flr.299 ♦ ZS.�ahrgaög Ausgabe A Nr. 152 Bezugspreis» - I», hrUSo,— M, monatl-IV� frei ins Saus, voraus zahlbar. Post» bezug: Monatlich IS,— M. einschl. Fu- stellunasgcbllhr. Unter Kreuzband tür Deutschland. Danzig. das Laar» und Memeiliebiet, sonne die ehemals dem» sche» Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M, für das übrige Ausland 21,— M. Postbcstellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho» Elowaiet. Däne» wart, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntags» deilage„Volk und Zeit", der Unter» Haltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentaglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .SojialOcmotcGt Berlin" Vevlinev VolksblcM SlnzetgenprctS, Die»chrgespalten» Nonvaretllezell» lostet bcho M.„klein« lUnzeigen" da» seNgedruckt, Wort 1�0 M.(zu- lässig zwei fettgedruckte Mörtel, sed», weitere Wort l.— M. Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen da» erst« Wort V— M, sede» weitere Wort 10 Lsg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ffamtlien-An. zeigen sllr Abonnenten geile 8,— 9DL Di« Preise verstehen stch einschließlich Seuerungszuschlag, Anzeigen fvr ble nächste Nummer mllsten di» A Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW W. Linden» straße S. abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bi» 5 Uhr abend». Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte« Deutfchlands Neüaktion und Expedition: 60)68, Lindenstr. Z • Redaktion Moritzplatz 15105—97 Expedition Moritzplatz 117SZ-54 Dienstage den Ä8. Juni 1SÄ1 vorwärts-verlag G.m.b.H., 60) 68,£indenstr. 3 3fcr»»iliri'riii»i»• Berlag. Expedition und Inseraten» . Abteilung Moritzplatz 11753-51 DemMon Giolittis. Rom. 27. Juni.(DTR.) Infolge des Ergebnisses der gestrigen Kammerabstimmung hak dos Minisierium beschlossen. zurückzutreten. Der Rücktritt wird heute noch der Kammer und dem Senat bekanntgegeben werden. Räch dem„Giornale d'ütalia soll Giolitti den Austrag zur Bildung des neuen Rlinisteriums abgelehnt und dem König als geeignete persönlichkeil den jetzigen Schahminister B o n o m i genannt haben. Man mutz Giolitti das Zeugnis ausstellen, daß er an seinem Amt nicht klebt; seine Mehrheit war zwar klein, aber es w a r doch noch eine Mehrheit. Ob nicht auch die italienische Außenpolitik den Entschluß Giolittis zum Rücktritt gestärkt hat, ist von hier aus nicht zu entscheiden. Denkbar wäre es, daß der alte Gegner das Eintretens Italiens in den Weltkrieg an der Seite der Westmächte, die Folgen ihres Sieges für die Politik des von ihnen abhängigen Italiens allzudrückend empfindet. Bonomi ist Reformsozialist: vielleicht erwartet Giolitti von ihm, daß er die Sozialisten zu einer der Regierung freund- licheren Haltung bewegt. Voraussetzung dafür dürfte aller- dings die Entfaltung größerer Energie gegen die Gewalchaufen der Fascisten sein, und ob die Zioilgewält dazu imstande ist, wenn sie sich nicht in einem für die Bürgerlichen kaum ertrag- lichen Maß auf die Arbeitoer stützen will, darf bezweifelt werden. Nach einer„Europa-Preß"-Mcldung, die der Nachricht von der Demission vorausging, haben die römischen Blätter am Morgen nach der Abstimmung übereinstimmend die parla- mentarische Lage für die Regierung als recht unsicher bezeichnet. In verschiedenen Kammerkommissionen zeigten sich starke Oppositionsströmungen. Die Kommunisten, Sozialisten, Repu- blikaner, Fascisten, Deutsche und Slowenen stellten eine u n- versöhnliche Opposition in 3lussicht. Das katholische Zentrum suchte seine entscheidende Rolle möglichst auszunutzen, um sich von der Regierung Dorteile zur Verwirklichung seines Programms zu sichern. So kann die Krise sich fortschleppen und schließlich der Ausweg durch Neuwahlen gesucht werden. Die Sforza-Krise. Rom. 27. Juni.(PE.) Der gestrige Sturm in der Kammer richtete sich außerordentlich gegen die Außenpolitik der Regierung. Es wäre sofort zur Krise gekommen, wenn nicht die starke Gruppe der Sozialdemokraten im letzten Augenblick erklärt hätte, sie stimme für die Regierung, nur um eine Krise zu vermeiden, obwohl sie die Außenpolitik mißbillige.— In seiner Kammerrede ersuchte Giolitti den Fascistenführer Mussolini, nicht vom Irredentis- mus in der Schweiz zu sprechen, da die politische Mission des schweizerischen Bundesrates hauptsächlich der Erhaltung des europäi- jchen Friedens diene. Ohne die Neutralität der Schweiz wäre der letzte Krieg noch schrecklicher verlausen. Dieses Volk halte an seiner Einheit fest, obwohl es sich aus drei Stämmen zusammensetzt, die verschiedene Sprachen sprechen. Italien könne diesem starken und gebildeten Volke nur Glück wünschen und hoffen, daß es seine rulpu- reiche Geschichte fortsetze. Diese Aeußerungen Giolittis wurden von der Mehrheit der Kammer mit lebhaftem Beifall und Zuftim- mung ausgenommen, deren sich nur die Fascisten und Nationalisten enthielten. Auf innerpolitischem Gebiet hat Giolitti die Opposition noch einmal besiegt, dagegen fand die Kammer für den Grasen Sforza kein gutes Wort. Zuletzt wurde Graf Sforza von Salandra angegriffen, der die Abtretung des Hafens von Baros scharf tadelte; Graf Sforza ließe die Kammer überhaupt in der Frage der Außenpolitik im Dun- kein, seine Politik sei als s ch ä d l i ch zu verurteilen. Als sich Graf Sforza gegen die Einwendungen Salandras verteidigen wollte, nahmen die Fascisten eine drohende Haltung gegen ihn ein und wollten sich unter fortwährenden Rufen:„Demission! Es lebe DÄnnunzio!" auf ihn stürzen. Einige Regiernngsmitglieder hielten sie jedoch zurück.— Infolge des ungünstigen Vertrauens- votums über die auswärttge Politik hatte Graf Sforza am Man- tag morgen feine Demission dem Ministerrat eingereicht. Giolitti schlug jedoch die Gesamtdemission vor, der der Ministerrat einmütig zustimmte. Rom, 27. Juni. sEP.) In der heutigen Kammersitzung teilte Giolitti mit ironischem Lächeln unter lebhafter Spannung mit, das Ministerium habe mit dem Vertrauensvotum eine zu ge- ringe Mehrheit erlangt, deren Wert außerdem noch durch die im Laufe der Diskussion gemachten Vorbehalte verringert. fei. Die Re- gjerung glaube daher, nicht.mehr die nötige Macht zu besitzen. um die schwebenden ernsten Fragen zu lösen. Aus diesem Grunde habe sie die Demission eingereicht. Rom, 27. Juni.(EP.) Die offiziöse„Tribüne" und„Giornale d'Italia" bezeichnen den Kammerpräsidenten de Nicola als künf- tigen Ministerpräsidenten.— Der„Corriere d'Italia" schlägt«in neues Ministerium Giolitti als lo-stsche Lösung der Krise vor, da der Ministerpräsident selbst von der Krise hinsichtlich der Außenpolitik nicht betroffen worden sei. An Ffimne. Mailand. 27. Juni.(EP.) Nach der Auflösung der Legionär- Miliz in Fiume haben am Sonntag eine Anzahl Arditti-Fascisten und bisherige Legionäre den Hafen und das Delta von Baros und feinen Zugang beseht. Auf dem Leuchtturm weht die italienische Flagge. Das Kommando der Besatzungstruppen übernahm auf einem kleinen Dampfer der frühere Bürgermeister Gigant«. Italienische Polizeitruppen haben den Hafen gesperrt. Tschechoslowakei unü polen. Der neue polnische Außenminister S k i r e m u n t, der früher Polen beim Grafen Sforza vertrat, hat einen großen Erfolg zu verzeichnen. Es ist so gut wie amtlich in Prag be- kanntgegeben, daß Außenminister Benesch in Paris und London die polnischen Ansprüche auf Oberschlesien unterstützt hat. Das mag erstaunlich sein, da wegen der Zuteilung Teschens an die Tschechoslowakei ein geradezu feindliches Ver- hältnis mit Polen bestand, das sich u. a. in langewährender Sperrung des galizischen Erdöls für die Tschechoslowakei ge- äußert hat. Jetzt aber soll Polen durch den Verzicht auf(das ihm rechtskräftig abgesprochene) Teschen die tschechische diplo- matische Unterstützung erlangt haben. Unwahrscheinlich ist das keineswegs, denn der gesicherte Besitz Teschens ist nicht nur materiell wertvoll, sondern kann auch eine Verringerung der Heeresrüstungen ermöglichen, der auch die von Benesch eben in der Marienbader Konferenz angebahnte Verständi- gung mit Horthy-Ungarn dient. Die Entsendung des Herrn Piltz, der seine Unterstaatssekrctärstelle wegen heftiger An- griffe auf die Italiener verlor, als polnischer Gesandter nach Prag scheint die Einigung zu besiegeln. Wir haben nicht zu untersuchen, welches Verhältnis zwischen dieser Politik und dem oft betonten demokratischen Grundcharakter des Tschechenstaates besteht. Wohl aber geht es uns etwas mehr an(wenn auch natürlich, wie immer, nur im passiven Sinne), daß bei einer für Polen ausreichend günstigen Lösung der oberschlesischen Frage— ein großer Teil des Kreises Leobschütz schlankweg an die Tschecho- slowakei fällt, also das Los Hultschins teilt. Masaryk über Europa. Paris. 27. Juni.(EE.) Präsident Masaryk äußerte zu einem Mitarbeiter des„Jntransigeant", daß die tschechoslowakische Repu- blik durchaus friedliche Ziele verfolge. Deutschland sei ein Faktor, mit dem man in der Zukunft rechnen muß. Da Ruhland nicht in Betracht komme, sei Deutschland durch seine Bevölkerung in Europa das mächtigste Land. In Europa gebe es gegen- wärtig zwei große Völker, Franzosen und Deutsche: denn England komme nicht in Betracht, da es von dem Kontinent durch den Kanal getrennt ist. Keines dieser beiden Völker könne Europa allein regieren. Man müsse die auswärtige Polittk demokratisieren. Es herrsche in ihr noch zu sehr der Geist und die Methoden, die vor dem Kriege herrschend gewesen seien. Sagt Masaryk, der Menschenfreund, Gelehrte und Pazifist. Gibt Frankreich nach? Raset, 27. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die „Baseler Nachrichten" wollen aus ganz zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß Frankreich seinen Standpunkt in der oberschlesischen Frage endgültig geändert habe. England bestehe darauf, nur Pletz und Rybnik an Polen fallen, das ganze übrige Industriegebiet aber Deutschland zu lassen, Frankreich habe nachgegeben und Sforzas Vorschläge seien damit erledigt. Aranzösisch-poluisches Scharmützel. Gleiwitz, 27. Juni.(MTB.) Bei Haussuchungen, die von fron- zösischen Soldaten im Bororte Petersdorf vorgenommen wurden, fand man im Haufe eines polnischen Schusters 14 Gewehre, einen Karabiner und eine größere Menge Munition. Es kam zu einer Schießerei zwischen Franzosen und Insurgenten, bei der ein Fran- zose und ein Landjäger leichtere Verletzungen davontrugen. Gerichtsherr Korfanty. Sattowitz. 27. Juni.(MTB.) Vor etwa drei Wochen wurde nachts auf der Kleophasgrube eine deutsche Fahne aufgezogen. Die Insurgenten ermittelten als Täter einen 17jährigen Arbeiter, der nunmehr vom„Feldgericht" zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt worden ist. Kallowih, 26. Juni. WTB.) Am 23. Juni ist das Finanzamt in Laurahütte von den Aufständischen besetzt worden und die Be- amten sind gezwungen worden, weiter im Interesse der Insurgenten Dienst zu tun. Die Steuerakten werden benutzt, die fälligen Steuern für die Ausitandsbehörden einzuziehen. Reuthen. 26. Juni.(WTB.) Heute vormittag gegen 11 Uhr passierte eine Gruppe bewaffneter Insurgenten auf zwei Kraftwagen und einem Panzer-Kraftwagen die Hauptstraßen der Stadt. Der Panzer-Kraftwagen, der aufgemalte Totenköpse zeigte, war mit einem Maschinengewehr bewaffnet. Die französischen Besatzungs- truppen liehen die Kraftwagen ungehindert die Stadt passieren. Zlaggenstreit im Reichstag. Knapper Sieg in Schwarz-rot-gold. Der Reichstag hat gestern nach bewegter Debatte in na- mentlicher Abstimmung mit 121 gegen 120 bei 5 Enthaltungen einen Antrag abgelehnt, der die Einführung der ver- fassungsmäßigen Handelsflagge für unbe- stimmte Zeit aussetzen wollte. Der Mißerfolg der Antrag- steller ist um so größer, als sie auch die Annahme ihres An- trags mit geringer Mehrheit nicht zu ihrem Ziel geführt hätte. Denn trotz ihres lebhaften Bestreitens handelte es sich um einen verfassungsändernden Antrag, der nur bei Anwesenheit von zwei Dritteln der Abgeordneten mit Zweidrittelmehrheit angenommen werden kann. Die Antrag- steller aber haben es nicht einmal zur einfachen Mehrheit ge- bracht, sie sind mit einer Stimme geschlagen worden. Der Fall gewinnt durch zwei Umstände besondere poli- tische Bedeutung. Einmal handelte es sich um den s y m- bolischen Kampf zwischen Schwarzweißrot und Schwarzrotgold. Schon die Bestimmung der Weimarer Ver- fassung über die Handelsflagge der deutschen Seeschiffahrt stellt ein Kompromiß dar, denn während die Reichsfarben zu Land Schwarzrotgold sind, ist die Handelsflagge schwarzweiß- rot geblieben mit den Reichsfarben in der oberen inneren Ecke. Den Schwarzweißroten war aber auch dieses schwarz- rotgoldene Eck. die»sogenannte„Gösch", noch zuviel, und darum liefen sie gegen eine Verordnung Sturm, die vom 1. Januar nächsten Jahres an(man versteht nicht recht, warum erst so spät!) die neue Flagge für die Seeschiffahrt einführt. Sie hatten im R e i ch s r a t die Annahme eines Antrags durchgesetzt, der die Regierung ersucht, das Inkrafttreten ihrer Verordnung noch ein halbes Jahr weiter hinauszuschieben. Dadurch ermutigt, versuchten sie im Reichstag die Einführung der neuen Flagge bis zum St. Nimmerleinstag zu vertagen. Dieser Versuch ist mißglückt. Zum zweiten wurde die Sache dadurch politisch inter- essant, daß der schwarzweißrote Slntrag als Antrag aller bürgerlichen Parteien auftrat. Diese bürgerliche Einheitsfront wurde aber durch zahlreiche Enthaltungen geschwächt und durch die entgegengesetzte Abstimmung einiger Zentrumsabgeordneter— eticka 8 oder 10— völlig zcr- rissen. Und am interessantesten wird die Geschichte dadurch. daß zu den Zentrumsabgeordneten, die mit der sozialistischen Linken stimmten, der Reichskanzler Dr. W i r t h, die Minister Dr. Brauns und Giesberts, der frühere Reichskanzler Fehrenbach und der alte Führer Dr. Peter Spahn ge- hören. Sie haben den schwarzweißroten Antrag zu Fall gebracht. Eigentlich hatten die genannten Zentrumsmitglieder nur die Absicht, sich der Abstimmung, die als gewöhnliche erfolgen sollte, zu enthalten. Als aber die Rechte merkte, daß sich der Reichskanzler Dr. Wirth mit einem Häuflein Getreuer an- schickte, den Saal zu verlassen, beantragten sie schleunigst n a- m e n t l i ch e Abstimmung. Sie zwangen dadurch die Zentrumsminister Farbe zu bekennen und schufen damit einen neuen Unterhaltungsstoff für die Reichskonferenz des Zentrums, die morgen in Berlin stattfinden soll. Auf diese Reichskonferenz setzt nämlich die Rechte ihre allergrößten Hoffnungen, sie hat im stillen alles getan, was sie dazu tun konnte, eine Spaltung des Zentrums herbeizu- führen, den rechten Flügel zu sich herüberzuziehen und die Re- aierungsmitglieder der Partei in die Minderheit zu bringen. Nun sahen sie in der namentlichen Abstimmung ein will- kommenes Mittel, den Keil in die Zentnimspartei noch tiefer hineinzutreiben. Noch weniger glänzend als das Verhalten des Zentrums, das in überwiegender Mehrheit gegen Sckwarzrotgold stimmte, war das der anderen bürgerlichen Koalitionspartci, der Demokraten. Der Entschluß der Demokraten, sich in diesem Fall mit der Rechten zu verbinden, mar weiter nichts als ein Angstprodukt. Das ging mit erschütternder Klarheit aus der Rede ihres Sprechers, des Abg. Heile, hervor, der ein begeistertes und persönlich vollkommen ehr- liches Bekenntnis zu Schwarzrotgold ablegte, aber als„Demo- krat"— nämlich weil die andern anders wollten— si-b r.im Verzicht auf das letzte schwarzrotgoldene Eckchen in der Reicks- flagge bereit erklärte. Solche Verleqenbeitssprünge sind eben aus nichts anderem als aus der blassen Angst zu erklären. Sie sind ein Zurückweichen vor dem Elan der reaktionären Agi- tation, und so war das Verholten der Demokraten— nur Schücking verließ schamvoll den Saal— das aller» schlimmste Zeugnis, das eine Partei sich selber ausstellen kann, das Zeugnis des Nichtmehrweiterkönnens. Wir nehmen an, daß mit der gestrigen Abstimmung der überflüssige und zeitraubende Streit erledigt ist. Die deutschen Handelsschiffe werden vom 1. Januar des nächsten Jahres an die verfasinngsmäßige Flagge führen, ohne die sie dann nicht mehr das Recht haben, als Schiffe einer seefahrenden Nation anerkannt zu werden. Die Auslandsdeutschen aber, mit deren Zorn uns die Herren Oberfobren von den Deutschnatio- nalen, Gildemeister und D a u ch von der Deutschen Dokkspartei gedroht haben, werden ihr Volk nicht verraten, weil manchen von ihnen ein paar kleine Streifen in der deut- fchen Flagge nicht gefallen. So borniert und erbärmlich, wie sie von den Rednern der Rechten geschildert wurden, werden nur die wenigsten von ihnen sein. Die Exaltados der Rechten wollen sich freilich mit ihrer Abfuhr von gestern nicht zufrieden geben und reden von einer Volksabstimmung, die sie veranstalten wollen. Sie wollen angeblich versuchen, durch Volksentscheid die Wieder- einfühning der schwarzwci�roten Farben zu Lande und zur See durchzusetzen. Das wäre aber nur dann möglich, wenn sich die Mehrheit aller stimmberechtigten Volksgenossen ftir den Farbenwschsel erklärte. Es ist nicht anzunehmen, daß sich die Rechte in ein derartiges Unter- nehmen stürzen wird, dessen Mißerfolg klar vorauszusehen ist. Hat die Recht« auch gestern ihr Ziel nicht erreicht, so kann sie doch manches vom Ergebnis des gestrigen Tages schmunzelnd auf der Gewinnseite buchen. Wieder hat eine Abstimmung des Hauses die Regierungskoalition durcheinander- und auseinandergebracht. Bürgerliche stimmten gegen Sozialdemokraten, Zsntrnmsabgeordnete gejjenZen- trumsminister, die Demokraten enthüllten abermals ihre de- bäuerliche Schwäche und müssen sich auf bose Auseinander- setzungen daheim gesaßt machen. Der Opportunismus» der sich an die Rockschöße der Deutschen Volkspartei klammert, ge- winnt immer mehr die Oberhand, und die letzten Ausrechten verlieren den Mut. Die Rechte verfährt nach dem altbewährten Grundsatz, zu teilen, um zu cherrschen. Gelingt es ihr, Zwietracht zwischen die KvlJitionsparteien zu säen, die das Kabinett Wirch stützen, dann reift ihre Ernte. Wir wollen uns keineswegs verhehlen, daß jede neue Abstimmung, die die Parteien der Regierungs- koalition in getrennte Lager führt, sine neue Erschütte» r u n g der Grundlagen bedeutet, aus die sich die gegenwärtige Politik des Reiches gründet. Wir können nur immer wieder die Frage wiederholen� Wenn diese Regierungskoalition aus- cinanderbricht— was dann? Es ist wahrlich nicht die Sorge um unsere Partei, die uns zu dieser Frage veranlaßt. Denn wenn es ein sicheres Mittel gibt, unserer Partei zu neuer, erhöhter Macht zu ver- helfen, dann ist es die B i l d u n g eines B ü r g e r b l o ck s unter Führung der Rechten. Dann würde in kürzester Zeit nach außen wie nach innen alles fo kaputtregiert fein, daß unsere Partei schleunigst wieder herbeigeholt werden müßte, um wenigstens die Reste zu retten. Wie oft soll dieses Experiment noch wiederholt werden, wie oft kann das Deutsche Reich und Volk seine Wiederholung überhaupt noch ertragen? Mögen das Zentrum und die Demokraten doch einsehen: Entweder man treibt Koalitionspolitik oder man treibt sie nicht. Will man sie fortführen, so darf man nicht so handeln, wie sie es gestern getan haben. Will man sie aber nicht fort- führen, dann muß man auch den Mut hoben, die Verantwor- tung für einen Rechtskurs und feine Folgen auf sich zu nehmen. Für die sozialdemokratische Linke war der gestrige Tag der Tag eines großen moralisch ewErfolgs. David und B r e i t i ch e i d hielten zwei ausgezeichnete Reden, wobei das Bekenntnis des unabhängigen Sprechers zur Staatsform der demokratischen Republik doppelt und dreifach zu unter- streiken ist. Wieder stellte sich heraus, daß als einzige Erben der- bürgerlichen Revolutionen von 1848 die s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e n Arbeiter geblieben sind. Sie, die Roten, baben sich schützend vor die schwarzrotgoldene Reichsfahne ge- stellt, die die apdern wieder herunterbolen wollten. Je mehr von den Bürgerlichen die eine diese Fahne hassen, je weniger die andern den Mut hoben, sich zu ihr zu bekennen, desto fester werden die Sozialdemokraten zu ihr stehen. Das sind die Farben des deutschen Kampfes für Freiheit und Einheit, das sind die Farben des 18. März 1843. Eslebe die Republik! patriotifther Kitsth. Unsere Reichshauptstodt starrt von den Denkmälern des wilhelmi» Nischen Ungeschmackes/ Das alt« Regiment hat uns damit eine Erb- lchaft hinterlassen, die sich leider nicht ausschwefeln läßt. Dagegen hilft auch kein Rattengift: die Siegeeallee, das Bismarck- denkmal, die Eharlottenburger Brücke stehen da als ein entsetzliches Mens Tekel. Schreit uns das nicht entgegen, paukt es uns nicht die Ohren voll: Riemals wieder? Wahrhaftig, der monumentalen Zeugnisse für die Schande des deutschen Volkes, das sich immer so gern offiziell als„Kulturvolk" bezeichnete, sind mehr als genug. Aber der von allen Musen ge- miedene Hurrakitsch arbeitet in der Stille immer weiter. Nicht aus künstlerischen Beweggründen, nicht um seiner selbst willen, sondern als Propaganda mittel für das deutschnationale H i n t e r w ä l d l e r t u m, für die Unverletzbaren, die das Hakenkreuz vorantragen:„In diesem Zeichen wirst du siegen!" Die den„jüdischen Kapitalismus" vernichten wollen und zci dem Zweck eine chrisllich- kapitalistische, deutschoölkische Bank unterhalten, wo auf germanisch gejobbert u ird. Das. abgestandene Pathos dieser Heirrschaften, die„Zwo" statt „Zwei" sagen, treibt ergötzliche Blüten. Herr G u st a o E b e r l e i n, weiland Marmorzuckcrbäcker S. M., dessen Liebeswerben um die proletarische Gunst nach der Revolution so gar nicht hatte verfangen wollen, ist' reumütig in den Schoß der Gutgesinnten zurückgekehrt und stellt eine Statue aus mit dem Titel„Von der Welt ver- lassen": Wilhelm, dem die Kolserkrone hcruntergekollert ist, in schäbigem Zivilonzug, wickelt sich in einen Mantel, wie der von ihm so sehr vorbeigeschätzte Heinrich Heine, und macht in Weltschmerz. Der Exkronprinz. ist aber noch viel proletarischer geworden als Gustav Eberlein, der Marx« und Lassallebüsten fabrizieren wollte,„der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe", und läßt sich in verschiedenen Stellungen als„Schmied von Wieringen" aufnehmen mit hoch- gekrempelten Hemdärmeln. Alles für dich, du undankbares deutsches Bolk! Lerne dich verinnerlichen wie er, der ehemals Tennis spielt« und Manschettenknöpfe erfand, heute aber den Amboß bearbeitet und Hufeisen für Bauernpferde schmiedet! Auch die alten Hofmaler sterben nicht aus. Weder Artur Fischer Unter den Linden, noch Felix Ehrlich,„Porträtmaler Hoher u n d H ö ch st e r H e r r s ch a f t e n", im bayerischen Viertel. Beide klecksen sie bequem»nd unentwegt nach Photographien, manch- mal sogar„Oelgemälde ohne photographischen Untergrund direkt auf Leinwand gemall"— man bedenke! Bei Fischer im Laden kniet Wilhelm der Ehemalige an einem Soldatengrab, Unterschrift:„Ich habe es nicht gewollt."(Das wäre auch noch schöner!!) Der Herr Kollege in Berlin WW. hat den alten Fritzen gemalt, wie er aus seiner Gruft in Potsdam hervorsteigt, die Standarte des Gardes-du-Corps in der Faust, die, wie ein sehr schlechtes Gedicht des Scheinberichte oöer Kälsthungen. Eine Mittagszeitung meldete. Agence Havas erkläre den vom„Lokal-Anzeiger" verössentlichten„Geheimbesehl" Le Ronds, den auch wir unter Vorbehalt wiedergaben, für in allen Teilen erfunden. Auch von anderer Seite wird uns ver- sichert, daß Le Rond mit dem Dokument nichts zu tun habe. Der„Lokal-Anzeiger" versucht das Dementi mit dem Hinweis abzutun, daß es von einem„Geheim b e f e h l", nicht aber von einem„Geheim b e r i ch t" spreche und den klaren Sachverhalt damit zu umgehen versuche: im übrigen begnüge er sich im Augenblick damit, auf seine Erklärung hinzuweisen, daß die Echtheit des Berichts fe st steht. Diese Entgegnung kann natürlich in keiner Weise befriedigen und ist eher dazu angetan, das Mißtrauen an den Enthüllungen des„Lokal- Anzeigers" zu verschärfen. Auch wir sind mit Le Rond nicht zufrieden, auch wir würden es im Interesse der oberschlesischen Sache für besser halten, wem, an seine Stelle eine Persönlichkeit tritt, die andere Anschauungen von Neutroliiät und Objektivität hat. Wir sind ferner der Ansicht, daß der oberschlesische Selbstichutz not- wendig war und seine Aufgabe gut gelöst hat. Um so euer- gischer rnjUtot wir aber jenen Stellen aus die Finger klopfen, die die alten versteckt«, Bräuche der deutschen Feld- Herrn Politik Wiederaus dem Schreibtisch kramen und Politik auf eigens Faust treiben, ohne viel darüber nachzll- denken, was geschieht, wenn der Porzellanladen durcheinander- geworfen ist. Die deutsche Regierung sollte sich sehr dafür interessieren, wo die„authentischen" Quellen stecken, denen der- art„kompromittierende"(fragt sich nur wen kompromittie- rende) Geheimdokumente entließen, mag man sie nun Be- fehle oder Berichte nennen. Eine Klarstellung der ursächlichen Zusammenhänge ist dringend geboten. StTgerwalös KappNenvertretung. Zum Vertreter Preußens bei der bayerischen Regierung ist der Landrat Schellen ernannt worden. Man muß dem Ministerium Stcgerwald lassen, daß es sich seine Leute zweckentsprechend aus- zuwählen weiß. Was war sinniger, als die Vertretung Preußens bei der Orgeschregierung Kahr einem ausgesprochenen K a p p i st e n zu übertragen? Herr Schellen war nämlich Personalreferent im preußischen Ministerium des Innern bis zu dem Tage des Kapp- Putsche?, der seine Fäden bekanntlich auch in dieses Ministerium erstreckte. Minister Heine, der damals seinen Abschied nahm, überließ die Säuberung des Ministeriums im allgemeinen seinem Nachfolger. Nur Herrn Schellen hat Heine noch persönlich seines Amtes enthoben. Er fühlte sich dazu berechtigt, weil Schellen das persönliche Vertrauen des Ministers in der schwer st en Weise getäuscht hatte. Diesen Mann macht nun die preußische bürgerliche Regierung Stegerwald zu ihrem offiziellen Vertreter bei Herrn Kahr. Die§olgen üer l>e$e. Wie die von der bekannten Frauenrechtlerin Anita Augsburg herausgegebene Zeitschrift„Die Frau im Staat" berichtet, find in Amerika wieder große Summen für die Speisung n o t l e i- dender Studlenten gesammelt worden. Die Spender haben es aber zur Bedingung gemacht, daß kein Pfennig davon an deutsche Studenten kommt. Dies geschieht nicht etwa aus Deukschenfcindsck)ost,— sind doch die Geber dieselben Kreise, die auch hinter der Ouäkerspcisung der deutschen Schulkinder stehen, sondern die Spender hat es mit Empörung erfüllt, daß Männer wie Ein st ein, Nicolai, Friedrich Wilhelm Förster von der deutschen Studentenschast in der unwürdigsten Weise angepöbelt worden sind. Man sieht daraus, wie die Taten deutschnationaler Radauhelden auf das Ausland wirken. Leider muß man sagen, daß die große Masse der Studentenschaft, auch wenn sie an den Exzessen nicht be« teiligt ist, nicht ganz zu Unrecht in Mitleidenschaft gezogen wird, da sie dieses Treiben erst durch ihre Passivität gegenüber den radaunationalistischen Elementen ermöglicht hat. „Kladderadatsch" harft, von den letzten Offizieren des Regimentes im November 1920 dort niedergelegt worden ist. Darin kommen die Worte vor: „Soll in der Schande der Zeiten : Als höhnender Sieger schreiten D Ein schändlicher Krämergeist?" Das geht auf die Demokrat!» und das Iudengesindel. Don diesen will ein richtiger gewesener Hosmaler nichts wissen. Der wendet sich an andere Adressen:„Deutsche Männer und deutsche Frauen! Das ausgestellt« sinnreiche Bild vom Alten Fritz darf in eurem Heim nicht fehlen! Das Bild versinnbildlicht gewissermaßen die Auserstehung des Deutschen Reiches. Der Alte Fritz steigt zum Sturm aus seiner Gruft hervor." Vis hierher ist es schön und begeisternd. Aber nun kommt die materielle Kehrseite der Medaille, nämlich die Preis- liste für die deutschen Männer und Frauen, die den schändlichen Krämergeist bekänipfen sollen. Zu jeder weiteren Auskunft über diesen Kreuzzug gegen de», schändlichen Krämergeist ist die Deutsch. oölkischeBank gerne bereit. Herbert. ver Arbeilsrak für Kunst, jener vielgenannte Verein radikaler Künstler und Kunstschriststeller, der in den ersten Revolutionstagrn zusammentrat, hat jetzt seine Auflösung beschlossen. Sein ur> sprünglicher Leitsatz lautete:„Die Kunst soll nicht mehr Genutz Weniger, sondern Glück und Leben der Masse sein." Es ist ihm indessen nicht geglückt, die Verwirklichung dieses Ideals auch nur von fern anzubahnen. Sowohl seine Publikationen(„IaI Stimmen des Arbeitsrotes für Kunst": das„Architekturprogramm" von Bruno Taut u. a.), wie die beiden von ihm veranstalteten, nn sich sehr interessanten Architekturausstellungen blieben Angelegenbeiten kleiner Künstlertreise und sind mit ihren Wirkungen nicht in die breite Masse gedrungen. Trotzdem ist die Tätigkeit des A. f. K., dem Künstler wie Pol- zig, Pech st ein, Feinninger, Cäsar Klein, Nolde, Taut und als Vorsitzender Walter Gropius, der Direktor des Weimarer Bauhauses, angehörten, nicht ganz erfolglos gewesen. Es ist der Oefsentlichkeit kaum bekannt geworden, daß der A. f. K. die M ack e- A u s st e l l u n g veranstaltet und vorbereitet hat, die nachher im Kronprinzenpalais gezeigt wurde. Auch die Dorberei- tung deutscher Kunstausstellungen in Antwerpen und A m st e r- dam ist sein Verdienst. Seine wichtigst« und segensreichste Leistung aber war die Anregung und tatkräftige Förderung, die er den Arbeiter-Kunstausstellungen in der Petersburger Straße angedeihen ließ. Diese Ausstellungen, die der Initiative des A. f. K. ihre Entstehung verdanken, sind inzwischen zu einer ständigen Einrichtung geworden und werden es hoffentlich bleiben. Hätten di« leitenden Männer des A. f. K. von Anfang an mehr die praktisch« Verwirklichung dringender Forderungen des Tages in die Hand genommen, statt sich utopistischen Zukunftslröumen hin- zugeben, so hätte diese Vereinigung so außerordentlich tüchtiger Kräfte zweifellos Großes leisten können und es wäre ihr dos Schick- jal-erjpart geblieben, schon jo ball» und so klanglos zu erloschen.- Deutsche Vaffenzerftöeung. Berlin, 27. Juni. lWTV.) Stand der Entwaffnung des deist» fchen Heeres am 1. Mai 1921. Die Reichstreuhandgesellschaft hat zu diesem Tage Gewehre und Karabiner zur Zerstörung erhalten: 4 808 300 zerstört, 4 770 800 nach auf Lager. 37 500 Maschinengewehre zur Zerstörung erhalten, 91 042 zerstört, 90 405 noch aus Lager. 577 Minenwerier und Rohre von solchen zur Zerstörung erhalten. 22 778 zerstört. 22 334 noch auf Lager, 444 Geschütze und Rohre von solchen zur Zerstörung erhalten: 50 489 zerstört, 49 683 noch aus Lager. 801 Lafetten zur Zerstörung erhalten: 20 880 zerstört, 20 585 noch auf Lager. 285 scharfe ArtiUeriegeschosse und Minen zur Zerstörung erhalten: 30 800 000 zerstört, 28 500 000 noch auf Lager. 8 300 000 scharfe Hand-, Gewehr- und Wurfgranaten zur Zerstörung erhalten. 14 050 000 zerstört, 14 000 000 noch auf Lager. 050 000 scharfe Zünder zur ferstörung erhalten. 55 150 000 zerstört, 54 000 000 noch aus ager. 1S50 000 Handwaffenmunition 390 000 000 zur Zerstörung erhalten. Zerstört 300 000 00, noch auf Lager 30 000 000. Flug- zeuge zur Zerstörung erhalten: 13 379, zerstört 13 309, noch auf Lager 10. F l u g z e u g m o t o r c n zur Zerstörung erholten 23 309, zerstört 23 845, noch auf Läger 154. Die Ablieferungen und Zer- störungen auf Grund des Ultimatums haben erst nach der Zusammen, stellung dieser Zahlen ihren Anfang genommen. Gutsbesitzer unü Telegraphenanftalteu. Im Reichstagsausschuß für Fernsprechgebühren wurde heute der Entwurf des Fernsprechgebühren gesctzes beraten. Eine wesentliche fReucrung des vorliegenden Gesetzes gegen- über der bisherigen Fernsprechgebührenordnung besteht darin, daß der R e i ch s m i n i st e r mit Zustimmung des Rcichsrais nicht nur wie bisher zu einer Ermäßigung, sondern auch zu einer Erhöhung der Gebührensätze ermächtigt wird. Diese Bestimmung wird im Aus» schuß vielfach als eine Einschränkung der Rechte des Reichstags on- gesehen. Nur eine Ermäßigung der Gebühren wollte man dem Reichspostministcr auch künftighin freistellen.— Ein'Antrag Steinkopf(Soz.l und Genossen fordert, dag die auf Gütern unter- gebrochten Telegraphcnanstalten, sosern sie entweder ausschließlich oder überwiegend den Inieressen der Gutsbesitzer dienen, welche hier- durch Fernsprechanschlüsse auf eigene Kosten ersparen, a u s z u- heben sind, sofern ein öffentliches Verkehrsbedürfnis ihre Bcibe- Haltung nicht rechtfertigt.— Ein Regierungsvertreter sagt eine Nach- prüsung zu. Weiterberatung Dienstag. Die Pensionierung der Reichsminister. Zur Erklärung einer Pressemeldung erfahren die PPN. an zuständiger Stelle, daß noch dem Reichsbeamtengesetz bei der Festsetzung des pensivnsstihigei: Dienstalters der Reichsminister die Zeit der Beschäftigung bei Staats- und Kommunclbehörden und— die Beschäftigung als Rechts- anmalt angerechnet werden kann. Die Festsctzung bedarf der Zustimmung des Rcichsrais. Im Falle des Reichskanzler.' F e h r e n b a ck hat der Reichsrnt die Anrechnung der Hälfte seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt zum pensionsfähigen Dienstalter festgesetzt. Der Hastbefehl gegen den unabhängigen Landrak a. D. Sosparck in Rordhausen ist vom oußerordcnllichen Gericht in Nordhausen aufgehoben worden, da nach neuen Zeugenverncbmungen der Verdacht gegen Kasparek, an den Märzunruhen beteiligt gewesen zu sein, n i ch t m ech r b e st eh t. Die Affäre Kasparek war seiner- zeit von der reaktionären Presse gegen den sächsischen Oberprüsiden- ten Genossen Hörsing ausgeschlachtet worden: die Einstellung des Verfahrens gegen ihn zeigt, daß es stch auch in diesen wie in so vielen Fällen um elende? Verleumdungsmachwerk und künstlich aus- getriebenes Strohfeuer handelte. Eine afghanische Gesandtschaft in Angara ist feierlich durch Flaggenhissuug installiert worden. Mustafa K e in a l hielt dabei eine Rede gegen westlichen Imperialismus und meinte, das Bündnis mit Rußland werde sich vielleicht als Retter der Orientvölker erweisen. — Die Griechen müssen vor den Türken zurückgehen und haben Js m i d verloren. Spanischer Feldzug in Marokko. Laut„Temps" haben di» Spanier in Spanisch-Marokko mit einem Heere von 20 000 Mann, 150 Kanonen und 10 Flugzeugen einen Feldzug gegen die aus- ständischen Stämme begonnen. In der spanischen Fremdcnlegiarr sollen Meutereien vorgekommen sein. 14 Legionärsoldaten, und zwar Engländer, Italiener und Deutsche, sollen demnächst nach Spanien zurückgebracht werden. Bergmann und Suggcnhcimer sind zur Fortführung der Wie- deraufbauoerhondlungen mit Loucheur nach Paris abgereist. Eine wahrhafl„Göttliche Komödie"! In der„Volksmacht für die Oberpfalz" lesen wir: Die Ortsverwaltung R e g e n s b u r g hcs Deutschen Musikeroerbandes wollte kürzlich eine Dante-Fei«'' ver» anstaltsn und erbat sich dazu die Mitwirkung der Reichs wehrmusik. Ihr Kommandant, Major Geiß, erklärte aber, daß er der Reichs- wehrmusik die Teilnahme an der Feier verbieten werde, wenn nicht die Bezeichnung Dante überklebt oder ausgestrichen werde. Aus die Frage, warum das geschehen solle, antwortete der Major, daß e i n ausländischer Dichter nicht gefeiert werden dürfe, und daß den Deutschen beigebracht werden müsse, daß es keinen Inter, Nationalismus in Kunst und Wissenschaft gebe. Es ist ein wahrer Segen, daß man diesem italienischen Komö- dienschreiber Dante in Bayern endlich energisch zu Dach gestiegen ist. Hoffentlich wird nun aber ganz reiner Tisch gemacht und das bayerisch« Volk von den entsittlichenden Einflüssen aller alliierten und assoziierten Literaten definitiv befreit. Der angelsächsssch» Pfeffersack Shakespeare und der Poriser Windhund Moliere dürfen, wie man uns mitteilt, noch immer zuweilen auf Repensburger und anderen Bühnen erscheinen. Es ilt höchste Zeit, daß sie überklebt oder ausgestrichen werden. Das Exerzierreglement der Orgesch im? des„Miesbacher Anzeiger" oenllgen vollkommen, um die wissen- schastlichen und künstlerischen Bedürfnisse aller wirklich nationalen Bayern zu befriedigen. Vergriffene Werke. Eine Reihe von Neudrucken Hot der Verlag I. H. W. D i etzi Stuttgart, in der letzten Zeit veranstaltet. So wurden der„M o r x- E n g e l s s s ch e Briefwechsel"(4 Bände, Halbleinen 125 M., Popoband 100 M.), Mnrx'„Theorien über den Mehrwert(80 M.), Plechanows„Beiträge zur Geschickte des Materialismus"(10 M.) und Sterns„Philosophie Spinozas"(14 M.) in unoerän- derter Gestalt neu hernusgcqeben. Zu sämtlichen Preisen kommt ein Tcuerunaszuschleg von 20 Proz. Die Rührigkeit des Partei- genössischen Verlages ist um so mehr zu begrüßen, als unsere Zeit aus wirtschaftlichen Gründen dein Buch, insbesondere dem wissenschaftlichen Buch, leider wenig günstig gesinnt sst. hoff. Paeschke, KiauS. Richter, Steinhardt, Moste und Schiffncr. GrosieA Schauspielhaus. Die Aufführungcu des„Sommer» nach t S t r a u m S" beginnen um 7 Uhr. Walhalla- Theater. Mittwoch findet die 300. Aufführung der .Scheidungsreise" statt. DI- Abonnenten de».Vorwärts" erdallen eine bedeutende Vreisermäßigimg, wie aus dem heutigen Inserat ersichtlich. Kaiser-Wilhelm-Gedachtuiskirche. Die nächste Abendmusik ver- austallet Fritz Heilmann tm Donnerstag. 80., abend« 8 Uhr. Da» Deutsche Museum in München laird einjelne Adteilungeu seines ReubauS auf der Kohleninsel wuhrichewlich schon tu diesem Herbst eröffnen können, z. kl die für vcigwcrkb-ui, Astronomie, Chemie. Musik- Instrumente. Bekanntlich haben daS Reich und Bayern insgesamt zwöls Millionen für den Ausbau bereitgestellt Und die Jndustri« über vier Mlsioue» gezeichuet. v; Nr. 2HH4ZS.Iahrgakg -.klugem Beilage öes vorwärts V!enstag,2S.�u«i?H2l wer ist in Not! Die Berliner!?iirii?liolkls forden» Beseitigung der Le- berhergungösleiier, Polizcislunde und der Brot-, Zucker« uud Ritchbewirlschastung. Wenn man die Arbeiter-Tagespresse verfolzt, so kommt man zu dem Aufschrei: Volt in Not! Das ununterbrochene Steigen der Miets-, Fahr- und vieler Lebensmittel- und Gebrauchsartikelpreise, die unsägliche Wohnungsnot, der Niedergang der Dolksgesundheit lassen diesen Ruf berechtigt erscheinen. Das Stinnes-Organ, die„Deutsche Allgemeine Zeitung", erhebt in der Abendnummer vom 22. Juni einen anderen Ruf, mehr aufdringlich als eindringlich, nämlich: Hotels in Rot! Das zu tun ist natürlich ihr Recht, denn jeder muß das tun, wozu er sich aus innerem Drang getrieben fühlt. Da nun aber das Blatt großen Formats ausdrücklich sagt:„Wenn es eine Gattung gibt in den Berliner Derznügungs- und Erholungsstätten, die den allen Ruf der Reichshauptstadt wieder zu Ehren bringen will und kann, so sind es gerade die„G r o ß h o t e l so gesteht es damit ohne weiteres ein. daß der Hilferuf: Hotels in Not! eben diesen Groß-, d. h. den Luxushotels gilt. Wie gesagt, jeder tut das, wozu es ihn treibt, und die„DAZ." scheint in dieser Zeit keine größere Not zu kennen, als die Not der großen Berliner Luxushotels. Dazu paßt denn auch ganz das kurz vorhergehend« Geständnis:..... eines blieb gleich in den Entbehrungen der Kriegsjahre wie im Iazztaumel des Friedens. Das waren die großen Berliner Hotels". In verständliches Deutsch übertragen kann das nur heißen: Auch im Kriege bekam man in diesen Hotels alles. Und das soll ja auch wohl der Fall gewesen sein. „Zwangswirlschafi, Polizeistunde. Beherbergungssteuer-. Was ist es nun, das den grimmen Zorn des Blattes großen Formats erregt hat? Hier die Lösung des Rätsels:„Aber da be- steht ein Dreibund, hartnäckiger als die gesamte Entente es je war. um die Bestrebungen der Hotels so weit wie möglich zu unter- binden. Dieser Dreibund heißt Zwangswirtschaft, Polizeistunde und städtische Beherbergungssteuer". Man faßt sich erstaunt an den Kopf, wenn man dos liest. An diesen dreien sollen die Berliner Luxushotels zugrunde gehen? Um dieser drei willen ein solches Gegacker? Zunächst Zwangswirtschaft. Di«„DAZ." sagt selber: „Sie ist zwar so gut wie aufgehoben, aber"— Und sie läßt sich von den großen Hotels den Ellenbogen stützen und hebt strafend den Drohfinqer:„aber für Brot, Zucker und für Hotels auch Milch, besteht sie(Zwangswirtschaft) immer noch". Das hört sich doch bei- nahe so an, als ob die in den Luxushotels mittels Filets, Rehrücken, Hummer, Lachs, Austern und Kaviar traurig unterernährten Gäste des In» und Auslandes verhungern müßten, weil sie zu wenig Zucker und Milch bekommen. Selbstverständlich hat kein Hotelgast, und sollte er an einem Tag soviel zu verzehren haben wie der Proletarier in einem Jahr, mehr Anrecht auf die aus Gründen der Not rationierten Lebensmittel, Brot und Zucker, als jeder andere Deutsche. Alle Ausländer werden sich wohl oder übel diesem Zwang zu fügen haben. Und von den Inländern, d. h. von den Deutschen, die in Luxushotels verkehren, darf man wohl annehmen, daß auch sie von dem oft betonten Willen zum sittlichen Wiederauf- bau so stark beseelt sind, daß sie diese kleine Einschränkung gern und freudig auf sich nehmen werden. Die„DAZ." aber will uns in allem Ernst einreden, daß der Ruf Berlins als Fremdenstadt leiden müsie, weil die Luxushotels nicht nach Belieben in Milch und Zucker pantschen können. Dann die Polizeistunde! Selbstverständlich muß und wird auch sie einmal erweitert werden— sie ist ja schon soeben um eine halbe Stunde verlängert worden— aber bestimmt nicht zuerst für die Luxushotels, Weinrestaurants, Bars und Tanzdielen, sondern im Interesie der großen Masse der Kleingastwirte, die wäh- rend des Krieges außerordentlich gelitten haben und weiterhin im Interesse der Angestellten. Es sind aber nicht wenige und nicht un- beachtlich« Kreise unserer Bevölkerung, die sich von einem unbegrenz- ten Nachtbetrieb keineswegs eine wohltuende Wirkung versprechen. Ueber den Vorwurf der Besteuerung der Luxushotels ein Wort zu verlieren, erübrigt sich wohl aus dem einfachen Grund, weil allgemein bekannt ist, daß gerade die Leute mit riesigen Einkommen und Unternehmer mit großen Gewinnen am wenigsten bereit sind, der allgemeinen Not durch Steuern Rechnung zu tragen. Man muß sie eben zwingen. Die Abkehr vom Luxus. Als der neue Minister Walter Rathenau in Wiesbaden war. berichtete die gesamte Press« des In- und Auslandes als besonder» Sitte und Verantwortung zur Aufgabe gemocht hat, schließen zu dürfen, daß sein Auftreten in Wiesbaden kein Zufall war, sondern Ausdruck einer bestimmten inneren Wahrhaftigkeit. Deshalb verdient das Verhalten des Ministers Beachtung, denn die Parteien und die Presse der Rechten vertreten einen Verhängnis- bemerkenswert, daß der deutsche Minister weder mit einem Luxus- automobil gekommen noch in einem Luxushotel abgestiegen sei, noch sich mit Luxusgewohnheiten umgebe. Wir kennen die Lebensgewohn- heiten des Ministers nicht, aber wir glauben aus seiner Zugehörig- keit zu einer Korporation, die sich die Erneuerung wirtschaftlicher Achtung, Genosftunen und Genosse«! Kunügebung zum Jugenöwohlfahrtsgesetz am Miktwoch, den 29. Juni, abends v'/z Uhr, in der Schvlaula Sielnstr. 32-34. Referentin: Genossin Marie Zuchacz, M. d. R. Alle Funktionärinnen müssen erscheinen. Besuch zahl- reicher Funktionäre dringend erwünscht. vollen Dualismus: Einmal wollen sie Schlichtheit und Reinheit der Lebenssitten, das andere Mal aber vertreten sie mit Feuereifer die Interessen des Luxus.„Man kann abernichtdienen Gott (d. h. einem sittlichen Prinzip) und dem Mammon." Wenn sich asso die„DAZ.", ein Blatt mit national, ethischer Grundtendenz, aus- gerechnet für die Luxushotels mit einem Uebereifer«insetzt, der einer besseren Sache würdig ist, so ist das eben aus jenem der gesamten Rechten eigenen Dualismus zu verstehen und deshalb äufa schärfste zurückzuweisen. Erstaunlich und befremdend würde die Sache aller- dings, wenn es sich herausstellen würde, daß die„DAZ." nicht so sehr um die ausländischen als um die Fremden aus Deutschland besorgt sein sollte. Dann allerdings würde die Sache ernst, sehr ernst. Dann wäre auch hier dos letzte Wort noch nicht gesprochen. Dann käme es wirklich einmal darauf an, festzustellen, welche von den Berliner Luxushotelbesitzern und deren Gästen es sind, die in Berlin wieder die Nacht zum Tage machen wollen, die sich gegen die für den Be- stand dieses Viermillionenkörpers notwendigen Steuern sträuben und hie bereit sind, jeden Preis für Brot und Zucker zu zahlen, während Taufende von Familien und Müttern in Heller Verzweiflung nicht wissen, wie sie ihre Kleinen und sich selber notdürftig ernähren sollen. Volk in Pol. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" macht sich zum Anwalt der angeblich aufs tiefste bedrängten Luxushotels und der Gäste dieser Luxushotels und ruft: Hotels in Not! Wir lehnen diesen Ruf ab und entgegnen darauf: Es trifft nicht zu, daß es die Berliner Luxushotels sind, die jemals imstande sein werden, den„alten Ruf der Reichshauptstadt wieder in Ehren zu bringen". Kommunal- politisch ist es geradezu lächerlich, den Ruf einer Stadt von dem Bestehen der Luxushotels abhängig machen zu wollen. Der Ruf einer lZtadt gründet sich vornehmlich auf die geistige, sitlliche und körperlich« werkhafte Tüchtigkeit seiner Einwohner. Um diese zu stärken, zu heben und zu fördern, müssen wir für Berlin einen anderen Ruf ertönen lassen: V o l t i n N o t! Und wir wollen sehen, welcher Ruf von größerer Notwendigkeit und Berechtigung getragen wird. Untersolchen Umständen würde es bei der arbeitenden pro- duktiv tätigen Bevölkerung von Berlin den heftigsten Widerspruch erregen, wenn staatliche oder kommunale Behörden den Wünschen der Luxusmenschen und der Luxushotels nachgeben würden. Der Kampf um das Schloßlazarett. Die Oeffentlichkeit hat geglaubt, daß man nun- mehr die Insassen des S ch l o ß l o z a r e t t s in Char- lottenburg endlich in Ruhe lassen werde. Dem ist aber nicht so. Das Demerkenswerte an diesem Fall ist, daß bisher noch immer kein stichhaltiger Grund angegeben werden konnte, weshalb man diese um das Vaterland verdienten Männer aus der ihnen lieb gewordenen Umgebung heraus- reißen will. Wie uns zuverlässig berichtet wird, fährt jetzt täglich ein rrnnr�Tsim�Tiinm Auto vor, um diejenigen Kriegsbeschädigten, welche sich verlegen lassen wollen, aufzunehmen. Es hat sich aber, soweit bekannt, keiner von den Kranken abfahren lassen. Inzwischen ist in den Räum- lichkeiten des Lazaretts von den Kranken eine Urabstimmung vor- genommen worden. Von 127 abgegebenen Stimmen waren nur 7 für Verlegung. Angesichts der durch die bürgerliche Presse ver- breiteten einseitigen Darstellung besteht unter den Kranken der sehnlichste Wunsch nach einer gründlichen Auf- klärung der ganzen Sachlage. Zu diesem Zweck soll jetzt eine aus Angehörigen verschiedener Parteien zusammengesetzte Kommission gewählt werden mit der Aufgabe, in Verbindung mit Vertretern der Kriegsbeschädigtenorganisationen das Material der Behörden und der Lazarettinlassen zu prüfen und das Ergebnis der Oeffentlichkeit, sowie den gesetzgebenden Körperschaften zu unter- breiten, damit endlich Abhilfe geschaffen werde. Die Insassen des Lazaretts verlangen, daß bis zur Entscheidung alle gegen sie verhängten Maßregeln aufzuheben sind. Ihrer festen Ueberzeugung nach wird eine unparteiische Prüfung er- geben, daß kein Grund für das rigorose Vorgehen gegeben ist. Ein- geleitet wurde dieses damit, daß man sagte:„Entweder müssen die sechs Rädelsführer aus dem Lazarett entfernt, oder dieses muß gänzlich geräumt werden."— Von den sechs als„Rädelsführer" an- gesprochenen Kranken ist keiner mehr im Lazarett, sie sind längst fort und somit liegt noch Meinung der Insassen des Lazaretts nicht der geringste Grund für die Behörden vor, immer noch auf die Räumung zu bestehen und den ohnehin genug leidenden Kranken und Krüppeln das Leben durch Zwangsmaßregeln zu verkümmern. Als eine vollkommen unverständliche Maßnahme erweist sich auch die Verordnung des Reichsarbeitsministeriums, nach der ein Teil der Kriegsbeschädigten nach dem Versorgungslazarett Thüringer Alles verlegt werden soll, das bisher nur Station für Kiefer- oerletzte war, während im Charlottenburger Schloß alle orthopädi- schen Einrichtungen vorhanden sind. Kompaguiegeschäfte zwischen Verbrechern«nd Kriminal- bcamten. Ein Konsortium von Verbrechern und Krimi» nalbeamten, welches eine ganze Serie der verschiedensten Straftaten aus dem Schuldkonto hat, wurde gestern auf längere Zeit unschädlich gemacht. Angeklagt waren die angebliche Wirtschafterin Elisabeth Müller, der Kutscher Karl K r a u t w u r st, der Ar- beiter Robert Schröder und Werkmeister Paul W i ch m a n n, sämtlich vorbestraft: ferner der Kaufmann Willi Below und der Kriminalwachtmeister Franz R o st. Die mitbeteiligten Kriminal- Wachtmeister Retzlaff, Forster und G r ü»n m i ch sind in- zwischen zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt worden. Die Leiterin des Berbrecherkonsortiums war die Angeklagte Müller, welche es in äußerst raffinierter Weise verstand, sich an Kri- minalbeamte heranzumachen und sie derart zu umgarnen, daß sie sich schließlich sMr an den von ihr ausgeheckten Verbrechen beteiligten. Auf diese Weise hat sie bereits S Kriminalwgchtmeister» durchweg junge Beamte, ins Verderben gestürzt. Mit Hilfe dieser Kriminalbeamten wurde als erste Straftat zwei Türken, Dr. Fuad und Dr. Mansur, im„Cafe Größenwahn" 30 rotgestempelte Tausendmarkscheine, einem bäuerischen Kaufmann, der hier Gold verkaufen wollte, ein Kilo Feingold, einem Schlächter- meister Urban 27 000 M. abgenommen. Dem Inhaber des„Artisten- kellers", Kaufmann Breuer, hat die Gesellschaft durch Einbruch Pelze, Teppiche und Silbersachen im Werte von 30 000 M. entwendet. Den Hauptcoup verübte W i ch m a n n, welcher in der Maske eines Leitungsrevisors einer in der Rauchstraße wohn- haften Geheimrätin ein Perlenkollier im Werte von über eineMillion Mark entwendete. Dieses Kollier wurde durch einen inzwischen flüchtig gewordenen Juwelenschieber Wein- stock nach Paris verkauft. Nachdem es dem Kriminalwachtweister Wild gelungen war, die Täter zu ermitteln, wurde es auch möglich, die gestohlenen Pretiosen wieder herbeizuschaffen. Wegen des jetzt zur Anklage stehenden Falles Breuer beantragte der Staatsanwalt Gefängnis- und Zuchthaue st rasen bis zu 4 Iahren. Die Angeklagten Frau Müller und W i ch- mann wurden freigesprochen. Die Angeklagten Krautwurst und Schröder zu je 3 Iahren Zuchthaus verurteilt, die Angeklagten Below und Kriminalwachtmeister Rost erhielten 1 Jahr 3 Monate bzw. 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Rost wurde sofort in Haft genommen. Staffelung des Schulgeldes nach sozialen Gesichtspunkten. In Ergänzung unseres gestrigen Berichtes aus dem Etatsaus- fchuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung teilen wir nvch mit, daß die sozialistischen Parteien nicht etwa der Schulgelderhö�mg auf 500 M. ohne weiteres zugestimmt haben, sondern erst nach An- nähme des folgenden Beschlusses: Die Versammlung ersucht den Magistrat, die Schuldeputation zu beaustragen, unverzüglich Richt- linien aufzustellen, nach denen eine Schulgeldermäßigung bis zur IS) Die Rächer. Roman von 5) ermann Wagner. Sie blieb vor ihm stehen und sah ihn angstvoll an. Nichts von Berechnung war mehr an ihr zu entdecken. Sie schien gebrochen.„Werden Sie uns helfen?" fragte sie. „Ich werde die Angelegenheit prüfen," entgegnete er vollkommen sachlich, obwohl ihn ihre Angst in den Zustand einer angenehmen Erregung versetzt hatte.„Zeigt es sich. daß das Geschäft zu halten ist und daß die Gelder, die hin- eingesteckt werden müßten, sich verzinsen, bin ich nicht ab- geneigt, das Ganze zu übernehmen." „Und wir?" fragte sie hastig.„Was würde dabei für uns ausfallen?" Ihre Stimme zitterte, und vor ihren Augen log es wie ein Schleier. Er kostete einen Augenblick ihre Angst voll aus. Dann sagte er:„Das hängt von der totsächlichen Lage ab, in der sich das Geschäft Ihres Gatten befindet und über die ich mir klar werden muß. Nach dem. was Sie mir berichten, wird es freilich nicht viel fein. Immerhin soviel, daß Ihr Gatte in irgendeiner Eigenschaft in dem Geschäft verbleiben könnte, vielleicht als fachlicher Leiter... Ihr Gatte, gnädige Frau. scheint kein Kaufmann zu sein?" Sie wurde rot und ihre Augen begannen bös zu leuchten. „Er ist ein Dummkopf!" rief sie aus. Er lächelte.„Trösten Sie sich. Ein jeder Mensch macht Dummheiten. Ich habe auch welche gemacht." Sie wandte sich ihm voll zu und sah ihn demütig an. als bewundere sie seine Kühle.„Sie? Sie sind sicher sehr er- fahren? Und auch reich?" „Ich bin erfahren— ja, sehr. Und ich bin auch reich, elücklicherweis«. Aber ich hoffe, noch reicher zu werden." Sie faßte wie im Traum nach seinem Arm.„Und Sie werden uns helfen?" fragte sie mit verschleierter Stimme. Er fühlte den Druck und ließ die Wärme der Hand auf sich einwirken. Aber er wurde nicht verwirrt dadurch, viel-, acfrr ionerlich völlig klar, ßr erkannte mit einem Male einen Teil der geheimen Zusammenhänge des Lebens, die ihm bisher recht dunkel erschienen waren. Es war immer so, daß der, der die Macht hatte, nahm, während der, der schwach war, sich berauben lassen mußte. Nun, es war ihm jetzt eine Wollust, zu rauben. „Wie?" bat sie erneut.„Sie werden uns helfen?" „W«m?" „Uns! Nein, nicht uns: mir!... Werden Sie es?" „Ich weiß es nicht..." Sie umklammerte seinen Arm fester.„Ich werde Ihnen dankbar sein. Immer. Ich werde es Ihnen nie vergessen.. Er löste ihr« Hand von seinem Arm. betrachtete und streichelte sie wie in Gedanken.„Lieben Sie Ihren Mann?" fragte er leise. Da weinte sie plötzlich und überließ ihm gehorsam die eine Hand, während sie mit der anderen ihre Tränen trocknete. „Fragen Sie nicht," schluchzte sie.„er hat mich unglücklich gemacht..." „Im Leben macht immer der eine den anderen unglück- lich," sagte er grausam.„Das ist so. Man muß sich hüten, der andere zu sein. Das ist alles." „Ja." sagte sie weich. „Sehen Sie das ein?" „Ja. ich sehe es ein..." Er zog sie näher an sich heran und drückte einen schnellen, oberflächlichen Kuß auf ihr Haar, so, als gebe er chr, um sie für eine Weile zu trösten, ein flüchtiges Geschenk,„Ich will sehen, was ich für Sie tun kann," sagte er zögernd.„Aber ich tue es nur unter einer Bedingung." „Ja?" Sie sah ihn unter Tränen dankbar an. „Sie dürfen nie vergessen, daß es nur ein Geschenk ist. was ich Ihnen mache, und daß ich dieses Geschenk zurück- nehmen kann, sobald es mich reut. Wollen Sie das nicht vergessen?" Sie wandte, gleichsam widerstrebend, den Kopf zur Seite. „Sie sind hart" „Ich bin hart, sa— und ich bin es mit Bewußtsein-.. Lehnen Sie mein Geschenk ab?" Einen Moment war es, als wolle sie sich in fern« Arme w»rs«»u Nur der abweisende Ausdruck in seinen Äugen hielt sie davon ab.„Ich nehme alles an, was sie mir schenken," sagte sie gehorsam.„Aber ich bitte Sie doch: seien Sie gut!" Er erhob sich und küßte ihr die Hand. Rasch sah er sich noch einmal in dem Raum um, als fei es ein Besitztum, das nun ihm gehöre. Dann sagte er:„Ich gehe jetzt. Ich erwarte Ihren Gatten morgen früh in meinem Hotel. Ich will dann versuchen, alles zu regeln." . Er ging. Sie sah ihm mit schimmernden Augen nach, wie einem. der jetzt ihr Herr war und vor dem es keine Rettung gab, weil er. die Rettung selber war.— Aus der Straße unten wandte sich Reisner noch einmal nach dem Hause um. Es war in dem protzigen Stil erbaut, der den meisten Häusern dieser Gegend eigen war. Er dachte: es ist m e i n Haus! Und er setzte seinen Weg in dem Gefühle fort, eine neue Heimat zu haben, in der er, wenn sie seiner alten auch nur wenig glich, doch am sichersten zu jenem Ziel gelangen würde, das er erstrebte. Er schlenderte gemächlich die Straßen entlang, die voll eleganten Lebens waren. Alles, was er sah, war ihm in einem gewissen Sinne neu, denn es war anders, als er es in Hamburg gesehen hatte. Oder lag das nur daran, daß er hier in der Fremde war. einer Fremde, die. bedünkte ihn, fast weiter lag als ferne, fremde Länder? Niemand kannte ihn. hier, niemand kannte auch er. Das ist ein Zustand, dachte er. auf dem ich neu aufbauen kann. Oh, er war zufrieden! Er begab sich in das Hotel zurück, ließ sich das Abendbrot auf seinem Zimmer servieren und hatte dann das Bedürfnis nach einer leichten Zerstreuung. So fuhr er in den Winter- garten.- Das Leichte dieser abwechslungsreichen Kunst sagte ihm sehr zu. Es beruhigte. Auch die halsbrecherischen Akrobaten- tricks regten nicht auf. weil sie mit jener fabelhaften Sicherheit dargeboten wurden, die er sich zum Beispiel für die Stetigkeit mnd Festigkeit seines künftigen Lebensweges nahm, wie er auch in dem lässiggraziösen Lächeln der Tänzerinnen die Art erkannte, auf die er künftig das Weib zu genießen dachte: in einem spielerischen Rivpen der nicht ins Tiefe und Aufregende gehenden Freunden/die sie boten.'(Forts, folgt.) völligsn Befreiung rcn Schulgeld an den Mittel-- und HZHeren Schulen entsprechend der Vermögenslage der Eltern und der Anzahl der Kinder zu erfolgen hat. Praktisch bedeutet also dieser Antrag, für den selbstverständlich auch unsere Fraktion aufs wärmste«in» getreten ist, die Staffelung des Schulgeldes nach so- zialen Gesichtspunkten, wie sie bereits vorher von unseren Mitgliedern im Ausschuh gefordert worden war. Der DoÜar als Zahlungsmittel. Oer Berliner ZNagisirak sichert sich Soldzahlung. Die von der Stadt Berlin geplanten Reklameverträge, welche die nächste Stadtverordnetenversammlung beschäftigen wer- den, haben in einem Teil der Presse dadurch Aufsehen verursacht, dah in ihnen eine Zahlung der Pacht nicht nur in Mark, sondern auch in amerikanischen Dollars vorgesehen ist. Man hat gemeint, es solle damit der Dollar als Zahlungsmittel eingeführt werden. Die Sache ist jedoch harmlos. Da die fraglichen Verträge auf 1l) und IS Jahre geschlossen werden sollen, so mußte eine Form gefunden werden, um für den Fall weiterer Geldentwertung die Stadt vor Schaden zu be- wahren. Aus diesem Grunde ist dem Magistrat das Recht vor- behalten, statt des in Mark ausgedrückten Pachtbetrages den dem heutigen Kurs entsprechenden Dollarbetrog zu verlangen. Es ist diese also nur eine einfache Valutaklausel. Man muh das Borgehen des Magistrats, der sich oiif diese Weise Goldzahlung sichert, rückhaltslos anerkennen, hoffentlich werden darüber gerade jene Kreise freudig erstaunt sein, die sonst den Behörden„mehr kaufmännischen Geist" empfehlen. Die Mahnahme des Magistrats nimmt mit Recht dtejenigen heran, die sonst für Wcltmarktlöhne und erhöhte Leistungen an die Gesamtheit nicht zu haben sind, wohl aber ihre eigenen Zahlungen gerne in Gold aus- zudrücken pflegen. Verhafkung eines Zuckerschiebers. Einer großen Zuckerschiebunz kam, wie wir seinerzeit berichteten, das Polizeiamt Lichtenberg Ende vorigen Jahres auf die Spur. 6l) Zentner Zucker wurden von einer Schiebergesellschaft unter der Vorspiegelung verkauft, es sei„über- schüssiger Zucker', den der Berliner Magistrat abstoßen wolle. In Wirklichkeit stammte er aus einem bestohlsnen Waggon. Eine Reihe von Beteiligten wurden verhaftet, darunter auch ein gewisser Pernaß. Bald ergab sich, dah gerade Pernah 30 Zentner Zucker über eine Firma in der Choriner Straße nach deren Zweigstelle in Rathenow geschasft hatte: er wurde seitdem vergeblich gesucht. Erst gestern ge- lang es, ihn auf einem Laubengelände in Lichtenberg zu ermitteln und wieder festzunehmen. Der Berfolgte kannte alle Lichtenberger Kriminalbeamte und zog sich, so oft er einen von ihnen erblickte, schleunigst auf das Laubengelände und in seinen Schlupfwinkel zurück. Das Oesterreichisch-Deuksche Sommerfeff, das am Sonnabend im Zoologischen Garten stattfand und über das wir in der Sonntags- nummer kurz berichteten, rundete sich in seinem weiteren Verlauf zu einer wohlgelungenen, vom besten Wetter und herrlichster Stimmung begleiteten Veranstaitung. Besonders waren es die Vorträge volks- tümlicher Act, die Volkslieder des Berliner Sängervcreins und der Deutschösterreichischen Liedertafel sowie die hübschen Volkstänze und Gesänge der Schuhplattl-Sängergruppe des Alpenvereins, die all- gemeinen Beifall fanden. Dem Gartenkonzert lauschte man bis spät in den Abend hinein. Die Tombola brachte den Gewinnern freudige Ueberraschungen. Der' Ball im Marmorsaal bot schließlich das be- kannte Bild der Fülle und Ueberfüllc. Hoffentlich hat sich für die Zwecke der Oesterreichisch-Deutschen Volksbnndspcnde, denen das Fest diente, ein guter Ueberfchuß ergeben. Will doch diese Spende aus- schließlich der Verwirklichung einer innigen volklichen und kulturellen Gemeinschaft Deutschösterreichs und Deutschlands dienen. Verlängerung einer Straßensperrung. Die Sperrung der Blücherstraße zwischen Blücherplatz und Zossener Straße für den durchgehenden Fuhrwerksoerkehr wird bis zum 15. Juli verlängert. Kriegsleilnehmer, die Aerzke oder Zahnärzte werden wollen, brauchen an Lateinkenntnissen nur die erfolgreiche Teilnahme an einem zweisemestrigen Universitäts-Latcinkursus nachzuweisen. 3m Usa-Palast am Zoo findet der Inni-Bariete-Spielplon grähten Beifall. Das Programm wechselt am Freitag, den 1. Juli. Es werden im kommenden Monat ebenfalls nur erstklassige Kräfte de» Besuchern die allerbeste Unterhaltung bieten. Tos»ächste städtische BoIkOkonzert dcS Philharmonischen Orchesters unter Leitung von Richard Hagel findet am Dienstag, den SS. Juni 1821, abends 8 Uhr, in der Philbarmonie, Bernburger Str. 23/23, statt. Aus dem Programm: Ouvertüre, Ballctimusik aus„Die Abencc- ragen" van L. CKeinbrni, Wotans Abschied von Brunbilde und Feuerzauber aus„Die Waltüre" von R. Wagner, Ouvertüre„L sonore III" von it. v. Beethoven. Der Vorverkauf wie bekannt. Die 105. Vrolkommission, Danziger Str. 23, wird am 8. Juli noch Senefelderstr. 6 verlegt und dortselbst mit der 221. Brotkommis- fion vereinigt. Die vergrößerte 221. Brotkommission wird Rektor Ehrenpfordt führen und den Betrieb am S. Juli eröffnen. Grsß-Serliner partsknachrkchten. Heule, Dienstag, den 28. Iuni: 7. Abt.�7 Uhr�Abrechnunz der�BezirksfUhrer bet�Bogler, Mittcnwaldcr Ttr.�tfl. 33. und. Zt. Abt. 7 llhr öffentlich- Elternvcrsammlvng der 223. che- 7 mcindeschnle, Putbuserstr. 3, In der Turnhalle. Thema:„Die Sabo-[g tierung der Elternbeiräte durch da» Lchccrtollcg.um. feH-H-H 8». Abt. Friedenau. Echiiniherg. 8 Uhr Vorstandsfitzung bei Dllrlich. Rubens-,. Ecke Beaasstrahe. »S. Abt. Säng-rch-r der SPD. Temp-lh-f, Mitgl. d. A.-D.-B. Alle Sänge. rinnen und Sänger treffen sich heute nachmittag Uhr vor. der Halle des Gemeindefriedhofs zum Grabgcfang. Arauenveranslallungen am 28. Iuni: 53. Abt. Eharlottenbnrg. 7-si Uhr bei Lux, Ufnaustr. 1. Thema:„Die Weltanschauung der Sozialdemokratie". Referent Genosse Dr. Beyer, M. d. L. Morgen, Aliktwoch, den 29. Iuni: 32.«it. 7% Uhr Bei Blesfin, Staegaeder Str. 3, oichtige Zusammenkunft sllmt. licher Bezirksfllhrer und Heller, Aeeisdelegieeten, Elteenbeiräle und sonsti- gen Bcrtraucnspersonen. Auch Mitglieder sind willkommen. 33. Abt. 7 Uhr gahlabend in den benannten Lokalen. 58. Abt. VVs Uhr Dislussionoabend bei Trllmper, Flensburger Str. S. Kurzes Referat des Genossen Dr. Richard Treitel:„Volkswirtschaftlich« Bedeutung der Tarifverträge". «. Abt. 7-5 Uhr Zahlabcud bei Schmidt, Wiclefstr. 17 und bei Prtller, B-r. I-chingenftr. 7. ... IM-«i- vberschöneweib». TU Uhr in der«nla Frischenstrahe. m Jffci'.tliche Llternvrrsammlung. Thema-„Paulsen, Schulprogramm und W »er Reichsschulg-setzentwurf". Referent Studie n-at Dr. Löweusteln. lA. Abt. Pankow. 7Zb Uhr Abteilungsversammluna bei Schmidt, Wollank» strasie uä. Tagesordnung: 1. Die Politik de» Neichskan-ilers und unsere Stellung dazu. 2. Stellungnahme zum Bezirkstag und Wahl eines Dcle. gierten. 3. Verschiedenes. !»!' Ricderschönhausen. Iii Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. 135.«dt. Karow. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Bcrndt, Dorfstraßc. Achtung, Beamte und Angestellte der Gemeinde Graft. Berlin, die& ans dem Boden der SPD. stehen! Rachmsttnos 3 Uhr Versammlung im£5 Vllrgcrsnal de» Berliner Rathauses, Königstraje. Tagesordnung! 1. Unlere nächsten«nfgaben. Reserent R. Hermann und A.«u schilt. 2. Freie Aussprach«. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Der SPD.-Werdrlmsschnh de, Kommnnaldeamten. Wirtfdyaß Deukschlands Kohlenlage. Heber die Kohlenlage erholten wir von zuständiger Seite folgenden Bericht: Infolge der Knappheit an Gaskohlen können die Gas- o n st a l t e n im Reich nur mit durchschnittlich 60 Proz. ihres ein- geschränkten Kontingents beliefert werden. In diesem knappen Um- fange konnte die Versorgung der Gaswerke aufrechterhalten werden, so daß Stillstände vermieden worden sind. Die Elektrizitätswerke sind ebenfalls in Betrieb ge- halten worden, z. T. haben aber Abschaltungen von Industrien und Stromsperren stattfinden müssen, z. T. werden die Rücklagen, die für den Getreidedrusch bestimmt waren, angegriffen und aufgebraucht. Für die Lage bezeichnend ist, dah Kraftwerken, die im Ruhrrevier liegen, wie Herdecke, Elverlingsen, Schwelm u. a. ein Drittel ihrer Zufuhren in mitteldeutschen Braunkohlenbriketts geliefert werden muß. Die Bestände der Reichseisenbahnen sind infolge der verminderten Zufuhren uird von Notaushilfen, die zur Aufrecht- erhaltung der Klcinbahnbetriebe notwendig wurden, zurückgegangen. In B u n k e r k o h l e n für die Schiffahrt herrscht ein scharfer Mangel. In Hamburg lagen infolgedessen über 30 Kähne fest, die mit Getreide und Lebensmitteln lrach Berlin und Schlesien bestimmt waren. An den Küstenplätzen vorhandene Bestände sind gänzlich aufgezehrt. Die Bunkerkohlenversorgung ist auf die geringen Wen- gen, die von der Ruhr nur stoßweise geliefert werden können, an- gewiesen. Auch in der ö st l i ch e n Vinnenschiffahrt machten sich die Einwirkungen des Bunkerkohlenmangels infolge des Ausfalls Oberschlesiens bis in den Magdeburger Bezirk hinein bemerk- bar. In Breslau, Oderberg, Fürstenberg, Hohsnsaaten, Berlin, Spandau, Havelberg und Brandenburg liegen zahlreiche Schlepp- züge, insbesondere auch Ledensmitteltransporte, aus diesem Grunde fest. Hatte die Industrie im Vorjahre nur mit knappen, zeit- weiligen, oft unzureichenden Zufuhren den Bedarf decken können, so hatten sich im Winterhalbjahr 1020/21 im allgemeinen infolge des Minderbcdarfs der Industrie, den die Wirtschaftslage bedingte, Be- stände an m i n d e r e n Steinkohlen ansammeln lassen, die verhin- derten, daß die Industrie sofort zum Erliegen kam. Inzwischen gehen aber bei der Fortdauer des Ausbleibens der Lieferungen aus Oberschlesten die Bestände zu Ende. Allgemein führt der gegen- wärtige Zustand zu einer völligen Entblößung Deutsch- lands von irgendwelchen Reserven, wie dies z. B. auch am Stand der Haldenbestände an der Ruhr erkennbar wird. Es bedarf keines besonderen Hinweises auf die Größe der Gefahr, die hierdurch der Industrie droht. Für den Osten ist sie um so größer, als für die Industrie des Ostens im allgemeinen eine Aushilfe von der Ruhr nicht in Frage kommen kann. Die Skaffelung der Kohlenpreise. Der Rcichskohlenverbnnd und der Große Ausschuß des Reichs- kohienrats beschlossen einstimmig, ab 1. Juli eine veränderte P r e i s st a s f e l u n g für Ruhrkohle eintreten zu lassen. Es wird sich hiernach der Preis für Stück- und Nußkohle um 23 M. und als Folge davon der für bestmelierte Kohle um 6�4 M. je Tonne lbeidcs ausschließlich Steuern) erhöhen. Der Beschluß soll den Anforderungen der Verbraucher auf stärkere Belieferung mit besse-. rer Waschkohle an Stelle der schlechteren Förderkohle gerecht werden. Die Zechen sollen einen größeren Anreiz erhalten, gute Wasch- Produkte und seporierte Kohle zu liefern, deren Verwendung den Feuerungsanlagen zuträglicher ist und deren Bezug sich, ins- besondere bei weiter Fracht, im Betrieb meist immer noch billiger stellen wird, als derjenige von ungewaschener, leider meist unreiner Förderkohle. Bei dem Separieren und Waschen der Kohle entstehen naturgemäß Abgänge und Gewichtsverluste an dem Fördergut sowie Mehrkosten, die noch Ansicht der Kohlenwirtschaltsorgane in der bisherigen Preisstellung nicht genügend Ausdruck finden. Das R e i ch s w i r t f ch a f t s m i n i st e r i u m hat der An- regung, die nicht von dem Syndikat, sondern vom Reichskohlen kommisfar und dem Bergtechnischen Ausschuß ausgingen, zug e st i m m t. Nach drei Monaten soll eine Prüfung über die Aus Wirkungen der Maßnahme stattfinden. Ebenso wurde einstimmig beschlossen, die bereits eingetretene Ermäßigung der St sinkahlenbrikett preise im Ruhrgebiet und in Sachsen um 16 M. ab 1. Juni gutzuheißen und am 1. Juli mit Rücksicht auf den billigeren Pechpreis eine weitere Ermäßigung um 8 M. für die Tonne Ruhrbrikctts eintreten zu lassen. Die valuka sällk weiter, und zwar!n verschärftem Maße. Gestern wurde der Dollar an der Berliner Börse mit 74,42(gegen 72,04 M. am Freitag) bezahlt, 100 Holl. Gulden stiegen von 2370,10 auf 2467,50 M., auch die übrigen Kurse erhöhten sich entsprechend. Verschiedene Mitteilungen lassen darauf schließen, daß die Devisen Hamsterei wieder einsetzt. Die Industrie versieht sich mit fremden Zahlungsmitteln, um sich Rohstoffeintäufe zu sichern, das Kapiial flüchtet vor den Geldsteuern in Auolandspapiere und fremde Gold sorten wie in diejenigen deutschen Wertpapiere, die Goldwerte vor- stellen, so alle Dividendenpapiere. Der Vorgang ist eine erneute Mahnung an das Reich, sich beschleunigt durch BennögensbeteUigung seinen Anteil am Goldvermögen des deutschen Volkes zu sichern, wenn es nicht bei den Wiederautmachunaszahlungen allein auf die Besteuerung der breiten, jetzt schon notleidenden'Masse angewiesen sein will. Gegen Lurnseinsuhr und Auswüchse des Siraßenhandess wen- den sich Entschließungen des wirtschaftspolitischen Ausschusses des vorl. Reichswlrtschaftsraies. Weiter ersucht dieser den Reichswirt- schaftsminister, Vorschläge zu unterbreiten, nach denen die Maß- nahmen der Außenhandelskontrolle den Bedürfnissen der Ausfuhr nach Uebersee, wie sie sich aus der Wirtschaftslage er- geben, angepaßt werden.__ ?ugenAveranfta!tunyen. Peres»«rbeiter-Ingend Groß. Berlin. Setretarint: NW. 4«, 3« den gelten 23. Dienskag. den 28. Iuni: Nledersitönlianten: Blankcnburger Str. 69i70, Distnssion:„Sine Reichs. tagssitzung".— Reinickendors-West: Scharnmcberstr. Iii, Mitgliedcroersammtung. Acauenvcranstalungen am Millwvch. d-n 29. Iuni: «dt.«chön-t-rs- Feanen'nnttjonärinncil. Woillsahrtsausichusi und Ferien- iolouie: Siguug 7>4 llhr hei Friedrich, Wartbursstr. ii. Arbeitersport. SnS Werbe-Schluimmfest der Freien Tchwlmmrr Potsdams fand bei sirohlendem Soiinci'icheii, am lebten Sonntag in der Türkschen Ladeanslalt in Potsdam ilalt. Mit dem Erfolg kann man zusrieden sein, tvcnn auck» der Besuch bätle größer sein können. DnS Programm ging glatt vonstattcn und legte Zeugnis von dem hohen Können der Arbeiter- Schwimmer ob. Nachftebend die Ergebnisse: Eröfinungssiasettc(4X2 Bahnl.): 1. Fr. Schwim. Reick. 2.071/,, 2. Schwimm-Rlege NowaweS 2.33*, V— Tomenjugeiibbruitschwimmeii (4 Bohnl.): 1, Frl. Grix, Charl. 1.29, 2. Frl. Kaiinenberg, Falkenhagen 1.33'/,. — Männerseiteschwimmen(4 Bahnl.): 1. B. Rannenberg, Fallenhagen 1.06'/,, 2. E. Montag, Freie Schw. Neu!. 1.10'/,.— Haupischwimmen(10 Babnl.): 1. Pressier, Fr. Schw. Neul. 3.06'/,(außer Konkurrenz), 2. Götke. Fr. Schw. Neuk. 3.13'/,. 3. Klein, Fr. Schw.. Neut. 3.22*/,.— Damenbruststafclle (4X2 Bahnl.): 1. Freie Schw. Charl. 2.59, 2. Freie Schw., Failenhagen 3.10*/,.— Hinderniöichwssnmen(2 Bahul.i: l. Ackenlimben. NowaweS. 40'/, Sek, 2. BorawSkt, Falkenhagen, 40*/, scl.— Mzimerlaaenslafftltc 4X2 Bahnl.): 1. Fr. Schw. Neulölln 2,13, 2. Fr. Schw. Falkenhagen 2,16. — Wasserballspiel 1: 0 für rot(2 tomb. Mannschaften). Staütetag unö GemelnSeveefaffung. Der 5. Städtetaq in Stuttgart nahm am zweiten Vorhand-' lungstag die Neuwahlen des Vorstandes vor. Es wurden u. a. ge- wählt: B ö ß» Berlin, S ch m i d- München und Scheidemann« Cassel. Darauf wird der zweite Tagesordnungspunkt, Das G e- meindever fassungsrecht, als letzter Gegenstand behau- deft. Erster Berichterstatter Oberbürgermeister N o l l n e r- Rüstringen: Die Gemeindeoerfassung bedürfe gründlicher Reformen. Eine Reform der Gemeindeverfassung müsse aber Grenzen im all- gemeinen Staatswohl finden. Einzig erwünschte Reform müsse Zentralisation und Schlagfertigkeit der Gemeinden sein. Die Bürgerschaftsverfassung, die anzusirebenjei, setze ein Be- rufsbeamtentum voraus. Die Bürgerschaft müsse Träger der öffentlichen Gewalt in der Gemeinde sein. Grundsätzlich abzulehnen sei der Gedanke, innerhalb eines Staates verschiedene Systeme zu- zulassen. Ein einziges, als richtig erkanntes System nur dürfe durchgeführt werden. Scharfe Trennung der Selbstverwaltungs- angelegenheiten und der Aufträge oder Weisungen sei durchzufüh- reii. Polizeifragen und Schulwesen machten hier die größten Schwierigkeiten. Entscheidend aber sei immer das Wohl der Gesamtheit, des Staates, Staatsaufsicht der Selbstverwaltungen sei in Ordnung. Zieichselnheikllchkeik in der Gemeindeverfossung, daß sei Ziel der Reformbestrebungen. Wie aus der Städteordnung des Frhrn. o. Stein vor 100 Jahren ein »euer, guter Geist quellte, so müsse auch aus dem neuen Reformwerk ein neuer Geist der Eintracht entstehen.(Lebh. Beif.) Zweiter Bericht- erstatter Rechtsrat Dr. K o p p- Stuttgart: Freiheit im Handeln der Gemeinden sei ein unerläßliches Gebot. Kein Staat könne gesunden, dessen Gemeinden nicht die Kulturwerke und sozialen Aufgaben durchzuführen vermöchten. Im Süden wie im Norden des Reichs sei die Ausgestaltung der Tätigkeiten der Gemeinden dringend nötig, um alle lebendigen Kräfte im Boll in eine Bahn zum Wohle der Gesamtheit zu lenken. Die politische Umwälzung in den geschicht- (ichen Nooembertagen von 1918 habe den Gemeinden nicht die Bewegungsfreiheit gebracht. S t a a ts a u ss i ch t über die Gemeinden dürfe nur nach Maßgabe der Gesetze, nicht aber noch freiem Ermessen der Aussichtsbehörden durchgeführt werden. Gegen Ueber- ariffe müsse den Gemeinden ein verwaltungsgerichtlicher Schutz gewährleistet sein.(Lebh. Beif.). Dritter Berichterstatter Dr. K ö r n i k e- Düsseldorf: Kommunal- Politik ist keine Zlllgemeinpolitik. In der Kommunalpolitik bandle es sich einzig und allein um Förderung des Wohles der einzelnen Stadt, der gesamten Bürgerschaft. Daher habe in den Gemeinden der n i ch t p o l i t i s ch e L e i t e r in viel höherem Maße das allgemeine Vertrauen. Zurzeit spiele für die rheinischen Gemeinden die Be- satzung der Westmächte eine besondere Rolle. Dos Vorbild der ersten Bürger sei dort in hohem Maße ausschlaggebend für die Duldung der Leiden, das Aushalten, die Hoffnung für die Zukunft. Im Rheinland könnten für die nächsten Jahre Expcri.nente die aller- schlimmsten Wirtungen haben. Die rheinischen Bürgermeister hätten heute den schwersten Stand in Deutschland. Sie würden ihn inne- behalten und auf Vorposten am Rhein Wache stehen, damit das Reich im Norden und Süden, im Osten und Westen durch gemeinsame Ar- beit wieder oukkomme.(Lebh. Beifall.) Die Aussprache. S ch m i d- München: Zweckverbände zur Der- einfachung der Verwaltung, zur Zusammenlegung und gemeinsamer Arbeiten seien anzustreben. Dr. Langer- Frankfurt a. M.: M a- gistratsverfassung oder Bürgermeisterverfas- jung, das sei die Frage. In Frankfurt a. M. habe sich die Magi- stratsverfassung ebenso bewährt wie in anderen Städten die Bürger- meisterverfafsung. Dörr-Berlin(Komm.): Gemcinöepolizei, keine Staatspolizei, müsse verlangt werden. Bei Eintreibung der Besitz- steuern müßten die Arbeiter bewaffnet werden,(Heiterkeit und Schlußrufe.) L e i n e r t- Hannover: Das Gemeindeverfassungsrecht müsse aus dem neuen Wahlrecht entstehen. Es gibt Gemeinde- tätige, die nur die besonderen Gemeindeaufgaben sehen. Entscheidend aber für die Berwaltungen der Gemeinden müsse sein und bleiben das Allgemeinwohl. Die verstärkte Aufsicht der Gemeinden müsse zurückgedrängt werden. Er sei persönlich gegen die Magi- stratsverfassung und gegen das Bestätigungsrecht der den Gemeinden überstellten Instanzen. Magistrats- oder Bürgermeister- Verfassung fei Zweckmäsiigteitsfrage. Nicht die Besatzung im Rheinland, sondern der B o l k s w i l l e in Deutschland müsse maßgebend auch im Rheinland sein. Das Bcstätizungsrecht müsse fallen: heute treffe es Kommunisten, morgen könne es andere Parteien treffen. Kirchner- Frankfurt a. M.: Durch die Magistratsver- fassung wird jede kommunale Tätigkeit erschwert. Der Bürgerschaft müsse ein größerer Einfluß eingeräumt werden. Nach kurzem Schlußwort von N o l l n e r- Rüstringen wird ein Antrag Leinert und Genossen, wonacy bei Ausübung des Be- stätigungsrechts, solange es in einzelnen Staaten besteht, Partei- politische Gesichtspunkte ausgeschlossen sein sollen, einstimmig ange- nomine n. Ferner wird mit großer Mehrheit folgende H - Entschließung v xllc" gefaßt:"'-v' „Der Deutsche Städtetag fordert von der Landes- und Reick/s- gesetzgcbuug vollkommene Selb st Verwaltung der Ge- meinden, Befreiung von überflüssiger Staatsaufsicht und Beseitigung des die Verwaltung verzögernden und verteuernden Instanzenzuges. Der Deutsche Städtetag beauftragt den Vorstand, unverzüglich einen Stiidienausschuß zur Prüfung des Gemeindeversassungsrecht» einzusetzen." Die Tagesordnung des Städtetages ist damit erschöpft. Oberbürgermeister Böh als Vorsitzender sogt in fernem Schluß- wort, die Verhandlungen des Städtetages hätten dazu beigetragen, Freiheit und Unabhängigkeit der Stödie zu sichern. Im In- und Auslande werde er feinen Eindruck nicht verfehlen. Die Städte sollen weiter die Grundpfeiler des Deutschen Reiches bilden, damit das Volk lebe, sollen die Gemeinden leben.(Lebhafter Beifall.) Der Städtetag ist geschlossen. Ms öee Partei. Danzig für die Ii. Iniernakionale. Der Parte ibo, stand hat folgendes Telegramm erhalten: Danzig. 26. Juni.(Eig. Drahtv. d. ,V.") Der Danziger Partei« lag der Sozialdemokratischen Partei hat sich heute zu den Grund« sätzen des 10. Kongresses der II. Internationale bekannt und seinen Anschluß an sie beschlossen. Wir übermitteln unserer deutschen StamineSorganisation diese Nachricht mit unseren Herzlichsien Grüßen und in der Hoffnung auf gemeinsame gedeihliche Zu- sammenarbeit mit unseren reichsdeutscben Genossen in der II. Jnter« nationale im Dienste deS Sozialismus. Gehl. Arbeiterpresse in ASA. Die postalischen Beschränkungen, die über zwei der wichtigsten sozialistischen Tageszeitungen der Vereinigten Staaten, den„Call" in New Dork und den„M ilwaukeeLeader", verhängt worden waren, sind nunmehr ausgehoben worden. Ende 19l7 war diesen Blättern die verglinltiguna der sogenannten„ziveirklassigen Post» rechte" entzoaen worden mit der Begründnitg. daß sie durch gewisse Artikel das Spionagegesetz verletzt hätten, auf welches sich übrigens auch das Vorgehen gegen DebS. Viktor Berger und viele andere Sozialisten gestützt halte. Die genannten Zeitungen blieben nur als drittklafssge Postsachen zugelassen, wodurch die Portokosten ssch so hoch stellten, daß sie mehr als einem der sozialistischen Blätter, denen gleichsalls die Vergünstigung entzogen worden war, das Wettererscheinen überhaupt unmöglich gemacht haben. AP.S. fias aller Welt. Mit der grojzen Jalschmünzeraffäre, bei der e? sich um die Hersielluni, von polnischen Tausendmcirkschcinen in Höhe von acht« �ebn Millionen handelt, beschäfiiflte sich, wie der �Frankfurter Zeitung"' aus Wiesbaden gemeldet wird, in dreitägiger Verhandlung daS dortige Schwurgericht. Es handelt sich um zwölf Llnge- klagte ans Wiesbaden, Frankfurt a. M. und Berlin, darunter sechs Polen, die beschuldigt waren, die Noten in Wiesbaden gedruckt und in Deutschland und Polen verlrieben zu haben. Fünf der Hauptbeschuldigten werden noch steckbrieflich gesucht. Tic Ver- Handlung ergab, dafl die Mehrzahl der deutschen Angeklagten, von den Polen zur Beihilfe versührt, aus Stot dazu gekommen ist. Eiiiige haben nach ihrer Angabe auch geglaubt, Polen, das uns schikaniere, schädigen zu dürfen. Ihr Vorteil bestand zumeist in einer Vergütung von je 800» M. Der Staatsanwalt bean» tragte unter Zubilligung mildernder Umstände Gefängnis- strafen von 1 bis 3 Jahren. Verurteilt wurden ein Angeklagter zu iVz Jahren, sechs zu zwei Jahren Gefängnis und die Regisseure des Ganzen, die Polen itiske und T a s in a zu je «n/z Jahren Gefängnis. Die drei Angeklagten aus Frankfurt ä. M. wurden freigesprochen. Lederschmuggel. Für erne Million Mar! Leder, da? nachts in zwei Lastautos über die holländische Grenze eingeschmuggelt war, wurde von einem Hilfsgendarmen beschlagnahmt, Wagen und Autoführer der Kölner Polizei zugeführt. Der Schnellzug Lille-Paris, der um 1 Nhr 40 Minuten nach. mittags von Lille abfährt, ist in der Nähe von Beaumont-Hamel entgleist. Bisher find 2 3 T o t e und etwa 30 Verwundete aus den Trümmern gezogen. Ueber das Eisenbahnunglück werden folgende Einzelheilen gemeldet: Um 3 Uhr. als der Zug mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern den Bahnhof passierte. bemerkte der Lokomotivführer, das er die letzten Wagen verloren hatte. Diese waren mit Reisenden dritter Klasse überfüllt. Die Wagen liefen erst ein Stück neben dem Gleis und fiele» dann vom Eisenbahndamm, wobei sie vollständig zusammengedrückt wurden. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dast das Unglück aus den s ch l e ch t e u Zustand der Eisen- bahn zurückzuführen ist und da« die Gleise sich durch die Wärme der letzten Tage ausgedehnt hatten. Der französische Kapitän Tinselm Marhak ist g e st o r b e n- ES gelang ihm, am 20. Juni 1910 mir seincnr Zlveidecker von Nancy nach Berlin zu fliegen und dort 5000 Flugschriften abzuwerfen, von denen man kaum etwas gemerkt hat. Bei seinem Weiterflug Tarn Mcncha! BIS kies nach Pollen chineln, wo er ge» fangen genommen wurde. Im Jahre 1918 gelang eS ihm. au« der deutschen Gefangenschaft zu entfliehen. Eisberge im Allankik. Ein aus Amerika in Bremen ange« kommenes Schiff berichtet, das ungeheure Eisberge im west. lichen Teil des Atlantischen Meeres treiben. Besonders im Fahr- wasser südwestlich von Neufundland befinden sich riesengroße Eis- berge. Außerdem sind ungefähr 50 Seemeilen südlich der Europa- route Eisberge beobachtet worden. Geschäftliche Mitteilungen. Da» T-xpichwczi-lhau» Emil Seftott, Berlin. Oranienstr. 15», vcranNaltek bis 5. Juli einen Gaifonaitsucrtaui. in welchem alle Artilel, wie Teppiche, Dardincn, Miibclstofse usw., im Preise bedeutend herabgesetzt sind, Das Wetter. Zu Süddcutschland bis Mittwoch: Ein wenig kühler. Vielfach heiter. Mehr veränderlich. Strichweise leichter Gewitterregen bei frischen nordwestlichen Winden. Das Glück im Winkel Deutsches Theater j'.'i Uhr: Poiasch u.''«rimulter Mi. 7'/«: Potnsch u. Perlmutter Kammerspiele 7'/,: Zwei glücklich« Tage •ML 70.: Zwei glückliche Tage Gr. Schauspielhaus (KarlstraBe) TVj: DleWeberslft.Abt, S.Ab.) AliUw. 70» Uhr: Die Weber (AiiUer Abonnementi Theater I. d. Pnipprätzer Str. DiensL, Mittw., Donnerst. 730 1 Witt dem Feuer spietcn 9 Uhr: Satans Maske «IkaTlott» ScJiulta Johannes Ricmaun Fanl»Udt Berliner Theater Allabendlich 7.30 Uhr. z>jas WodieÄsi&sa nlsien Ralph Artur ftolierts, Bise Müller« Usclii EUeot, Her* bert Klpcr, Paul Rehkopf Komödienhans 7.Z0: Der Monde Engel Cenfrnl-Tlicater s uhr: Jlonka Aentarhcn Opernhan« 7 Uhr: Freischütz tzTrlertr.Wilhclmat.Th. SJie Kleine aus der Hölle Kl. SchsinnplelhaiiM tv. uhr: Reigen Kleines Theater 7t/. Uhr: Olga Limburg; in Nur ein Traum I.iistsplclhnns 7*/. Uhr: Arnold Rleck in Die spanische Fliege Mctropol-Thenrer J&Die blaue Maznr Weuc« Opcrettentheat. Tv.uhr.Americaa-Girl Xcuch VolUsthoator 7 uhr: ßic Lokalhahn Residenz-Theater T1/. Uhr: Ma* Adalbert in 1919(Abdaf&rl) Schlller-Theat.Cliarl. J�.Rauii öerSabinerinaen Schloßpark-Theat. Steglitz. SchloBstralie 48 u�: Bull der Sabinerinnen Thalia-Theater 7«/, uhr. Mascottchen Th.amiVollendorriilat« Vetter aus Dlngsh Theater«lee Weste«« uK Borgen wistiEr lnstik! Ml.z>/,: Minna von Ucrnhelm Tb.l.d.Hommandantenstr. 7"/. uhr Die goiilenB Freiheit Trianon-Theater 7'/� Carol» T6IIe, Herrn. Valien- Hn i. Lady Windermeres Fächer WaMner-Theater 7/, S vhr: :: V».Tivtö:: Wm Engel strelkon! Operette in 3 Akten ReldistialL-Tiieater Stettlner Sänger Anfang T'/jUhr Gßnlioil-BrclÜ ti Varfctd ir Saal u. Garten .jl.j, ij. i ii ni.u üig �slmirals-falast 7''. Uhr: AbrakoUabrn Tb. a. Kottbuser Tor Tel. Moritzpl. 16077 Tägl. Vi, Uhr: Elite-Sauger — 10 Herren I— Wiu! Korolk I L'rLom. Typen! GröBt. Lacherfola Vorvk.li-l1/.,.,4-6(jC Leiden Sie? nn Flechten, Hautausschlag, Hautjucken, Pickeln, Finnen, Scherl, Krätze usw., dann gebrauchen SieTerrahB'sHell- seife. Erfolg Oberraschend. — Stück 6 NU Zu haben in den Apotheken und Drogerien. GeneralveFtrieb: E. Kaiser, W 80, W&rzbui-g;er Str. 6. usw„ Ankauf, Stetfauf, Jimtausch (Bcroefie'Jfnbtil* Snstav Rätzel, wt" Klarksriafcniitp. 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Die« zeigt ttefbetrllbt an im Namen aller Hinter- bliebenen Anna Kern geb. Frickert. Die Einäscherung findet Mittwoch Z Uhr im Krema- torium Derichtstraße statt. Kranzspenden dankend verbeten._ 26/'Jn Danksagung. ..Allen Freunden u. Bekannten für die mir beim Heimgänge meines lieben Mannes erwiesene Teilnahme lowie fllr die trost- reichen Worte des Herrn Pastor Frank und den ehrenvollen(ör sang des Gesangvereins„Vor wärts 80" sage ich hiermit meinen innigsten Dank. Z575b Vlisahelh Zoschke, SpeziaUArzt Dr. Scott!, Rosenfhaler«. 69-70 für alle Geschlechts-, Haut-, Harn-, Frauenleid. Syphilis-, Salvarsan-Kuren. Blutunters. Damen separat. 10— l. 5—7. Zinn u. Blei sowie alle Altmetalle Raulen zu Tagespreisen Metallschmelzwerke, Waldemarstr. 74. Telephon; Mnritzplatz 9055 IflGungskrankenkasse der Vereinigt. Lackierer-innnng zu Berlin. Bekanntmachung. Die fünffc Aendernng der Saßunq betreff« tj 48 ist vgm OberoeHicherungsamt geneh- migt und trat am Montag, den 20. Juni 1921. in Kraft. 21,7 Der Vorstund I.A. Otto«och, Dorfitzender. Lorliner 8?ar- u. Lauverein eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht. Silanz am ZI. vezbr. 1920 170/18 Mark Sochbmiten..... 10861649,70 GartenstadtFalken» berg........ 1149320�0 Neubauten..... 3957039 Uubebaut.Grundst. 2177067.06 stnoentar...... 1,— Aniag.-Kta d Sieg- stiedLevy-Schenk. Kirchengemeinde Tempelhof.... Rfickständ. Mieten Wertpapiere.... Bank-Gntbabcn.. Kassen-Bestand.. Verlust....... 50000,— 17725,— 3460,75 253050,55 5035466,39 1002,69 81 241,27 Sa. 19700464,— Paasäva Rliekstellung für die Ansiedelung Tempelhof.... Eharlottenbura. Noch zu zahlende Schuldverschrei- bungszinsen... Häuserbetriebs- kosten....... Kapitalertragsteucr Darkautionen... Gem. Baugen. Gartenvorstadt Groß-Berlin... Feste Darlehen.. Hypotheken..... Schuldverschrei- bungeu...... Spareinlagen der Genossen..... Geschäftsguthaben Siegst ied-Levy- Schenknng.... Feiicie Bernstein- Schenkung.... 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Znni. abends Z Ahr. in der Schnlaulo, Koppenplatz 12: Versammlung sämtlicher Betriebsräte der Unterqruppen « bis Vi (MetaMefiereien, Beleuchtungsgegenltände, Graveure, Schrau» den», Metallmöbel-, Waffen- und Drahtwarensabriken, Gold- und Stiberwareninbustrie, Gmaillierwerke, Gisenkonstruktions- und Geldschrantbetriebe, Bauschlossereien> Mitgliedsbuch and vetriebsratetarte legitimierst Achtung: Velrledsröle Achtung? der Mtgnwiie Vll der Mlallikdusttie! Heute, Dienstag, den 26. Znni. abends 7 Ahr, Im Sitzungssaal de» Aerbandshauses, einienstr. 63-85: Versammlung aller Betriebsräte der Hanptqrnppe Vll (Huf- und wagenschmiede, Rohrleger- und Gasmesser» betriebe, Klempnereien) Tagesordnung: st Die Lag« de» Baugewerbe«. 2. Gruppen- angeiegenheiien. Mitgliedsbuch und vetriebsratetart» legitimiert Donnerstag, den zo. Znni. abend» 6 Ahr, In der Aula der Gemeindeschal« Mantenffeistr. Z, Hos 1, Sing. 3: Branchen-Versammlung der Schraubendreher, Automateneinrichter s«w>-aa»r«nSchraubenbetrieben Beschäftigten Tagesordnung! 1. Bericht aber die Bsrhaadtnngen vor dem Hnnptansschntz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Mitglieder, welche länger wie sechs Wochen mit ihren Beiträgen restteren, haben keinen ZuKitt I Die Kollegen der A.E.G.. Hennigsdorf, Bergmann-Rofenthal, Knorrbremse u. Frister&. Rohmann sind besonder» eingeladen. Die ortsoerwnllnng, Alle ZKstsNe?reisorköhung!l ss-»»» auch ganze Nachlöste SnCaMI» besonders große Posten gute Ware, zum höchsten Kurs Amslerdamer DiamaDteaselileiferel Gegr. 1892. 160 Friedrichstr. 160 K. 4?. Uder, S6. 16, Sngelnfer 5 Zigaretten, Kau-, Rauch- u. Schnupftabake G.A.Hanewacker• Ooldfarb ♦ Landfried ♦ Eicken» Raulino Oldenkott. ♦ Geöffnet 8—2 u. 3—5 Uhr. Moritzpl. 3014, 13720 Preuß. Staats- Lotterie Prämien> 2x750000 2x250000 Hanptgew.t 4X500000 4 X 300000 | Ziehung 1. Klasse Ist u. 13. 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Hoch(Toz.), die gestrichene 1 Million Mark zum Zwecke der Schulung der Lctriebsralsmitglicder nach dem Wunsche der Gesell- schuft für soziale Reform wieder einzuseizen.— Der Antrag wird gegen die Rechte angenommen, ebenso eine Entschließung, in den nächsten Hausholt zum Zweck der Förderung von Heimstätten und baugenossenschaftlichen Verbänden 500 000 M. einzusetzen. Zum Haushalt des Reichsvertehrsministeriums wird eine Entschließung angenommen, die Seeverbindung mii Osipreuszen durch Gewährung ausreichender Suvvei.lioncn im Wege langfristiger Verträge mit den beteiligten Schiffahrtsgesellschaften sicherzustellen, ferner wird um Beschleunigung der Vorarbeiten zu einem Groß- schiffahrtswege Ruhrgebiet-Bremcn-Hamburg und um Vorlegung einer Denkschrift darüber ersucht. Der Haushalt wird angenommen. Es folgt die Beratung des schleunigen Antrages aller b ü r g e r- l i ch e n Parteien,„unter Würdigung des einmütigen von der deut- fchsn Reederei, den seemännischen Berufsverbänden, den Vertretun- gen des Ueberfeehandels und der Auslandsdeutschen dem Reichstage vorgetragenen Wunsches, die Regierung zu ersuchen, die Verordnung über die deutschen Flaggen vom 11. April 1S21 insoweit, als sie sich auf die Handelsflagge bezieht, bis auf weiteres außer Kraft z» setzen, weil durch eine Acndcrung der alten Handelsflagge der Wiederaufbau der deutschen Seeschiffahrt, die Wiederanknizpfung überseeischer Handelsverbindungen und die Gemeinschaft der Aus- landsdeutsckcn mit ihrer alten Heimat gefährdet würden". Abg.«tlildemeisler(D. Vp.): Die Einfügung der schwarz-rot- glodenen Gösch hat keine Berechtigung. Vor allem die Auslands- deutschen wollen die reine fchwarz-wcifz-roie Flagge erhalten wissen, unter der Deutschland groß geworden ist. Der Wiederausbau unserer überseeischen Beziehungen wird gefährdet, wenn wir die Flagge ändern.(Widerspruch links.) In Chile haben sich bei einer Abstimmung darüber 05 Proz. der dortigen Ausländsdeutschen für die alte Flagge ausgesprochen.(Hört, hört! rechts.) Abg. Dr. David(Soz.): Die Floggenfrage ist durch die Dersassung klar entschieden. Wenn der Antrag verlangt, daß die Flaggenverordnung bis aust weiteres ausgesetzt wird, so heißt das doch im Sinne der Antragsteller: für alle Zeiten.(Sehr wahr! links.) Wenn Sie(nach rechts) schwarz- weiß-rot erst als Auslandsflagge haben, so haben Sie eine gute Position erobert für die Beseitigung der republikanischen Inlands- flagge. In Weimar haben wir dem technischen Bedenken wegen der geringeren Sichtbarkeit der schwarz-rot-goldenen Farben auf See Entgegenkommen gezeigt. Diese Verständigung wird jetzt von Ihnen durchbrochen. Wenn auch ein Teil der Antragsteller vielleicht die republikanischen Farben nicht ganz beseitigt wissen will, so müssen Sie sich doch klar sein, daß dies der erste Schritt dazu ist. Die Ge- samtheit des deutschen Voltes hat ein lebhaftes Interesse daran, daß die Flagge der Republik aller Welt gezeigt wird.(Sehr richtig! links.) Die Argumente gegen die schwärzrot- goldene Gösch sind einfach lächerlich. Das Vertrauen zu der Güte deutscher Waren stützt sich doch nicht auf die Farben der Flagge. Denken Sie an die Zeit, wo deutsche Waren im Ausland als billig und schlecht galtenl Das hat sich durch die Verbesserung der Waren geändert, nicht aus anderen Gründen. Wenn man sagt, die schwarz- weißrote Flagge niüsse rein bleiben, ohne eine Gösch darin, so er- innere ich an das Eiserne Kreuz, welches diejenigen Kapitäne in der schwarzweißroten Flagge führen dürfen, die Reserveoffiziere sind. Sollte das geeignet sein, die Stimmung im Auslände für uns zu oerbessern? Die ganze Welt weiß doch, daß unsere Verfassung sich geändert hat und daß mit der Republik auch republikanische Farben das Gegebene sind. Auch in Frankreich wurde nach jeder Revolution das monarchische Lilienbanner niedergeholt und die Trikolore auf- gezogen. Die Denkweise mancher Auslandsdeutschen fordert aller- dings die Kritik heraus In der Eingabe wird ein Brief eines Herrn aus Montevideo abgedruckt, worin es heißt, die Farben Schwarz-rot- gold würden die deutsche Handelsflagge besudeln. In Wirk- lichkeit wird der deutsche Name nur durch solche schmutzigen Be- schimpfungen herabgewürdigt: die Mehrheit der Auslandsdeutschen würde sich dagegen verwahren, mit solchen Leuten identifiziert zu werden. Die meisten Länder, mit denen die Ausländsdeutschen Handel treiben, sind doch Republiken oder wenigstens Demo- krotien. Die eigentlichen Gründe für diesen Antrag sind ja auch nicht technischer, sondern verdammt politischer Art. Es ist einfach ein monarchistischer Vorstoß gegen die Farben der Republik. Ich be- dauere sehr, daß die Antragsteller sich auch auf Leute wie Paul Müller berufen können. Müller war zu seinem Vorgehen von dem Vorstand des zuständigen Verbandes nicht ermächtigt. Die sec- männische Arbciterbevölkerunp hat eben erst einmütig gegen die Ab- ichaffung der republikanischen Farben protestiert. Die Rechte wünscht den Dolksenlschcid über die Flaggenfrage. Wir werden diesen Kampf kämpfen— er geht dann um die Parole: Hie Republik— hie Monarchie! Dann werden wir ja sehen, wo das Volk steht.(Unruhe rechts.) Ich frage das Auswärtige Ann, ob es einschreitet gegen Verunglimpfungen der deutschen Republik durch die deutschnationalen Auslandsbehörden. Die Unwissenheit der Aus- landsdcutfchen über die schwarz-rot-goldenen Farben ist unglaublich. Da heißt es in der Eingabe, die neu: Flagge sei von Soziallsten und Juden zusammengebraut. Demnach waren also die Uhland, Arndt, Jahn und viele andere keine guten Deutschen. Es ist doch der wahre Hohn, wenn die Nachfahren derer, die diese Männer gemaßrege'.t und verfolgt haben, sich jetzt als„deutschnational" bezeichnen. Zu diesen Männern gehörte auch Hoffmann von Fallersleben, dessen schönes Lied„Deutschland, Deutschland über alles" dem deutschen Volke jetzt von der Rechten verekelt wird. Die Farben der deutschen Einheit sind auch die Farben der deutschen Republik. Schon am 9. März 1818 wurden sie von der Bundesversammlung offiziell über- nommen als die alten Farben des Deutschen Reiches.. Der König von Preußen bezeichnete diese Farben als die ehrwürdigen Farben des Deutschen Reiches.(Lebhaftes Hört, hört!) Auch in Oesterreich war die schwarz-rot-goldene Flagge immer das Symbol der deutschen Einheitsbewegung. Glauben Sie(nach rechts), die österreichische Arbeiterschaft würde Schwarz-weih-rot akzeptieren als Zeichen der Einheitsbewegung. Der Anschluß an Deutschland kann nur im Sinne der Demokratie erfolgen, niemals im Sinne einer monarchischen Reaktion!(Lebhafte Zustimmung links.) Die Sozialdemokraten konnten und können die Farben Schwarz- weiß-rot nicht akzeptieren, weil sie das Symbol eines States waren, der die Sozialisten unter Ausnahmebchandlung stellte und sie als Menschen behandelte, die nicht des Namens als Deutsche wert waren. Die schwarz-weiß-rote Fahne ist— das hat besondere der Kapp-Putsch gezeigt— eine ausgesprochene Kampsfahne der Reaktion. unserer Verbindlichkeiten der Entente gegenüber zu vermeiden wisien. Die von den Imperialisten erstrebten Ziele werden wir im Interesse Die demokratisch gesinnte Zlrbeiterschast wird die Republik mit allen s Mochtmitteln verteidigen und verhindern, daß der Sieg aus Ihrer (nach rechts) Seite jein wird,(Befall b. d, Soz.)_________ 1 verfasiungsftage! Abg. Braun(Soz., zur Geschäftsordnung): Um einen Präzedenzfall zum Schaden der Verfassung zu ver- hüten, weise ich darauf hin, daß eine Aenderung der in der Ver- fasiung vorgeschriebenen Handelsflagge durch Annahme des Antrags nicht erreicht werden kann, weil zu einer Verfassungsänderung andere Voraussetzungen als die einfache Annahme eines Antrags notwendig sind. Auch durch eine Verordnung kann keine andere als die verfassungsmäßige Flagge eingeführt werden. Präsident Lobe: Zunächst lade ich die Staatsrechtler ein, sich über die vom Abg. Braun angeschnittene Frage zu unterhalten. Die Verordnung vom 1. April 1921 ist vermutlich nur eine Aussührung-bestimmung zu der Verfassung. Durch Annahme des Antrags könnte das Jnkraft- treten dieser Verordnung vielleicht hinausgeschoben werden. An- dererseits besteht die Schlußbestimmung der Verfassung, daß sie mit der Verkündigung in Kraft tritt. Vermutlich wird die Frage auch den Staatsgerichtshof beschäftigen. Wir werden aber zunächst mit unseren Beratungen fortfahren. Abg. Dr. Oberfohren(Dnatl.): Die Farben schwarz-weiß-rot sind die Farben der besten Zeit des Deutschen Reichs auch für die Arbeiterschaft.(Widerspruch links.) Der Aktionsausschuß der sce- männischen Berufsverbände, in dem Seeleute aller Parteien ver- treten sind, hat sich angesichts der in der sozialdemokratischen Presia erhobenen Angriffe geschlossen hinter seinen Vorsitzenden Müller gestellt.(Hört! hört! rechts.) Mit einer Aenderung'unserer Flagge würden wir uns im internationalen Verkehr lächerlich machen. (Sehr richtig! rechts.) Die gesamte seemännische Bevölkerung hält mit aller Entschiedenheit an der schwarz-weiß-roten Flagge ssst. Abg. Dr. Drettscheld(U. Soz.): An die schwarz-weiß-rote Flagge sind für die Arbeiter nicht gerade erhebende Erinnerungen geknüpft. Die wahren Gründe für Ihren Antrag auszusprechen, halten Sie(nach rechts) die Zeit nur noch nicht für gekommen.' Wenn die Gemeinschaft der Aus- landsdeutschen mit dem Vaterlande dadurch gestört werden soll, daß ein Vierundzwandzigstel der Handelsflagge schwarz-rot-golden„ver- unyiert" wird, so muß es mit der Vaterlandsliebe dieser Auslands- deutschen schlecht bestellt sein. Da könnte man ja gleich die Wieder- einführung der Monarchie verlangen! Dieselben Leute, die von Erschwerung der Beziehungen zum Auslande durch die republika- nische Flagge reden, freuen sich, wenn die Schiffe„Hindenburg", „Ludendorfs" und„Tirpitz" in die Welt hinausfahren. Die Aeuße- rungen Paul Müllers könnten in jedem deutschnationalen Schimpf- lexikon stehen, er wäre im königlich preußischen Heroldsamt cm einem richtigeren Platze als an der Spitze eines deutschen Arbeiterverban- des. Ein gewisses Mitleid muß man mit den Demokraten emp�fin- den, die sich hinter diesen Anrrag stellen. Die Demokraten, zu deren Tradition die schwarz-rot-goldene Flagge gehört, haben offenbor Angst vor ihren eigenen Ideale» und fürchten, den Anschluß nach rechts zu verpassen. Der Antrag ist ein Beweis, wie stark sich die Reaktion in Deutschland schon wieder fühlt. Bei den Westarps wächst eben der antirepublikanische Mut im Quadrat der Entfernung der Revolution. Wir halten die Republik nicht für das Letzte, sondern nur für ein Gefäß, das mit dem Inhalt des Sozialismus erfüllt werden muß. Aber wir ver- leidigen auch dieses Gefäß, und wir werden jedem Vorstoß, auch jedem scheinbar noch so harmlosen, energisch zu begegnen wissen.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Barh(Komm.): Schwarz-rot-gold ist ebenso das Symbol der Reaktion, wie schwarz-weiß-rot. Unter dem alten Regime hat man die Arbeiter bedrückt, im neuen demokratischen Deutschland richtet man auf sie gar Maschinengewehre. Nur eine wahre Revo- lution kann uns ein glückliches Deutschland bringen. Abg. Danch auf rund 353000 (darunter rund 282 000 männliche und 75 000 weibliches�g e f a l l e n. Die Zabl der Zuschlagsempsänger. das hei�t der unter« stützungsberechtigten Familienangehörigen der Vollerwerbslosen, ist gleichzeitig von 440 000 auf 334 000 heruntergegangen. Die Zahlen stehen allerdings noch erheblich über den Ziffern vom 1. Juni 1920. Bei der Bewertung dieser Zahlen ist ferner zu berücksichtigen, daß sie die erwerbslosen Kopf- arbeiter, deren Zahl gerade nach den letzten Beobachtungen in einer Reihe von Orten wieder in der Zunahme begriffen ist, nicht mit umfassen. Es wäre daher verfehlt, aus der Besserung des SlrbeitsmarkteS im letzten Berichts- mouat auf eine Besserung unserer Wirtschaftslage zu schliefen. Unter den Gründen, aus denen die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in Deutichland abgenommen hat, verdient neben dem Fortgang der landwirtschaftlichen Arbeiten die Belebung der Bautätigkeit hervorgehoben zu werden. Die produktive Erwerbs« losenfürsorge beschäftigt zurzeit 250000 Personen. Es ist also gegenwärtig für mehr als 40 Prozent der Erwerbslosen durch die produktive Erwerbslosenfürsorge Arbeit geschaffen; hierbei werden die langfristigen Erwerbslosen die erfahrungsgemäß am schwersten Arbeit finden, besonders berücksichtigt. Bctriebsratswahlen bei der Eisenbahn. kiel, 27. Juni.(Eigener Drahtbericht deS.Vorwärts�). Bei den am 16. und 17. Juni erfolgten BetriebSratSwahlen im Eisen bahndirehtoitsbezirk Altona entfielen von insgesamt 20 201 ab> gegebenen Stimmen auf den Deutschen Eisenbahner- verband(ADGB.) 18312 Stimmen, aus den Allgemeinen Eisen« bahnerverband(Trier-Berlin) 1087 Stimmen, auf die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner(christlich) 302 Stimmen. Es entfielen somit ebenso, wie im Vorjahre, sämtliche Sitze auf den Deutschen Eisenbahnerverband. Gegen daS Vorjahr hat der Deutsche Eisen- bahnerverband 590 Stimmen mehr aufgebracht, aber auch auf den gegnerischen Listen find gegen 1920 122 bzw. 160 Stimmen mehr. Die Wahlbeteiligung war, wenn man die verschiedenen in der Natur liegenden Hindernisse in Betracht zieht, eine außer- ordentlich gute und das Resultat ist ein glänzendes Zeug- n i s für die Tätigkeit des Deutschen Eisenbahnerverbandes im Be« reiche des Eisenbahndirektionsbezirkes Altona. ftfort mit den Ueberstunden! Der allgemeine deutsche GewerkschastSbund ist unausgesetzt be- mübt, das große Heer der Arbeitslosen nach Möglichkeit zu der- mindern. Leider wird dieser Tätigkeit selbst von einem Teil der Arbeiterschair nicht die nötige Unterstützung zuteil. Es gibt sogar Leute, die in unglaublich kurzsichtiger Weise diese Tätigkeit der Ge- werkschaften durchkreuzen. Der Grund dafür ist der eigene Vorteil. Wir haben wiederholt betont, daß die Arbeiterschaft alle Ursache hat, jede Verlängerung des Achtstundentages abzu« wehren. Alle Mahnungen, keine Ueberstunden zu machen, um erwerbslosen Kameraden Arbeitsgelegenheit zu geben, sind bisher fruchtlos geblieben. Es läßt sich zwar nicht in jedem Falle jede Ueberarbeit vermeiden, aber unmöglich muß eS sein, daß Arbeiter mit ihrer Einwilligung, wenn nicht gar auf ihr Anerbieten hin fortgesetzt Ueberstunden machen. Vom deutschen Transportarbeiterverband wird unS eine Lohn- aukstellung eines bei der Firma Auerbach u. Co., Luisenufer 12 beschäftigten Arbeiters überreicht, die so aussieht: Wochenlohn........... 265,00 M. 72 Ueberstunden pro Woche a 7,36 M.— 520,93 M. 794,92 M. Ein einziger Arbeiter macht also in kurzer Zeit 72 Ueberstunden und verdient dabei doppelt soviel, wie er bei normaler Arbeitszeit bekommen würde. Würde dieser Mann dieses Maß von Ueberstunden ablehnen, dann würde er einem. wenn nicht gar zwei arbeitslosen Kameraden Verdienstmöglichkett geben und sie mit ihren Fanrilien vor völliger Verelendung retten. Aber soweit denkt er nicht, die Hachztsache ist, wenn er nur hat. Was scheren ihn die andern! Wieviel solcher.Arbeiter" mag eS geben, wie viele mögen unter ihnen sein, die über die angebliche Untätigkeit des ADBG. in Sachen der Erwerbslosenfiirsorge schimpfen, und wie viele Arbeiter mit Frauen und Kindern ver- danken ihren Hunger diesen gemeingefährlichen Egoisten? Internationale Arbertersolidarität. Die Verwaltung des Internationalen ArbeitersekretariatS beschloß, die angeschlossenen Organisationen aufzufordern, Beiträge zur Unterstützung der streikenden Bergarbeiter in England zur Ver fügung zu stellen. Die Föderation der Metallarbeiter hat bereits einen Beitrag geleistet._ Gegen die Ueberstundenwirlschast in der Abteilung des Magi- strats für Brotversorgung wandte sich der„Vorwärts" am Freitag abend. Die Tatsachen werden in einer Zeitschrift des Nachrichtenamts des Magistrats an uns nicht bestritten, sondern Abhilfe zugesagt: „Wie die Abteilung für Brotversorgung mitteilt, hat sie bereits vor längerer Zeit Schritte eingeleitet, um der Leistung von Ueberstunden, die zum Beispiel durch die Uebernahme von Arbeiten für die Bezirke, durch eilige Kalkulationen und andere be- sondere Arbeiten notwendig geworden waren, vorzubeugen. Zum 1. Juli ist ein weiterer Buchhalter angenommen; Berhandlungen wegen eines zweiten schweben. Sollten hiernach Ueberstunden bei normalem Verlauf der buchhalterischen Arbeiten noch nicht entbehr- lich geworden sein, so wird nach Bedarf weiteres Personal eingestellt werden." Wären die vor längerer Zeit eingeleiteten Schritte ein wenig größer genommen worden, blieb uns und der„Brotversorgung" diese Veröffentlichung erspart und der zweite Buchhalter schwebte wahr- scheinlich nicht irgendwo noch arbeitslos, sondern wäre bereits ein- gestellt worden. Zur Konkurrenz unker den Musikern teilt uns der Arbeiterra: der Staatsoper und der Beamtenausschuh des' technischen Personals als Entgegnung auf die Zuschrift des Musikeroerbandcs über„Ar- beitslosigkeit und Staatsoper" in der Sonnabend-Abendausgabe des „Borwärts folgendes mit: „... Wenn auch das Theater offiziell 7 Wochen geschloffen ist und das technische Personal während dieser Zeit seine Urlaube hat, so gibt es für das gesamte technische Arbeiter- und Beamten- personal nur die laut Tarif und Besoldungsordnung geltenden Ur- laubssätze, und zwar nicht 6—8 Wochen, sondern 12—28 Tage. Der Dienst bei der„Srohwitwe" wird also nicht w 5 h r e n d der t erien ausgeführt, sondern es haben dabei nur diejenigen des erfonals Dienst, welche sich auch wirklich im D i e n st e befinden, so daß jeder einzelne seine Ferien auch zur Erholung benutzen kann. Wir haben soziales Empfinden gegenüber unseren Kollegen genug, können aber die gesamte technische Einrichtung nicht fremden Händen überlassen... Jede Organisation arbeite für ihre Kollegen und lasse andere Berufsgruppen aus dem Spiel." Die Auffassung im letzten Satz wird dem sozialen Empfinden nicht gerecht. Den Beteiligten beiderseits wäre zu sagen:„Etwas mehr Kollegialität, meine Herren! Bessere gegenseitige Fühlungnahme, die zur Verständigung wesentlich beitrüge. Arbeiter und Angestellte, zumal innerhalb eines einzelnen Berufes, müssen sich e i n i g sein, sonst leidet die Vertretung ihrer Interessen darunter. Bedauerlich, daß das immer noch wiederholt werden muß und nicht längst als selbstverständliche Richffchnur gilt! . Das Kurakorium des Krankenhauses Lankwitz äußert sich zu unserem Bericht am Dienstag abend voriger Woche über Mißstände wie folgt:„Weder vom Betriebsrat, noch den Angestellten oder den Patienten ist dem Kuratorium von den angeblichen Mißständen etwas zur Kenntnis gebracht worden. Eine sofort eingeleitete Unter- suchung hat ergeben, daß die Belzauptungen teils direkt unwahr, teils stark übertrieben oder entstellt sind. Das Kuratorium wird trotzdem in Gemeinschaft mit dem Betriebsrat sosort für eine eingehende Untersuchung Sorge tragen und sich dann erlauben, Ihnen das Resultat der Untersuchung zur Kenntnis zu bringen."— Wir lassen das Urteil, zu dem die erste Untersuchung gelangte, auf sich beruhen und warten die Ergebnisse der eingehenden Untersuchung ab. Die AngesleSken des chemischen Graßhandel« waren am Freitag im„Deutschen Hof" zahlreich versammelt. Fritz Schmidt vom Zentralverband behandelte in seinem Vortrage„Die Scharfmacher am Pranger" den ganzen Verlauf der Bewegung. Der Streik im Herbst 1919 wurde nach sechs Wochen durch einen Schiedsspruch des Reichsarbeitsministers beendet. Die Scharfmacher der Arbeltgeder brachten es fertig, daß der Schiedsspruch abgelehnt wurde. Die Verbindlichkeitserklärung wurde verweigert. Neue Verhandlungen wurden dadurch hintertrieben, daß die Arbeltgeber „Werkvereine" gründeten und. als Köder„Haustarife" versprächen, wenn die Angestellten dem Zentraloerband den Rücken kehrten. E i n zweiter Schiedsspruch wurde wiederum abgelehnt und ihm wieder die Verbindlichkeitserklärung oersagt. Ueber neue „Erfolge" der Arbeitgeber war man in ihren Reihen so erbaut, daß ein von der Firma Theodor Teichgräber überschriebenes und von dem Herrn Lande unterzeichnetes vertrauliches Rund- schreiben an 14 Firmen gerichtet wurde, in dem den Herrev Morgen st ern und Dr. Engel der Dank des Groß- Handels für ihre„überaus mühevolle und von großem Erfolge gekrönte Arbeit" ausgesprochen, sowie angeregt wird, durch eme Umlage unter den hauptsächlich intereffierten Firmen für Dr. Enget eine Vergütung in Höhe von 12 500 bis 15 000 aufzubringen, jerner Herrn Morgen ft ern ein Präsent zu übermitteln. „Eine Ergänzung seines Weinkellers dürfte ihm nicht ganz unwillkommen sein." Aus einem Zusatz zu diesem Schreiben geht hervor, daß die Firmen C. W. Barenthin(G. m. b. H.) und Th. Tcichgräber(A.-G.) 1000 M. zeichneten. Der Referent unterzog dieses Rundschreiben einer scharfen Kritik. Er wies dann auf die niedrigen Löhne der Angestellten im chemischen Großhandel hin und hob hervor, daß auch der Ächtstunden- tag nicht eingehalten, sondern bei vielen Firmen durch Ueber- stu n d e n umgangen werde, während tariflich richtig geregette Ver- Hältnisse nicht bestehen. Nur durch die Macht der Organisation, durch eigene Kraft sei es den Angestellten möglich, eine Verbesserung ihrer Lebenshaltung zu erringen. Die den Zentraloerband der An- gestellten noch Fernstehenden müßten ihm unverzüglich beitreten. Kasper ergänzte als Korreferent die Ausführungen des Vor- redners. Man werde eine neue Lohnbewegung einleiten und wenn die Forderungen wiederum abgelehnt werden sollten, zum letzten Mittel der Selbsthilfe, zum Streik kommen müssen. Vorbedingung aber sei der volle Zusammenschluß im Verbände. In seinem Schlußwort führte Schmidt noch einige intereffante Zahlen als Beweis für die riesigen Profite des ch e m i- schen Großhandels an. Eingeladene Vertreter der Unter- nehmer waren nicht erschienen. Achtung, Betriebsräte der TNekallindustrie der Hauptgruvpen 1. 4 und 7! Alle Kollegen der SPD. und die mit ihr sympathisierenden Kollegen werden ersucht, am DienStag. nachmittag? 5'/, Uhr, im Saale des Arbeitsnachweises, Linienstraße, zu einer Vorbesprechung zu erscheinen. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Aus England. Hodges sprach nach einer Versammlung der Verwaltung des Vergarbeiterverbandes die Hoffnung aus, daß die Regierung doch noch durch eine Unterstützung von zehn Millionen"Pfund an der Regelung mitarbeiten würde.— Infolge der Verminderung der Lebensunterhaltungskosten sind die Löhne der englischen Eisenbahn- beamten automatisch um fünf Schilling die Woche gekürzt worden.— Eine Kommission, aus einer gleichen Anzahl Reeder und Seeleuten zusammengestellt, hat beschloffen, die Löhne zu ermäßigen, da infolge der Einführung des Achtstundentages große Arbeitslosigkeit herrscht, und durch die Lohnherabsetzung ein großer Teil der Arbeitelosen neu- eingestellt werden soll.(?)_ Samuel Gompers ist zum 41. Male zum Präsidenten der ameri- konischen Arbeitertöderalion wiedergewählt wordeir. Der Getverk- schaftskongreß in Denver billigte mit überwältigender Mehrheit das Vorgehen des Präsidenten Gompers gegenüber der Amsterdamer Gewerkschastsinternationale. Gompers wurde mit Zweidrittel aller Stimmen gewählt. Solange kein anderer Geist in die Leitung des amerikanischen Gewerkschaftsbundes einkehrt, führte ein Wechsel der Firma Gompcrö nur zu falschen Schlüssen. W»rl««ister»crbaud. tzachqruppl Mctalllndustrie: Oblcut»- rin!» Betriebs- vertrouensleutcversammlung' Mitlwach V Uhr Restaurant Schultheiß, Neue Iatobstr. 24/25. Kündigung des Tarifvertrages. Transportarbeiterverband, Bez. Eroß-Berlin. Heute 7 Uhr im Saal 4 des Sewerkfihastshauses. ffarlsehunq der Eeneralverfammluug. Eisen-, Glas-, AltmetaN», Sv'eliaaren. ufw. Branchen. Donnerstag 6 Uhr bei Feyfara. Melchiorstr. 15, Bollversammlung der Betriebsräte, Arbeiterrälc und Beiriebsobleutc. Bericht von der Reichstonferenz der Betriebsräte. Be» triebsratstarten und Mitgliedsbücher sind am Eingang vorzuzeigen. Bachbinder.(Seschäflsbuchbranchet Heuie- nachmittag 41- Uhr bei Baum, "' nd Betriebsräte, der Stallschreiberftr. 47, Besprechung der Bertraucnslcule un! Bcrantw. für ben rrturft. leilr.Dr. BJerner Bflfrr. Svarlattenburg: sür AtuelK-n- ?b. Gl»>te. Beriin. B erlag: Vorwärts. Aeriaq®. m. 6, H,. Berlin. Irur': irr. «ärts-Büchdrurterei u. Derlagsänitalt Baus T-nger«. Cd./ Berlin. Lindcnstr. 3- vlrrza 1 Beilagr. Wundsein der Kinder{L fägSÄ" Myrrholin« Seife. brauch der als beste Kinderseffe empfohlenen Stoffe Jür&rrra- n. flarnen-ßekleiiiung „Aparte Neuheiten" Verkani meierneisc Koch& Seeland � Gertraudtenstraße 20— 21 b. H. H E R M A N Leipziger Strasse» AEexandsrplatz Frankfurter Allee Soweit Vorrai MM? Xaäfseleseaäeil Krepon In vielen Farben.............•T-.rr.om, Meier 7� BöfäSf farbig bestickt........................... Meier 9 CO tele zirka 80 cm breit, für Hauskleider...,.,7�.. Meier 9 Zephir zirka 80 cm brell, schöne Sirelfen, gule Qualllfll, Meter 14� Trachtenstoffe In grossen Blumenmuslern...Meier 13� Kleäderfrofte kariert, zirka 110 cm breit...... 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