Nr. 282 ♦ ZS.�ahrgaag flusgabe B Nr. 139 Bezugspreis: Blertegährl. SO,— SPU mottatL m— SR. fr.» ins»0115, voraus zahlbar. Post» oezug: Monatlich 10.— M. einschl. Zu- slcllungsgedühr. Unter Kreuzband nii Deutschland, Danzig. das Saat- und Memelfledikt, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxcmbura 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Post- bestellungcn nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tfcheäni- Slowakei, Düne- mark, Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts" mit der Sonntags» beilage»Voll und Zeit", der Unter- Hallungsbeilage J&etmroelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentaglich zweimal, Sann» tags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: �Sozioldemorra« BecHn" Akend Ausgabe Vevlinev Volksblstt (20p»snnls) Anzeigenvrcto» Dt» aGtttejpaiten» NmwaretUeHeU» kostet-Dl„äieine �Unjeloeu** das ferigpörucftf Won 1,50 M.(zu- lässig zwei tenged7uctLt> Wone). scde« weitere Won t.— M. Ttellengesuch» und SchlafsteUenanzeigen das erst» Wort M, sedes weiter» Won Pfg Wort» Uber lS'Luchttadep zählen fitr zwo» Won». is-arnilien-An- zeigen für Abonnenten Zerl» 3.- Dl Die Vrcts» occftchen sich einschließlich Teuerungezuschlaa Lnzeigeu Mr öre nächst» istiitnxn« müssen bis 6 Zistr nachmittag» un vauvtgeschäst. Berlin SW LS. Linde» stratze 3. abgegeben werden. Gedftrret von 9 Ubr früh bis S Uhr abends. .l-r �0 Tentralorgan äer rozialckmokratifchcii parte: Deutfchlands Neöaktion und Expedition: EM SS, Lwdenstr. 3 Redaktion Morichplatz ISIVS— S7 zh eu-.sprrxjcc. ���ion Moriitplatz U7SZ— 54 Freitag, den 17. Juni 1921 Vonvärts-Verlag G.m.b.si., SN) 6$, Lindenstr. 3 « Verlag, Expedition und Inseraten- rrvfniprvnjvi. Zuteilung Morinplap»l753-S4 f'' polnifth-franAöfijcher Geheimvertraa! London, 15. Zuni.(WTÄ.) Der Verichterstaiter des„Man- chcster Guardian" in Oberjchleiien meldet, daß zwischen Arankrcich und Polen ein bisher noch nicht ratifizierter Vertrag bestehe, in dem Frankreich Polen seine Unterstühung in Oberschlesien zusage. Polen verpflichte sich dafür, ein grosses Heer von 600 000 Mann zu halten, in dessen Generalslab sich frauzösische Osfiziere besänden. Bei einem künftigen Kriege Polens, de- kein Angriffskrieg sei, würde Frankreich Polen seine aktive militärische Unterstützung geben. Rus-land sei von dieser Bestimmung ausgenommen, und der einzige Krieg, der ernstlich in Betracht käme, sei ein Krieg gegen Deutschland. Die pe- lroieumlsuellen Ostgaüziens würden Frankreich zur Ausbeutung überlassen. Wie der Berichterstatter des Blattes weiter meldet, wachse in Polen der Widerstand gegen diesen Pertrag. Es scheine eine starke Bewegung zugunsten eines besseren Einver- nehmens mit Deutschland aus rein wirtschaftlicher Grundlage zu be- stehen. » Die deutschen Parteien und Gewerkschaften Obcrschlesiens machen die Interalliierte Kommission in einer Note darauf ausmerksam, daß in dem Organ Korfantys, der„Oberschlesische Wegweiser", unge- setzliche Regierungsatte Korfantys amtlich angekündigt werden, ohne von der Zensur beanstandet zu werden. Die Parteien und Gewerk- schaften protestieren gegen diese Verletzung der Neutralität und for- dern sofortige Abhilfe. Korfantys Steuern. Oppeln, 16. Juni.(DA.) Die Oberste Exekutive der polnischen Insurgenten hat eine Cteucrverordnung erlassen, wonach entrichten sind: 3 M. für den Morgen von ländlichen Grundstucken in Größe von 2— 10 Morgen, 5 M. bei 10—25, 8 M. bei 25— 50, 12 M. bei 50—100, 18 M. bei 100—500, 25 M. bei 500—1000, 33 M. bei 1000— 2000 und 40 M. bei Grundstücken über 2000 Morgen. Als Wohnvngssteuer sind für 1— 2 Zsmmer 5 M., für 3— 4 Zimmer 8 M., für 5— 6 Zimmer 12 M. urid über 6 Zimmer 20 M. zu ent- richten. Industrielle, Handels- und handwerkerunternehmen zahlen den doppelten Betrag der für das Jahr 1910 entrichteten preußischen Steuer. Die Güter haben für jeden beschäftigten Beamten und Ar- beiter 2 M. zu entrichten. Pilsndski-Tpcndc. Warschau, 16. Juni.(DA.) Der polnische Staatschef Pilfudski hat zugunsten der Hilfe für die polnischen Opfer in Oberschlesien aus einem ihm zur Verfügung gestellten Fonds 1500 000 M. ge- spendet und diesen Betrag an den Vorsitzenden des Komitees zur Verteidigung Oberschlesiens in Krakau überwiesen. Nur nicht zuviel Reparation! Frankfurt a. 17. Zuni.(„Frks. Ztg.".) In einer ver- sammlung des französischen Komitees der Forsten hob der Präsident hervor, daß von 40 Millionen Kubikmetern holz, weiches Deutschland der Entente als Reparationsleistung zu liefern hat, Frankreich 25 890 900 Kubikmeter erhalten würde. Da man für die verwüsteten Gebiete 6 Millionen Kubikmeter benötige, und der Iahresbedarf auf 19 Millionen Kubikmeter zu veranschlagen sei. so müssen alle vor- sichts maßregeln getroffen werden, um den holzmarkt nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Frankreich dürfe nur soviel deut- sches holz annehmen, als man zum Wiederaufbau benötige(also 6 Millionen Kubikmeter), andernfalls würde die Zukunft der frau- zösischen Holzindustrie schwer geschädigt werden. Wz'e lange noch Sanktionen? Paris, 17. Juni.(EP.) h e r-v e schreibt in„La Dictoire": Wir haben gegen ein Volk Sanktionen getroffen: das Volt hat sich gefügt. Wenn wir, indem wir die Sanktionen trafen, das Ziel verfolgt haben, ungeachtet des Versailler Vertrages das Rheinland zur Bildung einer Zollgrenze heuchlerisch zu annektieren, so gibt es keinen Grund mehr, Ruhrort, Duisburg und Düsseldorf zu besetzen und den Rheinzoll aufrechtzuerhalten. Das Meiste, was wir wagen dürfen, ist, daß wir noch ein paar Wochen warten, bis außer Zweifel steht, daß Bayern entwaffnet und daß die Lage in Ober- schlesten sich nicht verschlimmert.(?) Wir sollten aber prinzipiell gestehen, daß wir zur Räumung verpflichtet sind: anders zu handeln wäre der Gerechtigkeit zuwider. Paris, 17. Juni.(WTB.)„Petit Parisien" schreibt zur Frage der Aufhebung der Zwangsmaßnahmen, es sei vielleicht gut, zu warten, ehe man dem neuen Reichskanzler diese Befriedigung be- reite. Wenn die Entwaffnung des obcrschlcsischen Volkes und die Lösung der oberschlcsischen Angelegenheit vollendete Tatsache seien, dann könne man ehrlicherweise Sanktionen nicht mehr ausrecht- erhalten. Das sei die Frage oer Loyalität und des politischen Jnter- csses. Die Linksparteien, die augenblicklich in Deutschland am Ruder seien, hätten es nötig, daß sie in ihrer Politik der Mäßigung und des Entgegenkommens gegen Frankreich unterstützt würden. Saarkohle für Danzlg. Genf, 16 Juni. Der Oberkommissar des Völkerbundes in Danzig hat kürzlich dem Völkerbnndssekretarint mitgeteilt, daß die Vcrsor-! gung der Freien Stadt Danzig mit Kohle durch den Ausstand in Oberschlesien ernstlich bedroht sei. Auf Ersuchen des Gencralfekre- toriats des Völkerbundes hat die französische Regierung erklärt, daß sie bereit sei, die Verwaltungsbehörden der Kohlengruben des Saar- gebiets anzuweisen, ihr Möglichstes zu tun, um der Freien Stadt- Danzig zu Hilfe zu kommen. Neue? Karl-putfch? Der„Voss. Ztg." wird aus Wien gemeldet, daß Karl Habsburg am 20. August, dem ungarischen Stesanstaz, wieder in Ungarn sein ; soll, Kesten famose Rcgsenmg von einer echt ungarischen„Volks- abstimmung" nach der Ratisiziernng des Trian.ondiktais die Beseiti- gung des Widerstandes der Entente cehofse. Die Cntentepäfse für Karst der nach dem„Allg. Tiroler Anzeiger" von der Schweiz bereits als richtiger Auslandskönig behandelt werde, lägen schau bereit. Zu den Angaben des Tiroler Blattes wird sich die schweizerische Regie- rung gewiß äußern. Ans unsere.Rachfrage in Wien hören wir. daß Karl für Milte August seine Abreise nach Spanien angelün.digt habe. Ihm und der horthyregierung, deren Chef Belhien sich jetzt alz — Rumäne ausgeben ließ.>:m dem Ausländerzuschlag bei der Grund- sicuer zu entgehen, trauen wir natürlich alles zu. Aber die Tschecho- flowakei, Rumänien und Südslawicn haben soeben erst ein Militär- bündnis geschlossen, um gemeinsam gegen ein monarchisckies, rcvanche- drohendes Mabjarien vorzugehen, ohne daß jeder einzelne mobil- zumachen brauchst was für st: innerpolitisch ziemlich riskant sein würde. Horthp-Uogacns MriSstimg. Die Wiener„Arbeiterzeitung" veröffentlicht folgende Schrift- stücke: Komitatsmilitärkommando Oedenburg Streng vertraulich! Nr. Kt. 621/1821. Dem Statistischen Amt Kis-Marton. Oedenburg, 29. Mai 1921. Di? Verordnung des königlich ungarischen Honvedministers Nr. 24 356/2a— 1921 wird hiermit zur Kenntnisnahme und Ausführimg vollinhaltlich mitgeteilt: Die infolge der Ratifizierung des Friedens entstandene Lage des Landes läßt die U m organisierung der Evidenzbehördcn wünfchens- wert erscheinen. Ich ordne an. daß die Tätigkeit des bisherigen dem Gemeinderet zugeteilten„Evidenzoffiziers" in den Wirkungstreis der Bezirkseoidenzvffiziere übergehe. Des weiteren sind die den sämllichen statistischen Aemtern zugeteilten Offiziere und Mannschafken verpflichtest von nun au den militärischen Dienst in Zioilklcidern zu verschen. Die Zivilkleider werden durch das zuständige Militärkommando ausgefolgt werden. Ich mache sämtliche Kommanden auf die Verordnung Nr. 418 Kt.— 1021 aufmerksam, derzufolge die Evidenzämter(Ossi- ziere) nur unter dem Rameu„Statistische Aemler" geführt werden dürfen. B e l i t s k a m. p., honvedminister. Die Kenntnisnahme dieser Verordnung ist hieramtlich zu melden und die Verordnung ist nach Kenntnisnahme und' Ausführung zu vernichten. Oberst M o e s a r y rn. p., Komitats-Militärkommandanst Streng vertraulich! Komitats-Militärkommando Oedenburg. Nr. 217. T-Abwehrabteilung. 1921. Dem Statistischen Amt Kis-Marton. Oedenburg. l Ii/31. 1921. Bei Alarm ist den.B"°Klassisizierten gegenüber folgende Vor- gangsweise zu befolgen: Unter Mitwirkung der T-Organe, der Gendarmerie und der politischen Behörden sind die Jahrgänge 1893— 1900 zu prüfen und nur die folgenden sind als unzuverlässige oder zweifelhafte zu registrieren: 1. Aufwiegler: 2. die während des Kommunismus eine leitende Stellung be- kleidet haben(auch die Gemeindeleitungen): 3. die sich staatsfeindlich betätigt haben oder sich noch betätigen: 4. die sich kommunistisch oder destruktiv betätigt haben. Die B-Klassifizierten sind bei Alarm in Arbeiterbataillone ein- zureihen. Der Komitats-Militärkommandant: Oberst M o c s a r y. rn. p. Aus diesen Schriftstücken geht hervor, daß der ganze militärische Apparat zur Ausmusterung und Mobilisierung der Wehrpflichtigen weiter beibehalten, nur daß er den Namen eines„Statistischen Amtes" tragen wird. Der neue Preffe-Chef. Wie wir hören, soll die Besetzung des wichtigen Postens eines Chefs der Pressestelle der Reichsregierung und des Auswärtigen Amtes, die solange auf sich warten ließ, endlich ihrer Lösung ent- gegengehen. Das Rcichskabinett hat dem Reichskanzler Wirth Herrn Dr. Oskar Müller für diesen Posten vorgeschlagen, an dessen Ernennung somit wohl nicht mehr gezweifelt werden dürfte. Dr. Müller ist zurzeit Vertreter des Frankfurter„Generalanzeigers", nachdem er vor dem Uebergang der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" an Stinnes deren Leitartikler war. Vor dem Kriege hatte er den Posten eines Vertreters der„Frankfurter Zeitung" in Rom inne. Die„Roke Fahne" widmet unseren Ausführungen Im gestrigen Abendblatt über die Sitzung des Exekutivkomitees in Moskau mehrere vierzig Zeilen Schimpfereien ohne jeden sachlichen Kern. Sie nennl die Wiedergabe des Protokolls verdreht und ver- fälscht. Wenn sie das nachweisen kann, möge sie's tun. Wir warten! Kiel eine deutsche Krage. Von Otto Egger st edt-Kiest Nach dem verlorenen Kriege hat manche Stadt für sich in Anspruch genommen, durch den katastrophalen Zusammen- bruch Deutschlands besonders schwer geschädigt zu sein. Aber bei kaum einer Stadt ist es wohl so nachweisbar wie bei der Stadt Kiel. Kiel hatte vor dem Kriege nicht nur eine ständige M a r i n e g a r n i s o n von 20 000 Köpfen, sondern neben den verschiedensten Marinebehcrden mit ihren zahlreichen Stöben von Beamten und Offizieren auch noch öiß schwimmenden Streitkräfte, die längere Zeit im Jahr in Kiel anwesend waren. Die Versorgung der persönlichen Bedürfnisse dieser Ltörperschaften brachte gewinnbringende Arbeit für Gewerbe, Handel und Industrie. Große Teile der Bevölkerung fanden Arbcitsmcglichleiten auf der Kaiserlichen Werft, der Torpedowerkstatt Friedrichsort, dem Munitionsdepot und im Torpedolaboratorium. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß das ganz» Wirtschaftsleben Kiels sich im Laufe der Zeit auf die Reichsmarine eingestellt hatte. j Nach dem verlorenen Kriege stand Kiel Plötzlich vor dem Nichts. Trotzdem ist die Bevölkerung dieser Stadt mit nord- deutscher Zähigkeit sofort an die notwendige Umstellung heran- gegangen. Kiels geographische Lage gab die Richtlinien für den Weg, der eingeschlageri werden mußte: Ausnutzung der günstigen Seehafen anlagen, Förderung der Schiffahrt, des Handels und der Industrie. Aus Joem Kriegshafsn muß ein Handelshafen, ein Umschlag- und Stapelplatz für den Ost- und Nordeuropahandel geschaffen werden. Ganz mit Recht weisen die Handclskreise darauf hin, daß der Außenhandel Deutschlands stärker als vor dem Kriege eins Orientierung nach dem Osten zeigen wird, zumal wenn erst in Rußland wieder geklärte Verhältnisse herrschen. ! Dabei kommt es Kiel sebr zustatten, daß der Nordostseekanal, i die direkte Vcrbindungsstraße zwischen Ost- und Nordsee, in ! das Hafenbecken mündet. Die Fahrt der Ueberseedampfer durch � den Kanal ist wesentlich leichter als durch den Sund. Den | Ueberseedampfern stellen sich beim Befahren der Ostsee größere � Schwierigkeiten entgegen(Untiefen. Navigation, Lotsen-, Hafen-, Versicherungsgebühren), so daß es für sie unvorteilhaft ist, zur Verteilung de? Ladung selber nach den einzelnen Ostsee- Häfen zu fahren. Sie könnten die Löschung und Verteilung der Ladung in Kiel vornehmen. Auf besonderen Schiff ahrts- linien kann dann der Ostseeverkehr wcitergeleitet werden. Durch diese Kleinschisfahrt würde dann auch die Rückfracht für die Uebersecdampfer von den Ostseehäfen nach dem Stapelplatz Kiel gebracht werden. Vorbedingungen zur Verwirklichung dieser Pläne sind: dieSchaffung einesFreihafens, die Ermäßigung der Kanalgebühren für Schiffe, die nicht über Kiel hinauslaufen und größere Aus nutzungsmöglichkeiten der natürlichenundspätergeschaffenenHafenan- lagen. Es ist schon darauf hinqewiesen, wie sehr Kiel in früheren Jahren durch die Marine beengt worden ist. Das war an sich bedauerlich, aber immerhin noch verstand- lich, wenn man sich die Größe und die Bedeutung der Marine von damals vor Augen führt. Wenn heute aber die Marine- verwalkung mit zwei Kriegsschiffen, etwa 30 Torpedobooten und einigen sonstigen Kähnen der Stadt Kiel bei der Erwer- bung des für diese Pläne notwendigen Geländes dauernd Schwierigkeiten macht und noch immer diese Anlagen, die für eine große Flotte eingerichtet waren, ängstlich hütet, muß ihr doch klar gemacht werden, daß die Zeit eine andere Ver- wertung dieser Anlagen erfordert. Was wir in den nächsten ! Jahren brauchen, ist Handel, Industrie und wirtschaftlicher Auf- bau, damit die durch die Annahme des Ultimatums einge- ' gangsnsn Verpflichtungen erfüllt werden können. Den Luxus, wertvolle Anlagen jahrzehntelang unausgenutzt liegen zu ' lassen, nur als Reserven für eine von einzelnen Phantasten erträumte kommende Kriegsflotte, können wir uns wirklich nicht gestatten. Es muß gefordert werden, daß alle diese Einrichtungen in er st er Linie jetzt demWiederaufbaudienstbargemachtwerden. Aber nicht nur die Gemeinde Kiel, auch die Industrie ist vor die Aufgabe der Umstellung gestellt worden. Sie hat sich � verhältnismäßig schneller zurechtgefunden. So konnte aus ! der letzten Tagung der Kieler Handelskammer der Präsident ' Andersen darauf hinweisen, daß einigen Werken dies über- rafchend gelungen wäre. Die Kreiselkompasse, Apparate zur > Selbststeuerung von Schiffen, hergestellt von der Kieler Firma Anslbütz, sind weltbekannt geworden, aber auch Motorpflüge. Glühkopfmotoren und Signalvorrichtungen von verschiedenen Kieler Firmen erwerben sich ihren Markt. Germaniawerft, Howaldswerke haben es, wie auck andere kleinere Werften, verstanden, sich Auftröge für Sckifssneubauten zu sichern und vor allen Dingen durch zuverlässige und schnelle Repaxaturci: auch feste auslöndiick'e Kunden zu gewinnen. Es braucht nicht betont zu werden, daß für die Abteilungen der Deutschen Werke, ! die in Kiel ihren Sitz haben, die Umstellung besonders schwer ist, da sie früher nur auf Marinesteferungen eingestellt waren. Aber auch da könnte es bei etwas gutem Willen der maß- gebenden Instanzen ohne größere Arbeiterentlassungen geschehen. Daß der Arbeitswille bei der Belegschaft vorhanden ist, haben die Werksleitungen oft selbst betont, daß es auch an Initiative nicht fehlt, beweist der in letzter Zeit oft genannte Benzollriebwagentyp, der in der Abteilung Deutsche Werke Werft Kiel hergestellt worden ist. Trotzdem mußten i n d e n letzten Tagen von der Abteilung Friedrichs- ort, bei einer Belegschaft von 1890 Mann, wiederum 1299 Mann entlassen werden, weil nicht genügend Aufträge zu bekommen sein sollen. Einige der umliegenden kleineren Gemeinden, in denen neben Kiel Teile der Belegschaft ihren Wohnsitz haben, werden bis zu 89 Proz. von der Erwerbslosigkeit betroffen. Die Unterbringung dieser Erwerbslosen ist außerordenllich schwierig, auf längere Zeit werden sie dem Reich, dem Staat, den Gemeinden als Er- werbslose zur Last fallen. Bei gutem Willen könnten die später für Erwerbsloscnunterstützung auszugebenden Gelder besser jetzt zu? Arbeitsbeschaffung verwandt werden. Aehnlich liegt es beim Kieler Bekleidungsamt. Rücksichtsws werden Schuhmacher, Schneider, Nähfrauen entlassen. Diese Spezialarbeiter sind bei dem Mangel an großen Konfektionsge- schäften, größeren Schuhfabriken außerordentlich schwer wieder unterzubringen: und die mit allen Errungenschgften der Technik ausgestattete Werkstatt steht unbenutzt. Hat man bei Wilhelmshaven, wo die Verhältnisse ähnlich wie in Kiel lagen, eins Ausnahme gemacht, sollte man in Kiel den- schwierigen Verhältnissen auch Rechnung tragen. Stadt und Provinz haben bewiesen, daß sie den ernsten Willen zum Wiederaufbau haben. Behörden, Landes- und Reichsregierung zeigen wenig Entgegenkommen. Die Stadt Kiel hofft, daß' mehr wie bisher ihren Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Bei Errichtung neuer Aemter und Behörden für die Provinz kann Kiel als Sitz gewählt werden, zum Bei- spiel jetzt bei der Errichtung des Landes-Kulturamtes. Die Marineverwaltung muß das notwendige Gelände zur Aus- gestaltung des Handelshafens hergeben. Das Preußische Finanzministerium muß mit möglichster Beschleunigung den Antrag auf Errichtung eines Freihafens erledigen. Land und Reich muffen nicht nur mit schönen Worten, sondern auch mit größeren Mitteln die Umstellungs- und Aufbaubestrebungen Kiels unterstützen._ Äie erste probe. Während sich das Zentrumsorgan, die„German! aR über die gestrige Rcichstagsabstimmung in der Frage der Ge- breidebewirtschastung schamhaft ausschweigt, legt das„B e r> l i n e r Tageblatt" den Finger in die Wunde, indem es die Schlußabstimmung mit den Worten charakterisiert: „Der Rcichzernährungsmimster Dr. Hermes, dessen Rück- tritt bereits in den Wandelgängen des Parlaments ventiliert wurde, saß wieder fest in seinem Sessel. Die Koalition aber hatte ihren e r st e n Riß bekommen, ein Beweis, wie wenig inner- lich kongruent sie noch ist. Doch wäre es verfrüht, diese Differenzen im Augenblick allzu tragisch zu nehmen. Irgendwelche schwerwiegen. den Konsequenzen dürften' sill) vorerst daraus noch nicht ergeben. Die Hauptbelastungsprobe wird die Koalition erst bei der Be- ratung des Steuerbuketts zu bestehen haben." Die demokratische„FrankfurterZeitung" läßt es dahingestellt sein, ab die Abstimmung nur eine Ausnahme ohne symptomatische Bedeutung gewesen sei. Sie weist darauf hin, daß die kommenden Wiedergutmachungsgesetze noch viel stärkere Anforderungen an die Opfer- Willigkeit der Parteien stellen werden und spricht die Erwar- tung aus, daß die neue Koylstion das hinzu lernt, was ihr heute noch fehlt. Hoffentlich verstehen die Parteien, an die die Mahnung gerichtet ist, diesen Wink. Die Organe der Rechten, wie„Tägliche Rundschau" und „Kreuzzeitung" registrieren die Abstimmung, wie es nicht an» ders zu erwarten war, mit boshaften Worten. Ihnen kommt natürlich alles gelegen, was auf die„Schwäche der neuen Re- gierung" hindeutet. In der Tat ist eine innere Festigung der Die neue Volksbühne am Königsplah. ii. Wenn auch die architektonische Ausbildung da einzelnen Räume im neuen Hause infolge der märchenhaft gestiegenen Baukosten sich auf das Notwendigste beschränken muß, so darf man dennoch von der Kunst Oskar Kaufmanns, des vielleicht ersten Theater- orchitektsu Deutschlands, erwarten, daß es ihm gelingen wird, in diesem Raum ein würdiges Gegenstück zu da ebenfalls von ihm a- bauten Volksbühne am Bülvwplatz zu schaffen. Zwar ist nicht daran zu denken, die Räume wie dort etwa mit Mahagoniholz zu täfeln — Mahagoni ist heute nur für Kriegsgewinnler und Schieber er- schwinglich—, aber um den Raum nach Möglichkeit intim zu ge- stalten, wird doch eine Holztäfelung bis zu einer gewissen Höhe nicht zu vermeiden sein. Und wenn die Kosten die Derwen- dung von Mahagoni verbieten, so gibt es in unsacm heimischen Kiefernholz ein Material, dos, entsprechend ausgewählt und behan- delt, sehr wohl von guter Wirkung sein kann. In allen anderen Räumen freilich wird man mehr als einfache Swckteilung nicht auf- wenden können. Hier wird alle Wirkung von der farbigen Be- Handlung abhängig sein. Da in dem neuen Haus sowohl dos Ensemble des Staats- schauspiels, wie dasjenige der Staatsoper spielen wird, so muß die Bühne beiden die Bedingungen schaffen, die in den alten Häusern bestehen, well mit den Dekorationen sowohl des Schauspiels wie der Oper ohne Veränderung gespielt werden soll. Infolgedessen muß auch das Bühnenhaus eine durchgreifende Aenderung erfahren. Es wird nach dem Ausbau eine große M i t t e l b ü h n e, zwei Seiten bühnen und eine Hinter- b ü h n e enthalten, abgesehen natürlich von den verschiedenen Deko- rations- und anderen Maqazinen, den Künstlergarderoben, Sta- iisten- und Ehorsälen, Abstellräumen usw. Durch Bersenkung der >.>sstcn Reihen des Parketts wird für die Opernaufführunzen ein .'rchester geschaffen, das 16J Musikern Platz gewährt. Es wird für Splelovern entsprechend verkleinert. Die beiden rechts und links vom Hauptsaal gelegenen kleineren Säle(soa. Römer- und Rittersaal) mit ihren Nebenräumen werden wieder instand gesetzt und sollen als Räume für Konzerte und Musikdarbietungen. Leseabende usw.. unter Umständen auch zu geselligen Veranstaltungen benutzt werden. Das Aeußere des Gebäudes, wie es sich heute vom Königs- platz an? darstellt wird nicht wesentlich verändert. Nur der Mittel- teil erd i m etwa 3 Meter vcroezogen, um für den Umgang Platz zu s-ba-ken, sanft werden nur Putz und Anstrich erneuert. Auch der große, prächtige Garten, der den meisten älteren Berlinern in angenehmer Erinnerung steht, wird wiederhergestellt Koalition sehr notwendig. Sie ist aber nur z» erreichen, wenn man in Zukunft nicht wie in der Frage der Getreidewirtschast auf Kosten der werktätigen Bevölkerung Politik treibt. Sapern im Reichstag. Die Interpellation der Unabhängigen über die Ernprdung des bayerischen Landtagsabgeordneten G a r e i s unlr' die in Bayern herrschenden Zustände, die heute nachmittag im Reichstag zur Verhandlung kommt, wird von dem Abgeord- neten Unterleitner- München begründet und vom Reichskanzler Dr. W i r t h persönlich beantwortet werden. Für die Sozialdemokraten spricht, wie schon gemeldet, Genosse G r u b e r- München._ Haperische Jlotentone. Utünchcn, 17. Juni.(Eigener Drahtbericht des„vorwärts".) Die v«n der bayerischen Regierung geduldete Preßhetze rechtsradi- kaler Blätter wird in den heutigen Morgenausgaben mit aller Schärfe fortgesetzt. Das„Heimatland" des Herrn Escherich als sogenanntes„unparteiisches Blatt der Einwohnerwehren Bayerns" greift die Reichsregierung und den Reichstag in der un- flätigsten Weise an und sagt: „Wenn einige auEechte deutsche Männer wirklich mit der Faust auf den Tisch hauen oder gar Miene machen, gegen das schamlose Auslandsbrigantentum zur Selbsthllfe zu greifen, dann geraten diese Iammermenschen an der Spree in die„innere Energie" und fabrizieren fieberhaft Jagd- gefcchte." Im übrigen greift das Blatt sogar die bayerische Staatsregie- rung an und versichert: „Die Regierung Kohr wird nicht ewig da fein, untere Münchener Nationolhäuptlinge werden verschwinden, unsere tapferen Umfall-größen in der Rrammersiraße müssen sterben." Der ganze Artikel des„Heimatlands" stellt eine fortgesetzte Auf» reizung gegen die von der Reichsregierung angerichtete E n t w a f f- nungsaktion dar. Der„Miesbacher Anzeiger" unterstützt diese Htzpolltik in einem Artikel, in dem er die geplanten Maßnahmen Gehler», von denen dieser übrigens inzwischen schon wieder zurückgewichen ist, gegen den bayerischen Oberst Epp angreift. Er schreibt: „Man überschätzt in Berlin das Maß von Geduld, das uns noch geblieben ist, und eine solche frecheHerausfor- d e r u n g wird unsere Regierung mit einer glatten Absage erwidern. Wir lassen uns von den Sausuden an der Spree weder regieren noch schikanieren, und wenn man in Berlin nicht ganz von Gott verlassen ist, so wirft man den Geßler so rasch es geht aas der Reichswehr hinaus." Auch ernster zu nehmende Blätter, wie die„Münchener Neuesten Nachrichten", sehen sich keineswegs veranlaßt, die Dergifümg der politischen Meinung zu unterlassen, sondern greifen den Abgeord- neten Genossen Auer, welcher in der„Münchener Post" die For- derungen nach Aufhebung der Volksgerichte und Nachprüfung ihrer Urteile erhoben hat, in der gehässigsten Weise an. Sie werfen ihm vor, er wolle sie von einer offenbar politisch gedachten Kom» Mission geprüft und selbstverständlich zugunsten der Derurteillen ab» geändert wissen. Sie unterstellt dem Abgeordneten Auer die Ab- ficht, gewisse politische Ziele auf einem Umweg zu erreichen, nachdem der direkte Weg(der Streik) sich augenblicklich als ungangbar er» wiesen habe! Gegen den Menchelmord. Halle a. d. S., 17. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die hiesige Arbeiterschaft demonstrierte am Mittwoch, geschlossen der gemeinsamen Aufforderung der SPD., USP. und VKPD. folgend, in einer Mossenversammlung auf dem Rohvlatz gegen da» Wüten der reaktionären Mordbuben in Bayern. Zu den Dersannnetten sprachen der Genosse Hesse(SPD.), Peters(USP.) und Schumann (KPD.). Die Kundgebung verlief reibungslos. Erst nachdem die heimwärts ziehenden Massen an einzelnen Punkten der Stadt von den llnbcgrciflichcrwcise sehr stark aufgestellten Polizeiabteilungen auseinandergetrieben wurden, kam es zu bedeutung?» losen Reibereien, die jedoch, dem wuchtigen und harmonischen Charakter der Kundgebung keinen Abbruch zu bereiten oermochten. und soll im Sommer in der früheren Weise der Bevölkerung zugäng- lich gemacht werden. Die Kosten für das große Werk sind natürlich ganz gewaltig«. Wenn die Volksbühne es trotzdem unternimmt, dem Volt von Berlin ein neues Kunstinstitut zu schaffen, so tut sie es im Ver» trauen auf die oft bewährte Opferwilligkeit und den Gemeinflnn der breiten Massen, die auch jetzt wieder, wie einst zur alten Volks» bühne, ihr Scherflcin beitragen und ihre Ersparnisse in den Teil- schuldverschreibungen des Vereins anlegen werden. Die E r ö f f n u n g des Hauses ist vorgesehen für den 1. M ä r z des nächsten Jahres. Wenn der Frühling auf die Berge steigt und die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, dann wird auch der jahrelange Dauerschlaf des jetzt halb in Trümmern siegenden Kroll-Theatsrs vorüber und an seiner Stelle die zweite, die neu« Volksbühne erstanden sein. Mögen alle guten Geister den Bau umschweben! Glgs. Das besoffene wcihcspiel. Uns wird geschrieben: Wissen Si» denn schon, daß in ollen deutschen Gauen jetzt Sommerverschwörun- gen gegen die Ruhe des Vaterlandes angezettelt werden, und daß man die deutsche Sprache in Vers und Reim cnssctzlich mißbraucht, um zum. tollsten Revanchekricg der Zukunft aufzuhetzen? Wenn die ordentlichen Menschen die Nachtmützen über das Ohr ziehen und sich für ihre bürgerliche Arbeit ausruhen, versammeln sich alldeutsche Leute im Waldesdickicht, um ein Festspiel von„Deutschlands Er- wachen" aufzuführen Dieses miserabel gereimte Machwerk könnt« uns die schwersten Unbequemlichkeiten jenseits der Grenze schaffen, denn es fordert dazu auf, alle Vereinbarungen des Friedens zu brechen, die Verfassung der Republik umzustürzen und mit Ach und Krach und mit einem Hurra, dessen Skandal nur aus einer bcträcht- lichen Besoffenheit zu erklären ist, gegen Deutschlands„Erbfeinde" loszuziehen. Zu Wasser und zu Lande, wie man bald sehen wird: „Wir schaffen wieder eine starke Wehre, Die Deutschlands Küsten fei ein Schirm und Schutz, Und bieten dann noch einmal auf dem Meere Mannhaft dem Neid der Feinde wieder Trutz!" heißt es vielversprechend in dem Texte. Und dann ist die Stimmung vorbereitet, die das wiedergebraute Frjxdensbier noch tüchtig anheizt, um jedem Traum nach dem alten Kaiserreich freie Bahn zu geben: Nieder mit unsren Feinden an dem Rhein und an der Weichsel! Und dereinst soll neu ergreifen Mars des deutschen Wagens Deichsel! Daß ein Ludendorff uns bleibe, deutsche Siege auszudenken. Daß ein Hindenburg uns lebe, um das deutsche Schwert zu lenken! Helfet, daß den Tai der Rache selbst die Feind« nahe wähnen, Helft, daß wir des Reiches Banner schwarz-weiß-rot auf» neu« Kissen. Lehrt die Söhne Mut und Treue, laßt sie früh die Waffen führen, Wer wollte öen Januarputsch? Wir erhalten folgende Zuschrift: Unter dieser Ueberschrift bringt der„Vorwärts" ein« Zuschrift von Fritz W o l f f h e i m und Heinrich Laufenberg, die im we->. sentlichen«ine Polemik gegen mich enthält. Der„Vorwärts" jft loyal genug, auch mir zur.Aufklärung der geschichtlichen Tatbe«' stände" das 2BoU zu geben. Was ich zum Ianuarausstand von 1919 zu sagen habe, ist im wesentlichen in einem längeren Artikel gesagt, der am 1lm Z. ß. V. I Schlohkaserne Charlottenburg am Mittwoch, den 13. Juni, nachmittags, mit einer Schußwunde tot aufgefunden worden. Es ist behauptet worden, daß B. Selbstmord begangen hat. Nun sprechen aber, nach den uns von durchaus Vertrauens- würdiger Seite gemachten Mitteilungen gewisse Anzeichen dafür, daß hier ein Selbstmord unwahrscheinlich ist. Die oberste Kommando- biHörde des Verstorbenen würde also der Oesfentlichkeit mit einer klaren, eindeutigen Darstellung über den Fall und das bisherige Ergebnis einen guten Dienst erweisen, und zwar um so mehr, als' seit dem Tod des Oberwachtmeisters bereits zwei Tage vergangen sind und die Oesfentlichkeit von der Angelegenheit bisher noch nichts erfahren hat. Wie bekommt man einen a öligen Mann! Aus der Praxis einer Adelssebrik. Nach langwierigen Beobachtungen in Leipzig und Umgebung sowie in Berlin gelang es der Leipziger Kriminalpolizei, estt Konsortium festzunehmen, daß gewerbsmäßig und mit Erfolg die Ver- mittlung von adligen Name» mit gefälschten Geburts- und anderen Urkunden betrieb. Die chauptbctciligten, ein geschiedener-Rechts- konsulent Ewald von Häusler aus der Liesenstraße 1 zu Berlin und der verheiratete Kaufmann und Darlehnsvermittler Paul Dan- ziger, der aus Elberfeld stammt und zuletzt in der Lippehner Straße Nr. 34 in Berlin wohnte, lernten sich in den letzttn Kriegsfahren in der Harnisonkompagnie Jüterbog kennen. Beiden ging es nicht besonders gut. Um ihre kärglichen Einkünfte.zu verd«ssern, sannen sie auf allerhand Pläne und oersuchten es endlich mit sogenannten Namensehen. In der Jüterboger Kompagnie diente auch ein adliger Schiffer aus Hamburg, dem sie die Papiere stahlen;, ferner stahlen sie Mllitärstempel' und fälschten mit ihnen Heiratserlaubnisscheine und was sie sanft an Papieren für ihren Schwindel brauchten. Sie fanden auch esn« heiratslustige Dame, die ihnen ins Garn ging. Das Gelingen des ersten Versuchs machte ihnen Mut. und sie beschlossen, den Betrieb planmäßig weiter auszudehnen. In äußerst raffinierter Weise verstanden sie es, sich bei einer Druckerei Formu- lare für Geburtsurkunden und bei einer Stemprlfobrik Stempel verschiedener deutscher Standesämter herstellen zu lassen. Mit die- fem Material begannen sie ibre schädliche Tätigkeit. Es gelang ihnen ball», adels- und heiratslüsterne Damen teunenzulernen. Die „ehelichen Verbindungen" waren als Kriegs- oder Rottrauungen bald vollzogen. Die Eheverträge machten die Einreichung der Scheidungsklage nach drei Monaten von vornherein zur Pflicht. Waren einmal Mohnschreiben erforderlich, so gab von Häusler gleich die angeblichen Ehebruchszeuginnen nach Namen und Wohnungen Wit an. Die Sucht, noch mehr Geld heranzuschaffen,.brachten von Häusler und Danziger auf den Gedanken, auch falsche Adop- tione-n zu betreiben. Das führte endlich zur Aufdeckung des ganzen Treibens, v. Häusler entfloh nach seinen ersten Verneh- nmngen aus Leipzig und fand unter einem falschen Namen in einem Berliner Vorortsanotorium mit feiner Braut einen Unterschlupf. Hier wurde er abermals festgenommen und nach Leipzig zurückqe- bracht. Frau Danziger wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Übrigen Verhafteten sitzen in Leipzig in Untersuchungshaft. Alle, die über ihr Treiben-twas wissen oder sich selbst betrogen fühlen, aber noch keine Anzeige gemacht haben, werden ersucht, sich unverzüg- lich bei der Leipziger Kriminalpolizei, bei der auch Lichtbilder der Schwindler und Schwindlerinnen zur Verfügung stehen, zu melden. Die Kraftdroschke», stever abgelehnt. In der letzten Sitzung der Steuerkompiission wurde die Magistratsoorlage über die Erhebung eftier Steuer auf Kraftdroschken,.hie eine ILprvzentigs..Steuer auf die Einnahmen unter gleichzeitiger Erhöhung des' Fahrpreises vorsah, nach Anhören von Vertretern des Vereins Berliner Kraftdrvschkenbesitzer und des Deutschen Traiwportarbeiterver- band es abgelehnt. Dafür wurde beschlossen, auch die Kraftdroschken wie die übrigen Automobile für jeden Gummireifen mit Luftschlauch mit einer jährlichen Steuer von 800 M. zu besteuern. Die Frage, oh und in welcher Höhe den Besitzern eine Erhöhung der Taxen gestattet werben soll, wurde nicht erledigt. Zu dem Raubmord in der Dorsigskraße erfahren wir weiter, daß es auch bis fetzt noch nicht gelungen ist, das Kapitalverbrechen weiter aufzuklären. Von dem Täter fehlt noch jede Spur. In der Wohnung des Ermordeten wurden viele Briefschaften und Aufzeich- nungen gesunden, aus denen fein Verkehr festgestellt werden konnte. Weitere Ermittelungen haben ergeben, daß die Auftritte, die Splett- stoeßer mit den Mädchen in seinem Zimmer hatte, sehr lzäufig und hestig waren. Es kam wiederholt dahin, daß Splettstoeßer die Madchen mit Gewalt vor die Tür setzte. In einem Falle hatte er ein Mädchen, das sich benachteiligt fühlte, und ihm deshalb einen Austritt machte, von der Polizei feststellen lassen. Die Be- wirtimg seiner Besucherinnen bestand lediglich aus Kaffee und Margarinestullen._____ Deutsche Kinöerhttfe Hroß-öerUn. Die Verkeilung von zirka Millionen Mark. Vom Vorsitzenden des Ausschusses Grvß-Berlin der Deutschen Kind erHilfe, Voltssammlung für das notleidende Kind, erhalten wir folgenden Rechenschaftsbericht: Das-'Gesamtergebnis der„Deutschen Kinderhilfe", Groß-Berlin, stillt sich auf ca. 7i4'Millionen Mark, von denen 7 Millionen nahezu ausgeschüttet sind. Die Mittel sind bisher ausgeteilt worden: davon iVi Millionen für die Zwecke der geschlossenen und halbgefchl offenen und ZV* Millionen für die Zwecke der offenen Fürsorge. Die für die offene Fürsorge verfügbaren ZVt Millionen sind, nachdem bereits e i n e M i l l i o n für Ankauf von Hemden und Strümpfen aufgewendet war, nach einstimmigem Beschluß der im „Arbeitsausschuß der Deutschen Kindcrhilfe" vertretenen Organ,- sattonen und auf ärztlichen Rat, ausschließlich zur Bekämpfung der Tuberkulose und für Er holung s> aufenthalte u n t e r e r n ä hr t e r und kranker Kin- der den 20„Bezirksausschüssen der Deutschen Kinderhilfe"(gemäß den Verwaltungsbezirken Berlin) zugewiesen worden. Um aber eine möglichst gerechte Verwendung der Mittel aus die einzelnen Bezirke, die in ihrer wirtschaftlichen Struktur außerordentlich verschieden sind, zu ermöglichen, wurden diese nach einem Schlüsiel verteilt, der die Gemeinden nach Steuereinkommcn und Kinderzahl aufzeigt. Hierbei leistete«in angesehener Statistiker wertvolle Hilf«. Die Anträge der geschlossenen und halbgeschlosse- n e n Fürsorge(Erziehungs- und Erholungsheime, Heilstätten, Waisenhäuser, Tagesüätten, Zahl ca. 370) wurden bereit» in Höhe von ca. 3000000 M. von dem Arbeitsausschuß genehmigt. Es ist in der Geschichte der Iugendwohlfahrt gewiß ein ungewöhnliches Erlebnis, daß sämtliche Mitglieder des Ausschusses, der alle Kon- fesstonen, Welttmfchauungen und alle Arten der Jugendfürsorge umfaßt, einstimmig die Auswahl und Höhe der Geldzuwen- düngen billigten. Vorangegangen war allerdings die Prüfung jedes einzelnen Antrag» durch eine Gutachterkommission, die sich wachen- lang mit Hingebung in den Dienst der Sache stellte. Alle diejenigen, die in der Sitzung des Arbeit». onofch-uffes der Gro h- B erl in er Kinderh�lfe an- o»»fend waren, werden sich des großen Ein» druck«,, den die gefchlolfene Haltung der Mit» glieder hervorgerufen hat, nicht so schnell eni. ziehe» löantn. Die holAbanöm in In der heutigen Vormittagssitzung kam zur Sprache, daß— wie der Staatsanwall behauptete— Kommuni st en die Absicht hätten, in Verkleidung von Schupo-Leutenden An- geklagten zu befreien. Daher müsse die von der Verteidi- gung bemängelle Maßregel aufrechterhalten bleiben, Holz in Ge- f ä ng n, s k l e i d u n g an der Verhandlung reilnehmea zu. lasicn. Die dann fortgesetzte Zeugenvernehmung vervollständigte das Bitv, das man an den vorhergehenden Tagen von den Aktionen des Hölz und seiner Leute erhalten hat. Hölz betclligte sich eifriger als bis- her an der Befragung der Zeugen und suchte jeden Vorteil wahr- zunehmen, um seine Position zu verbessern. Sehr entschieden ver- wahrte er sich gegen den Vorwurf, daß Schupo-Leute von seinen Leuten verstümmelt worden seien. Die Verhandlung wandte sich dem Hauptfall der Anklage zu, der Erschießung des Gutsbesitzers Heß. Mit großem Eifer und nicht ohne Geschick suchte Hölz glaubhaft zu machen, daß Heß nur von einem seiner Leute erschossen sein könne. Ohne rechten Grund führte er wieder eine Lärmszene auf, indem er behauptete, am liebsten möchte man ihn, Hölz, ermorden. « Nach eintägiger Pause wurde heute die Verhandlung gegen den Bandenführer Max Hölz fortgesetzt. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsrat Braun stellt R.-Ä. Iustizrat B r o h d'en Antrag, dem Angeklagten von jetzt ab zu gestatten, die Gefängniskleidung ablegen und seine eigene Kleidung anlegen zu dürfen. Staatsanw. Dr. I ä g e r: Die Maßnahme, daß der Angeklagte Gefängniskleidung tragen muß. ist aus Sicherheitsgründen getroffen, um eine eventuelle Flucht des Angeklagten zu erschweren. Es ist uns mitgeteilt worden, daß Kommunisten den Plan haben, in der Uniform von Sipobcamten 5)ölz aus dem Gefängnis zu befreien. Hölz: Mir persönlich ist es egal. Ich betrachte die Ge. fängniskleidung als ein Ehrenkleid für einen revolutionären Proletarier. Ich schäme mich nicht, wenn sich jemand schämen muß, so ist es das Gericht Ich habe aber noch folgenden Wunsch. Es wird hier nur die bürgerliche Presse und ihre Zuhälter zugelassen, ich bitte dafür zu sargen, daß auch die Proletarier zur Hälfte hineinkommen, denn es handelt sich hier um einen proletarischen Prozeß und nicht um einen bürgerlichen Prozeß.— Der Vorsitzende ersucht Hölz, sich in seinen Ausdrücken zu mäßigen. Hierauf wird die Beweisaufnahme fortgesetzt. In zwei Fällen von Erpreflung in Ammendorf behauptet Hölz, daß nicht er, sondern ein anderer Genosse auf seinen Namen Geld er- halten habe. Dagegen gibt er die Erpressung an dem Direktor B a n s a der Chemischen Fabrik in Gemmendorf und die Ausplünderung einer Villa in Gröbers zu. Vors.: Sie sollen auch den Befehl gegeben haben, einen jungen Mann Oskar Romeis an die Wand zu stellen und zu erschießen. Ihre Genossen verweigerten Ihnen jedoch den Gehör- sam, einer flüsterte Ihnen etwas ins Ohr und dann nahmen Sie erst Abstand von der Ausführung Ihres Befehls. Hölz: Das ist richttg. Ich muß dazu folgende Erklärung abgeben: Zu dieser Zeit war das Gerücht aufgetaucht, daß revolutionäre Arbeiter verwundete Sipolcute verstümmelt und ihnen Rasen und Ohren abgeschnitten hätten. Dieses Gerücht war darauf zurück- zuführen, daß mehrere Sipoleute in den Geschoßhagel eines Ma- Weitere erhebliche Zuwendungen— 400 000 M.— erhielten die Landesversicherungsanstalt Berlin und die Püttersche Lungen- fürsqrgestellen. Hervorgehoben soll noch werden, daß die Sammel- mittel der Deutschen Kinderhilfe— ohne irgendwelchen Abzug— den notleidenden Kindern zugute kommen, da die Unkosten, die cä. 3 Proz. des Sammelergebnisses betragen, aus Spenden gedeckt werden, die der Reichsgeschäftsstelle direkt zugegangen sind. Eine Schlußabrechnung, auch über die Verweildung der noch unaus- geschütteten Beträge, wird demnächst erfolgen. I« der Urania in der Taubenttratze gelangt der neux mit wutidcr- baren farbigen Bildern ausgestattete Dortraq„Der Harz" in dieser Woche am Sonntag, Montag und Mittwoch zur Darstellung. Am Dienstag und Freitag wird der Portrag»Von der Zugsbihe zum Watzmann" und am Donnerstag der Vortrag»Die Insel Rügen' wicderliolt werden. Am Sonnabend wird W. Marks noch einmal seinen Vortrag über Steiermark „Hoch vom Dachstein an...' halten. Außerdem findet am Sonntag, den lS. Juni, nachmittags 4'/, Uhr, eine Wiederbolung des Vortrages„In den Bergen Tirols' zu kleinen Preisen statt. Am Freitag hält Dr. Potoniä im Hörsaal einen Dortrag nur sür die Mitglieder d-S Uraniavereins über .das Naturschutzgebiet Plagesenn bei Chorm und seine Umgebung'. «ittdenmiirutta in Schöneberg. In den durch Plakat kenntllch gemachten Milchgeschäften von Schönrberg- Friedenau werben vom lS. Juni bis 3 Juli ohne Voranmeldung 250 Gramm Keks an die Slinder im 1. bis 4. Lebensjahre verteilt und zwar auf den oberhalb des Mittcl- ftückes der für den Monat Juni gültigen Milchkartc AI, ATI, B I, IRIl. Vom 20. Junt bis 5. Juli werden in den Kolonialwarengeschäften ohne Voranmeldung 500 Gramm Weizengrieß und 2 Beutel Vanillin- Saucenpulver aus Abschnitt 6 der LebenZmiltelkarte Groß-Berlin abgegeben. 7A.HeneralversammlungöecGkasaxbeiter Derbandsvorsttzender Girbig referierte über die„Grün- dung einer Pension skaf s e" zur Auszohiung von Renten bei voller Invalidität, insbesondere auch durch Alter, und unter- breitete einen umfangreichen Plan. Stimme die Gcneralvcrsamm- lung der Gründung grundsätzlich zu, könne die rechnerische Arbeit eines Mathematikers zur Errechnung der Einzelheiten, Höhe der Renten usw. beginnen. Als eventueller Gründungstag könne der 1. Januar 1922, als erster Rententag der 1. Januar 1927 gesetzt werden.— Nach kurzer Diskussion, mit dem Resultat, daß die Mci- nungen geteitt sind und die Frage klärungsbedürftig ist, wurde gegen wenige Stimmen eine Entschließung angenommen, die besagt, daß, wenn die Gründung in einer Zwangsurabstimmung mit Dreiviertelmajorität beschlossen wird, der Vorstand an die Gründung der Pensionskasse herantreten kann. Gauleiter D i r s ch e l erstattete über den Jnlernattonaleu Glasarbeiterkongreß in Amsterdam(Ende März d. I.) ein mit starkem Beifall aufge- nommenes Referat, das von Kiesel(Beirat) noch ergänzt wurde. Aus den Einzelausführungen sei hier hervorgehvden, daß die ge- samten ausländischen Delegationen in ihren Reden anerkannt haben, daß der internationale Sekretär Girbig und die deutsche Organisation ihre volle Pflicht und Schuldigkeit getan haben und daß keinerlei Vorwürfe gegen sie zu erheben sind. Aber der Sitz des intcrnatio- nälen Sekretariats wurde doch nach F r a n k re ich verlegt. Dirfchel empfahl, dem ftanzöstschen Sekretär das Vertrauen der Gcneralver- fammlung auszusprechen. Die Internationale der Glasarbeiter mit einer festen Satzung und einem Sekretariat ist wieder aufgerichtet. Bei der Statutenberatung wurde das Eintritts- geld für alle Kiassn auf 1 M. festgesetzt(Eintrittsgeld im Wieder- holungsfalle 3 M.): Der Beitrag wurde nach S Klassen gestaffelt. Bei der Arbeitslosen-, Kranken- und Sterbe unter- st ü tz u n g und im wesentlichen auch bei der Wöchnerinnen- Unterstützung wurden den neuen Bcitragsklassen entsprechende höhere Unterstützungssätze eingestellt. Arbeitslosenunterstützung wird für die Folge vom ersten Tage an. bezahlt» wenn sie läger als S Tage dauert. Umzugs- und Kilometergeld wurde fiir alle Klaffen geändert bzw. erhöht; ebenso die Streikunter- stü�ung. Der Beirat bleibt bestehe». WßKZlKeutfthlanK. schinengewehres geraten waren und wie jemand aussieht, der vvn 20 fcis SO Kugeln getroffen wird, kann man sich wohl denken. Ich erklärte darauf den Führern, daß ich es nicht glaube, daß Revolutio- näre es fertig bringen tonnten, Verwundete zu verstümmeln, dies brächten die Arbeiter noch nicht fertig. Um zu beweisen, daß ich recht hatte mit meiner Anschauung, gab Ich in ganz strengem Tone den Besebl. zwei gefangene Sipoieute und drei Reichswehrsoldaten sofort an die Wand zu stellen und zu erschießen. Die Leute wei- gerten sich, den Befehl auszuführen. Um sie weiter auszu- probieren, verlangte ich zwei Handgranaten, um die Exekution selbst auszuführen. Da trat ein Arbeiter auf mich zu und erklärte: „M a r, das darfst du nicht tun!" Ich sagte mir nun, wenn meine Leute es nicht fertig bringen, völlig in ihrer Gewalt besindliche Feinde zu beseitigen, so bekommen sie es auch nicht fertig, Verwundete zu verstümmeln. Ein Beisitzer: Wenn sich nun die Leute gegen Ihre Erwartun- gen b-reitgesunden hätten, die Gefangenen zu erschießen, hätten sie dies noch verbindern können? Hölz: Ich lehne es ab, auf diese Frage zu amvorten. Auf weiteren Vorhalt des Vorsitzenden erklärt der A n g e- klagte: Ich betone, daß die ganze Aktion, obgleich die Aufrufe usw. b l u t r ü n st i g klangen, nicht blutrünstig verlaufen ist. Ich abe weder vorher noch nachher ein Geisel eirschießen lassen. Ich abe doch beim Militär unsäglich leiden müssen, namentlich von den Militärärzten. Ich hatte daher eine begreifliche Anlipaihie gegen die Millkärärzle. hätte mich also in dem Falle des Generaloberarztes Eoers, als dieser in meiner Gewalt war. sehr leicht rächen können, habe dies aber. wie der Zeuge Eoers bekundet hat, durchaus nicht getan. Wa? die Vorfälle in Groebars betrifft, so hat eine tatsächliche Erschießung der Leute nicht stattgefunden. Zeuge Postbote P a b st berichtet über eine im Postgebäude in Ammendors vorgenommene Sprengung, Rittergutsbesitzer G o e- decke über den Versuch, 500 000 Mk. von ihm zu erpressen. Auch der Rittergutsbesitzer Jacob ist räuberisch erpreßt worden, doch war Hölz persönlich nicht dabei. Zeuge B a n s a, Direktor der Ehemischen Fabrik in Ammendorf, ist von einer Bande, deren Führer sich fälschlich Max Hölz nannte, in seinem Bureau über- fallen worden. Die Bande hat mehrere tausend Mark, Platin im Werte von 70 000 M. und auch zwei Schreibmaschinen geraubt. Dann sollte er 250 000 Mk. persönlich zahlen und da er es nicht konnte, ist er festgenommen und ins Hotel Fleischmann gebracht worden, wo er in die Gewalt von Hölz kam. Auf seine Proteste gegen die ihm widerfahrene Behandlung und in der weiteren Aus- einanderjetzung mit Hölz hat dieser schließlich in großer Erregung etwas vom„Abschlachten" gesprochen, weitere Drohungen ansge- drückt und ihn angeschrien: Ich bin ja doch kein Mensch mehr, ich bin ein Vieh! Der Zeuge ist festgehalten worden, ein Mann hat sich neben ihn gesetzt und der Zeuge hat dann nach- gesonnen, ob und wie es möglich sein würde, das verlangte Geld herbeizuschaffen. Ein Bersuch, in Halle eine so große Summe aufzutreiben, war ahne Erfolg. Inzwischen war die S i ch e r h e i t s- polizei gekommen und der Zeuge hat feine Freiheit wieder ge- wannen. Angekl.: Ich bestreite nicht, die Drohung mit „Abschlachten" ausgestoßen zu haben. Es sollte dies aber nur eine Drohung sein. Auch die Bemerkung, daß ich kein Mensch mehr sc!, mag richtig sein. Tatsächlich ist jemand, der wie ich, sieben Jahre hindurch kein menschenwürdiges Leben geführt hat, sondern im Kriege und nach dem Kriege ein Höhlenleben, kein Mensch mehr, sondern ein Dieh werden muß. Die Mitglieder des Ausschusses werden aus den von der Ge» neraloersammlung zu bestimmenden Orten mit einfacher Stimmen- Mehrheit gewählt. Zu den D e l e g i e r t e n w a h l e n zur Ge- ncralvcrsammlung soll, wo zwei oder mehr Delegierte in Frage kommen, dys Verhältniswahlsystem angewandt werden.— Da tue Zahl der Mitglieder, auf die ein Delegierter zur Generalver- fammlung entfälll, nicht erhöht wurde, soll zur Deckung eines Teiles der Kosten der nächsten Generaloersammlung ein einmaliger Extra» böitrag von I M. für die niederen, 2 M. fiir die höheren Bei- tragsklasien erhoben werden.— Eine ganze Reihe weiterer Be- schlüsie find von müdem finanzieller Bedeutung oder ausschließ- lich vcrwalwngstechnischer Natur. In einem großzügigen Referat über die Frage„Berufs- oder I n d u st r i e v e r b a n d" begründete Gauleiter Bulle, daß die Tendenz zur Konzentration in großen Jndustrieoerbänden in der ganzen Bewegung unverkennbar sei. Für den Glasarbeitcrverbcmd erstand nach dieser Richtung hin als erstes das Ziel, die gesamte Ar- beiterschaft der Glasindustrie in einem einzigen Verband zu vereinigen. 85—90 Proz. sind mm vom Glasarbeiterverband, erfaßt. Letzt gelle es, energisch auf das Zustandekommen des großen keramischen Verbandes hinzuarbctten.— Die Entwicklung zu Jndustrieoerbänden zu beschleunigen, dazu könnten die vom ADGB. und der Asa bereits hemiSgegebenen Richtlinien dienen, die nur schärfer eingehalten werden müßten und denen die Generalversammlung sich anschließen möa». Eine in diesem Sinne gehaltene Resolutton des Referenten verlangt, daß der Vorstand bei den der Glasindustrie verwandten Industriogruppcn dahin wirke, daß der Zusammenschluß der Hand, und Kopfarbeiter in der zu schaffenden Industrieorganisation erfolgt. Ehe zur Beschlußfassung geschritten wurde, nahm man den durch B r e ch fe l- P enzig erstatteten Bericht der Gehaltskom- Mission entgegen und stimmte nach längerer Debatte dem von der Kommission vorgeschlagenen Diätensatz in namentlicher Abstimmung mit 105 gegen 63 Sttmmen zu; ebenfalls in namentlicher Abstim, mnng und mit 112 gegen 56 Stimmen den von der Kommission vor- geschlagenen Erhöhungen der Beamtengehälter. Sport. Rennen zu Mnblcben. 1. Rennen. 1. Brünbilde HI(L. Weih), 2. Ethelbert(A. Mills), 3. Nordion(23. Lcmzer), i. Mocena(®. Lautbg.). Tot, 15: 10. PI. 12, 23: 10. Ferner lies: Asta IV.— 2. Rennen. 1 Hidalgo II(Baadc), 2. Juglans(SÄlingm.), 3. Hoslakai(Hcckert). Tol. 133: 10. Pj. 33, 26, 68: 10. Ferner Uesen: Glücksdirndl, Wilhelmina, Coloncl Dillon, Hindenburg II, Cladinm, Fibel,— 3, Rennen, 1 Matador 1(C. Treuhcrz), 2. Kammersritz(W. Freundt), 3. Bruno II(Schöne ock), 4. Franst Chelsea(I, Mills). Tot. 25: 10. Pl. 13. 14. 13:10. Ferner tiefen: Eduard I, Kronprinz I, Argenlaria, Findling, Rautendelein 1, Bris, als 4. disgu,— 4. R e n n e n. 1. Simpel 95°° 1 Posten Wasch-Aeider...... 75.«» 59°° 1 Posten Wasch-UntenScke........... 39°° Schürzen 1 Posten Wiener Schürzen 1475 1 Posten Wittschafts- schürzen«".... 34°° 1 Posten Kwder-Mel............ m«. 9-° Weißwaren 1 Posten Kinder-Garnituren fcä 95 w. 1 Posten Zwirn« n, Klöppel-SM. 1-- 95?f. 1 Posteu Kragen u. Jabots.......... et« 676 Wäschestoffe 1 Posteu Rohneffel iwig.......... m-i.- 790 1 Posteu Hemdeutuch............ 690 1 Posteu Hemdeutuch.........-w«io�o. 9°° 1 Posteu Teckbettbezüge 65°° 1 Posten Kiffeubezüge........ etMw�o, 16'° 1 Post. Drell- u. Gersteuk.« Handtücher wZ 890 1 Posteu Damen-Taschentücher l95 1 Posten Herren'TascheuKcher...... 295 Putz 1 Posten Damen'Hutsormeu 29- 1 Posten Kinder«HLte............. i» 1 Posteu Damen-Hüte-«--«i......... et« 1975 1 Posteu Blumen t« etu» znb s-»t. bum 9». u, 45« 1 Posten Filet-Schleier g-�........... 1975 Herren-Artikel 1 Posten Tberstemdeu»««<,««»«leg-me-sch-tte.,. 69°° 1 Posten Pitee. Dberhemdeu p«'«» 00-1,»! 34°° 1 Posten Servitenrs«u t. �«�.f--.«. 12-° 1 Posten Sportkrageu.......------ 375 1 Posten Sttickbiuder.............. 9°° Korsette 1 Posteu Büstenhalter»««p......«»-11-° 1 Posten Korsette..........-4.-0 1975 1 Posten Korsette prwt-»«-............. 2L-° Wäsche 1 Posteu elegante Batist. Dame«. Wäsche etwas angestaubt, bedeilLZnd fttitov Preis Damen-Hemden Jamen-Hemden Beinkleider m. Santjetle u. Stickerei ...... S.'Lck 24.50 mit Hohlsaum und Slickerei 1 Posten 1 Posten 1 Posten 1 Posten Damen-Nachthemden 1 Posten Herren-Nachthemden 7? 1 Posteu llutertaillen r-iq g°rn.-rt. it.?-.» 75 Gardinen Gardinen....... M-i-r».»o, aso Gardinen b°pp-itbr-it. mut 19.00, ie.00 Garnituren 2 � Garnituren rof!V»oÄo» Stares w Tsa und Et°mm-..«5.00, 55.00 Steppdecke»....... 225.00, iso.oo Wachstuch-Reste»>«..««■« 1 Posten 1 Posten 1 Posten 1 Posteu 1 Posten 1 Posten 1 Posten Strümpfe engl. lang. und weitz schwarz, bram, ..... CJK) 1 Posten Damenitriimpse 1 Posten Damenstrümpfe �... 1 Posten Herren-Sockenlch°«,-nb s«Bi,. Trikotagen 1 Posteu Herreu-Retz-Fackeu.......... 975 1 Posten Herren Maeco- Ansatzhemd.-9.5035°° 1 Posten Damen-Schlüpfer............ 17°° 1 Posten Damen-Reform Bewklewsr 12°° üinikliM nelm Joseph, StliOneben Ä12