Nr.SH7 � ZS.�akrgattg Musgabe A Nr. 14$ Bezugspreis! 93EfttcTföbcL 30,— 3Jt, nionQtl. 10,— SR* frei ins Sons, voraus zahidar. Postbezug: Monatlich 10,— M. einschl. gu- liellungsgebiihr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig. das Saar- und Memelqebiet, sowie die ehemals deut- scheu Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M., für das übrige Ausland 27,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Elowalei. Däne» mark, Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts" mit der Sonntags» beilage„Volt und Zeit", der Unier» haltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: »Sejialtemattaf Bettln" Morgen"Ansgare O» WW Verlinev Volksblstt ( 30 Pfennig) Anzetgenpret«, Die achtgespaltene Nonparelllezetl, kostet KLO M„Klein» Anzeigen" das setigedru-kte Wort IM M.(ja» lässig zwei fettgedruckte Wortes jedes «eitere Wort l.— M Stellengesuche und echlafstellenanzeigen da« erste Wort L— AU jedes wettere Wort « Dsg.«orte über 15 Buchstaben tählen für zwei fflone. Rarmlien-Stn» (eigen fSt Abonnenten gelle»e- M. »ie Preise»erstehen sich einschließlich Teuerung«, Uschlag, «nzetgen Nr die nächste ühnwner müssen Mb ft vhr nachmittag» im vauptgeschäst. Sersin 6® 68. Linden. straße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh dl« 5 Uhr abend«. Zcntratorgan der roztaldemokratifcben parte» Deutfcblatida Reüaktion und Expedition: SV b$, Lindenstc. 3 ae<>i»»,kt,f«'rf,«'t»» Rrdaktio« Morivplatz»51»6— 97 (Spedition Morihplal,»»7SZ— 5t Donnerstag, den Ä3. Juni 192t vorwärts.verlag G.m.b.H., SV SS, Lindenftr. Z Kernsvrecke»» Bering, Expedition und Inseraten- '«btrilnng Morinplot» 11753-54 Deutfthe Note über Gberfthleflen. Der deutsche Dokschafier in Parts hat am Zt. Zuni der Lot- schafterkonferenz eine Note über die polnischen Ausschreitungen gegen Deutsche in Ostrowo übergeben, die auch den Regierungen in London vnd Rom mitgeteilt worden ist. In der Note wird daraus ausmcrksam gemacht, daß bei den schweren Ausschreitungen, die am 2. Juni stattfanden, die pol- nische Regierung nicht rechtzeitig für den Schutz der Ver- folgten sorgte, obwohl ihr die Anzeichen des sich vorbereitenden Pogroms nicht unbekannt geblieben sein konnten. Die Ortspolizei erwies sich als machtlos. Militär erschien aus dem Schauplatz der Tat erst, nachdem sich der Pogrom mit umfangreichen Plünderun- gen und bedeutendem Sachschaden augenscheinlich nach vorher fest- gesetztem Plan vollzogen hatte, und eine große Anzahl Verfolgter mehr oder weniger schwer verletzt war. Die Ereignifle sind durch EntHaftung polnischer Arbeiter in Deutschland hervorgerufen worden. Die deutsche Regierung stehe diesen Eni» hastungen, die tatsächlich infolge der Erregung über den polnischen Aufstand vereinzelt vorgekommen seien, vollkommen fern. Ebenso» wenig hätten Landesausweisungen von Polen in große- rem Umfange stattgefunden. „Dagegen sind/ so heißt es in der Rote weiter,„Innerhalb zweier Jahre infolge der immer schwieriger sich gestaltenden Lebens- bedingungen für die nichtpolnische Minderheit T a u s e n d e von Gewerbetreibenden, Handwerkern und Arbeitern zur Aufgabe ihrer Berufstätigkeit und zur Abwanderung aus dem abgetretenen Gebiet gezwungen worden. Die rund 600 000 in Deutschland lebenden Polen können demgegenüber nach wie vor fast ausnahmslos un- behelligt ihren Geschäften nachgehen und genießen den vollen Schutz der Verfassung und der Gesetze. Dieser Schutz, der den Minderheiten durch den Vertrag von Versailles garantiert wird, fehlt im abgetretenen Gebiet, wie die Vorgänge in Ostrowo � beweisen,.hierbei darf darauf hingewiesen werden, daß die von nationalistischer Unduldsamkeit getragenen Verfolgungen sich nicht nur auf das deutsche Element der De» völkerung, sondern sogar auch auf Evangelische und Juden polnischer Zunge erstrecken. Indem die deutsche Regierung die Vorgänge in Ostrowo zur Kenntnis bringt, beehrt sie sich, den Botschafterrat zu ersuchen, die Aufmerksamkeit der polnischen Regierung auf die unbedingte Rot» wendigkeit eines vollkommenen Schutzes der nationa- len und religiösen Minderheiten gemäß dem Friedens- vertrag zu lenken. In Anbetracht des vollkommenen Fehlens dieses von den Alliierten Regierungen garantierten Minderheitenschutzes in abgetretenen Gebieten dürfte keine Regierung die Verantwortung dafür übernehmen können, weitere derartige Minderheiten polnischer Unduldsamkeit auszuliefernd Ein Anhang zu der Rote gibt einen ausführlichen Bericht über die Vorgänge in Ostrowo. Wegen der inzwischen neu eingetre- tenen Vorkommnisse ähnlicher Art in anderen Orten des Abtrewngsgebietes sind gleiche Vorstellungen in die Wege geleitet. Aufruhr in Bromberq. Dromberg, 22. Juni.(TU.) Die Ausschreitungen gegen die Deutschen in Bromberg haben den Charakter einer bolsche- wistischen Bewegung angenommen. Am Sonntag waren verschiedene Aufrufe der polnischen und deutschen Gewerkschaften er» schienen. Letztere versprachen, sich sofort an die Gewerkschaften in Deutschland zu wenden, um die Wahrheit über die umlaufenden Ge- rüchte zu erfahren, daß polnische Arbeiter aus Deutschland ausge- wiesen und mißhandelt worden seien, da sich die ganzen Vorkomm- nisie in Bromberg auf diese Gerüchte stützen. Trotz polizeilichen Verbots fanden neue Versammlungen statt. Die Polizei griff nicht ein. Am Sonntagabend zog die Menge nach einer Der- sawmlung durch die Stadt und verübte neue Ausschreitun- gen und Plünderungen. Deutsche und jüdische Bürger wurden mißhandelt. Vollständig demoliert sind u. a. die Räume der deutschen sozialdemokratischen„V olkswach t". Die Demonstranten wandten sich aber diesmal nicht nur gegen die Deutschen, sondern auch gegen die Polen. Das polnische Stadt- theater wurde von den Aufrührern ebenfalls gestürmt und die Theaterbesucher aus dem Gebäude hinausgeworfen. Danach zog die über 2000 Köpfe starke Menge, der sich in großer Zahl pol- nisches Militär angeschlossen hatte, vor das Rathau», um den als deutschfreundlich verschrienen Stadtpräsidenten Ma- c i a s z e k herauszuholen. Der Stadtpräsident versuchte an das Volk «ine beruhigende Ansprache zu halten, wurde aber von seinem Standplatz heruntergezogen und schwer mißhandelt. Er lief dann unter dem Schutz eines Offiziers auf das Amtsgericht zu, in dessen Nähe ftisch nach Bromberg zugezogenes Militär sowie Offi- ziere und die Schüler der Offiziersschule postiert waren, die von der Garnison Bromberg allein noch der Regierung treu ge- blieben waren. Trotz aller Warnung versuchte die Menge sich immer wieder auf die Offiziere und Offiziersschüler zu stürzen. Gegen 12 Uhr nachts machten diese von der Waffe Gebrauch und eröffneten auf die Menge Feuer mit Maschinenge. wehren. Nun flutete die Meng« auseinander: sie ließen g Tote und etwa 15 Verwundete zurück, darunter auch einige Soldaten, die an dem Aufruhr teilgenommen hatten. Der schwer mißhandelte Stadtpräsident wurde in einem Krankenhause untergebracht. Die Menge, die das Gefängnis stürmen und die Gefangenen be- freien wollte, wurde daran durch die Offiziersschüler verhindert. Die Husar holz. Nacht verlief dann ruhig. Am Dienstag war die Lage außerordentlich gespannt, da die Unruhestifter verbreiteten, daß sie sich die reichsten polnischen Bürger der Stadt zur Bestrafung für ihre Schiebereien während des Krieges holen wollten. tzoefers Räumungsvorschlag. Oppeln, 22. Juni.(WTV.) Die ln Oppeln und Oberglogau stattgefundenen Besprechungen zwischen dem Zwölferausschuß. Ge- neral hoefer und den nach Oberschleflcn entsandten Vertretern der Regierungsparteien ergaben llebereinftimmung in allen Punkten. Insbesondere wurde der letzte, im Einverständnis mit dem Zwölferausschuß gemachte Räumungsvorschlag General Hoefer» eingehend besprochen. Die Vertreter der Regierung»- Parteien erklärten ihr volles Einverständnis mit diesem Vorschlage; sie erblicken in ihm die beste Garantte zur baldigen und reibungs- losen Räumung Oberschleflen». » Ln der Senatskommlssion für auswärtige Angelegenheiten, die gestern unter Poincares Vorsitz tagte, erklärte Briand, in Ober- schlesien nähere sich nach den jüngsten Verhandlungen,„was die Prozedur anbetreffe", der englische Standpunkt dem französischen, dem auch Rom zuneige. Es scheine schon jetzt sicher, daß der Ober st e Rat nur über ein einmütiges Abkommen ent- scheiden werde, das die Interalliierte Kommission allein oder mit Hilfe von Technikern, Diplomaten und Juristen, die ihr beigegeben wurden, angenommen habe. . Die englische Reichskonferenz. London, 22. Juni.(EP.) Die Dominion-Konferenz hielt gestern zwei Sitzungen ab. In der Bcrmittagssitzung sprachen die Vertreter Kanadas, Australiens, Neuseelands, Südafrikas und Indiens. Lord C u r z o n wohnte beiden Sitzungen bei. In seiner Rede sagte Hughes-Australien, daß seines Erachtens das Bündnis mit Japan nicht unter denselben Formen erneuert werden dürfte. In der Frage der Rüstungen zur See ist er der Meinung, daß eine Konferenz einberufen werden sollte, in der Frankreich, die Ver- einigten Staaten und Japan zusammen mit dem britischen Reiche einen Abrüstungsplan diskuttcren würden. M a s s e y- Neu- seeland teilte die Meinung in der englisch-japanischen Frage. Er meint auch, daß das Bündnis erneuert werden sollte, doch in einer Form, die den Dereinigten Staaten annehmbar wäre. S m u t s- Südastika hielt die Entwaffnung Deutfchlands für absolut nötig, wenn der Friede andauern soll. Er glaubt, eine Verständigung zwischen England, Amerika und Japan sei möglich. Ueber die Nachmittagssitzung ist der Presse nichts mitgeteilt worden. Deutschlanüs Wirtschaftslage. Im Reichstagsausschuß für Volkswirtschaft beriet man am Mittwoch eine Reihe auf die E r w e r b s l o s e n f ü r- sorge bezügliche Anträge.— Staatssekretär Hirsch(Reichs- wirtschastsministerium) führte aus: Die Arbeitslosen- zahl betrug im August 1920 400 000, im September 3S0 000, '"'"1 429 000. am 1. April 416"'' -!-• ihren tiefsten Punkt erreicht zu haben. Für die Ansicht, daß der am 1. M ä r z 192 1 429 000, am 1. April 416 000, am 1. Mai 400 000 und am 1. Juni 360 000. Die Krisis scheint im Frühjahr Tiefpunkt der Weltkonjunktur schon überwun- den ist, spricht ein jetzt bemerkbares Wiederanziehen mancher Weltmarktpreise und Frachten des freien Marktes. Der Redner bringt dann diese Ziffern in Zusammenhang mit dem Welt» arbeitsmarkt und dessen Beeinflussung durch Ultimatum, Reparationen, Ein- und Ausfuhr. Die Wiederherstellung g e o r d- neter Zustände im Westen ist eine unerläßliche Vorbe- dingung für die Erfüllung des Ulttmatums. Auf dem Innenmarkl ist eine gewisse Wiederbelebung festzustellen. Die Verhältnisse der Eisenindustrie werden erschwert durch die Konkurrenz des Aus- landes. Der Vaumarkt ist durch die erteilten Zuschüsse gefördert worden. Die Kohlenförderung zeigt bis Frühjahr einen erfreu- lichen Aufstieg. Rund 229 000 Arbeiter sind von Mitte 1919 bis End« 1920 dem vergmannsberuf neu beigetreten. Der Umgrup- pierung der deutschen Arbeiter steht in diesem Maße wohl in keinem anderen Lande der Welt ein analoges Beispiel gegenüber. Die Förderung betrug im Sommer 1919 gegen 9 Millionen Tonnen und erreichte im Januar/Februar 1921 12 Millionen Tonnen Steinkohle. Seit Wegfall der Uebcrsckiichten im März und wegen der oberschlesischen Verhältnisse ist eine bedenkliche Verschlechterung eingetreten. Für die Weiterentwicklung wirken günstig die vermehrten Sachleistungen, mit welchen man den größeren Teil der festen Iahreszahlung für Reparation abtragen zu können hofft. Ungünstig wirken die B e- lastungen des Ultimatums auf den inneren Arbeits- markt, z. B. die Annäherung des Kohlenpreises an den Weltmarkt- preis und eine entsprechende Einstellung auch anderer Preisgebiete. Die Industrie wird sich an neue Verhältnisse anpassen müssen, dadurch wird aber mancher minder leistungsfähige Betrieb ausscheiden müssen. Für die Organisierung des Ärbeitsmarkts ist Kurzarbeit nur vorübergehend anwendbar. Der Umgrup- pierung der städtischen Bevölkerung auts Land stehe ich skeptisch gegenüber. Zur Verbesserung unseres Produktionsapparatcs gehört auch die Verbesserung der Verkehrswege und Nutzbarmachung der Wasserkräfte für Ausbau der Elektrizitätswirtschaft. Zm Prozeh gegen hölz fällte das SchwvrgreKhl gestern nach einstündiger Beratung folgendes Urteil: Der An- geklagte wird wegen Hochoerrat» in Tateinheit mit Tot- schlag, versuchten Totschlag, vergehen gegen das Spreng- stoffgesetz sowie zahlreicher übriger Straftaten zn einer lebenslänglichen Zuchthaus strafe sowie zum dauernden Verla st der bürgerlichen Ehren- rechte verurteilt. Ferner werden ihm die Kosten de» Verfahrens auferlegt. Max Hölz, dessen Prozeß gestern zn Ende ging, ist k e i n Kommunist, sofern man unter einem Kommunisten überhaupt noch einen Politiker verstehen will. Max Hölz ist ein Husar, und seine Tragödie ist eine Soldatentragödie nach dem Weltkrieg. Schiller, der als Lehrmeister der Weltgeschichte immer mehr zu Ansehen kommt, hat uns in Wallensteins Lager das ungebundene Leben der Landsknechte im Dreißigjährigen Kriege geschildert, nachdem er zuerst als jugendlicher Stürmer und Dränger das Stück über Karl Moor geschrieben, der das Gesetz der Menschheit unter seine Füße gerollt hat. Zwischen den Landsknechten des Dreißigjährigen Krieges und den Ge- stalten der„Räuber" besteht eine innere Verwandt- schaft, und man kann sich leicht vorstellen, daß die Holkischen Jäger sich eines Tages zu Spiegelbergs Kameradschaft ver- wandeln. Eines Tages, daß heißt, wenn der Krieg einmal zu Ende ist, wenn die Rückkehr zum bürgerlichen Leben er- folgen soll. Dieser Tag kam den Landsknechten mit dem Westfälischen Frieden, nach dessen Abschluß ganz Deutschland von Rauberbanden wimmelte, weil Tausende und aber Tausende es nicht verstanden, Degen und Flinte mit Pflug und Hammer zu vertauschen. Von den Mafien der Voiksgenofien, die den Weltkrieg mitkämpften, hat man manchmal gesagt, daß sie nur„Zivilisten in Uniform" gewesen seien. Trifft das zu, dann ist Hölz im Gegensatz zu ihnen«ine echte Soloatennatur, das heißt wohlgemerkt eine Soldatennatur der alten Zeit, in der das Kriegshandwerk für viele Ledenshandwerk war. Solche Soldatennaturen sind während des Weltkrieges in ungezählten Tausenden zur Entfaltung gekommen, aber die allermeisten von ihnen haben ihren An kumer.Orgeschleute, Käppi chluß rechts gefunden als Balti- ten usw. Wo eine Trompete zum Kerle zum Teil auf ihre Art, zum Teil traurig verlumpte Abenteurer, hoffnungslose Zuchthauskandidaten für jedes ge- ordnete Staatswesen, Produkte eines vierjährigen Krieges. Ein kleiner Teil dieser Soldateska ist statt zur äußersten Rechten zur äußersten Linken abgeschwenkt, ihr hervor- ragendster Repäsentant ist Max Hölz. Er verdankt diese Rolle dem Umstand, daß die militärischen Führer alle nach rechts gegangen sind, so daß eine kaum mittlere Feldwebelbegabung wie die seine zur Erreichung des obersten Ranges ausreichte. Bekanntlich haben einst auch Offiziere, wie Oberst Bauer und Hauptmann Papst mit dem Gedanken gespielt, sich zu Feldherren„roter" Kohorten aufzuschwingen, aber nach eini- gem Schwanken entschieden sie sich doch für rechts als die politisch bessere Konjunktur. So konnte Hölz zum militärischen Führer aussteigen, ähnlich wie die parlamentarischen Größen der KPD. ihren Glanz nur dem um sie lagernden Dunkel verdanken. Minder- Wertigkeit, Nichteignung zum Führerberuf, zum militärischen wie zum politischen, ist hier wie dort das gemeinsame Kenn- zeichen. Ueber den Verbrechen des Max Hölz. die vor Gericht zur Ahndung gelangten, sollte man doch sein schlimmstes nicht ver- gefien, daß er ein geradezu unglaublich elender militä- rifcher Führer gewesen ist. Er behauptete vor Gericht, Krieg geführt zu haben, aber er hat das getan wie ein stüm- pernder Heilgehilfe, der den großen Chirurgen spielen will. Er hat die Leute, die sich ihm vertrauend zur Verfügung stellten, sinnlos in den Tod gejagt, er hat sich nicht einmal den Ruhm erworben, von regelrechtem Militär geschlagen worden zu sein, er hat sich von ein paar Hundertschaften Schutzpolizei zusammenprügeln lassen, und man darf ruhig behaupten, daß sich dabei jeder PolizeUeutnant militärisch viel tüchtiger erwies als der von seinen Anhängern gerühmte„rote Ge- neral." Well diese strategisch dilettantische Feldwebelnatur sich mit einigen eilig zusammengelesenen Lappen des kommunisti- schen Phrasenschatzes schmückt, versuchen es die geistig und sitt- lich total zusammengebrochenen Kommunisten, ihn als einen „Helden des Proletariats" hinzustellen. Ein scheußlicheres, aber auch komischeres Mißverständnis ist wohl noch niemals vozaekommen. Hölz ist die Verkörperung des Mili- t a r i s m u s, der Gewaltpolitik um ihrer selbst willen, eine durch und durch ungeistige Natur. Man beschmutzt Rosa Luremburg und auch Karl Liebknecht, wenn man seinen Namen mit dem ihren in einem Atem nennt. Diese Führer des Kommunismus hatten sich, das Beste wollend, jn ein« Sackgasse verrannt, sie hatten die Gefolgschaft des Prole- tariats gesucht und die des vom Kriege geschaffenen Lumpen- Proletariats gefunden; sie kamen, von den Gipfeln der Ide: lierabsteigend, blind bis in die Nähe des gemeinen Verbrecher- tums, das in spartakistischem Gewände ihren Willen schändete, in militärischem sie erschlug. Hölz aber hatkeineGe- meinschaft mit der geistigen Welt der Ar- beiterbewegung, er ist überhaupt keine geistige Potenz, und die Ohrfeigen, mit denen er höchsteigenhändig seine Ge- sangenen traktierte— der Krieg macht einen zum Vieh, sagt er selbst—, charakterisieren sein Wesen tausendmal besser als die eingelernten Papageiensprüche von der Befreiung des Pro- letariats. Alles in allem: ein Symbol der Unfähigkeit, zu der der kommunistisch irregeleitete Teil der Arbeiterbewegung schmählich herabgesunken ist. Mit politischen Führern vom Joeenkreis der S t 0 e ck e r und Genossen erringt man keine politischen Erfolge, mit militärischen Führern vom Schlage eines chölz gewinnt man keine Schlachten. Wenn es schon tausendmal gesagt worden ist, so verdient es zum taufendund- erstenmal gesagt zu werden, daß nur die geistige und sittliche Ueberlegenheit den Sieg an ihre Fahnen heften kann. Wer die Arbeiterschaft vom Weg der Ueberzeu- gung abbringt, daß sie nur durch diese Ueberlegenheit Er- folge im Klassenkamps erringen kann, der wird den Teilen von ihr, die dieser Lockung folgen, nichts als immer neue Nieder- lagen bereiten können. An all den Leichenreihen, die gehäuft, an allen reaktionären Gewalttaten, die verübt worden find, an all der Schande, in die ein zusammenschrupfender, und darum sich immer toller gebärdender, irregeleiteter Teil der Arbeiterbewegung verstrickt worden ist, trägt geistige Minderwertigkeit die Schuld? Dieser chölz ist eben- sowohl Teilhaber an ihr wie ihr Opfer. Kann es überhaupt noch tiefer gehen? Allenfalls noch bis zur Aera Kam- merer-Stellmacher, jener Wiener Raubmörder, die in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sich gleich- falls als Apostel des proletarischen Befreiungskampfes aus- gaben und von einigen stumpfen Gehirnen auch als solche an- erkannt wurden. Die chölz-Begeisterung des Kommunismus ist nur eine letzte Zuckung vor dem Verenden. der unterschobene Aufruf. Max Hölz und die VKPD. Die Kommunisten wollen am Donnerstag vor der Kaiser« Wilhelm-Vedächlniskirche.in dem BourgeoiS-Biertel' gegen die Justiz demonstrieren. Dabei ist in der Redaktion der.Roten Fahne* ein« mysteriös« Geschichte passiert. In dem Aufruf, den sie am Mittwoch- morgen veröffentlicht«, hieß eS: Seit Siebinechts Tod steht Euer mutigster Vorkämpfer vor dem Sondergericht der weihen Bestie. Max Hölz. Wollt Ihr wieder warten, bis der Kopf von Mar Holz abgeschlagen ist? Heraus mit Ztlax hölz! Heraus mit allen politischen Gefangenen! Duldet keine weiter« Verurteilung mehrt Dieter Äufruk stellt« in bemerkenswerter Weite Max Hölz in den Bordergrund, deffen Name nicht nur äußerlich hervorgehoben, sondern der sogar mit Liebknecht in deutlichste Parallele gesetzt wurde. In der Mittwochabend-Ausgabe der .Roten Fahne" wird der Aufruf wiederholt, aber mit veränder- tem Text. Jetzt heißt die betreffende Stelle: Seit Liebknecht« Tod stehen eure Vorkämpfer vor dem Gericht der weißen Bestie. Jetzr geht es um Max hölz. Wollt ihr warten, bis auch dieier Kopf abgeschlagen ist? Heraus mit den politischen Gefangene». Dnidet keine weitere Verurteilung mehr t Der Unterschied wird von der.Roten Fahne* in folgender origineller Weise erklärt: potsöamer Kunstsommer 1H27. Es ist dies keine feuilletonistifche Spitzmarte, sondern die offi- zielle Bezeichnung einer Künstausstellung in den Räumen der Orangerie des Parkes von Sanssouci, die der Potsdamer Kunst. oerein mit' Unterstützung der Stadt Potsdam dieses Jahr erstmalig veranstaltet und zu einer dauernden Einrichtung in den folgenden Jahren zu machen hofft. Mit diesen Kunstsommern wollen die Per- anstalter einer stillen Derpflichtung nachkommen, die die Geschichte der Stadt auferlege. Nicht die Stadt des Militarismus, sondern wie es auch das Gulbranfonsche Plakat sinnfällig macht, die Stadt Friedrichs des Zweiten, des Bauherrn und Mäzens. Genau betrachtet ist diese Perneigung vor dem dynastischen Künstgenius nicht allzu tief begründet: Friedrich huldigte zwar fron- zösischer Baukunst und italienischer Musik mit einem gewissen Ge- fühl: im übrigen aber sammelte er vielfach recht kritik- und ver- ständnislos unter großen materiellen Opfern, wofür gerade Sans- souci manches Beispiel bietet. Wir sehen in der Potsdamer Kunst- Veranstaltung eher eine Enffühnung der Stadt, die bis auf unsere Tage mit dem Odium des kulturvernichtenden Militarismus belastet war. Insofern müßte man den Gedanken und die Tat schon be- grüßen, auch wenn nicht ihre Verwirklichung durchaus gelungen wäre. Die beiden Flügel der Orangerie, die der Ausstellung einge- räumt sind, geben in geschickter und empfindender Ausnutzung vor- bildliche Schauräum« her. Die verglasten Längswände sammeln ihr Licht auf die Gemälde, die in Kojen hängen. Rur die selteneren plastischen Werte stehen vereinzelt an der Fensterseite. Auf diese Weise entsteht gegenüber dem üblichen Labyrinthsystem Wirkung und Genuß, eine natürliche Wegleitung, die in einer knappen Stunde es ermöglicht, die größte Anzahl der dreihundert Werke wirklich in sich aufzunehmen, ohne wie sonst den größten Teil erschöpft zu ver> säumen oder zu verlieren. In dieser glücklichen Zufallsnutzung scheinen Errungenschaften und Erfahrungen zu liegen, an denen man künftig bei Ausstellungsneubauten nicht vorübergehen darf. Allerdings ist auch die Auswahl geschickt. Man hat diesmal nicht Einsendungen gesiebt, sondern die Auslese in den Werkstätten unter den vorhandenen Arbeiten selbst getroffen, daneben aus Privatbesitz Ergänzungen heranziehen können. Und wenn man auch den hauptbeftand jener Kunst entnommen hat, die man heute viel- leicht nicht mehr in allen ihren Aeuherungen modern nennen will. so hat man doch auch mit Takt und Kunstsinn soweit auf die Ueber- lieserung zurückgegriffen, daß man Namen wie Schadow, Karl Blechen, Franz Krüger und Adolf Menzel müaufgenommen hat, während die Periode des tiefen Verfalls gänzlich ausgeschlossen blieb. Von Menzel sieht man hier das in auffallendem Format und feinem gewaltsamen Helldunkel für den Maler merkwürdige „hochkirchbikd", das anstatt in die staatliche Menzelsammlung ein- gereiht zu«erden, sonst immer noch ein Gehenndajein in den Auf bisher unaufgeklärte Welse wurde zu dem obigen TemonstrationSaufrus in der Miltwoch- Morgenausgabe der, ..Roten Fahne* von unberufener Hand ein Text unterschoben dessen Abweichung von obigem richtigen Text der Aufmerlsamkeit der Redaktion entgangen ist. Da? ist in der Tat seltsam! Eine Redaktion, der ein falscher Text zu einem offiziellen Parteiaufruf unterschoben wird, und die diese Irreführung nicht einmal aufklären kann, dürfte sobald nicht wieder zu finden sein. Sollte die Sache nicht doch etwa? anders liegen? Sollten nicht am Ende einigen Führern der BKPD., die noch eine Spur Ueberlegung besitzen, schwerste Bedenken auf- gestiegen sein, weil sich in dem ersten Aufruf die kommunistische Partei völlig mit Max Hölz identifizierte und ihn sogar für den geistigen Nachfolger Karl Liebknechts proklamierte?! Diese Hypothese erscheint uns wahrscheinlicher, als die Textunterschiebung durch den.Großen Unbekannten.* Die Demonstration für Hölz verboten. Wie die PPN. erfahren, hat der Berliner Polizeipräsident die für Donnerstag nachmittag 4 Uhr auf dem Platz vor der Kaiser- WUhelm-GedächtniSlirche am Bahnhof Zoo einberufen« Massen- Versammlung der VKPD. und der KBPD. zur Demonstration für Max Hölz verboten. Der Polizeipräsident steht grund- sätzlich auf dem Standpunkt, daß öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel nur an Plätzen staltfinden können, die imstande sind, die von Parteien selbst erwartete BoltSmenge auch zu fassen. Da die Vertreter der VKPD. angegeben haben, daß sie einen Be« such von mindestens 10000 Menschen erwarten, der sich aber auch auf 50000 bis 100000 lichen Rundschau" offenbar ganz besonders gut gefallen. Es handelt sich in der Hauptsache um die folgenden:„Was blasen die Trom- peten",„Sie sollen ihn nicht haben",„Herr Heinrich sitzt am Vogel- Herd",„Erhebt euch von der Erde",„Preisend mit viel schönen Reden* und„Es braust ein Ruf wie Donncrhall*. Ueber den Ge- schmack ist nicht zu streiten. Wenn jemand das alte Blllcherlied für besonders geschmackvoll hält, so ist es seine Sache. Für uns hat es nur noch ein bistorilches Interesse, heute aber hält man Bers» wie „Fahrt wohl. Ihr Franzosen, zur Ostsee hinab und nehmet. Ohne- Hosen, den Walfisch zum Grab* mit Recht für den Schulunterricht nicht mehr gceianet. Schon von wegen der Raturqeschichtel— Auch über den Wert des Beckerschen Liedes:„Sie sollen ihn nicht haben" sind die Ansichten sehr verschieden. Vater Rhein selbst, dessen Urteil doch auch gehört werden sollte, äußert sich darüber: Zu Biebrich habe ich Steine verschluckt: Sie schmeckten fürwahr nicht lecker. Doch schwerer liegen im Magen mir noch Die Verse von Niklas Becker. Freilich, der ihm diese Worte in den Mund legte, war Heinrich Heine, ein in deuffchnationalen Kreisen höchst verdächtiger Geselle. Immerhin hat der Mann die Lorelei gedichtet, ein Lied, das in keinem deutschen Voltsliederbuch fehlt. Andere der ausgemerzten Lieder holten der Kritik eher stand. Nur sind für Volksschulen, in denen die Kinder zu republikanischer Gesinnung erzogen werden sollen. Untertanensinn und Untertanen- treue verherrlichende Lieder wenig geeignet. Im übrigen scheint man drüben für die Gedankenwelt republi- kanischer und pazifistischer Demotraten kein rechtes Verständnis zu haben. Wir unsererseits werden von der Gegenseite nie oerlangen, der Koaliffonzparteien der Abg. Stang(Bayer. Bolkspariei) eine Erklärung abgab, die Abscheu über die Mordtat ausdrückt und hofft, daß die Beweggründe des Mordes aufgeklärt werden. Die Koa« litionsparteien legen auf dos entschiedenste Verwahrung dagegen ein, daß der Fall Gareis zum bewußten Kampf gegen die Staats- regierung gewertet werde. Noch ungeheuerlicher fei es, wenn vom Reichstag aus der Vorwurf'erhoben werde, daß der unbekannte Mörder der politischen Abteilung der Münchener Polizei sehr nahe- stehe. Gänzlich unverständlich sei auch die Behauptung, daß das, was in letzter Zeit an einigen Plätzen geschehen sei, geeignet er- scheine, die Einheit des Reiches zu zerstören. Die Erklärung stellt fest, daß die allgemeinen Sicherheitszu stände in Bayern im Vergleich mit dem übrigen Deutschland gewiß zu i h r e m Vorteil(I) bestehen könnten. hierauf ergriffen die Vertreter der Linken das Wort, wobei der Abgeordnete Bauer(U. Soz.) zweimal einen Ordnungsruf erhielt. Der Abgeordnete Ackermann(Soz.) erklärte, seine Partei sei von den Ausführungen des Ministerpräsidenten in keiner Weise be- friedigt. Der Abgeordnete Blum tritt(U. Soz.) führte aus. die Stimmung der Arbeiterschaft sei so, daß wenn noch ein Arbeiter- führer beseitigt werde, dafür drei auf der anderen Seite daran glauben müßten. Der Kommunist A e n d e r l bezeichnete den Mord als das erste sichtbare Zeichen bei den reaktionären Or- ganisationen dafür, daß sie dem System des Meuchelmordes huldigen. Im weiteren Verlauf der Sitzung nahm noch das Wort der Staatssekretär S ch w e y e r. Auch dieser Redner verurteilte das fluchwürdige Verbrechen an Gareis und wandte sich dagegen, daß der Mord an Gareis parteipolitisch von den Linksparteien ausge- beutet werde. Wenn von einer Atmosphäre gesprochen werde, die zu der Tat geführt habe, erinnere er an das Vorgehen der„Roten Fahne", der„Freiheit", des.Kampfes", der„Neuen Zeltung" und ähnlicher Blätter. Die Regierung verurteile aus vol- ler Ueberzeugung die antisemitische Hetze und den Kampf gegen die Reichsregierung. Sie werde mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln gegen solche Auswüchse ein- schreiten. In der Ausforderung zum G e n e r a l st r e i t lag die Gefahr eines Reoolutionsspiels. Das konnte die Regierung nicht dulden. Hierauf sprach noch Iustizminister Dr. Roth, der die An- griffe gegen die bayerische Rechtspflege scharf zurückwies. Trotz aller Schmähungen und Drohungen werden die bayerischen Richter den Weg des Rechts und der Gerechtigkeit weitergehen. Damit war die Besprechung der Interpellation zu Ende. Ein Zwischenfall. München, 22. Juni.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Nach der Erklärung S t a n g s teilte der Redner der Sozialdemokratischen Partei. Gen. Ackermann, mit, daß er beim Betreten des Hauses von der Polizei uniersucht worden sei und die Schutzpolizei in das Fraktionszimmer der USP. eingedrungen sei. Ein Sturm sondergleichen erhob sich, die Abgeordneten der Linken stürmten an die Schranken vor und verlangten in dem entstandenen Tumult Untersuchung dieses neuen Schlages gegen die Immunität der Abgeordneten. Gen. Ackermann bedauerte, daß in einem Augenblick, in dem das ganze Reich auf diesen Saal blicke, die Bertreter der Rechten beim Vollbier. Tabak und Kartenspiel drüben versam. melt seien. Dos Gift, welches die bürgerliche Presse unentwegi weiter gegen die Führer der Arbeiterschaft verspritze, habe auch in diesem Hause seine Wirkung getan. Der Grundton seiner Rede war� Die Regierung Kahr kann nicht nur nicht von dem sorgfältig gehegten Mordsystem abrücken, sie miH auch nicht. Er bestätigre die Meldung des„Vormärts", daß feine Besprechung beim Iustizminister völlig unbefriedigend verlaufen sei. Gffiziersverschwörung in Daöen. Me die.Freiburger Tagespost" meldet, sind am Dienstag in Freibnrg verschiedene ehemalige aktive Offiziere unter der Anklage des Hochverrat» verhaftet worden. Sie sollen eine Organisation nach dem Muster der.Orgesch", die sich über ganz Baden erstreckt, organisiert haben. daß sie in ihre Gesangbücher Schillers Hymne an die Freude „Älle Menschen werden Brüder"— oder herweghs„Ich bin ein freier Mann und finge mich wohl in keine Fürstengunst" aufnehmen. Aber es wird allmählich Zeit für die Herren zu begreifen, daß sie nicht mehr allein auf der Welt sind. Andre Zeiten— andre Bogel. Andre Vögel— andre Lieder. Sie gefielen mir vielleicht, Wenn ich andre Ohren hätte. Die landwirtschaftliche Ausstellung in Leipzig. Die groß« land- wirtsck'aftliche Ausstellung am Fuße des Völkerscylachtdenkmals war dieser Tage da? Ziel vieler Tausender, die aus Sachsen und auz ganz Deutschland gekomn.en waren, um zu sehen, auf welcher Stute die Landwirtschaft von heute steht. Und alle staunten. Staunrer vor ollem über den hohen Stand der Technik, die trog Krieg, Frie- densoerirag und Sanktionen nicht stehen geblieben ist. Deutschland ist noch immer das Land der Arbeit, die steten Fortschritt zeitigt. Der Hauptanziehungspunkt der Aussteller blieb der imposame Aufmorsch der Maschinen, die in mannigfaltiger Ausführung taufend« von Interessenten anlockten. Da sah man, wie die Technik dem Ackcrpferd das jahrtausendelang beherrschte Feld in seder Richtung strittig macht durch Dampf, Elektrizität, Benzin, Oel oder sogar durch die Energie der Lust atmosphärische Pferdekräfte an die Stelle des braven Ackergauls zu setzen sucht. Diese„Los-vom-Pferd-Bewegung" ist das ausfälligste Merkmal der Maschinenschau. Und es sind nicht nur Großlandwirte, die sich die Vollkommenheiten dieser Maschinen zunutze machen, sondern auch zahlreiche kleine Landwirte, die die segensreichen Dorteile der technischen Errungenschaften der Neuzeit erkannt haben und anwenden. Ganz zu schweigen von den zahllosen kleinen und kleinsten Maschinetz und maschinellen Neuhelten, die den landwirtschaftlichen Betrieb vereinfachen und verbilligen. U. a. sieht man als eine der letzten Neuheiten die äußerst sinnreiche Konstruk- tion einer Melkmaschine, die dos Melken der Kuh selbsttätig ohne Melker besorgt. Ein elettrischer Fliegenfänger läßt die Fliegen einen Tod durch Kurzschluß finden. Ueberhaupt scheint die Elektrizität, seitdem die Ueberlandzentrolen eine erhebliche Ausdehnung erfahren haben, hauptfaktor des landwirtschaftlichen Nutzbetriebes werden zu sollen. In der großen Halle wird die vielseitige Derwendungsmög- lichkeil der Elektrizität im Dienste der Landwirtschast an zahllosen Beispielen demonstriert. Zu einer beachtenswerten Vervollkommnung sind auch die durch Windturbinen getriebenen Anlaaen gediehen, die ibre Kraft aus der Luft schöpfen und zahlreiche Arbeitsgeräte mit Energie speisen._ Prof. Einstein ist von seiner Amerikareise nach Berlin zurückgekehrt. Der Rücktritt BergsonS. Der französische Philosoph Henri Berglon ist von seinem Lehrstuhl am Vollöls de France zurückgetreten. Mit ihm veräert daS Jnltiwt eine seiner.«öauvtanzichunzSkräste, da die Vorlesungen Bergsons gewaltigen Zuspruch fanden. Eine Geschichte des Weltkriege?. Die Carnegie- Stiftung für intcr- nationalen Friede» will in allen euroväitcken Ländern da» Material einer .Wtrlschastlichen und sozialen Geschichte des WcltlriegeS* sammeln lasten. Zu diciem Zwecke bat sie nationale Komitees ernannt, die unabhängig arbeiten und sich später gewnseitia kontrollieren sollen. Die Oberleitung hat Pros. Shoiwell voit der Columbia-Unwersität in New Jork. Kr. 291 ♦ ZS. Jahrgang 1. Oeilaae öes Vsrwärts Donnerstag, 2Z. Juni 1921 GroMerün Umleitungsärge?. Die Nmleitungen von Straßenbahnlinien wegen Gleis. erneuernngSarbeiten sind eine Quelle schlveien Verdrusses sür Fahr. gaste und Slraßenbahnangesiellte. Wie wird eine Linienumleitung bekanntgegeben? Die Zeitungen bringen eine Mitteilung, die der Slratzenbahnvcrwaltung ein Inserat erspart. Im übrigen werden für die ganze Dauer der Ninleitung in allen Wagen der Linie rote Plakate mit einem bezüglichen Hinweis angebracht. Das könnte dock, genügen, sagt sich die Verwaltung,— und in der Regel genügt es auch für Leute, die täglich diese Linie benutzen. ES genügt aber in der Regel nicht für die vielen anderen, die nur gelegentlich an so eine umgeleitete Linie geraten. Die ZeitungS- notiz, die damals für sie kein Interesse hatte, ist von ihnen ent- weder nicht beackitet oder inzwischen wieder vergesien worden Warum aber, wird man sragen, machen sie nicht beim Ein- st eigen die Augen auf und halten Ausschau nach dem roten Plakat? Ja, wäre eS nur da angebracht, wo es dem Einsteigenden auffallen muß I Das Plakat wird im Wageninnern an je ein Fenster nahe den beiden Türen geklebt. Beim Einsteigen betrachtet mancher nicht zunächst die Fenster, sondern sieht bor sich auf den Weg durch den Wagen und sucht nach einem Sitzplatz. Und nach» her bietet sich dem Auge des Fahrgastes eine solche Fülle von ge- druckten Plakaten und ausgemalten Inschriften, daß ein Plakat mehr kaum noch ausfallen kann. Nun ist der Schaffner angewiesen, an der Umleitungsstelle in den Wagen hineinzurusen, daß jetzt der und der Weg eingeschlagen wird. Da gibt eS dann fast immer einige, die aufspringen und entrüstet den Schaffner fragen, warum er daS nicht früher gesagt habe. Schnauzt der Fahrgast den Schaffner an, so schnauzt ein empfindlicher Schaffner wieder und gibt unter Hinweis auf das rote Plakat dem Fahrgast den Rat, künftig die Augen bester aufzutun. Sollten solche verdießlichen Auftritte, die der Schaffner einer umgeleiteten Linie jeden Tag von früh bis spät über sich ergehe» lasten muß, wirklich nicht zu vermeiden sein? Wir empfehlen, eS einmal mit einer anderen Art der Bekanntgabe zu der- suchen. Bei Linieuumleitung bringe man an der Stirnseite des Wagens auf dem Doch neben der Linien nummer eine abends zu erleuchtende Inschrift»Umleitung!* an. Auf die Liniennummer des herankommenden Wagens siebt jeder, und der Fahr- gast wird dann beim Einsteigen sofort nach dem roten Plakar aus- schauen, das auch noch an der Außenseite de« Wagens nahe der Griffstange des Perrons angebracht werden könnte. Das find nur Anregungen und Vorschläge, die sich gewiß noch durch Besseres er- setzen ließen. Aber geschehen mutz etwas, um diesen unerquicklichen Auftritten, unter denen die Straßenbahnaugestellten begreiflicher- weise noch viel mehr als die Fahrgäste leiden, ein Ende zu machen. Man komme uns nicht mit der billigen Antwort, daß es immer Schlafmützen geben wird, die durch nichts aus ihrem Schlaf auf- zurütteln find. Ja, das stimmt, doch nicht für diese sprechen wir. Bei vielen anderen aber würden die von unS vorgeschlagenen Maß- regeln genügen, sie vor Lerger zu b e w a h r en— sie und das Personal. Mpftische Experimente. heilmagnekopathen vor Gericht. Der frühere Konfektionsschneider Lüdecke in Lichtenberg und besten Ehefrau betreiben seit sieben Jahren das Gewerbe als Heilmagne- tiseure. Sie haben großen Zuspruch von Kranken. Ein Teil der Kundschaft hat sich zu dem religiösen Verein„Aufwärts zur Sonne* zusawmengeschlosten. Eine Frau Ida Schmidt und deren schwach- sinniger epileptischer Sohn hatten nach anfänglicher großer Zu- friedenheit mit dem Ehepaar L. Anzeige wegen Betruges erstattet. Infolge der Anzeige begab sich der Lichtenberger Kriminaloberwacht- meister Kuhfeld in die L.'sche Wohnung und markierte den Kranken. Er zahlte sür zweimalige Behandlung zusammen 4 M. und fühlte sich geschädigt, obwohl das Honorar von der Behörde erstattet ist. Das Lichtenberger Schöffengericht hatte am 7. Januar die Angeklagten zu je SSV M. Geldstrafe wegen Betruges ver» urteilt, trotz der gutachtlichen Aussage des Medizinalrats Dr. Störmer, daß in geeigneten Fällen durch mystische Experimente gute Wirkungen bei Kranken erzielt werden können. In der gestrigen Berufungsverhandlung vor dem Landgericht I drehte sich die Beweisaufnahme um die Frage, ob auch bei Lungen-, Geschlechts- und Augenleiden, überhaupt bei organischen Er- krankungen, eine günstige körperliche Beeinflustung durch Heilmagnetismus möglich sei. Mcdizinalrat Dr. Störmer verneinte das entschieden, während der zweite Sachverständige, Kreis- und Gerichts- arzt Dr. Hammer, an der Hand ärztlich-wistenjchaftlicher Literatur die Frage ebenso entschieden bejahte. Eine große Schar geladener Patienten der Eheleute Lüdecke sollte die Glaubwürdigkeit der An- w 33= P&simtQmmim welche die Erneuerung des Abenne- rnenls für den Monat Juni noch nicht vorgenommen haben, müssen sofort das Versäumte nachhoien, wenn keine Unterbrechung in der Zustellung der Zeitung erfolgen soll VoFwärtS'Verlag S. m. b. H., =EE zeigenden erschüttern. Nachdem eine ganze Reihe dieser Zeugen sich als gebessert oder geheilt erklärt hatten, wurde auf die Vernehmung weiterer Zeugen verzichtet. Der Verteidiger, Rechts- anmalt Dr. H a e n d e l, wies auf das Rech» des Laien hin, auf einwandfreie Art Kranke aller Art mit Magnetismus zu behandeln, wenn in solchen Fragen, die eigentlich gar nichr vor das Forum der Justiz gehören, selbst in der medizinischen Wissenschast die größten Widersprüche bestehen. Schon die geringen Honorarsorderun- gen von 1—2 M. für die Einzelbehandlung sprächen doch gegen jede Betrugsabstcht. Nach kurzer Beratung kam der Gerichtshof zur Freisprechung, weil der Nachweis einer Täuschung von niemandem erbracht sei._ Sie»Mesengervinne" öes Milchamts. Das Milchamt Berlin teitt mit: Die Preste gibt die Mitteilung einer Korrespondenz wieder, wonach unter Angabe eines Rezeptes das Milchamt bei Herstellung von Sahne aus Frischmilch und Trockenmilch große Gewinne erziele. Dieses Rezept ist in jeder Hin- ficht eine böswillige freie Erfindung. Der dem Milchamt Berlin an- geschlossene Betrieb der Meierei Bolle stellt aus Milchpuloer und Butter eine niedrigprozentige und eine hochprozenttge Sahne her, deren Vertrieb verhindert hat, daß aus Frischmilch von Unbefugten Sahne hergestellt und damit der Frischmilchkonsum geschädigt wurde. Die Berechnung des Reingewinns ist phantastisch. Der Reingewinn beträgt zirka 13 Proz. Er dient mit zur Leroilligung der Frischmilch für Kinder. Es ist bezeichnend, daß diejenigen Kreise, die an der Bekämpfung der kommunalen Betriebe ein Interesse haben, ab- wechselnd bald die Vcrlustwirtschaft, bald den bei einem Geschäft erzielten Gewinn brandmarken.— Der„Vorwärts* hat sich selbstverständlich zur Verbreitung dieser durchsichtigen Nachricht nicht hergegeben._ Wem gehört das Taschentuch? Der Raubmord an dem Oberpostassistenten Splettstößer In der Borsigsttaße ist noch nicht aufgeklärt. Alle Vernehmungen und Nach- Prüfungen von Angaben aus dem Publikmu haben noch keinen An- halt geliefert. Vielleicht gelingt aber die Ermittlung des Mörders an der Hand eines T a f ch e n t u ch e s, das er am Tatort zurück- gelassen hat. Es ist ein Tuch von außergewöhnlicher Größe— für ein Taschentuch viel zu groß—, mißt 49x34 Zentimeter und besteht aus Baumwollbatist. Augenscheinlich ist es von einem größeren Stück, vielleicht von einem Hemd, abgeschnitten und an drei Seiten gesäumt, während eine Seite ungesäumt geblieben ist. Die Säu- mung hat wahrscheinlich eine Frau oder ein Mädchen zu 5)ause be- sorgt. Wer über dieses Taschentuch irgendeine Mitteilung machen kann, wird dringend ersucht, sich bei den Kommissaren Tegtmeyer und Dr. Anuschat im Zimmer 86 des Polizeipräsidiums zu melden. Das Tuch ist zur Ansicht für jedermann von heute ab in dem Aus- Hängekasten der Kriminalpolizei auf dem Lichthof des Polizeiprä- stdiums ausgestellt. n] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. Reisner sprang in ein Auto und ließ sich in das Ge- schäftsviertel fahren. Vor einem der riesenhaften Kontor- Häuser ließ er halten. Der Paternosteraufzug brachte ihn in das vierte Stockwerk. Dort läutete er an der Tür eines großen Kontores. Als er eintrat, ging eine Bewegung durch die Reche der Angestellten. Reisner lächelte spöttisch, denn er sah, daß man ihn erkannte. Er wandte sich an einen der Buchhalter mit der Frage nach dem Geschäftsführer. Der Mann er- rötete stark, verbeugte sich ungeschickt und öffnete ihm eine Türe. Während Reisner die Schwelle überschritt, freute er sich im voraus des Eindruckes, den sein unerwartetes Erscheinen hervorrufen mußte. Niemand nämlich ahnte, daß ihm ein Jahr seiner Strafe im Gnadenwege erlaffen worden war. Er mußte allen, die ihn so unvermutet sahen, wie ein vom Tode Auferstandener erschienen. Die Wirkung, die er erzielte, war in der Tat enorm: Sigmund Lautenbach, sein Geschäftsführer, starrte ihn wie einen Geist an,— mit offenem Mund, aufgerissenen Augen und unfähig, ein Wort zu sagen „Nun," sagte Reisner, indem er in die Mitte des Zim- mers trat und so tat, als sei er kaum acht Tage vom Geschäft fern gewesen,»hat es Ihnen den Atem verschlagen?" Er lachte kurz auf, warf sich, die Arme über der Brust kreuzend, in einen Stuhl und sah sich flüchtig in dem Raum um. der früher jahrelang seine eigene Arbeitsstätte gewesen war.„Ich will Sie heute nicht lange aufhalten,* fuhr er fort, sich an der Bestürzung des anderen noch immer wei- dend.„Ich bin nur gekommen, um Ihnen zu zeigen, daß ich wieder da bin: gesund, munter und ungebrochen. Und um Ihnen zugleich zu sagen, daß es trotzdem meine Absicht ist, sehr bald wieder von hier wegzugehen,— und zwar für immer.* Erst jetzt fing der Geschäftsführer an, sich allmählich in die Lage zu finden. Er stammelte eine Begrüßung, von der er fteilich allzusehr fühlte, daß sie zu spät kam und daß sie Kl gezwungen klang, als daß er es noch hätte wagen dürfen, dem Mann, der unter einem sein Chef und ein ent- lassener Sträfling war, die Hand zu reichen. So half er sich damit, daß er nach einigen einleitenden Verlegenheitsworten sogleich daran ging, in knappen Um- rissen ein Bild vom Stande des Geschäftes zu entwerfen. Und das gab ihm nach und nach seine Sicherheit zurück, denn er hatte nur Erfreuliches zu berichten. Das Vermögen Reis- ners hatte sich in den verflossenen vier Iahren wesentlich vermehrt. Reisner hörte ihm aufmerksam zu. Keine Geste, kein Zug in seinem Gesicht verriet, was in ihm vorging, was er dachte. Immer hörte er die Mahnung des Alten: Zeigen Sie nie, daß Sie leiden, zeigen Sie auch nie, daß Sie sich freuen: bleiben Sie unter allen Umständen kalt! Und er sah, daß es gar nicht so schwer war, sich zu beherrschen, sich dem Einflusie der Persönlichkeit eines anderen zu entziehen und sich auf diese Weise überlegen zu zeigen, wenn man nur an die Richtigkeit des Standpunktes, den man einnahm. innerlich fest glaubte. Und daß er diesen Glauben hatte, diesen Glauben an sich selbst, das fühlte er jetzt. „Sie machten mir," nahm Reisner, nachdem der Ge- schäftsführer mit seinem Bericht zu Ende war, das Wort, „als ich vor vier Iahren von hier weggehen mußte, einen Vorschlag. Sie sprachen damals, wenn ich mich nicht irre, davon, daß Sie die Mittel besäßen, mir mein Geschäft, von dem Sie damals nicht annahmen, daß ich es würde weiter- sichren wollen, abzukaufen. Ich lehnte damals auf Anrät.n meines Anwaltes ab... Run, wie denken Sie heute dar- über?" Der Geschäftsführer war von dem Glücksfall, der sich ihm da plötzlich bot. auf das höchste überrascht.„Sie wollen... wirklich... verkaufen?" fragte er. „Ich trage mich mit dem Gedanken, jawohl." „Und Sie denken dabei... wirklich...an mich?" Reisner nahm den zitternden Unterton der Stimme wahr. Dieser heimliche Ton war ein demütiges Sichbeugen vor ihm. der, solange er über Reichtümer verfügte, auch die Macht behielt, andere von sich abhängig und sich dienstbar zu machen.„Ich denke an Sie," sagte er ruhig,„ja, gerade an Sie. Denn es ist mein Wunsch, an dem Geschäft als stiller Teilhaber auch fernerhin beteiligt zu sein, mit größeren Kapi- talien, die Ihnen, als einem Anfänger, wohl doppelt will- kommen fein werden." Er sah den Geschäftsführer voll au. Mäöchenhänöler an öer Arbeit. Eine Warnung an die Mädchenwelk des Prolelariats. Das scheußliche und verruchte Gewerbe des Mädchenhandsls macht, sich anscheinend wieder breit, um mit falschen Versprechungen unter Anwendung der verschiedensten Lockmittel arglosen Mädchen, vornehmlich jene der mind-rbemittellen Klaffen, ein entsetzliches Los zu bereiten. Unter der Vorspiegelung, daß sie Stellen als Hausangestellte, Putzmacherinnen, Hauslehrerinnen, Kontoristinnen erhalten könnten, werden sie in das besetzte Gebiet und auch' in das Saarreoier gelockt, wo sie den für die französischen schwarzen Kolonialtruppen eingerichteten Bordellen überantwortet werden. Soeben wurde ein Trupp von fünf jungen Mädchen, der nach der Pfalz gehen sollte, in Frankfurt a. M. angehalten. Nach Ver- nehmung der Mädchen und der begleitenden Frau wurden die Stellungsuchenden vor der Weiterreise gewarnt, da sie aller Wahr- scheinlichkcit nach Mädchenhändlern in die Hände gefallen seien. Die Schlcpperin wurde vorläufig auf freiem Fuße belassen, da ihr Beihilfe zum Mädchenhandel nicht einwandfrei nachgewiesen wer- den konnte. Doch hat sich die Frankfurter mit der Berliner Polizei zum Zwecke weiterer Nachforschungen in Verbindung gesetzt. Man nimmt an, daß auf diesem Wege bisher etwa 490 Mädchen ins besetzte Gebiet verschleppt worden sind. Ihr Los ist ein unsagbar schreckliches, ihr leiblicher und seelischer Untergang gewiß. Wer deshalb derartige Stellen annehmen will, sollte es stets im Einvernehmen mit seiner Organisation bin. Hetze gegen Pfarrer Hleier. Wie erinnerlich, hatte sich unser Genoffe Pfarrer Bleier seinerzeit in der Protestoersammlung der Charlottenburger Lazarettinsaffen in erfreulicher und warmherziger Weise für diese tief bedauernswerten Opfer des Weltkrieges eingesetzt. Der„Reichsbotc", das Organ der ultrakonservativen preußischen evangelischen Pfarrer, bekommt es tatsächlich fertig, darüber am 12. Juni folgendes zu schreiben: „Das Eintreten des Herrn Pfarrer Bleier für die Auf- rührer des Charlottenburger Lazaretts darf uns weiter nicht wundern. Er hat auch damals die Stirn gehabt, die Prot« st e gegen die schwarze Schmach im besetzten Gebiet zu verurteilen. Ieg- l i ch e s vaterländisches Empfinden ist diesem Herrn scheinbar völlig abhanden gekommen. Es ist aber tief bedauerlich, daß in dieser Zeit der größten Seelennot des deutschen Volkes ein der- artiger Mann als Seelsorger tätig i st.* Der letzte Satz läßt darauf schließen, daß man Pfarrer Bleier so bald wie möglich beseittgen möchte. Die Kriegsbeschädigten wer- den außerdem mit dem schändlichen Wort„Aufrührer" belegt. Darauf gibt es nur eine Antwort: Wer innerlich mit der evangelischen Kirche fertig ist, trete sofort aus. Die übrigen aber mögen dem„Reichsboten* und seinen Hinter- Männern wegen dieser Denunziation die entsprechende Antwort geben. Zufolge einem Bericht über die Kreissynode Friedrichswerder II im„Berliner Lokalanzeiger*, in dem der Fall des langen und breiten abgehandelt wurde, ist diese Synode einem Ketzergericht nicht un- ähnlich gewesen. Man kann es Bleier nicht verzeihen, daß er sich für die Charlottenburger Lazarettinsassen eingesetzt hat. Die Synode nahm folgende Entschließung an: „Die Kreissynode spricht ihr tiefftes' Bedauern darüber aus, daß der Syn. Dleier, dem, wie jedem Pfarrer, selbstverständlich die volle Freiheit seiner politischen Anschauung zusteht, in seiner außer- kirchlichen Tätigkeit das erforderliche Maß der Rücksicht auf kirch- liche Pflichten und auf die Gemeinsamkeit evangelischer Lebens- auffaffung vermissen läßt.* Der Synodalvorstand wird beauftragt, die Angelegenheit ernst- lich im Auge zu behalten._ Oeffentliche Aufzüge an Sonntagen. Der Oberpräsident hat für das Gebiet der Provinz Branden- bürg zu der Polizeioerordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage neue Bestimmungen getrossen. Danach sind öffentliche Aufzüge und Versammlungen, die nicht gottesdienstlicheu Zwecken dienen, sowie Leichenbegängnisse an Sonn- und Feiertagen während der Zeit des Hauptgottesdienstes verboten, sofern sie geeignet sind, den Gottesdienst unmittelbar zu stören.— Hoffentlich birgt der Schlußsatz nicht die Gefahr einer bureaukratischen Auslegung durch jene Herrschaften, die ein Jnter- esse daran haben, eine„unmittelbare Störung des Gottesdienstes* zu konstruieren. Der sprang auf und streckte Reisner zögernd die Hand entgegen, so, als fürchte er, dieser könne sie zurückweisen. Und Reisner schien sie in der Tat nicht zu bemerken, so daß jenem nichts anderes übrig blieb, als sie schüchtern wieder zurückzuziehen, wobei er, beschämt und unsicher, mur- melte:„Ich danke Ihnen! Ich danke Ihnen sehr!" Doch Reisner schüttelte den Kopf.„Es ist nicht nötig, daß Sie mir danken, denn das, was ich Ihnen vorschlage, ist ein nüchternes Geschäft, bei dem ich vor allem meinen eigenen Vorteil im Auge habe." Und er entwickelte dem anderen die Grundzüge, nach denen er einen Bertrag mit ihm zu schließen gewillt war. Die Bedingungen, die er stellte, waren hart und gingen bis an die äußerste Grenze dessen, was ein Gesellschafter sich bieten lassen konnte. „Wollen Sie?" fragte er, nachdem er seine Erklärungen mit einem kalten Raffinement abgegeben hatte, das dem Partner die künftige Abhängigkeit offenbar bis ins letzte Detail zum Bewußtefin zu bringen wünschte.„Wollen Sie oder wollen Sie nicht?" Zum ersten Male in seinem Leben kostete er den Genuß aus, aus einem Menschen, der sich nicht wehren konnte, das Letzte herauszupressen. Der Versuch, der völlig gelang, hinterließ ein prickelndes Gefühl der Befriedigung in ihm. Er war gleichsam ein Prüf- stein für die Kraft seines Willens, die, wenn er sie nur in der Kälte seines Herzens stählte, noch wachsen würde. Roch in der gleichen Stunde wurde der Vertrag auf- gesetzt, in zwei Exemplaren ausgefertigt und von beiden unterschrieben. Reisner steckte fein Exemplar in die Tasche, ohne daß sein Gesicht etwas anderes als Gleichgültigkeit ausgedrückt hätte.„Das wäre abgemacht," sagte er, indem er eine Ziga- rette in Brand setzte,„und wir hätten jetzt wohl Grund, uns ein wenig zu erholen." „Wie?" fragte der Geschäftsführer, der Reisner nicht verstand. Reisner blies eine dichte Rauchwolke vor sich hin und blickte ihr starr nach.„Ich meine, daß wir uns vielleicht etwas erholen könnten, indem wir ein Lokal aufsuchten.., Oder geniert es Sie, wenn man Sie mit mir sieht?" „Mich?... Aber bestimmt nicht!" lFortf. folgt.), y jui- uic v�i nut; luny uwiv- fessioneller Sammelklassen wird verlangt, daß sich soviel Kinder zu� sammenfinden, um den üblichen vrtsklassenstand zu erreichen,' Keine �erkenkarten. Zu Beginn deir großen Sommerferien wurden früher zu den gewöhnlichen Monatskarten noch besondere Ferienkarten ausgegeben, die es den Benutzern der Monatskarten ermöglich««, bis zum Schluß der großen Ferien, d. h. meist 8—14 Tage in den August hinein, Fahrten auf einer bestimmten Vorortstrecke� auszuführen� Diese Fcrientarten haben einen vollwertigen im Stadt-, Ring- i_____.. T. r,,....B.-. auch gleichzeitig die Aufhebung der früheren Ferienkarten im Be- reiche der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahn. Ferienkarten werden im Vorortverkehr von nun an nicht mehr zur Ausgabe ge langen.._ Sammelklassen. Der neue Minister für Wissenschaft Becker hat in Erkasien sein Einverständnis mit der Errichtung von Sammel- klaffen erklärt. Es soll aber an der Grundlage der Konfesfio nalität festgehalten werden. In der Regel sollen auch nur Lehrer. die dem Bekenntnisse der Schule angehören, an den Sammel klaffen unterrichten. Der Charakter der Konfessionsschule wird aber durch Einschulung eines Bruchteils Kinder anderer Konfesstonen nicht verwischt. Als unbedingte Voraussetzung für die Errichtung ton- riangt. II.'''M ...... d. � also, dort, wo stebenklassige Schulen bestehen, können auch nur siebenklassige Sammelschulen errichtet werden. Diese weltlichen Schulen können also dazu dienen, die Konfessionen zu trennen. Schüler und Lehrer sollen nämlich ein und derselben Konfession an- gehören.— Auf die Kinder, deren Eltern unter keinen Umständen eine konfessionelle Erziehung wünschen, wird also überhaupt keine Rücksicht genommen. Dculschnationale Ratkenfänger. Um im Trüben zu fischen, ver- anstalteto die Arbeitergruppe der Bezirke I und III der Deutschnationalen Volkspartei im Lessing-Gym- nasium in der Pankstraße eine öffentliche Versammlung. Ueber die Stellung der deutschnationalen Arbeiter zur Sozialdemokratie und zur Gewerkschaftsfrage hielt ein Herr M. Schmidt einen Vortrag, der den zahlreich anwesenden Genossen und Genossinnen nichts Neues zu sagen vermochte. Der Redner wurde von unserem Genosien Fuß glänzend abgeführt, der in seiner Erwiderung die klaffenden und unüberbrückbaren Gegensätze zeigte zwischen dem, was der deutschnationale Redner sagte, und was seine Partei tatsächlich leistet.— Es ist ein unerhörtes Stück, daß die Deutschnationalen es wagen, aufgeklärte Proletarier mit ihrem unklaren Geplärr einfangen zu wollen. Die Zeiten sind vorbei. königlich Ungarische tvesandkfchafk. Wolfs Telegraphen-Bureau gibt soeben ein Verzeichnis von Adresien der fremden diplomatischen Missionen in Berlin heraus. Unter ihm finden wir auch die K ö- n i g l i ch Ungarische Gesandtschaft, Corncliusstraße 8. Das ist tat- sächlich der offizielle Titel der Gesandtschaft. Nicht wahr, so schlicht, so einfach und doch so viel versprechend. Landesdarlehen zum Wiederaufbau abgebrannter Gebäude. Der preußische Wohlfahrtsminister hat sich damit einverstanden erklärt, daß auch zum Wiederaufbau abgebrannter Gebäude Landesdarlehen gewährt werden, sofern die Bekämpfung der Wohnungsnot damit verbunden ist. Auch kann in diesem Falle von einer Anrechnung der Feuerversicherungssumme auf das Landesdarlehen abgesehen werden, vorausgesetzt, daß von der Feuerversicherung der Ersatz für die rentierlichen Baukosten geleistet wird. Die Mesie für Reklame und Werbewcie» düftte für alle Aus, steiler einen guten Erfolg bedeuten, denn sie übt auf weite Verbraucher, kreise ihre Wirkung aus, und man sieht auch viele knusUislige Ausländer. Für alle Interessenten, aber auch für da? groß« Publikum, das bisher den Weg zur Messe nicht gefunden, empfiehlt es sich unbedingt, daS Berjäumte nachzuholen. Sonntag, der 2K. Juni, ist der letzte Tag der Messe. BtldnngSausschuh Krosz-Bcrlin..Der Kuhreigen' im Wallner- Theater. Eilitrittslarlcn zu 7,5' SW. find zu haben im Bureau des BczirlB« bildungSausschufics, Linden str. 3, 2. Hos, 4 Trp.. Zimmer 10.— Heut» nachmittag. Pünktlich 5'/, Uhr. im Zentraljugcndheini. Lwdenftr. S. 2. Hos, 3 Trp.: Sitzung des erweiterten Bildungsausschusses. Tagesordnung: 1. Vortrag des Malers Genossen Wilhelm Oefterle.Die Graphit'. Än den Vortrag schlichen fich experimentelle Vorführungen an. 2. Verschiedenes. Außer den Obleuten find auch die anderen Mitglieder der Kreisbildungs- ausfchüsse eingeladen. Verband VolkSgesnndheit. Donnerstag, den 23. Jnni: Führung durch Ait-Berlin. Tresspuntt 7 Uhr am Bahnhof Alexanderplatz(Gontard- straße). Führer: Genosse Rudols. JmtgsoziaNflen.«nippe Zrepkn». 7 Ahr Diskusslonsabend. Thema:„Demo. iratie oder Diktatur". Ref. Genossin Todenhagcn. Jugendheim SIsenstr. Z. ''"'"""chen Sprechstunde� Linden» s". Ref. Gen. «loch?- — Kruppe Süden. Uhr im Saal der Juristischen straße S. Thema:„Akademiker und Sozialismus". Ref. Kruppe Nculölln. 7 Uhr im Jugendheim Nogathstr. 58, Bortrag.— Gruppe Tempelhos-Mari-ndorf. 7'�. Uhr im Lnzeum Kinderhort, Germanenftraße, Vortrag:„Wie ein Buch entsteht". Ref. Gen. Bartels.— Kruppe Fried» richshaae». 714 Uhr bei Schulz, Friedrichstr. A, Bortragszuklu«:„Das Er. furter Programai".— Gruppe Friidrichshein. 7 Vi Ahr im Äonferen-1---- der Eemeindeschule Straßmannstr. 6, Bortrag:„Rechtes Wandern' Groß-Serlmer parteinachrichten. Heule, Donnerstag, den 23. Juni: t.«reis Mitte und Prenzlauer?»,. Di» Borstände der beiden«reife«nd dl« «omitces vom t. Mai: Sitzung 7 Uhr bei Wichmann, Weißenburgcr Str. 1, behufs Abrechnung vom 1. Mai. Sämtlich» Quittungen und Beleg« find mitzubringen. Morgen. Freitag, den 24. Juni: s.«reis. Friedrichshaill. Achtung! 7 Uhr in der Aula der 285. Gemeinde» schule, Litauer Str. 18. Bersammlung sämtlicher Elternbeiräte de,«reise». Bortrag:„Weltliche Schule". Zies. Gen. Lehrer«nies. Mitgliedsbuch der Partei legitimiert. Zungsozialifte». Gruppe Schöneberg-Friedenau. 7 Vi Uhr bei Riese, Bkazien- straße 1«, Literarischer Abend. Franenveranslallungen am Freitag, den 24. Juni: S.«reis. Tiergarten. 7V4 Ahr in der Patze nhofer Brauerei, Turmstraße, Ecke Stromsttaße. Thema:„Die Einheitsschule". Ref. Genossin Riedger. 1«.«-eis. Reulölln.K-itz.Buckom.Rudo-v. 7Vi Uhr Funktionärinn-nk-nseren» bei Taubel, Wcisestr. 28, Ecke Steinmetzstraße. Alle Funktwnärlnnen des «reifes müssen erscheinen. 10. Abt. Lesse nttiche Eltcraversammlung 7 Uhr I» der Schulaula Sleicheuberger Str. 181/182. Thema:„Obcrsiadtschuttat Paulseus resormpläue". Res. S-uoff« Pastor Fraucke. ichulaula � ?ugenüveranfta!tungen. Berel» Arbelter-Zugeud Grotz-Berll». Sctrctariat: RW. 40. Zu den Zelten 23. henke. Donnerstag, den 23. Juni: «arlshorft. 7 Uhr Iiigeadspiele im Freien auf dem Wagenplatz an der Rennbahn.— Lankwitz. Sendlitzstr. 6, Vortrag:„Geschichte der Arbeiterjugend- bewegung".— Riederschäneweite. Berliner Straß,, Vortrag:„Gesundheits. pflege".— Sttalauer Viertel. Schule Raglcrstr. 3, Bottrag:„Gefahren de» Äliohols�.— Schönhauser Borstadt I. Spunendurgcr Str. W, Vortrag:„Bolls» WietfthaK vi« Ledeukung de» Sleingarkenbaues tritt auf der Leipziger Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft be- sonders in Erscheinung in der Sonderausstellung des Rates der Stadt Leipzig, wo die Verhältnisse der Verbände Leipziger Garten- und Schrebervereine dargestellt sind. Die Fläche des Kleingarten- baues in Leipzig-Stadt betrug im Jahre 1833 rd. 4M(XXI Quadrat- meter, im Jahre 1S18 fast 3 Will, und im Jahre 1923 über 4)4 Mill. Quadratmeter. Auch der Obstertrag, der auf diesen kleinen Garten- flächen gewonnen wird, ist durchaus nicht unbedeutend. In 72 Ver- bandsoereinen des Leipziger Kreises mit einer Gesamtfläche von 2 474 203 Quadratmeter(11 292 Einzelgärten) standen im Sommer 1920 145 944 Obstbäume und 265 495 Beerensträucher. Der Zuwachs an Obstbäumen betrug in den 72 Derbandsoereinen feit Frühjahr 1915 15 527 Apfel-, 12 510 Birnen-, 3367 Kirschen-, 3809 Pflaumen-, 3776 Pfirsichbäume, daneben 31213 Stachelbeeren und 24 382 So- hannisbeeren. Dieser Mehranbau von 94 583 Kern-, Stein- und Beerenobstbäumen bringt vom Iah?« 1924 ab nach genauen Ertrags- fchätzungen im Durchschnitt einen jährlichen Mehrertrag von 20 900 Zentner Obst. Der Mehranbau in sämtlichen Leipziger Kleingärten beläuft sich fchätzungsweife auf 30 000 Zentner. Es handelt sich also um Erträge, die in der Volkswirtschaft durchaus mitsprechen. Daß auch die Stadt Berlin mit ihren Vororten in diesem Punkt« nicht zurücksteht, erhellt aus Angaben, die die Hauptstelle für Pflan- zenschutz der Brandenburgischen Landwirtfchastskammer dargestellt hat. Die Gesamtfläche an Kleingärten in Groß-Berlin beläuft sich auf 5732 Hektar, die Zahl der Kleingärten beträgt rund 150 000. Die Hauptstelle für Pflanzenschutz hat im Jahre 1920 in 70 Vor- trägen und zahlreichen Auskünften eine umfassende Tätigkeit ent- faltet. Die Wirksamkeit des Pflanzenarztes, wie der Leiter der Hauptstclle, Herr Dr. Ludwigs, diesen Dienst bezeichnet, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Volkswirtschaftliche Werte von außerordentlicher Höhe stehen auf dem Spiele, die durch einen richtig geleiteten Schutzdienst gerettet werden können. Ans dem Geschäftsberich» der Girozentrale der Provlnz Bron- denburg für 1920 ist eine erhebliche Fortentwicklung zu erkennen. Trotz des Ausscheidens der Groß-Berliner Gemeinden stieg die Zahl der an- geschlossenen Kommunaloerbäiche von 132 auf 156. Der Gesamt- umsatz auf einer Seite des Hauptbuches stieg von rund 23 Milliar- den auf 32 Milliarden. Zahl der Gefchäftsvorfälle 997 000(im Vor- .ahre 336 000).— Der Giroverkehr im letzten Viertel jähre er- reichte die Höhe von 1,95 Milliarden. Bei eine. Postenzahl von 242 000(im Vorjahre 161 000) stieg der Umsatz im Scheckverkehr auf 2,2 Milliarden(im Vorjahre 1,1 Milliarden).— Die Zinspokitik des Giroverbandes war daraus gerichtet, die Einlagen der Spar- und Kommunalkaflen möglichst hoch zu verzmsen, dagegen die Darlehen in einer möglichst geringen Zinsspannung auszuleihen: dies ent- spricht der gemeinnützigen Ausgabe des Verbandes. Das von den angeschlossenen Kommunalverbänden eingezahlte Betriebskapital wurde wie im Borjahre mit 4M Proz. verzinst. Die Durch» schnittsverzinsung für Guthaben im gesamten Kredit stettt« sich im vergangenen Geschäftsjahre auf 4,12 Proz. und im Debet auf 541 Prozent. Die Berwastungstosten find mit Rücksicht auf die bedeu- Millionen ab. Von der Treuhandabteilung, der die Prüfung der Kommunal- lassen der Provinz Brandenburg obliegt, wurden 102 Kassen geprüft. Außerdem wurden sieben Jahresrechnungen angeschlossener Kom- munalverbände nachgeprüft. Zum inneren und äußeren Ausbau des Brandenburgischen Giro- Verbandes wurde der technische Beirat der Brandcnburgischen Giro- zentrale ins Leben gerufen, der ein Bindeglied zwischen den Mitglied- verbänden und der Girozentrale darstellt. /tos aller Welt. Entdeckung einer Seldfälscherbande. Die Magdeburger Polizei v e r b a ft e l e fünf Personen, die sich zusammengesunden hallen, um falsche Fünfzigmarks-Veine herzustellen. Press», Platten und.eine Anzahl fertiger Scheine wurden beschlagnahmt. Gesetzliches Rauchverbot für Frauen? Im amerikanischen Repräsenlantenbauie wurde«ine Bill eingebracht, den Krauen das Rauchen bei Strafe von fünf Pfund zu verbieten. Im Wieder- holungsfalle beträgt die Strafe 25 Pfund für jede gerauchte Zigarette I Wenn eine Frau im öffentlichen Lokal raucht, unterliegt der Besitzer derselben Strase. Sport. Renueii»n Nuhleve«. 1. Rennen: 1. Erdmann(Hartseil), 2. '-" MM~-~------■"», Pl r n IM...... I PH.. PL 14, 14, 32:10. Ferner liefen: Mtrowica(4). Kammerfritz, Hoflakai, Hindenburg IL— 8. Rennen: 1. Maurice lÄ. Freundt), 2. LUiomsi 1(Hnch), 3- Erich I(Heckerti. Tot.: 23: 10, Bl. 14, 22, 18: 10. Ferner liefen: Perry K., Dr. Adolph K., Walnußkern, Mac Gregor, Mokant, Kickeline, Wagehals.— 4. Rennen: 1. Apselblöte(Großmann), 2. Journalist(I. Mills), 3. Ludmill 1 - mann. Z Sterton(Doelemann), 3. Araber(Heckert). Tot: 13: 10, Pl. 12. 12: 10. Ferner liefen: Turchbruch, Biney Bmgen.— 8. Nennen: 1. Clara Bingen kRingius), 2. Rebzweig(Jauß jr.), 3. Monarchist(Knöp. nadel). Tot: 33: 10, PI. 17, 17. 28: 10. Ferner liefen: Anton, Knscr- tnid, Aktionär, Altcnmuhlen, Handstreich, Lttomar k. W. Das Stadion-Hauptfefi dieses Jahres, das am kommenden Sonntag statt» findet, bringt die vllrgerllchen Sportverbiinde Grvß-Berlins in geschlossener Ber. tretmig. Der lebhaft« Aufschwung der Sportbewegung findet i» den großen Iahten der Teilnehmer aus allen Lagern stchtbareu Ausdruck. Da, B-Lilometer. Lausen ist mit 48 Teilnehmern besetzt, darunter zahlreiche Meldungen aus dem ■MBU'~' den Japaner Mine»(S. C. E.' ''~'»�0 Uhr. und bringt außer der Berliner«lass« auch den Japaner Minea(S. C. C.' am Start. Di» Boriiimpf« beginnen um 8 Uhr, hie H-upttämpfe i-—— flrbetter�ort. Ein Turn- und Sportfest verbunden mit Straßenlauf heranstaltet die Frei» Turner- fchaft Schöneberg-Berlin(MitaL d. A.-T.» u. Sp.-B.t am Sonntag auf dem Sportplatz Am Urban im Süden Berlins. Dt» Teilnehmer marschieren im Feitzng unter Varantritt der Arbeitermufiter von der Turnhalle Loeckhltr. 17)20 nach dem Sportplatz. dort Konzert Aus dem Programm:'''' etlspicl des ganzen Vereins. Paar. lausen. Anfang 3 Uhr nachmittags. Eintritt einschließlich Programm 1 M. Das umfangreiche und vielseitige Programm wird alle Freunde des sArbeitersports interesfieren und es wird um zahlreichen Besuch der Arbeiter- chast besonders der Jugend, gebeten. 400 Arbeitersportler als Gäste Prag?. Zvm tschechischen Arbeitersportsest werden am Freitag abend etwa 400 Mitglieder des Verbandes der Arbeiter-Tnru- und Sport- vereine Deutschlands in Prag als Gäste erwartet. Di«„F»«ie Turu-rsch-st Eharlottcubueg", Fußball. Abt-iluaa. ,.ranst-I!«t am Souuadend, de» 25. Juni, abend» Vtz7 Uhr, auf ihrem in Ehgrlattenburg, «epkttstraße, nahe Bahnhos Jungsernheide g«Iegenen Sporwlatz ein Fußball. Wettspiel gegen den Spandaucp Sporttlub„Rapide". Da beide Btauustbaflea als sehr spielstark gelten, ist interessanter Sport zu«nvartttl und der Besuch sehr zu»«psehlen. Borhip Spiel der 2. Mannschaft«». Srieftasten der Redaktion. Schriftliche AuStuuft wird nicht erteilt. W. N. 225. 1. Meines Srachtens, unseres Erachtenz. 2. LLßt sich gar nicht �UUMUMW""«08»" Erachte WW feststellen.— F. S. 25. Au» Ihrer Anfrage geht nicht hervor, was sür ein llmlageoerfahren gemeint ist. od Beitrag« für eine« bestimmten Zweck oder bergt »»- J f pplfomn TSlhlpffPH 8®,,r bÄ,u*" � Cebpauch, um geistig ILvi'MCI I Ill'IaUICUCi! und körperlich Ueberarbeitefte, (Ssschwöchte kraftigen und di« Nervenkraft» erhöhen. Preis». g- in ipoliieken. SpttUmattt, Eck- 3 Alexanderplatz, »oh««schin ge, Warenhaus Jandori w m*, }cx Sttaßc Leipziger Str. 113« Eck« iTauwfliaje Ctoffhüßc 1. Ecke Betedow« Straß« sriedrichftr. 1« Eck« Leipziger leipziger Sic. 1 N SchStchavfcr Allee 8t am Bdi. Nordruig Friedrichstr. 10b. Ecke Zieyelstraß« Javalidevstr. 164, Ecke Brunnenktroße ZnvaNdenstr. 117, am Stettiner Vhj. Chauffeestr. 72. »ah- MUllerstrahe 0 ?r im iwumBBa5sssF™�-****m™'~*m~*m****m-—m~T~'mmrrmrTmrTriTwiwTWwmmrmTmrnTrmwmnm vonaerstag, SZ.�unk 1921 Das Urteil im Hölz-proZeK. Nach anderthalbwöchiger Dauer ging gestern In Moabit das Drama zu Ende, in dessen Mittelpunkt der hauptsächlich des Hoch- verrats und des Mordes angeklagte Max 5) ö l z stand. Die Plaidoyers des Staatsanwalts und der drei Verteidiger und die Rede des Angeklagten selber, die den Schlußakt bildeten, nahmen zusammen 6% Stunden(von 1 Uhr mittags bis H8 Uhr abends) in Anspruch. Der Anklagevertreter, der eine echte Staatsanwalts- rede hielt, mußte natürlich die politische Seite der Dölzschen Aktion eingehend erörtern, wobei er mit seinen gänzlich unzureichen- den Mitteln auch den Versuch einer Widerlegung des Kommunis» raus unternahm. Als erwiesen sah er nicht nur den Hochverrat an, den Holz nie bestritten hat, sondern auch die Ermordung des Heß, an der teilgenommen zu haben Hölz aufs entschiedenste in Abrede stellt. Gegen Hölz, den er als gemeinen Verbrecher be- trachtet wissen wollte, beantragte er Zuchthaus auf Lebenszeit und die Todesstrafe sowie Ehrverlust. Die drei Verteidiger wandten sich hauptsächlich gegen die Ausführungen des Staatsanwalts bezüglich des Mordes und bekämpften scharf die Charakterisierung des Ange- Nagten als eines mit Zuchthaus und Ehrverlust zu bestrafenden Ber- brechers. Sie bemühten sich, nicht nur die Hölzsche Aktion als be- rschtigt nachzuweisen, sondern auch von dem Menschen Hölz ein günstigeres Bild zu entwerfen. Don dem Angeklagten rmp- fing man bei seinen eigenen Ausführungen einen sympathischeren Eindruck, als er ihn während der Verhandlung durch seine unnötig rüpelhaften Ausfälle erweckt hatte. Man muß ihm glauben, daß er an sich und die von ihm vertretene Sache geglaubt hat. » In der Nachmittagssitzung wurden zunächst die S ch i e ß s a ch- verständigen Büchsenmacher Barella und Dr. Artur Schle- singer vernommen, die aber nicht entscheiden konnten, ob Guts- besiher Heß durch Gewehr- oder Pistolenschüsse getötet wurde. Die plaiöopers. Hierauf wurde die Beweisaufnahme geschlossen und Staatsanwalt Dr. Jäger ergriff das Wort zu seinem Plaidoyer. Der Staatsanwalt führte u. a. aus: Der Angeklagte gibt zu, daß es fein Ziel war, die Diktatur des Proletariats aufzurichten. Er gibt auch zu, der militärische Leiter gewesen zu sein. Zwar hat er es so dargestellt, als ob sein Vorgehen nicht ein Augriff gegen die Bourgeoisie und gegen die Derfassung, sondern nur ein Notwehr- kämpf der Ardeiter gegen die Bourgeoisie war. Durch die Tat- fachen ist dies aber widerlegt worden. Eine Kampfparole war der Hörsingsche Erlaß, dessen Zweck war, die Ordnung und Ruhe wieder herzustellen. Darum erfolgt« die Entsendung der Sipo. Diese war dann die Veranlassung, gegen die Bourgeoisie und den Staat zu kämpfen. Vernünftig denkende Arbeiter nahmen an der Sipo keinen Anstoß. Als die Vsrhältnisie dann kritischer wurden, «schien der Angeklagte auf der Bildflöche und nun nahm die Be- wegung eine andere Bahn, indem er sie militärisch organisiert«. Es «folgten die bekannten blutrünstigen Aufrufe zum General» streik, doch hatten diese programmatischen Erklärungen nicht den ge» wünschten Erfolg und nun griff der Angeklagte zu anderen Mitteln, bei denen die Straftaten des Hölz einsetzten. Der Staatsanwalt schildert dann, wie der Angeklagte die Arbetter durch Drohun» gen zur Arbeitseinstellung auf den Schächten zwang und wie er sie«inreihte in die Rot« Arme«. Hölz. so fährt« fort, hielt dann in der weiteren Entwicklung de« Aufftande» hetzerisch« Reden, in denen er aufforderte, zu plündern und gegen die Sipo vorzugehen. Hölz bestreitet dies, es ist ab« erwiesen, wie in Eis- leben und Mansfeld feine Leute die Parole befolgten. Davon, daß leine Aufrufe nur eine Drohung fein sollten, kann keine Rede sein, denn die Tatsachen sprechen dagegen. Daß sie kein« Phrasen enthielten, zeigen die Sprengungen in Eisleben. Hölz sagt, er sei kein gemeiner Verbrecher und nur politischer Vergehen schuldig. Die Politik des Angeklagten ist aber verbrecherisch zu nennen. Wes Geistes Kind er ist, und daß man nicht im geringsten Milde walten lassen kann, zeigt ein Dorfall in Eisleben. Der Angeklagte übte dabei eine volksZustlz. wie sie noch nie geschehen ist. Rur auf den Verdacht hin, daß ein Polizeiwachtmeister auf Leute geschossen hoben sollte, wurde nicht etwa besten Wohnung, sondern die eines ganz unschuldigen Mannes, des Stadtsekretärs Nehls, angezündet. Ein solches Derfabren verstößt nicht nur gegen alles Ge« fttz, sondern es zeigt auch, daß der Kommunismus ein Unsinn in sich itt. Getroffen werden sollte die Bourgeoiste, in Wirklichkeit ober d« Mittelstand, denn die entstandenen Schäden muß die All- gemeinheit tragen. Damit sind die Hölzschen Theorien widerlegt. Es ist auch kein Zweifel, daß der Angeklagie den Bürgerkrieg nicht mit Milde geführt hat, wenn auch gewiste Fälle Milde zeigen. D i e Behandlung der Gefangenen spricht hier deutlich genug. D« Staatsanwalt kommt dann auf die übrigen Straftaten des Hölz zu sprechen, die den Hochverrat betreffen. Hölz. so fuhr er fort, griff, um die Bourgeoiste gefügig zu machen, zu bald schwereren, bald leichteren Mitteln. Seine einfachsten Mittel waren die b r u- tolen Mißhandlungen der Leute. Dann kommen die Fälle der Todesdrohungen gegenüber ds, Gefangenen. Er will die Drohungen nicht ernstlich gemeint haben. Dann hat er die Ge- sangenen aufs grausamst« verspottet nnd sie in die grausamste Todesangst versetzt. Da» ist ein Zug einer Grausamkeit, vie fast an Perversität grenzt, und«m Zeichen niedriger Gesinnung. Hölz ist auch der moralische Mörder des Pastor» Müll« und de» Matrosen Kuhn. Keine Freiheitsberaubung waren nur das Mittel, die Fundierung feiner Kriegsführung durch Gelderprestungen an den Festgenomme- nen zu«reichen. Der Staatsanwalt erörtert die einzelnen Fälle der versuchten und vollendeten Erprestungen und sucht zu beweisen, daß auch hier das Vorgehen des Hölz teilweise sinnlos war. Hölz ist verantwortlich für die Plünderungen der Roten Arme«, zu denen es kommen mußte, da sie keine Mittel hatte. Alle Delikte sind ge- meiner Natur. Daß sie eine politische Note enthalten, ist nicht zu bezweifeln. Man darf ober nicht, weil man politische Zwecke nicht anders erreichen kann, zu gemeinen Mittein greifen. Der politische Kanipf muß eben in auderer Weise geführt werden. Die Art seiner Führung zeigt, daß die Idee falsch ist. Wenn die Idee richtig wäre, dann würde sie stärker als Dynamit wirken, dann setzt sie sich durch und es kann nicht gegen sie gekämpft werden. Solange die Mehrheit bei uns anders denkt, hat niemand ein Recht, sie zu einer anderen Meinung zu zwingen. Es liegt also Hochverrat vor. Das Strafmaß kann bei einem Hochperrat, der mit so gemalt- samen Mitteln einer Mehrheit gegenüber begangen wurde und selbst von einem großen Teil der Kommunistischen Partei verurteilt wird, nicht zweifelhaft sein. Es gibt hier nur die eine Strafe: daß Hölz als Gemeinschadling in Deutschland zu lebenslänglichem Zuchthaus und dauerndem Ehrverlust verurteilt wird. Hi«auf wendete sich der Staatsanwalt den Anklagefällen des v e r- suchten Mordes zu. Der Fall des Kaufmanns Hildebrandt zeige, daß Hölz grundlos geschosten hat. Hölz war ein überlegender Mensch, dem jedoch in gewissen Momenten das Temperament durch- geht, so daß er nicht weiß, was er tut. Seine Nerven haben auch im Krieg gelitten, und nach dem ärztlichen Gutachten ist er nicht voll- wertig, deshalb bin ich der Ansicht, daß sich der Fall Hildebrandt nicht als versuchter Mord, sondern nur als versuchte Tötung charakterisiert. Er beweist aber, daß Hölz leicht mit der Waffe bei der Hand ist und dies ist wesentlich. Für die Beurteilung des Fol- l e s H e h ist mit oller Entschiedenheit die Frage und) Mord zu bejahen. wenn mich allerdings dabei allerlei Umstände zu beachten sind. Hölz selbst hat mich auf den einen Umstand aufmerksam gemacht, indem « sagte, Frau Heß habe mir gegenüber eine andere Aussage als an Gerichtsstell« gemacht. Auf diese erste Aussage mir gegenüber würde ich auch die Anklage wegen Morde's nicht stützen. Frau Heß hat jedoch vor dem Kriminalkommissar dasselbe bekundet, was sie jetzt hier aussagte, und darum bin ich der Meinung, daß ihre letzte Aussage auf Wahrheit beruht. Ihre Aussage wird auch durch den Zeugen U e b e unterstützt, der nicht unglaub- würdig sein kann, weil er belastend gegen den'Angeklagten aussagt. Dieser Zeuge rr'rd nicht so gemein sein, Hölz der Todesstrake zu- führen zu wollen. Die Tat von Hölz qualifiziert sich also als Mord. Es liegt ein heimkückiicher Meuchelmord vor, deswegen beantrage ich insgesamt gegen den Angeklaglen wegen versucht« Tällang nnd Mordes in Tateinheit nnd Hochverrat die Todesstrafe und dauernden Verlust der Ehrenrechte. vie verisiüigung. Als erster der drei Verteidiger sprach Rechtsanwalt Hexe- wisch. Cell«. Er schilderte einleitend das Vorleben des Angeklagten und ging in längeren Ausführungen auf die Vorgeschichte des Mtttel« deutschen Aufftandes ein. Hölz habe nicht aus Brutalität oder Zer- störungslust, sondern nur aus revolutionärem Drang gehandelt. Dos Material im Falle Heß sei so dürfttg. daß Hölz weder des Mordes. noch des Totschlages, noch der Anstiftung zu beiden schuldig ge- sprochen w«den könne. Für dos D«brechen des Hochverrates käme Zuchthaus nur bei ehrloser Gesinnung in Betracht, das fei bei Hölz ab« nicht d« Fall. Ein Zuchthausurteil würde den schar- fen Widerspruch der großen Zahl der Arbeiter- schaft hervorrufen. In diesem Zusammenhang wies der Vertei- big« auf die morgige Demonstration der VKPD. und KAPD. zu- gunsten Hölz und aller politischen Gefangenen hin. Iustizrot Dr o h führte aus, nicht Hölz, sondern das deutsche Proletariat sitze hi« auf der Ank'agebank. Hölz sei ein Heerführer einer Roten Armee. Wenn Hölz ein Räuberhauvimann sei, dann gelt: dies auch für Florian Geyer, Götz v. B e r l i ch i n g e n und Eromwell. Wäre Hölz als Sieger eingezogen, dann wurde ihm die ganze Welt recht geben. Sein Idealismus oerdiene die Achtung seiner Feinde und Freunde. Hölz habe immer in den vordersten Reihen mitgekämpft und stände infolgedessen höher als Liebknecht und Luxemburg, als Lenin und T r o tz k i, die immer nur andere hätten kämpfen lassen. In stundenlängen Ausführungen wandte sich Iustizrat Broh gegen die Mordanklage im Falle Heß, um dann mit den Worten zu schließen:„Es wird sich zeigen, ob es den O r g e f ch l e u t e n gelingen wird, bier ein edles W i l d zur Strecke zu bringen. Wenn Sie hier einen Justizmord begehen, dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn sich die Verhält- niste in Deutschland immer mehr zuspitzen/ Auch der dritte Verteidiger, Iustizrat Viktor Fränkl, wandte sich gegen die Mordanklage und bat zum Schluß da« Gericht, dem Angeklagten Hölz nicht ideale Motive zu versagen, die es dem Kommunistenführer Brandler-uae''"<'men habe. Hölz stehe Brandler an idealistischer Gesinnung zum mindesten gleich, an Mut stände er hunderttausendfach höher. Das Schlußwort öes Angeklagten. Dann hielt der Angeklagte sein Schlußwort. Hölz: Hoch- ansehnlicher, hochehrwürdiger Ausnahmegerichtshof. Vorsitzen» der(scharf unterbrechend): Hölz, wenn Sie uns hier beleidigen wollen, dann entziehe ich Ihnen sofort das Wort. Hölz: Ob Sie mir das Wort z» Anfang, in der Mitte oder am Ende der Verhandlung entziehen, das ist doch Jacke wie Hose. Ich rede so lange, wie Sie mich reden lasten, und was ich will und was ich empfinde. Ich red» nicht, um mich zu verteidigen, denn dann müßte ich mich ja schuldig fühlen. Ick) fühle mich aber nicht schuldig, am allerwenigsten vor einem bürgerlichen Gericht, dos ich nicht an«- kenne. Zur Anklagerede des Staatsanwalts will ich mich gor nicht äußern. Dos war eine Leichenrede für die bürgerliche Klaste, von der er angestellt ist und von der er sich fein Honorar holen mag. Auch zu den Ausführungen meiner Verteidiger will ich nichts sagen. Meine Berteidiger sind mir wohl im geistigen Sinne über- legen, in praktisch revolutionärer Hinsicht stecke ich sie alle drei in die Tasche. Sie verbandeln also hier gegen eine menschliche Bestie. Ich will Ihnen diese Bestie mal sezieren. Hölz entwirft dann ein bis in die Einzelheiten gehendes Bild seiner Jugend, seiner Um- gebung und seines Lebenslaufs bis zu seinem Eintritt in die poli- tische Bewegung. Im Laufe der letzten zwei Jahre, so führt der Angeklagte dann weiter aus, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß die Revolution kommt, nicht weil wir sie wollen und wünschen, sondern weif sie bedingt ist durch die historische Entwicklung. Wir können eine Revolution nicht machen, sondern nur fördern. Ich halte mich nur für einen einfachen Soldaten dieser Reoo- lution. Ich bin überzeugt, daß die Revolution kommt, weil sie kommen muß, wenn sich auch die Arbeit« gegen die Revolution er- klären. In langer bunter Erzählung berichtet dann der Angeklagte über seine Irrfahrten im Lande. In langatmigen Ausführungen schildert der Angeklagte die Vorgänge im Bogtlande und kommt dann auf die M ä r z a k t i o n dieses Jahres zu sprechen. Er selbst habe damals in Mitteldeutschland den bewaffneten Kampf organisiert und geführt, und zwar in der Erkenntnis, daß d« Gedanke der Be, freiung des Proletariats nicht ohne Gewalt in die Tat umgesetzr werden könnte. Hölz erNärt dann ferner, daß die Arbeiter noch keinen einzigen Monarchen oder FührerderRechts- Parteien ermordet hätten, während die bürgerliche Gesellschaft Tausende von Morden auf dem Gewissen hätte. Vors. Das ist doch alles nicht Gegenstand der Verhandlung. Hölz: Ja, das wollen Sie nicht hören. Nicht ich bin der Angeklagte, sondern die bürgerliche Gesellschaft. Mit Ihrem Urteil über Max Hölz treffen Sie nicht mich, sondern sich selbst. Durch diesen Prozeß haben Sie mehr für die Revolution getan als ich in meiner ganzen Tätigkeit. Ich vertrete alle meine Taten, sprechen Sie ruhig Ihr Todesurteil und vollstrecken Sie es. Sie können Max Hölz richten, aber nicht den Geist. Sie schlagen ein Holz ab und es stehen tausend Hölzer dafür auf. Unter diesen werden sich aber eiserne befinden, die nicht mit Ohrfeigen Revolution machen, sondern mit anderen Dingen. Dos Proletariat wird ohne Waffen kämpfen, mit Fäusten und Händen wird es seine Gegnerschaft zerfleischen. Die sogen. Novemberrevolution war nur eine Episode. Die kommende deuische Revolution wird alle Revolutionen an Grausamkeit übertreffen, nicht weil da» Proletariat grausam ist, sondern weil die Bourgeoisie gegen das Proletariat grausam vorgeht. Es wird deshalb der Tag kommen, an dem das revolutionäre Proletariat zum Tder wird. Ich betrachte das heutige Urteil als ein Schulexamen. Wenn Sie mich freisprechen, was ich mir natürlich nicht einbilde, aber ge- setzt den Fall, Sie täten es, dann würde es morgen vier Tote geben. drei Richter und einen Angeklagten. Sie müßten sich aufhängen. weil Sie sich vor Ihren eigenen Klastengenosten nicht mehr sehen lassen dürften, und i ch müßte mich hängen, weil ich mich vor dem revolutionären Proletariat schämen müßte. Zehn Jahre Zuchthaus bedeuten für Mick) Zensur 4, lebenslängliches Zuchthaus Zensur 1, also eine gute Zensur. Verurteilen Sie mich aber zum Tode, dann erhalte ich Z e n s u r 1a, die allerbeste, denn dann beweisen Sie den revolutionären Klassen der Welt, daß ein wirklich« Revolutionär sein Klassenbewußtsein mit dem Tode besiegelt hat. Ich habe nie eine sogenannte bürgerliche Ehre besessen. Sie de- deute? sür mich: Manuele im Auge, voller Bauch und hohler Kopf, für mich gibt es nur eine proletarisd>e Ehre. Es wäre für mich eine Acleidiguna, wenn Sie mir die bürgerliche Ehre nicht ab« sprechen würden. Als der Angeklagte in diesem Sinne immer weiter spricht, unterbricht ihn der Vorsitzende mit dem Bemerken, daß da» alles nicht zur Sache gehöre. Hölz kümmert sich jedoch nicht darum. sondern spricht ruhig wetter, ohne auch nur bei den Worten inne- zuhatten. V or s.: Ich entziehe Ihnen das wort. (Der Gerichtshof verläßt den Saal und begibt sich ins Beratung»- zimmer.) Hölz(laut schreiend): Ihr könnt das Wort»«bieten, Ihr tötet nicht den Geist.— Vors.(der noch einmal in den Saal zurückkommt): Der Angeklagte ist einstweilen abzuführen.— Hölz (schreiend): Es lebe die Gegenrevoluttonl Der Angeklagte wird abgeführt. Das Urteil. Nach einstündig« Veratung verkündet der Vorsitzende Cond- gerlchksrat Braun um%9 Uhr das Urteil dahin: Das Gericht ver- urteilt den Angeklagten wegen Hochverrats in Tateinheit mit Tot- schlag und versuchtem Toffd)lag und wegen Verbrechens gegen das Spreugstofsgeseh s„wie der übrigen zahlreichen Verbrechen zu lebenslänglichem Zuchthans nnd dauerndem Ehr- vertust. In der Urteilsbegründung heißt es: Der Angeklagte hat nach der Beweisaufnahme zahlreiche Bestimmungen des Strafgesetzbuches verletzt und sich des Hochoerrats schuldig gemacht. Was die Haupt- schuldfrage betrifft, ob er einen Mord begangen hat. so steht fest. daß er an der Tätung des Gutsbesitzers Heß sich beteiligt hat. Das Gericht ist zu dieser Ueberzeugimg gekommen auf Grund der Aus- sagen des Zeugen Uebe, der Frau Heß und des Zeugen Keller, dem er«zählt hat:„wir haben Heß erschossen�, ferner auf Grund der Aussage des Zeugen Baetze, dem er gesagt hat: Ich kommandierte „Um" und da war der Mann erledigt. Das Gericht hat aber dos Moment der Ueberlegung verneint, weil es nicht über- zeugt war, daß der Angeklagte mit ruhiger, kalter Ueberlegung gehandelt hat und den Grundsatz: in dubia pro reo anwenden mußte. Es liegt also nur Totschlag vor. Vorsitzender: Ich schließe die Sitzung. Hölz(laut schreiend): Es kommt der Tag der Freiheit und der Rache. Sie sind die Zuhälter der Justiz. Die Justiz ist eine Hure! Bors.: Der Angeklagte ist abzuführen. Hölz: Ihr könnt das Wort verbieten. Ihr tötet nicht den Geist. Es kommt zu einer erregten Szene zwischen dem Gefan- genenwärt« und dem Verteidiger Justizrat Fränkl. Letzterer be- hauptet, daß der Wärter den A n g e k t a g t e n. um ihn am Weiter. reden zu verhindern, geschlagen habe. Wettere Auseinander- setzungen werden dadurch beendet, daß eine Anzahl van Schutzpolizei- beamten Hölz, der anscheinend noch weiter reden wollte, in die Mitte nahmen und ihn durch die Tür aus der Anklagebank heraus- drängten. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Jäger, Rechtsanwatt Hegewisch und Iustizrot Broh begleiteten Hölz bis zu seiner Zelle. SdlfoM-AmsT�feciisf dauert fort! ceaicfe \bam lÖJii'ieldlosi'Scide lauentÄienrtr.SO* Leip�igerctr.04� (A fjheater.McEitsp! eSe etc."! Wlmmwii.................... OiWiBABrrt-ai»»ioaa3c/,: Potasch u. Perlmutter Kammerspiele Vit'. Zwei glückliche Taxe Frtg.»: Frühlings Erwachen Gr. Schaaspielhans (Karlstra3e> VI,-. Die WeberfAuß.Abonn.) Frtg.?>/, Uhr; Die Weber (Autter Abonnement) Theater 1. d. KGnlggrätzer Str. Täglich 7.30 Uhr: Mit dem Feuer spielen s uhr: Sataus Maske Vi>»i>l»ttv Leimitz Johanne« Riemann Faul Bildt Berliner Theater Allabendlich 7.30 Uhr. DAS Ralph Artur Roberts, Else Müller, Uschi Elleot, Her. bert Kipcr, Paul Rchkopt Konißfllonhana 7.30= Der blonde Engel Central-Tlteatei 8 uhr; Jlonka Dentarhes Openihaiia 7 Uhr: Tosca Prledr. Wilhelm■t.Th, vl'Jk Kleine ans der Hölle Kl. Sr.hanapielliaua t/, uhr: Reigen Klclnea Theater TV« Uhr: Olga Limburg in Nur ein Traum Lustnpielhiiua T1/. Uhr: Arnold Rlcck In Die spanische Fllexe Metropol-Thenter um' Die blaue Maznr Mencs Operettentheat. 7'/.uhr American-Girl h'eneH Volküthcatcr 7 uhr: Die Lokalbaho Resldenu-Theater vi, Uhr Mas Adalbert In Ab dafür! Behlllei-Vheat.Chapl. � Ranli der Sahlnerinnen Schloßpark- Theat. Steglitz, SchloßstraiSe 4S 7>/.u.; Der HanglerbahnSio! Thalla-XUeater t«, uhr Mascottchen Th.amNollen/, Uhr: Der liebe Onkel : Der Vetter ans Diagsda Theater de» Weaten« VZ\ Morgen wieder lastik! Trlanon-Theater B LadyWlndermersFöelier Th.l.d.Kommandanicnstr. 7'/. uhr Die goldene Freliieit Wallncr-Theater 7 ,. uhr Der Kuhreigen TValhalla-Theater Jh?:Scheldnngsreise Komisehe 6per Opernspielzeit Täglich Wi Uhr M-Wükikerg Ooer von Pacchierotti Ste. 3V,: Der Barbier v. Serilla sr WodiaSehmalben nisten Folies Gaprice Llnienstr. lüiamOranienbg.T. Täglich 8 Uhr: Scliiafzininiernelieiinnis und l.lobe en jgros mit Ferd. Qrünecker. Volksbuhne Theater am ßülowplatz, uhrWaiiensteinsTod Lessing-Theater Allabendlich 7'/, Uhr: vis Balleriflä dss Königs (Konstantin, Götz) Deutseiies Künstler-Theater tv, uhr. Geständnis Ralph, Korll, Otto J Die große_ laslaimäs-Seta W Tip Burrah! Ueber 150 Mitwirk. 1 mit dem bekannten Wiiheiin Hartstein I Albert Paullg Heinz Sarnow Erna Albert! Else Schloicka I Orig.-Pferderennen I BerlinerPraler Kastanien-Allee 7—9 Tigl ich V,S Uhr: :s Variete:: Wenn Engel streiken! Operette In 3 Akten HelehshalL-Theater Stettiner Sänger Anfang 7l/,Uhr Dönholl-Brettl n Varletö» Saal u. Garten Tb. a. Kottbuser Tor Tel Morifzpl. 16077 Tägl. VI, Uhr; Elite-Sänger — 10 Herren I— Wlta! Komik I Urkom. Typen! Qrödt. Lacherfolg Vorvk.lI-lV9,4-6 U. Rauchen gestattet: Behreastraß, 64 Präzis Vi, Uhr: Internat. Damen-Boxkämpfe und der unübertrefflich« ��lun���lelplon�� «Idtnirals falast T'/.Uhr: Abrakadabra < Schloßbrauerei> Schöneberg Hauptstraße 112—113 Täglich; Große Internationale �Ring kämpfe y Schau-Borg 1 1 Känlggrätzer Straße 12).| 8 /, Uhr; Heute letzter Tag ieristderVater?! I Ab morgen: Premiere f iKriegsgourfnnier Ab/ l hr. PIlfnwrofrratnjn Sä o K Regelmäßige Abfahrien W i BREMEN- l«W90M(l m m LZ Vorzügliche Reisegelegenholt mit don«9i*ÖSt zu Tagespreisen Motaiischmelzworke, Waldemarstr. 74. Telephon Moritzplatz 9055 MsFllifto.fs und w.mmm BEBLfM'18.-26.JÜN! FBIEDBICHSTR. 110-112 (EUEMAL.PASSAGEKAU FUAUS) Liebevoll« Auskunft, Untersuchung, PrivataufnaHme. 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I II. Dia Hochkonjunktur nach Kriegsende./ III. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise./ Wirtschaftskrise und Kinkommenverteilung. I Die Zerstückelung des Weltmarktes, j Die Ausdehnung der Krise und die Arbeitslosigkeit./ IV. Die Lebenshaltung der Arbeiterschaft seit Kriegs- ausbrach./ 1. Deutschland und die mitteleuropäischen Staaten. 12. Die Ententel&nder./ V. Die Arbeitsleistung seit Kriegsbeginn./ VI. Konsolidierung oder Verfall des enro- päischon Kapitalismus. J VII. Es gibt keinen Ausweg. I VIII. Vom kommenden Weltkrieg. 72 Seiten Zu beziehen durch die Preis M. 1,90 Verlagsbochhanillung Carl Hoym Nachf. Louis Galmbley Hamburg 11 3560b* ''J- p'** Z'T.•.- jC1' 7 Verkäufe Nähmaschinen, Teil Hahn, Prenzlauerstr. i Drabtzatmgeflechte für Wieder. vertäuter äußerst dtllig. Knoth, Krüner Weg lt. 59/12- Warum 1000 Mark für einen Anzuz? Bei Bürger, Reichen- bergerstr. 159, vorn II, kaufen Sie feinste Anzüge, Riafi ver- arbeitet, zu bedeutend dilli- geren Preisen. 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Ehre ihrem«»denke»! RegeBeteMgung erroariet Die Orizverwaltnng. Fort mit Korlt Stiefeln I PfisSffcl fifi» an*40«r Boinverkiirsung, leVzICIZrll Alu» Bein- oder Fußdeformation dann besnehen Sie in Ihrem eigensten Interesse nnseren Vertreter, Herrn iCfpnlbnmriri Sonnabend, den 25. Juni, von 8-6 Uhr . Uli ClfiUff jIU Sonntag, den 26. Juni, von 9-3 Uhr in Berlin, Hotel„Stuttgarter Hof, ÄnhaitstraBeB. Durch Gerlachs Exter.sions-Prothesu, die nur durch uns«achgeiräB angefertigt wird, ist Beinverkttrzung unsichtbar. Gang elastisch, natürlich, bequem und leicht, ebenso ist durch unsere Prothese jeder Ladenschuh, auch Halbschuh verwendbar. Auf Wunsch erfolgt Besuch und ist derselbe ■wie die Unterredung im Hotel kostenlos nnd unverbindlich, dieserhalb wende man sich direkt an nnseren Vertreter. Extension-Gor Bach Frankfnrt n. H.-Eachenhelm Fabrik Orthopäd. Apparate rein individ. Art ' innere u. aeoeie, weiiwa ei.oiH- 1 ffUiuuDuvisviz reich behandelt in unserem Künstl. 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Es handelt stch diesmal um die wirklich günstigste Einkaufsmöglichkeit, da flch bei diesem Gbjekt Wagen befinden, bei denen die Keparaturkosten nnr noch ganz minimal find. So bietet fich diesmal für Händler und Keparaturwerkstätten und Zelesov: tageM Wiugall fit. 164 eine günstige Gelegenheit, mit den geringen Mitteln von wenigen tausend Mark Last- oder Personen- wagen zu erwerben, die nach Jertigstellung de? Reparatur entweder außerordentlich vorteilhast für den eigenen Sedarf find oder auch vorzügliche Handelsobjekte darstellen, welche mit gutem Gewinn jederzeit unterzubringen find.— Sestchtigung am Mittwoch, den 29., und am Donnerstag, den 30. Juni, von 7 Uhr morgens an. 500 M. Sietekautisn, die nach der fluktion verrechnet oder zurückgezahlt werden, müssen an der Kasse deponiert werden. Zahlung auch durch Scheck gestattet.)luf die Versteigerun gs- preise erhalten legitime Händler, damit diesen Gelegenheit geboten wird» für ihre Kunden zu steigern, 10 Prozent Rabatt, verstelgerungsliste wird auf Wunsch zugesandt. «Sl MWk. Ml SS lt. M WMwsW 6«SS wirth über sein Steuerprogramm. Die gestrige Sitzung des Reparationsausschusses des Reichs- wirtschaftsrats wurde durch eine Rede des Reichskanzlers Dr. W i r t h eröffnet über die Frage der Deckung der aus dem Ultimatum er- wachsenden Verpflichtungen. Der Reichskanzler wies zu Deginn seiner Rede auf die Schwierigkeiten hin, die sich bei der Herstellung der neuen Gesetzentwürfe dadurch ergeben, daß eine ganze Reihe von Instanzen an der Gestaltung mitarbeiten wollen. Als schwerste Aufgabe der Reichsfinanzoerwaitung bezeichnete er die Lösung der Frage, wie neben einer gewaltigen Belastung des Konsums, etwa durch einen Ausbau der Umsatzsteuer, auch der Vesih in hohem Maße zu den Lasten herangezogen werden kann. Hierfür kommt entweder eine Umformung des Reichsnolopfergesehes oder ein Ausbau der Reichsoermögensteuer in Frage, worüber zurzeit Erwägungen im Reichssinanzministerium im Gange sind. Es ist wahrscheinlich, daß dem Reichswirtschaftsrot darüber schon in der nächsten Woche ge- naue Mittellung gemacht wird. Ohne schon ein abschließendes Pro- gramm für die gesamte Deckung zu geben, schilderte der Reichskanzler die Gesetzentwürfe, die zurzeit in Arbeit und bis zu einem gewissen Abschluß schon gelangt sind. Genannt wurden die Zuckersleuer, die Einführung des Süßstoffmonopols. die Aenderung des Brannlwein- monopols, die neue Sörperschaftssteuer, die Rennweklsteuer, Leuchl- mittelsteuer. Zündwarensleuer. Tabaksteuer, Viersteuer und Mineral- wassersteuer. Die Entwürfe sind sämllich im Kabinett genehmigt. Geplant sind ferner eine Sapitalverkchrssteuer, Versicherungssteuer. Amsahsieuer und Sraflfahrzeugsteuer, deren Vorarbeiten soweit ge. diehen sind, daß das Kabinett demnächst darüber beraten kann. Eine Erhöhung der Zölle auf Sassee, Tee, Kakao und fertige Erzeugnisse ist vorgesehen. Besprochen wird zurzeit die Frage der Erhöhung der Kohlensteuer, deren wirtschaftlichen Folgen eingehend vorher geprüft werden müssen. Der Reichskanzler gab zu den genannten Steuern kurze Angaben über die erwarteten Erträge und den aus allen er- warteten Gesamtertrag, die jedoch für vertraulich erklärt wurden. Er sagte aber zu. am Mittwoch, den 29. d. M.«ine umfassende Dar- stellung der Pläne der Reichsregierung mit ausführlichem Zahlen- Material zu geben, die dann der breiten Oeffentlichkeit zugängig ge- macht werden könne.. Anschließend an die Rede des Reichskanzlers beschäftigte sich der Ausschuß mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Körperschaflssteuergefehes. Die Steuer soll auf 30 v. h. des steuer- baren Einkommens bei Crwerbsgesellschaften erhöht werden. Die Teilung des Einkommens für die Besteuerung in gesamtes, steuer- bares Einkommen und ausgeschüttetes Einkommen ist fallen gelassen worden. Die Erhöhung der Steuer wird durch eine Milderung der Besteuerung des Dioidendeneinkommens in der Hand der Bezieher durch den neuen§ 12 teilweise ausgeglichen. Nach einer längeren Erörterung der volkswirtschaftlichen Wirkungen der Steuererhöhung wurde eine Arbeitskommission aus 12 Mitgliedern zur Beratung des Gesetzes eingesetzt, deren erste Sitzung am Mittwoch nachmittag stattfand. Für die nächsten Sitzungen des Neparationsausschusses, die am Dienstag und Mittwoch nächster Woche stattfinden, hat der Reichskanzler, ebenfalls sein Erscheinen zugesagt. SVb.-Selbftschutz gegen Grgesch. Breslau, 22. Juni(Eigener Trahtbericht des„Vorwärts") Drei hiesige Funktionäre unserer Partei, Landtagsabgeordneter Winzer. Ecksteen und Mache, erlassen heute, nachdem der Breslauer Bezirksausschuß eine Reihe von Verboten gegen den Orgeschverchänd, wie gemeldet, aufgehoben hat, einen Gegen- oufruf zur Gründung eines proletarischen Selbstschutz- Verbandes. Der Aufruf betont im Gegensatz zu den reak- tstmären und letzten Endes antirepublikanischen Zwecken der yrgesch- organisation als Zweck des proletarischen Selbstschutzoerbandes die Unterstützung der Relchsregierung und den Schutz der republikanischen Verfassung. Im einzelnen formuliert er den Zweck des Verbandes in engster Anleh- nung an den Wortlaut der Programmerklärung der Organisation Escherich und ihres schlesischen Unter- Verbandes. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Aufruf von republi- konischer Seite nun von den behördlichen Stellen' ebenso rück- sichtsooll behandelt werden wird wie die Orgesch, nachdem sie in Schlesien ein legales. Mäntelchen umgehängt hat. Wenn die Kommunisten diese Aktion von sozialdemokratisst- Seit? in ihrem Sinne deuten, werden sie allerdings bald einsehen müssen, daß sie sich verrechnet haben. Die Reichsregierung aber, die sich soeben zur Auflösung der Organisation Escherich Völker- rechtlich verpflichtete, wird sich durch die proletarische Gegenaktion, die die laxe Rechtspraxis untergeordneter Organe in Schlesien pro- vozicrt hat, endlich auch zu eigenem Vorgehen gedrängt sehen. öürgerblock gegen Scheiöemann. Kassel, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts",) Di« bürgerlichen Parteien Kassels können immer noch nicht verwinden, daß ein Sozialdemokrat Oberbürgermeister der einstigen Residenz- stadt geworden ist. Im„Kasseler Tageblatt" wird eine große Protestkundgebung der Kasseler Bürgerschaft angekündigt mit dem Thema:„Kassel und sein Oberbürgermeister." Redner, ist ein„de- motratischer" Bankier. Einberufen wird die Versammlung vom Bürgerbund, der deutschdemokratischen Partei, der Deutschen Volkspartei, vom Zentrum und von der Deutsch- nationalen Volkspartei. Me bürgerlichen Parteien haben sich also gegen Scheidemann zusammengefunden. Was hat der Kasseler Oberbürgermeister angerichtet, daß diese Protestkundgebung erfolgt? Man denke, er hat in einer gemein- kamen Kundgebung aller Sozialisten gegen das Gewaltregime in Bayern protestiert. Scheidemann hat das Kunststück fertiggebracht, daß auch die Kasseler Kommuni st en jegliche Gewaltpolitik abschwören und der Republik Treue geloben. Statt solche politischen Leistungen anzuerkennen, fühlen sich die Kasseler Spießbürger aller Parteien ins Herz getroffen, wenn Scheid emann gegen die Reaktion die Stimme erhebt und rufen zu einem Rache- feldzug gegen ihn auf._ Zwischengesetz für Groß-öerlin! Der Hauptausschuß des Landtages fetzte am Mitt- «och die Vorberatung des Haushalts des Ministeriums des Jimern fort. Abg. Krüger(Soz.) spricht gegen den Sittlichkeitsantrag des Zentrums und verlangt Aufhebung des Zlusnohme- zustandes in O st preußen. Der Redner erörtert weiter die Verhältnisse der Schutzpolizei.— Staatssekretär Freund teilt mit, daß gegen die Beamten, die den Eid noch nicht geleistet hätten, dos Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei. Abg. L ü d i ck e(Dnat.) verlangt für den Fall der Ungültigkeitserklärung der Groß-Bcrliner Stadtverordnetenwahlen Schaffung eines Ueberganges. Anhänger virrssungstreuer Parteisn dürfen von den Aemtern nicht ousge- schlösse» werden. Nach Mitteilung eines Regierungsoertreters wirb in der Groß-Verliner Frage voraussichtlich dem Landtage ein Zmischengeseh für die Aebergangszeit vorgelegt werden. Die Grubenkataftrophe vor öem Reichstag. Auf der gestrigen Tagesordnung des Reichstages stand zunächst] die Interpellation Trimborn(Zentr.) über das Grubenunglück auf der Zeche Maut'"tschngtign<'skn und Kommunisten, die Deutsche Volksvartei enthielt sich der AMtzmmung. Abg. Plelkner(Kom.) gibt für leine Fraktion die Erklärung ab, dotz sie nur desbalb kür das Mi�irw ensvotum per iirmt batten, well ein einstimmiger Befch'utz des Reichstages mißachtet worden sei, nicht aber, um die demagogische Agitation der Deutschnmionalen zu unterstützen.(Heiterkeit.) Darauf folgt die Grsamtabstlnemnng über dle Vc ige uir f-r- hrbvvg einer ilicnJbe nte Förderung des Wohnungsbaues. Das Ge- seh wird graen die SNmmcn der Kommunisten angenommen. Sodann wird die Beratung des Gesetzes über den Volksenffcheid fortgesetzt, und dos Gesetz in zweiter und dritter Lesung angevom. wen, ebenso das Gesetz über die Beschränkung des Luftfohr- zeugbaues mit einer Entschließuna, die die Reichsregierung er- sucht, die Entschädigung möglichst im Wege des Vertrages mit den Unternehmungen unter Zuziehung von Vertretern der Arbeiter und Angestellten festzulegen. Es folgt darauf die zweite Beratung des Gesetzes über den Waffengebrauch des Grenzaufsichtspersonals. Der Ausschuß schlägt eine Entschließung vor, in der die Relchsregle- rung ersucht wird, den Waffengebrauch des Militärs und der Beamten baldigst zu einer zusammenfassenden gesetzlichen Regelung zu führen. Abg. Ristau(U. Soz.): Wir lehnen diesen Gesetzentwurf ab, weil er für die Grenzbevölkerung eine außerordentliche Gefahr be- deutet. Abg. Radbruch(Soz.): Auch wir haben gegen die Fassung des Gesetzentwurfs die oller. schwersten Bedenken. Unser Antrag geht dahin, baß man bei G e- rtngfügigkeiten den Waffengebrauch untersagt und ihn auch nur gestattet bei Fluchtversuchen nach vorheriger Tätlichkeit gegen den Beamten. Einer Wiederholung des Falles Sült muß entschieden vorgebeugt werden. Die Anträge der Sozialdemokraten und Unabhängigen, die die Einschränkung des Waffengebrouchs der Grenzbeamten bezwecken, werden darauf mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien abgelehnt und das Gesetz in der alten Fassung angenommen. Abg. Dr. Roscnfeld(II. Soz.) widerspricht der dritten Lesung, da die Mehrheit die Anträge abgelehnt hat und also den Mördern weiter Vorschub leisten wolle.(Lachen und Huhu-Rufe rechts.) Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über den Staatsgerichtshof. Zu§ 1 begründet der Abg. Radbruch(Soz.) einen soziaidemo- kratischen Antrag: Wir wollen vor allem auch die K r i e g s s ch u l- digen vor das Forum des Staatsgerichtshofs ziehen, um die poli- tische Atmosphäre von diesen Dingen zu reinigen. Dem Staats- gerichtshof soll jeder Beamte zur Aburteilung übergeben werden können, der in gesetzwidriger Weise sich gegen die Interessen des Staates oergeht. Die Verurteilung hat keine strafrechtlichen Folgen als den Verlust des Amtes. Schließlich wollen wir, daß die Rechtsprechung des Staotsgerichtshofes erfolgt nicht im Namen des Deutschen Reiches, sondern des D e u t f ch e n'V o l k e s. Wir haben von der Rechten gelernt, welche Ledeutung auch den scheinbar äußer- lichen politischen Formen zukommt. Diese Beispiele geben der Jugend einen viel besseren staatsbürgerlichen Unterricht als 199 Exemplare der Reichsverfoflung. § 1 und 2 werden unter Ablehnung der unabhängigen und sozial- demokratischen Anträge in der Ausschußfassung angenommen. Bei§ 3 wird abgelehnt«in deutschnotionaler Abänderungsantrag, sowie ein unabhängiger Antrag, die Mitglieder des Staatsgerichts- Hofes durch den Reichstag wählen zu lassen. Der Rest des Ge- sctzes wird unier Ablehnung aller sozialdemokralischen und unab- hänglqen Derbesserungsanlräge angenommen. Sodann wird der Gesetzentwurf über eine erhöhte Anrechnung der während des Krieges zurückgelegten Dien st zeit der Be- a m t e n in zweiter und dritter Lesung angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft.— Es wird noch ein Antrag der Unabhängigen auf die Tagesordnung gesetzt, der die sofortige Einsetzung eines Untersuchungsausschusses aus Mitgliedern des R e i ch s t a g s zur Aufklärung des Unglücks auf der Zeche Moni Ceuis fordert. Abg. Rosemann(U. Soz.): Das Unglück muß möglichst rasch aufgeklärt«erden; wir fordern dazu die Einsetzung eines Reichs- tagsausschusses. Abg. hue(Soz.): Wir hallen die Einsetzung eine« Ausschusses für unbedingt notwendig, der eine sorgsällige Prüfung der noch völlig ungeklärten Verhöllnisse vornehmen soll. Es ist unzu- lässig, wenn man DertreterderBergbehörden.diefür die Zustände in den Gruben verantwortlich sind, zu einer Unter» suchung hinzuzieht. Die Vertreter des Betriebsrat» müssen hinzugezogen werden. Damit schaffen wir den Bergarbeitern die Gewißheit, daß vom Reichstag alle, getan wird, um"eine Klärung der Dinge herbeizuführen. Abg. Golhein(Dem.): Wir bitten um Zurückstellung des An» trags bis zur Interpellation. Abg. hue(Soz.): Die unverantwortlichen Vertreter der Bergbaubehördsp haben überhaupt kein Recht, an den Unter» suchvnqen teilzunehmen. Sie sind zunächst die Schuldigen (lebhafter Widerspruch rechts) und müssen sich erst von der Anklage reinigen. Bor allen Dingen müssen die Betriebsräte an der Untersuchung keilnehm». Aber ihre Stellung auf den Zechen ist meistens so, daß sie überhaupt keinen Einfluß gegenüber den Bergbaubehörden geltend machen können, wie es unter dem alten Regime war. Die Dertreter der Bergbaubehörden müssen suspendiert werden, bis der ganze Sachverhalt geklärt ist. Die bisherigen amtlichen Berichte der preußischen Regierung über frühere Unglücksfälle waren meistens irreführend. Man hat erst die wahren Ursachen zugegeben, als man sie nicht mehr vertuschen konnte. Abg. Dr. Breitscheid(U. Soz.): Wir verlangen einen parla» mentarischen Untersuchungsausschuß auf Grund der Reichsver» fassung. Abg. Zmbusch(Z.): Wip müssen einen ständigen Unter- suchungsausschuß, der aus Fachleuten besteht, für der- artige Angelegenheiten einsetzen Ferner sollten wir in den Derg- baurevieren ständige Kommissionen hoben, die sofort am Unglücksort Untersuchungen anstellen. können. Wenn die Betriebs- röte, wie der Abg. Hue meint, bisher schlecht behandelt worden sind, so sind sie meist selbst daran schuld.(Unruhe links.) Bon den Bergbauverbältnissen hat Herr Hue keine Ahnung.(Z'.rftim- mung rechts.— Unruhe links. Zuruf links: Sie wollen den Antrag totreden!) An dem Unglücksort bestand ein kommunistischer Be- triebsrat.(Lärm links.) Vizekanzler Bauer spricht den Angehörigen der Opfer im Ramen der Reichsregierung das tieffte Mitgefühl aus. Die Reichsregierung wird in Derbindimg mit der zuständigen preußischen Regierung für die Hinzuziebung von Arbeiteroertretern bei der Prüfung der Frage sorgen. Ich schlage Ihnen Schluß der Debatte vor, damit die Regierung inzwischen Stellunq nehmen kann. Abg. Braß(Komm.): Man sträubt sich aegen die Einsetzung eines Untersuchungsausschiisies nur In der Befürchtung, die Schuld der Bcrgbauhehörden und besonders des Kapitals könne festgestellt werden. Inzwischen ist ein vertagungsautrag der bürgerlich«« Dsrleirv eingelaufen, über dessen Zuläsflgkell sich eine längere Geschäftsord- nunastzebalte entspinnt. Präsident£96«: Der Antrag auf Einsetzung eines Untersuchunas- ausschusses ist inzwischen von drei Fraktionen mit zusammen 193 Mitgliedern eingebracht worden. Damit erachte ich die Dpraus» letzung für gegeben, daß ein Fünftel des Ha' les den AMraa gestellt bat, und glaube daß eine Debattp»'cht mehr nötig ist. Me Ein- sehung des Ans'ch''"?? ist aVo beschlossen.. Abg.(f-* persönlich:- Em e-nneiner Redewendungen ML- den Eindruck erweckt bi-h«», als ob- ich die Bergbehörde ökme weiteres als schuldig hingestellt hätte.(Zuruf rechts: Jawohl!) Ich habe die Behörde aber nur als Angeklagte, nicht als Schuldige hingestellt� � Reichsarbeitsmmffter Brauns: Die Neichsregierung hat natür»... lich nichts gegen den Ausschuß einzuwenden. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 2 Uhr: Lohnsteuer, Klein« Dorlagen, Nachtragretat. Schluß 5 Uhr. Untersucbuny über Mont Pestis. Berlin. 22. Juni.(WTB.) Der amtliche preußische Presse. dienst meldet: Zur Untersuchung der Ursache des Unglücks auf der Zeche Mont Eenls sind der O b e r- B e r g h a u p t m a n n und die zuständigen Dezernenten aus dem preußischen Ministe- rium für Handel und G'werbe heute morgen in Herne eingetroffen. Der Handelsminister begibt sich heute abend ebenfalls dort- hin, um sich über den Stand der Untersuchung zu unterrichten. Der Minister hat den Betriebsrat der Zeche Mont Cenis telegraphisch gebeten, den Angehörigen der getöteten Bergleute, den Verletzten und der Belegschaft das tiefste Mitgefühl der preußischen Staatsregierung zum Ausdruck zu bringen. - Hcrvc. 22. Juni.(MTB.) Auf der Zeche Mont Eenis hat heute die Berggbehörde unter Hinzuziehung des Betriebsrates ein« weitere ausgiebige Befahrung der Grube vorgenommen. die von TA Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags dauert«. Auch diese Befahrung und die nachfolgende eingehende Besprechung hat eine Ausklärung der Ursachen des Unglücks nicht ergeben. Der Borstand des allen. Besgarbesterverbandes bestätigt, daß eine Konferenz mit dem Betriebsrat gleichsall» keine Auf» klärung über die Ursachen dm Explosion ergeben hat. - Drei weitere Opfer. Lochum, 22. Zunl. Die Johl der Todesopfer beim Schlagweilerunglück der Zeche Jilonf Eenis hol sich um zwei weitere, ihren schwerer. Verletzungen erlegen« Opfer vermehrt. Vou den übrigen im Vergmannsheii besiudtichm Schwerverletzte» schweben sechs in Lebensgefahr. Beileid des Neichspräfidenten. Der Reichspräsident hat an die Gewerkschaft Mont Eenis folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Mit tiefer Trauer erhalle ich die Nachricht von dem schweren Grubenunglück und bitte Sie, den so schwer betroffenen Familien meine herzlichst« Teilnahme auszusprechen._ Reichspräsident Cbert. Auflösung öes Wachregiments Serlia. In Berlin garnisonierte seit einigen Monaten ein sogenannte» .Wachregiment Berlin", da» sich au» Truppenteilen der einzelnen ifleich* Wehrbrigaden sämtlicher Länder zmammensehi«. Diese? Regiment machte vor einiger Zeit sckon von sich reden, al» man sich in Bayern gegen die zeilweiie Verlegung baherisckier Truppen nack der ReichShauplstadt, zu deren Sckuh da» Wach» regiment gebildet war, auslehnte. Obwohl diese Truppe in dem durch den Friedensvertrag zugelassenen Bestände de» ReickSheereS sich bewegte, bot der Vorsitzende der Alliierte» Mililärkonrroll- kommilsion in Berlin, General Rollet, jetzt doch die Auflösung des Regiment» verlangt. In Erfüllung de» Ultimatum» ist dio deutsche Regierung diesem verlangen nackgekommen und der Reichs- wehrminifter bat bereits den Befehl zur Auflösung und zur Rück- kehr der einzelnen Kompagnien i» ihre Standorte in do». Ländern erlassen. OewerMastsbewegung Das Mitbestimmungsrecht bei Entlastungen. In allen Betrieben, in welchen ein Arbeiter- oder ein Ange- ftelltenrat besteht, können sich Arbeitnehmer im Falle ihrer Kündi- aung, wenn sie sich dadurch benachteiligt fühlen, auf Grund des I 84 des Vetriebsrategefetzes an die Betriebsvertretung wenden.— Stach§ 86 des Betriebsrätegesetzes hat in solchen Fällen der Ar beiter- oder Angestclltenrat einen derartigen Einspruch auf seine Berechtigung zu prüfen.— Erscheint der Betriebsoertretung die Kündigung nicht begründet, so ist sie verpflichtet, zu versuchen, durch Verhandlungen mit dem Arbeitgeber eine Verständigung her- beizuführen. Wenn die Verständigung nicht gelingt, kann von dem Arbeiter- oder Angestelltenrat der Schlichtungsaus- schuh angerufen werden: es kann sich aber auch der be- troffen e Arbeitnehmer direkt an den Schlichhings- ausschuß wenden.— In sehr vielen Fällen haben sich bisher ein- zelne Arbeitnehmer an die Schlichtungsausschüsse gewandt, auch wenn die Betriebsoertretung ihre Kündigung für begründet erachtet »der sich mit dem Arbeitgeber wegen ihrer Kündigung verständigt hatte. Da Irren menschlich ist und auch Betriebsoertretungen sich irren können, konnte an sich gegen eine solche Praxis nichts einge- wendet werden. Der Reichsarbeitsminister(Reichsarbeitsblatt 12 von 81. Dezember 1921. T. 447, Bescheid I A 4038 vom 4. Dezember 1920), der Demobilmachung�ommissar von Groß-Berlin(D M II {4084 vom 8. Februar 1921), und auch der Preußische Minister für Handel und Gewerbe(I. Rr. 111/2207 vom 20. April 1921), wenden sich jedoch übereinstimmend gegen die Auffassung, daß auch der einzelne Arbeitnehmer den Schlichtungsausschuß anrufen kann, wenn die Betriebsoertretung sich mit seiner Kündigung ein- oerstanden erklärt hat und begründen diese ihre Ansicht damit, daß dos Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmerschaft, durch das Be- triebsrätegesetz ausschließlich in die Hand der Betriebsvertretungen gelegt worden fei. Die Tätigkeit der Schlichtungsausschüsse wird durch diese Bescheide an sich nicht beeinflußt, doch wird in Zukunft in solchen Fällen nicht mehr damit zu rechnen sein, daß die ordent kichen Gerichte gegebenenfalls derartige Schiedssprüche der Schlich tungsausschüsse für v o l l st r e ck b a r erklären werden. Das Mitbestimmungsrecht der Betriebsvertretungen bei Entlastungen und die Rechte der Belegschaften hier- aus zerfallen auf Grund des Betriebsrätegesetzes gewissermaßen in drei Teile. 1. Die Betriebsoertretung hat, wenn der gekündigte Arbeit- nehmer sie anruft, selbständig zu entscheiden, ob sie die Kündigung für begründet hält oder nicht. Hält sie dieselbe für begründet, dann kann der oeiroffene Arbeitneh. mer Rechte aus dem B e t r i e b s r ä t e g e s e tz nicht mehr geltend machen. 2. Hält die Betriebsvertretung dagegen die Kündigung für unbegründet, dann soll dieselbe eine Verständigung mit dem Arbeitgeber herbeiführen. Diese Verständigung muß natürlich zwischen dem Gekündigten und dem Arbeitgeber erfolgen. Es würde dem Sinne des Betriebsrätegesetzes nicht ent- sprechen, wenn sich der Betriebsrat mit dem Arbeitgeber allein ver- ständigt, während der eigentliche Leidtragende, nämlich der Ge- kündigte, nicht hinzugezogen würde und auch mit der vorgenom- menen Regelung seines Falles nicht einverstanden ist. 3. Gelingt ein auf diese Weise eingeleiteter Verständigungs- »ersuch nicht, dann ist der Schlichtungsausschuß anzurufen und wenn die Letriebsvertretung d-es selbst nicht tun will, dann k a nn der Betroffene den Schlichtungsausschuß an r'üfen. Im ersten Teil des Verfahrens muß also die Betriebsvertre- Kmg einen Entschluß fassen, im zweiten Teil des Verfahrens hat sie Verständigung'Verhandlungen zu führen und im dritten"Und letzten Teil des Verfahrens soll sie den Schlichtungs- WSschuß- anrufen oder den Betroffenen veranlassen, dies selber zu tun. Die Rechte und Pflichten der Be- triebsvertretung sind also für die Belegschaft von sehr weittragender Bedeutung. Infolge der Wirtschaftskrise und der großen Arbeitslosigkeit und der damit ver- bundenen Ablenkung auf andere wichtige Probleme wird die Wich- tigkeit dieser Funktionen der Betriebsvertretung von den Beleg- schaften nicht genügend beachtet, die Verantwortung der Betriebs- Vertretung dagegen noch erheblich verstärkt. Die Delegschaf- ten müssen daher in ihrem eigenen Interesse, um sich ihre Rechte aus dem Detriebsrätegefetz zu sichern, den größten Wert darauf legen, nur Betriebs- Vertretungen zu wählen, die imstande find, ihre Aufgaben wirklich zu erfüllen. Die Betriebsvertretnn- gen oagegen müssen jede Kündigung streng sachlich und objektiv prüfen und sich immer vor Augen halten, daß sie die Belegschaften gegenüber dem Unternehmen zu ver- treten haben. Je gründlicher die Prüfung der Kündigungen von einer Be- triebsvertretung vorgenommen wird, um so leichter wird es, falls eine Verständigung mit dem Unternehmer und dem Gekündigten selbst unmöglich ist, vor dem Schlichtungsausschuß gelingen, den betroffenen Arbeitnehmern zu ihren Rechten zu verhelfen, weil vor dem Schlichtungsausschuß die Stichhaltigkeit der Argumente der Betriebsvertretung ausschlaggebend sein werden. Notwendig ist außerdem, daß die Belegschaften sich nicht nur restlos freigewerkschaftlich organisieren, sondern auch nur solche Betrieb* Vertretungen wählen, welche aus dem Boden der freien Gewerb schaften stehen, da jedes Gesetz seine eigentliche Be� deutung erst durch die Körperschaften erhält, welche sich für seine Durchführung einsetzen. _ El. Rörpel. Ist Fensterputzen ein Handwerk? Der Verband der Reinigungsunternehmer Deutschlands, bs stehend auS Inhabern gewerblicher GlasreinigungS-.Wäschereibetriebe und anderen, will in der Tagespreste Stimmung machen für die Anerkennung dieser Berufstätigkeit als Handwerk. Daß es sich für die Unternehmer dieser nützlichen Betriebe nicht etwa um die Führung des Meistertitels handelt— Fensterreinigungsmeister, WäschereinigungSmeister oder-meisterin— sei zugegeben. Man will eine korporative Zusammenfassung der einzelnen im Reiche bestehenden Arbeitgeberverbände der Reinigungsbranche, um„die Vertretung seiner Mitglieder in allen Angelegenheiten von grund- sätzlicher und allgemeiner Bedeutung gegenüber der Oeffentlichkeit und den Behörden zu übernehmen'. Daraus gebt hervor, daß die Forderung der Anerkennung als Handwerk die Absicht zu- gründe liegt, die Vorteile zu nützen, die sich aus der rückständigen Verfassung der Handwerksgesetzgebung für die Unternehmer er- geben. Zwangsinnungen, Annahme von Lehrlingen, Kofi- und Logiszwang. Jnnungsschiedsgerichte usw. Den Unternehmern dieser Branchen ist es natürlich unbenommen, ihre Jnteresien so zu vertreten, wie sie es für notwendig erachten; ob in dieser oder jener Form ist dabei ziemlich gleichgültig. Es hieße jedoch den Begriff des Handwerks auf den Kopf stellen, wollte man zugeben, daß das Fensterputzen und das Wäsche waschen handwerksmäßige Arbeiten seien. Umsoweniger besteht Veranlastung, das Heer der Nutznießer der veralteten Handwerk* geietzgebung zu vermehren und damit die Widerstände gegen die Reform des LehrlingSwesenS zu verstärken. Bei aller Sympathie für diese unentbehrlichen Unternehmungen — wir würden sie eher als lebenswichtig, denn als Handwerks- mäßig gelten lasten. Sie werden weiter bestehen, auch ohne An- erkennung als Handwerk._ den Sozialismus gegenüber dem Unternehmertum und der Staats« Verwaltung bedarf es der Einheitund Geschlossenheit, wie die„Gewerkschaftliche Rundschau' in Reichenberg mit Recht betont. Sie hofft, daß diese Tagung den ersten und erfolgreichen Schritt bedeutet zur Nutzanwendung dieser Erkenntnis. Gegen die Moskauer in Berlin. Die Betriebsrätekonferenz der städtischen Betriebe, Verwaltung?« bezirk 17(Lichtenberg) am Dienstag beschäftigte sich mit den empörenden Vorgängen im Berliner Gewerk schafts- Haus. Die Diskussion ergab, daß die anwesenden Betriebsrats- Mitglieder die Vorgänge aufs schärfste verurteilen und sich auf nachstehende Resolution einigten: „Die versammelten Angestellten- und Arbeiterräte des Ver- waltungsbezirks 17 sprechen über die gestrigen Vorgänge im Berliner Gewerkschaflshaus ihren tiefsten A b s ch e u und den Drahtziehern und Strohmännern dieser Aktion ihre tiefste Verachtung au». Um derartige, für die organisierte Arbeiterschaft schmachvollen Vor« gänge zu verhindern, erklären wir, mit den schärfsten Mitteln gegen diejenigen Elemente vorzugehen, die diese Aktion direkt oder indirekt unterstützen. Wir erwarten von den anwesenden Betriebsrats- Mitgliedern(Arbeiter- und Angestelllenräle), daß sie sich voll und ganz auf den Boden der freien GewerkschafiSbeschlüsie stellen und dafür Sorge tragen, daß derartige Vorfälle in Zukunft unter- bleiben.' Gemeinsame Kundgebung der drei Gewerksckiaftsgruppen in der Tschechoslowakei. In dem kleinen Lande des neuen republikanischen Staates be- stehen di ei proletarische Gewerlschaftsgruppen und zwar der tschecho- slowakische Gewerkschaitsbund(Sitz Preßburg), der deutsche Ge- werkschafisbund(Sitz Reichenberg) und die tschechische Arbeiter- gemeinde(Sitz Prag). Der Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse brachte es dahin, daß diese drei Richtungen zum ersten Male seil dem Bestände der Tschechoslowakischen Republik am 16. Juni in Prag zu einer gemeinsamen Beratung zusammenkamen. Außer den 70 Vertretern waren vertreten der deutsche Klub sozialdemokrati- scher Abgeordneten, der Klub der tschechischen Sozialdemokraten und der Klub der tschechischen Nationalisten, sowie verschiedene Regierungs- stellen. Dort wie bei uns die Frage der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit, Betriebsrätefrogen, während dort die Schaffung einer Alters- und Invalidenversicherung noch erfolgen muß. Die zu diesen Gegenständen der Beratungen eingebrachten Ent- fchließungen wurden alle drei ein st immig ange- nommen. Ein Beweis, daß auch in unserer Nachbarrepublik trotz der politischen Differenzen, die Gewerkschaften sich im Grunde genommen einig sind, einig sein müsten, weil sie ohne- dem keinen Schritt vorwärts kommen. In den Schlußworten be- tonten die Vorsitzenden Stastny und Pobl die außergewöhnliche Bedeutung, die dieser ersten gemeinsamen Tagung zukommt, weiter aber, daß es nicht das letzte Mal sei, eine derartige Beratung zu pflegen, weil eS einheitlichen wirtschaftlichen Kampfzielen gilt und ge- schloffenem Eintreten für sie. Im Kamvfe um ihre Rechte und um Aus der Tierärztlichen Hochschule wird uns zu der Notiz über säumige Lohnzahlung folgendes mitgeteilt: Die Reaktion in dieser Institution sitzt heute wieder fest im Sattel. Der Betriebsrat ist ohnmächtig gegen die Geheimratsherrschaft, so daß es auch bis heute noch nicht möglich war, die für den Mai fällige Gehaltszahlung durchzusetzen. Man geht hohnlächelnd über die Klagen der Angestellten und Beamten hinweg. Der mit der Hochschule abgeschlossene Tarif �ieht wöchentliche Lohnzahlung vor, aber die Behörde erklärt, daß für sie ein« solche Zahlung unmöglich sei, ohne vielleicht daran zu denken, daß sie sich hierdurch der größ- ten Unfähigkeit bezichtigt. Die achtstündige Arbeitszeit die ja auch für die Tierärztliche Hochschule vorgeschrieben ist, wird nicht inne- gehalten, sondern eine Arbeitszeit von 10 bis 12 Stunden pro Tag ist die Regel und das trotz der furchtbaren Arbeits- losigkeit, die in Berlin herrscht. So werden in den Kliniken durch- schnittlich fünf Ueberstunden jeden Tag von den be- schäftigten Unterbeamten und Angestellten gemacht; auch wird über das Trinkgeldunwesen, das hier herrscht, geklagt. E? ist darum dringend notwendig, daß sich die Oeffentlichkeit einmal mit diesen Zuständen beschäftigt, da sie zeigen, wie hier gesetzliche Vor- schriften sabotiert werden und durch das Ueberstundenunwesen vielen Arbeitslosen die Arbeitsmöglichteit genommen wird. Achtung Buchbinder! Die Vertrauensleute und Betriebsräte der Geschäftsbuchbranche kommen am Freitag, 45� Uhr im Lokal von Baum, Stallschreiberstr. 47 zu einer wichtigen Aussprache zu- sammen. Alle Betriebe müst«n vertreten sein. Die Ortsvcrwaltung. Die Iiegeleiarbeiter in Hildesheim haben nach zehntägigem Streik die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen, da der Arbeit- geberoerband es ablehnte, während des Streiks zu verhandeln. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter Berlin, Fraktion SPD. Heute, 6)4 Uhr bei Wilke, Sebastianstr. 39(großer Saal), Versammlung aller Funkttonäre der Fraktion. Der Aktionsaus- fchuß. Traaivortarieiier-Verband. Truppenversammlungen für di« Handelshilfs- arbciter und-drbeiierinnen am Freiiag bei Witte, Postsir. 29, und zwar fttr die Betriebe der Schuhfabrikation und de» Schuhgroßhandelo, der Feinleder- brauche, de» Lederwarcnhandels und der-industrie um 5 Uhr, fitr die Betriebe des Bodenlederhandels um 7 Uhr; für die Branche 3d, Glas und Keramik, bei Feyfara, Melchiorstr. 15, um 5',:j Uhr. Beranlw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Leiser, Charlottenbura: für Anzeigen! LH. Moite. Berlin. Verlag: Vorwörls-Bcriag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wärts-Bnckidrockerei n BertaaMnfinH Pemk Sinaer« So.. Berlin Ptnamtit. 8.' Hierzu zmei Beilagen und Unterhaltungsbeilage„Helmwelt-. Färbol das Aoffärlieiiilttel für a 1 1 e(arbigen = Schübe= ist in uFriedensquaiitSt 1921" wieder In allen Droge- rien, Lederhandlungen u. Schuhgeschäften zu haben. Gen.'Vertr. Willy Key, W 58, Qaudystrajk 20 Wirkwaren| Kleiderstoffe Trikot-BadeanzügeQQ qc för Damen. Mittelgröße� Herren-Hemden OQ Baumwolle, gelblich•. 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