flt.314» ZS« Jahrgang Musgabe B fit. 160 Bezugspreis, WftWJQA 30�- 3JL, BmwJL Wk— St. frei ias Hau», voraus zahlbar. Post- bezag: Monatlich Ist,— M. einschl. stu- stellungsgebühr. Uni« Arenzband für Deuifchlanb. Danzig, da, Saar» und Memelüebiet, sowie die ehemal» deut- schen Gebiete Polen», Oesterreich. Ungarn und Luxemdura 20,— M, für da» übrige Ausland 27,— M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowalei, Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der»Vorwärts� mit der Sonntag»- beilog e �Zolk und gett', der Unter- haltungibrilag»»Heimwelt' und der Beilage.Siedlung und Klewgarten� erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tag« und Montag» einmal. Abend-Ausgabe -«•ii Telegraunn-Adreffe: alvemokea« 2>*tO«" c 'S Verliner VolKsblstt SluzetgeupreiSi Di« achtgespaltene«giNr-trelllexeu, tostet bLi) M..ttletn» Slnzrigen» da« settaedruckte Wort ILO M(zulässig zwei srttgedrurlte Worte), srde» weiter« Wort l/— M. Stellengesuch, und Schlafstellenanzeigen da, erst, Wort Ze»» M. sede» weiter» Wo» «0 Pfg. Wort« über ist Bnchstad,» zählen für zwei Wort». ffamilien-Rn- zeigen für Abonnenten grile-Jt Die Prelle»«stehen sich elnschliksil.t Teuerung-zuschlag «nzelgen fllr die nichfte Rumme, müssen bi» 6»he nachmittag» tm Hauptgeschäft Berlin 6® 88, Linden- llraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bi» 6 Uhr abend». Zttitralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfchlands 1 ':-i Reöattton nnd Expeöittoa: SV öS, Linöenstr. Z Redaktion Morihplatt 1515)5—97 yycrniyrcaifr. Moritzplat, 11753-51 Dienstag, den 1A. Juli 1921 Vorwärts-Verlas S.m.b.h., Sw öS, LinSenftr. Z 5?ernsvrecker: �lerlag, Exveditton irnd Inseraten. -— 2- Slbteiiiing Morittptah 11753—51 Entscheidung über Gberjchlesien. Keme Einigung der JK.— Einberufung des Obersten Rates. Part», 11. 3un.(WTV.) wie das.Echo de Paris" mit- teilt, wird die französische Regierung in wenigen Tagen der eng- tischen Regierung vorschlagen, den Obersten Rat entweder nach Roulogne oder nach Paris gegen den 2S. Zuli zu-- sammenzubernfev. Die aus Oberschlesien erhaltenen Rachrichten hätten die Hoffnung zerstreut, dah die alliierten kommisiare sich über einen gemeinsamen Grenzvorschlag einigen könnten. Man glaubt deshalb in Paris, es sei das beste für die alliierten Regierungen. das Problem sobald wie möglich zu behandeln und nicht mehr deu versuch zu machen, es durch eine Sachverständigenkon- ferenzen zu lösen, wie Lord Eurzon und vriand während ihrer Pariser Beratung geglaubt hätten., Lloyd George erklärte im Unterhause, daß man ans der nächsten Tagung des Obersten Rates eine Regelung der oberschlesi- schen Frage zu erreichen hofft..Evening Standard" meldet, daß der Oberste Rat wahrscheinlich in Kürze zusammentreten werde. Soll das so weiter gehen? Söuigshütte. 12. Juli.(ZS�S.) Wie der„Oberschlesische Ku- rier" meldet, wurden in Grabowka bei Lubom d e u t s ch e r- beiter von Polen überfallen. Die Deutschen setzten sich zur Wehr, konnten aber gegen die große Uebermacht nichts ausrichten. Sie wurden von den Polen mit einem Maschinengewehr auf 20 Meter Entfernung beschosien. Fünf Deutsche sind tot, einer wurde schwer verwundet. Dieser schleppte sich noch bis in die Tür, wo er von den Polen, die den Blutspuren nachgingen, erschlagen wurde. Auf der Strecke zwischen Kattowrtz und Rybnit wurden Güter- züg« von Banditen überfallen und beraubt. Bei Jndaweiche wurde der Möbeltransport eines Oberlehrers, der ins Reich fahren wollte, vollständig ausgeraubt. In einem zweiten Fall handelt es sich um die völlige Ausraubung des Möbeltransports des Redakteurs Leon- Hardt aus Kattowitz. Was die Banditen nicht mitnehmen konnten, zerstörten sie vollständig. Im Bahnwagen hinterließen sie Auf- schristen gemeinster Art in polnischer Sprache. Dentschöfterreichs Sebftbeftimmungsrecht. Wien, 12. Juli.(WTB.) Der Bundesrat beschloß in seiner gestrigen Sitzung, gegen den Gesetzcsbeschluß des Nationalrats zur Durchführung einer Volksbefragung und einen an den Rat des Völkerbundes auf Grund des Artikels 88 des Friedensvertrages zu stellenden Antrag keinen Einspruch zu erheben. In seinem Referate bezeichnete Berichterstatter Dr. Hart- mann das Gesetz als eine der vielen Etappen auf dem Wege zum Anschluß an das Deutsche Reich. Jeder Versuch, den Ausdruck des Wunsches der österreichischen Bevölkerung zu oerhindern, sei eigent- lich das Zeichen eines bösen Gewissens, das nicht wolle, daß die Absicht der Deutschösterreicher vor aller Welt kund werde, das Selbstbestimmungsrecht im Sinne des Anschlusses an Deutschland ausüben zu wollen. Trotz aller Not von außen und von innen wolle Oesterreich seine geheiligten Grenzen haben, die aber nicht auf strategisch« Notwendigkeiten und auf den socro exoismo zurückgingen, sondern auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Sanktionsöebatte in Zrankreicb. Pari», 12. Juli.(WTB.) In der gestrigen Nachmittagssitzung der Kammer erklärte der frühere Kriegsminister Abg. Andre Lefevre im Hinblick auf die Eelbstschutzverbände Hoesers„ er stelle die Tat- fache fest, daß die deutsche Regierung imstande sei. von heute auf morgen ein Korps von 40 000 Mann aufzustellen. Er zweifle nicht an dem guten Willen des Kabinetts Wirth, bezweifle aber feine Macht. Er hoffe, daß man die Kommission Rollet ihre Tätigkeit fortsetzen lasten werde. Im Falle einer neuen deutschen Verfehlung müsse man das Ruhrgebiet besetzen: dann kontrolliere Frankreich die Kokst en und könne Deutschland verhindern,«inen neuen Krieg zu führen. Ministerpräsident Brian d erklärte demgegenüber, er vertraue aus Foch, Weygand und Rollet. Die Aufgabe der Kommission Rollet sei noch nicht beendet. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland könnten solang« nicht normal werden, als dies« Nation von dem Revanchegedanken geleitet sei. Die Besetzung des Ruhrgebietes hält Briand für unnötig. Er fragt, ob Deutschland das Ruhrgebiet in Kriegszeiten ausbeuten könne, wenn die französischen Truppen da ständen, wo sie jetzt seien. Es hänge nur von Deuffchland ab. daß diese Sanktionen nicht mehr in Geltung bleiben. Es handele sich darum, ob Deutschland Wort halten könne. Kortsthritt üer Reparationsverhanölungen. Paris, IS. Juli.(WTB.) Wie die Agence Havas meldet, traten die deutschen und die französischen Sachverständigen gestern nach- mittag im Ministerium des Aeußern unter dem Vorsitz Loucheurs zusammen. Guggenheimer brachte die Antwort der deutschen Regierung auf die französischen Vorschläge betreffs der Reparativ- neu zur Kenntnis, insbesondere betreffs der Lieferungen, die auf die deutsche Schuld während einer gewissen Periode angerechnet werden sollen. Die Modalitäten der Ausführung des Programms werden im Laufe von weiteren Unterredungen zwischen den Sachverstän- digen beider Länder iestgesetzt werden. Die Unterredungen scheinen, wie der Havasbericht sagt, zu einen» günstigen Ergebnis gelangen zu sollen. Die Besprechungen haben heute nachmittag sofort nach Schluß der Vollsitzung begonnen. Außer Loucheur waren die französischen Sachverständigen Seydoux, Cheysson und P e t s ch zugegen, die auch schon an früheren Sitzungen teilgenommen haben. Die deutschen Vertreter brachten den Wunsch der Berliner Regierung zum Ausdruck, rasch zu einer Regelung der Frage der Lieferungen in tiaiurs zu gelangen. Loucheur erklärte, er teil« diesen Standpunkt, die deutschen Vorschläge müßten aber erst geprüft werden. Die Sachverständigen, die mit dieser Arbeit de- traut werden, werden sich direkt mit den deutschen Delegierten, jeder über ein bestimmtes Thema, beraten. Eine Vollsitzung wird wahr- scheinlich am Mittwoch vormittag stattfinden. Llopü Georges Erklärung. London, 12. Juli.(WTB.) In der gestrigen Sitzung des Unter- i Hauses gab Lloyd George die angekündigte Erklärung über den englisch-japanischen Vertrag und die Politik Englands im fernen Osten und dem Stillen Ozean ab. Zwischen der britischen Regierung einerseits und Amerika, Japan und China habe«ingehender Meinungsaustausch stattgefunden. Die Vereinigten Staaten ebenso wie China hätten eine Stellung eingenommen, die den Wünschen Englands entspreche. Von Japan liege noch keine end- gültige Aeußerung vor, doch dürfe man Holsen, daß auch sie in günsti- gem Sinn« ergchen werde. Mit den Vereinigten Staaten seien Verhandlungen eingeleitet, die aus eine Verringe- r u ng der R ü st u n g« n im Sttllen Ozean abzielten. Di« Zweifel, ob der englisch-japanische Vertrag als gekündigt zu betrachten sei, seien durch den Lordkanzler in Verbindung mit dem Kronjuristen in dem Sinne behoben worden, daß«ine K ü n- digung nicht vorlieg«. Der Vertrag bleibe sonach noch zwölf Monate, nachdem«ine Kündigung ausgesprochen werden würde, in Kraft. Was die Politik im fernen Osten und im Stillen Ozean anlang«, so behalte die britische Reichsleitung den Grundsatz im Auge, in freundschaftlicher Fühlung mit den Vereinigten Staaten vorzugehen. Mit Japan wünsche die Reichsregierung eben- falls enge Freundschaft zu erhalten, da hiervon das Gedeihen des britischen Reiches ebenso wie des fernen Ostens abhängt. Nach wie vor halt« die britisch« Reichsregierung an der Politik der offenen Tür i n China fest. Die Herbeiführung einer Konserenz zur Erörterung der Fragen des fernen Ostens und des Sttllen Ozeans sei auf bestem Wege. Die Konserenz über die Verminderung der Rüstungen solle demnächst in Washington stattfinden. » .Matin" meldet, daß Briand bereit sei, an der Konferenz von Washington über die Abrüstung teilzunehmen; er werde sich persön- lich noch Washington begeben. Wie»Daily Chronicle" meldet, wird auch Lloyd George zur Teilnahme an der Konferenz nach Washington gehen. Polens„Sam'enmg*'. Warschau, 12. Juli.(TU.) Die Regierungsvorlage, die die Neuausgabe von 20 Milliarden Mark Banknoten ge- nehmigt, ist in der Plenarsitzung des Sejm nach stürmischer Debatte angenommen worden. Damit ist für den Augenblick die Gefahr einer Regierungskrise beseitigt, die akut war, da sich zur Opposition der Rechtsparteien gegen die Finanzpolitik der Regierung die Oppo- sition der Linksparteien gegen die Verpflegungspolitik gesellte. Die Behebung üer Wohnungsnot. Der vom preußischen Landtag eingesetzte Ausschuß für das Siedelungs- und Wohnungswesen beginnt jetzt mit der Berichterstattung über die ihm überwiesenen Anträge zur Mil- derung der Wohnungsnot. Ausführlich hat sich im Ausschuß der Staatssekretär im Wohlfahrtsministerium zu diesen Anträgen geäußert und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß es zur He- bung der Wohnungsnot keinen anderen Weg gebe, als einerseits die Niedrighaltung der Miete und andererseits die Förderung der Neubauten durch öffentliche Unter st ützungen. Diese .Politik Deutschlands fei nahezu von der ganzen K u l t u r w e l t nachgeahmt worden. Die Neubautätigkeit auf p r i v a t w i r t- s ch a f t l i ch e r Grundlage scheitere einfach daran, dah heute ein Berliner Miethaus viereinhalb Millionen Mark koste, wovon bestenfalls eine halbe Million durch Hypotheken zu beschaffen ist, so daß noch vier Millioften zu bezahlen bleiben. Es gebe nie» wanden, der dies Lechkopital hergebe, deshalb müsse die ö f f e n t- liche Unter st ützung Platz greifen. Erst wenn das Reichs- mietengesetz erlassen ist, könne Preußen die Ausführung»- beftimmungen dazu festsetzen. Die Erfassung der GolAwerte. Von HugoHeimann. Es ist die selbstverständliche Forderung aller Sozialisten nicht nur, sondern aller irgendwie sozial gesonnenen Menschen, die ungeheuren Lasten der Kriegsentschädigung den tragfähig st en Schultern aufzubürden und den Verbrauch der Massen möglichst wenig oder gar nicht zu be- lasten. So selbswerständlich dieser Grundsatz ist und so viel gewonnen wäre, wenn er allerseits eine ehrliche und tatkräftige Anerkennung fände, so ist aber doch mit der bloßen Aufstelluüg dieses Grundsatzes die eigentliche Arbeit noch keineswegs getan, ja nicht einmal begonnen. Nichts ist schwieriger als Steuergrundsätze, sie mögen sozial noch so gerechtfertigt sein. in die Praxis zu übersetzen. Die Erfahrungen mit den Be- sitzbesteuerungen der letzten Jahre lehren es zur Genüge. Darum kann gar nicht oft und sorgfältig genug geprüft werden, ob irgendwelche etwa vorgeschlagenen Mahregeln durch- führbar sind und ob sie, wenn durchgeführt, tatsächlich so wir- ken, wie ihre Urheber es erwarten. Die Besitzbelastung denkt man sich zunächst stets in der riorm der di retten Steuern. Dabei ist aber sofort die Frage zu stellen, ob die Steuer tatsächlich einkommt nnd ob, wenn dies der Fall ist, sie letzten Endes nicht doch sich in eine Vrbraucherbelastung verwandelt. Wie steht es nun bezüglich dieses letzteren Punktes niit dem in der Oeffentlichkeit neuerdings vielerörterten Plan der Erfassung der sogen. Goldwerte. Bekanntlich sind eine Reihe von wichtigen Verbrauchsgütern und Nutzun- gen bisher im Preise künstlich niedergehalten worden, d. ihre Preisentwicklung hat mit der allgemeinen Preissteige- rung. der Folge der Geldentwertung, nicht Schritt gehalten. Die unvermeidlich gewordene Annäherung an das allgemeine Preisniveau würde natürlich ohne öffentlichen Eingriff den privaten Produzenten zugute kommen, und eben diese Spanne zwischen dem künstlichen und dem Weltmarktpreise will jener Plan steuerlich nutzbar machen. Es ist richtig, daß dadurch die Absicht erreicht würde, den Privaten einen durchaus unge- rechtfertigten Bermögenszuwachs vorzuenthalten. Insofern also ist solche Absicht unbedingt mit aller Kraft zu fördern. Aber es darf andererseits nicht übersehSn werden, daß die ge- plante Preiserhöhung zugunsten des Staates doch unmitte!- bar auf Kosten des Verbrauchers geht. Für feine Lage niatt-t es keinen Unterschied aus, ob der Preiszuschlag dem Grund- eigentümcr bzw. dem Besitzer der Produktionsmittel oder ob er dem Reich für die ReichsverMichtungen zugute kommt. Bei allen finanztechnischen Vorzügen eines solchen Planes darf also keine Illusion darüber hinwegtäuschen, daß zwar den Eigen- tümern der Goldwerte ein durchaus ungerechtfertigter Vorteil vorenthalten bliebe, daß aber die Last der Steuer, die Ver- schlechterung gegenüber der heutigen Lage, mit voller Wucht doch den Verbraucher träfe. Es ist nun von einer Seite ein Vorschlag gemacht worden, dessen Zweck es ist, die breite Masse der Verbraucher und An- gestellten, also die Arbeiter, gleichwohl von den Lasten dieser Preiserhöhung zu befteien, fodaß nur die leistungsfähigsten Verbraucher getroffen würden, und diese natürlich um so härter. Das Mittel ist die gleitende Lohnskala, die automatische Anpassung des Lohnes an die Preise der wich- tigsten Verbrauchsgüter. Es liegt aber im Wesen der gleiten- den Skala, daß sie wirklich wirksam nur dann sein kann, wenn sie einer kleineren Gruppe von Menschen zugute kommt, wäh- rend alle anderen den Schwankungen der Preise ausgesetzt sind. Soll sie dagegen für alle Lohn- und Gehaltsempiäü- ger, also doch für die ganz große Mehrheit der Volksgenossen gelten, so würde von den steuerlichen Preiserhöhungen nur der kleine Rest des Volkes getroffen: die Kapitalisten, die An- gehörigen der freien Berufe und die Rentner, deren Renten unverändert auf den gleichen Markbetrag lauten wie vor dem Kriege. Es ist bekannt, daß diese beiden letzteren Gruppen von den Nöten der Zeit so schonungslos getroffen sind, daß niemand hoffen kann, bei ihnen Dutzende von Milliarden jähr- lich zu erfassen. Bleiben also die Kapitalisten. Selbst wenn nur die Gewinne der Besitzer der Pro- duktionsmittel so groß bleiben, wie vielfach in den letzten Iahren, so lieht doch keinesweas dieser Gesamtgewinn für die steuerliche Erfassung zur Verfügung, sondern ein erheblicher Teil muß für die Erweiterung der Produktion zurückgelegt werden. Es kämen nur diejenigen Summen in Frage, die dem bisherigen Be r b r a u ch der Kapitalisten cnt- sprechen. Wie es aber bekannt ist, daß der Verbrauch der Kapitalisten, bei dem Zahlenverhältnis der Klassen, auf den Kopf der Arbeiterschaft verteilt, nur einen geringen Betrag ausmachen würde, so kann diese Summe auch nicht entfe'-"t den jährlichen Bedarf für die Kriegsentschädigung decken. Es würde also, um die Verpflichtungen aus dem Ultimatum zu erfüllen, auch der Verbrauch der Massen belastet werden. So erweiit sich gegenüber dem heutigen Problem schon aus diesen. Gründen die gleitende Lohnskala für alle Lohn- und Gehalts- empfänger als unzulänglich, wobei andere Gründe wie die zahlreichen Möglichkeiten der Umgehung dieser neuen Form der Zwangswirtschaft hier nur angedeutet werden sollen. Wie immer man es also oersucht, stets bleibt die Last zu einem großen Teile schließlich doch auf den breiten Massen der Verbraucher liegen. Es ist nötig, diese bittere Wahrheit rechtzeitig zu erkennen und auszusprechen: sonst würde man sich dem Vorwurf aussetzen, einen Mangel an Voraussicht bewiesen«der gar ein Versprechen gebrochen zu haben. Angesichts der Tatsache, daß nur gan� wenige Arbeiter- gruppen den gleichen Stand der Lebenshaltung wie vor dem Kriege bewahrt haben, der Durchschnitt aber um 30— 40 Proz. selbst unter diesen Stand gesunken ist, muß mit allen Mitteln eine Milderung des Uebelstandes angestrebt werden. Eine solche würde in dem Maße eintreten, als es gelingen würde. die technischen Methoden der Produktion zu verbessern. Der Mehrertrag aus besserer Ausnutzung der Anlagen würde dann für die Kriegsentschädigung abgeschöpft, und da hier in In' dustrie und Landwirtschaft noch ungeheure Möglichkeiten der Verwirklichung harren, so müßte auf diese Weise ein stets wachsender Teil der Last von den Schultern des Verbrauchers genommen werden können. So sehr nun«llerseits von einer Entwicklung der Produk- tivkräfte eine Erleichterung der Lage erhofft wird, so steht doch inerkwürdigerweise die naheliegende Frage keineswegs im Mittelpunkt der Erörterung, ob nicht vielleicht gerade mit steuerlichen Mitteln die Produzenten auf diesem Wege voran- getrieben werden könnten. Produktiv ist diejenige Steuer, die dem wirtschaftlichen und techni- scheu Fortschritt einen Anreiz bietet. Gelänge es also, die geplante Besitzbesteuerung nach dieser Richtung auszubauen, so wäre viel erreicht. Und da bietet vielleicht der gleichfalls viel erörterte Gedanke einer Uebertragling von Ka- pitalanteilen an die Entente einen wirksamen Ansatzpunkt für diesen besonderen Zweck. Eine solche Vermögensübergabe wird vielfach für die naturgemäß besonders schwierige Anfangszeit als unumgänglicher, wenn auch sehr unangenehmer Notbehelf betrachtet«erden müffen. Solange die Ergiebigkeit der Wirt- schaft noch nicht so weit gesteigert ist, daß aus dem Ertrage die Last bestritten werden kann, ohne die Verbraucher allzu sehr zu schädigen, solange würde wohl eine Uebertragung von Kapitalteilen die Lücke ausfüllen müsien. Vielleicht wäre nun diese Maßregel einer Verfeinerung in der Richtung fähig, daß den Kapitalisten die Möglichkeit gewährt würde, aus der Er- höhung der Erträge die abgetretenen Kapitalteile zurückzu- kaufen. Auch die Gegenpartei, von deren Zustimmung ja die Durchführbarkeit der Maßregel abhängt, würde dabei ein gutes Geschäft machen. Gesetzt den Fall, es würden bei einer Fabrik 20 Proz. des Aktienkapitals den bisherigen Eigentümern ent- zogen und der Entente übergeben. Wird nun die Ausnutzung der Anlagen verbessert, so steigen die Dividenden für Inländer und Ausländer. Im Inland werden infolgedessen Rück- lagen aufgehäuft, um den abgetretenen Kapitalteil zu- rückzukaufen. Inzwischen aber haben kraft dieser inländischen Bemühungen die ausländischen Aktionäre den Genuß von der höheren Verzinsung, der ihnen vermutlich entgangen wäre, wenn nicht die deutschen Kapitalisten durch das Rllckkaufsrecht zur Verbesierug der Produktion angereizt würden. Eine Schwierigkeit liegt in der Bewertung der zurückzukaufenden Anteile, die ja entsprechend ihrem nun erhöhten Ertrage ihrer» seits im Kurswerte gestiegen wären. Aber diese Schwierigkeit kann nicht unüberwindlich sein, dem» selbst wenn man das Rückkaufsrecht zu demjenigen Kurse festsetzte, zu dem die An- teile bei ihrer Abtretung auf die Kriegsentschädigung angerechnet wurden, bliebe dennoch der Vorteil für die Ententeaktionäre außerordentlich groß; sie würden dann zwar keinen Kapitalzuwachs erfahren, wohl aber würde ihr gleichbleibendes Kapftaleigentum, das ursprünglich noch den Regeln der Kurs- bildung den durchschnittlichen Zins erbrachte, diesen normalen Zinsfuß immer mehr überschreiten, bis die Anteile schließlich zurückgekauft würden. Natürlich sind viele Wege gangbar. Aber das kann sich nur auf die Ausgestaltung der Einzelheiten beziehen. Der Grund- sotz, die kaum vermeidliche Vermögensübertragung zugleich als Grunömann. In der �Heimwelt" nnben wir eine Probe feiner lustigen Erzahlerlunst. Hier folgt ein ErinnerungS- blatt, dos dem Jangswerstorbenen einer feiner Freunde widmet. Trotz wirtschaftlicher Weltbeziehungen weltabgeschieden und eng- begrenzt in seiner besonderen Eigenart liegt das deutsche Bergland südöstlich vom Hohen Iserkamm. Zwischen Iser und Neiße stehen die großen Glashütten und die zahllosen Wasserläufe treiben die vchleifmühlen, w» ein witziges Völklein seiner Kunst obliegt. Als noch nicht die Prsletarier den Arbeiterschutz erzwungen hatten, lagen die Kindlein»ft neben dem Schleifstuhl in der Wiege und der feine Kristallstmib zog in die zarten Lungen. Davon sitzt die Schwindsucht dem �chleifervolk im Leibe, und was daran gebessert worden war, das hat das beispiellese Hungerleiden dieser sommerlich wunder- lieben und im langen Winter sibirischen Gegend während des Krie- ges und auch noch unter der aufgezwungenen Fremdherrschaft der Tschechen reichlich wieder ausgeglichen. War da einmal ein junger Mensch, der Grundmann Franzi, im Rehorngebirge, einem Ast des Riesengebtrges, der ein Lehrer werden sollte, aber zu rebellisch dazu war. Und so lief er vom Seminar weg in die Schleiferei. Als die Schleifer sich zu rühren anfingen» wer war dabei, mit dem Preußler Robert und so manchem anderen? Der Grundmann Franzi natürlich. Mitte der neunziger Jahre schon Redakteur in Aablonz und seitdem immer vornan. Der Glas- nrbeitcroerband machte ihn bald zum Kassierer und Redakteur, und dos ist er geblieben bis jetzt, wo die Schleiferkrankheit den Schleifer- fronz aus seinem Häusel weggehalt hat. Sie haben ihm den Spruch nie übel genommen, den er auf sie gemacht hat: Wenn de Schleifer wölbe war'n, Aull'» se oll's zerreißen, Wenn de Schleifer zohme sein, Loss'n fe uf sich---. Ganz anders noch steckte er ja im Schlerferleben drin als der Nachbor Gerhart Hauptmann in den Wabern, und so hat der Grund- mann-Franz zwar auch ein Streikdrama aus ihren Leiden geformt, daneben aber unzählige Schnurren aus dem beweglichen Geist seiner Leute. Wie war er doch verwurzelt! Als ihn der Schäfer-Anton, der leichtblütigere Moler, einst in Reichenberg zusammenpackte und nach Berlin mitschleppte— es waren ja nur sechs Stunden Fahrt, mäh- rend man nach Wien doppelt solange brauchte—, und als Grundmann bei der Ankunft vom Görlitzer Bahnhof aus die Riesenhäuser sah, Mauer an Mauer, mit zehntausend schwarzen Fensteraugen, läutende Straßenbahnen, tutende Autos und all das Kroßstadtgetöse: da ging er stracks wieder in den Wartesaal, kaufte sich einen Kassee Anreiz zur Vervollkommnung der Wirtschaft zu benutzen, erscheint zweckentsprechend und durchführbar. Frei- lich darf auch hiervon kein Wunder und keine vollkommene Entlastung der Verbraucher erwartet werden. Aber in un- serer schlimme nLage haben wir kein Recht, eine immerhin weitgehende und steigerungsfähige Milderung um deswegen zu verwerfen, weil sie nicht das ganze Uebel behebt. Einheitsfront gegen öen Sozialismus! München, 12. Juli.(TU.) Gestern abend sprach neben anderen in einer öffenllichen Versammlung der Bayerischen Mittelportei der Reichstagsabgeordnete Edler von Braun, Präsident des Reichs- wirtschaftsrates. Er erklärte, das Kabinett W i r t h werde in sich zusammenbrechen. Man werde dann aus der Verlegenheit zu Neuwahlen im Herbst schreiten. Die Sozialdemo- k r a t i e arbeite auf Neuwahlen hin mit der Parole:„Gegen den Besitz". Sie hofft dabei auch wieder mit der Vereinigung der USP. Der Rodner fuhr fort:„Kommen Neuwahlen, dann brauchen wir eine Einheitsfront gegen die Sozialisierung, dann brauchen wir eine bürgerliche Regierung, wie sie sich so vortrefflich in Bayern bewährt hat. Der deutschnationale Abgeordnete H e r g t prophezeite den Zusammenbruch der Westfront der Entente, weil die Amerikaner„nicht schwimmen und nicht fliegen" könnten. H e l f f e r i ch hielt es für überflüssig, Besitzsteuern einzu- führen, weil die besiegte Entente ja doch alles zahlen muffe. Als dritter Prophet im Bunde gesellt sich der Edle v. B r a u n hinzu, der den Zusammenbruch des Kabinetts Wirth an- kündigt. Sollten die Erfahrungen feiner Parteifreunde ihn nicht etwas vorsichtiger machen? Bedauerlicherweise'mußte man allerdings oft feststellen, daß gerade der d e u t s ch n a t i o- n a l e Prophet etwas in seinem Vaterlande gilt. Der Aufruf zu einer Einheitsfront gegen den Sozialismus wird der Ar- beiterfchaft die Augen darüber öffnen, welche Gefahren die Zersplitterung für sie bedeutet und wo der Feind steht. Krestinski über seine Ausweisung. Der aus Bayern ausgewiesene russische Volkskommiflar Kre- st i n f k i teilte einem Pressevertreter Einzelheiten über seine und seines Sekretärs Deutschmann erfolgte Ausweisung mit. Im Gegensatz zur öffiziösen Meldung der bayerischen Behörden erfolgte der Wohnungswechsel jedesmal mit Wissen und Genehm»- g u n g der bayerischen Stellen, so daß kein« für Ausländer geltende Verordnung verletzt worden sei. Bollständig aus der Lust gegriffen sei die Mitteilung, daß er, Krestinski ,in Gmünd oder dessen Um- gebung geheime Verhandlungen mit bayerischen oder ausländischen Bolschewisten geführt hätte. Regierungsrat Lang, der Be- auftragte der bayerischen Polizei, habe selbst nach Durchsicht der Papiere und Beendigung des Berhörs erklärt:„Wir haben uns da- von überzeugt, daß Sie sich wirtlich nicht politisch betätigt haben, die ganze Bevölkerung Bayerns protestiert jedoch da- gegen, daß auf ihrem Territorium russische Bolschewisten sich haben frei bewegen dürfen. Zur Vermeidung parla- mentarifcher Anfragen mußten wir die nötigen Maß- nahmen ergreifen." Krestinski fügte noch hinzu, daß er aus einer allen russischen Adelsfamilie stamme und Nikolai Nikolajewitsch heiße, und nicht, wie einig« antisemitische Zeitungen angeben, I Nathan. ♦ Wie Tll. meldet, wurden gestern die Akten über die Aus- Weisung der beiden ruMchen Kommissare aus Bayern an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht München überwiesen, die sich mit der weiteren Untersuchung der Angelegenheit befassen soll. Der beschimpfte vaterlanüsgeüanke. Aus München wird uns geschrieben: Unermüdlich setzt die Münchener Hetzpresse ihre Katastrophen- Politik der Volksvergiftung fort. Als dankbares Zugstück weiß sie in letzter Zeit ganz besonder» die„nationalen" Register ihrer Haß- gesänge zu ziehen. und fuhr mit dem nächsten Zug nach Hause. Was sollte er, der Sohn der grünen Berge und Wälder, in der brausenden Steinwüste? Zu Haus, da machte er, bis das Defizit ihn verschlang, feinen „Rübezahl", da schrieb er das köstliche Alte Testament, wie'» der Schleiferfranz erzählt, da zeichnete er sonst alle Drolligkeiten der Isergebirgler auf. Wenn alle Verbandstage der Glasarbeiter Oesterreichs den Sitz des Verbandes doch immer wieder im äußersten Zipfel des Reiches ließen, so spielte da ganz gewiß die Rücksicht auf den Kassierer eine Rolle; das Risiko war zu groß, diesen wurzelfesten Baum noch anderswohin zu verpflanzen. Und so mußten selbst die Einzelmit- glieder im Himalaya— jawohl, die gab's— ihre Beiträge und natürlich auch ihre Beschwerden, nach Tiefenbach, Post Tannwald in Böhmen, schicken. Darum aber verlor der Einsiedler nicht den Zusammenhang mit der Welt, denn abgesehen von dem Gewertschaftsamt waren da noch die schlesischen Dichter Karl Hauptmann. Klings usw., mit denen der Kollege im Verkehr stand, und war vor allem die große weltum- fassende Arbeiterbewegung. Als ich ihn im Sommer 1919 zum letztenmal besuchte, klagte er bitter über die Spaltung in Deutsch- land. Jetzt haben sie sie in Deutschböhmen auch. Aber hinter Grundmanns Sarge werden sie eines Herzens geschritten sein, die Schleiferleute, in gemeinsamer Trauer um ihren Dichter, um den Schleiferfranz. Richard Beruft ein. Kleidung und Stimmung. Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Stimmungen. Jeder hat wohl schon einmal den merk- würdigen seelischen Einfluß empfunden, den ein Kleidungsstück auf ihn ausgeübt, und der Reiz aller Maskeraden ist in diesem Erlebnis begründet. In einer Abhandlung der Festschrift der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft über„Arbeit und Wärme" Hot Geh. Rat Rubner, der Direktor des Instituts für Arbeitsphysiologie, diesen Zusammen- hang von Kleid uno Stimmung wissenschaftlich untersucht, und er betont, wie wichtig die Art unserer Bekleidung für viele Lebens- gewohnheiten und für unsere ganze Arbeitsleistung ist. Rubner nennt die Bekleidung geradezu„unser Klima", das wir immer mit uns herumtragen. Trotzdem hat sich der Mensch bisher wenig um diese Bedeutung des Kleides für sein Lebensgefühl und feine Arbeitsfähigkeit ge- kümmert und die physikalischen und biologischen Grundsätze'oernach- lässigt, die bei der rechten Auswahl der Kleidung in Bettacht gezogen werden müssen. So mancher steckt Zeit seines Lebens in einem falschen Kleid und büßt diesen Fehler durch ein beständiges Un-, behagen, durch geringe Leistungen, durch eine Herabminderung seiner Leben�energie. Durch unzweckmäßig« Kleidung kann man vorzeitig ermüden und dadurch unfähig zum Schaffen gemocht werden. Das wichtigste aller Bekleidungsstücke ist dos direkt auf der Haut oufli-gende Hemd. Am bedeutungsvollsten für die Wärmehaltung ist die in der Kleidung eingeschlossene Luft, die in guter Kleidung»0— 85 Proz. beträgt: der Tierpelz weist sogar bis zu 9? Proz. Luft und nur 3 Proz. Haar« auf. Da« Kleid ist eine wesent- Während früher nur Narrenblätter wie der„Miesbacher An- zeiger" und der„Völkische Beobachter" durch ihre politischen Purzel- bäume Auffehen selbst über die bayerischen Grenzpfähle hinaus er- regten, müssen die Hanswurstiaden eines ernst zu nehmenden Organs wie der„Münchener Neuesten Nachrichten" im Reich eine bitter horte Beurteilung finden. Abgesehen von dem täglichen Leitartikel„Der Weg in die Zu- kunft", der dem Volk mit wissenschaftlich erbärmlichen Mitteln Haß und Verachtung gegen den Sozialismus und dessen Haupt- ttäger, die.Berufsdemagogen", einzuimpfen versucht, strotzen die Spalten dieses Blattes in den letzten Tagen voll Giftstoff nationa- listischer Desperadopolitik, voll Geifer gegen Reichskanzler und Außenminister, gegen Republik und Verständi- gungspolitik:„Schrei nach Gerechtigkeit!"—„Rechtsbruch Frankreichs."—„Dr. Rosen bedauert."—„Gerechtigkeit für alle!" —„Deutschland Mitglied des Völkerbundes??" Die tägliche„Gegenrechnung" peitscht die Oeffentlichkeit zur Sa- botage einer politisch klugen und vernünftigen Behandlung der ..Kriegsverbrechen" am Leipziger Reichsgericht auf. Doch wenn dann die Franzosen sicher nicht unter dem Eindruck der objektiven Verhandlungsleitung, sondern unter dem Trommelfeuer des hyfte- rischen nationalistischen Zeitungsgeplärrs kehrt machen, dann winselt das Blatt wieder in ohnmächtiger Wut. Der Schaden, den e i n derartiges Blatt unter liebevoller Pflege der bayerischen Regierung dem deutschen Volk zufügt, ist im Augen- blick vielleicht gar nicht zu ermessen. Deutschland wird erst gesunden, wenn der Vaterlandsbegriff der„M. N. N." dem Vaterlands- gedanken Iaurcs gewichen ist, der sagt:„In der Arbeiterschaft lebt der Schrei nach einem neuen Vaterland, das sich nur durch die Entfaltung jedes einzelnen Rotionalgeistes entfalten kann, durch die Fortsetzung von der Idee des Vaterlandes in d i e Me n s ch h e i t hinein!" Dürgermeifter nach Körperlänge. Die bürgerliche Presse rast noch immer gegen den Oberbürger. meister von Kassel, Genossen Scheidcmann. Da mag doch einmal daran erinnert werden, was früher dazu gehörte, um Bürger- meister zu werden Wenige Jahr« vor dem Kriege suchte Kassel einen zweiten Bürgermeister, der gleichzeitig als Nachfolger für die in kurzer Zeit frei werdende Stelle des ersten Bürgermeisters in Aussicht genommen war. Es meldete sich damals ein äußerst be- sähigter Kommunälbeamter aus Görlitz namens Herzog. Aber er konnte nicht gewählt werden, denn das Kasseler Bürgertum oer- langte von seinem Bürgermeister, daß er in erster Linie als Herrenhausmitglied und bei den nicht seltenen feierlichen Empfängen des Kaisers genügend„repräsentieren" könnte. Nun aber stellte sich heraus, daß Herr Herzog zur Re- Präsentation nicht die genügende— Körperlänge besaß, auf die bekanntlich Wilhelm der Ehemalige besonderes Gewicht legte. Zwei Schmisse auf der linken Backe konnten diesen Mangel nicht er- setzen. Herr Herzog wurde nicht gewählt. Einen ähnlichen, um mehrere weitere Jahre zurückliegenden Fall gibt Genosse Thöne bekannt, der vor Zeiten Führer der kleinen sozialistischen Stadtrerordnetenfraktion in Kassel war. Zur Ober- bürgermeisterwahl hatten sich drei Kandidaten gestellt, die Ober- bürgermeister Koch, Dominicus und der bisherige Bürgermeister von Stettin. Die Anhänger des Stettiners im bürgerlichen Stadt- verordnetenlager bemübten sich mit größter Ansttengvng um die ausschlaggebenden sozialistischen Stimmen. Dabei sucht« ihr Führer Genossen Thöne auf und setzte ihm auseinander, daß zwar die beiden anderen Bewerber größere Kapazitäten auf dem Gebiete der kam- munolen Verwaltung feien, dafür ober sei der Stettiner Lsirger- meister repräsentativer, seine Wahl würde die k a i s e r- lichen Besuche der Stadt fördern! Wir brauchen nicht hervorzuheben, daß der bürgersiche Wahl- mocher mit dieser Argumentatton kein Glück hatte. Aber diese Fälle zeigen wohl, nach welch hervorragenden sachlichen Eignung«- Momenten unter dem alten System kommunale Häupter gewählt wurden. Wie vorteilhast sticht doch das System der Repräsentation-!- rücksichten gegen die heutige„Futterkrippenwirtschaft" ab, wo man nur durch Fähigkeiten, ganz ohne' Rücksicht auf Körperlänge, Schmisse und Schnurrbartwichs Oberbürgermeister werden kann! liche Ergänzung unserer Haut und für unser Leben so wichtig, daß»n- zweckmäßige Bekleidung einen großen Verlust für eine Nation dar- stellt. Es wäre daher zu wünschen, daß namentlich der Arbeits- tl« i d u n g eine viel größere Aufmerksamkeit als bisher zugewendet würde. Der Eiskeller Europas. Bei der heißen Witterung, die gegen- wärtig in England und Frankreich herrscht und auch bei uns ein- gesetzt hat, schnellt der Eisverbrauch gewaltig in die Höhe. London kühlt sich täglich mit 4900 Tonnen und Paris mit 1200 Tonnen Eis, und New Dort hat noch einen viel größeren Konsum. Die außer- ordentlichen Ansprüche in großen Hitzeperioden kann das auf- gespeicherte Natureis und die Fabrikation des künstlichen Eises nicht befriedigen. Man ist daher auf Einfuhr angewiesen, und diese erfolgt aus Norwegen. � Wenn eine Hitzewelle einsetzt, gehen augenblicklich Schisse von Norwegen ab, die Tausende von Tonnen gefrorener Blöcke heran- bringen. Das Natureis wird dort in starken hölzernen Schiffen befördert: in einem Stahl- oder Eisenschiff würde die Ladung sehr schnell zu Wasser werden. Das norwegische Eis kommt von den hohen Bergseen. In jedem Frühling werden diese kristallklaren Eis- felder durch den Pflug von tiefen Furchen durchschnitten, so daß eine Art riesiges Schachbrett entsteht. Dann kommen Arbeiter mit lang- zähnigen Handsägcn, heben die Blöcke heraus, legen sie in eine feste hölzerne Umrahmung und lassen sie zu Tal gleiten, von wo die Eis- Massen dann in die Schiffe gebracht werden. Tausende von Tonnen finde» jeden Sommer ihren Weg nach England, Frankreich und Deutschland: eine geringere Zufuhr erfolgt auch von den Schwei- zer Gletschern. Das norwegische Seeis ist das reinste und beste nach dem künstlichen Eis und so kann Norwegen als der eigentliche Eisteller Europas bezeichnet werden. Woran die Welk lleberstuh hat. Seit der Beendigung des Welt- trieges geht es allenthalben knapp zu. Nur in einem Punkte leistet die Menschheit sich einen Luxus, wie er bisher noch nicht dagewesen ist: in der Herausgabe neuer Briefmarken. Allein in den acht Monaten vom 1. Oktober 1920 bis 31. Mai 1921 sind ungefähr 19000 neue Marken bekannt geworden, ohne Berücksichtigung der Abarten. Die Vesta-Flamme der SeuschheN. Die Komödie„Flamme" von Hans Müller wurde aus Anlaß ihre rAufsührung im Kurtheater von Bad Ischl von der Zensur für ganz Oberösterreich oer- boten. Das Stück ist bekanntlich im Berliner Lessing-Theater im vorigen Winter unzählige Male gegeben und hier auch den Mitgliedern unserer Volksbühne vorgeführt worden, ohne daß eine sittlich« Schädigung der Besucher sich bemerkbar gemacht hätte. Die Ober- österreicher scheinen in diesem Punkt„anfälliger" zu sein als die Berliner. I« der Arbetter-Knuft-Ausstellung. Petersburger Str. 39 sprich: Ernst Friedrich anläßlich des iiiahrestage« der Parlier Juti- Aufstände am 1 4. abend« 7>/, Uhr über„3i e n o l u t i o n und K u n st'. Autzcrde» gelangen revolutionäre Dichtungen zum Bortrag. Lenin gegen Demokratie. Auf dem Kongreß der Dritten Internationale in Moskau hielt laut Bericht der„Roten Fahne" am 8. Juli Lenin eine Rede, in der er u. a. ausführte: Trotzdem keine militärischen Aktionen vor sich gehen, erachten wir uns noch immer im Kriegszustande befindlich und handeln so. wie es im Kriege üblich Ist. Die Dikkalur des Proletariats befinde! sich im Kriegszustande, und deshalb � können wir niemand Frsiheii und Demokrakie versprechen. Am das Banner der Demokratie scharen sich jetzl alle gegenreuolutio- vären Elemente. Die ganze Weit sieht jetzt das Schauspiel, wie die Kadetten jetzt die Sozialrevolutionäre und Menschewiken dazu ver- anlassen, die These aufzustellen: Sowjetmacht, aber ohne Bolschewiken, Tie schleue Bourgeoisie weiß sehr gut, daß die Sowjets der Mensche- wiken und Sozialrevolutionär« nur eine vorübergehende Firma sein werd«n, welch« die Rückkehr der Kapitalisten und Guts- b e s i tz e r in die Wege teilet. Hieraus ergibt sich die Rotwendigkcik eines erbarmungslosen Kampfes gegen Menschewiken und Sozial- revolutionäre. Den Bauern aber sagen wir, daß sie entweder mit dem Proletariate, das bereit ist, ihnen die größtmöglichen Zuge- ständnisss zu machen, gehen müssen. Alles andere ist Unsinn und Demogegi«. Dieser Rede folgte eine lebhafte Diskussion, von deren Inhalt aber vorläufig nichts verlautet. Schließlich wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die die Haltung der Bolschewiki in der Bauernfrage und in der Konzessionssrage billigt und über die„menschewikischen Parteien in allen Ländern" mit den üblichen Redensarten herfällt. Der Bolschewismus hat bekanntlich auf dem Lande das bäuerliche Privateigentum an Grund und Boden hergestellt. Durch seine Konzessionspolitik ruft er jetzt den westeuropäischen Kapitalismus ins Land und ge- währt ihm weitgehende Ausbeutungsfrecheit. Er bestätigt damit auf Grund seiner Erfahrung die menschewistische Vor- aussage, daß weder das Privateigentum noch der Kapitalis- mus mit einem Schlage abgeschafft werden kann. Trotzdem kündigt Lenin den Menschewiki und Sozial- revolutionären den„erbarmungslosen Kampf" an. und um den Begriff dieses Kampfes vor europäisch-milderer Deutung sicherzustellen, erklärt er ausdrücklich, es solle so gehandelt werden, wie es i m K r i e g e ü b l i ch ist, es gäbe keine Frei- heit und Demokratie. Als die Bolschewiki die Nationalver- sammlung auseinandersprengten, damals erklärten ihre deut- schen Verteidiger noch schamhaft, es handele sich nur um ein kurzes Uebergangsstadium, dem die Herstellung wahrer Frei- heit und Gleichberechtigung rasch folgen werde. Jetzt, da sich das viexte Jahr der Bolfchewistenherrschaft bald vollendet. hören wir noch immer den Ruf:.Kriegszustand!"„Crbar- mungsloscr Kampf!"„Keine Freiheit! keine Demokratie!" Da Lenin selbst sagt, daß militärische Aktionen nicht mehr vor sich gehen, handelt es sich bei diesem Kriegszustand nur noch um einen Krieg gegen das eigene Volk, der erbarmungslose Kampf geht gegen S o z i a l i st e n, die des Verbrechens schuldig sind, schon früher gesagt zu haben, was der Bolschewismus jetzt t u n muß, die Unterdrückung von Demokratie uns Freiheit stellt sich dar als ein nackter Mißbrauch der Macht. Der Kapitalismus kehrt nach Ruß- land zurück, aber dem Recht, frei zur Volksvertretung zu wählen, der Preßfreiheit, Vsriaimnlungsfrsiheit, Koalitionsfreiheit blecht noch immer der Weg versperrt. Bolschewismus ist nicht Sozialismus, aber Barbarei. Schrei nach üem Staatsstreich. Die„Kreuz-Zeitimg" bringt einen Rückblick auf die jüngste Tagung des Reichstags, mit dessen lügnerischen und gehässigen Verdrehungen wir uns hier nicht befassen wollen. der aber mit folgendem charakteristischen Ausruf schließt: Wenn wir hoffen könnten, daß sich diese Bolksver treter gegen- festig zum Tempel hinausprügelnl Aber leider ist darauf kein Verlaß, auch keine Aussicht, daß sich, wie an einem ande- ren S. November.vor 120 Jahren in St. Cloud, ein kleiner General findet, der die Fünfhundert schmerzlos und radikal auf- hebt, zum Segen von Laad und Volk. Fdes. Die Rechte tut immer sehr entrüstet, wenn man ihr Staats- streichgelüste nachsagt. Solche Aeußerungen, wie die der „Kreuz-Zeitung" zeigen aber doch zu deutlich, daß auf dieses Ziel die innere Sehnsucht der Herrschaften gerichtet ist. Diese Sehnsucht ist so stark, daß sie sogar unvorsichtig zum Ausdruck gebracht wird, auch wenn taktische Klugheit ein öffentliches Ableugnen der Staatsstreichabsiast oerlangen würde. Wilhelm will keine Steuern zahlen. Französische Blätter melden, daß Exkaiser Wilhelm lebhaft gegen die ihm auferlegten Gemeindesteuern der Gemeinde D o o r n protestiert habe, indem er erklärte, daß die Gemeindeverwaltung von Doorn kein Recht habe, ihn zu besteuern, da er nach Holland gegen seinen eigenen Willen gekommen und da er in Wirklichkeit nur ein Gefangener sei. Infolgedessen sei er auch nicht der Steuer unterworfen, wie ein freier Bürger Hollands. Der Exkaiser soll gleichfalls gegen die Steuer auf sein Einkommen protestiert haben, die man ihm auferlegt hat. Die Mehrheit des G e- meinderats steht ober auf dem Standpunkt, daß de? Exkaiser freiwillig nach Holland gekommen sei und daß er sich Doorn freiwillig als Residenz ausgesucht hat. Der Gemeinderat berät zurzeit über die Maßnahmen, die getroffen werden sollen, um den Kaiser zur Steuerzahlung zu zwingen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Meldung der französischen Blätter, die durch die„Dena" verbreitet wird, auf Wahrheit beruht. Uns will jedenfalls die Stellungnahme des Gcmeinderats von Doorn weit begründeter erscheinen ols die Wilhelms II. Dieser defertierte bekanntlich bei Ausbruch der Revolution nach Hol- land, so daß sein dortiger Aufenthalt als ein durchaus f r e i w i l l i- g e r anzusehen ist. Der Vater will dem Sohn« Prinz Eitel Schiebe- rich offenbar an Steuerdrückebergerei in nichts nachstehen. Der 2. U-Soot-prozeß in Leipzig. Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Schmidt begann l>*ut« vormittag vor dem 2. Strassanat des Reichsgericht? in Gegenwart von Vertretern der Reichsregierung und einer eng- Tischen Delegation unter Führung des Generalstaatsanwalts Sir Ernest Pol lock der 2. Untcrseebootprozeß. Angeklagt sind die beiden Dberleutnants zur See Ludwig D i t t m a r und John B o l dt, denen als Verteidiger die Rechtsanwälte Hahnemann, Dr. Rudolf Be iler-LeipZig und Dr. v. Zweh l-Berlin zur Sette stehen. Es sind 27 Zeugen, darunter 13 Engländer ann>esend. Die An- flage wird vom Oberreichsonwalt Dr. Ebermeyer vertreten. Als Sachverständiger ist der Koroettenkapitör Saalwöchter von der Reichsmarineverwaltung in Berlin geladen. Als Dolmetscher fungieren die Herren Peters und A r m h a u s aus Leipzig. Zuhörerraum ist dicht besetzt, auch sind zahlreiche a u s- l ä n d i sch e Journalisten, namentlich englisch«, zugegen. Der An- geklagte D i t t m a r ist zurzeit Oberleutnant zur See in Cuxhaven, der Angeklagte Boldt Kaufmann in Donzig. Der Oberreichsonwalt ha: gegen beide Anklage wegen vorsätzlichen Mordes erhoben, weil sie, nachdem das U-Boot 86 am 27. Juni 1918 12l> Seemeilen westlich der Südspitze von Irland das Lazarettschiff Llandovery Castle versenkt hatte, gemeinsam mit dem Führer des U-Bootes, Kapitänleutnant Patzig die Schiffbrüchigen nach Auf- nähme in die Rettungsboote völkerrechtswidrig habe b e- schießen lassen, um die Zeugen der völkerrechtswidrigen Versen- kung des Lazarettschifies zu beseitigen. Kapitänleutnant Patzig ist verschwunden. Er hatte die Angeklagten verpflichtet, nichts über die Ereignisse jenes Tages aus- zusagen. In seinem Kriegstagebuch hat Patzig nichts von diesen Vorgängen erwähnt. Er hat, wie die Anklageschrift schließlich hervorhebt, während der Beschießung die Mannschaft seines U-Bootes unter Deck gehalten, damit sse nicht Zeugen der Tat fein sollten. Beide Angeklagte haben in der Voruntersuchung jede Aus- kunft über die Ereignisse ttes Tages verweigert, und zwar unter Berufung auf ihr dem Kaptiänleutnant Patzig gegebenes Ver- sprechen. Der Angeklagte Dittmar erklärt, auch heute nichts aussagen zu wollen. Boldt dagegen äußert sich allgemein über die äußeren Umstände und erklärt, er sei st o l z, unter einem Kommandanten wie Patzig tätig gewesen zu sein. Er schildert u. a. den Augenblick, als„U. 86" nur noch einen Torpedo und ein verbogenes Sehrohr hatte und eine Reihe von feindlichen Kriegsschiffen sich ihm näherte. Damals wurde von „U. 86" das amerikanische Transportschiff„Eincinnali" versenkt. Er meint, wenn alle U-Bootskommandanten Männer wie Patzig ge- wesen wären, dann hätte England den Krieg nicht gewinnen können. Der Präsident bemerkt hierbei, hier sei nicht der Ort. um den Krieg nachzuprüfen. Patzig habe sich, so erklärt Boldt schließlich, geirrt und sich in der Wahl der Mitel vergriffen, aber er habe den helligen Willen gehabt, die Hungerblockade zu sprengen und Deutschland zum Siege zu führen. Welche Gründe Patzig gehabt habe, in seinem Kriegsbuch nichts von den Vorgängen zu verzeichnen, wisse er nicht. Hierauf beginnt die Zeugenvernehmung. Großi�erlw Einbruch bei fiüolf tzoffmann. Einbrecher besuchten die' Wohnung des Reichstagsabgeordneten Adolf H o f f m a n n in der Koppenstraße 6 in der Nacht zum gestrigen Montag. Adolf Hoffmann war am Sonnabend mit seiner Frau nach seinem außerhalb Berlins gelegenen Landhaus gefahren. In der Zwischenzeit ist seine Wohnung geradezu vandalisch ver- wüstet worden. Große Mengen Kleidungs- und Wäschestücke, Schmucksachen usw. im Gesamtwert von u n g e f ä h r 100 006 M. sind gestohlen worden. Schränke und Behältnisse waren erbrochen und viele Möbesstücke zer- trümmert und selbst die Wäsche von den Betten abgezogen. Fest- gestellt ist das Fehlen von 7S0 M. barem Geld«, ferner sind ge- stöhlen 44 groß« und kleine Bettbezüge. 26 Laken, mehrere große und kleine Tischtücher, 2 Dutzend Servietten, mehrere Dutzend Damen- und Herrenhemden, Damen- und Herrenunterwäsche, An- züge und Kleider und verschiedene Schmucksachen, so Broschen und Ohrring«, Türkisen in Silber gefaßt, einen Korallenschmuck, eine Goldbrosche mit Perlen, zwei goldene Ringe mit Brillanten, zwei goldene Kneifer und andere Gold- und Silbersachen. Vor Ankauf dieser Sachen wird gewarnt. Die Wäsche sst zum größten Teil R. H. und K. II. und M. P. gezeichnet. Wahrscheinlich haben die Einbrecher die Beute in verschiedenen Koffern und Handtaschen weg- geschleppt, die ebenfalls mitgestohlen wurden, so ein Fiberhand. koffcr, ein Robrplattenkoffer, eine braunlederne Reisehandtasche und ein« graue Handtasche aus Krokodilleder. Trotz der reichen Beute scheinen die Einbrecher bei der Tat ge- stört worden zu sein, da sie noch vieles zurückgelassen haben. Die Zerstörungswut der Einbrecher hat zu der Vermutung Veranlassung gegeben, daß es sich um einen Racheakt handeln könne. Zweckdien- liche Mitteilungen zur Aufklärung des Einbruchs sind an Kriminal- kommissar Dr. Schuppe, Dezernat B. I, 1, im Zimmer 84 des Polizeipräsidiums zu richten. Unvorschristsmäßkge Drucksachen. Was bei Drucksachen zu vermeiden ist! Für Drucksachen hatte die Reichspost in den Jahren des Auf- schwungs mehr und mehr Erleichterungen zugelassen. Jetzt, da die Verwaltung vor Älem Einnahmen erzielen will, hält sie auf strenge Einhaltung der in besseren Zeiten gezogenen Grenzen. Die Post- beamten sind, wie berichtet, angewiesen, eifrig und scharf nachzu- prüfen. Sie sollen insbesondere auf folgende Verstöße achten: Drucksachen mit verschiedenen Aufschriften werden zu einer Sen- dung vereinigt. Es werden namentlich Zeitungen. Briese oder Zettel mit brieflichen Mitteilungen beigelegt. Sie enthalten Durchdrucke, Pausen oder Durchschläge"mit Schreibmaschine. Als Drucksachen wer- den Sendungen eingeliefert, die als Geslyäftspapiere, Mischsendungen oder Warenproben gelten mußten. Vordrucke werden durch Sttei- chungen, Unterstreichungen usw. für den einzelnen Fall zugerichtet. Bordrucke aller Art werden an offen gelassenen Stellen mit anderen als den erlaubten handschriftlichen oder mechanischen Zusätzen ver- sehen. Der Betrag oder der Fälligkeitstag wird handschriftlich oder durch Stempel eingerückt. Es werden fünf Worte handschristlich zu- gesetzt, während dies nur für Grüße, gute Wünsche usw. bei Be- suchen, an Weihnachten und Neujahr, nicht �gber an Ostern oder gar Pfingsten erlaubt ist— alles Dinge, die man vermeiden muß. pfcrienspiele für Schulkinder. Das Jugendamt teilt mit: In der Zeit vom 11. Juli bis 13. August d. I. werden auf den Berliner Außenspielplätzen werk» täglich Ferienspiele für Schulkinder abgehalten. Sammelplätze (Schulhöfe) zur Hinausbeförderung der Kinder sind: 1. Für Spielplatz Grunewald: Berlin, Levetzowstr. 26, Derss- liugerstr. 18a. Culmstr. 16, Tempelhofer Ufer 20: Charlottenburm Sophie-Eharlotte-Str. 69/70, Krumme Str. 10, Joachimsthaler Str. 31/82, Kaiserin-Augusta-Allee: Wilmersdorf: Giefelerstr. 1/7: Spandau: Mauerstrahe: Steglitz: Gymnasium Heesestr. 16: Lichterfelde-West: Neuschateller Straße, Ecke Händelplatz: Lichterfelde-Osts 3. Gemeinde- Schule Kastanien-Allee 7: Lankwitz: Gemeindeschule Schulstraße. 2. Spielplatz Tegel: Berlin: Hannoversche Str. 20, Stephanftr. 3, Ostender Str. 39, Müllerstr. 48, Schöningstr. 17, Bremer Str. 13/17, Turmstt. 76, Alt-Moabit 23, Müllerstr. 168: Reinickendorf: Lindauer Straße, Aug.-Bikt.-Alle«, Eichhornstraß«: Wittenau: Neue Schul«, Sommcrfeldstraße. 3. Spielplatz Blankenfelde I: Berlin: Keibel- straße 31, Prenzlauer Allee 227, Pasteurstr. 5, Senefelder Str. 6. Sreisenhagener Str. 20; Pankow: Grunowstraße, Kaiser-Friedrich- Straße: Niederschönhausen: Nordend, Rofenthaler Weg, 4. Spielplatz Blankenfelde II: Berlin: Gipsstr. 23a. Stralsunder Str. 64. Christiemiaftr. 36. Sonnenburaer Str. 20, Oderberger Stt. 87: Rosen- thal: Kastanienallee. 6. Spielplatz Buch: Berlin: Kesselstr. 3/4, Gartenstr. 107a, Putbuser Str. 3, Schulstr. 99. Pankstr. 20, Prinzen- allce 8, Dmesener Str. 22. 6. Spielplatz Wartenberg: Berlin: Mei neler Stt. 24, Gr. Frankfurter Stt. 23, Friedenstr. 1, Rigaer Straße 29, Straßmannstt. 6, Petersburger Stt. 4. 7. Spielplatz Hohenschönhausen: Berlin: Hausburgstr. 20, Zellestr. 12, Pettenkofer- sttaße 20; Weißensee: Wörthsttaße. 8. Spielplatz Plänterwald: Berlin: Gneisenauftt. 7, Dieffenbachstt. 60, Wilmsstt. 10, Alle Iakob- straße 127, Britzer Str. 17, Reichenberger Str. 131. Görlitz« Stt. 51: Sttalau-Rummelsburg: Gemeindeschule. 9. Spielplatz Wulheide: Berlin: Köpenicker Stt. 126, Mariannenufcr 1a, Köpenicker Stt. 2, Goßlerstr. 61, Lange Str. 76, Markusstr. 49, Niederwallstr. 67; Lichtenberg: Holteistraße: Oberschöneweide: Frischestt. 10. Spielplatz Pferdebucht: Köpenick: Schule Borgmannstrah«, Turnhalle, Schule Glienicker Straße: Grünau-Bohnsdorf: Bismarckstraße: Friedrichs- Hagen. 11. Spielplatz Königsheide Neukölln: Neukölln: Boddinsttaße, Mittelschule Donaustraße, Herzbergxlatz, Warthesttaße; Schöneberg: 11. Schule Feurigstraße. 12. Spielplatz des Turnvereins„Fichte": Treptow: Kiefholzftt. 46: Baumschulenwcg: Kiefholzstt. 27/34; Niederschöneweide: Berliner Stt. 31: Tempelhof: Bahnhof; Johannis- thal: Kaiser-Wilhelm-Str. 8: Adlershof: Radickestr. 44; Alt-Glisnicke: Köpenicker Str. 30/31. Die Kinder haben stch an den Spieltagen bis spätestens 7% Uhr morgens auf einem der Sammelplätze einzufinden. Die Beittäge der Kinder für Verpflegung, Beförderung usw. bettagen täglich: Für 1 Kind 1 M., für ein zweites Kind einer Familie 60 Pf: wettere Kinder einer Familie sind frei. Dieser Betrag ermäßigt sich für die Kinder, die ihren Spielplatz im Fußmarsch erreichen, um die Hälfte(60 bzw. 26 Pf.). Trink- und Eßgeschirr aus Glas oder Porzellan darf auf keinen Fall mit zu den Spielplätzen gebracht werden. Außerdem werden vom 11. Juli bis 13. August d. I. merktäglich von 9—12 Uhr vormittags und 3— 7 Uhr nachmittags auf folgenden Spielplätzen und Schulhöfen Bewegungsspiele für Gemeindeschul- kmder veranstaltet: 1. Gneisenaustr. 7(40., 91. und 101. Gemeinde- schule), 2. Am Urban(Spielplatz), 3. Sknlitzer Stt. 65/66(115. und 237. Gemeindeschule), 4. Schmidstr. 38(62. Gemeindeschule)» 5. Koppenstr. 84(18. Gemeindcschule), 6. Andrcasstt. 16a(126. Ge» meindeschule), 7. Petersburger Stt. 4(3./203. Gemeindeschule). 8. Krautstr. 43(38. Gemeindeschule), nur für Mädchen, 9. Danziger Straße 23(162./197. Gemcindeschulc), 10. Kopncnplatz 12(1. Ge- meindeschule), 11. Prenzlauer Allee 227/28(105./121. Gemeindeschule), 12. An der Einsamen Pappel(Spielplatz Schönhauser Allee), 13. Sttalsunder Stt. 64(61., 148., 260. Gemeindeschule), 14. Wiesen- straße 62/64(Spielplatz), 13. Brem« Stt. 22/33(Spielplatz), 16. Ecke Katzbachstraße und Dreibundstraße(Spielplatz). „königlich" möchte wohl auch im Machtbereich des Polizei� Präsidiums Berlin noch manche Verwaltungsstelle heißen? Große Verwunderung erregen am Hause Georgenkirchstt. 1 ein paar Emailleschilder mit der Inschrift„K g l. Polizei- Bezirksamt Friedrichshain". Vielleicht war das„Kgl." schon mal notdürftig mit einem Zettel überklebt, der später wted« abfiel oder abgerissen wurde. Aber bemerkt denn das keiner der unteren, mittleren und höheren Beamten, die da ein- und ausgehen� Hätte die verantwortliche Stelle ernstliche Neigung zur Beseitigung des„Kgl.", so brauchte sie noch einem gründlicheren Verfahren zur Austilgung des olberneii Zusatzes nicht lange zu suchen. Auch beim Einwohnermeldeamt des Polizeipräsidiums will man sich immer noch nicht von der ehemaligen„Königlichkeit" trennen. Noch in diesem Monat Juli ging von dort ein Brief ab, der mit einem Gummistempel„Das Einwohnermeldeamt des Kgl. Polizeipräsidiums" unterstempelt war. Jeder weiß, wie leicht es ist, aus einem Gummistempel ein Wort herauszuschneiden. Sollen wir glauben, daß der in Frage kommende Beamte nicht begreift, wie sehr der Weitergebrauch dieses Stempels als eine Der- höhnung der durch Gesetz festgelegten republikanischen Staateform empfunden werden muh?' Es ist ein Skandal, daß nicht endlich die leitenden Pcrsönlicb Seiten für strengste Konttolle sorgen, die solche Dinge unmöglich macht. Die Kinderhorte während der Schulferien. In Anlehnung an einen Erlaß des Reichsarbeitsministers, der stch gegen die be- absichtigte Schließung von Kmd«bewahranstalten und Kinderhorten verschiedener Slädte während d« Schulferien wendet, ersucht auch das Preußische Wohlfahrtsministertmn die preußischen Drtwaltungs- behörden, darauf hinzuwirken, daß die K ludert, orte und Kind«- bewahranstalten während der F«ien offengehalten werden. Ins- befand«« erscheint es dem Wohlfahrtsminist« im Hinblick auf die ungünstigen Gesundheitsverhältnisse der Kind« nötig, für die zu betreuenden Kinde? Ferienspiele, Tagesaueflüge, Luftbäder usw. einzurichten, so daß die Ferienzeit auch den nicht zur Erholung ver- schickten Kindern gesundheitlich Nutzen bringt. Ei» Zstangel im Berlin« Adreßbuch. Ausgabe 1921. Durch Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin vpm 26. April 1920 ist die Landgemeinde Wannsse mit dem 1. Oktober vorigen Jahres aus dem Kreise Teltow ausgeschieden und zur Stadt- gemeinde Berlin getreten. W« aber denkt, daß Wonnsee auch in der soeben erschienenen Ausgab« 1921 Aufnahme gefunden hätte, d« hat sich leider sehr getäuscht. Vergebens sucht man in dieser Ausgabe Einwohner von Wannsee und den Ortslageplan. Warum hat Wannsee keine Aufnahme gefunden? Wen trifft die Schuld� Es müßte umgehend dafür gesorgt werden, daß dieser Mangel durch einen Nachtrag ausgeglichen und daß ferner in der Ausgabe 1922 Wannsee nicht wieder vergessen wird. Einbrecher an d« Arbeil. Wohnungseiirbrecher stahlen bei dem Kaufmann Jakob Reumann in der Rofenthaler Str. 40 außer wertvollen Schmucksachen und einer aus 600 Silbermünzen bestehenden Sammlung 16000 M. deutsches und 10000 M. pol- nisches Geld, bei d« Frau Herdlaß in der Brandenburgi- schen Str. 21 fiir 26000 M. Schmucksachen. Kleidungs- und Wäschestücke, bei dem Schneidermeister Louis Schmidt in der Rabestraße 3 für 16 000 M., bei dem Kaufmann K o n r a d A h r e n d in der B i r k e n st r. 30 fiir 17 5 0 0 M. und bei dem Kaufmann Sally Littmann am Kaiser-Franz-Grena- d i e r- P l a tz 6 für 610 0 0 M. Sachen aller Art. Die B«lin« Feuerwehr wurde gestern noch der Verlängerten Kniprodestraße gerufen, wo in der Kolonie„Neues Heim" ein kleines Kind in ein Wasserfaß gestürzt und ertrunken war. Die' Feuerwehr brachte das Kind sofort nach dem Krankenhaus am Friedrichshain, wo es leider gestorben ist. Aach Unterschlagung von 100 090 M. ist der Konttolleur beim MUchamt— Meierei Bolle— Johann R ogalla durchgebrannt. Er ist in Bsschofsburg geboren und bewohnte zuletzt in der Hagel- berg« Sttaße LI«in möbliertes Zimmer. Der frühere Berlin« Stadtrat Alberti ist am Montag auf dem Jugendamt infolge eines Herzschlages tot zusammengebrochen. Die Protestv«sammlung gegen die Schließung der Fahrkarten- schatter am Bahnhof N o w a w e s hat bereits am vergangenen Sonntag stattgefunden. Die Notiz im heutigen Morgenblatt beruhte auf einem Versehen. Das Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Trocken und überwiegend beiter, nachts kühl, am Tage ziemlich warm, bei ziemlich frischen nordwestlichen Winde». Hroß-Serliner Parteinachrichten. Henke. Dienstag, den 12. Zuli: 114. Abt. Lichtenberg. 7V, Uhr MirgUederoerfammIung im Lotal Rienecker. Trostener Straße 14. Der Parteitag in Gdrlitt. Referent: Kenofle Dr. Fechitn. in,■Übt. Abends 7 USr PsrftandsstKung beim Senosien Fan dereit Prinz Aibert- Straße 8Z. Sämtliche FunUlonäre, BetricbsverirarlrnaTeutc und Elternbeiräte miissen erscheinen. Morgen, Mittwoch, den 13. Zuli: Nowawes. Abends 8 Uhr im Nestaurant Thalia-Eaf«, Lindcnstratze, Mitglieder- Versammlung. Taaesordnimg: Bericht der-Zeiinngskommlssion. 2. Äommunoles. (Etatsbesprechung) Referent: Genosse LUscher. Säfte willkommen. Arbeitersport. Arbeiter. Wasterspcrt-Derband Are!» I. Die nächste Springerftbungsswnde findet am Freitag, den IS. Juli im Seebad Rummelsburg(Mafello), abend» 7 Uhr statt. Die kechn Leiter der Vereine sind verpflichtet, alle Herren, Dameu und Jugend. springer daraus hinzuwetseu. GeweBsthastsbowegung öetrübte Lohgerber. Ist auch das ehrbare Handwerk der Lohgerber längst verdrängt, so blieb doch die Erinnerung, in welchen Gemütszustand die Loh- gerbcr gerieten, wenn ihnen die Felle davonschwammen. In diese Bersassung geriet auch jene Gruppe der VKPD., die sich so eifrig um den Streik der städtischen Arbeiter bemühte und der nun durch die Beilegung des Gutsarbeiterstreiks die jetzt seltener werdende Ge- legenheit zu"einer großen„Aktion" entgangen ist. Das ganze Ge- triebe der Millionenstadt Berlin lahmzulegen, das von„Men- schewisten", und zwar hauptsächlich von der SPD., verwaltet wird, das mußte nicht nur zu einer besseren Note aus Moskau verhelfen, zur Erbauung des„roten" Gewerkschaftskongresses beitragen, sondern auch für die Neuwahlen im Herbst eine famose Wahlparole, geradezu d i e Wahlparole der BKPD. abgeben. Und da kommen diese SPD.-„Verräter" bei und machen dem Streik der Gutsarbeiter ein Ende, verpfuschen damit die ganze„Aktion". Der in diesem Falle zuständige Dezernent der BKPD.-Aktion, Herr Max Dörr, ist natürlich am meisten betrübt und sucht unter allerlei belustigenden Grimassen und Schimpfereien seinem gepreßten Herzen in der„Roten Fahne" vom Sonntag Lust zu machen und von den fortgeschwommenen Fellen noch etwas zu retten. Die Sozialdemokratische Partei werde„die Konsequenz ihres Ver- brechens" tragen müssen. Sie wird mit Freuden bereit sein, die Konsequenz zu ziehen aus der Beilegung des Gutsarbeiterstreiks und dem Scheitern der großen„Aktion". Wir haben menschliches Verständnis für solche Situationen genug und auch Sinn für unfreiwilligen Humor, um dem BKPD-. Mann Dörr von vornherein mildernde Umstände zuzubilligen. Doch wenn er ausdrücklich auf die untere Grenze der Berlumpung hin- weist, müßte er für die Folge denn doch etwas sorgsamer darauf bedacht sein, nicht zu weit unter diese Grenze zu geraten. Selbst wenn er an seinem Schreibtisch die ganze SPD. in seinem Aerger restlos„erledigt" hat, so muß er sich doch sagen, daß die armen Menschen, die ihr heute noch angehören, nachher nicht wüßten, wo sie bleiben, und es sich doch auch von Held Dörr nicht gefallen lassen müssen,„als geistig Arme oder als Lump unter Lumpen" be- zeichnet zu werden. Es lohnt sich nicht, den Folgen hier weiter nachzugehen, die die Betrübnis ob der fortgeschwommenen Felle bei Dörr ge- nommen hat. Nur die Methode sei kurz gekennzeichnet, die D. bei seiner Darstellung des Streikoerlaufs anwandte. Es ist ein Unterschied, ob ein Sozialdemokrat zu einer gewerk- schaftlichen Lohnforderung als Bertreter seiner Organisation oder als Arbclitzeberoertreter der Gemeinde Berlin Stellung zu nehmen hat. Er muß in jedem Falle die Interessen der Arbeitslosen vertreten. Es ist nicht gesagt, daß die restlose Erfüllung jed- weder Forderung, die ein kleiner Teil der Arbeiter erhebt, auch im Interesse der Gesamtheit liegt. Das Ganze steht höher als ein einzelner Teii. Der„Vorwärts" hat am Sonntag in einem Artikel in der 2. Beilage die Verhältnisse eingehend geschildert. Dörr ver- schweigt diesen Unterschied. Für ihn ist jeder SPD.-Mann, sei er Gewerkschaftsfunktionär, fei er als Stadtverordneter Arbeitgeber- Vertreter des Magistrats, sei er als Magistratsmitglied zur Aus- führung dessen Beschlüsse verpflichtet, wie z. B. Genosie Koblenzer, als er die Perbindlichkeit des Schiedsspruches beantragte—„Sozial- Verräter". Das war für Dörr au„beweisen", und alles, was etwa dieser Beweisführung hinderlich ist, muß als unbequem beiseite geschoben werden. Dem Genossen K o b l e n zer wird insbesondere zum Borwurf gemacht, er habe als Beteiligter einer Berhandlungs- kommission dem Oberbürgermeister eine Nachricht mit zu überbringen gehabt, sich jedoch im Porzimmer von den übrigen Beauftragten I getrennt, um zunächst allein mit dem Oberbürgermeister zu sprechen. | Wo» er mit demselben gesprochen hat, gibt Dörr in der„Roten Fahne" fettgedruckt wieder:„Er chat diesem mitgeteilt, daß es in der augenblicklichen Situation darauf ankomme, den Streikbeschluß der gerade tagenden Funktionärversammlung durch ein« Mittellung zu verhindern." Dem wahrheitsliebenden Herrn Dörr war bekannt, daß der Magistrat sich festgelegt hatte. Es kam nun aber zunächst darauf an, den Oberbürgermeister zu informieren, worauf es zu- nächst ankomme, um ihn zu bewegen, von dem Beschlüsse, an den er gebunden war, abzugehen. Es konnte sich nicht um irgendeine „Mitteilung" handeln, um den Streikbeschluß„zu verhindern", viel- mehr konnte dies nur durch eine bestimmte Zusage des Ma- gistrats erreicht werden. Es war in dieser Situation geradezu Pflicht des Magistratsmitgliedes Koblenzer, die Zusage zu erzielen, und was ihm Dörr hier zum Vorwurf macht, ist geradezu ein Ver- dienst um die B e i l e g u n g des Streiks. Es ist immer ein „Doppelspiel", wenn der eine die Rolle des Vertreters der fordern- den Arbeitnehmer einzunehmen hat und der andere die Rolle des Vertreters des Arbeitgebers. Und die Stadt Berlin als Arbeitgeber kann im allgememen jeder Sozialdemokrat vertreten. Die Kommunisten„kämpfen ohne Kompromisse". Während sie ihre Aufgabe im„Attionsmachen" erblicken, sehen wir unsere Auf- Sabe nach wie vor in der Verständigung. Das ist der fundamentale nterschied zwischen SPD. und BKPD., der Unterschied zwischen vernünftigen Leuten und betrübten Lohgerbern überhaupt. Und darum das Geschrei der Kommunisten, das sie darüber noch weiter fortsetzen werden, bis sich für sie wieder eine neue Gelegenheit zur Aktion zeigt._ Arbeitszeit und Arbeitslosigkeit. Die stetig zunehmende Zahl der Arbeitslosen macht es der in Arbeit stehenden Arbeiterschaft zur Pflicht, umgehend die Frage zu besprechen, inwieweit es möglich ist, die augenblickliche Not der be- dauernswerten Arbeitslosen zu mildern bevor von Reich, Staat und Gemeinde weitere durchgreifendere Maßnahmen erfolgen. Die gewerkschaftlichen Instanzen haben sich wiederholt und eingehend mit der Frage der Arbeitslosigkeit und deren Folgen beschäftigt. In der letzten Plenarversammlung der Gewerkschaftskommission wurde von einigen Rednern darauf hingewiesen, daß im Interesse der Arbeitslosen zuerst streng darauf gehalten werden müßte, daß in allen Betrieben, wo der achtstündige Arbeitstag besteht, derselbe auch eingehalten und die Leistung von Ueberstunden auf jeden Fall unterbleiben müßte; darüber hinaus mühte versucht werden, die Arbeitszeit zu verkürzen, um dadurch Stellen für die Arbeitslosen frei zu machen. Auch eine materielle Unterstützung der Arbeitslosen durch die Arbeitenden müßte Platz greifen. Bon verschiedenen Seiten sind uns Mitteilungen zugegangen, wonach in einzelnen Betrieben im Nahrungsmittelgroßhandel seit langer Zeit Ueberstunden in großer Zahl geleistet werden. Dies ist«in schreiendes Unrecht gegen unsere arbeitslosen Brüder, und es muß unter allen Umständen Wandel geschaffen werden. Um zu diesen brennenden Fragen Stellung zu nehmen, findet am Donnerstag, abends 7 Uhr im Schultheiß-Ausschank Neue Jakob- straße 24/2S, eine allgemeine Versammlung der Petriebsvertrauens- leute, Betriebsräte und Betriebsobleute aus den Betrieben der Nah- rungs- und Genußmittelbetriebe der Sektion Vlll des Deutschen Transportarbeiteroerbandes statt. Jeder der in Frage kommenden Funktionäre, welcher Mitgefühl für unsere arbeitslosen Brüder hat, muß bestimmt zu dieser Versammlung erscheinen. _ Die Sektionsleitung. Streik in den mecklenburgische« Ostseebädern. Entgegen den durch die Presse laufenden Notizen, die von einem Fehlschlagen des Streik» der Hotelangestellten in den mecklenburgi-' schen Ostseebädern sprechen, stellt dieOrganisattonsleitung des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cofeangestellten ausdrücklich fest, daß bisher lediglich die Angestellten eines Ostsee. bades, und zwar die des Badeortes Brunshaupten-Arend- f e e, die Arbeit eingestellt haben, um an Stelle des Trink- gelbes angemessene Bezahlung seitens der Arbeitgeber zu erreichen und zu verhindern, daß das Publikum durch Erhebung von Prozenten übervorteilt wird. Der Streik in Brunshaupten, an dem 32 Betriebe beteiligt waren, ist innerhalb eines Tages durch Anerkennung der Forderungen beigelegt. Sollten die Arbeitgeber der übrigen Ostseebäder in Mecklenburg, Warne- münde, Heiligendamm und Mllritz-Graal nicht zu t«:iflichen Ab- machungen mit der Angestelltenorganisation kommen, M ist auch an diesen Plätzen ein Streik zu befürchten. Zur Lage der Molkereiarbeiter. Vom Verband der land- und forstwirtschaftlichen Angestellten wird uns geschrieben: Ein geradezu klassisches Beispiel für die Unrichtigkeit der Be- hauptung, daß die hohen Preise von den hohen Löhnen herrühren, bieten die Arbeits- und Bezahlungsoerhältnifle bei den in der Land- und Forstwirtschaft und deren Nebenbetrieben tätigen Angestellten. So ist z. B. in den Meiereien und Käsereien in ver- schiedenen Gegenden Deutschlands die normale Arbeitszeit 12 bis 14 Stunden den Tag. Im Freistaat Danzig und einem Teil Oft- preußens wird sogar 16 Stunden gearbeitet bei einer Bezahlung von 15 0, 200 und 250 M. Lohn im Monat und freier Station. Da Sonn- und Feiertags ebenfalls gearbeitet wird— etwa 10 Stunden den Tag—, so kommt eine Arbeitszeit von mindestens 84 Stunden in einer Woche heraus, die nicht selten auf 100 und darüber steigt. Ruhetage in der Woche sind etwas vollständig Unbekanntes. Dabei ist die Stellenlosigkeit in diesem Berufszweige infolge des durch die Kriegsfolgen bedingten Rückganges der Milchanlieserungen in die Meiereien und Käsereien eine ganz ungeheure. Der Reichsarbeitsministrr wurde am 25. Mai in Form einer Eingabe auf diese Verhältnisse von uns aufmerksam gemacht. Schätzungsweise 60— 70 Pr o z. der Berufsangehörigen sind stellenlos. Auf eine Stelle meldeten"sich (nachweisbar) mindestens 50 Bewerber. Diese unglaublichen Zustände, deren Darstellung durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht, konnten natürlich nur in einem Beruf entstehen, dessen Angehörige auf der einen Seite vom Arbeit- gebcr in einem wahrhaft patriarchalischen Abhängigkeitsverhältnis geHallen werden, während auf der anderen Seite ein Teil sich immer noch nicht vom Standesdünkel freimachen kann. Zu ihrem eigenen Schaden, wie wir sehen. Eine Aenderung wird auch hier erst"dann möglich sein, wenn die betreffenden Arbeitnehmerschichten sich von ihren deutschnationalen oder chriftlich-sozialen Vereinigungen ab- wenden und den Kollegen sich anschließen, die in dem freigewerk- schafllichen Verband land- und forstwirtschaftlicher Angestellter, Berlin SW. 48, Enkeplatz 6, organisiert sind. Erst dann wird es den Molkereifachleuten möglich sein, sich die Bezahlung und die Beachtung zu erkämpfen, die ihnen nicht nur als Menschen, sondern auch als äußerst wichtiger Faktor des Wirtschaftslebens gebührt. (Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck ersucht.) Werkmeister» erSand. Werkmeister der«eschSst-bacherfairikm und Liniiee. anftalteu. Heut«« Uhr Versammlung im Buremi. Stralauer Str. 58. Wichtig» Tageeordnung. Berantt». für den redalt. keil: Dr. Werner«eiser, Tcharlottenburg: für ilry eigen! Sd. Glocke, Berlin. Verlag: vorioärtS-verlag G. m. s. H.. Berlin. Druck: Bor- wärtS-Vnibdruckeret u. Verlagzanttalt Paul Singer«. So.. Berlin. Linsenlir. S. kezirllzvcl'd.stekfinSk'o. 12. Adteilung. Am Tonntag, 10. Juli, verstarb unser alter treuer Parteigenosse, der Znvaiide Heinrich Damsch T' Adalberistr. 20 im Alter von 72 Iahren. Ehre seinem Andenken! Einäscherung: Donner»- tag, II. Juli, nachm. 2 Uhr, im Krematorium Baum- schulcnweg. 210/15 Um rege Beteiligung bittet Der Abteilungsvorstand. desonä. leies u. Gocrz werden ständig angekanft Photohaus Steckelmann Berlin W9, Potsdamer Str. 135 Fabrikpreise Lieferung frei Haus Metall-Bettstellen Kinderwagen, Bettfedern, Korbmöbel Fürst, Nenkölln IlermannatraBe 38 Ecke Mahlower Str.• Fabrik I. Ruhebetten, Auflegematratzen u. Feldbettstellen. rillanten, Juwelen ImniH ar>d> ganze NachUUae "Ca MI* besonders grobe Posten gute Ware, zum höchsten Kurs, Amsterdamer Dlamantensehletreref W» Gegr. 1892. 160 Friedricbstr. 160 Zahne™ 5." Brstkl. AnatShrang. 8 Jahre Oarantla. Umarbeitg. alt. Gebisse. an Reparaturen sofort. Qoldkronen- Brucken. Teilzahl. 9-7, Sonnt 9-1. 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