tt Nr.ZSS ♦ ZS. Jahrgang Musgabe B Nr. 149 Bezugspreis: SierteliäitLSO,— SDU monatL MV- M. fxri ws Saus, voraus zahlbar. Pol!» brzuz: Monatlich 10,— M. einschl. Zu- strllimasgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, das Laar- und Memelqebiet, sowie die ehemals beut- scheu Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luremdurg 20,— M, für dos Übrige Ausland 27,— M. Post- bestellungcn nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne» .niarl, Solland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Soraätts" mit der Sonntagsbeilage.Volk und Seif, der Unter- halmngsbeilage.Seimweif und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal, Sonu» tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: aSojtcÜemofca* Bettln" Abend Ausgabe Vevlrnev Volksblatt (20 Pfennig� AnzetgenpretS, Dt, achigespalten, RonparelUezetl, tostet d�v M.„tilelns Anzeigen" das kttgedruckte Wort l,k>0 M.(zu- lässtg zwei settgedruckte Worte), Jede, weitere Wo« t,— M. Stellengesuch, und Echlafstellenanzelgen das erst, Wo« SM, sedes weiter, Wo« w Vfg. Wo«e Uder 1d Buchstaben zählen für zwei Worte. ffamilien-An- zeigen für Abonnenten Zeile 8,— M Die Preise oerstehen stch einschliestlich Zeuerungs.iuschlag. Anzeigen sllr die nächste Rnmm-i. mllsien bis S Ahr nachmittags im vauolgeschüsl. Berlin EW 88, Linden- straste 3. abgegeben werden. Geöffnet von l» Uhr früh bis S Uhr abends- Zcntr&lorq&rt der sozialdemokratischen parte» Deutschlands Ueöaktion und Expedition: 60)6$, Lindenstr. Z Redaktion Moritiplat, 151»S— 97 iSerttsyrcnjcr ♦ ea,ei)irijm Moritzplan 117SS-51 Mittwoch, den»9. Juni 1SÜ1 vorwärts, Verlag S.m.b.st., Sw««, llaSeaftr. 3 s�cmföredicr• �klag, Expedition und Inseraten. —'-: Abteilung Moritzplatz 11753—54 pochners Gewaltregiment. München, 29. Zum.(Eigener Drahkbericht des„Vorwär!»-.) Genosse Erhard Auer hatte ein Ilugblali Herskellen lassen, das be- stimmt war. mit einer ungewöhnlich hohen Auslage bis in die hinter» sten Winkel des Bayernlandes hincinzulenchien nnd dem ganzen Volk das Verbrechen der Knüppel» und AlordpoliNk der letzten Zeit deutlich vor Augen zu führen. Es trug den Titel:„Bayer, wach aufi Schaff' Ordnung in deinem Haus". Obwohl der Verfasser sich in dem Flugblatt lediglich von den Gedanken der Entgiftung der politischen Atmosphäre hatte leiten lassen, drang gestern abend die p o e h n e r» P o l i z e i in die Druckereiränme der „ZNünchener Post", durchsuchte sämtliche Apparate und brachte die Maschinen zum Stehen, aus weichen das Flugblatt gedruckt wurde. Matrizeu und Platten wurden zerstört. Die Abendstunden und die Pacht wurde von der politischen Polizei damit verbracht, die Sektionslokale der Partei nach dem Flugblatt zu durchsuchen. Wir befinden uns also wieder in der tzochblütezeit des Ausnahmegesetzes! Ob es aber Poehner gelingen wird, den Ausruf der bayerischen SoziaNslen. der unterdessen bis in die entlegen» sten Schluchten und Täler des bayerischen Hochlandes gedrungen ist, ungeschehen zu machen, wird die nächste Zukunft lehren. Escherich tritt zurück. Sein Geist lebt tveiter. München, 28. Zuni.(WTL.) Dr. Escherich hat cm alle Kreis- und Gauhauptlente eine Kundgebung gerichtet, in der er ihnen mitteilt, daß er infoige der Verfügung der Reichsregierutig zur Auslösung der Einwohnerwehren Bayerns sein Ehrenamt als Lanceshauptmann der Einwohnerwehren Bayerns niederlege. Die Kundgebung, mit der stch Escherich von seinen Kreis» und Gauhanptlcuten verabschiedet, hat folgenden Wortlaut: .Die Retchsregierung hat die Auflösung der Einwohner- wehren Bayerns verfügt. Sic trägt vor dem deutschen Volke und vor der Geschichte die Verantwortung für diesen Schritt, der durch die Verleumdung eigener Stammesbrüder herbeigeführt, von Feindeshatz und Vernichtungswillen diktiert ist lind einen u n- geheuerlichen Eingriff in das deutsche Recht darstellt. Eine Möglichkeit, eine Aenderung dieser nunmehr gesallenen Ent- scheidung herbeizuführen, ohne schwer st e Erschütterung unseres bayerischen und deutschen Vaterlandes, besteht nicht. Ich habe daher den schwer st en Entschluß meines Lebens gefaßt. Es ist mir aber u n m ö g l ich, die Hand zur Vernich- t u n g desjenigen zu bieten, was ich in zweijähriger Arbeit zum Wohle Bayerns und Deutschlands aufrichten durfte. So lege ich denn heute mein Ehrenamt als Landeshauptmann der Einwohner- wehren Bayerns in die Hände derer zurück, deren Vertrauen mich aus diesen Posten berufen hat. Die Form unserer Einwohnerwehr ist zerschlagen, aber ihr Geist lebt und wird weiterleben." Auch ohne diese Erklärung wären wir nicht im Zweifel darüber gewesen, daß der„Geist" der aufgelösten Einwohnerwehren am hellen Tage spazieren gehen wird. Es wird also sehr notwendig sein, auf diesen Geist aufzupassen, damit er sich nicht noch einmal materialisiert und neuen Schaden anrichtet. * Entsprechend der Forderung der Retchsregierung hat die baye- rische Staatsregierung eine Verordnung ertasten, in der es heißt: Auf Grund des§ 1 des Gesetzes zur Durchführung der Artikel 187, 188 des Friedensoertrages vom 22. März 1921 werden in Verfolg der Annahme des Ultimatums vom 5. Mai 1921 die Einwksjner- wehren innerhalb de» Freistaates Bayern für ausgelöst erklärt. Personen, welche stch an einer der aufgelösten Organisationen als Mitglieder beteiligten, werden mit G e l d st r a f e bis zu 50 000 M. oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder mit Festung bis zu gleicher Dauer bestraft. Die Krankbeter. Die erste Zone geräumt. Oberglogau. 29. Iuni.(WTv.) heule früh hat der englische General hcnnicker dem Führer des deutscheu Selbstschutzes mitgeteilt, daß der Rückzug der polnischen Insurgenten aus der ersten im Räumungsplane vorgesehenen Zone tatsächlich beendet ist. Daraufhin hat General hoefer— gemäß den gelrossenen Vereinbarungen— sofort die Umgruppierung des deutschen Selbst- schuhes eingeleitet.__ Die pariser Deratungen. Paris. 29. Juni.(WTB.) Wie„Petit Parisien" mitteilt, werden die deutschen und französischen Sachverständigen bei den jetzt be- gonnenen Beratungen nur zwei Hauptsragen behandeln: Die Zahlungsfristen und den Preis für die Sachlieferungen. Eine dritte Frag« werde augenblicklich noch in Berlin mit dem Garantieausschuß verhandelt: Der Ersatz der 2ö p r o z. Abgabe von der deutschen Ausfuhr durch einen anderen Idex. Wahrschein- lich würden die beiden Verhandlungen in der kommenden Woche gemeinsam in Paris geführt werden. Der Garantieausschuß werde Verlin in zwei oder drei Tagen verkästen. Krieges beschlagnahmt wurde, so lange oerfügen, bis sämtliche Ansprüche, die sie gegenüber den Zentralmächten zu erheben haben, ausgeglichen sein werden. Die Führer der Republi- konischen Partei im Senat und Repräsentantenhause haben gestern auch den Beschluß gefaßt, den Antrag des Senators Borar bezüglich der allgemeinen Abrüstung, zu unterstützen. Japan unü Sie Neichstonferenz. London, 29. Juni.(EE.) Die gestrige Konferenzsitzung der Ministerpräsidenten der Dominions wurde von B a l f o u r präsi- diert. Es wurde der englisch-japanische Vertrag besprochen. Kanada wandte sich gegen ein« Erneuerung des Ver- träges, weil dieser zu Unstimmigkeiten mit den Vereinigten Staaten führen könnte, und dadurch das Wettrüsten gesteigert würde. Auch Südafrika gab der gleichen Anschauung Ausdruck. Im Namen von Australien erklärte Hughes, im Namen von Neuseeland M a s s e y, daß ste für die Erneuerung der Allianz seien, solange diese keinen Krieg mit den Vereinigten Staaten herbeiführen würde. Sanktionspolitik. Köln, 29. Juni.(TU.) Wie die„Kölnische Zeitung" aus Düsseldorf mitteilt, muß künstig jedem Gesuch für die Ab- Haltung einer politischen Versammlung eine Nieder- schrift der zu haltenden Rede wenn nicht vollständig, so wenigstens im Entwurf beigefügt werden. Der Fußball-Bundestag in Düsteldorf am 12. Juni d. I. hat, wie der„Frankfurter Zeitung" berichtet wird, für vier dortige Sportsleute ein übles Nach'piel gehabt. Vom Kriegsgericht der französischen Besatzungstruppen wurde Dr. Klein als Fest- rcdner über.das Thema„Sport und Jugend" mit vierzehn Tagen Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe, drei andere Herren mit je acht Tagen Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe bestraft wegen Veranlastung und Duldung einer politi- schen Rede und wegen Zulastung von mehr als vier genehmigten Ansprachen._ Das Washingtoner Zrieüenskompromiß. WaMugton, 29. Juni.(EE.) Präsident h a r d i n g wünscht die Kompromihresolution über die Wiederherstellung des Frie- dcnszuftandes mit Deutschland, Oesterreich und Ungarn noch vor Ende der Woche in Händen zu haben. Der Kompromiß folgt dem Antrage des Repräsentantenhauses, der besagt, daß der Kriegs- zustand mit Deutschland und Oesterreich beendet Ist, wie es die Reso- lution Knox vorschlug, daß die Kriegserklärung aufgehoben wird. Alle Rechte, Privilegien, Entschädigungen und Reparationsvortell«, auf die die Vereinigten Staaten gemäß den Wasfenstillstandsbedin- gungen des Versailler Vertrages und aller späteren Abmachungen cm Anrecht habe, bleiben in Kraft. Die Vereinigten Staaten werden über allen deutschen und österreichischen Besitz, der während de» De Nicola Nachfolger Hioltttis! Rom, 29. Zmü.(WTv.) Der König setzte gestern nachmittag die Besprechungen mit Parlamentariern fort und empfing die Vize- Präsidenten des Senats und der Kammer. Die Zeitungen sind fast einstimmig der Ansicht, daß der Präsident der Sammer d e R i c o l a aufgefordert werden wird, das neue Kabinelt zu bilden. Rom, 29. Juni.(EP.) Die Beratungen der Parteiführer über die Lösung der Ministertrise dauern fort. Die Kammergruppe der katholischen Volkspartei hat den leitenden Ausschuß mit den Verhandlungen zur Lösung der Krise beauftragt. Sie ist im wesentlichen füremKabinettdeNicola. Die Soziali st en werden über ihre Beteiligung an der Regierung beraten. Zahlreiche gemäßigte Abgeordnete äußerten sich für die Mitarbeit, andere ver- traten den gegenteiligen Standpunkt. Es wurde vorläufig beschlossen, das Verbleiben Giolittis sowie ein Kabinett Bonomi oder Orlando zu bekämpfen, aber die Bildung eines Kabinetts de Nicola zu begünstigen. Nötigenfalls soll de Nicola auch mit einem Votum unterstützt werden, falls er sich bemüht, dem Lande den inneren Frieden zu geben und die wirtschaftliche Krise möglichst rasch zu lösen. Die Fas eisten haben ihre Leitung beauftragt, die Ent- Wicklung der Krise zu überwachen, damit sie nicht zu einer antinatio- nalistischen Regierung führt. Die reformsozialistische Gruppe hat ihren Führern von neuem des Vertrauens versichert. Der Reichs entwaffnungskommissar stellt am 1. Juli seine Tätig» keit ein. Zwischen dem Vatikan und der ilattenischen Regierung wurden Unterhandlungen angebahnt, um die seit mehr als 50 Jahren unter- brachen«» diplomatischen Beziehungen wieder aufzu- nehmen. Die belgische heereskommission hat mit 10 gegen 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen einen Gesetzentwurs angenommen, der für tue Infanterietrnppen der Jahrgänge 1920, 1921 und 1922 die Dianstzelt a»f IV Monat« festsetzt, In der gerichtlich konfiszierten Mappe des hochbegabten Karikaturisten George Grosz„Gott mit uns" findet sich eine schöne Zeichnung, betitelt„Die Gesund beter". Man blickt in eine kgl. preußische Revierstube während des Krieges, allwo die hohe Aushebungskommission aus Offizieren und Stabs- ärzten einen halb verwesten Leichnam„k.v." schreibt. Wir empfehlen folgendes Pendant:„Die Krank beter". In der Mitte des Bildes diesmal statt des fäulnisbehangenen Skeletts der kerngesunde Traugott von Jagow, strahlend im Glänze körperlicher Rüstigkeit, die Havanna im Munde. Durch den eingeklemmten Scherben funkelt er mit zynischem Lächeln eine Kommission von hohen Richtern, Ober- � staatsanwälton— an der Spitze der Reichsjustizminister � S ch i f f e r— an, die ihm alle ängstlich und beschwörend zu- blinzeln:„Aber Herr v. Jagow, um Gottes willen, Sie sind doch totkrant!" Im Gegensatz zu der ersten Zeichnung, die eine— karika» turistisch zulässige— Uebertreibung enthält, würde die zweite Zeichnung den g e n a u e n T a t b e st a n d des Falles Jagow widerspiegeln. Ein ärgerer Hohn auf die Rechtspflege dürfte wirklich kaüm jemals dagewesen sein. Jedermann, der die Praxis der Gerichte kennt, weiß, wie e r n st l i ch im allgemeinen die Krankheit eines Angeklagten sein muß, um vom Gericht berücksichtigt zu werden. Der Schreiber dieser Zeilen hat selber einmal folgenden Fall erlebt: Ein an Knochenfraß leidender» Angeklagter mit handtellergroßer offener Wunde im Koos er- litt in der Verhandlung einen Ohnmgchtsansall. Der Vor- sitzende ließ die Fenster öffnen, nach 10 Minuten wurde weiter verhandelt. In einem der Prozesse, die sich 1910 an die Moa- biter Unruhen anschlössen, erlitt eine weibliche Angeklagte zwei-, dreimal während der Verhandlung gegen sie Krampf- anfälle. Man legte'sie ein paar Minuten auf den Fuß- b o d e n des Gerichtszimmers, die Verhandlung wurde ruhig zu Ende geführt. Damit vergleiche man die sorgsame Behandlung des Herrn o. Jagow. Herr v. Jagow läßt durch die konservative Presse erklären:„Ich bm seit dem März 1920 nicht einen Tag krank gewesen." Die Justizbehörden und der Reichs- justizminister an der Spitze aber behaupten, daß die VerHand- luifg gegen Herrn v. Jagow wegen seines leidenden Zustande? nicht hätte fortgeführt werden können. Ein Mann, der sich selber für kerngesund hält, wird zwangsweise krank geschrieben! Trotz Ben Akiba dürfte dieser Fall bis heute in Deutschland nicht dagewesen sein. Im Falle Eulenburg, den das„B. T." heute zitiert, hat doch der Angeklagte Fürst Eulenburg wenigstens selber Krankheit simuliert. Traugott v. Jagow dagegen pocht aus seine Gesundheit, oder will Herr Schiffer etwa behaupten, daß Jagow„Gesundheit simuliere?" Ja, es muß wohl so sein! Denn Herr Schiffer beweist uns, daß Herr v. Jagow gar nicht gesund sein kann. Er ist als Kind tuberkulös gewesen. Am Ende hat er sogar die Masern gehabt! Jedenfalls hat es aber doch dieses kränkliche\ Kind zu dem durch seine robusten Aussprüche berühmten Po- lizeipräsidenten von Berlin gebracht. Aber mehr: Herr v. Jagow bedarf kalter Abseibungen. Das glauben wir gern, allerdings im bildlichen Sinne. Wir schlagen Herrn Schiffer vor, Herrn v. Jagow in seine Zelle eine Fuß- badewanne und einen Schwamm als besondere Ver-! günstigung mitzugeben. Da kann er sich nach Herzenslust ab- i reiben. Und wenn ein besonderes Bedürfnis nach frischer Luft vorliegt, so kann Herr v. Jagow ja einer der zahl- reichen Gefangenenabteilungen angeschlossen werden, die zur- zeit die nordwestdeutschen Moore kultivieren. Da genießt er nicht nur frische Luft, sondern macht sich auch � nützlich. Doch Herr v. Jagow ist nicht nur krank, sondern auch unauffindbar. Merkwürdig nur, daß dieser Unauffind- bare Briefe an die„Kreuzzeitung" und die„Deutsche Tages- � zeitung" schreibt, die aus Potsdam datiert find. Hat die Kriminalpolizei diese Briefe bereits als Material für die Auffindung des Herrn v. Jagow benutzt? Ein flüch- tiger Raubmörder, der in dieser Weile korrespondiert, würde dach in kürzester Zeit hinter Schloß und Riegel sitzen. Doch Herr Schiffer beruft sich auf die von v. Jagow ge- leistete Kaution in Höhe einer halben Million. Wir wollen hier einmal ganz davon absehen, welche Herausforderung der ärmeren Bevölkerung es bedeutet, daß sich ein kapitalkräftiger Aristokrat einfach von der Untersuchungshaft loskaufen kann. Rein, hier geht es um folgende ganz einwandfreie Tatsache: Wenn ein Angeklagter Kautton leistet, dann aber für die Behörden unauffindbar wird, dann verfällt die Kaution. Das ist nämlich der Zweck der Einrichtung! Wir fragen nun öffentlich an: Hat das Reichsgericht, als 5)err v. Jagow unauffindbar wurde, die gestellte Knution von einer halben Million für verfallen erklärt? Falls nicht: aus wclchenGrü nden ist das unterblieben? Der ganze Sachverhalt läßt nur eine Deutung zu, dag von irgendeiner Stelle aus- das Verfahren gegen Herrn o. Jagow sabotiert worden ist. Wir wissen nicht, von welcher. Wir wissen nicht, nb« der A r z t war, der$crrn v. Iagow Krankheitsatteste ausstellte, ob es sein Anwalt war, der diese Arteste einreichte, ob es der R e i ch s a n w a l t war oder der Untersuchungsrichter beim Reichs- gericht, die leichtfertig(dies ist die mi l d e st e Annahm«) diesen falschen Attesten Glaubon schenkten. Der Iustizminister aber hat die Pflicht, die schuldige Stelle zu ermitteln. Und nicht nur Hot er diese Pflicht, sondern auch der Staats- o n w a l t. Es gibt einen K 257 des StGB., der besagt: Wer nach Begehung eines Verbrechens oder Vergehens dem Täter oder Teilnehmer wissentlich B e i st a n d l e ist e t, um den- selben der Bestrafung zu entziehen, ist wegen Begünstigung mit Geldstrafe bis zu 6lX) M. oder mit Gefängnis bis zu einem Jahre zu bestrafen. Und daneben gibt es noch einen Z Z-iS StGB., der lautet: ' Ein Beamter, welcher vermöge seines Amtes bei Ausübung der Strafgewalt oder bei Vollstrecknng der Strafe mitzuwirken hat, wird mit Zu6)thaus bis zu S Jahren bestraft, wenn er in der Ab- ficht, jemand der gesetzlichen Strafe rechtswidrig zu entziehen, die Verfolgung einer strafbaren Handlung unterläht. Wir verlangen, daß das Gesetz in seiner vollen Strenge gegen die Schuldigen des Falles Jagow zur An- wendung kommt. Das gesamte öffentliche Rechtsbewußtsein . ist durch den Fall Jagow auf das schwerste erschüttert worden. Ohne Rucks ich t auf Personen muß dieser Fall durch- gefachten und dem Recht zu seinem Rechte verholfen werden. DasRechtkommtvorderPolitik. Es darf sich an keine politisch« Rücksicht binden. Ohne diesen Grund- fatz kann die Demokratie nicht bestehen, keine demokratische Regierung, keine demokratische Partei bleibt lebens- fähig, wenn sie aus politischen Gesichtspunkten den Kampf ums Recht preisgibt._ Volksentftbeiü in üer Ilaggenfrage. Die„Nationalliberale Korrespondenz", das offizielle Or- gan der Deutschen Volkspartei, hält die Genugtuung des„Vor- wärt»" über die Erhaltung der republikanischen Handelsflagge für verfrüht, den Sieg der alten Kaiferflogge für sicher. Sie schreibt dann: Für die Deutsche Lolksportei ist es eine selbstverständliche Pflicht, mit aller Entschiedenheit in dieser Richtung wirken. Sie hat die Flaggenfroge durch den Beschluß ins Rollen gebracht, einen Volksentscheid über die Zroge herbeizuführen, ob eine Volksmehrheil für schwarz-rot-gold vorhanden ist oder ob, wie wir sicher annehmen, dos deutsche Volt in seiner überwiegenden Mehrheit im herzen den alten ruhmreichen-Farben treu geblieben ist und den Wechsel der Reichsflagge als ein Zeichen mutloser Schwächlichkeit und würde- loser Nachgiebigkeit verdammt. Die Entscheidung hierüber wird die Deutsche Volkspartei» nachdem das Gesetz über den Volksentscheid angenommen ist, herbeiführen, und sie wird alle gcschäfts- ordnungsmäßigen Mittel ergreifen, um zum min- besten und zunächst die deutsche Seeschisfahrt deren innersten Wünschen entsprechend vor dem Zwang zu bewahren, daß sie dtn Wiederaufbau unserer Handelsbeziehungen unter einer anderen Flagge vornehmen soll, als sie früher in den Zeiten unserer Größe geführt worden ist. * Dazu ist zu bemerken, daß es„geschäftsordnungsmäßige Mittel" nicht gibt, die den Reichspräsidenten hindern könnten, in Erfüllung seiner Pflicht die bestehende Verfassung durchzuführen. Lassen sich Teile der deutschen Handelsschiffahrt dazu oerleiten, unter anderer als der verfassungsmäßigen Flagge zu fahren, die ab 1. I u l i d. I. gilt, so handeln sie gegen Recht und Gesetz und riskieren Konflikte, bei denen sie den kürzeren ziehen müssen. Unbenommen bleibt es dagegen der Deutschen Dolkspartei, «in Volksbegehren zwecks Aenderung der Verfassung in die Wege zu leiten. Um zu ihrem Ziel zu gelangen, muß sie allerdings mehr als die Hälfte aller stimmberechtigten Volksgenossen für Schwarzweißrot auf die Beine bringen. Gelingt ihr das, so werden w i r uns zu fügen haben. Bis dahin aber gilt die verfassungsmäßige Flagge, ihr die AiPr- kennung verweigern, heißt, sich gegen die Verfassung auflehchn. Das Recht auf Sterbehilfe. Der„Deutsche Monistenbund" hat dem Reichstag, dem Reichs- rat und der Reichsregierung eine Reihe von Vorschlägen unter. breitet, die für die Oeffentlichkeit zum Teil von großem Interesse sind. Besonders wichtig ist der Antrag, daß Z 216 des Strafgesetz- buchs, nach dem mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft wird, wer einen anderen aus dessen Verlangen tötet, durch folgenden Absatz 2 ergänzt werden soll: „Die Tötung bleibt straflos, wenn de? Getötete an einer un- heilbaren Krankheit oder Verletzung gelitten, das ausdrückliche und ernstliche Verlangen auf Tötung in freier Willensbetotigung zu gerichtlichem oder notariellem Protokoll erklärt hatte, von drei Aerzten, von denen ein-r ein Amtsarzt fein muß, festgestellt war, daß keine Aussicht auf Heilbarkeit der Krankheit bestand und einer dieser Aerzte die Tötung ausgeführt hatte." hierzu soll in einer Ausführungsverordnung bestimmt werden, daß die beteiligten Aerzte Ihre Erklärungen und Anordnungen schriftlich festlegen und bei der amtlichen Stelle hinterlegen müssen, daß die Entscheidung über den Antrag dem Amtsrichter zusteht und daß vor der Entscheidung die nächsten Verwandten gehört werden müssen. Dem Antrag ist folgende Begründung beigefügt: „Es gibt Kranke, bei denen der Arzt mit absoluter Gewißheit sagen tonn, daß eine Heilung ausgeschlossen ist. Das beabsichtigte Gesetz bezweckt, solchen Kranken, die an einer unheilbaren, mit dauernden Schmerzen verbundenen Krankheit leiden, zu helfen. Den Unglücklichen, die den Tod als einzigen Erlöser von ihrem Leiden betrachten und ihn auf das sehnlichste wünschen und ver- langen, soll der Tod gegeben werden. Selbstverständlich müssen alle Garantien getroffen werden, die den Mißbrauch der Tötung gänzlich ausschließen. Bei der Schaffung der notwendigen Garen» lien können rechtliche Bedenken gegen eine gesetzliche Regelung der Sterbchilfe nicht erhoben werden. Aber auch ethische Be- denken können nicht als stichhaltig erachtet werden. Man erweist dem unheilbaren Kranken«inen wirklichen Dienst, man hilft ihm mehr, wenn man ihm lein unerträgliches Leiden oerkürzt, als wenn man ihn unter furchtbaren Schmerzen, langsam, aber sicher dahin- siechen läßt." Wir halten diesen Antrag für außerordentlich bedeutungsvoll. In der Acrzteschaft machten sich seit jeher zwei Strömungen gel- tsnd, wen denen die eine für, die andere gegen die Sterbehilfe war. Der Krieg mit zeiner fürchterlichen Verwüstung an Menschenleben hat eine Anzabl von Fällen geschaffen, bei denen die Sterbehilfe tatsächlich außerordentlich angebracht erscheint. Droht eine neue Eiszeit? Die europäische Menschheit hat sicher eine, wahrscheinlich mebrere Eiszeiten durchgemacht, in denen ihre gang« Kultur von dem kalten Hauch vordringender, das Land über- ziehender Gletschermassen zerstört wurde. Kann eine solche Eiszeit wiederkomme»? Aus diese Frage läßt sich, wie Prof. Th. Herzog Das ist die klare Rechtslage, die zu verdunkeln eine Ge- wissenlosigkeit ist. Mögen die Gegner der rechtmäßigen Flagge von den Rechten, die ihnen die Verfassung gibt, Gebrauch machen, aber dann sind sie erst recht verpflichtet, selber auch die Verfassung zu achten. �liis dem Hexenkessel öee Kpd. Der in Moskau tagende Kongreß der Dritten Internatio- nale hat zum Fall Hölz eine Resolution beschlossen, die sich für den Massenaufftand, aber gegen individuellen Terror, Sa- botage und Freischärlertum ausspricht. Die Aktion von Hölz sei n i ch t z w c ck m ä ß i g, aber von der Liebe zum Proletariat diktiert gewesen. In diesem Sinne spricht der Kongreß Hölz seine Sympathie aus. Während sich diese Resolution mit ihrem Einerseits— Andererseits als ein ziemlich lahmes Kompromiß darstellt, geht die Berliner Zentrale mit einem scharfen Utas gegen die oppositionelle Gruppe um Levi vor. Sie erläßt eine Erklä- rung gegen sie, in der es zum Schluß heißt: Um die opportunistische Richtung innerhalb der Partei schärfer zu markieren, hat sie planmäßig den„S o w j e t* benutzt. Da aus einer Ankündigung des Heft 4 des„Sowjet" zu ersehen ist, daß diese Gruppe nicht daran denkt, die parteitaktischen Erörterungen inner- halb der Parteipresse zu pflegen, sondern ausdrücklich unter noch schärferer Betonung der Tendenz dieser Gruppe der„Sowjet" als „Unser Weg" erscheinen soll, verbietet die Zentrale den Genossen, an dieser Zeitschrift mitzuarbeiten. Jetzt gibt es also entweder ein großes Zukreuzekriechen vor der Diktatur der Jünglinge von der Zentrale oder aber einen neuen großen Hinauswurf. Der neue tzölz-proAeß. Broh an den Staatsanwalt. Wie schon mitgeteilt, haben die sächsischen Behörden anscheinend ihr« Absicht wieder aufgenommen, gegen den vom Berliner Sonder- gericht zu lebenslänglichem Zuchthaus oerurteilten Max Hölz noch einmal wegen feiner Straftaten im Dogtlande zu oerhandeln. Der hierzu notwendige Transport aus dem Moabiter Unterfuchungs- gefängnis, in dem sich Hölz zurzeit noch befindet, nach Dresden bildet den Gegenstand eines Konflikts zwischen der Berliner Staatsanwaltschaft und den Verteidigern des Hölz. Im Namen seiner Mitverteidiger Iustizrat Fränkl und Rechtsanwalt Hegewisch- Eelle hatte Iustizrat Dr. Broh bean- tragt, ihn zu dem Transport de» Hölz nach Dresden hinzuzuziehen. Die Berliner Staatsanwaltschaft ist anscheinend. nicht gewillt, diesem Verlangen Rechnung zu tragen: eine endgültige Ablehnung ist jedoch noch nicht erfolgt. Inzwischen hat sich Iustizrat Broh nochmals an die Staatsanwaltschaft des Landgerichts I mit einem ausführlich begründeten Antrag gewandt, in dem es heißt: „Käme es im Falle Hölz zu der Wiederholung eines der vielen Exzesse, die bei dem Transport von Revolutionären bisher in der deutschen Republik gang und gäbe gewesen sind, so würden weite Kreise des Volkes das Vertrauen zu einer völlig unparteiischen D a r st e l l u n g des Sachoerhalts nur dann haben, wenn auch die Verteidigung zu dem Transport michinzugezogen wäre. Ich muß schon jetzt, wenn— wie kaum anders zu erwarten ist— ein fajcher Exzeß geschieht. Sie hierfür verantwortlich machen, da S-e hinreichend gewarnt waren. Herr Staatsanwalt Jäger hotte in öffentlicher Verhandlung erklärt, daß er Kenntnis davon erhalten habe, daß Hölz durch Kommuni st en in Sipo-Uni- form befreit werden solle. Hölz erblickt in diesem angeblichen „Befrsiungsversuch" bereits die Vorbereitung eines beim Transport gegen ihn zu unternehmenden Anschlages, der dann dem Publi» kum als Abwehr diese» Befreiungsversuches plausibel gemacht werden soll. Sollte übrigens die Furcht vor einem Befreiungs» versuch der Grund sein, weshalb der Derteidigung die Erlaubnis zur Begleitung des Transports verweigert wird, so ver- pflichten sich sämtliche Verteidiger ehrenwörtlich, von dem Transport und feinem Zeitpunkte niemandem eine Mitteilung oder auch nur ein« Andeutung zu machen." im Iuliheft von„Westermanns Monatsheften" misführt, jedenfalls keine verneinende Antwort geben. Der Umfang der Alpenvergletfcherung ist in geschichtlicher Zeit nicht unverändert geblieben. Alte Chroniken berichten von Bor- stößen und Rückzügen der Gletscher, die oft mit Katastrophen ver- bunden waren. Die Gletscherforschung ist sich darüber einig, daß selbst eine nur geringfügige Klimaverschlechterung dazu ausreichen würde, die Verhältnisse der Eiszeit bei uns zurückzuführen. Nur über die Art der Veränderung ist man sich nicht im klaren. Die einen meinen, daß schon bei einer Verminderung der mittleren Jahrestemperatur um 2 Grad Celsius das Eis der Alpengletscher bis in die Ebene vordringen würde: die anderen, daß zur Herauf- beschwönmg einer neuen Eiszeit die Veränderung des allgemeinen Klimacharakters vom kontinentalen zum ozeanischen Typus not- wendig sei. Nun ist zweifellos der allgemein» Klimacharakter für die Ver- gletfcherung von großer Bedeutung. Das zeigt ein Vergleich zwischen den Bergketten des Aldangebirges im nordöstlichen Sibirien und dm südamerikanischen Kordilleren. Während die Berge in Sibirien trotz einer um 12 Grad niederen Jahrestemperatur als die mittel- europäischen Klimate an ihren Abhängen keinen bedeutenderen Gletscher tragen, stoßen die Gletscher der patagonischen Kordilleren unter 48 Grad südlicher Breite bis an» Meeresufer vor. Nimmt man an, daß in beiden Klimoten im Winter gleich viel Schnee fällt, so wird dieser Sckmee im sommerwarmen Festlandsklima bis hoch ins Gebirge hinauf abaeschmolzen, im sommerkühlen Seeklima da- gegen von einer gewissen Höhe an nicht mehr bewältigt werden. E« werden daher größere Schneemassen angehäuft, die zur Bildung von Firnlagern und damit zum ständigen Wachsen der Gletscher führen.'Bon entscheidender Bedeutung ist allerdings dabei das Vor- handensein einer Gebirgskette, auf der den größten Teil des Jahres hindurch die Niederschläge als Schnee fallm. Infolge dieser Der- Hältnisse hat man neuerdings den Niederschlagserscheinungen bei der Beurteilung der Gletscherschwonkungen größere Aufmerksamkeit zu- gewendet, und die in so großen Höhen schwere Erforschung wird er- leichtert durch die Wetter- und Gletscherwarte auf dem Jungfraujoch. Schon setzt geht der Vormarsch de» Oberen Grindelwald» g l e t s ch e r s Jahr um Jahr um etwa 100 Meter weiter. Hält dieser Fortschritt an, so würden in rund 10M Iahren die Gletscher des Derner Oberlandes den Brienzer und Thuner See bedecken, nach weiteren Illtzü Iahren dos beute dicht besiedelte Gebiet des deutschen, schweizerischen und französischen Vorlandes völlig unbewohnbar machen und nach«inigen 1000 Iahren ganz Nordeuropa überziehen. .Herzliebchen mein unlerm Rebcndach". Dieses Volkslied, das die Iugendtage unserer Großeltern verschönte, wird auch wohl heute noch angestimmt, ohne daß sich jemand des Komponisten erinnert. Und doch liegt ein« eigene Tragik darin, daß dies Liedchen das einzige Werk ist, das von August Eonradi lebendig geblieben ist, dem Klassiker der Berliner Vossenmustk, dessen 100. Gcburts- tag in diesen Tagen durch eine Feier begangen werden wird. Conrad!, als Sohn eines Polizeisergeanten in der Müllerstraße 1841 zum ersten Male an die Oeffenkichkeit,»Achill, Die Rechte öer Aechenbetrkebsräte. Anläßlich der Debatte über das furchtbare Grubenunglück auf der Zeche Moni Cer-is im Reichstage forderte Genosse H u e bekanntlich die Teilnahme der Betriebsräte an der Untersuchung über die Schuldfrage. Hierbei erwähnte er die Stellung der Betriebs- rät« auf den Zechen, die meist so schwach sei, daß sie überhaupt keinen Einfluß ausüben könnten. Wie berechttgt diese Ausführun- gen unseres Vertreters waren, zeigt folgender Fall, den uns das Arbeitersetretariat Dortmund mittellt. Der Betriebsrat der Zeche ver. Schürbonk u. Charlotten« bürg hatte ein Mitglied beauftragt, neben dem Revier I und Ib auch die Befahrung der 139., 244. und 298. Metersohle des Haupt- fchachtes, sämtliche im Hauptschacht befindlichen Eingänge sowie den Hauptaufbewahrungsort für Sprengstoffe und der bestehenden Richt- strecke zu befahren. Diese Befahrung ist. sehr schwer und zeit- raubend. Die Zechenverwaltung lehnte die Bezahlung dieser 4 Fahrschichten pro Monat seit Januar 1921 a b. Die Verwaltung der Zeche gibt an, diese Strecken und der Schacht seien nicht als selbständige Reviere zu brachten. Ihre Befahrung könne sehr wohl in Verbindung mit der Befahrung der Reviere I und II erfolgen. Der„königliche" Bergrevierbeamte des Bergreviers Dortmund I wies unter dem 14. Juni 1921— Nr. 1318— den Anspruch auf Zahlung von Lohn für Schichten zur besonderen Be- fahrung des Fahrtraums de» Hauptförderschachtes und der Wetter- strecken als unberechtigt ab. Er ist der Ansicht, daß die Be- fahrung des Schichte« und der Sohlenstrecken mit der Revierbefah- rung zu verbinden ist. Diese Emscheidung ist getroffen, ohne daß dem betreffenden Mitglied- des Betriebsrats Gelegenheit ge- geben wurde, sich in der mündlichen Verhandlung zu äußern. Dem „königlichen" Bergrevierbeamten genügt« die Auskunft der Zechen- Verwaltung. Bei einer Belegschaft von etwa 1400 Beschäftigten werden tag- lich dem Betriebsrat Beschwerden vorgetragen. Der Betriebs- rat ist verpflichtet, die Beschwerden zu prüfen. Das ist n i cht möglich, wenn die Befahrung im Galopp vorgenommen wird. Im Arbeitersekretariat der freien Gewerkschaften Dortmund werden sehr oft solche und ähnliche Fälle vorgetragen. An anderen Orten wird es kaum ander» fein. Der Abg. H u e hatte daher Recht. wenn er bei dieser Gelegenheit auf die Schwierigkeiten hinwies, die den Betriebsräten entgegengesetzt werden, wenn sie auf die Be- kämpfung der Unfallgefahren auf den Zechen und die Durchführung der Unfallverhütungsvorschriften hinwirken. Die Abgeordneten der Deutschen Dolkspartei und des Zentrums, die dem widersprachen. haben sich wieder einmal als gute Vertreter des Zechenkapital« gezeigt. Agrarier gegen Landarbeiter. Arankfuri a. d. 0, 29. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärt»".) Der Kampf des Großagrariertums gegen den Deusschcn Landarbeiteroerband nimmt immer groteskere Formen an. Nach- dem es dem Landbund nicht gelungen ist, durch seine gelben Der- bände die fteigewerkschaftlichen Landarbeiterorganisationen zu zerstören, greift man jetzt nach dem Muster der Vorkriegszeit zu den schärfsten Repressalien gegenüber den Angehörigen de» Land- arbeiterverbandes. Massenentlassungen von freigewerkschaftlich Or- ganisterten sind keine Seltenheit mehr.- Den Höhepunkt hat dieses Treiben jetzt dadurch erreicht, daß die Verwaltung des Gutes Schlagenthin bei Müncheberg ohne Angabe irgendeines Grün» des ihre gesamte Arbeiterschaft fristlos entlassen hat. Der einzige Grund ist natürlich die Zugchörigkett zum Deutsche» Landarb eitern er band. Jetzt sucht die Verwaltung in den bürgerkch-n Z-tti«gen de, Kreises unorganisierte oder gelb« Arbeiter. Di« Le- buser- Kreisverwaltung de» Deutschen Land arbeiterverbandes warnt dringend vor Zuzug nach Schlagenthin. Charakteristsscherweise ist das verschärfte Vorgehen der Agrarier gegen die organisierte Ar- beiterschast sett dem Wechsel im preußischen Ministerium des Innern zu beobachten. Die Großgrundbesitzer wissen genau, daß unter Domin icus' Regime die zuständigen Landräte usw. nicht mehr den notigen Rückhalt haben, wenn sie durch ihr Ewgreifen die Herren Landwirt« zur Tariftreue zwingen. Wir raten dem Regierungspräsidenten w Frankfurt a. d. O., unseren Genossen Bartels, dringend, sich nicht nur der Sache, sondern des Prinzips wegen um den geschilderten Fall besonders angelegentlich zu kümmern._ „Wilhelm Tell",„Muza Haireddin, der letzte Mcruerenjfürst". waren die Titel feiner Opern, die ihm keine Lorbeeren eintrugen. 1843 wurde er Organist an der Kirch« de. In- validenhauses und fand die Unterstützung von Liszt, der ihn 1844 nach Weimar zog, wo er die Werke Liszts instrumentierte. Die „laffo" und„Goethe-Fesrmorsch" in semer Instrumentierung sowie Weimarer Feier von Goethes 100. Geburtstag, bei dem Liszts Stücke von zwei Sinfonien von ihm aufgeführt wurden, war der künstlerische Höhepunkt seines Lebens. Seit 1854 aber wirkte er kortdauemd in Berlin am König städtischen und am Wall- ner- Theater, und diese enge Berührung mit der Posse lenkt« seine Tätigkeit m Bahnen, die ihn zu viel größeren Erfolgen führten. Er verfaßte die Musik zu den beliebten Possen David Kalisch« und hat dann weit über 100 Volksstücke, Liederspiele, Schauspiele, Ausstattungsstücke musikalisch illustriert. Mit dem Siegeszug, den manche dieser Werke über die Theater Deutschland» und die beut- scheu Auslandbühnen antraten, wurden auch Conradis heitere Weisen allgemein bekannt und beliebt. Was seiner ernsten Musik versagt blieb, wurde diesen leichten Arbeiten zuteil: eine Volkstümlichkeit, um die man ihn mit Recht beneiden konnte. Als er am 26. Mai 1873 starb, hinterließ er alles, was er an irdische» Gütern gewonnen hatte, den Annen. Die Impfung der Masern. Auf dem diesjährigen Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde wurden bedeutsame Mit- teilungen über die Gewinnung eines Impfftosses gegen Masern gemacht. Heber die Untersuchungen, die an der Münchener Univer- sitäts-Kinderklinik ausgeführt wurden, berichtete Dr. Degkwitz. Don der Gleichartigkeit der Pocken- und Masernerkrankung wurde auf eine nahe Verwandtschaft beider Krankheitserreger geschlossen und die Möglichkeit ins Auge gefaßt, baß die bekannte Eigenschaft des Pockenerregers, unter veränderten Lebensbedingungen seine Giftig- keit für den Menschen zu verlieren, auch eine Eigenschaft des Masern- erregers sein könnt«. Auf diese Weis« gelang es, den Masernerreger zu züchten und so abzuschwächen, daß di« Kulturen als Impfstoff verwendet werden konnten. Kinder, die noch keine Masern gehabt haben, wurden mit solchen Kulturen infiziert und bekamen 12 bi» 15 Tage nach der Impfung leichteste Krankheitserscheinungen. Sie erwiesen sich dann nach Wochen und Monaten den schwersten Maserninfektionen gegenüber als immun. Da es jetzt gelungen ist, den Masernerreger auf Nährboden mit einer tierischen Ciweißqnelle zum Wachsen zu bringen, so eröffnet sich die Aussicht auf die Mög- lichkeit einer wirksamen und durchgreifenden Masernbekämpfung durch Impfung._ > Offiziere, da» tapfere SLauspiel von HenS Seseman«. besie» realistische Tchllderimgen de» Kriege» und der Etappe bei der Aufführung in Berlin starten Eindruck hervorriesen. ist jetzt lm Pi-nierverlag Hamburg in Druck erschienen. Ts sollt« immer wieder ben L-uten vorgelesen werden, die da» Märchen von der„erdolchten Front- verbreiten. ?te wro??e BolkSoper Berlin gibt am Sonnabend lm Zo ein großes Sommccse't. ES wirken mit: Di« StaatSIavelle(Leo Blech), das Philharmonische Orchester(Gustav Brecher), Juli»» EtnödShöfer, der Lebrrr, gesangverein, der Berliner Sängerverem, der Erksche Mäwiergrsangveretn. Kabarett, Marionettentheater, Ball vervollsUndlgen da» Programm. Der sechste Kriegsverbrecher-Prozeß. Vor dem Reichsgericht in Leipzig begann heute morgen der Prozeh gegen den Generalleutnant o. D. Stenger und Major c. D. Crusius, die von den Rechtsanwällen Dr. Fitzau(Torgau) und Dr. Lemcke(Bremen) vertreten werden. Dieser Prozeh ist der erste, der auf französische Anschuldigung erhoben wird. Den Borsitz führt wiederum Senatspräsident Dr. Schmidt, der zu Beginn der Sitzung erklärt, daß der Oberreichsanwalt hinsichtlich der von der französischen Liste erhobenen Beschuldigung wegen eines Befehls zum Erschießen französischer Gefangener keine Anklage erhoben habe., Dr. Schmidt verweist ferner daraus, daß die An- fchuldigungen von französischer Seite bereits im Jahre 1914 Anlah gaben, gegen Deutschland den�Vorwurf der Barbarei zu erheben. Stenger soll damals den Korpsbefehl gegeben haben, dah alle französischen Gefangenen oder Verwunde. >en zu töten seien und daß keine Gefangenen gemacht werden dürften. Crusius wird vorgeworfen, in mehreren Fällen vor» sätzlich die Erschießung von französischen Gefangenen und Derwun- deten veranlaßt zu haben. Stenger schildert sein« Tätigkeit als Kommandeur der 58. Bri- gade, mit der er im August 1914 in Lothringen war. Nach der Schlacht bei Saarburg am 21. August seien er und sein Stab von stanzösischen Soldaten, die sich tot oder verwundet stellten, non hinten beschossen worden. Als derartig« Meldungen sich häuften, habe er seiner Umgebung und vielleicht auch vorüber- marschierenden Truppen gesagt:«Die Feinde sollen in den Bäumen sitzen, von oben herab schießen, auch Verwundete und angebliche Tote sollen hinterrücks schießen. Hütet Euch davor! E» kommt nicht darauf an. Gefangeue zu macheu. sondern sich zu wehren oder zu schützen vor den Feinden! schießt sie von den Bäumen wie die Spatzen!" Diese Wendungen habe er natürlich niemals- in einen schriftlichen Befehl aufgenommen. Auf Befragen des Borsitzenden erklärte der Angeklagte, er halte die Kampfesweise der auf den Bäumen oersteckten Franzosen für völkerrechtlich erlaubt: dann aber müsie es auch erlaubt fein, sich gegen dies« völkerrechtlich zulässige Kampfhandlung zu schlitzen. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Waffenstillstand in Irland! Pari», 29. lluui.(TA.) Aus London wird berichtet: Alan glaubt, daß mau am Vorabend eines Alaffeustlllstaudes in Irland steht. Die Regierung hat das Einstellen der Hiurichtuugeu augeordnet für die Dauer der Verhaudluageu, die erösfuel werden sollen. Sie verlangt andererseits von den Sinnfeinern. daß fie auf die terroristischen Akte verzichten. Die englische Regierung soll bereit sein, die Einheit Zrland» anzuerkennen und würde ge- neigt sein. Zrland ein nationale» Parlament zn bewilligen, welche» in Dublin tagen würde. Die Sinnseiner würden eine Auto- nomie Zrland» als Dominion annehmen. Tevaleras Antwort. London, 29. Juni.(Reuter.) In seiner Antwort an Lloyd George erklärt Devalera: Ich berate mich mit so vielen der Haupt- Vertreter der irischen Nation, wie erreichbar sind. Wir haben den ernstesten Wunsch, dazu beizutragen, einen dauerhaften Frieden zwischen den Völkern dieser beiden Inseln herbeizuführen, sehen aber keinen Weg, wie dies erreicht werden kann, wenn Sie Irlands tatsächliche Einheit leugnen und den Grundsatz der Selb st- bestimmung beiseite setzen. Bevor ich ausführlicher antworte, fuche ich eine Konferenz mit bestimmten Vertretern der polltischen Minderheit von Irland herbeizuführen. In einem Schreiben an Craig und vier andere führvnde Unionisten weist Devalera darauf hin. daß die Antwort, die er an Äoyd George senden werde, auch da« Leben und Eigentum der politischen Minderheit von Irland in Mitleidenschaft ziehen werde. Deshalb wünsch« er. zuerst ihre Slnstchten zu hören, und lade sie des- halb zu einer Zusammenkunft mit chm im Dubllner Rathause am 4. Juli morgens ein. Die Unionisten wünschen im Gegensatz zu den Sinnfeinern, dessen Führer Devalera ist, den nationalen Zusammenschluß von England und Irland. Sie stammen fast alle aus der Grafschaft Ulster im Norden Irlands. Da die Bevölkerung von Ulster zum größien Teil p r o t e st a n t i s ch ist, herrscht zwischen Ulster und dem katholischen Irland eine gewisse Spannung, die bei dem Fanatis- mus beider Parteien auch politisch zum Ausdruck kommt. Vor dem Kriege wurde eine Uebgrbrückung dieser Gegensätze vergeblich oersucht. Der Krieg im Grient. London, 29. Juni.(TU.) Aus Konstantinopel wird gemeldet: In den letzten drei Tagen haben in der Gegend von Ismid deftige Gefechte stattgefunden. Die Griechen versuchten die 1. Division zurückzuziehen. Die Kemallsten ergriffen die Gelegenhell, um die sich zurückziehenden Truppen zu belästigen. Die türkischen Kanonen beschossen Ismid, das von Marinesoldaten verteidigt wird. Die griechischen Kriegsschiffe im Hafen antworteten heftig. Schlleß- lich wurden die Griechen gezwungen, einen Teil der 1. Division zurückzurufen, die den allen Zustand wieder herstellten. London, 29. Juni.(EP.) Eine Depesche aus Konstantinopel meldet, daß die Alliierten die Vertreter der Stadt ersuchten, Ismid nicht zu räumen, da diese Räumung Konstanttnopei der Gefahr eines temalistifchen Angriffes aussetzen würde.(Ismid liegt 80 Kilometer östlich von Konstanttnopei und ist durch eine Bahnlinie über Haidar Pascha mll Stambul am Bosporus ver- Kunden.) London. 29. Juni.(WTA.) Der� Sonderberichterstatter der „Times" telegraphiert aus Smyrna:: Der König, Kronprinz Georg, Prinz Andreas und General P a p u l o s, der Kam- Mandant der griechischen Streitkräfte, verkästen heute Smyrna, um sich an die Front zu begeben. Der Moskauer Kongreß. Riga, 28. Juni.(OE.) Ginowjew erklärte in seiner Er- öffnungsrede, jetzt stehe der Kampf gegen die Amsterdamer Inttr- nationale auf der Tagesordnung. Der Internationale Rote Gewerk- lchaftsrat vereinige bereits über 16 Millionen Arbeiter.(?) Im Namen der Kommunistischen Partei Deutschlands sprach Fröhlich, im Namen Frankreichs begrüßte Abg. Vaillant Couturier die russische Rote Armee und sagte, daß beim Ausbruch der franzö» ttschen Revolution die russische Rote Armee den stanzösischen Genossen zum Siege verhelfen werde.— Der zweite Kongreßtag brachte ein Referat T r o tz k i s, das in deutscher Sprache erstattet und gleich ins Französische und Englische übersetzt wurde. Trotzki legte ziffern- mäßig dar, daß die Lage in Deutschland einem Staatsbankrott gleich käme. Amerika und Japan hätten sich auf Kosten des oerelendeten Europa bereichert. Der zeitweilige Auffchwung des Wellwirtfchasts- leben? berechtige keineswegs zur Annahme, daß die Gefahr der Re- volution überwunden fei. Die Verschärfung de» Klastenkampfes mache große Forstchritte. Gegenwärtig habe man es-nicht mit einer ein- beitlichen Arbellerklaffe zu tun, sondern mit zahlreichen Arbeiter- schichten, die teilweije während des Kriege» entstanden seien. In den kapitalistischen Ländern würde das verarmte Kleinbürgertum zum G c g n c r der vertrusteten Großbourgeoisit. Hinzu käme die kritische internationale Lage: die Konflikte(?) zwischen England und Frankreich in bezug auf Deutschland und vor allem die Zuspitzung d« engllsch-amerikanische» Beziehungen. Das«lgllsch-jaxanische j Bündnis fei gegen die Vereinigten Staaten gerichtet: im Jahre 1924 I werde die amerikanische Flotte größer sein als die britische und l japanische Flotte zusammen. Infolgedessen mllste man mit einem baldigen bewaffneten Zusammenstoß zwischen England und den Ver- einigten Staaten rechnen.(Inzwischen versichert England, daß sein Bündnis mit Japan nicht gegen Amerika gerichtet fei. Red.) Diese ganze Situation rechtfertige die bisherige Kompfpolitit der 3. ynter- nationale, doch fei eine erneute Beratung der Kampfmethoden er- forderlich, wobei jedem Lande gegenüber eine besondere Taktik befolgt werden müste. Soll diese besondere Taktik einhelllich im fernen Moskau be- schloffen werden? Und wenn nicht, wozu dann die berühmten Be- dingungen? • Der Kongreß der B r i t k s ch e n Arbellerpartei forderte auf An- trag Snowdens von der Moskauer Regierung die sofortige Ab- beruftmg der russischen Truppen aus Georgien mid brachte dem vom bolschewistischen Imperialismus unterjochten georgischen Dolte die wärmste Sympathie zum Ausdruck. Ein neues Zuchthausurteil. Bon dem außerordentlichen Gericht in Nordhausen wurde gestern der Kommunist, Stadtrat F r o n z k e aus Sangerhausen, wegen Beihilfe zum Hochverrat zu S Jahren Zuchthaus und 6 Iahren Ehrverlust verurteilt. Groß-Berlw Ist öas noch nichts! Selbst an den wenigen Tagen, die unseren Deutschnattonalen nicht als Siegestage oder Geburtstagsfeiern fürftticher Schreihälse heilig sind, baumeln genug schwarz-weiß-rote Fähnchen im Winde. Erst wenn ich mit der Borortbahn in Richtung Osten aus Berlin fahre. sehe ich manchmal über den Laubenkolonien der Berliner Arbeiter die Fahne der Republik wehen. Vor einem Vierteljahr noch konnte ich jeden Tag den Anblick einer kleinen schwarz-rot-goldenen Fahne in Groß-Berlin genießen. Diese Fahne knatterte auf einem Spreekahne, der dem ehemals kaiserlichen Schloß gegenüber stiedlich im Wasser lag. Ein großes Plakat kündigte an, daß in diesem Kahn ein Riesenwalfisch zu sehen sei. Selbst dieser dickfellige Riesenwalfisch, dachte ich, hat die Zeichen der neuen Zell begriffen, um wieviel dickfelliger präsentiert sich dem- gegenüber das edle Gemüt unserer Deutschnationalen. Aber meine Freude sollte, wie jede Freude, nur kurze Zell währen. Neulich gehe ist wieder mal über die Brücke, die in den Lustgarten führt. Wie man einen lieben Bekannten freundlich grüßen will, wende ich mich langsam. Und siehe da: die Fahne hat sich schwarz-weiß-rot umgefärbt. Die Reaktion hat ein neues Ricfenvieh, einen Walfijch, für ihre Ideen begeistern dürfen. Ist das noch nichts?' die verantwortungslosen Unabhängigen. Die Stellungnahme der im Magistrat stark vertretenen llnab- bängigen zu dem vom Magistrat vorgelegten Etat für Groß- Berlin steht in der Geschichte der Berliner Kommunaloerwaltung einzig da. Den Wortlaitt der für ihre Ablehnung des Etats in der gesstigen Stadtverordnetensitzung abzegsbeuen Erklärung, deren Verlesung im Lärm unterging, liest man jetzt in der„Freihell". Das Gesetz über Groß-Berlin entspreche nicht den Forderungen der Unabhängigen, die Selbstoerwallung werde durch die Aufsichrs. behörden ständig verhindert. Trotzdem Habs die Fraktton der Un» abhängigen positiv mitgearbeitet und mancher Belastung der Be. völterung trotz schwerster Bedenken zugestimmt, nur um finanzielle Schwierigkeiten zu vermeiden. Sie könne aber der neuen Be- lastung der Minderb emlltellen durch Erhöhung des Gas- und Elek- stizllätspreises zur Deckung des Fehlbetrages im Erat 1921 nicht zuslinimen, weit noch weiter« Erhöhung durch Kohlenverteuerung in Aussicht stehe. Sie müsse oerlangen, daß dos Reich den Bedürf- nisten Groh-Berlins mehr entgegenkommt und daß die fehlende Summe durch höhere Ansätze bei der Reichseinkommensteuer, der Umsatzsteuer, durch eine Wettrennsteuer, Plakatfteuer, Steuer auf Segelboote und Jachten und durch Ersparniste bei unnötigen Aus- gaben ergänzt wird. Auch nach dieser Erklärung wirkt die Hallung der vor jeder Verantwortung sich drückenden Unabhängigen noch blamabel und skandalös. Sehr hübsch machte es sich, daß die zu den Unabhängigen gehörenden Magistratsmitglieder, sowell sie zu- gleich noch Stadtverordnete sind, sich der Abstimmung über den Etat fernhiellen. War das Fraktionsbefchluß? Rur der kommunistische Stadstat Stall hatte den Mut der Konsequenz und stimmte als Stadtverordneter mit seiner Fraktton gegen den vom Magisstat vorgelegten Etat. Die Fraktionen der Rechten und ihre Preste jammern über de n„roten Magistrat" und die ihn stützende rote Mehrheit der Stadtverord» netenoersammlung, aus deren Beschlüssen für die nächsten Stadtverordnetenwahlen die Nutzanwendung zu ziehen sei. daß eine schwarz-weiß-rot« Mehrhell zustand« gebracht werden müsse. Ach, die rote Mehrheit der Stadwerordnetenversammlung verurteilt sich ja selber zur Machtlosigkeit— und dem von ihr eingesetzten Magisstat, der die Stadt vor vollständigem Bankerott bewahren will, gibt sie einen Fußtritt. An solchen Beispielen kann die sozialistische Bevölke- r u n g erkennen, wie kurzsichttg die gehandelt hat, die bei den Stadtverordnetenwahlen sich den Unabhängigen und den Kommu- nisten zuwandte. Hätten wir statt dieser blödsinnigen Kräftezer- splitterung eine starke sozialdemokratische Fraktion. die allein schon die Mehrheit bildete, so wären wst in unserer neuen und größeren Etadtgemeinde Berlin längst sehr viel wetter und hätten Segensreiches zum Wohl der werktätigen Bevölkerung schaffen können. Die Sladkverortmekenwahlen vorausstchffich ungültig. Obgleich vom Oberverwaltungsgericht noch kein Urteil aus Un- gülttgkeiiserkläruvg der Berliner Stadtverordaetenwahlcn ergangen ist, hält man es im Berliner Rathau» doch für zmelfello», daß diese Ungültigkeitserklärung in der Tat er- folgen wird, voraussichtlich wird das Urteil in nächster Woche bekannkgegeben werden. Ml Neuwahlen wird dann für September gerechnet._ ver Kampf mit dem Sumpfgeläuöe. Die Bauarbeiten der südlichen Friedrich ftraße vor Abschluß. Der schwierigste Teil der Bauarbeiten, die Ueberbrückung des Sumpfgeländes zwischen der Hedemann st raße und der Handels statte Bellealliance ist jetzt sowell gefördert, daß die durch den Tiefbaussteik verursachte Verzögerung in der Bau- ausführung nahezu wieder eingeholt worden ist. Die Rammarbeiten für den Pseilerrost, der aus insgesamt 725 Pfählen aus Eisen- beton besteht, ist zu Ende geführt worden. Nunmehr werden die letzten Arbeiten an der Verteilerplatte, die die Köpfe dieser Eisen- betonpsähle verbindet, auegeführt, auf d« dann unmittelbar die Tunnelfohle hergestellt wird. Eine ganze Reihe von Borsichtsmaß. nahmen sind gestoffen morden, ixm da« Bauwerk einschließlich der Pfähle vor den schädlichen Einwirkungen der im Sumpfboden ent- halten en Moorsäure zu schützen. Jeder Pfahl, die etwa 1 Meter starke Verteilerplatte wie auch die Außenhaut des Tunnels ist durch eine starke Schicht Asphalt geschützt, so daß die Moorsäure nirgends Zutritt zum Beton hat. Diese Abdichtungsarbetten müssen mll außer- gewöhnlicher Sorgsoll durchgeführt werden, um den Bestand des Baues zu sichern. Stellenweise, wo die Tunnelsohle bereits fertig- gestellt ist, wird jetzt an den Seitenwänden und an der Tunneldecke gearbeitet. In diesem Teile der Friedrichstraße bestehende Straßen- sp errungen für den Wagenverkehr werden also-voraussichlllch in etwa 4 Wochen wieder aufgehoben werden, wenn die Tunneldecke hergestellt ist und die erste vorläufige Pflasterung, die zwischen dem Belleallianceplatz und der Handelestätte bereits fertiggestellt ist, auch auf der nördlichen Strecke des Loses 6 ausgeführt ist. Der Hund deS Laubenkolouisten. Aus Anfragen von Laubenkolonisten bezüglich der Steuerfreiheit für Wachhunde in b>er Lauben- kolonie geht hervor, daß unter den Beteiligten noch nicht ge- nügend bekannt ist, an welche Voraussetzung die neue Hundesteuer- ordnung vom 23. März 1921 die Steuerfreiheit knüpft und welche Erfordernisse der Antrag auf Befreiung erfüllen muß. Die städtische Steuerverwallung gibt deshalb folgendes bekannt: Steuerfteiheit ist auf Antrag zu gewähren jür Laubenkolonien bis zu 39 Kolonisten für einen Hund, für Laubenkolonien bis zu(5l> Kolonisten für zwei Hunde, für Laubenkolonien mit mehr, als 30 Kalonisten für 8 Hunde. Der Antrag aus Steuerfreiheit ist an das zuständige Bezirkssteuer- amt zu richten. Zur Begründung ist ein einfacher Lageplan erforder- lich, in dem die örtliche Lage der Kolonie, die Zahl der einzelnen Lauben und die Namen der Kolonisten verzeichnet sind. Ferner sind die für die Bewachung bestimmten Hunde nach Namen, Raste und Standort, sowie deren Eigentümer anzugeben. Schließlich ist. wenn der Antrag nur von einem oder einzelnen Kolonisten gestelli wird, der Nachweis zu erbringen, daß sämtliche übrigen Kolonisten der Bewachung der Kolonie durch die angegebenen Hunde zugestimmt haben. Unter dem Zwange deS Geliebten. . Wegen vieler Schwindeleien und Diebstähle wurde, wie wir mitteilten, eine 36 Jahre alte Witwe Ida H e n n i g— nicht Hering — von der Steglitzer Kriminalpolizei verhaftet. Die weiteren Er- Mittelungen ergaben, daß die Frau unter dem Zwange ihre» mll- verhafteten Geliebten, des früheren Pvstkastierers Kosinski aus Polen, handelte. Kostnski war in Posen angestellt, wo auch Frau Hennig wohnte. Nach dem Tode ihres Mannes, der Billardmeister war, machte er sich an die Frau heran und nahm ste nach Berlin mit, als er flüchten mußte, weil er unter dem Verdachte der Teil- nähme an einem großen Posteinbruch stand. Jetzt zwang er die Frau, die bis dahin ganz unbescholten war, durch Drohungen und Mißhandlung, mit falschen Papieren, die er ihr anfertigte, in großen Berliner Häusern Stellungen als Hausdame anzunehmen und zu stehlen, was Ihr erreichbar war. In einem Falle er- beutete sie für 200 000 M. Schmucksachen, die Kostnski bei einem Althändler verkaufte. Den Erlös brachte er mit anderer weiblicher Gesellschaft durch. So jagte erdieFrau von einer Stelle zur andern, bis auf Äeranlastung der Kriminalpolizei die Zei- tungen vor der gefährlichen Hausdome warnten. Aus Furcht vor ihrem Peiniger nahm die Frau bei ihrer Verhaftung zunächst alle Schuld auf sich, bis die Kriminalpolizei den wahren Sachverhall aufklärte. Aeudenwgeu Im Köpeulcker Siraßenbahnverkehr. Am 1. Juli wird die Linie 6(Bahnhof Adler?boi»Mablidorf»Süd) anstatt nach Mablsdorf< Süd durch die Kaiser-W�helm-Straße noch Bahnhof Friedrichsbagen geführt und vom Bahnhof AdlerShof nach Nlt- glienicke verlängert. Sie erhält die neue Liniennummer 184. Di« Linie 8(Marienstraße-Friedrich�bagen) und 7(SpindlerSfeld-Fried- richshagen) sowie die Linie Aliglienicke» Bahnhof AdlerShos der vormaligen Teltower Kreisbahnen kommen damit in Fortfall. Der Fahrpreis aul der neuen Linie 184 beträgt für eine ununterbrochene Fahrt—• ebenso wie auf den übrigen Linien der vormalige» Köpenicker Straßenbahn— 60 Pf., Umsteigefahrscheine im Binnenverkehr kosten 1 M., im Verkehr mit anderen Linien der Berliner Straßenbahn 1.50 M.— Linie 1(Bahnhof Mohlsdorf— Wenden« schloß) erhält die Nr. 163. Linie 2(Bahnhof Köpenick— Bahnhof Grünau) die Nr. 86, Linie 4(Bahnhos Friedrichsbagen— Wasserwerke Müggelsee) die Nr. 85: Linie 10 iMariensiratze— Bahnhof Köpenick) wird nach Bedarf als Einsahlinie 18815 betrieben. Im Binnenverkehr wird eine neue Umsteigestelle am Bahnhof Friedrichs« Hagen eingerichtet Sin lebensmüdes Vrauipaar. Traurige Aufklärung hat das Verschwinden eines Brautpaares aefunden, über das wir vor acht Tagen berichteten. Am 17. d. M. verließen ein 20 Jahre aller Mechaniker Otto Meier und seine Braut Selwo W i n k l e r aus der Wikinger Straße 79 ihre Wohnungen und kehrten nicht wieder zurück. Man fand einen Brief des Mädchens, in dem es mitteilte, daß es beabsichtige, sich mit dem Bräuttgom das Leben zu nehmen. Diesen Vorsatz hat das Paar in der Tat ausgeführt. Beide Leichen wurden jetzt aus dem Tegeler See gelandet. lcr. Tod durch eine Benzolcxplosion. In der W e f e r st r. 18 4 zu Neukölln explodierte durch unvorsichtiges Hantleren mit einer Lötlampe eine großes Venzalfaß. Der Schmiedemeister Waller Sack wurde durch die Gewalt der Explosion auf der Stelle g e» tötet, während sein Sohn Verletzungen erlitt. Die Feuerwehr hatte längere Zeit mit dem Löfchen des entstandenen Brande» zu tun. Warkeräume oder Bierausschank? Aus Erkner wird uns ge- schrieben, daß der W a r t e r a u m auf d-m Bahnsteig A i n einen Bierausschank umgewandelt werden soll, trotz- dem sich auf diesem Bahnsteig bereits eine solche Einrllbtuna befindet und außerdem an vier weiteren Stellen des Bahnhofs Bier aus- geschenkt wird. An kallen und regnerischen Tagen ist dieser Warte- räum ein notwendiger Schutz für das rettende Publikum und es erscheint geradezu unverantwortlich, daß dieser Umbau genehmigt wurde. Ter„Oberschlefler HilfStag- am 8. Juli wird in den Vormittag«- stunden Masievkundgebuniien auf verschiedenen Berliner Plätzen bringen, hrt denen Helferinnen für OberschlefienS Not sammeln werden. Am Nach» mtttag wird bei dem Internationalen Tporllest im Stadion«in Massen« umzug der Cbeischlefler stattfinden. Auch hier wird rege Sammeltätigkell ausgeübt werden. Am Abend wird in der Vbilhannonie Reichskanzler Wirt da» Wort ergreifen. Ein ausgewählter musikalischer und deklamatorischer Tell ist ferner vorgesehen. Ta« Städtische Marionettentheater de« 20. Bezirks spielt am Freltog. den 1. Juli d. I. nachmittag« 4 Uhr in der Jugendhalle(ehem. Seebadi Reinickendorf, Reiidenzflraße 49. Zar Aufführung nelanat ein Märchenbrama in vier Auszügen von Franz Poeci:„Kasperl in Aegypten� oder KaioffriS die Lotosblume. Zum Schluß Kasperletheater mit Hand- puppen. Ttntritl für Kinder 76 Pf., jür Erwachsene 1,60 Ml. Das Wetter für morgc». Für Verlin und Umgegend: Kühl und überwiegend bewölkt, mit leichten Regensällen und leichten westlichen und nordwestlichen Winden._ Sroß-Serliner partetnachrichten. 22.«bt. Smiuzatag abend 8 Uhr bei Sohlte, striedrichoberger Straß» 22. sämtlicher Funktionäre. 84.«bt., Lankwitz. Heute abend 8 Uhr: Seffcntlichr voa»»ersa«ml«ag in der«nla des Realgymnasium». Saalbachstratze. Thema: Der Staapf um die Schule. Referent: Genosse Professor Paul Oestreich. 180.«bt. Frirdrichaseldr. Donnerstag, de» Sä Juni, abend» P/t Uhr, FunWona fPung bei Eutscheid, Wtlhelmstratze It 1 4. Generalversammlung See Nasthlnisten . Karlsruhe. 27. Juni. Di« Generalversammlung wurde heule vormittag in der„Ein- tracht" vom Verbandsvorsitzenden Klebe- Berlin eröffnet. Es sind 60 Delegierte und 3 Vorstandsmitglieder anwesend. Als Gäste sind erschienen Vertreter der badischen Regierung, der Stadtverwaltung Karlsruhe, des ADGB. und verschiedener verwandter Berufsorga- nisationen. Klebe betonte in seiner Eröffnungsrede, auf der einen Seite stehe man unter dem Zeichen schwerer wirtschaftlichen Ver- hältnisie, auf der anderen erhebe die Reaktion kuhner denn je ihr Haupt. Der Verband bedürfe mehr als je der Einigkeit und Ge- schlossenheit. Es folgten sodann eine Reihe Begrüßungsansprachen, von denen die des Vertreters der badischen Regierung, Regierungs- rat B r ü l l- Karlsruhe, besonders bemerkenswert war. Er verwies auf die hohen kulturellen Werte der Gewertschchteil und betonte die Notwendigkeit der Sozialpolitik. Sozialpolitik tteiben, heiße Gemeinschaftspolitik treiben. Der Verbandstag konstituierte sich hierauf und setzte verschiedene Kommissionen ein. Den Geschäftsbericht des Vorstandes erstattete hierauf Verbandsvorsitzender Klebe. Er verwies auf den gedruck- ten Bericht, von dem wir bereits einen Auszug brachten, und be� tonte, die Hauptaufgabe des Verbandes sei es gewesen, die Inter- essen der Kollegenschost möglichst gut zu wahren. Dazu war es nötig, einen guten Verwaltungsapparat und eine starke Organisation zu schaffen Die Stärke und Kraft der Gewerkschaften richte sich nicht nur nach Mitgliederzahl, sondern aucb nach ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung für das gesamte Wirtschaftsleben. Und die fei beim Verband der Maschinisten und Heizer sehr groß: bei manchen großen Kämpfen sei er das Zünglein an der wage gewesen. Die auf dem letzten Verbandstag in Halle beschlossene notwendige Reorganisation sei zum Nutzen des Verbandes durch- geführt worden. Der Verband stehe finanziell heute so gerüstet da, daß man es nicht notwendig habe, sich mit der Beitragsfrage zu beschäftigen. Noch kein Verbar.dstag habe auf solche Erfolge zurück- blicken können. Der Streit um die Arbeitsgemeinschaft habe sehr nachgelassen. Der Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft werde nur aus Unkenntnis der Dinge heraus und ganz selten verlangt. Redner kritisiert, daß dem Verband im Reichs- kohlenrat keine Vertretung zugestanden worden ist. Man habe also gerade die Berussgruppe, die am meisten Kohlen verarbeitet, aus- geschaltet. Klebe besprach sodann eingehend den Kampf des Ver- bandes gegen die technische Aokhilse. Diese sei nicht nur sehr kostspielig. Der Verband müsse versuchen, sie in der Praxis überflüssig zu machen und dürfe grundsätzlich die Ausführung von Notstandsarbeitcn mcht verwerfen. Redner schilderte dann ausführlich die Kämpfe der Organisation in der Berichtszeit, besonders den Berliner Elektrizitätsarbeiterstreik, und sagte in bezug auf Berliner Vorgänge, unbedacht und blindlings könne man auch in der Republik keine Bewegung machen, sonst schlage der Erfolg in das Gegenteil um. Im allgemeinen könne sich der Verband mit feinen Erfolgen bei den Lohnbewegungen sehen lassen. Wenn so weiter gearbeitet werde, würde es gelingen, das Ziel, alle Berufsgenossen in einer Gewerkschaft zusammenzufassen, zu erreich dn.(Zustimmung.) Die Debatte über den Geschäftsbericht des Verbandsvorstan- des ist sehr lebhaft und ausgedehnt. Eine Reihe Redner oerlangt Auskrikk au? der Arbeiksgcmcinschaft, denn diese würde nur dazu dienen, die Profitwirtschaft der Unter- nehmer zu unterstützen. Auch werde darin nur Harmonieduselei getrieben. Ein anderer Redner führte aus, daß der Verband der Maschinisten und Heizer mehr denn je seinen Eharalter als Kampf- organisation wahren müsse. Ein großer Teil der Delegierten war mit der Tätigkeit des Haupworstandes im großen und ganzen ein- verstanden. Der Streik der Berliner E l e k t r i z i tä t s a r b e i- ter und die Verordnung des Reichspräsidenten über das Streikverbot spielten eine große Rolle in der Aussprache. Die Berliner Delegierten sagten, es seien ganz unwahre Behauptungen durch die Presse in die Welt hinausposaunt worden. Es habe sich um keinen wilden Streik gehandelt(Widerspruch), erst nachdem olle Verhandlungsmöglichkesten erschöpft gewesen seien, habe man zu der schärfsten Waffe gegriffen. Obwohl der Haupworstand sich nicht mit der nötigen Energie für den Streik-cingesctzt habe, sei dieser doch mit dem Sieg der revolutionären Arbeiterschaft beendet worden. Schlichting vom Hauptvorstand gibt eine eingehende Dar- stellung der Berliner Vorgänge. Die Bewegung sei allerdings nach rein gewerkschaftlichen Grundsätzen eingeleitet, aber nicht nach gewerkschaftlichen Grundsätzen zu Ende geführt worden. Die Streikleitung habe die Vcrbandsinstanzen ausgeschaltet. Die Streikleitung habe versucht, auch die übrige Arbeiterschaft in den wilden Streit hineinzuziehen. Notwendig sei, daß die verantwort- lichen Führer auch den Mut hätten, der Masse im entscheidenden Augenblick entgegenzutreten. In Berlin sei es so gewesen, daß nur ein bestimmter Personentreis Beschlüsse gefaßt habe. Den Beweis, daß bei den Berliner Vorgängen politische Drahtzieher mit am Werke gewesen seien, liefere eine Broschüre der VKPD., die Stellung nehme zum Fall Sült. Nur dem energischen Eingreifen der Hauptoorstands- Mitglieder sei es zu verdanken, daß die gemahregelten 32 Berliner Kollegen wieder eingestellt und die reaktionären Berliner Direktoren entlassen worden seien. Cohen, der Vertreter des ADGB., weist darauf hin, daß die Arbeitsgemeinschaften nur eine Fortsetzung der Tarifpolitik der Ge- werkschaftcn seien. Man müsse die Arbeitsgemeinschaften zum Vor- teil der Arbeiterschaft benutzen, sie bedeuteten aber keine prinzipielle Festlegung. Der Artikel 165 der Reichsverfassung garantiere die Anteilnahme der Arbeitnehmerschaft an Erledigung der Wirtschafts- fragen. Es wäre möglich, daß die Arbeiten in der Arbeitsgemein-' schaft durch die Bezirkswirtschaftsräte abgelöst würden. In der Reichsarbeitsgemeinschaft hätten die Unternehmer eine Erklärung ab- gegeben, daß sie die geplante Brotpreiserhöhuna durch entsprechende Lohnerhöhung ausgleichen wollten. Es sei nun Aufgabe der Gewerk- schaften, diese Lohnerhöhung auch durchzudrücken. Auf Grund der gegenwärtigen Situation liege nichts vor, das den Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft rechtfertige. In der weiteren Debatte ttat noch eine Reihe Befürworter der Arbeitsgemeinschaften auf. Verlangt wurde, daß die Schlich- tungsordnung revidiert werden müsse. Der Verbandsbeirat müsse, um wirksame Arbeit leisten zu können, nach Industriezweigen zu- sammengesetzt werden. Ueber Grenzstreitigteiten mit anderen Der- bänden wurde lebhaft Klage geführt und energischeres Vorgehen des Vorstandes des ADGB. verlangt. Ein Redner trat für tatkräftige Unter st ützung der Baugenossenschaften lebhaft ein. Die Aussprache zog sich noch bis zum Schlüsse des ersten Ver- handlungstagcs hin und wurde dann durch Schlußantrag beendet. Der Verbandstag vertagte sich hierauf auf Dienstag. OewerW>Qftsbl?Vegung Magistratsäufternng zum GutSarbeiterstreik. Aus der gestrigen Stadtverordnetenstpung seien hier die Ausführungen des Magistratsvertreters Stadttat Koblenzer zum Streik der Gutsarbeiter erwähnt. Soweit bei dem im Saal herrschenden fast unaufhörlichen Lärm zu verstehen war, bezeichnete er es als unzutteffend, daß inzwischen Bodenerzeugnisse verkommen oder zu Spottpreisen oersch'eudert worden seien; die Verwaltung habe das Heu möglichst vorteilhaft abgegeben. Eifrigst sei die Tarifdeputation bemüht gewesen, zur Vermeidung des Stteiks eine Einigung zustandezubringen, und sie habe weites E n t- aegenkommen bewiesen ttotz ihrer Kenntnis der durch die Finanzlage der Stadt gebotene Stellungnahme des Magistrats. Wenn kommunalen Betrieben die Aus- gabendeckung unmöglich wird, könne das jeden Versuch zu weittrer Sezialisicruna diskreditieren. Auf einen Zwischenruf des Stadtv. N a w r o e k i(Komm.) von einem„guten Mittagessen beim Herrn Jnsvektor in Hobrechtsfelde" erwiderte Koblenzer: Wer sich mir gegenüber eine solche Aeußerung erlaubt, dem will ich nicht sagen, wofür ich ihn halte.(Zwischenruf Nawrockis.) Wenn Sie so etwas behaupten, find Sie ein Lügner.(Vorsteher Weyl: Der Ausdruck„Lügner" ist unzulässig— auf beiden Seiten!) Unter andauerndem Lärm erklärte Stadtrat Koblenzer zu der Drohung eines Sympathiestreiks anderer Arbeiter der Stadt, der M a- gistrat sei nicht geneigt, davor zurückzuweichen: auf die Dauer werde e? imerttäglich. ständig mit solchen Drohungen rechnen zu müssen. Mitbestimmungsrecht werde auch den Guts- arbeitern schon nach Möglichkeit gewährt, und ihre Mitwirkung bei Abstelluna von Mißständen könne dem Magistrat nur erwünscht sein. Desto mehr Vsrantwartungsaefühl müsse ober dann auch die Arbeiterschaft haben: sie müsse einsehen, daß man nur geben kann. was man� hat. Weisere Konzessionen in bezug auf L o h n h ö'h e und Mitbestimmung könne der'Ma- gistrat nicht machen. Wollten die Sozialdemokraten im Ma- nistrat drauflos wirtschaften und Bankerottpolitik treiben, so seien sie nicht wert, an dieser Sttlle zu stehen. Anders zu handeln, wäre nicht zum W chlc der Arbeiterklasse, sondern zu ihrem Schaden. Da die Veschlußfähiakeit nicht gegeben war, wurde die weitere Beratung auf Donnerstag vertagt. Protcstversammlung der Polizcibeauitcn. Der Verband der Polizeibeamten Preußens(Bezirk Berlin) taste am Dienstag in der Bockbrauerei, um wegen der Nicbtüber- nähme verschiedener Polizeinspektoren und Oberwachtmeister der Vororte in den Staatsdienst Protest zu erheben. Wie Poktzeiinspek- tor Bäcker ausführte, will das Ministerium nicht die Pflicht des Staates zur restlosen Einstellung aller der in Frage kommenden Polizcibeamton anerkennen. Auch der Städtctaq habe die Pflicht verneint. Es müsse die Anerkennung also auf dem Verhandlunqs- wege erreicht werden.— Von diesem Gesichtspunkte aus sprachen auch die folgenden Redner. Es bandle sich jetzt nur noch u m d i e llebernahme von etwa 16 Oberwachtmeistern und 3 Inspektoren. Man habe erklärt, keine Verwendung für kommunale Obermachttneister zu haben. Das Finanzministerium wolle nicht mehr übernehmen, als Stellen nach dem Etat zu besetzen sind. Seit November 1-319 verhandle man schon um eine staatliche Anstellung der kommunalen Polizeibeamten und doch sei es bis heute nicht möglich gewesen, ihre restlose Uebernabme zu bewirken. Dagegen sei man zu einer Zurücksetzung der Polizei- beamten in der Besoldunasordnung geschritten, gegen die sich die Beamten ebenso entschieden wenden müßten als gegen den Bericht des Kommandeurs der Schutzpolizei Troß-Berlins, der gegen die Beamten der alten blauen und kommunalen Polizei schwere Beleidigungen enthalte. Der Verbandsvorsitzend« Schräder wandte sich gegen die auf eine Bevormundung der Beamten gerichteten Bestrebungen. Ob- gleich vorgesehen sei, bei allen Streitfragen die Berufsvertretung zu hören, habe man hiervon bei den Anordnungen nichts ver- nommen. Nur durch eine festgefügte einheitliche Organisation, ein- heitlich für ganz Preußen, würden die Polizeibemnten zu ihrem Recht gelangen können. Genosse N e u m a n n(M. d. 2.) erklärte, daß die Besoldungs- reform für die Beamten im allgemeinen und für die Schutzpolizei besonders ungünstig ausgefallen sei. Nur durch eine geschlossene Or- ganisation und eine einheitliche Leitung könne ein erwünschter Einfluß auf die Besserstellung ihrer Lage von den Polizeibeamten erreicht werden. Daß der großstädtische Polizeibeamte sich schlechter stehe als die Landjäger, müsse als ein geradezu unhaltbarer Zustand bezeichnet werden. Die SPD. verlange eine Nachprüfung des Ge- setzes und werde ihr möglichstes tun, hier Abhilfe zu schaffen. Daß Anordnungen gegeben und Befehle auszuführen sind, könne nicht bestritten werden. Dabei dürfe man aber nicht vergessen, daß die Ausführenden auch würdig behandelt werden müssen. Man müsse für die Hüter der öffentlichen Ordnung soviel übrig haben, als für die Sicherung ihrer Existenz erforderlich sei.(Stürmischer Beifall.) Genosse Müller(M. d. L.) sprach sich in gleicher Weise für die Polizeibeamten aus. Der Vorsitzende gab noch bekannt, daß man seitens der Ein- bsrufer dieser"Versammlung allen Fraktionen des Landtags ein« Einladung übermittelt habe. Außer den beiden Vertretern der sozialdemokratischen Partei sei aber niemand erschienen. Schließlich wurden einstimmig zwei Resolutionen.angenommen, in denen Protest gegen Zurücksetzung einer Anzahl kommunaler Polizeibeamten erhöben wird. Die Zurücksetzung der Inspektoren die vor dem Kriege nicht Offiziere waren, sei augenfällig. Ferner wird gegen den Bericht des Kommandeurs der Schutzpolizei pro- testiert und an den Minister die Ritte gerichtet, eine nochmalige Nach- Prüfung der Uebernahmeverfügung zu veranlassen. Zum Ende des Bergarbeiterftreiks in England. Die Bergarbeiter haben einer soforttgen Herabsetzung des augenblicklichen Tagelohnes um 2 Schilling, einer weiteren Vermin- derung um 6 Pence im August und weittrer 6 Pence im September zugestimmt. Danach ttitt das dauernde Abkommen in Kraft.— Lloyd George hat das Unterhaus von dem Abkommen in Kenntnis gesetzt, das bis 30. September 1922 mit dreimonatiger Kündigung gilt. In der Debatte wurde die Lösung der Krise mit Freuden begrüßt. Die Annahme des 10-Millionen-Kredits am Freitag steht außer Zweifel.— Die Mitalieder des Vollzugsausschusses der Berg- arbeiter erNärten, daß die Mehrzahl der Arbeiter am Montag wahr- scheinlich die Arbeit wieder aufnehmen werde. An einigen Orttn. insbesondere in Schottland, werden Wochen vergehen, bis alle Berg- leute wieder an der Arbeit sind. Aus der Tschechoslowakei. Der Streik der Beamten der deutschen Banken in Prag hat heute früh mit aller Schärfe eingesetzt. Nach den Blättern deträgt die Zahl der streikenden tschechischen und deutschen Bankbeamten 17 000. — Die Prager„Abendzeitung" meldet, daß in Nordböhmen, Mähren und Schlesien ein Stteik der Brauereiarbeiter ausgebrochen sei.— Ueber die Krisss in der böhmischen Glashütteindusttie fanden in Haida Besprechungen statt zwischen Vcrttetern der Glashütten- industrie und der Arbeiterschaft, an der auch die Arbeiter der Raffinerien teilnahmen. Letztere befürchten, daß sie bei einer längeren Arbeitsstockung der Glashutten ebenfalls arbeitslos würden und verlangen daher von der Regierung Maßnahmen, um die Leistungen und die Absatzmöglichkeit der nordböhmischen Glasindustrie zu heben. Die amerikanischen Eisenbahnbeamken wenden sich gegen die Anordnung �es Arbeitsamts, ihre Gehälter um 12 Proz. zu kürzen. Sie drohen, m den Streik einzutreten. gentralvcrbaad iet AnqesteUten. Gemeinde-, DerwaUunqsanaeiteMe. Funk- tiondrnersammlung Donnerstag abend N/, Uhr in Haoerlands Festssllen, Neue Friedrichstr. 35._ Wictftfyatf Einigung in der plPierpreisfrage. Die Verhandlungen der auf Grund eines Reichstagsbeschlusses eingesetzten Kommission zur Prüfung der Druckpapierpreise haben zu einem gewissen Ergebnis geführt. In der letzten Vollsitzung der Kommiisson, in der die gesamten für die Preisbildung des Papiers maßgebenden Grundlagen nochmals durchbesprochen wurden, wies Staatssekretär Dr. Hirsch mit Nachdruck darauf hin, daß eine Einigung dringend notwendig sei, da bei der jetzigen Finanzlage eine weitere Gewährung großer Reichszuschüsse ooraussichllich nicht mehr möglich sein würde. Die Zeitungsverleger betonten dagegen, daß bei Fort- bestehen des bisher geltenden Preises mit weiteren großen Ein- schränkungen zu rechnen wäre. In direkten Verhandlungen zwischen den Papierfabrikanten und den Verlegern einigte man sich dann auf einen Papierpreis von 3,30 Mark, der ab August in Kraft tritt. Freilisten für das befehle Gebiet. Die Rheinlandkommission hat, wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, für eine ganze Reihe von Waren, insbesondere solche der Textilindustrie, die Ausfuhr aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet von jeder Gcnehmigungspflicht öefreit. Eine weitere Cr- leichterung ist für den Berkehr zwischen den Banken des besetzten und unbesetzten Gebietes angeordnet worden. In Zukunft sollen Pakete mit Wertpapieren, sowie Wertsendungen im Verkehr zwi- schen Banken des besetzten und unbesetzten Gebietes ohne Bewilli- gung des Emser Amtes versandt werden dürfen. Die Rheinland- kommiisson hat außerdem eine F r e i l i st e zusammengestellt, die für die Einsuhr über alle Grenzen des besetzten Gebietes Geltung haben soll, also sowohl für die Einfuhr aus dem unbesetzten Deutsch- land wie aus dem Ausland. Das Eisenbahnwagenmaterial Sowjekrußlaads. Am 20. Mai d. I. zählle man auf dem Eisenbahnnetz Sowjetrußlands (etwa 60 000 Kilometer) 422 052 Eisenbahnwagen, von denen 103834 sich in den Reparaturwerkstätten befanden. Das sowjctamtliche Wirtschaftsblatt„Ekonomitscheskaja Shisn" stellt fest, daß die Zahl der bettiebsunfähiqen Eisenbahnwagen mindestens zweimal so groß ist, so daß ganz Sowjetrußland kaum mehr als 200 000 Eisenbahn- wagen gegen 820 000 im Jahre 1913 zur Verfügung hat. yeraniw. Mr den redatt. Teil: Dr. Werner vritcr, Tharlottenburg: sfirANjeigen: Sb. Glocke. Berlin. B erlag: Borwürig-Berlag G.m.b.H., Berlin. Trucki Bin-. «ürtS-BuGdeuckerei u. LerlaaSanlwlt Paul Singer n. Co.. Berlin Sindonftr. 3 B Dofersleicbbare Preise- cur bis 2. Juli 1321 W zahle ich, da ich vertraglich verpflichtet bin, für Platin-, Gold- u.8ilbersaehen alte Mflnzeri! MQnzensammlungen, Uhren, Ketten, Ringe, ein». Zähne, Zahngeblase Brillanten"xr Kostenlose, ehrliche Abscbfitznnx und Ankauf zu einzig dastehenden, konkurrenzlos. 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Ringkämpfe um das Carl- Abs-Memorial 1921 25 Ringer erster Klasse J i Richard Schikat— Willi Urbach, Pletro Scholz— Will) Rüper, Wladlslaw Wrobl. , ewskl— Hansen Esch u. a.