundheitszustand, ihre seelische Verfassung hat stch aber in letzter Zeit sehr verschlechtert. Unsere Bemühungen wegen der Freilassung werden nachdrücklich fortgesetzt. Erst kürzlich hat der deutsche Botschafter in Paris dem französischen Mi- nisterpräsidenten persönlich die dringende Bitte um sofortige Begnadigung vorgetragen. Wir hoffen, daß dieser Schritt nicht ohne Erfolg bleibt. Die Kundgebung am letzten Sonntag hat gezeigt, wie stark die Anteilnahme des deutschen Volkes am Geschick seiner unglücklichen Stammesbrüder ist.(Beifall.) Abg. INeier-Zwickau(Soz.5 verlangt Beteiligung auch der- jenigen Gemeinden an der Umsatzsteuer, in welchen ein Betrieb, aber nicht dessen Verwaltung siegt.— Das Finanzministerium lehnt dies ab, wegen des allzu umstand- lichen Verteilungsverfahrens und weil die Gemeinden ja auch keine Mühe mit dem Veronlagimasgefchäft hätten. Auf eine Anfrage de» Abg.«eck(Eoz.) teilt das Verkehrs- Ministeriums mtt. daß für die Zeit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Notlag« die Eisenbahnmonatskarlea ermäßigt werden sollen auf das Sechszehnfache der Einzelfahrt, die Arbeiter- Wochenkarten auf sieben Achtundzwanztgstel der Monatskarten. Die Ermäßigung könne jedoch erst zum i, September durchgeführt werden. ver verkehr mit Getreide. Es folgt die zweit« Lesung de» Gesetzentwurfs über die Regelung des Verkehrs mit G e.t r e i d e. Ein Antrag Dusche (D. Dp.) fordert die Ablehnung der Vorlage und Ein- führung der freien Wirtschaft stir Getreide. Refchsernähruitgsminister Dr. Hermes: Es geht zu weit, wenn man schon jetzt von einem Zu- sammenbruch der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete der Getreide- Versorgung spricht, obgleich die Erfassung durch die Reichsgetteide- stell«, auf die ungefähr die Hälfte der verforgungsberechtigten Bevölkerung angemiesen ist. ständig zurückgegangen ist. Dieser Rück- gang ist außer auf das produktionshemmende Dewlrtschoftungsfvstem vor allem auf die Abneigung der Landwirte gegen die weltgehende Fesselung zurückzuführen. Insgesamt werden auf Grund des bis- herigen Wirtschaftssvstem« im laufenden Wirtschaftsjahr rund 3,S Millionen Tonnen Inlandsgetreide aufgebracht werden, wovon ungefähr 3,2 Millionen Tonnen auf Brotgetreide entfallen. Da bei Aufrechterhaltung der alten Form mit ihrem Zu- sammenbruch weniostens für die Rsichsgetreidestelle gerechnet werden müßte, kann sie nicht aufrechterholten werden. Wir sind überzeugt, -xwv JJK,.,•uuqic, luiui fit mufi-wtv eine Neugestaltung. Hat der Empfänger der Invaliden» l daß ein« vollständige Freigabe der Getreidewirtschast im IS Milliarden deutscher Papiermark erforderlich. Das verbietet aber die Finanzlage des Reiches. Voraussetzung für die Freigabe der Wirtschaft wäre eine ausreichende Reserve an Getreide; eine solche läßt sich aber nicht bilden. Ein Vergleich mit den Erfahrungen der freien Fleischbewirtschaftung läßt sich nicht aufstellen, denn der Fleischoerbrauch kann ohne Gefährdung des Ernährungszustande» der Bevölkerung eingeschränkt werden. Schon im Frieden konnte der Getreidebedarf der einheimischen Bevölkerung aus der Inlandsernte nicht voll gedeckt werden. Sichere Anzeichen für eine merkliche Hebung der Getreideerzeugung liegen noch nicht vor, aber es eröffnen sich für die nächste Ernte bessere Ausflchten. Die Frage der Einführung der freien Wirtschaft ist letzten Ende« »ine Frage der Entwicklung unserer Valuta und der Zahlungsfähigkeit des Deutschen Reiches. Wir verkennen nicht, daß das U m- I a g e s y st e m bereits von vielen Landwirten abgelehnt wird, weil sie die freie Wirtschaft fordern. Trotzdem wird das Umlagesystcm, wenn die Umlage in mäßiger Höhe gehalten wird, bessere Er- fassungsergebniss« zettigen als die Zwangswirtichafk, aller- dings nur nnker der Voraussetzung, daß die Länder die neuen slosiuugsoorschrisien rücksichtslos durchführen. Wir glauben, daß die Erhebung einer mäßigen Umlage mtt gleichzeitiger Freigabe des Ueberfchusses eine geeignete Uebergangeform zur freien Wirtschast ist. Diese ermöglicht die Getteideversorgung der Bevölkerung zu er- träglichen Preisen ohne Reichszuschüsse, steigert gleichzeitig durch eintretende Erhöhung der Rentabilität des Getreide- baues die Produktion und bereitet dem Schleichhandel ein Ende. Di« Einfuhr von Brotgetteide muß noch zentralisiert bleiben. Bei Gerste und Hafer wird der freie Handel wieder eingeschaltet werden können. Ver Brotpreis im kommenden Wirtschaftsjahre hängt davon ob, welch« Zuschüsse aus Reichsmitteln zur Verbilligung des Mehls ausgeworfen werden können. Im laufenden Jahr sind 10— 15 Milliarden für diesen Zweck angefordert worden. Dieses System muß schrittweise ab- gebaut werden. Verbunden damit muß eine Erhöhung von LohnundEehalt gehen. Zm kommenden Wirtschaftsjahr müssen daher noch allgemeine Wittel für die verbilligung von Auslands- getreide flüssig gemacht werden. Der künftige Mehl- und Brotpreis muß der großen Masse der Bevölkerung angepaßt werden. Der Preis des Umlagegetreides kann erst kurz vor der Ernte festgesetzt werden. Heute ist die Inderkommission zusammen» getreten. Um angemessene Preissteigerungen bei dem freien Getreide hintanzuhalten, soll neben der Brottatton wester amerikanisches K o ch m e h l ausgegeben werden. Abg. Edler v. Braun(Dnat.): Wir warnen vor dem Umlage- verfahren, das einen Zusammenbruch der Getteidewirtschast zur Folge hoben muß. Die ganze Getteidewirtschast kostet allein an Ge- hältern 1,9 Milliarden Mark für da» ganze Reich. In Berlin sind allein 20 000 Personen in der Getteidewirtschast beschäftigt. Abg. Schmldk-Cöpenick(Soz.): So einfach, wie Herr v. Braun die Ding« darstellt, liegen sie nicht, vielmehr stehen wir vor einer sehr folgenschweren Entscheidung. Die Zwangswirtschaft wird von der Rechten zu Unrecht als eine sozialistische Wirtschaft bezeichnet, sie wurde von eiuer bürgerlichen Regierung aus nationalen Gründen eingesiihrt. Da» Umlageoerfahren genügt allein nicht, um den breiten Masjen billiges und gutes Brot zu garantieren, deshalb muß die Zwangswirt- fchaft beibehalten werden. Wir haben der Landwirtschaft die Be- rechtigung, Gewinne zu machen, niemals befttitten; aber diese Ge- winne dürfen die Massen der Verbraucher nicht in ungerechtfertigter Weise benachteiligen. Die verlrelunaen der Landwirtschaft hoben das Umlageoerfahren ofk und nachdrücklich gefordert: jetzt wird es Plötz- lich von ihnen abgelehnt. Die notwendige Steigerung der landwirt- fchaftsichen Produktion ist ohne Zwang unmöglich. Man wird Maß- regeln ergreifen müssen gegen Landwirte, die absichtlich die Produktion vernachlässigen. Herr v. Braun hat in einem Artikel noch vor zwei Zahren staatlichen Zwang auf eine Mindestleistung von Produktion gefordert.(Hört, hörti links.) Die 3 Millionen Tonnen, die das Umlageverfahren garantieren soll, genügen nicht, um«ine ausreichende Ernährung des Volkes zu gewährleisten. Die Vorlag« würde ihren Zweck verfehlen, wenn die Haftung der Länder für die Getteidemengen beseitigt wird. Gegen die Verteuerung der not- wendigen Lebensinittel kann die A r b e i t e r f ch a f t sich nur schützen, wenn sie in ihren Organisationen einig zusammensteht. Herr v. Braun sprach davon, daß der Achtstundentag in der Landwirtschast abgebaut werden müsse. Herr v. Braun müßte wissen, daß ez in der Landwirtschaft niemals einen Achtstundentag gegeben hat, und daß die deutschen Landarbeiter länger arbeiten müssen als die ausländischen. Denjenigen Arbeitern, die das Recht hoben. Getreide von, Arbeitgeber zu kaufen, muß der Umtagspreis angerechnet werden, keineswegs der höhere Weltmarktpreis. Die Vorlage ist für uns nur dann ein Weg, die Ernährung der breiten Massen aufrechlerzuerhaltcn, wenn unsere Verbeise rungs. antrüge angenommen werden.(Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Darauf wird die Beratung abgebrochen. Das Gesetz über die Gewäbrung von Beihilfen an Rentenempfänger aus der Angestelltenyersicherung wird dem Sozialpositischen Ausschuß über- wiesen. Das Hau» vertagt ssch auf Mittwoch 2 Uhr: Fortsetzung von heute, Aenderung des Wehrgesctzes, Kleine Borlagen. Schluß W Uhr.______ vorträoe. vereine und verfammlnn�en. «iMtn-ewtiaitcI(XTUI. B«|W) Beifc«"!«,»xl- «rt«n milst-n un», dingt«rschrin-n.— Schlenwia-fa'Nrinlr. $onn«t«tng, d«n 16. Juni, afiendä 8 Uhr, Zusammenkunft»un.Land,liid an, de wat«rkailrt im Siestnnrant Pah«nhoser. Siipen!»»« sei, dar»rtttfen. iteaft«). Erregte Szenen Sn der gestrigen Nachmittagsitzimg ließ chölz sich aus feiner ge- machten Ruhe bringen. Eine Reihe Zeugen hatten die Gewalt- taten geschildert, mit denen er vorgegangen war. Nach der Dar- strllung von Holz wären das Notwendigkeiten gewesen, die einem Palitischen Zweck dienen sollten. Er habe durch diese Akte, durch Brandstiftungen und Sprengungen, einen Druck ausüben wollen, um die Zurückziehung der Sipo zu erzwingen und Blut- »ergießen zu oerhüten. Die Sipo sei unter dem Vorwand, Ruhe und Ordnung zu schaffen, zu einer Zeit eingesetzt worden, wo w den betreffenden Orten Ruhe und Ordnung bestand. Hier be- mächtigte sich der aus Eisleben, Heldra und Hettstedt erschienenen Zeugen eine bittere Heiterkeit, in die auch ein Teil der Zuhörerschaft einstimmte. Hölz geriet in Erregung darüber, daß man den Grundgedanken seiner Verteidigung nicht glauben - wollte. Obwohl der Vorsitzende die Heiterteitsäußerungen sofort gerügt hatte, wandte auch Hölz sich noch an die Lacher mit einer verweisenden Ansprache. Um den ihn unterbrechenden Vorsitzenden kümmerte er sich nicht viel._. ♦ Räch der Mittagspause wurde zunächst derZigarrenhänd- ler Bei er vernommen, der Hölz in außerordentlich schwerer Weise belastet, und dessen Aussagen infolgedessen von der Verteidigung angezweifelt werden. Der Zeuge erklärt: Eines Nachts erschienen zwei Kerle in meinem Geschäft und»erlangten 20lW Zigarren und mehrere tausend Zigaretten, natürlich ohne Bezahlung. Da ich offe- »en Widerstand nicht leisten konnte, oertröstete ich sie aus den nächsten Tag und erreichte auch, daß sie mein Haus verließen. Kurz daraus wurden gegen meinen Laden«ine Anzahl Schüsse abgefeuert. Am nächsten Tag kam Max H ö l z zu mir und be- hauptet«, ich hätte auf seine Genossen mehrere Schüsse abgegeben. Er durchsucht« nicht nur meine Wohnung, sondern auch mich selbst und fand bei mir einen Revolver. Voller Wut schlug er mit der Waffe auf mich«in und durchstöberte dann alle Stuben. Ich versuchte Hilfe herbeizurufen, erhielt aber leider keine Unterstützung. Auf Umwegen kehrte ich nach Hause zurück und mußte mit an- sehen, wie hölz m unsinniger Weise umhertobte und mit dem Re- volver um sich schoß Eine Kugel schlug bei meinen Kindern zwischen de« Füßen meines Sohnes«in, zwei andere Kugeln feuerte er in die Stube, wo meine Eltern saßen. Glücklicherweise� wurde nie- mand verletzt, hölz: Die Aussage dieses Zeugen ist völlig e n t- stellt. Meine Genossen könnten mir das bestätigen, aber ich will ihre Namen nicht angeben. Ich Hab« in der Wohnung des Zeugen weder Geld noch Ware an mich genommen, obwohl ich mich damals in solchen Situationen dazu berechtigt glaubte.— Rechtsanwalt hegewisch: Haben Sie, Herr Zeuge, sich dazu erboten, Hölz zu er- morden? Zeuge: Niemals.— Hölz: Dann bitte ich sestzustellen, ob der Zeuge von der Sipo in Eisleben nicht ausdrücklich Waffen tu beten hat, um mich beiseite zu bringen. Das wird wohl auch Staats- anwalt Jäger nicht leugnen wollen.— Staatsanwalt Zager: Das ist vollkommen unrichtig. Der Zeuge hat selbst in der Darunter- suchung bekundet, er habe sich der Sipo zur Verfügung stellen wollen, um mit gegen Hölz zu kämpfen.— Die beiden folgenden Zeugen Bergmann Werner und 5leinhoff bekunden übereinstimmend, sie seien von der Hölzschen Bande zum Dienst gepreßt worden. Werner will gehört haben, daß Hölz in Hettstedt eine Villa, die Post und Bahnanlagen sprengte. Eteinhoff erklärt noch, daß Hölz nach der Sprengung der Post 6 Wann zur Plünderung dorthin entsandt habe. Der Inspektor Walter Graf, der auf eine« Gut M Hettstedt angestellt ist, sagt aus, daß eines Nachts» Lastautos auf das Gut kamen und Verpflegung und Unterkunst verlangten. Für Hölz und seine Unterführer mußten besondere Zimmer hergerichtet werden. Ein gewisser Franz erpreßte von dem Zeugen 2000 M. und am nächsten Morgen noch 0000 M. unter der Drohung, daß der Inspektor sonst totgeschlagen werde. Als dann plötzlich ein Radfahrer kam und meldete, daß Sipo im Anrücken seien, ver- schwand die ganze Räuberbande in 10 Minuten. Graf fand später in einem Zimmer eine R o t w e i n f l a s ch e, die sorgfältig ver- korkt und bis zum Rand mit Dynamit gefüllt war. Bevor die Rotgardisten abrückten, sagte Hölz zu einem Unterführer: �Ich gehe jetzt in den nahen Gasthof, bringe unsere Leute dorthin. ' Wer nicht mitmacht, wird erschossen/ Der nächste Zeuge Bergmann Paul Sander, gegen den ebenso wie gegen Werner und Steinhoff Anklage wegen Plünderung, Land- stiedensbruches usw. erhoben ist, will ebenfalls nur g e z w u n» !>en«rmaßen unter Hölz Dienst getan haben. Eines Tages eien in seinem Wohnort Alsdorf 4 bewaffnete Anhänger van Holz erschienen, hätten mit geladenen Gewehren die Männer aus den Schankwirtschasten geholt und zu Hölz gebracht. Dieser teilte die angeblich gepreßten Mannschaften in Gruppen und Kom- IZ.Heneralversammlungöer Glasarbeiter Der zweite Nerhandlungstag begann mit dem Geschäftsbericht dos Vorsitzenden G i r b i g- Berlin. Er schildert« die Zusammen- arbeit im Vorstand, die besser sein mühte. Schuld an diesem Zustand sei die politische Orientierung einiger Vorstandskollegen. Unstimmigkeiten entstehen auch durch den in Jena gewählten Bei- rat. wie auch durch die Einsetzung der S Revisoren. Dadurch wer- den die Arbeiten des Vorstandes gehemmt. Redner gibt der Mei- nung Ausdruck, daß der Verband in Zukunft keinen Beirat gebraucht, und daß die Revisoren dem Borstand angehören müssen, um ein gedeihliches Arbeiten zu ermöglichen. Im weiteren schilderte Girbig die Not der Kurzarbeiter und die schlech- ten Lebensverhältnisse der Kollegen. Zu den Betriebsräten über- gehend, spricht Redner die Ansicht ans, daß die Betriebsräte der»in- zelnea Betriebe noch»ielmehr Mißstände beseitigen könnten, wenn eine noch bessere Auswahl unter den Kollegen getrosten werde und wenn bestehende Einrichtungen zur Schulung der Be- triebsräte benutzt würden. Im weiteren empfiehlt Redner der Generalversammlung, daß auch die Kollegen des Glasarbeiterverbandes zum Besuch der Arbeiterakademie in Frankfurt ent- sendet werden. Girbig machte sodann über die Entwicklung der Glasindustrie Amerikas bemerkenswerte Ausführungen über tech- nisch« wie sanitär« Einrichtungen. Die Kollegen der amerikanischen Glasarbeiterorqanisation haben dem Vorstand die Einladung über- bracht, zwei Kollegen nach Amerika zwecks Information zu ent- senden. Die amerikanische Organisation erbot sich, dafür die Kosten zu ühernehmen. Zur Beschaffung der Rohstoffe für die Glasindu- stne bemerkte der Redner, daß Oberschlesien unbedingt bei Deutschland bleiben müsse, da sonst die Glasindustrie sehr schwer«, Zeiten ent« gegen gehe. Den Kassenbericht gab Grünzel. Für die Redaktton berichtet« Redakteur Groß- Berlin, für den Berbandsausschuß Preußger» Dresden. Ein Antrag, den unbesoldeten Borstandemitgliedern eine Rede» Sit von SO Minuten zu gewähren, um sich gegen die Vorwürfe irbigs zu wehren, wurde mtt 7i gegsn 92»ttrrtmen abgelehnt. Die Aussprache über den Geschäftsbericht wurde von Bürde» Berlin eröffnet. Bis zur Mittagspause hatten sich S Redner an der Aussprache beteiligt. Die Redner wandten sich vor allem gegen dte W» Swbig g««achten Vorfteliungm üb« erschwertes Arbeite» im Hölzprozeß. pagnien ein, und man zog dann nach Eisleben. Als der Trupp die Villa des Oberstabsarztes Evers erreicht hatte, krachten mehrere Schüsse und Hölz schrie:„F e u e r ü b e r f a ll!" Darauf sei Hölz mit 0 Bewaffneten in die Billa eingedrungen und habe sie g«- sprengt, während der Zeuge, nach seiner Aussage, flüchtete. Der Telegraphenleitungsaufseher Klapprod schildert dann sein Zusammentreffen mit Hölz. Am 24. März seien ittehrere Lastautos Bewaffneter auf der Straße von Siersleben nach Hettstedt herangerückt, und die Hölzsche Bande habe dabei die Eisenbahnanlagen gesprengt und die Telegraphenmasten abgesägt. Später sei Hol; in die Wohnung des Zeugen gekommen, um Nahrungsmittel zu re- quirieren. Da nichts anderes vorhanden war, habe sich Hölz m i t trockenem Brot begnügt. Als letzter Zeuge wurde dann noch der Kaufmann Ludwig aus Hettstedt vernommen, der in aus- führlicher Weise über die Sprengung seines Hause», in dem 0 F a- Milien wohnten, berichtete. Spät abends sei ei» Mann zu ihm gekommen, der erklärte: Wir sprengen jetzt Ihr Haus, verlassen Sie mit Ihrer Familie schleunigst die Zimmer. Alle Vorstellungen, daß 6 kleine Familien dadurch obdachlos würden, hätten nichts genutzt. In unmenschlicher Weise vertrieben die Eindringlinge die Bewohne» und sprengten dann das Haus in die Luft. Der entstandene Schaden betrug etwa 220 000 M. Alle Familien mußten mit den Kindern in den Keller flüchten, wo sie die Nacht verbrachten. Vors.: Was sagen Sie dazu, Hölz? Hölz: Es ist alles richtig. Ich selbst habe das Haus, eine Druckerei und die Post gefpre-igt. Es war taktisch notwendig.— Zu außerordentlich bewegten Szenen, bei denen selbst der An- geklagte seine sonst zur Schau gettagene kalte Ruhe verlor, kam es, als auf Antrag des Rechtsanwalts Hegewisch nochmals der Zeuge Zizarrenhändler Beier vernommen wurde. Der Verteidiger wünschte, daß der Zeuge auch am heutigen dritten Verhandlungstag vor Ge- richt erscheine, da sein Klient nach wie vor beHaupt«, Beier hob« ihn ermorden wollen. Zeuge Veier: Ich kann mir diese unsinnige Behauptung nur so erklären, daß ich einmal in der Voruntersuchung gesagt habe, das Gericht solle mir den Hölz nur übergeben, wenn es mit ihm nicht fertig würde. Hölz: Mein Beweisantrag richtet sich weniger gegen den Zeugen, als gegen Staatsanwalt Jäger, der ganz genau weih, daß das, was ich sage, richtig Ist, der aber trotz- dem den Zeugen Beier noch i« Sehutz zu nehmen sticht. Ich möchte hier zu den Sprengungen in Hettstedt noch prinzipiell eine Erklä- rung abgeben. Diese Sprengungen sollten einen Druck aus die bessergestellten Klassen und auf die Sipo ausüben, um sie zum Verlassen des Ortes zu zwingen. Ich hohe mit diesen Gewaltakten doch unbestreitbar große Erfolge gehabt. Und schließlich war es immer noch besser, wenn ein paar Häuser kaputt gingen, als wenn Menschenblut fließen mußte. Selbstverständlich konnte weder ich noch ein anderer vorher missen» ob der von mir angewendete Druck auf die Bürger und die Sipo auch den gewünschten Erfolg haben werde. Staatsanwalt öäger: Sie mußten sich doch aber sagen, daß diese Schandtaten die Sipo nun erst recht zu energischem Eingreifen veranlassen würde. höh:(mit starker Betonung). Das ist es ja eben. Die Sipo brauchte doch nicht dort einzugreifen, wo Ruhe und Ordnung war.— Auf diese Worte des Angeklagten erhebt sich im Zuschauerraum, und be- sonders auf den Zeugenbänken, ein außerordentlich lebhafter Protest. Besonders die Hettstedt« Zeugen protestieren durch Worte und Ge- bürden nachdrücklichst gegen diese Behauptung des Angeklagten und man hört Rufe, wie: unerhört, unglaubliche Frechheit, Räuberord- nung usw. vors,(zum Publikum): Ich verbitte mir jede Gefühls- äußervng. Höh dreht dem Gericht den Mcken und spricht zu den Zeugen und Zuhörern: Durch Ihr Lachen zeige« Sie mir, daß Sie ander« Ansicht sind. Aber das ist mir vollkommen gleichgültig. Ich.... vors,(in höchst« Erregung): Ich verbitte mir ein für allemal, daß Sie sich in eine Diskusston mit de« Zeugen und den Zuhörern«inlassen, Sie haben sich nur dem Gericht gegenüber zu verantworten, höh(eben- falls sehr erregt): Wenn ich rede, dann rede ich eben. Wer hat denn die Ordnung in Mitteldeutschland gestört? Doch niemand anders als Hörsing, der durch seine Häscher erst den kommunsstischcn Aufstand inszeniert hat. Wir haben dem Proletariat bewiesen, daß lediglich die Sipo es gewesen ist, die üb«all dort, wohin sie kam, Verwirrung angerichtet und Blutvergießen entfesselt hat. Rechts- anwalt Hegewisch(aufspringend): Der größte Teil des Publikums in diesem Saal hat soeben gegen Höh Stellung genommen. Das ist die Folge davon, daß in diesem Saal nur die Vertreter de: besitzenden Klassen sich befinden. Wörep auch Arbeiter da, hätte das Publikum eine derartige Haltung zu zeigen nicht gewagt.— höh: Vor Vertretern des Proletariats hätte dos Gericht es nicht gewagt, derart gegen mich vorzugehen. Sie behandeln mich auch nur deshalb in dieser Weise,«eil Sie sich auf eine ausgedehnte bewaffnete Macht stützen. Wäre« Arbeiter hier.... Vors.(unterbrechend): Wir fürchten uns vor niemand, Höh, merken Sie sich das. Darauf wurde die Sitzung auf Mittwoch früh Uhr vertagt. durch den Beirat wie durch die Revisoren. Ebenfalls wurden die zum Borstandsbericht gestellten Hauptanträge— Herausgabe einer Juqendschrift, Streichung d« Arbeitslosenunterstützung und Er- bähung der Streikunterstützung, Erhebung eines Extrabeitrages zum Streikfonds usw.— mit erörtert. In der Nachmittagsfitzung wies Much«- Muskau auf mögliche Ersparnisse hin, die gemacht w«den könnte r P r e u ß e r- Homburg begründete Anträge a«f Gründung eines Streikfonds aus Extra- beitragen, Beschränkung der Zahl der Verbandsangestellten, ein- monatliche Kündigung derselben, möglichst« Selbständigkeit der Ar- belter. Sie müßten zur Aufnahme des schärfsten Kompfes im Sinn« der Moskauer bereit sein.— K n ö f e l- Moritzdors plädierte für Erhöhuna de» Derbandsvermögens und ein« Aufbesse- rung der Beamtengehälter. W« r n i k e- Ruhlanb gab in tempera- mentvoller Weife ein Bild traurig« Arbeiterverhältnisse in Moskau, di»« aus dem Munde seines Bruders genau kenne. Bürde- Berlin begründete eine von ihm eingebrachte Resolution, den ADGB. aufzufordern, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die Durch- führung der zehn Forderungen von der Regierung zu«zwingen. Müller(Vertreter des ADGB.) unterstützte Wort für Wort, was üb« die Aal d« Arbeitslosen und die Notwendigkeit, ihnen zu helfen, gesagt und durch die Reso- lution verlangt wird, aber er bestritt ganz entschieden, daß man mit irgendwelcher sachlichen Berechtigung dem ADGB. Dorwürfe machen könne. Müller schilderte, in welcher Weise durch den ADGB. für die Durckiführung der 10 Punkte gearbeitet wird. Der unge- nügende Erfolg liege nicht zum wenigsten darin begründet, daß duvch die letzte» Reichstagswahlen die alt«, der Arbeit«tlasse gün- stig«« Parlamsntsmehrheit v«loren ging. M., öfter von Wider- spruch und Zustimmung unterbrvchen,«suchte, leinen tommunisti- scheu Absichten, die Arbeitslosenfrage als B o r s p a n n zu benutzen, Folge zu leisten. Die Resolution bat« abzulehnen und statt dessen einen Beschluß zu fassen, der sich gegen di« verantwortliche Stelle, die Regierung, richtet.— Gaufeit« D irsch ek ist der Meinung, daß d« ADGB. en«ai- scher bei der Regi«ung hätte vorgehen sollen.— Gegen 6 Uhr teilte d« Vorsitzende mit, daß noch 08 Redner gemeldet seien. Es sprachen noch eine größere Anzahl Redn« und gaben Anregungen zum Geschästsb«icht. Einzelne kommunistisch« Delegierte führten insbesondere au», daß sie nicht die Absicht hätten, die Beweguna zu spalten. Sie seien aber das»orwärtstreibende(?) Element.— Di« DiÄussson wird jartgejetzt. Soziales. Angestellte und Angestelltenversicherung. Man schreibt uns: Die bürgerlichen Blätter stimmen gelegentlich der durch den Reichsial beschlossenen Erweiterung der Angestellten- ocrsicherungsgrenze Klagelieder an. Sie spielen sich als Schützer der Angestellten auf, die über 18 000 Mark Gehalt beziehen und die bis- her von der Angestelltenversicherung befreit waren. Wir können es von unserem Standpunkt aus nur begrüßen, daß auch die Schichte» der Angestellten, die bis 28000 Mark Einkommen haben, in die An- gestelltenversicherung mit einbezogen werden. Denn diese, wenn auch nicht gut besoldeten, so doch zum Teil bessergestellten Leute geben der Versicherung eine viel gesündere Basis, als es die niedrigst bezahlten Angestellten tun können. Bei dieser Gelegenheit täuschen die bürgerlichen Blätter de» Angestellten vor, daß sie den volle» Beitrag von ihrem Gehalt zu zahlen hätten. So schreibt z. B. das„Berliner Tageblatt", daß, wer ein Gehalt von mehr als 13 000 Mark hat, an Beiträgen monatlich 98,80 Mark zahlen müsse. Dabei wird verschwiegen, daß die Hälfte dieses Beitrages der Unternehmer zu tragen hat. Die bürgerlichen Blätter beschretten damit denselben Weg, den ein Teil der privatrn Versicherungsgesellschaften gegangen ist, um die Angestellten dafür zu gewinnen, sich von der eigenen Beitrags- Pflicht befreien zu losien. Diese privaten Lebcnsversicherungsgesell- schaften scheuen sich feit Monaten nicht, unter Angabc falscher Bei- tragssätze und anderer irriger Behauptungen eine Propaganda unter den Angestellten zu entfalten, um diese zum Abschluß einer Lebens- Versicherung zu bewegen. Zu ihrem eigenen Schaden haben sich viele Angestellte durch diese Propaganda zu Versicherungsabschlüssen be- wegen lassen und sind den dringenden Warnungen' der srcigewerk- schaftlichen Angestelltenpresse nicht gefolgt. Wir können hier deshalb nur noch einmal unsere warnende Stimme erheben. Noch ist nicht zweifelsfrei, ob durch die Novelle zur Angestelltenv«sich«ung überhaupt eine Befreiung von d« eigenen Beitragsleistung vorgesehen wird und in welchem Umfange sie ge- währt werden wird. Deshalb ersuchen wir alle freigewerk» schaftlich organisierten Ange st eilten, sich vor Ab« schluß einer Lebensversicherung erst mit der Rech» nungsstelle Berlin der„Volkssürsorge", der von der fteioryanisierten Arbeiterschaft ins Leben gerufenen Bersicherungs- gesellschaft, Engelufer 18 park., in Verbindung z u setzen. 5zier wird allen Angestellten kostenlos sachgemäße Aus- kunft erteilt._ Die Ausbildung zum Gemeindearzi. D« preußische Wohlfahrtsminister teilt im Anschluß an einen Erlaß, durch den er Richtlinien ftir die Ausbildung von Kom- munalärzten und für das Verhältnis des Kreisarztes zur kommunalärztliche« Tätigkeit bekanntgegeben hatte, mit, daß inzwischen in Berlin-Charlottenburg, Breslau und Düsseldorf sozialhygie- nische Akademien ins Leben gerufen und von ihm als Unter- richtsstätten im Sinne des Erlasses anerkannt worden sind. Das Er- zebnis des ersten Auebildung-lehrganges an jeder Akademie liegt be- reit» vor und ist erfreulich: die gemachten Erfahrungen werden dazu dienen, die nächsten Lehrgänge noch wirksamer zu gestatten. Der Minister ersucht, hiervon den in Betracht kommenden Gemeinde- und Kreisoerwoltungen Kenntnis zu geben und ihnen zu empfehlen, bei der Besetzung von Kommunal- und Fürsargearztstcllen ihr Augenmerk besonders auf die Bewerber zu richlen, die an einem Lehrgong einer der genannten drei Akademien teilgenommen haben und über dessen regelmäßigen Besuch eine Bescheinigung der Akademie vorlegen._ v« denlsche KenkNertzund fordert in ein« Entschließung seines Dundestages ein Rentnerfürforgegesetz folgenden Inhalts: Einrichtung von selbstverwaltenden Rentnerkommissionen, Anerkenmmg des Rentnerbundes als einzige Rentnervertretung, die organisatorisch be- rufen ist. Gutachte« usw. in Rentn«fLrsorgesachen abzugeben und in allen Rentnerfragen gehört zu werden. Steuerbefreiung für Rentner mit 10 000 M., bei Ehegatten mit 12 000 M. jährlichem Einkommen, wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind, die zur Unterstützung in der Lag« sind. Freilassung der Vermögen bis zu 100 000 M. von allen Vermögenssteuern, wenn sie als Rentnervermögen dienen müssen. Befreiung der Rentner von der Kapitalertragsteuer, soweit das jähr- liche Einkommen 12 000 M. nicht übersteigt. Einführung des Rentner- Darlehns nach dem Vorbild von Dresden und Freiburg(gegen Ver- Pfändung von Werten, die erst mit dem Tode liquidiert werden und Zinsgenuß auf Lebenszeit ungeschmöl«t lassen). Schaffung einer Altersrentenanleihe, die d« Renmer bei einem bestimmten Lebens- alter zeichnen darf, schließlich Zuschußgcwährung zum Zinseinlonunen bis zur Höhe der Erwerbslosenunterstützung. /tos aller Veit. Die Juden ruinieren Bolk und Staat: Da? kann man von unsere» Pogromhelden, die das Volk über die christlich-gernianiscke Ursache seines Elends, die Kriegsverlängerer und Bolksaushungerer, täuschen lvollen, täglich bis zum Ueberdruß hören. Wenn es richtig ist— wie müßte eS für England gelte«, wo seit Jahrzehnten ungetaufte Juden die heivorragendsien Stellungen im öffentlichen Leven bekleide». Wir finden in den „Jllustraied London News' die Porträis einer ganzen Anzahl solcher Persönlichkeiten, von denen wir nur folgende nennen wollen: Alfred Mond, Arbeitsminister. Philip S a s s o o n. Sekreiär des Ministerpräsidenten. Marens Samuel, gew. Lord- Mayor von London, Matthew Nathan, Gouverneur von Queensland, Lord Reo ding, Vizelönig vo« Indien. General John Monash, Kommandeur des australischen Armeekorps 1918, Herberl Samuel. Lberkommissar für Palästina. Philipp Magnus, Bertreier der Londoner Universität im Parlament. E. S. Montagu, Staats- ictreiär für Indien(mit Monokel, Ihr Herren!). Von den führenden Künstlern jüdischer Abstammung und Konsession wollen ivir gar nicht rede», denn ftir da« deutiche Boll Musik zu machen»nd Kunstwerke zu schaffen, dürften ja selbst unsere Antisemiten den Juden noch weiter gnädigst gestatten I Don einem Hellseher überführt? vc>S Dresdener Schwurgericht verurteilte den Schuhmacher Otto Heese aus Bernburg wegen Totschlags z» vier Jahren Zuchthaus. Heese hatte nach einem Streit seine Frau erwürgt. Der Prozeß erregt deshalb Aufsehen, weil Heeie. der anfangs lerne Schuld bestritt, durch einen H e l I s e b er des Tott'chlagS beschuldigt worden war und später auch die Tat eingestanden bat. Wegen verrat» von Fabrikgeheimnissen wurde der 14 l?) Jahre alte Maschinenführer Johann Haiick-Haßloch vom Schöffengericht Reustadt i. D. Pfalz zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt, weil er im April 1920 einem Ausländer fünf Zerchnungen von Maschinen und geheimgehaltenen Verfahren aus der Farbenfabrikation für die Summe von 480 000 M. verkauft hatte. Geldmenschea mlkereiaaader. Als Anstifter und Anwerber der Täter, die kürzlich beim Ueberfall in der Wiener Wohnung de» russischen Fabrikanten Redel Werlsachen im Beirage von einer Million Kronen geraubt haben, wurde der italienische Juwelier und Grotzeinkäufer Marchesini verhaftet. Marchesini stand zu Redel in geschäftlichen und fteundschaftlichen Beziehungen. Srkeftaften der Redaktion. Schriftlich« Zlnsknnit wird»tcht erteilt. «. H. I. l. Gustav Z-vmeir-r, VrakSIw,«rrntounfr. 179. Iv bn 23.— E. r. L Etraßmanustr. 5. 2. Ja. 3. Zweckmäßig blre« bei einer«antteituug anfrag«,.—«.«.«. l Zum Seil ja. 2. Reichszeuwalswil« flU Aiufl»- uu» äWchB/angeu, Scclin.«viuooriher öS. JQ, Theater, Lichtspiele etc. Opernhaos Mona Lisa 7 Uhr Sciianspielliaus Zum 275. Male Peer Qynt _ 6V2 Uhr_ Deutsches Theater 7'/, Uhr: Potasch u. Perlmutter Do.T'/i; Potasch u. Perlmutter Kaiumersplele 8 Uhr: Mesalliance Donn. 8: Frühlings Erwachen Gr. Schauspielhaus (KarlstraBe) 7 U.: Ein Sommernachtstraum (11. Abteilung 5. Abend) Do. 7 U.: Sommernachtstraum 02. Abteilung 5. Abend) Theater i. d. Königgrätzer Str. Täglich 7J0 Uhr: Mit dem Detter spielen » Uhr: Satans Maske Maria Orska Johanne. Riemann Panl Rückt Berliner Theater Allabendlich 7.30 Uhr; Hilde Wörner, Ralph Artur Roberts, Uschi Ellcot, Herbert Kiper, Paul Rehkopf Komödienhans Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Robert Winterberg Paul Heidemann a. Q, Josefine Dorav. Staafsth. a.G., Inge vanderStraaten, Isa Marsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg Volksbühne aTBhmow0i 7 uhr: Die lange Jule Lessing-Theater Allabendlich 71/tUhr: Die Ballerina des Königs (Konstantin, GStz) Deutsches Künstler-Theater � uhr: Rosenmontag (Haack, Loos, Schroth) Central-Theatcr 8 Uhr: Jlonka Dentache» Oprurnhma* 7 uir: La Traviata Frledr. Wllheluiat.Th. uhr: Die Kleine aus Der Hölle Kl. Schnusplelliaus p/.uhr; Reihen Kleine. Theater TV, Uhr; Olga Limburg in Nur ein Traum Ln.tapielhnnn 7*/< Uhr: Arnold Rieck in Die spanische Fliege Hetropol-Thcatcr ul2 Die Diane Haznr Nonea Operettentheat. 7'/,uhr:American-Girl Bfenea Volk.theater 7 uhr: Die St Jakobslahrt Residenz-Theater �/a Uhr. Max Adalbert in Ab dafür l Schiller-Theat.Oli Arl. 7'/»u.: Die rersilherte Braut Schloßpark- Tlicat. Steglitz, Schloßstraße 48 i'/jU.; Timon Xhalln-Theatep 7V. uhr: Mascottchen Th. am N ollen(lortpiatB BVs Uhr: Der Strom .U Der Vetter ausDinisda Theater de. Weatena ubr2: Korgen wieder lustik! Trlanon-Theatcp Alfred Abel in: � WllSCh TbJ.d.Kommandantenstr. v/2 uhr Die goldene Freiheit TFallner-Theater Ab Sonnabend TVj Uhr: Der Kuhreigen Walhalla-Thcntep j;'?: Scheidungsreise Komische Oper Opernspielzeit Täglich l*U Uhr Alt-Zlkiäklderg Oper von Pacchierotti Stg, 31/.: Der Barbier v. S�v�y Sertinerfrater Kastanien-Allee 7—9 Täglich 4>/, Uhr: Die Schönstev. allen Operette i. 3 Akt.vJeanOilbert Variete-Sensationen Behrenstraße 54 Präzis Pj4 Uhr; Internat. Damen-Boxkämpfe und der unübertreffliche � � J�nT�gielglan�� I 7'/? 1 Die groBe Iiisstitlngs-Sta Tip Tip Hurra»! Ueber 150 Milwirk. 1 mit dem bekannten! Wilhelm Bartstein I Albert Paulis Heinz Samow Erna Alberti Else Schlolcka Crt-Pierderennen| Folies Kaprice Linienstr.l32.amOranienbg.T. Täglich 8 Dhr: Schlalzimmergeheimnls und Lilebe en jjro« mit Ferd. Qrönecker. BGlW I Variete-ScielDlaii I Rauchen gestattet! a. Kottbuser Tor Tel. Moriupi. 16077 TäSl. VU Uhr: Elite-Sanger — 10 Herren I— Witz I Komik I Urkem. Typen! Qrößt. Lacherfolg Vorvk.ll-l'/jjt-ö U. fleichshall.-Theater Stettiner Sänger j�Anfang T/jUhr 16. Juni i Britton. Benefiz Admirals-?alast Vit Uhr: Die roten Schuhe j Park- Restaurant; »Südende! J Südring 12Z4 J i Tanz-Übende j täglich I anüer Montag, Ant heaaem* TcIlzamnHj HEßREN- AnzBae-Paletols Sthlöpfer-GimimlmSirtei DAMEN- KostDme-Klelder Bäck«> Blusen firitt« Aatwakll Hersbgosetate Preise! B.FEDER iBrunnanttraBo 1 ! Frank'mter Alias 350 I Kottbu»orDamm103 | Cnarlottb., Scharrenst 5 1 WALLNER- THEATER Wallner-Theater-Sh*. 35» Sommerdlr.; Heinrich Neft Sonnabend, den 18. Juni, 7V- Uhr: DER KUHREIGEN Oper tob Wilhelm Kienzl In den Hanptpar tlen: Kanunersänger Adolf Lussmann = Margarete Schleemüllcr------- Der Vorverkauf hat be�ounen I Frlaen-FisMer besond. Zels» u. Goeri werden ständig angekauft Photohaus Stackalmann Berlin W9, PotsdaTnei* Str. 13S AnMsslredeM \m WO» ®tjf» Sfcbitnäntbeltöfttlt«! Unfnatna. und kneegna, gebenbe Brelchike; Sin aener (BeiflT sendet«ret»• 3.«rdrnaaa» Co., Bertin. Rinl jgröter Str. 7L Ausverkauf der hl dar Saison rorblUbenan Bestände zu eebr erkeblldk bersbgosetzfsn Fveissii. 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Mit besonderer Verwunderung sehen wir jetzt, daß sogar an dem Dienstgebäude des Charlottenburger Polizeipräsidiums(Kaiser- dämm 1) über dem Hauptportal noch die Inschrift„Königliches Polizeipräsidium Charlottenburg" prangt. Hat denn der sozialdemo- kratische Polizeipräsident, den Charlottenburg sogleich nach der Re- Solution erhielt, diese Inschrift niemals bemerkt? Man sage uns nicht, daß sie schwer zu beseitigen wäre, weil sie aus dem Stein herausgemeißelt ist. Nein, si« wäre sehr leicht zu beseiti- gen, und es bedurfte dazu kaum mehr als der Aufstellung einer Stehleiter, von der aus ein Steinmetz das Werk der Austilgung in kurzer Zeit vollbringen könnte. Das sähe schlecht aus, wenn die als Ornament gedachte Inschrift zum Teil zerstört würde? Da sind wir ganz anderer Meinung! Wir finden, daß die bei solcher In- schtistenkorrektur entstehenden Lücken sich gar nicht so übel aus- nehmen. Gewiß, ästhetisch beftiedigen sie nicht, aber es geht von ihnen eine starke agitatorische Wirkung aus— und das ist auch etwas wert. Es kann unseren„Republikanern" nicht nach- drücklich genug eingehämmert werden, daß die„Königlichkeit" und .Kaiserlichkeit" für alle Zeiten ausgestrichen und ausgetilgt sind. Also herunter auch mit dem steinernen„Äönigl." vom Polizeipräsidium Charlottenburgl Gewaltsame Auflösung öes Schloßlazaretts. Die Behörde, der das Wohl und Wehe der Kriegsopfer unter- stellt ist, in diesem Falle das Hauptversorgungsamt, bemüht sich, in der Angelegenheit des Schloßlazaretts in Charlottenburg eine höchst unangebrachte Schneidigkeit zu beweisen. Auf Anordnung dieser Stelle wurden gestern Teile der vorhandenen Decken und Klei- dungs stücke, sowie � Partien von Bett- und Leibwäsche fortgeschafft. Den Insassen wurde erklärt, daß auch die noch verbliebenen Restbestände nach dem Bersorgungslazarett in Tempel- Hof. überführt würden. Die Fortschaffung erfolgte unter polizeilicher Bewachung, obgleich die Kranken erklärten, daß ihnen sede Absicht einer Störung völlig fern liege. Das Schwesternpersonal ist zwar noch im Schloß, aber nach Angabe der Kranken gänzlich vom Dienst entbunden und soll auf eigenen Wunsch bereits entlassen sein, bis zum 1. Oktober jedoch noch das Gebalt weiterbeziehen. Man hat schließlich damit gedroht, daß den Kranken der große Park des Schlosses entzogen und der bisherige freie Zugang zum Schloß für Personen, denen die Erlaubnis hierzu nicht erteilt ist, gesperrt werden soll. An den Reichstagspräsidenten Genossen Löbe haben die Kranken ein Telegramm gesandt, in dem sie bitten, daß er sich gegen die gewaltsame Auflösung des Lazaretts verwenden möge. Auch der vom Reichstag gewählte Ausschuß für Kriegs- beschädigte ist von den Insassen um Hilfe gebeten worden. Sie hoffen, daß eine unparteiische, und gerecht denkende Vermittlung nach wohkryplftnder Prüfung Her Sachlage erreichm. wird, daß dse Kranken"üftd Krüppeß dse unter so. furchtbaren Gesundheitsopfern für das Vaterland gekämpft Und di? Leiden des Krieges noch nicht überstanden hal»»n, im Schloßlazarett bis zur völligen Genesung und Erholung derbleiben können. Wir fordern nochmal«, daß Park und Schloß Charlottenburg den noch nicht geheilten Kriegeopfern verbleiben. Es ist Ehren- pfsicht des Staates, diese prächtigen Anlagen denen weiter zu über- lassen, die noch immer unter der körperlichen Marter des Krieges zu leiden haben. Für Kunstschulen und ähnliche Insti- tutionen findet sich genügend. Platz in leerstehenden Kasernen, auch wenn es nicht nach dem Geschmack einiger um. schöne Amtszimmer besorgter Geheimräte sein sollte. Auffallen muß es, daß unter der augenblicklichen Leitung des Kriegsversorgungsamtes die drei größten Berliner Lazarette gewaltsam aufgelöst werden mußten. Vielleicht sieht sich der Reichsarbeitsminister einmal seine Medizinal- röte, auch die im eigenen Hause,, genauer an. vamppre öer Jrieörichstraße. Die Ermordung des Rikkergulsbesihers Otto vor Gericht. Die Schwurgerichtsverhandlung wegen der Ermordung des Rittergutsbesitzers Otto, die gestern unter Vorsitz des Langerichts- direktors Dr. Müller begann, führte in das gefährliche Treiben des lichtscheuen Gesindels, das nächllicherweise in den Straßen Berlins auf seine Opfer lauert. Brennpunkt dieses Treibens ist u. a. die Ecke der Friedrich- und Iägerstraße, die Kranzler-Ecke usw. In jener Gegend treiben sich nachts hundert und aberhundert solcher Vampyre umher, die darauf lauern, wenn die anständigen Lokale geschlossen werden, harmlose Nachtbmmnler in irgendein öezirksparteitag. Gemäß§ 22 des Organisationsstatuts des BezirkSverbandeS beruft der Bezirksausschuß den diesjährigen ordentlichen Bezirks- Parteitag zum 20. und 21. August d. I. nach Berlin, Prinz- Albrecht-Straße B, ein. Di« Tagung beginnt am 20. August, abends 6 llhr, und ist als vorläufige Tagesordnung folgendes festgestellt: 1. Geschäfts- und Kassenbericht des BezirkSverbandeS. Bericht- erstatter Genosse Krüger und Schmidt. 2. Die Interessengegensätze im landwirtschaftlichen Groß« und Kleinbesitz. Referent: Genosse Otto Braun, LandwirtschastS- minister a. D. 3. Die politische Loge und der deutsche Parteitag. Referent: Genosse Parteivorsitzender Otto Wels. 4. Wahl der Delegierten zum deutschen Parteitag. 6. Anträge. 6. Wahlen. Wir ersuchen die Parteiorganisationen, in den Mitglieder- Versammlungen zur Tagesordnung Stellung zu nehmen. Anträge find bis spätestens 13. August an den Bezirksvorstand z. H. de» Unterzeichneten einzureichen. Die Wahl der Delegierten erfolgt entsprechend den Bestimmungen deS§ 28 des Bezirksstatuts auf den Unterbezirkstagen mit der Maß- gäbe, daß bei der Berechnung der auf jeden Unterbezirk entfallenden Delegiertenzahl die Beitragsleistung des lH. Quartals 1020/21 zugrunde gelegt ist. Wegen Wohnungsbeschaffung wolle man sich an den Unter- zeichneten wenden. Mit Parteigruß Der Bezirksausschuß. I. A.: Wilhelm Krüger, Berlin ZW 68, Lindenstraße 3. Nachtlokal zu verschleppen und dann teils durch List, teilt mst Gewalt ihrer Wertsachen zu berauben. In dieses Milieu fällt auch die Bluttat, die in der Nacht zum 11. Februar 1920 im Tiergarten beim sogenannten Schneckenberg an der Lennestraße dem nach Berlin gekommenen Rittergutsbesitzer Otto das Leben gekostet hat. Otto wurde an der genannten Stelle erschossen vorgefunden. Es wurde zunächst Selbstmord anaenom- men, die Ermittelungen führten jedoch dazu, von dieser Ursprung- lichen Ansicht abzugehen und ein Verbrechen festzustellen. Als Täter bzw. Beteiligte an der Tötung wurden schließlich der Schlosser Martin R a s ch k.e und der Kellner Johannes Godow festge- nommen, jedoch komtts gestern nur gegen Naschte verhandelt werden, da G a d ö w sich zurzeit im Irrenhaus Wittenau befindet. Beide haben zuerst jede Verantwortung für den Tod Ottos ab- Sehnt, nach und nach kamen sie aber mit Geständnissen heraus. en Tendenz dahinging, es so darzustellen, als ob Gadow mit Otto wegen der Bezahlung einer Droschkenfahrt in Streiterei ge- raten und bei dem entstandenen Handgemenge die Schußwaffe aus Versehen losgegangen sei. Gestern bestritt Raschle mit großer Bestimmtheit jede Beteiligung an der Tat und erklärte di« gegen- teiligen Bekundungen des Godow für durchaus unglaubwürdig.— Außer dieser Haupttat und einem Diebstahl in Hamburg standen noch mehrere bedenkliche Fälle ähnlicher Art zur Anklage. Für die Verhandlung sind zwei Tage angesetzt. Das Ergebnis werden wir mitteilen._ Gegen den Verfall der Parkanlagen! Der Gesamtbetriebsrat der städtischen Parkverwaltung des Berbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter und der Verband der Gärtner- und Gärtnerei arbeiter hatte die breite Oeffentlichkett nach der Hasenheide zu Protestversammungen eingeladen, in denen die Maßnahmen des Berliner Magistrats, insbesondere die enorme Kürzung des Etats für die Parkverwaltung, verurteilt wurden. In einer einstimmig gefaßten Entschließung wird gesagt, wenn die Etatsabstreichung von über zwei Fünfteln des von der Park» Verwaltung äußerst sparsam berechneten Etats vorgenommen werde, nur noch Sandwüsten und Staubentwickler übrig blieben. Nicht Abbau, sondern Aushau der städtischen Parkan- lagen im Interesse der Dolksgesundhett sei erforderlich. Die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung werden ersucht energisch gegen die Kürzung des Etats der Parkverwaltung aufzu- treten und diese abzulehnen. Ferner wurde folgender Antrag angenommen: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, daß die endgüllige Entscheidung über diese Position vorläufig ausgesetzt wird,. und zwar solange, bis der Arbeiterausschuß und die unterzeichneten Organisationen einen Plan zwecks produktiver Bewirtschastung vorgelegt haben. Die Stadtverordnetenversammlung wolle umgehend den Schlußtag für Borlage dieser Vorschläge bekanntgeben." Die neue Ucberwachungsabteilung des Magistrats wird von drei Personalgruppen versehen: Revisoren für Spezialfälle, Kontrolleure als Wackorgane der städtischen Werke, Betriebe. Anstalten, Güter und Forsten, Wächter, deren Gruppe erst in der Bildung begriffen ist und das in dem Emzel- betriebe bereits vorhanden« Wachpersonal zusammenfassen soll, da» mit es möglichst vom Betriebe selbst unabhängig bleibt und in jedem der Betriebe, wo es erforderlich wird, eingesetzt werden kann. Die UeberwachungSabteilung wird auch Wetterhin über ihre Tätig» keit berichten und ist der Unterstützung der Angestellten und Arberter bei der Aufgabe sicher, alle Elemente auszuschalten, die wegen ihrer Unzuverläifigkeit das Eigentum und das Ansehen städtischer Be« triebe gefährden. Eine Auffaffong über die Einrichtung der Ueber- wachungSabteilung, als wenn Eigentumsvergehen in städtischen Be» trieben an der Tagesordnung feien, ist selbstverständlich völlig un» zutreffend. Die Arbeiter und Angestellten der Stadt haben aber in der Gesamtheit ein Recht darauf, daß die Einrichtung der Ueber- WachungSabteilung aus irgend welchen Gründen nicht anders be- urteilt wird, al« die Psiicht deS Magistrat« im Sinne und mit Hilie der Angestellten und Arbeiter selber di« Ordnung zu schaffen, für die er der Oeffentlichkett verantwortlich ist. Rektor Bocks Kampf. Im Prozeß des Rektors Bock führte bt$ weitere Beweisaufnahme wiederholt zu sehr erregten Szenen. Eine Zeugin bekundete, daß der Schutzmann Conthar bei ihr gewesen sei und be- hauptet habe, Bock habe über die Grenze gehen wollen.— De? Pfarrer S a l z g e b e r hat mit der Hauptbelastungszeugin P. feiner- zett in der Fürforgeanstalt gesprochen: diese gab damals, wie auch heute noch, zu, daß sie Bock zu Unrecht unzüchtiger Handlungen beschuldigt habe. Der Schutzmann Conthar bestritt, daß er die P. unzulässig beeinflußt habe.— Lange Erörterungen drehten sich um die Vernehmung von 12 Zeuginnen, die der Nebenkläger Tousiaint mit ihren Müttern zur Vernehmung nach dem Polizei- Präsidium bestellt hatte. Die Verhandlung drehte sich weiter um den Vorwurf des Angeklagten, daß Toussaint die Zeitun» gen durch falsch« Informationen irregeführt und die Oeffentlichkett gegen ihn beeinflußt habe.— Auf Antrag des R.Ä. Bahn wurden einzeln« besonders markante Artikel verlesen. Sodann bekundete der- Journalist S teinb erg, daß Tausjasntn ihm erklärt hätte, die Zeitungen hätten vieles übertrieben. Der Zeuge gab ferner an, daß Toussaint von ihm nur Geld für pokzei�,- liche Nachrichten erholten habe. Es wurden dann noch der damalige Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat R. Weißermel, und der Nebenkläger selbst vernommen. Ersterer wies es weit von sich, daß er sich in irgendeiner Weis« durch Toussaint, den er seines Wisiens nur einmal gesehen habe, habe beeinflussen lassen. Dieser sei keines- wegs in seinem Amtszimmer aus- und eingegangen. Den Haft- befehl gegen Bock habe er auf Grund der polizeilichen Ermitts-' lungen und seiner eigenen Eindrücke ergehen lassen.— Der Nebenkläger Toussaint stellte entschieden in Abrede, Zeugen beein- flußt zu haben. Zu oer Festnahme Bocks sei er auf Grund der schweren Belastung der Zeugin P. verpflichtet gewesen. 3tn 18. Bezirk(Weißensee) wählte die Bezirksverordnetenverx smnmluna an Stelle des ausgeschiedenen Bezirksverordneten Schultze-Hohenschönhaufen, der sein Mandat niedergelegt hat, den Bezirksverordneten Keller-Hohenschönhausen(Bg.). Bon seilen der Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. Die beiden in dem fernen Boot waren plötzlich aufge- sprungen, hatten sich gepackt und rangen wütend mitewander. . Das dauerte kaum einige Sekunden. In demselben Mo- ment, da der junge Mann seinen Schrei ausstteß, hatte der eine der ringenden Männer den Gegner fest umschlungen, hielt ihn erne Weile fest und schleuderte ihn sodann mit einer furchtbaren Kraft aus dem Boot, um sich gleich darauf mit fieberhafter Eile auf die Ruderbant niederzuwerfen und dem nahen Ufer zuzurudern. Der Hinausgeworfene schien entweder kein Schwimmer odn durch den Schreck gelähmt zu sein. Man sah nur eine Spanne Zett seine Arme aus dem Wasser austauchen. Dann versank er in der Tiefe. Den Zuschauern hatte das Entsetzen zunächst den Atem oerschlagen. Sie erhotten sich nur langsam und sahen einander ratlos an. Das junge Mädchen brach in ein hysterisches Schluchzen aus und barg das Gesicht in den Händen. Den jungen Männern, die schwach und furchtsam waren, standen Schweißperlen auf der Stirn. „Man müßte doch," stammette endlich der Handlungs- gehilfe, man müßte..." Er vollendete nicht, sondern ergriff die Ruder und ruderte, von den beiden anderen gefolgt, aus jene Stelle zu, an der der unbekannte Mann untergegangen war. Inzwischen war der Mörder mit feinem Boot schon bis ans Ufer gelangt» wo er an Land sprang und, sein Boot im Stich lassend, rasch laufend im Gebüsch verschwand. Die Verfolger, die noch immer eine wahnsinnige Angst lähmte, setzten ihm zaghast nach, als fürchteten sie. das Ufer früher zu betreten, ehe er weit von ihnen weg war. Dieser Fall trat auch ein. Als ihre Füße den festen Boden berührten, war von dem Entflohenen längst nichts mehr zu sehen. Er war verschwunden. Erst jetzt kam ein fieberhaftes Leben in die kleine Gruppe. Sie schrie, lief planlos umher und tat nichts von dem. um nötig gewesen wäre. Bis schließlich der Handlungsge- Hilst doch auf den Gedanken kam, Hilfe herbeizuholen. Allein diese kam viel zu spät. Der Ertrunkene war nicht mehr zu retten. Und von dem Entflohenen hatte man keine Spur. I Erst am nächsten Tag gelang es, die Leiche des Ertrunke- nen zu bergen. Und das Erstaunen war groß, als die Papiere, die man bei dem Toten fand ergaben, daß er ein angesehener Bürger der Stadt war, der Makler Justus Blümner, ein vierzigjähriger Mann, der seit fünf Jahren mtt einer jungen, schönen Frau in kinderloser Ehe lebte. Nachdem die Staatsanwattschast am Ort des Verbrechens — denn ein solches nahm man ohne weiteres an— den Tat- bestand aufgenommen hatte, gab sie den Toten stei und man schaffte ihn in die Wohnung Blümners, in der die junge Frau, verstört und doch zugleich gefaßt, schon wartete. Lucie Blümner war in der Tat eine Schönhett, die auffiel. Sie war noch nicht vierundzwanzig Jahre att. Ihr Haar zeigte jenes berückende Rotblond, das zu flammen scheint, wenn die Sonne darauf scheint, ihre großen grauen Äugen drückten Müdigkeit aus, Müdigkeit und Melancholie, und um ihre Lippen lag ein Zug, der, gleichsam erstarrt, von einem Schmerz erzählte, der es aufgegeben hatte, zu hoffen. Sie entstammte einer armen Adelsfamilie und war nur deshalb die Frau Blümners geworden, well ihre Ellern es wünschten. Das war kein Geheimnis. Die Untersuchung, die über den Fall sofort aufgenommen wurde, förderte nichts zutage, das den Moro aufgeklärt hätte. Ein Raubmord kam nicht in Frage, da dem Getöteten, der eine beträchtliche Summe Papiergeld bei sich gehabt hatte. nicht ein einziger Schein fehlte. War Rache der Grund? Nichts bot auch dafür einen AnHall. Lucie Blümner. di« in dieser Richtung vernommen wurde, erklärte, daß, soviel ihr bekannt sei, ihr Mann keine Feinde gehabt habe. Und andere sagten das gleiche aus. Das Verhatten der jungen Frau während der Cinver- nähme berührte den Untersuchungsrichter sonderbar. Sie schien voll Trauer und wie niedergeschmettert, und doch ging aus manchem, das sie sagte, hervor, daß ihr Schmerz mcht der Ermordung ihres Mannes gall. Sie war m manchen Augenblicken wie versteinert, um gleich darauf, vor einem Nichts, zu erschrecken und zu zittern. Sie weinte heftig. Aber sie lochte auch einmal. Das tat sie, als der Untersuchungsrichter sie stagte, ob ihre Ehe eine gute gewesen sei. Da lachte sie, und ihr Lachen klang bös und zufrieden zugleich, fo daß der Untersuchungsrichter vor ihr er- schrak und davon überzeugt war. eine Kranke vor sich zu haben. Einen Augenblick hatte es den Anschein, als ob ein wenig Licht in die Angelegenheit kommen sollte, als die Schwester 1 des Ermordeten vernommen wurde, ein altes Mädchen, das in seinem Aeußeren recht unsympathisch wirkte, infolge seiner groben, harten Züge, seiner stechenden Augen und seiner Uesen, männlichen Stimme. Diese Zeugin war während ihrer Einvernahme sehr er- regt und deutete mit unbestimmten Worten an, daß sie wohl wisse, wer w einem engen Zusammenbang mit der Untat stehe. Als der Untersuchungsrichter sie daraufhin aufforderte, in bestimmter Form alles zu sagen, was sie wisse, lehnte sie dies steillch ab und wurde verlegen. „Sie müssen es sagen," setzte ihr der Untersuchungsrichter zu,„denn Sie haben geschworen, die Wahrheit auch nicht zu verschweigen." Da wurde die rauhe Person zaghast und stotterte:„Daß es die Wahrheit ist, kann ich nicht behaupten." „Also eine Vermutung?" drang der Untersuchungsrichter in sie. „Auch das nicht. Aber ich habe fo meine Gedankew" „Welche Gedanken?" Das grobe Gesicht der Zeugin verzerrte sich in Haß.„Ich denke, daß s i e mit Schuld daran hat». ," „Welche.sie'?" „Sie,— feine Frau.. Doch als sie ihren Berdacht sachlich begründen sollte, war sie dazu außerstande. „Wenn wir schon annehmen wollen," sagte der Unter» suchungsrichter,„daß Ihre Schwägerin an dem Mord irgend» wie beteiligt fft, so liegt die Vermutung doch nahe, daß sie es in dem Sinne war, daß sie jenen unbekannten Mann, der der Täter fft, zu seinem Berbrechen angesttstet hat,,. Glauben Sie das wirklich?" Bei dieser direkten Frage wurde die Zeugin blaß uuv antwortete zitternd:„Nein." »Ist Ihnen überhaupt bekannt, ob Ihre Schwägerin Ve» ziehunge« zu fremden Männern hatte?" Hier wechselte die Zeugin abermals die Farbe. Sie wurde rot.„Nein," sagte sie hastig und beschämt. „Aber es verkehrten doch manchmal Herren in dem Haust des Ermordeten, Freunde oder Bekannte?" „Mein Bruder hatte keine Freunde. Rur Herr Vehrens kam manchmal." „Wer ist Herr Behrens?" „Ein Bekannter meiner Schwägerin, schon aus deren Jugendzeit her, ein reicher Junggeselle ohne Beruf, der einzige, der in das Haus meines Druders immer freien Zutritt hatte und der gern gesehen war."(Forts, folgt.) Bürgertlchen Arbeitsgemeinschast wurde an das BeZtrlsamt die Anfrage gsrichtet, warum der schöne Schloßgarten nicht der Bevölkerung Weißensees bzw. Berlins zugänglich gemocht werde. Stadtrat ftrommont als zuständiger Deze�ment erwiderte, daß auch das Bezirksamt die Oeffnung des Schloßparks anstrebe. Zurzeit ständen der Oeffnung des Parks aber große Schwierigkeiten eut- gegen. Die Ouäkerspeisung sei auf dem Schloßgrundstück unter- gebracht, die Herrichtung der Wege, der Abortaniogen verursache große Kosten, die von Berlin nicht bewilligt würden. Man trage sich mit dem Gedanken, einen Restaurationsbeirieb auf dem Schloß- parkgrundstück zu errichten. Die Beratungen über dieses Projekt seien noch nicht abgeschlossen.— Ein Antrag des Bezirksamtes, die kommunale W u r st f a b r i k aufzulösen, wurde vom stellver- tretenden Bürgermeister, Genossen Taubmann, begründet. Aus dem Bericht ist zn entnehmen, daß der Kundenkreis durch die freie Bewirtschaftung des Abnehmen begriffen und ist. der Wurstwaren ständig im Der Berichtersto»ter empfahl, die Kvndi- gung des Betriebsleiters und der 4 Gesellen auszusprechen und eine Kommission zu wählen, welche mit dem Betriebsleiter und Eigentümer der�Wurstfabrik Sasse verhandeln solle. Würde man die Kündigung nicht aussprechen so sei mit weiteren Verlusten zu rechnen. Der Bericht gab den Vertretern der Bürgerlichen Ar- beitsgemeinschaft Veranlassung, von einem„Fiasko eines soziali- sierten Betriebes" zu sprechen. Bon Bezirksverordneten Thiele (HSP.) und Hodapp(SPD.) wurde dem entgegengetreten und dargetan, daß es sich hier um eine notwendige Kriegs- Maßnahme, aber nicht um einen sozialisierten Betrieb handele. Bon Hodapp wurde noch ausdrücklich die Erwartung der SPD.-Fraktion ausgesprochen, daß die nun der Arbeitslosigkeit entgegengehenden Arbeiter angemessen abgefunden die Stttlergat-besttzer mit hochklingendem Kamen, dt« auf der Gesckiworenenliste standen, sind es diesmal zum größten Teil Männer des Handwerkes, der Arbeiierswaft und des bürgerlichen Kaufmann- standeS, die über Recht und Unrecht sprechen sollen. Auf der Liste sind verzeichnet 3 Maurerpoliere, Schlosser, Kesselschmiede, Schorn- stsinfegermeister und statt der Riltergulbesitzer sind die Hüfner ver- lreten. Ein paar Ingenieure, ein General und Arzt vervollständigen dieses Volksgerichl._ Otto Borth gestorben. Am Montag, den 13. Juni, ist plötzlich Genosse Otto B a r t h im Ali-r von 66 Jahren gestorben. Er ist einer von der alten Garde, die der Partei von der frühesten Jugend an angehört haben. Wir sahen ihn schon in den 7ger Jahren im Leipziger Arbeitrrbildungsverein. Bon Beruf war er Sattler, und als die Sattlerorgauisalion ins Leben gerufen wurde und diese sich ein Organ schaffte, war Borth ihr erster Redakteur. Mit der Parteibewegung Friedrichshagens war er völlig verwachsen. Seit den 90er Jahren gehörte er der Gemeindevertretung an und nach der Revolution wurde er als Schöffe gewählt, welches Amt er bis zur Eingemeindung verwaltete. Sein jahrzehntelanges Wir- ken für die Arbeiterbewegung wird ihm unvergeßlich bleiben. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Juni, nachmittags SÜ Uhr, vom Trauerhause in Fricdrichshagen, Ahornallee 19, aus statt. Slogen über saure Milch. Mit der Geschäftsführung des Lebensmitteloerbandes, insbesondere mit der des städtischen Milch- a m t s, beschäftigte sich gestern ein Prüfungsausschuh der Stadtverordnetenversammlung. Der Magistrat war durch den Stadtrat Wutzky vertreten Es wurde darüber geklagt, daß an den heißen Lunitagen größere Milchmengen sauer in Berlin � an. Sprung von mebreren Balkons in ein fahrendes Auto. Der Willi um Kunst ist längst dem Srrebcn nach Nervenkitzel gewichen. Ferner wurde ein.Schlmpanie„Kapitän Jach II." gezeigt, ein Wunder an Menschen- ähnlichkert. meiner Vorjühiung konnten wir insolge der vorgerückten Zeit nicht mehr beiwohne»._______ Groß-Ser!iner Partewachn'chtea. Heute, Mittwoch, den 15. Zum: Erwachsen« Mitarbeiter der Jugend. 7 Uhr Funitionärkonfereuz iyi Gvmna» sium Weinmeisterstr. 15. Thema:„Unsere Stellimg in der deutschen Jugend» bewegnng". Mitgliedsbuch legitimiert. 7t. M-t. Wilmersdors. 8 Uhr Funttianärschung bei Jonas, Dirlaer Tic. 8. Jeden Mittwoch abend zwangloses Beisammensein der ibcnossen im selben Lokab dt.»it. Rcntälln. 7H Uhr Funktionarsitzuna bei Taubil, Weisestr. 2Z. Eämt» liche Bczirksiührer Abrechnung der Mailarten usw. 103. Abt. Lberschöneweide. 7U Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Frischensrraße. Thema:„Die sinanzielleu'Wirkungen des Friedensver- träges". Referent Genosse Maw'check. tt». Abt. Barrigwalbc. Wittenau. 8 Uhr Mitgliederversammlung in den Barsig» walder Fesisälen, Tanrad», Ecke Spandauer Straße. Thema:„Ultimatum. Regierungsbildung und Rechtsparteien". Referent Genosse Heinrich Wer- büchcr._ Potsbam. 8 Uhr im Äonzerthaus, Saiser-Wilhelm-Straße, große Demvnstra» twnsversammlung gegen � den Mord in München. Morgen, Donnerstag, den IL. Juni: t. Kreis Prenzlauer Tor. 7 Uhr Sreisvorstandsssßung in der Elbinger Klause, Elding�r Str. 49/ «.«-->» Halle, ches Tor. 7� Uhr bei Wolfs, Forster Str. 44, außerordentliche Sihuna der Obleute der Elternbeiräte.__ Eherlatteubura. 7� Uhr im Rathaus,. Saal 2, Konferenz der SPD.-Eltern, beiriite. Dartrag über„Was lehrt uns die Praxis der weltlichen Schul» in Elberfeld". Referent Genosse Lehrer Schweisfurth-Elberfeld. 33. Abt. Eharlottenbnrg. Die Einäscherung unserer Genossin Agnes Reetz findet würden. Die Kündigung des Vertrages wurde beschaffen"mit der- gekommen sind. Zum Teil soll �es an mangelhafter Kühlung, nicht!' Maßgabe, daß eine aus sechs Bezirksverordneten bestehende Kam- sachgemäßem Transport und ahnllchen Ursachen gelegen haben. Schmargendorf und Gru-eweld. Unsere Mitglieder vu. —:in--- ü. m—-------— V'— v— cm:,— v:.-ia.„.„.".„.„V e.:«. SN)!:* anstaltcn am Donnerstag, den 13. Juni, einen Ausflug nach dem Grüne» wald. Wir bitten all- Genossinnen, sich zahlreich mit ihren Kindern daran zu beteiligen. Treffpunkt um 3 Uhr am Schmargendorfer Bahnhof, un,- —----.— x..i Kuberwsbadcr Str. 2/6. ______________i_____________ i.Angestellte des 14. Kreise, Neukölln: V6 Uhr Versammlung im Lokal von Schüttler, Weichselstr. 5, Ecke Donau» straße. Wichtige Togesardnunß, u.-. Wahl eines Beamten-ertreter- in den Kreisvorstand. Erscheinen dringend notwendig. Mission mit Vertretern des Bezirksamtes die Liquidation der Wurst- Milchhändler, die jetzt nicht genüqend oder gar keine frische Milch j fabrik vorbereiten und die ganze Geschäftsführung einer genauen erhalten hoben, können dies dem Milchamt in Alt-Moabit mitteilen. Nachprüfung unterziehen soll.— Auf Anregung des Magistrats Das städtische Milchamt wird Hann nach Möglichkeit für A b h i,l f e wurde beschlossen� den 18 Bezirk fortan: Bezirk Weißensee sorgen. zu benennen.— Bei der Vorlage des Bezirksamtes auf Bewilligung von 6299 M. für bauliche Umänderungen an der Erwerbslosen- Tödlicher Un, mittag ereignete sich In den Deutschen Werken. Gestern vor> ei der Apparatefabrik der Deutschen 4 UHd Kaffeekochen bei Wiedacker, 32. Abt. Reulöllu. SPD.-Beamte und Werke in�anda�«n Unglücksfall. dem d« Arb-ik-r Mai~-------- Gemeinden wieder voll zum Ausdruck. Bezirksverordneter Braun mi l92I, nachmittags 6% llhr, im Kasino der Reichedani, Kurstraß« 88. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht in«er- bindung mit 2. Bilanz für das Geschäftsjahr 1SZ0. Genehmigung der Bi- lanz und Entlastung des Vorstandes. 8. Satzungsänderungen. 4. Ersatzwahlen zum Aufsichts- rat und Porstand. Räch dem Genossenschastsge- setz dürfen nur Mitglieder— nicht deren Angehärtge— an der Generalversammlung teil» nehmen. 35276 Berlin, den 1». Juni 1921. Gemeinnütziger Beamten- SiedclungsvereinGroß-Berltn ewgetrageneGenossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Der/Borfltzende d-Ausstchtsrate«. I. V.: kremps. SrksttsskxgkllsseVellln- MiM. mmx ««lin.Friedenwl.l4.Iuni 1921 Siuladuug zur außerordentlichen am Freitag, den 24. Zuni 1921, abend« Vk Uhr im Kassenlokal, Rheinstr, 9, Vorderhaus 1 Trp. Tagesordnung: U Beratung und Beschluß- stlssung über dl« geplante Bereinigung der beiden Orts- /krantenraffen Schiineberg und Friedenau. i. Derfchiedenes. 21/13 Oer vorstand: Bry uttrick Borfitzender. Eckriftfüyrer. kerlkksvekh.sierllnZps). 53. Abt., Kreis 7, Gharlbg. Unsere Genossin keet? Eharlottenbg., Hutten str. 80, ist verstorben. 177/3 Die Einäscherung erfolgt am Donnerstag, d. 13. Juni, nachm. SV, Uhr, im Krematorium Serichtftraße. Ehr« ihrem Andenke»! Am Sonntag, 12. Juni, verschied nach langem schwe» ren Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Max Werner im 62. Lebensjahre. Beerdigung am Mittwoch, 15. Zuni, 3»/, Ahr, Steglitz, Bergstraße. Vi« Sollegen dar varddeulsch«» Buchdriukerst. örlsttl»ite«ka!se m mm unö vel- njönüten Sewnbe zu Berlin. Die in der Ausschußsttzung am 21. April l92l b-schl-ssen- Abänderung de» K 21 der Eat- zung hat unterm 3. Juni 1921 die Genehmigung de« Ober- versicherungsomtes Berlin er- haften und tritt mit dem Tage dieler Bekanntmachung as „Achte lllbSadernug- zur Satzung iu Kraft. 21/14 ' Druckexemplare der Abände- tixng können im Kassenlokal in Empfang genommen werden. Berlin, der» l». Juni 1921. See votstond. A. Polzin, Porsttzender. Rod. Krllger, Schriftführer. VesMSetMteikemlwd VenvZltllngsNelle Kerl In X II. 5». cinleostr. 8Z— LS. Geschäftszeit von vorm. 9 llhr bi« nachm. 4 Uhr. Telephon! Amt Norde» 185, 1239, 1937, 9714. Donnerstag, den IS. Juni, abends 61/., Uhr imGetverkschaftshaus,Engel«fertS(Saal4) Soz. Verein f. Frltdrlclulisgen. Am Montag, den 13. Juni, verstarb plötzlich unser Genosse 3ö29b ttttv Ksrtd im Alter von 33 Jahren. Sein jahrzehntelanges Wirken sür die«rdeiler. bewegung und sein offener. ehrlicher Charakter sichern ihm ein dauernde» An- denken. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 15. Juni. nachm. 3V, Uhr. vomTrauer- Hause in Frt-drtch-hagen, Ahornalle« Ig, au» statt. Zahlreiche Beteiligung er- wartet Der Barstand. Ein Versuch genügt und beweist Fori mit Seife und Soda! Seit ca. 30 Jahren bestbewährtes, im Gebrauch biliigstes Waschmittel in garantierter Friedens qualität Wi inlos»cheB Waschpulver Zeit, spart Geld und Arbeit. kfln fiängenVft� Garantiert unschädlich für die Wäsche L. 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Wenn der Schwindel später entlarvt wird, so hat man eben gar nichts gesagt. » Oberst von Tylander dementiert in der Press«, daß er den Ministerpräsidenten Kohr hätte stürzen und an seine Stelle eine Diktatur Escherich setzen wollen. Na ja, so etwas tut man, aber man sagt es nicht. Die bürgerlichen Parteien des Münchener Stadtparlaments haben einen Mißtrauensantrag gegen den Bürgermeister Schmidt wegen Stillegung der Straßenbahn bei der Beerdigung des ermordeten Goreis eingebracht.— Wie konnte der Bürger- meister auch! So etn as wäre doch nur bei der Beerdigung der Kaiserin zulässig gewesen»_ fiü* der»Hrönungszelle�. Die Regierung Kahr-Pöhner hat unser Parteiblatt verboten und unter Vorzensur gestellt. Wir wollen nun unseren Lesern mitteilen, wie man in München schreiben muß, um das Wohl- gefallen dieser Regierung zu genießen. Vor uns liegt Nr. 4S des„Völkischen Beobachters'(Untertitel: Kampsblatt der national- sozialistischen Bewegung). Wir geben aus dieser einen Nummer einige Stilproben, wobei wir gestehen, daß es uns nur möglich war, höchstens den vierten Teil der Nummer durchzulesen. Der Leitartikel führt den quer über die ganze Seit« gedruckten Titel.Der Ouasselkanzler'. In diesem Lrtikel wird gesprochen von dem jetzigen.Reichsregierungsbordell". Erzberger führt den Titel „die polltische Er, hure von Buttenhavsen". Ein andermal wird er schlichter»der Lumpenhund' genannt. Der Artikel schließt mit der Ankündigung der»nationalen Revolukion', welche die Wirth-Ge- sellschaft austreiben werde. In einem Artikel gegen unser Münchener Parteiblatt zitiert der.Völkische Beobachter' mit Behagen, was er in einer früheren Nummer geschrieben hat. In dieser Nummer wurden die Nrchs- minister»Laujuden' und»Havelschlawiner' genannt. Ferner hieß es in dieser früheren Nummer: »O ch s e n f i e s« l gibt'» no grab g'nua, das Messer- wetzen wird net gut zu verhindern sein, und wenn Säu g'stoch'n wern, hat sich bei un« alleweil schon alles g'freut.' In der neuen Nummer wird dem noch hinzugesetzt: Daß die.Post' sich andauernd mit der»Ochsenfiesel'stelle beschäftigt, ist uns wirklich unangenehm. Die Hintermänner der.Post' werdeu sich doch nicht ,« den „Säuen' rechnen, die bei der nächste» günstigen Gelegenheit „g'stoch'n wer'n.' Oder doch? Das ist die christlich-germanisch« Gesittung, die un» unter uem Schutz der Herren Kohr. Pöhner. Esch-rich usw. blüht. Ihre Früchte kennen wir. Kasseler proteftkunögebung. Sassel. 14. Juni.(Eigener Drahtbericht de»..vorwärts'.) In Kassel fand heute nachmittag«in« groß« Versammlung der ge- samten Arbeiterschaft statt, um der Trauer über den Tod des Abgeordneten Gareis und der Entrüstung über die Zustände in Bayern Ausdruck zu geben. Es war seit dem Kapp-Putsch das e r st e m a l, daß sich die Kasseler Arbeiterschaft in solcher G e- schlossenheit zu einem gemeinsamen Zweck« zu- samwenfand. Vertreter der SPD., USP. und KPD. sprachen zu den 12 000 Menschen, die sich trotz des anfangs herabstürzenden Regens im Freien eingefunden hatten. Für die SPD. sprach Reichs- tagsabgeordneter Philipp S ch e i d e m a n n. In der Resolution ver- langte die Versammlung von der Regierung einstimmig, daß sie alle ihr zustehenden Machtmittel zur Anwendung bringt, um in Bayern verfassungsmäßige Zustände wiederherzustellen und die Entwaffnung der Einwohnerwehren und aller ahn- lichen Organisationen schnellstens und restlos durchzuführen. Mit einem hoch auf drn Sozialismus schloß die eindrucksvolle Kund» gebung. « AlsimPreußischenLandtagvor einiger Zeit der vvlk«- parteilich« Abgeordnete heidenreich— so verstanden ihn wenig- stens die Umstehenden— von Eevering, hörsing, hölz und Kon- forten sprach, da wurde er durch den Unwillen de« gesamten Hauses zu einer Entschuldigung gezwungen, die er dahin abgab, daß er von Severing, hörsing und D ö l z(Dölz ist hallescher Polizei- Präsident) gesprochen Hobe. Jedenfalls ließ damal» auch die R« ch t e des Hause» erkennen, daß sie es nicht billigt, wenn ein sozialdemo- kratischer Politiker mit hölz auf eine Stufe gestellt würde. Die „Deutsche Tageszeitung' aber kann sich, obwohl ihr Chefredakteur Bäcker Mitglied des Preußischen Landtage« ist, nicht zu den Regeln des parlamentarischen Anstände- aufschwingen. Sie berichtet nämlich über eine gemeinsame Protestkundgebung der Arbeiterschaft in Mannheim unter dem schönen Titel„Don hölz bi» Scheide- mann'. Herr Bäcker will offenbar beweisen, daß er sich im Preu- ßischen Landtag nur gezwungenermaßen anständig benimmt. Änksregierimg in llippe. Da» soeben neugewählte Lippesche Landelpräfidium besteht na» Meldung der TU. au« den Sozialdemokraten D r a kr und Schmuck und dem Demokraten Neumann-Hofer. Die Regierung»« koalition bilden Sozialdemokraten, Demokraten und der Gewerkschaftsbund, der aber auf seinen Sitz im Landespräsidium verzichtete._ Der Durchgangsverkehr nach Ostpreußen. Der Reichsrat genehmigte in seiner öffentlichen Sitzung vom Dienstagabend den Gesetzentwurf über da» Abkommen zwischen Deutschland, Polen und der Freien Stadt Danzig über den freien Durchgangsverkehr zwischen Ostpreußen und oem übrigen Deutschland, von der in Paris getroffenen Vereinbarung ist der Lufwerkehr ausgeschlossen gebsieben, da Polen Deutschland nicht da» Recht zum Ueberfsiegen polnischen Gebietes einräumen wollt«. Da ein Ausgleich nicht mögsich war, soll der Völkerbund später dies« Sache regeln. Das Abkommen selbst soll bis zum 21. Juni ratifiziert werden. Owe Debatte genehmigte der Reichsrvt da» neue Fernsprechgeb ührengefetz. Für den Nahverkehr soll da» neue Gesetz am 1. Oktober tfi Kraft treten, für den Fernverkehr kann es vom Postminister bereits früher in Kraft gefetzt werden. Eine Reihe von Rachttagsetats für 1S21 wurde debattelos geneh- nngt, ebenso ein Gefetzentwurf über Abänderung des Wehr» g«setze» aus Grund der Bedingungen der Londoner Note vom S. Mab. Danach ntdbtm. M» 4000 fiftotee te--- Schutz öen Bergarbeitern! Räch Erledigung einer kleinen Anfrage in der gestrigen Land- tagssitzung wurde die Einstellung des Slrofver- s a h r e n s gegen den Abg. Otter- Bochum(U. Soz.), sowie der strafgerichtlichen Verfolgung des Abg. Brandenburg(Soz.) wegen Beleidigung beschlossen. Darauf folgt die Beratung der großen Anfrage Otter(U. Soz.) über das Explosiousunglück auf der Zeche»Konstantin der Große'. Abg. Otter(U. Soz.): Bei dem Explosionsunglück am 12. April 1921 auf der Zeche„Konstantin der Große' sind Ii Bergarbeiter umgekommen und 7 schwer verletzt worden. Kann das Staais- Ministerium Mitteilimg über die Ursachen der Explosion machen, sowie darüber, ab den bergpolizeilichen Verordnungen von der Aufsichtsbehörde Rechnung getragen ist? Ein Regierungsvertreler: Die Ursache des Unglücks ist ein Schlagwetter mit darauffolgender Kohlenstaubexplosion. Die Regierung wünscht tunlichst dergleichen Explosionen zu verhindern. Daß sich in den Sicherheitsmaßnahmen noch hin und wieder Mängel einstellen, ist eine Folg« des Krieges. Weitere vorbeugende Maßnahmen sollen in besonderen Ausschüssen unter Mitwirkung der Belegschaften erwogen werden. Auf Antrag Katz(Komm.) wird die große Anfrage be- sprachen. Abg. Drunk(Dn.): Einzelheiten dieser Frag« sind im Ausschuß zu behandeln. Abg. Osterroth(Soz.) ist erstaunt über das Verhalten der Re- gierung. Sie habe zwar zugegeben, daß Fehler gemacht worden feien. Es kommt aber darauf an, die Folgerungen aus diesem Bekenntnis zu ziehen.— Zunächst die Frage: Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, daß die Belegschaften Einspruch erheben können, wenn bergpolizeiliche Verordnungen aufgehoben werden? Di« Bergarbeiter, die Vertreter der Bergarbeiter, werden leider nicht gehört, wenn die Aufhebung solcher Schutzverordnungen erfolgt. Der Ausbau des Dergarbeikerfchuhes muß viel kräftiger erfolgen, als dies bisher der Fall war. Wenn ein« Milderung in den Katastrophen vorgekommen ist, dann ist es vor allem der Verkürzung der Arbeitszeit zuzuschreiben. Durch die Verkürzung der Arbeitszeit bleibt der Bergmann mehr bei Besinnung und Kraft. Und noch etwas anderes kommt als Grund für die Milderung in Frage: auch die technischen An- g« st e l l t« n haben jetzt das Koalitionsrecht, die Tarifverträge wurden ausgebaut usw. Wichtig sei auch, den Betriebsräten Bewegungsfreiheit zu lassen. Die Betriebsräte haben eine Fülle von Arbeit zu erledigen, allein es gibt noch genug Werks leitungen, die nichts von den Betriebsräten wissen wollen. Was notwendig ist vor allem, das ist die Beseitigung der Atmosphäre de» Mißtrauen», die die Arbeiterschaft immer wieder vorfindet. Wird die Bergarbeiterschaft zur Mitarbeit herangezogen, dann«erden beizeiten genügend Anstalten getroffen, um den Unglücksfällen vorzubeugen. Redner weist auf verschieden« Mißstände in den Grubenbetrieben hin und fordert die Regierung auf, einmal energisch nach dem Rechten zu sehen. Die Berzpolizei kann erst dann reformiert werden, wenn vor allem die einzelnen Bezirke der Revierbeamten nicht so groß sind, wie bis- her. Die Bergarbeiter haben sich so groß« Verdienste erworben, daß sie jegliches Entgegenkommen verdienen. Ihre Ueberfchichten retten Deutschland. Abg. Brust(Z.) verlangt gründliche Prüfung im Ausschuß. Auf den Zechen müssen Ausschüsse gebildet werden, die für die Sicher» heitsmaßnahmen sorgen. Abg. Seidel(D. Vp.) schließt sich dem an. Ein Regierungsvertreter: Die Explosion ist durch ein Schlag- weiter hervorgerufen, das in dem angesammelten Kohlenstaub reich- sich Zündstoff fand. Ein Mitglied des Belriebeausschusse« hat zugegeben, von den Bergleuten fei über angebliche Mißstände nicht Klage geführt worden. Er hätte aber nicht den Eindruck gehabt, daß viel Kohlenstaub vorhanden war. Die Einsetzung einer b e s 0 n- deren Kommission zur Untersuchung des Unglücks liegt durch- aus im Interesse der Staatsregierung. Abg. Sobotka(Komm.): Die Betriebsräte und Beleg- schaften haben S Tage vor dem Unglück auf die Gefahr aufmerksam gemacht. (Lebhaftes Hört! Hört! links.) Solange die Betriebsräte nicht auch wirklich in den Betrieb eingreifen können, können sie nichts Eni- scheidendes zum Schutze des Bergmanns tun. Abg. Otter(U. Soz.) wendet sich ausführlich gegen die Dar- stellung des Regierungsvertreters. Abg. horlmann(Dem.): Die Berieselung der Zechen muß wieder aufgenommen werden. Die Betriebsräte sind u n e n t- b e h r l i ch. Die Aussprache schließt. Die Große Anfrage Otter wird an den Ausschuß für Handel und Gewerbe überwiesen. Infolge der vorgerückten Zeit wird der deutschnationole An- trag über Groß-Berlin von der Tagesordnung abgefetzt. Es folgt der Antrag der Deutschen Bolkspartei über die Ausführung des Ueberalterungsgesetzes. Abg. Meyer-Herford(D. Vp.): Wir verlangen«ine Uebersicht der verabschiedeten Beamten, getrennt nach Beamtenkategonen. Wir wollen Aufklärung über die durch die Verabschiedung erfolgte» Mehrkosten, sowie über die kommissorischeNeuan stellung verabschiedeter Beamten. Wir sind überzeugt, daß das Gesetz in wohlerworbene Rechte hart eingegriffen hat. Abg. Daldeck-ZNanasse