Abend-A«sgabe( 2op,e«nig) Bezug SprriS, � «krtBiShrl. ZV,— M.. monatt. l«.—«. � SUtjeiacn�rrt«) bä=SS» axax�sAx� �5. Wf Deutschland. Daiuig. da« Saar, und �\ � da» frllykdriutl»«»II Sl. ,,«. Memelqkbiet, sowie die ehemals dem-— �~Wja Ba lässtg jton t*tt|f*t«°»-. veftnreich. M WA �m{W/ Hl W Ws M«»< �- weile«.»SN>.-«.«.Seu�wa.. WM W? I � I> I II I � Ui Kr'SfÄrsiSÄ M W|||*'||| Iii| U I irz«7«�."." mar� Holland, Lierembueg, Schweden«V�ÄW\\mSjm ÜW WM WM MW! � WW BR l(Bhlea ftt inti•»a«. jsaunlie».«». und die Schweiz V�W> I WW VW VW WM W>> DM WM MWI DW H»eigen f»r Ab»nnn>len sie».»- A I 1 ILM M> WGM' MM�ML■--�Är- SRÄ.SJÄgS BüJP' �9/ � �-Bk ZBl? tag« und Monwg, einmal.-S mästen M»» HU«»achmMag, tm - � � � � txmvtgeschSft.«erlin 6® 68. Stiib.tv �ässsää»- � Bctlittct �olli�lilati"sju'Är-Ä.s- Zentralorgan der rozlaldemokratlfchen partel DeutfAlands Reüaktion onü ExpeSition: SV HS, Änüenstr.Z I ae-Vfhrceck«!- Redattiou Moritzplatz 151 S5—»7 �eroiprcryer. ,gj„eb4tiim Moritzplatz 117SS—S4 Einigung Zur VeNegung des Guksarbeikerstreiks finden seil Ii Uhr Veratungen iu einer Magistrats- fttzung statt. Um\ Uhr war die Sihung noch nicht be- endet. Uachdem. was wir bisher in Erfahrung bringen konnten, dürfte au einerEinigung nicht mehr zu zweifeln fein. Ueber das Endergebnis der Verhandlungen werden wir berichten. .wahltaktische Rücksichten'. Das.Berliner Tageblatt" glaubt, uns in seiner heutigen Morgenausgabe den Vorwurf machen zu müssen, daß wir gestern abend einen»völlig irreführenden Bericht über das Ergebnis der Urabstimmung" veröffentlicht haben. Das Blatt nimmt an, daß wir damit bezwecken, den Magistrat »zu einer höchst unangebrachten Nachgiebigkeit gegenüber den irregeleiteten Gutsarbeitern zu bewegen", und daß wir uns in der Hauptsache leiten lassen von»wahltaktischen Rücksichten". Seine Behauptungen in bezug auf den »völlig irreführenden Bericht" versucht das»B. T. damit zu beweisen, daß es sagt, abstimmungsberechtigt seien 80 000 Personen gewesen, 30 000 hätten aber nach dem von uns fiestern abend mitgeteilten Ergebnis nur abgestimmt, somit ei weder eine„gewaltige Mehrheit" noch die vorschriftsmäßig« Zweidrittelmehrheit für den Streik erreicht. Gegenüber dieser irreführenden Auslegung stellen wir fest, daß wir geschrieben haben:»Das bisher errechnete Ergebnis zeigt eine gewal- tige Mehrheit für den Streik." Anschließend daran teilten wir mit, daß von 30 750 Stimmen 24 873 für den Streit und 5347 dagegen waren. Nirgends ist die Behauptung aufgestellt worden, daß die Mehrheit der Arbeiter und Angestellten für den Streik ist, wir haben nur festgestellt, daß das„bisher errechneteErgebnis" eine gewaltige Mehrheit für den Streit bedeutet. Wie angesichts dieser Tatsachen und Zahlen das»Tageblatt" von irreführender Berichterstattung sprechen kann, bleibt sein Geheimnis. Der Vorwurf, daß uns»wahltattifche Rücksich» te n" zu unserer Stellungnahme in diesem Streit zwingen, trifft uns nicht. Wir haben vielmehr alle Veranlassung anzu- nehmen, daß das gesamte Bürgertum mtt Einschluß der Demo- traten aus„wahltakttschen Rücksichten" diesen Generalstreik herbeiwünscht. Man hat keine Parole, unter der man erfolgversprechend die Wahlkampagne einleiten kann, und ver- sucht jetzt, eine solche zu schaffen. Zur Vernichtung der sozio- listtschen Mehrheit im Berliner Stadtparlament ist dem Bür- gertum selbst eine wirtschaftliche Katastrophe der Reichshaupt- stadt gerade recht, die man evtl. der Sozialdemokratie in die Schuhe schieben kann. Und well wir uns ehrlich bemühen, diese Katastrophe zu verhindern, und weil das Bürgertum weiß, daß ihm durch diese Verhinderung der Katastrophe ein günstiger Wahlwind aus den Segeln genommen wird, darum feine namenlose Wut über die unbotmäßige Arbeiterschaft und sein Gefasel von„sozialisttschen Wahlmanövern" und„kom- munistischer Hetze". Die„B. Z. am Mittag" verkündet den»Umfall der Mehrheitssozialisten", der der Stadt eine„Mehrausgabe von 5—7 Millionen Mark", für die tei>ie Deckung vorhanden ist, bringen wird. Zunächst sei festgestellt, daß die Durchführung der Forderungen der städtisck)en Arbeiter nicht 5— 7, sondern 3 Millionen Mark Mehrausgaben verursachen dürften. Gewiß ist es schlimm, einen eben zustandegebrachten Etat wieder neu zu belasten» aber es ist dabei doch zu unter- suchen, welches das kleinere Uebel ist: die Bewilligung von 8 Millionen Mark für die Güterarbeiter, oder die Schädigung des Berliner Wirtschaftslebens durch einen Generalstreik aller städttschen Arbeiter und Angestellten. Da das letztere sicher � i i»■ i Ii iii..tei!' Saperifche Rechtsauffaffung. München, 8. Lull.(Eig. Drahtbericht des.Vorwärts".) vi« bayerisch« Regierung verharrt gegenüber der Forderung»ach A»f- klärung über die Ausweisung des russischen volkebeaustragten fl r e- stinsti in passiver Resistenz. Die uns mitgeteilt wird, bleibt sie nach wie vor auf dem Standpunkt bestehen, daß der Bolksbeauftragte und sein Sekretär weder die Borrechte der Exterritorialität noch die Einreiseerlaubnis nach Bayern besehen hätten, der Besitz des Diplomatenpasses allein hätte zum Aufenthalt nicht ge. nügt. Bis zur Uebermittlung der Note der russischen Regierung sieht sich die bayerische Regierung nicht veranlaßt, irgend welches Bedauern über den Vorfall zu äußern. Di« Mitteilungen der Dena mir dem Dementi der amtlichen Auskunft entbehren nach offizieller Darstellung jeder Grundlage._ Militär gegen Kinüerspeisung. Duisburg. 8. Juli.(DA.) Die belgische Besatzungsbehörde hat bekanntlich die Beschlagnahme der fiesiel für die Sinderspeisung ver- fügt und trotz dringender Eingabe diese Verfügung nicht aufgehoben. Wie dringend notwendig ein« bester« Ernährung der Kinder im rtzeimsch-weftMifch« Industriegebiet ist, wie sie durch die Quäker» Freitag, den 9. Juli 1921 vorwärtS'verlag G.m.b.H., EW HS, Linöenstr. 3 Ffernivredier•""'"fl' Exvediti»« und Inseraten. .»btetiuun M-rttzPlatz 11783-6« in Sicht. das schlimmere ist, und da die Sozialdemokratie als die Mit- verantwortliche kein Interesse an einer wirtschaftlichen Kala- strophe Berlins hat, darum tritt sie für die Verständi- g u n g ein. Es kann dabei von keinem„Umfall", ebenso- wenig wie von einem»Wahlmanöver" geredet werden, ledig- lich der Wille, dem Wirtschaftsleben Verlins neue Erschütte- rungen zu ersparen, ist ausschlaggebend für die Haltung der Sozialdemokratischen Partei. 9 «* Zu dem Bericht im Morgenblatt über die Besprechung der Gewerkschaftskommission mit den Vertretern der drei sozialistischen Parteien und dem Magisttat von gestern nach- mittag ist noch nachzuttagen, daß Genosse Franz Krüger der Konferenz die nachstehende Entschließung zur Annahme empfahl: 1. Der Magistrat soll sofort Verhandlungen mit der Berliner Gewcrtschaftskommission als Vertreter der streikenden Gutsarbeiter über eine Beilegung der Differenzen aufnehmen. 2. Der Magistrat ioll bei diesen Verhandlungen von feinem ablehnenden Standpunkt einer Gewährung von Zulagen abgehen und eine Verständigung aus der Grundlage der Minderheitsanträge im Stadwerordnetenausschuß herbei- führen. 3. Die Bertteter der Parteien erwarten, daß durch eine solche Verständigung der Sympathiestreik der städtischen Arbeiter ver- mieden wird, und verpflichten sich, auf ihre Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat im Sinne der Durchführung dieser Beschlüste einzuwirken. 4. Maßregelungen der streikenden Gutsarbeiter dürfen nicht stattfinden. Die Versammlung nahm diese von sozialdemokra- t i s ch e r Seite eingebrachte Entschließung einstimmig an und machte sich somit die Forderungen der sozial- demokratischen Vertteter zu eigen, die die Grundlage der Verhandlungen sind, über die wir an der Spitze des Blattes berichten._ Staütverorönetenwahlen ungültig! Die Reaktion hat gesiegt. Die„Freiheit" veröffentllcht in ihrer heutigen Morgenaus- gäbe die Gründe, die das Oberverwaltungsgericht veranlaßten, die Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung für ungültig zu erklären. Dazu gehen uns folgende Aeußerungen des Präsidenten des Oberverwaltungsgerichtshofs D r« w s zu: „Das Urteil ist gestern nachmittag endgültig festgestellt und unter- zeichnet worden und in die Gerichtsschreiberei zur Ausferttgung ge- gangen. Daraus ergibt sich, daß alle bisherigen Mitteilungen auf reinen Kombinationen beruhten. Nur die heutigen Veröffentlichungen der„Freiheit" könnten aufeinerJndiskretion beruhen und es wird darüber eine Untersuchung eingeleitet. Ebensogut ist es aber möglich, daß auch hier lediglich eine Kombination zugrunde liegt. Das Oberverwoltungsgericht hat nämlich in der Verhandlung durch Fragen an den Vertreter des Ministers des Innern zu erkennen ge- geben, daß ihm die Gültigkeit der ministeriellen Wahlordnung frag- lich erscheine, ein Punkt, mit dem sich der Bezirksausschuß als«rite Instanz gar nicht befaßt hat. Die Kombination liegt also nahe, daß der O b er o e r w a lt u n g s g e r i ch t s h o f dies« Wahlordnung für ungültig hält und deshalb die Wahlenannulliert. Wenn die Presse aus der Tatsache, daß das Urteil nicht sofort noch der Verhandlung verkündet wurde, Schlüsse ziehen zu können glaubte, so sei das jedenfalls falsch, denn das Ober- verwattungsgericht fälle seine Urteil« immer erst nach reiflicher Er- wägung und genauer Untersuchung der gesetzlichen Fragen, und des- halb werden feine Urteile stets erst geraum« Zeit nach der VerHand- lung festgestellt und bekanntgegeben." Die Kassierung wird nach der»Freiheit" mit Ungültigkeit der Dahlordnung begründet. Für«inen Fehler des Staatsministeriums wirb die Gemeinde besttaft! speisuRg«mpestrebt, durch die Beschlagnahme der Kestel ober ver- tztnfcerl wird, beweisen die Feststellungen des Schulamtes und des Letter» de» hiesigen bakteriologischen Instituts. Danach sind die Ktute tat Alter bis zu 14 Iahren im Durchschnitt um 8— 10 Zentimeter d» Xtathatani zurück, im Gewicht um etwa 10 Proz. unter normalen Kindern entwickelt und in der Gesamtentwicklung um rund z»ei Jahr« zurückgeblieben. Alle sind sie wieder da. Der Provinzialausschuß von Pommern wählte die„Deutschnationalen" Gras Behr-Behrenhofs und v. ftlem- ming in den Reichsrat. Der erste war jahrelang Fraktionsoorsttzen- der der Rechten im Herrenhaus und der andere einer der strammsten Junker im Reichstag. Der Reichsrat ist wohl nur die Vorstufe— wie für die Gesetze, so für die Mandate. Und wann darf die adel- frohe Republik Oldenburg Heydebrand usw. unter ihre Gesetzgeber zählen? Der Zweck der Uebung. Infolg« der Enthüllungen des Prinzen Ludwig Windifch-Grätz hat der ungarische Ministerpräsident die ge- richtliche Untersuchung über die gegen Karolyi erhobenen Hochver- ratsbeschuldigungen angeordnet.— Herrn Windisch-Grätz' Angaben sind mit großer Borsicht zu genießen. Otto Bauer hat ihn schon einmal eine» Lügner geheißen und daß eine Klarstellung erfolgt wäre, ist ww nickst Monat. Wochenhilfe und WvchenMrforge. Bon Luise Echroeder. Zum dritten Mal« seit der Umwälzung des Deutschen Reiches beschäftigte sich knapp vor den Reichstagsferien die Reichsgesetzgebung mit den Problemen der Mutterschaftsfül-- sorge. Im August 191S kam a«f Anregang der Sozialdemokratischen Fraktion in der Nationalversainmlung das Gesetz über Wochenhilfe und Wochensürsorge zur Verab- schiedung, durch das jährlich rund einer Million vierhundert- fünfzigtausend Frauen eine kleine HUfe in ihrer schwersten Zeit zufließt. Im vorigen Jahre w»rden einige kleine Verbesse- rungen hierzu beschlossen. Und nun hott« die Sozialdemokratische Fraktion des Reichstages vor sechs Monaten abermals die Initiative ergriffen, indem sie veranlaßte, daß durch«inen einstimmig im Reichstage zur Annahme gelangten Antrag die Reichsregierung um sofortige Vorlage eines Gesetzentwurfes ersucht wurde, der� die Leistungen der Wochenhilse und Wochenfürsorge in einer der Geldent- wertung entsprechenden Weise erhöhte. Bedauerlicherweise ist dieser Gesetzentwurf so spät dem Reichsrat zugegangen, daß er von dort erst vor reichlich einer Woche dem Reichstage überwiesen werden konnte. Trotzdem hat unsere Fraktion im sozialpolitischen Ausschuß des Reichs- tages mit aller Energie dafür gearbeitet, daß in den Entwurf noch eine Reihe zum Teil recht wesentlicher V e r d e s s e- rungen aufgenommen wurden. Der Regierungsentwurf sah eine Verdoppelung des Entbindungskoftenbeittages stuwe des Stillgeldee undferner ein e Erhöhung der Einkommensgrenz« für minder- bemittelte Wöchnerinnen vor: er ließ aber das Wochengeld sowie die Beihilfe zu Arzt- und Hebammenkosten bei Schwangerschaftsbeschwerden vollkommen unverändert. Wir haben keinen Augenblick«inen Zweifel darüber gelasien, daß bei einer derartig beschräntten Verböserung der Leistungen der Zweck unseres Antrages im keiner Weise erfüllt würde, und es ist uns schließlich gelungen, auch die übrigen Parteien zu überzeugen, daß eine Verabschiedung des Gesetzes in dieser Form vollkommen unmöglich war. Selbstverständlich blieben die Einwendungen der Regierung, wonach durch eine Ver- doppelung des Wochengelde» oußer den 71� Millionen jährlicher Mehrbelastung, die bereits der Re- gierungsentwurf dem Reiche bringt, weiter« KS MÄlionen Reichszuschuß bedeuten würde, ganz besonders aber der Hin- weis auf die den Krankenkassen enkstehenden Lasten nicht ohne Eindruck auf den Ausschuß: oder es mußte allseitig anerkannt werden, daß nur durch die beantragte Verdoppelung des Wochengeldes wenigstens eine kleine Möglichkeit den Wöchne- rinnen gegeben werden könnte, sich m den Wochen vor und nach der Entbindung gesundzuerhaltem. Schwerer zu überwinden waren die Bodenben gegen unseren Antrag auf freie ärztliche Behandlung, falls solche bei der Entbindung oder bei Schwangerschaftabe- jchwerden erforderlich wird. Wir gingen hierbei von der»r- tenntnis aus, daß die Beihilfe zu Arzt- und Hebammenkosten im Betrage von 25 M, auch wenn sie oerdoppelt«trde, einen Tropfen auf«inen heißen Stein bedeutet, und daß besonders schwer getroffen d i e Familien sind, welche d»n Arzt zur Ent- bindung hinzuziehen müssen. Gerade die Sorge vor den hohen Arztkosten ist es, die so manch« Frau verhindert, rechtzettig den Arzt holen zu lassen, und die deshalb das Leben des Kindes und die Gesundheit der Frau in hohem Maße gefährdet. Es ist deshalb als ein großer Fortschritt zu betrachten, daß die freie ärztliche Behandlung nach schwierigen Verhandlungen aufgenommen worden ist, und es ist nur zu hoffen, dcch die notwendigen Verhandlungen mit Aerzten und Krankenkassen so gefördert'werden, daß auch diese Bestimmung schnellmöglichst in Kraft ttitt. Bis dahin ist die bei Schwangerschoftebeschwer- den zu gewährende Beihilfe auf S0 M. erhöht worden. Ferner war es notwendig, zwei vom Reichsrat in das Gesetz hineingebrachte Verschlechterungen wieder aufzuheben, und zwar erstens die Bestimmung, daß da» Wochengeld der Versicherten nur solange gewährt werden soll«, al» st« nicht gegen Entgell arbellet, und zweitens dieBegrenzungdes S t i l l a« l d«, für di« Versicherte auf 5V'. M. Beides wäre eine Harte gegen di» erwerbstätige Frau gewesen, die in Wochen- und Stillgeld einen Ersatz für den ihr entgehenden Arbeitsverdienst finden soll, und der, falls sie— durch die Not gezwungen— zu frich ihrer Arbeit wieder nachgehen muß. die Möglichkeit einer Stärkung ihres Körpers und einer Fürsorge für ihr Kind um so notwendiger zu gewähren ist. Es ist des- halb zu begüßen, daß auch unser diesbezüglicher Antrag A n- nahm« gefunden hat. Desgleichen wurde gegen einige Stimmen unser Antrag, die Einkommensgrenz« für die Minderbe- mittelte gleichmäßig mit 10000 M. f e st z u- setzen, einerlei, ob die Betreffende verheiratet oder allein- stehend ist, angenommen. Hervorzuheben sind auch die neuen Vorschriften für den Fall des Todes der Mutter oder des Vaters. Die Frag«, was m diejenigen zu zahle» ist» die für de» Nuterhalt des Kindes sorgen, falls die Mutter bei oder gleich nach der Entbindung stirbt, ist dahin geklärt worden, daß sowohl Wochen- wie Stillgeld weiterzuzahlen sind. Neu aufgenommen worden ist dagegen die Bestimmung, daß die Familienwochenhilfe auch dann zu gewähren ist. falls der versicherte Ehegatt« oder Bater stirbt, wenn die Niederkunft innerhalb neun Monaten nach dem Tode des Versicherten erfolgt. Bedauerlich ist nur, daß unser Antrag, bei dieser Gelegen- heit auch die Beamtinnen und Beamtenfrauen in den Genuß der Wochenhilfe zu versetzen, keine Mehrheit gefunden hat. Wir haben den gleichen Versuch bereits vor einem Jahre gemacht, und wir wollen nur hoffen, daß die Regierung nunmehr allerschnellstens dem einmütig zum Aus- druck gekommenen Willen des Ausschusses, die Gewährung der Wochenhilfe durch ein besonderes Gesetz zu regeln, nachkom- men wird.» Die Unabhängigen glaubten es nicht unterlassen zu sollen, im Plenum eine Reihe von weitestgehenden Anträgen ein- zubringen. Diese bedeuteten eine Mehrbelastung von über einer Milliarde Mark jährlich, von der mehr als die Hälfte die Krankenkassen zu tragen gehabt hätten. Sie taten das, nach- dem ihre Vertreter im Ausschuß ausdrücklich ausgesprochen hatten, daß sie von weitergehenden Anträgen absehen wollten, da sie sich bewußt seien, daß bei dieser Gelegenheit das ganz« Problem der Mutterschaftsfürsorge nicht zu lösen sei, und sie da« Zustandekommen diese« Gesetzes nicht hinaus- zögern wollten. Aus rein agitatorischen Gründen desavou- ierten sie nun ihre Lusschußvertreter und ließen im Plenum ihre Anträge von Mitgliedern ihrer Fraktion begründen, die an den vorhergehenden Beratungen überhaupt nicht tell- genommen hatten und deshalb auch in die Materie nicht ein- gedrungen waren. Wir tonnten fvr diese Anträge nicht stimmen, ohne zu wissen, ob und wie es den Krankenkassen möglich sei. die Mittel aufzubringen. So sehr unser ganzes Arbeiten in dieser Angelegenheit in den letzten zwei Jahren Zeugnis abgelegt hat von unserer Erkenntnis, daß ein umfassender Wöchnerinnenfchuft notwendig ist, so konnten wir als Ar- beitervertreter doch nicht die Existenz der Kranken- lassen in Frag« stellen, die in erster Linie den Arbeitern zugute kommen. Eine wirkliche Mutterschaftsfürsorge ist nicht auf diesem Weg« zu schaffen.' zu dem Zweck müssen an- dere Mittel und Wege gesucht werden. Unsere Fraktion hat den Antrag gestellt, die Anträge der Unabhängigen dem sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages zu überweisen, der dann im Herbst Gelegenheit haben wird, sich mit diesen, wie mit den Anträgen des Ausschusses des Reichswirtschaftsrates zu beschäftigen unter gleichzeitiger Würdigung der Beschlüsse, die in Washingtsn von einer Kommission des Bölkerbun- des in dieser Angelegenheit gefaßt worden sind. �in Kronzeuge üer Reaktion. Der ungeheuerliche Hetzfeldzug der reaktionären Presse und Parteien gegen den Sendarmcriemajor Miiller-Brandenburg ist hier mehrfach besprochen worden. Don Berliner Blättern beteiligten sich an dem Kesseltreiben gegen den Leiter der thüringischen Schutzpolizei namentlich da» Spätabendblatt des Herrn W u l l e, ferner die ..Deutsch« Zeitung', die„Deutsche Tageszeitung" u. a. Als Kronzeuge fungierte dabei ein gewisser Leutnant Lampel, dessen phantastische Anschuldigungen von den genannten Blättern unter zollhohen Schlagzeilen gebracht wurden. Hier wurde schon festgestellt, daß in dem Augenblick, ol» LeuMant Lampel seine Anschuldigungen unter Eid erhärten sollte, er g l S tz l i ch s p u r l o« o e r s ch w a n d und für die Polizei unauf- findbar wurde. Trotzdem erschienen offensichtlich von ihm her. rührende Artikel weiter in der reaktionären Presse. Der berüchtigte „Miesbacher Anzeiger" öffnete dem durch die Lappen gegangenen Denunzianten noch wie vor bereitwillig feine Spalten, und trotz der Unauffindbarkeit Lampel« druckte die reaktionäre Presse nach wie vor seine Beschuldigungen»it Behagen nach! Wegen dieser Artikel wurde nun von lintistehender Seite im thüringischen Landtag eine Anfrage Sozialismus im Mittelalter. Don seiner„Allgemeinen Geschichte de» Sozialismus und der sozialen Kämpfe"») hat Genosse M. Beer den zweiten Band er- scheinen lassen, ber das Dt i t t e l- l t e r behandelt. Wer den ersten Band(das„Altertum") gelesen hat, erwartete den zweiten Teil mit Spannung und Ungeduld. Und die Erwartung ist nicht enttäuscht worden. D«„Mittelalter" reiht sich würdig an das„Altertum" an, ja infolg« der größeren Einheitlichkeit des Stoffgebietes hat die DqMellung noch gewonnen. Wieder bewährt sich die Methode der vmschen Gefchtcht». fchreibung, deren Wesen sich in einem Wort ausdrücken läßt: Kon- z e n t r a t i» n. Wie für da» gesamte Altertum, benöttgt Beer auch für da« ganze Mittelalter nicht mehr al» 100 Druckseiten. Diese Konzentration erschwert aber da, Verständnis nicht, sondern erleichtert»». Der ganz« Wust und Lallast loten Wissen« ist mit erfreulicher Entschiedenheit beiseit, geworfen. Die Geschichte de» Svziali»mus im Mittelalter muß im wesent« lichen ein« Geschichte de« Christentums, noch genauer ein« Geschichte der chrfftllchrn S e k t I» r e r und K e tz« r sein. Denn in jenem Zeltalter und noch weit darüber hinau» treten alle sozialen Strömungen tn religiösem Gewände auf. Wae immer in diesen Jahrhunderten an Sehnsucht nach größerer Gerechtigkeit, nach größerer Vollkommenheit des irdischen Daseins zutage tritt, hüllt sich in das Gewand einer kirchlichen Lehre. Natürlich ist das alles kein Soziali». mus Im heutigen Sinn«, denn für den heutigen Sozialismus fehlen dem Mittelalter all« wirtschaftlichen Voraussetzungen. Aber über«in Jahrtausend hinaus kann das Christentum seinen Ursprung nicht gänzlich verleugnen, seinen Ursprung al- Religion der Ar- men und Unterdrück te n.des römischen Reiches, die mit dem Christentum auch gleichzeitig ein« Art Kommunismus und Gütergemeinschaft verwirklichen wollten, freilich nach ihrer wirtschaftlichen Dasein,stufe nur eine Gemeinsamkeit des Verbrauchs und eine Teilung des Reichtums, nicht einen produktiven Sozialis- mus. Sehr richtig zeigt Beer im zweiten Band, wie es die In- telletturllen waren, die sich der Führung des Christenttims bemäch- «igten und ihm seine ursprünglich« Gestalt raubten. Ihnen war die D o g m a t i k, die Abgrenzung der„reinen Lehre" die Hauptsache. nicht der pratkische wirtschaftliche Inhalt, an dem sie kein unmittel- bares Interesse hatten. Doch je mehr da» Christentum entartet, je mehr«» starrer Dogmenglaub« wird, desto stärker regt sich die Sehnsucht nach dem früheren Zustand, desto lauter schallt der Ruf nach Rückkehr zum Urchristentum. Dieser Ruf durchzieht das ganz- Mittelalter. Er äußert sich bald in friedlicher, bald in kämpferischer Form. Fried- lich gesinnt sind die Gründer der Mönchorden und Klöster, die sich ») Verlag für Sozialwissenschast. Berlin SW. 65. gestellt, die am 6. Juli in Vertretung de« erkrankten Staatsministers v. Brandenstein Ministerialdirektor Jahn folgendermaßen beant- wartete: Es sei der thüringischen Staotsregierung nicht möglich, gegen Lampel vorzugehen, den auch sie für den Verfasser der Artikel halte, da Lampel unter dem Schutz de» ß St StGB, stände. Er befinde sich in einer die frei« Willensbestimmung ausschließenden geistigen Um- nachtung. Als Beweis dafür verlas Ministerialdirektor Jahn ein längeres ärztliches Gutachten über Herrn Lampel. Ein de- wegtes und zerklüftetes Leben tat sich auf. Dom Kausmann zum Theologiestudenten, Filmstatisten, Lüttwitz-Freischärler, Arbeiter in einer Holzleistenfabrik, Redakteur an einem Jagdblatte und so fort. Mehrere Fliegerunfälle während des Krieges zerstörten den Geistes- zustand de« Herrn, so daß er hochgradig sexuell anormal, ausgesprochen sexuell pervers sei. Mehrere Belege für Impotenz lägen vor, Homosexualität sei ausgeprägt. Das Cndgutachten lautete, daß Lampel im hohen Grade die Slaatspolizei kompromittieren müßte, wenn er ihr angehören würde. Auf der rechten Seite des thüringischen Landtages löste dieses Gutachten unendlich peinliche Verlegenheit aus. Es ist nun jeden- fall» festgestellt, wieeinKronzeugederReaktion gegen»inen republikanischen Offizier aussieht! Worte und Taten. In einer Zeit, in der die Not der Arbeitslosen von Tag zu Tag wächst und immer weitere Kreise der werktätigen Beoölte- rung durch das Gespenst des Hungers bedroht werden, erscheint es vielleicht nicht angebracht, über die besondere Notlage einer Kaste zu schreiben, die durch einseitige Abschließung vom Volks- ganzen selbst nicht ganz schuldlos an ihrer Lage ist: des Offiziers st andes nämlich. Es wäre jedoch verfehlt, aus dem Hakenkreuzgeist, der heute große Kreise des Offizierskorps erfaßt hat. aus der offenen oder versteckten Feindschaft gegen die Republik, aus dem noch immer nicht ausgestorbenen Klassen- dunkel und Standeshochmut Rückschlüsse auf sämtliche Offizier« zu machen. Auch in diesem Stande gibt es Leute, die sich ehr- lich um das Verständnis der neuen Zeit bemühen, und im Interesse dieser Männer sei das folgende Schreiben zur Kennt- nis gebracht: Die sogenannte„nationale" Press«, insbesondere die Zeitungen der Deutschnationalen Volkspartei, bringt unaufhörlich bewegliche Klagen über die Not und die jammervoll« Behandlung der ehemaligen Offiziere, welche teils als„ganz gewöhnliche" Handarbeiter, Bergleute, Schaffner, Ladenhelfer usw. ihr Brot verdienen, teil» von Erwerbslosenunterstützung und Almosen der Be- meinde leben müssen. Dieses Schicksal teilen sie allerdings mit taufenden anderen Deutschen, aber festgestellt muß einmal werden, daß die sog.„nationalen" Kreise nichts, aber auch gar nichts persön- lich für die Offiziere tun, obwohl— oder trotzdem diese meist zu ihrer Partei halten. Die millionenschweren Junker haben nichts für arme Offiziere übrig, höchstens, daß st« sie als bessere Knechte in der Landwirtschaft ausnutzen. Wohlfahrtseinrichtungen bei den nationalen Parteien bestehen so gut wie gar nicht, und Versuch«, sie einzurichten, scheitern an den g« s ch l o s s e n e n H ä n d e n der Parteimitglieder. Die wenigen Offiziere aber, welche in den Partei- bureaus usw. Unterschlupf fanden, sind gerade diejenigen, die. ihren armen Kameraden am wenigsten hilfsbereit gegenüberstehen. Die Offiziershilfsbünde sind natürlich überlastet und können nicht mehr tun, als geschieht. Die meisten Offiziere, welche Vermögen be- sitzen(durch Heirat, Erbschaft usw.), halten ebenfall» die Taschen zu- geknöpft. Gerade in Berlin lassen die nationalen Parteien arme Offiziere so hilflos wie nur je. Darum fällt die Schmach deutscher armer Offiziere in erster Linie auf die nationalen Parteien zurück, die helfen könnten, wenn sie nur wollten, es aber nicht tun, obwohl ihr« Mitglieder den größten Reichtum in Händen Hollen. Für nationalen Tamtam in der Presse und Agllationsreden usw. ist Geld genug da! Die Quittung werden die nationalen Parteien zur rechten Zeit schon erhalten, und hosfenttich wird sie deutlich genug aus- fallen. Expremier Valfour lebi! Nach einer Reutermeldung ist der ge- storbene Lord Balfour nicht der frühere Minister des Aeußern, sondern der ehemalige Staatssekretär für Schottland. von der Welt zurückziehen, um für sich«in kommunistisches Dosein zu führen. Sie gleichen darin, wie Beer richtig bemerkt, den neuzeitlichen Utopisten, die hinter dem Rücken der bestehenden Ge- sellschaftsordnung durch Experiment im kleinen EM eine neue Ge- sellschaft aufbauen wollen. Wie diese ändern auch die Mönch« am Wesen der Gesellschaft nichts, ste werden daher von der Kirche ge- duldet. Energischer gehen die Sekten, die Ketzer vor. Mit großer Liebe und Anteilnahme schildert Beer ihren Leidensweg, der ein Blutweg ist, durch mehr Märtyrer gekennzeichnet, als der Irgendeiner anderen Bewegung. Auf das Grausamste wurden die Ketzer von der offi- ziellcn Kirch« verfolgt und auegerottet, und doch standen sie dem Geiste des Christentums viel näher als die streitbaren und herrsch- süchtigen Päpste des Mittelalters. Die Ausrottung der Albigenser verwüstet den blühendsten Landstrich de» Mittelalters, da» südlich« Frankreich. Zu Tausenden und Abertausenden sterben Katharer (die Reinen), Waldenser, Albigenser, Ortlieber, Beguinen und Begharden auf dem Scheiterhaufen. Dem deutschen Arbeiter sind diese Dinge sehr fern. Und doch stehen die Ketzer des Mittelalters in einer Art geistiger Ahnherrnschaft zum heutigen Sozialismus, indem sie da» Streben ihrer Zeit nach größerer Gerechtig- keit und Vervollkommnung des Daseins ausdrücken. In keiner Arbeiterbibliothek, auch nicht in der Bibliothek des einzelnen strebenden Arbeiter» sollt« Beer,„Geschichte de» Sozia- lismus" fehlen. Die durch die größte Konzentratton erreichte Raum- beschränkung ermöglicht einen Anschaffungspreis, der weit unter dem anderer wissenschaftlicher Werk« steht. E. K— r. Rur ein Volkslied. Wissen wir Großstädter denn überhaupt noch, was ein Volkslied ist? Lernen unsere Kleinen es noch kennen? Wenn wir durch die Straßen der Großstadt eilen, dann will es uns dünken, als sei da» Volkslied verschollen. Was die Drehorgeln leiern, die Kinder summen, was sind es wohl für Weifen? Run, Voltslieder wahrlich nicht. Und doch strömt von den Volksliedern ein so eigenartiger Zauber aus; sie nehmen unser Herz gefangen, wenn wir sie nur hören oder gar selber singen. Unser Ich wird gewandelt, geläutert, wenn wir diesen Zauber auf uns wirken lassen. Untere Osterwanderung führte uns in ein kleines märkisches Dörfchen, wo wir Quartier nahmen. Am Abend saßen wir mit der Wirtsfamilie, einfachen Bauersleuten, zusammen um den Tisch. Und wir sangen. Mit Kinderlledcrn fing es an, zum Ergötzen der Kleinen, die sich wunderten, daß auch wir ihre Lieder kannten. Es konnte nicht anders sein, Volkslieder folgten. Da hättet ihr die Alten sehen sollen. Hingegeben lauschten sie den Tönen: ein Lächeln, ein Kopfnicken, wenn Erinnerungen an vergangen« Tage wachge- rufen wurden, da auch sie die gleichen Weisen gesungen. Und da merkten wir, es wurde ein Band um uns geschlungen, die wir uns nie vorher gesehen hatten:«ine Art geistiger Zusammengehörigkeit sühllen wir, mochten unsere sonstigen Anschauungen auch wellenfern auseinandergehen. Reichsgerichtskontrolle abberufen. Paris, 8. Juli.(WTB.)„Matin" meldet: In Verfolg der Frei- sprechung des Generals S t e n g e r ist die französische Regierung zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Anwesenheit einer französischen Abordnung bei den Verhandlungen vor dem Leipziger Reichsgericht nunmehr nicht nur unnütz, sondern auch lächerlich geworden sei. In- folgcdessen hat Briand gestern abend den französischen Vertretern die telegraphisch« Anweisung gesandt, unverzüglich nach Pari» zurück- zukehren. Er hat bei der englischen und belgischen Regierung ein gleiches Vorgehen angeregt. London. 8. Juli.(TU.) Laut„Daily Chronlcle" wollen die Alliierten einen gemeinsamen Protest bei der deutschen Regierung gegen die letzten Leipziger Urteile einlegen. Der„Petit Parisien" spricht wegen der Freisprechung Stengers von Fortdauer der Sanktionen und Herve mahnt tn der„Dictoire". den Zorn über die Leipziger Urteile im Interesse der Aufrechterhal- tung des Systems Wirth und der deutschen Republik zu b e z ä h» men. Der„Jnttansigeant" phantasiert, daß, wenn ein halbes Dutzend französischer Flieger morgen die holländische Residenz Wilhelms II. mit einem Hagel von Domben in die Lust sprengen würden, die« all« Völker der Entente al» ein« Tat ausgleichender Gerechtigkell begrüßen würden. Man müsse nicht glauben, daß sich dafür niemand finde. — Die holländische Gebietshoheit existtert also nicht für dies« Der- teidiger der belgischen Neutralität von 1914.... Ein Urteil über Kriegsverbrecher. Recht Beachtenswertes schreibt das Blatt der belgischen kommunistischen Partei„L'Exploite" zum Problem des Kriegsverbrechens: „In den Ländern der Entente bekochtet man den irischen Patrw- ten Roger Easement als Verräter und ist der Ansicht, daß er zu Recht bestraft worden ist: aber man billigt das Betragen jener Elfässer, die fahnenflüchtig wurden, um im französischen Heer gegen Deutschland zu kämpfen. In den Augen der Verbündeten verdient der Zeichner Hansi einen Orden und Easement den Galgen. Ein Neukaler wird wahrscheinlich anders denken. Typisch ist der Fall Dorten. Der Mann von der rheinischen Republik ist ein Aktivist, ein deutscher Bonns. Ihn hebt die französische öffentliche Meinung zu den Wol- ken, weil er den annexionistischen Plänen dient. Aber von den Be- Hörden Deutschlands wird er als Verräter behandell. Er ist von ihnen festgesetzt und erst auf Befehl der Besatzungsarmee freigelassen worden, genau so wie die Mitglieder des Rates von Flandern von unseren Behörden eingekerkert worden sind und auf Anordnung des deutschen Gouvernements in Freiheit gesetzt wurden. Wenn Deutsch- land siegreich gewesen wäre und die Züchtigung der Schuldigen ge- fordert hätte, ist es wenig wahrscheinlich, daß sich französische Richter bereit gefunden haben würden, die Flieger zu verurteilen, die am Fronleichnam-tag- 80 an einer Prozession teilnehmende Kinder in Karlsruhe in Stücke schössen, oder die Offiziere der Koloniakegi- menter, die ihren Sencgalnegern väterlich erlaubten, deutsche Ge- fangene totzuschlagen und zu verstümmeln, oder aber die Untergebe- nen Jounarts oder des Generals Earrail, die in Saloniki Griechen, welche nicht Anhänger von Denizelos waren, niederschießen oder nach Frankreich deportieren ließen. Dorgänge, über die die Ententepresse unter der Rubrik„Reinigung Griechenlands" berichtet hat. Ebenso zweifelhaft ist es. ob Deutschland von einem russsschen Gericht ein« Verurteilung derjenigen erlangt hätte, die verantwortlich wareu für die Inbrandsetzung von mehr als 80000 Häusern, für die gänzliche Zerstörung einer Reihe ostpreußischer Orte. In Belgien hat man sich über diese Heldentaten der Kosaken in jenen glücklichen Stunden ge- freut, wo die Druckwalze in Tätigkeit war, und hat nur bedauert, daß nicht das ganze„Boche-Land" das Schicksal von Ostpreußen und Dalizien erlitten hat. Niemand hat etwa- davon gehört, daß Lord Kitchener, der in seinen Zusammenziehungslagern Tausende von Burenfrauen und-lindern umkommen ließ, vor Gericht gestellt war- den ist. Im Gegenteil: er ist von seinem König mit Ehren überhäuft worden und hat beim englischen Volke ein Ansehen genossen, das Shakespeare bei seinen Lebzeiten niemals gekannt hat." Wir Norddeutsche kargen mit dem Gesang, wir lassen ihn nicht bei jeder Gelegenheit hören: ander» flnd wir hierin al» unsere süd- deutschen Brüder. Und wenn wir singen, dann sind wir ernst, mögen die Weisen auch lustig klingen. Wir singen nicht allein mit der Stimme, sondern mit unserem ganzen Ich, wir erleben den Gesang gleichsam. Die Volkslieder spiegeln da» Empfinden de, Lölkes wider. Lust und Leid, Freud und Schmerz sind in ihren Grundzügen immer gleich geblieben, darum können die Volkslieder sich auch oft in nahezu unveränderter Art jahrhundertelang erhalten. Schlich: und einfach, wie das Volksleben sich abspiell, gehen auch die Sing- weisen. Ohne musikalische Kenntnisse kann sie jeder singen und be- hallen. Kehren wir wieder zurück zum Volkslied, pflegen wir«» mehr denn bisher. Unser innere» Leben wird dadurch vertieft, wir werden befähigt, die Sorgen de« Alltags leichter zu erkagen. Das Volkslied ist«ine fest« Stütze auf dem steilen Weg de« Ausstiegs. I. Ch. Der Verleger Ehristlaa Tauchaih ist kurz nach Dollendung seines 80. Lebensjahre» gestorben. Er war der Inhaber der von seinem Bater begründeten„Touchnitz-Edition", die seit 1841 da» angel- sächsische Schrifttum in allen Ländern außer England und seinen Kolonien in tadeilo» korrekten und billigen Ausgaben vermittelte. Bi« zum Ausbruch des Krieges waren 4000 Tauchnitz-Bände von englischen und 400 von amerikanischen Autoren erschienen. Im Kriege wurde natürlich da» Unternehmen geboykottet und überdies heruntergemacht. Aber es ist weder zu ersetzen, noch hat e, seine»- gleichen in irgendeinem anderen Lande. Begründer Bernhard Tauchnitz stand in den besten Beziehungen zu den englischen Schrift- stellern seiner Zeit, denen cr freiwillig ein anständiges Honorar fiir den damals noch freien Nachdruck bezahlte. Sein Sohn hat die Sammlung im Sinne des Datcrs fortgesetzt. Der diesjährige Aerzletag wird vom 14. bi» 17. September in Karlsruhe zusammentreten. Tagesordnung: 1. Die praktische Aus- bildung zum Arzte. 2. Das ärztliche Unierstützunaswesen. 3. Der Arzt im Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch. 4. Bericht der Kam- Mission über Verschmelzung des ärztlichen Aereinsbunde» imd des Leipziger Verbandes. Falls der Entwurf zur gesetzlichen Regelung der Kassenarztfrag« fertiggestellt ist, wird er an erster Stell« beroten werden. Spielplanälldernng. Die Erstaufführung von Nndrejew» Schauspiel „Der Herr, der die Mautichellen kriegt' in den Kammerspielen. muh«u? Dienstag, den IL.,»erlegt werden. Sonnabend u. Sonntag.Mesalliance' von Shaw. Das Programm der TtoatSoper für die Winterspielzctt siebt an neuen Weiten vor die Opern.Dt« Vögel' von HraunselS. .T h r i j: e l s l« i n' von Pfitzner,.Der Schatzgräber' von Schriller. die Ballet«.flaubergeiger' von Han» Nirimm und.Silvia' von Delibe». Neu ausgenommen werden: BucciuiS.T o» c a', Berlioz „Trojaner' und Supvs»„Boccaccio'. An cytlischen Veranstaltungen sind geplant 3 geschlossene Aufführungen deS.RingeS der Ntdelungen'. ein«.Varstfal'« Serie, sowie ein Cotlu« Richard Skauß'scher Werke, tzcrace wird wieder(Lue JUche hb»olkstümitch» ftonzotat gegebe», Die Englänüer bejubelt. London, 8. Zull.(TT.)„VaNy Mail" meldet au» Seatheu. dah die Ankunft des zweiten englische« Bataillons unter der Bevölkerung große Begeisterung hervorgerufeu habe. Die Soldaten wurden in den Straßen umarmt und am Abend von de» Bürgern zum Essen eingeladen. Ebenso herzlich war der Empfang, der General henniker bereitet wurde. Diesem ging auch ein Schreiben des Generals HSfer zu. das dessen Dank und Bewunderung für die Art und weise ausdrückt. In der die Engländer die schwierige Situation behandelt haben und wie sie in voller Unparteilichkeit dem Gegensatz zwischen Polen und Deutschen zu begegnen wußten. französische Rache an Uaschulüigen. Dos Mitglied des oberschlelischen Zwölferausschusses, Genosse Cyrus, richtete an die JA. ein Schreiben, in dem er Deuthener Zeugenaussagen über den 4. Juli anführt. Hiernach ergibt sich folgender Verlaus: Hinter den englischen Truppen, die mittags nach der neuen Kaserne„Quartier Fach"(I) in Beutben marschierten, folgte eine große Menge, darunter sehr wenig Männliche. Die Menge brachte den englischen Truppen Ovationen dar. Selbstschutz war nicht beteiligt. Ms die Menge vor dem„Quartier Fach" stand, kamen französische Soldaten heraus, die mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben auf die Versammelten einschlugen. Diese ergriffen panikartig die Flucht. Kurz vor der Offiziersmesie verlangsamte die Masse ihr Tempo. Einzelne Leute brachten Hochrufe auf Deutschland und England aus. Andere versuchten„Deutschland, Deutschland über alles" anzustimmen. Französische Soldaten hatten unterdes die Zivil- bevölkerung eingeholt und schlugen unterschiedslos auf die Zivilisten ein. Einzelne französische Soldaten schosien aus ihren Gewehren. Am Eisenzaun vor der Offiziersmesse stand der französische M a j o r, mit dem Rücken nach dem„Quart, er Fock" zu und mit dem Gesicht zu der Menae, der er zurief:„Weg, wegl" Dann sank der Major von einem Schuß getroffen zu Boden. Der Schuß traf ihn von hinten in den Rücken und trat vorn on der Nase wieder heraus. Die Annahme ist berechtigt, daß er traqifcherweile einer Kugel, abgeschossen von einem französischen Soldaten, zum Opfer gefallen ist, denn nur fran- zösischc Soldaten befanden sich in seinem Rücken. Aus dem Offiziers- kasino war unterdes eine Anzahl französischer Ofsiziere berausge- kommen. Sie schlugen mit Gummiknüppeln und Reitpeitschen die Menge in die Flucht. Während der Schießerei kamen einige An- aehörige des Selbstschutzes gelaufen, um die Verwundeten zu ver- binden. Alfred Cnrus verband den schwerverwundeten Rolle. D a- b t i wurde er von französischen Soldaten überrascht und mit dem Gewchrkolben geschlagen. Außerdem hat er einen Kopfschuß er- halten. Grzywotz wurde getötet, andere junge Leute schwer miß- handelt und verhafte». Eyrus' Eltern und andere Leute haben ge- sehen, wie die Verhafteten ans dem Transport zum„Quartier Fod," von den französischen Soldaten mit Kolbenstößen mißhandelt und mit Gummiknüppeln und mit Reitpeitschen geschlagen wurden. Auf dem Kascrnenhof fiel eine Anzahl französischer Soldaten noch einmal über alle Verhafteten her und schlugen solange aus dies« ein. bis sie alle auf einen Haufen zusammenbrachen. Durch erneute Mißhandlungen wurden die Zusammengebrochenen zum Aufstehen veranlaßt und In die Gesanqenenzellen der Katern« gebracht. Sie liegen in einer Aerwiindeienarrestzelle, in die kein Sonnen- strahl hineindringen kann. Nach übereinstimmender Angab« aller von mir vernommenen Augen- und Ohren.zeupen hoben sich die franzö- fischen Soldalen und Offiziere wie wilde Tiere benommen und un- erhörte Grausamkeiten begangen. Cyru»' persönliche Vitt« beim General Le Eomt« Denis, feinen Bruder sprechen zu dürfen, wurde vom General in schroffster Form abgeschlagen. Bei Gelegenheit seines Aufenthalts ouf der französischen Kofernenmnche hat er gesehen, daß der wachthabende Sergeantmasor Leb»imttt?l, die von den Anqehoriaen der Verhafte- ten gebracht wurden, zu» Fenster hinaus auf den Kasernenhof warf. * Dieser General Gras Denis ift jetzt als Kommandant von Reuthen durch einen britischen Oberstleutnant ersetzt. Die Geiseln sind bi» auf den Bürgermeister und einen Volizetrat wieder freige- lassen.— Jn Peiekretscham demolierten Polen mehrer« Häuser mit Handgranaten, plünderten Wohnungen aus und veranlaßten zahlreiche Deutsche, zu fliehen. Tr. Rosen vnd Laurent. Pari». 8. Juli.(„Franks. Ztg."). Ueber den Besuch Dr. Rasens bei dem französischen Botschafter melden die Blätter, daß letzterer auf die schweren Gefahren hingewiesen habe, die sich aus der Kon- Zentrierung von Freikorps in Schlesien ergeben und die Aufmerksam- teit auf die Kampagne der notionaUftischen Presse gegen Frankreich gelenkt hohe, was die Hauptursache der neuesten Zwischenfälle sei. Dr. Rosen habe sein Bedauern über diese verurtetlenewerten Vorkomm- niste ausgesprochen, die die Bemühungen der Reichsregierung um eine Besserung der Beziehungen zu Frankreich durchkreuzen. Es will doch scheinen, daß die Beuthener Ereigniste weit mehr gegen Frankreich als gegen Deutschland sprechen! Der„Petit Partsien" bringt aus Sosnow'.ce, also von Korfanty stammende Enthüllungen über eine deutsche Geheimorganisation. Der(von Franzosen niedergeschlagene) R o l l« sei einer dieser Stoß- truppler gewesen und seine Anwesenheit in der Nähe des Major» Montalegre beweise das deutsche Komplott. Am 20. April 1920 sollen Ober- und Regierungspräsident von Breslau in Glatz die ober- schlesische Orgelch ermutigt und ihr Waffen versprochen haben, da Oberschlesien nicht an Polen kommen dürse. Hughes' ßrieüensplan. Paris. 7. ZuN.(WTB.) �New Park Herald" meldet au« Washington, daß Staatssekretär Hughes dem Senat einen Friedensvertrag mit Deutschland vorzulegen gedenke, welcher derartig starke Abänderungen der Bersailler Bestimmungen aufweise, daß er ouf seine Annahme im Senat hoffe. Der erste auf den Völkerbund bezügliche Teil der Bersailler Bestimmungen sowie der zweite und dritte Teil, in denen von den Grenzen Deutschlands und dem politischen Statut Europos gesprochen werde, seien in dem hughes- scheu Entwurf ausgemerzk. Bezüglich des vierten Teils, der beibehalten werde, mache Hughes Borbehalte hinflchttich der Souveränität Frankreichs über Marokko und derjenigen Eng- lands über Aegypten. Er beseitige auch olle Friedensverlrags- klausclu über S Häutung. Der fünfte Teil und ein Teil des sechsten Abschnittes seien in dem neuen Dokument nahezu unverändert geblieben. Auch die Bestimmungen über den Prozeh gegen«aiser Wilhelm und die anderen Sriegsbcschuldigtcn und sämtliche Be- stimmungen über die Reparationen bleiben bestehen. Es wird bestimmt, daß eine amerikanische Bertretung bei der Republik Deutsches Reich unterhalten werde und daß Amerika an dem Perkauf chemischer Produkt«, Schisse und anderen deutschen Materials teil- nimmt, ver tl. und 12. Teil mit einigen Abänderungen, weiche die Bereinigken Staaten jedem europäischen Konflikt fernhalten, werden beibehalten. Der 1Z. Teil, der von der Arbeitsorganisation spricht. ist beseitigt. Ver 14. und IS. Teil werden mit kleinen Ab- äuderungen beibehalten! einer von ihnen betrifft das Gebiet an der Schweizer Grenze und die Beziehungen Frankreich» zu Monaco. Washington, 8. Juli.(Ed.) Harding forderte den Attorney General Daugherty auf, sich darüber zu äußern, ob eine eigentliche Proklamottou nach der Annahme der Entschließung Knox-Porter notwendig sei, in der ausgesprochen wird, daß der Friedenszustand mit Deutschland wiederhergestellt sei.— De? Senat lehnte es gestern ab, die 19 Abänderungen, welche da« Repräsentantenhaus am Marine- budget vorgenommen hatte, zu votieren und bestimmte das Marine- budget für eine gemeinsame Berhandlung beider Häujer. GroßSerüu Hall im Hinterhaus. Den vielen Berliner Eigenarten— jede Stadt ist reich daran— hat sich in letzter Zeit eine neue zugesellt, die sich einzubürgern scheint: der Ball im Hinterhause,„die Musik der armen Leute". Hinterhauspoesiel Jeden Sommer blüht sie— einmal im Jahr«— auf, mit Papiergirlanden und„spanischen" Lampion». Die Leute wissen sich zu helfen. Kleine Mittel, starker Wille, große Wirkung mit Feuerwerk— drei Streichholzschachteln genügen— und Hand- harmonikamusit. Ein Festkomitee bringt die Sache in Gang und läuft drei Wochen vorher mit Sammellisten herum, um die fiNon- zielle Seite des Freudenfestes sicher zu stellen und dann werden die „Ueberraschungen" eingekauft. Zur Verlosung gelangen„Nippes", die schon lange in einem Bazar ihrer Erlösung harrten und andere Sächelchen. Es ist alles gut gemeint und der Tag de« Herrn kann gefeieert werden. Die Kinder fiebern, Mütter und Väter müssen e» darum auch tun und der Portier glüht wie«in Lampion. Aber bald macht sich die Sache. Besuch vom Nachbarhaus kommt, zahlt 1 M. Eintrittsgeld und der Schwof(lies: Tanz) beginnt. Die zwei braven Müllkästen geben, mit Decken und Glanzpapier verziert, da» Orchester» podium her. Und die„Musike" leistet was sie kann: Polka, Walzer, Foxtrott Usw. Bis gegen Mitternacht kreischt und dudell das Der- gnügen. Die Kleinen tanzen, die Großen tanzen und die Freude ist Allgemeingut dieser harmlosen Leutchen. Ein wenig Sonne im Stein- käsig l Ein wenig Buntheit, die das Alltäglich« auslöscht und die Oede der Hinterhäuser farbenprächtig gestaltet. Die armen Menschest, welche alle gleich sind in ihrer Rot und Sorge, kommen einander näher. Und das ist gut so. Aus dem Kleinsten wächst das Große. Und das Große kann für Proletarier nur Gemeinschaft sein. Ein kleiner Abglanz liegt von ihr auf solchem Hinterhausball. Diel- leicht findet der KPD.-Mann bei dieser Gelegenheit heraus, daß es nicht allzuschwer ist, sich mit dem„feindlichen" Bruder zu vertragen. Rur das alte Fräulein vom Vorderhaus seufzt, daß sie„wegen den Lärm" nicht schlafen kann und träumt von der„Ticktatur des Proletariats"—-- DZe Elektriflerung öer Staüt-,Mng- und Vorortbahnen welche Porleile brinqk sie dem Verkehr? In der Eisenbahndirektion wurde in einer Konferenz mit Pressevertretern auch über die seit langem gevlante Elektriste- rung der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen berichtet. Sie soll nun, wie Oberbourat Heyden in seinem Dortrag ausführte, endlich zustande kommen. Erwartet wird, daß dann eine sehr viel größere Zahl von Fahrgästen in rascherer Zeit als bisber befördert werden kann. Jetzt fahren auf der Stadtbahn in der verkehrsreichsten Stunde 24 Züge zu je 500 Plätzen, so daß bei Z�facher Besetzung — eine solche nimmt die Eisenbahndirektion selber an. wie wenn das etwas Selbstverständliche« wäre!— in der Stunde die Be- förderung von 30 000 Personen möglich ist. Nach Einrichtung elet- irischen Betriebes sollen in der Stunde 40 Züge zu je 600 Plätzen fahren können, was bei 2�sacher Besetzung eine stündliche Beförderung von 60 000 Personen ermöglichen würde. Es würde dann alle 1� Minuten ein Zug fahren, was allerdings zur Voraussetzung hat, daß auf den Haltestellen der Aufenthall nur ganz kurz wäre Für die Ausführung der Elektrisierung ist ein zehniähri- ges Bauprogramm in Aussicht genommen. Die- Eisenbahn» direktion hat das ganze Gebiet in Llbfchnitte eingeteill, die nach und nach, je nach der Bewilligung der Mittel, ausgeführt werden(ollen. Als er st er Abschnitt sind die Strecken nach HermsVorf und noch Bernau yusersehen, für die bereits die Mittel groß» tenteils bewilligt sind und die Arbeiten demnächst beginnen sollen. Die Fertigstellung dieser Strecken wird 1923 erwartet. Aus dem Wohnungsamt Ichleudorf erfuhr man sonderbare Dinge in einem Beleidigungsprozeß, der vor dem Schöffengericht Lich'terfelde gegen den in Zehlendorf wohnenden Buchhändler Maußner verhandelt wurde. Beleidigt fühlte sich Geheimrat Dr. K r a n o l d, der frühere Leiter des Wohnungsamts, und ihm gegen- über sollte der Angeklagte auch den Versuch der Nötigung gemacht haben. Maußner, dem die Gemeinde im Jahre 1918 vorläufig zwei Zimmer im früheren Soldatenheim als Wohnung für 6 Personen angewiesen hatte, bemühte sich seitdem vergeblich um«in anderes Quartier. Er erhob schließlich durch Plakat im Schaufenster seines Geschäfts öffentlich die andeutende Beschuldigung, daß man im Zehlendorfer Wohnungsamt eine Wohnung nicht ohne Schiebung bekommen könne und erklärle in einem Brief, er werde die Bevölke- rung zur Selbsthilfe ausfordern, wenn nicht Kranold sein Amt niederlege. Vor Gericht versicherte Kranold. seine Beamten seien unbestechlich. Ein Ingenieur Stumpf bekundete, Gemeinde« sekretär W e i g e l habe ihm eine Wohnung in Spandau verschaffen wollen und habe Frau Stumpf gefragt, was er dafür kriege. Weigel, als Zeug« vernommen, bestritt das und ebenso die Be- houptung eines anderen Zeugen, daß Weigel selber ihm erzähll habe, seine Frau habe von einem Großindustriellen für Beschaffung einer Wohnung ein seidenes Kleid erhalten. Eintg� Zeugen äußerten sich über Bevorzugung gewisser Wohnungssucher durch dos Zehlendorfer Wohnungsamt. Der Amtsanwalt beantragt« gegen Maußner 500 Mk. Geldstrafe, das Gericht aber sprach den Angeklagten frei. Er habe an Schiebungen geglaubt und in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandell, auch sei der Wahr- heitsbewei, zum Teil erbracht worden. Die Konniagsjouderzüge. die in diesem Sommer von Berlin aus gefahren werden, hoben der Eisendahnverwattung zunächst eine Enttäuschung gebracht. Am ersten Sonntag waren sie, wie wir von zuständiger Stelle hören, nur bis zu einem Drittel der Plätze be- letzt. Das mag zum Teil an dem schlechten Wetter der letzten Zeit liegen, zum Teil wohl auch daran, daß Dies« Sonderzüg« noch nicht hinreichend bekannt sind. Die Eisenbahndirektion Berlin will e« von der Stört« der Benutzung abhängen lassen, ob sie die Einrich- tung dauernd beibehält. Di« Fahrpreise sind beträchtlich ermäßigt und für die Hin- und Rückfahrt in folgender Höhe festgesetzt worden: Vom Stettiner Bahnhof nach Freienmald« und Falkenberg 12 M., nach Eberswalde und Wasserfall 8 M., vom Stettiner Bahnhof nach Fürstenberg 15 M., nach Löwenberg 8,80 M., noch Nassenheide und Fichtengrund 6,50 M., vom Schlesischen Bahnhof nach Tiefenfee(für die Rückfahrt auch gültig von Strausberg) 6,50 M., nach Dahmsdork-Müncheberg 9,50 M., vom Gärlitzer Bahnhof nach Lübben und Lüobenau 16 M., nach Teupitz-Grotzköri» 8 M., noch Scharmützelsee oder Hubertushöhe n M., nach Storkow 9 M. Der Vorverkauf zu allen Zügen findet an den Sonnabenden von früh 8 Uhr bis abends 10 Uhc statt.— Eine Zeitungsnachricht hatte die irrige Mitteilung verbreitet, daß die Züge auf allen Zwischen- stationen holten. Diese Sonderzüge sollen aber nur der Bevölte- rung Groß-Berlins«ine billige Au»flugsgelcg«nheit bieten, darum wiri» außer an den Endstationen nur an einigen für Ausflüge In Betracht kommenden Z w isch e n st a t i o- nen gehalten. Es halten die Züge nach Freienwalde auch in Falkenbera, Cberswalde, Wasierfall, die Züge nach Fürstenberg auch in Löwenoerg, Nassenheide, Fichtengrund, die Züge nach Lübben und Lübbenau auch in Teupitz-Großkör:», die Züge nach Schar- mützelsec auch in Hubertushöhe und Storkow. Flammentod. Die Reinmachefrau Ernestine Just, die in einer Chemischen Fabrik in der Georgenkirchstraße 42 bcschästiqt war. wollte ouf einem Goskockirr Kofse bereiten. Zum Herunterheben des Topfes vom Feuer bediente sie sich ihre? Schürze, die voller Oel- flecke war. Diese fing Feuer und alsbald brannte ihr« ganz« Klei- dung. Es gelang ihr nicht mshr, den Raum zu verlassen und als die Feuerwehr erschien, war sie bei lebendigem Leibe ver- 6 r a n n t. Am Grabe der Mutter erschossen. Der Arbetter K u r t M a l i n besucht« gestern den Cmmauskirchhof in der Hermannstraße zu Neu- kölln und tötete sich am Grabe seiner Mutter durch einen Schuß in das Herz. Was ihn in den Tod getrieben hat, steht noch nicht fest. Elae harzwauderung. Für die vom„Jugendfekretariat" und dem„Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt" veranstaltete Harzwanderung können weitere Anmeldungen nicht mehr angenommen werden. Achl- mg, InngsozlaNstent Der Dortrag des Genossen Hilde» brandt über:„Die Länder und das Reich" findet nicht, wie irrtüm- llch gemeldet, erst morgen(Sonnabend), sondern schon heute abend statt.'_ Das Wetter für morgen. Verltn und Umgegend. Wärmer, trocken und überwiegend heiter, hei größtentril« schwache» östlichen Winden. »Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postguslage bei. Mus aller Welt. Doppel-Raubmord. Der Karlsruher Bertchterstatter der„Dena" meldet: Wie dt« Heidelberger Kriminalpolizei mitteilt, gelang es am Donnerstag abend den Eisenbahnschmied Siesert in Heidelberg festzunehmen, der dringend des Raubmordes an den beiden verschwundenen Bürgermeistern und an dem Berliner Kaufmann Horn verdächttg ist. Man fand bei ihm mehrere Gegenstände, die dem Herforder Ober« bürgermeister Busse gehörten. Der Verhaftete, der dem Staats» anmalt vorgeführt wurde, leugnet trotzdem noch die Tot, er gilt aber für so gut wie überführt. Ferner wurden drei Personen festge- nommen, die der Hehlerei verdächtig sind. Die Streifen in den Heidelberger Wäldern werden von Hunderten von Polizisten fortgesetzt und man hofft heute noch die Leichen zu finden. SewerMQstsbeivegung Sühnenverein gegen Sühnengenvyenfchast. Der Deutsche Bühnenverein hat gegen die Genossen- schaft Deutscher VühnenanaehSriger beim Reichearbeitsamt«Ine Klage eingereicht, in der die Genossenschaft beschuldigt wird, sich gegen wichtige Abmachungen des gegenseitig bindenden Tarifvertrages vergangen zu haben. Daraufhin hat die Genossenschaft Entscheidung durch ein Schiedsgericht beantragt, dos am Mittwoch im Staotstheater tagte. Den Vorsitz führte Dr. Tiburtius vom Reichs- arbeitsamt. Schiederichter des Bühnenmreins war Rechtsanwalt Frankfurter, während die Genossenschaft der Schauspieler den Vor- sitzenden des Afabundes Aushäuser mit ihrer Vertretung beauftragt hatte. Als Beisitzer fungierten die Mitglieder der TarifkommMonen der beiden Vertragsgruppen. Während aber von den? Mitguedem des Bübnenoereins vier Juristen und nur die drei übrigen praktische Theaterfachleute sind, schickt die Dühnengenossenschaft nur Bühnen- Mitglieder in den Tarifausfchuh. Der Bühnenverein wirft der Ge- noßenschast vor, daß sie gegen die Abmachungen des seit den ersten Revoluttonsmonaten gültigen Gegenseitigkeitsvertrages Bestimmungen getroffen hat, die sich im Gegensatz zu der vereinbarten Tarifgemein- schaft befinden. Die Genossenschaft hat nämlich auf ihrer letzten Vertreterversanrmlung in Frankfurt a. M. beschlostrn, daß an keinem Theater mehr als zehn Prozent der beschäftigten Mitglieder Anfänger sein dürfen und diese Anfänger sich erst der vorgeschriebenen Prüfung zu unterziehen haben, sofern sie sich über ihre künstlerische Befähigung nicht auf andere Welse leaitimieren können. Erst dann können sie in die Genossenschaft als Mitglieder aufgenommen werden. In dieser Bestimmung, die ausschließlich im Interesse des künstlerischen Theaterwesens und im Interesse des Theaternachwuchses getrosten wurde, sehen die Mitglieder des Bühnenvereins den Vertragsbruch. Sie wollen njcht zulassen, daß diese sogenannten Anfänger irgendwie auf ihre künstig« Tüchtigkeit hin untersucht worden. Sie wollen insbesondere nicht der Genossenschaft ausschließlich die Verfügung über diese Dinge überlassen. Weiter erblickt der Bühnenoerein einen Vertragsbruch der Ge- nossenschaft in Streik- und Aussperrungsparolen, die von der Gewerk- schaft der Schauspieler in der letzten Zeit erlassen worden sind. Di« Austragung dieser Streitfrage ist von prinzipiellster Bedeutung für die Zukunft des deutschen Tbeatcrs, aber auch für die Zukunft des gesamten gewerkschaftlichen Lebens überhaupt. Denn die Arbeit» ficber, in vorliegendem Fall der BLHnenvcrcin, suchten aus den gegen- eitig bindenden Bestimmungen des Tarifvertrages da» Recht her» zuleiten, die Streikfreiheit der Arbeitnehmer im allgemeinen zu be- schränken. Gegen diesen Versuch des Bühnenoerein» erhoben die Vertreter der Genossenschaft den berechtigten Einwand, daß hier von den Arbeitgebern auf die verfassungsgcmäß vom Reiche gewährleistete Streikfteiheit der Arbeiterorganisationen ein Attentat �unternommen wird. Die Verhandlungen zogen sich sehr lang und mühselig hin. Die Aussperrung in der Migaretteninduftrie. In der Sonntagausgabe teilten wir bereits Mit, daß die Unter- nehwer in der Berliner Zigarettenindustrie ihr gesamtes Personal ausgesperrt haben. Wir gaben gleichzeitig die von dieser Seite mit- geteilten Gründe für diese Maßnahme bekannt. Jetzt teilt uns der Deutsche Metallarbeiteroerband mit, daß es sich bei diesem Kampf gar nicht um einen Lohn kämpf Handell, wie die Unternehmer melden. Der Metallarbeiterverband hatte beantragt, in den neuen Tarif Bestimmungen auszunehmen, die eine Steigerung de» Urlaubs von 15 auf 21 Tage und dieZahlungdesLohne» im K r a n k h e i t s f a l l e bis zu 6 Wochen sichern. Von Lohn- forderungen ist also gar nicht die Rede. Die Ab- lehnung dieser Forderungen, die schon seit Jahren in allen Klein- und drei Großbetrieben durchgeführt sind, bezweckt aber nicht, eine Derbesserun g der Arbeitsbedingungen zu verhindern, sondern ihre Verschlechterung durchzusetzen. Di« Unternehmer fordern nämlich, daß„außer Lohn und Arbeitszeit-- nichts verschlechtert" werden soll. Die Höchstleistungen sollen von 70 000—90 000 Stück pro Tag auf 120<)00 Stück erhöht werden.„Bei weniger Leistung Kürzung� de« Lohnes." Weiter wird verlangt:„Leistung diverser t e ck> n i s ch e r Ausführungen in Vl refp. 1 Stund« Arbellszeit. Ber Nicht» erfülluna Kürzung de» Lohnes." In mündlicher Verhandlung vor dem Einigungsamt des De- werbegerichts forderten die Unternehmervertreter die Auf- Hebung aller in dm einzelnen Betrieben bisher gewährten Sondervergünstigungen und Freiheiten. Solche sind z. B. Kantinenzuschüsse, Arbeitskleidung, freie Tage usw., alle» Sachen, die nicht durch Kampf, sondern durch Zugeständnis sazialdenkender Unternehmer erzielt wurden. Wir wollen heute Beweis« über die Finanzlag« der Zigaretten- industriellen nicht bringen, sind jedoch für dm Fall, daß die Unternehmer die Behauptung, die Last der Forderungen nicht tragen zu können, aufrechterhalten, gern bereit, Ausschluß zu geben. Diese Gruppe Groß-Zigaretten-Fobrikanten hat mit der Au»- sperrung den Beweis erbracht, daß die fabelhaften Kriegsgewtnne eine Geisel für das Proletariat werden sollen. Ihr« Mmschenfteund» lichkeit zeigen diese Herren dadurch, daß sie in ihrem letzten Rund- schreiben all« Fabrikanten aufforderten, überall auszusperren, auch wo keine passiv? Resistenz geübt wird. Auf diese Weise �werden weite? taufende Familien durch brutale Unternehmerwilltiir dem Elend preisgegeben. Landsberger Straße 88 I. Geschäft: Turmstraße 55 II. 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