Nr.ZS7» ZS. Jahrgang Musgabe A Hr. 156 Be,u-iSpreiS, SifrteIJSljtL 30,— M,, monatL 10�- 98. frei ins Sinus, rotous zahlbar, Vril- bezug: Monatlich 10.— M. einschl. Au- stellnngsgebiihr. Unter Kreuzband fiir Deutschland. Danzig. das Saar» und Memelaebict, sowie die ehemals beut» schcn Ecbiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20.— PH, siir das übrige Ausland 27,— M. Post- bestellungcn nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Elowalet. Däne- mark, Öolland, Luremdurg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Voll und Aeit", der Unter- Haltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: «SojIalOcmotcot Berlin' Morgen Ausgabe Nerlinev Volksblatt ( 30 Pfennig) Anzeigenpreis» Die achigespalten, Nonoareillezel?« tostet 3,50 M.„fifeiae Anzrlgen" das tetlgedruckt« Won l/0 illl. lzu- lässig zwei l-ttgednutt» WoNel, sede, weiter« Wort l.— M. klellengesuch, und echlafNellenanz-tge» da, erst« Won U— DU sede» weiter« Won VI Dlg, Won» über 15 Buchsiab«» tähl«n sür zwei WoN«, gamilien-An- »eigen sür Abonnenten Zeile»,— M. vi« Preis« oerstehen sich-inschltehli-d Teuecungszuschl«» Anzeigen sür bi« nächste sttummn müssen dt» ü Ahr nachmittag»»m H-uvtgeschäft. Berlin kW Sil. Luiden. sirahe 3. abgegeben werden. Geöffne» »an 9 Uhr früh bi» S Uhr abends, Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblande ReSaktion und Expedition: SW SS, Lindenstr.3 kV-irnkttre-rt,«»�- Ncdaltion Sssioritiplass»S1VS—»7 z>crliiprrnicr. �xpxz>iti-n Morilsplals 1X753—54 Sonnabend, den N. Juli waffenöiebstaht ohne Ende. Eme vollftäaüige schwere Satterie gestohlen. In der Nacht vom 6. zum 7. Iuni sind, wie unser Liegniher Parkeiblatt mitteilt, aus dem Truppenübungoplalz küsirin 18 G c- schuhe, die zur Vernichtung bestimmt waren, gestohlen wor- den. Es Handell sich um vier schwere Aeidhaubiheu(10 Zentimeter) und 14 Aeldlanonen mit Prohcn, alle vollständig gebrauchsfähig. Diese Meldung stammt aus zuverlässigster Quelle. Sie stand nämlich unauffällig im amtlichen Mitteilungsblatt der Eisenbahndehörde. Der Abtransport dieses Geschühparks, zu dem eine große Anzahl Mannschaften und Pferde gebraucht worden sein mäste», ist angeblich von niemand bemerkt worden! Alle Dienststellen versichern ihre Unschuld. Mied Herr Gehler gegen die Stelleu einschreiten, die fest schlafen, während 18 Geschähe gestohlen werden? Es Handell sich nichk um den einzigen Fall dieser Art. In der Nacht zum 20. Zuai erschienen etwa 30 Personen mit zwei Dastaulos vor dem Ehrenfriedhof in Llegnih und begannen die dort aufgestellten vier Geschähe aus dem Friedhof fortzuschaffen. Der Friedhvfswächler wurde jedoch durch die Geräusche aufmerksam und alarmierte eine Polizeistreife, der es gelang, drei der Täter festzunehmen. Einer derselben ist der Hauptmann v. Nikisch, Führer der Orgcsch in Landkreise Schlesien. Drei Geschähe wurden den Tätern sofort abgenommen, das vierte war aber schon abgefahren und wurde späier in einer Schonung versteckt von Liegnitzer Parkeigeaossen aufgesunden. Die bürgerliche Presse schweigt den gesamten Vorfall lol. Jagow verhöhnt Schiffer. Traugott v. Iagow meldet sich wieder. Durch die rechtsstehende Presse verbreitet er solgende Erklärung: „Auf die Mitteilung des R e i ch s j u sti z m in i st e r s in der Reichstagssigung vom 28, Juni: „Zum Fall Iagow könne noch kein Verfahren stattfinden, weil Iagow erkrankt sei," stellte ich als Tatbestand fest: „Ich war seit März 1920 nicht einen Tag krank." Darauf hat in der Reichstagssihung vom 28. Juni der Reichs- sustizminister nach Zeitungsberichten erwidert: „Der Haftbefehl sei mit Rücksicht auf den Gesund- heitszustand nicht vollstreckt wordkn." Bisher handelte es sich also um das V e r f a h r e n: jetzt um den Haftbefehl. U-ber diesen heißt es in dem maßgebenden V e- schlussedesReichsgerichts vom 28. März 1921 wörtlich: „Durch Sicherheitsleistung im angegebenen Betrage ist Fluchtgesahr als ausgeschlossen anzusehen, und es war, da Derdunkelungsgefahr nicht besteht,- der Z 117 StrPO. anzuwenden." Also: kein Wort über Gesundheit. Daß in einem absolut einwandfreien Zeugnis meines Hausarztes die Gefahr schwerer gesundheitlicher Schädigung durch Unter- suchungshast eingehend begründet wurde, hatte mithin mit der Nicht- Vollstreckung des Haftbefehls nicht das mindeste zu tun: es wider- tzelst Oberschlesien! Folgender Aufruf geht uns zu: Deulsche Arbeiter, Angestellte und Beamte! Die Not unserer oberschlejischen Schwestern und Brüder ist so groß geworden.daß die vom Reich und den Einzelstaaten zur Wer- sügung gestellten oder zu stellenden Mittel zur Linderung der augenblicklichen Notlage der Oberschlestcr nicht ausreichen können. Auf die dringenden Hilferufe der oberschlejischen Gewerkschaften hm hat sich das internationale Rots Kreuz bereit erklärt, alsbald Ab- Hilfe zu schaffen und hat die Durchführung dieses Hilfswerks dem deuischen Roten Kreuz übertragen, Um die dafür erforderlichen gewaltigen Gelder, Kleidungsstücke und Lebensmittel aufbringen zu können, hat sich das deutsche Rote Kreuz unter seinem friedlichen Symbol mit den vereinigten Lcr- bänden heimattreuer Oberschlesier und dem Bund, der deutschen Grenzmarkenschutzverbände im Einvernehmen mit den Reichs- und Staatsbehörden zum .Oberschlesier Hilfswerk" zusammengeschlossen. Da es sich bei den durch die Borgänge in Oberschlesten Bctrof- fenen besonders auch um Arbeiter, Angestellte und Beamte handelt, richten die unterzeichneten Verbände an alle ihre Mitglieder die dringende Bitte, das Oberschlesier Hilfswerk nach besten Kräf- ten zu fördern und zu unterstützen und insbesondere auch in allen Betrieber. Sammlungen für das Oberschlesier hilfswert vorzuneh- men. Die dazu erforderlichen Flugblätter und Sammellisten stellt das Oberschlesier Hilfswerk, Hauptgeschäftsstelle NW. 7, Unter den Linden 78. auf Anforderung gern zur Verfügung, Die eingehenden Gelder sind aus das Konto Oberschlesier Hilfswerk bei allen Danken und Postanstalten oder auf Pcstscheckkonio 112 309 einzuzahlen. Mit dem aeschäftsführenden Ausschuß des Oberschlesier Hilfswerks haben wir Abmachungen getrostem die uns die Gewähr dafür bieten, daß die einlaufenden Gelder richtig verteilt und bei ihrer Verwendung spricht übrigens auch keineswegs meiner obigen Gesundhsitsfcst- stellung. Damit entfallen ungezählte unliebsame Betrachtungen im deutschen Blätterwalde. Aber werden nun die Derfasser an die stolze Männerbrust schlagen und sprechen: Jch.habe geirrt? Wird es der Reichsjustizminister tun? Irren ist menschlich: aber was von der Seil» curulis, dem Amissessel her spricht, sollte nicht irren! Auf die Behauptung, mein Aufenthalt sei nicht bekannt, stelle ich fest, daß ich am 3. Mai d. I, bei der Vernehmung durch den Untersuchungsrichter in Leipzig zu Protokoll gegeben habe:„Ich wohne in Potsdam, Bergerstr. 7." So wenig ich gewillt war, mich der m. C. durch nichts gerecht- fertigten Untersuchungshaft zu stellen, ebensowenig bin ich— allerdings lediglich aus praktischen und politischen Gründen— gewillt, mich etwa dem Verfahren zu elttziehen. Flucht kommt sür mich nicht in Betracht. Obwohl die Verrücktheit der Zeit mich freund- lichst mit lebenslänglichem Zuchthaus bedroht, ist vielmehr mein Ziel: ungesäumter Fortgang des Verfahrens. An die Sldresie des Abg. Dr. Rosenfeld sei schließlich gesagt: die 13monatige Derhängung eines Haftbefehls gegen mich, obwohl ob- jektiv nie Flucht oder Kollusion in Betracht kam, habe ich wie Klassen- justiz empfunden: ich bin aber weit entfernt, solche zu behaupten. Iagow." Der Hohn dieser Erklärung trifft in erster Linie den Reichsjustizminister Schis er, und man muß sagen, daß Herr Schiffer nicht unschuldig an dem ist, was ihm jetzt widerfährt. Wird Herr Schiffer uns jetzt mitteilen, welches d ie S te ll e i st, die Herr o. Iagow für unauffindbar erklärt hat und in welcher Weife er sie für ihr Täuschungsmanöver zur Rechenschaft ziehen wird? Die rechtsstehende Presse höhn- lacht abendrein, daß die Adresse des Herrn v. Iagow im Der- zeichnis- der Fernsprechteilnehmer steht! Auch der "Vorwärts" konnte die Adresse Jagows in kürzester Zeit auf anderem Wege ennitteln: nur daß infolge eines Heber» mittlungsfehlers aus der„Bergerstr." eine„Beyerstr." wurde. I-edenfalls zeigt all das, daß die Stelle, die dem Iustizminister mitteilte, daß Herr v. Iagow unauffindbar sei, mit einer geradezu frivolen Leichtfertigkeit gehandelt hat. Wir haben nicht den mindesten Grund, ein Wort von dem, was wir über den Fall- Iagow geschrieben haben, zurück- nehmen. Im Gegenteil, wir unterstreichen unsere bisherigen Ausführungen und ergänzen sie um die neue Frage: Wie kommt es, wenn Herr v. Iagow seit 13 Monaten ununter- krochen zur Verfügung der Justizbehörde steht, daß bis heute die Sachs noch nicht einmal vom Oberreich san- waltandasReichsgerichtabgegeben worden, ge- scbweige denn das Verfahren eröffnet worden ist. Wer ist für diese Ju st iz Verschleppung verantwortlich? Zu der Beschwerde Jagows über den Haftbefehl aber ein Wort: Als ehemaliger Polizeipräsident von Berlin sollte Herr v. Iagow wissen daß ein Haftbefchl keiner besonderen Be- gründung bedarf, wenn es sich um die Verfolgung eines m i t ZuchthausbedrohtenVerbrechens handelt. Seine Unkenntnis dieser Bestimmung beweist die„hohe sachliche Tüchtigkeit" altpreußischer Beamter. unsere oberschlesisischen Arbeitetameraden entsprechend ihrer Zahl und ihres Notstandes berücksichtigt werden. Berlin, 1. Juli 1921. Allgemeiner Deutscher Gewerkschafisbund. gez. Graßmann. Deutscher Gewerkschaftsbund. gez. Baltrusch. Thiel, Gutschek. Gewerkschastsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamten- verbände, aez. Hartmann. Deutscher Bcamtcnbund. gez. Remmers. t Die Amnestie. Oppeln, 1. Juli.(WTB.) Die Interalliierte Kommission gibt bekannt, daß. gehorsam ihren Anordnungen die polnischen Jnsur- genten und die irregulären deutschen Formationen sich aus ihren Stellungen zurückziehen und am Abend des 8. Juli vollständig auf- gelöst sein werden. Von dieser Unterwerfung befriedigt und eine Besänftigung des Grolles sowie eine Milderung der bestehenden Rasiengegensätze wünschend, hat die Interalliierte Kommission be- schlössen, eine Amnestie für alle ungesetzlichen Handlungen zu ge- währen, die mit dem Aufstand in Zusammenhang stehen, jedoch mit Ausnahme solcher f)andlungen. die in gewinnsüchliger Absicht oder aus persönlicher Rachsucht oder auch aus Grausamkeit begangen wurden. Bon dieser Amnestie werden jedoch alle Perjonen aus- geschlossen, die nach einem noch festzusetzenden Zeitpunkt in unbe- sugtem Besitze einer Schußwaffe oder von Explosionsstoffen be- funden werden. In der Erwartung, daß die Bevölkerung durch ihr Berhalten sich dieses Aktes der Milde würdig zeigen wird, sowie fest entschlossen, jeden Versuch der Störung der öffentlichen Sicherheit zu unterdrücken, fordert die Interalliierte Kommission die Bewohner Oberschlesiens auf, in Ruhe und in vollem Vertrauen auf die Gerech- tigkeit und Unparteilichkeit der alliicrcten Mächte die Entscheidung abzuwarten, die gemäß dem Friedensvertrage von Versailles ge- trösten werden soll. vorwärts-verlag G.m.b.H., SM 68, Lindenstr. 3 DernkBreckev• Verlag, Expedition und Inseraten- ■* ,1)1-1' Abteilung Morivplass 11753-54 Pardon wird nicht gegeben! Vor dem Reichsgericht in Leipzig steht ein deutscher General unter der Anklage, den Befehl gegeben zu haben: „Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht!" Mit Mienen der Angst und des Abschcus weist der angeklagte General die Zumutung, einen solchen Befehl erteilt zu haben, zurück. Und wie er leugnen alle Offizierszeugen, bis auf den einen Major Crusius, die Möglichkeit eines solchen Befehls. Mit ihnen einig ist die ganze nationalistische Presse in der Beteuerung, daß der General Stenger zweifellos nur ein Opfer feindlicher Verleumdungssucht sei. Wäre er es. brächte die Verhandlung den Beweis, daß weder ein solcher Befehl erteilt, noch in seinem Sinne gehan- delt worden ist, so würde uns allen eine Zentnerlast vom Herzen fallen. Denn darin sind wir ja alle einig— nicht wahr?—, einen solchen Befehl im Kriege für schändlich und verbrecherisch zu halten. Wir fühlen alle, es geht hier um die Ehre des deutschen Volkes. Wir müssen uns reinigen entweder von der Anklage, wenn sie falsch, oder von der Schuld, wenn sie erwiesen ist. Wir wollen nichts zu tun haben mit Leuten, die es fertig bringen, die Abschlach- tung wehrloser Kriegsgefangenen anzubefehlen, die durch das internationale Kriegsrecht geschützt sind. Was der General Stenger befohlen oder nicht befohlen hat, ist Gegenstand der Beweisaufnahme in Leipzig. Aber ein Befehl, den einst ein anderer erteilt hat, steht in der Geschichte fest. Rur von ihm soll hier weiter die Rede sein. ,Am 27. Juli 1900 schiffte sich in Bremerhaven eine Ab- teilung deutscher Soldaten nach China ein. Sie sollte teil- nehmen an der Niederwerfung des Voxeraufstandes, in dessen � Verlauf der deutsche Gesandte in China, Freiherr v. Kctteler, ermordet worden war. An diese Truppe hielt W i l h« l m II. eine Ansprache, in der er sagte: Kommt ihr an den Feind, so wird derselbe geschlagen. Pardon wird nichi gegeben, Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich»inen Namen ge- macht, der sie noch jetzt in Ueberlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutscher in China auf tausend Iahre in einer Weise bctäligt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, einen veulschen auch nur scheel anzusehen. Man sage nicht, an diese Rede erinnern, heiße auslän» difche Ankläger auf sie aufmerksam machen. Sie kennen sie nur zu gut. Als der Weltkrieg ausbrach, da hießen die Deut- scheu in einem großen Teil der feindlichen Presse einfach „die H u n n e n". In Artikeln, die von der Obersten Heeres- leitung inszeniert waren, wurde gegen diese schimpfliche Herabwürdigung der deutschen Armee entrüstet protestiert. Hinweise der sozialdemokratischen Presse auf die Tatsache, daß die deutschen Soldaten diesen Schimpfnamen ihrem eigenen „obersten Kriegsherrn" verdankten, wurden von der Zensur unterdrückt. Heute wird kein Mensch bestreiten, daß Wilhelm II. und seine Hunnenrede vom 27. Juli 1900 dem deutschen Heer und dem deutschen Volk den schlimmsten Schimpf angetan hat. Von den Unglücksfällen, die dieser zurechnungsunfähige Mensch mit seinem nie rastenden Mundwerk angerichtet hat, war dieser einer der allerschlimmsten. Das empfand, das ver« stand auch schon damals fast jedermann. Aber so tief war d i e Knechtschaft des deutschen Volkes, daß die Protestbewegung gegen diese majestätische Ungeheuerlichkeit in lahmen Anslegungsversuchcn und vorsichtigen Satiren ver- sandete. Die Regierunqspresse erstarb in Untertänigkeit. Die „Kölnische" log, Wilhelm habe nicht gesagt:.„Pardon wird nicht gegeben", sondern:„Pardon wird euch nicht gegeben!" Majestät habe Talso nur auf die Grausamkeit der Chinesen hingewiesen. Zlehnlich die redliche„P o st": Als oberster Kriegsherr sprach er gestern zu seinen Truppen und mahnte sie, dessen stets eingedenk zu sein, daß es ein heim- tückischer Feind ist. gegen den es zu kämpfen gilt,-ein Feind, der den Pflichten des Völkerrechts und des Gastrechts Hohn spricht und während der bisherigen Wirren weder Pardon gegeben noch Gefangene gemacht hat. Ihm gegenüber usw. Und die„K r e u z- Z e i t u n g": Dieser Satz ist verschiedentlich mißverstanden und sogar il n- mögliches hineingelegt worden, indem man Seiner Majestät zumutet, daß von ihm die Truppen ermahnt werden sollten, keinen Pardon zu geben. Im Gegensatz zu diesen verlogenen Verlegenheiten gab es auch Blätter, die Wilhelm II. für feine Rede feierten, wie z. B. das höfische„Kleine Journal": Mit Worten, deren rückhaltlose Offenheit jedes .Soldatenherz packen muß(schrieb Leon Leipziger), hat der Monarch den scheidenden Truppen den Weg gewiesen.... Sie koiümcn nach Zweifeln und Schlichen der letzten Tage wie ein reinigendesGewitter... 1 Aber die sozialdemokratische Presse? Sie hatte schon soviel Redakteure wegen„Majestätsbeleidigung" den Gefangnissen überliefern müssen, so sehr durch hohe Prozeß- kosten ihre Existenz in Frage gestellt, daß wir auch i n i h r— diese Wahrheit sind wir der Geschichte schuldig— nicht das erlösende Wort finden, das wir in rückschauender Betrachtung von ihr erwartet hätten. Was E i s n e r im„Vorwärts", S ch o e n l a n k in der„Leipziger Volkszeitung" schrieb, war wohl scharf und schneidend— aber doch so gesagt, daß der Staatsanwalt nicht herankonnte. Stimmen von Völkerrechts- lehrern über das Verbot, Gefangene zu töten, Urteile der Geschichte über die Hunnen wurden zitiert, es wurde gegen die plumpen Schlagwortkeulen des kaiserlichen Redners mit Damaszenerklingen journalistischen Geistes gefochten, aber das erlösende Wort sucht man in jenen Feinheiten vergebens. Mit derber Satire ging Ludwig T h o m a im„Simpli- zissimus" dem Caesar zuleide, er schrieb ein„Chinesisches Rachelied", das folgendermaßen anhob: Ich will euch Zelbem Schweineoolk, Euch schuftigen Chinesen, Geht mir nicht jleich die Puste aus, Den Text mal gründlich lesen: Schnedderendeng, ihr seid mir z'wsng! Vierhundert Millionen— keinen will ich schonen, Alle bring ich um. Tschin dum! Das war so ziemlich das Höchste an Kühnheit, was man sich leisten konnte— in München! Das erlösende Wort aber blieb aus. Niemand schrie es damals ins Volt:„Fort mit diesem Menschen! Er ist eine Schande für die Nation!" Solcher Heroismus wäre ja auch vergeblich gewesen. Wer ihn aufgebracht hätte, wäre im Kerker verfault und hätte doch nichts ausgerichtet. Nichts geschah, als daß der Kaiser für einige Zeit von B ü l o w unter Zensur gestellt wurde. Es wurde verboten, über seine Ansprachen an ausziehende Truppen zu berichten. Den Mann selbst erreichte kein Hauch der Kritik. Erst acht Jahre später, im November 1908, riß dem so schändlich mißregierten Volk— ein klein wenig— die Geduld, als die Veröffentlichung des„Daily T e l e g r a p h"- I n t e r- views erfolgte. Erst damals trat an den Kaiser durch den Fürsten Bülow die Aufforderung heran, in seinen Aeußerun- gen vorsichtiger zu sein. Und dann ging es mit gepeitschten Rossen auf schwankenden Rädern noch volle zehn Jahre weiter, bis im November 1918— dreißig Jahre zu spät!— endlich kam, was kommen mußte. Jetzt schreibt Hamann in seinem„Mißverstandenen Bismarck": Schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts folgten nicht nur amtliche und nichtamtliche Politiker, sondern auch der größte Teil der Bundesfürsten mit Sorgen der Entwick- lung einer schleichenden Kaiserkrtsis. Ein Gegenstoß konnte aber nicht ausgehen von den Dynastien, die lange vor dem S. November 1918 gewußt haben, daß ihre eigene Siel- lung von der Unversehrtheit der kaiserlichen Machtsülle abhing.... Auch wären etwaige Anregungen aus diesen Kreisen nur zu ver- folgen gewesen im Einvernehmen mit dem Hause Hohenzolkern, für dessen Mitglieder, solange nicht ganz außerordentliche Dinge, namentlich offenkundige Krank- heitserscheinungen eintraten, das unberührbare Familien- Haupt blieb. Die Bundesfürsten aus Anstst um ihr Dhrönchen, die Junker aus Angst um ihre Privilegien, das Bürgertum aus Angst vor der eigenen Coxlrage— sie haben alle geschwiegen. Die Arbeiterklasse, geknebelt wie sie war, stand in ihrem Kampf gegen das persönliche Regiment, mit ihrem Bekenntnis zur Republik allein, sie blieb ohne Macht, ihr Ziel zu erreichen. Die Kriegskatastrophe hat uns in furchtbare Verhältnisse gestürzt, aber auch von grauenhaften Zuständen befreit. Was an Ungeschmack, politischer Torheit und sittlicher Verrohung von„oben" her in die aufnahmebereiten„höheren" Schichten des deutschen Volkes strömte, davon gibt das Kulwrbild aus dem Jahre 1900 nur einen kleinen Ausschnitt. Es mußte Hesthästs-Kauöerwelsth. Daß es mit unserer schönen deutschen Muttersprache stark bergab gegangen ist in den letzten vierzig, fünfzig Iahren» wird mir jeder zugeben, der so etwas wie Sprachgefühl und Sprachgewisien besitzt. Fragt sich nur: wer ist dafür verantworllich? Jß l c Presse" sagen viele. Die Antwort ist nicht unrichtig, sie ist nur unvollständig. Die Presie ist in den allgemeinen Kulturverderb hineingerissen worden. Kein Mensch, der fast täglich eine Musik- oder Theater- triiik von sich zu geben hat, kann sich damit viele Jahre lang stilistisch auf der Höhe halten, und es ist recht interesiant zu beobachten, wie schnell sich unsere sogenannten„flotten Stilisten' abnutzen. Wenn das bei der Presie geschieht, die doch von Hause aus eine auch im ästhetischen Sinn erzieherische Aufgabe hat, was soll man Vann von Geschäftsleuten erwarten, die mit literarischen Din- gen nichts zu tun haben? Auf welch geradezu hottentottische Art diese unter sich brieflich verkehren, ist bekannt: deutsche Sätze werden nur noch als„Gehacktes" serviert.„Im Besitz Ihres Geehrten teile Ihnen mit und werden wir'... Der Briefschreiber hat vergesien, daß er eine Persönlichkeit ist, deswegen läßt er das„Ich" weg. Die Unausrottbarkeit der Inversion muß dabei schon wie ein über un» verhängtes Schicksal hingenommen werden. Besonders schlimm steht es mit der A e s ch ä f t s r e k l a m e. An Berliner Ladenschildern und Schaufenstern liest man zuweilen Jachausdrllcke, die für den uneingeweihten Mittoieuropäer schleier- Haft sind.„K o n t o p h o t" steht irgendwo im bayrischen Viertel ohne jede weitere Erklärung. Wer kann sich unter diesem italienisch- griechischen Bastardwort irgend etwas vorstellen? Ich kenne beide Sprachen, aber das hilft mir nicht weiter. Ferner: wie ist es möglich, daß ein Wein tont? Und doch verkauft man in Charlottenburg �eintönige Rhein- und Moselweine!" Eine Bezeich- nung ist doch dafür da, daß sie eine bestimmte Vorstellung vermittelt. Das tut aber ein Wort wie„Heimlich t' keineswegs. Will sagen: ein Apparat, der Kinofilm« im Prwathaus vorführen kann. Das wird aber kein Mensch hinter dem unsinnigen Wort vermuten. Wir kommen zu den übertreibenden Anpreisungen und finden am Leipziger Platz einen„Schuhpalast"— ein Palast, in dem lauter Schuhe herumstehen, ist schon ein recht merkwürdiger Palast' Ein Spezialgeschäft für Blusen nennt sich gar„B l u s e n p r a ch t". „Rassige" Automobile! Rassig kann nur etwas Lebendiges sein, aber doch niemals eine, wenn auch noch so vollkommene Ma- schine. Eine recht unangebracht« Vermischung von etwas Organi- schein mit toter Materie ist auch die„ß u h t n d e r D ü t e". Wenn man schon ein Bild wählt, dann greife man zu einem, das nicht jeder vernünftigen Vorstellung ins Gesicht schlägt— dir„Äich in der Düte" ist cinMilchpulvcr.In der Kunst darf man ja etwas überschwäng- lich werden, aber die„M eistertlaffe für Schönseelen- gejaug", die neulich in der Singakademie auftrat, war doch eine schließlich alles so kommen, denn das allzugedukdige deutsche Volk hatte zu lange und zu viel„Pardon gegeben"— an der salschen Stelle!__ Der verleumöersumpf. Stade, 1. Juli.(Eig. Drahtber. d.„Vorwärts".) Die Straf- kammer Stade verurteilte heute den Redakteur Baum j r. von der „Tostedter Zeitung" wegen Beleidigung des Reichs- Präsidenten zu fünf Monaten Gefängnis. Das Blatt hat in einer Reihe von Artikeln den Reichspräsi- denten und feine Angehörigen in gehässigster Weise beschimpft: u. a. hat das Blatt behauptet, der Reichspräsident habe sich zur Zeit der größten Lebensmittelnot besondere amlliche Zuwendungen von rationierten Lebensmitteln verschafft und, während das Volk darbte, üppig gelebt. Die von dem Angeklagten oersuchte Ve- weisführung ist völlig mißlungen. Die Beweisaufnahme ergab viel- mehr die völlige linrichiigkeit seiner Vehauplungen. Unter anderem wurde sestgestellt, daß zwar während des Krieges die Gepflogenheit bestand, Reichskanzler, einzelne Staatssekreläre und das diplomalifche Korps mit rationierten Lebensmitteln für Essen aus dienstlichen Anlässen amtlich besonders zu beliefern, daß ober der Reichspräsident wenige Zeil nach Antritt seines Amtes auf diese Bevorzugung ausdrüMch verzichtet hat.(So sieht die„re- publikanifche Korruption" und die„gute alte Zeit" aus! Red. d. V.) Wie schon in früheren ähnlichen Prozessen, wurden auch in dieser Beweisaufnahme die Erzählungen von einer„unmäßigen Lebens- weise" des Reichspräsidenten als böswillig« Erfindungen nachgewiesen. Das Gericht sagte in der Urteilsbegründung, daß gegen solche nichtswürdige, niedrige und pöbelhafte Beleidigungen des Reichsoberhauptes, die geeignet seien, das deutsche Ansehen im Ausland herabzusetzen und die Gegensätze im Innern zu vertiefen, energische Gefängnis- st r a f e n notwendig seien. Der Mitangeklagte Reiter wurde zu MO M. Geldstrafe verurteilt. Die Getteiöepreiserhöhimg angenommen. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichs- t a g e s beriet gestern' den Entwurf einer Äerordnung über die Preise für das Umlagegetreide aus der Ernte 1921. § 1 der Verordnung setzt die Höhe der Preise wie folgt fest: für die Tonne Roggen 2199 M., für die Tonne Weizen, Spelz (Dinkel, Fesen), Emer, Einkorn 2 3 99 M., für die Tonne G e r st e 2 9 9 9 M. und für die Tonne Hafer 1899 M. Die Erhöhung der Preise wird durch die gestiegenen Erzeugungskosten begründet. Von sozialistischer Seite wurde gegen die Verordnung heftig polemisiert. Abg. Hertz(U. Soz.) vertrat die Ansicht, daß die Landwirtschaft für das Umlagegetreide nur eine Vergütung ihrer Produktionskosten beanspruchen könne und befür- wartete die Beibehaltung der alten Preise. Auch die christlichen Ge- werkschasten hätten die neuen Preise als zu hoch bezeichnet. Abg. Schmidt-Cöpenick(Soz.) begründete in einer Entschließung die ablehnende Stellungnahme unserer Genossen. In der Abstimmung wurde die Verordnung nebst einer Zen- trumsentschließung, die von der Regierung Maßnahmen fordert, da- mit der künstige Brotpreis bis zur nächsten Ernte den bisherigen Höchstpreis nicht mehr als höchstens um 49 Proz. übersteigt, angenommen. Damit sind die Forderungen der Agrarier erreicht. Der Antrag des Zentrums, der auf Maßnahmen zur Verbilligung des Brotes — nicht des Getreides— abzielt, dürfte keine praktische Bedeutung haben, da nach allem, was über das allgemeine Finanzprogramm bekannt geworden ist, die Lebensmittelzuschüsse des Reiches abgebaut werden sollen. Diese Aussicht droht ohnehin, zumal auch die schärf- sten Steuern kaum dazu ausreichen dürsten, die Ultimvtumslasten zu decken. Es fällt auf die bürgerliche Reichstagsmehrheit zurück, wenn die Preiserhöhungen mit der Verteuerung des Brotes in Kraft treten, ohne daß man bisher nur den Versuch gemacht hätte, die breiten Massen vor den Folgen der Teuerung zu schützen. Landeshauptmann Oefer. her frühere Eisenbahnminister, wurde durch den Oberpräsidentcn Hülsing im sächsischen Provinzialausschuß eingeführt. Hörsing wurde zum ordentlichen Mitglied des Reichs- rates mit zwölf gegen die zwei Stimmen der Kommunisten gewählt, zum Stellvertreter Oberbürgermeister Dr. Rieoe-Halle. gar zu gefühlvolle Einrichtung, ganz abgesehen von dex häßlichen Wortbildung. Als Wortbildung ist übrigens auch das gewaltsam verdeutschte„K r i m i n a l- D e t e k t e i", in der Bülowstraße zu finden, verwerflich. Die Endung„ei" ist viel zu mittelalterlich-teutsch, als daß sie einem Fremdwort angegliedert werden könnte. Es gibt auch unfreiwilligen Humor im Reklamewesen. Ein Kaufmann verbindet seinen Namen mit seinem Geschäftszweig zu einem Wort und verwandelt sich so in den„Tiefbau-Hoene" oder in den„A u st e r n- M e y e r", ohne zu merken, wie fatal das klingt, wie geschmacklos vertraulich.„Wurst-Maxe" und„Klamotten- Ede" sind wesentlich stilvoller. Heißt man aber Greifer und nennt sich als Konfektionär„B l u s e n- G r e i f e r', so kann das sogar zu! wenig schmeichelhaften Mißverständnissen Anlaß geben. Herbert. Student und Fabrikarbeiter. Unter Entfaltung des üblichen akademischen Gepränges fand gestern in der Technischen Hoch-' schule in Charlottenburg die Rektoratsübergabe statt. In seinem Geschäftsbericht wies der scheidende Rettor, Professor P s cy o r r, unter anderem auf die R o t l a g e hin, in der sich Studentenschaft und Hochschule befänden. Es fehlen die Mittel zum Unterricht und zur Forschung. Dem besonders drückenden Raum- mangel könnte durch Uebenvessung der Räum« der früheren Mili- tär-technifchen Akademie abgeholfen werden, die aber leider als Bureaus für das Reichswehrgruppenkommando bestimmt seien. Die Studentenschast müsse sich die Mittel zum Studium nament- lich durch Ferienarbeit in den Betrieben verschaffen. Es schade keinem Akademiker, im Zwange der Fabrikatbeit seinen Charakter zu stärken. Student und Arbeiter könnten von einander lernen und keiner dürfe den andern als seinen Feind betrachten. Der neue Rektor Prof. Rothe hielt dann seine Antrittsrede über den„Zusammenhang zwischen Technik und Geisteskultur" und mit dem Gelang„Deutschland, Deutschland über alles" schloß die Feier. Daß die Fabrikarbeit den Akademikern nichts schaden kann, unterliegt keinem Zweifel. Wenn aber die Studenten von den Ar- beitern als Kollegen geduldet werden wollen, so dürfen sie nicht als Lohndrücker auftreten und sie müssen sicy aller n a t i o n a- listischen Stänkereien enthalten. Teuksch-vöMsche ZNakhemakik. In Warschau erscheint unter dem Titel„Bunäsmente tnatiiernatica" eine wissenschaftliche, den Problemen der Mathematik gewidmete Zeitschrift. Wie üblich, ver- senden die Herausgeber sie an andere Zeitschriften und gelehrte In» stitute im Ausland. Unter anderem wurde sie auch dem Mathe- matischen Institut in Jena zugeschickt. Darauf erfolgte, wie der„Kuryer Warszawski" mitteilt, folgende Antwort: „Jena, den 31. Mai 1921. An die Redaktion der„Kundamenta mathernatica* in Warschau. Zusendung von polnischer Seite verbete nl Prof. P. Heuhner, Direktor des Mathema- tischen Instituts in Jena." Schneidig! Polnische Mathematik wird in Jena abgelehnt. Es ist nur ein Glück, daß der selig« Kopernitus nicht mehr lebt. Der teutsch-völkische Projejsor Heußner hätte ihm sein Werk über dt« Die pariser verhauülungen. Paris. 1. Zuii.(MTB.) Die Verhandlungen über die denk- scheu Sachlieferungen sind heute forkgesetzt worden.„Temps" teilt mit, daß man in der Preisfrage sich der im Artikel S des Londoner Zahlungsstakukes schon angedeukeken Grundlage nähere. Die preise würden durch eine gemischte Kommission festgesetzt werden: einem Franzosen, einem Deutschen und einem Schiedsrichter, der im Ve- barfsfalle von der Reporalionskommission ernannt werden soll. Zn bezog auf die Zahlungsfristen und die Zahlungsart fei ein Plan ins Auge gefaßt worden, durch den Frankreich die Möglichkeit erlange, die Zahlungen auf eine lange Periode zu staffeln. Rosens Rnaaben unvollftänöis. Paris, 1. Zuli.(ET.) Der„Temps" bezeichnet die Reichs- kdgsrcde Dr. Rosens als nicht geeignet, die Aufhebung der Sank- tlonsmahregeln zu beschleunigen. Die französische Regierung werde sich nicht dazu hergeben, daß Deutschland England gegen Frank- reich ausspielen dürfe. Die Erfahrungen der Vergangenheit sollten Dr. Rosen zeigen, daß dieses Spiel nicht weit führen werde. Die französische Regierung werde hoffentlich nicht zulassen, daß der Oberste Rai mit der Frage der Aufhebung der Sanktionen befaßt werde.(?!) Dr. Rose» habe nicht mitgeteilt, daß am ver- gaugenen Dienstag Briand dem deutschen Botschafter gesagt habe, er habe daraus verwiesen, daß die Sanktionen im März beschlossen worden seien, um zu den' folgenden Ergebnissen zu führen: 1. Regelung der Reparationsfrage. Was diese betrisst, so entspreche das Kabinett Wirth den an ihn gestellten Anforderungen. 2. E n k- w a s f n u n g. Diese sei noch nicht vollständig durchgeführt. Es hänge von Dcuijchland ab, daß sie beschleunigt und aus die rascheste Wesse beendet werde. Z. Bestrafung der Kriegs schul- digen. Diese sei augenblicklich im Gange, und Frankreich warte aus die Ergebnisse. Endlich habe Briand dem deutschen Volschaster dargelegt, daß die heftigen Anariffe, denen das Kabinett Wirih aus- gefetzt sei, sowie die llnbestSndigkeit. in der sich dieses Ministerium befinde, die Aushebung der Sanktionen für den Augenblick ver- bindern, ver„Temps" bedauert es im Interesse Deutschlands. daß Dr. Rosen über diele Mitteilungen des Miniflerpräsidenleu nur unvollständige Ausschlüsse gegeben habe. Kauft gerrnan ships! London, 1. Iuli. Lord Inchcape keilt mit. daß die vormals feindllchen Schlsse, deren Ramen bereits öffenllich bekanntgegeben worden seien, und die noch nicht verkauft wurden, jetzt für britische llnkerianen und Ilntertauen aller anderen Rattonen verkäuflich sind.„Times" meldet, daß der Riefendampfer„Tirpitz" von einer führenden britischen Gesellschaft angekauft wurde. Dieser„Tirpitz" ist erst lange nach Friedensschluß ln Swine- münde fertiggestellt worden. Inzwischen läßt Stinnes schon den nächsten erbauen. Mus üem pogromlanöe. Wie wir in Parteiblättern des jetzt polnischen Gebietes lesen, ist dem Jüdischen Volksrat in Warschau aus M i e ch o w in Kongreßpolen berichtet worden: Am S. Juni traf der Kommandierende des Mili- tärbezirks in Kielce General Latlnik in MIechow ein und hielt. als die Bevölkerung die Kirche verließ, ein« Ansprache über die „Verteidigung Oberschlesiens", wobei er u. a. sagte, daß die Ur» fache der Nichtzuerkennung Oberschlesiens an Polen die gemeinsame deutsch-englische-jüdische Arbeit sei. Bei einem Empfang von Verttetern der jüdischen Presse er- klärte der polnische Außenminister S t i r m u n t,' er wäre An- Hänger der Idee einer polnisch-jüdischen Verständigung, und äußerte. den Wunsch, daß die polnischen Juden dem Auslande gegenüber mit der polnischen öffentlichen Meinung konform gehen möchten. — Das heißt, sie sollen ihr Pogrom-Vaterland lobpreisen. De Ricola hat die Bildung des neuen Kabinetts übernommen. Vertrauensvolum für Briand. In der Kammer forderte die Opposition Hinausschiebung der Beratung des Gesetzes, oas die Re- gierung zur Erhebung der direkten Steuern ermächtigt, bis an den Schluß dieser Tagung, da sie einen zu frühen Schluß verhindern will. Briand stellte die Vertrauensfrage und das Kabinett erhielt 432 gegen 199 Stimmen. Himmelskörper sicher mit der Bemerkung„Zusendung von polni- scher Seite verbeten" ungelesen zurückgeschickt, und' die Ienenser Studenten würden noch heute glauben, daß die Sonne sich um die Erde dreht. Die Sowsekregieruna und das Moskauer Süusilerlheaier. Das Präsidium des Allrussischen Zentralexekutivkomitees hat genehmigt, daß ein Mitglied dec Moskauer KLnstlerthcaters nach dem Aus- lande entsandt werde, um die gegenwärtig im Auslande weilenden Mitglieder des Künstlertheaters zur Rückkehr nach Moskau zu be- wegen. Gleichzeitig ist dem Volkskommissariat für Gesundheltswesen der Aufttag erteilt worden, sämtliche Mitglieder der„Kammerspiele" des Moskauer Künstlertheaters zur Erholung in einem kaukasischen ! Kurorte unterzubringen� Die Goge ftir die drei Sommermonate im Gesamtbetrage von 69 Millionen Rubel soll den Künstlern prä- numerando ausgezahlt werbe«. Zweischneidige Ehrung. Da der Enthüllung des Johann- Strauß-Denkmals im Wiener Stadtpark nur ein kleiner j Bruchteil der Bevölkerung Wiens beiwohnen konnte, so fordert jetzt ' ein Komitee auf, am Sonntag 8 Uhr abends von jeder Kapelle, jedem Klavier, jeder Geige, Laute usw. die„S chv n e blaue Donau" erklingen zu lassen. Da zur Beteiligung an dieser Monstre- Ehrung lediglich Begeisterung, aber keine musikalische Befähigung verlangt wird, so dürfte der selige Johann Strauß nicht umhin können, sich am Sonntagabend einige Male im Grabe herumzu- drehen. Versöhnlich wirkt allerding» die weitere Aufforderung, den Gesamterlös der. Musikaufführungen zu einer Spende für arme Kriegerwitwen und-waisen zu verwenden. Hoffentlich drückt sich leiner vor dieser Steuer. Es steht ja jedem ftet, nachdem er sie ent- richtet hat, wieder zur musikalischen Tagesordnung überzugehen, welche lautet:„Hallo, du süße Klingelfee!" In der Alhambra wird gestlmt. In der Alhambra bei Granada, dem Meisterwerk maurischer Architektur auf europäischem Boden, hat sich ein Uebelstand einaenistet, über den die Seemannsche„Kunst- chronik" berichtet. Die Filmgesellschaften haben sich auch dieses eigen- ortigen Szenariums bemächt'gt und kurbeln nicht nur außerhalb, sondern auch während der Besuchszeit. Natürlich ist die Empörung aller Besucher, die den wundervollen Löwenhof betreten, allgemein» wenn sie statt zauberhafter Stille Lichtschirme, Kurbelkästen und eine kostümierte Filmgesellschaft mit aufgeregtem Regisseur antreffen. Vor dieser„Europäisierung" hätte man Spanien und vor allem hie Alhambra bewahrt gewünscht,— aber: die Barbarei rentiert sich jedenfalls recht gut._ Nergfon und Einstein. Ketrd Sergson. der IranMsche Bhilo'ovb, der, wie wir meldeten, als Prosellor nach sojährizer Tätigkeit in den Ruhe- 'stand tritt, tereitet einen Band Ejsahs vor mit einer Torrede, in der er das Wesen seiner Lehre und ihre BejUHnnzen zu der Theorie Elnstetns behandelt. München er Festspiele ISSl. In den Spielplan wurde» folgende Werke neu aufgenommen:„JphigenieuonAulis* von Gluck, „Der arme Heinrich- von Pfttzner,»Die JesephZ- legende- von Ri-bard S trank,„Das Spielaverk der Prinzessin" von T ch r e it c r und die„Die Böget" von Waller B r a u n f e l S. Mufltalijche Leitung für jämUtch« Neuaufnahmen: Bruno »alter. Nr. ZS7�5S. Jahrgang Oeilage öes Vorwärts SonnabenS, 2. Juii?H2l GroßSerün Die GlinöoWer �ilpen. Der Bewohner des Tieflands betrachtet die Erhebungen seiner ßsgend bereits als Berge, nnd wechseln solche Berge mit Einschnitten — Tälern— in kurzer Aufeinanderfolge ab, so belegt er eine solche Landschaft wohl mit dem hochklingenden Namen„Schweiz" oder „Alpen". Ein derartiges Gebiet liegt bei G l i n d o w unweit Werder. Mit den Vorortzügen der Potsdamer Bahn fahren wir über Potsdam nach Werder, in die Obstkammer der Mark. Während auf der Ostseite der Werderschen Weinberge die Havel fließt, erstreckt sich auf der Westseite die Seenkette des Großen Plessower und Glindcw-Sees. Beide Seen find durch eine schmale sumpfige Niederung miteinander verbunden, die wir auf unserer Wanderung überschreiten. Der Glindow-See wird von einem Kranz von Ziegeleien umgeben, die den Ton der Glindower Berge ver- arbeiten. Dieser Ton verdankt seinen Ursprung der Eiszeit, die unserer heimatlichen Landschaft das Gepräge gegeben hat. Wenn wir eine der zahlreichen Gruben besuchen, können wir einen guten Einblick in das Erdgezimmer unserer Heimat tun. Auch von dem Höhenrand hinter den Gruben haben wir einen schönen Ueberblick. In der Tiefe sehen wir den Ton, der meist feingeschichtet oder gebändert ist und aus tonigeren oder feinsandigercn Bändern in regelmäßiger Wechsellagerung besteht. Ueoer dem Ton liegen Sande, die stellenweise von braunen Holzresten und auch Bernstein erfüllt sind. Mitunter finden sich hierin auch beträchtliche Mengen von Gehäusen einer Schnecke, der Pstackin» diluviana, die jetzt nur nur noch im Gebiet der Donaumündung vorkommt. Die Decke dieser Ablagerungen bildet Geschiebesand und Geschiebelehm. Der Ton gehört der v o r l e tz t e n Bereisung an; er ist von den Schmelzwassern, die Gerölle, Kies und Sand bereits vorher ab- gelagert hatten, hier abgesetzt worden, gleichsam wie in einem großen Klärbecken. Die über dem Ton lagernden Sand« entstammen der letzten Zwischeneiszcit. Man fand in ihnen vereinzelt Knochen vom Mammut, Rhinozeros und Hirsch, die beweisen, daß das Klima wärmer geworden war. Die Deckt ist von der letzten B e r e i s u n g abgelagert worden. Die Tonablagernngen liegen nicht wagerecht, wie es sein müßte, wenn sie ungestört geblieben wären: wir sehen sie vielmehr aufgepreßt und gefaltet. Die Ursache dieser Störungen ist das Eis der letzten Eiszeit gewesen, das den weichen plastischen Ton auf seinem Fortschreiten gen Süd zusammen- schob und dadurch Faltungen verursachte. Um zu dem für die Ziege- leien wertvollen Ton zu gelangen, mußten die über dem Ton lagern- den Schichten abgeräumt werden. Dieser Abraum bildet gewaltige Halden am Rand der Gruben, die der Berliner die„Glindowcr Alpen" nennt. Wir wandern durch die Obstanlagen, die jetzt allerdings wenig Reize bieten, wieder zur Jnselstadt Werder und zum Bahnhof zurück. Ein mißglückter DiebeStrick. Der Messerstecher, Maler Richard Bennewitz, dessen Messer- attentate auf weibliche Personen vor etwa einem Jahrzehnt in Berlin großes Aufsehen erregt haben, stand gestern wegen des Einbruchs- diebstahls vor der Strafkammer, den er im Verein mit dem Schlosser Richard Schulz bei dem Kunstliändler Julius W e l t m a n n am Lützowplatz oerübt hat. Am 2. März drangen die beiden Komplizen gewaltsam in die Geschäftsräume des Kunsthändlers Weltmann und stahlen dort Gemälde, Kunst gegenstände und Teppiche imWertevonweitüber1Z0c>0 0M. Die Gemälde wurden aus dem Rahmen genommen und zusammen mit einigen Kunstgegen- ständen in einen Rucksack gepackt und die ganze Beute in die Woh- nung von Schulz geschafft, von wo die Kunstgegenstände stückweise verkauft wurden. Außerdem wurde der Kaufmann Leopold Rosen- blum, der nun wegen Hehlerei angeklagt war, damit betraut, die erbeuteten drei Teppiche und die Bilder gegen Provision an den Mann zu bringen. Er hatte aber Unglück bei dieser Mission, denn als er ein Bild einem Kunsthändler in der Taucntzicnstraße zum Kaufe anbot, ließ ihn dieser festnehmen, da er erkannte, daß das Bild zu den bei Weltmann gestohlenen gehörte. Um sich vor ähn- . lichem Mißgeschick zu schützen, verfielen sie auf den unerhört frechen Gedanken, die Bilder an den Bestohlenen selbst zu verkaufen. Sie setzten sich zu diesem Zweck wiederholt telephonisch mit diesem in Verbindung und suchten ihn dafür zu interessieren, die ihm ge- stohlenen Bilder, die durch Zufall in ihre Hände gekommen seien, zurückzukaufen. Schließlich sprachen sie ihn eines Tages mit uner- hörter Dreistigkeit auf der Straße an, baten ihn in einen Hausflur und offerierten ihm die Bilder, die sie mitführten, zu einem Preise von SOOO M. Herr Weltmann ging auch zunächst auf dieses Geschäft ein, zahlte diese Summe, die er gerade bei sich trug, veranlaßte dann aber die Verhaftung der sonderbaren Bilderhändler. Das Gericht verurteilte Bennewitz zu 2 Jahren Zucht- haus, den bisher unbestraften Schulz zu 1 Jahr Gefängnis und R o f e n b l u m wegen Hehlerei zuv Monaten Gefängnis. Läckermeifter unü Iabrikbellhee- Zwei Kunden der Firma Gruhcr vor Gericht. Gegen zwei Kunden des vielgenannten Bankhauses Grußer, Philipfcn u. Compagni« hatte gestern das Schöffengericht Verlin- Mitte unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats John zu verhandeln. An- geklagt wegen Vergehens gegen die Kapitalfluchtvcr- o r d n u n g vom 22. Revembsr 1918 waren der Färbereibesitzer Os- wald N ei e f e aus Britz und der Bäckermeister Heinrich N a e f e aus der Strelitzer Straße. Die Angeklagten sind, obwohl sie den gleichen Namen führen und beide in Neichenboch gebürtig sind, nicht mitein- ander verwandt. Das vorliegende Verfahren richtet sich auch gegen den flüchtigen Bankier Grußer. Bei diesem fand im November v. I. eine Haussuchung statt, bei welcher die Geschäftsbücher beschlagnahmt wurden. Aus diesen Büchern ergab sich, daß neben dem Prinzen Eitel Friedrich und anderen adligen Herren auch eine ganze Reihe von Kaufleuten, Handwerksmeistern und Politikern mit dem Bankhause Grußer in Verbindung stehen. Wie die Verhandlung ergab, hatte der Angeklagte Heinrich Naefe der Firma Grußer SO OK) M. übergeben, um Kommanditanteile der Firma Schlesinger, Trier u. Co. zu erwerben. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Angeklagte erklärt, daß er mit Rücksicht auf die heutigen Zustände in Deutschland nichts dagegen gehabt hätte, wenn das Geld nach Holland gelangt wäre.— Don Rechtsanwalt B r u g s ch wurde dieRechtsgültigkeit der Verordnung be st ritten, welche seinerzeit lediglich vom Rat der Volksbeauftragten erlassen sei, ohne die spätere Ge- nehmigung der ordnungsmäßigen gesetzgebenden Körperschaften ge- funden zu haben. Das Gericht hielt jedoch die Verordnung für zu Recht bestehend, da, wie der Borsitzende verkündete, in der Verfassung keine Bestimmung enthalten sei, nach welcher die von dem Volksbeauftragten erlassenen Bestimmungen erst noch einer besonderen Bestätigung bedürfen. Das Urteil lautete auf� 200 0� Geld strafe, außerdem wurden dieS0 000 M. demReichefürversallen erklärt. In der zweiten Sache gegen den Färbcrcibesitzer Oswald Naefe handelte es sich um Beträge von 220 000 und 158 000 M., an denen ein Fabrikbesitzer Bergmann und ein reicher Holländer namens Roloff beteiligt gewesen sein sollen, welche Ehemikalienkäufe getäriqt baben sollen. Bon diesen Beträaen gehörte die Summe von 58 000 Mark dem Angeklagten. Das Gericht erklärte auch diesen Betrag als dem Reiche verfallen und verurteilte den Angeklagten außerdem zu 3 00 0 M. Geldstrafe._ Parkanlagen als Exerzierplatz. In der letzten Dezirksverordnetensitzung des 14. Vermal- tungsbezirks wurde Gen. Sommer bürg neu eingeführt, desgleichen Dezirksbaurat Müller(Steglitz). Der Einweisung des Türkenfriedhofes in den 14. Verwaltungsbezirk wurde zugestimmt. Eine lange und teilweise erregte Debatte entspinnt sich über den An- trag der Kommunisten,„das Bezirksamt zu ersuchen. Schritte zu unternehmen. daßmilitärischeUebungenaufdenPark- anlagen des Tempelhofer Feldes unterbleiben". Hierzu ist noch ein Zufatzontrag der USP. eingegangen:„Ein Teil des Tempelhofer Feldes solle zur Anlage eines Dalksparks freigegeben werden, ebenso der unbenutzte Teil am Karlsgarten. Alle Vertreter der Linken wenden sich gegen die Uebungen der Schutzpolizei in den Parkanlagen. Es ist vorgekommen, daß Ossiziere die Räumung der Anlagen be- fehlen, den Promenadenwcg als Reitweg benutzt haben, die Promenade selbst von den Truppen mit Maschinengewehren besetzt und die Anlagen, trotz der Schutztafeln, die das Betreten verbieten, durchquert wur- den. Dabei wird mit Platzpatronen geschossen. Die Arbeiter st adt Neukölln, die wenige Parkan- lOf Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. Roksner schritt meiter, von einem Heer von Gedanken an- getrieben, das ihm an den Leib rückte. Wie dumm war der Mensch und wieviel mußte er lernen und erfahren, um zu erkennen, daß.die Moral nicht ein Mittel für, sondern gegen die Schwachen war. die mit ihr ge- fesselt wurden, weil ihre Schwäche, hemmungslos sich selbst überlassen, nur Unheil stiften konnte. Für den Starken da- gegen war die Moral nicht da, und ihm war es auch gegeben, dem Gesetz auszuweichen, wie einem blind wütenden Tier, das man lenkt, indem man seine brutale Kraft aus eine falsch« Bahn, auf ein totes Gleis lockt. Wie. war er«inst nicht gestraft worden, nicht weil er getötet, sondern nur versucht hatte, zu töten? Und ietzt? Jetzt h a t t e er getötet. Und die Folge war nur, daß sich sein B-r- mögen mehrte. Die Schuld aber, die Schuld an dem Tode eines unnützen, zum Leben nicht mehr tauglichen Menschen, trug er keineswegs wie eine Last. Wie eine Genugtuung trug er sie. Er war dem Leben eine Rache schuldig für das, was es ihm angetan hatte. Er rächte sich. Reisner speiste mit Behagen bei Hiller und fuhr sodann in den Tiergarten, den der Herbst schon anfing rötlich zu färben. Die Luft war klar, alle Farben prangten in Reife und Sattheit. Und es war, als riefe alles mit einer Heiterkeit, die aus der Ueberzeugung erfahrenen Alters kam: genieße, ge- nieße! Erst gegen Abend fuhr er heim, man begann, als er ein- trat, schon das Kontor zu schließen. „Alles in Ordnung?" fragte er rasch. Man antwortete ihm, daß die Leiche des Selbstmorders fortgeschafft sei und Frau Eutzeit sich oben in ihrer Wohnung befinde. „Wollte sie mich sprechen?" Nein, man wußte nichts. Er ging hinauf, läutete und fand Hilde Gutzeit bei ihren Kindern. Sie sah verweint aus, schien aber überwunden zu haben, denn ihre Augen blickten voll müder Ruhe. Reisner stimmte das fröhlich, und er schlug sofort einen bestimmten � Ton an, als lägen hinter den Ereignissen des Tages schon Monate und Jahre.„Wir wollen beraten," sagte er.„Sind Sie bereit?"........ Sie nickte. Da entwickelte er ihr in raschen, sicheren Sätzen, wozu er sich nach reislicher Ueberlegung entschlossen hatte. Er sah sie dabei mit überlegenem Spott an. Und diese Ueberlegen- heit, die er fühlte, schmeichelte ihm, er spiegelte sich gleichsam in ihr, und er war mit dem Bilde, das dieser Spiegel zurück- warf, sehr zufrieden. Daß sie keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfertigung in Geld habe, werde sie wissen. Das, was er ihrem Gatten und ihr in den letzten Monaten habe zukommen lassen, sei ein Geschenk gewesen, mit dem er sich ihnen beiden habe dankbar zeigen wollen dafür, daß sie, ohne das freilich zu beabsichtigen, durch ihren Ruin ihm selbst Gelegenheit gegeben hatten� sein eigenes Vermögen zu oermehren. Diese Dankbarkeit wolle er auch weiter bekunden dadurch, daß er ihr nun, womit sie aller- dings für alle Zeiten abgefertigt sein würde, noch einen festen Betrag von fünftausend Mark zur Verfügung stelle. Und er frage sie, ob sie damit einverstanden sei. Wieder nickte sie stumm., Er verbeugte sich und zog ein Papier aus der Tasche. „Gut. dann bitte ich, diese Erklärung zu unterschreiben." Sie unterschrieb und gab das Papier zurück. Er steckte es sorgfältig ein und zählte ihr sodann in fünf Scheinen den Betrag von fünftausend Mark auf den Tisch. „Stimmt es?" fragte er. „Ja, es stimmt." Er lächelte.„Sie sind brav, und das macht mir Freude. Sie sollen deshalb auch nicht vergessen, daß. wenn Sie in Zukunft einmal in Not geraten sollten, Sie immer einen Freund in mir haben werden." Er sab sie prüfend an.„Einen Freund!" sagte er noch einmal mit Betonung.„Haben Sie mich verstanden?" „Ja," sagte sie matt. Er verbeugte sich leicht.„Auf Wiedersehen also-— und, wenn es sich macht,... das heißt, ich dränge Sie natürlich nicht!,... aber es ist doch wohl nötig, daß ich es sage!,... also, ich meine: diese Wohnung... müßten Sie... bald ... verlassen..." Sie hörte seine Schritte draußen verhallen. Mit blinden Augen starrte sie vor sich hin ins Leere. 9. Reisner hatte Glück. Er hatte aber nicht nur Glück, er arbeitete auch. Aeußer- lich unterschied sich seine Arbeit nicht viel von der. die er in seiner Jugend in Hamburg geleistet hatte. Wieder galt er lagen besitzt, hat ein Recht darauf, daß sich ihre Einwohner ohne Gefahr in den Anlagen aufhalten können. Aber auch die Schießerei in den Schießständen hat Formen angenommen, die den Protest herausfordern. Früher war es doch. wenigstens Sonntags ruhig, was heute nicht mehr zutrifft. Stadtrat Gen. Dr. S i l b e r st e i n als Dezernent der Neuköllner Krankenhäuser oerweist speziell auf die Er r e g u n g, die in den Krankenanstalten Hasenheide und Hebammen- l e h r a n st a l t herrscht. Bon 5 Uhr morgens bis in den späten Nachmittag wird geschossen und besonders die Schwerkranken leiden sehr darunter. Alle Beschwerden bei den matzgebenden Stellen haben nichts genützt. Da ist es notwendig, daß die O e s f e n t l i ch- keit, insbesondere die Presse, dazu Stellung nimmt. Stadtrat Schröder bedauert, daß nach dem Vertrag« mit dem Fiskus keine Möglichkeit besteht, durchgreifend vorzugehen. �lm übrigen bestätigt er die Klagen und verweist auf die Aussagen oer Barkwächter. Stadtrat Gen. Heitmann ist der Auffassung, daß dieser im Jahre 1913 geschlossen« Vertrag den heutigen Zeitum- ständen entsprechend geändert werden muß. Ein Vertreter der Bürger- liehen bezweifelt, daß Gefahr für die Parkbesucher besteht. Er stimmt dem Antrag jedoch insoweit zu, daß.di« Uebungen ander- weitig verlegt werden. Die Anträge«erden dann gegen einen Teil der Bürgerlichen angenommen. Die Verlust« in der städtischen Wurstfabrik wur- den vom Redner der Bürgerlichen weidlich ausgeschlachtet. Er be- hauptet sogar, daß nach dem Genuß städtischer Wurst Einwohner das Krankenbaus aufsuchen mußten. Stadtrat R a d t k e mbt zu, daß durch falsche Einlagerung Ware im Wert« von 40 000 M. ver- darben sei. Der Meister ist sofort entlassen, der Geschäftsführer aekündigt worden. Was ober sonst über den inneren Betrieb der Wurstfabrik gesagt worden ist, treffe nicht zu. D e r A r t i k e l- fchreiber in der„Deutschen Zeitung" wird dem» nächst vor Gericht den Beweis seiner Dehquptun- gen zu erbringen haben. Durch Zwang waren wir ver- pflichtet, uns von Berlin zugewiesenes„Innere s" zu übernehmen, was erst nach und nach verarbeitet werden konnte. Im Laufe der Zeit ist dann ein Teil dieser Maren verdorben. Der in der vor- letzten Sitzung durch Einspruch der Bürgerlichen zurückgestellte An- trag der Kommunisten betr. Zurücknahme der Kündigung von 17 städtischen Heizern führt zu einer teilweis« erregten Aussprache. Stadtrat W a l d h e i m als Dezernent sieht keine Möglichkeit, wegen Mangel an Mitteln die Heizer zu halten. Auch können sie leider in keinem anderen Betrieb unterqebracht werden. Einstimmig be- schließt die Bezirksverordnetensitzung die Zurücknahme der Kün- digung._ Pfarrer Bleier über daS Schlohlazarett. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich die Bsr- sammlung, welche gestern im Bürgersaal de, Rathauses stattfand, und in der Genosse Pfarrer B l e i e r über die Vorgänge im Chor- lvttenburger Schloßlazarett sprach. Die Ausführungen des Redners gipfelten in dem Verlangen, daß den Lazarettinsassen die Räume belassen und alle gegen sie gerichteten Verfügungen endlich auf- gehoben werden sollten. Es liege kein Grund vor, die Maßregeln gegen die Kranken und Krüppel noch länger aufrechtzuerhalten, zu- nial auch ihre Familien darunter schwer zu leiden hätten. Die Versammlung bekundete durch stürmischen Beifall ihr Ein- Verständnis mit dem Redner. Wir behalten uns vor, morgen noch eingehender hierauf zurückzukommen. ES gibt noch Fahrkarten für die �erienfonderzüge. Wie eine Berliner von eisenbahnamtlicher Seite bediente Korr« spondenz mitteilt, sind noch zu einer ganzen Reihe von Feriensonder- zügen Fahrkarten zu ermäßigten Fahrpreisen verfügbar, und zwar: Nach der Sächsischen Schweiz am 9. Juli, von Thüringen(Rück- fahrt) 13. August, nach Friedrichshafen am 17. Juli sowie für die Rückfahrt am 13. August, von Basel(Rückfahrt) 13. August, nach Hamburg, am 8. und 11. Juli, nach Goslar-Thale am 12. Juli, für die Rückfahrt am 13. und 15'. August, nach Altenau am 11. Juli, sowie für die Rückfahrt von dort am 6. August, nach Seesen-Qued- linburg am 10. Juli, nach dem Sauerlande am 9. Juli sowie für die Rückfahrt am 30. Juli. Ferner sind Karten zu haben zu den vom Stettiner Dahnhof oerkehrenden Ostseezügen, ebenso zur Rückfahrt von der Ostsee nach Berlin. Aus dieser Mitteilung geht hervor, daß die Karten zu einer Anzahl wichtigster Feriensonderzüge tat- sächlich, wie wir schon vor Tagen meldeten, ausverkauft sind. Ueber die skandalösen Vorgänge an den Schaltern liegt auch bis heute noch als geschäftlich außerordentlich rührig, scharf und nüchtern im Denken und rasch und selbständig in seinen Entschlüssen. Nur daß er es verstand, aus einer Stunde zwei zu machen. Er genoß bei allen, die mit ihm zu tun hatten, Vertrauen, welchem freilich immer eine Art Furcht beigemischt war. Diese Furcht galt seiner Rücksichtslosigkeit. Denn es war be- kannt, daß er einen unheimlichen Spürsinn besaß, dem keine Schwäche des Gegners entging. An dieser Schwäche biß er sich dann bei denen, denen er übel wollte, fest. Und sonder- barerweise gab es niemanden, der glaubte, daß Reisner ihm wohl wolle. Aus welchem Grunde Reisner eigentlich überall verhaßt war. Es schien indes, als ob Reisner diesen 5)aß gar nicht be- merke, denn wo immer er sich zeigte, zeigt« er sich mit einem Lächeln, dessen Liebenswürdigkeit jede Härte und jede böse Absicht Lügen zu strafen schien. Und immer war er dabei, den Kreis seiner Beziehungen zu erweitern. Ueberraschend schnell hatte er sich die Fähigkeit angeeignet, sein wahres Gesicht zu verbergen, und Leute, die ihn das erstemal sahen, waren in der Regel bezaubert von ihm. Nicht weniger gut oerstand er sich auch darauf, seine wahren Pläne zu verschleiern. Stets trat er auf den Plan mit der Miene eines, der nichts will, um sich dann mit spöttischem Dank zu verabschieden, wenn er erreicht hatte, was er wollte. Was das war, wußte man erst, wenn es zu spät war, sich vor ihm zu retten. Denn er hielt sein Opfer fest und gab es erst frei, wenn es sein Verbündeter geworden war. Eine Menge listiger Verträge kettete so Menschen an ihn, die, ob- gleich sie wünschten, ihm zu schaden, ihm doch Nutzen stiften muhten. Er war rastlos. Das von Gutzeit übernommene Geschäft füllte längst nicht mehr den Tätigkeitsdrang aus, der in ihm steckte, und er hatte es kaum sieben Monate in seinem Besitz behalten. Im Winter fand sich eine Gelegenheit, es mit großen, Vorteil zu verkaufen, nebst jenem Haus im Westen, in dem zu wohnen ihm nicht mehr gut genug war. Er brachte eine Villa im Grunewald an sich, die er glänzend einrichtete, und anstatt daß ihm dieser Tausch Geld gekostet hätte, brachte er ihm Geld ein. Er kaufte, verkaufte, kaufte zurück,— er verpaßte keine Gelegenheit, die günstig war. Und nie verschwendete er. Daß auf diese Weise seine Mittel sich mehrten, war kein Wunder. Innerhalb acht Monaten hatte er eine halbe Million Mark verdient. (Forts, folgt.) feine amtliche Erklärung vor. Die Eisenbahndirektion Derfln hat im übrigen soeben angeordnet, daß sür die Sonderzüge von den Badeorten nach Berlin, also für die Sonderzüge der Rückfahrt, die Fahrkarten auch ohne die gleichzeitige Lösung der Fahrkarten sür die Hinfahrt ausgegeben werden dürfen. Damit ist auch solchen Reisenden Gelegenheit gegeben, wenigstens eine Fahrt zu er- mäßigtem Fahrpreis zurückzulegen, wenn ste auch für die Hinr« die Züge etwa wegen ihrer ungünstigen Lage nicht benutzen können. Reichskanzler vr. Wirth wird auf der großen Veranstaltung des Oberschlesier-Hilfswerkes am Sonntag, den 3. Juli,-in der Philharmonie, 8 Uhr abends, eine Ansprache haltew Ferner weist das Programm einen Aufruf von Gerhart Hauptmann auf, Vorträge des Berliner Domchors, des Berliner Lehrergesangvereins. Rezitation von Else Heims und Hans Mühlhofer. und zwar eine Dichtung von Hermann Stehr und schließlich Filmvorführung: Neueste Aufnahmen aus Oberschlesien. Karten bei: A. Wertheim, Philhar- monie und Hauptgeschäftsstelle des Oberschlesier-Hilfswerf», Berlin, Unter den Linden 78. zwischen S— 5 Uhr. Professor Einstein als Gast des Roten kreuze«. In den Räumen des Landeshauses der Provinz Brandenburg fand auf Einladung des Roten Kreuzes ein Empfangsabend zu Ehren des von seiner Amerikafahrt heimgekehrten Professors Einstein statt. Reben dem Reichspräsldenten E b e r t, den Mitgliedern de» Reichstabinetts und der preußischen Regierung sah man den Reichstagsprästdenten L ö b e und Oberbürgermeister Böß? Profestor Einstein hielt eine Ansprache, deren wesentlichste Punkte sich auch in der in Nr. 303 des„Vorwärts" vom 30. Juni veröffentlichten Unterredung eines unserer Mitarbeiter mit dem Gelehrten finden. Ihren S». Geburtstag feiert am heutigen Tage die Genossin Kirtchke, Schöneberg, Bahnstr. 18. Die Jubilarin, die schon bei der Gründung des Frauenbildungsvereins mit- tätig gewesen ist, wirkt trotz ihres hohen Alters noch nach Kräften für die Partei. Die Bezirlsverordnetenfraktion. die Vorstände des 11. Kreise» und der 78. Abteilung der die Genossin angehört, haben sie durch Glückwünsche. Blumen- und andere Spenden erfreut. Wir wünschen der Genossin Kirschke einen noch recht langen, ungetrübten Lebensabend. Sin Glückspilz. Eine aufregende Szene spielte sich gestern mittag am Belle-Alliancc-Platz ab. Hier versuchte der Hilfearbeiter Richard Viole aus Rehbrücke bei Potsdam auf einen in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 42 zu springen. Er kam dabei zu Fall und geriet zum Entsetzen der zahlreichen Fußgänger zwischen Trieb- und Anhängerwagen. Auf die Zurufe der Passanten bremste der Führer der„Elektrischen" mit solcher Gewalt, daß der Straßen- bahnzug fast augenblicklich zum Stehen kam. Man eilte herbei, um . den wie man nicht anders glaubte— Schwerverletzten unter dem Wagen hervorzuziehen, als sich dieser ohne jede Hilfe erhob und sich den freudig überraschten Zeugen des Vorfalles völlig unversehrt präsentierte. Die Bezirksversammlung Berlin-Mtke. die im Bürgersaol de» Rothauses tagte, hatte über die Neubenennung des Be- Zirks zu beschließen. Anstatt„Mitte" war vom Bezirksamt „B e r l i n- A l t st a d t" vorgeschlagen. Die Versammlung verblieb jedoch bei der jetzigen Benennung Berlin-Mitte. Lebhaft wurde es bei der Behandlung von Exmission»- angelegenheiien. In einem Fall war vom Wohnungsamt und Gericht die Ausweisung veranlaßt. Auch die Beschwerde- kommisflon beim Bezirksamt stimmte einstimmig zu, da der ehrenwerte Mitbürger in dem Wohnhau» alles für ihn Erreichbare, dazu auch Treppengeländer und Türen, zu Brennholz verarbeitet. Das Obdach soll sich angeblich auch geweigert haben, den Mitbürger aufzunehmen. Da nun der Mann mit sieben Kindern auf der Straße saß, blieb dem Stadtrat nichts übrig, als ihn wieder in die Wohnung, aus der er ausgewiesen war, einzuweisen. In einem anderen Fall blieb dem M i t g l i e-d der Kommission nichts übrig, als das ausgewiesene Ehepaar in seine eigene Woh- nung aufzunehmen, damit die Leute nicht aus der Straße bleiben mußten. lieber das U e b e r h a n d n e h m e n der Dirnen in der Ackerstraß« waren zahlreiche Beschwerden eingegangen. Hieraus entspann stch eine aufgeregte Debatte, bei welcher es zwischen der UEP. und den Kommunisten harte Zusammstöße gab. Die letzteren legten sich für die Prostituierten ins Zeug und warfen der USP. vor, sie in die Hände der Polizei zu treiben. In den Redekämpfen zwischen der USP. und den Kommunisten erkannte man deutlich Geplänkel des kommenden Wahlkampfes in Sroß-Berlin. Die SPD.-Fraktion hat einen Antrag auf Oeffnung des Mon- bijaU'Park» für das Publikum eingereicht. Die Bezirksoersammlung des 18. Bezirk»(Pankow) erledigte durch einstimmige Annahme nicht weniger als 30 A u f l a f f u n g s. an geböte von Straßenland in Karow und Niederschönhausen. Der Antrag auf Wiedereröffnung des Wo'chenmarkt» in Niederschönbausen für die Tage Mittwoch von morgen» 8 bis 1 Uhr nachmittags und Sonnabend von nachmittag 2 bis 7 Uhr fand einstimmige Annahme. Lebhafte Auseinandersetzung ergab der Bericht der Kommission über die Abgrenzung de» Auf, gabenkreises der Ortsausschüsse. Bezirksamt und versamm- lung hatten die Bildung von Ortsbezirken abgelehnt, dafür den Par- teien empfohlen, Ortsausschüsse zu bilden, um den Bewohnern der einzelnen Orte die Beteiligung am kommunalen Leben zu ermög- lich-n. Die Kommissionsvorlaqe wurde mit einem Aenderungsvor- schlag der SPD. gegen die Stimmen der BKPd.(die sich in einer früheren Versammlung dafür ausgesprochen) angenommen. Eine längere Debatte rjef die Pensionierung des Polizei- Inspektors Becker hervor. Die Rechtsparteien arbeiteten mit schwerem Geschütz gegen den Mann, der zu den Ihrigen zählte, nach der Revolution sich aber zur USP. wandte. Seitdem bildet er die Zielscheibe des Hoste» der Rechtsvarteien. Bei der Uebernahme der Polizei in den Staatsdienst wurde er abgelehnt. Eine andere Be- schäftigung glaubt er wohl nicht übernehmen zu können und will als 48j3hriger pensioniert werden. Durch 7 ärztliche Gutachten weist er [eine Arbeitsunfähigkett nach� Die SPD. hat in der Erkenntnis, >aß alle Gutachten nur den jubfektiven Lesund feststellen, der objek- tiven Untersuchung der Polizeiinspektor sich ober bi» letzt entzogen hat(was an« den ärztlichen Gutachten hervorgeht) und daß es sich um einen kräftigen Mann von noch nicht 80 Jahren handelt, der eine Pension von über 21 000 Mark erholten würde, gegen die Pensionierung gestimmt und ist für eine genaue amtlicheunter» s u ch u n g eingetreten. Die Versammmlung beschloß dem- entsprechend. FreirellgiSie«iemetnde. Sonntag vorm. 11 Mr im Raibmis, KSmaslrah«. Dvrlrag de» Herrn Ernst DSumig; Kirche und soziale Revolution. Harmonium: Ruistsch« stigeunerlieder.(Säfte willkommen. Während der Schulferien, bis LI. August, keine Vorträge. Abstimmungen zum Justizwefen. Der Landtag hat am Freitag nach Ablehnung einiger kam- munistifcher Anträge die Ausschußanträge angenommen. Sie betref- fen u. a. die Entlastung der Leiter größerer Strafanstalten, damit sie sich dem persönlichen Verkehr mit den Gefangenen mehr widmen können! ferner soll dem Bildungs- und Schulwesen in den Straf anstallen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, unbemittelte Un tersuchungigesangene sollen auf Staatskosten ihren Angehörigen ihre Verhaftung mitteilen dürfen, olle in der Oefsentlichteit gegen Ge- richtsurteile oder sonstige richterliche Entscheidungen und Handlungen erhobenen Vorwürfe sollen vom Justizministerium einer Rachprü- fung umerzogen werden, schnellere Erledigung der Verfahren wegen Wucher- und Schieberverbrechen usw. Ein heftiger Kampf entbrannte um die sozialdemokratischen An träge, von denen die wichtigsten, wenn auch zum Teil mit knapper Mehrheit, angenommen wurden. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Braun(Soz.) auf Anweisung der Staatsanwälte zur Unterlassung der Beschädigung von Rotationsmaschinen, Wegnahme von Maschinenteilen und andere im Pressegesetz nicht vorgesehener Eingriffe im Druckerei- betriebe mit 216 Stimmen gegen 84 Stimmen angenommen. Auch Volkstzarteiler stimmen dafür.— Ein sozialdemokratischer Antrag über Volkswahl der Laienrichter wird mit 184 Stimmen der Rechten gegen 128 der Linken abgelehnt. Dagegen werden die sozial- demokratischen Anträge aus Zulassung der Berufung gegen alle erstinstanzlichen Urteile in Strafsachen und Eröffnung des Weges zum Berufsrichteramt auf Staatskosten für Kinder Minderbemit- telter einstimmig angenommen, ebenso in namentlicher Abstimmung der sozialdemokratische Antrag, daß praktisch erfahrene und befä- higte Perspnen außerhalb des vorgeschriebenen Äusbildungsganges durch Ablegung der Gerichtsastessorprüfung die Befähigung zum Richteramt erlangen können, mit 188 gegen 143 Stimmen. Einstim- mig wird der sozialdemokratische Antrag angenommen, daß der Iustizminister auf die Entschädigung der Schöffen und Geschworenen für entgangenen Arbeitsverdienst hinwirke. Der sozialdemokratische Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe wird in namentllcheb Abstimmung mit 178 Stimmen der Rechten gegen 133 Stimmen der Sozialisten und verschiedener Demokraten abgelehnt.(Lang anhaltender Lärm. Pfuirufe.) Danach werben sämtliche kommunistischen und unabhängigen Anträge abgelehnt. Angenommen wird ein sozialdemokratischer An- trag aus schnelle Lorlage einer Reform des Strafvollzuges zur Trennung des Strafvollzuges von der Staatsanwaltschaft und Bildung selbständiger Verwaltungskörper dafür, Beschäftigung der Gefangenen nach ihren Fähigkeiten, Wünschen und beruflicher Tä. tigkeit. Gewähren de. Rechtes, politische Zeitungen, Zeitschriften und Bücher zu lesen in weitem Umfange, Ausgestaltung der Gefängnis- bibliotheken nach den Grundsätzen moderner Voltsbibliotheken ohne politische und religiöse Tendenzen, Abschaffung des Dunkelarrest», Ausgestaltung des Pflichtunterrichts mit modernen Anschauungs- mllteln in Vortragsform.— Einstimmig wird ein Zentrumsantrag angenommen über Sonderbehandlung geisteskranker Gefangener. Auf eine Anfrage der Frau Ege(Soz.), ob den Arbeiterjugend» verbänden dieselben Mittel wie den bürgerlichen Vereinen bewilligt werden sollen, erklärt Zrau Ministerialrat Bebet, Unterschiede nach politischer Stellung würden nicht gemacht werden.—- Auf eine An- frage Simon(Soz.) über die Anlegung von Listen für stellungslose Schulamtskandtdaten hin wird die Wetterverfolgung dieser Ange- legenheit in Aussicht gestellt.— Angenommen wird ein Antrag dcs Ausfchusies, wonach der deutsch gebliebene, östllch der Weichsel gelegene Test von Westpreußen als Regierungsbezirk Bestpreußen bestehen bleibt, ferner auf Zuteilung von Elbing-Stadt und Land, Marienburg, Marienwerder, Stuhm und Rofenberg zu Ostpreußen: die dortigen Provinziallandtagsabgeordneten erhalten volles Stimm recht im Prooinziallandtag Ostpreußen. Zum Vomänen'haushalt führt Abg. Beber-Griesheim(Soz.) aus: Die Zustände, vor.allen Dingen die Behandlung der Landarbeiter auf den Domänen, der Wucher durch Weiteroerpachtung der Domänen zu unerscbwinglichen Preisen, haben einen Grad Angenommen, die jeder Beschreibung spotten. Auf der einen Seite unverhältnismäßig niedrige Pachtpretse, und dabei verlangen die Domänenpächter von ihren Unterpächtern das Zehnsache! Die Forst- und Domänenverwallun'gen gehören größtenteils den Arbeitgeberverbänden an und wirken so bei Üvhm sifferenzen als vorgesetzte Instanz lediglich zum Nutzen der Pächter Die Interessen der Landarbeiter finden natürlich keine Berücksichtigung. Gutsbesitzer und Domänenpächter haben während dcs Krie. ges sehr viel oerdient. Unter den 13 in Salzwedel wegen Steuer- Hinterziehung mit Strafen von zusammen 1300 000 M. Bestraften befanden sich IS Landwirte, und das waren meistens noch mitt- lere Bauern! Wir lehnen die beantragte Aufhebung der Erhö- hung der Pachtpreise für Domänen grundsätzlich ab. Notwendig ist unbedingt eine engere Fühlung zwischen Vertretern landwirtschaftlicher Arbeiterorganisationetz und Arbeitgeberverbänden. Die in Selbstbewirtschaftung befindlichen Domänen müssen gezwungen wer- den, jäbrlich eine Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung vorzu- legen. Dar allen Dingen muß dem Landarbeiter, der noch immer ein Sklave der Besitzenden ist und noch größtenteils mit der Peitsche in der Hand regiert wird. eine menschenwürdigere Behandlung zuteil werden. Naturalbezüge wüsten zum E r z e u g e r p r< i- auf di« Löhne angerechnet werden. Im Arbeiterwohnungsbau auf den Domänen ist noch viel nachzu- holen.(Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Saushvld(Dn.) greift des Ministers Braun Pacht- chuhordnung an. Dienstag 1 Uhr: Ortstlastenverzeichnis. Haushalt, Groß-Berlin, Hroß-Serliner parteinachrlchtea. Morgen. Sonnlag, den Z.?vli: B. Alt. sssmM-naueflu. nach«nlndl.r.f.ld. SI»«»noffm triff«« sich frllh 'R-" /i-'------ Ki!«s« «l>ff,ekoch«n, Rinb«- zetjlich ffliKIommen. Uni-rba1tuns,rrosramm. bkfond�r«"fü, NnderV Abmarf�frUti��lhr'v�m «tmlnrtoJHn der Stslpifchen chtraß«. Sanberzu, steht«ur Steve fit« Hin, »eiustisungen usw. Wenost-N denambarier«vteuunae, !»„ 3). nnb 82,«it. Familienausflug nach Zepernick. ------------- 1-- 1,. 1-in.='-"' unb Rückfahrt H, Ndt. ckhailoitenhuti vormittag- M.«dt. Renki Treffpunkt »«vm- astiah iinter Mustkbegieltungl«eltistgehinb'e ttnt-rhaltüng, 8 ühr«rohes ftafftfr kdchen. Um reg« Neteilieun» mit»tisten bittet ber Ebteiiungsnorftanb. (Wetterbericht bi» Sonntag mittag. Etwas wünner, zeiilveise heiter, meist trocken, bei mäßigen nordwestlichen Winden., Ueberalterungsgesetz. Schluß 8 Uhr. ?ugenüveranfta!tungen. »tt»t»«»»elter-Ingenb»»».«, rtl». Sekretariat!««.«. Z» de» Zelte» B. SM Zngenbfrkrrwriat»efindat sich»t, ml M-ttere»«ach S»»««»rlten». Fernsprechee: Hans« ItU— It«, Heute, Sonnabend, den Z. Zulft «NC ftr.fnrnt der Spiel-»rd a,°rtleiwr findet um 14T Kch« f* Zmeteal- jufenbheim, Linbenstr.», statt,«artrag!„Spiel unb Spart IN ber Arbeiter. lugenbdewegung". Referent Genosse Alep vom Ärumbkoiv, Mitgl. b>«■■J--"- «ael-horft. 7 Uhr«oir-tänze und Reigen in b-r Turnhalle der«. voll». schule, hlugusta-viktoria-Strahe. Morgen. Sonnkog. den Z. Zuli, «öpeui«.»«tbKung, Treffpunkt V« Uhr Schlohplah.- Sefnnbh.unne». «anberung«orinleg, Treffpunkt VG Uhr vhf.«esunbbrunnen.—«inttlln. Wanderung«irkenwerder, Treffpunv» Uhr«ingbahnhof.— Prenzlauer Por. habt, Wanderung, Treffpunkt Uhr GchSnhau�r Ml-,.-- Steglitz.grt-be. nau. Wanberunq Potrdam, Tretfpun« V,7 Uhr«ftf. Steglitz.— Sieglitz U: Wanderung Potsdam. Treffpunkt Ml Uhr Rhf, Steglitz,—- SSdweft. Nacht- Wanderung Strausberg, Treffpunkt Sonnabend Z�f Uhr Nlüchcrplatz.— Trcp. taw. Rachtmgilderung Erkner— Möllensee, Treffpunkt Sonnabend 4 Uhr Ring. bahlihof. flus aller Welt. Eholerafeuche in Sonstekrußland. Die Moskauer„Iswestlfa" melden von einer deftigen Eholerafeuche, di« vom Südosten des europäischen Rußland» sich nordwärts nach Zentralrußland aus- breitet. In Rostow am Don und Woronefch hat die starke Zu- nähme der Krankheitsfälle außerordentliche Maßnahmen veranlaßt. GejchLstliche Mitteilungen. jl> iMixe»aß», das ist hie Peplfe. upter der sich der«erkglzf de? bekannten .Herr««, und»naben-ftonf.kHan, Haufe, M. Hg u I- I m e, p e r,«gttbvser Tor, au-zeichiut. Wtrtfthclfi Ein Sullurwerk in Oldenburg. Vom Landesarbeiterrat des Freistaates Oldenburg wird uns geschrieben: Dem Reichstage ist im Nachtragsetat des Reichsverkehrsmini- steriums u. a. eine Forderung von 20 Millionen Mark unterbreitet, die für den Ausbau des Hunte-Ems-Kanals bestimmt ist. Dieser Hunte-Ems-Kanal ist im Jahre 1836 fertig geworden und führt von Oldenburg aus etwa 30 Kilometer tief in die Moore hin, ein. Ais während des Krieges die Notwendigkeit an uns herantrat, die Oedländereien im Lande zu kultivieren, um die Lebensmittel- knappheit zu bekämpfen, da erinnert� man sich auch der Moore, die mit wenig Arbeit in fruchtbares Kulturland umzuwandeln find. Es entstanden in kurzer Zeit große jNoorgüter, die mit eigens dafür ge- bauten Landbaumotoren gewaltige Flächen in Kultur nahmen. Die Kohlennot führte weiter dazu, die in jenen Mooren liegenden Schätze an Ersatzbrennstoffen zu heben. So wurde in großzügiger Weise die Torfproduktion aufgenommen. Heute sind an beiden Ufern des Kanals insgesamt 40 größere und kleinere in- dustrielle Betriebe(ohne die Kolonisten) angesiedelt. Vor 20 Jahren wurden die ersten Werke am Kanal angelegt. Nach und nach siedelten sich eine Menge Kolonisten an, die hier in zäher Ar- beit ihr Brot oerdienen und sich eine neue Heimat schufen. Heute nun steht ein Werk neben dem anderen am Kanal: Torfwerke, Torf- kohlenfabriten, Torfstreufabriken, Ziegeleien, Moorgüter, Gewächs- hausanlagen, Gemüfeplantagen und kleine Handwertsbetriebe. Das investierte K a p i t a l in den Werken, die hauptsächlich in den letzten fünf Jahren entstanden sind, wird auf etwa ISO Millionen Mark errechnet. Alle diese Werke sind für den Ab- transport ihrer Erzeugnisse und die Herbeischaffung ihrer Bedarfs- artikel auf den Kanal angewiesen, der seit zwei Jahren den An- forderungen nicht mehr genügt. So mußten im letzten Jahre allein von der Torfproduttion, die annähernd 3SOOOO Tonnen betrug, 100 000 Tonnen liegen bleiben. Für die nächsten Jahre rechnen diese Werte allein mit einer Produktion von 700 000 Tonnen. Hinzu kommt, daß mit der fortschreitenden Kultivierung des Lande» große Mengen Düngemittel benötigt werden, daß die landwirtschaftlichen Erzeugnisse abtransportiert werden müssen und alle diese Werke auf den Kanal als den einzigen Verkehrsweg angewiesen sind. Es ist nicht unwesentlich, baß durch den Ausbau des Hunte-Ems- Kanals und feine Fortführung nach der Ems nicht nur Zehntaufende von Hektar Moorland neu erschlossen werden, sondern daß auch eine Regelung der Wasserwirtschaft in diesem Gebiet erfolgen kann, wie sie glänzender kaum zu denken ist. Bisher waren von dem früher schon kultivierten Lande alljährlich gegen 20 000 Hektar überschwemmt, weil die vorhandenen Flüsse da» Niederschlagswasser nicht fassen konnten. Diese Hochwassergefahren und Ueberschwem- mungen, die jährlich schon im Frieden für 2 bis 3 Millionen Mark Ernteschäden verursachten, werden durch den Kanal beseitigt. Mit dem Ausbau dieses Kanals, der einer Industrie die Möglichkeit zu großer Entfaltung gibt und die Vorbedingung für die Kultivierung der Moore schafft, wird ein Kulturwert ersten Ranges geschaffen. 57 Polenmark--- t Papiermark! Man forderte in Warschau«m Donnerstag bereits 37 polnische Mark für eine deutsche. Vor einer Woche stand die deutsche Mark nur 24. Die Panik ist vollkommen und die Oeffentlichkeit fordert von der Regierung Rettung. Finanzminister S t e c z k o w s t i wird eine neue Aktion zur Reduzierung des bankrotten Budgets einzu- leiten und als Hauptgeaenftand feiner Bemühungen eine einmalige Vermögensabgave durchzusetzen versuchen. Das Forschungsinssikuk für Gemeinwirkfchafk in Wien hielt am 23. Juni fein« Generalversammlung ab, in der der Generalsekretär Dr. Otto Neurath über die Tätigkeit dieses wissenschaftlichen, für die Erkenntnis und die Propaganda der Gemcinwirtschaft außerordentlich wichtigen Unternehmens im erlten Jahr feines Bestehens Bericht er- stattete. Zu den Aufgaben des Instituts, das von einem Verein gleichen Namens gegründet wurde und von öffentlichen und privaten Organisationen unterstützt wird, gehört die Aufstellung eines Wirt- s ch a f t S p l a n e s für Oesterreich auf gemeinwirtschaftlicher Grund- (age, ferner die gesamte wissenschaftliche Organisation und Bericht- erstattung auf diesem Gebiete. Vorträge, Veröffentlichungen und Ausstellungen werden veranstaltet. Neurath stellte in seinem Be- richt fest, daß die wissenschaftliche Erforschung der Gemeinwirtschaft ungenügend und daß das Interesse daran, sie zu fördern, gering ist. Trotz knapper Mittel konnte das Institut dennoch eine Reihe wich- tiger Arbeiten durchführen, besonders auf dem Gebiet der Berufs- beratung und-Umschichtung. Diese Arbeiten haben sich zu einem Entwurf über die Schaffung einer Zentral st elle sür Wirtschaftserziehung verdichtet. Ferner wurde Material über diejenigen Organisationen gesammelt, die für die unmittelbare Durchführung der Gemeinwirtschaft Bedeutung gewinnen dürften, wie die deutschen Betriebsräte, die italienischen Arbeiterkammern und landwirtschaftlichen Genossenschaften und Organisationen. Weiter widmete sich das Institut der österreichischen Siedlungsbewegung, der Studentenarbeit und der gemeinwirtschaftlichen Beratung der Gemeinden. Ein besonderer Erfolg der gemeinwirtschaftlichen Be- strebungen ist, daß sich in Oesterreich ein Interessenverband für Gem»inwirtschaft gebildet hat, in dem u. a. die Gewerk- schaften, die Konsumvereine, die Arbeiterkammern und die gemein- wirtschaftlichen Anstalten vertreten sind. Die Ausschaltung de» Kleinhandels. Die italienische Textil- industrie leidet auch unter der Wirtschaftskrise, besonder« seit der Besserung der italienischen Valuta, welche den Export dieser Waren erschwert. Da die Detailhändler mit den Preisen nicht heruntergehen wollten und somit die Absatzstockung verschärften, hat sich die in Mai- land konzentierte Textilindustrie, und zwar die Unternehmer- verbände im Einvernehmen mit dem Verband der Textilarbeiter, zur Ausschaltung des Kleinhandels entschlossen. Die vereinigten Fabri- kanten haben zwei Warenhäuser eingerichtet, wo ste Textil- und Schuhwaren zu Selbstkostenpreisen unmittelbar an die Konsumenten abgeben. Die Verkäufe finden hauptsächlich in der Weise statt, daß zu einem Einheitspreis je ein Paket, enthaltend einen Wollonzug. Unterwäsche, Strümpfe und ein Paar Stiesel abgegeben wird. Noch- dem di» Kleinhändler zuerst in italienischer Art sich wild» Ausbrüche der Leidenschaft erlaubten, haben sie nach den letzten Nachrichten sich doch zu sehr bedeutenden Preisherabsetzungen bequemt.— Do» vorgehen der italienischen Textllindtistrie ist deshalb Interessant, weil man sonst gegen»ine Verhilligung der Verteilung durch die Vertür» zung ves Weges vom Erzeuger zum Verbraucher die merkwürdigsten Bedenken hören kann, Mit welcher Erbitterung wurden insbesondere die Konsumgenossenschaften be- kämpftl Sn diesem Falle ist aber der Gegensatz zwischen Erzeugern und Verteilern deshalb zum offenen Konflikt geworden, well der Kleinhandel sich dem Preisabbau nicht rasch genug anzuschmiegen gewillt ist._ Soziales. , Der ürankcnkassenkag In Aresburg. Im weiteren Verlauf des Verbandstages der Krankenkassen Deutschlands sprach Professor Rost, der Direktor der pharmakolo- gischen Universitätsklinik Freiburg über die Bekämpfung der Ge- fchlechts- und Hautkrankheiten. Die Zunahme der Ge- schlechiskrankhelten mache es den K r-a n k e n k a f f e n zur Pflicht, auf eine möglichst baldige ärztliche Behandlung der Geschlechtskrankheiten bedacht zu sein. Sodann sprach der Vorsitzende der Landes- Versicherungsanstalt Badens, Geheimrat Beck au» Karlsruhe, über dt« Arbeitsgemeinschaft der Krankentassen- und Berufsorganisationen. An den Reichstag und an die Reichsregicrung wurde ein Antrag ge- richtet, den aufschießenden Gründungen von kleinen Kranken- lassen durch gesetzliche Borschriften entgegenzuwirken. Die nächste Iahrestagung findet in Würzburg statt. r. 7hesterf Lichtspiele etc. Staatsoper SommersastBplel eitung Gustav Bergmann 7Vj Hör Deutsches Theater '/j Uhr; Polascfc u. Perlmutter tg y'/j: Potasch u. Perlmutter Karamersülete Ii Zwei glückliche Tage itg?>/,: Zwei glückliche Tage ir. Schausplelhaos (Karlstraüe) «/,; Die Weber(Auß.Abonn.) lonntag 7'/s Uhr; Die Weber (Außer Abonnement) Volksbühne Theater am BQlowpIatz« uhr; Der Kaiserjäger Sonntag, 3. Juli, nachm. 3 U.: Die Fiedermaus MWW-WM Theater i. d. K9n!ggr§tzer Str. fonfp. EgDLühne-Innsbruck 5tg: Glaube und Heimat Wontoo: Der Weibsteufel Kerllaer Theater Allabendlich 7.30 Uhn ODS Kalph Artur Hoberts, Eise Hüller, Uschi Elle«:. Her. »ert Klper, Paul Rehkopf Koraßdieuhaus 7J0: Der blonde Engel Centrnl-Thenter i uhr; Jlonka Oentanhes Operaltna» i'/.uhr: Margarete Frlertr. Wllltelmst.Tlt UM Kleine ans der Hölie Kl. Sehanapielbaua p/.unr; Reigen Kleinen Theater D/2! Limburg u. Schonemann in: Nur ein Traum Btg. 4 Uhr Nur ein Tranra Metropol-Theatep Jh/Dis blaue Mazur Menea Opcrettenlheat. p/.uhr;Araerlcan-Glrl ReatdonB-Theatcr N/2 Uhr Mas Adalbert in 1919(Ab dnfjirl) Stg. 4 Uhr: Am Teetisch Sehlller-Thent.tijhitrl. J'flelneFraü-ilasFFäyjein Schloßpark- Thcat. Steglitz, SchloCstraBe 48 7'/.u. Der RansiertiahntiGS Thalla-Th enter 7«/, uhr Mascottchen I'h.nmXoUeuitorfplntn 3/, uhr: Abrakadabra Morgen T/t' Abrakadabra Lessiao-Theater Allabendlich 71/, Uhr: ßie Saüeiia lies KöDip (Kor.itrntin, Götz) Deutsches Kilnstier-Ihealer 71/, uhr Gestßadnis Ralph, Kortf, Otto Komissiie Oper Opernspielzeit Täglich /3/4 Uhr M-Welderg Oper von Pacchlerottl Stg.a1/,: Der Barbier T. Sevilla ir WodieSeittsiaUien nisten 1 Plt j Die große_ Manii|]s-Se!iiiii_ fip Tip~ Surr ah! Ueber 150 Mitwirk. 1 mit dem bekannten MM Hartslein j Albert PauÜg Heinz Sarnow Erna Albertl Else Schloicka Berlinerfrater Kastanien-Allee 7—9 Täglich V2S Uhr: Variete Wenn Engel streiken 1 Operette In Z Akten Philharmonie Sonntag, den 3. Znli 1921 8 Ahr abends Auftuf von Serhart Hauptmann :: Berliner vomchor:: :: Berliner Lehrergesavgverein:: Ansprache vom Reichskanzler Dr. Wirlh Aezikation: Else HeimS u. HanSMühl« hofer/ Dichtung von Hermann Stehr Lichlbildervorführung: Neueste Aufnahmen aus Oberschlesien Kennen zu Grunevsldjr— (Volonblnb) Sounäbend, den 2. Juli, nachm. 3 Uhr: 7 Rennen Ab Oberbanmbr&che tßgl. abends�nach KCU- 86�5�1 und W!pp Cnhlpnpp Abf.: Sonntags 8,15 vorm. II. 2,00 161 uUUCUiC. nachm. Wochtgs. nur 9,00 vorm. Außerdem: Jeden Dienstag, Mittwoch u. Donnerstag durch die herrlichen Havelseen über Potsdam naeh Ferch am Sehwlelowsee. Abf.: 8,30 Marschallbr., Friedrichstr, 9,15 Charly Tegl. Weg. Reederei Kieck, Falkensteinstr. 48 Mpl.8197 Karlen bei A. Wertheim. Philharmonie und Hauptgeschäftsstelle, Unter den Linden 78 kolles Caprice Llnienstr.l32.amOramenbg.T. Täglich P/t Uhr: Prinzessin vom Nil AbtiT. Operette In 3 Akten Musik von Victor Holländer mit Fräaz) Blenke, Max Waiden, Käthe Jungherr usw. insera&e Vorwärts verbürgen Erfolg! „Der Zuckerbächer, Don. hon- u. Schokolad.Pabrl. kanl", Wochenschrift. Jährl. 48 M. 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Wertpapiere c> sonstige börsengängige Wertpapiere.. d) sonstige Wertpapiere......... Konsortialbeteiligunren......... Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankllrmen............ Schuld-.er, in laufender Rechnung,.... a) gedeckte.............. b) ungedeckte............. außerdem Aval- und Bürgschaftsschuldner ... M. 1 847 187 090.— hierunter Avaforderungen an Reich und Reichsbank......... M. 257721450.- Rankgehäude............. Sonstige Immobilien........... Mobillen-Konto............. Pensions- Fonds-Effekten-Konto...... Effekten-Konto der König-Friedrich-August- Stiftung.............. Effekten Konto der Oeorg Arnstaedt-Stiftung Saldo der Zentrale und auswärtigen Abteilungen mit' unserer Niederlassung In London.. 6767 932 223 95 288 389634 93 227 351 11918 267 9450 343 93 500 785 6 435995 1 671 739 08(1 I 069 492 500 04 665 017 849 6 767 932 223 894 573 333 235 061 336 456 789 660 33 789 417 63 121 203 391 80 77 377149 30 77 211 035 2 741 231 330 61 585 415 95 4 192 324.95 II 140 475 35 9220 473 25 • 95 204 122 250 20 030 784160 Aktien-Kapital-Konto Rücklage A........... Rücklage B.........,. Talonsteuer-Rflcklage-Konto..,. Gläubiger..........., a) Nostroverpfllchtungen..... b) seitens der Kundschaft bei Driften benutzte Kredite einschließlich der für Reich und Reichsbank übernommenen.......... c) Guthaben deutscher Banken und Bankfirmen.......... d) Einlagen auf provisionsfreier Rechnung......... 1. innerhalb 7 Tagen fällig... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig'........... 3. nach 3 Monaten fällig.... e) sonstige Gläubiger....... I. Innerhalb 7 Tagen fällig... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig........... 3. nach 3 Monaten fällig,... Akzepte............. Außefdetn Aval-undBOraschaftsverpIlichtunge» '(d irtschl def für Reich urtd Reichsbank übernommenen).. M. 1 847 181 090,— ' Eigene Ziähflngeh— davon für Rech- nbng Dritter...— Weiterbegebene 'SölaVe'ch'sel der Kunden an die Order der Bank— Dividenden-Konto......... Pensions-Fonds-Konto....... König- Friedrich- August- Stiftung... Georg Arnstaedt-Stiftung...... Eugen-Gutmann-Fonds....... Uebergangsposten der Zentrale und Filialen urttereinander...... Reingewinn,-.............. Verlnat Gewinn» und Verlust-Konto per 31. Dezember 1920 Oewlnn Handlungs-Unkosten-Konto Steuern......., Reingewinn Dresden, den 31. Dezember 1920. Nathan Jüdell Vortrag von 1919............... Sorten- und ZInsscheln-Konto.......... Wechsel- und Zinsen-Konto.......... Provisions Konto............,.. Elfekten- und Konsortial-Konto......... Erträgnisse aus dauernden Beteiligungen bei anderen Banken Tresormieten................. 423495 091 35|| DRESDNER BANK Herbert M. Gutmann Hrdina Kleemann 45 1738 108 11 862 915 230 199 186 175 124 019 3627 486 943 374 423 495 091 35 Ritscher Frisch ür die Reis M Solider Damen- Halbschuh mit echter Lackkappe 95 00 Eleganter Damen-Halb- schuh.echteLackkappe, gute Verarbeitung *108 00 Billige,, aber gute Knaben- und Mädchen Stiefel, in den Grössen 25—39....... von Äb# 6Qoo Ö- �\ Ausnahme-Angebot 178°° Vor neb m cHerren-Gesellsch af ts- stiefel, echt Chevreanhorse, Orlginal-Rahmenarbeit, mit tmd ohne Lackkappe.,... Weiss-Leinen Elegante Spangen- und Halbschuhe. Beste Vcrarheitung. Grosse Auswahl. Spottbillig. Wir fabrizieren selbst! 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Vorschüsse aat Waren und Warenver- schitipngen............ (davon am AbsehluStage durch Waren, VersrhiffnngvBapiere usw. gedeckt 465 Millionen) Eigene Wertpapiere Cesamtbestand M. 69 JRS 367.45 Anleihen den Reichs und der Bundesstaaten............ sonstige bei der Reichsbank beleihbare Wertpapiere.......... sonstige börsengängige Wertpapiere. nicht notierte Wertpapiere..... Bdteiiigung an Oemeinschafts-Linterneh- mungen............. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Tirmen.......... Schuldner in lautender Rechnung gedeckt,............ ungedeckte.........,. (auSerdem: Schuldner aus geleisteten Bürgschaften 1)64 Millionen) Forderungen an das Reich und die Reichshank aus für Rechnung derselben übernommenen Verbindlichkeiten..... Bankgebäude............ Sonstiger Grundbesitz Verschiedenes 1 1S3 373 311 1 185 081 410 16625 821 696 77 85 235 240 1 51 217 350 389 535 705583 6 747 730 17 15117 183 01 38 512 628 13 9 207 825' 85 2 600 201 516 « 1285 777 990,96 19 239 365 362 62837 637 38352685 76717012 3 285979 507 178284 410 47 640 000 1 1 12 30 73 Grundvermögen 4, Rücklagen gesetzlich vorgeschriebene,..,, freie.»»«»»»»»«»,« Gläubiger in laufender Rechnung Verpflichtungen für eigene Rechnung seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredite......... Guthaben deutscher Banken und Bankfirmen............. Einlagen auf gebührenfreier Rechnung innerhalb 7 Tagen fällig..... M. 8 340339 102�2 darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig...... 2914 851 609.78 nach 3 Monaten fällig.....■■ 1 747 534 293.60 sonstige Gläubiger innerhalb7Tagen fällig..... M, 7 398 588 774.51 darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig...... 111 488 345.98 nach 3 Monaten fällig.....„ 446 306 814 86 Akzepte (auüerdem; geleistete Bürgschaften 1154 Millionen) Für Rechnung des Reichs und der Reichsbank übernommene Verbindlichkeiten Sonstige Verbindlichkeiten Unerhobene Dividende....... Dr. Georg v. Siemens-Fonds..... Jubiläums-Fonds......... Rückstellung für Zinsbogensteuer.. Uebergangsposten der eigenen Stellen unter einander......... Zur Verteilung verbleibender UeberschuB 312471 323 43 65 614 329 70 3207384 1 720 735 620 467 188 6l 12 998 225 005 90 7 956 383 965 35 2 543 067 8958 041 5 000 600 3 950 000 33211 291 51 460 000 oeo 378685 653 13 VTHObo 65.!' 13 Fast jedes zweite Los gewinnt Höchstgewinn im günstigsten Falle 21 580 004 280 15 154 071 251*22 118 284 410 53 662400 185 068 622 Anngraben Aus AnlaS der Fusion und Kapital-Erhöhung entstandene Kosten.... Handlungsunkosten......... Steuern und Abgaben einschl. Zinsbogen- s'euer............. Wohlfahrtstlnrichtungen für die Beamten (Klub, Kantinen. Erholungsheim und dergi.) und Beiträge der Bank zum Beamfentürsorge-Vereln...... Abschreibungen auf Einrichtung..., , Baukgebäude... Zur Verteilung verbleibender Uebebschuß: Gewinn au, 1920..... Vortrag aus 191»..■■. Mark>22 929 176 617!) Gewinn» und VerlusfsRechnung: 30 Mark 122 929 176617 13 Einnahmen 22 600 000 412 529 596 67 357 966 15 007 702 12)lo449 53 9036 824 5 30 173742 241 SS 1 1 326 380 90 517 495266105 21 753 274'03 135 068 622 45 Vortrag aus 1919.......... Gewinn auf Zinsen und Wechsel.... . Gebühren........ Sonstige Gewinne(aus Wertpapieren, Gemeinschaft- Geschäften, Dauernden Beteiligungen, Sorten u. dergl.).,. 443 782 764 198186 505 71 021 511 ISO 11 326 380 712 990781 90 63 Vi Los 10 V, Los 20 M.,*, Los 40 M., Vi Loa SO M.(Lose noch vorrätig). Verlangen Sie den amll. Gewinnplan gratis. Staatlicher Lotterie-Einnehmer Boplin W 8, Friedriebst. K4 zwischen Kronen- u.Mohrenstr. 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Zsteier-Zwickau(Soz.) fragt, ob infolge der Verteuerung aller Lebensverhältnisie eine neuerliche Heraufsetzung der Lohn- Pfändungsgrenzen in Aussicht genommen sei.— Antwort: Die siie» gierung prüft die Frage erneut, da man nicht bis zur allgemeinen Reform des Zwangsoollstrcckungsrechts warten könne. Dem Abg. Pletlner(ftomm.) wird mitgeteilt, daß die Vorzensur über den Stuttgarter„Kommunist" aufgehoben und zugleich der „Kommunist" und seine Kopsblätter auf kurze Zeit verboten wor- den seien, jetzt aber wieder erscheinen dürfen. Die Vorzensur habe nicht gegen die Verfassung verstoßen Wegen der Aushebung des Verbots kommunistischer Blätter in München, Augsburg und Königs- berg hat sich die Reichsregierung mit den Bundesregierungen in Der- bindung gesetzt. Abg. Frau Schröder(Soz.) fragt an, was die Reichsregierung bisher getan habe, um der Verfassungsbestimmung:„Die Ehe beruht auf der Gleichberechtigung der beiden Geschlechter", sowie dem Artikel 121 der Verfassung:„Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche, seelische und gelellschaftliche Entwicklung zu schassen, wie üen ehelichen Kindern" im VGL. Geltung zu oerschaft'en. Ferner wird gefragt, was zur Neuordnung des Ehescheidungsrechts geschehen sei. — Die Regierung erwidert, daß im Entwurf eines Jugendwohlfahrts- gesetzes zahlreiche Borschriften zugunsten der unehelichen Kinder ent- halten sind. Es ist mit sachverständigen Organisationen und Person- lichkeiten über die juristische Besserstellung de? unehelichen Kinder verhandelt worden. Den Landesregierungen sind Grundzüge einer gesetzlichen Neuregelung dieses Rechtsgebiets zur Stellungnahme zu- gegangen. Der Gesetzentwurf wird zurzeit im Reichsfinanz- Ministerium bearbeitet. Die bestehenden gesetzlichen Vorschriften über die Ehescheidung werden geprüft, um sie zwecks Beseitigung der her- vorgetretenen Mißstände zu ändern. Auf ein« Beschwerde der Frau?süls(Soz.) über völkeroer- hetzende Filme der Gesellschaft für Ku>turforschung wird erwidert, daß die Filmprüfstellen selbständig über die Zulassung ent- scheiden. Die erwähnten Filme wollen rein sachliche Aufklärung bewirken. Der Gesetzentwurf, wonach Postpakete von und nach dem besetzten Gebiet kontrolliert werden können, wird dem Postgebührenausschuß überwiesen, nachdem Abg. Dr. Geyer(Komm.) Bedenken vorgebracht hat: Das Gesetz führe zu einer unerhörten Postschnüfselei. Schon jetzt werde die KPD.-Korrespondenz mit dem Auslande überwacht, ihre Flugblätter beschlagnahmt, kürzlich erst 4 Z e n t n e r Flugblätter in Dortmund.— Die Verordnung über Sammelheizungs- und Warmwasserversorgungsanlagen in Mietsräumen wird bis zum 31. März 1922 verlängert Das Gesetz über den Staatsgerichtshof wird mit Zweidrittel- Mehrheit gegen Unabhängige und Kommunisten angenommen. Darauf wird die Aussprache über die Interpellation, betreffend üie Sanktionen fortgesetzt. Nach den Abgg. Dr. Bell(Z.) und Reichert(Dnat.) spricht Abg. Dr. Breitscheidt(U. Soz�): Auch wir kennen und beklagen aufs tiefste die Schäden, die dem besetzten Gebiet durch die rechts- widrigen Maßnahmen der Entente erwachsen. Wir verurteilen die Schikanen, durch welche die Beziehungen der Völker vergiftet werden müssen. Wir stehen daher nicht beiseite, wenn die Auf- Hebung der Sanktionen mit aller Dringlichkeit gefordert wird. Die Zollinie zerreißt unsere lebendige Wirtschaftsordnung, und durch das offene Loch im Westen strömt eine Menge überslüssiger Luxus- I waren herein. Der Patriotismus der ehemaligen BalerlandsparkeNer I reicht nicht us, um unser Wirtschaftsleben gegen die Ueberlchwem- mung mit diesen Waren aus dem Geschäftsinteresse deutscher Händler zu schützen. Alle Voraussetzungen für die Ausiechterhaltung der Sanktionen sind hinfällig, denn auch nach unserer Aussassung hat die Reichsregierung vollgültige Beweise des aulcn Willens zur Er- l füllung des Ultimatums gegeben. Nicht die deutsche, sondern die sranzösische Regierung entzieht sich lhicu Verpflichtungen. � Auf der Rechten wird die Politik der Franzosen auf das schwerste verurteilt, sie finden aber kein Wort der Verurteilung für die Politik . der eminenten bayerischen„Patrioten", die innerhalb des Reichs neue Grenzen ziehen. Eins Regierung aus den Reihen der Zapf und Reichert würde erreichen, daß die Sanktionen sich auch auf das Ruhr- gebiet erstrecken und für alle Zeiten bestehen würden. Der Redner der Deutschen Volkspartei drohte der Regierung, wenn sie nicht energische Maßnahmen zur Beseitigung der Sanktionen treffe, sogar mit gewaltsamem Sturz. Dieses Bekenntnis zur Berechtigung der Revolution ist bemerkenswert. Wir wollen die Regierung stützen, aber wir stellen ihr keine Blankovollmacht aus, sondern werden ab- warten, was sie leistet. Die französische Politik ist, nach einem französischen Wort, schlimmer als ein Derbrechen, sie ist eine D u m m h e i t I Sie nimmt Rücksicht auf das militärische Prestige einiger Generale auf der einen Seit«, und aus der anderen Seite auf das Prestige hungriger Kapitalisten. Das schlimmste ist heute die die Gefahr des internationalen Rationalismus auf deutscher und französischer Seite. Die Fäden, die von dem fron- zostschen zu dem deutschen Chauvinismus gesponnen werden, drohen der Strick zu werden, mit denen die Lebensinteresien des deutschen Volkes erwürgt werden. Die Rechte soll sich klar werden, daß sie durch ihre Anspielungen auf eine Gewaltpolitik nur lächerlich wirken kann, denn die Flinten, die Deutschland noch zur Verfügung hat, können nach außen kein ernstes Wort mehr sprechen, sie reichen gerade nur noch dazu aus, Arbeiter niederzuknallen, wenn sie be- rechtinte Forderunqennerheben.(Beifall links.) Abg. koch(Dem.) findet innerpolitische Auseinandersetzungen hierbei zwecksos und protestiert dann gleichfalls gegen die Faust- fchlagpolitik der Entente, die auch den Kapp-Putsch gefördert hat. (Beifall.) Abg. HölleZn(Komm.): Wir hoben keinen Anlaß, den notioni- listischen Rummel, der hier aufgeführt wird, mitzumachen. Im Kriege haben die Militaristen genau dasselbe getan, was heute die Bourgeois als großes Unrecht an den Pranger stellen. Abg. Dr. Deermann(Bayer. Vp.): In der Pfalz verschärfen sich die Gegensätze durch die Brutalitäten der Franzosen von Tag zu Tag. Kommt es wirklich zur Errichtung einer pfälzischen Republik, wie die Franzosen erstreben, so bricht Im Westen ein Sturm der Cntrü"ung los. Mit einer Rede des Abg. Dr. Most(D.Vp.) schließt die Be- sprechung. Eingegangen ist eine unabhängige Interpellation über die Zu- stände im Charlottenburger Schloßlazarett. Sonnabend 11 Uhr: Kleine Vorlagen, Interpellation über das Grubenunglück, Nachtragsetats. Schluß 548 Uhr. • SanktivnS'ira�lS. Oberhaufen. 1. lluli.(lTlL) Der DolftÄassistenk Aelgen- kreger geriet mit belgischen Soldak-n in Streik. Die Soldaien schafften ihn nach Mciderlch. Als er seiner Festnahme widerstand cnkgegcnsetzle, schössen die Belgier ihn nieder und brachlen Ihm ' mehrere Bajonetlsllche bei. zukommen. Er hat eine kurze schriftliche Angabe gemacht und unterschrieben, worauf er wieder zu den übrigen deutschen Gc- fangenen zurückgebracht wurde.> Kaufmann August Becker aus Derlln-Wilmersdorf, der Feld- webel im Bataillon des Majors Müller war, bekundet, daß ver- mundete Franzosen hinterrücks die deutschen Soldaten beschossen hätten, und daß ein verwundeter Franzose, der dies getan habe, aus etwa Hb Bieter Entfernung erschossen worden sei. Gegen 3}4 Uhr nachmittags wird dann die Weitcroerhandtnug auf Sonnabend vormittags 9 Uhr vertagt. » London. 1. Juli.(MTB.)„Daily Mail" meldet, daß nächste Woche, wahrscheinlich am Mittwoch, in Bowstrcet Verhandlungen gegen die beiden deutschen U-B oot-Offiziere Oberleutnant B o l d t und D i t t m a r wegen Versenkung des Hospital- s ch i f f e z„Landovery Castle" an der Küste von Irland am 27. Juni 1918 stattfinden werden. Die Anklage der britischen Re» aicrung laute auf Mar d. Bei diesen Verhandlungen werden Zeugenaussagen von einem oder zwei Zeugen, die nicht in der Lage sind, sich zu dem Verfahren nach Leipzig zu begeben, entgegen- genommen. Nach der Zeugenvernehmung werden die weiteren Verhandlungen in Leipzig stattfinden. Ein französischer(Ykgen'all. Paris, 1. Juli.(WTB.) In der„Humanitö" erhebt der bekannte Schriftsteller Gouttenoire de Toury unter Bezug- nahm« auf die Verhandlungen vor dem Reichsgericht gegen General Stenger die Anklag« gegen den Kommandanten der 13. Infanterie» Dwision, General Martin de Bouillon, am Vorabend des Angriff» vom 28. September 1918 im Artols sich des gleichen Ver- gehen» schuldig gemacht zu haben, desien General Stenger beschul- digt werde. Toury sagt, daß hinter der Lorettohöhe die Offiziere der 13. Division zusammenberufen worden seien und daß in einem SchulsaaF der General den Befehl erteilt habe: Vau» n« lerer ck-z prisonnierz(Ihr sollt keine Gefangenen machen). Er habe eine Ausnahme nur für einige zugelassen, damit sein Dolmetscher- ! offizier sie verhören könne.. Toury erklärt zur Entschuldiauna. i weshalb er nicht dagegen protestiert habe, er habe seine Entrüstung über den Fall seinem Obersten zum Ausdruck gebracht, der sie ge» � billigt habe. Zusatz der Redaktion: Natürlich können solche Greuel- ■ taten auf feindlicher Seite ähnliches Handeln von Deutschen nicht �entschuldigen. Wohl aber zeigen sie die Notwendigkeit, daß auf beiden Selten die Kriegsoerbrecher abaeurteilt werden müssen, wenn das Rechtsgefüühl befriedigt werden soll. Die erfthosftnen Kriegsgefangenen. Nach dem Aufruf der für heute geladenen Zeugen erbietet sich der Verteidiger des Angeklagten Crusius, Rechtsanwalt Dr. F t tz a u, eventuell als Zeuge zu bekunden, daß er dem Angeklagten, der ihn von Anfang an mit seiner Vertretung bcoujtragt habe, seiner- zeit geraten habe, sich in der Voruntersuchung nur über die Vorgänge am LS. August 1914 verantwortlich zu äußern, da die französische Auslteferungsliste anscheinend nur die Vorgänge dieses Tages im Auge habe. In der weiteren Zeugenvernehmung bekundet der Kaufmann Albert Metzmacher aus Freiburg t. Br., daß er seinerzeit als Unteroffizier der Kompagnie des Angeklagten Crusius angehört habe. Der Zeuge hat nach Erscheinen der Auslieferungsliste Major Crusius auf dessen Wunsch mitgeteilt, daß er am 21. August zse- hört habe, daß Stenger den fraglichen Befehl erteilte. Er, Zeuge, habe gehört, daß Gefangene bzw. Verwundete erschossen werden sollten, wenn dies auch nicht in Befehlsform gesagt worden sei. Heute kann der Zeuge kein» bestimmte Angaben darüber machen. Der Präsident hält dem Zeugen Widerspruch vor. Uebcr die Vorgänge am 26 August äußert sich der Zeuge unter anderem dahin, daß ein Mann der 2 Kompagnie einen verwundeten Fran- zosen. der um sein Leben bat. au, einer Entfernung von einem Meter erschossen habe. Der Feldwebel habe diesen Mann zur Rede gestellt und ihm Erschießung angedroht. Der Oberreichsanwalt macht hierauf die Mitteilung, daß er soeben ein'Telegramm erholten habe, worin ein Hauptmann sich erbietet, zu bekunden, daß Crusius bereit» am 20. August seelisch zusammengebrochen war. Die Ladung diese» Zeugen wird beschlossen. Als Zeug« wird dann Oberleutnant Laut» vom Reichsmehr- Ministerium aufgerufen, der selbst beschuldigt ist, einen französischen Hauptmann erschossen zu hoben und sich deshalb demnächst vor dem Reichsgericht zu verantworten haben wird. Der Prästdenl macht den Zeugen darauf aufmerksam, daß er solche Aussagen verweigern könne, die ihn selbst belasten könnten. Oberleutnant Lau«e. der die Schlacht bei Soarburg als Führer der 9. Kompagnie Inf.-Regts. 119 mitgemacht hat. hat erlt im Oktober 1914 aus dem„Matin" von dem angeblichen Befebl« des Generals Stenoer Kenntnis erhalten. Zepoe schiwert die Ereignisse an den franlichen Augusttaoen. Am Abend de» 2S. August habe er den Eindruck gehabt, daß Erustus absolut unzurechnungsfähig wor. Graufamtelten gegen Gefangene seien nicht vorgekommen. Aus Stengers Munde babe er nie ge- hört, daß Gefangene erschossen werden sollten. Der Hauptmann Schröder, der am 2S. August den Befehl zur Erschießung Ge- fangen«? gegeben haben soll, sei an diesem Tage nicht mehr bei der Trupve gewesen. Zeuge August K l e h e aus Konstqnz gibt an, Crusius habe, ihm em 21. August gesagt, es solle alles zusammengeschossen werden. Crusius habe einen anscheinend tot daliegenden Fanzosen mit dem Fuße gestoßen, worauf dieser Lebenszeichen von sich gab. Sodann habe der Angeklagte ihm, dein Zeugen, mehrmals gesagt, er solle seinen Befehl aufführen. Zeuge babe aber darauf nicht reagiert, bi» Major Müller ihm ausdrilckllcki befohlen habe, den Befehl auszuführen. Der Zeug« Hot daraufhin einen Schuß auf den� Franzosen, der nach seiner Meinung sich tot oder ver- mundet stellte, um der Gefangenschaft zu entgehen, abgegeben. Die Worte E t e n g er s, man solle die auf den Bäumen sitzenden sitzenden Feinde wie Spatzen herunterschießen, hat Kleh« beim Vorbeimarsch gehört. Stenger Hab« auch gesagt, daß kein Pardon gegeben werden solle. Bursaubiffsarbelter Heinrich Schreiber aus Diepholz war Feldwebel. Er hat nicht gesehen, daß Ergebungen von feind- � liehen Soldaten zurückgewiesen wurden. Auch dieser Zewje hat bewerkt, daß Crusius am 26. August geradezu geistes- abwesend war. Goldorveiter Wilhelm D ü r k l e aus DiWein war Sp'clmonn l in der Kompoanie des Angeklagten Cniff's. Er sagt aus, Crusius habe am 26. August zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags den B.fehl gegeben, keine Gefargenen zu machen. Er Hobe dabei hinzugefügt, . cs seien deutschen Soldaten die Augen ausgestochen �worden. Goldarbeiter Theodor F r i ck- Pforzheim sagt aus, Crusius fei sehr aufgeregt gewesen, als er am 26. August den angeblichen Bngadebefehl bekannt gab. Der Zeuge hat den Befehl so ver- standen, daß jeder Gefangene umgebracht werden sollte. Der Postgehilfc Augustin Lehmann aus Schiltach bei Offen- bürg hat gesehen, daß ein verwundeter Franzose, den er zuvor mit Kaffee aclobt hatte, später mit dem Gewehrkolben erschlagen wurde. Installateur Oskar M a l e ck- Pforzheim hat gehört, daß der fragliche Befehl weitergegeben worden ist. Don Crusius selbst hat er ihn nicht gehört. Major a. D. Johannes M a i e r> Genaenbach i. Boden war Führer der 3. Kompagnie J"f.-Regt. 142. Cr hat von dem angeb- liehen Befehl Stenger» nicht» gehört. Eisenbahnarbeiter Han» Albansröder- Laudenbach weiß von Erschießungen nichts Hauptmann Jahn- Cassel befand sich im August 19l4 beim Stabe der Division, zu welcher die Brigade Stenger gehörte. Am 26. August habe er bei der Division gerüchtweise von dem an- geblichen Befebl Stenger, oebört, wo, großes Aufsehen her- vorgerufen habe. E» sei sofort ein Ossizier entsandt worden, der sesfftelfte, daß«in derartlaer Defehl nicht ergangen sei. Major Freiherr v. L i n st o w- Berlin war Kompoagnieführer im Inf.-Ragt. 142. Er bat von d�m"Z-fehl nichts gehört. Am 26. August nachmittags fei vorn ein Schuß gefaden. Ihm sei dabei gesagt worden, daß es sich nicht um ein Gefecht handle, sondern daß ein Franzose erschossen würde. Der Zeuge war darüber entseH. Major Müller nein Inf.-Regt. 142 habe dann "csagt, daß die Erschießung eine Gegenmaßreael sei, weil Franzosen unseren Leuten die Auoen ausgestochen hätten. Magistratsassistent H e e sch- Altona, der Kompagniefübrer im Bataillon Müller war, erklärt: Am 26. August habe Major Müller das Bataillon zusammentreten lassen und nesagt, es sei Bntaillonsbefehl, daß sämtlich« Verwundete erschossen werden sollten, Pardon werde nlchk gegeben. Dann w'irde der Vornvmich angetreten. Bald darauf fielen ein- zelne Schüsse. Cr selbst habe keinen Verwundeten erschossen. obwobl er über die Hinterlist der Franzosen sehr entrüstet gewesen sei. Der Zeuge ist dann verwundet worden und geriet in sran- zösische Gefangenschaft Der Zeuge kam nach Cloirmont-Ferrand, wo sich noch mehrere Gesonnene der 88. Infanterie-Brigade be- fanden, die sämtlich erschossen werden sollten, und zwar wegen der angeblichen Unmenschlichkeiten auf deutscher Seite. Der Zeuge, der in einem besonderen Räume isoliert war, ist mehrere Voch-i» hindurch nlchk verbanden wordin. Schließlich sei er so heruntergekommen, daß er sich bereit erklärt e. etwas zu gestehen, nur um aus dieser Hölle heraus- Die Rechte ües Staatsrates. tfreitaq beriet der Preußische Staatsrat über feine Ge- schaftsordnnng, die sich nach dem 68 Paragravben enthaltenden Ent- wurf des Ausschusses vielfach an die Geschäftsordnung des Land- tages anlehnt. Die eigentlichen Aufgaben des Staatsrats sollen durch besonderes Gesetz geregelt werden.§ 30 regelt das Einspruchsrcchk des Staatsrats. Nach Vorschlag des Ausschusses soll das Staats- ministerimn eine Aenderung des Artikels 42 ber Verfassung in die Wege leiten, daß das Einspruchsr-'cht des Staatsrats wirksam auzoeübt werden kann. Die Verkündigung der vom Landtag be- schlnssenen Gesetze soll bei Einspruch des Staatsrats binnen einer bestimmten.Frist ausaesetzt werben. Nach halbstündiger Ver- toqung, in der man mit dem Aeltestenrat des Landtags beraten hatte, beginnt eine neue(8.) Sitzung. _ Hallenslel en(Arbeitsgemeinschaft): Unserer Ansicht bat der Präsident alle Vorgänge im Landtag zu v-rkolaen. Wir beantragen„auf Verlangen von mindesten» zwei Mitgliedern des Aus- schusses oder zehn Mitgliedern des Staatsrats muß unverzüglich eine Vollsitzung berufen werden, um über dey Einspruch zu befinden, dessen �Begründung durch den Berichterstatter erfolgt". Blüller-Honnooer(Soz.) spricht gegen die Vorschläge des Aus- schiisies und beantrggt zunächst Streichung des Absatzes, wonach der Präsident innerhalb des gesetzlich festoestellten Haushalts die gc- samt« Verwaltung der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Staats- rat» hat. Bei dieser Finanznot könnten die erheblichen Aufwendungen für den Slaaksrak viel besser zur Linderung der allgemeinen Nöte angewendet werden. Den§ 19 beantragen wir so zu fassen, daß, wenn eine zweite Beratung beschlossen wirb, diese frühestens am Tao« nach Schluß der ersten beginnt. Die Rechts des Landtags dürfen nicht beseitigt wcrheft durch Gcschäftsorünungsbestimmungen des Staatsrats. (Beifall.) Staatssekretär Freund: Dieser Absatz des Z 6 bedeutet eine Abarenvmq der Zuständigkeiten des Präsidenten des Staatsrats gegenüber dem Staats» Ministerium, die durch Gesetz geschehen muß. La(Orange(U. Soz.): Wir sind weder mit dem Vorschlag de» Ausschusses, noch mit dem vorliegenden Antrag einverstanden. Wir werden aber trotzdem für die Geschäftsordnung im ganzen, und ebenso auch für die sozialdemokratischen Anträge stimmen. Dr. Steiniger(Arbeitsgemeinschaft) bestreitet, daß man die Recht« des Staatsrats erweitern wolle. Staatssekretär Freund: Solang« nicht ein Gesetz etwas anderes bestimmt, werden die Minister des Innern und der Finanzen die Befugnisse hinsichtlich der Beamten des Staaterats auszuüben haben. Die sozioldcmakratischen Anträge werden abgelehnt, die Ge- schäftsordnung mit den Anträgen der Arbeitsgemeinschaft ange- nommcn, ebenso die Resolutionen. Zur Aenderung des Kommunal-, Kreis- und Provinzialabgoben- gesetzes sagt Eberl«(Soz.): Eine grundlegende Aenderung halten auch wir für erforderlich. Es erscheint ober gut, den Gemeinden das zu bieten, was im Rahmen der Möglichkeit steht. Eine von der Ar- beitsgemeinfchast eingebrachte Resolution auf Heranziehung der Reichseisenbahnen zur Gemeindesteuer wird angenommen.— Schluß 5-4 Uhr. die Wockenbilfe. Der Reichstagsausschuß für Soziale Angel«. g« n b e i t e n beriet am Freitag den Gesetzentwurf über Wochenhilfe und Wochenfürsorge. Danach wird für weiblick« Versicherte, die im letzten Jahre vor der Niederkunft mindestens 6 Monate hindurch ouf Grund der Reichsversicherungsordnung oder bei einer knapvschaft- liehen Krankenkasse versilbert gewesen sind, folgende Wochenhilfe sest- gesetzt: 1. ärztliche Behandlung, falls solche bei der Ent- bindung oder bei Schwangerschaftsbeschwerden erforderlich wird, 2. einmaligen Beitrag zu den Kosten der Entbindung, 3. Wochengeld in Höhe des Krankengeldes, jedoch mindestens 3 M. täglich, durch 10 Wochen, von denen mindestens 6 In die Zeit nach der Niederkunft fallen müsien, einschließlich der Sonn- und Feiertage, 4. solange die Mütter stillen, S t i l l a e l d in Höhe des halben Krankengeldes, jedoch mindestens 1.80 M. täglich, 12 Wochen nach der Niederkunft, einschließlich der Sonn- und Feiertage, so- fern nicht Taffachen beweisen, daß eine Beihilfe nicht benötigt wird, gilt eine Wöchnerin als minderbemittelt, wenn ihr und ihres Ehe- manne» Einkommen, oder sofern sie allein steht, ihr eigenes Ein- kommen'in dem Jahre oder Steucrjahre vor der Entbindung den Betrag von 10 000 M. nicht überstiegen Hot.(Diese Grenze ist viel zu niedrig. Red.) Zllonk Eenl». 5m preußischen Heuptausschuh berich. ket« am Donnerstag Lergrat Hatzfeld, es fei festgestellt, daß eine Zündkapsel nicht mehr vorhanden und dag in einem Neben- ! tollen kurz vor der Explosion mit Dynamit(statt mit Sicher- leitssprengstoff) geschossen worden ist. 1 4. Generalversammlung üer Nafthmisten K a r l s r u b e. 29. Juni 1921. Am dritten ZZerhandlungstage setzte eine ausgedehnte und leb- hafte Debatte über das Referat Berufsorganisation oder Jndustrieverband ein. Müller- Berlin führt? aus, datz die Frage Industrieocrband oder Berufsorganisation nicht unter dem Gesichtspunkt behandelt werden könne, daß man mit dem Unternehmertum um Lohncrhahun- gen feilsche. Notwendig fei, daß in den Jndustrievcrdänden die chand- und die Kopfarbciterschaft zusammengefaßt werde. Im Interesse der Arbeitnehmerschasl sei es zweckdienlich, daß man zu einer höheren Gewerkschaflsform komme. Müller bittet, eine Entschließung anzunehmen, die den Zentraloorstand beauftragt, alle Fragen zu prüfen, die dazu an getan sind, die Schlagkraft der Arbeiterschaft zu heben. Hierzu erscheine notwendig die Schaffung von Jndustrievcrbänden. Einige Freunde der Industrieverbände weisen daraus hin, daß es schon aus volkswirtschaftlichem Interesse notwendig ist, sich umzustellen. Neben jjcn bereits vorgeschlagenen 15 Industrie- gruppen müßte noch eine 1ö. Gruppe für die Encrgieerzeugung und-Verteilung geschaffen werden. Einige Redner warnen vor der vom Referenten Schlichting vorgeschlagenen Berqnickung von Be- rufs- und Jndustrieoerband, da dieses die ganze Materie auf ein verkehrtes Gleis bringen würde. Allgemeine Einstimmigkeit herrschte in der Ablehnung der Derschmelznnz mit dem Mekallarbeikerverband. Die Delegierten aus dem schlesifchen Gebiet, aus der Lausitz und von der Donauwasserstraße und noch einige andere erklärten sich strikte für Beibehaltung der Berufsorganisation, da in ihr die Haupt- macht zur wirksame--. Berufsvertretnng liege. Nur in»iner Be- rufsorganisation sei es mög-'ich, die Interessen der Kollegenschaft richtig zu vertreten, sich dem Unternehmertum gegenüber durchzu- setzen und zu behaupten. Eine Arbeiterunion wurde von fast allen Rednern a b g e- lehnt, weil diese die Arbeiterschaft zerreiße und so zu einem ohn- möchtigen Gebilde werde. E o h e n, der Vertreter des ADCB., ist auch der Auffassung, daß das Problem der Gestaltung der Gewerkschaften einer gründ- liehen Erörterung bedarf. Der Gedanke der Schaffung von Ein- heitsorganisationcn habe in den letzten 25 Iahren die verschiedenen Verbandstagungen und Gewerkschaftskongresse beschäftigt. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes habe es auch große-Kämpfe gekostet, die einzelnen kleinen Lokalorganifationen und Branchengruppen zu Zen- tralverbändcn zusammenzuschließen. In den Organisationen der Holzarbeiter, Bauarbeiter und Metallarbeiter seien die Ansätze für Industrienerbände schon vorhanden. Gegen den Gedanken eines Einheitsoerbandes seien heute noch die meisten Verbände und die einzelnen Derufszwcige. Um etwas Derartiges zu schaffen, sei es doch notwendig, daß sich dieser Gedanke erst mal in den Köpfen der Arbeiter durchsetze. Es könne möglich sein, daß diese Einheits- Organisation das Endziel werde. In den Jndustrisoerbänden würde die Arbeitszeit gleichmäßig, Lohn- und Arbeitsbedingungen aber beruflich geregelt werden müssen. Höhere qualitative und quantitative Leistung müsse höher bewertet werden. Die höhere Be- wertung sei notwendig als Antrieb für höchste und beste Leistungs- fähigkeit. Der Gedank« der Gemeinwirtschaft marschiere. Not- wendig sei es, daß die Betriebe gemein wirtschaftlich aufgezogen würden, Die Betriebe müßten dann unter die Leitung und Kon- trolle der Betriebswirtschaftsröte kommen. Aber auch in der sozia» listischen Gcmcinwirtschaft sei die Beibehaltung der Inter- essenvertretung der Arbeiterschaft notwendig, wie man dies ja auch heute schon in den genossenschaftlichen Betrieben seben könne. Eine Bcrguickung von Berufsorganisationen und Jndustrieoerband bringe nur Schwierigkeiten und Grenzstreitigkeiten mit den anderen Ber- bänden. Auch Cohen ist der Auffassung, daß es das zweckent- sprechendste ist, wenn der Vevbandsvorstand in Gemeinschaft mit dem Bundesvorstand die Frage prüft. OeVsrGhastsbelvegung Gegen ö:e allgemeine Einführung öer Kurzarbeit. Der Sozialpolitische Ausschuh des Reichswirtschaftsrats beschäf- tigte sich nach den PPN. am 30. Juni mit der Einführung der Kurz- arbeit und der Entschädigung der Arbeiter für erlittenen Lohnaus- fall. Zur Begutachtung lagen dem Ausschuß der bekannte Antrag der beiden sozialistischen Parteien des Reichstags und ein anderer der Ärbeitervertreter im Reichswirtschaftsrat vor. Dieser fordert, die wirtschaftlichen Gesichtspunkte hinter die sozialpolitischen Erwägungen zurücktreten zu lassen und die Kurz- arbeit als Mütel zur Freimachung von Arbeitsplätzen überall da einzurichten, wo nicht unüberwindliche technische Schwierigkeiten sie verhindern und den Arbeitsausfall der Kurzarbeiter entsprechend den Antrügen Aderhold-Müller zu regeln. Mit 13 gegen 11 Stimmen wurde dieser Antrag abgelehnt. Statt dessen wurden für die Erstattung des Gutachtens die folgen- Leitsätze mit 14 gegen 7 Stimmen angenommen: I. Der Sozialpolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirt- fchoftsrots erNärt zur Frage osr Einführung der Kurzarbeit und der Entschädigung des Lohnausfalls der Kurzarbeiter(Antrag Müller-Aderhold im Reichstag): Der Sozialpolitische Ausschuß erkennt die Arbeitslosigkeit als eins der größten und bedauerlichsten Uebel an und betont, daß nach seiner Ansicht jedes irgendwie einen Erfolg ver- sprechende Mittel versucht werden sollte, um den Uebclstand soweit als überhaupt möglich zu beseitigen. Aber unabhängig von der Sorge, wie diesem sozialen Notstande abzuhelfen ist und wie die aus oiejem sich ergebenden sozialen Schä- den bekämpft werden können, darf die Rücksichinahme auf die großen wirlschafllichen Notwendigkeilen des Wiederaufbaus unserer Wirtschaft keinesfalls außer acht gelassen werden. Andernfalls würden die derzeitigen außerordentlichen Schwie- rigkeiten, die sich der Gesundung und Wiederaufrichtung des deut- sehen Wirtschaftslebens entgegenstellen, binnen kurzem noch weiter wesentlich oerschärft und hierdurch der bestehende Uebel- stand der Arbeitslosigkeit nicht beseitigt, sondern noch erheblich verschlimmert werden. II. Der vorzeschlagene Weg der allgemeinen Einführung und Erweiterung der Kurzarbeit erscheint nach Ansicht des Sozialpoliti- schen Ausschusses in Usbereinsiimmung mit dem Urteil fast sämtlicher in den Reichsarbeitsgemcinschoften vertretenen Arbeitgeber und Ar- beitnehmer nicht gangbar. Dies gilt ebensowohl für allgemeine gesetzliche Meßnahmen auf diesem Gebiete als auch für Maßnahmen, die mit genereller Wir- jffir tibcesdücsiai' iJfaxsdiiesieifsilfsmxt" 4S' kung für ein bestimmtes Fachgebiet getroffen werden sollen. Von schwerwiegenden wirtschaftlichen Ueberlegungen gänzlich abgesehen, sind es in erster Linie zwingende Gründe technischer Art, die die vorgeschlagene Regelung als prakkisch völlig undurchführbar erscheinen lassen. Dos eigenste Interesse der gewerblichen Kreise hat bereits viel- fach zu einer weitgehenden Anpassung der Arbeitszeit an die For- derung der Unterbringung einer möglichst großen Zahl von Ar- bcitsloscn geführt. Eine weitere auf gesetzlichem Wege erzwungene allgemeine Ein- führung der Kurzarbeit über die praktisch möglichen Grenzen hin- aus müßte Rückschläge zur Folge haben, die die Gesamtheit nur noch in schwierigere wirtschaftliche Verhältnisse bringen können. III. Wenn somit durch generelle Maßnahmen das Ziel der Be- seitigung oder weitgehenden Linderung der Arbeitslosigkeit nicht zu erreichen ist, so bleibt nur übrig, eine Regelung von Fall zu Fall auf der Grundlage einer örtlichen oder bczirklichen gegenseitigen Verständigung zu vcrjuchen, durch die den besonderen Verhältnissen des betreffenden Bezirks Rechnung getragen werden kann. Das Wesen einer solchen Verständigung müßte darin liegen, daß die Betriebe nicht gezwungen werden, mehr Arbeitskräfte zu beschäftigen, als wirtschaftlich richtig und technisch möglich ist, so»- dern darin, daß außerhalb der Betriebe neue Slrbcit geschaf- f e n wird, die im Gegensatz zu dem durch die vorliegende» Antrüge beabsichtigten System aus die Produktion nicht verteuernd und hem- mend, sondern fördernd wirkt. ♦ Eine Plcnarversammlung der Berliner Gewerkschaft s- k o m m i s s i o n, die unter dem Borsitz des bereits aus dem Kran- kenhaus entlassenen S a b a t h stattfand, beschäftigte sich eingehend mit der Arbeitslosigkeit. Genosse Graßmann vom ADGB. hielt das einleitende Referat, in dem er die Arbeitslosigkeit als inter- nationales Problem behandelte und die Tätigkeit des Gcwcrk- schaftsbundes zur Bekämpfung der besonders in Berlin so außer- ordentlich großen Erwerbslosigkeit schilderte. So ist es z. B. dem ADGB. gelungen, den Widerstand des französischen Wiederaufbau- Ministers L o u ch e u r gegen die Lieferung von 60 000 Holzhäusern für des Wiederaufbaugebiet zu brechen. Graßmann hob her- vor, daß unter der bestehenden Gesellschaftsordnung nur eine L i n- derung der Arbeitslosigkeit möglich sei. Die freien Gewerkschaf- ten würden alles tun, um dem Massenelend zu steuern. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:' „Die Folgen des Weltkriegs treiben das gesamte Proletariat in immer größeres Elend. Stillegung von Betrieben, Kurzarbeit, Anschwellen der Arbeitslosenzisfern zeigen die Notwendigkeit der Uebersührung der kapitolistischcn Produktionsweise in die Ge- m e i n w i r t s ch a f t. Diese allein würde die Anwenvung durch- greifender Mittel auch zur Lösung des Arbeitslosenproblems er- möglichen. Als einen Weg zu einer wenigstens t e i l w e i s e n und vor- läufigen Regelung der Arbeitolosenfrage sehen die Delegierten der Berliner Gcwerlschaftskommisston die vom ADGB. auf- ge st eilten 10 Punkte vom 26. Februar 1921 an. Mit allen gewerkschaftlichen Mitteln muß die Erfüllung der 10 Punkte erreicht werden." Drohende Massenentlassungen ans den Schiffswerften. Auf den Schiffswerften werden Masscnenllasiungen angekündigt. Bisher herrschte auf ihnen rege Tätigkeit. Reeder und Werften glaubten, aus dem Vollen schöpfen zu können. Doch die Milliarden des Reiches sind nicht unerschöpflich. Noch dem Reederabsindungs- Besetz(Februar 1921) wurde ein Bauprogramm aufgestellt resp. die zur Verfügung stehenden Milliarden auf fünf Lahre verteilt. Nun stellt sich heraus, daß die von den Werften für den Neubau absin- dungsberechtigter Schiffs im Jahre 1921 eingeforderte Summe den für das Baujahr 1921 vorgesehenen Betrag um mehr als das Doppelte übersteigt. Was nun? Arbeiterentlassungen in einer Zahl von 20 000 bis 30 000 werden als unvermeidlich be- zeichnet. Ein harter, fast unüberwindlicher Schlag für die davon Betroffenen, tonzentrieren sich doch die Werften auf eine geringe Zahl von Orten. Die Leitung des Deutschen Metallarbeiterver- b a n d e s bat sich seit Wochen in dieser Angelegenheit um die Inter- essen der Werftarbeiter bemüht, so bei der Regierung, im Parlament und in diversen Verhandlungen im Ueberwachungs-, Bau- und Bsrteilungsausschuß, der nach dem Reedereiabsindungsoertrag ein- gesetzt wurde. Ueber das Ergebnis dieser Bemühungen referierte der Vorsitzende des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Rob. D i ß- mann, letzten Sonntag auf einer von allen Orten zahlreich be- schickten Werftarbeiterkonferenz. Es war bezeichnend. daß entgegen dem dauernden Geschrei in k o m m u n i st i s che n Organen und Dersammlungen keiner der kommunistischen Redner auch nur den Versuch machte, eine ernsthafte Kritik an der Tätigkeit der Organisationsleitung zu üben, von einem sachlichen Nachweis des ewig verkündeten„Arbeiteroerrates" ganz zu schweigen. Gegen 4 Stimmen(bei 129 Teilnehmern) wurde folgende Ent- s ch l i e ß u n g angenommen: „Die Werstarbeiterkonferenz vom 26. Juni 1921 nimmt Kennt- nis von dem E r n st d e r L a g e aus den Schiffswerften, der in dem eingehenden, sachdienlichen Referat des Kollegen Dißmann seinen Ausdruck fand. Die Versammelten sind mit dem Referenten der An- ficht, daß es unmöglich ist, auf Grund eines reduzierten Bau- Programms Zehntausende von Werftarbeiter n v o l- liger Arbeitslosigkeit preiszugebe-n. Solche Maßen- entlassungen würden angesichts der allgemeinen, andauernden Wirtschaftskrise nicht nur die davon Betrofsenen völliger Ver- elendun� aussetzen, sondern müßten in ihren Folgewirkungen zu katastrophalen Auswirtungen führen. Die Kon- ferenz erkennt die bisherigen Bemühungen der Organisationsver- treter a n und hebt hervor, daß mit allem Nachdruck die eingeschlagenen Richtlinien weiter oerfolgt wer- denmüssen.... Die gegenwärtige wirtschaftlich-soziale Notlage Z w l n g t dazu, das vorgesehene Bauprogramm in seinem Zeit- maß zu reduzieren, um das jetzige schwerste Krisenstadium zu milder». Gleichzeitig muß von den Werften verlangt werden, daß sie alles aufbieten, um andere Arbeiten mit heranzu- ziehen, desgleichen von den Reedereien, daß sie neben den aus Reichsmitteln zu erbauenden Schiffen auch aus eigenen Mit- telnweitereArbeitausführenlassen. Ist es unmöglich, trotz der vorgenannten praktisch zu verwirk- lichenden Vorschläge eine volle Beschäftigung der Werftarbeiter zu ermöglichen, so ist als letzter Schritt eine Streckung der Ar« b e i t, die sich auf das zwingendste Maß zu beschränken hat, durch eine Verkürzung der Arbeitszeit oder Einlegung von Feierschichten vorzunehmen, um Entlassungen der heute auf den Werften Beschäf- tigten zu vermeiden. Die W-rftarbeiterkonferenz appelliert dabei an die Solidarität aller."„ � � Diesem einmütigen Beschluß der Werftarbeiter muß Rech- nunggetragenwerden. In den letzten Tagen fand erneut eine Bauausschußsitzung rn Hamburg statt, in der Dißmann u. a. die Vorschlüge der Werft- arbeiterkonferenz eindringlichst vertrat. Es wurde ein vorläufiges Uebereinkommen erzielt, indem auf den Werften, wo kein anderer Ausweg bleibt, Feierschichten eingelegt werden, um vor- erst größeren Arbeiterentlassungen zu begegnen. * Nach einer Meldung der TU. aus Bremen, hat die dovtige Werft A.- G. Weser an den beiden letzten Tagen bereits c a. 1000 Arbeiter entlassen. Angeblich nimmt die Werft- leitung dabei soviel als möglich Rücksicht auf Familienväter. Ueber die Möglichkeiten zur Streckung der Slrbcit wird noch verhandelt. Gewerkschaftliche HilfSaktion für Oberschlesien. Der Afa-Bund hat seine sämtlichen Organisationen zu einer Hilfsaktion für die Opfer aus den Wirren in Oberjchlcsien auf- gerufen. In dem Aufruf wird darauf verwiesen, daß viele Ange- stellte infolge der letzten Vorgänge ihre Arbeitsstätte oder auch ihre Wohnstätte verlassen mußten und schwere materielle Verluste er- litten haben. Der Afa-Vvnd aopelliert deshalb an die Gewerkschaften und an die Solidarität der Kolleaenschast in den übrigen Reichs- ,' gebieten. Die Ortskartelle des Afa-Bundes setzen in den nächsten Tagen in den einzelnen Betrieben Sammellisten des Slfa-Bundes in Umlauf Für Berlin ist das Nähere durch das hiesige Ortskarle», Berlin SW. 61, Bsllcalliancestr. 7/10, zu erfahren. Angestellten- nnd Beamtcnstrcik im besehten Gebiet. Ein Streik der Angestellten und Beamten im Wurmbergbau droht nach einer Aachener Meldung der TU. in der nächsten Zeit auszubrechen. Der Streik dreht sich um den rechts- rheinischen Tarif des Ruhrkohlenbergbaus, dem man seitens der An- gestellten auch für das Ruhrrevier Geltung verschaffen will. Die Arbeitgeber verhalten sich dieser Forderung gegenüber ablehnend. Der Spruch des S ch l i ch t u n g s a u s s ch u s s e s ist von den Angestellten abgelehnt worden. Auch die Verhandlungen der Interalliierten Rheinlcndkommission sind ergebnislos verlaufen. Die binnen kurzem stattfindende Urabstimmung wird die Ent- scheidung über die Streikfrage bringen. Vom norwegischen Keemannssireik meldet WTB.: Der staatliche Dcrmittlungskommissar hat eine Mitteilung darüber erhalten, daß im Seemannsstreik beide Parteien seinen Vorschlag für die inlän- dische Fabrt angenommen haben. Es ist anzunehmen, daß auch der Vorschlag für die ausländische Fahrt angenommen und d i e Arbeit wieder aufgenommen werden wird. Arbeitersport. Touristen.„Tie Siatatfreunbe". Ort-gr. SBetlitt. Fahrten am Sonnte#, 3. Juli. Norden: Bernau— Plöhsec, Abf. Sonnabend Bhf. Eciundbr. u. 7.16 Stf. Gcsundbr.— W-ddinz: franoschleuse— Marfec, Ad f. Sonnabend 6.65 Schles. Bhf.— Weißensee: Duderrw— Hölzerner See, Trefft). Sonntag S.M Bhf. Weißensee: Löcknißwonderung. Abf. Sonnabend 5.56 Bhf. Weißensee.— Schöne. berg: Birkenwerdcr— Landhrim, Abf. Sonntag 6.20 Stett. Bhf.— Moabit: Potsdam— Plessan:-! See. Abf. Sonnabend 5.66 Bhf. Bclleauc.— Klnderfahrtcn: Lichtenberg: Oranienburg— Grabawfee, Trcffp. Sanntag C.30 Bhf. Franif. Allee.— Moabit: Spandau-West— Hennigsdorf, Trcffp. Sonntag 6.56 Bhf. Puttlitzstraße.— Ortsgr. Köpenick, Abt. Oftbabnvorort«: Badetaur der Jugend- »nd der Kinderabteilung zum Stienißfee. Badezeug mitnehmen. Für beld« Abteilungen Treffen Madai-, Ecke Äappenstraße, 7 Uhr. Verantw. für den rednlt. Teil: Dr. Werner Seiler, Cdarlottendurg: für Anzeigen: Tb. Gl-ckr. Berlin. Verlag: BarmärlS-Berlaq G. m. b. H.. Berlin. Druck: Bar- würtZ-Buchdruckerei ll. BerlagSanitali Vau! Singer«l. Ca.. Berlin. Ltndonstr. z. Sicrzn 1 Beilage. Nntzeisen jeder 3lrt: Rund-, Much-, Quadrat- u. Bandeisen, Gas-Tiedc-Rohre, T-Trager».U-Eifen, Feldschmieden und Ambosse sofort ab Lager lieferbar FeiixEohis, ierliaC.25. Dircksenstr. 12, | roiotiftplo!! 12072. Tcke Boltaireltraße. Morigpla? 12073.! f XnrCclt. Sanltätcrat Eujcn Haaren. Dauerrvä'che repariert Barn. Reichcnbergerslraßc 7.- jülesidenSelialtensieM Leihhaus Brunneustraße 5 Zinn u. towie alle Altmetalle Kaulen iu Tagesoreiscn Metallsciniisizwks, Waldemnrstr» 74. Telephon MmitznlaTz 993* Metall�il* GrünerWegS iah» Tagespreise für SÜEpfer, Messing, üiei, Zink etc. sind unsere jetzigen preise Einmalig?« Angebot l Nur 8 Tage! Kerren- Anzüge, teils auf Seide, Wert bis 800 M., jetzt XO«, 35«. 400 M. Ferner: Krcuzl&chsc. 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