Nr.ZHH�SS.Mrgang Ausgabe B Nr. 14$ BezagSpretS: hrLSO,— mimatl. 10,— SR. paus, voraus zahlbar. Polt- Äonatlid) 10,— M. einschl. gu- ste'llungsgebllhr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danrig. das Saar- und Meuielaebiet. sowie die ehemal» deur- scheu Sediete Polen», Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— DU für da» übrige Anstand 27,— M. Post- beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Tlowalei, Dänemark Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der.Borwärt»" mit der Sonntag»- beitage.Volt und Zeit", der Unter- haltungsbeilage und der Beilage.Siedlung und Kleingarten* erscheint wochentäglich zweimal, Eorm- tag» und Montag» einmah Telegramm-Mr �Zazialdeinakrat BerN»*' Avend-Ausgabe Devlinev Volksblstt [ 20 Pfennig� Auzetgenpreis» Dt« achtg-spalten» Ronvaretll«»eii» tostet iJO M.Jklrtn» Vmjelgett' da» tettgebrnckt» Wort hd0 M. igt* lässig zwei tettgebructte Worte), jede, weiter, Wort U— M Stellengesuch» und kchlafftellenanzetgen da» erst» Wort M, jede, weiter» Won « Bfg. Worte über 1»«uchstade» zählen litt zwei Wort» Kannlien-An- »eigen wr Abonnenten geil« t— M vi« Preis« verstehen stch-tnschliehlich Teuecungszuschlag Anzeigen fllr dt« nächst, Rum««, müssen dl» 0 Ahr nachmittag» t» Hauptgeschäft, Berlin SW OB. Linden- kraß« 3. abgegeben werden. SeöffnA von 9 Uhr jrllh bi» d Uhr abend». Zcntrulovgan der rozialdcmokratirchcn Partei Deutfchlands Redaktion vnö Expeüition: SV öS, Linüenftr.Z ttomSttreA**** Redattio» Moritzplatz 15195—97 I' fyerniyrgo)cy. �cbttinn Moritzplatz 11758—54 Dienstag, den Ä8. Juni ISÄI vorwärts-verlag G.m.b.H., EM SS, Linüenstr. Z �ksrntAre-rkt-'r- Verlag, Expedition und Inserate«. «yernsprcrycr. UhteUung Moritzplatz 1175S— 54 Neue Reparationsverhanölungen. Pari«. 28. Juni.(EE.) Heute beginnen in Paris die Der- Handlungen zwischen den französischen und deutschen Sachverstän- digen über das Reparationsproblem. Don französischer Seite.nehmen an ihnen teil Seydoux und C h e y s s o n, von deutscher Seite Bergmann und Guggenheimer. Loucheur wird die Ober- führung der Verhandlungen vorbehalten sein. Es wird, wie das «Journal" meldet, ausschließlich über die finanzielle und die technische Seite des Wiederaufbaues gesprochen werden, jede po- litische oder diplomatische Erörterung soll ausgeschlrssen sein. Frank- reich wünscht zu wisien, wie Deutschland praktisch seinen Derpflich- tungen nachzukommen gedenkt. Weder die Grundlage des Versailler Vertrages noch die Bestimmungen des Londoner Abkommens sollen Gegenstand der Diskusston sein. Den Deutschen werden insbesondere folgende Fragen vorgelegt werden: Wer wird Lieferant sein! das Deutsche Reich oder die Prioatindustrie? Welche Garantien können für die Durchführung der geschlossenen Ver träge gegeben werden? Welche werden aufgestellt?' Was die letzte Frage betrifft, so sei behauptet worden, daß da- mit die Reparationskommission eines ihrer Rechte beraubt werde, weil nur sie die Zahlungsweise zu bestimmen habe. Dies sei jedoch ein Irrtum. Artikel 10 des Londoner Abkommens sagt darüber, daß keine der alliierten Mächte verhindert werden könnte, mit Deutschland Verhandlungen einzuleiten. Natürlich werden alle Alliierten über den Gang unterrichtet werden. Die Italiener scheinen zu glauben, daß Frankreich nicht mehr weit davon entfernt sei, mit Deutschland ein Abkommen über die Me- tollindustrie abzuschließen, worunter die italienische Metall- Industrie zu leiden hätte. Diese Furcht sei unbegründet, nichts, das irgendein gemeinsames Interesse berühren könnte, wird in Erörte- rung gezogen werden. Weder die Frage van Oberschlesien, noch die der teilweisen oder völligen Aufhebung der Sanktionen würde auch nur gestreift werden. Natürlich sei anzunehmen, daß man auch über die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Rußland sprechen wird. Man wird jedenfalls, wenn Deutschland erklären sollte, daß es nicht bezahlen könne, sofern man nicht den russischen Markt eröffne, eine solche Mittellung zur Kenntnis nehmen. Die deutsche« Zahlungen. Pari». 28. Juni.(TU.) Die deutsche Regierung kündigt, wie der Korrespondent der.Frankfurter Zeitung" erfährt, eine weitere Zahlung von 44 Millionen G o l d m a r k auf die bis zum 1- August fällige Milliarde an. Die bisherigen Barzahlungen er- reichen die Gesamthöhe von 244 Millionen. Die Zahlung erfolgt diesmal in der Hauptsache in europäischen Devisen. Die Restsumme ist in Bons zu 1» Millionen Dollar bei der Reparations- kommission hinterlegt worden. meinsam erörtert werden. Andere wünschen, daß der englisch- japanische Bündnisvertrag mit der Frage der Seerüstung zusammen besprochen werden solle. Eine dritte Gruppe dringt darauf, daß die Erneuerung des englifch-japanischen Vertrages als selbständiger Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werde. Der Sekretär der Konferenz wurde eingeladen, für heute die endgültige Liste der Fragen aufzustellen, die zur Erörterung kommen sollen. Es ist wahrscheinlich, daß heute zunächst der englisch-japanische Vertrag besprochen werden wird und daß die Verhandlungen entweder von Lloyd George oder von Lord Curzo» eingeleitet werden. „Daily Expreß" zufolge hat die britische Regierung der japa- nischen Regierung vorgeschlagen, daß der Bündnisvertrag vom Juli ab weitere drei Monate in Kraft bleibe, während die Reichskonferenz ihre Erörterungen über die Frage abschließt. „Daily Telegraph" vernimmt, daß einige erste Minister Zahlungsbedingungen der Dominions darum bitten werden, in direkter oder indirek- ter Weise an den nächsten Sitzungen des Obersten Rates teilnehmen zu können. Kolonialkonferenz mit Amerika? London, 28. Juni.(WTB.) Lloyd George teilte in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage eines Unterhausmitgliedes mit. daß der jetzt in Genf tagende Rat des Völkerbundes angesichts der Haltung der Vereinigten Staaten in der Mandaisfrage eine Konferenz zwischen den Mandatarmächten, und den Bereinigten Staaten vorgeschlagen habe. SioliaisRiicktri«. London, 28. Juni.(WTB.) Der diplomatische Mitarbeiter des »Daily Telegraph" schreibt, der Rücktritt des Kabinetts Gio- litti sei ein Ereignis von ungewöhnlicher Bedeutung, insbesondere im gegenwärtigen Zeitpunkt, da der Grund für den Rücktritt die Tatsache sei, daß es dem Grafen Sforza nicht gelungen fei, eine wesentliche Mehrheit für seine auswärtige Politik zu sichern. Die Unzufriedenheit des italienischen Parlaments schein« in der Haupt- fache zurückzuführen zu sein auf die Verzichlleiftung des Grafen Sforza in der Adria und in Adalia und auf seine weitherzige Unter st ützung eines Teiles der polnischen Ansprüche in Oberschlesien. Der Berichterstatter des.Daily Telegraph" erklärt, man müsse erst abwarten, ob der Nachfolger Sforzas nicht versucht sein wird, die türkisch-italienische Politik aufzugeben zugunsten einer Politik, die eine Entente im Osten zugunsten Groß- britanniens, Italiens und Griechenlands vorsieht. Um Giolittis Nachfolgerschaft. Rom, 28. Juni.(EP.) Der in parlamentarischen und politischen Kreisen als Nachfolger Giolittis bezeichnete Kammerpräsident de Nicola will die Nachfolgerschaft des Präsidenten n i ch t ü b e r- nehmen. Wie Giolitti, so betrachtet auch er die parlamentarisch« Einem Vertreter der Wiener.Neuen Freien Presse" gegenüber> Lage des Landes als zu undurchsichtig� Er billigt rückhalllos die von sprach sich der Reichskanzler Dr. W i r t h über die Sanktionen aus, deren alsbaldige Aufhebung durch die Entente er als notwendige Forderung der Stunde bezeichnete. Die amerikanische ßrieüensentschließung. Washington, 28. Juni.(WTB.) Einer Reutermeldung zufolge erklären die republikanischen Führer, daß ein Abkommen über die miteinander konkurrierenden Entschließungen Knox und Porter bezügllch Beendigung des Krieges mit Deutsch- land md Oesterreich erzielt worden sei. Sie sagen voraus, daß dieses Abkommen im Namen de« Senats und des Repräsentanten- Hauses auf einer morgen stattfindenden Konferenz von Vertretern der beiden Häuser formell angenommen werden wird. Paris. 28. Juni.(WTB.) Nach dem„New Park Herald" hoffen die republikanischen Führer im Kongreß, daß die Vereinigten Staaten sich mit Deutschland am 4. Juli im Friedenszustand befinden werden. .Chicago Tribüne" bestätigt, beide Häuser des Kongresies seien zu einer Verständigung über die Resolutionen Knox und Porter gelangt. Giolitti verfolgte innere und äußere Politik. Wenn heute de Nicola dem König gegenüber auf seiner Weigerung beharrt, so kommt zur Lösung der Krise B o n o m i und Orlando in Betracht. Dies« beiden Politiker stoßen jedoch in parlamentarischen Kreisen auf großen Widerstand: gegen Orlando spricht die Erinnerung an' seine Tätigkeit auf der Pariser Konferenz. Orlando hat außerdem aus- drücklich erklärt, er halte sich nicht für den Mann der Lage. Cr wird nur am ersten Tage einer Beratung mit dem Könige beiwohnen, gedenkt aber morgen schon zu seiner Familie nach Palermo zu reisen. Gegen die Kandidatur des reformsozialistischen Schatzministers B o- n o m i haben die Nationalisten ihr Veto eingereilÄ- da sie ihm sein Vorgehen gegen d'Annunzio in Fiume als Kriegsminister vorwerfen._ Dolstbewiftenüämmeruny? Londou, 28. Juni.(WTB.)»Worning Post" meldet aus Reval, in dortigen Blättern werde berichtet, daß im Gouverne- mentPermfander Grenze des europäischen und asiatischen Ruß- lands) die letzten Wahlen zu den Provinz-, Bezirks- und ländlichen ________.„„_____„ Sowjets zu der Wahl von Parteilosen und in deu Städten zu Senator Lodge, der Lorsitzende des Senatsausschusses für aus- menschewistischen Kandidaten� geführt haben. Nicht eiu wärtige Angelegenheiten, habe sich nach Washington zurückbegeben, einziger Kommunist ist gewählt worden. Moskau sah stch in der Absicht, die Erklärung des Friedenszustandes gezwungen, die Wahl der neueu antikommuuistifchen Sowjet- iu dea zwischen Amerika und Deutschland am 4. Juli sicherzustellen. Ob- l Boll-ugsausschüssen zu bestätigen. wohl noch keine offizielle Mitteilung gemacht worden sei, sei bekannt,! 3n Perm selbst und in den Städten des Gouvernements sind die daß die Tellnehmer an der gemeinsamen Beratung zwischen Senat Rechte des Privatbesitzes den Besitzern von Häusern. Läden. und Repräsentantenhaus in der nächsten Sitzung am Dienstag, in Handelsunternehmungen und kleinen Fabriken zurückgegeben war- der Senator Knox anwesend sein werde, zur Erledigung der Re- den. Am 11. Juni wurde ein seiersiches Tedeum in der östlichen ; Kirche abgehalten. Eine religiöse Prozession, an der die gesamte Bevölkerung teilnahm, zog unter Borantritt des Bischofs durch die Straßen. Die Denkmäler.zu Ehren der Führer der Revolution" wurden von der Menge iu den Fluß geworfen. Eine örtliche Miliz wurde gebildet, die aus ftühereu Polizisten und Soldaten besteht. Die außerordentliche Sommlfslo» ist auf- gelöst worden. Aeberfall auf den Bahnhof Gleiwltz. Nach einer Meldung-der TU. besetzten polnischeInsurgenten am Sonntag die Eisen- bahnwagenwerkstatt, die staatlichen Hüttsmvevk« und ein Stahlröhren» werk in G l e i w i tz. Auf Drängen der Bevölkerung »«träfe tat Zlbnißnng onö die«uglisch-omerikauische Frage ge- Insurgenten ein, die* gegei/Äend Unit Ü ckzuVattrat«� solutionen gelangen werden. vie englische Reichskonferenz. London. 28. Juni.(EE.) Die Konferenz der Domi- «ions setzte gestern di« Erörterung über den Bericht Lord Curzons über die auswärtige Politik Englands fort. Lloyd George hielt eine ausführliche Rede, die wiederholt unterbrochen worden fein soll. Ein Bericht über den Inhalt liegt nicht vor. Irgendeine Res�ution wurde nicht angenommen. Ueber die Tagesordnung der folgen- den Sitzungen konnte bisher keine Einigung zustande kommen. Einzelne Mttglieder wpnschen, daß der englisch-japanische Bündnis Der Etat von Groß-Gerlin. Bon Richard L o h m a n n. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung wird.der erste Etat des neu e n Berlin verabschiedet werden. Der Etatsausschuß hat das unmöglich Erscheinende möglich gemocht und in einer knappen Woche den 6-MiIliarden-Etat durchberaten, wobei natürlich auf eine Erörterung von Einzel- heilen notgedrungen verzichtet werden mußte. Gegen eine solche summarische Erledigung hatten sich anfangs außer den Kommunisten— von denen man eine Sabotierung der Ber- liner Verwaltung gewöhnt ist und erwartet hotte— auch die Unabhängigen gesträubt. Wenn aber der Etat nicht bis zum 1. Juli verabschiedet wird, so würde auf Grund der bestehenden Gesetze die neue. Stadtgemeinde für das laufende Jahr des Rechtes auf eine selbständige Festsetzung der Steuern verlustig gehen. Und wenn es uns nicht gelungen wäre, den städti- schen Haushalt jetzt in Einnahmen und Ausgaben ins G l e i ch- g e w i ch t zu bringen, so hätte dies die endgüllige R u in i e- rungdes Kredits der Stadtgemeinde bedeutet. U n s e r e Partei war daher der Ansicht, daß dem sozialistischen Gedanken keinesfalls damit gedient wäre, wenn die Reichshaupt- stadt im ersten Jahre einer überwiegend sozialisttschen Ver- waltung nicht aller Schwierigkeiten zum Trotz den Etat zustandegebracht hätte oder durch Fortsetzung der Defizitwirt- ichaft der Kriegsjahre einem allmählichen oder plötzlichen Bankrott zusteuerte. Dazu kam. daß die bürgerlichen Parteien gleich zu Beginn die Erklärung abgaben, daß sie nicht geneigt seien, dem Etat zuzustimmen, wemr die Me�heitsparteien sich etwa ihrer Verantwortung entzögen. Diese Argumente schienen im zweiten Drittel der Beratun- gen ihre Wirkung auf die Bertreter der unabhängigen Fraktion nicht zu verfehlen. Sie ließen ihren rein ablehnenden Stand- punkt fallen und begannen, sich an den sachlichen Beratungen durch Vorschläge und Anttäge zu beteiligen. Drei Fragen standen im Vordergrund der Debatte, und bei allen dreien war die Haltung gerade der U n a b h ä n g i- gen so rätselhaft und widerspruchsvoll, wie es bei einer Partei mit politischen Grundsätzen nicht möglich sein sollte. Zunächst standen die Haushaltspläne der einzelnen Bezirke zur Beratung. Hier waren von feiten der Stadt» Verwaltung mit Rücksicht auf die Balanzierung des Etats sehr umfangreiche und zum Teil sicherlich außerordentlich harte Streichungen vorgenommen worden. Unsere Partei regte des- halb an, die Freude der Bezirksverwaltungen an ihren eige- nen Aufgaben und ihre Bewegungsfreiheit dadurch etwas zu erhöhen, daß man die zur freien Verfügung der Bezirke stehen- den Vorbehaltsmittel ganz erheblich(von 26 auf 40 Millionen) erhöhte. Als diese Anregung dann von bürger- licher Seite aufgegriffen und zu einem Antrage erhoben wurde, stimmten aber die Unabhängigen dagegen. Sie sehen also nicht ein, daß man den Interessen von Eroß-Berlin damit am allerwenigsten dient, wenn man die erst allmählich zu- sammenwachsenden Gemeinden sofort in eine Zwangs- j a ck e stecken will. Und ihre Wähler, ja ihre eigenen Abge- ordneten in den Außenbezirken werden dieser Art„Zentrali- sationspolftik", die den Bezirken ihre Bewegungsfreiheit auch im bescheidensten Rahmen mißgönnt, schlechterdings nicht ver- stehen. Gerade wer wie wir eine straffe Zentralisation auf allen prinzipiell wichtigen Gebieten innerhalb der neuen Stadt« gemeinde anstrebt, muß den Bezirken die Selbständigkeit der Entschließung bei Fragen von rein lokalem Jntereffe zuge- stehen. Die Haltung der Unabhängigen in dieser Frage war um so unverständlicher, als die neuen Borbeyallsmittel auf unseren Antrag hin so verteilt werden sollen, daß die w i r t- schaftlich schwächeren Bezirke, namentlich die östlichen, besonders stark bedacht werden. Hiergegen liefen natürlich die Rechtsparteien Sturm, und nur dadurch, daß unsere Partei den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht bil« bete, war es möglich, hier die wohlverstandenen Interessen Groß-Berlins u n d der Bezirke zu wahren. Den zweiten Streitpunkt bildete die Erhöhung der S ch u l» geldsätze für die höheren Schulen. Nach anfänglichem Schwanken stellten sich hier die Unabhängigen auf den von uns von vorherein eingenommenen Standpunkt, eine Staffe- lung des Schulgeldes nach sozialen Gesichtspunkten in der Form durchzuführen, daß man der gesetzlichen Festlegung auf 500 M. zustimmt und durch einheitliche Richtlinien eine degressive Staffelung durchsetzt. Ein anderer Weg ver» bietet sich zurzeit durch die starre Haltung des Ministeriums. Der dritte Punkt betraf die Erhöhung der E i n n a h m e n aus den städtischen Werken. Ehe nicht eine erheb- liche Steigerung der Rentabilität unserer städtischen Werke zu erreichen ist, kommen wir um die abermalige Erhöhung der Tarife für Gas und Elektrizität nicht herum. Es versteht sich von selbst, daß eine solche Maßnahme erst dann unsere Billigung finden kann, wenn gar keine andere Möglichkeit der Defizitdeckung vorhanden ist. Die Unabhängigen hatten einen Vorschlag eingebracht, der so wenig durchgearbeitet war. daß sie selbst spater von ihm abrückt«! und ihn nur als---- bmdliche Aeußerung betrachtet wGen wollten. stimmten sie gegen die Tariferhöhung, wodurch der Etat ein Loch von nicht weniger als 75 Millionen erhalten hätte. Hier gilt dasselbe, was von diesem ganzen Notetat über- Haupt zu sagen ist. Wir haben durch die Zerrüttung der städtischen Finanzen infolge des Krieges nur die bange Wahl, jedesmal von zwei Uebeln das kleinere zu wählen. Wir müssen entweder auf manche wichtige kulturelle und soziale Aufgabe vorläufig verzichten und mancher Maßnahme zustimmen, für die wir nur unter dem Zwange bitter st er Not eintreten können, oder aber wir müssen unser Unvermögen erklären, den Haushalt der Stadt ins Gleichgewicht zu bringen und damit den Bank- r o t t ansagen. Wer sich seiner Verantwortung gerade gegen- über der arbeitenden Bevölkerung Groß-Berlins bewußt ist, wer in der Arbeit der größten kommunalen Verwaltung Deutschlands mit einer sozialistischen Mehrheit zugleich eine Prestigefrage des Sozialismus überhaupt sieht, der kann das Letztere nicht wollen. Deshalb hat unsere Fraktion— trotz schwerster Einzel- dedenken— für den Etat gestimmt. Die Rechtsparteien glaubten, die günstige Situation zu einem Vorstoß gegen die Entschlußfreiheit der sozialistischen Mehrheit ausnützen zu dürfen. Soweit unsere Partei in Frage kommt, haben wir durch eine Erklärung unseres Vertreters im Ausschuß aus- drücklich jede Bindung abgelehnt. Wir werden grundsätzlich keine Ausgaben ohne die erforderliche Deckung bewilligen, aber wir werden die S e l b st ä n d i g- keit unserer Entschließung weder den bürgerlichen Parteien noch irgendeiner anderen gegenüber aufgeben. Im Ausschuß haben die bürgerlichen Parteien sich mit diesem Standpunkt abgefunden und dem Etat zugestimmt. Es be- steht also die Wahrscheinlichkeit, daß sie auch heute abend im Plenum mit uns zusammengehen werden. Wir hoffen aber immer noch, daß die USP. ihre fast unglaubliche Ablehnung des Gesamtetats nicht aufrechterhalten wird. Es wäre aufs tiefste beschämend, wenn entweder die bürgerlicben Parteien die zurzeit noch größte sozialistische Partei im Roten Hause an Verantwortungsgefühl übertreffen sollten, oder wenn gar durch die Schuld dieser Partei der erste Etat des sozialistischen Berlins abgelehnt werden sollte. Wir glauben, daß die Arbeiterschaft Groß-Berlins die Antwort auf eine solche„Politik" nicht schuldig bleiben würde. Schwarz-weiß-rote Trauer. Die reaktionäre Presse stimmt über ihre urwerhofste Niederlage in der Flaggenfrage Trauergesänge an. Man glaubte durch die klägliche Haltung der bürgerlichen Mittel- Parteien den Sieg schon in der Tasche zu haben; um so hef- tiger entlädt sich der Zorn gegen den Reichskanzler W i r t h, unter dessen Führung ein Teil der Zentrumsfraktion für schwarz-rot-gold gestimmt und damit die Blamage der Re- publik verhindert hat.„Diesem Kanzler trauen wir alles zu!" so tobt die„Kreuzzeiwng", und sie sucht bereits das Zentrum gegen Wirth rebellisch zu machen. Natürlich, was soll man nicht einem Kanzler zutrauen, der für die ver- fassungsmäßig festgelegten Farben der Republik eintritt. Das ist ein zweiter Max Hölz oder noch etwas viel Schlimmeres! Natürlich fehlt es nicht an den Schlaubergern, die darüber tzetern, daß die sozialistischen Parteien aus dieser„rein tech- nischen" Frage eine politische gemacht hätten. Hier klappt aber die Regie nicht. Wer heute den Wut und Haß erfüllten Artikel der„Post" über den„N o v e m b e r f l e ck e n", den schwarz-rot-goldenen„Jammerlappen" liest, der erkennt auch ohne Brille, daß die Flaggenfrage für die Reaktionäre alles andere als eine rein technische war. Unter diesen Umständen macht es sich kläglich, wenn die demokratische Presse immer noch die Fiktion aufrecht- erhalten will, daß die ganze Frage rein sachlicher Natur und politisch belanglos gewesen sei. Dabei versteigt sich das an- gebliche linksdemokratische„B. T." sogar zu dem krämerhaften Argument, daß die Beibehaltung der alten kaiserlichen Flagge wünschenswert gewesen sei, weil die Anschaffung des neuen Der Journalist. In der dänischen Zeitschrift„Der Journalist" schreibt Frejlif Offen, ein vielerfahrener Redakteur, über seinen Beruf: Das tiefe, widerliche Gefühl von Leere, das den Journalisten ergreifen kann, steht oft in Verbindung mit der Taffache, daß er, obwohl er sich stets mitten im Leben und Schaffen befindet, gleich- zeitig immer außerhalb des Lebens ist. Er schreibt, schreibt— und handelt nicht. Andere bauen Häuser, leiten Unternehmen, senden Schiffe in die Häfen aus, gründen Firmen und Gesellschaften, schrei- den Verträge, führen Prozesse, stellen Brot oder Möbel her, handeln mit Butter oder Petroleum, lassen Geld zirkulieren, treffen Ent- scheidungen über das Wohl der Menschen.... Der Journalist schreibt bloß über das alles. Und nicht genug damit, daß er bloß über das schreibt, was die andern tun: er wird auch erfahren, daß, wenn er sich eines Tages nicht mehr darauf beschränkt, darüber zu schreiben, sondern selber daran teilnimmt, im selben Augenblick seine Feder gelähmt, seine Kraft gehemmt ist. Er kann nicht mehr schreiben. Der Journalist muß sich für alles interessieren— und darf an nichts interessiert sein. Damit berühren wir den innersten Kern seiner Tragödie— wenn«r's tragisch auffaßt. Er muh immer bereit sein, in einer Sache aufzugehen, für eine Aufgabe zu kämpfen, aber er muß imstande sein, sie von sich zu werfen und an einem ganz anderen Punkte zu beginnen, wenn es, wie so oft, erforderlich ist. So sehr ihn auch das Thema, mit dem feine Feder sich beschäftigt, in Anspruch nimmt— in erster Linie hat es doch als journalistischer Stoff so glühendes Interesse für ihn. Bedeutet die Sache mehr für ihn als Stoff für die Zeitung, für die er schreibt, so tut er am besten, daran, ihre Behandlung einem Kollegen zu überlassen. Natürlich würde besser ein wissenschaftlicher Sachverständiger diese oder jene Frage behandeln, es geschähe dann eben mit größerer Sachkenntnis und Gründlichkeit, und es würden weniger Irrtümer und Druckfehler unterlaufen. Aber dafür würden die Artikel min- bestens acht Tage zu spät erscheinen, und sie wären für ihr Publikum vielleicht unleserlich. Da haben wir die Kunst der Journalistik: der mit Druckfehlern geplagte, aber leserliche Artikel heute— statt der fehlersteien, aber unleserlichen Abhandlung in acht Tagen! Aber der Journalist hat eine unglückliche Liebe: er will gern mehr als Journalist, er will die ganze Welt sein: Landwirt und Ge- lehrter, Philatelist und Kaufmann, Techniker und Kunstkritiker, Lehrer und Pfarrer. Auf die Dauer ist es gar zu unbefriedigend, sich damit begnügen zu müssen, all das nur scheinbar und immer nur ein, zwei Tage zu sein. Doch der Journalist muß resignieren. Er muß sich damit begnügen zu schreiben, zu schreiben. Es ist feine Kunst, all« möglichen Rollen zu spielen, aber er darf nicht mehr, als sie spielen.... Fahnentuchs zu teuer gewesen wäre. Wen erinnert diese Denkart nicht an den Krähwinkler Landsturm, der singt, als er feine Fahne verloren hat: Unser Fähnchen, das mißt sechs Ellen Taft,. Solch ein Ding ist bald wieder angeschafft. Wir möchten den besorgten Fahnentuchkrämern doch fol- gendes zu bedenken geben: Der Vau des Stinnesdampfer Ludendorff hat 12 Millionen Mark gekostet. Welche Rolle spielt bei dieser Summe wohl das neue Fahnentuch! Sicher hätte es nicht den hundertsten Teil gekostet, wie allein die pompöse und provozierende Schiffstaufe.— Daß die Sozialdemokratische Partei die Situation durchaus richtig erfaßt hat, das muß selbst die„Germania" zugestehen, obschon sie eine matte Verteidigung der Mehrheit der Zentrums- fryktion versucht. Sie schreibt: Die Rechtsparteien führen gegen das Schwarz-Rot-Gold einen erbitterten Kampf, der sich gleichzeitig gegen die Slaaksform richtet. Ihnen ist das fchwarz-weiß-rote Banner das Symbol der Monarchie, des alten Deutschland, das sie zurückersehnen. Ihr Kampf für das Schwarz-Weiß-Rot ist ein politischer. Diese Hal- tung macht es gewiß nicht leicht, den Bedenken der Reeder und der Auslandsdeutschen Rechnung zu tragen. Schließlich möchten wir eins richtig stellen. Die Verord- nung des Reichspräsidenten über die neue Flagge tritt nicht, wie hier infolge eines Irrtums geschrieben wurde, am 1. Ja- nuar, sondern bereits am 1. Juli, also in wenigen Tagen in Kraft._ Mobilmachung üer Nechtsopposition. Unter diesem Titel bringt die„Germania", das Berliner Zentrumsblatt, einen außerordentlich scharfen Artikel gegen die deutschnationale Demagogie. In diesem Zusammenhang wird auch der Deutschen Volks Partei bescheinigt, daß Ke unter dem Druck der deutschnationalen Agitation zum ltimatum eine Haltung eingenommen hat, die man ehrlicher- weife als„wahlpolitisch von rechts beeinflußt" bezeichnen muß. Vielleicht interessiert sich Herr S t e g e r- w a l d für diese Kennzeichnung der Partei, von der er nicht lassen kann. Mit besonderer Schärfe geißelt die„Germania" die Steuerdemagogie der Rechten, die ein„ganzes System planmäßiger Verhetzung" erfunden hat, um die Steuerzahler rebellisch zu machen. Die von Herrn H e l ff e r i ch betriebene Aufpeitschung des Steueregoismus der Besitzer von Goldwerten trage alle Anzeichen einer Katastrophenpolitik an sich. Dabei bedauert die „Germania", daß dem Anschein nach auch gewisse d e m o- k r a t i s ch e Kreise in diesem Punkte sich als Hilfstruppe zu der Reaktion gesellen. Aber sie sollte nicht vergessen, daß gestern in der Flaggenfrage auch der größte Teil des Z e n- t r u m s samt den Demokraten der Reaktion einen Helferdienst, freilich einen vergeblichen, geleistet hat. Als das Ziel der Rechtsdemagogie bezeichnet die„Ger- mania" das Bestreben, die Zentrumspartei zu zerschlagen, den rechten Flügel abzusprengen, um ihn in dauernde Koalition mit den beiden Rechtsparteien zu bringen. Wenn heute die „Kreuzzeiwng" das Zentrum fragt, wie lange es sich von dem „Kanzler der Roten", von Dr. Wirst,,„an der Nase herumführen" lassen will, so sieht man hier allerdings deutlich die Absicht._ Die Entwaffnungsfronüe. In Nr. 145 der„Tilsiter Allgemeinen Zeitung" fand sich folgendes Inserat: veuffchnatlonaler Sreisverein Tilsit. Wir haben an den Herrn Reichskanzler folgendes Schreiben abgesandt: Der Deuffchnattonale Kreisverein Tilsit hat von dem Ent- waffnungsbefehl der Reichsregierung Kenntnis genommen. Bisher hatte jeder Kulturstaat es als seine Pflicht er- kannt, seine Angehörigen zu schützen. Den Schutz, den jedermann seiner Familie schuldet, übernahm der Staat. Der Entwaff- nungsbefehl beweist, daß die Reichsregierung ihrer Schutz- Es braucht'kaum betont zu werden, daß Olsen nur einen be- stimmten Iournalistentypus charakterisiert, daß es aber daneben auch andere gibt. Besonders in der Arbeiterpresse ist die Verbindung des Schreibers mit dem Leben eine viel engere. Aber gewisse Eigen- schaften des Mannes von der hastigen Feder sind hier richtig gesehen. Sozialhygienlsche Akademien. Seit einem Jahr etwa bestehen in Breslau, Charlottenburg und Düsseldorf sozialhygienische Akademien, deren Errichtung einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung des Medizinstudiums darstellen. Durch die Verordnung, daß alle Kreisärzte einen viermonatigen Kursus auf einer solchen Akademie durchmachen müssen, ist den neuen Unterrichtsanstalten eine Anzahl Teilnehmer gesichert, die sich hoffentlich durch andere Aerzte und Studenten der Medizin vergrößert. Der Leiter der sozialhygienischen Akademie in Düsseldorf, Dr. Ludwig Teleky, erörtert in der„Deut- scheu Medizinischen Wochenschrift" die Aufgaben dieser neuen Stu- dienanstalten. Die Wissenschaft der„sozialen Hygiene" hat sich außerhalb der Universitäten entwickelt, weil sie ihre stärksten Anregungen aus dem praktischen Leben empfängt. Heute sind aber die Gebiete der„ösfent- lichen Gesundheitspflege" so ausgebreitet, daß die staatlichen Gesund- heitsbeamten zur Tätigkeit auf diesem Gebiet einer ganz besonderen Vorbildung bedürfen. In erster Linie handelt es sich dabei um die Kreisärzte, dann aber auch um all jene Aerzte, die die Führung in der Gesundheitsfürsorge in ihrem Wirkungskreis übernehmen müssen. Um diesen Berufen in Theorie und Praxis die notwendige Aus- bildungsgelegenheit zu schaffen, war es notwendig, eigene Akademien zu errichten. Der Unterricht in der Gesundheitsfürsorge erfordert ja die Mitwirkung zahlreicher nicht dem Lehrkörper der Universität an- gehörender Personen. Besonders für die praktischen Zweige der Hygiene sind die Personen als Lehrer am besten geeignet, die mitten in dieser Tätigkeit stehen: der städtische Schularzt, der städtische Tuberkulosearzt, der Leiter der Landesversicherungsanstalt usw. Nur müssen sie hier lernen, im Kranken das Glied einer sozialen Ge- meinschaft zu sehen. Die Krankheit muß betrachtet werden in ihren ursächlichen Beziehungen zu den sozialen, wirtschaftlichen und beruflichen Verhältnissen. Da die Sozialhygiene das Grenzgebiet zwischen medizinischen und Sozialwissenschaften darstellt, so muh nach dem Unterrichtsplan dem jungen Arzt zunächst einiges über Volkswirtschaftslehre, Sozial- Politik, Sozialoersicherung und die Grundzüge unserer Staatsver- waltung mitgeteilt werden. An diese Vorlesungen schließt sich eine Darlegung der Tätigkeit der lokalen Formen der Sozialoersicherung, der Landesversicherungsanstalt, der Krankenkassenverbände. Einen größeren Umfang nimmt sodann der Unterricht in„sozialer Patho- logie" in Anspruch. Die Haupttbemen des wichtigsten Abschnitts des Stundenplane», der sich mit sozialer Fürsorge beschäftigt, sind: Kinder- und Jugendfürsorge, Krüppelfürsorge, Tuberkulosefürsorge, Bekämpfung des Alkoho- lismus, der Geschlechtskrankheiten, dann die andern Zweige sozialer Fürsorge, so für Wöchnerinnen, Blinde, Taubstumme, Kriegsbeschädigte usw., endlich Kran- kenhauswesen, Wohnungswesen, Arbeiters chug Pflicht gegenüber der Provinz Ostpreußen fernerhin nicht nach- kommen will. Das Verhalten der Reichsregierung wird ernste politische Folgen haben. Die Verantwortung trägt die Reichsregierung. Im Auftrags: Siegfried, Landgerichtsrat a. D. Auf diese deutschnationale Schnoddrigkeit sandte das Partei- sekretariat der SPD. für den Regierungsbezirk Gumbinnen seinerseits einen Brief an den Reichskanzler Wirth. der die ausdrück- liche Billigung des Entwaffnungsbefehls der Reichsregierung ausspricht. Das Schreiben weist auf die Gefährdung hin, die wieder- holt in Ostpreußen durch die übergroße Zahl von Reichswehr und Schupo für die Bevölkerung enfftanden sei, so zum letzten Male am 17. Juni aus Anlaß einer Protestoersammlung in Tilsit gegen die Ermordung des Abgeordneten G ar e i s, bei.der zehn Tilsiter Einwohner, davon der größte Teil der Sozialdemo- k r a t i e angehörig, durch Geschosse und Handgranaten verwundet wurden. In dem Brief wird zum Ausdruck gebracht, daß die in Oft- preußen rechtlich anerkannten Sicherheitsorgane zum Schutz der öffentlichen Ordnung völlig ausreichend feien und daß auf einer Parteikonferenz in Königsberg der Antrag auf Auflösung der reaktionären Ortswehren gestellt worden sei. Das Schreiben unserer Tilsiter Parteigenossen erinnert daran, daß gerade die deutschnationalen Landräte der Kreise Tilsit und R a g n i t wie einige andere höhere Staatsbeamte in den Stunden der Gefahr im August 1S14 die Bevölkerung schutzlos im Stich ließen, indem sie bei dem Russeneinfall schleunigst die Flucht ergriffen. Zum Schluß enthält der Brief einige Angaben über die Persönlichkeit des Herrn Siegfried, die für diesen außerordentlich charakteristisch sind. Es handelt sich nämlich um denselben Landgerichtsrat Siegfried, der sich als amtieren- der Richter in Tilsit weigerte, der verfassungsmäßig ge- wählten Reichsregierung den Eid auf die Verfassung zu leisten, und der deshalb auf einen Antrag der SPD. von der Staats- regierung seines Amtes enthoben wurde. Verfassungskonflikt in Sapern. München, 28. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Wie sehr trotz aller offiziellen Versicherungen das Verstauen des Landtages in die durch die fahrlässige Miffchuld an dem Mord an Gareis belastete Regierung erschüttert worden ist, beweist die gestrige Abstimmung im Verfassungsausschuß des Landtages. Es stand die Verordnung über S ch u l p f l e g e und Schulleitung zur Debatte. In der Einleitung hatte der Kultusminister erklärt, daß nicht die ganze Verordnung, sondern nur gewisse Teile dem Landtage zur Begutachtung vorgelegt werden sollen, und versuchte dies verfassungsrechtlich zu begründen. Die Verordnung wurde durchberaten, als aber Abänderungsvorschläge über die Schulaufsicht besonders von sozialdemokratischer Seite kamen, folgerte der Minister, jetzt sei es Zeit, verfassungsmäßige V e- denken zu äußern, damit der Landtag über diese Fragen zur Be- schlußsassung komme. Sämtliche Parteien waren unter Berufung auf§ 49 der Verfassung der Meinung, daß die Verordnung u n g e- kürzt dem Landtage vorzulegen sei. Der Minister legte sich jedoch auf seinen Standpunkt fest, und so kam es zur Abstimmung, bei der 18 Stimmen gegen die Regierungsauffassung abge- geben wurden, während nur 13 Abgeordnete der Bayerischen Volks- partei sich der Stimme enthielten. Wäre der Vorstoß der Regierung Kahr-Matt gelungen, so wäre ein tiefer Eingriff in die Verfassung erfolgt. Nun steht die Re- gierung isoliert da. Selbst der Redner der Demokraten erklärte, die in diesem Fall eingeschlagene Praxis der Regierung fei ganz neu. Er erklärte das Vorgehen der Regierung vom staatsrech- lichm Standpunkte aus für bedenklich. Vom polltischen Stand- punkte aus sei es geeignet, nur neue Konfliktstoffe zu er- zeugen. Er erhebe im Namen seiner Partei Protest und würde auch die nötigen Konsequenzen daraus ziehen. Le Bonds„Geheimbericht". Zu dem angeblichen Geheimbericht des Generals Le Rond an die französische Militärmission in Berlin hat der französische Botschafter dem Reichsminister des Aeußeren ein Schreiben überreicht, in dem er erklärt, daß dieser Be- richt in allen Punkten gefälscht sei. Womit verdient man am meisten? Diese Frage, die sich heute sicherlich viele vorlegen, läßt sich kurz dahin behandeln, daß der am meisten oerdient, der anderen Vergnügen und Unterhaltung ver- schafft. Jockeis, Preisboxer, Kinoschauspieler werden am höchsten bezahlt, und dann Überhaupt alle Leute, die einzigartige oder seltene Fähigkeit besitzen. R. Günther erinnert in„Ueber Land und Meer" an die Riesenhonorare, die bei dem Kampf um die Welt- Meisterschaft im Boxen am 2. Juli 1321 gezahlt werden sollen. Die beiden Hauptkämpfer erhalten zusammen ein Honorar von einer halben Million Dollar, und zwar bekommt der Ameri- kaner Dempsey 300 000 Dollar der ftanzösische Weltchampion Cor- penticr 200 000 Dollar, gleichgültig wie der Kampf ausgeht. Hohe Einnahmen haben auch von altersher die erfolgreichen- Jockeis gs- habt. Beim Derby von 1398 verdiente der siegreiche Jockei John Wells in drei Minuten 120 000 Goldmark. Vor dem Kriege wurde die Gage von Basssrmann jährstch mit 70 000 M., die von Moissi mit 100 000 M. angegeben. Diese Summen aber werden durch das, was heutzutage Kinoschauspieler verdienen, weit in den Schatten gestellt. So schloß Mitte 1913 eine amerikanische Kinofirma mit dem Filmkünsller Fatty eine» Vertrag, durch den er ein Honorar von 3 Millionen Dollar zugc- sichert erhielt, wenn er dafür innerhalb von drei Iahren in 28 Zweiaktern und 2 Fünfaktern auftreten werde. Soviel kann Deutschland nicht zahlen-, aber auch hier verdienen die Kinokünstler sehr anständig. Den deutschen Rekord stellte wohl Emil Iannings auf, der für jeden Tag der Mitwirkung an einem Film 10 000 M. erhielt. Das war im Jahre 1919. Damals betrug das Honorar, das Henny Porten für jeden Film erhielt. 44 000 M. Ihr Jahres- einkomme,, wurde auf 600 000 M. geschätzt. Seitdem hat man freilich oersucht, die„Prominenten" der Filmkunst in ihren Be- zügen etwas einzuschränken. Die Patti, deren Stimme man mit Recht als eine Goldmühle bezeichnet hat, soll sich ein Vermögen von 20 Millionen Goldmark ersungen haben. Auf einer amerikanischen Gastspielreise brachte ihr manches Konzert, in dem sie kaum eine Stunde sang, mehr als 30 000 Goldmark ein: einmal wurden ihr zwei Lieder mit 20 000 Goldmark honoriert. Aehnliche Honorare haben ja auch andere Gesangssterne, z. B. Caruso erzielt. Paderewski soll mit seinem Klavierspiel mehr als 10 Millionen Goldmark eingenommen haben. Berühmte Aerzte oerdienen nicht so hohe Summen, jedoch kommen auch hier 5)onorarc von mehreren Zehntausend, selbst Hundert- tausend Goldmark für eine einzige Operation vor. Märchenhafte Honorare haben auch erfolgreiche Rechtsanwälte erhalten. An die Adresse unserer nationalen Schieber. Wie„Der Rot- geldmarkt" berichtet, hat die Stadt Eisenberg in Thüringen Zehn- pfennig-Scheine gedruckt, die die Umschrift tragen: Papier, Papier, nichts als Papier von Preußen bis nach Schwaben, weil wir im lieben Vaterland die vielen Lumpen haben. Mot'st In Wien. M exander MoltN bat sich auf sünf Monate der »Achfttu Spicljcit an das Deutsche Vollstheater in Wien oerpflichtet. Unabhängige und Einheitsfront. In der Generalversammlung des Unabhängigen Bezirks- Verbandes Berlin-Brandenburg hat der Reichstagsabgeordnete Dr. Breitscheidt eine Rede über die politische Lage ge- halten, die sich auch mit der Frage der proletarischen Einheits- front befaßte. Breitscheidt sagte nach dem Bericht der „Freiheit": Wir könnten den Dingen ganz anders gegenüberstehen, wenn die Arbeiterbewegung in Deutschland und in ollen Ländern stark und einflußreich wäre. Daß das nicht so ist, dafür trifft ein großer Teil Schuld die Kommuni st en, die überall die Spaltung der Parteien betreiben und die Kampfmittel in einer Art und Weise verzerren lind vergröbern, die man nur als verwerflich bezeichnen kann.(Lebhafter Beifall.) Wir sind aus dem Angriff in die V« r- teidigung gedrängt worden. Das muß wieder anders werden. Aber wird das unter der herrschenden Zersplitterung anders wer» den? Wünschenswert und notwendig ist die Zusammenfassung oller proletarischen Kräfte. Die Frage ist, wie das möglich fein wird. Breitscheid erörtert die Möglichkeit gemeinsamen Vorgehens in den Parlamenten. Aber die grundsätzliche Stellung zum Klassen- kämpf und Internationalismus darf nicht verlassen werden. Unter der„grundsätzlichen Stellung zum Klassenkampf" versteht Breitscheidt auch die Ablehnung einer Regierungs- koalition mit bürgerlichen Parteien. Aber doch meint er bei seiner Stellungnahme zum Kabinett Wirth: Die neue Koalitionsregierung ist nicht durchweg so zusammen- gesetzt, daß wir Dertraucn haben könnten. Ts ist zu hoffen, daß sich die Richtung Wirth durchsetzt. Ist es nicht ein seltsamer Widerspruch, die Koalition mit Wirth abzulehnen, aber gleichzeitig seine Hoffnung auf diesen bürgerlichen Kanzler zu setzen? Der Zwangskranke. Ein Gegenstück zu Moliere»„Eingebildetem sanken", der kern» gesund ist, aber durchaus krank fein will, bildet der Kappistenführer Traugott von Iagow. Er will gesund sein, darf es ober nicht. Das Gericht verbietet es ihm. Jüngst wurde mitgeteilt, daß der Haftbefehl gegen Herrn v. Iagow wegen seines„leidenden Zustandes" aufgehoben sei, und im Reichstag erklärte der Justiz- minister Schiffer, daß wegen der Erkrankung Iagow» das Ber- fahren nicht stattfinden könne. Run schreibt Herr v. Iagow selber in der„Kreuzzeitung" wörtlich:»Ich war seil Mörz 1920 nicht einen Tag krank." Darf man nun fragen, wer die Personen sind, die Herrn von Iagow krank gebetet haben? Darf man fragen, ob gegen sie ein Strafverfahren wegen Begünstigung eingeleitet wird?— Wenn unser« Justiz noch Vertrauen zu verlieren hätte, sie verlöre c» jetzt. Aber sie hat ja nichts mehr zu verlieren. poehner in Potsdam. Der Polizeipräsident von Potsdam scheint Wert darauf zu legen, den Beinamen, den wir ihm in unserer Abendausgabe vom 18. d. M. verliehen, zu rechtfertigen. Er sandte uns zunächst zu der Sache eine Zuschrift, die in dermaßen burschikosem Tone gehalten war, daß wir annehmen mußten, ein Spaßvogel habe den Namen des Polizeipräsidenten von Potsdam mißbraucht und ihm Aeußerungen wie„Bierzcitungsulk, abenteuerliche Schilderun- gen usw." unterschoben. Im Interesse des Ansehens des Herrn Polizeipräsidenten von Potsdam haben wir deshalb von einer Veröffentlichung dieser Zuschrift abgesehen. Nunmehr beehrt uns Herr von Zitzewitz mit einer preßgefetzllchen Berichtigung, die lautet: Der in der Abendausgabe vom 18. d. Vt. unter der Hebet- fchrift„Poehner-Regiment in Potsdam" abgedruckte Bericht gibt den tatsächlichen Hergang des betreftcnden Lorfalle» völlig entstellt wieder. Es ist nicht wahr, daß der Polizeileutnant mit seinen Schutz- Polizeibeamten schon vor dem Detreten de» Versammlungslokals durch den in Zivil befindlichen Verwaltungspolizeibeamtin auf der Straße aufgestellt gewesen ist, um„der Dinge, die da kommen sollten, zu lauern". Es ist nicht wahr, daß dann, als jenem Verwaltungsbeamten der Zutritt zu dem Lokal verwehrt wurde, der Ruf„Los" erscholl und der Leutnant mit seinen Leuten aus der Bebüschdeckung hervorsprengte, um den Saal zu„nehmen". Es ist nicht wahr, daß auf«ine telephonisch« Unterredung mit mir der Befehl kam, die Beamten zurückzuziehen. Wahr ist vielmehr, daß dem au» Sicherheitsgründen Einlaß begehrenden Derwaltungspolizeibcamten der Eintritt in das Lokal verwehrt wurde, daß erst dann nach telephonischer Rücksprache mit mir der Leutnant mit seinen Schutzpolizeibeamten angefordert worden ist, um dem durchaus berechtigten polizeilichen Verlangen auf Hineinlasiung des Zivilbeomten in den Saal Nachdruck zu verleihen, daß der Leutnant alsdann unter Belastung seiner Leute draußen auf der Straße in aller Ruhe und Sachlichkeit mit den maßgebenden Versammlungsteilnehmern verhandelt hat und nach Erreichung seines Zweckes, d. h. also nachdem der Verwaltung»- polizcibeamte in das Versammlungslokal hereingelasten worden war, mit seinen Leuten von selbst wieder abgerückt ist. Es ist und bleibt also Tatsache, daß ein Polizeibeamter Zutritt zu der Versammlung verlangte und daß dieser Zutritt mit Hilfe cines größeren Polizeiaufgebots erzwungen wurde, nachdem der Versammlungsvorsitzende in der durchaus berechtigten Erwägung, prinzipiell die Dersammlungssteiheit wahren zu müsten, ihm den Zutritt verweigert hatt. Nun behauptet Herr von Zitzewitz in seiner ersten Zuschrift, daß der Beamte keine vereinsgesetzliche Ueberwachung. sondern lediglich„sicherheitspolizeiliche Feststellungen" mit seinem Erscheinen bezweckt habe. Was das für„sicherheitspoli- zeiliche Feststellungen" sein sollten, erfahren wir nicht; und darum können auch wir den Verdacht nicht lo» werden, daß durch eine Hintertür die gesetzlich abgeschaffte Ueberwachung der Versamm- lung in anderer Form wieder eingeführt werden sollte. Unseren Genossen, die der gleichen Ansicht waren, kann man nicht verargen, daß sie sich dagegen zur Wehr setzten. Die einzelnen Nebenumstände spielen bei dem Sachverhalt eine geringe Rolle. Es kommt auf die Frage der Versammlungsfreiheit an und die ist auch durch das Schreiben des Herrn Polizeipräsidenten nicht geklärt. Schellen. Die preußische Staatsregierung teilt mit, daß der zum preußischen Bevollmächtigten in München ernannte Landrat Schellen nicht wegen Beteiligung am Kapp-Putsch aus dem Ministerium des Innern entfernt worden sei. Es handle sich bei dieser Behauptung um eine Personenoerwechslung.— Mit wem, bitte? Die griechische„Offensive". Laut„Dolly Expreß" haben die Griechen Ismid zurückerobert, wollen die Stadt aber nur solange halten, bis die Flüchtlinge eingeschifft worden sind. Eng- lische Kriegsschiffe beteiligen sich an den Operationen.— Havas meldet aus Konstantinopel: Die armenische Prest« gibt bekannt, daß die erste bolschewistische Armee an der türkischen Grenze tonzentriert sei. Sie sei durch zahlreiche Muselmanen und Tartaren verstärkt. GroHSerün Der Eisenfresser. Ein sehr gefährlicher Verbrecher, der als tollkühner Ein- und Ausbrecher berüchtigte ehemalige Artist Adolf Schuster, der zu der Klasse der modernen„Kavaliereinbrccher" gehört, wird sich morgen vor dem Schwurgericht des Landgerichts II unter der An- klage der Tötung des Hausbesitzers Waldemar He n- n i g zu Schöneberg zu verantworten haben. In der Nacht zum 5. März 1919 wurde der Hauseigentümer Hennig im Flur seines Hauses Hauptstraße 12 zu Schöneberg in einer großen Blutlache tot aufgefunden. Die Obduktion ergab als Todesursache mehrere durch Schläge mit einem stumpfen Werkzeug verursachte Schädelbrüche. Die Verhandlung hat schon einmal ver- tagt werden müsten. weil der jetzt der Tötung beschuldigte Schuster infolge seiner aufsehenerregenden phantastischen Flucht aus der Charit« lebensgefährlich erkrankt war. Er hatte, um feine Ueberführung aus dem Untersuchungsgefängnis nach der Charit- zu erzwingen, aus dem in seiner Zelle befindlichen Bettgestell Eisenstücke herausgebrochen und verschluckt. Die Charit- hatte ur- sprünglich seine Aufnahme abgelehnt, da die Charit- zur Aufnahme derart gefährlicher Verbrecher keine genügenden Sicherheitsvorrich- tungen besitze. Da aber darauf hingewiesen wurde, daß bei dem hilf- losen Zustande Schusters nach der Operation Fluchtgefahr ausge- schlosten erscheine, wurde er in die Charit- aufgenommen. In der Nacht darauf war er aus dem dritten Stockwerk der Charit- auf unbegreifliche Art verschwunden. Als er dann wieder er- griffen war, wurde er wegen Pferdediebstahls, bei dem er in dem Hause des Hennig zu tun hatte, von der Strafkammer zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Söhn« des getöteten Hen- nig haben dann eine Eingabe an den Oberstaatsanwalt gerichtet, in der sie die Aburteilung Schusters als des Mörders ihres Daters forderten. Daraufhin ist dann die jetzige Anklage erhoben worden, während in der Anklageschrift in der Pserdediebstahlssache gesagt worden war, daß Schuster der Tötung des Hauseigentümers Hennig nicht überzeugend überführt werden könne. Rechtsanwalt Dr. Pincus hat für den Angeklagten, der die Tat bestreitet, einen um- fangreichen Entlastungsbeweis angetreten. Es liegt hier der jeden» falls seltene Fall vor, daß ein Schwurgericht die Richtigkeit des von einer Strafkammer erlastenen Urteils nachprüfen soll. Die Wohnungsnot der Bezirksämter. Die Unterbringung der Altberliner Bezirksämter macht der üädiischen Verwaltung noch immer große Schwierigleiten. Das Bezirksamt Tiergarten konnte, nachdem andere Pläne sich zer- schlagen hatten, in einem Teil der Räume des früheren Zweckver- bände« und Wohnungsverbandes Groß-Berlin in der Klopstockstr. 2t untergebracht werden; da« Bezirksamt Friedrichshain be- findet sich in der MarkuSstr. 49. Da« Bezirksamt Wedding hat bisher nur unzureichende Räume im Ledigenheim am Brunnenplatz erhalten. Für den größten Teil seiner Bureau» soll das von der Jüdischen Gemeinde aufgegebene Schwesternheim in der Exerzier- straße auf zehn Jahre zu einem jährlichen Mietspreis von 76 000 SU. gemietet werden. Zu einem verkauf hat sich die Jüdische Gemeinde nicht bereit gefunden. Ferner soll aber die Stadt den zum Jüdi- scheu Krankenhaus gehörigen Jnfektionspavillon zur Unterbringung der Schwesternschaft einrichten, wa« eine einmalige Auswendung von 100 00y M. verursacht. Für den Bezirk Kreuzberg, dessen Bezirksamt bisher in der Schleiermacherstraße in völlig un- zureichenden Schulräumen untergebracht ist, soll da? Qucrgrbäud« de« Neubau« der Friedrich-Werderschen Oberrealichule auf dem Hinterland von Dorckstr. Iv zur Verfügung gestellt werden. Da dieses Ouergebäude aber keinen unmiiielbaren Zugang hat) soll zu diesem Zweck da» HauSgrundstück Dorckstr. 3 zum Preise von 250000 Marl erworben werden, das mit seinem hintere« unbebauten Teil an den Hos d«S Schulgrundstück« stößt. Einstein? Nmerikareife. Im völlig überfüllten Blüthnersaale sprach gestern abend nach leidenschaftlichen Worten des Rabbiners Dr. Nobel(Frankfurt a. Mai n), der die gefühlsmäßig religiösen Grundlagen des Zionismus darstellte, Professor Albert Einstein über den „Aufbau Palästinas als Aufgabe der Juden hei t". Einstein schilderte Eindrücke seiner A m« r i t a r e i s e, die er im Auftrage der zionistischen Zentrole soeben beendet hat. Er gab einen kurzen geschichtlichen Rückblick über die Entwicklung des Judentums in.den letzten hundert Iahren und betonte, zum ersten Male in Amerika j ü di s ch e s Volk gesehen zu haben. Volk nicht im Sinne einer Summe von Einzelwesen, sondern als nationale Gemeinschaft mit verbindendem Nationalbewußtsein. Jerusalem sei der Hort de» Wiedererwachen» jüdischen Na- tionalgefühls. Im Antisemitismus habe man die Reaktion der Wirtsoölker auf die Betonung des nationalen Empfindens durch da» Judentum zu erblicken.(Ueber diese Auffasiung sei hier nicht gerechtet; nur soviel sei gesagt, baß sie den Antisemiten durch Ge- Währung einiger gewissermaßen verständlicher Motive allzu sehr ent- gegenkommt.) Einstein schloß mit einem warmen Appell für die Errichtung einer Stätte, die geistiges Zentrum für alle Juden der Welt werden müsie und die Aufgabe habe, das jüdische Sehnen der bei fremden Völkern Wohnenden zu stillen. Der begeisterte Beifall, der E i n st e i n empfing und Ihm am Schlüsse seiner Worte dankte, galt wohl ebenso dem philosophisch- naturwissenschaftlichen Denker, wie dem zionistischen Führer.— Den Ausgang mußte man durch einen Notweg wählen. Diel Schutz- polizei war zugegen; es schien, al« erwarte man auch hier nattona- listisch-antisemitische Ausschreitungen, die jedoch ausblieben. Di- Weltstadt h» Zahlen. Die Gesamtstäche von Groß-Berlin beträgt rund 878 Ouadrot- tilometer, die Einwohnerzahl betrug am 3. Oktober 1919 3 899 948 und hat seitdem nicht zugenommen. Die Streckenlänge der Berliner Straßenbahnen erreichte am 1. Juli 1929 899 Kilometer, der Hoch- und Untergrundbahnen nur 7X Kilometer.— Die Zahl der am 1. Januar 1921 In Berlin vorhandenen Theater ist aus 44 gestiegen. Singspielhallen waren an diesem Tage fünfmal soviel vorhanden, nämlich 235 und Kinos sogar 898, Die Zahl der am 1. Januar vorhandenen öffentlichen Krankenanstalten belief sieh auf 59 und die der Privatheilanstalten aus mehr als zehnmal so viel. Die Zahl der Schulen, Droschken, Omnibusse, Krastwagen usw. war nicht genau festzustellen, sie ist gegen die der Friedenszeit zurückgegangen. Den Avswcmderunflsschwindel betreibt ferner ein Mam», der sich Hans M a s ch k e nennt und«Ine Zeitlang In einem Hotel«m Schlesischen Bahnhof wohnte. Er zeigt in mecklenburgischen Zeitun- gen, in Rostock. Güstrow. Neubrandenburg usw. an, daß er Gelegenheit habe, Auswanderer für Südamerika günstig unterzubrif-en. Der Schwindler verkvricht den Leu en freie Ueber- fahrt, gute Unterkunlt, Stellennachweis und dergleichen mehr. Für die Beschaffung der Reisepäsie. der Einreiseriaubni» usw. läßt er stch einen Borschuß von 189 Mark einsenden. Die Auswande- rungslustiaen schicken ihm auch � vertrauensvoll das verlangte Geld und ihre Papiere und hören dann nichts mehr von ihm. Mitteilun- gen nimmt die Inspektion B. I. der Kriminalpolizei im Berliner Polizeipräsidium entgegen. Durch Schundfllme und Schundromane verdorben. Jugend� ltche Erpresser hatten sich gestern vor der 3. Strafkmnmer des Landgerichts Iii auf die Anklage der Erpresiung durch Be». drohung mit Mord zu verantworten. Die Strasvorschrift des § 254 St.G.B. kennt bei Erwachsenen für dieses Verbrechen nur Zuchthansstrafe und keine mildernden Umstände. Die Angeklagten, erst 16jährige Schüler H. und R., hatten an einen ihnen als wohl- habend bekannten Kaufmann mit der Schreibmaschine einen Brief gerichtet, in dem sie den Kaufmann aufforderten, 2009 M. an einer bestimmten Stelle niederzulegen. Der Kaufmann wandte sich an die Polizei, und diese nahm den jugendlichen Abholer S. nebst seinen Auftraggebern fest. Vor Gericht gaben die Angeklagten den Sach- oerhalt zu und erklärten auf Borhalt der Verteidiger, aus Detektiv- filmen und Hintertreppenromanen die Idee und den Wortlaut des Erpresserbriefcs entnommen zu haben. Mit Rücksicht hierauf emp- sohlen die R.-A. Dr. Frey und Wolfs die jugendlichen Misietäter der Milde des Gerichts und beantragten für die Verfasier des Briefes Aussetzung der zu erkennenden Strafe und für S., der gar nicht ge- wüßt habe, worum es sich handelte, dieoFreifprechung. Dement- sprechend wurde S. freigesprochen, H. und R. zu je 2 Monaten Ge- sängnis unter Strafaussetzung verurteilt. „Polilisches" Aikenkat eines jungen Russen. In der Gneisenau» straße gab heut« vormittag ein bei einer Witwe Mühlhaupt wohnen- der junger Russe auf die Witwe zwei Schüsse aus einem Revolver ab. Auf die Hilferufe der Frau drangen Bewohner der Nachbar- Häuser in die Wohnung ein, wo sie der Attentäter mit vorgehaltenem Revolver bedrohte. Ein Mann schlug ihm jedoch die Waffe aus der Hand. Die Frau, die von zwei Schüssen getroffen wurde, wurde nach dem Krankenhaus gebrocht. Der Täter wurde festgenommeirz er behauptete, die Tat aus polittschen Motiven verübt zu haben. Technisches Personal für Riederländisch-Zndien suchte angeblich ein Mann, der unter dem Namen v. Bornemann hier in einem großen Hotel wohnte. Er versprach durch Anzeigen Auswanderungs- lustigen freie Aus- und Rückreis« nach mindestens einjähriger Tätig- keit und 25— 55 Gulden Wochenlohn, für Bauscfilosier 35—45 Gul� den und für Elektrotechniker 49— 70 Gulden. Für Vorbereitungen zum Vertrage und ärztliche Untersuchung muhte ihm im voraus ein Gulden bezahlt werden. Dann aber ließ er nichts mehr von sich hören. Dieses„Geschäft" brachte ihm so viel ein, daß er im Hotel ein teures Zimmer bewohnen konnte, bis er verschwinden mußte. Der Mann war hier schon als verdächtig einmal angehalten, aber wieder enttasien worden, weil er sich mit den Papieren eines stud. ing. Bornemann aus Hannover, eines ganz unbescholtenen, jungen Mannes, auswies. Jetzt bat sich ergeben, daß der Schwindler, der sich von Berlin wahrscheinlich nach der Provinz gewandt hat, diese ihrem Eigentümer gestohlen hat. Beim Auffpringen auf einen fahrenden Eisenbahnzug ver- unglückte der in der chemischen Fabrik von Ruder beschäftigte Ar- beiter Blum auf dem Stadtbahnhof Neukölln. Er geriet mit beiden Beinen zwischen Trittbrett und Bahnsteig und wurde, trotzs dem der Zug sofort durch Ziehen der Notbremse zum Stehen kam, zu Tod« gequetscht. Da» Aufspringen auf fahrende Eisenbahnzüge ist verboten und wer es dennoch wagt, tut es auf eigene Gefahr, die Eisenbahn-c Verwaltung lehnt jede Berantwortung ab. Für Paulsen. Die Elternoerfammlung der 79. Gcmeindeschule' nahm folgende Entschließung an: Die am 21. Juni in der Aula tagende Gesamtelternversammlung der 79. Gemerndeschule erklärt sich nach einem Dorttage des Herrn Prof. Paul Oestteich über die Gemeinschaftsschule mit dem Aufruf des Berliner Oberstadtschulrots Paulsen einverstanden. Indem sie es freudig begrüßt, daß er sich auch an die Elternschaft zur Mitarbeit gewandt hat, erklärt sie sich bereit, ihn bei der Durchführung seiner Pläne zu unterstützen. Eine dvnkelroke Brieftasche mit 525 M. Inhalt, die die gesamten Ersparnisie des Verlierers darstellen, wurde am Sonntag, dem 28. Juni, im Wald« bei Buch verloren. Der Finder wird gebeten, die Tasche gegen gute Belohmmg bei Tetzel, Berlin, Schwed-c ter Straße 24, v. 4 Treppen, abzugeben. ZUoralunterrichk und Jugendweihe in Obcrschöneweide. Ach- tung! Oberschöneweider Eltern! Alle Eitern, welche wünschen, daß ihre im Herbst zur Entlassung kommenden Kinder an der Jugendweihe der weltlichen Schule teilnehmen, werden ge» beten, ihre Adrefien in einer der nachfolgenden Meldestellen abzu- geben. Desgleichen ersuchen wir, bis spätestens 8. Jult die Kinder angeben zu wollen, die am Moraluntrricht teilnehmen sollen. M e l- düngen werden entgegengenommen: 1. Verkaufs- stelle der Komlumgenosienschoft, Mathildenstraße 5; 2. Verkaufs- stelle der Konsumgenossenschaft, Edisonstraße; 3. Zigarrengeschäft Gierth, Wilhelminenhofsttaße; 4. Zigarrengschäft Bader, Wilhel. minenhofstraße 17; 5. Schneidermeister Woyk, Wilhelminenhof- straße 2. Die Elternbeiräte der 5. Gemeindeschule. In der Zcala beherrschen die 2 AmarantbS, amerikanische akrobatisch- exaenttische Tänzerinnen noch immer daS Programm. Vorläufig letzte Variets-Vorstellung SO. Jimi. Beginn der Winlerlpiclzcit 1. September. TaS Wetter für morgen. In Berlin und Umgebung kühl und veränderlich, überwiegend bewölkt bei ziemlich frischen Nordwestwinden. K-i--? erheblichen Niederschläge._ Zilmschau. Caro«h.»in amerikanischer Riesenfilm cm« Wlld-Wefi in 6 Abteilungen und 82 Akten. DaS lagt eigentlich genug. Zunächst sieht man die ersten beiden Abteilungen:.Da« KeheimniZ der Platiumine» und.Da» Tal de» Schlecken«'. Man muh sich immer wieder über den Meschmnck der Amerikaner wundern. Wilde, tolle, verwegene, zum großen Teil unwahr» sltemliche Abenteuer: Balgerei, Prügelei. Knallcrci nud Wenschenjagd. Iin ersten Ati waren die Szenen derart zulammengeschnitten. dah oft nur 1 bi« l1/, Meter übrig blieben. Das ist immiglicb. denn da? Auge kann dem sich jagenden Szenenwechiel nicht so schnell iolgen. Der Film läujt in der .Schauburg', die auch ein recht nette« uvd lustiges Hemnseldstüik: .Die Kriegsgewinnler' dazu gibt. Wenn Herrnscld als Kriegsgewinnler Murmciadde(d. h. Marmelade) sagt, dann will da« Hau« schier platzen vor Vergnügen._ Hrofi-öerliner Partemachrichten. 81. Abt. Steglitz. Der Auaschuh für Arbeitcr-WohIsahrt und der Jugend- Ausschuh der SPD. geben betannt, dah die fferiensviele am Die»»lag. den 12. Iu li beginne». Sie finden jeden Dienstag und Freitag nachmittag von 2—«Uhr im Part-Restaurant Slldende Natt. Anmeldungrn weiden bis Freitag, den 8. Juli erbeten an Genossin Jermann, Brandendurgische Strohe 5 und Im Restaurant Element, Düpgeisirahe 7. Inngsozialisten. Gruvpe Lichtenberg, beute abend Besuch der Trevwwer Sternwarte Trefivuukt Bahnhof Stralau-Rummelsburg piinlllich 6 Uhr.— Gruppe Norden bei Eadewasser. Sprengelstr. 8. Musik- und Desongsabend. LchSneberg-Friedenau. 11. Kreis. Heut» abend 8 Uhr be! Kopahnke, Eifenncher Strohe sc. Sitzung aller IklteinbeirSte(SPD.). Traklisch» Arbeit der Elternbeiräte und da« Pauifensche Schulprogramm. Res.: Senosfe Prof. Oestreich. Arbeitersport. »rvelter. Sportkarte«.(18. Bezirk.) Nächste Delegiertensitzime, Mittwoch, den ZS. Juni, abend« 8 Uhr. im Lokal von Matche, Berliner Allee. Da gleichzeitig die MalerialauSgabe zum Sporlsest stattfindet, ist es Pflicht eines jeden Delegierien, zu erscheinen. Vorträge, vereine und versammwnoen. Zieichsbund der Kriegtleschidigie», Ortsgruppe Steglitz. Donnerstag, den 80. d. M. Mitgliederversommlung im Gymnasium, Secsestrahe.— Arbeitsgemeinschaft für die weit licht Schule. Nächste Sitzung ln Berlin-Neinickendorl Donner»- lag, den 30. I»ni, nachmlt ags 4 Uhr. V.»em-indefchulc, Auguste-Viltoria-AUee 87. GMe stets wllltomme». Togesorbnung: GefchichtsunterrtliU— Wohlangl legenheil. — Bund heimattrener rsrpreuhe»»roh- Setlina, Bezirksgruppe Nordwest. Donnerstag, den 30 Juni, abend« 3 Uhr, im Saale des Zugendbaufe», Natt; en vwer Strohe 8a, Ecke Seydlitzstrast», Bollv-rfomnilung.— Mieter-Verbanb Schöueberg. Oeffentliche Mieteroerfammlnng am Mittwoch, den 2g. d. M., abends 8 Uhr, in der Thomifsolchule, Bardarofiaplotz..« el ch« Dt i et en, a h I ,»»tr am l-Juli d. 2.1" vortragender: Berbandsstzndttu» De. Suzel. GewsrWajwbewegung wer ist konterrevolutionär! In der„Roten Fahne" vom Montag abend wird der„Renegat Kaspar" vermöbelt Kaspar hatte auf die Aufforderung des Blattes hin, ihr über die Krawalle im Gewerkschaftshaus Berichte zugehen zu lassen, einen wahrheitsgetreuen Bericht geliefert, für den die „Rote Fahne" natürlich keine Verwendung hatte, weshalb K. den- selben in die„Freiheit" brachte Aus dem Bericht selber wäre nur noch zu erwähnen, daß auch ein Angestellter des Zimmererver- bandes, welcher der DKPD. angehörte, Faufischläge ins Gesicht und ouss Auge bekam, weil er auf die Demonstranten beruhigend ein- wirken wollte. Weiter aber, daß die„Genossin Rost Wolf st ein" als auch die impertinente Ketty Guttmann mit bei den de- monstrierenden Erwerbslosen waren und gleich den übrigen nicht erwerbslosen Komunisten wohl nur rein zufällig mit unter die Erwerbslosen gerieten. Das ober nebenbei. Das„Korrespondenzblatt" des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes schilderte im Leitartikel seiner am Sannabend erschienenen Ausgabe die„A r b« i t s l o s e n d e m o n st r a t?o- n e n m i t H a n d g r a n a t e n". Da es für di:„Rote Fahne" ein Aufwaschen ist, wendet sie sich in ibrem Artikel geaen Kaspar gleich- zeitig gegen das„Korrespondenzblatt". Sie greift nur den einen Saß heraus:„Aber die Tatsache, daß die Gewerkschaften der ein- z i g e feste Damm sind, der Deutschland bisher vor der bolfchewisti- fchen fvlut geschützt hat, bleibt bestehen." Mit diesem Satze werde„der konterrevolutionäre Eharakter der Gewerkschaften" unter ihrer heutigen Führung okfen zugegeben.„Geaen die bolschewistische Flut," sagt die„Rote Fahne",„das ist der Kampf gegen die Revolution, gegen den Sozialismus, gegen die Befreiuna der Arbeiterklasie". Das ist zwar Unsinn, aber doch Methode! Wer da glaubt, das Lügen sei eine einfache Sache, der ist auf dem Holzweg. Das ist eine Virtuosität, in der die„Rote Fabne" einige Uebung hat. Sie verfährt dabei mitunter zwar noch recht plump, trägt etwas zu dick auf, doch mit der Zeit läßt sie manch hervorragende Leistung er- warten. Der eigentliche Knilf besteht darin, eine Lüge so ott zu wiederholen, und wenn'? bis zum Erbrechen geht, bis man sie selber glaubt. Die armen Menschen, die ihre ganze geistige Kost aus der Moskauer Bolksküche empfanaen. glauben es noch weit eher. Da doppeltaenäht bester hält, wird ihnen in den Versammlungen die „Rote-Fahne"-Wahrheit noch besonders eingefuchst, so daß sie bei Bedarf die ganzen SprLchchen, die alle mit„R i e d e r" anfangen, wie Papageien ausrufen können. Die Gewerkschaften sind konterrevolutionär,„die Gewerkschafts- bonzen" erst recht, denn sie sind ja scknild an dem„konterrevolutio- nären Charakter".. Die Sache ist höchst einfach: wer nicht Mit- g l i c d der BKPD. ist, der ist konterrevolutionär. Wer ihr das Mitaliedsbuch vor die Füße wirft, wie Paul Lange, wen sie hinauswirft, wie Paul Levi oder Kaspar— auch Brandler entgebt seinem Schicksal nicht—, ist„konterreoolullonär". Da die deutschen Gewerkschaften für die aus Rußland impor- tierten Befreiungsmethoden zur Diktatur über das Proletariat nun einmal keine Reiguna und Begeisterung aufbrinaen können, weil sie im Interesse ihrer Selbsterhaltung die kommunistischen Ouertreibe- relen bekämpfen müssen, deshalb sagt ibnen die„Rote Fahne" nach, sie seien gegen die Befreiung der Arbeiterklasse, gegen den So- zialismus. Ilnd da sie auch von der„Weltrevolution", wie sie in Ungarn, in München und im März in Mitteldeutschland gemocht wurde, nichts wissen wollen, sind sie eben„konterrevolutionär". Eine einfache Sache— wenn sie nicht aar so dumm wäre. Für den Sozialismus, für die Befreiung der Arbeiterklasse, wurde in Deutschland gewirkt, ehe die Moskauer Stipendiaten daran dachten. Um den Sozialismus, um die Befreiung der Arbeiterklasse in Pacht zu nehmen, sind sie zu spät aufgestanden. Sie sind bewußt oder unbewußt die Schädlinge der deutlchen Slrbeiterklasse, deren Wiedervereinigung sie bis heute verhinderten. Sie sind die Konter- revolutionäre, die Schrittmacher der politischen und wirtschaftlichen Reaktion! Streik-Ende in England. Aus London wild durch Reuter wieder einmal das bevor- stehende Ende de» englischen Bergarbeiter st reiks gemeldet. Auf einer Konferenz der Bergwerksbesitzer und Berg- orbeiter, der eine Besprechung mit Lloyd George folgte, soll ein vorläufiges Uebereinkommen erzielt worden sein. Ueber seinen Inhalt wird nichts gemeldet, nur glaubt man zu wissen, daß die Arbeit am kommenden Montag, den 4. Juli wieder aufgenommen werden soll. �lus üer öetriebsräte-Vraxis. KI2. Verordnung vom 12. Februar ISA). K ü n d i- gung von Hilfsange st eilten. Bekanntlich ist im 3. Absatz � des§ 12 vorgesehen, daß derselbe bei Entlassungen von Arbcitneh- mern, die nur zur vorübergehenden Aushilfe oder für einen vorüber- gehenden Zweck angenommen sind, keine Anwendung findet. Diese i Bestimmung wird von den Unternehmungen weidlich auszunutzen ver- sucht.— Der amtliche Schlichtungsausschuß in Aschersleben(Akten- zeichen? 435/21 12. Mai 21) hat in einer Streitsache des Angestell- tenrats der A.-G. R. Wolf in Aschersleben gegen diese Firma wegen Kündigung von Hilfsangestellten folgende Entscheidung gefällt:„Die Kündigung ist zurückzunehmen." Die Begründung, die wir für durchaus korrekt halten, lautet folgendermaßen:„Die in Frage kommenden Hilfsangestellten sind im Laufe des Jahres 1920 als vorübergehend beschäftigt zur Hilfe- leistung bei der Aufnahme der Inventur angenommen. Die Beklagte gibt an, daß die Inventur, zu der die N e b e n k l ä g e r angenommen waren, nach drei Wochen beendet war und daß die 10 Angestellten jetzt mit anderen Jnoenturarbeiten beschäftigt werden, die durch Fusion der Firma notwendig geworden sind. Damit war einmal der Zweck der Annahme zur vorübergehenden Beschäftigung fortgefallen, und der Schlichtungsausschuß erblickte in der Weiterbeschäftigung ein stillschweigendes Eingehen eines dauernden Arbeitsverhältnisses. Ferner erschien es dem Ausschuß auch als gegen die guten Sitten verstoßend, wollte man Angestellte, die teils 9 Monate bei der Firma i tätig sind(der Letzteingestcllte trat am 26. Oktober 1920 bei der Firma ein) als vorübergehend Beschäftigte bezeichnen. Aus diesen Gründen heraus erkannte der Schlichtungsausschuß dahin, daß die 10 Angestellten inzwischen in ein Dauerangestellteikberhältnis getreten l seien. Dies vorausgesetzt, verstößt die Kündigung gegen§ 12 der Verordnung vom 12. Februar 1920, da die Entlassung vorgenommen werden soll, ohne daß versucht ist, die Arbeit zu strecken, was der Firma nach den Verhältnissen des Betriebes durchaus zugemutet werden kann."_ , Wirtschaft Probleme öer Setriebswissenschast. Die Betriebswissenschaft ist im Kreise der Ingenieurwissen- schaften ein noch junges Kind, die Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebsingenieure ein junger Teil des Der- eins deutscher Ingenieure. Ihre Tagung in den letzten Tagen des Juni in Kassel war noch einer der ersten Versuche, die Betriebs- ingenieure vor allem zum Austausch ihrer Erfahrungen zu organi- sieren. Diesem Zweck dienten vor allem die Vorträge des Direktors B a s f o n- Köln über„Güte und Kosten als Maß st übe in der Fertigung", und des Direktors Li tz- Berlin über„Un- produktive Facharbeiten in der industriellen F a ch a r b e i t". Direktor B a s s o n führte aus: In den früheren Iahren über- wog die konstruktive Ingenieurtätigkeit. Der Konstrukteur kon- struierte nach seinen Ideen und Berechnungen, ohne auf Wirtschaft- liche Fertigung Rücksicht zu nehmen. Ein näheres Eingehen und Nachdenken, ob sich nicht durch kleine Abänderungen seiner Kon- struttion wirtschaftliche Borteite in bezug auf Güte und Kosten her- ausholen lassen, war kaum vorhanden. Die Erkenntnis der w i r t- s ch a f t l i ch e n Fertigung hat sich erst in den letzten Iahren gründ- lich Bahn gebrochen. Für ein entwickeltes, absatzfähiges Produkt iollen Güte und Kosten die einzigen Maßstäbe der Produktion sein. Für die Güte ist maßgebend: die Zweckmäßigkeit der Konstruktion, die Beschaffenheit der Materialien, die Genauigkeit der Herstellung und die zweckmäßige Formgebung und äußere Gestaltung. Die K o st e n setzen sich zusammen aus den Produktivlöhnen, den Un- kosten und den Materialien. Die richtigen Kosten der Arbeit zu er- fassen ist nur durch eine eingehende Zeitkontrolle möglich. Gut organisierte Werke haben daher heute schon ihre Betricbsarbeits- bureaus, in denen lausend untersucht wird, ob ein Gegenstand durch diese oder jene Einrichtung nicht oerbilligt werden kann. Die Ein- sührung der Arbeitsbureaus ist der einzige Weg, um eine billige Kostenermittlung zu erreichen und den meistenteils zuviel belasteten Meister zu entlasten. ' Aus den Ausführungen des Direktors L i tz wäre hervorzu- heben: Bei der Frage, welche Arbeiter bzw. Arbeiten sind produktive bzw. unproduktive?, gewinnt man eine einigermaßen klare, ein- deutige und sichere Grundlage, wenn man als produktive Arbeiter alle diejenigen betrachtet, welche direkte Arbeiten zu den Fabrikaten ausführen, die von einer Firma hergestellt oder ver- trieben werden: dann kann man alle anderen Arbeiter, also alle diejenigen, die indirekt an der Herstellung dieser Fabrikate mit- arbeiten, als unproduktiv bezeichnen. Bei dieser Einteilung ergibt sich, daß beispielsweise in einer Werkzeugmaschinenfabrik der Werk- zeugmacher als produktiver Arbeiter gilt, während folgerichtig in einer Maschinenfabrik für allgemeinen Maschinenbau und Lokomotio- bau, die aber eine Abteilung Werkzeugmacherei hat, in welcher sie sich einen großen Teil der von ihr benötigten Werkzeuge selbst her- stellt, alle in dieser Abteilung beschäftigten Facharbeiter zu den un- produktiven Facharbeitern gerechnet werden müssen. Zu diesen Arbeitern gehören neben den Drehern, Schlossern und Härtern der Werkzeugmacherei alle gelernten und angelernten Facharbeiter für Reparaturen, alle Einrichter und Revisoren, sowie ferner auch alle angelernten Arbeiterkategorien, wie Kranführer, Maschinisten, Heize? usw., die im allgemeinen Betrieb tätig sind. In einer solchen Maschinenfabrik betrug in den Jahren 1913 und 1914 der Anteil der unproduktiven Arbeiter etwa 20— 21 Proz. der G e» samt arbeiterzahl. Dieser Satz ist in der Folge der schematischen Durchführung des Achtstundentags jetzt auf etwa 30 Proz. ge- stiegen, da bekanntlich früher die gewöhnlichen Hilfs-, Reimgungs- und Transportarbeiter, Pförtner, Maschinister usw. zehn, auch zwölf Stunden gearbeftet haben, während sie jetzt schematisch nur acht Stunden arbeiten. Theoretisch kann als produktive Arbeitszeit eines produktiven Maschinenarbeiters gelten die reine Arbeitszeit am Werkstück ohne Berücksichtigung irgendwelcher Nebenumstände, die mehr oder weniger vermeidbar wären. Damit ist nun, wenn man alle übrige Zeit als unproduktiv bezeichnen würde, im praktischen Betriebe wenig anzufangen. Es könnte daher bis auf weiteres als produktive Zeit die reine Arbeitszeit am Werkstück gelten, ein- schließlich Ein- und Ausspannen der Werkstücke, einschließlich Heraussuchen der Werkzeuge und des Spannzeuges, soweit sie zum Bestand der betreffenden Werkzeugmaschine gehören. Der Anteil der unproduktiven Arbeiten in der industriellen Facharbeit ist viel größer, als gemeinhin ange- nommen wird. Er muß vor allem herabgesetzt werden. Das Sprüchlein von der„schematischen Anwendung" des Acht» stundentages ist zu bekannt, als daß man es unwidersprochen hin» gehen lassen könnte. Es ist die Formel, mit der die Arbeitgeber den Kampf gegen den Achtstundentag selbst da führen, wo er gar, nicht.schematisch angewendet" wird, wie in der Landwirt, s ch a f t. Hätten wir eine Wissenschaft, die bemüht wäre, das Ver, trauen dar Allgemeinheit in ihre Arbeit zu fördern, so würde sie sich nicht auf den Boden solcher Thesen mit politisch-reaktionärem Bei» geschmack stellen, sondern vielmehr danach streben, einmal nachzu, forschen, welche Betriebs- und Arbeitsorganisation geeignet ist, die angeblichen oder wirklichen Nachtelle des Acht- stundentages in den Hilfsarbeiten zu beseitigen. Der Wunsch, sich diese Unbequemlichkeit zu ersparen, das Profitinteresse des Unter- nehmertums und die Hoffnung, die soziale Entwicklung einmal wieder umzubiegen, hinderte die Vertreter der Wissenschaft daran, an diese Frage entschieden heranzutreten. Sie brauchen sich aber dann nicht zu wundern, wenn die Arbeiterschaft ihrer poli- tischen Boreingenommenheit mft schärfstem Mißtrauen gegenüber- steht und die wirtschaftlichen Meinungskämpfe auf dem politischen Gebiet austragen muß, in das sie durch eine solche Haltung der Wissenschafter hineingedrängt werden. »• Zugleich mit der Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure ist in der Kasseler Stadthalle eine betriebstech- nifche Ausstellung eröffnet worden. Sie stellt einen ersten Versuch dar, die Fortschritte in unseren Arbeitsmethoden und ihren Hilfsmitteln anschaulich darzustellen. Inhalt und Ziel der Aus- stellung werden am besten durch die Worte„Güte und Kosten" gekennzeichnet. Steigerung der Güte und Verminderung der Kosten sind die Forderungen, die heute unter dem Druck gemein- samer Not gebieterischer denn je Erfüllung verlangen. Die Aus- stellung soll durch die Ortsgruppen der Arbeitsgemeinschaft beut» scher Betriebsingenieur, wandern und laufend vervollständigt und oer Entwicklung angepaßt werden.— Unter dem Bestand der Ausstellung fallen vor allem einige Musterbeispiele von Werkzeugmaschinen auf, an denen die Ersparnisse an Zeit, Kraft und Bedienung gezeigt werden, die sich bei der Wahl vorteilhaft durchgebildeter Maschinen ergeben. Dann werden u. a. Beispiele von Verfahren und Apparaten für die Prüfung der Berufs- e i g n u n g gezeigt. Die damit erziellen Ergebnisse sino ausgewertet und zusammengestellt. Gezeigt wird auch, wie der Kraft- vertust zwischen Kraft- und Arbeilsmajchine durch Einbau des je- weils wirtschaftlichsten mechanischen Fortleitungsmittels auf ein Minimum herabgedrückt werden kann.— Die ganze Ausstellung ist ein interessanter Schritt auf einem bisher noch nicht beschrittenen Wege. wieder eine Rekorddividende. Für das abgelaufene Geschäfts» jähr der Bereinigten Deutschen Nickelwerte, Aktien- Gesellschaft vorm Westfälisches Nickelwakzwerk Fieitmann, Witte u. Co., wird eine Dividende von 22 Prozent(i. V. 22 Proz.) und ferner die Verteilung eines Bonus von 18 Proz. in Vorschlag ge- bracht werden: die Gesamtausschüttungen für das letzte Geschäfts- jähr betragen somit 40 Proz., womit der höchst« von dieser Gesell- schaft erreichte Dividendensatz von 35 Proz. im Jahre 1915/16 noch um 5 Proz. überschritten wird. Namensaktien. In Italien dürfen fortan Prinatunterneh- mungen Wertpapiere(Aktien, Anteilscheine) nur auf den Na» men lautend ausgegeben werden. Die vorhandenen Inhaber- papiere können in 6 Monaten umgewandelt werden. Das hat den großen Borteil, daß jedes Unternehmen stets weiß, in wessen Händen die Anteile sind, anderseits die steuerliche Erfassung der Gewinne völlig gesichert ist. Auslösung der Reichskartoffelsteve. In einer Sitzung des Auf» sichtsrates der Reichskartoffelstelle wurde mitgeteilt, daß die Ver- waltungsabteilung der Reichskartoffelstelle zum 1. Juli aufgelöst wird, während die Geschäftsabteilung sich bereits in Liquidation befindet. r-ranN». für den redatt. reit: Dr. Serner Veiser, eharlottenbura: für Anzeigen: Id. Glocke. Berlin. Verlag: Vvrwärls-Verlaa G. m. 6, H., Verlin. Druck: Vor- wSrts-Bucbdruckerei ii. Verlaasanstalt Vau! Sinflec Co. Berlin. Lmdenftr. 5. Wir freflen große Vorbereitungen zu dem am FrOltStJ, 060 1. Jlill, beginnenden Mb MieH !..: i1/1 ch Si II Wir bitten, das Inserat am Donnerstag zu beachten. freuj). StaatS'Soiterie Ziebaag der I. Klasse 12. und 13. Joli Höchstgewinn im glüciclichsten Falle Millionen Mark J�äT�edes�wcite�ös�ewinntirj Einsatzpreis zur I. Klasse: 'U'fj'h Eos porto und Liste ~ 20 ff. 40 M. 80 ,i\. 1.20 M. extra E g 9 e rc b u r g, Berlin NW 87, Alt-Moabit 81(a. d.Gotzkowskybr.) Postscbeckkonto Berlin NW 7, JUSO.[88/14 Fernspr.: Moabit 5020 Kottbuser Damm 13, Ecke Schönleinstr. Korsette aus ia Stoffen und in allen Preislagen empfiehlt Korsett-Fabrik Richard Necke 1. Geschäft: Berlin-Karlshorst Treskow-Ällee 83 2. Geschäft: B.-Iaohtenberg, Neue Bahnhofstr. 36 3. Oesä Berlin, Kommandantenstr. 23 Ecke Alte Jakobstraße 124 Bz 1 Preiswert and gut kauft man /» /» Damen- u. Herren-� LOltG im Tuchhaus AI. E. FREITAG Berlin, Molkenmarkt 14/13 ❖• Homespuns und Schlüpfer, die große Mode Ansog- und Covercoatstoffe von AI. 35 bis M. 200 ? Einmaliges Angebot! � Nur einige Tage dauert mein Sonder- Angebot Herren-Konfehlton guter Verarbeitung und aus neuesten Stoffen. Meine Schlager sind: »*";•;/ 310 325■-"•«■? 350 M. 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