gg.296 ♦ ZS.�tchrgs�i Musgabe B Nr.14H Bezugspreis: WfrtrfpHrI.SO,— äIUBumotLW,— TO. hri ws Sau«, noraus zahlbar. Posl- d»Mg: Monatlich l».— M. einschl. Zu- stellungsgcbühr. Unter Kreuzband siir Deutschland. Danzig. da« Saar» und MeinclßeMet. sowie die ehemals dem- Shen Gebiete Polens. Oesterreich, ngarn und Luxemburg 2»,— DU, wr das Übrige Ausland 27,— M. Poft- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Ncheido- Elowaket, Däne- MtÄ Hollanb, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Soroürts'" mit der Sonntagsbeilage.Poll und Zeit", der Unier- haltungsbeilaqe«HelMwelt" und der Beilage„Siedlunq itub Kleingarten� rrschemt wochentaglich zweimal. Sonn- tag» und Momags einnial. Telegramm-Adresse: �Saztuldeiuokra» Verl Abend-Ausgabe � f Nevlinev Nolksblettt (20 Pfennig) Anzeigenpreis, Die achtgespaltrne gionnareillezekl« lostet 8,50 M„Kleine Anzeigen" das fettgedruckt» Wort iL» M.ede» wettere Wort 80 Pfg. Worte Uder tb Buchstaben zählen für zwei Worte. ffainilieu-An» zeigen für Abonnenten?elle 3,— 8Pt Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungs'uschlaa Anzeigen für die nächst» Nummer müssen bi» s Ahr nachmittag« un Sauvlgeschäst? Berlin Sffl 68, Linden. straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bi» 8 Uhr abend«. Zcntmlorgnn der rozialdemohratircbcn Partei Deutfchlands d .4-1 i Vi 1\j Redaktion und Expedition: SW öS, Änöenstr.Z Redaktion Moriyplatz!S1SS-»7 �erniprcnirr. �p�ion Morihviati il7sa— S4 Sonnabend, den ÄS. Juni 19ÄI. Vorwärts-Verlag G.m.b.H., SV SS, Lindenstr. 3 Sfi'rwfhvKAKr• Verlag,«kxvedition und Inseraten. . z,i,teiliing Morinviai, 1175»—.'.t Wie lange noch Sanktionen? Paris, 25. Zuni.((£<£.) Der englische Bof schaff et Cotb hat- dinge fibetmiifeli eine Jtofe der englischen Regierung, in der diese ans die Frage der französischen Regierung aniworiei, ob sie geneigt sei. enisprechend dem in London gesatzten Beschluß an"eine Kon- ferenz der alliierten Finanzminisier teilzunehmen. T>� Konferenz soll die Ausgabe haben, verschiedene schwebende Fragen zu lösen, besonders den deutschen Kohlenpreis sesizuseizen, info- fen» die Kohle ans dem Seewege geliefert wird, ferner die Frage der belgischen Prioriiät an den teulschen Zahlungen und der Fori- dauer oder Aufhebung der RHeiosankiionen. London, 24. Zuni.(WTB.)„Manchester Guardian" fordert lm Leitartikel die Aushebung der Zwangsmaßnahmen. Es fragt. welche» Recht die alliierten Truppen haben, in Düsseldorf zu bleiben, und mit welchem Recht mau weiterhin die Zollschranken der Alliierten zwischen besetztem und unbesetztem Deutschland ausrecht- erhält. 65 Millionen Versicherungsgelder für Elsasi-Lothringen. Genf, 25. Juni.(TU.) Der Rat des Völkerbundes hat den Wert der Reserven, die das Deutsche Reich auf Grund der sozialen Versicherungsgesctze für Elsaß-Lothringcn zurückgelegt hatte und jetzt auszuzahlen hat. auf KS Millionen Goldmark festgesetzt. Die erste Rate davon soll Deutschland am L Juli zahlen. Srianö im Ausschuß. Ueber die gestrigen Erklärungen Briands vor dem Kammer- ausschuh Liegt ein unanzweifelbarer Bericht noch nicht vor: bezeich- nenderweise weiß das Auswärtige Amt überhaupt noch nichts von dem Wortlaut.(Wieviel Nachrichtenleute hat wohl die deutsche Bot- schaft in Paris?) Wir geben einstweilen den Bericht der„Tel.- Union" wieder: Paris. 25. Juni.(TU.) Dem Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten gab der Ministerpräsident Aufklärung über die ge- troffenen Sanktionen und über die Maßnahmen, um der Einziehung von Freiwilligen in Deutschland für Oberschlesien ein Ende zu bereiten, über die Rcparatiansfrage, die Beziehungen zu der Regie- rung von Angora und zu der griechischen Regierung. Hinsichtlich der Sanktionen, die eventuell zu ergreifen sind, wenn Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, sagte Briand, daß er für diesen Fall mit aller Energie, aber doch mit Mäßigung zu Werke gehen wird, um nicht den Alldeutschen in die Hände zu spielen, die den Bestand des Kabinetts Wirth gefährden. Das Kabinett Wirth sei die einzige deutsche Regierung, die den Alliierten ernste Bürg- I schasten angeboten hätte. Mit Bezug auf Oberschtesien sagte Briand, daß der Standpunkt Englands und Frankreichs sich einander nähere. Er glaube sagen zu können, daß man den Forderungen der Polen auf den größten Test der Borgwerke Oberschlesiens entgegenkommen werde. Wie in Oberschiesien, scheine es auch im Orient zwischen den Alliierten zu einer Uebereinstimmung zu kommen. Eine solche Entscheidung über Oberschlesien wird das Kabinett Wirth viel mehr gefährden, als es die paar Alldeutschen tun. Sövres. Paris. 25. Juni.(WTB.) Im Kammerausschuß für auswar- Lge Angelegenheiten erklärte L e y g u« s, als er Ministerpräsident gewesen sei und sich mit dem Vertrag von Sövres zu beschäftigen gehabt habe, seien Lloyd George und er über die Abänderung des Vertrages einig gewesen. Briand antwortete, daß er von diesem Abkommen nichts wisse, da sich keine Auszeichnungen darüber am Ouay d'Orsoy befänden. Leygucs hielt feine Behauptungen auf- recht, wonach Briand vorschlug, sofort Lloyd George selbst darüber zu befragen. Die Annäherung. London. 25. Juni.(CEC.) Gestern abend begab sich C le m e n- ceau ins Unterhaus. Als Lloyd George davon erfuhr, begab er sich ebenfalls dorthin und hatte eine mehrstündige Unterredung mit Clemenceau. Dieser ist bereits wieder in Paris eingetroffen. hafte Gedanken über die deutsche Zukunft Oberschlesiens nicht äußern konnten. Die Genossen des Internationalen Gewerkschaftsblindes mögen aber wissen, daß Deutschland auf diese Herren nicht ange- wiesen ist und sie notgedrungen beiseite schieben werde, sobald der innere Wiederausbau Oberschlestens von deutscher Seite beginnen könne. Zweibunü Zrankreich-Korfantz?. Gleiwitz, 23. Juni.(E!g. Bericht des„Vorwärts".) Unsere „Dberschlesische Bolksstimme" ist nunmehr seit 8 Tagen durch französische Gewalt am Erscheinen verhindert, öhne daß die französische Behörde e» für nötig gefunden hat, einen Schuldbeweis zu führen. Die Bolksstimme ist angeblich wegen Verbreitung unzen- vierter Exemplare verboten worden. Fünf verschiedene Kommissionen, darunter der Magistrat und die Stadtverordneten der Stadt Gleiwitz, haben sich zu den franzö- fischen Behörden begeben und um Borlegung der angeblich beschlagnahmten„unzensicrten" Exemplare gebeten. Allen wurde die Vorzeigung verweigert. Die Franzosen beriefen sich in?mer wieder darauf, sie hätten nichtzensicrte Exemplare„gesehen". Es muß angenommen werden, daß die französischen Behörden unzensterte Exemplare der„Bolksstimme" überhaupt nicht besitzen, und dies nur vorschützen, um das ihnen unbequeme Organ mundtot zu machen. Die in Gleiwitz erscheinende polnische Zeitung,„Katholische Dolkszeitung", wird seit dem 4. Mai d. I. in ihrer Gesamtauslage ungehindert unzensiert verbreitet. Diese unparteiliche Haltung der Franzosen ist nur konsequent. Sonnabend, den 18. d. M., wurde der polnische Stadtverordnete Uscyt beerdigt. An dem Trauerkondukt beteiligten sich 150 Insurgenten mit Gewehr, von französischem Militär begleitet. Der französische Offizier hat trotzdem sein Ehrenwort gegeben, daß keine Insurgenten im Leichenzuge gewesen sind. Im Schloß L a b a n d hausen der französische und der Jnsur- gentenkommandant einträchtig nebeneinander, obendrauf weht die' . polnische und die französische Fahne nebeneinander. Den Bahnhof ! haben sowohl Franzosen und Insurgenten gemeinsam besetzt. Das Telephon können die Franzosen nur benutzen, wenn sie vorher die „Erlaubnis" der Insurgenten eingeholt höben. In der„Dberschlessschen Zeitung" in Beuchen wird der Fahr- plan für den sogenannten Ententezug,' der für die interalliierten Bc- Hörden fährt, bekanntgegeben. Es wird dabei betont, daß auch ein- zelne Zivilisten mitfahren können. Die JK. macht dabei aber amtlich bekannt, daß diese Zivilisten im Besitz von zwei Ausweisen, ausge- stellt von einer interalliierten Behörde und von der Insurgenten- kommandantur, sein müssen. » Der beiderseitige Rückzug in Oberschesien, Selbstschutz und Polen, soll morgen, Sonntag, beginnen. Die Räumung Gberscblesiens. Oppeln, 25. Juni.(Eigener Drahlberichl des»Bonvärts".) Die Entscheidung über die Räumung ist gefallen. Die Autwort der zk. aus den deutschen Ränmungsvorschlag ist bei General hoefer eingetrossen. Sie stimmt dem deutschen Borschlag zu. Danach wird die Räumung der ersten Zone am 28.. Juni beginnen, einschließlich Gleiwitz. Bom 30. Juni bis 2. Juli wird der deutsche Selbstschutz die 2. Zone räumen bis ans einige Orte, die von ihm besetzt bleiben. Am Z. Zu« wird die 3. Zone geräumt. Bis zum 5. JuN hat der Rückzug beider Parteien über die oberschleslsche Landesgrenze zu erfolgen. G Breslau, 25. Juni.(Cig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Zu der Erklärung Graf Prafchmas gegenüber dem Bericht JouHaux' über seinen Empfang in Oppeln nennt es die„Breslaner Bolkswacht" sehr bedauerlich, daß die Vertreter des Auswärtigen Amtes in Oppeln ebenso wie die unmittelbar in Oberschlesien mit Spezialausgaben beschäftigten deutschen politischen Beamten selbst anscheinend ernst- Sinowjew bläst Schamaüc. Riga. 24. Juni.(OE.) Die russische Delegation zum Kongreß der Dritten Internationale zählt 50 Mitglieder, von denen jedoch nur 21 stimmberechtigt sind. Zum Ehrenvorsitzenden wurde neben Lenin und Trotzki auch Brandler gewählt(dessen Rolle vor Gericht in einem Berliner Funkschwindel den Oberbonzen ols eine heldenhafte aufgeschwatzt worden ist. Red.). In einem Inverview äußerte Sinowjew, der wieder zum Vorsitzenden des Kongresses gewählt worden ist, die Aufgabe des dritten Kongresses der 3. Internationale best ehe darin, die Periode des Entscheidungskampfe» vorzubereiten.(Ei, ei, wie zart! Längst war die Entscheidung da, der Sieg erfochten und nun wird erst vorbereitet!) Es sei dies um so mehr geboten, als die Kräfte des Proletariats sich nunmehr organisiert und in allen Ländern gefestigt hätten.(S o siehst« aus.�Grigril) Der Kongreß soll die Taktik der Partei für den ganzen Berlauf der Weltrevolution bestimmen, die Notwendigkeit des Kampfes mit dem Amsterdamer Gewerkschastsbund proklamieren und endlich die Grundlagen für die Propaganda im Orient ausarbeiten.(Hat man doch längst in Baku mit Ianitscharenmusik gemacht!)» Das Exekutivkomitee der 3. Internationale verhandelte über die Aufnahme der Kommunistischen Partei der Tschecho- s l o w a k e i. Obgleich diese Partei die 21 Punkte angenommen hol, wnrde ihre Aufnahme beanstandet, und zwar weil sie auch nicht- kommunistische Elemente, wie S ch m e r a l, einschließe. Die Aufnahme wurde unter der Bedingungen beschlossen, daß im Lause von drei Monaten die tschechische und die deutsche kommu- nistischo Partei der Tschechoslowakei sich ver- einigen.(Die Deutschen wollten schon längst, aber die Tschechen taten nichts dergleichen.) In der nächsten Sitzung des Exekutiv- komitees soll der Märzaus st and in Deutschland und die Frage des Ausschlusses Paul Levis zur Sprache kommen. Mtllerand besucht hordlng. Präsident Millerand wird vor- auSsichtlich anfangs des nächsten Jahres den Vereinigten Staaten einen Besuch abstatten, um den segensreichen Besuch Wilsons in Frankreich zu erwidern. Labrlola bleibt. Der italienische Arbeitsminister hat seine RücktrtitSertlärung zurückgenommen. Klappe zu t Der nordamerikanisch? Marinestaatsiekrelär Tenby erleille dem Admtral Sims für seine englondfreundliche Rede in London eine scharte öffentliche Rüge, in der eS heißt, l SimS sei zu öffentlichem Austreten ungeeignet. Der volksentscheiö. Von Gustav Radbrnch. Es ist im Reichstag wie in der Welt überhaupt so, daß das Wichtigste sich aus die unscheinbarste Weise begibt. So ist am 22. Juni ohne alles parlamentarische(Zeräusch, nach einer kurzen und unbedeutenden Aussprache das Gesetz über den Bolksent scheid emstimmig angenommen worden. Dainit ist der erste Schritt getan auf einem Wege, dessen Fortsetzung in undurchsichtigem Dunkel liegt. Wohl hat die Schweiz, haben amerikanische Staaten mit dem Volksent- scheid ihre Erfahrungen gemacht: seine Wirkungen im poli- tischen Leben eines Großstaates aber sind bisher noch nirgend- wo erprobt worden. In den Ausschutzberatungen zeigten die Parteien der Rechten einen verdächtigen Eifer für, die De- mokraten ein ebenso tiefes Mißtrauen gegen den Volksent- scheid: unsere Fraktion schließlich war sich(ganz ähnlich wie beim Frauenwahlrecht) der grotzen Gefahren des Volksent- scheids nicht weniger bewußt als ihrer Verpflichtung gegen den demokratischen Gedanken. Die beiden Hauptformen des Volksentscheids sind(mit den Ausdrücken des Auslandes) das Refcreildum und die Jnitia- tive. Der Hergang des Referendums ist der folgende: Erster A k t: Der Reichstag beschließt ein Gesetz. Ein Drittel seiner Mitglieder verlangt die Aussetzung seiner Verkündung um zwei Monate. Zweiter Akt: Innerhalb dieser zwei Mo- nate beantragen 5000 Stimmberechtigte ein Volksbegehren. Dritter Akt: Die Antragsteller verschicken an die Gemein- den, in denen sie sich Erfolg versprechen, auf eigene Kosten Eintragungslisten, in welche alle, die einen Volksentscheid über das Gesetz wünschen, sich einzeichnen können. Die Gemeinden legen diese Listen mindestens 14 Tage hindurch auf. Es trägt sich, so nehmen wir an, ein Zwanzigstel aller stimmberechtigten Deutschen ein. Dann folgt als v i er t e r Akt der Volks- entscheid. Wesentlich nach den Vorschriften des Wahl- gesetzes wird über Annahme oder Ablehnung des Gesetzes ab- gestimmt. Zur Annahme genügt die Mehrheit der Äbstim- inenden, Ablehnung dagegen fordert, daß die Mehrheit der Stimmberechtigten gestimmt und die Mehrheit der Abstim- Menden abgelehnt habe. Die Initiative aber spielt sich folgendermaßen ab: E rst er Akt:: 5000 Stimmberechtigte verlangen ein Volksbegehren auf einen von ihnen vorgelegten Gesetzentwurf. Zweiter Akt: Dieses Volksbegehren vollzieht sich genau wie im Falle des Referendums, nur muß sich dieses Mal ein Zehntel der Stimmberechtigten dem Volksbegehren anschließen. Dritter Akt:: Nunmehr ist der Reichstag verpflichtet, über den Ge- setzentwurf Beschluß zu fassen. Nimmt er ihn an, so wird er auf dem gewöhnlichen Wege Gesetz. Verwirft oder ändert er ihn. so kommt es zum v'ierten Akt: zum Volksentscheid über den Gesetzentwurf und über den abweichenden Beschluß des Reichstages. Die Initiative ist wertvoll für solche Fragen, die im politischen Kampfe der Parteien nicht zu ihrem Rechte kommen, weil der Gegensatz der Stellungnahmen zu ihnen sich mit dem Gegensatz der Parteien nicht deckt. Warum kommen wir in der Alkoholfrage nicht von der Stelle? Weil in jeder Partei Alkoholgegner und Alkoholfreunde sitzen, und deshalb keine Partei in dem einen oder dem andern Sinne Stellung nehmen kann, ohne einen Teil ihrer Anhänger zu kränken. Wie zahlreich diese parteipolitische nicht lösbaren Fragen sind, wird gerade das Volksbegehren erst recht zeigen. Kein Zweifel, daß in den nächsten Jahre» Menschen- freunde, aber auch Sonderlinge und Fanatiker aller Art ein Volksbegehren auf das andere gegen den Reichstag loslassen werden. Alkoholgegner, Vegetarier, Bodenreformer, Gegner der Todesstrafe, Gegner der Strafe für Abtreibung, auch- Impfgegner, Vivisektionsgegner, Schächtgegner, schließlich Fa- rmtiker einer neuen Stenographie oder Orthographie, Enthu- siasten eines neuen Kalendersystems. wunderliche Heilige neuer Religionen, sie alle werden demnächst im Volksbegehren ihr Heil suchen. Ein Narr findet für seine Idee leicht die 5000 andern Narren, deren er zur Zulassung eines Volksbegehrens bedarf— viel weniger leicht freilich die Millionen Narren gleicher Kappe, die für ein erfolgreiches Volksbegehren er- forderlich sind. Und so. wird nach ein paar Iahren. nach einer Reihe fehlgeschlagener Versuche die Flut der Volksbegehren wieder abebben. Größer und dauernder ist eine andere Gefahr. Der Volksentscheid ist im Parteienkampf ein vorzügliches Mittel, die Partei des Gegners zu zersplittern und ihre Parteidisziplin zu zermürben. Bei der Wahl, der Abstim- mung über ckiie allgemeine politische Stellungnahme haben die Parteien ihre Anhänger in der Hand, beim Volksentscheid aber, also der Abstimmung über eine nesetzgeberische Einzel- frage brechen politisch nicht gefestigte Parteimitglieder leicht seitwärts aus. Bei einer Abstimmung über die Todes- st r a f e etwa ist die Versuchung groß, nicht an das Partei- vrogramm, sondern an den letzten scheußlichen Lustmord zu denken, und wilde Demagogie wird solaze Eefühte schüren. So wird das Ergebnis der Volksentscheide oft unberechenbar ;T jRiifallig. Der Sieger aber wirb dieses Zufallsergebnis als einen Maßstab für den Stärkegrad der unterlegenen Partei ausnutzen. Volksabstimmungen werden mit geringerem Recht die Rolle übernek�nen, die ehemals die Nachwahlen spielten.- den Beweis zu führen, ob eine Partei im Volke noch die Stärke hat, die sie im Parlament besitzt. Eine dritte Gefahr ergibt sich aus der besonderen Ausge- staltung, welch« der Volksentscheid gefunden hat. Auch bei einer Mehrheit von Fragen kann nämlich nur schlechthin für Ja oder Nein gestimmt, nicht etwa ein« Frage unter der Be- dingung bejaht werden, daß eine andere zunächst bejahte -Frage nicht»ine Mehrheit von Bejahungen findet: eine „Eoentualabstimmung" ist als zu verwickelt im Ausschuß ab- gelehnt worden. Dadurch wird es einigen Rechthabern, viel- leicht auch einigen Böswilligen möglich, das Ergebnis der Abstimmung zu fälschen. Nehmen wir an, die Abtrei- bungsfrage würde zur Abstimmung gebracht. Neben d»m Begehren, die Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate von Strafe zu befreien, würde ein zweites radikaleres Be- gehren dem Volksentscheid unterstellt, die Abtreibung bis un- mittelbar an die Niederkunft heran straflos zu lassen. Dann würde es den Anhängern des weitergehenden Begehrens un- möglich sein, für den Fall seiner Ablehnung dem maßvolleren ersten Antrage zuzustimmen und, auch wenn die Befürworter einer Milderung der Abtreibvngsstrafe die Mehrheit besäßen, wiirden sie möglicherweise in der Minderheit blewen, weil sich ihre Stimmen aus zwei Begehren zersplittern. Aber Volksbegehren und Volksentscheid heilen selber die Schäden, die sie unserm politischen Leben zunächst vielleicht zufügen können. Sie sind unschätzbare politische Er- ziebungsmittel. Unmittelbar vor die höchste Aufgabe des Politiker, gestellt, wächst der einzelne Volksgenosse mit seiner politischen Berufung auch an politischer Befähigung. Die unmittelbare Dolksgesetzgebung wird für ein Volk genau das sein, wa, e» nach Maßgabe seiner politischen Selbst- zucht verdient._ Zur Sm'gunssfrage. Au dem sächsischen Landesparteitag, der vom 2.— 4. Juli in Leipzig stattfindet, hatten die Chemnitzer Genosten einen Antrag gestellt, in dem es heißt: Der Landesparteitag schlägt vor, von Partei zu Partei in unverbindliche Verhandlungen zu treten zwecks sofortiger Bildung einer politischen Arbeitsgemeinschaft mit dem klar- gestellten Ziel einer organisatorischen Wiederver- « i n i g u n g. Der Kampf in der Presse und bei den Wahlen ist auf das äußerste einzuschränken. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung"' schließt daraus, daß es m Leipzig„zu ernsten Auseinandersetzungen zwischen der radikalen Chemnitzer und der Dresdener positiven Richtung" kommen wird. Von einer„positiven Richtung" in Dresden oder sonstwo in der Partei, die sich grundsätzlich gegen den Chemnitzer Antrag stellen könnte, ist uns nichts bekannt. Die sozialdemokratisch« Partei hat nie die Spaltung und immer die Einigung gewollt. Die Frag« ist nur, wie man e i n Ganzes schafft, das aktionsfähig ist, das sich nicht in innerem Streit verzehrt, sondern in geschlossenem Kampf für die Interessen des arbeitenden Volkes, für die Ideale der De- mvkratie und des Sozialismus das Höchstmaß der möglichen Erfolge erzielt. Ueber diese taktische Frage kann es wohl Meinungsverschiedenheiten geben, über das Ziel besteht kein Streit. Erfolg sozialistischer Intervention. Die beiden sozialdemokratischen Reichstagssraktionen und Partei- vorstände hatten von der lettischen Regierung drahtlich den Aufschub der Dollstreckung des gegen den russischen Menschewisten Abraham Braun gefällt»» Todesurteils wtgen„bolschewistischer" Agitation erbeten. Nun hat dl« lettisch« Regierung geantwortet, daß Braun unter die Amnestie fall«. s«in« Angelegenheit noch vom Obersten Kriegs- gericht geprüft werde, von lodesftraf« aber keine Rede sei. Grönlänöisthe Sitten und Sagen. Der bekannte dänische Grönlandforschcr Knud Rasmussen, der übrigen» von mütterlicher Seit« selbst grönländisches Blut hat, veröffentlicht soeben in einem ersten starken Bande Mythen und Sagen der Ostgränländer. Di« Deröffentlichung bildet ein außer- ordentlich interestante» und reichhaltig«» Material zur Teistesver- fastung und Borstellimgoweise dieser Primitiven und ergänzt die bisherigen Forschungen auf dos dankenswerteste. Sehr bezeichnend für ihr« düstere und fatalistische Lebensan- schauung, die durch die Schrecken der arktischen Natur, die lange Dunkelheit, die Einsamkeit in de» unheimlichen Stürmen der weiten Unendlichkeit begründet erscheint, ist die Aeußerung eines allen Ost- grönländer» auf Rasmustens Fragen nach seiner Lebensanschauung: „Ich weiß nicht»! aber ununterbrochen stellt mich dag Leben Kräften gegenüber, die stärker sind als ich selbst! Wir haben die Erfahrungen von Generationen dafür, daß e» schwor ist zu leben und daß da» Unabwendbare immer das Schicksal von Mann und Weib wird.— Deshalb glauben wir an das Böse.— Auf das Gut« braucht man keine Rücksicht zu nehmen: denn es ist gut an sich und bedarf keiner Anbetung! Das Böse dagegen, da» auf uns lauert in dem großen Dunkel, uns durch Sturm und Unwetter bedroht und sich mit feuchten Nebeln bei uns einschleicht, muß von unserm Wegen ferngeholten werdm." Dies« düster« Weltanschauung scheint in einem gewisim Gegen- sah zu stehen zu dem täglichen Leben an ihren Wohnplätzen, wo— nach Rasmustens Wort— ihr„schallendes Gelächter und ihre ganze unbekümmert« Sorglosigkeit so überwältigend auf uns wirken können, daß wir biaweilen Lust oerspüren, ihnen Mangel an Ernst vorzuhalten." Aber wie der Eskimo zur Natur steht, so steht er im Grunde atech zu seinesgleichen. Er ist unsicher und mißtrauisch. Von einer,«rmmschlich kindlichen Herzlosigkeit sind Stücke wie die Geschichte von dem kleinen Waisenmädchen, dessen beständiges Lächeln ihm dm Rame»„die kleine Frohe" verschafft hatte, obwohl ihr« Pflegeellern sie stets mißhandeln und die schließlich in ihrer Verzweiflung ihre Wohnplatzgesährten verrät. Zur Strafe wird sie gefangen und an«mem Riemen hinter dem Schlitten zu Tode geschleift. Lange noch während der sürchterlichm Fahrt be- antwortet sie die bäsen Fragen ihrer Feind«, ob sie auch wirtlich noch immer frah sei. mit ihrem freundlichen:„Ja, wirklich, ich bin frah!" Und da» Lächeln verläßt sie nicht: aber allmählich kann sie ihre Iragm aar durch ein Nicken beantworten: schließlich bleibt auch diese stumm» Antwort aus, aber der Schlitten hält nicht»her an, als bis sie längst zerfetzt und tot ist. Und trotz der grauenhaftm Einzelheiten der Erzählung schließt dies« einfach:„So tötete man „die Neine Frah«",»eil sie ihr« Berwandtm aufgestachelt hatte, olle ihre Hamgenvsien«»zurotten." « Der§ali lNüller-Sranüenbueg. Ueber die Vorgänge in der thüringischen Landes- polizei kam es am Freitag, wie den PPN. aus Weimar mitge- teilt wird, im thüringischen Landtag zu einer gründlichen Aussprache. Anläßlich einer Interpellation der vereinigten Rechtsparteien, eines Antrages der Linksparteien und eines entsprechenden Antrages der Rechtsparteien auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, gab der Minister des Innern v. Branden st ein eine Schildrung der Vorgänge in der Landespolizei seit ihrer Errichtung, mit der auf Empfehlung der Reichsbehörden und des Staatsministeriums von Mecklenburg-Strelitz der dortige Major der Gendarmerie Müller- Brandenburg beauftragt worden war. Die ihm anvertraute Arbeit hat Müller-Brandenburg bis Anfang Dezember 1920 im allgemeinen gut durchgeführt. Während einer längeren Erkrankung Müller-Brandenburgs hat jedoch der damalige Adjutant Spangenberg gegen die strikte Anweisung des Reiches einer Anzahl Kommunisten die Möglichkeit zum Eintritt in die Landespolizei gegeben. Spangenberg wurde am 3. Februar seiner weiteren Dienstleistung in der Landespolizei enthoben. Müller- Brandenburg wurde die Befreiung der Landespolizei von ungeeig- neten Beamten zur Pflicht gemacht. Dieser Pflicht kam er jedoch nicht nach. Ferner ergab sich, daß Müller-Brandenburg eigen- mächtige Anordnungen in der Verwaltung der Landes- polizei gegeben hatte. Es wurde ihm nun die Wahrnehmung aller verwaltungstechnischen Maßnahmen entzogen und lediglich die Kommandogewalt belasten. Schließlich stellte sich heraus, daß Müller-Brandenburg der ihm gestellten Aufgabe nicht g e- wachsen war. Jnsolgcdesten wurde vom thüringischen Ministe- rium des Innern seine Kündigung zum ersten zulässigen Termin (1. April 1921) in Erwägung gezogen und vereinbart. Der Auf- st and in Mitteldeutschland verlangte jedoch, Müller- Brandenburg einstweilen noch an der Spitze der noch jungen Polizei zu lasten. Dieser Schritt war richtig: denn die Thüringer Lande»- polizei bewährte sich durchaus in dieser schwierigen Siiualion. Dom Reichsministerium des Innern wurde ein Untersuchungsver- fahren gegen Müller-Brandenburg und andere Mitglieder der Landespolizei gefordert und das Staatsministerium, das die Beurlaubung und die Enthebung von der Befehlsgewalt bestätigte, war damit einverstanden, daß das vom Reich gewünschte Untersuchungs- verfahren eingeleitet wurde. Major Müller-Brandenburg willigte in die endgültige Aufkündigung seines Dienftverhältnistes ein. Das Staats- Ministerium ermächtigte den Minister des Innern, alle ungeeigneten Beamten der Landespolizei sofort zu entfernen. Eine Ausnahme machte man nur bei denjenigen Beamten, deren Entlastung eine Vereitelung oder Erschwerung der schwebenden verfahren mit sich bringen mußte. Die Leitung der Landespolizei wurde dem Staats- rat Krüger übertragen. Das thüringische Ministerium des Innern hat alle Schritte unternommen, die zur Beseitigung der auf- getretenen Miß stünde nötig waren. Di« rasche Erledigung der Angelegenheit wurde leider durch verschiedene u n b e l e g t e Behauptungen der Rechtsparteien verzögert. Nach der Aussprach« im Thüringer Landtag erfolgte die Ein- setzung einer parlamentarischen Untersuchungskom- Mission, in welche die Parteien ihrer Stärke entsprechend Ver- treter entsenden werden. « Soweit der uns zugegangene Bericht. Die Erklärung des Mi- nisters von Brandenstein ist keineswegs frei von Widsr- sprächen. Was zunächst die Maßnahmen des Leutnants Span- genberg während der Erkrankung Müller-Brandenburgs an- betrifft, so kann Müller-Brandenburg um so veniger dafür verant. wotlich gemocht werden, al» ihm der Leutnant Spangenberg von der Regierung als Adjutant gegen seinen wiederHollen Wider- sprach aufgezwungen worden war. Die weiter« Behauptung, daß Müller-Brandenburg seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen wäre, widerspricht nicht nur der Tatsache, daß man in Mecklenburg- Strelitz, wo er gleichfalls die Schutzpolizei aufbaute, durchaus mit ihm zufrieden war, sondern der Minister von Brandenstein straft sich auch selbst Lügen, indem er nachher erklärt, daß die Thü- ringer Landespolizei sich in den Putschtagen durchaus bewährt habe. Es mag sein, daß bei seiner ungemein schwierigen Aufgabe Müller-Brandenburg einzelne Fehler begangen hat. Wir wisten Wesentlich heiterer sind Rasmustens Wiedergaben der Streit- lieder, mit denen zwei Gegner ihren Zwist ausfechten. Freunde und Verwandte werden festlich gekleidct zum Sängerwettstreit her- deigerufen. Die beiden Gegner stellen sich einander gegenüber, der Herausforderer beginnt unter Trommelschlag mit seinem Spottlied und der andere antwortet, woruuf sie abwechseln. Wer den Gegner so bloßstellen kann, daß er die Lacher auf seiner Seite hat, wird als Sieger erklärt. Aber die Worts bleiben bei diesem Zweikampf nicht die einzigen Waffen. Während des Gesanges umtanzt der Sänger seinen Gegner und versetzt ihm in kurzen Zwischenräumen so derbe Maulschellen, daß das Gesicht anschwillt und bisweilen dem Angegriffenen die Augen ganz geschlossen werden. Wenn er auch an einem anderen Abend Genugtuung erhallen kann, vor- läufig muß er, ohne sich das Geringste anmerken zu lasten, Hohn und Prügel einstecken. Neben diesen mehr„geselligen" Sprachübungen verdienen wirk« liche Bild- und Sprachschöpfungen mythologischer Art größere Be- achtung, wie die„Sage von Donner und Blitz":„Einst lebten zwei Brüder oben im Himmel: der eine hieß„Blitzfeucr", der ander«„Donner". Blitzfeuer konnte so schnell durch die Luft fliegen, daß Funken und Feuer um seine Stirn stoben. Donner war ein gewalliger Held, der stets Lärmen um sich verbreitete, und so tonnte er de» Himmel erschüttern, daß man geronnenes Blut in den Mund nehmen mußte, um nicht die Zähne zu zerbeißen. Aber die Sterne, die niemals Nachtruhe hallen, schössen ihm schließ- lich einen Pfeil durch das Herz, so daß er auf die Erde stürzte. Und so stark war er selbst im Tode, daß er nicht ausgestreckt dalag, sondern auf seinen Muskeln ruht?." Diese wenigen Proben au» dem umfangreichen, zunächst erst in dänischer Sprache erschienenen Werke mögen eine Andeutung von der Entwicklungsstufe und der Geistesrichtung des interestanten arktischen Naturvolkes geben. Fortschritte im Ilerschuh. Es ist bemerkenswert, daß gerade jetzt sich in verschiedenen Teilen der Well ein« besonders eifrige Be- weguna für den Tierschutz bemerkbar macht. In England sind in dieser Hinsicht in letzter Zeit bedeutende Fortschritte erzielt worden. Die„Feder-Bill", die das Verbot des Verwenden s von Vogelfedern für menschliche Tracht und Schmuck verlangte, ist zwar nicht durchgegangen, aber immerhin wurde das Schießen von Vögeln in der Gefangenschast oerboten. Nunmehr ist ein Gesetz eingebracht, das sich gegen die Quälerei alter Pferde wendet, die nach langem Dienst in England noch nach Belgien vertauft und dort maßlos geschunden werden. Auch der Behandlung der Pferde im R e n n b e t r i e b soll eine größere Aufmerksamkeit zugewendet werden, damit die Tie« nicht unnötig überanstrengt werden. Ein anderes Gesetz, das im englischen Unterhause auf Annohme rechnen kann, ist der Schutz von Tieren und Vögeln, die zu ö f f e n t l i ch e n Schaustellungen dressiert«erden. Auch dafür werden Verordnungen erlösten, die alle Quälereien oerhindern sollen. Sa» aller, daß reaktionär« Offiziere und Kommandeure, denen vte? Schlimmeres vorzuwerfen ist, mit der größten Hartnäckigkell im Dienst gehalten werden. Wenn man Müller-Brandenburg vorwirft, daß er nicht den letzten Kommunisten aus seiner Truppe entfernt habe, warum unternimmt man dann nichts gegen all die Offiziere, die ihre Truppen mit Rechtsputschisten geradezu verseucht haben?!_, SelbjWutz und Sozialdemokratie. Beesten, 25. Juni.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Zu dem angekündigten Verbot aller Selbstschutzorganisationen durch den Reichspräsidenten, welche erst durch die republikanische Breslauer Selbstschutzgründung provoziert werden mußte, schreibt unser Breslauer Parteiblall:„Es ist uns nichts Neues, daß vieles den Justizbehörden der Republik erst auffällt, wenn nicht mehr nur Monarchisten, sondern auch R e p u b l i t a n.e r es tun.(Was auch wir bereit» feststellten. Red. d. B.) Die Hauptsache ist, daß die neue Verordnung jetzt auch ernsthaft durchgeführt wird, was den zuständigen Beamten nicht überall von Herzen gehen wird, was aber die Arbeiterschaft wirksam unterstützen kann und unter- stützen wird." Münchener Kommuniftenkomödie. INünchen, 25. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Zu einer immer lächerlicheren Komödie wächst sich der Kommu- nistenprozeß in München aus: lächerlich für diejenigen, die ihn mit großem Lärm in Szene gesetzt haben, und lächerlich für die Mün- chener Kommunistische Partei, welche ihre völlige Unreife und Un- fähigkeit, Führerin der Arbeiterschaft zu sein, dargelegt hat. Rahe« zu ein ganzer Tag wurde vom Gericht dazu verwendet, aus einem der„Verschwörer" herauszubringen, was ihn veranlaßt habe, die Namen von 4 Genossen, die er als.Sprengkommando" bezeich- nete, aus freien Stücken anzugeben. Schließlich war man ge- zwungen, die Verhandlung wegen der außerordentlichen Der- wirrung abzubrechen, die durch diese Aussagen herbeigeführt wurden, um den Befragten eine Nacht über seine Angaben nach- denken zu lasten. Nielleicht nimmt der Psychiater dem Gericht die schwierige Entscheidung über die Strafbarkeit der beabsichtigten Greueltaten ab! Der gestrige Verhandlungstag hat nichts Wesentliches zutage gefördert, außer unsinnige Verabredungen der„Derschworenei»". Eharakteristisch für die Geistesoerfastung der Münchener KPD. und ihrer Führer ist die Aussage eines der führenden Leute:„Es tut mir leid um die Partei, baß wir hier so ein Affentheater aufführen müssen. Die Berliner Zentrale betrachtet un» sowieso als verlorenes Land." Wenn es bereits so weit ist, daß die eigenen Führer der Partei die Flinte Ins Korn werfen, so kann die gesunddenkende Arbeiterschaft selbst ihre Schlüste daraus ziehen. die Ursache des ferner Grubenunglücks. Herne, ZS. Juni.(TU.) Wie neuerdin>s»erlautet, ist die Ursache der Explosion ein Schaß, der verbotswidrig abgegeben wurde. Die beiden Schießmeister waren zur Zeil der Explofion nicht am Explosionsherd. Uten Hai dort aber(während die Belegschaft im allgemeinen mit elektrischen Lampen aasgerüstet ist) eine w e l l e r- la m pe gefunden, die nur Schießhaner besitzen. Während sonst nur mit Sprengstoff geschossen wird, wobei keine Flamme ealstehl. will ein Skeiger in einem Rachbarrevler einen knall gehört haben wie von einer Dyaamilpatroae. Trifft das zu, dann wäre das Ul! glück nur durch unvorsichtiges and oerbolswidriges Handeln enlstandeu. Die Uatersuchung vermochte bisher lm Revier des Steigers B alter- mann, ia dem die Explosion geschah, keine Schlagwekter aachzu- weifen, obwohl schon hier tagelang keine Wettcrzuftihrung mehr er- folgte. Ritter von Schieberichs Gnaden. Hocherfreut meldet der.Lokal- Anzeiger", daß zum ersten Male sell Ausbruch des Krieges der Herrenmeister de» Iohanniter-Ordens«„Prinz Eitel Friedrich von Preußen" die Erteilung des Ritterschlages und die Investitur der neuen Rechtsritter dieses Ordens vollzogen hat.— Heil! General Gounaud, der französische Oberbefehlshaber in Syrien, ist am See Tiberias einem Reiterangriff entgangen. dann soll dasselbe Gesetz die Schlächter zwingen, beim Töten der Tiere Werkzeuge zu verwenden, durch die der Tod möglichll schmerzlos herbeigeführt wird, und im Zusammenhang damit ist eine Reform der Schlachthäuser in Ausficht genommen. Schade, daß man sich während des Krieges des„Menschen- schutzes" nicht mit derselben Sorgfall angenommen hat, die man jetzt dem Tierschutz angedeihen läßt! Die qualvolle Art, mit der Menschen durch gütige Gase und brennendes Oel zu Tode gemar- tert wurden, hat das Humanitätsempfinden der„Kulturnationen" damals nicht sonderlich bewegt. Eleonora Duse im Keller. Einem Sonderberichterstatter des Pariser„Exelsior" in Turin, hat die berühmte italienische Schauspielerin Mitteilung über ihre Zu kunftspläne gemacht. Sie betonte, daß nur die furchtbare Tragödie des Wellkrieges imstande gewesen sei, sie der Einsamkeit zu entreißen, in der sie ihre Tag« zu beschliehen gedacht hatte. Angesichts dieses unermeßlichen Elends habe sie aber dem Berlangen, sich wieder zu betätigen, nicht widerstehen können.„Ich will mein Theater haben", erklärte sie, „und ich werde es haben. Ich werde hier die Werk« der jungen Dichter aller Länder, die mir der Aufführung würdig erscheinen, der Bühne gewinnen. Aber ich werde meine Kräfte nicht an un- fruchtbaren'Inszenierungsexperimenten vergeuden. Ich will viel- mehr in einem kleinen Saal mit weißgetünchten Mauern und auf einer ganz einfachen Bühne spielen. Und wenn? nicht anders geht, werde ich mich unter die Erde in einen Keller flüchten, wie es die ersten Christen taten." Vermutlich wird die Duse es nicht nötig haben, sich in Keller zu flüchten, sondern es werden ihr auf Wunsch alle Theaterräume Europa» offen stehen, sowohl die kleinen mit«eißgetünchten Mauern, als auch die elegantesten und größten, und wenn nicht sie selber, so wird sicher ihr Impresario dafür sorgen, daß die Wahl auf die letzteren fällt. Ein klagender Wohlkäler der Rlenschheik. Seit dreißig Iahren prozessiert der französische Chemiker Turpin, der Erfinder des Sprengstoffs Melinit und anderer nützlicher Dinge, die im Welt- kriege zur Anwendung kamen, gegen die Regierung seines un, dankbaren Vaterlandes, das ihn seiner Meinung nach nicht nach Ge- bühr belohnt und bezahlt hat. 199 999 Fr., die er 1912 vom franzö- fischen Staat erhielt und eine lebenslängliche Rente von 25 999 Fr. erscheinen Ilm nicht als genügendes Entgelt für feine Leistungen zum Wohle der Menschheit. Er hat jetzt eine neue Klag« eingereicht. Urania-Vorträge. Sonnlag, Montag und Freitag:„Die Insel Rügen«. Mittwoch:.In den Bergen Tirol»'. Donnerstag: .Der Har,'. Sonnabend:„Von der Zogspitze zum Batz- mann'. Dienstag Vortrag:„Die schöne deutsche Stadt'. Handbuch der Stantsbürgerknnde für Schule». Für die llb« sagung eines solchen Handbuches sind don privater Seite zwei Preise von SOOO und 6000 M. auSgeictzt worden. Nähere AuStunst erteilt Dr. L ü h- m a n n in Berlin-Friedenau, Cranackstr. 31—32. In der Galerie Möller, Potsdamer Straße 134«, find graphisch» Arbeiten»on Srnst Barlach, Ldonel Feininger, Oiotfcein, Erich Heitel, 6. 2. Kirchner, Oitar Kotoschta. Otto Moeller, Eonl Aol�e, Mar Pcch'kew, Schmidt-ttotttejI»ntz Ratzard GcmmA neu«-»g-stotzt GroßSerlm fünfzehn Jahre Kreibäüer. Offiziell wurde vor 15 Jahren an einem heißen Pfingstsonntag den Berlinern gestattet, sich an einem Stückchen märkischen Sand am Wannsee auszuziehen und in den Fluten des Wannsees zu baden. Der damalige Landrat v. Stubenrauch gab auf Drängen des jetzigen Pächters des Freibades die provisorische Erlaubnis zum Frei» baden. Diese Erlaubnis war damals das Signal zur Mobilmachung der Sittlichkeitsapostcl. Es muh gesagt sein, das Volt war damals noch nicht reif für das Freibad. Es mußte erst erzogen werden. Die „Erziehung" begann damit, daß Bernhard Frankenthat, der Gründer des Freibades, zuerst so schnell wie möglich ein Drahwerhau zwischen den Ausgezogenen und den sehr ungezogenen Unausge- zogenen ziehen ließ. Dann wurden Männlein und Weiblein getrennt und dann das eigentliche Familienbad gegründet. Zelte wurden ge- baut, Wasserleitung und anderes mehr für die Gesundung des Volkes geschaffen. Die Lästeralleen am Strande wurden dadurch beseitigt, daß nur Badenden der Zugang zum Strande gestattet wurde. In gemeinnütziger Weise wurden Schulerziehungsanstalten und Militär, nachdem der Groschentarif schon eingeführt war, umsonst eingelassen. Städte wie Budapest und Stettin haben ihre Freibäder nach dem Bad am Wannsex eingerichtet. Die zahlreichen Unglücksfälle kommen auf das Konto der so- genannten wilden Bäder, die sich gewöhnlich neben den Freibädern angliedern. Gegen diese wilden Bäder müßten die Behörden endlich einschreiten, viel Unglücksfälle würden dadurch vermieden werden. Dem alten Freibadoater Frankenthol in Wannsee wollen die Ber- liner Stammgäste am Sonnabend zu seinem 60. Geburtstag einen Fackelzug bringen. Freigabe neuer Badestellen. Zu den Beschwerden über dasEinschreitenvonPolizei- beamten gegen Badend« wird von zuständiger Seite mit- geteilt, daß die Polizeibehörde nach dem Allgemeinen Landrecht nicht etwa nur berechtigt, sondern vielmehr verpflichtet ist, die nötigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffenllichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu treffen und das Publikum vor Gefahren zu schützen. Es ist geplant, weiteregeeigneteBadsstellensoschnell wiemöglichzuerkundenundfreizugeben. Razzien. wie sie bisher zeitweise vorgenommen wurden, sollen nicht mehr veranstaltet werden in der Hoffnung, daß das badende Publikum Auswüchsen selbst entgegentritt und solche Badenden nicht unter sich duldet, die durch ein unanständiges Berhalten das gesunde Körperbad im Freien diskreditieren. der gefähröete slaütische Haushalt. Der Haushaltsausfchuß der Stadtverordnetenverfamm- lung setzte gestern unter dem Vorsitz des Stadtv. Dr. Kirchner feine Beratungen über die Voranschläge der Bezirksverwaltungen fort. Es wurde, wie eine Korrespondenz erfährt, von allen Seiten des Aus- schusics zugegeben, daß die Bezirke infolge der vom Magistrat vor- genommenen starken Streichungen zu Haushaltsüber» schreitungen gezwungen sein würden und daß ihnen hier- für Erleichterungen gegeben werden müßten. Im Zusammenhang mit dieser Aussprache, in die der Stadt- kämmerer Dr. Karding wiederholt eingriff, kam es im zweiten Teil de? Beratungen zu einer lebhaften Aussprache über das Gleich- gewicht des ganzen Haushaltsplanes. Von kommunistischer Seite wurde der Haushaltsplan abgelehnt: je eher dieses kapita- listische System zusammenbreche, desto besser. Die Redner der 11 n- abhängigen Fraktion erklärten sich zwar bereit, an der recht» zeitigen Fertigstellung des Etats mitzuarbeiten, erklärten aber de» vom Magistrat betretenen Weg der Erhöhung des Schulgeldes und der Gas- und Stromtarife für ungangbar, ohne aber andere Ein- nahmen als Ersatz dafür in Dorschlag zu bringen. Di« Sozial- demokratische Fraktion kieß erklären, daß sie dem Haus- haltsplan und, wenn auch mit schwerem Herzen, den vorgeschlagenen Erhöhungen zustimmen werde. Angesichts der Darlegungen der äußersten Linken erklärte der Vertreter der Demokratischen Fraktion, daß die bürgerlichen Stadtverordneten ols Minderheit nicht die Verantwortung für einen Etat übernehmen könnten, den eine Partei der Mehrheit gänzlich ablehne und den eine andere Partei nicht ins Gleichgewicht bringen wolle. Unter diesen Umständen müßt« auch die bürgerliche Minderheit den Haushaltsplan ablehnen; die Folge wäre unter Umständen die völlige Ablehnung des cyats und die— Auflösung der Stadtverordnetenverfamm. lung. Tßon feiten der Deutschen Volkspartei wurde dies unterstrichen und betont, die bürgerliche Minderheit sei bereit, den Haushaltsplan zu balanziercn unter der Voraussetzung, daß dies Gleichgewicht des Etals auch bis zu m 3 1. M ä r z 1 9 2 2 unter allen Umständen erhalten und keine Ausgabe ohne gleichzeitige Deckung beschlossen werde. Von der Sozialdemokratischen Fraktion wurde be- tont, daß man den bürgerlichen Fraktionen die Verantwortung für derartige Entschlüsse überlasten müßt«: die SPD.-Fraktion sei aber bereit, bei etwaigen Nachträgen und Nachforderungen auch gleich- zeitig für die Deckung zu sorgen. Seitens der Kommunistischen und der Unabhängigen Fraktion wurde eine Bindung im Sinne der bürgerlichen Fraktionen abgelehnt.— Di« weiteren Verhandlungen wurden auf heute vormittag vertagt und nur noch beschlossen, an die Stadtverordnetenversammlung das Ersuchen zu richten, einen ständigen Haushaltsausschuß einzusetzen. Die öffentliche Sesunöhektspflege. Beginn des ersten Gemeindefürsorgekage». Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung' von Reichs-, Staats- und Kommunalbebörden und der Aerzteschast trat heute früh im Hörsaal der Charit- der erste deutsche Gemeindefürsorg-. tag zusammen. In einer Eröffnungsansprache gab Stadtmedizinal- rat Geh. San.-Rat Dr. Rabnow der Genugtuung Ausdruck, daß die Behörden den Arbeiten dieser neuen Tagung so großes Inter- este entgegenbringen. Er wandte sich gegen die Stellungnahme des deutschen Städtetages. die nur auf einem Mißverständnis beruhen könne. Es sei nicht beabsichtigt, einen neuen Kongreß zu schaffen. der den Städten neue Aufgaben mache. Die Tagung soll Im An- schluß an den Verein für öffentliche Gesundheitspflege zusammen- treten. Die Vorlage eines Iugendwohlfahrtsgesetzes werde vom Reichstag in nächster Zelt verabschiedet werden. Bei der Wichtig- keit dieser Vorlage, von der das Wohl und Wehe der Jugend, also der Zukunft des Volkes abhänge, glaubten die sachverständigen Kreis« der Aerzteschast dazu Stellung nehmen zu müsten, da die Vorlage bei aller Anerkennung des guten Willens einige Punkte enthaste, die wir als Sachverständige für bedenklich halten müsten. Es wurde dann in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst sprach Prof. Dr. G r o t j a h n- Berlin über die Zusammenfastung des öffentlichen Gesundheitswesens. Er kam zu der Forderung, daß dem bestehenden Notstand aus gesetzlicher Grundlage durch Schaffung von allgemeinen Gesundheitsämtern abgeholfen werden müsse, von denen auch die Gesundheitspflege für alle Altersklassen selbständig neben den Wohlfahrts- und IugendämteriBzu verwalten ist. Ueber die Aufgaben des Gefundheitsamres sprach Professor Trc. K r o u t w i g- Köln. In kleineren Städten und Kreisen käme sür die Leitung de» Gesundheitsamtes in erster Linie der Kreisarzt in Frage. In größeren Kreisen und Städten sei die Bestellung eines Kreiskommunalarztes oder Stadtarztes notwendig. Das Gesundhests- amt hätte alle wichtigen Gebiete der sozialhygienischen Fürsorge auszubauen und neben der gemeindlichen Fürsorge auch die private heranzuziehen. Eine zweckmäßige Zentralisation sei jedenfalls her- beizuführen. Den Aufbau eines Gesundheitsamtes schllderte sodann Präsident Dr. Pfeiffer- Hamburg unter Besprechung der Ham- burger Einrichtungen im einzelnen..Schließlich sprach noch der Neu» köllner Stadtrat Dr. med. S i l b e r st e i n über die„Stellung des Gesundheitsamtes innerhalb der Iugendwohlfahrtspflege". Verkehrsreklame im Stratzenbild. Der Magistrat beabsichtigt, dem Beispiel anderer Städte folgend, StraGen und Plätze Berlins mehr als bisher für Werbezwecke mehreren Gesellschatten zur Verfügung zu stellen. Eigenbewirt« schaftung durch die Stadt kommt nach Ansicht des AuffichtSrateS der von der Stadt gegründeten Berliner Anschlag- und Reklamewesen G. m. b. H. nicht in Frage. Es kommt in Betracht die Aufstellung von Auskunft« automaten sowie von VerkehrSwart» Plänen, die Anbringung von Reklameschildern an den Stratzenschilderpfosten und den Trägern der öffentlichen Straßenbeleuchtung und zwar lediglich für Dauerreklame. In allen Verträgen ist ferner neben einer festen jährlichen, in vierteljährlichen Raten im borau« zu zahlen Miete noch ein« Gewinnbeteiligung der Stadt vorgesehen. Der Magistrat hofft, eine Einnahme im ersten Jahre von ca. 3>/, Millionen Mark zu erzielen. Rettungskähne sind kein Spielzeug. Seit einiger Zeil treffen die Beamten der Schutzpolizei bei ihren Streifen vielfach Kinder an, die die städtischen Rettungsboote als Spielplätze benutzen. Häufig kommt es dabei vor. daß Kinder infolge Schaukelns des Bootes, Hinauslehnen über den Rand des Kahnes oder durch einen Fehstritt ins Wasser stürzen und elendiglich er- trinken, da Hilfe meist nicht in der Nähe ist und die anderen Kinder, ohne jemand etwas zu sagen, einfach davonlaufen. Auf diese Weise erttank erst gestern wieder der neuniähnge Schüler Werner Goebel aus Charlottenburg. Er stürzte beim Spielen auf einem Rettungs- nachen zwischen der Königin-Luisen-Straße und der Schloßbrücke in den Landwehrkanal und ertrank, da Hilfe nicht zu erreichen war. Den Eltern wird dringend empfohlen, ihren Kindern das Spielen in den Rettungsbooten energisch uno unter Androhung von Strafe zu ver- bieten. In der Ztcchvehr erschossen hat in der vergangenen Nacht der Restaurateur Grzesikowski in der Memeler Straß« 70/71 einen 35 Jahre alten Kraftwagenführer Paul R i e t e n b a ch aus der Strausberger Straße 7s. Rietenbach besuchte die Wirtschaft noch gegen 12 Uhr und versuchte später noch einmal mit Gewalt ein- zudringen, wobei er auf den Wirt seinen Hund hetzte. In seiner Bedrängnis gab der Wirt einen Schreckschuß ab. Die Wirkung war nun die, daß Rietenbach ihn tätlich angriff. Jetzt schoß der Wirt auf ihn und verletzte ihn durch 3 Schüsse so schwer, daß er t o t z u- sammenbrach. Augenzeugen des Vorfalles begaben sich mit dem Wirt nach der zuständigen Reoitzrwache, um den Tatbestand mitzuteilen. Grzesikowski wurde sofort wieder entlasten. Die Leiche des Erschostenen wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Einstein am Rednerpull in Berlin. Am Montag abend 549 Uhr findet im Blüthner-Saal, Lützowstr. 76, eine öffentliche Versammlung „Der Aufbau Palästinas als Aufgabe der Juden- h e i t" statt, die von einer Anzahl jüdischer Organisationen einbe- rufen ist. Redner des Abends sind Prof. Albert Einstein, der über seine Amerikareise berichten wird, ferner Dr. Apfel. Rab- biner Nobel- Frankfurt a. M. und Kurt Blumenfeld. Kartenverkauf im Blüthner-Saal, Montag oormittan 9— 1, nachmittags 6-— X8 Uhr. • SSHendieuff für die Hohevz ellern. Cnw BerKn« Papierwarenfabrik erläßt an ihre Kunden folgendes Rundschreibens„Durch viele Anfragen veranlaßt habe ich mich entschlossen, patrio- tisch« Karten, also alle Aufnahmen, die von dem Hohen» zollernhause erscheinen, als Spezialität zu führen."— Es ist ganz gut, daß auf diese Weise einmal festgestellt wird, daß der vielgerühmte deutsche Patriotismus offenbar nicht das geringste mit Vaterlandsliebe und Liebe zum eigenen Volk zu tun hat, sondern gleichbedeutend ist mit Götzendienst für die Hohenzollern. Man wird sich das merken müssen. Die Linie 20(Spandau. Hauptbahnhof— Stadtpark— Johannis- stist) und?(Neukölln— Hakenfelde), die bisher in Spandau in der Richtung nach dem Hasenplatz durch die Breite- und Havel- straß«, zurück über Potsdamer Straße und Markt verkehrten, wer- den vom 1, Juli d. I. in beiden Richtungen über Markt und Potsdamer Straße geführt. Ein grosse» Jngendfeft im Licbtenberger Eleadto». an dem 4000 Schüler und Schulerinnen des 17. DerwaltungSbezirt«(Lichtenberg) au« den OrtStellen Lichtenberg, FriedrichSselde-Sarls&orst, MahISdorf, Raul#- dorf, Biesdorf, teilnehmen, wird vom Städtischen Ausschuß für Kunst- und Voltsuntcrballung des Bezirks am Freitag. 1. gult, nachmittags by, Uhr, veranfloliet. KelangSaufführungen. Volkstänze und turnerische Borsübningen bilden das Programm. Die begleitende Musik wird vom Deutschen Tonkünstler-Orchester ausgeführt, da» auch während der Vaulen konzertiert. Karten zu 8,— M. für Erwachsene und t,— M. jfür Kinder sind u. a. in der städt Schulabteitung. Lichtenberg. Ratbaus» iiraße 10, Baracke 2, In fämtlichen Schulen des Verwaltungsbezirks 17 sowie in den Amtsstellen Biesdorf, MahISdorf und KaulSdorf zu haben. Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Elternbeiräte de»»2. ver- walcungsbezirts. Die für morgen'(Tonntag) angekündigte Besichtigung der GartenarbeitSschule in Neutölln findet nicht morgen, sondern am 3. Juli zur gleichen Zett statt. Tresfpuntt Bahnhof Südende S Uhr. Theater der Woche. Vom 20. Jnnt diS S. Juli. »Olli»»»««■ n. 29. Der Bauer als MillivuSr. 27. tt.«D. vi« lange 3uU. 28. Wallenstein, Tod. M> 1. D-r«aiserjSzer.— Orerahar-»! 27-. Ra. dorne Siulcrfti). 28. Turandot, Harlelino. 29. Cavalleria tufiteana, 30 kAuber Abonnement) Rosenkooalier. 1.-3. Die Strohautwe.— Schau. fpicliau»: 27. Kronprinz. 28. u. 29. Dos Dlltck im Winkel. 30. Peer«gnt.— Stofcc» Schauspielhau»! 9«., 27., 29., 1.-3. Die Weher. 28. u. 30. Sin Sommer- nocht-troum.— Deutsche» Theater: Potasch und Perlmutter.— gammersprel«! R»ei olllcklicht Tage.— Lesstua.THeat«! DU Ballerina de» König».—»heottr in der ZUuiggrögrr Straße: Mit dem Feuer spielen. Satan» Mösle.— Deut. sche» Opera hau»: 28. Der Troubadour. 27. Sötterdämmerung. 28. Der Fiel. IlbiU. 29. Doeco, 80. n. 3. Di« Meisicrstilger oon Nürnberg. 1. Lohengrrn. 2. Margarethe.— Schiler-Zheateri 28. u. 29. Alt-Heidelberg. 27. u. 28. Der Raub der Sabinerlnnen. Ad 1. Meine Frau— da» Fräulein. Täglich.»I« SritSue:»unburi,.— Deutsche»«Lnstler-Theate,: Da, Setländnia.— gomSdienhau»: Der bland» Engel.— Berliner Theater: Da» Milliarden-Souper.—«leine» Schaulpicl»-«»: Reigen.— TrI-»»».T»«ater: ladt) WIndermercs Fächer.— Residenz-Theater: Ab dafür.— Zentral.Theater: Ilonka.— Theater in der Rommaudantenftraßc: DI« golbene Freiheit.— Friedrich-Wilhelmslüdtische» Theater: Die»leine au» der HSll«.—«amisch» vpe«: Alt.Heidelberg.— Tnyspiella»»: Di« spanisch- Fliege. Ad 1. aeschlaffru. — Metrapol. Theater: Die blaue Mazur.— Neu«, Operetten-Theater: American- Kirl.- Thalia-Theater: Maseottchew- Theater am Rodendarsplag: Der Better au» Dingado.— Theater de» Besten»! Margen wieder lustttl—«leine» Tbeater: Nur ein Traum.— Waloer-Theat-r: Der«uhreigen.—»alhaüa. Theater: Die Scheidungsreise— R»se-Theater: Wo die Schwalben nisten.— Luise». Theater: Z8.-30. Berlin, wie e, weint und lacht. Ab 1. Tagebuch einer Berlarenen.— Neuen B»lI».TH»at«r: Dir Lokalbahn.— Falle» Taprir«: Schlaf. zimmergeheimni». Liebe engro».— Schiaipark-Theater, Stcglig: 26.-28., 30., 1. u. 8. Der Raub der Sobiuerinnen. 29. u. 2. Der RangUrbahnhof. »a««Ittag«»orst«ll»»S-».«»ll»biib»e: 28. Die lange MUe. 3. Die Fledermou».—«chausplelha»»: 28. Stroh. Fliege.— Sesstug-The-ter: 28. u. 3. Ein idealer Satte.— Deutsche» Opeinhaa,: 28. Hoffmann» Erzählun. gen. 29. Ltradella. 3. Martha.— Deutsche»»unstler.Zheatee: 28. u. 8. Pygmalion.- Trianan-Theoter: 28. u. 8. Rasen.— Residenz. Theater! 28. u 8. Am Teetisch.— Tbeater am Rotlendprsplag! 28. u. 8. Wenn Liebe erwacht. 29., 30. u. 2. Die schöne Galathee. Da» Verspreche» hinterm Herd.— Theater de» Westen»: 28. u. 3. Die Psarrdauskamödte.—«leine» Theatre: 28. u. 3. Rur ein Traum.— Roie-Theater(Sortenbühne): Wo» junge Mädchen träumen. — Lnisen-Thento« 8. Rotkäppchen.— Reue» Balli-Thenter: 26, Jugendfreunde. SewerGhastsbewegung vom allrussischen Gewerkschaftskongreß. Dem recht beachtenswerten Leitartikel der„F r e i h �i t" vom Freitag abend über die kommunistischen Gewerkschaftszerstörer und den Bankerott der russischen Gewerkschaften em- nehmen wir: Die offiziellen Nachrichtenagenturen der Sowjetregierung und die kommunistische Presse hat über den Verlauf des kürzlich abgehakte» nen Allrussischen Gewerkschastskongresics die üblichen verlogenen Be- richte gebracht, die den Anschein erweckten, als ob die russische Ge- werkschaftsbewegung in vollster Blüte stehe und einheitlich und geschlossen der kommunistischen Führung folge. Was hinter den Ku» listen des Gewerkschaftskongresses vor sich ging, wurde von der kommunistischen Berichterstattung sorgfältig verschwiegen. Darüber gibt ein Bericht des Moskauer Korrespondenten des„S o z i a l i st i» schen Bote n", des Berliner Organs der Auslandsdelegation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, in sehr interessanter Weise Auskunft. Es heißt in diesem Bericht: „In der ersten Sitzung der bolschewistischen Froktton des Ge» werkschoftskongresses(die vor der offiziellen Eröffnung des Kon- greffes stattfand) wurde der Bericht des allrussischen Zentralrats der Gewerkschaften entgegengenommen: der Vertreter des letzteren, T o m f t i, schlug sich reuevoll an die Brust, erklärte, daß der Zentralrat-überflüssig und untätig gewesen sei, und bemerkte zu seiner Rechtfertigung,'daß das Kommunistische Zentralkomitee dem Zentralrat nicht die Möglichkeit gegeben habe, zu arbeiten, indem es ihn durch seine Befehle unterdrückte. D. R j a s a n o f f(der be- kannte Marxsorscher und Gewerkschaftsführer) bestätigte diese Tat- fachen und griff den Zentratrat de- G-u..ilschast-n an, weil er nicht den Mut gesiabt habe, gegen das K> mmunistffa,« Zentralkomitee zu kämpfen. Rjasanosf sprach mit großer Leidenschaft und bewirkte. daß eine ungeheure Mehrheit eine Resolution annahm, in der die UnabhängigkeitderGewerkschaftengefordertund festgestellt wurde, daß das Kommuni st ischeZen» traltomitee den Zentralrat der Gewerkschaften an seiner Arbeit behindert habe. Wegen dieser Kühnheit beschloß das Kommunistische Zentralkomitee, die Schuldigeu exemplarisch zu bestrafe». Am folgendeix Tage konnte der Gewer k» schaftskongreh nicht eröffnet werden, weil das Zentralkomitee den ganzen Tag über die ge- schaffene Lage beriet.' Am Abend wurde der Kongreß eröffnet, aber das Präsidium wurde nicht gewählt und die Arbeit nicht be» gönnen, sondern die Verhandlungen auf den folgenden Tag verschoben. Am folgenden Tage jedoch trat die Kommunistische Fraktion wieder zusammen, derdasZentralkomiteefolgen. des Ultimatum unterbreitete: 1. Die Resolution Rjasanosf wird zurückgezogen: 2. es wird eine Resolution angenommen, die das Kommunistische Zentralkomitee Erfaßt hat: 3- Rjasanosf und Tomsti werden vom Kongreß entfernt, oon der Ge» werkschaftsorbeit ausgeschlossen und vor ein Parteigericht gestellt. Die Fraktion geriet in Empörung. Lenin„selbst" erschien, hielt dreimal eine Schimpfkanonade. Die Atmosphäre wurde immer heißer: es regnete nur Komplimente wie Dummkopf, Idiot, Schuft usw. Die Fraktion ergab sich nicht. Lenin entfernte sich. Am Abend eröffnete der Kongreß erneut seine Sitzung ohne Präsidium. Es wurden einige Begrüßungsreden entgegengenommen. Die Kommunistische Flckflon beschloß, eine Delegation zu Lenin zu senden mit der Bitte, daß das Zentralkomitee seinen Beschluß Hinsicht- lich Rjasanosf und Tomski einer Revision unterziehe. Lenin empfing die Delegation und versprach„zum letztenmal", den Beschluß zu revidieren. Das Kommunistische Zentralkomitee trat zusammen, beschloß aber., an seinem Beschluß festzuhalten. Darauf ergab sich die Kommunistische Fraktion, akzeptiert« das llkttmakuni des LcnmmnttMschen Zentrakkomttees. beschloß aber zugleich_ an den nächsten Pnrtet- tongreß zu appellieren! Tomsti und Rjosanoff wurden oon der Teilnahme am Kongreß ausgeschlossen: das Kommunistische Zentralkomitee hielt sgin« Be- grüßungsrede, das Präsidium wurde gewählt, und alles ging wi« geschmiert. Der Kongreß stimmte ab und nahm die vom Kommu- nistischen Zentralkomitee verfertigten Resoluttonen an!" Wer die Dinge in Rußland einigermaßen verfolgt, wird sich üb« diese Vorgänge nicht wundern. Sie vervollständigen nur da» Bild, da» sich aus den Klagen der russischen Gewerkschaften und Genossen. schaften längst ergeben hat.„Die kommunistische Presse"— bemertt die„Freiheit" sehr richtig—„wird natürlich mit gewohnter Eilen- stirnigkeit sie hier mitgeteilten Tatsachen zu leugnen versuchen. Wir bemerken demgegenüber, daß der vorstehende Bericht au» einer Quelle stammt, deren vollkommene Zuverlässigkeit so sehr außer jedem Zweifel steht, daß jeder� Moskauer Bericht im „Sozialistischen Boten" in den Kreisen der Sowjetbureaukratie eine wahre Panik hervorruft. Alles Leugnen wird die Taffache nicht zu vertuschen vermögen, daß nicht nur die westeuropäische Arbeiterschaft in steigendem Maße den wahren Charakt« der„Potemkinschen Dörfer" der russischen Kommunisten erkennt, sondern daß auch in den Reihen des russischen Proletariats, ja der russischen Kommunisten selbst, jene gesunde Opposition im Wachsen begriffen ist, die allein imstande ist, mit dem bolschewistischen System auszuräumen und die russische Revolution aus ihrer Sackgasse herauszuführen." In Rußland kann man keine Gewerkschaften gebraucben, die im Interesse ihrer Mitglieder Forderungen erheben. Das verstieße gegen die bolschewistische Staatsraison, sowett Sowjetrußland Unternehmer ist, oder aber gegen die Verträge mit den ausländischen kapitalistischen Unternehmern. Die Gewerkschaften werden in Rußland nur insoweit und solange geduldet, als sie sich zur Beschwichtigung der Arveiter- massen hergeben und die ihnen aufgetischten hochtrabenden Reso- lutionen schlucken, die für das Ausland verfaßt werden, zur Agitation für die„Weltrevoluttcm". Sobald sie aber den Machthabern un- beguem werden, sind sie erledigt. Gelänge es ihnen, sich frei zu ent- falten, so bedeutete dies den Zusammenbruch der ganzen mühsam aufrechterhaltenen Gemaltherrschaft, der Diktatur über das Prole- tariat.__ Neberstundcn müssen bezahlt werden. Eine maßgebende Entscheidung für sämtliche Angestellte bei» Reiche und der Länder fällte in ihrer Sitzung am 16. Juni die erste Spruchkammer des Zentralschlichtungsausschusies beim Reichs- arbeitsministerium. Es stand ein Fall zur Berhandlung, der vom örtlichen Schlichtungsaueschuh Königsberg an den Zentralschlichtung»« ausschuß überwiesen worden war. Mehrer« Angestellte einer Reichs- stelle In Königsberg hatten aus besonderem Anlaß im Derlaufe von drii Monaten Ueberstunoen zu leisten. Da nun der für Ange- stellte beim Reiche und den Ländern gültige Tarifoer- trag in seinem Z 2, Absatz 3, ausdrücklich sagt, daß in besonders dringenden Fällen lieberstunden ohne jede Entschädigung zu leisten seien, lehnte die maßgebende Stelle es ab, die geleistete ileberarbeit zu bezahlen. Die erste Spruchkammer des Zentralschlichtungsaus- schusses unter Vorsitz des Oberregierungsrats Cäsar erkannt« an. das forllaufend geleistete Ileberarbeit grundsätzlich auch zji bezahlen sei. Das Urteil lautete dahingehend, daß Ueber stunden im Höchstmaß von 24 Stunden innerhalb zweier Arbeitswochen gemäß dem Tarifvertrag ohne Entschädi- gung zu leisten seien. Sofern die Ueberstunden jedoch laufend über die oben angegebene Zeit hinaus verlangt werden, müssen diese rückwirkend mit dem Durchschnittsstundengescmtteinkommen plus 25 Proz. Aufschlag honvriert werden. Dieser Spruch wurde ein- stimmig unter besonderer Zustimmung eines Vertreters des Reichspräsidenten angenommen.— Nebenbei bemerkt: Mit der üblen Ueberswndenwirffchaft müßte endlich Schluß gemacht werden. Es geht nicht an, daß«in Teil der Angestellten ständig mit Ueber- stunden belastet wird, während ein anderer Teil erwerbslos bleibt. Von den Betrieben des Reiches, der Länder und der Gemeinden muß in erster Linie gefordert werden, auf die Erwerbslosigkeit die nötige Rücksicht zu nehmen._ Arbeitslosigkeit und Staats oper. Der Deutsche Mustkerverband schreibt uns: Am 30. Juni beendet die Etaatsoper ihre Spielzeit und die ..-gestellten aller Kunstgattungen könnten nach der angestrengten Äintersaison 6 bis 3 Wochen in bezahlten Ferien neue Kräfte für die kommende Spielzeit sammeln. So war es wenigstens bisher Sitte. Aber der Egoismus geht soweit, daß er selbst vor dem er- rungenen sozialen Fortschritt der bezahlten Ferien nicht halt macht. Ein Teil der Mitglieder vom Orchester, Chor und technischen Personal will diese Ferien nicht zur Erholung, sondern zu doppeltem Gelderwerb auszunutzen. Während der Sommerferien ist die S t a a t s o p e r an einen Privatunternehmer Herrn Direktor Bergmann zur Aufführung der Blechschen Operette die„Strohwittwe" verpachtet worden. Dadurch wird nicht nur das Defizit der Staatsoper etwas verringert, sondern auch Solisten, Choristen, Musikern usw. Arbeitsgelegenheit gegeben. Daß unter diesen Berufen die Arbeitslosigkeit sehr groß ist, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Für die Musiker wird die Lage von Tag zu Tag schlechter, zumal noch einige durch sehr tüchtige Kräfte besetzte Orchester zum 1. Juli frei und die Mitglieder dieser Orchester damit brotlos werden. In den Reihen der Orchestermit- glieder der Staatsoper scheint aber nicht das nötige soziale Empfin- den für die arbeitslosen Kollegen vorhanden zu sein: haben sich doch 5 0 S t o a t s m u s i k e r für die Aufführungen der„Sttohwitwe" verpflichten lassen. Für sich Hamstern sie dadurch doppeltes Ein- kommen, während auf der anderen Seite gleich tüchtige Kräfte brotlos bleiben. Noch weniger soziales Verständnis scheint aber Herr Direktor Bergmann zu besitzen, wenn er zu solchen unsozialen Handlungen seine Hand bietet. Aehnlich wie beim Orchester liegen die Derhältnisie beim Chor und technischen Personal. Die Kunst in allen Ehren! Nur soll man sie nicht als Aushängeschild benutzen, um den Materialismus dahinter verstecken zu können. Eine Frage an die Intendantur der Staatsoper: Hat sie zu dieser unsozialen Handlungsweise ihrer An- gestellten die Genehmigung erteilt? Was sagen Kultusministerium, Finanzministerium und Arbeitsministcrium dazu? Die Bestim- mungen für die Freimachung von Arbeitsstellen und Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten scheinen für die staatlichen Behörden nicht zu existieren oder fehlt nur der Druck der öffentlichen Meinung? Sollte das der Fall sein, dann werden ja hoffentlich diese. Zeilen für die in Frage kommenden Instanzen Grund genug sein, nun ohne jede Verzögerung das hier Nötige zu veranlassen. Arbeitgeberboykott einer Schlichtungskammer. Die Unternehmer der Filmindustrie haben dem SchlichtKigs- ausschuß Groß-Berlin erklärt, daß sie an den Sitzungen der zustän- digen Kammer 70 nicht mehr teilnehmen. Zur Begründung geben sie an, das Verhalten der Arbeitnehmerbeisitzer den Arbeitgeberbei- sitzern gegenüber sei derart, daß sie es nicht länger mehr hinnehmen könnten. Der Arbeitgebervorsitzende Dr. F r i e d m a n n sei un- mittelbar tätlich bedroht und beschimpft worden usw. Die Unter- suchung der Angelegenheit wird wohl ergeben, ob die Unternehmer nur einen Borwand suchen, um sich den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß zu entziehen, oder ob tatsächlich unsach- liches Verhalten der Arbeitnehmerbeisitzer vorliegt, das natürlich nicht zu billigen wäre. Soweit Unsere Kenntnis von dem Verhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern in der Filmindusttie geht, käme es ohne Herrn Dr. Hriedmann oft weit leichter zu gegen- feitiger Verständigung als mit ihm.- Dle Reichsarbeilsgemeinschafl technischer Beamten verbände hat auf ihrer diesjährigen Tagung in Dresden unter anderem zwei Entschließungen gefaßt, deren erste sich gegen die durch das Entente- ulttmatum geforderte Absplitterung der Heeres- und Marinebau- Verwaltung von der allgemeinen Bauoerwaltung wendet. Die zweite Entschließung wendet sich gegen die von der Reichsspartom- misston vorgeschlagene Abzweigung der wirtschaftlichen Verwaltung ohne.unmittelbare politische Äedeutung" von den Ministerien und Zutellung an Reichsmittelbehörden. Dadurch würde die Techntk aus den Zenttalstellen fast endgültig ausgeschaltet. Da» Fach- und Fortbildungsschulwefen Groß-Berlin». wie e» sein soll, beschäfttgt Montag abend 7� Uhr eine öffentliche Versammlung in der Aula des Leibniz-Gymnaflums am Mariannenplatz 27/23, Nähe Köpenicker Brücke. An das Referat schließt sich eine Diskussion. Alle der Gewerkschaftskommission und dem Afa-Bund ange- schlossenen Verbände, sowie die Lehreroereinigungen und die gewerk- schaftlichen und politischen Jugendorganisattonen und sonsttge Jnter- essenten werden gebeten, zu dieser Versammlung Vertreter zu ent- senden, um das sozialistische Fach- und Fortbildungsschulprogrannn des Dr. Herring zu hören. Afa-Bund, Ortskartell Groß-Bexlin. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Krisi» im englischen B�garbeiter streik. Die Aussichten für eine gemeinsame Aktion zugunsten der Bergarbeiter scheinen nicht günstig. Die Konferenz der Arbeiterpartei hat nur finanzielle und keine in- dustriellc Hilfe zugesagt. Die Transportarbeiter und die Arbeiter der Maschinenindustrie nehmen an der vorgeschlagenen Konferenz nicht teil. Ein bedeutender Führer der Bergarbeiter in Derbyshire hat bestätigt, daß man am Ende der Hilfsquellen angelangt ist und daß wenig Aussicht auf Unterstützung von anderen Fachoerbänden vorhanden ist.— Die Verwaltung des Bergarbetterbundes hat die auf ihre Einladungen an die verschiedenen Verbände eingelaufenen Antworten erwogen und beschlossen, mit den Bergwerksbesitzern und der Regierung zusammenzukommen.— Sir Robert Herne erklärte im Unterhause, wir sind jetzt doch im zwölfwöchigen Streik auf einem kritischen Punkt angekommen. Es besteht Ausficht auf einen Ver- gleich. Der amerikanische Schiffahrtsstreik ist beendet. � Die Organisation der Heizer und Mattosen in New Uork stimmte für die Wiederaus- nähme der Arbeit. LeranU». für den redalt. Teil- Dr. Serner»rN«. CSarlottenbnrq:»r«njelaen! ÜI. Glocke. Berlin,«erlaa! Bor>»är!s.B-rIag S. m.d. H.. Berlm. Drnck: vor- wärlS.Buchdrucker«, u. VerlaaSanstalt Naul Etnaer«. tto.. Berlin. Lindenitr. 8. Grosser Snison-AusverKnuf! Kriegsanleihe wird in ZaMung genommen. Kleider Mod. Hochscmm.-Kleider 4975 5800 6900 8500 Elegante Sommer-Kleider In Voile« Frottl« Rips usw. 98°° 119°° 135°° 175°° Modell-Kleider 245°° 395°° 485°° 690°° Klüsen Sommer-Blusen 1675 2250 297& 39°° Sport- und]abof- Blusen In Panama, Opa*. 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Waldstr. 28. .valkendelq: S a l z m a u n, Falkenberg, Gartenstadtftr. 10. Friedenau: Rhein str. 27, Eck« Rönnedergstratze. Fredersdoef.Peteeshagen: Uffenwaffee. Pelerohagen. Friedrichshsgen: Hoff mann, Friedrichshagen, Kurze Straße L Gränan: Fran, Klein. Frirdrichstr 10. Hal-nfce, Srunusald: Halenfee, Grorg-Wilhelm-Str. 2. Herzfew«: Martin SmolidowstL Aenniasbort: S m m u I a t. Rafhenauftr. 7. Hohenneneadorf: Siegeris. Bismarckstraße. ßohannisthal. Alwin Sammifch Bismarckstr. 8. Karlshsrst: Frau St ante, Hrnfigstr. 32. vorn parterre. Kaulsdorf: L i e b t g. Finsterberg« Str. 4. Kiiniqö-B-ntzerdaulen, Niederlclime: Friede. Baumann. Känigs-Wusterhaufen, Berliner Str. 6. Köpenick. Kirfchgarteu: Schlag. Kietzer Str. 6(Laden). Geöffnet von 9—6 Uhr. Lichtenberg 1: Lichtenberg, Wartenbergstr. L Geöffnet dp« 9—6 Uhr. Ausgabestellen sowie Geschäfts- (Ä-'Z.) Aktiengesellschaft an: Lichtenberg IL Rummelsburg, Straleni Lichteuder», Box» Hagener Str. 62. 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Zimmermann, Rofenthaler Etr. 46. Ssliersbori: Schurbaum. Gichendamm ZZ. Zehlendsri. Schlachtenfee Ritofaofee: Weg n er. stehlen- dorf�Teltower Str. 8. steutben» Miersdorf: Ernst Wi Nierfeld, steutheu« Kurktirstenstr. 46 Zosien: Zllb-rt Stein. Mittenwalder Str. 17. Sämtliche Literatur sowie alle wistenfchaftlichen Werts werden gelieferL tat» die Gelchäfisstellen gefchbffM.