nr.3Y3 ♦ ans.Ttmrgang Ausgabe A nt.164 BezugspreiSt Diertelflhrl.30.— 9E., monatl. TO,— R. frei ins Haus, voraus zahlbar. Poü« bczug: Monatlich 10,— M. einschl. Ru« stellungsgebühr. Unter Kreuzband stir Deutschland. Danzig. das Saar- und Memeliiediet. sowie die ehemals dent- schen Gebiete Polens. Oestsrreich, Ungarn und Luxemburg 20.— M, für das übrige Ausland 27,—-TO. Poft- bestellungen nehmen an Oelterretch, Ungarn. Tscheche- Elowatei, Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. D--r„Vorwärts" mit der Sonntags- beilogs„Volk und Leit". der Unter- hallungsdeilag»„Helmwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Abreise: „Sozialdemaktal Berlin" Morgen Ausgabe r W' Derlinev Volksblatt ( 30 Pfennig) AnzeiyenpretS, Di» uchtgelvalt-n- ZtonoareNIezetl» lostet M. Anzetgeo- dao feUgedruckte Won»Lv üst.(zu» lässig zwei fettgedruckt» Wone). fede» weitere Wort b— M. SteUengeiuch« und Schlafftellenanzetgen das erst» Wott»>— jedes wettere Wort TV Vfg. WoNe Über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Fanullen-Än» zeigen für Abonnenten Zeile d,— Äi. Die Preise oerstehen sich emschlietzlich Teuerung»Mick lag Anzeigen töt bte nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags im hxnustgefchäft, Berlin SW üb, Linden» straße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Udr früh bis b Uhr abends. Zentratorgan der rozialdcmohrati fehen partd Deutfchlands Reüaktion und Expedition: SV HS, Linden str.? Rrdaktiou Moritzplatz ISIilS— S7 »yernsprenirr. �eX)iti0H Moritzplatz II? S3—k;t Dienstag, den 12. Juli 1931 VonvärtS'verlag G.m.b.H., EW HS, Lindenstr. Z - Verlag. Expedition und Inseraten» �' Abteilung Moritzpla« II7S»-l;» Elf Milliarden Golömart. Berti n, 11. ZuN.(BI3.) Gemäß ArSkel IIa des Zahlungsplanes des Wiedergutinachungsausschusies vom 5. Mai d. 3. ist Deutsch- laad verpflichtet, dem Ausschuß bis zum 1. 3uli Schuldverschreibun- gen für einen Betrag von 12 Milliarden Goldmark als Ersatz für die Schuldverschreibungen, welche auf Grund des 8 12 c der Au- läge II von Teil VIII(Reparation) des Vertrags von Versailles bercils übergeben sind oder noch übergeben werden müßten, aus- zuhändigen. 3n Erfüllung dieser Verpflichtung ist dem Wiedergul- m.achungsausschoß zum 1. 3uli durch die kricgslastenkommission eine Schuldverschreibung übergeben worden, deren wichligsten Ve- stlnimungen die folgenden find: Das Deutsche Reich schuldet dem Inhaber dieser Schuld- verschrcibung den Betrag von 12 Milliarden Mar? Gold von dem am 1. Januar 1314 gesetzlich bestimmt gewesenen Gewicht und Fein- geholt. Diese S6)uldverschreibung wird in Mark Gold vom 1. Mai 1321 ab mit S pro;, ihres gcscnnlen Nennbetrages verzinst und vom 1. Mai 1321 ab jähriich mit 1 Pros, unter Zuwochs de? durch die Tilgung ersparten Zinsen durch Rückzahlung tum Nennwerte getilgt. Rnbesckadet der Vesiimmungen 24S und 251 des Vertrages von Verfollles hasten für die Schuldverschreibung der gesamte Besitz und alle Einnahmegucken des Deutschen Reiches und der deutschen Staaten an crsicr Stelle. Insbesondere ist der Zins- und Tilguags- dien" durch die sährlich von Deutschland gemäß Artikel 4 des ZLh!unzsT''ae-s zu bewirkenden Zahlungen sichergestellt. Als Sicherheit für diese Zahlungen bestimmt die deutsche Regierung an erster Stelle: n) die Erträgnisse aller deutschen See- und Land Zölle und insbesondere'-(It Aus- und Einfuhrabgaben, 1) dir Er'"grisir einer Abgabe von 25 Proz. aus den Wert aller deuttchen Ausfuhr, die nicht bereits einer anderweitig aus- erlegten sfriAr- p'-c Höheren Abgabe unterworfen ist. r) die Erlrägustse derjenigen direkten oder indirekten Steuern oder irgendwelcher sonstigen Fonds, hip von der deutschen Regierung vorgeschlagkn und von den gemäß Artikel 4 des Zahlungsplanes gebildeten Garnnllekomitet. in Ergänzung oder als Ersah für die oben unter z) rr.d b) genannten Fonds angenommen werden. Die Schuldverschreibung ist jetzl und in Zukunft bcfteik von allen deutschen Steuern und Lasten aller Art. Dos Deutsche Reich wird auf Verlangen des Inhabers oder des Reparationsausschusies in, Umtausch gegen diese Schuldverschreibungen kostenlos mit Zins- scheinen ausgestattete Teilschuldverschreibungen von gleichem Ge- samtnennwert abzüglich etwa schon getilgter Beträge ausgeben. Form, Inhalt, Betrag und Zahlungsort, sowie die Währung, in der die Zahlungen zn erfolgen haben, werden vom Reparaiions- ausschuß bestimmt. Neutrales Urteil. V e r l i n. 11. Zull.(DA.) Dem Prozeß gegen General Stenger und Major Cruflus hat auch der Präsident der holländischen Kriegs- gerichte, Herr van Sloeten, beigewohnt. Er hat seine Eindrücke in einem dem„Telegraaf" gewährten Interview dahin zusammen- gefaßt, daß er von der Unparteilichkeit und Objektivität der Richter des Reichsgerichts vollkommen über>'"gt worden sei. Herr van Sloeten beabsichtigt, die in Leipzig gewonnenen Eindrücke schriftstellerisch zu verwerten und sie demnächst der Oefsentlichkeit zu übergeben. Stockholm. 11. Jull. swTV.) Die Leipziger Prozesie, schreibt„Sveuska Dagbladet", erweisen sich als das beste bisher erprobte Mittel gegen den während des Krieges und nachher gesührten deulschlandscinÜichen Lügenfeldzug. Die Wahrheit kommt hierbei zu ihrem Recht, und es scheint schon seht klar, daß ste viel weniger gefährlich für Deutschland und für die Angrklagieu ist, als die Apostel des Haftes io den Eutenteläuderu hossteu. Keine Zeit versäumt! In Leipzig wird über Dinge verhandelk, die vor 4 bis 7 Jahren sich ereignet haben. Die Zeugen für viele dieser Vorfälle betanden sich zur Zeit des Ereignisses in der hestigsten Erregung, im Kampf. im Fieber; sie hatten bisher im Lazarett gelegen, hinter Stachel» drahr gelebt, wieder gekämpft, Haßpropaganda und Kriegsfolgen aller Art auf sich wirken lassen müsien. Und min verlangt man von ihnen die reine Wahrheil und nichrs als die Wahrheit. In Beuihen hat vor wenigen Togen französisches Militär waffenlose Deulswe überfallen und in der fürchterlichnen Weise mißhandelt. Die Vorfälle sind noch ganz frisch, Zeugen von beiden Seiten könnten einander gegenübergestellt, mit einiger Gewißheil könnte die Wahrheit ermittelt werden. Wenn man sie feststellen wollte. Man hört aber nichts von unparteiischer gerichtlicher Unter- suchung. Dünkt dem Völkerbund hier nicht eine Gelegenheit, etwat zu tun? Oesterreich und das Belgrader Attentat. Die auf Ersuchen der jugoslawischen Behörden in Wien geführte Untersuchung hat keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, daß dos Attsn- tat gegen den Prinzregcnten Alexander in Wien vorbereitet worden wäre. Auch für die Tätigkeit einer Moskauer Sowjetfiliale oder den Bestand einer Schule für Propaganda der Tat hat die Unter. juchung nicht das geringste ergeben. Paris, 11. Juli.(EE.) Nach der Rückkehr des deuffchen Sach- verständigen Guggenheimer wurden heute vormittag um 3� Uhr im französischen Außenministerium unter dem Vorsitz Loucheurs die neuen Beratungen zwischen dem deuffchen und französischen Sach- verständigen wieder aufgenommen. Der„Intransigeant" schreibt: Wenn unsere Informationen zutreffen, so wird das deuffch-fran- zösische Abkommen um die Mitte dieser Woche abgeschloffen werden. Zranzösisthe Sozialisten gegen Sanktionen. Paris, 11. Juli.(WTB.) Der sozialistische Abgeordnete Leon Blum stellt im„Populaire" fest, daß auch die unabhängigen Sozialdemokraten im Reichstag die Sanktionen auf das schärfste ver- urteilen. Inzwischen verstärke sich in Frankreich der Widerstand. Man spreche von der augenscheinlichen Schwäche de» Ministeriums Wirth. Man beharre bei der unsinnigen Auffassung, daß man durch die Aufrechterhaltung der Sanktionen dem Ministerium mittelbar Unterstützung leihe, während man es im Gegenteil diskreditiere uns vor der einmütigen öffentlichen Meinung vernichte. Und nun ver- suche man auch noch aus dem beklagenswerten Ereignis von Beuthen Nutzen zu ziehen. Blum fragt, was die Angelegenheit mit den Sanktionen am Rhein zu tun habe, die man lediglich wegen Ableh- nung des ersten Londoner Abkommens durchgeführt habe. Die Beuthener Angelegenheit habe weder etwas mit der Repa- rationsfrage noch mit der Bestrafung der Schuldi- gen, noch auch mit der Entwaffnung Deutschlands zu tun, denn Oberschiesten stehe nicht unter deutscher Konttolle. Der Abgeordnete fordert alle Propagandisten und Führer der sozialistischen Partei Frankreichs auf, sich gegen ein Manöver zu wenden, durch das man den Versuch mache, hier falsche Auffaffung zu verbreiten. Kampf gegen üie Kriegsmoral. VrLffel, 10. Juli.(WTB.)„Peuple" schreibt zur Enffcheidung des belgischen Kriegsministers, daß eine Heirot zwischen einem bel- gischen Soldaten und einer Deutschen nicht gestattet werde: Wenn man auf diese Weise unser moralischse Ansehen im Rheinland er- höhen will, so ist man auf dem rechten Wege. Wenn man unseren Soldaten gestattet, Bastarde in die Welt zu setzen und sie dann ver- hindert, ihre Pflicht gegenüber jungen Madchen zu erfüllen, die sich ihnen hingegeben haben, dann zieht man den Haß gegen die Belgier und ihre Mißachtung groß. Polens Minöerheitenfchutz. Danzig, 11. Juli.(PPN.) Die deutschen Abgeordneten im polnischen Rejm haben folgende Anfrage eingebracht:„Im Kreise Gniew(Deutsch- Mewe) haben polnische Solbaien, die ans Domänen stationiert sind, sich durch brutale körperliche Mißhandlung und Arretierung der deutschen Domänenpächter unerhörte Uebergrifie zuschulden kommen lasten. Was gedenkt die Regierung zn tun, um diese Gewallmaßrcgeln gegen ihre eigenen Bürger zu verhindern und wie will sie verhindern, daß ähnliche Uebergriffe, die den Be- stimmungen der Verfaffung in bezug auf Schutz der Person und des Eigentums zuwiderlaufen, in Zukunft unterbleiben?* Die jetzt in Posen bewaffnet eingetroffenen polnischen In» surgenten aus Oberschlesien haben begonnen, Gewalttätigkeiten gegen die deiirlch.jüdikche Bevölkerung zu verüben. So wurde in I a r o l s ch i n eine Anzahl Familien zur Flucht nach Posen ver- anlaßt._ §rauenfrieöenskonferenz. Wien, 11. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Borwärts�.) In der heutigen Sitzung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit erfolgte zunächst die Mandatsprüfung. Die polnischen Delegierten wurden vorläufig nicht zugelaffen, weil sie nicht unter- scheiden zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg und auf dem Standpunkt des radikalen Pazifismus stehen; ebenso die Vertrete- rinnen der ffchechischen Vereine„Mutterherz*. In der Nachmittags- sitzung sprach Dr. Anita Auqspurg(Deuffchlond) über Staat und Crzichungsmonopol. Der Militarismus und Imperialismus, sowie der verderbliche Nationalismus hätten gerade in der Staatsjchule ihre Wurzeln. Es werde nie gelingen, die Verständigung von Volk zu Volk den Masten einzuimpfen, wenn man nicht dazu gelange, das staalliche Erziehungsmonopol zu beseitigen. Die uniformierte Staatsschule sei ein Kulturhemmnis, zerbreche jede Eigenart des Charakters und schaffe Durchschnittsmenschen. Die Rednerin ver- langt, daß die staatliche Schule reformiert und ihr das Monopol genommen werde. Dr. Lydia S t ö ck e r- Berlin führte aus, daß in der Praxis die Dinge ganz anders aussehen, als die Referentin habe. Gerade an den Privaffchulen herrsche der Geist der Unfreiheit. Wir brauchen Ausgestaltung der heutigen Schule, größere Freiheit auch in den Staatsschulen. Die Enienlekonkrolloffiziere in Wien rüsten zur Abreise nach Ungarn, um dort dih Abrüstung gemäß den Bestimmungen von Trianon zu überwachen. Das wird verflucht viel nötiger sein als in Deuffchösterreich, wo man sogar Arbeiterkonsumvereine mit provo» katarischer Waffensuche belästigt hat. Vielleicht hat auch General S e g r e mit seinen Leuten in Wien die Privatschieberei gar zu auf- fällig getrieben und das Geschäft verdorben. Die„entpolitisierte" Regierung. Von Konrad Haenisch. In einem Artikel über das Kabinett Stegerwald habe ich darauf hingewiesen, daß die von Herrn Stegerwald propagierte Idee, die ganze Regierungs- und Verwaltungs- arbeit den parteipolitischen Einflüssen zu entziehen, sie zu „versachlichen", sich auf den ersten Blick wunderschön aus- nimmt, daß es sich aber letzten Endes dabei doch nur um ein im besten Falle inhaltloses, im schlimmeren Falle aber gemein- gefährliches Schlagwort handelt. Wie schön hört es sich z. B. an, daß das Ressort des Landwirtschaftsministers nur von einem partes- losen Sachkenner geleitet werden dürfe! In der Praxis wird aber selbstverständlich die ganze Wirksamkeit des Landwirt- schaftsministers stets von seiner politischen Grundeinstellung bestimmt sein. Wie er politisch die Bedeutung des Groß- grundbesitzes für den Staat einschätzt und wie er auf der anderen Seite über die allgemein-politischen Wirkungen einer großzügigen Siedelungspolitik denkt: das ist von entscheidender Bedeutung für seine praktische Haltung in der Frage der Fideikommisse usw. Was die innere Verwaltung anbelangt, brauche ich wohl gar nicht erst darauf hinzuweisen, daß für die Aus- wähl des Oberpräfidenten, der Regierungspräsidenten und ihres ganzen Stabes von Mitarbeitern wie vor allem auch für die Besetzung der Landratsposten und der' leitenden Stel- len im Polizeiwesen die politische Orientierung des Innen- Ministers schlechthin entscheidende Bedeutung hat. Und sobald Probleme austauchen wie das der Orgesch oder das des mittel- deutschen Aufstandes, ist auch der„unpolitische" Beamte so- fort gezwungen, politisch Farbe zu bekennen. Rur daß man bei ihm stets mit einer Entscheidung im reaktionären Sinne wird rechnen müssen! Was das Justizministerium angeht, so soll und darf die Rechtspflege selbstverständlich niemals zur dienenden Magd einer politischen Partei herabgewürdigt werden. Die Staatsanwälte sind jedoch und müssen Organe der staatlichen Autorität sein. In wie hobem Maße die Erfüllung oder Nichterfüllung ihrer Aufgaben politischen Charakter hat, das haben uns ja erst in iüngster Zeit wieder die Erörterungen über die unterschiedliche Behandlung der Kapp-Rebellen auf der einen Seite und der kommunistischen Arbeiter auf der anderen Seite gezeigt. Ebenso wie die Auswahl und Instrrnernng der Staatsanwälte, so ist auch die Besetzung der höckfften Gerichts- Höfe, z. B. des Oberverwaltungsgerichts, eine Angeleaenffeit von höchster politischer Bedeiffung und von größter Wichtigkeit für den Bestand der neuen Staatsordnung. Daher kann cmch der Justizminister, der bei allen diesen Dingen das ent- scheidende Wort zu sprechen hat, nun und nimmermehr ein „unpolitischer" Beamter, er muß vielmehr ein ausgesprochener politischer Charakter sein. Auch das scheinbar rein technische F i n a n z m i n i- st e ri ii m ist in Wahrheit eine politische Instanz ersten Ran- ges. Hat es doch so ziemlich bei jeder Verwaltungsfrage, die irgendwie Geld kostet(und welche kostet kein GeO"5), ein entscheidendes Wort mitzureden. Ein politisch reaktionärer oder auch nur politisch farbloser Finanzminister kann durch sein Veto jede großzügige Verwaltungsrefarm s�an im Keime sabotieren. Und will man wirklich einem vernünftigen Menschen einreden, daß Angelegenheiten wie die GrunMttuer und die Abfindung der Hohenzollern unpolitische Dinge sind, die man„rein beamtenmäßig" erledigen könne? Um van dem Ministerium des Wiederaufbaues .zu reden: ist es wirklich gleichailltig, wie der Sachkenner, der l(selbstverständlich!) an seiner Spitze stehen muß, palitisch ein- gestellt ist? Die Herren Rathenau und Stinnes beisp'elsweiie dürften an reine Sachkenntnis einander gleich sein. Aber für Art tind Ziel des Wirkens ist es natiirsich entscheidend, n(i Vr Wiede'-aufbauminister mit den politisch wirtschaftlichen Idealen eines Stinnes oder mit denen eines Rathenau an feine große Aufgabe herantritt. Endlich das Unterrichtsmini st eri'im, au» das es die„besonders sachverständige Seite" des„Detitschen" nar allem abgesehen hat! Das Unterrichtsministerium, so so-dert das Organ des Herrn Stegerwald, müffe bei einer etwaigen Umbildung der Regierung von vornherein..ausaetchaltet" werden. An seine Spitze dürfte keinesfalls wieVr ein „Rarteipolitiker" treten und Vorgänge, wie sie sich unter der Leitung des sozialistischen Ki'lttisministers abgespielt hätten, dürften sich„niemals" wiederholen. Hier kommt der reaktionäre Pferdefuß der ganzen „staatspolitischen" Anschauungsweise des Herrn Stegerwald und seines Organs besonders deutlich zum Borschein. Denn was sind das für„Vorgänge", die den Zorn des„Deutschen" so erregen? Man höre: Die Schaffung der E lt e r n b e i r ä t e >md der K l a s s e n g e m e i n d e n. die„unsinnige Haft," in der„nach Patteirücksichten Schulreform gemacht" worden sei, die Art. in der durch die Beseitigung alter und die Schaffung � neuer Geschichtsbücher„von heute au' morgen Gesinmmg ge j züchtet werden sollte. Außerdem habe der sozialistische Kultus» t minister„bedeutsamste Träger der Volksbildung durch leiden- l schvftllche parteipolitische Angriffe aufs Tiefste verletzt, weil aus Gründen der inneren wie der äußeren Politik eine ge- bieterische Pflicht. Solcher Erkenntnis aber verschließt sich hartnäckig Herr Stegerwald. Sein Kabinett ist geworden zum Kabinett des B ü r g e r b l o ck s. Es wird parlamentarisch getragen vornehmlich vom Vertrauen der Rechten, die in den letzten Monaten oft und deutlich zu erkennen gegeben hat, daß sie das derzeitige preußische Ministerium um jeden Preis zu halten gedenkt. Alle Arbeiterparteien aber stehen diesem Kabinett nicht nur mit unverhohlenem Mißtrauen, sondern in scharfer, täglich wachsender Feindschaft gegenüber. Vom Standpunkt des reinen Parteiinteresses aus könnte sich die Sozialdemokratie mit dieser Lage der Dinge schließlich abfinden. Die ungebundene Stellung als Oppo- fitionsportei bekommt ihr ausgezeichnet und auch die an sich dringend wünschenswerte Annäherung zwischen den einzelnen Arbeiterparteien wird durch diese Oppositionssb-llung der So- zialdemokratie nur gefördert. Ob aber den Interessen des Landes— und das sind die höheren Interessen— damit gedient ist, wenn die durch die Teilnahme der Sozialdemo- kratie an der Rcgierungsgewalt in steigendem Maße ge- wachsen? Erziehung der Arbeiterschaft zum staatlichen Ver- antwortlichkeitsgefühl und zur nüchternen Einschätzung real- politischer Möglichkeiten von neuem unterbunden wird und wenn unsere Parteiverhältnisse immer mehr wieder denen der Vorkriegszeit angenähert werden: das steht auf einem anderen Blatt. Schon beginnen auch große demokratische Zei- tungen den ganzen Ernst der Situation zu begreifen— ich erinnere nur an den kürzlich in der„Frankfurter Zeitung" er- schienenen Artikel über die Wiederauferstehung des schwarz- blauen Blocks. Es ist tief bedauerlich, daß diese ganze, auch für das Reich verhängnisvolle Entwicklung der preußischen Dinge gerade mil dem Namen Adam Stegerwalds verknüpft ist, der— bei dem starken sozialen Gefühl und dem ehrlichen demokratischen Empfinden seines Trägers— einst auch in sozalistischen Kreisen einen guten Klang hatte. Auch einigen anderen Namen begegnet man sehr ungern in einer Regie- rung, die in einen immer schrofferen Gegensatz zur Linken und zur gesamten sozialistischen Welt tritt. Aber keine Centimen- talität, auch noch keine noch so engen persönlichen Beziehun- gen zu dem einen oder dem anderen menschlich schätzenswerten und fachlich tüchtigen Mitglieds dieses Ministeriums dürfen daran hindern, klipp und klar auszusprechen, was ist. Das beißt in diesem Falle: Auszusprechen, daß das Kabinett Stegerwald eine schwere politische Gefahr be- deutet und daß deshalb seine Beseitigung ein Gebot vater- ländischer Notwendigkeit ist. Selaftet üie Golüwerte! Gegenüber dem deutschnationalen Geschrei gegen die Be- lastung der Goldwerte, namentlich gegenüber den Klopffechte- reien Helfferichs, fei daran erinnert, daß Helfferichs Kasseler Intimus, der deutschnationale Rechtsanwalt und Stadtverordnete B r' l!, in einer Eingabe an eine Militär- behörde am 21. Juli 191ü— wie erst kürzlich an Gerichtsstelle erwiesen worden ist— Folgendes geschrieben hat: ... Die Landwirte bereiten ständig allen Anordnungen der Behörden nach Möglichkeit schon ohne weiteres Schwierigkeiten, ob- wohl gerade sie es sind, die sämtlich infolge des Krieges glänzende Geschäfte gemacht haben.... Der Behauptung, daß sämtliche Landwirte glänzende Geschäfte gemacht haben, widersprechen wir. Gewiß haben sich auch die schwerarbeitenden Kleinbauern von mancherlei drückenden Schulden, die sie vor dem Kriege gemacht hatten. erholen können, aber„glänzende Geschäfte" haben in der Hauptsache doch wohl die größeren und größten Bauern gemacht, also gerade die, über die jetzt die Deutschnationalen schützend ihre Hände halten, damit ihnen nicht zu viel von den glänzenden Geschäften wieder weggenommen wird. Was aber den Großen in Handel, Industrie und Lands Wirtschaft nicht an Steuern und sonstiger Belastung ab- genommen wird, das müßten die K l e i n e n in Dorf und Stadt zahlen!_ Satprfpie! zur Einigung« Die„Rote Fahne" ist natürlich überzeugt, daß die Eint, gung des Proletariats nur auf dem bewährten Boden kommu- nistischer Grundsätze vor sich gehen kann. Sie stellt verschie- dene Stimmen zusammen, in denen die Größe der reaktiv- nären Gefahr geschildert wird, und fährt dann triumphie- rend fort: Was ergibt sich daraus für jeden klassenbewußten Ar- beiter, wenn er sich erst soweit in der Beurteilung der Lage durchgerungen hat? Wir sind von einem Regime, wie es heute in Horthy-Ungorn besteht, bedroht. Der erste Erlaß der Kapp-Regi nmg war die Androhung der Nieder- schießung jedes streikenden Arbeiters. Der Sieg der Gegenrevo- luliov. bedeutet Tod für Millionen Arbeiter, bedeutet einen bisher in Deutschland noch nicht erlebten weißen Terror. Angesichts dieser Lage ist die erste und wichtigste Aufgabe der Arbeiter E n t w a f f- nung der Bourgeoisie, Bewaffnung des Prole- t a r i a t s. Jetzt gibt es kein Ausweichen mehr, der offenen drehen- den Diktatur der Gegenrevolution gegenüber heißt es die offene Diktatur des Proletariats vorbereiten. Das ist für jeden Nassen- bewußten Arbeiter klar. Da steht man und staunt. Bis jetzt hatten wir aus der „Roten Fahne" als gläubige Leser der Ueberzeugung ge- wonnen, daß die Ebert-Republik der Schinderknecht der Bour- geoisie sei, daß der weiße Terror nirgends schonungsloser wüte. als wo Sozialverräter Minister sind, daß es überhaupt gar nicht schlimmer kommen könne, als es ohnehin schon ist. Und unn auf einmal dieser markerschütternde Angstschrei, diese bebende Warnung vor Zuständen, die noch nicht sind, aber kommen könnten! Das Rezept der„Roten Fahne", das Kommen dieser Zu- stände zu verhindern, erschöpft sich in dem Papageienschrei „Entwaffnung der Bourgeoisie, Bewaffnung des Prole- tariats". Wie man das macht, wird nicht verraten. Bis jetzt hat die Taktik der Kommunisten noch immer dazu geführt, das Proletariat immer weiter zu entwaffnen, die Bourgeoisie im- mer schwerer zu bewaffnen. Fortschreiten auf diesem Wege, heißt gewaltsam die Zustände herbeiführen, die die„Rote Fahne" in den schwärzesten Farben malt. Und die„offene Diktatur des Proletariats"! Wird dar- unter, wie es nicht anders sein kann, die Diktatur der löblichen KPD.-Zentrale über das Proletariat und über ganz Deutsch- land verstanden, so mögen sich selbst die Leviten bei diesem Gedanken bekreuzen.„Diktatur des Proletariats" im Sinne der„Roten Fahne", das heißt nichts anderes, als daß ein paar Kindsköpfe gewaltsam die Macht an sich reißen und solange Unfug treiben, bis sie unter allgemeinem Jubel der Bevölkerung wieder davongejagt werden. Vergißt denn die„Rote Fabne". daß„Horthy-Unaarn" natürliches Produkt der B u d a- p est er R ä t e d'i k t a t u r ist? Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Im Bericht der„Freiheit" über die sächsische Landeskonfe- renz der USP. findet sich folgende interessante Stelle: Gegen die Amtsführung des Arbeitsministers ZaeSel wurden Beschwerden nicht erhoben, sie fand mehrfach ausdrückliche Auer- kennung. Dagegen wurde eine Aeußerung Jaeckels in einer Partei- Versammlung in Plauen, daß in Ländern, wo keine sozialistische Mehrheit besiehe, unter Umständen die Beteiligung unserer Partei an einer Regierung mit bürgerlichen Parteien erwogen werden müsse. mehrfach kräftig kritisiert. Genosse Joeckel, der am Sonnabend an- wesend war, aber am Abend abreisen mußte, betonte, daß er in Län- dern mit sozialistischer Mehrheit, also in Sachsen, die Ablehnung der Zusammenarbeit mit Bürgerlichen für selbstverständlich halte. Ein 2lntrag Rösch(Dresden), wonach die Landesversammlung erklären sollte, daß sie die Auffassung Jaeckels entfchie- sie nicht wusnchgemäß umzulernen vennochten". Und dann folgt die ganze Litanei der„Fälle", in denen der Schreiber dieses Aufsatzes angeblich entschieden Schulreformer zu unrecht gefördert, ihre Gegner aber schlecht behandelt habe. Wer da weiß, daß dem sozialistischen Unterrichtsminister von Links her diese ganzen Jahre hindurch andauernd gerade ob seiner allzu vorsichtigen Haltung in allen diesen Fragen genau die entgegengesetzten Vorwürfe (und keineswegs immer ganz mit Unrecht!) gemacht worden sind, dem werden die Angriffe, die das Organ des neuen preußischen Ministerpräsidenten hier erhebt, nur ein Lächeln entlocken. Sie sind aber deshalb so wertvoll, weil sie auf dos deutlichste zeigen, was sich hinter dem ganzen Gerede„Nicht mehr Parteipolitik, sondern Staatspolitik" in Wahrheit oer- birgt. Abkehr van jeder ernsten Reform, Still- st and und Rückschritt! Unfreiwillig beweist es so gerade der„Deutsche", daß die Schule ein P o l i t i k u m ist und bleibt. Womit natürlich hier ebensowenig wie vorhin bei der Erörterung der Iustizfmgen gesagt werden soll, daß der Unterricht als solcher sich je in den Dienst eines bestimmten politischen Parteiprogranims stellen dürfe. Aber von allen klar auf der Hand liegenden unmittelbaren Zusammenhängen zwischen Politik und ministerieller Ressortarbeit einmal ganz abgesehen: die Minister sind nicht nur Leiter ihrer jeweiligen Ressoits— sie sind zugleich auch Staatsmini st er, Mit- glicder des Gesamtministeriums und als solche für die Gesamt- Politik des Staates(man denke nur an die Fragen des Ver- fossungslebens!) verantwortlich. Ein Staatsministerium aber, da ganz oder auch nur zum Teil aus ausgesprochenen Nicht- Politikern besteht, ist ein Widerspruch in sich selbst, ist ein Unsinn. Insbesondere würde sich der Staat des parlamentari- scheu Negimes selbst aufgeben, wenn er die Führung seiner politischen Geschäfte dauernd in die Hand unpolitischer Be- anlten legen wollte. Vom Standpunkt der Linken aus gesehen aber ist eine offen reaktionäre Regierung immerhin besser als eine Rechtsregierung, die sich hinter dem Wandschirm des„unpoli- tischen Beamtentums" verbirgt. Ueberhauxck ist der ganze Gegensatz„Hier Parteipolitiker — liier Fachminister" rein künstlich konstruiert. Auch Partei- Politiker und gerade sie sind oft genug schon ausgezeichnete Fachminister gewesen. Auf der anderen Seite aber haben niemals noch parteipolitische Minister auch nur annähernd so viel und so unsägliches Unheil über Staat und Volk ge- bracht wie unsere„gelernten" außenpolitischen„Fachminister", von Gottlieb von Jagow und Zimmermann an- gesangen bis zu Herrn S t i n n e s. Der Gegensatz, um den es sich bei der Politik des Herrn Stegerwald handelt, ist vielmehr ein ganz anderer: auf der einen Seite steht der Gedanke des aus der bürgerlichen und der sozialistischen Demokratie zusammengeschweißten Li n k s- b l o ck s, wie er in den ersten Jahren nach der Staatsum- wälzung in Preußen bestanden hat und wie er jetzt im Reich unter dem Ministerium Wirth wiederhergestellt worden ist. Dieser Linksblock war und ist gewiß keines Politikers Ideal und er ist vov manchem Fehler und Mißgriff nicht freizu- sprechen. Dennoch hat er— nehmt Alles nur in Allem— ein recht gutes Stück tüchtiger politischer Arbeit vor sich gebracht. Er und er allein ist es gewesen, der nach den furchtbaren Wixren des Zusammenbruchs den demokratischen Staat auf- gebaut und ihm eine feste Grundlage zu schaffen verstanden hat. Die Erkenntnis, die diesem aus der bürgerlichen und der p'-oletarischen Demokratie gemeinsam gebildeten Linksblock zu Grunde liegt ist die, daß alle wahrhaft auf dem Boden der Demokratie und der Republik stehenden Kräfte in gemein- s a m e r Arbeit aufgeboten werden müssen zum wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Wiederaufbau unseres Landes. Diese Arbeit aber kann— das haben die bitteren Erfahrungen der letzten Jahre leider nur allzu deutlich gezeigt— nur geleistet werden im entschiedensten Kampfe gegen rechts. Dieser Kampf und seine unbeirrte Durchführung ist sowohl Studenten. Mein Weg führt mich täglich an der Universität vorüber, immer zu einer Zeit, da die Iüng'r der Wissenschaft hinein- oder heraus- strömen. Immer bleibe ich ein Bicrtelstündchen stehen, deswegen gehe ich ja früher von meiner Wohnung fort. Die Studenten inter- cfsicren mich. Nicht etwa, weil ich auch einmal einer war. Sieht man hundert Arbeiter eine Fabrik oerlassen, so ist es, trotz mannigfacher Berschicdenhelten, doch immer ein Typ, der sie l olle gleich macht, der Typ des Arbeitet s, oder man sieht Hunderte von Aegestellten ihr Geschäitshaus verlassen, so ist es auch hier wieder, trotz der mannigfachen Unterschiede, zum Beispiel in der Kleidung, ein Typ, der Typ des Stehkragenproletariers. Doch hier, vor der Universität, ist jeder der Hinein- oder Her- ausgehenden ein Typ für sich: In feschem Wichs, die Mütze im Genick, das Bond quer über der Brust, der„Teutsche Heldenjüngling", System B i e r t i m p e l, das Einglas, deutsch Monokel, im Auge, welches sonst znsallen würde, ein schwarz-weißes Bändchen im Knopfloch: der Reserve- o f f i z i e r. im hohen Stehkragen(bis über die Ohren), mit riesigem Vater- mörder und stupidem Gesichtsausdruck: der Sprößling eines Krautjunkers, mit Schillerkragen, nackten Knien, die nicht immer sauber zu sein brauchen, lockiger Mähne: der Fr ei deutsche, in die Höhe geschossen, schlank wie eine Bohnenstange, den Klemmer, der jeden Augenblick herunterzufallen droht, auf der spitzen Nase: die geistige Jungfer, nach neuester Mode gekleidet, nie allein, kokett, mit höchsten Stiefelchenabsätzen: di« zukünstige stuo irrte„Hausfrau", dick, plump, mit echter Krowattennadel, Lackschuhen, Bügel- falte, dicker Zigarre m>t Bauchbinde: der Sohn des Schiebers bzw. Kriegsgewinnlers. Deutschlands Zukunft!! Mir wird angst und bange, wenn ich daran denke. Ih- sollt uns dereinst herausführen aus all unserer Rot, unserem Elend? Doch ein Trost ist mir geblieben: ganz zuletzt kommt immer noch ein Mädel, branngebrannt, ernst, ohne Kopfbedeckung, in ein- fachem, nettem Kleide, aus der Brust in Form einer Brosche das Abzoichsn unserer Arbeiterjugend. Noch mehr solche wie du und mir ist nicht bangel Kurt L ö f f l e r. Konferenz der Acbeilerbibliolhekare. In der Arbeiter- Hochschule Gero-Tinz tagte vom 3. bis 3. Juli eine Kon- 'renz d-r Arbeitcrbibliothekare, die von T4 Personen besucht war. Teilweise waren es Berufsbibliothekare, teilweise Arbeiter, die nebenamtlich als Bibliothekare tätig sind. Der Direktor der Stadt- bibliothsk Lübeck, Willi Pieht, trat in seinem Referat:„Selbständige Zlrbeiterbibliotheken oder Gemeindebibliotheken?" für die K o m- m n n a l i s i e r u n g der Bibliotheken-in, wobei diese öffentlichen städtischen Bibliotheken auch der Pflege der sozialistischen Weltan- schauung gebührenden Raum gewahren müßten. Jessen-Gera ver- langte zu diesem Zweck eine ständige Kontrolle der Gemeindebiblio- theken durch Llrbeitcrvertreter. vor allem durch die sozialistischen Gemeindevertrctcr. Di? Arbeiterzentralbibliothek München, eine Musterbibliothck ihrer Art, wird jetzt ebenfalls von der Gemeinde übernommen, wie ihr Bibliothekar Setzer-München mitteilte. Der der Zersplitterung der Arbeiterparteien entsprechenden Zer- splitlerung der Arbeitcrbibliotheken soll von feiten der Gewerkschas- ten entgegengearbeitet werden, wie folgende Resolution kundgab: „Die vom 3. bis 5. Juli in Schloß Tinz bei Gera tagende Konferenz der Arbeiterbibliothekare richtet an den ADGB. sowie an die Bil- dungsausschüsse der sozialistischen Parteien das Ersuchen, dahin zu wirken, daß die bisher in den einzelnen Gewerkschaften bestehenden Gewerkschafts- und Parteibibliotheken in einein Ganzen sich zusammenschließen." Um eine Zentralstelle für das Arbeiterbibliothekwesen ins Leben zu rufen, wäblie die Konferenz einen Ausschuß von 5 Personen: Henning, Herausgeber des„Bibliothekar", Gerhard Sauer, Frankfurt a. M., Direktor Willi Pieht-Lübeck, Siegle von der Gewerkschaftsbiicherei Berlin und Jos. Setzer- München. Dantes S00. Todestag in den Schulen. Der preußische Unter- richtsminister hat angemdnet, daß im Laufe dieses Jahres, zumal im September in den höheren Lehranstalten sowie in den Lehrer- bildungsanstalten Dantes gedacht wird. In dem hierzu er- gangenen Erlaß heißt es:„Im September 1921 wird in allen Ländern, soweit die europäische Kultur reicht, die KM. Wiederkehr des Todestages Dante Alighieris gefeiert werden, lieber die Schran- ken der Völker und Zeiten hinweg gedenkt auch das deutsche Volk dieses großen Mannes und seines unsterblichen Werkes, mit dessen Deutung die besten deutschen Geister gerungen haben. Mehr als jetzt scheint es nötig, dem sittlichen E r n st, der strengen G e- rechtigkcitsliebe zu huldigen, die Dante verkörpert. In schwerer Zeit wird die„Göttlich.- Komödie" mit dem tiefen Ein- blick in das Menschenleben, ihren erhabenen Ideen, ihren ernsten Mahnrufen zur inneren Einkehr Verständnis finden." Ein Seminar für Sprachknnde hat das Z e n t r a l i n st i t u t für Erziehung und Unterricht in Berlin eingerichtet. Der Kultusminister ersucht die Regierungen und die Provinzialschul- kollegien, die Lehrkräfte der höheren Lehranstalten für die männliche und weibliche Jugend, der Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten, der Mittelschulen und Volksschulen hierauf aufmerksam zu machen. Der dritte Iuhrgang des Seminars beginnt am 3. Oktober und dauert bis zum 22. Dezember. Das Seminar will eine gründliche Einfüh- rung in die gesamte Sprecherziehung bieten. Anträge auf U r- l a u b zur Teilnahme an dem Lehrgang sollen nach Möglichkeit ge- nehmigt werde». Beihilfen können aber glicht zur Verfügung gestellt werden. Der hervorragendste Dramatiker Deutschlands. Sudermanns Dichterruhm ist in Deutschland verblichen. Der frühere Liebling unseres bürgerliche» Publikums kons feine Stücke heute nur noch mit Hilfe der Gerichte auf die Bühne bringen. Sie werden nicht im Namen der Kunst, sondern„Im Namen des Gesetzes" inszeniert. In Rom aber sind dieser Tage seine„R a s ch h o f f s" mit großem Erfolg gespielt worden und die italienische Kritik feiert ihn als den „hervorragendsten Dramatiker Deutschlands". Wir gratulieren Herrn S idermann und kondolieren Deutschland. Die Frur.„f. �ng Elsaß-Lothringens. Der bekannte schweize- rische Schriftsteller Benjamin V a l l o t o n, seit mehreren Iahren Lehrer des Französi chen und der Religionsgeschichte am Klassischen Gymnasium in Zürich, der sich schon während des Krieges in den Dienst der französischen Propaganda stellte, wird nach S t-r a ß- bürg übersiedeln, um die Verbreitung der französi- schen Sprache im Elsaß zu organisieren. Die„Ligue Frangaise" hat es unternommen, in jeder der 18(10 Ortschaften Elsaß-Lothringens eine Biblio. thek zu gründen. Zu dielcm Zwecke hat sie schon ungefähr 80 000 Bücher an 1200 Ortschaften geschickt. Um ihr Werk durch- führen zu können, bittet sie alle Franzosen um neue Bücherspenden. Wenn die frunzösischcn Chauvinisten ihre Französierungsbestre- bungen mit demselben Geschick betreiben wie einst die deutsche» ihre Germanisierungsaktion, dann können sie bei den Elsässern ihr blaues Wunder erleben: Man merkt di- Absicht und man wird ver- stimmt. Und die Verstinimung äußert sich leicht in widerborstigster Opposition. „Znogrohaver". Ja, was mag das fein? Ein neuentdeckter Ichthyosaurier? Ein Krater auf dem Mond? Ein chemisches Präpa- rat? Der Name des nächsten Modetanzes? Ach nein, es ist der Name eines Vereins. Die Notgeldhändler haben sich, des langen Alleinseins müde, zusammengeschlossen zu der„Internatto- nalen Notgeld-Groß- und Kleinhändler-Vercinigung", kurz und wohl- klingend:..Inogrohaver". Es wäre gewiß bedauerlich gewesen, wenn der Handel mit Notgeld nicht innerhalb einer wohlgesestigten Or- ganisation wachsen, blühen und gedeihen könnte. Welchen Verlust aber würde es gar für den deutschen Sprachschatz bedeuten, wenn dieser berückende Vereinsname ungeboren geblieben wäre! Die Ansichlskartensammlung des Blaubarts. Landru, der viel- genannte französische Frauenmörder, der als Blaubart reckivivus zu fo trauriger Berühmtheit gelangte, ist im Gefängnis von Ver- sailles damit beschäftigt, die Ansichtspostkarten und Photographien, die ihm zugegangen sind, zu einer Sammlung zu vereinigen. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht wenigstens hundert Ansichts- karten erhält, die ausschließlich von Damen geschrieben sind. Dem größten Teil der Sendungen liegen Photographien bei. Ein Teil der Schreiberinnen spricht dem Mörder Mut zu, andere werfen ihm seine Missetaten vor und erklären, daß die Guillotine noch eine viel zu leichte Strafe für seine Taten sei. Seit seiner Vcrhaftuna hat der Blaubart von Gambais seiner Sammlung weiblicher Ansicht»- karten nicht weniger als 22 000 Siück einverleiben können. Ein erbaulicher Beitrag zur Psychologie der„Damenwelt" im Zeitalter der zusammenbrechenden kapitalistischen Epoche. Tie Etüdtischen Volks konzerte dev Blntbner-Orchesters im Jus finden statt: Gcrmania-Säle SO. und S7., Blüthner-Saal L2. und 29'»� t Brauer«, Säntgftadt 25. Intl. Nr. 323 ♦ 38.�ahrgang Heilage öes Vorwärts Dienstag, 12.?ulilH2l »oEsmzzaai GroßSerlw Zupfgeigenklänge. Die steuerpflichkige Gemütlichkeit. Es ist wahrhaft herzerfrischend, daß in unserer traurigen Zeit der Not der Humor noch nicht ausgestorben ist, und daß auch zu- weilen dafür gesorgt wird, daß auch die Gemütlichkeit zu ihrem Rechte kommt. Nur eins ist dabei zu befürchten, nämlich, daß ste eines Tages als steuerwllrdiges Objekt entdeckt und durch mehr oder minder ergiebige Besteuerung erdrückt wird. Da gibt es gar nichts zu lachen: die Gefahr ist groß, sie ist schon da, es hat bereits ein- geschlagen, und das kam so: Die Genossinnen einer Abteilung beschlossen, sich in einem Gartenlokal zu treffen, in dem„Familien Kaffee kochen können", und dort einen Nachmittag in gemütlichem Beisammensein zu ver- bringen. Alles glückte nach Wunsch. Bald dampfte der Kaffee in Kannen und Tasten und die Unterhaltung flutete hinüber und herüber. Hauslrauensorgen, politische Fragen und anderes mehr fand reichliche Erörterung und die Zeit verrann im Fluge. Nichts störte die Harmonie. Als jedoch zur Verschönerung des Beisammen- seins die Söhne einiger Genossinnen aus dem Stegreif heraus Lieder zur Laute sangen, lockten die Zupfgeigenklänge einen Kontrolleur des Steucramts herbei. Der runzelte die Stirne, hinter der es mächtig arbeitete, und plötzlich war er mitten unter der fröh- lichen Gesellschaft und erklärte kategorisch, daß diese„Veran- staltung" besteuert werden müsse, und daß außerdem Strafezuzahlensei.weilkeinevorschriftsmäßige Anmeldung erfolgt sei. Allgemeine Verblüffung. Proteste halfen nichts. Der eifrige Beamte stellte die Personalien der Ab- teilungsleiterin fest und am nächsten Tage machte ihr ein gestrenger Kadi klar, daß Kaffeekochen mit M u sik eine steuerpflichtige Lustbarkeit sei und daß sie als Gesetzesübcr- treterin 2 5 Mark Strafe zu zahlen habe. Im Falle der Nicht- bezahlung wurde Pfändung angedroht. Das ganze mutet an wie ein SchiWbürgcrstreich. Und jeder unbefangene Leser ist versucht, die Erzählung in das Reich der Fabel zu verweisen. Dem ist leider nicht so, denn dieser Vorgang hat sich am Donnerstag, den 7. Juli 1921, in Neu- k ö l l n ereignet, als Genossinnen der 91. AbtcUung sich im Karls- garten in der Karlsgarten straße getroffen hatten, wo sie an vier Tischen ihren Kaffee tranken und plauderten. Es mag sein, daß manchmal versucht wird, die Lustbarkeits- steuer dadurch zu umgehen, daß scheinbar aus der Mitte der Gäste heraus Unterhaltungen der Besucher im Einvernehmen mit dem Wirt veranstaltet werden. Aber in diesem Falle trifft eine solche Annahme zweifellos nicht zu. Eine solche Ueberlpannung des Begriffs der Lustbarkeitssteuer wirkt zweifellos lächerlich, ist aber auch durchaus geeignet, Ver- bitterung zu erzeugen. Eine solche Auslegung kann niemals im Sinne der Gesetzgeber gelegen haben und es erscheint angebracht, daß gegen solches Vorgehen energisch Front gemacht wird. Es scheinen doch in manchen Gesetzen und Verordnungen„merkwürdige stillwirkende Kräfte" vorhanden zu sein, von denen weder der Ge- fetzgeber noch der Laie sich etwas träumen läßt, und es gilt noch immer das Wort des Dichters: „Im Auslegen seid ihr frisch und munter, legt ihr's nicht aus, s o legt was unter." Das Landgericht III hat nunmehr über die Frage entschieden, ob es eine Täuschung des Publikums ist, wenn ein Film- fcnsationsdarsieller einzelne Sensationen durch Artisten in seiner Maske ausführen läßt. Dem Sensationsdorsteller Harry Piel war in der Monatsfilmzeitschrift„F i l m h ö l l e" u. a. der Vorwurf ge- macht worden, er täusche sein Publikum, indem er seine Sensa- tionen von anderen Artisten in seiner Maske heimlich herstellen laste. Das Landgericht III, das der Filmdarsteller anrief, kam u. a. au dem Ergebnis, daß tatsächlich in fünf Fällen Artisten in der Maske Harry Piels Sensationen vollbracht haben.„Darin liegt," so heißt es in der Begründung des Gerichts,„zweifellos eine Täuschung des Publikums, denn der Zuschauer muß an- nehmen, daß auch diese gefährlichen Sachen von dem Houptdar- steiler persönlich ausgeführt werden, und es soll dies nach dem Willen des Hauptdarstellers annehmen, da es sonst unnötig wäre, den einspringenden Artisten in der Maske des Hauptdarstellers auf- treten zu lasten."„Man muß im vorliegenden Falle," so äußert sich das Gericht weiter,„berücksichtigen, daß Harry Piel in den weitesten Kreisen des Filmpublikums, wie er offenbar auch selbst weiß, als einer der hervoragendsten Sensationsdarstellcr bekannt ist. Es liegt also," zu diesem Schluß kommt das Gericht,„in dieser für die Filmwelt sehr interestanten Frage mithin tatsächlich eine vom Hauptdarsteller mit herbeigeführte objektive Täuschung des Publi- kums vor." Die Klage Harry Piels, der Filmzeitschrift die Be- hauptung, daß er seine Sensationen nicht immer selber ausführe, für die Folge zu verbieten, wurde denn auch von dem Gericht ab- gewiesen. Hingegen wurde auf dem Wege der vorläufigen Ver- fügung untersagt, fernerhin zu behaupten, daß Harry Piel seine An- gestellten und Tiere regelmäßig mißhandele. Die Filmzeitschrift hat gegen dieses Urteil beim Kammergericht Berufung eingelegt. Mit fremSen Jeöern. Wie erinnerlich, hotte der„V o r w ä r t s" in Nr. 167 vom 10. April d. I. in einem Artikel dagegen Einspruch erhoben, daß| Filmsensationsdarsteller einzelne Sensationen durch Artisten in ihrer Maske ausführen lasten und den„Ruhm" für diese Leistungen ein- heimsen, während die Artisten, die leider oft genug ihr Leben aufs Spiel setzen muffen, unbekannt bleiben.' D!e gefälschten4 Uhr Mitgliederversammlung im Zeichensaal der Schule Radickestraße. Thema:„Reichsschulgesetz". 106. Abt. Johannisthal. 8 Uhr Mitgliederversammlung im„Waldkater", Kaiser? Wilhelm-Straße. Referent Genosse Matuschek:„Stellung unserer Partei zu dem neuen Steuerprogramm". 107. Abt. Alt-Glienicke. TA Uhr Mitgliederversammlung bei Klingenberg, Grünauer Str. 29. 108. Abt. Köpenick. 7>4 Uhr Mitgliederversammlung im kleinen Saal des Stadt- theaters, Alter Markt. Referent Genosse Artur Häusler:„Die Aufgaben des Bezirks- und Parteitages". Lichtenberg. 115. Abt. 7 Uhr Zahlabende in folgenden Lokalen: Gruppe 1 bei Stöber, Iungstr. 29, Ecke Lderstraße; Gruppe 2 bei Sill, Weichselstr. 16, Ecke Oderstraße; Gruppe 3 bei Noka, Kronprinzenstr. 7, Ecke Scharnweber- strage; Gruppe 4 bei Albrecht, Gürtelstr. 17, Ecke Oderstraße. Pflicht jedes Genossen ist zu erscheinen.— 116. Abt. 7>4 Uhr Mitgliederoersammlung im Zeichensaal der Gemeindeschule Holteistraße(Ausgang Böcklinstraße). Tages- ordnung: 1. Stellungnahme zur Kreisvertreterversammlung am 17. d. M. und zum Parteitag. 2. Aufstellung der Kandidaten zum Parteitag. 3. Or- ganisationsfragen.— 117. Abt. 7 Uhr Vorstandssitzung bei Zandereit, Priuz-Albert-Str. 32. Sämtliche Funktionäre, Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte müssen erscheinen. 120. Abt. Friebrichsselde. TA Uhr Mitgliederversammlung im Lindenpark, In- haber Eutzeit, Wilhelmstr. 11. Referent Emil Lehmann:„Die Aufgaben des Parteitages". 121. Abt. Karlshorst. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Huth, Treskowallee 66. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen dringend notwendig. 125. Abt. Weißense«. TA Uhr in der Aula des Realgpmnasiums Woelckprome- nade. Referent Genosse Kabelitz:„Stellungnahme zum Parteitag". 131. Abt. Riederschönhausen. 7>4 Uhr im Wilhelmshof, Kaiser-Wilhelm-Str. 64. Referent Genosse Theodor Fischer:„Politische Lage". 135. Abt. Reinickendoes-West. 7(4 Uhr Mitgliederversammlung in der 2. Ge- meindeschule, Auguste-Viktoria-Allee 96. Thema:„Die Aufgaben des Partei- tages". 139. Abt. Tegel. 714 Uhr Mitgliederversammlung bei Schade, Berliner Str. 18. ... Genosse Horlitz:„Kulturfragen". 2. Vereinsangelegenheiten. J? Borsigwalde- Wittenau. 7'4 Uhr Mitgliederversammlung bei Schulz, Wittenau, Hauptstraße. * 1. Abt. Zwecks Erleichterung der Beitragszahlung und Belebung der Partei- tätigkeit findet jeden vierten Mittwoch im Monat, abends 8 Uhr, im Lokal von Schmidt, Am Zirkus 10, der Zahlabend statt. Im Jahre 1921 also am 27. Juli, 24. August, 28. Sepember, 26. Oktober, 23. November, 28. Dezember. Besondere Einladungen zu den Zahlabenden erfolgen nicht mehr. Soziales. Skegerwald für geringere Erwerbslofenunkerstühung. In einem neuen Erlaß des Preußischen WohlfahrtsministerS heißt es, aus verschiedenen Berichten habe sich ergeben, daß die in einem früheren Runderlaß betr. Anpassung der Erwerbslosen« fürsorge an die besonderen Bedürfnisse des Winters angegebenen EcwerbSlosenunterstützungssätze bisweilen den Arbeitslohn(!!> in einzelnen Gemeinden beinahe erreichen, in einigen Fällen zu- sommen mit den Familienzuschlägen sogar überschreiten. Unter diesen Umständen bestehe für die Arbeitnehmer kein Anreiz mehr, die Erwerbslosigkeit durch Annahme von Beschäftigung zu beenden. Der Minister weist deshalb darauf hin, daß die genannten Sätze H v ch st s ä tz e und daß die Gemeinden nicht verpflichtet sind, diese Sätze für ihren Bezirk in Geltung treten zu lassen. Es ist jeder Gemeinde vielmehr unbenommen, in den Fällen gedachter Art, oder wo sonst die Verhältnisse besonders günstig liegen, und die Zahlung der Höchstsätze offenbar nicht am Platze ist, neue Sätze einzuführen, welche'unter den bezeichneten Höchstsätzen bleiben. Die Sozialisten in den Gemeindeparlamcnten werden dafür zu sorgen haben, daß nicht eine ungerechtfertigte Herabsetzung der Unterstützung erfolgt._ Sfofiffik der ansteckenden Krankheiten. Wie sich aus der vom Preußischen Wohlsahrtsministerium regelmäßig veröffentlichten Statistik ergibt, sind im Preußischen Staate in der Woche vom 22. bis 28. Mai 1921 amtlich gemeldete Fälle von übertragbaren Krankheiten in folgender Höhe nachgewiesen worden: Diphtherie: S82 Erkrankte, 21 Todesfälle, Genickstarre: 13 Erkrankte, 8 Todes« fälle, Kindbettfieber: 82 Erkrankte, 29 Todesfälle, Körnerkrankheit: 41 Erkrankte, Lungen- und Kehlkopstuberkulose: 712 Todesfälle, Ruhr:£)3 Erkrankte, 7 Todesfälle, Scharlach: 311 Erkrankte, 7 Todesfälle, und Unterleibstyphus: 119 Erkranke und 16 Todes- fälle. Wirtschaft Französischer Kunstdünger. Die weltwirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges werden immer wieder unterschätzt. Recht deutlich zeigt sich das an der allgemeinen Nichtbeachtung der Veränderungen, die mit dem Friedens- bertrag in der deutschen K a I i i n d n st r i e entstanden sind. Bis zum Krieg waren wir unbestritten die einzigen Besitzer von Kalibergwerken. So sehr sich auch die ganze Welt bemühte, weder in Amerika, noch in Spanien oder anderswo bewahrheiteten sich jemals die Funde von Kalilägern. Tie immer notwendiger werdende künstliche Düngung jedes landwirtschaftlich genutzten Bodens der Welt gab den deutschen Kalibesitzern eine stets be- deutender werdende Stellung. Der Tanz um das goldene Kalb ist wohl kaum je so heftig gewesen als in der Zeit, da Amerika auf dem deutschen Kunstdüngermarkt erschien, um fabelhafte Mengen Kali zu kaufen. Jetzt hat sich das Blättchen gewendet. Mit dem Elsaß ist ein nicht unbedeutender Teil des deutschen Kalifeldcrbesitzes an Frankreich gekommen. Man Hot dort sofort mit Hochdruck an der vollen Ausbeutung des wiedergewonnenen Besitzes zu arbeiten begonnen. Sämtliche Schächte wurden in Be- trieb genommen, die Arbeiterzahl ist ständig erhöht worden, die Neuanlagen wuchsen rasch aus der Erde. Damit gewann Frankreich nicht nur einige Selbständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber dem deutschen Kali, es trat auch als Händler auf dem Weltmärkte auf und gewinnt damit hochwertige Valuta. Es wurden versandt: 1919 1913 in Tonnen nach Frankreich........... 87 000 10 000 nach den Vereinigten Staaten..... 56 000 12 000 nach England........... 18 000 200 nach Belgien............ 20 000 600 Der Gesamtversand ist von 41000 auf rund 200000 Tonnen gestiegen! Das niedergehende Frankreich bat durch seine Kriegserfolge einen neuen kräftigen Anstoß zur in- dustriellen Entwicklung erhalten. Damit laust eine zunehmende Beweglichkeit im Außenhandel parallel. Aber auch Frankreich findet nicht den alten Weltmarkt wieder, den es verlassen hat. rwß. Ungültigkeit von Banknoten. Reichsbanknoten zu 50 Mark vom 30. November 1918 haben auf Grund der Verordnung vom 27. De- zember 1920(Reichsgesetzblatt S. 2318) ihre Eigenschaft als gesetz- lichcs Zahlungsmittel bereits seit dem 31. Januar 1921 verloren. Sie werden nur noch bis zum 31. Juli 1921 von der Reichsbank ein- gelöst, für die mit diesem Zeitpunkt jede Einlösungspflicht endet. Die Besitzer solcher Noten werden in ihrem eigenen Interesse erneut an deren rechtzeitige Ablieferung erinnert. Falsche Gerüchte über die Altleder-Verwertungsstelle. Halbamtlich wird mitgeteilt: Die von einer Berliner Montagszeitung unter der Ueberfchrift:„Zusammenbruch der Altleder-Berweriungsstelle, Millionenverluste des Reiches" gebrachte Meldung, daß die Altleder- Verwertungsstelle durch eine Verfügung des Reichswirtschafts- Ministers geschlossen worden sei, ist glatt erfunden. Weder von einem Zusammenbruch, noch von Millionenverlusten des Reiches kann die Rede sein. Aach Ukuster des Bukarestcr Friedensverkrages. Bekanntlich trachten die Franzosen danach, sich die Ausnutzung der reichen gali- zischen Petroleumquellen zu sichern. Der Vertrag eines französisch- polnischen Petroleumabkommens lag, wie das offizielle polnische Pressebureau mitteilte, bereits vor. Jetzt haben, wie die„Dena" mitteilt, die polnischen Petrolcuminteressenten bei der Warschauer Regierung gegen die Bedingungen des Vertrages Einspruch er- hoben, so daß deffen Inkrafttreten vorläufig überhaupt in Frage ge- kommen zu sein scheint. Grund dafür ist der Umstand, daß der in Aussicht genommene Vertrag, ganz nach Muster des Friedensver- träges von Bukarest, diesmal den Franzosen unerhörte Vorrechte in die Hände gab. Um nun die aus der Verschiedenartigkeit der polnischen und französischen Auffassung entstandenen Schwierigkeiten zu beheben, wird ein Projekt vorgeschlagen, das die Bildung einer gemischten Gesellschaft zur Ausbeutung der staatlichen Petra- leumfelder im Auge hat, und zwar auf der Basis einer Kapitals- beteiligung von 51 Proz. auf polnischer, von 19 Proz. auf fran- zösischer Seite. Deutsche elektrische Maschinen nach England. WTB. berichtet aus London: Wie die Blätter melden, hat die Sheffield Corporation beschlossen, elektrische Maschinen in Stärke von 10 000 Kilowatt, deutsche Fabrikation, von einer Amsterdamer Gesellschaft zu kaufen. Der Preis ist 19 900 Pfund Sterling. Das englische Angebot betrug 90 000 bis 100 000 Pfund Sterling. Die Eisenerzproduktion in Lothringen geht seit Jahresbeginn an« haltend zurück: während die durchschnittliche Monatsausbeute in 1913 3,12 Millionen Tonnen war, betrug sie im Januar 1,12, im Februar 1,20 und im März 1,18 Millionen Tonnen, im April hat st« weiter abgenommen. Jim aller Welt. Werftbrand in Hamburg. Seil Monkag 6W Uhr abends steht ein Teil der gpckßea Schiffs- werft Blohm 6- Daß in Flammen. Rauch und Feuerfäulen sind über der ganzen Stadl sichtbar. Es handelt sich um einen Brand der Lagerschuppen. Einzelheiten fehlen noch. Die Leichen der beiden ermordeten Bürgermeister Busse und Werner sind in der Nähe vom Kümmelbacherhof bei Heidelberg gefunden worden. Die beiden Leichen lagen etwa 20 bis 30 Meter unterhalb des Weges am steilen Bergabhang und waren vollständig mit Felsbrocken bedeckt. Der Täter hotte sich an einer Wegkreuzung ein förmliches Lager aus Moos und Tannenreisern errichtet und hat sich durch Ausroden von Sträuchern ein Schußfeld geschaffen. Auf einer Buche war eine Gabel zum Auflegen des Gewehrs angebracht. Man fand dabei eine noch unabgeschoffene Jnfanteriegewehrpatrone. Bürgermeister Werner wurde 80 Meter unterhalb der ersten Mordstelle gefunden, so daß es ihm anscheinend möglich war, zu fliehen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß er von einem zweiten Täter niedergeschossen wurde. Die Leiche wurde dann den Hang hinuntergeschlcift und dort verborgen. Um zwei Uhr nachmittags trafen die Gerichtskommission aus Heidelberg und Beamte der Heidelberger Staatsanwaltschaft mit dem der Täterschaft verdächtigen Eisenbahnschlosser S i e f e r t an der Mord- stelle ein. Siefert wurde zuerst an die Leiche Werners geführt, er- klärte aber mit unbeweglicher Miene, er habe weder die Tat be- gangen, noch sei er jemals an diesem Platz gewesen. Dann wurde Siefert an die Leiche Busses und an den eigentlichen Schauplatz der Tat geführt. Hitzewelle. In Paris sind vom 23. Mai bis 11. Juli nur zwei Millimeter Wasser gefallen. Größte Trockenheit in Paris wies bisher die Periode vom 15. März bis 3. Mai 1893 auf, wo nur 3 Millimeter Wasser gefallen waren.— In gewissen Gegenden Eng- lands stieg das Thermometer bis zu 33 Grad, was seitlOJahren nicht mehr festgestellt wurde. Das kindersterben in Men. Die neuesten Statistiken der Zcn- tralkommission für Bevölkerungsstatistik zeigen, daß im Zeiträume von 1910 bis 1921 Wien 10 Proz.= 190 000 Seelen feiner Bevölkerung verloren hat. Der Bevölkerungsrückgang macht sich am stärksten in der Kategorie der jugendlicGen Personen erkennbar. Von den 190 000 Personen kommen nämlich 130 006 auf Kinder und Jugendliche. Prozeß gegen einen Wunderdoktor. In Graz fand am 5. Juli ein inieressamer Prozeß statt. Der sogenannte Wunder- doklor Hans Reinbacher war wegen Kurpfuscherei an- geklagt. Jeden Sonntag pilgerten viele Hunderte von Kranken zu dem Wunderdoktor, i» der Hand eine gesüllte Flasche, aus welcher der Wunderdoktor nicht nur jede Krankheit, sondern auch das Alter und das Aussehen der vielfach nicht anwesenden Kranken bestimmte. Der Wunderdoktor erzielte ein Rieseneinkommen, und sogar Pro« fessoren und Aerzte sollen sich bei dem Wunderdoktor ein« gefunden haben. Als er zur Verhandlung erschien, wurde er von vielen Hunderten von Personen unter st ü r»r i s ch e n Hoch« rufen zum Gerrchtssnale begleitet. Bei der Verhandlung erklärte der Wunderdoktor, daß. er seine Patienten nur mit Tee behandele. Der Wunderdoktor wurde zu 10000 Kronen Geldstrafe verurteilt. Auf der Straße wurde der Verurteilte von seinen Patienten auf die Schultern gehoben und unter großen Ovationen zur Eisenbahn getragen. Das Schicksal der Fremdenlegionäre. Wie Havos aus Cosa- blanca meldet, hat dort das Kriegsgericht drei deutsche Fremden- legionäre namens P a u l m a n n, R e tz und L a u r a t h zn je sünf Jahren Zwangsarbeit wegen Desertion verurteilt. Was sich lohnt. Di« Eintrittsgelder für den großen Bö x- wettkampf zwischen Earpentier und Dempsey ergaben 105 815 Pfund Sterling. Davon gingen ungefähr 233 500 Pfund ab für den Bau des Stadions und für die Gagen an Earpentier und Dempsey, Steuern und andere Unkosten. Der Veranstalter des Wettkampfes hat einen Reingewinn von mindestens 160 000 Pfund. Der Box- kämpf überschattet in der USA.-Presse weitaus den Friedensschluß mit Deutschland...._ Vorträge, vereine and Versammlungen. Stenographenderein Stokze-Eckrey, Rardbezirt. Uebunzen für Damen und Herren Dienstag von 7�4 bis fi'/i Uhr in der 120. Ge- meindeschule. Gartenftr. 107».— Mieterverdand Schöneberg. Oeffentliche Wie- terversamlungen am Dienstag, den 12. Juli, abends'48 Uhr, 1. in der HohenzoNernschule. Pelziger Str. 48/ 2. in der UHIandschule. Kolonnenstr. 21, im.Selmholh-Realghmnasium. Rnbensstr, lFriedenaner Ortsteil). Thema: Mieternot und Mielerrecht(die gegenwärtige Höchstmiete). Protest gegen die Svruchoraris des Schöneherger MieteinigiingsamteZ.— FlitchtlingSfiirslitge des lkinndes der dentschen Mrenzmarken-Schnlverbiinde Potsdam. Kinder- ferienspaziegänge der Arbeilerschnst. Treffpunlt täglich �43 Uhr b. Fritz, glm- merstr. 10.— Hanptverein silr Gabelsbergersche Stenographie in Berlin ffi. B. 148 Uhr Luifenstädtische Oberealfchule, S. 14, Dresdener Str. 113 und Hotel „Deutscher Hof", Luckauer Etr. 16. Wetterbericht bis Mittwoch mittag. Warm und vielfach heiter, nur vortibergebend stärkere Bewölkung und strichweise leichte Gewitter. Am 10.; Groß- und< luli verstarb mein lieber Mann, unser Vater, Schwiegervater 3630b ttsinnick Damsch Im Alter von 73 Jahren. Dies zeigen schmerzerfüllt an Fran Luise Datnsch nebst AngehSrixen. Berlin, Adalbertstr. 20. Die Einiischernng findet Donnerstag, den 14. Juli, nachm. 2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Kranzspenden höflichst verbeten. Konkurrenzlose Preise! | Fahrradreifen 48 | Qara R öebi I Fal" I Autore K Fahrr .— M. bis 125.— M. Garantiereifen........ von 70.- m. an Gebirgsreifen, Prima....... 80- M.(1 Jahr Garantie) Pahrradschläuche, ia Gummi.. 1650 m. bis 20- m. Karbid—— Oel- Autoreifen- und Berlin, Elsasser Str. 89 Fahrrad-Haus am Rosenthaler Tor Deninftclmt ersctaeint: demnächst erachelnt: % RUSSISCHE KORRESPONDENZ Wp. 6. 3615b* INHALT: E. PreobraschenskI: Ein neuer Zeitabschnitt, /Gesetze Uber Naturalsteuer./ N. Lenin: Zur Frage der Naturalsteuer./ J. Larin: Zurückbiegung oder Ausrichten der Front.(Ueber den neuenWirtschaftskurs) /W. P. Miljulin: Die gegenwärtii en Fragen der russischen Volkswittschatt./ L. Chintschuk; Die neuen Aufgaben der Genossenschatten, i A. Sv. iderski: Die praktische Durchführung der Naturalsteuer, i Die gegenwärtige Wirt- schattspolitik Sowjel-Rußlands(Resolution, angenommen von der Allrussischen Konferenz der Kommunisti- scliwi ParteiRußlands. Moskau, Mai 1921)./ W. P. Miljutin: Die Wirtschaftspolitik des Obersten Volkswirt- sohaftsrates./ A. Rykow: Die Lage der russischen Volkswirtschaft./ A. Kaktyn: Vom alten Obersten Volkswirtschaftsrat zum neuen Volkswirtschaftsrat./ A. Kaktin: Naturalsteuer und Klelnindustrie./ N. Lenin: Instruktion des Arbeits- und Verteidigungsrats an die lokalen Sowjetcinrichtuneen(Entwurf)./ I. Larin, A. Holzmann, N. Aismont: Austauschfonds und Arbeitslohn./ E. Varga: Die Organisierung der bäuerlichen Landwirtschalt./ E. PreobraschenskI: Papiergeld und Zwangswirtschaft./ Leschawa: Die Einfuhr und Austuhr Sowjet-Rußlands./ M Piolunkowski: Das Problem der Arbeitsorganisation in der Produktion. lieber die Naturalprämien(Bericht an den Rat der Volkskommissare). /N. Ossinski: Die Ergebnisse einer Studienreise./ Von der Tätigkeit des Allrussischen Zemral-Exekutivkomltees./ J. Brandenburgsky: Die Kommunisten und die Genossenschaften./ N. Ossinski: Die„alte" und die„neue" Politik der russischen Kommunisten./ Der IV. Allrussische Kongrell der Oewerkschaflsverbände./ A. Bubnow: Die Hauptmomente in der Entwicklung der Kommunistischen Partei Rußlands, i M. Tuchatschewsky: Die Rote Armee und die Miliz. I A. Winokurow: Die soziale Fürsorge in Sowjet-Rußland./ Mich. Pawlowftscht Die ökonomische Entwicklung und die Agrarfrage in Persien im XX. Jahrhundert./ W. Kerschenzew; Die Erfolge des neuen Theaters./ 0. Krshishanowski: Gründung eines wärmetechnischen und elektrotechnischen Instituts für wissenschaftliche Forschung./ F. Sscnjuschkln: Bericht über die Arbsit des Allrussischen Bureaus der Produktionspropaganda/ N. Ossinski: Die Aussichten der kommenden Ernte./ A. Jemschanow: « TI Oer Zustand des Transportes in Sowjet-Rußland. Preis 6 H � � Zu beziehen durch Frankes Verlag G.m.b.H., Leipzig, Kreuzstraße 3b. Berlin, Blücherplatz 2 ScbiaMglieit? Kopfscbmerz? Nervosität? YISCITIN Nerven-Tabletton! j Best.; Eiweiß— Kohlehydr lecit.— Baldr.-Verb. Schachtel 7,50 M. Ueberau erhältlich.{ Fabriklager: H. Lehmann, Berlin W 5, Würzburger Str. 17. Veröffentlichungen des Verlages der Kommunistischen Internationale Schriften von Karl Radek; Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches (mit 6 Reproduktionen)........ geb. Theorie und Praxis der 21/., Internationale.. Die Masken sind gefallen(Eine Antwort an Crispien, Dittmann, Hilferding)...... Soll die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands eine Massenpartei der revolutionären Aktion oder eine zentristische Partei des Wartens sein?.......... Die auswärtige Politik Sowjet-Rußlands... geb. Das Programm des sozialistischen Wirtschaftsaufbaues.............. Das dritte Jahr des Kampfes der Sowjet-Republik gegen das Weltkapital......... An der Schwelle der großen Aufbauarbeit in Sowjet-Rußland........... Die innere u. äußere Lage Sowjet-Rußlands u. die Aufgaben derKommunistischen Partei Rußlands DerX. Kongreß der Kommunist. Partei Rußlands Zu beziehen durch die Carl im Ul. Louis Hamburg 11 3624b* Ifein Ausverkauf! Niemand braucht xu einem„Ausverkauf** laufen, wenn er unser Kunde Isll Vergleichen Siel Sie kaufen bei uns besser und billiger I Versuchen Siel Kein Ausverkauf! ißUcMnl... imnicr bfllijl... hnmer preiswert...»gui Unser Geschäftsprinzip: Gute Ware stets preiswert bringen— ist die beste Empfehlung; ob Arbeiter, ob Handwerker, ob Mittelstand, ob arm oder rei?h: Einer sagt's dem andern gl N> Nachstehend nur einige besonders preiswerte Artikel aus unseren großen Beständen, welche den Beweis unserer Leistungsfähigkeit und die Preiswürdigkeit unserer Waren zeigen sollen: B E I Herren-Anzüge«so, szo,«o, 390 290 Burschen- u. 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SZ-SZ Geichästszeft von vorm. 9 llhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 185. 1239. 1987, 9714 TouuerStag, den 14. Juli, nnchmittags S Uhr, im Dresdener Geiellschaftshaus, Dresdener Straße IIS: Versammlung aller in den Eisenmöbelbetrieden Beschäftigten. Tagesordnung: 1. Bericht von den Berhandlunge» mit den Unternehmern. 2. Verschiedenes. Mittwoch, den IZ. Juli, nachmittags",5 llhr, im Märkischen Hof, Admiralslr. 180: WervrljelllWe DerftauensMetlonM der(Sraveure und Ziseleure. 8W Wichtige Tagesordnung.-HWgs 93/12 Die OctaDettoalfnng. KLEINE ANZEIGEN nehmen folgende„Vorwärts"- Ausgabestellen sowie Geschäfts- stellen der Zeitungs- Zentrale(Z.-Z.) Aktiengesellschaft an: Südwest: Llndenstr. S, N. Kos parterre.— Zerusalemer Strafte 5/6, Lauvtgeschäft. Zentrum- Ackerstr. 174, am Koppenpl. Geöffnet pon 9—6 Uhr. Westen: Steglitzer Str. 37, Ecke Magdeburger Strafte. Geöffnet von 9—6 Uhr. Süden: Bürwaldstrafte»2, a. d. Gneisenauslrafte. Geöffnet von 9—6 Uhr.— Prinzenstr. 31, Hos recht» pari. Geöffnet von 9— 6 Uhr. Osten: Marluestr. 36. Geöffnet von 9—6 Uhr.— Petersburger Platz 4. Geöffnet von 9—6 Uhr. Südosten: ijausttzer Plag 14/15. Geöffnet von 9—6 Uhr. Zlordostent Immanuelfirchstr. 24. Geöffnet von 9-7-6 Uhr. Moabit! Wilhelmshavener Etr. 48. Lübecker Etr. IL Ge- öffnet von 9—6 Uhr. Sedding! Müllerftr. 84», Ecke Utrechter Strafte. Frau Schneider Reinickendorfer Str. 11. Papiergeschäft, Gingang Schönwalder Strafte. Geöffnet von 9—6 Uhr. Rosenthaler und Oraaienbarger Vorstadt: Wattstr. 9. Geöffnet von 9—6 Uhr. vesundbrnanea: Bastianstr. 7. Geöffnet von 9—6 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Greifenhagener Str. 22. Geöffnet von 9—6 Uhr. Adlershof, Alt-Glienlcke: fftL Walter, Bdlershof,(Sc- nossenfchaftsstr. 6, parterre. Beumfchnlenweg: Frau Röpke, Riefholzstr. 180, Laden. Verna», Röntgeatal, Zepernick. Schövdrück. Rarow und Buch: Heinrich Brote Bernau Mübtenstr. 5. Biesdorf: W. Dannebera. Biftortastr. 11. Bodnsdors: Koriemann. 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Riederschöneweid«: Hartramps, Brückenstr. 10 IL Riedeeichönhausen.«ordtnd: ffi. Schiiedener Tres» kowftr.>4. Rowawes: Karl Rrohnberg. Sifendahnstr. 10. Oranienburg: Heinr. Loenhardt, Vtralfunder Str. 6. Oberschöneweide: Roberl Paul Malhildenstr. 5. Pankow: R 1 ft m a n n Mühienstr. 70. Potsdam: Frau Lack, Ruriüettensteafti IL Rahnsdorf: T e 1 ch e r 1 Forststr. 7. «einickendoei.ON SchönhvU: Albert Wahle. Provinz strafte 56(Laden! Reinickendors-Rosenthali W. Büro. Prinz-Heinnch-Etr. 34. Schmargendorf: R e h a b, Breite Str. 4. Schönebeeg: Beiziger Str. 27. Geöffnet von 9—6 Uhr. Senzig: Krtedewald Chausteestr. 54. Siemendstadt: Stein Ronnendamm-Alle« 92 a. Spandau: Bnltack, Moritzftr. 14, Garth. 3 Tr. Staaten: Frau R u f e t a u, Staaten, Echeidtftr. 12. Südende: Ludwig. Salstestr. 36. Steqtttj: Schildbornftt. 2a.___ � Tegel, Borsigwalde, Reinickendorf. Rest,«aidmannslust, Freie Scholle, Hermsdorf, Birtenwerder,»ergtelde, Stolpe und Borgsdoef: Borsigwalde, Räuschstr. 16. 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Jackenarbeiterinnen selbständige die in ersten Häusern tätig waren, verlangt Hernnsun Qerson. den ablehnt, wurde, nachdem u. a. die Genossen Seger und Lieb mann ausgeführt hatten, dah eine solche öffentliche Desavou- rierung nicht nötig fei, da an der Zluffaffung der Partei kein Zweifel bestehen könne, vom Antrag st eller zurückgezogen mit der Begründung, daß die Landssversammlnm bereits im ersten Absatz ihrer Resolution über die Cinheitsfrrnu die Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien abgelehnt habe. Es wäre auch ein arges Unrecht gewesen, hätte man Jaeckel mit Steinen beworfen, weil er den Mut gehabt hat zu sagen, was die meisten Unabhängigen denken. Bei dieser Gelegenheit noch ein Wort. Die„Freiheit" kritisiert ein paar Sätze, die Gen. N o s k e als Oberpräsident der Provinz Hannover auf einem Schützenfest gesprochen haben soll, und knüpft daran die Bemerkung, Noske habe sich durch „Abschuß vieler Arbeiter" den Titel eines Schützen- königs verdient. Noske wird es ja wahrscheinlich gleichgültig sein, wenn ein„Freiheit"-Nedakteur durch unablässiges Schimpfen auf ihn die Unverbrauchtheit seiner radikalen Ge- sinnung beweisen will. Wir aber, die Noskes Fehler oft hart getadelt haben, halten uns für verpflichtet, gegen solche G e- m e i n h e i t e n, wie sie der Artikel der„Freiheit"„Schützen- könig Noske" enthält, aufs nachdrücklichste zu protestieren. Der Verfasser jenes Artikels wird sich den Noskekoller abgewöhnen müssen, wenn er die„proletarische Einheitsfront" nicht zur Farce machen will._ Kahr-Justiz. München. 11.?uli.(Eigener Drahkbcrichk des„vorwärts".) Leutnant Brand, der erst vor einigen Tagen vom Dolksgerichk Üasüru wegen Landfriedenshruch, begangen bei einem Theater- skanoal, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, faß vorgestern wieder auf der Anklagebank der Strafkammer Vassau wegen Beleidigung, gefährlicher Körperverletzung und schweren Hausfriedensbruches. Am 19. Zannar war er mit zwei weiteren jüngeren Offizieren und einem Re'chswehrfoldalsn in das Re- daklionszimmer der sozialdemokratischen„Tliederbayerischen Volksmacht" in Vassau eingedrungen, hatte den SSjährigen Redakteur mit Schimpfworten wie Lausbub. Tropf, Kerl usw. reichlich bedacht, eine milgcln achte Reitpeitsche hervorge-ogen und blindlings aus den Ätehrlosen eingeschlagen. Dieser schleuderte ihn beiseile und griff zu einem in der Röhe liegenden Revolver, er wurde jedoch überwältigt und ihm eine V'stol? auf die Brust gesetzt. Der Ge- richtohos kam zu folgendem Urteil: Die Beleidigungen die an Schwere nicht zu übertreffen sind, wurden mit Zl> Rl. Gelds- rase nl'r. ausreichend gesühnt erachtet, die mit einem gefährlichen Instrument begangenen Körperverletzungen und der schwere Hausfriedensbruch sind mit drei Wochen Gesöngnis ge- vügend aeohndet worden. Die Geldstrafe sowohl als die Gefängnis- slraie sind durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt an- genommen. Der.?ali K r e st i n s k y ist bis zur Stunde noch nicht geklärt. Die Beschwerde der russischer, diploinaiifchen Vertrckung bei der Rsi-fersaiernng ist bis jelzi bei der bayerischen Behörde noch nick). eingelausenl?) Die Münchener Zremdcnpol'nei bleibt nach wie vor aus tbrem Standpunkt stehen, sie bemüht sich im Geo-mteil eine Bestrafung der beiden Russen, wegen Verletzung des Aremdenpoiizei- aese�es herbe�ysuhren. um ihnen die Rückkehr nach Bayern für rne Zukunft unmöglich zu inachen._ D?e Freisprechung StepKcm �rieörichs. Budapest. 10. Juli.(IIS.) In dem Mordprozeß Tifzo ist die Anklage gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Stepban Friedrich wegen Anstiftimq zum Morde zurückgezogen worden Auch die Freisprechung der beiden anderen Angeklagten Keri und F e n y e s dürfte in einigen Tagen erfolgen. Diese Wendung ist aus r'ic Aussage des Zeugen N a? h e g y i zurückzuführen, der unter dem Kreuzverhör der Verteidiger feine ursprüngliche, belastenden Ausjagen nicht aufrechterhalten tonnte, sondern sich Au nem vollen Geständnis fcincr lügenhaften Darstellung beauemen mußte. Sein Geständnis eröffnet einen furchtbaren Ein- blick in das Labyrinth einer mit verbrecherischen Mitteln betriebenen Hetze, deren Zweck es war, drei an dem Morde völlig unbeteiligte Verlanen an den Galgen zu bringen. Naphegyi selbst getraute sich noch nicht, die sehr einflußreichen Urheber zu nennen, aber jedes Kind in Budapest kennt die Namen. Die geistigen Leiter der verleum- derischen Anklage rekrutierten sich aus aristokratischen Kreisen, die aus politnchen Gründen zunächst den Emporkömmling Friedrich, trotzdem er den bluttriefenden weißen Gcgenterror eingeführt hatte, unschädlich machen wollten>»vd dann später, um die Sache glaub- würdiger erscheinen zu lassen, auch.ie linksstehenden Politiker Keri und Fenyes darin verwickelten. Sie röffneten ein eigenes Bureau, in dem die belastenden„Indizien" fabriziert wurden. Die ubcl/en politischen Desperados, der Abschaum der Borstadtkaschemmen. Re- volverjournalisten und Winkeladvokaten stellten sich gegen klingendes Entgelt in den Dienst dieser Sache. Meineide wurden zu Dutzenden geleistel, ganz unschuldige Personen in diese Hetze hineingerissen und ge- zmungen, gegen die ÄngeNagten auszusagey. Wo die Bestechung nichts half, arbeitete in der Gefängniszelle der Gummiknüppel. Bersonen, die trotzdem standhaft blieben, kamen auf ocheimnisvolle Weise um. So fand man eines Tages den Angeklagten Dabo, der hartnäckig an der einmal gemachten Aussage festhielt, t o t in seiner Zelle vor. Den Oberleutnant Gürtler, der durch seine Kennt- nis der Wahrheit gefährlich schien, schwemmten die Fluten des Blattenlees als Leiche ans Ufer. Ein Untersuchungsrichter, dessen Ehrgefühl offenbar größer war, als fein Mut, die Oeffentlichkeit von diesen Vorgängen in Kenntnis zu setzen, beging Selbstmords Ueberall hinein reichten die Fäden der geheimen Clique, und auch über der Vorimtersuchung und dem hauptverfahren schwebte zeit- weise der blutige Schatten des berüchtigten Vranay-Detachemenls. Erst bei der jetzigen Verhandlung vor dem Zivilgericht gelang es der Verteidigung, diese Machinationen vor aller Welt aufzudecken. Es war eir überaus dramatischer Moment, als der Verteidiger Polonyi dem schon in Widersprüchen verwickelten Zeugen Naphegyi zurief: „Wenn Sie an einen Gott glauben, wenn Sie noch einen»umen Ehrgefühl besitzen, so geben Sie der Wahrheit die Ehre und belasten Sie Ihr Gewisien nicht damit, unschuldiae Menschen dem Henker auszuliefern!" Der Zeuge brach in des Wortes buchstäbliaisier Bedeutung zusammen und fing an zu schluchzen. Erst nach einigen Minuten tonnte er sich fassen, widerrief nun seine bisherigen Aussagen und deckte die ganze hier geschilderte Verschwörung auf. Die Freude Friedrichs über seine Freisprechung wird einiger- maßen dadurch getrübt, dah in der verflossenen Verhandlung seine abenteuerliche Laufbahn und seine charakterlose Haltung als Politiker bewiesen wurde. An der Ermordung Tiszas freilich ist er unschuldig. Wer nun die wirklichen Mörder sind, kam man sich einigermaßen dann klarmachen, wenn man bedenkt, daß die unaarische Hauptstadt in den kritischen Troen des Oktober 1018 von Zehntousenden descr- tierter Soldaten erfüllt mar, die auf offener Straße Tadesdrohungen gegen Tisza ausstießen. Ohne Zweifel war es meuternde Soldateska, die in das Haus Tilzas eindrang und seinem Leben ein Ende setzte. Das mutiae Verhalten des Grafen Tisza in keiner Todesstunde hat seinem Schicksal eine gewisse Tragik verliehen. Die Freunde des Ermordeten aber haben seinen gewaltsamen. Tod benutzt, um ihn zum Ausgangspunkt eines Iustizoerdrechens zu machen, das in der neuzeitlichen Geschichte vielleicht einzigartig dasteht. Die hochvLikatsaffZre keselttf. Budapest. 10. Juli. tUK.) Der Abg. Mesko wird im Parlament den Antrag stellen, außer den Mitgttedern des Kabinetts Karoly auch sämtliche Mitgieder des ehemaligen Nationalrats unter Anklage zu stellen, serner das gesamte Kabinett Wekerle, weil diese Regierung es seinerzeit unterlassen habe, die Hilfe des Militärs in Anspruch zu nehmen, als die Revolution ausbrach. Abg. Abraham veröffent- licht in den Budapester Zeitungen eine Erklärung, in der er jede Schuld bestreitet und den Prinzen Windischgrätz öffentlich als Verleumder bezeichnet. Es werden also zahlreiche Hochverrats- und Beleidigungsprozesie die Folgen der Enthüllungen Windischgrätz' sein. Auf Grund seines Buches„Vom roten zum schwarzen Prinzen ist Windischgrätz schon von dem deutsch-östcrreichischen Außenminister a. D. Dr. Otto Bauer öffentlich der Lüge und Verleumdung ge- ziehen worden. Der Hauptanklagepunkt gegen Karoly!, der jetzt in Südslawien lebt, ist seine mit Wissen und Förderung des Außenministers Graf Czernin erfolgte Zusammenkunft mit französischen Friedensfreunden in der Schweiz. Budapest, 11. Juli.(DA.) Der Oberste ungarische Gerichtshof hat gegen die früheren Ministerprädsidenten Karolyi und Weierle Haftbefehle wegen hochverratsoerdacht erlassen. Zwang LVeiß-Not. Aus Oberschlesien wird dem„Vorwärts" geschrieben: Seit dem 6. Juli befinden wir uns wieder in Postverbindung mit dem übrigen Reich. Da bekomme ich auch den„Vorwärts" wieder, und da fällt mir immer auf, daß es in der deutschen R e- publik noch Behörden gibt, die sich königlich oder kaiserlich nennen. Da ist Korfanty und sein Anhang schon radikaler! Da, wo Korfanty herrscht, gibt es nur noch weiß-rote Wegweiser und statt schwarzer Adler weiße. Die Geschäftsleute und Gewerbetreibenden mußten ihre Schilder ändern: roter Grund und weiße Buchstaben. Damit soll natürlich allen Ausländern, die hinkommen, gesagt wer- den: Seht, wir sind schon polnisch! Oppeln nach Benthe«? Oppeln, 11. Juli.(WTB.) Die Loge in Oppeln ist gespannt. Polnische Apobeamte, die zurückkehrten, gerieten in Konflitte mit deutschen Flüchtlingen, bei einer Razzia auf sich nachts herumtrei- bende Frauen, die von der Apo abgehalten wurde, erhielten zwei Frauen und ein Franzose bei der Flucht Schußverlehungen. Die Franzosen ziehen Verstärkungen heran. Ein Sekretär Korfantys wurde in Oppeln von Unbekannten belästigt.— Infolge des Verbots der„Oppelner Zestung" mußte deren gesamtes Personal ent- lassen werden; wegen dieser Brotlosmachung hat unter der Oppelner Arbeiterschaft eine Bewegung eingesetzt, die unter Umständen zum Streik führen kann. Ruhe in Benthe«. In B e u t h e n ist jetzt die Polizeistunde auf 8 Uhr, der Schluß des Straßenverkehrs auf 0 Uhr abends festgesetzt. Die englischen Truppen haben die Franzosen mehr und mehr abgelöst. Von heute ab sollen sämtliche Funktionen der Ententebehörden auf die Eng- länder übergehen. Die Aufhebung de s Belagerungszustandes und damit der Fortfall der Pressezensur dürfte nur noch eine Frage von wenigen Tagen sein. Redakteur Fischer von der„Ostdeutschen Morgenpost" ist im Wege des Austaujchs von Gefangenen frei- gelassen worden. Mehrere englische Tanks sind eingetroffen. Die Stadtteile Friedenshütte und Roßberg erhielten ausschließlich sranzöflsche Be- satzung. Nur keine Franzosen! Ralibor, 11. Juli.(WTB.) Dem„Oberschl. Anz." zufolge richtet'n die Eisenbahn- und Postbeamten und die Dahnarbeiter Iiis Eisenbahnknotenpunkts Nendza an den Kreistontrolleur in Ratibor einen Protest gegen die beabsichtigte Besetzung Ncndzas und seiner Umgebung durch die Franzosen-, sie fordern die Beide- Haltung der Besetzung durch Italiener oder Engländer und erklären, ihre Forderung gegebenenfalls dllrch Stillegung des Betriebs unter- stützen zu wollen. Die gesamte dortige Bevölkerung habe kein Ver- trauen zu einer französischen Besatzung und wolle gegebenenfalls zur Selbsthilfe schreiten. Eine Abschrift dieser Entschließung wurde an das Verkehrsdepartement Oppeln gesandt mit der Forderung, an Stelle der französischen Besatzung einen mit Gewehren be- waffneten Baynschutz in Stärke von 48 Mann zu genehmigen. Nendza ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt mit sechs Brücken, vielen Werkstätten und Stellwerken. Polnischer frieden. Venkhen, 11. Juli.(WTB.) Gestern nachmittag wurden acht aus Godullahütte stammende Männer, Angestellte des deutschen Plebiszitkommissariats Beuthen, auf dem Wege von ihrem chcimatsorte von einer etwa 20 Mcmn starken Bande überfallen. Der Angestellte Stefan Orlowski wurde durch drei kopsschüsse niedergestreckt. Der Angestellte Kulik soll nach Polen verschleppt worden sein. Ein dritter Angestellter wurde ebenfalls festgenom- men, doch gelang es ihm, zu entfliehen. Die übrigen gelangten auf Umwegen nach Beuthen zurück. Orlowski wurde von dem jüngst aus dem Beuthener Gerichtsgefängnis entsprungenen, des Raubmordes angeklagten Anton Musiol erschossen, der von einer Reihe von Zeugen einwandfrei erkannt worden ist. kottowih. 11. Juli.(MTB.) Sonnabend nachmittag drangen bewaffnete Insurgenten in das Lager der Roksiandsversorgung in Vogulschüh ein und plünderten es, ohne irgendwie behindert zu werden, innerhalb von zwei Stunden aus. In der Hauptsache wur- den Kleidungsstücke, Schuhe und dergleichen geraubt. Auf dem Bahnhof Myslowitz bemächtigten sich„frühere" Insurgenten eines Waggons und stahlen S000 Liter Spiritus. Hrianü über Frankreichs fiußenpokitik. Paris, 11. Juli. WTB.) Die Kammer hat heute die Zusatz- k r e d i t e besprochen. Briand sprach über die syrische Frage. Er erinnerte daran, daß die Unterhandlungen über das Abkommen im Jahre 1916 den berechtigten Anspruch Frankreichs befriedigt haben. Infolge neuer Abmachungen handelt es sich nun darum, die Politik Frankreichs schärfer festzulegen und die Fragen der Abänderung des Vertrages von Seores über den Abschluß des Friedens mit der Türkei zu lösen, die für den ge- samten Verband eine gemeinsame ist. Wir können Zilizien nicht räumen, sagte Briand, ohne dort sichere Zustände hergestellt zu haben. Frankreich wird nicht daran denken, irgendwelche Eingriffe in das Nationalitätenprinzip vorzunehmen oder sonstwie in die be- rechtizten wirtschoftlichen Interessen der Türkei einzugreifen. Aber Frankreich wird seinen Ueberlieferungen nicht untreu werden. Es wird in Syrien bleiben und sein Werk nicht im Stich lassen. In Beantwortung verschiedener Anfragen über die Außen- Politik im allgemeinen erklärte Briand sodann: Wenn ich zu hoffnimgsvolle Worte aussprechen wollte, so könnte man sie vielleicht als übertriben verdächtigen. Aber die Erklärung, daß die Lage Frankreichs keineswegs beunruhigend ist, hält sich wert von einem übertriebenen Optimismus entfernt. Frankreich besitzt zur Wahrung seiner Interessen und seiner Würde die nötige Kraft, wo es auch fei. Die öffentliche Meinung in Deutsch- land mag weiterhin von dem alten Geist der Alldeutschen vergiftet bleiben, sie mag selbst von einem Rachefeldzug sprechen, der jedoch unmöglich ist: eine Tatsache bleibt nichtsdestoweniger bestehen: Frankreich steht am Rhein und kann nicht zugeben, daß Deutschland so umgestaltet werde, daß es eine Drvhrmg für Frankreich, darstellen könnte. Be! der Erörterung der Ereignisse in Ob ersschlesi en erklärte Briand, daß die französischen Truppen mitunter in eine äußerst schwierige Lage geraten waren, die zu ernstem Blutoergießen hätte sichren können. Aber die Regierung hat unter Billigung der Kammer alles ge- ton, um es zu vermeiden, daß das Land in eine Abenteuerpolitik gezerrt werde. General Le Rond hat seine Pflicht in be- wundernswerter Weise erfüllt(!) unter den allerungünstiasten Be- dingungen, die so undankbar wie nur möglich waren, denn Ober- schlesien steht nicht unter deutscher Oberhoheit, sondern wird von den Oberkommissaren der Verbandsmächte verwaltet. Briand spricht sodann über die Ermordung des Kommandanken Vlonkalegre. Da das Ereignis nicht in einem Gebiet unter deutscher Oberhoheit vorgekommen ist, war es die Aufgabe unseres Oberkommiffars, die Erhebungen anzustellen und den ganzen Fall zu übernehmen. Dagegen war der Schritt des deutschen Außenministers Dr. Rosen nur ein reiner Höslichkeitsakt. Briand trägt nunmehr von neuem dm französischen Standpunkt in der oberscki lesischen Frage vor. Die fran- zösische Regierung hält sich nur an den Friedensvertrag. Die Tat- fachen scheinen zugunsten Polens zu sprechen, und es müssen schon zwingende Beweisgründe gebracht werben, um zu anderen Ergeb- nissen zu kommen. Die Verbandsmächte find nur die Vertreter der Gerechtigkeit. Wir wollen nichts anderes als die ehrliche und genaue Durchführung der Bestimmungen des Friedensvertrages, die eine Abstimmung nach Gemeinden vorsah unter gerechter Berück- sichtigung der geographischen Verhältnisse. Briand geht zur Frage der Aburteilung der Kriegs- beschuldigten über und hebt hervor, daß diese Frage in dem Ultimatum besonders erwähnt worden war. Deutschland tat so, als wolle es diese Aburteilung vornehmen, aber die französische Regierung mußte zu ihrem Bedauern feststellen, daß die Anwesen- heit der französischen Abordnung in Leipzig vollkommen zwecklos war, da es sich ja doch nur um ein Theaterstück handelt(!). Briand faßt die gegenwärtige äußere Politik nochmals kurz zusammen und sagt, er habe ein militärisches Borgehen jederzeit zu vermeiden gesucht. Wenn ober unglücklicherweise die Alldeut- scheu die Uebermacht gewinnet sollten, wenn es ihnen gelingen sollte, das Ministerium Wirth zu vertreiben und Deutschland wie- der in eine Politik zu stürzen, die für Frankreich gefährlich werden könnte, dann möge ein jeder wissen: Frankreich besitzt alles, was es braucht, um die Lage wiederherzustellen. Nur ein Jahrgang wurde unter die Waffen gerufen. Die Kammer hat die Haltung des Ministeriums gebilligt. Die Kontroll- komnassion in Deutschland hat in allen Punkten vollste Genugtuung erhalten. Die Lücke in unserem Heer, welche durch die Entlassung des Jahrganges 1910 entstanden war, ist wieder ausgefüllt. Wir haben die Zwangsmaßnahmen ergreifen müssen 1. angesichts der deutschen Weigerung, die Reparationspflichten zu erfüllen, 2. wegen der nichterfolgten Bestrafung der Kriegsbeschuldigten, 3. wegen der mangelhaften Entwaffnung Deutschlands. Deutschland hat das Ultimatum angenommen. Wenn die Frage der Kriegsbeschuldigten vor die Verbandsregierungen kommen wird, so werden sie Deutsch- land fragen: Habt Ihr sie verurteilt? Wenn Wirth auch alles mög- liche getan hat, um sein Versprechen zu erfüllen, so genügt das doch nicht, um es Frankreich zu erlauben, auf die Sanktionen zu vekt zichten. Das ist unmöglich. Aber es ist auch für Deutschland nicht einmal wünschenswert, denn wenn später ettiMol eine alldeutsche Regierung ähnlich unannehmbare Handlungen be- gehen sollte, so wäre das noch etwas ganz anderes. Briand schloß mit den Worten: Wir haben es fertig gebracht, unseren Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Frankreich wird in einer nahen Zukunft aus seinem Sieg Nutzen ziehen und eine besondere Stellung einnehmen. Dazu ist es aber nötig, daß das ganze Land den Eindruck gewinnt, auf gefestigter Grundlage arbeiten zu können in wirtschaftlicher wie in finanzieller Beziehung. (Beifall auf allen Bänken.) Ein Kommunist abgeführt. lieber die wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands sprach Abg. Schulz(Komm.) am Montagabend im Stadthause vor einer Versammlung der städtischen Elektrizitätsarbeiter und Angestellten, natürlich mit reichlichen Anwürfen gegen die Sozialdemokratie. Selbstverständlich hatte er auch über den„Borwärts" und die„Frei- heit" zu schimpfen. Obwohl ihm doch genau betannt ist, daß die paar Sozialdemokraten, die heute in der Neichsregierung fitzen, alles aufgeboten haben, um die arbeitende Bevölkerung gegen die ihr von den reaktionären Parteien des Reichstags, namentlich auch von den Großagrariern zugedachten Lasten zu schützen, behauptete der Redner schlankweg dos Gegenteil»nd stellte die Tatsachen einfach auf den Kopf. Nur im Moskowitertum ist nach ihm das Heil des deutschen Volkes und der Welt. Alles nur die längst verstaubten Phrasen. Der Korreferent Gen. H e i n i g stellte zunächst die!In- nchtigkeiten des Vorredners fest, so auch, daß die Sozialdemokraten einen acht- bis vierzehnstündigen Arbeitstag einführen wollten! In der vom Referenten gemeinten Denkschrift werde vielmehr aus- drückiich gesagt, daß eine solche Verlängerung der Arbeitszeit ent- schieden zurückgewiesen werden müsse. Weiter wies Gen. H e i n i g die Beschuldigungen gegen den„Vorwärts" und die„Frei- heit" als grundlose Verdächtigungen ab. Auf dem kommunistischen Wege würde nur die Erstarkung der Reaktion und vollständig« Verelendung des Proletariats herbeigeführt werden In Rußland befinde sich das Proletariat in einer viel schlechteren Lage, als selbst in Deutschland, und von Freiheit sei unter der Tschekarepublik nichts vorhanden. Aus die Weltrevolution zu warten, müsse an- gesichts der in den Nachbarstaaten herrschenden sozialpolitischen Verhältnisse als ein ganz aussichtsleses Beginnen erscheinen. Auch die Sozialdemokratie erstrebe die Macht, ober nicht mit Maschinen- gewehren, sondern mit den Waffen des Geistes, mit der Gewalt des Gedankens wollen wir die Massen revolutionieren und zum Ziele führen. Gen. H e i n i g fand, obgleich er anfänglich vielfach unt»rbrochen wurde, im Verlaufe und am Schluß seiner Rede mehr Beifall als der kommunistische Referent. Nach der Aussprache, in der sich ein Redner der Unabhängigen sachlich ganz aus den Standpunkt des Gen. Heinig stellte, wurde eine sehr lange Resalution zur Abstimmung vorgelegt, in der u. o. die kommunistische Partei verspricht, den?lDGB. zu unter- stützen.(?!) „Mesbacher Echo." Unter diesem Titel wird die bayerische Sozialdemokratie als Gegengewicht gegen den berüchtigten„Mies- bacher Anzeiger" ein eigenes Organ in Miesbach herausgeben. Ob dieser Nachricht schon im voraus tobende Wut büi dem Hanswurst- organ, das unlängst seine eigenen Gefühle durch einen„dreimal gedrehten K..." versinnbildlichte. Es sollte sich beruhigen. In Sinnbildern aus dar hinteren Körpergegend wird ihm die Sozial- demokratie keine Konkurrenz machen! Oberpräsidenl Hörsing hat sein Mandat als Mitglied des Pren- hischen Staatsrates niedergelegt. An seine Stelle tritt Landrat Bergemann ans Kalbe. Der chinesische Gesandte in Brüssel Wei-che»-4sn ist zum Gesandten in Berlin ernamrt worden. Die Wahlen im Metallarbeiterverbanö. Von Bernhard Krüger, Betriebsrat in der LEG. Brunnenstr. Bald drei Jahre sind seit der Umwälzung von 1918 verflossen. Das deutsche Proletariat war in diesem entscheidenden Augenblick zerrissen und gespalten. Ein Teil glaubte, der Zukunsts- staat sei in greifbare Nähe gerückt. Die Errungenschaften der Re- volution, das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen, die Koalitionsfreiheit, der Achtstundentag, sie wurden als etwas Selbst- verständliches und Gleichgültiges betrachtet. Man schrie noch der Diktatur. Die Rruderkämpfe wurden mit der größten Er- bitterung geführt, während die Reaktion Zeit gewann, sich zu sammeln. Damals kämpften die sozialdemokratischen Arbeiter den Kampf für die Republik, für die Demokratie allein. Mit Stolz können wir heute unseren Genossen in der Werkstatt, in den Betrieben und den Bureaus zurufen:„Ihr habt trotz aller Verfolgungen und Schikanen, trotz oller Lügen und Verleumdungen treu zur Fahne der Sozialdemokratie gestanden, und wenn wir Euch damals sagten, es muß die Zeit kommen, wo auch das deutsche Proletariat er- kennen wird, daß nur auf dem Boden der Demokratie der Aufbau der sozialistischen Gesellschaft möglich ist, so zeigt sich heute, wie recht wir damals hatten." Auch die wirtschaftlichen Kampforganisationen des Proletariats, die Gewerkschaften, blieben von den Kämpfen nicht verschont. Unter der Parole, die Gewerkschaften müssen„revolutioniert" wer- den, wurde unter Außerachtlassung der Neutralität ein erbitterter Kampf gegen die sozialdemokratischen Kollegen geführt. Man hielt uns nicht mehr für fähig und würdig, den Posten eines Vertrauens- mannes auszufüllen. Wir warnten damals dringend vor dem Hineintragen des Parteistreites in die Gewerkschaften, weil wir überzeugt waren, daß dadurch die Kampftraft der Organisation ge- schwächt, der Zertrümmerung der Gewerkschaften der Boden bereitet und das Unternehmertum der lachende Erbe dabei sein würde. Die Entwicklung hat gezeigt, wie recht wir damals mit unserer Warnung hatten. Erbittert zogen sich unsere Kollegen aus dem Verbandsleden zurück, mit der Hoffnung, daß es auch hier sich zeigen müsse, daß letzten Endes nur mit Vernunft und mit dem notwendigen Wissen der wirtschaftliche Kampf geführt werden kann. Wie im politischen Leben, so ist auch im gewerkschaftlichen Leben eine Ernüchterung eingetreten und die drohende Zer- schlagung der Gewerkschaften durch die Taktik der KPD. hat auch hier das Proletariat aufgerüttelt. Die Arbeiterschaft hat die unge- heure Gefahr erkannt, die ihr droht, wenn der innere Kampf so wie bisher weitergeführt wird. Schreckten doch die Drahtzieher der KPD. selbst davor nicht zurück, sich die Not und das Elend der Arbeits- losen zunutze zu machen, um einen gewalttätigen Kampf gegen einzelne Personen und das Inventar der Gewerkschaften zu führen. Die Exzesse im Gewerkschaftshaus, die Lügen und Ver- drehungen, die die„Rote Fahne" über die dortigen Vorgänge ver- breitete, die schallenden Ohrfeigen, die sie von den kommunistischen Gewerkschaftsangestellten dafür erhiell, zeigen mit aller Deutlichkeit, daß man nach der bekannten Methode skrupellos und systematisch auf die Zertrümmerung der Gewerkschaften hinarbeitet. Der Erfolg davon wäre, daß das deutsche Proletariat wehrlos dem Unter- nehmertum gegenüberstehen müßte. Diese Erkenntnis hat bewirkt, daß ein tiefes Sehnen nach Einigung durch die Reihen der Arbeiterklasse geht. Schon bei verschiedenen Anlässen sind Versuche zwischen den SPD.» und USPD.-Kollegen, eine gemeinsame Abwehrfront gegen die Gewerk- schaftszerstörer zu bilden, mit Erfolg unternommen worden. Gewiß fehlt bei manchen USPD.-Kollegen die klare Erkenntnis, daß nur durch ein vernünftiges Zusammengehen mit uns die Schlagkraft der Gewerkschaft gefestigt und erhalten bleiben kann. Dessenungeachtet haben unsere Genossen mit aller Zähigkeit den Standpunkt, den sie seit Bestehen der Gewerkschaften vertreten haben, festgehalten und hoben unter Hintausetzung ihrer berechtigten Interessen u n a b- hängige Kollegen unter st ützt, selbst dann, wenn diese Unterstützung auf feiten der Unabhängigen fehlte. Der Deutsche Metallarbeiterverband hält nun im September 1921 seinen Verbandstag in Jena ab. Laut Beschluß des erweiterten Beirats können 2 Listen, eine Mehrheits- und eine Minderheitsliste, aufgestellt werden. Die SPD.- und USPD.» Kollegen beschlossen eine Resolution, in der ausgesprochen wird, daß, wo es notwendig ist, eine Verständigung zwischen den SPD.- und USPD.-Kollegen erfolgen soll. Auch in der Berliner Orts- Verwaltung machte sich eine solche Verständigung notwendig, wenn nicht die Gefahr drohen soll, daß die Berliner Metallarbeiter- schaft durch Mitglieder der kommunistischen Fraktion in Jena ver- treten werden soll. Nach schwierigen Verhandlungen ist eine Einigung erzielt wor- den: die Sozialdemokraten erhalten 27 Kandidaten und die Unab- hängigen Li) Kandidaten. Gewiß sind unsere Genossen mit dem Er- gebnis der Vereinbarung nicht zufrieden. Aber höher als Personen muß uns die Sache selbst stehen. Von diesem Gedanken geleitet, stimmten die SPD.-Metallarbeiter-Funktionäre den Abmachungen zu. Zwei Listen stehen also jetzt zur Wahl. Die Liste A ist die Liste der Kollegen, die auf dem Boden der Einheit und Geschlossen- heit der Organisation stehen, das ist in Berlin die Mehrheitsliste. Für sie zu werben in jeder Zusammenkunft, in jeder Werkstatt und in jedem Betrieb muß unsere heiligste Pflicht sein. Der Deutsche Metallarbeiterverband ist die größte Ge» werkschaft Deutschlands. In Jena wird um die Form unserer Organisation gekämpft. Gelänge es den Kommunisten, dort eine Mehrheit für sich zu gewinnen, so wären die Folgen für den Verband vernichtend. Es wird nicht geschehen! Im Reiche denkt man nicht daran, den Kommunistensput noch länger zu dulden. Aber auch die Berliner Metallorbeiterschaft muß mit aller Deut- lichkeit zeigen, daß sie es satt hat, sich von Maulhelden in ihrer praktischen Gewerkschaftsarbeit hindern zu lassen. Darum heißt es, alle Kräfte anspannen, all die Säumigen und Lauen auftütteln, da- mit der Sieg vollständig wird! �uAenüveranftaltungen. Dienstag, den 12. Juli: Pmikoi». Sckmle Wollantstr. 1S1. Vortrag:„Die Steinzeit".—«tittlifrii- dorf-Wcst. DollsliauS. Sawrnwekeritr. 114. Vortrag:..Erste Hilfe»et Unglücks- fällen".— Nofenthallr Vorstadt. Schule Strelitzer Str. 42/4Z. Bortrag:„Arbeiter und bürgerlicher Sport". GewerMaAsbewegung Die Ausbreitung öer Tarifverträge. Das Reichsamt für Arbeitsvermittlung veröffentlicht im 23. Sonderheft zum Reichsarbeitsblatt zum ersten Male genaue Angaben über die Ausbreitung des Tarifgedankens. Danach sind bis Ende 1919 rund sechs Millionen erwerbstätige Personen, gegenüber nur etwa 1H Millionen vor dem Kriege durch Tarifverträge erfaßt worden. Reichstarife wurden bis Ende 1920 insgesamt IIS abgeschlossen. Dort, wo Reichstarife noch nicht zur Durchführung kommen konnten, wurden umfassende Bezirkstarife abgeschlossen. Insgesamt wurden bis Ende 1920 vom Reichsarbeitsministerium 990 Bezirkstarife für allgemein verbindlich erklärt. Aerzte ohne Bezahlung. Im Gegensatz zu den an den städtischen Anstalten und Kranken- Häusern beschäitigten sogenannten Volontärärzten erhalten die an den Berliner Universitäten, Kliniken und an der Charits angestellten Bolontärafsistenten bzw. außerplanmäßigen Assistenten— etwa 50 an der Zahl— keine Bezahlung. Seit längerer Zeit schweben darüber zwischen dem KultuSminiiierium und den Aerzte- organisationen Verhandlungen. Aus.finanztechnischen Gründen" wurden die Herren auf eine Regelung der Angelegenheit bis An- fang des nächsten JabreS vertröstet. Jetzt hat sogar die Charitö- direktion auf Veranlassung des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung den Unterarztdiensttuern, die bisher teilweise freie Station hatten, diese entzogen. Hinter den bv Aerzten, die um eine bescheidene von der Stadtverwaltung läng st anerkannte Lohnkorde- r u n g kämpfen, stehen die gesamten Aerzteorganisationen: Der Groß-Berliner Aerzlebund, die Aerztekammer, der Assistenzarzt- verband usw. Auch die Oeffentlichkeit hat ein Interesse daran, daß hier eine vrinzipielle Regelung erfolgt. Es geht nicht an. weiter- hin eine für die Krankenbehandlung absolut notwendige Tätigkeit unbezahlt zu lassen, auch wenn mit dieser Tätigkeit die Möglichkeit weiterer wissenschaftlicher Ausbildung verknüpft ist. Damit reserviert man nach der alten Methode solche Stellen den Söhnen der begüterten Bourgeoisie, die eS sich leisten können, fahrelang von der Unterstützung de« Vaters zu leben. Aermere Schichten der Aerzteichafl schließt man so von der Universitätsiarriere von vornherein aus. Die städtische Filmbörse. Wie die BS.-Korr. erfährt, wird die Stadt Berlin die Aus- zahlung der Erwerbslosenunterstützung an Filmschauspieler davon abhängig machen, daß die die Unierstützung in Anspruch nehmenden Schauspieler, Komparsen usw. ausschließlich die alleinonerkannte „städtische Filmbörse" im„Clou" besuchen. Di« Auszahlung der Erwerbslosenunterstützung wird dieser städtischen Film- börse angegliedert werden. Ferner steht der Erlaß einer auf die Verordnung vom 12. September lStg gestützten Polizeiverordniing bevor, die den Arbeitgebern der Filmindustrie die Verpflichtung aus- erlegt, ihren Bedori an Komparserie täglich in der Filmbörse im „Clou" zu melden, während sich andererseits auch die arbeitsuchenden Schauspieler dort zu melden haben. Dies« Maßnahmen richten sich gegen die von einigen Hilfsregisieuren ins Leben gerufene„Wilde F i l m b ö r s e" im Cafs Kolosieuin. Streik in der Geschäftsbuchbranche. Seit dem 27. Juni befinden sich die Kontobucharbeiter und -arbeiterinnen im Kampf. Ihre Forderungen sind mehr als gerecht und verlangen nicht mehr, als was die in den Buchdruckereien be- schäfligten Buchbinder bereits erhalten. Die Gefchäftsbuchfabrikanten glauben durch ihre Zugehörigkeit zu der Doppelorganisation Api- Berein Berliner Buchdruckereibefitzer das Recht herleiten zu können, ihr Personal als Arbeiter zweiter Klasse betrachten zu können, Wir sagen: Sind die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Ge- schäftsbuchiabriken nickt genau von demselben wirtschaftlichen Elend betroffen, wie ibre Kollegenschaft in den Buchdruckereibetrieben? Was sagen die Fabrikanten dazu, daß ein Teil der dem Api on« gehörigen Unternehmer bereits am 29. Juni ihren Arbeitern die Entlassung zugestellt haben, trotzdem Verhandlungen über die Arbeitsaufnahme zwiswen den beiderseitigen Organisationen statt- fanden? Mutet man den Kolleginnen und Kollegen der Geschäfts- buchbrancke unter solchen Bedingungen zu, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen? Die Unternehmer suchen durch Annoncen aller Art auf die Buchbinderei- und HilsSarbeitsrschait einzuwirken, man versucht durch HauS- und Heinrarbeit sowie in Kleinbetrieben der streikenden Arbeitnehmerschaft in den Rücken zu fallen. Wir erwarten die Solidarität der gesamten Buchbinderei- und Hilfsarbeiterschaft. Die von den Unternehmern versandten Schreiben, welche die Unter- schrist des BerbandSvorftandeS und die der OrtSverwallung trage», sind ein demagogisches Mittel, die Kollegenschaft zu bluffen und sind demgemäß zu bewerten. � Kolleginnen und Kollegen, unfer Kampf steht gut! Alle Be- mühungen der Uniernehmer, unsere Reihen zu spalten, sind nutzlos. Trage jeder dafür Sorge, daß keine Kollegin, kein Kollege zum Slreikbrecher werde. Uebt Solidarität! Die Streikleitung. ver Verkmeisterstreik in Deukschböhmen ist durch Verhandlungen beendet. 20 OOO elsah-lothringische Texlilarbeiker stehen im Abwehrstreik gegen Lohnreduknon und die Beihilfe der französischen Staals- gewalt zu diesem Anschlag auf die Volksgesundheit. Der Narional- feiertag des 14. Juli roll der Demonstration des elsaß-lothringischen ProlelariatS für die Ausgesperrten und Kämpfenden dienen. Verminderung der Arbeitslosigkeit in England. Die Zahl der tn den amtlichen Listen des ArbeirsmiNisleliumS enigerragenen Arbeitslose» betrug in der vergangenen Woche 2 ISS 727 gegen 2 177 899 in der Vorwoche. Die Minderzahl ist nach einem Be- richt deS Mitarbeiters des„Daitq Ehronicle" nur iebr gering, sie ist aber trotzdem lehr bezeichnend, denn feil vorigem September ist eS überhaupt da« erstemal, daß eine absteigende Bewegung der Arbeilslosenzahl zu verzeichnen ist. werftarbeiterstreik In Zapan. In Kode zogen 20 000 streikende Wertiarbeiter durch die Siadt und führlen roie Fahnen und Plakate mit sich mit der Aufschrift: Nieder mit dem Rapualismu»! Zlchtirna, artritjtofc MetallirSrUer! W IS. Juli findet die Abfertigung der Arbeitslosen, die Geld erhallen, oSn« vorherige Abgabe der Bücher ftati. Di» Kollegen, deren Woche am 15. Juki endet, erhalten am IS Jiilt an ihrem VerufSfchalter Aeldouillung, ohne vorher ihr Mitgliedsbuch abzugeben. Mitgliedsbuch. Stempelkart« und Verbandskarte find vorzulegeli. Am IS. Juli werden keine Mitgliedsbücher abgenommen.— Die OctSverwalluiig. n i iiwii Mus öer Partei. Geschichte der österreichischen 5ozialdemokrakie. Ludwig B r ü g e l, seit Jahrzehnten als politischer Journalist in Wien tälig und mit dem Wirken der politischen Parteien wobt- vertraut, hat es unternommen, in einem vierbändigen Werke die Geschichte der österreichischen Sozialdemokralie zu schreiben. Nach dem Unisturz haben sich Archive geöffnet, die früher niemandem zugänglich waren, so daß dem Geschichtsschreiber nunmehr sehr wichtige Quellen zur Verfügung standen, die viele Vorgänge erst richtig erkennen lehren. Ter erste Band behandelt die Frühzeit der Arbeiterbewegung bis zum Wiener Hochverratsprozeß. Der zweite Band�erzählt von den Siebzigerjahren bis zum Ende der Ersten Internationale. Der dritte Band stellt vornehmlich das große Ringen innerhalb der Arbeiterbewegung dar, in welchem Sozialismus und Anarchismus miteinander stritten und aus dem die einige Sozialdemokratie unter Viktor Adlers Führung hervorging. Der vierte Band führt die geschichtliche Darstellung vom Gründungsparteitag zu Hainfeld im Jahre 1389 bis zum Ende des Krieges weiter, stellt also die WahlrechtSkämpfe zweier Jabr« zehnte und das Wachsen der politischen Macht der Arbeiterklasse dar. Jeder Band wird ungefähr 300 Seiten umfassen. Die Wiener Volksbuchhandlung, YI/l, Gumpendorfer Str. 18, in deren Verlag da« Buch erscheint, legt Sublkriplionslisten aus, die durch jedwede Buchhandlung oder aber auch durch den Verlag selbst er- bältllch sind. Wer siob als Abnehmer bis 3l. August meldet, erbält jeden Band für 360 Kronen, nach dem 3l. August erhöbt sich der Preis auf 480 Kronen per Band.— Allen Bildungsansialien der Partei zur Beachtung!_ �rbeiterspor!'. Gründung einer Mnstrierte« Arbeiter-Sportzeitung. Mit einem Presseunternehmen großen Silks beschäftigt sich die Zentralkommission für Sport- und Körperpflege. E« soll ein Zentralwochenblatt im Format der Tageszeitungen erscheinen und reich illustriert werden, um vor ollem in der Oeftentlichkeit für den Arbeitersport zu werben. Der Verkaufspreis soll 40 Pf. betrogen, um eine möglichst große Verbreitung zu sichern. In den Arbeitcrfportverbänden sind zurzeit dreiviertel Million Arbeitersportler organisiert, dazu kommen noch etwa hunderttausend Kinder, ein Beweis, welche große Bedeutung der Arbeitersport schon jetzt in Deutschland er- langt hat. Die neue Zeitung wird über alle großen Veranstaltungen im ganzen Reiche fortlaufend unterrichten. Die Redaktion bleibt einstweilen in Leipzig, dem Sitz der Zentralkommission, für Druck und Verlag ist Berlin ausersehen. Da der bürgerliche Sport über eine große Anzahl von Sportzeitungen verfügt, so kann die Grün- dung der neuen Zeitung nur mit Freuden begrüßt werden. An- gesichts der großen Bedeutung des Sports für die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung wird diesem Zentralblatt der Erfolg sicher sein. Bundesregatta der Arbeiterruderer. Vom herrlichsten Weiter begünstigt, fand gestern aus dem Langen See die S. LundeSregalta des Freie» Rudeier-BundeS stalt. Neben den Ber- liner Arbeitei-Rudervereinen(Vorwärts— Freiheit— Collegia— Freie Ruderervereinigung— Ruderfreunde— Pichelsdorf« Rudergefelsschast) be- teiligien sich die Freien Rudervereinigungen Breslau und der Rudervcrein Lm�-n- Hannover an dem Rennen. Auf der 200 Meter langen Strecke Murienwsl— Tribüne de« Regaltaveretns lieferten sich unsere Arbeiter- rüderer bestige Kämpft, die daS Jweresse des zahlreich erschienenen Pu- blitums in hobem Maße beanspruchten und die ein sehr vorteilhaftes Bild von dem sportlichen Können der Arbeiter-Rudervereine gaben. Zehnmal konnten die Berliner Vereine als Erste die Ziellinie passieren: während die Hannoveraner den Vierer für Junioren, der zweimal gefahren werden muhte, ganz überlegen gewannen, gingen die Breslauer Gäste leer aus. Di« Wiederholung deS zweiten RenaenS machte sich infolge der Dlszivlin- lofigkcit eines Seglers unmöglich, der kurz vor dem Ziel die Bahn passierte und mit den beiden führenden Neunboolen kollidierte, aber glücklicherweift einen größeren Schaden nicht anrichtete. Zu bedauern bleibt bei dem sportlich glänzend verlaufenen Tage nur, dah die Tribüne noch manchen leeren Platz auswies. Wenn man weih, wivicl tausend Arbeiter an jedem Renntage die Rennbahn bevölkern, dann ist eS geradezu beschämend, dah sie dem Sport ihrer Klassengenossen nicht gröhereS Interesse entgegenbringen. Liegt es elwa daran, dah es hier nichts zu„tippen" gibt? Aber auch den Arbeitern, die glauben, nur in bürgerlichen«portvereinen lporltiche Befriedigung zu finden, sollte die gestrige Arbetterrcgatta zeigen, dah sich der Freie Rudcrer-Bund binter keinem bürgerlichen Verein zu verllecken braucht. Er hat gute Arbeit ge- leistet und em Können gezeigt, das Anerkennung verdient und gefunden hat. Nachstehend die Resultate: 1. Doppelzweier ohne Steuermann: 1. R. B. Vorwärts(Alkler. B-ntiii) 10:9»i 2. Pich-lsb-rger R.«es. 10:l5-„. Z. Veras. der Rudcrrreuiide.— 2. Vierer: 1. SS. A. Linden-Hannover(Stolze l. Law- brecht. Stolze II. Kampmann, St.: Heydorn) 8:53. 2. R. V. Vorwärts 9: 09. 3. R. V. Vorwärts.— 3. Doppelzweier für Junioren: 1. R. V. Collegla (King, Lorenz. Quast. Kunz. St.: Aich. Müller) 9: lO'i». 2. R. V. Vor- wärts 9: 14. 2. Vereinig, d. Ruderfreundc.— 4. Vierer für Anfänger: 1. Verl. R. V. Freiheit(LU. ArlUt. Meper. Pflanz. St.: Steinicke) 9:42. 2. R. V. Collegia 9:49. 3. R. V. Vorwärts.— 5. Erster Bierer: 1. R. D: Vorwärts(Geisberg, Lehmann, Bach. Michel. St.: Wolsf) 8:49. 2. R. B. Vorwärts L:S5. 3. B. R. B. Freiheit.— S. Doppelzweier für Junioren: 1. Freie SSnd.-Vcrg. p 1913(Sraf. Kraule, St: Dräger) 10:31. 2. B. R. V. Freiheit 10:24. 2. Freie Rud.-Verg. 1912.— 7. Leichter Vierer: 1. B. R. T. Freiheit(Stcinach, Georg Genegel, Fritz Gencgel. Krämer. St.: Rathmann) 9: S1. 2. R. V. Vorwärts 9:50. 3. R. W. Vorwärts. 4: R: B: Collegia: — 8. Doppelvierer für Senioren: 1. Vereinig, d. Ruderfreunde 8: 4544. 2. R. B. Collegia 8:51»/,. 2. R. V. Vorwärts. 4. B: R: V: Freiheit aufg.— 9. Einer: 1. R. B. Vorwärts(Bettin) 11:20. 2. R. V. Vorwärts 11:22. 3. Verg. d. Ruderfteunde. 4. Pichelsbergcr Rud.-Gcf. S. B: R: B: Freiheit aufg.— 10. Achter kür Junioren: 1. B. R. B. Freiheit lHtt, Arlilt, Meyer. Pflanz, Härtel,'Fischer. Gierte, Hammer, St.: Sleinickc) 8:25. 2. Freie R. Bg. Breslau 8:55. 2. R. V. Vorwärts.— 11. Doppelvierer für Ruderer über 25 Jahre: 1. Ver. d. Ruderfreuude(Marr. Schnigge, Noack, Lange, St.: Müller) 0:15%. 2. Freie Vg. 1913 9:45. 2. R. V. Vorwärts. «rbeiter Turn- und Sportverein„Freiheit-', Lichtenberg. In- folge Renovierung der Turnballen fällt für Monat Juli das Turnen in den Turnhallen aus, dafür b>» aus weltcreS am Mittwch, abends von 6— 8 Uhr, Schüler und Schülerinnen, von 7 bis Dtmlclheit, Männer, Frauen und Lehrlinge städtischer Sportplatz, Haussstrahe. Alles weitere wird dort bekanntgegeben.— Freltag, den Ib. Juli, abends 7 Uhr: Vierteljahrcsoersäwmlung bei Runzler, Kronprinzenftr. 2.— Sonntag, den 7. August, Turnplatz Normanncnstr.: Vereinsjugendsporlsest.— Sonnabend, den 27. August bei Kern, Türrlchmidtftr. 14: GründungSsest des Vereins. verantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Veiftr, Charlottendurg: für Anzeigen: TP. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wärts-Buchdruckeret«. VerlagSanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lmdenftr. 2. Hier»» 1 Beilage. NsiTbsi-s Haut SifffSÄ Myrrholin-Seife. �_ MM für jterrcn- a. Saraen-Bskleiduag W?„Aparte Neuheiten" Verkauf meterweise m 4C# i i tü Stoch& Seeland*;«; «w«-VW-" w■" Gertrau dtens tra£e 20—21