ttf.317» ZS. Jahrgang Musgabe A Nr. 161 Bezugspreis: $ttttct}äJrL30,— M, monatl 10,— M. frei ins saus, voraus zahlbar. Poll- bezug: Monatlich 10,— M. einschl. Zu- stcllunqszebllhr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Eaao- und Meineigebiet,«owie die ehemals beut- scheu Gebiete Polen», Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— für das übrige Ausland 27,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho- Elowalet. Däne- mark. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der»Vorwärts� mit der Sonntags» beilage„Volk und sfett", der Unter» haltungsbrilage»Heimtoelf und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� ersche int wochentäglich zweimal, Sonn» tag» und Montags einmal. Telegramm»Adresse! „Sozialdemotra« Berlin" Morgen-Ausgabe Derlinev Volksblstt Pfennig) Anzeigenpreis, Dt» achtgelpaltene RvnnarrMezetl» koüet bcho M.„«leine Hnjelgca" da« fettgedruckte Wo« 1,50•JB.(zu» lässig zwei fettgedruckte Worlel. jede» weiter, Wo« V- SB. Stellengesuch» und Schlafstellenonzetgei, da» erst» Wo« U— M, lebe» weiter. Wo« «> Big. Wort» Uder 15 Buchstaben zählen für zwei Wort«, ffanulieu-An» zeigen für Abonnenten geil, 5,— M, Die P«ise verstehen sich einschliehlich Teuerungszuichlag, Snzetgen für dt» nächst, Nummer müssen bt»» Uhr nachmittag» mz Hauptgeschäft, Verlin 6W OS. Linden» ftrasse 3, abgegeben werden. Geöffnet von 0 Uhr früh bis 5 Uhr abend». Zcntralorgan der rozialdemokratSfcben Partei Deutfcblanda Neöaktion und Expeöition: SV 68, Linöenstr.3 Redaktion Moriftplaiz ISIvS—»7 ,zcrn,preriier. Morttzplatz KI7S3— 54 Freitag, den 8. Juli 1931 vertagter Streitbesthluß in Berlin. Die Berliner Gewerlschafkskommissian hatte zum Donnerslag nachmittag die drei sozialisiischen Fraktionen und ihre Magistrais. vertreier zu einer Besprechung eingeladen, in der fie einen Ber- stSndigungsvorschlag zur Debatte stellie. Diese Be- sprechung sührie zu einem einheitlichen Beschluß, hieran schlössen sich ab b Uhr Versammlungen mit Vertretern des Magistrats. hierbei ergab fich die Aussicht einer gütlichen Beilegung der Differenzen. Mährend dieser Verhandlungen hatte eine ab S Uhr in der Bockbrauerei tagende Funktionärversammlung der Arbeiter der städtischen Betriebe beschlossen, sofort in den Streik einzutreten, und es wurde eine Streikleitung eingesetzt. Die Der- sammlung vertagte sich auf eine Stunde. Während dieser Zeit nahm die Streikleitung einen Bericht von den Verhandlungen mit dem Magistrat entgegen. Dieser Bericht führte zu dem einstimmi- gen Beschluß der Streikleitung, daß der Beginn des Streiks zu vertagen fei, bis am Freitag die Verhandlungen mit dem Magistrat ein endgülliges Resultat gezeitigt haben. Die Versammlung stimmte dem zu und erleilte der StreMeitung die nolwendigen Vollmachten. Das Gesamtergebnis der Slreikabstimmung war folgendes: für den Streik 30 786(73 Vroz.), gegen den Streik 10 353 (25 Proz.), ungültig 632 Stimmen. (Weiteres siehe 4. Seite.) VoUenöete Tatsachen. Der deutsche Vertreter des New Uorker„New Republic" übt in seinkiii Organ scharfe Kritik an dem Verhalten der Franzosen in Oberschlesicn. Die Tatsachen, die er anführt, sind für uns in Deutschland kein Geheimnis. Von Interesse für uns sind aber einige Acußerungen, die er dem Vorsitzenden der JK., L e N o n d, in den Mund legt. Er schreibt: „Ich sprach mit General Le Rond. Er war offensichtlich in größte Verlegenheit gebracht durch die gegensätzlichen Interessen, die er zu vertreten hatte. Es war ihm, bin ich überzeugt, aufrichtig um eine Wiederherstellung der Ordnung zu tun. Aber er lieh mich nicht im Zweifel darüber, daß der Aufstand Resultate gezeitigt habe, die die Alliierken als Kit aceompH anerkennen müßten. In dem Augen- blick, wo dieses zugegeben werden würde, vermöchte ich nicht zu sehen, wie die Interalliierte Kommission, deren Vorsitz der General führt, noch behaupten könnte, eine Autorität zu bedeuten oder das Der- trauen der Deutschen oder den Respekt der Aufständischen zu ver- dienen." Hier haben wir also das berühmte kuit accvinpli(vollendete Tatsache), von dem Lloyd George und Briand einmütig behaupteten, daß es die Entente nie anerkennen werde. Die Regierungen in Paris und London werden zu dieser Aeuße An Stelle des bisherigen Stadttommandaulen General Lecomte Denis ist der englische Obersttommandank vauchope, der Führer der südlichen Brigade in Oberschlesicn, zum Sladkiommandanten er- nannt worden. Die Trauerfeler für den MaZor Montelegre verlief ohne Zwischenfall. Le Rond, de Marlni und Harold Stuart nahmen an der Feier teil, die mit großem Pomp vor sich ging. Die Bei- s e h u n g des durch einen Bajonettstich getöteten Praktikanten E r z i r o h findet auf Befehl der BesahungsbehSrde um 5 Ahr vor- mittags statt und darf bei einer beschränkten Zahl von Leidtragenden eine Stunde nicht überschreiten. Pahzwang für Oberschlesien! Oppeln, 7. ZuN.(WTV.) Seit dem L. Zuli besteht für die Ein- und Ausreise von und nach Oberfchlcsien wieder der Paßzwang, wie er vor dem oberschlesischen Ausstände eingeführt war. Die Pässe müssen also wieder das franzvsifche Visum tragen. Die Verantwortlichen. Im„Populaire" schreibt Jean Longuet, die schwerste Der- antwortung, ja die entscheidendste laste zweifellos auf den A l l i e r- t e n, die sich unfähig erwiesen, irgendeine Lösung des schmerzlichen oberschlesischen Problems zu finden. Besonders aber trage der französische Kommandant eine Verantwortung, der die Soldaten durch die Lektüre des„Echo de Paris" und der„Action FrmKaise" habe vergiften lassen. Diese Politik der Truppe bringe es dahin, daß sie einen Teil der Bevölkerung, die sie beschützen solle, als Feinde ansähe:«s sei nötig, in Oberschlesien zu einer gerechton Lösung zu gelangen und einem Provisorium ein Ende zu bereiten, das wirklich zu lange angedauert habe. rung ihres Beauftragten für Oberschlesien Stellung nehmen müssen. Vielleicht benutzt die deutsche Regierung die Gelegen- heit zu einer Kleinen Anfrage. « Der Reichskanzler Dr. Wirth und der preußische Mi- nister des Innern, Dominicus, haben sich heute zu mehr- tägigem Aufenthalt nach Breslau begeben, um mit den dortigen oberschlesischen und schlesischen Stellen persönlich Fühlung zu nehmen. Der Reichskanzler wird morgen abend in der Jahrhunderthalle in Breslau eine Rede halten, in der er dieoberschlesifcheFrageim besonderen erörtern wird. Ose Waffen öes Selbstschuhes. In einer Unterredung mit dem Vertreter des„B. T" erklärte General Hoefer, das Gerede einzelner Offiziere und Mannschaften des Selbstschutzes von einem Vormarsch auf Berlin sei nicht ernst zu nehmen. Das mag richtig sein. Aber die Sache hat doch einen Haken— oder vielmehr ein Haken- kreuz. General Hoefer gab in seiner Unterredung zu, daß die Hakenkreuzmode bei dem Selbstschutz zeitweise geradezu groteske Formen angenommen habe. Mag er dem Unfug ein Ende gemacht haben, den Hakeichreug g e i st hat General Hoefer kaum ausgemerzt. Wes Geistes Kind die Haken- kreuzler sind, hat der Kapp-Putsch gelehrt. Es ist nicht Sache des Reichs, die Geistesverfassung dieser Gilde einer Revision zu unterziehen. Sache des Reichs aber ist es, zu verhüten, daß sie Unheil anrichtet. Das wird angehen, wenn man ihr die Möglichkeit nimmt, die Waffen des Geistes mit anderen Waffen zu vertauschen. Eswäredeshalbvon öffent- lichem Interesse, zu erfahren, was mit den Waffen und dem Kriegsgerätdes aufgelösten Selbstschutzes geschieht. Ver Vevthener Morü. Vettkhe«, 7. Zull.(WIB.) Die Untersuchung de« Mordes an dem Major Montalegre bat ergeben, daß dle Kugel von der Sedanstraß« ans Roßberg gekommen ist. Der Mörder soll ein ISZSHriger Bursche(srüherer Znsurgent) sein. Dle Mutter wurde verhaftet, well der Sohn flüchttg ist. Dle Geiseln find bisher nicht steigegeben. die polen im Sraunkohlenrevier. Berlin, 7. Juli.(WTB.) Die deutfch-polnische Kom- Mission aus Posen ist am 7. Juli von ihrem Besuch im Nieder- lausitzer Braunkohlenrevier zurückgekehrt. Sie hat dort festgestellt, daß seitens der Behörden oder Arbeitgeber keinerlei Zwang zur Erzieiung der Abwanderung der Polen ausgeübt wor- den ist. Soweit polnische Arbeiter unter dem Zwange wirtschaftlicher oder nationaler Spannung zur Auswanderung veranlaßt worden sind, haben sie diese mit Hab und Gut ungehindert durchführen können. Die Kommission hat sich am 7. Juli wieder nach Posen zurück- begeben. Es muß erwartet werden, daß nunmehr dort auch den hetzerischen falschen Darstellungen über die Lage der Polen in Deutschland ein Ende bereitet wird. die 5rieöensbeüingungen Amerikas. Paris, 7. Juli.(WTB.)„Chicago Tribüne" meidet aus Washington, welche Form der Friede mit Deutschland annehmen werde, scheine man in Washington ebensowenig zu wissen, wie in Berlin. Es stehe indessen fest, daß die Absicht der Regierung dahin gehe, in der Reparationsfrage den Alliierten zur Seite zu stehen. Das Blatt bestätigt die gestrige Meldung des„New Port Herald", daß die Frage, ob eine Friedensproklamation notwendig sei, noch geprüft werde. Die Frledensentschliehung des Kongresses stelle für den Augenblick weder den Frieden her noch die diplomatischen Be- Ziehungen, dies könne erst geschehen durch einen Sondervcr- trag, falls die Regierung nicht beabsichtige, den Versailler Bertrag al« Grundlage für den Frieden zu benutzen, wobei jene Bestimmun- gen ausgemerzt würden, die Amerika abträglich wären. Präsident Harding habe kein Interesse an der Etikette oder dem Leitspruch, durch den der Friede gesichert werden solle, was er ver- lange fei eine Maßnahme, die ein Minimum von Berhand- l u n g e n mit einem Maximum von Resultaten verbinde. „Der Vertrag," sagt das Blatt zum Schluß,„müsie die Wiederaus- nähme normaler Beziehungen mit Deutschland vorsehen einschließ- lich der Fragen des Verfalles der feindlichen Güter, der amerikanischen Ansprüche aus Schäden, die Deutschland verursacht habe, der � amerikanischen Ansprüche aus Schisse und Palenke. die während des Krieges beschlagnahmt wurden, der Paßregulierung und des Er- � j atzes von Ausgaben durch die amerikanischen Besatzungstruppen." Konferenz zwischen Englanö, Japan unü US! Washington, 6. Juli. Roch dem hiesigen Berichterstatter des !„Philadelphia Public Ledger" hat die britische der amerikanischen Regierung Borschläge gemacht, um eine Verständigung der drei Großmächte Großbritannien, Japan und die Bereinig- ten Staaten im Stillen Ozean herbeizuführen. Der näm- liche Berichterstatter berichtet dazu, daß die englischen Vorschläge auf dem üblichen diplomatischen Wege übermittelt wurden und somit durchaus amtlichen Charakter tragen. Sie unterliegen zurzeit der Prüfung durch die Regierung in Washington. vorwärts-verlag G.m.b.H., Sw HS, Linüenstr. 3 3rcrttr ♦ Verlag. Expedition und Inseraten. • Abteilung Morinplat. 11753-5« Asqnith soll nach einer Meldung des„Daily Herald" die Absicht haben, die Führung der Partei der unabhängigen Liberalen nieder- zulegen und nur noch seinen Sitz im Unterhaus« zn behalten. Mrths Steuerprogramm. Don Wilhelm Keil. Der Reichskanzler und Reichsfinanzminister Dr. Wirth' hat das Steuerprogramm, das er in der Mittwochsitzung des Reichstags entrollte, wiederholt als ein vorläufiges be- zeichnet. Auch wenn das nicht geschehen wäre, hätte man es der Rede angemerkt, daß endgültige Entscheidungen noch nicht getroffen sind. Grundlegende Fragen, von denen das Gelin- gen des großen Finanzwerkes wesentlich abhängt, befinden sich noch im Stadium der Erwägungen. Es ist begreiflich, daß das neue Reichskabinett nicht schon nach achtwöchiger Tätigkeit mit einem fix und fertigen, in allen Einzelheiten wohl ausgearbeiteten Plan, der fünf oder sechs'Dntzend Milliarden neuer Reichseinnahmen zu beschaffen geeignet ist, vor den Reichstag zu treten vermag. Ein bißchen weiter ober hätten wir doch schon sein sollen, als wir sind. Es hätte alsbald nach der Annahme des Ultimatums und der Bil- dung des neuen Kabinetts mindestens unter den Parteien der jetzigen Regierung eine Verständigung herbeigeführt werden müssen über die zunächst zu unternehmenden Schritte. Das wäre um so notwendiger gewesen angesichts der finanz- politischen Versäumnisse des letzten Jahres, die darin bestehen, daß nicht einmal die Deckung des ordentlichen Etats und des einstweilen nicht zu streichenden großen Aufwands des außer- ordentlichen Etats angestrebt wurde. Obgleich Herr Dr. Wirth dem früheren Kabinett schon angehörte, kann ihm persönlich die Schuld für diese Versäumnisse nicht zugeschoben werden. Die Deutsche Volkspartei drückte dem Kabinett Fehrenbach- Simons so stark den Stempel ihres Wesens auf, daß auch der weitblickendste Finanzminister sich in diesem Kreis mit den Vorschlägen, die die Situation gebot, nicht durchzusetzen ver- mochte. Die Taktik der Rechtsparteien war während des letzten Jahres darauf gerichtet, die Finanzlage noch um ein Erhebliches ungünstiger erscheinen zu lassen, als sie in Wahr- heit schon ist. Man bildete sich ein, die Entente nehme alle ihr unterbreiteten Zahlenaufstellungen unbesehen als ein ge- treues Spiegelbild der deutschen Finanz- und Wirtschaftsver- hältnisse hin und ziehe daraus die gewünschten Konsequenzen. Man sprach stetig und überall von der bereits über- fchrittenen Grenze der Besitzbelastung und verzögerte damit die Flüssigmachung derjenigen Mittel, die zur Ausbalancierung des inneren Etats auf jeden Fall in Anspruch genommen werden mußten. Auf jeden Fall: denn daß wir zunächst einmal unseren Etat ausbalancieren muß- ten, wie hoch immer die Kriegsentschädigungsforderung ge- schraubt werden mochte, das war keinen Augenblick zweifcl- Haft. Wenn das nicht geschah, so ist die Folge nicht nur die, daß nachträglich noch die Summen aufgebracht werden müssen, die schon im vergangenen Jahr hätten beschafft wer- den können, sondern auch die, daß der Markkurs infolge ge- steigerter Tätigkeit der Notenpresse noch tiefer gesunken ist, als es im anderen Falle geschehen wäre. Die Einstellung auf die Auffassung, daß eine weitere Be- lastung des Besitzes nicht mehr möglich sei, wirkte auch noch nach, als die Entscheidung über das Ultimatum getroffen war und wir vor der unabweisbaren Notwendigkeit standen. Ei»- nahmequellen zu erschließen, die in der Geschichte der Völker kein Beispiel finden. Nicht so sehr der neue Reichskanzler, als vielmehr seine bemfene», Ratgeber in der Finanzverwaltung brauchten geraume Zeit, um zu erkennen, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, ohne einen starken Zugriff auf den trag- fähigen Besitz auch nur über die allernächste Zukunft hinwegzukommen. Erst nach wochenlangeni Besinnen gaben sie zu, daß in der Tat der Besitz durch die bisherigen Steuern höchst ungleich getroffen worden ist und daß folglich der be- günstigte Teil der besitzenden Schichten, dem überdies die in raschem Tempo vor sich gehende Ungleichung der Inionds- preise an die Weltmarktpreise große Gewinnoussichten eröffnet, ohne empfindlichen Schaden für die allgemeine Volkswirtschaft ein neues Opfer ertragen könne. Die Langsamkeit der Umstellung der ressortmäßig berufe- nen Mitarbeiter des Reichskanzler war eines, vielleicht das wichtigste der Hindernisse, die eine rechtzeitige Verständigung der Regierungsparteien hemmten. Auch in" der Programm- rede des Konzlers begegnet man noch den Spuren dieser hemmenden Einflüsse. Der Gedanke der„V e r e d l u n g" des Reichsnotopfers trägt noch ganz embryonales Gepräge und die Sorge ist nickt ganz von der Hand zu weisen, daß er von den Ressortkapazitäten nur aufgenommen worden sei, um den durckgreifenderen und größeren Gedanken der Beteiligung des Reichs am Besitz und Ertrag derSachwerte zu ersticken. Zwar hat der Kanzler diesem größeren Gedanken freundliche Worte gewidmet und mit- geteilt, zunächst sei der Teilplan in Angriff genommen, das Reich an den größeren Unternehmungen, die an der Konjunk- wr vorwiegend teilhaben, zu einem Bruckteil ihres Ertrags und ibres Wertes zu beteiligen. Das soll geschehen in der Form der Ausstellung von G e n u ß s ch e i n e n. die durch Einziehung der Dividende oder durch Verkauf und Verpfän- dung verwendet werden können. Das Reich werde also an csnem etwaigen Werlzusatz der Substanz selbst teilnehmen, fügte der 5kanzler hinzu. Uebermäßig klar und verständlich sind diese knappen An- deutungen aber nicht. Man erkennt nicht, ob nur an einer Beteiligung des Reichs an den größeren Unternehmungen der I n d u st r i e und vielleicht auch des Handels oder auch der Landwirtschaft gedacht wird. Ein einstweiliger ein- seitiger Zugriff würde jedenfalls die spätere Durchführung des gesamten Planes der Beteiligung des Reichs an den Real- vermögen nicht erleichtern, sondern sehr erheblich erschweren. Die Beteiligung in Form des G e n u ß s ch e i n e s würde auch das Reich von jedem Einfluß auf die wirtschaftliche und finan- zielle Gebarung der Unternehmungen ausschließen und folg- lich die Entscheidung über die Höhe des dem Reich zufließen- den Ertragsanteils in die Hände der Eigentümer der Unter- nehmungen legen.. Die Findigkeit der Interessenten würde schon dafür sorgen, daß das Genußscheinerträgnis nicht zu üppig ausfiele. Diese Scheinkonzession der widerspenstigen Fachmänner kann weder dazu dienen, dem Reich die Mittel an die Hand zu geben, die es braucht, noch dazu, die Unmöglichkeit der Erfüllung des Ultimatums zu„beweisen". Auch die künstliche Verkleinerung der Aufgabe, dv- wir erfüllen sollen, hilft uns nicht über den Berg. Mit außerordentlichen Etat, der im Jahr 1921 noch einen Bedarf von 59 Milliarden aufweist, hat es doch eine ernstere Bewandtnis, als es nach der Rede des Kanzlers scheinen könnte. Gewiß ist es wichtig, daß von dieser Summe der größte Teil in den Etat der Kriegsentschädi- gung übergeht. Aber die nahezu 19 Milliarden Fehlbetrag der Betriebsverwaltung, wie die weiteren 14,2 Milliarden für Lebensmittelzuschüsse, Erwerbslosenfürsorge und Wohnungs- bau lailen sich nicht einfach mit einem Federstrich aus dem Etat streichen. Wird der eine oder andere Teil dieses Bedarfs herabgemindert, sei es durch weitere Steigerung der Tarife der Reichsverkehrsbetriebe, fei es durch Aufhebung der Lebens- mittelmschüfse, so wird die Nachwirkung in den Lebensver- bältnisfen der breiten Massen nicht ausbleiben. Diese Nach- Wirkungen werden bestehen in einer neuen Teuerungswelle, die naturnotwendig begleitet ist von einer neuen Steigerung des Einnahmebedarfs des Reichs und einem Sinken des Wertes der Mark. Das aber ist das schlimmste, was uns passieren kann. Nichts brauchen wir notwendiger, als eine Festigung des M a r k k u r s e s. Wir erreichen sie nicht durch ein zaghaftes Ausweichen in der Frage der Besitzerfassung, nicht mit kleinen Mitteln, nicht mit großen einseitigen Massenbelastungen. Diese bewirken das Gegenteil. Wir erreichen sie nur durch eine mit kühner Entschlußkraft durchzuführende große Wirtschafts- und Finanzreform. Zu wünschen ist daher, daß alsbald die bis- her noch fehlende Verständigung unter den Regierungspar- teien herbeigeführt wird, die aus dem vorläufigen unbestimm- ten Finanzprogramm Dr. Wirths ein endgültiges und be- stimmtcs macht._ Neichstagsferien. Der Reichstag ist gestern nach Erledigung einer umfang- reichen Tagesordnung in die Sommerferien gegangen, die bis zum 6. Septeinber dauern sollen, falls nicht außerordentliche Ereignisse eine Unterbrechung herbeiführen. Am 6. September mi'rd' dann die erste Lesung der neuen Steuervor- lagen beginnen, die bis dahin»von der Regierung fertig- gestellt sein sollen. Der Reichstag hat in den ersten dreizehn Monaten seiner Existenz 133 Vollsitzungen abgehalten, die nicht ohne praktische Resultate waren, obwohl sie mehr mit langen Reden aus- gefüllt wurden, als nötig war. Die Geschäftsordnungskom- Mission hat noch nicht die neuen Arbeitsmethoden festgestellt, die notwendig sind, um den Charakter der Volks- Vertretung als der obersten beschließenden Reichsbehörde deut- licher in Erscheinung treten zu lassen. Während der Ausbau der'demokratischen Verfassung durch Verabschiedung der Gesetze über die vie Lehrerin. Von Viktor Engelhardt. In einer Abendgesellschaft war's. Die junge Lehrerin erzählte von ihren Kindern, daß sie morgen zwei Stunden Rechnen und eine Stunde Geographie geben müsse:„Da nehme ich aber eine alte Karte und sage— hier— das haben uns die Franzosen ge- stöhlen, geraubt— das Lumpenpack! Aber, Kinder, wir werden es ihnen wieder entreißen— Ihr selber werdet'? erleben,— da bleibt keiner zu Hause— da schlagen wir diese Hunde tot!" Nun gab es kein Halten— das Gespräch war politisch geworden und ein Ab- grund offenbarte sich-- in einem weiblichen Herzen! Sie war krank an Haß, lebenslänglich krank, wie sie selber sagte. Sie will hassen bis in den Tod. Bedauernswertes Geschöpf! Doch manch einer hat aus dem Krieg eine lebenslängliche Krankheit mit noch Haufe gebracht— an Körper oder an Geist. Das ist Schicksal. Doch zeigt uns den Mann, dessen Körper durchseucht ist mit Gift, und der es bei vollem Bewußtsein wagt, neue Menschen zu zeugen und das Gift zu vererben. Wir werden ihn alle verdammen. Und jenen Frauen jubelt man zu— jenen Frauen, deren Seele durch- feucht ist mit Gift, und die dieses Gift— vor aller Augen— den Kindern vererben, nicht einigen wenigen nur, nicht nur den eigenen, nein, den fremden, ihnen anvertrauten Scharen. Unheilbarer Haß ist Schicksal, und ein Schicksal mag ihn er- klären. Jeder trage seinen Haß wie eine Krankheit zu Grabe. Aber keiner vergesse, daß die Kinderscelen— hüben wie drüben— vom Haß nichts wissen, keiner vergesse, daß in den Kinderseelen unsere einzige Rettung liegt. Wer von uns vermag d i e zu hassen, die heute in Frankreichs Wiegen schlummern,— was haben sie uns ge- tan?— Und wer von den Kleinen, die ihr erstes„Maman" dort lallen, vermag die zu hasten, die„Vati" schreien? Führt sie zu- fammen, und sie werden miteinander spielen wie Engel, die von der Welt nichts wissen.— Und in dies Land der Unschuld rragen wir— ohne mit der Wimper zu zucken— die schwerste Krankheit, an der wir leiden!— Sieht denn keiner, daß hier Verbrechen be- gongen werden, gegen welche die Abenteuer eines Hölz gering er- scheinen?— Nein— keiner merkt es,— und die es sehen müßten — bleiben stumm.„Mich wundert, daß mir noch kein sozialdemo- kratischer Vater auf den Hals gekommen ist," sagte jene Lehrerin zum Schluß stolz und triumphierend.— Ja— mich wundert es auch. Eltern, kümmert's Euch denn gar nicht, was Eure Kinder in der Schule hören? Achtet doch auf das, was sie erzählen— und greift ein, wo es nötig ist. Geht hin zum Lehrer— zur Behörde — in die Osffentlichkeit— ganz gleich— wohin Ihr könnt! Hier gibt es keine Rücksicht auf Zeugnis und Fortkommen des Kindes, denn hier geht es um der Menschheit höchstes, heiliges Gut, hier geht's um den Frieden derer, die nach uns kommen l� Reichsprä sidenkenwahk und den Volksentscheid meitere Fort- schritte machte, läßt sich auf wirtschafts- und sozial- politischem Gebiet eher eine rückläufige Entwicklung als eine fortschreitende konstatieren. Die Schuld daran liegt bei der äußern Bedrängnis des Reichs, seiner wirtschaftlichen Zerrüttung durch die Folgen eines schweren verlorenen Kriegs, aber auch an dem Vorhandensein einer bürgerlichen Mehrheit und der Zersplitterung der vor dem Kriege einheitlichen sozia- listischen Arbeiterbewegung. Man wird dieses Uebel nicht be- heben, indem man seine Ursachen noch verstärkt. Man wird auch die so notwendige Durchdringung der Verwaltung und Justiz mit demokratischem Geiste nicht erreichen, ohne daß die- jenigen Kreise, die an ihr am meisten interessiert sind, d. h. vor allem die Arbeiter und Angestellten, ihren Willen einheit- lich auf dieses Ziel konzentrieren. Was man dem Reichstag am höchsten anrechnen muß, das ist, daß er den Lockungen einer nationalistischen Babcnquepolitik gegenüber standhielt und mit ziem- licher Konsequenz eine auswärtige Politik unterstützte, die sich dem Zwang der Verhältnisse einsichtsvoll anpaßt und damit neue, bessere Grundlagen für sie durch die Außenpolitik zu schaffen sucht. Ob er aber den Mut aufbringen wird, diese Konsequenz auf das steuerpolitische Gebiet zu über- tragen, ist die große Frage, die im Herbst dieses Jahres zur Entscheidung stehen wird. Das erste Arbeitsjahr des Reichs- tags hat nur ein Vorspiel dieser kommenden großen Kämpfe geliefert, in denen es um mehr gehen wird als um den Beweis der Lebensfähigkeit dieses Reichs- tags, allerdings aber auch um ihn. Wir werden in den zwei Monaten der Reichstaqsruhe nicht vergessen dürfen, daß in einem demokratischen Staatswesen das Volk selbst sich stets bereithalten muß, das entscheidende Wort zu sprechen. Ra st lose Aufklärung qkarbeit muß die bevor- stehenden großen Entscheidungen vorbereiten. Steuerflucht- nationale Tat! Durch die„Hasper Zeitung" vom 6. Juli erhalten wir Kenntnis von einem Artikel„Steuermoral und Steuerflucht", der in Nr. 398 der„B e r g i s ch- M ä r k i f ch e n Zeitung" gestanden hat. Die„Bergisch-Märkische Zeitung" gilt als ein ausgesprochenes Organ des westdeutschen Unternehmertums, der muckerischen Fabrikanten in und um Elberfeld, und es ist bezeichnend, daß selbst die rein bürgerlich orientierte„Hasper Zeitung" entsetzt ist über den Abgrund der Unmoral, den das schwerindustrielle Blatt offenbart. In der„Bergisch- Märkischen Zeitung" wird nämlich die Steuerflucht als „nationale Tat" empfohlen. Das Unternehmerblatt weist zunäcbst darauf hin, daß ein großer Teil der Steuerein- nahmen angeblich zu„unproduktiven Zwecken" oerschleudert würde. Solche„unproduktiven Zwecke" sind nach der „Bergisch-Märkischen Zeitung" u/ a.— die Erwerbslosenfürsorge und die Beamtengehälter! Das Unternehmerblatt schreibt: Jahrelange Proteste gegen diesen Unfug haben nichts genutzt. Es muffen schließlich größere Geister beschworen werden. Welcher Art diese„größeren Geister" sind, erfährt man dann aus den weiteren Ausführungen, in denen die V e r- schiebung des Volksvermögens ins Ausland — angeblich, um es„dem Zugriff unserer Feinde zu entziehen" — als eine„nationale Tat" gepriesen wird. Der „Feind", der hier geprellt werden soll, ist offenbar das Mi- nisterium Wirth. Das ist keine leichtfertige Vermutung sondern mit zynischer Offenheit gesteht das die„Bergisch- Märkische Zeitung" in ihren Schlußsätzen ein, die wörtlich lauten: So unmoralisch wie unter den früheren schönen Verhält- nisten ist heule jedenfalls die Steuerflucht nicht. Schwerwiegende volkswirtschaftliche Gründe lassen sogar eine Kapitalslucht unter Ilm- ständen nützlich erscheinen. Gar nicht gesprochen werden soll über die Taisache, daß auch andere Gründe persönlicher Art, wie z. B. die ausgesprochene Unternehmerfeindlichkeit und böchst einseitige Orientierung der deutschen Steuer- und Wirt- ISZI, das Zahr der Winde. Das Jahr 1921 zeichnet sich durch viele Ost- und Nordwinde aus, die im Juni wochenlang mit fall unverminderter Heftigkeit wehten und dadurch die Temperaturen bis auf seit 70 Jahren nicht mehr beobachtete Herbsttemperaturen im Vorsommer herabdrückten. Dadurch hat wohl mancher sein Augen- merk auf die meteorologischen Gesetze und namentlich auf die des Windes gerichtet, dem sonst Naturbeachtung weit aus seinem Interessenkreise liegt. Trotzdem werden die wenigsten wissen, daß der Wind mit der Auflockerung der Luft im Zusammenhang ist. Hierüber aber entscheidet die Temperatur. Der Wind bringt nicht nur andere Temperatur, sondern Kälte oder Wärme bringen auch ihn. R. France schreibt hierüber in seinem neuen Werke: Bios, das die alle Gesetze der Welt in gemeinverständlicher Form be- handelt. Das Gewicht einer gleichhohen Luftsäule ist geringer, wenn sie warm ist, als wenn sie kalt ist. Es wird also nahe dem Erdboden bei kalter Temperatur die Lust„höheren Luftdruck" aufweisen, als bei warmer Temperatur. Von den kälteren Orten strömt nun die Luft dem natürlichen Gefälle folgend in die Zone der„aufgelocker- ten" warmen Atmosphäre. Und diese Bewegung nennt man Wind. Allerdings verhält sich das in den höheren Schichten der Lufthülle gerade umgekehrt: die warme Luft strömt dort in die kalten Räume ab, so daß im Ganzen bei Temperaturunterschieden benachbarter Orte eine Zirkulation entsteht, die durch Ausgleich einen mittleren Zustand als eine Harmonie der Atmosvhäre schafft. Es /ist also der Wind gewissermaßen der Heilungsprozeß, um die durch Temperaturunterschiede entstandenen Störungen wieder auszugleichen. Er ist nicht die Ursache der Störung, sondern ihr« Folge, so wie Krankheit nicht die Ursache, sondern nur die Antwort auf irgend etwas die Harmonie des Körvers Störendes ist und diesen schädlichen Zustand auszugieichen sucht. Falsch ist es daher, zu sagen, wie es allgemein üblich ist, daß der Wind das schlechte Wetter bringe. Cr sucht es vielmehr aus der Welt zu schaffen. Er ist stets der Vermittler, gewissermaßen das Verbindungsband zweier verl�iedener Wetterlagen und es ist ein sonderbarer Trost, daß in dem Augenblick, in dem der kühle und unfm-n blicke Wind einseht, damit auch die Kräfte am Werk sind, die nicht ruhen werden, bis wieder die große Harmonie der Witterung hergestellt ist. Der Sonnenanbeker mißer Dienst. Der norwegische Schrift- steller Axel Maurer bat während seines Aufenthalts in Salzburg ein hübsches Geschichtchen über das Salzburger Wetter erlauscht. Zwei Fiaker unterhielten sich, wißmutig über das ewige Regenwetter, als eben der Schnellzug von Wien ankam. Unter den Reisenden, die herauskamen, war auch ein Herr mit einem roten Fez. „Siehst du den da mit der roten Mütze?" fragte der erste Fiaker. „O ja," nickte der andere lethargisch. „Der ist kein Bolschewik und kein roter Kommunist. Nein, ein feiner Mann ist er, ein Perser— aus Persien, weist du.... da» hinten." Er winkte mit der wetterbrounen Hand in der Richtung gegen den Untersberg. „O ja!" „Die Perser sind merkwürdige Leute. Denke dir, sie glauben schastspolikik, das Ankcrnehmerkum nichk gerade dazu veranlassen können, durch große Steuerzahlungen das gegnerische Lager zn stärken. Das ist die Begleitmusik des rechtsstehenden Unter- nehmertums zu Helfferichs Reichstagsrede! Im Schweiße ihres Angesichts bemüht sich die„Deutsche Tages- zeitung" nachzuweisen, daß Helfferich sich nicht geweigert habe, an der Erfüllung des Ultimatums mitzuarbeiten, daß er die Pflicht und Schuldigkeit betont habe,„zu-.tun, was wir können". Da kommt nun die„Bergisch-Märkische Zeitung" und plaudert mit brutaler Offenheit diewahreHerzens- m e i n u n g der deutschnaitonalen Kapitalistenkreise um Heists- rich aus. Im Lichte dieser Ausführungen versteht man auch einigermaßen, was die„Kreuz-Zeitung" meint, wenn sie da- von redet, daß die Durchführung der neuen Steuern technisch sich nicht werde bewältigen lassen! Man müßte von Rechts wegen ein Einschreiten des Staatsanwalts gegen die„Bergisch-Märkische Zeitung" ver- langen. Aber wir wollen dem Blatt für die unumwundene Aufrichtigkeit dankbar sein, mit der es uns den Kern der „nationalen" und„patriotischen" Gesinnung enthüllt. Die gleichen Prozentpatrioten, deren treudeutsche Herzensglut unter dem alten System durch gewinnbringende Millionenaufträge eingeheizt wurde, schreiben jetzt die Steuerhinter- ziehung als höchstes nationales Ideal auf ihre Standarte, um die sich das patriotische Unternehmertum sammelt. Erbärmlicher hat noch nie eine Klasse ihr Land im Stich gelassen als diese Gesellschaft, von der jeder einzelne zu schwören bereit ist, daß niemand anders als die böse Sozialdemokratie an allem Unglück Deutschlands schuld seil_ Die„Kote Zahne" für Paul Müller! Paul Müller, der begeisterte Anhänger von Schwarz-weiß- rot findet würdige Freunde. Für ihn treten in holder Harmonie die„Tä gliche Rundscha u", die„Kreuz» Zeitung" und— die„R a t e F a h n e" ein. Diese schreibt: Ein Verbrechen gibt es, daß die scheinsozialistische Renegaten- partei nicht verzeiht: das ist die Beschimpfung der Farben der neu- deutschen Schieberrepublik. Der schwarz-rot-goldene S ch m u tz l a p p e n ist ihr sakrosankt, und wer diesen beschiinpft, macht sich nach dem„Vorwärts" einer„parteigenössischen Ehrlosig- keit" schuldig, die mit dem Ausschluß aus der Partei geahndet werden muß. Dem kleinen Arbeiterverräter Paul Müller passiert dieses Malheur. Er sollte wegen seiner Vorliebe für den schwarz-weiß-roten Reichslappen vor den Parteikadi zitiert werden, hielt es aber für angemessen, dem politischen Schieberklüngel an der Spitze der SPD., der ihm zu Leibe wollte, folgenden Herachlungsbahen ins Gesicht zu spucken:(folgt der hier bereits zitierte Brief Paul Müllers). Der „Vorwärts" zitiert diesen Fladen des renitenten Paul Müller mit einem Geschimpfe über„sinnlose Verleumdungen". Die SPD. achtet jede Meinungsfreiheit, wenn sie sich gegen die Revolution für die kapitalistische Geldsackdemokratie einsetzt. Also Paul Müller hat sich nach Ansicht der„Roten Fahne" mit seiner Huldigung vor Schwarz-weiß-rot für die Re- volution, gegen den kapitalistischen Geldsack eingesetzt!__ Mielenz beskäiigt! Der preußiscke Innenminister DominicuS hat den komniiiiarischen Landrat von Rügen, Genosten Miele»,, endgültig als Landrat für den Kreis Rügen bestätigt. Damit findet der Streit i»n ein LandratSamt sein Ende, der von den Deutscknationalen Vorpommern» mit allen Mitteln der Demagogie geführt worden war. Die Darackenstadk der Leuna-Werke soll abgebrochen werden, nachdem die Arbeiter anderweitig Unterkunft gefunden haben. Die Baracken waren nach dem mitteldeutschen Austtand ein Sammei- punkt für neue Unruhen. Der Schuldenmacher. Exprinz Friedrich Leopold von Preußen, der sich bisher in Lugano aufhielt, und besten Geld- ausgaben viel von sich reden machten bei der Auseinandersetzung mit dem preußischen Staat, hat nach Meldung der PPN. die Schweiz verlassen und sich zu dauerndem Aufenthalt nach O e st e r r c i ch be- geben.— Offenbar meint er, daß Schulden in österreichischer Kronen- Währung leichter zu decken sind als solche in Schweizer Franken. nicht an Gott, sie beten die Sonne an. Kannst du so was begreifen, Schorschl?" „O ja," antwortete Schorschl mit einem giftigen Blick nachZ>em trostlos grauen Himmel—„und dein feiner Perser ist hier in Salz- bürg abzcstiegen,»m endlich einmal seine Ruhe zu haben!" Ein preußische» Naturschutzgesetz in Sicht. Der vom Siedelungs- verband Ruhrkohlenbezirk aufgestellte Entwurf eines Gesetzes zur Erhaltung der Baumbestände im Ruhrkohlenbezirk ist in Berlin bei den zuständigen Stellen sehr beifällig aufgenommen worden und hat dazu geführt, daß jetzt in den beteiligten Ministerien beabsichtigt wird, ein solches Gesetz für ganz Preußen zu erlassen. Danach sollen die Baumbestände in der Nähe von Großstädten, von Bade- und Kurorten sowie in Industriegebieten im Interesse der Volksgesundheit als Erholungsstätten für die Bevölkerung er- kalten bleiben. Die Provinzialausschüss« fallen ferner bestimmen können, welche Uferstrecken an Seen und Wasserlüufen dem Fuß- gängerverkehr zwecks Förderung des Manderns dienen sollen. Die Stadt der Dichter. Kiew darf den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die„Stadt der Dichter" zu fein, denn nach sran- zösischen Meldungen zählt die Hauptstadt der Ukraine nicht weniger als 3478 Poeten, die unter diesem Beruf in die Berpflegunzslisten eingeschrieben sind. Doch wäre es vorschnell, deshalb auf eine be- sondere dichterische Veranlagung der Bewohner von Kiew oder auf eine leidenschaftliche Verehrung der Musen in dieser Stadt zu schließen, denn für die große Schar der Dichter scheinen viel mate- riellere Gründe maßgebend zu sein. Da die Bolschewisten Lebens- mittlkarien nur an Mitglieder einer Standesorganisation ausgeben, so müssen sich die Intellektuellen, die nicht hungern wollen, bei einer Genossenschaft einschreiben lassen, und sie bevorzugen augenscheinlich den Dichterberuf, der auf diese Weise eine solche Menge unfreiwilli- ger Anhänger erhalten hat. Was bei der Foxkrottelei abfpringk. Der Saloms-Foxtrott, der beute überall die Herrschaft ausübt, hat seinem(in Wien lebenden) Schöpfer Robert Stolz bisher ein Gesamthonorar von nicht weniger als 32 Millionen deutsch-österreichische Kronen eingebracht. Der Einfall einer glücklichen Stunde, eine Melodie, ein Rhythmus, der sich einschmeichelt, und die tanzlustige Welt antwortet mit einem Millionenbetrag._ Keine Hebfilme. Die Film-Oberbrüsttelle bat die Ilustübrung bcS ftvenibcnIcgioiunfilmS„Die Fluckt aus dem Heer der HeimaNolen". die umäligit ßeigegeben war, widerrufen. Damit wird in zweiter Instanz au» anhenpolitifchen Gründen ein Film verbalen, der die chauvinistischen Ge- sübie und de» Hast gegen Fianlreich zu schüren suchte. Io dag der sran- zösilche Botichafter in Berlin vorstellig wurde. Ts ist mm an Frankreich, die Hetzülme gegen Deutjchland, an denen ei dort nicht fehlt, zu unter- binden. Ein« Pariser-tudcnten-Ziedlung. Der Wohnimgsnot und dem allge- meinen Elend der Pariser Studenten fall dadurch gesteuert werden, daß auf dem Gelände der niedergelegten Pariser Festunosmaucrn im Südeu der Stadt eine große Siedlung für Studenten errichtet wird, die neben einfachen Dohnhäusern große Spoiseräumc, Gartenanlogen und Sport-, Plätze umfasien soll. Nr. 317 ♦ 38. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Ireitag, 8. Juli 1921 GroßGerlm Zum tzohn auf Sie Republik! Im dritten Jahr der Republik haben manche Reich»» und Staatsbehörden noch nicht begriffen, daß sie sich nicht mehr .kaiserlich' und.königlich' nennen diirfen. Zu der Liste der im„Vorwärts' veröffentlichten Fälle, in denen diese Be- zeickmungen versehentlich oder wissentlich beibebalten worden sind, kommen immer noch neue Beiträge aus unserem Leserkreise. Nach wie vor treibt die Postverwaltung es am schlimmsten. Immer wieder wird uns gemeldet, daß Postämter— es hat kaum noch einen Sinn, sie hier einzeln zu nennen— an den Hausfronten als.kaiserlich' bezeichnet werden. Dar- unter sind solche, die im„Vorwärts' schon früher genannt wurden, bei denen aber seitdem nicht? geändert worden ist. Eigenartig berührt es, daß auch die Justizverwaltung die gesetzlich durch die Verfassung festgelegte Aenderung der Staatsform nicht so, wie es nötig wäre, beachtet. Warum.prangt' das Wort .Königlich' noch an GerichlSgebäuden, wie z. B. in Neukölln am Amtsgericht und in Charlottenburg am Landgericht? In Char- lottenburg sind solche wie eine Verhöhnung der republikanischen Verfassung wirkenden Ueberbleibsel der monarchischen Zeit besonders häufig. Das Hauptzollamt in der Berliner Straße.schmückt' seinen Eingang noch mit einem Wappenschild, dessen Inschrift diese Behörde für.königlich' ausgibt. Das Charlottenburger Standes- amt in der Lützower Straße hat in der Haustürnische die vor kurzem von uns gerügte Bezeichnung.Königlich' inzwischen durch Ueberkleisterung verdeckt. Dagegen sieht man am HauSeingang des Charlottenburger Standesamtes in der Rankestrohe noch ein Wappenschild, deffen Inschrift das»Königlich' in unversehrter»Schön- heit' zeigt. Auch Schriftstücke mit Stempeln, aus denen die Worte .Kaiserlich' oder.Königlich' nicht getilgt sind, sind uns wieder noch vorgelegt worden. Daß auch hier wieder die Post dabei sein zu müssen glaubt, wundert uns schon lange nicht mehr. In der Haupt- kaffe des Postamts Berlin 3 sFranzösische Straße) wird noch ein .kaiserlicher' Dienststempel benutzt, und dasselbe geschieht im Paket- Postamt. Ebenso kommt es bei der Post immer wieder vor, daß sie Formulare weggibt, auf denen sich da« Wort.Kaiserlich' gänzlich unausgestrichen präsentiert..Königlich' nennt sich noch daS Standesamt in Wilhelmshagen auf einem auS der monarchischen Zeit unverändert beibehaltenen Handstempel, der einem um Mitte Juni 1821 von dort abgesandten Brief auf- gedrückt ist. Gleichfalls im Juni 1821 benutzte die Kanzlei der Eisenbahndireklion Berlin noch einen Handstempel mit dem Zusatz .Königlich', wie wenn wir keinen November 1818 gehabt hätten. Auch die Eisenbahnstationskasie in Eberswalde stempelt noch„tönig- lich' zur höheren Ehre Wilhelms des Letzten, des nach Holland aus- gekniffenen Deserteurs. Gegenüber dem fortdauernden Gebrauch solcher Handstempel wird es schwer, noch an ein bloßes Versehen zu glauben. Wie die Zuschriften aus unserem Leserkreis zeigen. ist man in weiten Kreisen der Bevöllerung der festen Meinung, daß die Beibehaltung der.Königlichkeit' und.Kaiserlichkeit' in Hand- stempeln, auf Formularen und an Dienstgebäuden weiter nichts als eine drei st e Provokation sei. Es ist uns nicht möglich, alle uns über derartigen Unfug zu- gegangenen Mitteilungen hier wiederzugeben. Erwähnen wollen w'r aber bei dieser Gelegenheit, daß auch Privatpersonen da« Treiben mitmachen und sich keck noch.Hoflieferanten' nennen. Als.Hoflieferant' wird noch die Firma C. Epner in Berlin am Molkenmarkt durch Inschrift an der HauSfront ange« priesen. Auf eigene Art soll die Butlerfirma Gebrüder Groh die Frage gelöst haben, was sie mit ihrem Hoflieferantentitel machen soll. Wir sehen ihn noch groß und breit in den Jnichrifren an ver- schiedenen Filialen, die in den.nobleren' westlichen Teilen Groß« Berlin« gelegen sind. Bei manchen derjenigen Grob-Filialen aber, die in den Stadtteilen des Ostens und Nordens liegen, ist der Hoflieferantenritel— wie man uns mitteilt— beseitigt. W i r haben allerdings sogar in den minder„noblen' Stadtteilen noch leine Filiale der Gebr. Groh gesehen, bei der wirklich alle Spuren der ehemaligen Hoflieferantenherrlichkeit beseitigt wären. Dreist unö gottesfürchtig. Unberechtigte Kirchen st euereinforderungen ge- hören bei der evangelischen Berliner Stadffynode anscheinend zu den unausrottbaren Dingen. Solche im„Vorwärts' schon oft be- sprochenen Mißgriffe kommen immer wieder vor— und immer wieder machen sie böses Brut bei den nicht Kirchensteuerpflichtigen, die mit derartigen Forderungen belästigt werden. Verwunderung erregt dabei gewöhnlich die Unbefangenheit, mit der die Kirche dem Belästigten obendrein die Pflicht zuschiebt, seinerseits den Nachweis zu führen, daß er tatsächlich nicht kirchensteuerpflichtia ist. Das entspricht den bisherigen auf Gesetzesbestimmungen sich stützenden Gepflogenheiten im Steuer- wesen überhaupt, wo ja jeder einer Steuerpflicht verdächtige Staats- bürger von der Steuerbehörde nach dem Grundsatz behandelt wird: „Ich behaupte alles und erwarte den Gegenbeweis." Daß aber auch die Kirche nach ähnlichem Rezept soll verfahren dürfen, will vielen Leuten nicht in den Sinn. Wer schon vor Jahrzehnten so vernünftig war, seinen Austritt aus der Kirchengemeinschaft zu voll- ziehen, und ihn in vorgeschriebener Form beim Gericht zu Protokoll zu geben, der kann sich doch noch jetzt plötzlich mit einer Kirchen- steuerforderung überrascht sehen. Wenn er den„Wisch" unbeachtet beiseite wirft, könnte er eine neue Ueberraschung erleben; denn bei Unterlassung des Widofpruchs darf die Kirche auch ihre unberech- tigte Forderung schonungslos eintreiben. Wer aber die empfehlens- werte Vorsicht übt, Widerspruch zu erheben, erhält vom geschäfts- führenden Ausschuß der Berliner Stadtsynode etwa folgenden Be- scheid, wie ein Leser unseres Blattes ihn uns jetzt wieder vorlegt: Sie sind uns als evangelisch zur kirchlichen Steuerung über- wiesen worden. Außerdem sind Sie nach Auskunft des Ein- wohnermeldeamts dort als evangelisch verzeichnet. Sie können deshalb von der Kirchensteuerpflicht nur dann befreit werden, wenn Sie uns innerhalb 14 Tagen durch Urkunde(Taufschein, Aus- trittsbescheinigung) den Nachweis liefern, daß Sie der evange- lifchen Kirche nicht angehört haben oder aus der evangelischen Kirche in der gesetzmäßigen Form ausgeschiedn sind, oder uns angeben, an welchem Tage, bei welchem Gericht und unter wel- chem Aktenzeichen Sie den Austritt erklärt haben. Nach Ablauf obiger Frist mühten wir annehmen, daß Sie den Ihnen obliegen- den Nachweis.ffcht erbringen wollen. Das Einziehungsverfahren wird dann fortgesetzt werden. Der Mann, der mit dieser unberechtigten Kirchensteuereinforde- rung belästigt wird, weist uns durch Ueberreichung der amtlichen Schriftstücke nach, daß er bereits am 30. Oktober 1895 aus der katholischen Kirche und seine Frau am 2 7. September 1919 aus de» evangelischen Kirche ausgetreten ist. Man beachte hier, daß der Mann überhaupt niemals der evangelischen Kirche angehört hat, an die er jetzt Steuern zahlen ,olll Das ganze Vorgehen der Ver- liner Stadtsynode, die unberechtlgterweise Steuern von ihm for- dert und ihm dann den Beweis der NichtVerpflichtung auferlegt, erscheint ihm als eine Dreistigkeit, die nicht dadurch gemildert wird, daß sie mit Gottesfurcht gepaart ist Es ist skandalös, daß die Kirchcngemeind-m immer noch kein Mittel gefunden haben, sich selber Gewißheit darüber zu verschaffen, wer zu ihren Mitgliedern gehört und wer nicht. »Kronen entlaufen." Ein hiesiger Kau'mann, der im Besitz von 850 000 öfter- reichischen Kronen war, hatte mit deren Verkauf einen Kauf- mann Falzgraben beousiragt. Dieser gab an, das Geld in Hamburg günstig verkaufen zu können. Als er sich ans der Reise dorlhin befand, sandte er an seinen Auflraggeber ein Telegramm»Kronen entlaufen, Verfolgung aufgenommen'. Der Enip- fänger wartete zunächst auf aussühilicheren Bescheid und erfuhr, daß seinem Beauslraglen naw besten Angaben das ganze Geld auf der Fahrt im v-Zuge gestohlen worden sei. Er gab an, das Pake! mit den Noien in leinen Mantel gewickelt und aut das Gepäcknetz gelegt zu haben. Ein Dieb habe ihm nun den Mantel mir dem Gelde gestohlen. Dre Verfolgung, die er aufgenommen habe, sei jedoch ergebnislos gewesen. Die Sache erschien jedoch verdächtig und die Kriminalpolizei stellte fest, daß Falzgraben vor seiner Reise schon hier in Berlin einen Teil der österreichischen Kronen in deutsches Geld umgesetzt hatte. Er wurde deshalb unter dem dringenden Verdacht, die ganze Summe unterschlagen zu haben, festgenommen. Die Trinkgeldfrage in der Oefsentlichkeit. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Eafe-Ange stellten erläßt folgenden sehr bcachtens- werten Aufruf an das Publikum: Das Trinkgeldunwesen ist durch das Vorgehen der Gesellschaft für Soziale Reform zu einer das gesamte Publikum angehenden Frage geworden. Alle Stände und Berufe sind gleich stark daran interessiert. Als das Gesetz den Steuer- abzug von 10 Proz. für alle Arbeitnehmer vorschrieb, ging ein Rau- schen der Entrüstung durch ganz Deutschland. Wenn aber irgendein Gastwirt seinen Gästen eine Steuer von 10 Proz. in Form von Be- dienungsgeld vorsetzt, so wird das mit Achselzucken hingenommen. Würde man es sich gefallen lasten, wenn die Warenhausbesttzer, um die Löhne für die Angestellten zu sparen, an der Kasse zu den Ver- kaufspreisen einen Aufschlag von 10 Proz. für die Bedienung des kaufenden Publikums erheben würden? Die Steuerlasten, die jedem Arbeiter und Angestellten heute auferlegt werden, sind, wie man immer wieder hört, für jeden einzelnen drückend. Aber trotzdem be- zahlt das Publikum geduldig immer noch besondere Steuern in Form des Trinkgeldes in ziemlicher Höhe. Wer trägt nun eigentlich die Schuld an diesen Zuständen? Zum größten Teil das Publikum selbst. Wer Trinkgeld gibt ist mindestens ebenso schuldig, wie der- jenige, der Trinkgeld nimmt. Nur im Interesse des Publikums liegt es, den Kampf gegen das Trinkgeld zu führen. Eine Unsitte des Mittelalters wird auch durch die Tatsache jahrhundertelanger Ueber- lieferung zu keiner sittlichen Einrichtung, und die Ungerechtigkeit des Vorenthaltens einer geregelten Entlohnung wird durch die Berufung auf ihr Alter noch lange keine Gerechtigkeit. Deshalb fort mit dem alten Zopf, fort mit dem Trinkgeld! Wenn die Trinkgeldgeber aus- sterben, werden gleichzeitig auch die Trinkgeldjäger mit beerdigt. Granaten im Gntsteich. Auf dem Rittergut Marienfelde befindet sich in der Mitte des Gutsbofes ein Teich. Als gestern vormiltag mehrere Landarbeiter mit der Reinigung des Wassers beschäftigt waren, fanden sie auf seinem Grunde 11 Stück 7,5 ow- und 2 Stück 10 om-Granaten. Der Fund wurde der Schutzpolizei übergeben. Die SPD.-Elkernbeiräie Eharlokkenburgs nahmen in ihrer letzten Sitzung Stellung zu zwei infolge der Etatstürzungen notwendig ge- wordenen Maßnahmen des Bezirksamts VII, die für das Wohl der Schuljugend von ganz besonders nachtelliger Wirkung fein werden. Seit Jahren wird in den Charlottenburger Schulen nach Be- endigung des Unterrichts im Interesse der Schulhygiene eine tägliche Reinigung der Klastenzimmer vorgenommen. Durch die eingetretenen Etatskürzungen aber soll in Zukunft nur noch dreimal wöchentlich eine Säuberung der Schulzimmer statt. finden. Die SPD.-Elternbeiräte Ehorlottenburgs erheben gegen die für das körperliche Wohl unserer Schuljugend so bedenkliche Maß- nähme ganz energischen Protest. Als eine geradezu erschütternde Bedeutung für das Charlotten- burger Schulleben aber muß die beabsichtigte Beschränkung der Zahl der Schulpflegerinnen von 18 auf 5 be- trachtet werden. Die Schulpflegerin ist das Bindeglied zwischen Schule und Heins, zwischen Lehrer und Eltern; sie ist die„rechte Hand' des Schularztes, eine unentbehrliche Hilfskraft des Lehrers für die Behandlung und Beurteilung der Kinder; sie erforscht die häuslichen Verhältnisse, sorgt für die Unterbringung der Kinder in Ferienkolonien, Waldschulen, Walderholungsstätten und Landaufent- Haltsstellen: in ihrer Hand liegt zum Teil die Organisation der Schul- und Quäkerspeisung: sie ist kurz gesagt— vom sozialen Standpunkte aus betrachtet— die wichtigste Persönlichkeit im ganzen Schulleben überhaupt. Und ausgerechnet diese wichtige Kraft, die überdies für ihre Mühewaltung noch eine ganz unzureichende Entlohnung erhält, soll unseren Charlottenburger Schulen wieder genommen werden. Gegen diese unsoziale Maßnahme erheben die Charlottenburger Elternbeiräte im Namen der dadurch besonders betroffenen Arbeiter- beoölkerung gleichfalls ganz entschieden Protest. Dezirksbiidongsausschuß Groß- Berlin. Jeden Abend„Der Kuhreigen' im Wallner-Tbeater. Eintrittskarten d 7,60 M. Für alle Sonntagsnacbmiltags-Opernauffübrungcn im Tbealer der 24s Die Rächer. »Und Roman von Hermann Wagner. Er schüttelte schon wieder gleichmütig den Kopf. dennoch i ch w ill.. i!" „Und wohin wollen Sie?" Er war plötzlich wieder sehr ernst und ruhig.„Ich weiß es nicht. Ich weiß nur. daß ich den Weg, den ich gehe, bis an sein Ende, bis ans Ziel gehen muß. Und ich denke, daß ich dieses Ziel eines Tages sehen werde. Dann will ich es Ihnen zeigen." „Ich werde warten." sagte sie.„Und ich glaube, daß ich nicht lange werde warten müssen. Der Weg, den Sie gehen. führt in die Unendlichkeit, wie alle Wege, die wir machen... Aber der Ihre ist beschwerlich. Sie werden bald müde sein." „Und dann... dann wollen Sie mich aufnehmen... und inich bei Ihnen ruhen lassen?" Ja." Er nahm ihre beiden Hände und küßte sie dankbar:„Gut. wir wollen warten." Er führte sie selbst hinaus, bis hinunter in den Garten. Er sah ihr nach, bis sie verschwand. Dann kehrte er ins Haus zurück. „Prokop!" rief er erregt und freudig.„Packen! Packen! Wir müssen reisen! Wir muffen fliehen!" Er nahm die Papiere, die sie bei ihm zurückgelassen hatte. wog sie in den Händen und dacstte: Es wäre unlog'.fch, wenn ich ihr gegenüber bereuen würde, es wäre ein Verrat an meinem Grundsatz. Sie erwartet es auch nicht. Denn sie kennt jetzt meinen Weg. Er rief seinen Diener.„Prokop," sagte er, rasch die Adreffe der Frau von Marisch auf das Paket schreibend,„die gnädige Frau hat dieses hier vergeffen. Bringen Sie es zur Post!" „— meinen Abschiedsgruß," ergänzte er in Gedanken. III. Lucle. 11. Reiener machte fein« Reise, nicht um sich zu zerstreuen. sondern um sich zu sammeln, nicht um sich zu vergeffen, sondern um sich wiederzufinden. Wes, was er sah, Menschen. Orte, Dinge, betrachtete er mit einer stummen Erwartung: würde es ihm sagen, was er nicht wußte: wer er war? Er suchte in den Augen der Menschen zu lesen, was sie über ihn dachten, und er las nur Gleichgültigkeit. Eindringlicher redeten schon die Dinge auf ihn ein. Es war, als ob sie zu ihm sagten: grüble nicht, lebe! Und gar von den Land- schaften empfing er immer wieder die erhabene Mahnung: Sei wie wir,— sei ohne Schuld! Wir atmen, wachsen, blühen, tragen Früchte und welken— und uns bedrückt keine Erinne- rung an die Vergangenheit und uns schreckt keine Furcht vor der Zukunft! Doch er wurde um so unruhiger, je ruhiger der Rahmen war, in den er sein neues Leben hineingesetzt hatte. Er sah es, daß er vor sich selber floh, wo er doch ausgezogen war, sich zu finden. Er war das Gegenteil von Petxr Schlemihl: der Schatten, dem er zu entkommen trachtete, blieb ewig bei ihm! Er fuhr nach München und wußte, dprt angekommen, nicht, was er dort wollte. Cr schlenderte planlos durch die Straßen und hatte das Gefühl, verkauft zu fein. Er besuchte Caf6s und Theater und langweilte sich tödlich. Er knüpfte auch, von einer grauen Verzweiflung gepackt, galante Be- kanntschaften an, löste sie aber schon wieder, kaum daß sie ein paar Minuten gedauert hatten. Mit keinem Menschen kam er in Fühling, immer gähnte zwischen ihm und den anderen ein toter Raum. Er kam nach Innsbruck. Es entging ihm nicht, daß Töne und Farben hier anders waren, und er blieb auch eine Weile neugierig, um bald doppelt enttäuscht zu werden, da er dem Neuen in dieser Stadt um keinen Schritt näher kam. Er merkte es, daß die Menschen in seiner Gegenwart stiller wurden oder gar verstummten, sicher aus dem instinktiven Verdacht heraus, j einen vor sich zu haben, der ihnen irgendwie feind war. Und er dachte mit Erbitterung an das Mal auf seiner Stirn, das, ohne sichtbar zu fein, doch immerhin fühlbar blieb. Er schickte Prokop mit dem Gepäck über den Brenner vor- j aus und wandte sich selbst in tagelangen Fußmärschen süd-' wärts. Die Einsamkeit tat ihm schließlich doch wohl. Wie Menschenhasser, um des in ihnen brach liegenden Ueberfchuffes! an Liebe ledig zu werden, sich oft mit einer für sie erstaunlichen Zärtlichkeit Tieren und der Natur zuwenden, so liebte es auch Reisner jetzt, stundenlang im Walde dem Rauschen der Bäume zu lauschen, seinen Blick voll nachdenklicher Melancholie an den Wolken hängen zu laffen und mit Hunden, Vögeln, Käfern stille Gespräche zu führen. Er kam allmählich bis Brixen und dann immer südlicher nach Bozen. Dort erwartete ihn Prokop. Et schickte ihn aber- mals voraus diesmal bis Meran, um ihm auch ein zweites Mal als Fußgänger zu folgen, jetzt ein sonniges, warmes, blühendes Tal durchschreitend, das, von einem tiefblauen Himmel überwölbt, in der Ueppigkest seines saftigen Grüns einem paradiesischen Treibhaus glich. Ueber diesem neuen Himmel stahl sich ganz jäh eine ihm noch neue Heiterkeit in sein Herz. Er erwachte eines Morgens in einem Landgasthof, von der summenden Wärme draußen geweckt, die durch die offenen Fenster in breiten Wellen zu ihm hereinfloß. Er sprang aus dem Bett, wusch sich kalt und saß dann unten in der Veranda beim Frühstück, von einem jungen Mädchen bedient, dessen blendend weiße Schürze alle Strahlen der Sonne auf sich zu ziehen schien. Das Mädchen lachte ihn freundlich an und begann ein Gespräch mit ihm, in dessen Verlauf er erfuhr, daß dieses Kind kaum siebzehn Jahre alt war, Klara hieß und aus einem Dorf in der Nähe Klagenfurts hierher in Stellung gekommen war, die ihre erste war. Klara sprach ein reines Deutsch, in dem der weiche Dialekt der Kärntnerinnen kaum wahrzunehmen war. Sie hatte jene biegsame Schlankheit, die nicht ohne beginnende Fülle ist. Ihre Augen und ihre Haare waren braun und sie hatte kleine, fleischige Hände, die noch nicht schwer gearbeitet hatten. Reisner bat sie, sie möchte mit ihm eine Stunde spazieren gehen. Sie sagte auch zu. Und des Abends schritten sie wirklich nebeneinander auf einem Wiesenpfad, der durch Büsche und Gestrüpp zu einer uralten Ruine hinaufführte, in deren düsteren, zerfallenen Toren, Bogenfenstern und Mauern ein romantischer, kühler Moder hing. Es wurde dunkler, und sie saßen nebeneinander auf einer Bank, ohne mehr als dann und wann einen halben Satz zu reden. Es war auch nicht nötig, daß sie sich mit Worten ver- ständigten, denn etwas ganz anderes war zwischen ihnen, das sie einander nahe brachte und sie eng miteinander verbad. Es war dies die geheimnisvolle Kraft eines dunklen Verlangens, das aus ihnen beiden aufwuchs und das sich danach sehnte, von dem andern gefühlt und gestillt zu werden. So legte Reisner nur stumm den Arm um Klara und küßte sie auf den Mund. der ihm entgegenblühte, jung, durstig und stark... Als wäre damit alles zwischen ihnen ins reine gekommen. fanden sie nun auch Worte, um sich zu sagen, daß sie einander gern hätten. Das„Du" fiel zwischen ihnen und riß die letzten Schranken fort. Sie spürten, daß sie jung waren und da; Recht batten, jung zu sein. Ihre Zuneigung zueinander hatte keine Hindernisse zu überwinden. Es war einfach so: sie nahmen einander und gaben einander wieder frei... (Forts, folgt.) »Freien VoNSvühne' am Bürowplatz tSpielpsan an den Anschlag- säulenj Karten � 5 M. zu haben im Bureau des Bezirksbildunys- ausschusses. Linden st r. 3. 2. Hof, 4 Tr., Zimmer 10. und bei den Bildungsausschustmitgliedern der Abteilungen. Mit dem heutigen Tage beginnt die Ausgabe der Abonne- mentskarten für die Festkonzerte. Der Ä b o n n e- mentspreis für die fünf Konzerte beträgt 2 4 M. Am Donnerstag, den 15. September d. I., Aufführung der Oper„Die Wal- küre" von Richard Wagner in der ersten Besetzung des Deutschen Opernhauses unter künstlerischer Leitung des Direktors Herrn Hartmann. Preis pro Karle 7.50 M. Beginn SVg Übt nackmitlags. Bei der regen Nachfrage nach Karten empfiehlt eS sich, sofort Vor- defkstungen zu machen. 20 Zahre Austrägerin. Ihr 2vjähriges Jubiläum als„Vor- wärts"-Austrügcrin feiert die in der Z.Z., Belziger Straße, ange- stellte Frau Anna Richert. In Sturm und Regen ein halbes Menfchenalter Botenfrau zu fein, ist bei dem heutigen Wechsel des Botenpersonals fast eine Seltenheit. Wir freuen uns über eine so wetterfeste Natur, wie sie die Jubilarin besitzt und wulifchen ihr noch recht lantze Rüstigkeit. Die großen Ferien beginnen heute und werden nach einer Dauer von über fünf Wochen am Montag, den 15. August beendet sein, so daß der Unterricht am Dienstag, den 16. August wieder beginnen wird. Ein kleines Paket ist am Scnnabcndnachmittag im Vollring vom Potsdamer Bahnhof über Stralau-Rummelsburg liegen ge- bljeben. Es enthielt 24 Sparhefte und ein Sammelheft dazu. Außerdem ein Modenheft und eine alte Hofe. Der Finder wird ersucht, die für ihn wertlosen Sachen abzugeben bei Max Schütze, Neukölln, Schudomastr. 3/4, Gth. 1 Tr.. Groß-öerliner parteinachrichten. Morgen. Sonnabend, den S. Juli: 23. Wt. 7 Uhr im„Rerneuchcner Schloß", Werncuchener. Straße. Sitzung der Bezirksfiihrer, Vetriebsvcrtraucnsleute und Eltenbeiräte. Wichtige Tages- ordnung! ZS. Abt. Vi" Uhr bei Berger, Lewctzowstraße 21, Funktionärsitzung. Erscheinen aller Funktionäre ist Pslicht. 4». Abt. Uhr Funitionärsitzung bei Schmidt, Wiclefstraße lV. 86. Abt. Maricndors. Genossinnen und Genossen, welche sich für die Ferien- spiele zur Verfügung stellen wollen, werden gebeten, zu einer Besprechung 'm Restaurant poch, Chausseestraßc 44, um 8 Uhr zu erscheine». Rege Beteiligung erwartet der Vorstand der Abteilung. Zungsozialisten. Alle Veranstaltungen fallen ans. Die Mitglieder beteiligen sich an dem Vortragsabend der Gcsamtvcrcinigung»m 7 Uhr im Jugend- heim, Lindenstraße 3, Thema:„Die Länder und das Reich", Referent: Gen. Hildebrandt. » •paHlon), Sängerchor der SPD. Am Sonntag, den in. Juli, Familienausflug nach Seebad Wilhelmsruh. Treffpunkt'52 Uhr Kreuz-, Ecke Schönholzer Strohe(Pankebrllcke).' Alle Parteigenossen, Freunde und Gönner sind herzlichst eingeladen. Iugenüveranstaltungen. Freitag, den 8. Zuli: Moabit. Schule Waldekiserstraße 21. Mitgliederversammlung.— Nieder» schonhausen. Blankenburger Strasze 71/72. Mitgliederversammlung.— Schöncbcrg II. Schule Frankenstroste. Vortrag:„Internationale Jugend- bewegung'.— Spandau. Alies Schützenhaus. Mitgliederversammlung.- Staaken. Gartenstadtschule. Mitgliederversammlung.— Weißcnsee. Woelk Promenade 1. Mitgliederversammlung. Der Kampf öer Kleinpächter. Sport. Rennen zn Krunewuld. 7. Juli. Die 40 000 M. des Prässdenten- vreiles holte sich der Zchimmcl Bennewar vor dem 80 Kilo tragenden Har- leliu, Biederniami II, in dem man vielfach den Sieger vermutete, endete aus dem 4. Platz.— 1. tzundekeble-Jagdrcnnen. 25 000 M., 5200 Meter. 1. Mäderl sF. Kiihn.'e), 2. Marc Anton(Knospe), 3. Sturm- schwalbe(W. Heuer). Tot.: 111:10, Platz: 30, 21, 23:10. Ferner licsen: Rosmarin(als 1. disqualifiziert und auf den 4. Platz verwiesen), Snnll Martin, Carlsmrndc, Ist gemacht, Minimax, Parabel(geh), Glücks- stein, Delta II, ErasiniiZ.— 2. Jugend-Hürdenrennen. 25 000 M., 2400 Meter. 1. Colbcrg(Kardel), 2. Sinn Fein(Dhhr). 3. Marga(GorSler). Tot.: 65: 10, Platz: 19, 14, 20: 10. Ferner liefen: Germa(4.1, Silberlhaler, Delphin, Fatra, Jliappelkops, Mnth Fish, Bei- gradc, Napi, Major, Snob, Puinik, Sonnenrose, Himmelhund.— 3. Stnten-Jagd renne». 30000 M, 3600 Meter. 1. Lauscherin fKränzlcin), 2. Williberta(Kululies), 3. Muc(Gorsler). Tot.: 126: 10, Platz: 30, 23, 20: 10. Ferner liefen: Elschen(4.), Wetterscheide, Attacke, Leonore(angeh.), Doide fgcs.), Marietla(ausg. u. gef.t.— 4. Teufels- s e e- H ü r d e n r e n n e n. 25 000 M., 2400 Meter, 1. Noriela (F. Kuiinke), 2. Dnnaide(Bismark), 3. Tutty(Kardel). Tot.: 331: 10, Platz: 54, 15. 51: 10. Ferner liefen: Parma II f4.), Hellbarde II(geh), Arrangeur(angeh). Vclex, Consul(angeh.), Fröhlichslujt(geh), Telamon langeh.), Sarabande langeb.). Mokan(ausg.).— 5. Präsidenten- Preis. 40 000 M., 5000 Aleter. 1. Bennewar(v. Berchem), 2. Harlekin :v. Keller), 3. Alerich(v. Botllenberg). Tot.: 32:10, Platz: 14, 21, 14:10 Ferner liefen: Biedermann II(4.), Tory Hill II, Robert, Tilly,— 6, H o 1 1 u n d e r- I a g d r c n n e n. 25 000 M., 3800 stpetcr. 1. Fusta- nella(Gorsler), 2. Zarin(Bismarkl, 3. Marmolata(P. Lewicki). Tot.: 27: 10, Platz: 1§, 12: 10. Ferner lief: Furchtlos(4.).— 7. Wellenbrecher-Hürdenrennen. 1. Wellenbrecher(Gorsler), 2. Nihilist (P. Lewicki). 3. Ferne sStielau). Tot.: 18:10, PI: IL. 11, 14:10. Ferner liefen: Geisterstunde(4), Civilist, Deutschrittcr, Gerd, Gondler, Mitleülrage. Der 16. Deutsche Kongreß für Volks- und Jugendspiele, der in Mann- beim eine dreitägige Tagung abhielt, nahm unter anderem Entschließungen an, in denen die Rcic�regicrung um sofortige Vorlegung und Vcrabschie- dung des Spielplatz gcsetzcs gebeten wird und alle Kultnsministe- rien Deuischlands ansgefordcrl werden, für die tatsächliche Durchführung pflichtmäßiger Spielnachmittagc und Wanderlage Sorge zu tragen. Der S p i e I n a ch m i t t a g und Wandertag sollten auch im Winter durchgeführt werden. Das Ziel müsse die Einführung der tag- Ii che» Turnstunde neben der pflichlmäßigcn Spielnachmittagsstunde sein. Zur Förderung der Leibesübungen aus dem Lande ist die Anstellung hoiiptamtlicher Kreisjngendpflcger und bei den Landes- und Provinzialregierungcn hauptamtlicher fachkundiger Dezernenten für Leibes- Übungen zu fordern. Der Vorsitzende des Kongresses, Staatsministcr des Innern Dominicus, teilte u. a. nüt, daß in kurzem durch Erlaß des Preußischen Kultusmulisters au allen preußischen höheren Schulen Ab- gangsturnpriisungen eingeführt würden. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Schäncberg. Berlin. Sontag, 3 Uhr nachm.: Generalprobe zum Krcistunifest in Echöncberg, Sportplatz Lindenhof. Fahrt bis Bahnhof Papestraße, 2)4 Uhr Abinarsch. Alle Teilnehmer am Kreisturnfcst.— Mittwoch, 13., Turnratssitzung Ecpdclstr. 3, 714 Uhr.— Bezirk Neukölln. Freitag: Versammlung der Männer bei Roscnthal. .T-nriftcn-er-i»„Die Naturfreunde". Wedding. Scddincr See. Abfahrt Sonnabend 6.30 Uhr Bllhnbof Friedrichstraßc. Süd-West. Michendorf— Seddiner— Tcufclssec. Treffpunkt Eonnabend Uhr Wannscc-Bahnhof. Steglitz. Liencwitzsec. Treffpunkt 6 Uhr Sonnabend Bahnhos Steglitz. Zlorden. Siefen- thal— Vuckowfee. Treffpunkt Sonnabend 6.1Z Uhr Bahnhof Gesundbrunnen und Sonntag 5.46 Uhr. Eharlottenbnrg. Maxsec lRllchtwondcrung). Abfahrt Sonnabend 6 Uhr Schlcf. Bahnhof. Osten. Leuenberg— Röthser. Abfahrt Sonn- abend 5,39 Uhr Wriczner Bahnhof. Schöncbcrg. Dahmsdorf— MUnchebcrg. Abfahrt Sonnabend 5.16 Uhr Schlef. Bahnhof. Treptow. Duberow— Franenfee. Abfahrt Sonnabend 6 Uhr Bahnhof Treptow. Moabit. Marse«. Abfahrt Sonnabend 4 Uhr Bahnhof Bellevne. Arbcitcr.Radsahrer.Dnnd„Toliba-it-t"(Gau 9, Brandenburg). Bei der Auf der Tagesordnung der Landtagssitzung vom Don- nerstag steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfes über die vorläufige Regelung des Haushaltsplans für das Rech- nungsjahr 1921. Finanzminister Dr. Sämifch: Der Notetat enthält zwei beson- der? wichtige Posten, einmal die Bereitstellung von Mitteln zur Auf- rechterhattung des Verwaltungsbetriebes, vor allem aber die Bereit- stellung von Mitteln für dringende Bauten. Trotz größter Sparsam- keit läßt sich die Schaffung einiger neuer Beomtenstellen nicht um- gehen. Die Staatsregierung bittet um schnelle Verabschiedung des Notetats. Abg. Dr. Meyer-Oftpreußen(BKP.): Schon die flüchtige Durch- ficht des Notetats zeigt eine Bevorzugung der Interessen begüterter Beoölkerungsschichten. Wir verlangen Aufhebung des Ausnahme- zustandes. In K l o st e r m a ns f e ld hat die Schupo den Amtsvor- steher M ü lle r, der verhandeln wollte, verhaftet und hiernach er- schössen, angeblich auf der Flucht. Es war aber ein glatter Mord, wie in zahlreichen anderen Fällen. Der Gesetzentwurf wird dem Hauptausschuß überwiesen. Der Gesetzentwurf über die Ermächtigung des Staatsministe- riums zur Feststellung über die Beendigung des K r i eg s z u st a n- des wird in allen drei Lesungen angenommen. Der Gesetzentwurf über die Erweiterung des Stadtkreises Witten wird dem Ge- mcindeausfchuß überwiesen. Der Gesetzentwurf über die Staatsoerträge zwischen T h ü r i n- gen und Preußen über den Anschluß thüringischer Gebietsteile an den Landgerichtsbezirk Erfurt und den Oberlandcsgerichtsbezirk Naumburg geht an den Havptausfchuß. Nach Annahme einiger Anträge der D. Vp. und der USP. folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs zur Abänderung des Kommunalabgabengesehes sowie des Kreis- und Provinzial-Abgabengefetzes. Abg. Dr. Negenborn(Dnat.) beantragt Ueberweifung an den Hauptausschuß. Abg. ßönig-Weißenfels sKomm.): Wir wollen an dem Gesetz mitarbeiten, können aber dem Entwurf in seiner jetzigen Faffung nicht zustimmen. Abg. Dr. Aredt fordert ein besonderes Provinzial- und Kommu- nalabgabcngefetz. Abg. Müller-Hameln(Soz.): Der vorliegende Gesetzentwurf kommt den Wünschen der Ge- meinden in keiner Weise entgegen. Auf den ersten Blick sieht man, daß neben einigen kleinen Abänderungen alles beim alten geblieben ist. Schon früher habe ich einmal auf die sonstigen Steuermöglich- leiten hingewiesen, z. B. auf die Steuern auf Jntercssenvermögen. Bisher ist man aber teilnahmslos darüber hinweggegangen. Ganz im Gegenteil finden sich jetzt sogar Bestimmungen im Gesetzentwurf, die die Gemeinden bei der Erhebung ihrer Steuern noch mehr ein- schränken. In dem Gesetzentwurf ist sogar die Rede von„König- lichen Schlösser n!" Ist die Regierung Stegerwald wirklich der Anficht, daß es bei uns in Preußen noch königliche Schlösser gibt? Wenn ja, wer ist und wo ist denn der König? Dieser ganze Artikel 24 muß gestrichen werden. Die Besteuerung des Grundbe- f i tz e s muß allein nach dem Reinertrag und dem Nutzen veran- schlagt werden. Bisher find auch die freien Berufe, ich denke da st euer in eine Berufs st euer umzuwandeln. Der Hausbesitzer darf nicht so sehr besteuert werden, wie der Großgrundbesitzer, dessen Grund und Boden weit erheblicheren Ertrag liefert. Im übrigen werden wir unsere Wünsche noch in den Kommissionen klar dar- legen, und wir können dem Gesetzentwurf nur dann unsere Zustim- mung geben, wenn seine Abänderung unseren Wünschen im großen und ganzen Rechnung trägt. Ein Regier.mgsverireicr: Durch die Einbringung der Novelle sollen zunächst die dringlichsten Aufgaben erledigt werden. Borlagen über Realsteuern stehen bevor. Abg. Sprenger(Z.): Die Regierung muß sehr vorsichtig bei der Heranziehung der Gemeinden zu neuen Lasten zu Werke gehen. Abg. Göll(Dem.): Für die Gemeinden gibt es noch mgnche Möglichkeiten zur Steigerung ihrer Einnahmen. Sie müssen für den Bau neuer Straßen, Plätze und sonstigen Einrichtungen die Anlieger heranziehen. Abg. v. Eynern(D. Vp.): Der Staat schnürt die Bewegungsfrei- heit der Gemeinden durch Beschränkung der Gemeindesteuerrechte immer mehr ein. Abg. Leid■._ o»..» rf--->-•~ oß. Wasserburg. Mittag Schwimmklnb Neptun ®roL_ ,.,,, 189*' Lichtenberg. Sonntag, den 1». Juli, nachm. 3 Uhr Schwimmfelt im Rummclsburger Seebad. Freitag, den 8. Juli, abends 7 Uhr. Treffpunkt aller Mitglieder Bahnhof Frankfurter Allee zum Abmarsch nach der Badeanstalt. Es ist pünktliches Erscheinen Pflicht. Hieraus Reinem Übung. Das Reichsgericht verhandelte gestern den 7. Kriegsprozeß. An- geklagt ist der Oberleutnant Adolf L a u l e aus Charlottenburg, der von dem Berliner Rechtsanwalt Dr. Pohl verteidigt wird. Die Anklage vertritt der Oberreichsanwalt Dr. Ebermeyer. Er- schienen sind 9 deuffche und 4 ausländische Zeugen. Die Ausliefe- rungsliste wirft dem Angeklagten vor, im August 1914 in dem Dorfe Hessen bei Saarburg den französischen Kapitän M i g a t vorsätzlich und mit Ueberlegung getötet zu haben, nachdem ihm die Achsel- stücke heruntergerissen worden waren. Der Angeklagte schildert die aus dem Prozeß gegen S t e n g e r bekannten Vorgänge in der Schlacht bei Saarburg. An einem Brunnen stand ein französischer Offizier, auf den Oberleutnant Laule zuging, indem er ihm zurief, er sei sein Gefangener und solle die Waffen abgeben. Der Kapitän lehnte das ab. Der Zlngeklagte wollte dem Franzosen nun das Koppel mit Gewalt abnehmen, der Kapitän schlug ihn aber mit der Faust derart, daß er zur Seite taumelte. In- zwischen waren mehrere Leute der Kompagnie hinzugekommen, und es ertönten Rufe:„Schießt ihn über den Haufen!" Der Angeklagte widersprach dem, befahl aber seinen Leuten, den Offizier f e st- zunehmen und ihm die Waffen abzunehmen. Der Kapitän schlug darauf einem Soldaten ins Gesicht, woraus dieser den Franzosen niederschoß. Einen Befehl hierzu gegeben zu haben, bestreitet der Angeklagte auf das Bestimmteste. Eine Meldung über den Bor- fall hat der Angeklagte nicht erstattet. Als erster Zeuge wird der Kaufmann August Becker aus Ber- lin-Wilmersdorf vernommen, der als Soldat der 12. Kompagnie des Infanterieregiments 112 auf einem Patrouillengang nach dem Dorfe Hessen den Angeklagten mit zwei deutschen Soldaten und einem französischen Offizier vorbeikommen sah. Der französische Kapitän setzte seiner Entwaffnung Widerstand entgegen und wurde gleich darauf erschossen. Der Zeuge ist davon überzeugt, daß der tödliche Schuß nicht auf Kommando abgegeben worden ist. Hilfsschweißer Peter R i m m l e r aus Kirchheim bei Heidelberg hat gesehen, daß der Soldat G r e i h durch einen Stoß des Migat niedergeworfen wurde. Gleich darauf fiel ein Schuß und der Kapi- tön stürzte zu Boden. Der nächste Zeuge Eisendreher Gottlieb Greiß aus Dielheim war einer der beiden Soldaten, die Migat entwaffnen sollten. Er hat gesehen, daß der Kapitän nach dem Angeklagten schlug, worauf dieser rief: „Zwei Wann Herl" Der Zeuge bestreitet, versucht zu haben, dem Kapitän die Achselstücke abzureißen. Hauptmann a. D. P e t e r s s o n hat gesehen, wie Laule mit dem französischen Offizier, der sich anscheinend nicht entwaffnen lassen wollte, verhandelte. Der von den Franzosen benannte Zeuge Dr. Georg Müller aus Mülhausen i. Elf., der Oberarzt im Jnf.-Regt. 112 war, gibt an, Laute sei von hinten an Migat herangetreten und habe diesen auf- gefordert, sich zu ergeben. Der Kapitän, der einen Verband um den .Hals trug, habe nach dem Bürgermeister gefragt und auf Laules Bemerken, was er da wolle, gesagt, daß gehe niemand etwas an. Der Zeuge hat beobachtet, wie Migat, als er entwaffnet werden sollte, sich kräftig wehrte. Die deutschen Soldaten hätten dann um den Kapitän einen Kreis gebildet, der sich wieder geöffnet habe. woraus Migat weitergeschritten sei. Dann seien Schüsse gefallen und Migat sei tot niedergestürzt. Untersucht hat Dr. Müller die Leich« nicht. Nach Beendigung der Feindseligkeiten hat die Witwe Migats in elsässischen Zeitungen Zeugen der Erschießung gesucht, woraufhin sich Müller gemeldet hat. Dem Zeugen wird darauf seine vor dem Untersuchungsrichter in Mülhausen gemachte Aussage vor- gehalten, die in sehr wesentlichen Punkten von seiner heutigen Dar- stellung abweicht. Der nächste Zeuge Dr. med. Victor D e l u n s ch aus Altkirch, der Stabsarzt des 1. Bat. Jnf.-Regt. 112 war, will gesehen habe», daß Laule neben Migat und einer kleinen oder größeren Mannschaft ging. Er hat gehört, daß Laule zwei Soldaten befahl, dem Kapitän das Koppel abzunehmen. Einige Zeit fpärer hätten mehrere Sol- baten auf Migat angelegt. Daß dies auf Befehl geschehen sei, kann er nicht sagen. Auf die Frage des Oberrcichsanwalts, ob er nur von Unmenschlichkeiten auf deutscher Seite oder auch von solchen auf französischer Seite gehört und gesprochen habe, gibt der Zeuge eine ausweichende Antwort. Der folgende Zeuge, Landwirt G e i ß l e r aus dem Elsaß, hat vor kurzem im„Mülhauser Tageblatt" einen angeblich jelbswerfaßten Bericht über die Erschießung Mgats veröffentlicht, in welchem er erklärt, daß die Behauptung Laules, Migat sei erschossen worden, weil er sich seiner Gefangennahme widersetzte, eine Lüge sei. Der Zeuge erzählt, wie der Angeklagte versucht habe, den Kapitän gefangen zu nehmen und dann zwei Mann herbeigerufen habe. In der Zeitungsnotiz habe er geschrie- den, daß Laule den Befehl gegeben habe, den Hauptmann zu er- schießen. Den Widerspruch erklärt der Zeuge damit, daß der Ruf Laules„Zwei Mann her!" unter den damaligen Umständen als Befehl zur Erschießung aufzufassen gewesen sei. Der letzted)icnfe tmp G�eeHn. NW SrledrichflaahelSo Eck« Smtkeeflftrafit sw velle-Alliauce-Skr. 4 ikIk Sanbor) SO OtemicRftra&e 44, zwischen Moritz- und Oranienplatz Spandau: Brette Straße IS. »«de Markt Eharlottenburg- Tauenhieustreche 45, Ecke M«rblNkK«r Straße 5aachi«»kh«ierStr.2 n«tze viff. Aos Tteukölln: Bergstraße 4. Elte Friede»««: Rheinstraße IS. aa, Mrchstrohe Schöneberg: haaMrafw 21, Eck« MipenIIraß« Wittnersdorf: VerZwer Str. l32°3Z »«tzo Ubwndftroß' SkUAMelMlieikttiielöiillii veklvsltungzNelle IZerlin X st. 5H, cinlenitr. SZ— S5 Gelchäftszeit von vorm. S Uhr bis nachm. 4 Uhr Trlrphon: Ann Norden ldS. 1?Zg. 1087, 9714 Henke, Freitag, den S. Zuli, nachmitkags 3'/, Ahr, in den„Ztiusikersälen", Kaiser-Wilhelm-Skroße 31: Branchen-Verfammluug der Zigarcttcnmaschinenfiihrer und Betriebshandwerkcr Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur«ussperrung. i. ÄesuUat von der von derBehvrbe erzwungenen Verhandlung. Ohne Mitgliedsbuch und Karte kein Zutritt. 98,0 vis SrkLvrrevalknug. Sooden erschienen: Unser Weg Zeitschrift für kommunistische Politik Herausgeber Dr. Paul Levi Aus dem Inhalt: Kurt Geyer, Zur inneren Politik Paul Levl, Die Aufgabe der Kommunisten/ Bernhard Düwrll, Der Wahnsinn der neuen Erwcrbslosenaffären Valerlu Marcu, Die Konzessionspolnik SowjetruBlandi Otto Kaus, Politik oder Mystik Zu bc riehen durch alle Pojtanstaiten, Buchhandlungen und die Internationale Verlafcnunntalt, G. m. b. H. Berlin SO 36, Elsenstr. 75—Telephon; Moritzplatr 13315 Preis der Nr. M. 2—, Vierteljahresabonnemcnt M. II— _vyegen drirRendcn Bedarfs zahlen wir für Skr. per Gr. 13 M. 14..„.. 24.00„ 18„„„ 31.00 ,. 22„„„ 39.00„ _ TT VgVll Uli! 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Sie Hastsumme betrug am 1. Januar 1920. 8000 M. Sic ermägtgte fich um 400„ beträgt»Isa am 31. Dezember 1920... 820098. Das Seschäft.guthaben beträgt am8I.Sezemderl920 8200 R. produktiv» und Verkauts» (ienosoenscdatt kerliner kzacis�lsten eingetragene Senostenschast mit beschränkter Haftung, Der Vorstand dasei Mcistner Otto Tornow Set«nstlchtsrat Franz Jakoby. fl98/4 lauserpistoieu mit Anschlaskolben Kai. 7,63, sowie andere Pistolen u. Jagdwatfen[ kauft Jnlius HeSraer Möbel zu ermäßigten Preisen auf bequemste Teilzahlung bei kleiner An- e. Abzibleei Biir|}.VolinBn8seinriehl Wahnalmm., Schlafiimm., Sptlf.ilmni.HcrrcHlnini. i» groecr Auswahl Klnmelite HAbel Ferblye Kfiehen Ferrer: Ttpplche, Gardlna. nnd Dekoratl.nigcteaariada. Beiser Lothringer Str. 67. Demii&chnt crnchrlnt: Remnikchnt ernehelnt: RUSSISCHE KORRESPONDENZ Sfr. 0. 36i5b' INHALT: E. Preobraschenski: Ein neuer Zeitabschnitt./ Gesetze über Naturalsteuer./ N. Lenin I Zur Frage der Naturalsteuer./ J. Larin: Zurllckbiegung oder Aulrichten der Front(Lieber den neuenWirtschaltskursi /W. P. miljutia; Die gegenwärtigen Fragen der russischen Volkswirtschaft./ L Cblntsckuk: Die neuer: Aufgaben der Oenossenschaften./ A. Swiderski; Die praktische Durchführung der Netureisreuer./ Die gegenwärtige Wlrt- schattapeliltk Sewjet-Rußlends(Resolution, anrenomnten von der Allrussischen Konferenz der Kommunisti- senen ParrciRueiands. Moskau, Mai 1921)./ W. P. Allliutln: Die Wirtschaftspolitik des Oberstan Volkswirt- achattsrates./ A. Rjkow: Die Lage der russisenen Volkswirtschaft./ A. Kaktyn: Vom alten Obersten Volks- wirtschaftarat zum neuen Volkswirtschaftsrat./ A. Kaktin; Naturalsteuer und Klainindustrie./ N. Lenin: Instruktion des Arbeits- und Verteidigungsrats an die lokalen Sowieteinrichtunsen(Entwurf)./ I. Larin, A. tfaizmann, N.» Alsmont; Austauachfonds und Arbeitslohn./ E. Var-a: Die Organisierung dar bäuerlichen Landwirtschaft/ E. Preebrasehenskl; Papiergeld und Zwangswirtschaft./ Lescbawa: Die Einfuhr und Auafuhr Sowjet-Ruaiands./ M Plolunkewskt; Das Problem der Arbeitsorganisation:n der Produktion. lieber ckia Naturalprlmiee(Bericht an den Rat der Volkskommissare)./ n. Osalnskl: Die Ergebnlaee einer Studienreise./ Ten der Tätigkeit des Allrussischen Zentral-Ezekulirkomiteee./ J. Brandenburgsky; Die Kommuniaten und oie Genossenschaften,/ N. Ossinsk:; Die„alte* und die.Boue" Politik der russtechen Kommunisten./ Der IV. A»russische kengreü der GcwerkschattsTcrbdede./ A. Bubnew; D.e Hauptmomente in der Entwicklung der Kommunistischen Partei Rulland*./ 14. Tuchatscbawaky: Die Rote Armee und die Miliz./ A. Winokurow: Die soziale pjiraorge in Sovrjet-Rulltnd./ Mich. Pavlewltsch: Oie Ökonomische Entwicklung nnd die Agrarfrage In Persien im XX. Jahrhundert./ W. Kerschenzev: Die Erfolge des neuen Theaters./ 0. Krshlshanowskl: Gründung eines wirmetechnischen und elektrotechnischen Instituts für wissenschaftliche Forschung./ F. Ssenjuschkin: Bericht über die Arbeit des Alirusatschen Bureaus der Produktionspropaganda/ N. Osainski: Die Aussichten der kemmeuden Ernte./ A. Jemschanow: — Der Zustand des.Transportes in Sowiet-Ruilanii,_.__ l'pel»® M., u. 1 j w Prel» 6 l>. Zu beziehen durch Frankes Verlag G.m.b.H., Leipzig, Kreuzstraße 3b. Berlin, Blücherplatz 2 Preuß. Staats-Lotterie Prämien: 2x750000 2x250000 Hauptsew.: 4X500000 4x300000 ["Ziehung; l. Klasse 12. u. 13, Juli I»2l1 Los->/.'/,'/, preise 10 20 40 80 Mark Postgebühr 60 Pf, amtliche Liste I.— 5. Klasse 5 Mark. Steatl. Lotterie- ttaplin C 11 Prinzenstr. 79 Blann Einnehmer oillull 0.>4 a. Moritzpiatz Postscheck Berlin 31 131 Sss beste und billigste Baumaterial für fantos- u. 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Königgrätzer Str. 7.30 Uhr: Frau Sultaer Sonnabend: Pühn Komödienhans 7.30 Uhr: Der blonde Engel Koimselie Oper Opernspielzeit Täglich l'/, Uhr Oper von Pacchlerotti Stg.3Vc: Der Barbier v. Sevilla Felles Caprice Unienstr.I32.amOranienbg.T. Täglich>/,8 Uhr: Prinzessin vom NU Operette in 3 Akten Musik von Victor Holländer mit PrSnzi Blenke, Max Calden, Käthe Jungherr usw. Scheidongsreise Freitag, 8. Juli; Geschlossen Morgen: Oer i me iliär üdmirals-?alast T/t Uhr; Abrakadabra Tb. a. Kottbuser Tor Tel. Morl tzpl. 16077 Tägl. Tit Uhr: Elite-Sänger — 10 Herren I— Witz! Komik I Urkom. Typen I Grüßt. Lacherfolg Vorvk.ll-l'/�t-6U. Variete-! Rauchen gestattet! üehrenMiraUe 84 VI, Uhr: Persönliches Auftreten Johannes Riemann u. 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Bewerbungen unter Beisügung von geugniffen und Mt- teilung über die bisherige Tätigkeit find in» 3L Juli zu richten >01«, unb Anstellung nach den der politischen illung nach an di« Adresse: S.»che«», Bielefeld, Brritestraß« 89. 188/10 flue einer bayerischen Jeftung. Von besonderer Seite geht uns ein ausführlicher Bericht über Zustände in dem bayerischen Festungsgefängnis Niederschönenfeld zu, die dringend der Aufklärung bedürfen. Wir übergeben die Mitteilungen der Oesfentlich- leit in der Hoffnung, daß die Vorfälle f�crt genau untersucht twerden und daß über sie baldigst ein ausführlicher Bericht erteilt wird. Am 4. Januar drang eine Abteilung von 2 Offizieren und über 40 schwerbewaffneten Sipoleuten unter Anführung des Augsburger Oberstaatsanwalts Menzel in die Festung und zwang die Festungs- gefangeneu, teilweife unter Anwendung von Gewalt, zum Ablegen der kommunistischen Sowjetabzeichen: hierbei erfolgten Kommandos wie:„Schußfeld frei!" und„E n t s i ch e r n!". In den Abend- stunden desselben Tages wurde eine Verfügung des Feftungsvor- standes bekanntgegeben, daß unnachfichtlich bei jeder Wider- s e tz l i ch k e i t von der Waffe Gebrauch gemacht würde. Eine besondere Rolle spielte ein Bademeister der Festung, der sich rühmte, er werde„eigenhändig sieben Spartakisten wie tolle Hunde mit dem Spaten erschlagen, wenn es losginge". Obwohl diese Aeußerung vor Gericht erwiesen wurde, unternahm der Nor- stand nichts gegen diesen bayerischen Kulturträger. Der„Volkswille" in Augsburg, der diese Vorfälle mitteilte, wurde beschlagnahmt. Im Februar wurde Amtsrichter Dr. V o l l m a n n Festungsoor- stand: durch ihn wurden neue Repressalien gegen die Gesan- genen eingeführt. Bei den geringsten Anlässen wurde Bett-, Kost-, Hofentzug und Dunkelarrest verhängt. In Anerkennung seiner„Ver- dionste" wmde V. nach München versetzt: und der Augsburger Erste Staatsanwalt Dr. K r a u ß übernahm nunmehr die Leitung. Jetzt hagelte es Disziplinarstrafen gegen die Gefangenen, und um diesen unerträglichen Zustünden ein Ende zu bereiten, forderten die Ge- fangenen durch drei Parlamentäre am 2. Juni die Wiederherstellung der gesetzmäßigen Festungshaft. Die drei Gefangenen wurden sofort in Einzelhaft genommen. Am nächsten Tage erging es dreizehn weiteren Gefangenen ebenso. Am K. Juni wurde von dem Ober- werkführer Fetsch auf einen Festungsgefangenen, der in das Rapport- zimmer heruntergeführt worden war, der Revolver angelegt. Aus naheliegenden Gründen verzichten wir, sämtliche uns mitgeteilten Einzelheiten, insbesondere Schikanen gegen einzelne Gefangene, mitzuteilen, da diese sonst infolge des auf sie gelenkten Verdachtes, uns die In- formationen übersandt zu haben, keine Stunde mehr ihres Lebens sicher sein könnten. Wir erklärten uns jedoch bere.t, die R e i ch s j u st i z b e h ö r d e p bei der Ausklärung der An- gelegenheit durch Ueberweisung weiteren Materials zu unter- stützen und sprechen die dringende Erwartung aus, daß schon v o r einer völligen Aufhellung des gesamten Tatbestandes die Wiederher st ellung der gesetzmäßigen Zu- stände in Niederschönenfeld gewährleistet wird. Kongreß öer dritten Internationale. Terioki, 7. Juli.,(DE.) Nach Privatmeldungen, die dem Kor- respondenten des Ost-Expreß aus Moskau zugehen, verläuft der Kongreß der 3. Internationale merkwürdig farblos. In der O p p o- sition, die sich gebildet hat, fehlen hervorragende Wortführer. Nach einem Ausspruch Radeks laufen die Debatten, die eigentlich eine Erörterung der Kardinalfragen bringen sollten, auf ein„Wie- derkäuen" der Zwistigkeiten in den kommunistischen Parteien Deutschlands und Italiens hinaus. Die Namen Levi und Serrati werden fast von jedem Redner erwähnt. Klara Zetkin ver- sucht ihren Austritt aus der Zentrale der VKPD. zu rechtfertigen und eine Mittellinie zu finden. Die erhobene Angriffstimmung, die auf dem 2. Kongreß herrschte, ist jetzt der Ausfechtung von Detail- streitigkeiten gewichen. Die Delegierten haben die Empfindung, daß die 21 Bedingungen hervorragende Kräfte der Arbeiterbewegung ausgeschaltet und die Bildung von Massenparteien verhindert haben. Die Moskowiter fahren fort, auf ihrem alten Standpunkt zu be- harren. Die ausländistben Kommunisten können sich bisher nicht entschließen, mit klar formulierten Ansichten hervorzutreten. Die Politik der revolutionären Aktionen hat im Auslande in praxi eine Niederlage erlitten: dennoch bestehen die Moskowiter auf der For- derung, die gegenwärtige Weltkrise in revolutionärem Sinne aus- zunutzen. Die Ausländer bilden in diesem Punkt eine Opposition, die sich jedoch zurückhaltend äußert. Die Erklärungen ües Prinzen LVinüisch-Grätz Budapest, 7. Juli(TU.) In der gestrigen Sitzung der National- Versammlung erklärte Prinz Windisch-Grätz, daß er von der durch Michael Karolyi ins Leben gerufenen revolutionären Bewe- gung im Jahre 1918 Kenntnis erhalten habe, als er in seiner Eigen- schaft als Ernährnngsminister in Berlin weilte, wo man ihn darauf aufmerksam machte, daß der deutsche General st ab diese von der Unabhängigkeitspartei ausgehende Bewegung verfolge und daß die französischen und italienischen Verbindungen Karolyis wohl be- kanr.t feien. Der damalige Kaiser Wilhelm habe ihn ermächtigt, dem König Karl darüber zu berichten, daß der deutsche Generalstab allen Fäden der revolutionären Bewegung auf die Spur gekommen sei. Wilhelm habe erklärt, unter derartigen Umständen sei die Weiterführung des Krieges un möglich, weil einerseits die technischen Truppen fortgesetzt Verrat übten und andererseits wegen der revolutionären Bewegung der Karolyi-Partei früher oder später der Zusammenbruch der österreichisch-ungarischcn Monarchie erfolgen müsse. Die französische Regierung habe Karolyi als Spion benutzt, um die Widerstandsfähigkeit der Zentralmächte zu schwächen, habe jedoch niemals daran gedacht, daß sie Karolyi und seinen Leuten als Regierung gegenüberstehen werde. Lager Sielow. Wie der„Dena" von unterrichteter Seite mit- geteilt wird, befinden sich im Jnternierungslager Sielow bei Cottbus nur noch 40 b i s 50 O b e r s ch l e s i e r. und auch diese werden dort lediglich aus dem Grunde festgehalten, weil sie die Befürchtung hegen, bei ihrer Rückkehr nach Oberschlesien in Korfantys Insur- gentenarmee eingereiht zu werden. Da inzwischen durch die— wenigstens äußerlich vorgenommene— Auflösung der Jnsurgenten- gruppen diese Befürchtung einigermaßen gegenstandslos geworden ist, sollen diese Oberschlesier demnächst in ihre Heimat ent- lassen werden. Es trifft weiter zu, daß im Lager Sielow noch eine Reihe Kongreßpolen festgehalten wird. Es handelt sich bei diesen Leuten zumeist um Deserteure der polnischen Armee, die auch ihrerseits aus begreiflichen Gründen nicht den Wunsch hegen, nach Polen zurückzukehren. Ueber den Berbleib dieser Leute wird ebenfalls in allernächster Zeit eine Entscheidung herbeigeführt werden. Gustav hilger, der Bevollmächtigte der deutschen Regierung und Leiter der deutschen Fürsorgestzlle, ist aus Moskau in Berlin ein- getroffen. Dr. Ehang JJün Kai, der bisherige inoffizielle Vertreter der chi- nesischen Regierung in Berlin, ist zum Geschäftsträger er- nannt worden. Gleichzeitig hat die deutsche Regierung ihren bis- herigen inoffiziellen Vertreter in Peking, Ecsandischaftsrat Dr. v. B o r ch, zum Geschäftsträger bestellt. Die bulgarische Regierung Hot um einen dreijährigen Aufschub ihrer Reparationszahlungen ersucht. Schluß im , In der Fortlctzung der gestrigen Reichstagssitzung folgte die zweite Beratung des Verdrängungsfchüdengesetzes. Verbunden damit wird das Kolonialschädengesetz, das Aus- landsschädengefetz und die Entschädigungsord- n u n g. Der Ausschuß fordert möglichste Beschleunigung bei der Festsetzung von Entschädigungen und Vergütungen. Zu diesein Zweck soll das Reichswirtschaftsgericht erweitert werden. Dem Reichstag soll ein Plan vorgelegt werden, wie die Reichsregierung eine bessere Sicherung des«Rechtsschutzes auf wirtschaftlichem Gebiet gewährleisten will. Eine Entschließung der bürgerlichen Parteien ersucht die Re- gierung um geeignete Vorschläge über den Ersatz der im Kriege an Ladungen der Seeschiffahrt entstandenen Schäden, die im Auslands- schädengefetz ihre Regelung nicht gefunden haben.— Eine weitere Entschließung verlangt eine vorläufige Entschädigung aus Reichs- Mitteln für Reichsangehörige und deutsche Gesellschaften, deren Eigentum während der Fahrt durch den polnischen Korridor von polnischen Behörden widerrechtlich beschlagnahmt worden ist, die aber trotz der Vorstellungen der deutschen Regierung Ersatz von der polnischen Regierung nicht erlangen konnten und dadurch in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen sind. Abg. Riedmüller(Soz.) gibt im Namen aller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen und Kommunisten eine Erklärung ab: Der Ausschuß hat seinen Beschlüssen zwei leitende Ge- danken zugrunde gelegt. Der erste ist der des Wied er auf- b a u e s, der oerlangt, daß die Geschädigten wieder wirtschaftlich wertvolle Mitglieder der deutschen Volksgemeinschaft werden. Der zweite Gedanke ist der s o z i a l e, der den wirtschaftlich schwächer Ge- stellten, die sich aus eigener Kraft nicht wieder aufrichten können, besondere Berücksichtigung zuteil werden läßt. Abg. Schwarz(U. Soz.): Wenn von diesen Mitteln Hundert- tausende in die Taschen eines einzelnen fließen sollen, dann müsien wir die Vorlagen ablehnen. Abg. Fries(Komm.): Trotz einzelner Mängel werden wir das Verdrängungsschädengesctz annehmen. Sonst aber müsien wir uns dem unabhängigen Redner anschließen. Das Verdrängungsschädengesetz wird darauf unter Ablehnung eines unabhängigen Antrages in dritter Lesung einstimmig a n g e- n o m m e n, die anderen Gesetze werden gegen Unabhängige und Kommunisten angenommen, ebenso die Entschließungen. Die zurückgestellten Abstimmungen zur Wochenhilfevvr- läge ergeben die Ablehnung der unabhängigen Anträge, die Bor- läge wird einstimmig angenommen. Der Gesetzentwurf über das Reichswirtschaftsgericht geht an den Rechtsausfchuß. Es folgt der Bericht des Ausfchusies für Dolkswirtschaft über die Erwerbslosensürsorge. Der Ausschuß fordert eine planmäßige Umschichtung der Be- völkcrung, Förderung des Baugewerbes in Stadt und Land, des Baues von Kanälen, Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten in weite- stem Umfange, Heranziehung weiblicher Arbeitsloser zur Hausange- stelltenar�eit. Die Zahl der ausländischen Arbeiter soll mög- lichst vermindert werden. Angestrebt werden soll eine allge- meine Erhöhung der Produktivität. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt, daß den arbeitslos gewordenen Arbeitern und Angestellten der verloren- gegangene Arbeitslohn von den Induflrietartellen e r s e tz t wird, die durch Berhängung der Materialsperre die Still- legung von Fabriken und Werkstätten herbeiführen.— Ein Antrag der beiden Rechtsparteien verlangt, daß die Vergebungsstellen bei allen Arbeitsaufträgen der öffentlichen Verwaltungen gehalten wer- den, auf Preise zu halten, die den Markwerhältnissen entsprechen. Abg. Brandes(U. Soz.) berichtet über die Ausschußverhandlungen. Abg. Blettner(Komm.) lehnt die Vorschläge des Ausschusses ab. Abg. Dißmann(U. Soz.): Den deutschen Werften und den dort Beschäftigten droht eine furchtbare Katastrophe. Rund 30 voll Werft- arbeiter drohen das Maffenheer der Arbeitslosen zu vergrößern. Die Regierung muß alles tun, um dies zu verhindern. Die Werft- arbeiter verlangen, daß die Zeitdauer des Bauprogramms verkürzt wird, damit nicht in einer Zeit wirtschaftlicher Depression Tausende von Arbeitern aufs Pflaster fliegen. Die Schichauwerft hat wegen einer Demonstration von 10 Minuten 0000— 7000 Arbeiter sieben Wochen lang ausgesperrt, und keine Vermittlung, auch nicht die des Arbeitsministeriums wurde angenommen. Dem Schieds- spruch fügt sich die Werft nicht. Herr Plettner scheint seine Rede deshalb gehalten zu haben, damit für die Arbeitslosen ja nicht Wirtschaft Sanktionen und Arbeitslosigkeit. Von gut unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Die durch die Sanktionen hervorgerufene Lähmung des Wirtschafts- l e b e n s im Rheinland hat im Monat Juni nicht nur unvermindert angehalten, sondern sogar weitere Fortschritte gemacht. Sie äußert sich zunächst darin, daß allein im Regierungsbezirk Düsseldorf vom 1. bis zum 24. Juni Weitere 27 Betriebe teils still- gelegt worden sind, teils mehr oder minder weitgehende Ein- schränkungen erfahren haben. Von der Krisis sind in ständig wachsendem Maße auch die Großbetriebe erfaßt war- den, u. a. die Gußstahlfabrik Friedrich Krupp A.-G., Essen, die Mannesmannwerke, Abteilung Schulz-Knaudt in Huckingen, die Düsseldorfer Eisenhütten-Gesellschaft in Ratingen, die Papierfabrik Reisholz in Reisholz, die Krefelder Stahlwerke in Krefeld, das Stahlwerk Liesen». Co. in Krefeld, die Walter Kellner A.-G. in Barmen, das Rheinifch-Westfälifche Elektrizitätswerk(RWE.), Werk Reisholz, die Spiegelglasfabrik Reisholz A.-G. zu Reisholz. Viel verhängnisvoller ist aber der Umstand, daß die Kurzarbeit ganz außerordentlich zugenommen hat, so daß augenblicklich von rund 35 0000 in Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen beschäftigten Arbeitern etwa 200000 kurzarbeiten. Allein bei den 90 Mitglicdfirmen der Arbeitervereinigung für Düffel- darf und Umgegend, Abteilung Hütten- und Maschinenbauindustrie, mit ungefähr 30 000 Arbeitern, betrug in den Monaten Mai und Juni die Zahl der»on der Arbeitsbeschränkung betroffenen Arbeiter an 20 000. Da mit der Kurzarbeit natürlich auch eine entsprechende Schmä- lerung des für die große Mehrzahl der Arbeiter, insbesondere der Verheirateten, das Existenzminimum nicht übersteigenden Arbeits- Verdienstes verbunden ist. muß die jetzige Wirtschaftslage unbedingt zu einer schnellen gänzlichen Verelendung der Arbei- t e r s ch a f t, die sich besonders an deren Kindern offenbart, und zu einer starken Radikalisierung der Masten führen. Es kann nicht dringend genüg darauf hingewiesen werden, daß mit Sicherheit auf eine Entspannung der Wirtschaftslage zu rechnen ist, sobald die er- weiterte Besatzung wieder aufgehoben wird und die Zollschranke mit den damit verbundenen außerordentlichen Erschwerungen in der Ein- und Ausfuhr in Wegfall kommt. Es besteht Knappheit an K o hl e n, die nur infolge des fchlech- ten Geschäftsgangs weniger in Erscheinung tritt. Die Betriebe er- hielten nur 23 Proz. des ihnen zustehenden, ohnehin schon geringen Kontingents. Zur Aufrechter Haltung großer lebenswichtiger Be- etwa von uns etwas durchgesetzt wird. Mögen Sie(z. d. Komm.) Ihr traunges Spiel hier und woanders fort- setzen— uns trifft es nicht, ober es tut uns leid um jeden Groschen, der den Arbeitslosen entgeht.(Lachen b. d. Komm.) Sie lache« über die Not der Arbeitsloien, um darin ihr Parteisüppchen zu kochen.(Zustimmung.) Im Ausschuß hat sich kein k o m m u- nistischer Vertreter sehen lassen.(Hört! Hört!) Und unsere Anträge wurden abgelehnt, weil die Stimme des Kommunisten fehlte.(Lebhaftes Hört! Hört!) Es ist lächerlich zu leugnen, daß die Gewerkschaftsvertreter überall, wo es möglich ist, für die Forderungen der Arbeitslosen eintreten. Wenn wir die 8 Millionen Gewert- schaftsarbeiter mobilisieren, so geschieht es gegen ihren natürlichen Feind, aber nicht zum Sturm gegen Gcwerkfchafts Häuser und als Knüppelgarde gegen ergraute Arbeiterführer. Reichsarbeitsminister Brauns: Die Regierung bedauert, daß von der. Schichauwerft der Schiedsspruch nicht angenommen worden ist. Die Arbeitnehmer haben die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Ehe wir sie be- schließen, werden wir nochmals imt den Parteien Fühlung nehmen und versuchen, die Sache auf friedlichem Wege zu erledigen. Sollte das nicht gelingen, so wäre zu prüfen, ob hier nicht ein g r u n d- sätzlicher Widerstand des Unternehmers gegen den im Schlichtungsverfahren niedergelegten Einigungsgedanken als vorliegend anzunehmen ist. Einen solchen Widerstand mit allen gesetzlichen Wittc'.n zu brechen, halte ich für meine Pflicht.(Beifall links.) Dabei wäre besonders zu prüfen, ob nicht schon bei Vergebung von Staatsaufträgen, wie sie auch Schichau in nicht unerheblichem Umfange erhalten hat, ent- sprechende Sicherung getroffen werden müßte. Die Regierung muß von Unternehmern, die Staatsaufträge erhalten, nachdrücklich verlangen, daß sie den auf gesetzlichen Bestimmungen beruhenden sozialen Einrichtungen keinen Widerstand entgegensetzen. Abg. Plettner(Komm.): Die Unabhängigen bilden sich zu Un- recht ein, hier überhaupt positive Arbeit leisten zu können. Will Dißmann die Masse« auch zum außerparlamentarischem Kampf aufrufen? Abg. Simon-Franken(U. Soz.): Die Kommunisten haben sich in den Ausschüssen bis in die ollerletzte Sitzung trotz meines drin- genden Ersuchens überhaupt nicht sehen lassen. Es' hätten wich- t i g e Verbesserungen der Beschlüsse durchgesetzt werden können, wenn die Kommuni st en nicht gefehlt hätten. (Hört! Hört!) Sie wollen hier im Plenum nur Reden zum Fenster hinaus halten, um Einfluß auf die Masten zu gewinnen. Abg. Eckardt(Komm.): Wir waren in dem Ausschuß nicht ver- treten, weil Dr. Geyer verreist war.(Zuruf: Er war nach Mos» kau!)— Heiterkeit.) Unsere Fraktion ist zu klein, um in den vielen Ausschüssen vertreten zu sein.(Heiterkeit.) Die Anträge des Ausschusses werden angenommen, der Antrag Schulz- Bromberg(Dnat.) wird abgelehnt. Der sozialdemokratische Antrag wird mit 129 gegen 108 Stimmen abgelehn:. Der Gesetzentwurf zur Erhöhung der Diäten der Reichstags- Mitglieder wird ohne Aussprache einstimmig angenommen. Danach werden die Diäten für die in Berlin wohnenden Abgeordneten auf 2000 M., für die übrigen auf 2300 M., die Abzüge für versäumte Sitzungen oder namentliche Abstimmungen auf 73 und 83 M. erhöht. Es folgt die Beratung der Atisführungsbestimmungen zum Besoldungsgesetz. Bei der Anwendung soll bei Meinungsverschiedenheiten zwecks Verständigung mit den beteiligten Bcamtenorganisationen verhau- delt werden.— Die Vorlage wird angenommen. Zahlreiche Petitionen werden ohne Aussprache erledigt. Das Gesetz über das Branntweinmonopol und das Schulgesetz sowie der Initiativantrag über die Gleichstellung in der Justiz werden abgesetzt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Die nächste Sitzung findet am 6. September, 3 Uhr nachmittags statt mit der Tages- ordnung: Beratung von Steuergesetzen. Präsident Löbe hebt in seiner Schlußansprache hervor, daß in der Zwischenzeit die endgültige Entscheidung über O b e r s ch l c- s i e n fällt. Er gedenkt der furchtbaren Leiden unserer Landsleute dort unten und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß diese Entscheidung auf Grund des Rechtes fällt, welches die oberfchlefische Abstim- mung vor aller Welt dargetan hat.(Lebhafter Beifall.) Schluß: 3 Uhr. triebe, wie Mühlen, Master- und Elektrizitätswerke mußte daher im Laufe des Monats Juni bereits in etwa 30 Füllen zur Beschlag- nähme von Kohlentransporten von Selbstverbrauchern geschritten werden. Texlilnotstandsversorgung und Texkilhandel. Dem Textilhandel ist die Tätigkeit der Gewerkschaften zur Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit Bekleidungsstücken schon lange ein Dorn im Auge. Die Angelegenheit ist nun auch im Reichs- tag zur Sprache gekommen. Im Reichstagsausschuß für Volts- Wirtschaft berichtete Abg. Lange- Hcgermann(Z.) über eine Petition der Vereinigung Lausitz er Tuchhändler. Diese behauptet, daß durch die Hergabe von 23 Millionen Mark Kredite seitens des Reichsarbeitsministeriums an den Deutschen Ge- werkschaftsbund zur Beschaffung von Textilwaren und zur Verteilung an die Mitglieder der Gewerkschaften die Sozialisicrung des Texti!- einzelhandels eingeleitet ist; sie betont dagegen, daß der beste Waren- Verteiler nur der selbständige, unabhängige und ehrliche Kaufmann sei. Der Referent macht von Gerüchten Mitteilung, daß das Reich außerdem auch K o n j u n k t u r o e r l u st e bis zur Höhe von 10 Millionen Mark übernommen habe. Die seinerzeit erwartete große Verbilligung der Ware sei nicht eingetreten, sondern dte Waren seien zum großen Teil in einer Zeit bestellt, wo die Preise sehr schwankend waren und die Fabrikanten noch sehr teure Roh- stoffe hatten. Die Warenoersorgungsstelle habe ihre Tätigkeit aus- genommen, als der freie Handel schon billigere Preise derselben Er- Zeugnisse hotte. Es mache sich eine große Beunruhigung darüber bemerkbar, daß die Regierung augenblicklich mit dem Deutschen Ge- werkschaftsbund Verhandlungen führe, um die Hergabe eines wei- teren kurzfristigen Kredites und auch darüber, daß die Warenver- teilungsstelle der Eifenbahnergewerkfchaft in die Warenvertcilungs- stelle des Deutschen Gewcrkschastsbundes übergeführt werden solle. Man fürchte deshalb im ganzen deutschen Einzelhandel eine Per« ewigung der Waren versorg ungs st eile mit Unter- stützung des Reichs und damit eine Konturrenz, die mit ungleichen Mitteln arbeite. Demgegenüber verlangte er möglichst schnellen Ah- bau dieser Notstandsaktion, die dem Reich nur Verluste gebracht habe, oder entsprechende Einrichtungen für den deutschen Textil- einzelhandel.— Von einem Regierungsvertreter wurde hierzu aus- geführt, daß der Zweck der Aktion war, den erwerbslosen Textilarbeitern Arbeit in ihrem Berufe zu schaffen. Zur Erteilung von Aufträgen erklärten sich die gewerkschaftlichen Verbände bereit, die zu diesem Zweck die Warenverteilungsstelle gründeten. Im Hinblick auf ihren Zweck sei ihr sowie anderen Unternehmern ein D a r l e h n aus der produktiven Erwerbslosen- fürsorge gewährt worden. Auf die Zinsen von 3 resp. 4 Proz. wird die ersparte Erwerbslosenunterstützung angerechnet. Auch ein nach- gewiesener Marktverlust könne in beschränktem Umfange auf er- sparte Erwerbslosenunterstützung abgeschrieben werden. Die Petition wurde der Regierung als Material überwiesen. Mf öem Wege zur Verständigung. Dem Eingreifen der Berliner Gcwerkschaftskommission, auf deren Bercmlassung gestern nachmittag im Sitzungssaal der Stadt- verordneten eine Versammlung der drei sozialistischen Stadtverord- netenfraktionen und ihrer Magistratsmitglieder sowie der Partei- Vertreter sich mit dem Stand der Dinge eingehend befaßte, ist es gelungen, den drohenden Generalstreik der städtischen Arbeiter zu- gunsten der Gutsarbeiter zu verhüten. Bollmershaus als Vertreter der Gewerkschaftskommission erklärte, daß das Lohnkartell an diese herangetreten sei und um ihre Vermittlung nachgesucht habe. Be- dauert wurde, daß der Magistrat es abgelehnt hat, die Angelegenheit einem vom Reichsarbeitsministerium zu berufenden Schlichtungs- ausschuß zu überweisen. Doch konnte nunmehr festgestellt werden, daß der Magistrat sich zu Verhandlungen bereit erklärt hat. Nach eingehender Aussprache, an der sich die Redner aller drei Frak- tionen beteiligten, einigte man sich auf den Vorschlag einer Lohn- erhöhung für die Gutsarbeiter von III Proz., sowie einer Erweite- rung ihres Mitbestimmungsrechts. Die Deputate der Gutsbeamten sollen hinsichtlich der chöhe ihres gegenwärtigen Wertes einer gründ- lichen Nachprüfung unterzogen werden. Ein Vertreter der streiken- den Gutsarbeiter gab die Erklärung ab, daß diese bereit seien, auf der Grundlage einer Erhöhung des Stundenlohnes um 30 Pf. und einer besseren Regelung des Mitbestimmungsrechts zu verhandeln. Der Vorschlag auf Erhöhung der Löhne um 10 Proz. deckt sich ziem- lich mit der Forderung der Zulage von 30 Pf., womit also in dieser Sitzung ein allseitigäs Einverständnis erzielt war. Der Wortführer der Kommunisten machte allerdings den nicht sonderlich ernst auf- genommenen Vorbehalt, wenn nicht mehr zu erreichen sei, sei man auch auf kommunistischer Seite mit dieser Einigungsbasis einoer- standen. Mehr als die streikenden Gutsarbciter selber können letzten Endes auch die Kommunisten nicht gut für sie fordern. Eine sofort gewählte Kommission, bestehend aus den Stadto. Dr. Weyl und Clajus(U. Soz.), Frau Ludewig und Dörr(Komm.) sowie Stadtrat Koblenzer(Soz.), begab sich zum Oberbürgermeister Böß und teilte ihm mit, daß der oben mitgeteilte Beschluß für die sozialistischen Mitglieder des Magistrats nunmehr verbindlich sei. Die Vertreter der Gewerkschaften und der Streikenden waren mit dieser Regelung einverstanden und wo«n dafür eintreten, daß die Streikenden die Arbeit sofort wieder aufnehmen, doch dürften kei- nerlei Maßregelungen stattfinden. Die Gewerkschaften haben nach Kenntnisnahme von den Ve- sprechungen im Berliner Rathause von weiteren Schritten Abstand genommen, in der Annahme, daß heute der Magistrat dem Antrage Dr. Wehl zustimmt. Dazu kam es jedoch noch nicht, da in der bis 9 Uhr währenden Sitzung des Magistrats keine Entscheidung ge> troffen wurde. Diese soll vielmehr heute vormittag, 11 Uhr, in einer außerordentlichen Magistratssitzung herbeigeführt werden. Die nunmehr vorliegenden Endergebnisse der Urabstimmung über den Sympachiestreik der städtischen Arbeiter lassen eine erheb- liche Stimmenmehrheit für den Streik erkennen. Im ganzen sind in allen städtischen Betrieben 30750 Stimmen abgegeben worden. Davon waren 24 875 für und 5875 gegen den Streik. Die für die Arbeitsniederlegung nach den Bestimmungen des Allgemeinen Deut- schen Gewerkschaftsbundes erforderliche Zweidrittelmehrheit ist damit erheblich überschritten worden. Im einzelnen lauten die Abstim- mungsergebnisse der einzelnen Werke und Betriebe folgendermaßen: Elektrizitätswerke 2150 für, 105 gegen, Gaswerke 4425 für, 990 gegen, Wasserwerke 6600 für, 1495 gegen, Straßenbahn 5564 für, 3323 gegen den Streit. GewerMastsbewegung „Nieder mit den Gewerkschaften!" Der Deutsche Transportarbeiterverband hat im Iadre 1920 für leine Mitplieder einen Gesamtmehrlohn von 3 Milliarden 879 Millionen 9!7 000 Mark erzielt. DaS bedeulet für den einzelnen an den Lolmbewegungen beteiligten Kollegen ein Mehrwockenlohn von 87,83 M. Wie recht baden doch die Kommunisten, wenn sie schreien: »Nieder mit den Gewerkschaften!'— sagen die Unternehmer. Wahlsieg deS Bergarbeiterverbandes. Bei den Wahlen der Knappschaftsältesten für den Allgemeinen Knapplchofrsverein Bochum am 23. Juni hatten die Gegner des Bergarbeilerverbandes alles aufgeboten, um ihm eine Niederlage zu bereiten. Ter Verband hat jedoch mit SS 803 Stimmen und 388 Mandaten(gegen 2&0 im Jahre 1910) wiederum die Mehrheit der AeUesten erhallen und daher fallen ihm auch die Borstands- ältesten zu. Der Christliche Gewerlverein brachte e« aus 61 264 Stimmen und 123 Mandate, die Polnische Berufsvereinigung auf 8763 Stimmen mit 23 Mandaten, die Gelsenkircher Unionisten aus 34 194 Sliinmcn mit 41 Mandaten und die Syndikalisten erhielten mit 2731 Stimmen 3 Mandate. Leistungssteigerung anstatt Lohnabbau. Im Mansselder Lohnstreit wurde am 29. Juni ein Schiedsspruch gefällt, nach dem die Schichllöhne bestehen bleiben, aber unter Berücksichtigung des LcistungSrnckganges eine entsprechende Gedingelohnherabsetzung als zulässig erklärt wurde. Bei normaler Leistung muß der bisherige Gedingelohn wieder erreicht und bei höherer Leistung überschritten werden. Ferner soll für die Hütten der durchgehende SonntagSbetrieb mit 25 Proz. Ausschlag wieder eingesübrr werden. Die Frage, wie etwa die reine Arbeitszeit im dringenden Lebensinleresse deS Mansselder Bergbaues verlängert werden kann, wurde der Reichsarbeilsgemeinschaft zur Prüfung überwiesen. Sammlung der Tarisverträgc in Sachsen. Ein für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gleich wertvolles Buch wird demnächst im Sächsischen Arbeitsmini st eriumj fertiggestellt werden: eine Sammlung sämtlicher Toris-! vertrage, die in Sachsen abgeschlossen worden sind. Das Buch wird eine Uebersicht aller tariflichen Abmachungen für gewerbliche i Arbeiter, kaufmännische Angestellte und Beamte und für technische Angestellte und Werkmeisier Sachsens enthalten, und zwar, soweit l sie Arbeitszeit, Löhne und Gehälter, Akkordzuschläge, Ueberstunden- 1 bezahlung, Vergütung für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit, Eni- lohnung bei Wechselschicht, Urlaubs- und Ferienreglung sowie Eini- gungs- und Schlichtungswesen betreffen. Das Buch, das in den nächsten Wochen erscheinen wird, ist eine Arbeit des früheren langjährigen Bezirksleiters des Metallarbeiter- Verbandes Heinrich Brand, dem jetzigen Leiter der Tarifstelle und Regierungsrat im Arbeitsministerium. Seinen Bemühungen bei Behörden, Körperschaften und Organisationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist es gelungen, nicht weniger denn 704 Tarifver- träge zu sammeln und einzuordnen, so daß man künftig in der Lage sein wird, an der Hand dieser Publikation jederzeit über die L ö h n e, Arbeitszeit usw. in allen Berufen Sachsens zuver- lässige Auskunft zu erhalten. Berücksichtigt und eingeordnet sind alle Tarife, die bis zum 30 April 1921 in Sachsen abgeschlossen waren. Die Gewerkschaften, wie überhaupt sämtliche Berufsverbände seien auf das Erscheinen dieses Werkes, das ihnen wertvolle Dienste leisten wird, schon jetzt aufmerksam gemacht. Tagung des Internationalen Arbeitsbureaus. In der Sitzung am Mitlwoch wurde über die Vorbereitungen für die internationale Arbeitskonserenz in Genf am 25. Oktober sowie über die Bearbeitung und Prüfung der Antworten, die von den Regierungen und von den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter eingegangen sind, verhandelt. Die polnische Regierung schlug vor. für die Regelung der Uebersührung der Vernckiernngs- fonds in den Gebieten, die Deutschland an Polen abgetreten hat. einen ähnlichen Ausschuß einzusetzen, ivie den, der für Elsaß- Lothringen in der gleichen Frage ersolgreich tätig gewesen ist. Diesem Vorschlag wurde zugestimmt. Zu Mitgliedern dieses Aus- ichusses wurden der Pt osessor der Finanzwirtschafi an der Universität Bern, Moser, der Vorsitzende des VerstcherungsrateS tn Slockhotm, Lindstedt, und der italienische Senator, ehemalige Minister, Abbiave. auserseben, die schon für die Uebersührung der Versicherungsfonds in Elsaß-Lothringen gewählt waren. Streik der Gaslwlrlgangesielllen in den mecklenburgischen Ost- seebädern. Sämtliche Angestellte traten am Mittwoch in den Aus- stand. Warum und weshalb, darüber enthält die TU.-Meldung keine Silbe, dafür aber die Bemerkung, bei dem starken Besuch der Bade- orte werde der Streik doppelt schwer empfunden. Offenbar spiell die Trinkgeldfrage die Hauptrolle. Die Angestellten wollen feste Entlohnung, während die Besitzer sie nach wie vor ans die Trink- geldbettelei anweisen wollen, für deren Beseitigung auch die Bade- gäste mit eintreten müßten. Verbindlichkeit» erklärung. Gemäß Verfügung des Reichs- nrbeitsministeriums vom 24. Juli 1921 ist der zwischen dem Arbeitgeberverbond der Pelzwarenbranche. Groß- Berlin. und dem Zenlialverband der Angestellten, Oitsgruppe Groß- Berlin, am 7. Mai 1921 abgeschlossene Tarifvertrag für die kaufmännischen und technischen Angestellten in der Pelzwarenbranche für die Einbeitsgemeinde Groß-Berlin mit Wirkung ab 1. März 1921 für allgemein verbindlich erklärt werden. Gedruckte Tarifverträge sind im Bureau des ZentralverbandeS der Angestellten, Berlin SW 61, Belle-Alliancestr. 7/10, erhältlich. Der tschechoslowakische Lankbeamkenstreik geht weiter. Auf beiden Seilen besteht zurzeit nicht die geringste Nachgiebigierr. Die Werkmeister und Jndusirtebeamien i» Nordböhmen legten am 2. Juli die Arbeit nieder, nachdem sie drei Monate vergeblich verhandelr hatten. Sie fordern prozennr.rie Zuschläge für Ueberstunden, Weih- nachtsremuneraiion, Wohuuugs- und Anichaffungsberhrlfen. Bus öer Hetriebsräte-Praxis. Z es BRG. Aufgaben und Befugnisse des Be- t r i e b s r a t s. Die 246. Sonderkammer des Schlichtungsausschusies Groß-Berlin hat in einer Streilsache des Betriebsrats der Firma Otto Elsner unter dem unparteiischen Borsitz des Amtsrichters Dr. Löwenthal einen Schiedsspruch gefällt, dem wir solgendes entnehmen: „Zur Mitwirkung bei Verhandlungen mit der Kohlenstelle ist der Betriebsrat nicht berechtigt.' Dagegen ist die Arbeitgeberin ver- pflichtet, vor solchen Verhandlungen den Betriebsrat zu Rate zu ziehen, damit dieser, insbesondere bei Nachtarbeit, die gesundheitlichen Interessen der Arbeiterschaft und die Wirtschaft- lichkeit des Betriebes durch diese Beratungen fördert und Stellung nehmen kann zu der durch die Einschränkung oder Erweiterung des Betriebes nötig werdenden Einstellung oder Entlassung von Arbeit- nehmern. Die Aufgaben des Betriebsrats, die Betriebsleitung im Falle des§ 66 Ziffer 1 BRG. mit Rat zu unterstützen, kann nur dann erfüllt werden, wenn durch Befragung des Betriebsrats diesem Gelegenheit geboten wird, seinen Rat anzubringen. Eine solche An- hörung des Betriebsrats dient auch zur Förderung des beiderseitigen Einvernehmens.(Z 66 Ziffer 6 BRG.)" § 74 BRG. Mitkellung von einem verkauf oder einer Verpachtung des Betriebes. In einer Beschwerdesache des Betriebsrates der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat die Spruchkammer 92 des Schlichtungsausschusses Groß-Berlin am 23. März 1921 die Beschwerde zurückgewiesen.— In der Begründung wird u. a. angeführt: „Der Einwand, daß Z 74 a. a. O.. nach dem der Arbeitgeber nach Einschränkung oder Stillegung des Betriebes dem Betriebsrat nicht nur Mitteilung über seine Absichten zu machen, sondern sich auch mit ihm über Art und Umfang der Entlassungen ins Benehmen zu setzen hat, verletzt worden ist, erscheint nicht stichhaltig, weil nach den glaubhaften Angaben des Arbeitgebers zurzeit weder eine Ein- schränkung des Betriebes noch die Entlassung von Arbeitnehmern beabsichtigt wird." Bei dieser Gelegenheit ist darauf hinzuweisen, daß durch eine Aendcrung in den Besitzverhältnissen des Betriebes die Betriebs- Vertretung selbst nicht berührt wird«nd der Rechtsnachfolger die Verpflichtungen des früheren Inhabers mit übernimmt. In diesem Sinne hat der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin, Aktenzeichen 26/3S6/Ki 20 Wag. 29. 11, und der Reichsarbeits- minister, I. A. 3427/6. 10. 20, übereinstimmend entschieden. Sriefkaften öer Redaktion. A. G.». Deutscher Erfinder-Tchutivirbiind ffi. D., München, Iahnstr. AI.— 31. S. 35. Ocateinniigigc HeimstLtten-Gesellschast Tempechos, Hohenzollcrn- korso KS.______ Wetterbericht bis Sonnabend mittag. Etwas wärmer, im Westen größtenteils trocken und vielfach heiter, im Osten zeitweise stärter bcwöllt und namenilich im Binnenlande noch strichwehe leichte Regcusälle. verantw. wr den cedatl. Teil: Dr. Werner Priler. Cbarlottenburg: Mr Anzeigen: Tt, Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlaa G.m.b.H.. Berlin. Druck: Bor- wärlö-Buckidruckecei u. Leriagsanlialt Vnul Singer«. Co., Berlar. Linornltr. 3. Hierzu 1 Brilage. iF.ß. WM_ für Kerren- a. 9amea-8ekleiduag „Aparte Neuheiten" Verkauf meierweise Koch& SeeSand6" QertraudtenstraBe 20—21 b. H. 'iihhr&bmut. DUMRDfNi. C9(j. m.b.H. UDDIN6EN PH_ LAPOCtIELLE(coonac-oubcnti MAamc General-Vertreter für Groß-Berlin und Brandenburg: Ernst Moritz, Cbarlottenbnrg, Kaiserdainm 114 Telephon: Amt Wilhelm Nr. 4946 und 4941. i Lsbansiiittai Kirschtorte(im Erfrischungsraum) 7 50 Frisches fleisch Kalbskamm......»m. Sso Kalbsbrust...... Pfd. Sso Kalbsnierenbrat.. p». lOso Kalbskeule fdTundt?fd. IObo Hammelfleisch(VorpfJ. 10 m Hammelrücken..Pfd. 11m Hammelkeule M.'U 11 m Gullasch........ pw. 11m Gehacktes Rind- u. Schweinefleisch Pfd. 12 m RlnOertalg ausgelassen Pfd. 8m Brahchollen»w. 50pf. Kabliau mit Kopi..... p». I25 Schellfische....... Pfd. I70 tvCHldCfCr frische..Stck. ItS Junge Hähnchen st. 1 1 50 1 3 M Junge Tauben st«*. 6 m 8 m Lachshcrin�c'sS I25 ICoSomalwaren Puddingpulver, iosc, mit« Rosinen u. Mandelafeschmnck Pfd. � � Puddingpulver c.. schmack............ Pfd. �•V Hafermehl><>,<-.... pw. Gm Haferflocken.. Pfd 270 u, Z20 Erbswurst Rolle ao Gramm lös Grünkemmehl Pfupa�t I05 Maisgrieö Margarine ÄÄ 5-6 Margarine t pfd.-paket 830 9 m Marmelade �Vt'pfd. 440 620 Camembert. std. 825 Briekäse......... pw. 1 0so Tilsiterkäse...... pw. 1 3 m entblrterl und entölt Or,= Pfd. �25 Blutwurst 2 Pfd. Q 4 Pfd. Dose*�80[>osc Leberwurst Do« Sso md Schellfische geräuchert. Pfd. 330 Seelachs geräuchert....Pfd. 620 Bücklinge........ pw. 780 Konserven 7 7 Dose Rindfleisch dS" 9» d™"!?» Pork and Beans i.. o« (Dohnen mit Speck.)... Dose 1" A50 RlSOttO Reis in. Tomaten Vi Dose 385 Boeuf Assaisonn6«- Rindfleisch Im eigenem Saft. Dose �20 Frühstückszungen Dose. 4ss Speziaimischung Bohnm-xaHM Pfd. M Wurstwaren Zwiebel- u.Rotwurstpw.1 2 m Landleberwurst...pw.14m Sülzwurst........ pw.I 4 m Pastetenleberwurstpfd.1 6 m Jagdwurst........ pm.19m Fleischwurst...... pw.19m Mettwurst grobe.... Pfd. 23m Comed Beef ä.fpf�pfi 740 Harzcrkäsc.. Große Landkäse. Dän. Goudakäse. pw. Hso Schweizerkäse...m 22m . Pfd. 039 Stck. 375 Gemüse Neue Kartoffeln 85pf. Weißkohl....... pw.SOpf. Wirsingkohl..... pw.SOpf. Mohrrüben°ehÄ'pw.75pf. Junge Schoten..pw. Iso Gurken holländische Stück 225 3 80 Salat....... große Köpfe 40Pf. Zwiebeln....... pw. 75pf. Obst Blaubeeren...... pw. 240 Johannisbeeren,.pw. 240 Stachelbeeren rdf.pw. 2«, Zitronen....... sw-k 30pf. Wein und! Weinbrand Preise für Vi Flasche Inet. Flasche u. Steuer Apfelwein 5 m bei so Ftasch. 480 1919 Montagne Frone, a x. 1 mi o /"» i• i ii- Naturrotweln......' O80 1919 Gaub.ckelheim. 1240 iVeinbrand-Verschn. 36». Weinbrand......... 45 M Rheinwein 1919 Edesheimer ßwcin'1580 191 9 DornotZ; franz. Rotwein 12»