/ Nr.?7S ♦ ZS.?aheyavg Ausgabe B Hr. 154 lvezugSprei», UierMPtttLSO,— 8BU mxmatl Wy— SR. cei in« Kon», voran« zahlbar. Post- bezug: MonaMch 10,— M» einschl. tzu- stellungsgebllhn Unter Kreuzband für Dcuischland, Danzig, da« Saar- und �iemelgebiet, sowie die ehemals dem- scheu Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxem du« 9DL, für das Übrige Ausland 27,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tscheche- Slowakei, Däne- mark, Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der„Sonoirrts* mit der Sonntagsbeilage.Poll und steif, der Umer- haliungsbeUage �eimwelf und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wochemäglich zweimal. Sonn- tag« und Montags einmal. Abend-Ausgabe Tel amm-M> reffe: krat Berlin' Nevlinev Volksblstt [ 20 Pfennig� Slazetgeuvrets, Die achtgefpaüen, Rongareillezeil, kostet bchv M.aietu» Anzeigen' das fettgedruckte Wo» i�o M.(zu- läfstg zwei fettgedruckte Worte), fed«, weitere Wort l.- M kiellengefuch« und Echlafftelleuanzelgen da« erst, Wort ls- M. jede« weiter« Wort w Pfg. Worte Uder lb Buchstaben zählen für zwei Won«, ffamilien-An. Zeigen für Abonnenten geile M vi« Preise verstehen fich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeige» für die nächst« Nummer müssen di« 8 Ahr nachmittag» im Sauptgefchäft. Berlin EW 68, Linden- Kraße T abgegeben werden. Geilffnet von S Uhr früh bis S Uhr abends. �entralorgan äer f02laläemokratif<�en Partei Veuttcklanäs Reüattion unü Expeöition: SV öS, Lwüenstr.3 - Redaktton Morthplach ISIBS— S7 ffrrnshzrAtyAr. �pedittou Moritzplatz 117SZ—S4 Dienstag, de» S. Juli ISÄI vorwärts-verlag G.m.b.H., SM HS, Linüenftr. 3 Kernivrecker' Berlag, Expedition and Inseraten. "' Abteilung Moritzplatz mSZ-M Schlesifther Iascismus. Breslau, 8. Juki.(Eigener Drcchtbericht des.Vorwärts'.) Die „Breslauer Voltswacht' warnt in einem materialreichen Artikel unter der Ueberschrift.Dicke Luft' vor Anzeichen von politischen Abenteuern, die sich in Schlesien im Anschluß an die Auf- lösung de» Selbstschutzes zu entwickeln scheinen. Während die A r b e i t e r s ch a f t sich bereit erklärt, den Selbstschutzangehörigen bei der Rückkehr zur Arbeit zu Hilfe zu kommen, werde offen und in großem Umfange weiter geworben. Die Werbemethoden be- kämen dabei einen eigentümlich eindeutigen Charakter. Es sei ohne weiteres klar, was es bedeute, wenn jetzt in dem bekannten Stamm- lokal Roßbach in Breslau ein Teil der Werbungen für den Selbstschutz vor sich gehe. Es sei auch einwandfrei festgestellt, daß selbst in einem Hause, wo sich eine offizi«lle Abwicklungs- und Aufläsungs stelle der Selbstschutzleitung befinde, weiter geworben wird! Seit einigen Tagen werde auch dort jeder, der sich zur Werbung melde, zunächst nach einem Ausweis der Orgesch gefragt. Leute, die einen solchen Ausweis nicht besäßen, würden nicht an- genommen, während man unmittelbar vorher und nachher In- habe? von Orgeschpapieren neu einstelle. Für die Eni- waffmmg der Selbstschutzformationen an der oberschlestschen Grenze sei anscheinend die S ch u tz p o l i z e i zu schwach. Ein Bericht aus dem Kreise N i m s k meldet, daß Arbeiter dort umfang- reiche Waffentransporte anhielten, die von einem Grafen Äestorp geführt wurden und deren Begleiter sich laut.Brieger Bolkszeitung' als Arbeiter verkleidet hatten. Die Polizei, der sie Arbeiter den Transport übergaben. Heß die Waffenschieber samt Waffen in der nächsten Rächt durchbrennen. Der Fall sei nicht der erste dieser Art. Die.Volksmacht' veröffentlicht ferner ein Rundschreiben des Landesbezirts Niederschlesien der Technischen Nothilfe vom 29. Juni, in welchem es heißt, daß für die nächste Zeit in Breslau mit einem Generalstreik gerechnet werden müsse. Für diesen Fall brauche der Landesbezirk für die lebenswichtigen Betriebe der stadt Breslau die Unterstützung der Orts- und Landes» gruppen der Provinz. 3n der Breslau er Arbeiterschaft ist zur Zeit det Datierung de» Rundschreibens kein Wort von einem bevor- flehenden Generalstreik laut gewordeu. Die.Bolkswacht' berichtet schließlich, daß gegenwärtig in Schlesien sich eine Reih« bekannter „Fascistea' sammeln, darunter Aulock, Loewenfeld und Pfeffer vom Frontbund, der unter dem Namen v. Mauritz sich mit der Säuberung des Selbstschutzes von Republikanern be- schäftige. Auch Kapitän Ehrhardt sei zurzeit Gast beim Stabe des Freikorps Oberland. Die schlesische Arbeiterschaft werde sich von diesen Herren nicht überraschen losten, sie wiste, was ste zu tun habe, sobald einer von ihnen sich Macht anmaßen will. In der oberschlesischen Frage aber könne ein politisches Abenteuer uns ein für alle Mal der Entscheidung unserer schärfften Gegner ausliefern. Ueber die Arbeiterschaft hinaus, auf deren Wachsamkeit man sich verlosten könne, sei daher die Mahnung an alle zu richten, die es mit Deutschland gut meinen, in Schlesien jetzt auf der Hut zu sein. ßranzöjlsch-öeutstherZwifthenfaU in Seuchen Oppeln, 4. Zuti.( 13X25.— Verspätet eingekrofsen.) Am heutigen Tage gegen INitiag rückten die Engländer in Beuchen ein. Beim Durchzug durch die Friedrichstraße wurden die englischen Truppen von der Einwohnerschaft lebhast begrüßt. Dieses gab Anlaß, daß die Franzosen aus der neuen Kaserne aus- rückten. Im Verlaufe der Aktion kam es zu Zufammeu. st ö h e u zwischen französischem INilitär uud der Bevölkerung. Zahl- reiche Zivilisten und auch mehrere Franzoseu stnd verletzt worden. Die Wilhelm-, Gustav-Freitag-, Donnersmarck- und Friedrichstraße find von englischen Posten beseht. Die Franzosen nahmen nach dem Vorfall zwanzig Bürger vou Beuchen als Geiseln in Haft, unter diesen beflndeu sich der t. uud 2. Bürgermeister von Beuthen, der Stadtrat Krüger und der Führer der demokratischen Partei Ober- schlesiens, Sanitätsrat Dr. Ploch; für den Telegraphendirektor von Beulheu wurde der Telegrapheusekrelär Eichel in hast genommen. Der.D. A. Z.' wird über den Vorfall berichtet, die f r a u z ö» fische Wache, die ans die Iubelrufe der Bevölkerung von der neuen Kaserne auszog, habe wie unsinnig mit Gewehrkolben und Gummiknüppeln auf die angesammelte Menschenmenge eingehauen. In der entstandenen ollgemeinen Verwirrung sielen plötzlich Schüsse, durch die ein französischer Majorerschossenund mehrere Franzosen oerletzt wurden. Als die Menge oersuchte, einen verwundeten Zivilisten in ein Haus zu bringen, rückten die Franzosen von neuem gegen die Menge vor. Durch das rücksichtslose und wilde Vorgehen der französischen Solda» ten kamen mehrere Frauen und Kinder um das Leben. Groß-Slrehlitz. S. Juli.(DA.) Die JAK. hat über die Kreise Groß�Strehlitz und Rosenberg von neuem den Belagerungszustand verhängt, um das überhandnehmende polnische Bandenun» wesen wirksamer bekämpfen zu können. « Für das Oberfchlefier-HilfsVerk haben sämtliche Banken in Berlm Kanten eingerichtet und nehmen Zahlungen«rt- gegen. Die Versenkung ües Llanüoverp Castle. London, S. Juli.(MTB.) Wie bereits angekündigt, wurde gestern vortnittag vor dem Polizeigericht in Bowstreet ein englischer Zeuge, der fich nicht nach Leipzig zu dem bevorstehenden Prozeß gegen zwei deutsche U-Boot-Ofsiziere begeben kann, über die Umstände bei der Versenkung des Hospitalschiffes Llandooery Castle vernommen. Der Zeuge, der an Bord des Hospitalschi ffes Proviantmeister war, sagte aus, das Schiff, welches weder Munition noch Militär an Bord gehabt habe, fei nachts ohne Warnung torpediert worden, und das U-Boot habe erfolglos versucht, das Rettungsboot, in dem der Zeuge sich befand, in den Grund zu bohren. Später habe man aus der Richtung, in der das U-Boot sich entfernt habe, Schüste gehört. Auf Befragen des Vertreters der deutschen Anklage- b e h ö r d e erklärte der Zeuge, er wiste nicht, wieviel Boote nach der Torpedierung klar gemacht werden konnten. Brüssel, S. Juli.(MTB.) Der Minister für auswärtige An- gelegenheiten Iaspar hat auf Anfrage eines Abgeordneten in der Kammer nochmals erklärt, angesichts des Urteils gegen Rom- bohr vor dem Reichsgericht in Leipzig werde die belgische Regie- rung fich mit den verbündeten Regierungen ins Benehmen setzen, um eine ausreichende Sühne zu erlangen gemäß den Be- stimmungeu des Friedensvertrags von Bersailles. fimerika uns Sie Rheinbesatzung. Pari», 5. Juli.(WTB.) Nach einer Meldung der„Chicago Tribüne' aus Washington beabsichtigen die Senatoren Johnsen und Borah, falls Präsident Harding bei seiner heutigen Friedensprokla- mation nicht selbst die Zurückziehungderamerika nischen Truppen verlangt, eine Resolution einzureichen, in der diese Zu- rückziehung geforde.'t wird. Der Präsident befindet sich zwischen zwei feindlichen Lagern, von denen das eine, die Anhänger von Hughes, di« Ratifikation des Berfailler Vertrages mit Vorbehalt oerlangt, während die Unversöhnlichen ihre Sache bis ziftn End« auszukämpfen beabsichtigen. Zweierlei Blaß. Wie WTB. au? München meldet, find in Gmund am Tegernsee zwei aus Bad Kissingen zugereiste russische Sowjetkommist are ausgewiesen und nach Berlin, woher sie waren, zurückgeschickt worden. örujsa beüroht. Paris, b. 3ulL(EP.) Eine Radiodepesche ans konskankwopel meldet, daß infolge der lehien Rekognoszierungen General Papoelas beschlossen hat. die griechische Offensive um etliche Wochen zu verschieben. Die Kemallsten scheinen an der Front vou vrussa vorstoßen zu wollen. b000 Mann hätten sich schon in Bewegung gesetzt, und es verlautet, daß die Griechen Vorbereitungen treffen, um die Stadt Brasfa zu räumen. Die schweren Se- schütze sind schou entfernt worden. Zsmed Pascha und Rabat Pascha sÄlen sich in kutahia befinde». Die türkischen Streitkräfte sind bei Eskischehir(Eisenbahnknotenpunkt westlich Lrusta) konzentriert. Bei der Front von Sodja-3ll haben die Türken vor der neutralen Linie, dje von den Alliierten gezogen wurde, hall gemacht.—(Kemal hat inzwischen offiziell erklärt, daß er die neutrale Zone von Sonstau- tiuopel refpektteren werde.) Nach einer Havas-Meldung ans Soustantinopel soll die Stadt Baghtschedjik von den Türken besetzt worden leim(Die Stadt liegt 15 Kilometer südlich von Zsmid. Brusta ist nach diesen Met- düngen vou Norden und Westen aus bedroht.) Kemals Ziel. London, ö. Juli. Wie Reuter aus Konstantinopel meldet, er- klärte Kemal Pascha im Parlament von Angora u. a.: Die Be- Ziehungen zu Afghanistan und Rußland seien gut. Man werde mit der persischen Regierung wieder regelmäßige Beziehungen anknüpfem Die Londoner Konferenz habe der Türkei kein befriedigendes Angebot gemacht. Man habe der französischen Regierung an- geboten, den Kriegszustand zu beenden. Eine Antwort stehe noch aus. In der Zwischenzeit ist aber der größte Tell der französischen T r u p p e n, die in Zunguldak stationiert waren, zurückgezogen worden. Besprechungen mit hervorragenden französischen Persön- lichkeiten haben die Möglichkeint einer Verständigung ergeben. Italien zieht ebenfalls feine Truppen von unserem Boden zurück. Wir suchen die Anerkennung unserer nationalen Rechte und eine vollständige und unabhängige Türkei innerhalb unserer Grenzen und unter Ausschluß ausländischer Einmischungen zu erlangen. Noch dieser Erklärung sprach die Nationalversammlung dem Kabinett rückhaltloses Vertrauen aus. Im englischen llntcrhause erklärte der Regierungsvertreter, daß die Veröffentlichung einer Kabinettsorder, betreffend Beendigung des Krieges mit der Türtei, binnen kurzem zu erwarten sei. örianö und Tagore. Von Sudo M. Hortmann. Bei Gelegenheit der Diskussion über den Friedensvertrag von Trianon hat Briand mit dem sozialistischen Abg. Paul Boncour in der französischen Kammer eine theö- retische Auseinandersetzung über das Nationalitätsprinzip ge- Habt, die in mancher Beziehung für die Mentalität nicht nur B r i a n d s, sondern auch anderer leitender Staatsmänner von Jntereste ist. Der französische Staatsmann steht, wie es natürlich nur in Frankreich üblich ist, auf dem Rechtsboden. der seinerzeit nach der inneren Ueberwindung des Staates Ludwigs XIV. von der großen französischen Revolution ge- schaffen worden ist, wenn er meint, daß es die„Ehre Frank- reichs" ist, immer und in allen historischen Situationen daran gearbeitet zu haben, das nationale Prinzip lebendig zu machen und zu realisieren. Denn es ist unbe- streitbar, daß das nationale Selbstbestimmungsrecht ein Kind der französischen Revolution ist und auch daß die staatlichen Grenzen des revolutionären und des nachnapoleoni- schen Frankreich im ganzen— mit Ausnahme etwa des strittigen Elsaß-Lothringen und Corsikas— tatsächlich den nationalen entsprochen haben: ebenso wie es der Wahrheit entspricht, daß die revolutionären Heere wenigstens im An- fange, namentlich in Italien, unter dem Banner der natio- nalen Befreiung gekämpft haben. Das änderte sich aber unter dem Einflüsse des napoleoni- schen Imperialismus nicht nur in Italien, fondern vor allem auch in Deutschland— man denke nur an den Rhein- bund, an die Ausstattung von Napoleons Familie usw. Na- poleon ist nicht zum wenigsten gestürzt worden, weil er der Gegner der nationalen Idee in Spanien wie in Deutschland gewesen ist. Aber auch nach seinem Sturze ist als das Erbe Ludwigs XIV. und seines kaiserlichen Nachfolgers bei den Franzosen die Sehnsucht nach dem linken Rheinufer zurückgeblieben, die nicht mit nationalen, sondern mit schein- bar strategischen Argumenten verteidigt, bei Gelegenheit aller Krisen der auswärtigen Politik von Louis Philippe bis nach dem Frieden von St. Germain hervortrat. Die Zwiespältig- keit zwischen dem revolutionären Prinzip, und dem merkan- tilistisch-imperialistischen Geiste Ludwigs XIV. verkörperte sich am stärksten in Napoleon HI, der an ihr zugrunde ge- gangen ist— Zwiespalt zwischen Idee und Realität, zwischen Theorie und � Praxis, zwischen Wort und Handlung. Der- selbe Zwiespalt aber offenbart sich beim Vergleiche der 14 Punkte Wilsons und ihrer Durchführung in dem Diktat- frieden. Man denke an die Behandlung der Ostfragen, an Deutschösterreich und Deutschböhmen, an die Note Wilsons über Südtirol, in der eigentlich der Borrang der„stra- tegischen" über die nationalen Grenzen proklamiert wurde. Und neuerdings ist in Italien gar neben den„heiligen Ego- ismus" noch die dem gleichen Geiste entsprungene„Heiligung" der Alpengrenze durch den Grafen Sforza getreten. Briand hat sich nun die Aufgabe gestellt, die sonst für Sophisten ein dankbares Feld der Betätigung war, den Gegensatz zwischen Theorie und Praxis als einen naturnotwendigen zu rechtfertigen— von höherem Gesichtspunkte betrachtet, ein unmögliches Ziel, weil der Widerspruch nur psychologisch zu verstehen ist und, da die Theorie den Zweck hat, die Handlungen zu regeln, ein Widerspruch nur entweder aus der Unrichtigkeit der Theorie oder aus der Mangelhaftigkeit der Durchführung, der menschlichen Schwäche, erwachsen kann. Briand behauptet, daß das Nationalitätsprinzip in früherer Zeit in vollständiger und nahezu absoluter Weise angewendet werden konnte: denn damals, so fährt er fort, hatte die Entwicklung einen politischen Charakter, ihre Interessen waren nicht von Nation zu Nation, von Kontinent zu Kontinent mit einander verkettet: die ethnischen und geo- graphischen Erwägungen überwogen, und wenn sie durch Ver- träge festgelegt waren, konnten sie verhältnismäßig leicht angewendet werden. Heute aber sei die gegenseitige ö k o n o- mische Abhängigkeit der Völker eine große Schwierigkeit, auf welche die Staatsmänner stoßen, wenn sie es unternehmen, unter Wahrung des nationalen Prinzipes Staaten zu gründen. Nun lehrt aber der historische Augenschein, daß gerade in früherer Zeit, zur Zeit des Merkantilismus, als die„ökono- mische Verkettung" der Völker nicht nur in den Anfängen war, sondern auch die Politik der Dynastien darauf gerichtet war, den Staat ökonomisch von seinen Nachbarn ganz unab- hängig, autark, zu machen, von einem nationalen Staat noch gar nicht die Rede war, weil eben für das damals güllige Prinzip der Staatsbildung die nationalen Grenzen, das na» tionale Zusammengehörigkeitsgefühl, sogar wo es etwa schon bestand, ohne Bedeutung sein mußte. Man eroberte so viel man konnte, um alle Rohstoffe usw., deren man bedurfte, in den Machtbereich des eigenen Staates zu bringen, und suchte das Eroberte durch strategische Grenzen und nach dem Prinzip« des europäischen Gleichgewichts zu sichern. Die moderne CntrrMung führt von diesem im wesent lichen imperialistischen Prinzip weg. Der N a t i o n a l st a a t hängt auf das innigste mit der gegenseitigen ökono mischen Abhängigkeit zusammen, da er, i m Gegensätze zum Imperium nicht danach strebt, antark zu werden— was heute infolge der ökonomischen Entwicklung ohnedies ausgeschlossen ist—, sondern sich als ein Glied in den nun entstandenen arbeitsteiligen Organismus der Welt einzufügen. Im Kriege allerdings wurde dieser Organismus zerfetzt, die Arbeitsteilung aufgehoben und gerade dadurch die größte Umwälzung und die größte Not herbeigeführt. Wir büßen es auch heute noch, daß die arbeitsteilige Maschine infolge der Weisheit der Staatsmänner noch nicht funktioniert; aber jedermann weiß, daß wir uns noch in einem Ausnahme zustand befinden und daß die definitive Ordnung der Welt nicht auf der Antarkia der einzelnen Staaten, sondern nur auf Arbeitsteilung aufgebaut werden kann. Die Arbeitsteilung fetzt aber voraus, daß ihre Träger, um nicht, wie bisher, in beständigen Streit zu geraten, in nationaler Beziehung einheitlich sind und nicht über die natio- nalen Grenzen hinübergreifen. Der nationale Staat steht als Ganzes dem anderen gegenüber ohne den Wunsch, die politischen Grenzen um eines Gebietsvorteiles willen zu ver- schieben. Es bleibt das Bereich der w i r t s ch a ft l i ch e n Konkurrenz, und da der eine nationale Staat reicher mit natürlichen Gütern gesegnet sein kann, als der andere, wird allmählich eine Angleichung herbeigeführt, entweder durch Qualitätsarbeit für den Export oder durch Kapitals- einwanderung, oder durch Menschenauswanderung. Wenn dagegen durch einen Machtspruch, der im Namen des ökono- mischen, wie früher des europäischen politischen Gleichgewichts national verschiedene Länder zusammengelegt werden, so be- steht jetzt wie in der Zeit Ludwigs XIV. die Gefahr, daß, was die Herrn den„Geist der Zeiten" nennen, am Ende nur der „Herren eigener Geist" ist— und daß sie dann auf Grund des kncro egoisrao die neuen Grenzen heiligen—, wodurch dann eine dauernde Störung des wirklichen natürlichen Gleich- gewichts herbeigeführt wird; daß Willkür an die Stelle der natürlichen Selbstbestimmung tritt. So muß es auch Briand ergehen, wenn er das oberste Schiedsrichteramt der Welt für die Sieger tatsächlich in Anspruch nimmt und aus Gründen, die ihm als Nützlich- keitsgründe erscheinen, in der Praxis„staatmännisch", wie man zu sagen pflegt, von der Theorie abweicht und dadurch nicht, wie er meint, die von der Gegenwart gewiesene Route betritt, sondern jedesmal einen Schritt zu Ludwig XIV, in die Vergangenheit zurückmacht. Wenn man im Zusammenhange mit den Ereignissen dieser letzten Jahre diese Psychologie des Staatsmannes in Betracht zieht, so versteht man beinahe den armen R a b i n dranath Tagore, der. als Inder noch nationslos, in Europa vollständig unorientiert, in der Nation die große, alles erdrückende Maschine zu entdecken glaubt, vor der er warnt— ohne zu ahnen, was für Kulturwerte und welche Aufbaumöglichkeiten für die Welt in dem Begriffe„Nation" ruhen. Er sieht nichts als die Männer, die im Namen des nationalen Prinzips zu handeln vorgeben und vielleicht glauben, während sie in Wirklichkeit Verkünder des männer- und nationenmordenden Imperialismus sind. Die Dlinüen von 7�14. Der ehemalige deutsche Botschafter in London, Fürst Lichnowsky, schreibt uns: In Nr. 293 Ihres Blattes finde ich anläßlich der Erinnerungen des 5)errn Jules Eambon die Bemerkung:„Hätte Wilhelm gemußt, daß England den Krieg an Frankreichs und Rußlands Seite führen werde, so wäre er sicherlich zurückgewichen. Der Krieg wäre vermieden worden. So aber nahm das Berhängnis seinen Lauf". Hierzu bemerke ich, daß nach meiner schriftlichen und münd- lichen Berichterstattung nicht der geringste Zweifel dar- über bestand, daß England, so wenig es uns angreifen oder einen feindlichen Angriff unterstützen, nicht neutral bleiben werde, falls unsere Politik zu einem Kriege mit Frankreich führt, den letzteres nicht provoziert hat. Auf diesen wichtigen Punkt habe ich immer wieder und mit Nachdruck hingewiefen, freilich ohne in der Wilhelm st raße den nötigen Glauben zu finden, wo mir gesagt wurde, ich solle nicht so pessimistisch sein. Die dortigen Herren glaubten trotz meiner drin- genden Warnungen bis zur letzten Stunde auch nicht an das Ein- greifen Rußlands und ließen sich durch die russische Mobil- machung vollkommen überraschen. Die russischen Erklärungen er- schienen ihnen nur als„Bluff". Auf diese Weise sind sie in den Weltkrieg hineingeglitten, den sie zweifellos nicht direkt gewollt haben. Das Zeugnis des Fürsten Lichnowsky ist eine Bestätigung jenes Urteils, das sich in Deutschland immer mehr zur a l l g e- meinen Geltung durchringt und das bei T i r p i tz auf der einen Seite ebenso eine Stütze findet wie auf der anderen Seite bei K a u t s k y. Wir haben uns schon bei anderer Gelegen- heit mit der heroischen Legende des Versailler Friedensver- trags auseinandergesetzt, die Deutschland mit Absicht und klarem Bewußtsein in den Kampf gegen die ganze Welt mar- schieren läßt, während uns die nüchterne historische Wahrheit sagt, daß das deutsche Volk nicht wußte, wie ihm geschah, und daß die deutschen Machthaber in den Weltkrieg hineinfielen wie das Kind in den D»eck. Auf England bleibt der Borwurf haften, daß es das Kind nicht rechtzeitig gewarnt hat, und deshalb sieht ja auch Bernard Shaw mit gelinder Ueber- treibung in der englischen Diplomatie den eigentlichen Kriegs- schuldigen. Man kommt der Wahrheit ziemlich nahe, wenn man das Paradox aufstellt: Keiner hat den Krieg gewollt, alle haben ihn gemacht. wlle zusammensetzt, leistet sie nichts Rechtes. Diesmal ver» Ursprünglichkeit, das Kniffliche tritt an seine Stelle. Wenn rau Exl knifflich wird, ist sie aber nur mäßige Provinz. Sie betont das Verführerische und vergißt dabei, daß es auch einigermaßen tragisch in dem Weibsteufel aussehen soll. So bringt sie eine zurecht. gestutzte Koketterie an Stelle der weiolichen Kraft, aver wenig Saf- tigkeit. Dieses Bauernweib erfordert große Darstellungskunst. Darum sind Frau Medelsky und Frau Höflich in ihren Rollen stets so präch- tig gewesen. Eduard Köck aber kann sich ruhig mit dem Schneiderlein messen, wie es am Wiener Hoftheater Trehler zu spielen pflegt. Köck schlüpft ungeheuer geschmeidig in seine Rolle hin- ein. Er braucht kein Mosaik der Kniffe zurechtzubauen. dl. H. Ibsen im Ausland. Au, Anlaß der Aufführung von Ibsens „Bolksseind" im Theätte Franyais zu Paris bringt die Kopen- Hagener„Rationaltidende" eine Plauderei, der wir folgendes ent» nehmen: Ich erinnere mich eines Abends in Florenz vor einer Reihe von Iahren, als Tina di Lorenzo, eine der bewundertsten Schauspielerinnen Italiens, die Nora spielen sollte. Die Szene war mit Holzwänden ausgebaut, und die ganze eine Seite nahm ein mächtiger Kamin ein, in dem ein flammender Scheiterhaufen brannte. Das erste, was jede«intretende Person tat, war, daß sie zum Kamin ging und sich die Hände rieb. Es war ja sehr kalt draußen, und bevor der Darsteller etwas sagen konnte, mußte er auftauen. Durch die Fenster im Hintergrund sah man Felsen, Zypressen und Pinien(!), alles mit einer dicken Lage von Schnee. Das war die„Lokalfarbe". Italien mit seiner ursprünglichen Bühnenkunst hat nicht die Kultur und Ueberlieferung wie das Thestre Franyais, auf dem man jetzt den„Voltsfeind" gibt. Der„Volksfeind" wurde in Paris zum erstenmal 1893 im„Oeuvre" von Lugne-Poe unter Ibsens Seaen gespielt. Lugne-Poe erzählt hierüber:„Ibsen hatte mir einen sonderbaren Mann geschickt, ein wunderliches Genie, halb Literat, halb Theatermann: Hermann Bang, der un» in Szene setzen sollte. Er stieß sonderbare Schreie aus, während er versuchte, unserem Spiel, das noch dem Nebelverhüllten strebt«, einen mensch- lichen Untergrund zu geben. Am Abend der Erstaufführung, als ich meiner Rolle gemäß ausrief, die Mehrheit destehe sast� immer aus Idioten, entstand durch eine Clique ein schrecklicher Lärm im Hause. Ibsen ermunterte uns ununterbrochen mit Telegrammen aus Kristiania: aber wir hatten nicht«inen Centimen in der Tasche, und wir lebten zu Frühstück und Mittag von Brfltchm und— Geschimpfe. Gros war es. mein alter Freund Gros, der später Ministerpräsident wurde, der in seiner Begeisterung die Schauspieler bezahlte. Ich erinnere mit an einen Abend, an dem so wenig Zu- Hörer im Saale waren, daß ich ihnen vorschlug, sich das Eintritts- geld zurückgeben zu lassen. Gros, der selbst de« Betrunkene« im vierten Ak-t spielte, und der das Amt des Kassierers versehen hatte, gab fünf Frank mehr zurück als er eingenommen hatte. Es waren im ganzen 8S Frank". Die Begabung linkshändiger Kinder. Bei der Ii nt ersuchung über die Linkshändigkeit geistig minderwertiger Kinder hat Gordon, wie die„Umschau" mitteill, festgestellt, daß in solchen Anstalten der Prozentsatz Linkshändiger wesentlich höher war als in normalen Schulen, Bei Zwillingen war der Linkshändige gewöhnlich schlecht entwickelt und hochgradig nervös, während der Rechtshändige vollständig normal war. Bei Zwillingen beiderlei Geschlechts ist in nahezu einem Drittel der eine links-, der andere rechlshändig. Unter normalen Kinde rn ist der linkshändige meist— im Gegensatz zu dem geistig minderwertigen— der Bedeutendere und Fähigere. Plötzlicher Wechsel der Linkshändlzbeit zur Rechtshändigkeil beim Schreiben war bei geistig Mtnderwttti- gen meist Anzeichen des Fortschritts in den Schulardetten uich i» der Intelligenz. Max Klingers«rabheukmal ist jetzt, am Tadestage des Kü»l:!cr�, in«rotz.Jcna ausgestellt worden. Es stellt Klingers.Athlelen' m Bronze dar. Karl Wichert, der iröbere lanaiälirige Mwisterieldirektor im Prcußi- ichen Ministerium der öffentlichen Arbeiten, ist im 79. LeienSjatr« nc itorbtn. Er hat sich seinerzeit um die erste vetricbSorgantlatw» der Berliner Stadtbahn, später, nach dem Kriege, um die Ausrechterhalwng des preusst- schen Eisenbahnbetriebes Verdienste erworben. „Stuart Webbs-« schwer verunglückt. Der bekannte Monschau- Kieler und Leiter der.Stuart-WebbS-isitingcielllchaft- Ernst Reicher ist aus einer Automobilsahrt nach Mühlheim schwer verunglückt. Da« Anlo sanfte w veller ffatzrt gegen«inen Baum und überschtu, sich. ZWcher geriet»nter daS Auto und erlitt-inen Nervencheck und innere Berletzungm. Eine österreichische KnnstanSftellunq in Bondon, die di« Gesell- schaft der Freunde veranstaltet bat und die dazu dienen soll, den Wiener Künstlern Hilfe zu bringen, wurde durch Lord Henry Eavendisch Bentinok in Gegenwart des östercetchischen Gesandten eröffnet, Ein neuer Sole-Therm-lsprudel, dessen Temperatur am«usstuß SS Er-w Crlsiu« und dessen Schill nmg etwa 700 SRimwetUitet beträgt, ist im Bade Salzuflen erbohrt worden. Neue Reöe Rathenaus. Anläßlich der Tagung des Reichsverbandes der deutschen Presse in Hamburg ergriff vor dem hamburgischen Ausschuß für den Aufbau der Friedenswirtschaft der Wiederaufbau- minister Dr. Rathenau das Wort zu längeren Ausführungen, aus denen wir im folgenden die wesentlichen Stellen wiedergeben: Das Problem des Wiederaufbaues sei ein Ausschnitt aus dem aroßen europäischen Problem, das nur den von Völkern selber und der Macht der Erkenntnis gelöst werden könne. Alle europäischen Länder seien durch die Kette ihrer materiellen Verschuldung mitein- ander verflochten. Generalgläubiger der Welt ist A m e- rika, Generalschuldner ist Deutschland, und die wei- tcre Verbindung zwischen den Ländern schaffe die Entwertung ihrer Geldmittel. Alle Nationen bedürften des Wiederaufbaues, und der Wiederaufbau des einen Landes könne nicht erfolgen, wenn er nickst Hand in Hand mit dem Aufbau der übrigen Länder gehe. Heber allen Völkern hänge der bleierne Himmel einer Krise, die eine organische Krankheit des tief leidenden gesamtwirtschaftlichen Körpers sei. 300 Millionen Menschen seien als Konsumeisten ausgeschaltet. und hierdurch werde eine Umstellung des Produktions- Programms der Welt erfordert, die nicht in wenigen Jahren vollzogen werden könne. An Stelle gemeinsamer Wiederaufbau- arbeit werde noch immer versucht, die Politik als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln zu mißbrauchen. Wir seien durch un- sere Unterschriften unter die Verträge verpflichtet, bis an die Grenze des Möglichen zu erfüllen; das hindere aber nicht, offen auszusprechen, daß die Formen, in denen die Erfül- lung von uns verlangt wird, nicht dem Kraftzustande unseres Landes entspreche. Deutschland sei kein Land des tvoldes und auch kein Land der Rohstoffe. So können wir nur mit der Arbeit unserer Hände und un- feres Geistes zahlen, und wir werden es redlich tun. Wenn Deutschland seinen Verpflichtungen nachkommen wolle, so müsse es gewaltige Warenmengen auf den Markt werfen. In seinen weiteren Ausführungen kam der Minister auf die Be- deutung des Index zu sprechen, der ein Wahrzeichen der deutschen Entwicklung im Sinne eines Befserungsscheincs sein solle; diese Eigenschaft erfülle er jedoch nicht in hervorragendem Maße, da er nur die von uns vollzogenen Leistungen, nicht aber das innere Wesen Deutschlands bcmeste. Auch die Bedeutung, den Dum- p i n g- E i n f l u ß, d. h. das Ausströmen der Waren auf die Märkte der Welt, zu hemmen, könne der Index nicht erfüllen. Der Strom werde gestaut, aber nicht gehemmt. Aus diesen Erwägungen heraus feien die Verhandlungen in Wiesbaden enistanden, Bfe zwar langsam, aber stetig fortschreiten. Sie dürfen die UebeagaoMng i» ans erwalkrn. daß von der Gegenseite der Wunsch gehaglt iMrde, m» u»? ein Leistungsprsgramtn an Still» «ine» Zatzl»»g»programms zu vereinbaren. Der Minister betonte die geschichtlich« Bedeutung der Stadt Hamburg tei Rahmen der deutschen Entwicklung und sprach die Hofstemtg aus, daß Hamburg wiederum, wenn seine Häfe««inst von deutschen Schiffen ersstilt sein würden. Wahr- Zeichen für unste Wiederaufleben sein werde. §ort mit öem Konfesilonseiö! Der„Deutsche Monfftenbund' hat an den Reichstag und Reichs- rat eise Reih« von Anregungen politischer und kulturpolitischer Art gegebs», vm denen die folgende, die Schaffung eines Gesetzes über die Eidesleistung, allgemeines Interesse verdient. In der Ein- gäbe hatstt es: Em besonderes ReichsgefeF über die Form der Eidesleistung wäre zu schaffen«it folgenden Vorschriften: . Bei sämtlichg» Eiden, die vor Gericht oder einer Behörde zu lsisten find, fällt der tonfeffionelle Zusatz: ich schwöre bei Gott, dem Allmächtig» nnd Allwissenden� und J\o wahr mir Gott helfe" weg. Nnr ach W«nsck> des Schwurpflichtigen ist der konfessionelle Zusatz beizufügan. De« Xntraq ist folgende Begründung beigegeben: Räch Art. ISS Abs. SderReichsoerfassung darf niemand zur Benutzung einer religiösen Eidesformel gezwungen werden. Nach Aet. 1T7 der Verfassung kann der Eid in der Weise geleistet werde», daß d«r Schwörende unter Weglassung der religiösen Eides- formet erklärt:»ich schwöre". Die meisten Gerichte und Behörden nehmen de» Schwurvflichtigen den Eid in der alten konfessio- nelle» Form unter Anrufung Gottes ab. Zur Vermeidung h« glichen Gewissenszwanges aber müßte der Eid in der durch Art. 177 für Zulässig erklärten Form abgenommen werden. Rur och besonderes Verlangen des Schwurpflichtigen wäre dem 68» der kocheffümelle Zusatz beizufügen. Iu d« Reichsoerfassung ist bezüglich der Vereidigung des P rk f i de n t e» schon die gewünschte Form des Eides gewählt. Alst.«2. Offenbar entspricht also diese Form dem neuzeitlichen Geiste der Gesetzgebung. Irenkonferenz in Dnblin. London. 5. Juli.(WTB.) Im Rothaas von Dublin, auf dem die amerttcmische Flagge weht, wurde gestern vormittag dl« Konferenz zwischen de« Sinnfeinerfützrern Devalera und GHffith und den oier Untonistenführern k» Irland eröffnet.„Star" zu» folge wurde dke Kachereuz nach Schstündigcr Verhandlung bis Frei» tag oorrnMog vertagt..Star" will von maßgebender Seite in London erfahren hoben, die Nachrichten aus Dublin gäben Grund zu der Hoffnung, daß nach Beendigung der Dubliner Besprechungen Devalera nach London kommen werde, und zwar noch vor dem 13. d. M..Manchester Guardian" meldet, wenngleich Sir Jarnes Craig»«cht an der Konferenz in Dublin teilnehm«, sti doch dafür gesorgt, daß seine und seiner Freunde Ansichten aus der Konferenz zum Ausdruck gebracht werden würden. «WHg 9t der vnionistenfihrer der Grafschaft Ulster. Di« Umo- nisten von Ulster haben an der Konferenz nicht teilgenommen. Es verlautet, daß der erste Minister von Sildasrtta, Smnts, der augenblicklich a» der englischen Reichskonferenz in London teil- nnmnt, nach Dnblln fährt, um die Verhandlungen zu fördern. Diese Bernntaemlle ist um so bemerkenswerter, als der südafrikanische Freistaat«ine», wenn auch bedeutend kürzeren, so doch ähnlichen Kamps mit England austragen mußte wie Irland. Es gibt heute keine Sberzengteren Anhänger des engtifchen Wektreichgedankens als die ehemaligen Buren. Das Reichsministerium des Innern hak in einem Rundschreiben die Bundesregierungen darauf auimerffam gemacht, daß auch nach dem Ablauf des Entwaffnungsgesetzes die Herstellung von Waffen und Kriogsmaterial gemäß Art. 148 der Versailler B e st i m- neun gen nur den von der Reichsregierung zugelasienen Fabriken gestattet ist. Zuwiderhandlungen werden mü Gefängnis oder Geld bestraft. Die deutfch-chiueflschca Vereinbarungen find durch die in Peking bewirkte gegenfettige Mirteilung der betderfeuig erfolgten Ratifizie» rung am I. Inst in kraftgcfeßt worden. GroßSeelw �öchftmzete be: laufendem Vertrag. Die Notiz in der heutigen Morgenausgabe über die zeitlichen Wirkungen der neuen Höchftmietenoerordnung muß berichtigt werden. Laufende Vertrüge werden nach§ 1 Abf. 3 der neuen Magistratsver- Ordnung vom 18. Juni, die lediglich die gleichlautende Veftimmung der Höchftmieknverordnung wiederholt(5j 4 Abs. 7), nicht berührt. Laufende Verträge find alle Verträge bis zum Ablauf. Wann der Vertrag geschlossen ist, ob vor Einführung von Höchstmietzujchlägen oder nachher, ist dafür ohne Bedeutung. Auch wenn am 1. April d. I. ein neuer Vertrag ohne Vorbehalt ge- schlössen ist, braucht nicht schon jetzt, d. h. vom 1. Juli ab, mehr Miete gezahlt zu werden, sondern erst wenn ordnungsmäßig gesteigert wird. Das fetzt voraus, das fristgemäß steigerungshalber gekündigt wird, und zwar mit vorheriger Zustimmung des Einigungsamtcs. In zwei besonders gearteten Fällen ist die Rechtslage zweifel- Haft. Erstens wenn sich der Mieter auf den jeweiligen Höchstzuschlag schon vor seinem Inkrafttreten, d. h. in bezug auf den neuen Zu- schlag vor dem 19. vorigen Monats, verpflichtet hat ooer wenn das Mieteinigungsamt dazu verpflichtet hat. Hier behauptet die Organisation der Vermieter, daß der Mieter vom nächsten Zah- lungstermin, das ist bei Monatszahlung vom 1. dieses Monats ab, 4S Proz. zur Friedensmiete zahlen müsse, da ja eine beiderseitige Verständigung erzielt sei und diese den Spruch des Einigungsamts überflüssig mache. Diese Ansicht ist recht zweifelhaft. Der Lauf eines Vertrags wird nicht desbalb unterbrochen, weil von einem be- stimmten Zeitpunkte an die Leistung des einen Teils geändert wer- den soll. Ungeachtet dieser Aenderung läuft der Vertrag fort. Bei laufenden Verträgen soll aber nach der Ausgleichsbestimmung der Verordnung der erhöhte Zuschlag ohne Wirkung sein, und im§ 13 der Höchstmietenverordnung ist betont, daß gegenteilige Abreden un» wirksam und daher unverbindlich sind. Das hat seinen guten so- zialen Grund, denn es könnte ja die Höchstgrenze ihrem eigentlichen Begriffe nach so hoch festgesetzt werden, daß sie auch die ungewöhn- lichen Verträge abgelten kann. In diesem Falle wäre es unbillig und wider Treu und Glauben, wenn sich die zum Teil unkundigen Mieter von vornherein auf diesen höchsten Satz festgelegt' und die Wohlfahrt der Mieterschutzgesetzgebung ausgeschlossen hätten. Der zweite Ausnahmefall betrifft die Mieter in Heizungshäusern. Hier erfolgt nach Ansicht de» Wohlfahrts- Ministeriums die Hcrauffetzung der Höchstmietgrenze automatisch, d. h. die Mieter haben als Raummiete den jeweiligen Höchstzuschlag zur Friedensmiete zu zahlen. Es soll den Vermietern damit ein Aus- gleich für ihre fjetzt freilich herabgesetzt«) Beteiligung an den Heizungs- kosten verschafft werden. Der Minister hat aber darauf hingewiesen (Ausführungserlaß zu§ 7, Abs. 4 der Höchstniietenverordnung), daß diese Mieter nach§ V der Höchstmietenverorönung beim Eintgungsomt die Herabsetzung der Höchstmieten eoent. sogar unter den als on- gemessen erkannten Mietzins heanttogen können. Im Gegensatz hierzu behandelt iube« kos«imintgungsamt Wilmersdorf die Höchstmiete in HeizungshSusern nicht«ö- weichend und läßt auch hier den erhöhten Zuschlag nicht aus lausende V er tröge einwirken. 2213, Cöllet(derm'ch- christlich) 312 und Riehl ievanoelischer Kirchenverband) 16. Da sich Herr Kabl vermutlich sträuben würde, mit seinen 5483 Stimmen den Liberalen zugezählt zu werden, so hat die kirchliche Realtion in Berlin rund 80000 Stimmen gegen rund 10 000 Stimmen der Liberalen. Der sich mimerhin noch recht maßvoll gebendeLiberaliSmu» ist damit zur Ohnmacht verdammt. Ter Kampf um die Schule. Ii einer öffentlichen Volksversammlung in Lankwitz, In der Genosse Prof. P. Ocstreich über die schulpolitischen Gegenwarts- fragen sprach, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Eine von der SPD. einberufene In Lankwitz tagende öffent- liche Versammlung erhebt Protest gegen den Gesetzentwurs zum Artikel 146, Absatz I der Verfassung, der das deutsche Schulwesen mit völliger Auflösung bedroht und die dann bleibenden Reste in die Hände der Konfessionen gibt. Die Versammlung erwartet, daß die sozialistischen Parteien diesen Gesetzentwurf ablehnen. Die Ver- sammlung bedauert die Erhöhung des Schulgeldes für die höheren Schulen, durch welche den Kindern der weniger Bemittelten der Zugang zu diesen Bildungsanstalten, die damit ihren Charakter al» Klassenschulen noch schärfer ausgeprägt erhalten, erschwert wird. Sie erwartet, daß die sozialistischen Fraktionen durch Eingaben und Anträge an Ministerien und Parlamente mit allem Nachdruck dafür wirken, daß alsbald durch ein» allgemeine Schulsteuer die Auf- Hebung des Schulgeldes und die Airsbildung aller Kinder nach ihre? Veranlagung und Begabung ermöglicht«erde. Die Erhöhung des Schillgeldes verhindert die wirkliche Durchführung der Einyeits« schule und wirkt als Bildungsjperre gegenüber den Voltsmassen. Ein Raturdenkmat gefährdet. Di« kandwirffchaftlich« Perl« im Osten Berlins, das idyllische Erpetal bei Frtedrichshagen, ist wieder in Gefahr, verschandelt zu werden. Nachdem es dem Einspruch der Oeffentlichkeit und dem entschiedenen Vorgehen der früher zustän- digen Behörden gelungen war, im vorigen Jahre die schon in An- griff genommenen Torfsticharbeiten zu verhindern, beabsichtigt setzt« der„Niederb. Ztg." in Friedrichshagen zufolge, eine ander« Ber» liner Firma die Ausbeutung der Torflager im Wesental der Erp«. Wahrscheinlich handelt es sich um dasselbe Gelände, aus dem di« Torfstichanlagen im vorigen Jahre geplant waren. Die Firma be- müht sich gegenwärtig um die Genehmigung ihres Lorhaben», und die Anträge liegen den jetzt zuständigen Instanzen zur Entscheidung vor. Wie immer in solchen Fällen wird auch hier der angebliche Wohlfahrtscharakter hervorgekehrt. Man weist auf die drohend« Brennstofinot hin und macht geltend, daß die Ausbeutung der Tors- lager im sozialen Wohle liege. Wir hoffen, daß e» auch diesmal ge- lingen wird, das durch das Heimatschutzgesetz geschützte und al» Raturbenkmal wertvolle«rpetal vor der Verschandelung zu be- wahren. krhebiuiM der Reichseinkommensteuer. Wie amtlich mitgeteilt wirb, ssnb«Ts Zahlungstermine für die vorläufige Erhebung der Reich»eint«m»enst«ner für 1921 im Bezirk« Groß-Verlin der 15. Juli» der 15. August, 15. Rouember 1921 und 16. Februar 1922(je für»w« Bierteljahresrate) bestimmt worden. Bei der Rühe der beiden ersten Zahlungstermine erscheint die gemeinsame Entrichtung der beiden ersten Raten zweckmäßig. Di« Erhebung der Reichseintommensteuer erfolgt durch die Steuerhebe st ellen des Magistrats(«or im Bezirk der Finanzämter Steglitz und Groß-Lichterfclde durch die Finanztassen)._ T«» Wetter für morgen. Zeitweise heiter, aber noch veränderlich mtt etwa« Regen und mäßigen westlichen wie nordwestlichen Winden, außer um mittags. ziemlich, kühl.___ Gefchastlickse Mitteilungen. gilllfkau» Sinnet A Co., Thauffttstrak« 61/68, Sdt Liesenstraße, veranstaltet «d 1 Juli d. J. einen Saison- Autverkans. Eine aün st ige Gelege n. lieit zu billigen Elnläultn. Man beachte die Ausstellung in den 2t Schau- fenstern unb Schauspinden, sowie da» Inserat in heutiger Auigabe diese» Blatte». GeVerMafisbewegung Die Derliner Duchörucker zum Schieüsfpruch. Der Verein Berliner Buchdrucker und Schrts«� g l e ß e r nahm am Montagabend den Bericht über die T a r i s a u s-- s ch u ß s i tz u n g entgegen. Dieser wurde von A l b r e ch t erstattet, oer vorausschickte, daß er sich im allgemeinen»uf ein Etimmungs- bild beschränken könne, da der„Korrespondent" di« Einzelheiten des Lohnkampses mit den Ergebnissen bereits oeröffenllicht habe. Die Prinzipale standen entschieden auf dem Standpunkt der Ablehnung. Sie wollten sogar den Lohn abbauen und führten zu« Begründung di« Indexziffer an, worauf unsererseits erwidert wurde. daß diese Ziffern sich auf di« Ernährung, aber nicht aus die Existenz bezogen hätten und auch angesichts der bereits wieder sehr gestiegenen Preise gerade der wichtigsten Lebensmittel auch hier nicht mehr als zutreffend«naesehen werden könnten. Schließlich wurde von den Prinzipalen schiedsgerichtliche Entscheidung beantragt. (Den Spruch haben wir bereits mitgeteilt. Red.) Es handle sich nun darum, welche Stellung die Kollegenschaft hierzu einnehmen wolle. Der Spruch müsse als unbefriedigend angesehen wer- den, dennoch sei unter Würdigung aller Derhältnie seine Annahme zu empfehlen. In der folgenden v I s k n s s i a n wurde für und gegen die Annahme des Schiedsspruches gesprochen. Eine von Vierrath eingebrachte Resolution, welch« sich gegen die Annahme richtete und aktives Vorgehen verlangte, wurde abgelehnt. Ebenso eine von Freudenreich gestellte, die Urabstimmung oer- langt«, weil dieses Berfahren den statutarischen Bestimmungen den Vereins entaegensteht. Schließlich wurde mit 446 gegen 396 Stim- men solgenve»en M ü h l b« r g eingebrachte Resolution ange- nommen: „Die am Montag, den 4. Juki, im„Deutschen Hof" tagend« Generalversammlung de» Berein» der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer gibt nach dem Bericht de, Kollegen Albrecht von der Tarifausschvstsitzung ihrer allgemeinen Unzufriedenheit Aus- druck. Ei« Helte erwartet, daß man der tattächlich schwer nm ihre Existenz kilmpfenden Gehilfenschaft mehr»ntgegentemmeu zeigen würde. Wenn die Generalversammlung dennech augenblick- lich keine ablehnende Haltung zu dem Schiedsspruch einnimmt, so geschieht es aus dem Grunde, weil sie vom Zentral»»? st and unter allen Umständen erwartet, daß er ungesäumt Maßnahmen er- greift, die zu einer Besserung der schlechten»irtschasttichen Lage der Gehilfenschaft führen. Aus diesem Grunde steht die Bersammluna in der gegenwärtigen Situation von einem örtlichen Vorgehen ab. Vor Schluß der Versammlung wurde noch ein Antrag angenommen, der dem Sinne nach vom ADGB. Hilfe für die Arbeitslosen verlangt, Die SPD.-Metallarbeiter und Jena. Die Berliner SPD.-Metallarbeiter hörten am 1. Juki ein Re- serat Hildenbrandts, daß sich mit der Delegierten- wähl für Jena beschäftigte und nahmen folgende Resolution cm: Die am 1. Juli 1921 in den Sophien-Sälen tagende Konferenz der auf dem Doden der SPD. stehenden Betriebsräte, Vertrauens- leute und Generalversammlungsdelegierten des Metallarbeiteroer- bandes der Verwaltungsstelle Berlin ist von dem Ergebnis der Ver- Handlungen, die auf Grund des Leiratsbeschlusses mtt der Berliner Ortsocrmatfung zur Aufstellung ein?? gemeinsamen Kandi- datenliste stattgefunden haben, nicht befriedigt. Die Konferenz hält auch heute noch die Forderung nach Aufstellung einer pari- t ä t i s ch e n Kandidatenliste für durchaus berechtigt. Da sie aber tief von der Notwendigkeit einer einheitlichen Front gegen das gewsrkfchaftszerstörende Treiben der Kommunisten durchdrungen ist, da sie ferner gewillt ist, alles daran zu setzen, die Geschlossenheit der Organisation zu erhalten, um sie wieder zu einer wuchtigen Waffe im Kampf gegen das Unter- nehmertum umzugestalten, ist die Versammlung bereit, ihrer Ueber- Zeugung das Opfer zu bringen und dem Vorschlag des Fraktions- Vorstandes zuzustimmen. Sie erwartet aber, daß die Kollegen, die der USP. angehören, sowie die Berliner Ortsverwaltung zu der Tinsicht kommen, daß unsere Organisation nur nach g e w e r k- l ch a f t l i ch e n Grundsätzen geleitet werden darf. Die Anwesenden verpflichten sich, mit aller Kraft in den Wahlkampf einzutreten, um zu beweisen, daß die große Mehrheit der Berliner Metallarbeiter nicht gewillt ist, den Weg nach Moskau zu gehen. Die Konferenz stellte 27 Kandidaten und S Ersatzleute auf. Fentralierband der Angestellte». Bau: Fachgruppenoersammlung, Mittwoch ' uiir, Prachtsäle Alt-Berlin, Blumen strage 10.— Patentanwaltbureaus: Mitgliederversammlung, Berbandslokal, Belle-Wiance-Slraße g/lv. Bund der technischen Angestellten und Beamten, Sitz Berlin. Ortsgruppe Nord-Weft I. Donnerstag, den 7. Juli, 7>/z Uhr, Mitgliederversammlung mit Per- trag im Restaurant Mattke, Turmstraße 7L. Deutscher Wcrkmeister-Berband. Vestr? IS. Fachgruppe„Papier". Versammlung, Freitag S Uhr in Schultheiß, Neue Jatodstraße 24/2S. General- WLrtflchaft Parteien und Steuern. Verfolgt man die bürgerliche Presse daraufhin, in welchem Maße das Bürgertum an der Erfüllung des Ultimatums mitzu- arbeiten bereit ist, so bemerkt man außerhalb der Koalitionsparteien eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegen die Finanznot des Reiches. Selten äußert sich ein Fachmann mit einem Vorschlag, der überhaupt an eine Mehraufbringung von Steuern unter gleich- mäßiger Heranziehung aller Bolksteile nach ihrer Leistungsfähigkeit denkt. Alles übrige ist auf Abwehr des Steuerdrucks vom eigenen Geldsack gestellt. Der Volksparteiler Maretzky kennzeichnete die Situation kürzlich in der„Tägl. Rundschau" mit folgenden Worten: „In den kommenden Monaten werden sich die deutschen Parteien von neuem in zwei Lager teilen, indem die einpn dabei beharren, sich nur die Welt an die Erfüllbarkeit des Ultimatums glauben zu lassen, die anderen aber das Unerläßliche auf sich nehmen, nach dem letzten vergeblichen Versuch zur Erfüllung das Eingeständnis der Unerfüllbar keit offen aus- zusprechen." In Wirklichkeit macht sich die äußerste Rechte nicht einmal die Mühe des„letzten vergeblichen Versuches". Bei der Deutschen Volks- parte! besteht dieser in P r o t e st e n. Die Agrarier dagegen streiken ganz und gar. Begreiflicherweise— denn die neuen Getreidepreise versprechen ihnen bereits im Umlageoerfahren die volle Deckung der Gestehungskosten. Da aber mindestens 1)4—2 Millionen Tonnen Getreide für den freien Handel zu Weltmarktpreisen/ die im Durch- schnitt heute um rund 1500 M. pro Tonne über den Umlagepreisen liegen, bleiben, erhält die Landwirtschaft durch das neue Verfahren ein Geschenk von 2,26 bis 3 Milliarden Mark. Woraus hervorgeht, warum die Landwirtschaft ein Interesse daran hat, nicht mehr als die übrigen Klassen zur Wiedergutmachung herangezogen zu werden! Mit welcher Verlogenheit die Schonung des Agrarier- tums von Steuern auf die Wiedergutmachung verfochten wird, zeigt ein Artikel der„K r e u z z e i t u n g", in dem behauptet wird, der Arbeiterstand fei es einzig und allein, der zu den gewaltigen Kriegs- lasten des deutschen Volkes bislang nichts beitrage! Derselbe Artikel schließt mit dem Ausruf:„Ohne Ehrlichkeit keine Kultur." Womit allerdings bündig bewiesen wird, daß die Deutschnationalen nach ihrer eigenen Meinung sich über die Kulturstufe der Papuas hinaus noch nicht erhoben haben. Auf den Widerstand der Rechtsparteien in der Steuerfrage mußte man gefaßt fein. Es konnte schließlich von den Leuten, die das Ultimatum ablehnten, nichts anderes erwartet werden, als daß .sie ihr« Kri»g»politlk unt« einer anderen Spitzmarks weiter oerfolgen würden. Daß die Bestrebungen des Steuerstrciks aller- dings bis in die Kreise der Demokraten hineingehen würden, die sich an dem Erfüllungskabinett beteiligten, war nicht anzu- nehmen. Kürzlich wurde im„Vorwärts" auf die Warnung der „Frankfurter Ztg." vor einer Politik des gesamten Bürgertums gegen die Sozialdemokraten hingewiesen. Auch die anderen demo- kratischen Organe, so erst gestern das„Berliner Tageblatt", find von diesen Quertreibereien einiger demokratischer Politiker entschieden abgerückt. Worum es sich dabei handelt, berichtete Georg Berne hard in der„Voss. Ztg." am Sonntag. In der demokratischen Partei hat sich ein Rcichsausschuh für Handel und Industrie gee bildet, der Steuer- und Koalitionspolitik auf eigene Faust macht, dabei aber so vorsichtig ist, seine manchesterlichen Lehren hinter vere schlossenen Türen zu beraten. Die Demokraten dieses Schlages, deren einer die Politik der Heuchelei öffentlich und ungestraft schon bei dem bekannten Gewerkschastsabkommen unmittelbar nach dem Kapp-Putsch verfolgt hat, finden erfreulicherweise bei ihrer eigenen großen Presse keine Unterstützung. Das„Berliner Tageblatt" ver- weist darauf, daß die Steuerpolitik nicht das einzige Richtige in der Koalitionspolitik sei, sondern daß die Demokratische Partei nur lebensfähig bleiben könne, wenn sie noch andere Ideen, und vor allem die Demokratisierung der Geister und des ganzen Staats- wesens in den Vordergrund zu stellen und zu oerwirklichen weiß. Dieser Standpunkt entspricht durchaus den Erwartungen, die die Sozialdemokraten an die Tätigkeit der Demokraten im Erfüllung?- kabinett geknüpft haben. Auf das Gebiet der Steuerpolitik über- tragen, bedeutet er die Verteilung der Lasten auf die trag« fähigen Schultern, wozu eben die Heranziehung des Be- sitzes und der Goldwertbesitzer in allererster Linie gehört. Die Quertreibereien zeigen aber, daß es für die Arbeiterparteien gilt, unter Hintanstellung aller übrigen Interesien auf dem Posten zu sein, um die wirtschaftliche Erdrosselung der breite« Mäste durch ihre einseitige Belastung mit Steuern zu verhindern. BeranNv. für den redatt. Teil: Dr. Werner Peiser, Charwttenburg: für Anzeigen! Td. Glvike, Berlin. Berlap: Borviärrs-Berlan Slm«pittelinarkt 4-7, 1 Spezialhaus fQr Karneval' u-stereinsartlkel Derlen« en Sie Preisliste Nr. 33„ 10 ist. 20 ist. EIKenbairgs SO Ist. StoatUcher i Lotterie» Einnehmer, [ Berlin ISW 87, Alt'Moablt Sl(a.d. Gotzkowskybr.) 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