Nr.Z25� 3S.�ahrgang Ausgabe A Hr. 165 Bezugspreis t Siett»!iäl)cL30.— SR., monatL 10,— 9R. frei in. Hau», voraus zahlbar, Post- bczug: Manatlich 10,— M. einschl. Zu- stclluugsgebiihr, Unrer Kreuzband tüt Deutschland, Danzlg, das Eaar- und ilRemelqebiet. sowie die ehemals deut- fchen Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luremdura 20.- M. für das übrige Ausland 27,- SR. Dostbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tscheche- Eiowaiev Dänemarl. Holland, Luremburg, Schwede» und die Schweiz, Der»Borwärts� mit der Sonntag»- beilage»Volt und Zeit", der Uuier» dallungobeiiage»Helmwelt" und der Veilaae»Siedlung und Kleingarten� «rscheint wochentägllch zweimal, Eon»- tag» und Montags etiunai. Telegramm-Adreste: »SozlaiOcmotcal Seen«* Morgen Ansgabe c j Berliner Volksblatt AuzeigeupretS, Sic achlgelvalle»,«onpareilllezeil» lostet d/O S!»MI««»»«»zeig«»" da» ietigebruekt, Wo« l.ll0 M. lz». lässig zwei fettgebenitte fS»rt»), lebt, mettert Wo« l.—«BL Vlellengelach« und Schlasstellenanzeige«»a» erst» Won P— M. lebe,«eiier» Wo« Sv Vsg Worte llder Id Buchstabe» lühlen für zwei Wort», If ainil>e»-An- leigen sstr Abonnent»» Zeile i,— 30t Die Dreis» verstehen sich einschließlich Teuerungszuschl«» Anzeigen für dl»»Ich st» Rümmer müssen vi» S 711)»»schmlliag, im HauntgeschSft. verlin SW 08, Linden» straße S, abgegeben werden Geöffnet von g Udr früh bis» Uhr abends. �entralorgan der rozialdemohratifcben parte« peutfcblands Neöaktion und Expedition: EW 68, Lindenstc. Z Redaktion Niorifsplat) 15193—97 �crnfpreryer. q��ition Moritzplatz 11752—54 Mittwoch, den IS. Juli 1921 v-twärts-»«!«» S.m.b.h,,€11)68, rmStiislt.Z Sf dntfliti'rfirr ♦ Verlag. Expedition und Inseraten- �' Nl'tetiung Moritzplatz 1175S-54 Der Hunger in RußSanö. Nach zuverlässigen Meldungen, die dem Osi-Expreh au» Peiers- burg zugehen, ist die Lage in den Hungergegendcn des Wolga- und Samagebiets enlsehlich. Infolge der andauernden Hitze und Trockenheit zeigt der Erdboden an vielen Steen große Riffe, die Räume sind entblättert, das Vieh ist größtenteils zu Rahrungs- zwecken geschlachtet worden, ganze Dörfer sind von Aeuersbrünsten vernichtet,, die Brunnen und Flüsse sind auegetrocknet. Die. De- völkerung flüchtet nach allen Windrichtungen: mit Mühe ist es ge- lnngen, einen Teil der Flüchtlinge nach Sibirien und Tnr- k e st a n zu leiten. Unterwegs nähren sie sich von Gras, Baumrinde und anderen kümmerlichen Resten der Vegetation. Die Bevölkerung der Rachbargebiete bewacht die Landstraßen, um eine Besihergrei- fung ihrer im Korn stehenden Felder durch dle hungernden Flücht- Nnge zu verhüten hierbei ist es bereits zu Zusammen st ö ßen gekommen. Die Petersburger»Srasaaja Gaseta" verlangt euer- glsche Maßnahmen, um der Rot umgehend zu steuern, da die Lage überaus ernst sei. Die Moskauer„Ifweslija" fordern, daß man die hungernde Bevölkerung vor dem Tode und die Landwirtschafi vor dem gänzlichen Untergang rette: man müsse sofort eine Million Flüchtlinge nach Turkestan, Chiron und Buchara abschieben, wo sie bei den vewässerlyngsardeiten Verwendung finden könnten. In der Umgegend von P�lersburg und Moskau sind bereits die ersten Flüchtlinge aus dem Wolgagebiei ausgetaucht. Heisings or». 12. Zuli.(TU.) Der Vorsitzende des Zen- kralexekutivkomitees Kalenin äußerte, die Lage sei augenblicklich so kritisch, daß dle Bevölkerung noch bis zur neuen Ernte aussterben könnte. Die Sowsetregierung soll einell Hilferuf nach Amerika gesandt haben. » Wie wir erfahren, ist das Russische Roke Kreuz vom Znker- nationalen Roten kreuz anerkannt worden.(Will daraufhin viel- leicht das Bayerische Rote Kreuz austreten?) polnische Mißverstänümsse. Warschau, 12. Juli.(TU.) Seit 6 Wochen ist die deutsche Paß- stelle in Warschau obdachlos und kann daher ihre Tätigkeit nicht aus- üben. Nachdem ihr damals das bisherige Notquartier in einem neutralen Konsulat« nicht länger überlassen werden konnte, ist es nicht zu erreichen gewesen, daß die polnischen Behörden die noch von polnischen Privatleuten besetzten Räume in dem vor mehr als einem Jahre von der deutschen Gesandtschaft gekauften Gebäude freimachten. Nicht einmal durä) die erzwungene Stillegung der Paßstelle ist es erreicht worden, daß der deutschen Vertretung die Unterstützung der Behörden zur Ausübung ihrer Tätigkeit und zur Benutzung ihres eigenen Gebäudes zuteil wurde, heute wurde nun auch die ö st e r r e i ch i s ch e Paßstelle geschlossen, die ebenfalls Räume von der polnischen Regierung nicht erlangen konnte. Nächstens wird eine Ausreise von Warschau wohl kaum möglich sein. Auch die englische Paßstelle ist zurzeit geschlossen, die kürzlich schon einmal anläßlich des«nglisch-polnischen Zwischenfalles ihre Tätigkeit ein- gestellt hatte. Wie sagte doch der polnische Konsul in Bochum von der polni- schen Deutschenhetze wegen angeblicher Polenverfolgung in Deutsch- land?:»Bedauerliche Mißverständnisse.� Dazu gehören auch wohl diese: Gberschlesiens frieden. Raklbor, 12. Juli. lWTB,) Bei Reuhof. Kreis Ratlbor, fand heute früh gegen 4 Uhr ein Gefecht der Polen mit der deutschen Ortswehr statt, wobei fünf Polen erschossen wurden. 200 Flüchtlinge sind aus Orzclche, Nikolat. Pleß und Czerwionka eingetroffen, die infolge des polnischen Terrors flüchten mußten.— In G l e i« mitz wird die Pressezensur außerordentlich scharf gchandhabt. Berichte über Terrorakte der Polen und das Vorhandensein bewaffne- ter Insurgenten im Abstimmungsgebiet werden gestrichen.— In Oppeln kam es in der Nacht zum Montag zwischen französischen Kriminalagenten und deutschen Passanten zu einem Zusammenstoß, bei dem auch geschossen wurde. Ein Deutscher wurde getötet, ein Franzose erhielt einen Bauchschuß. Beamte der..Apo' säuberten die Straße, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Am Mon- tag nachmittag trafen ehemalige deutsche Gefangene des polnischen Jnternierungslagers Neuberun einige ihrer damaligen Peiniger auf der Straße wieder. Es entspann sich ein Handgemenge, in das die Fanzofen zugunsten der Polen eingriffen. Sie ließen schließlich sogar Ponzerautos gegen die Deutschen ausfahren. Verschwindet er? Die Abberufung des Generals L e R o n d wird der„Denn" in Berliner Ententekreisen bestöfigt. Sein Nachfolger soll wieder ein Franzose sein, vermutlich aber ein Zivilfunttionär. Vermiete angeben! Oppeln. 12. Juli. MTB.) Der Austausch von Internierten! und Gefangenen wird mit dem 14. d. M, einstweilen beendet sein. � Es muh jedoch damit gerechnet w-rden, daß eine Anzahl der von den Insurgenten internierten oder verschleppten Deutschen noch nicht in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Um sofort Nachforschungen einleiten zu können, sind Namen, Vornamen, au» welcher Gemeinde ver- schlepvt und wann, Anhaltspunkte über den augenblicklichen Auf- entboltsort und sonstige zweckdienliche Mitteilungen boldmöalichst an die Delegation des deutschen Noten Kreuzes bei der Kommission de» Internationalen Roten Kreuzes Oppeln, Oberrealschule, einzu- senden. Sunüesgenossen für tzollanö gesucht? Aus Amsterdam wird dem.Vorwärts' geschrieben: Die»Deutsche Tageszeitung' hat in einer Besprechung der holländischen Kabinettskrise den Anteil unseres Parteigenossen Troelstra in so unrichtiger Weise dargestellt, daß eine Nichtig- stellung erforderlich ist. Die Krise ist entstanden durch die Verwerfung einer Gesetzes« Vorlage zur HeercSstärke. Unsere Partei forderte völlige Abrüstung. Die »Deutsche Tageszeitung' schreibt nun, Troelstra hätte in diesem Zusam- hang»einige Worte' fallen lasten über, Bundesgenossen, die dieseSLand suchen müsse, um sieb seine Unabhängigkeit zu erhalten und das viele Geld für die eigene Landesverteidigung zu sparen'. Dem sügt dann daS Blatt hinzu:»Natürlich ist man in Brüste! und Paris hell- hörig. Dort freuen sich die kriegerisch gesinnten Kreise. Wunder- sibönl Diese.BundeSgenostcnschaft' ionn Holland jeden Tag habenl' Und da« Blatt schließt damit, diese Gedanken TroelstraS»zeugen von AlterSmndigkeit und Willenlosigkeit'. Tatsächlich hat Troelstra ganz etwas anderes gesagt, nl« die »Deutsche Tageszeitung' ihm in den Mund legt. Als die Uebermili- taristen die Regierungsvorlage wegen ungenügender Stärke der Armee kritisierten, antwortete der Kriegsminister Pop, aus eigener Kraft könne Holland sich wohl nie gegen einen übermächtigen Angriff verteidigen; eS könne dabei denn aber mit Bundesgenossen rechnen und hätte nur den ersten Stoß mit den eigenen Truppen aufzu» fangen. Anläßlich dieser Aeußeruno nun sagte Troelstra, seit der Eni- waffnung DeutsckilandS können als BundeSgenosten nur die Entente- mächte, namentlich Frankreich und Belgien, die schon darum ge- warben baben, in Frage kommen. Diese Bundesgenossen- ichaft wolle er aber nicht, weil sie den Anschluß an die heutigen neuen imperialistiichen und militaristischen Mächte be- deuten und Holland in den Strudel der Weltpolittk hineinziehen würde. Eine NegieruugSvotlage, die derartige Gefahren biete, würde unsere Partei um so mehr ablehnen. Man sieht, daß Troelstra daS genaue Gegenteil deffen gesagt hat, was die»Deutsche TageSztg.' ihm uulerschiebt. DaS Blatt schreibt über Sachen, von denen eS nicht das Allergeringste weiß. Freilich gibt der Aussatz in anderer Ricktung Aufschluß, nämlich indem er eine enthusiastische Uebereinstimmung mit der Politik der holländischen Uebermrlitaristen bekundet. Die Militaristen aller Länder bilden auch eine Internationale, gegen welche die Jntcrnaiionale der Abrüster sich kaum je mit zu großer Kraft auf- lehnen kann._ Der weg zur Einigung. Zweite Internationale und„Ztocieinhalb". Die englische Labour Party hat, wie schon berichtet, auf ihrer Tagung in Brighton eine Entschließung angenommen, die chren Vorstand verpflichtet,„angesichts der augenblick- lichen Lage der Arbeiterbewegung in Europa Schritte zur Festigung der Stellung der Zweiten Internationale zu un- ternehmen, die zur Sicherung ihrer demokratischen Grund- lagen gegen die Prinzipien der Diktatur geeignet sind. Es sollen an alle sozialistischen Organisationen der Welt Einla- düngen zu einer Konferenz geschickt werden, auf daß eine umfassende Internationale geschaffen werden Das Exekutivkomitee der Zweiten Internationale ist auf seiner letzten Tagung in London diesem Beschluß beigetreten. Sodann hat sich auch die Konserenz der„Internationalen Arbeitsgemeinschaft"(2�), die vom 8. bis 11. Juli in Frankfurt a. M. tagte, mit ihm beschäftigt. Ueber Verlauf und Ergebnis der Beratung berichtet die„Freiheit": Im Mittelpunkt der Debatten standen die Probleme des Reu- aufboues einer allumfassenden Internationale. Es wurde zu den Ergebniffen des Moskauer Kongreffes der kommunistischen Jnter- nationale sowie zu den Fragen, die durch einen Brief der eng- tischen Labour Party aufgeworfen wurden, Stellung ge- nommen. In diesem Brief wird vorgeschlagen, eine Fühlungnahme zwischen der Internationalen Arbeitsgemeinschaft und der zweiten Internationale vorzubereiten. Es wurde ein Antwortschreiben einstimmig beschlossen, worin erklärt wird, daß das Exckutixkomltse mit der Schaffung einer allumfassenden Znternallonale durchaus ein- verstanden sei. Solange aber der Gegesatz zwischen der re- formiftischen und der revolutionären Auffassung des Klassenkampfes bestehe, fehle die Basis der internationalen prols- tarischen Bereinigung, Unverbindliche Zusammenkünfte zu rein informatorischen Zwecken feien dagegen durchaus notwendig, wenn eine allumfassende Internationale schließlich zustande kommen soll. Der Einladung zu einer Besprechung der Exe- kutive der Labour Party mit dem Bureau der Internationalen Arbeitsgemeinschaft soll Folge geleistet werden, jedoch diese soll voll- ständig unabhängig von dem angeregten Konferenzplan sein. Es gibt also zunächst„unverbindliche Zusammenkünfte zu informatorischen Zwecken". Das weitere wird sich dann schon finden. Was wird in England! In all der Undurchsichtigkeit unserer eigenen parlamen- tarischen Entwicklung kann es nur ein schwacher Trost für uns sein, daß die Parteiverhältnisse in England fast noch weniger Ausblick in die Zukunft gestatten als die un- fern. Dieses Land, das wir einst um fein wohlgeordnetes parlamentarisches Leben beneiden konnten, steht augenblick- Uch einem vollkommenen Durcheinander gegen- 'über, oder wenn es im Augenblick noch nicht soweit ist, es erwartet ein solches. Die Zeichen mehren sich nicht erst seit gestern, daß die Parteiverhältnisse nicht mehr der tatsächlichen sozialen oder politischen Einstellung entsprechen. Im Kriege war es der starken und oft nach rechts wie nach links gewalttätig zielbewußten Persönlichkeit Lloyd Georges gelungen, durch eine Koalitionsregierung der Mittelgruppen der alten zwei englischen Parteien die Ge- schicke des Landes seinem Ziel, dem Siege, zuzuführen. Dabei aber ist er, der als radikaler Boden- und Sozialreformer seine politische Laufbahn angefangen hat, immer mehr von seinen fast sozialistischen Prinzipien abgerückt und hat in allen La- gern— bei den Anhängern wie den Gegnern dieser Kriegs- kompromißpolitik— entschiedene Feinde. Besonders d i e S o z i a l i st e n müssen die schärfsten Gegner dieses Mannes sein, der vor kurzer Zeit noch den Kampf gegen den Sozia- lismus uns die Arbeiterpartei zur Wahlparole zu machen versuchte. Für die Gestaltung der Geschicke ganz Europas ist es nun von höchster Bedeutung, was die Politik Englands sein wird, wer die Nachfolge Lloyd Georges übernehmen wird, und wie die Parteien sich gruppieren werden. Die Koalition ist innerlich zerfallen und wird nur noch durch die Macht der Persönlichkeit und des Einflüsse- Lloyd Georges zusammengehalten oder— was vielleicht noch trostloser ist für dieses Land alter politischer Tradition: sie steht noch, weil man keinen anderen an Lloyd Georges Stelle zu setzen weiß. Für die nächsten Wahlen rechnet die L a b o u r Party mit großem Stimmenzuwachs. Wenigstens wurde der Aus- gang des Bergarbeiterstreiks für die Wahlaussichten günstig angesehen, nachdem zuerst die Versuche der radikalen Ele- mente zu Anfang des Streiks, die Gruben ersaufen zu lassen, der Arbeiterpartei in der öffentlichen Meinung abträglich er- schienen waren. Man muß dabei bedenken,"daß die Partei ziemlich viel Anhänger aus intellektuellen Kreisen zählt. Sie ist als Parlamentsfraktion noch recht jung und dementsprechend klein, so daß ihre Führer wohl hoffen, durch Mandatszuwachs den bürgerlichen Parteien und Lloyd Georges Autokratie eine kräftigere Opposition entgegensetzen zu können, aber sich kaum stark genug fühlen, um schon nach den nächsten Wahlen selbst die Regierung zu übernehmen. Mancherlei Kombinationen über Neubildung von Par- teien sind durch die Zeitungen gegangen, ober ernsthafte Eni- scheidungen scheinen noch nicht getroffen. Die Koalition ist in der letzten Zeit in einer ganzen Reihe von Nachwahlen unter- legen, ein paarmal gegen Arbeiterkandidaten, meist aber gegen Anhänger der sogenannten Sparsamkeitsbe- w e g u n g. Das ist eine Gruppe von Politikern, die sich auf die„billige" Art und Weise, gegen jede Erhöhung der Staats- ausgaben— notwendige wie unnötige— zu stimmen, dem Steuerzahler angenehm zu machen wissen. So gewiß Eng- land heute eine Vureaukratie mit viel zu viel Beamten und roter Tinte ist, so ist es im Interesse des Volkes doch oft wenig wünschenswert, wenn alle möglichen Aemter unter der Spar- famkeitsparole eingezogen werden, wie etwa jetzt z. B. die Mindestlohnämter in der Landw"irtschafi. Der politische Hintergrund dieser Propaganda ist neben dem Stimmenfang der Steueninlustigen ein Unterwühlen d'r Grundlagen der Regierungsparteien, denn wie ein sozialisti- sches Blatt neulich schrieb:„das Amt sagen sie, und den Mann meinen sie", während die Sozialisten, die an sich natürlich auch gerade keine Freunde Lloyd Georges und feiner Bureau- kratie find, oft„das Amt zwar holten wollen und auf den Mann lieber verzichten würden". Einen positiven politischen oder sozialen Untergrund— außer dem der Zahlungsscheu— hat diese Sparsamkeitskampagne nicht, sie kann deshalb auch nicht als dauernd parteibildend angesehen werden. Daß mit dieser Parole die Neuwahlen zu machen sind, ist wohl kaum anzunehmen. Oft hört man in England die Befürchtung aussprechen, daß diese Wahlen zum Unheil des Landes ein allgemeine» Durcheinander von kleinen Gruppen ergeben würden, aus denen kaum eine tragfähige Negi-rung zustande kommen würde. Lloyd George, der große Taktiker. so prophezeit man, werde sich in diesem Falle stir kurze Zeit vom politischen Leben zurückziehen, bis sich das Chaos einiger- maßen geklärt habe. Dann werde er zurückkehren, wohin aber, zu welcher Partei? Das ist noch die Frage! Bor kurzem hörten wir englische Sozialisten sagen: Rur finter zwei Bedingungen sei damit zu rechnen, daß die Links- Parteien, d. h. also vor allem die alten Liberalen, Lloyd George wieder zu ihrem Führer machen würden. Diese Be- ' dingungen seien die Rückkehr zum Freihandel und die Beilegung der irischen Frage. Damals schien gerade dies Zroeite noch fast ganz ausgeschlossen. Heute ist er auf dem Wege, die entsetzlichen Wirren, an denen er einen nicht geringen Teil der Schuld trug, beizulegen. Es ist also wohl unrichtig, damit zu rechnen, daß dieser allen Staatsmännern der Gegenwart an diplomatischer Ge- wandtheit, politischem Instinkt und der Kunst der Menschen- behandlung überlegene Politiker so schnell von der politischen Bühne verschwinden wird. Aber seine Alleinherr- s ch a f t muß gebrochen werden. Wenn die Arbeiterpartei dem Kapitalismus der Koalitionsgruppen, der Absperrungspolitik einer absurden Hochschutzzollpolitik, der krampfhasten Reaktion der Ultra- konservativen vom Schlage eines Horatio Bottomley, wie dem leere Individualismus der Nur-Liberalen ihr stetiges Ar- Veiten für sozialen Fortschritt, für die Interessen der Massen gegen alle Ausbeutung und politische Gelegenheitsmacherei entgegenstellt, wenn sie vermag, das Gewicht der schaffenden Volksmassen endlich gebührend geltend zu machen, das erst feit so kurzer Zeit seine politische Vertretung in der eng- tischen Demokratie gefunden hat, so wird sie damit auch im internationalen Sinne die beste Arbeit leisten. Denn das darf als der fruchtbarste Ertrag des Krieges angesehen werden, daß durch ihn das Klassenbewußtsein der englischen Arbeiterschaft geweckt, ihr Bekenntnis zu demokra- tischem Hineinwachsen in den Sozialismus geklärt, ihre Cr- kenntnis der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse gestärkt worden ist. Hier in diesem kräftigen neuen Verant- wortungsbewußtsein der bestorganisierten Arbeiterschaft der Ententeländer liegt unsere Hoffnung und nicht, wie noch immer Phantasten, Kriegsfanatiker und„Gott-strafe-Eng- land-Leute" meinen, in der zweifelhaften Spekulation auf Ehaos und Revolution im englischen innecpolitischen Leben. Rettet Stegerwalö! In banger Angst und Sorge um ihren Liebling Adam Stegerwald erbebt die gesamte reaktionäre Presse. Irgendeine Korrespondenz hat behauptet, daß die böse Sozialdemokraten am Mittwoch oersuchen würden, da Ministerium Stegerwald zu stürze n. Wöhrend diese Schreckensnachricht von der Presse der Demokraten und des Zentrums mit leidlicher Ruhe registriert wird, erhebt die Rechtspresse ein durchdringendes Weh- und Hilfegeschrei. Die „K r e u z z e i t u n g" mahnt: Die bürgerlichen Parteien werden für besseren Besuch der Sitzungen sorgen müssen, wenn sie dem Vorstoß der Roten b e- g e g n e n wollen. �Roch viel dringlicher beschwört die rechtsvolksparteiliche „Tägliche Rundschau" ihre Mannen: Hoffentlich sind die bürgerlichen Stützen des Ministeriums Skegerwald zur Stelle und erfüllen Keffer ihre Pflicht als die Par- teien bei Beratung des Flaagsnantrages im Reichstage. Das Ministerium Skegerwald muß gehalten werden. Also Vollmobilisation der reaktionären Streitkräfte„bis zum letzten Hauch von Mann und Roß" für Ministerium Stegerwald. Dies Ministerium stützt sich angeblich und for- mell auf die bürgerlichen Mittelparteien, auf Zentrum und Demokraten. Die reaktionäre Mobilisation aber zeigt, welches die wirklichen Stützen Stegerwalds sind!„Das Mini- sterium Stegerwald muß gehalten werden!" Dieser Schrei aus urreaktionärem Munde kennzeichnet klar die Situation. Der Eüle von Draun. Wie der„Vorwärts" berichtete, hat der Reichstagsab' geordnete Edler v. Braun, Präsident des Reichs wirtschaftsrats, in München eine Rede gehalten, die voll war von unverschämten politischen Zukunftswünschen. Wir hätten an sich deswegen keinen besonderen Anlaß, uns mit Herrn von Braun zu beschäftigen. Derlei Schwätzereien wie die seinigen werden zurzeit aus Bayern immer im Dutzend geliefert. Der Herr Präsident verdient aus einem anderen Grunde etwas mehr Aufmerksamkeit. Herr v. Braun gehört zu den berüchtigten Fachleuten, die mit daran schuldig sind, daß das deutsche Volk vier Jahre lang beispieb los unter Hunger zu leiden hatte. Er gehört somit zu den intellektuellen und tatsächlichen Urhebern des Friedensoer träges von Versailles. Stellen wir fest: Herr v. Braun galt als Ministerialrat und Vorstand der Abteilung für Landwirtschaft im baye- rischen Staatsminisidrium des Innern bei Kriegsausbruchs' für die kaiserliche Regierung als einer der ersten E r n ä h- r u n g s fächmänner. Man hörte auf seinen Rat und legte ihm nahe, dem Volke in einer wissenschaftlich und tatsachen- mäßig einwandfreien Arbeit nachzuweisen, daß Deutschland nicht durch Hunger unteraehen könne. In diesem Buche:„Kann Deutschland durch Hunger be- siegt werden?", das in großer Auflage im Oktober 1914 ver- breitet wurde, schrieb der derzeitige Präsident des Reichs- wirtschaftsrates, daß wir aus dem Auslande genug Brotge- treide bekommen würden. Amerika und Argentinien müßten ihren Weizen an Deutschland verkaufen, wenn ihre Landwirtschaft nicht einer Katastrophe entgegen- gehen solle,„und selbst der russische Handel wird Schleichwege finden müssen, um die 118 Millionen Mark nicht zu entbehren, die ihm Deutschland für Roggen und Weizen (im Jahre vorher) bezahlt hat.(!) Daß er sich dabei durch Ausfuhrverbote und durch patriotische Rücksichten nicht stören lassen wird, braucht man nach den bis- herigen Erfahrungen nicht zu bezweifeln". Weiter konnte die fachmännische Naivität wohl überhaupt nicht getrieben werden. Edler v. Braun brachte es aber doch fertig. Er„wies nach", daß das durch den Ausfall der Ein- fuhr entstehende Defizit an Brotgetreide einfach dadurch ge- deckt werden könnte, daß kein deutsches Korn zur Viehfütte- rung verwendet würde! Dabei darf nicht vergessen werden, daß durch den Krieg wesentliche Einfuhrgmndstoffe der deutschen Viehfütterung wegfielen, z. B. Gerste, Mais, Raps. Leinkuchen, Kleie usw., es handelte sich jährlich um rund 4 Millionen Tonnen! Diese Menge an bisher jährlich impor- tierten Kraftfuttermitteln verlor Deutschland bei Kriegsaus- bruch. Der Edle v. Braun, der Sachverständige, der Fachmann, sah dennoch kein Defizit an Brotgetreide ent- stehen. Schrieb er doch in seinem Buche sogar: „Faßt man das Ergebnis dieser Betrachtungen zusammen, so läßt sich ohne jede Schönfärberei feststellen, daß wir uns vor dem Schreckgespenst des Ausgehungertwerdens nicht zu fürchten brauchen. denn wenn sich auch unser bisheriger Verbrauch an Lebensmitteln etwas einschränken muß, so darf doch nicht übersehen werden, daß sich gerade auf diesem Gebiet der Mensch nach der Decke streckt, unddaßunsereDeckeimLaufderIahrzehnte recht groß und behäbig geworden ist, so daß es uns gerade nichts schadet, wenn sie zeitweilig etwas beschnitten wird." Das war der Edle v. Braun, der die deutsche Regierung auf Grund seiner Wissenschaft zu beruhigen hatte, und der den Austrag bekam, das deutsche Volk einzulullen. Jetzt stellt er sich in München hin und prophezeit den Zusammenbruch des Kabinetts Wirth, die Neuwahlen, die zukünftige Parole der Sozialdemokratie und die vortreffliche Bewährung des heuti- Seine derzeitigen Zukunstsweissagungen haben den gleichen Wert, wie seine damaligen„fachmännischen" Bekundungen. » Zu der Rede des Edlen von Braun meldet un-' noch ein Privat- telegramm aus München: Zu einem politischen Skandal ersten Ranges hat sich die gestrige Versammlung der Münchener Deutschnationalen ausgewachsen. Unter den Augen des I u st i z m i n i st e r s, des Vertrauten des bayerischen Ministerpräsidenten, wurde in einer Weise die Parole zum Kampf gegen die Reichsregierung ausgegeben, daß selbst die bürgerliche Presse schwere Bedenken und Befürchtungen nicht zurück- zuhalten vermag. Der Vorsitzende des Reichswirtschaftsrates, Abg. Edler v. Braun, forderte förmlich zum Slenerboykoit gegen das Reich auf. Mit demagogischer Geste warf er die Worte in die er- regten Masten:„Sie, als Deutsche und Bayern, müssen erklären: Bei einer solchen Politik tun wir nicht mit! Erklären Sie: Mr werden uns niemals einer solchen Besteuerung unterwerfen!" Der Justizminister hörte mit wohlgefälligem Schweigen das weitere Re- ferat des bekannten Deutschnatjonalen Oberst v. Tylander an, der ganz unverantwortlich gegen die Reichsregierung mit der Wir- kung hetzte, daß deutschnationale Jünglinge durch Zwischenrufe zu Gewalltätigkeiten gegen die Reichsregierung aufforderten. Und diese sich vor aller Augen neu organisierende förmliche Revolte sanktioniert die bayerische Regierung durch die Anwesenheit des Justiz- Ministers!_ Maßregelung wegen erwiesener Unschulü! An der Spitze der Elberfelder Strafanstalt steht als Direktor ein äußerst reaktionärer Herr namens Nicolai. Zwei Beamte der Anstalt haben sich offiziell zur Sozialdemokratie be- kannt. Eines Tages teilte ihnen Herr Nicolai persönlich mit, st- hätten die Anstalt sofort zu verlassen und nicht mehr zu betreten. Das Nähere würden sie von der Staatsanwaltschaft er- fahren. Die beiden Beamten, die sich keiner Schuld bewußt waren, wandten sich an die sozialdemokratisch« Fraktion des Preußischen Landtags. Auf eine Anfrage des Genosse Heller, warum die beiden Beamten sofort vom Dienst entfernt worden seien, erklärte der preußische I u st i z m i n i st e r. daß, obwohl die eingeleiteten strafrechtlichen Ermittlungen keinen Anhalt dafür ergeben hätten, daß die beiden Beamten der KPD. angehören— wie Herr Nicolai erklärt hatte—. noch sonst die Beschuldigungen den Tatsachen ent- sprachen haben, trotzdem die Versetzung der Beamten in die Wege geleitet sei. Warum? Weil der Beamtenausschuß sich gegen das Verbleiben der beiden Beamten im Elberfelder Gefängnis ausge- sprachen. Dem Wunsch des Beamtenausschustes habe sich das Justiz- Ministerium angeschlossen. Es muß als ungeheuerlich bezeichnet werden, daß Beamte, deren Unschuld einwandfrei erwiesen, gemaßregelt werden. Der Herr Justizminister sagt in seiner Antwort selbst, daß der Be- amtenausschuß, auch nachdem ihm das negative Ergebnis bekannt» gegeben war, ein Zusammenarbeiten mit den beiden Beamten ab- lehnte.— Die sozialdemokratische Fraktion hat den Antrag ge- stellt, die Versetzung der Beamten nicht erfolgen zu lassen. Wir raten dem Herrn Justizminister, Herrn Nicolai zu ver- setzen: dann tritt Ruhe ein._ Sapllalistenflagge schwarz-weiß-rok. Auf ihrer letzten Tagung haben die rheinischen Reeder den Beschluß gefaßt, die neue deutsche Reichsflagge an Bord ihrer Schiffe nicht zu führen, sondern,., vielmehr vom 1. Januar 1922 ab nur noch die schwarz-weiß-rote! gen bayerischen Regierungsprinzips. Flagge zu hissen.— Wohl wieder ein Beweis, daß es sich um! Wir nehmen an, der Edle v. Braun hat— seine Rede ..keine politische", sondern um eine„rein technische" Frage handelt!! beweist das— seit dem Oktober 1914 nichts hinzugelernt. Für deutsche Sitte, deutsche Art! In Nr. SS der in Dresden erscheinenden„Landwirtschaftlichen Zeitschrift" annonciert ein Ritter- gutsbesitzer Thost auf Schmochtitz bei Bautzen seinen.Zuchteber Erzberger" zum Verkauf. Eine genaue Beschreibung dieses raren Tieres(breitbucklig, Schlappohren, kurze Schnauze usw.) ist bei- gegeben. Die„Deutsche Tageszeitung ist über diese Namensgebung so entzückt, daß sie die Anzeige sofort in ihrem redaktionellen Teil nachdruckt.— Was würde die„Deutsche Tageszeitung" dazu sagen, würde sie es etwa geschmackvoll finden, wenn ein Arbeiter einen„Kaninchenrammler Wilhelm von Hohen- zollern" oder einen„Ziegenbock Ludendorff" annoncieren wollte- Aber zum Glück finden sich solche Geschmacklosigkeiten nur bei denen. die„für deutsche Sitte, deutsche Art" kämpfen! Deutscher Gesandter in China soll der jetzige Staatssekretär im Auswärtigen Amt Boye werden. yiHewelley in Europa unö /lmerika. Usber die Alte wie über die Neue Welt war in diesen Tagen sommerliche Hitze hereingebrochen. Nach telegraphischen Meldungen aus New Jork sind dort zahlreiche Todesfälle an Hitzschlag vor- gekommen, und die leidende Bevölkerung kampiert nachts in den öffentlichen Parks. Wenn man das hört, muß man annehmen, daß die dort erreichten Temperaturen die höchsten mitteleuropäischen Hitzegrade noch bedeu- tend übersteigen. Aber der Unterschied zwischen den hier und dort vorkommenden Maximaltemperaturen ist in Wirklichkeit keineswegs so groß. Wenn trotzdem zwischen großer Hitze in Mitteleuropa und in den Bereinigten Staaten ein gewaltiger Unterschied besteht, so ist das auf die verschiedenartigen meteorologischen Begleitumstände zu- rückzuführen. Wird es in Mitteleuropa sommerlich heiß, so herrschen fast stets Winde aus östlichen Richtungen vor, die kontinen- talen Ursprungs und daher s:ets sehr trocken sind. Unter ihrem Einfluß schwindet die Bewölkung, und die Sonne kann ihre Strahlen mit ungehinderter Macht hinabsenden. Unter solchen Uniständen wirkt aber auch die größte Hitze nicht eigentlich drückend. Wer sich selbst an ganz heißen Tagen bei uns körperlich einiger- maßen ruhig verhält, gerät nicht in Schweiß. Denn infolge des geringen Feuchtigkeitsgehalls der Luft ist die Verdunstung aus der Haut sehr stark. Im heißen Sonnenschein geht sie begreis- licherweise noch schneller vonstatten, woöurch es zu erklären ist, daß zahlreiche Personen, die dank ihrer Konstitution Hitze gut zu ertragen vermögen, selbst dann keinen Beschwerden ausgesetzt sind, wenn sie sich unmittelbar in den Sonnenstrahlen befinden. Voraussetzung dafür ist allerdings leichte und möglichst luftdurchlässige, helle Kleidung, die eine rasche, fortwährende Ausdünstung und Luftzirku- lation ermöglicht. Wesentlich anders liegen die Dinge bei den sogenannten a m e r i- konischen Hitzewellen. Die Luftdruckverteilung ist dort derart, daß dampfgesättigte Winde vom Atlantischen Ozean über das Festland hinsireichcn. Wegen seiner Loge unmittelbar am Meere ist von allen amerikanischen Großstädten New Park der unmittelbaren Wirkung dieser seuchtheißen Winde weitaus am stärksten ausgesetzt. Ueber den Atlantik gelangen, entgegen einer bei uns viel verbreiteten, durchaus irrigen Ansicht, die Hitzewellen nie: das Maximum wandert vielmehr nordostwärts weiter, um unter der Einwirkung der kalten Polarströmung zu verschwmdcn. Bei einem Vergleich der Hitze in New Aork mit der in Mittel- europa ist auch zu berücksichtigen, daß New Jorks geographische Breite der von Neapel entspricht, und daß die Sonne im Hoch- sommer in New Jork daher eine weit größere Intensität entfaltet, als etwa in Berlin, Wien, Paris oder London. Zu dieser brennen- den Sonnenhitze kommt dann die drückende Wirkung der mit Wasser- dampf erfüllten Atmosphäre, die die Verdunstung der vom mensch- lichen und tierischen Körper ausgeschiedenen Feuchtigkeit unmöglich macht,, well die Lust infolge ihres Sättigungszustande» weitere Feuchtigkeitsmengen nicht mehr aufnehmen kann. So ist der Mensch bei dieser feuchten amerikanischen Hitze fortwährend in Schweiß ge- badet und die kühlende Wirkung der Hautverdunstung fehlt völlig. j Da sich während der Nacht infolge der bleigrauen Bewölkung die \ Hitze so gut wie gar nicht mildert, so ist es unmöglich, Schlaf zu finden. In New Jork dauern diese Hitzewellen meist drei bis vier Tage, gelegentlich aber auch eine Woche und länger. Eine schlimme Begleiterscheinung jeder ainerikanischcn 5)itzewelle ist das furchtbare Hinaufschnellen der Kindersterblichkeit. Dank unserer geographischen Lage auf der Westseite des großen europäisch-asiatischen Kontinents sind wir von dieser feuchten Hitze verschont. In O st a s i e n aber ist sie ebenso wie in den Oststaaten der Union zu Hause. Bei uns gehört es zu den größten Seltenheiten, wenn das nächtliche Temperaturminimum höher als 29 bis 22 Grad Celsius liegt. Und wenn tagsüber die Schattentemperatur auch auf 35 und mehr Grad steigen mag— nachts kühlt sich die Luft immer so beträchtlich ab, daß man bei verständiger Ventilation des Schlaf- zimmers nach ausgiebiger Nachtruhe morgens neugcstärkt erwacht und infolgedessen auch wochenlang andauernde Hochsommerhitze ohne allzu große Beschwerden zu ertragen vermag. Okko Nagel, desien Gemälde und Zeichnungen auf der Ar- b e i t e r- K u n st a u s st e l l u n g(Petersburger Str. 39) gegen- wärtig Aufsehen erregen, verdankt die Beachtung, die er auch in der bürgerlichen Presse findet, vor allem der gewandten Anpafsungs- Zähigkeit, mit der er sich einige wirksame Ausdruckskormen fertiger Meister zu eigen gemacht hat. In umfang- und sigurenreichen Ge- mälöen gibt er Ansichten aus dem Berliner Straßenleben, aus Biergärten, Versammlungssälen und Tingeltangeln. Alles sehr ge- schickt und recht effckMoll, aber ohne Baluschek nicbt denkbar. Die Farbe, die aus eigenem beigesteuert wurde, namentlich eine charak- teristifche, knallige Disharmonie aus Rot und Grün, ist von unbe- henchhter Buntheit, ousdrucks- und stimmvngslos. Also wäre dieser Arbeitermale? eine Niete, eine Null, ein im- potenter, unselbständig?r Dilettant? Wer nur seine großen, an- spruchsvollen, etwas aufdringlidrn Arbeiten b-trachtet, der könnte geneigt sein, die Frage zu beiahen. Aber Otto Nagel hat noch manches andere geschossen und glücklicherweise auch ausgestellt: Kleine bescheidene Blöttchen mit Einzelfiguren, Köpfen, landschaftlichen Motiven, Gartenblicken, Parkwegen. Und da zeigt er sich von einer ganz anderen, unvergleichlich stärkeren und sympathischeren Seite. Da hat er nicht auf ein verehrliches Publikum Rücksicht ge- nommen, da wollte er nicht vor Hinz und Kunz als r'rwofer Künstler varadieren, sondern er gab schlicht und ehrlich wieder, was fein Auge und sein Herz bewegte. Und da erfährt man mit Staunen, wie liebevoll, intim und scharf dieses Auge zu beobachten versteht, wie kraftvoll eigenwillig, wie unaerbi'det frisch, wi» rührend zart ein elementares Linien- und Forbcngefühl seinen sicheren persönlichen Ausdruck findet. In fast jedem dieser Blätter ist eigenes Leben. ist Rhythmus und Harmonie. Eine echte Künstlernatur offenbort sich, die aus. sich selber hundertmal mebr und tausendmal Wert- volleres schöpft, als ihr die fertigen Meister bieten können, die sie in ihrer Naivetät bewundert und zu ihrem Schaden nachahmt. I. S. Horden beglück« Amerika. Wie die„Dena" erfährt, wird sich Maximilian Horden in den nächsten Tagen nach den Vereinigten Staaten begeben, wo er auf Einladung einer politischen Gesellschaft eine Reihe von Vorträgen über verschiedene Rachtriegs- fragen halten wird. „Aus Osten kommt der Weisheit Licht", sagt der Dichter. Aber der Wert dieses östlichen Weisheitsimports dürfte selbst dem wildesten West fraglich erscheinen. Eine neue hcmlkrankheik. die man in Europa bisher nicht kannte, beschäftigt die medizinische Wissenschaft und Praxis. Es handelt sich um ein fressendes Geschwür(Phagedäna), das zunächst als Blutblase sich bildet, dann platzt, einen festen, schmierigen Belag bekommt, übelriechende Feuchtigkeit absondert und rasch nach allen Seiten um sich greift. Es zerstört nicht nur die Haut, sondern auch die Muskeln und Knochen, und die Kranken sterben an Blutvergiftung oder Verblutung. Man nimmt an, daß dieser„Phagedänismus" eine Tropenkrankheit ist, die die farbigen Heere während des Krieges in Europa ein- geschleppt haben, und die jetzt nach durch die Schwarzen in Frankreich, auf dem Balkan und in den besetzten deutschen Gebieten verbreitet wird. Die Krankheit ist ansteckend und scheint durch Salvarsan heil- bar zu sein. Der dekorierlesie Hund der Delk. Stubby ist em Foxterrier, der den Weltkrieg bei einer amerikanischen Division mitgemacht hat und verwundet wurde. Er hat an 17 Gefechten und Schlachten teil- genommen und ist dieser Tage in seiner Eigenschaft als Krrgsheld außerordentlich geehrt worden. General Pershing, der amerikanische General st abschef, erschien in eigener Person und heftete dem Hunde die amerikanische Kriegs- a u s z e i ch ii u n g an das weiße Band, dos bereits mit Kriegs- auszeichnungen oller alliierten Nationen geschmückt ist, denn Stubby ist der dekocierteste Hund der Welt. Bei den Truppenparaden ist er stets dabei und trägt bei dieser Gelegenheit ein Band in den Farben aller Alliierten, das mit Medaillen besät ist. Soweit wir die Neigungen eines Foxterriers kennen, sind wir der Meinung, daß diesem Stubby mit einer Knackwurst mehr gedient wäre a's mit sämtlichen Ehrenzeichen der alliierten Nationen. Denn über einen Orden wirkliche Freude zu empfinden, ist eine Spezialität zweibeiniger— Ritter. Daß sich aber ein ausgewachsener General- stabschef zu der kindischen Geschmacklosigkeit einer Hundedekorierung hergibt, freut uns, denn diese Tatsache diskreditiert den Militarismus. Tptrlplunänderutig. Infolge Erkrankung tivcä Mitglied."? bringt die Exl-Bühne im Thealer in derKSniggrätzer Straße am Mittwoch anstatt.Frau Cuttner'.Glaube und Heimat' zur Aufsithrung. Wilhelm Brüche als Humorist. Da? einzige humoristische Roman» werk Söllche«..Der Zauber de« Königs Arvus'. da« noch seinem Jugendschafien-ntstammt und lange Jahre verschollen war, erlebt jetzt in neuer Bearbeitung seine Auferstehung. Der Roman handelt von der Entdeckung de«.BierkraiueS" in."Zernfnien bei dem sagenhoste« König Arpu«, oen zwei römische RUter in seiner Wildnis besuchen, rne sich in Zechereien und Abenteuern nicht genug tun können. Das Wert erscheint im Verlag von Kart Rcitzner in Dresden. Bernuuft o o Chauvinismus. Aus London komm, die erfreuliche Kunde, dast fünf englische Universitäten gegen die Unter. b.udi-ng der«insuhr deutscher Bücher und wisjenjchastlicher Zeilschristen p r» t e st i r r t haben. Kr. 525 ♦ 58. Fahrgang Seilage öes Vorwärts Mittwoch.?5. Fuli IH2I Groß�erün Morphium. Der villenbesiher als Brilltmtendleb. Einen überraschenden Ausgang nahm eine Verhandlung gegen die Frau Alice W e l l e n g e r geb. Graham-Lepke, die sich unter der Anklage eines gemeinsam mit ihrem Manne, dem Kaufmann Anton W e l l e n g e r, begangenen Iuwelendiebstahls vor der dritten Strafkammer des Landgerichts II zu verantworten hatte. Die An- geklagte ist die Tochter eines bekannten Berliner Kunsthändlers' und hat über eine Million Mark in bor und eine Villa in Koserow mit in die Ehe gebracht. Infolge des mühelosen Gewinns dieser Reich- tümer verfiel ihr Mann, eine früherer Apotheker, in eine gewisse Derschwendungswut und gab sich außerdem der Spielleidenschaft hin. In unglaublich kurzer Zeit war das ganze Vermögen ver- schleudert und die Villa über und über mit Schulden belastet. Als eine Halbtante der Angeklagten, eine Frau Geheimrat Buttel, das Ehepaar in Koserow besuchte, fiel W. ein kostbarer Brillantschmuck auf, den die 65jährige Dame bei einer Gesellschaft angelegt hatte. Da seine Nerven inzwischen auch durch Morphiummißbrauch vollständig zerrüttet waren, kam der bis dahin unbescholtene Mann auf den verzweifelten Gedanken, sich das Schmuckstück anzueignen. Die Tat wurde sofort entdeckt und W. legte ein offenes Geständnis ab. Als ihm die Verhaftung droht«, flüchtete er nach Rußland, wo er von der Sowjetregierung unter Spionageverdacht verhaftet wurde und sich noch jetzt in Hast befindet. Das Verfahren gegen ihn wurde deshalb vorläufig eingestellt und gegen die Frau allein verhandelt. Für sie machte Rechtsanwali Dr. Harry P i n c u s geltend, daß sie mit der Tat nicht das mindeste zu tun habe und nur um den immer noch geliebten Mann zu retten, sich bereit erklärt habe, den Schaden zu ersetzen. Das Gericht erkannte auch an, daß auf Grund des vor- liegenden Materials ein Schuldbeweis nicht als erbracht anzusehen sei und beschloß, das Verfahren bis zur Rückkehr des Mannes aus- zusetzen._ Entdeckung eines neuen Kapitalverbrechens. Zwei Raubmörder wurden gestern abend von der Kriminal- polizei unschädlich gemacht. Die Verhafteten sind überführt und geständig, die 56 Jahre alte Eheftau des Geschäftsführers Kroll aus der Fürtherftr. Iis ermordet und beraubt zu haben. Frau Kroll, eine frühere Schauspielerin, war seit dem 14. Mai d. I. spurlos verschwunden. Jetzt erst hat sich herausgestellt, daß sie Verbrechern in die Hände gefallen ist, die sie im Walde bei Königswusterhausen ermordet und beraubt und dann die Leiche ins Wasier geworfen haben. Die Täter sind der 28 Jahre alte Arbeiter Friedrich Koppe, der aus Neukölln gebürtig ist und hier bei seinem Bruder in der Ebertystr. 36 wohnte, und der 22 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Freimuth, der sich zurzeit bei seiner Mutter in der Greifswalder Straße 53 zu Altdamm bei Stettin aufhielt. Beide geben zu, die Frau nach Königswusterhausen gelockt und dort ermordet und beraubt zu haben, schieben aber die Hauptschuld sich gegenseitig zu. Berlin als Reklamestadt. klnter dem Borsitz des Stadtverordneten Frank(SPD.) sie« schäftigte sich am Dienstag abend ein Stadiverordneienausschnß zum zweiten Male sehr eingehend mit der Magistratsvorlage um Zustimmung zu verschiedenen Rellameunternehmungen BerlmS. Der Magistrat war durch den Gemeindebaurat Dr. Ludwig Hoffmann und den Stadlbaurat Hahn vertreten. Zwei Verträge wurden genehmigt und der dritte vorläufig abgelehnt. ES handelt sich dabei um die Aufstellung von 256 AuSkunftS» a u t o m a t e n durch die Firma Dr. jur. Pohlandt und um die Aufstellung von Weileren 1266 VerkehrSwachtplänen durch die Firma VeriehrSwacht-Geiellschaft. Ingenieur Max Stürz. Der dritte, vorläufig abgelehnte Vertrag sollte mit der Firma Dorl-Union abgeschlosien werden. Diese beabsichtigte die Anbringung von Reklameschildern an den Straßenichilderpfosten. den Trägern der öffentlichen Straßenbeleuckilung usw. Die Firma Pohlandt hat sich verpfl'ckitet. etwa 256 066 M. jährlich z» zahlen, die Firma Stürz etwa. 966 666 M. pro Jahr nnd die Finna York-Union pro Jahr 7t Millionen Mark. Die Berliner Sladtverordnetenversammlung wird sich in ihrer nächsten Sitzung noch mit diesen Beschlüsien be- schäftigen._ Der Kampf«m die WilmerSdorfer �leischhalle. In der letzten Bezirksverordnetcnsitzung des V e r w.a l t u n g s- bezirts IX(Wilmersdorf) nahm die Erörterung der beab- sichtigten Auflösung der Wilmersdorfer städtischen! F l e i s ch h a l l e einen sehr breiten Raum der Tagesordnung ein. Die 1913 von feiten der Stadt gegründete Fleischhalle, welche bisher recht große Ueberschüsfe erzielte, soll nun mit einem Male völlig unrentabel sein und in Zukunft erhebliche Zuschüsse erfordern. Der Betriebsrat 9 der städtischen Angestellten und Hilfsarbeter sowie deren Gewährsleute behaupten, daß, soweit von einer Unrentabilität gesprochen werden könne, diese zurückzu- führen sei auf unsachgemäße Geschäftsführung der ver- ontwortlichen Leitung und des Einkäufers. Merkwürdig ist auch die Tatsache, daß der Bruder des Einkäufers der städtischen Fleisch- halle Einkäufer des im Nebenhause befindlichen, angeblich mit hol- ländischcm Kapital arbeitenden, privatkapitalistischen Konkurrenz- s unternehmen? ist. Eine Reihe detaillierter Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung �und den Einkäufe, wurden erhoben. Genosie Lüdemann als Sprecher unserer Fraktion ver- langte, daß die erhobenen Vorwürfe genau nachgeprüft und das Be- zirksamt alles daransetzen müsie, die Entlastung des zum 1. August 1921 gekündigten gesamten Personals und die Schließung der Fleischhalle zu verhindern, zumal der Betriebsrat um seine Zustim- mung zur Kündigung der Angestellten nicht einmal befragt worden sei. Gerade in Wilmersdorf liegt es im größten Interesse der konsumierenden Bevölkerung, daß die Fleisch- Halle als preisregulierender Faktor bestehen bleibt. Herr Dr. Franke als Vertreter des Bezirksamts sprach un- zweideutig aus, daß die weitere Erhaltung der Fleischhalle schon aus dem Grunde unmöglich sei, weil das Mitbestimmungsrecht des Be- triebsrates die Konkurrenzfähigkeit der Fleischhalle unmöglich mache. Im übrigen bemühten sowohl er wie Herr Wenzel als Dezernent der Fleischhalle sich, die erhobenen Vorwürfe als belanglos oder unwahr hinzustellen. In dieselbe Kerbe hieben die Vertreter sämtlicher bür- gerlichen Parteien, nur der Unabhängige Sozialist Dr. Fried- l ä n d e r unterstützte unseren Genossen Lüdemann. Unser Redner stellte dann auch in seinem Schlußwort die verschobene Basis wieder her und forderte die Annahme der sozialistischen Anträge, die ver- langten, daß das Bezirksamt der Bezirksoersammlung einen Ge- schäftsbericht der Fleischhalle vorlegen und mit allen Kräften dahin wirken solle, daß die Fleischhalle der konsumierenden Bevölkerung erhalten bleibe. Ein weiterer Antrag beider sozialistischer Parteien forderte, daß der Einkäufer der städtischen Fleischballe seiner Tätig- keit enthoben werde, bis die Untersuchung und Prüfung der ganzen Angelegenheit durchgeführt sei. Diese Anträge wurden von der bürgersichen Mehrheit abge- lehnt, dagegen ein deutschnationaler Antrag mit allen bürgerlichen Stimmen angenommen, wonach man die Erklärungen des Bezirks- amtes billige.— Es ist dringend notwendig, daß sich nun die zu- ständigen Stellen Berlins etwas eingehender mit diesen Vorgängen beschäftigen. Nie wieder Kriegs Unter diesem Leitwort werden sich am 31. Juli ein« ganze Anzahl international gerichteter Korporationen in Berlin— und auch im übrigen Deutschland— zu einer macht- vollen Kundgebung gegen den Krieg vereinigen. Don den Organi- sationen und Verbänden, die sich an der Kundgebung beteiligen wollen, nennen wir die folgenden: Republikanischer Führerbund. Ar- beiterjugend, Sozialistischer Swdentenbund, Reichsbund der Kriegs- beschädigten, Vereinigung der Freunde von Religion und Völker- frieden, Arbeiter-Samariterbund. Die Vorbereitung der Kundgebung liegt beim Friedensbund der Kriegsteilnehmer. Ein größeres Feuer kam gestern abend 6 Uhr in der Lumpen- und Altpapierhandlung von Mayer, Lichtenberg, Rittergutstr. 26. aus. Die Lichtenberger Feuerwehr tonnte des Feuers allein nicht Herr werden, so daß die Berliner Feuerwehr zu Hilfe eilte. Bis Redaktionsschluß war das Feuer noch nicht gelöscht. Nachbargrund- stücke, die zum Teil gefährdet waren, konnten durch das Eingreifen der Wehren geschützt werden. Es sind Werte im Betrage von mehreren Millionen vernichtet worden. Die Gefahr, daß das Feuer auf nebenliegende Fabriken Übergrift, wurde erst in später Abend« stunde gebannt. Die Aufräumungsarbeiten dürften sich bis zum Mittwoch mittag hinziehen.— Zur Nachtzeit berichtet noch eine Korrespondenz, daß die Lichtenbcrger Wehr, wiewohl sofort be- nachrichtigt, leider sehr spät eingetroffen sei. Die Lichtenberger Wehr steht seit Jahren unter der erprobten Leitung des tüchtigen Branddirektors Groß. Flieger Zeannin vor Gericht. In der Strafsache gegen den früheren Flieger Emil Ieannin und die 21jShrige Cilly Harfe wegen Verführung Minderiähriger ist gestern das Hauptvcrfahren cröffuet worden, und zwar handelt es sich nur um die vier Fälle, welche schon von Anfang an den Gegenstand des Ermittlungsverfahrens I gebildet.hatten. Die von der Staatsanwaltschaft weiter eingeleiteten Ermittlungen haben nicht zur Erhebung der Anklagen geführt. Zu der Verhandlung, die am 29 August die Strafkammer beschäftigen ! wird, sind von den Rechtsanwälten Bahn. Rothschild und Justizrat s Dr. Davidsohn, die Sanitätsräte Dr. Lepmann, Dr. Lehnsen und Dr. Magnus Hirschseld geladen worden, welche Gutachten über das eigenartige Sexualleben des Angeklagten erstatten sollen. Von der Staatsanwaltschaft ist Universltätsprosessor Dr. Liepmann geladen worden. Zum Untergrundbahnbau in der südlichen Friedrlchstraße wird uns geschrieben: Der Beendigung der Rammarbeiten in der Moor- strecke ist nunmehr, wenige Wochen später, auch die Fertigstellung eines großen Teiles der über 1 Meter starken Verteilungsplatte, der Tunnelsohle und der Seitenwönde gefolgt. An dem nördlichen Ende der Moorstrecke wird jetzt mit der Fertigstellung der Decke des Tunnels begonnen. � Gleichzeitig werden auch durch Bodenauf- füllungen an den Bürgersteigen die Sackungen beseitigt, und damit dann begonnen, der Friedrichstraße auch in diesem Teile ihr früheres Aussehen wiederzugeben. Auf dem Bellc-Alliance-Platz sind die Fundamente für die Friedenssäule, die voraussichtlich ihren alten Platz wiedererhalten wird, fertiggestellt und nunmehr die Vorarbei- ten für das große Unterwerk in Angriff genommen worden, das neben dem Untergrundbohnhof vorgesehen ist. Die Dienststellen des Postamts Berlin TB. 15 werden am 26. Juli nach Dienstschluß aus dem Hause Uhlandstrahe 42 in das neue Dicnstgebäude Emser- Ecke Lietzenburger Straße ver- legt.— Die Paketannahme beim Zweigpostamt 3 in Berlin- Steglitz(Albrechtstraße 88) wird mit Ablauf des 31. Juli auf- gehoben. Für Auflieferer von Paketen, die bisher dieses Amt be- nutzt hoben, kommt künftig Postamt Berlin-Steglitz 1(Bergstrahe) in Frage. Neue Paßstelle für das Saargebiet. Die visierten Pässe für die Einreise aus dem Reich in das Saargebiet werden nunmehr in Ab- änderung der früheren Gepflogenheiten nicht mehr durch die Ver» mittlungsstelle Frankfurt a. M., sondern nur noch von der obersten Polizeioerwaltung des Saargebiets direkt den Antragstellern zu- gestellt. Eilbriefsendungen nach dem Ausland müssen völlig freigemacht werden, weil sie sonst in den fremden Ländern auf dem gewöhnlichen Wege bestellt werden. Das Publikum tut daher gut, aus die erhöhte Eilbcstellgebühr zu achten. Diese bcrägt jetzt im Verkehr mit dem Aus- land 2,46 M. Der Satz von 1,56 M. gilt nur für der» Verkehr nach dem Gebiet der Freien Stadt Danzig, dem Mcmelgebiet, Luxemburg, Ocstererich, Ungarn und Westpolen. Zu beachten ist, daß in S p a n i esi kein Eilbe stelldien st besteht. Zungsozialisten! Die Festschrift für Dielefeld, die in den Ab- tcilungsversammlungen heute, Mittwoch, vertrieben werden soll, ist von den beauftragten Genossen im Bezirksverband, In den Zel- ten 23, Bureau Fischer, von 9 bis 3 Uhr abzuholen. Eine Feier zur Erinnerung an die Volksabslimmung in O stund Westpreuhcn fand am Montagabend im Marmorhaus des Zoologischen Gartens statt. Tausende von Grenzdeutschen aus den Abstimmungsgebieten und den abgetrennten Landesteilen fanden sich dort ein. Die Feier wurde durch den Männergesangoerein Lieder- kränz eingeleitet: Dirigent war Hans Mießner. Nach einer Be- grüßungsansprache eines Vertreters des Deutschen Schutzbundes nahm als Vertreter der Reichsregierung der Reichsjustizminister Schiffer das Wort. In seiner Ansprache sagte er unter anderem: Aller Parteistreit muß vermieden werden, wir alle sind Brüder eines Landes und wir streben alle ein und demselben Ziele zu. Diese Worte des Reichsjustizministers fanden lebhaften Beifall. Es folg- ten noch einige Ansprachen von Vertretern des Memellondes, des Saargcbicts und des Allgemeinen Deutschen Gewerkfchaftsbundes. Eine Entschließung kam zur Annahme, in der die Versammelten erneut den deutschen Volksgenossen dankten, die vor einem Jahre durch ihr offenes Bekenntnis zum Deutschtum eine erhabene Tat vollbrachten und das Vaterland vor weiterer Zerstückelung bewahr- ten. Damit schloß die schl'chte, aber eindrucksvolle Feier. Ter Magiftrot derkauit in seinen nachstehend ausgelöhrten ltndts- schen Martlhallcnverkaiisssländcn zu abermals berabaesetzten Preisen und zwar: Rindergefricr fleisch: Lende tFilel», Raait- bees. Keule und Bug mit Knochenbeilage zu 8 M.. Fehlrippe und Ouer. rippe mit einaeiv. Knochen, Dilnnung und Hesse mit Kuochcnbeilage zu 7 M. Pro Pfund. Knochen(ohne Kopskuochen), die nicht als Beilage nerkauit werden, 2 M. pro Pfund. Ferner Hammelgesricrsleisch zum Preise von 8 M. pro Psund. Auherdem gelangen Cornedbees und T p e ck auch sernerbin zu den belannten Preisen zum Perkaus. Die siädtischcn Bei kaussilcllen befinden sich in solgenden Mai lt&aßcn; Lindenhalle, Stand 22 und 93; Magdeburger Plap.(stand 16/ll und 54; Dresdener Str., Stand 42; lündreasballc. Stand öl; Pücklcrballe. Stand 68/69; Arnüniusplatz. Stand SO; Maihcincteplah, Stand 178; Weddiiighalle, Stand 7 und 71. 27] Die Racher. Roman von Hermann Wagner. 12. Es war Abend geworden, als Reisner in Toblach ankam. Er stieg im Südbahnhotel ab nnd erkundigte sich beim Portier, ob Frau Lucie Blümner und Herr von Webenau hier abgestiegen seien. rr ri, m Der Portier verneinte, zwei Herrschaften diesss Namens feien in seinem Haufe nicht abgestiegen. Reisner beschrieb ihm das Aussehen der Gesuchten, denn es schien ihm unwahrscheinlich, daß sie ein anderes Hotel ge- wählt haben sollten. Da er sie selber nicht kannte, tonnte er nur jene Kennzeichen anführen, die er von dem Alten ln Meran erfahren hatte.. �.....«. Jetzt erinnerte sich der Mann, daß zwe,. auf die die Be- schreibung ungefähx paßte, doch hier gewesen waren; eine Dame und ein Herr, im Fremdenbuch eingetragen als„Fred von Helbig mit Schwester"...„1. Es war Reisner peinlich, daß er, als er das vernahm, rot wurde, aber er konnte es nicht verhindern.„Wohnten die (Getrennt." antwortete der Portier schnell und verständ- niS Reisner�biß sich auf die Lippen.„Und sie find beide schon wieder fort?" � „Abgereist, Herr Baron, heute morgen. Der Portier grinste unverschämt und zuckte mit den Scbultern.„Wir pflegen die Herrschaften nicht zu fragen. sagte er und wurde erst geschmeidig, als chm Reisner ein er- hebliches Trinkgeld in die Hand drückte. Doch Prokop zeigte sich auch in diesem Falle als der Lage gewachsen. Durch geschicktes Fragen bei den Beamten auf dem Bahnhof gelong es ihm. zu erfahren, daß das Paar ein Billett erster Klasse zu dem Schnellzug nach Spitt.il an der Drau gelöst hatte und mit diesem Zug auch tatsächlich abge- k uhren war. Es ging kein Zug mehr in der gleichen Richtung, und Reisner mußte in Toblach übernachten. Am nächsten Morgen benutzte er den ersten Zug der Pustertalbahn. Gegen 2 Uhr traf er in Spittal ein. Um zu erfahren, ob die zwei hier wären, schickte er Prokop sogleich in die beiden Hotels, die allein in Betracht kamen. Doch sein Diener richtete diesmal nichts aus. Niemand wußte etwas von dem Paar. Ihre Spur verlor sich auf dem zu dieser Zeit schon verkehrsreichen Bahnhof Spittal. Glücklicherweise kam Reisner diesmal der Zufall zu Hilfe. Als er sich nämlich, durch die langen nutzlosen Nachforschungen unwirsch und müde geworden, vom Bahnhof in das Städtchen zurückbegeben wollte, umdrängten ihn vor dem Portal Fiaker- kutfcher, die ihm ihre Wagen zur Fahrt nach dem nahen Sommerkurort Millstatt am See anboten. Im gleichen Zlugen- blick fiel es ihm ein, daß die zwei von einem gleichen Angebot Gebrauch gemacht haben und an den Milljtätter See gefahren sein konnten. Seine Vermutung erwies sich als richtig. Ein Fuhrmann. der lauteste, bestätigte ihm, daß er gestern eine Dame und einen Herrn, auf die Reisners Beschreibung paßte, nach Mill- statt gefahren habe, und zwar in den„Seehof", wo die beiden Wohnung genommen hätten. „Gut, fahren Sie mich in den.„Seehof", sagte Reisner, indem er Prokop gleichzeitig anwies, mit dem Gepäck nachzu- kommen. Der Kutscher knallte mit der Peitsche und fuhr los. Der Wagen ließ die kleine Stadt rechts liegen, fuhr eine Anhöhe hinab und bog sodann in eine breite Fahrstraße ein. die, rechts und links von bewaldeten Höben eingefaßt, einen wild schäumenden grünen Bach entlang führte, die Lieser. Die Lieser schäumte und brauste und warf stellenweise einen weißen Gischt empor, der Nachmittag aber war voll majestätischer Ruhe. Die Sonne bohrte sich in den grellen Straßenstaub ein, die braunen Felswände links der Straße dagegen troffen vor Nässe. Der Himmel war von einem blassen Blau, auf dem flüchtige Wölkchen dünn träumten. Ueber die Lieser bin schoflen Schwalben. Nach balbstündiger Fabrt verließ der Wagen die Straße und stibr über eine Holzbrücke nach rechts. Die erften Häuser eines Dorfes tauchten auf, weiter hinten der schmale Turm einer Kirche.„Seeboden", sagte der Kutscher,„und dort drüben ist der See!" Die Straße verließ des Dorf, wurde schmal und halpng und schlängelte sich nun das Seeufer entlang. Das Wasser des Sees war zart gewellt und schimmerte in einem opalisierenden Grün. Auch am jenseitigen Ufer sah man einen schmalen Weg. Das weiße Segel eines Bootes hob sich ruhig über das Wasser, van einem linden Wind sanft gebläht. Sonst war kein Leben wahrzunehmen.' Die Millstätter Saison hatte noch nicht begonnen. Und plötzlich lag vor Reisners Augen das kleine Mill- statt. Die roten Zwicbeltürme seiner uralten Klosterkirche drückten ihm den Charakter auf. Die Häuser waren an das Seeufer angepappt, krochen dann mühsam links die Hänge hinauf und äugten, glücklich oben angelangt, voll Zufrieden- heit durch das Laub alter Bäume in das Tal hinab. Der Kutscher hieb kräftiger in die Pferde ein und bielt dann, die Tiere mit einer bravvurösen Bewegung zurück- reißend, vor einem, in modernem Stil erbauten Gebäude jäh an.„Gnädiger Herr, der SeehofI" sagte er. Während Reisner den Kutscher entlohnte, wackelte ein schläfriger Hausdiener die breite Freitreppe herab, um über- rafcht nachzusehen, wer kam. Man sah es dem Hotel an, daß es noch unbesetzt war. An nahezu allen Fenstern waren die grünen Rolläden herab- gelassen. Reisner hielt es diesmal nicht für angebracht, sich sogleich nach denen, die er verfolgte, zu erkundigen. Ln der Halle wurde er von einem jungen Stubenmädchen und dem Wirt empfangen. Er bestellte für sich und seinen Diener drei Zimmer. Der Wirt geleitete ihn selbst hinauf, war sehr ge- schmeidig und wies ibm einen Salon mit angrenzendem Schlafgemach an. Es sei das beste, was er habe. Die Zimmer waren in der Tat prächtig. Der Salon hatte nach der Seeseite einen Belkon, der sehr geräumig und mü Efeu und Blumen geschmückt war. Der See lag schlank und geschmeidig in seinem Bett und seine Farbe schien mit einem Maie tiefblau. In der Ferne stiegen kahl und lchroft die Feften der Karawonken auf, deren Schnee einen leis violetten Ton hatten. Reisner ging in den Garten hinunter, und ein junger Kellner deckte ihm den Tisch. Die Speisenkarte wies nur wenige Gerichte auf,. „Wir haben um diese Zeit noch keine Gäste." entschuldigte sich der Kellner.„Das Hotel wird offiziell erst am ersten Juni geöffnet." (Fortsetzung folgt.) Groß-Serlkner parteknachrichten. Heuke, Mittwoch, den 13. Juli: 18. Ärd»®ci6«tt'ce. 71� Uhr Krcismitglicderversammlung in der Aula des Siealxymnasiums Woelckpromenade. Referent Genosse Aabclitz:„Stellung- nähme zum Parteitag". 6. Abt. TA Uhr Mi'.glicdcrocrsammlung in der Patzenhofer Brauerei, Fidicin straße 2/Z. Referent Echudert-Schmalkalden, M. d.£.:„GLrlitzcr Parteitag" 10. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Sdiulciula Zieichenbcrger, Ecke l?orslcr Llraßc. Rescrentin Genossin Röhl, M. d. L.:„Die Ausgaben des Parteitages".„Porwörts"-Lescr und Freunde sind willkommen. Die Bo i'cfssühtcr werden gebeten, besonders einzuladen. 14. Abt. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Saal 5 des Gewerlschaftähauses. Engelufer IS. Rcsercnt Genosse Hermann Müller:„Der Parteitag zu Görlitz". 13. Abt. 7� Uhr Mitgliederversammlung bei Schwarz, Blankcnfelder Str. 10. Referent Genosse Heinrich Uckow:„Der Parteitag zu Görlitz". ?0. Abt. T/i Uhr Mitgliederversammlung in der Brauerei Psefferberg, Schön hauser Str. 170. Referent Genosse Richard Bernstein:„Der Parteitag zu Görlitz". Uebcrgabc des Banners an die Abteilung. �8. Abi. 7lh Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Schönhauser Allee 106s. Referent Genosse Brückner, M. d. L.:„llommunalvolitik". Z7. Abt. 7'h Uhr Mitgliederversammlung im Artushof, Perlebcrgcr Str. 28. Referent Genosse Müller-Breslau:„Die Folgen des Ultimatums für die werktätige Bevölkerung". IL. 7'� Mitgliederversammlung bei Grunewald, Kameruner Str. 10. Referent Genosse Meijer. Solingen:„Der Parteitag zu Görlitz". 38. Abt. Eharlottenburg. T/i Uhr Mitgliederversammlung der 1. Gruppe bei Zeutsch, Kaiser-Friedrich-Str. 07. l. Stellung zum Bezirks- und Parteitag. 2. Bortrag des Genossen Dr. Eassau über„Beamtenaufstieg". 2. Gruppe bei Schne:der, Holtzendorsfstr. 14. 1. Waldfcst. 2. Stellungnahme zum Bezirks- und Parteitag. »8. Abt. Halens-?. TA Uhr ssahlabend im Bereinslokal Schwöb, Paulsborner Strasse. Referent Genosse Rod. Kohl:„Erfahrungen in der Kommunal- polittk". 70. Abt. Wilmersdorf. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Pieper, Holsteinische Strasse 00, Ecke Gasteiner Strasse. Rescrent Genosse Schäfer:„Die Stadt- verordnetenwahlen". Erscheinen dringend erbeten. Io �margendors. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Echützenhaus. �....." den gahlabenden bekanntzu- Juli um 8 Uhr im Schützen- 88. Abt. Mariendorf.' �"uhr"Nttgl?ed-rversämmlung in der Aula der Ge- m-lndeschule KurfürstenNraße. 1. Der Parteitag zu Görlitz. 2. Wahl der Delegierten zum Bezirkstag. 8. Verschiedenes. «e«tönn. JH. Abt. 7�4 Uhr Mitgliederversammlung bei Gohlke, Hermann- strasse 199.— 97. Abt. 103. Bezirk, Th Uhr Mitgliederversammlung nicht bei Erosser. sondern bei Krüger, Emser Str. 80. 108. Abt. Oberschöneweide. TÄ Uhr gemeinsamer Zahlabend bei Godes, Helm- hohl- und Wattstraßen-Ecke. «r i ,7� Wb Mitgliederversammlung im Pestalozzi-Lyzeum, 17.8 Anö-Albert.Srr 44. Vortrag. Parteiangelegenheiten. . Pankow._ 7l4 Uhr bei Pallas, Friedenstr. 43, gemeinsamer Zahl- abend aller drei Gruppen. Wichtige Tagesoronung. 122. Abt. Pankow. 7 Uhr Zahlabende in folgenden Lokalen: Gruppe 4 bei Linde- mann, Grunowstr. 1; Gruppe 3 bei Mosolf, Flora-, Ecke Mühlenstrasse: Gruppe 0 bei Stuwc, Damcrowstr. 80. 187. Abt. Reinickendorf-Wcs«. Mitgliederversammlung findet umständehalber nicht statt. 141. Abt, Rosenthal. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Knglin, Sauptstr. 13. 1. Stellungnahm« zum Bezirk», und Parteitag. 2. Perschicdenes. Morgen. Donnerstag, den 14. Juli: 83. Alt Ehnrlottenburg. 9. Gruppe: T,i Uhr Zahlabend bei Riemer, Wilmer». dorfer Str. 41. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal von Werner, Köve- Nicker Str. 108. Thema:„Politift! e Lage". 7. Krell Charlottendurg. Alle Abteilungen des Kreises werden nochmals auf- gefordert, die Kinder, welche an den Gesangsreigen teilnehmen wollen, am Donnerstag, den 14. d. M., zu der Genossin Erdmann, Spielhagen- Straße 16/18, zu schicken. Sollten wieder nur einige Kinder erscheinen, so sieht sich das �'........- preußische Schulöebatte. Der Preußische Landtag hat am Dienstag den Antrag s Abg. holtz(U. Soz.): Wir halten das Reichsgesetz nicht für oer- über die Aenderung der Ortsklasseneinteilung angenommen, ebenso den Gesetzentwurs über die Aenderung der Amtsgerichtsbezirke Königsberg(Nm.) und Bärwalde(Nm.). In der ersten Beratung des Gesetzentwurfes über die Bereit- stellung von Staatsmitteln bis zu 300 Millionen zur Förderung der /lnsieölung führt Abg. Braun(Soz.) aus: Wir werden für die Vorlage stimmen, halten aber diese Mittel keineswegs für ausreichend, um die großen Aufgaben auf dem Ge- biete der Siedlung in wünschenswertem Umfange zu erfüllen Wenn besserungsfähig, wir lehnen es durchaus ab. Das Gesetz ist durch und durch gegenreoolutionär. Es macht die freiheitliche Entwickelung der Schule rückgängig, die durch die ausgezeichneten Verordnungen in den ersten Monaten nach der Revolution eingeleitet war. Wir sind gegen die Sonderschulen, die nach der Ansicht der Regierung für jede konfessionelle oder philosophische Richtung ermöglicht werden sollen. Wir halten an der Gemeinschaftsschule fest. Das Reichs- gesetz verschlechtert die Bolksbildung und erzielt nicht einmal Er- sparnisse dadurch. Wenn man die evangelischen und katholischen Volksschulen vereinigen würde, so würde man ihre Leistungsfähigkeit steigern ohne einen ? m chr Gttd»zu B��stchl. �°die S�ng.nicht Mennig Meh� einmal so viel geleistet werden wie in der Friedenszeit. Die Sied- lungsgesellschaften sind bei der Beschaffung von Land in einer schwierigen Lage. Wenn sie das Verkaufsrecht gemäß dem Reichs- siedlungsgesetz ausüben, so können sie nur in die abgeschlossenen Kaufverträge eintreten, ohne eine Einwirkung auf die Kaufsumme zu haben. Diese Kaufverträge sind oft nur Scheinverträge, die es den Gesellschaften unmöglich machen, sich in den Besitz des Objektes zu bringen. Die Verordnung des Landwirtschaftsministers über das Vorkaufsrecht vom Dezember 1318, die es ermöglicht, auf den Preis einen Druck auszuüben, ist leider wieder aufgehoben worden; sie müßte jetzt wieder in das Reichsgesetz aufgenommen werden. Auch für die Urbarmachung von Moorländereien müssen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Ein solches Kulti- vierungsprojekt mag nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen unwirt- schaftlich sein, wenn man aber bedenkt, wie viel Arbeitslosenunter- stützung durch eine solche Beschäftigung vieler Arbeitsloser g e- sp a r t wird, so muß man sie doch als wirtschaftlich bezeichnen. Auch eine Vermehrung unserer Lebensmittelvorräte würde dadurch er- zielt werden, und es würde möglich fein, den Heuerlingen mehr Land zur Verfügung zu stellen, um sie wirtschaftlich ganz selbständig zu machen.(Sehr richtigl b. d. Soz.) Die Vorwürfe des Herrn Logemann, ich hätte bei dem Verkauf eines Bauernhofes im Kreise Solingen entgegen dem Landrat und dem Regierungspräsidenten entschieden, daß den Großgrundbesitzern das Land zuzuerkennen sei, sind völlig unrichtig. In dem Bescheid des Ministeriums wurde dem Landrat anheimgestellt, nach Lage der örtlichen Verhältnisse auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen die Entscheidung zu treffen. (Der Redner weist ausführlich Borwürfe des Deutschnationalen ganzen Schulproblem gar nicht um das Verhältnis des Menschen zu Gott, sondern um die Aufrechterhaltung der kirchlichen� Macht. (Sehr richtig! links.) Man will das Proletariat in Unmündigkeit erhalten, um den Klassencharakter der höheren Schulen zu wahren. Das Bildungsideal des Proletariates ist die Einheitsschule, deren Verwirklichung durch diesen Gesetzentwurf unmöglich gemacht wird. Wir wollen keine Gesinnungsvergewaltigung, durch die die Schüler zu einer bestimmten Religion vorher bestimmt werden. Die weltliche Schule wird in aufklärender Weise die Religion so dar- stellen, daß jedem Kinde die Möglichkeit einer eigenen Anschauung geyeben wird. Sie soll ganz besonders auf die Probleme der Philo- sophie eingehen. Kultusminister Becker: Preußen hat die Reichsregierung immer wieder ersucht, durch ein Gesetz die außerordentlich großen schulpolitischen Schwierigkeiten wegzuräumen. Mein verehrter Vorgänger, Minister Haenisch, hat beim Reich fortwährend darauf hingearbeitet, daß eine derartige Vorlage kommt. Die Bcoölkcrungsschichten, die heute die weltliche Schule verlangen, haben bisher in ihrem Gewisien schwer gelitten. Auf der anderen Seite sind die Kreise, die für die Bekenntnisschule eintreten, der Ansicht, daß die Gründung religionsloser Schulen ihre Staatsbürgercchte beeinträchtigen, wenn nicht die in der Reichsverfasivng geforderten gesetzlichen Grundlagen geschaffen sind. Zufrieden mit dem Gesetzentwurf ist niemand. Die Kritik geht weniger gegen den Entwurf, als gegen das diesem zugrunde liegende Schulkompromiß. In Weimar hat man die parlamentarische Krise, aber nicht die Kaufhold wegen angeblicher Benachteiligung der kleinen Leute bei! S ch u l krise gelöst. Die Schwierigkeit besteht heute darin, daß seit Verpachtungen zurück.) Alle Leute, die von Siedlungen etwas ver- Weimar die Anhänger der weltlichen Schule und die der Konfessions- stehen, und besonders diejenigen, die nicht nur schreiben oder reden, schule sich vermehrt baben. In Weimar konnte man die Simultan- sondern auf dem Gebiet der Siedlung auch ernsthaft a r b e i t e n. j schule noch für die Regel halten, heute ist sie aber Ausnahmesall. haben mir bezeugt, daß sie nur eines Urteils darüber sind, was Dennoch glaube ich, daß der Entwurf eine brauchbare Diskussions. unter meiner Amtsführung aus dem Gebiete der Siedlungen ge- qrundlaye liefert. Die Regierung ist der Meinung, daß das Gesetz ? Vei»5on �4�0 M. in den Speditionen der ZZ., im Sekretariat, Jäger- straße 66 und beim Genoffen Jakob, Idealpassage, Aufgang 10, zu haben. ?ugenüoeranfta!tunyen. Eine MSdchenI-nf-ren, findet um Sonntag, den 17. In«, im R-fta-rant „San>fo«ei in Kaulsdorf-Güd mit einem auserwählten Pragramm statt. Die Splelwiese steht uns ab vormittags 9 Uhr zur Verfügung. AUkkwoch. den 13. Juli: Zahannlsthal: Iohannes-Werner-Etrasse, Kre-smädch-n-ibcnd. Bortrag:„Die Frau und der Sozialismus".— Spandar: Altes Schllssenhaus, R-uendorfer Strasse 2, Vortrag:„Gegnerische Zugenöbeweaung".— Südwest: Lindenstr. 8. Zeutraljugendsseim, Bortrag:„Die russische Eowietverfassung".— Tempeldos: Germamastr. 0/7, Vortrog:„Wie wandern wir".— Westen: Kurfllrstenstr. 141, ?°�rog: Dos Sozialistengesess".- 17.«reis sOsibahn): Jugendheim, Lichten- öerg, Möllendorfstraße,„Kurt-Groltcwiss-Äbend". vorträae. vereine unö verfammlunaen. Worein Berliner Buchdruck-Masrhinenlneiiter. Sonnabend, den ib..Uta: Sommersest im Gartenrestaurant-.Neu-Gccland"(Vw. Schonern Slrolau» Rummeisbury. Karten a 3 M. einschl. Steuer im Nestaurant Henning, Alcxandnnenstr. 44, erhältlich. Wirtschaft Die preise für Zeitungsdruckpapier. .. ��anntlich hatten die Preise für Zeitungsdruckpapier eine der- ortiqe Hohe erreicht, daß der ganzen Presie ihre Weiterexistenz nur Durch vom Reichetoge bewilligte Reichszuschüsie zur Papierverbilli- guna möglich war. Die Druckpapierfabriken scboben die Schuld auf die hohen Popierholzpreise. Daß diese nicht der einzige Grund '�bitant hohen Papierpreise waren, beweisen die fetten Dividenden zahlreicher Papierfabrikens Aber immerhin, die Forst-,______. v-.,„ Verwaltungen der Länder und nickt minder die vrivaten Besitzer von! schulgesetzes steht mit der Reichsverfasiung in Widerspruch und auch Waldungen verstanden es, auf Preise zu halten. Was eigentlich mit der programmatischen Erklärung des Kabinetts Stegerwald, die llltm rpnlf nonrimh<»f»ff hemr»»v>»sS«»•(*«4. V*,. fl* /r:..ii CT)..,:-.7 � in hon schaffen worden ist. Sorgen Sie besonders auf deutschnationaler Seite dafür, daß die Tausende Ihrer Mitglieder aus dem Groß- arundbefih reichlich Land zu niedrigen Preisen zur Verfügung in der Praxis nicht so bureaukrottsch wirken wird als es scheint. Die Schulaussicht wird nicht illusorisch werden. Auch die Schulaufsicht des Staates wird bleiben. Freilich ist unser letztes Ziel die einheitstellen. dann werden wir schnell vorwärts kommenl(Lebhafter- licl>s Volksschule. Ich habe einen starken Glauben an die Einheib Beifall b. d. Soz.) Abg. EZeißermel(Dnat.): Es ist klar, daß endlich praktisch für die Siedlung gearbeitet werden muß. Abg. Freund(U. Soz.): Brauns Begründung für die Rotwen- digkeit der Siedlung ist richtig. Im Vordergrund steht die Frage der Wohnungs- und der Arbeitsmöglichkeit. Bei der Siedlung zeigt sich der Widersinn des kapitalistischen Systems in der krasiesten Weise. Wir fürchten, dqß die Leute, die heute auf das Land gehen, unter der Kostenlast für das lebende und tote Inventar der Sied- lung zusammenbrechen und die Opfer der Großgrundbesitzer werden. Die Siedlungspolitik ist Zllusionspolilik. Sie erweckt Hoffnungen, die nicht in Erfüllung gehen. Abg. Schulz- Neukölln(Komm.) erklärt die Siedlungsbewcgung für einen Schwindel, mit dem man die Massen betören wolle. Die Vorlage geht an den Siedlungsausschuß. Es wird hierauf ein Gesetzentwurf betr. die Bildung der Berg- ausschüsie angenommen, ebenso die Erweiterung des Stadtkreises Witten. Der Gesetzentwurf betr. Reisekosten und Anfwandsenischädi- gung für die Mitglieder und den Präsidenten des Staatsrates, freie Fahrt zwischen Wohn- und Tagungsort auf den ehemaligen preußisch-hessischen Staatseisenbahnen, serner ein Tagegeld von 153 M. und dem Präsidenten für die Amtsda.uer eine jährliche Auf- wandsentschädigung von 12 033 M., wird dem Hauptausschuß über- wiesen. Ein Antrag Rüffer(Dnat.) über die'Milderung der Wohnungs- not wird in der Ausschußfasiung angenommen. Es folgt nun die Große Anfrage der Abgg. Hoff(Dem.) und Genossen über den Entwurf des Reichsschulgesetzes zur Ausführung des Artikels 146 Abs. 2 der Reichsverfasiung betr. Sekenntnis- unö Veltanfchouungsschulen lichkeit des deutschen Volksbewußtseins und ein zu großes Vertrauen auf unsere Volksschullehrer. Abg. KSliiL-SwinemLnbe(Soz.): Die ganze Debatte zeigt, daß im Hintergrund des Schul- Problems das Problem der Trennung der Kirche vom Staat steht. Die Kirche merkt, daß die Trennung nicht mehr aufzuhalten ist und sie will sich deshalb rasch möglichst viel Machtpositionen in der Schule sichern. Die Anhänger der Konfessionsschule sprechen so viel vom Elternrecht. Kann aber der Staat die Schule nur aus dem Elternrecht aufbauen? Heute, wo innerhalb des Staates alle Weltanschauungen anerkannt ' sind, entsteht für die Schule eine ungeheure Gefahr, wenn die An- Hänger der Bekenntnisschule durchdringen. Es ist nicht die Sache des Staates, bestimmte Bekennttnsse zu fördern. Diese Auffassung liegt auch der Reichsverfasiung zugrunde. Ihr Z 146 Abs. 3 spricht vom organischen Aufbau des Schulwesens. Auf der gemeinsamen Grundschule soll eine Gliederung nach den Berufen und nicht nach den Weltanschauungen, nach der Anlage der Kinder und nicht nach de» Vermögen" Verhältnissen der Eltern sich aufbauen. Der Reichs- schulgesetzentwurs macht die Aussicht des Skaakes illusorisch. Heute bestehen in irgendeinem Dorf zwei Konfessionsschulen mit 43 katholischen und 33 evangelischen Kindern, statt einer Schule. So entstehen Zwergschulen. Das Schulwesen als Ganzes leidet und die Gelder des Staates werden verschwendet. Ueberdies, nur bei den B o l k s schulen will man die Herrschaft der Konfessionen, bei den höheren Schulen darf das Simultansystem existieren. Warum? Die Antwort ist leicht, die Machtpositionen liegen in der Volksschule. Wir dagegen fordern den weltlichen Staat und die weltliche In der Kirche hat die Konfession Zeit und Gelegenheit in Schute. Hülle und Fülle zur iinterrichtung der Kinder nach bestimmten Welt anschauungen. Die Kirchen wollen aber außerdem die Anstellung In Verbindung damit der Antrag der Abg. Frau K u n e r t � und die Versetzung der Lehrer in der Hand haben. Der Lehrer, (U. Soz.) und Genossen über den Wegfall des Religionsunterrichts der bekenntnislos ist, fliegt auf die Straße, denn keine Konsessions- in den Schulen. Abg. hoff(Dem.) zur Begründung: Der Entwurf des Reichs- nicht recht begründet ist, denn weder hat der liebe Gott den Preis wr das Wachsenlassen der Bäume erhöht, noch sind Sonne und Regen, die Haupt-Rohstofflieseranten bei der 5)olz„fabrikation", um höhere Löhne eingekommen. Mit dem 1. Juli d. I. fielen nun die Reichszuschüsie fort, eine Katostrophe stand vor der Tür, da aus eine Erneuerung nicht.zu rechnen und die Presse absolut nicbt in der Lage war, die seitherigen Preise zu bezahlen. Nach langwierigen V�rbandlungen bequemten sich endlich die fest zusammengeschlossenen Zsitungsdruckpapierfabri- kanten, den bisherigen Preis um sage und schreibe zehn Pfennige das Kilo zu ermäßigen. Das bedeutet einen Tropfen auf einen heißen Stein, und es müssen unbedingt Wege gesunden werden, die zu einer weiteren, fühlbaren Herabsetzung der Popierpreise führen. En solcher Weg wäre die Ermäßigung der Eisenbahnfrochten für Zei Pflege des nationalen und sozialen Berantwortlichkeitsgefühls in den Schulen über Konfessionen und Parteien hinweg gefordert hat. Wir versiehen den Protest des deutschen Lehrervereins und vor allem den der Bolksschullehrer. Diese werden durch den Reichsschulgesetzent- wurf beiseite geschoben. Die Erziehungsberechtigten und die obersten Verwaltungsbehörden haben, wenn der Reichsschulqesetzentwurf an- genommen wird, allein etwas zu sagen. Die Volksschullehrer werden förmlich unter ein Ausnahmegesetz gestellt. Der Reichsschulgesetz- entwurf schafft nicht nur viel verschiedene, sondern einen ganzen Rattenkönig von Schularken, denn es aibt zahllose Bekenntnisie und Weltanschauungen. Das Recht der Erziehungsberechtigten hat auch seine Grenze. Wir finden den �.. C—» 6 ImI.vf/'t«<-f /i** f»*» S.iv» reo Nt/t tfofrt schule und keine Gemeinschaftsschule, höchstens nur ein kleiner Teil der weltlichen Schulen, hat für ihn Platz. Wenn nicht die volle Wcltlichkeit der Schule sichergestellt werden kann, dann sollte wenigstens erreicht werden, daß die Simultanschule als Regelfall und die Konfessionsschule als Ausnahmefall erreicht wird. Danach müßte sich auch das Verhalten der Unabhängigen richten, daß wenigstens dieses bescheidenere Ziel erreicht und der Einbruch der Anarchie in das Reich der Schule verhütet wird.(Bravo! links.) Abg. Öelze(Dnat.): Auch wir haben an dem Gesetz viel auszu- setzen, sehen es aber als eine brauchbare Grundlage an. Die religiös- sittlichen Eigenschaften müssen im Unterricht gepflegt werden. Man will eben den christlichen, den Religionsunterricht einfach ausschalten. Dagegen wenden wir uns mit aller Entschiedenheit. Abg. Rleyer(Komm.): Der große Widerstand von rechts ist größtenteils durch die Haltung der Sozialdemokraten in Weimar heraufbeschworen worden. Damals war es der Abg. Heinrich Schulz, j Ruf nach Bekenntnisschulen tungspapier. Dies ist um so leichter möalich. als die Fracht für! wohlgemerkt Zeitungsdruckpapier nach der höheren Tarifklasie statt nach der Vorwärtskommen handelt billigeren Klaffe B berechnet wird. Diese Angelegenheit hat auch bereits wiederholt den Reichstag beschäftigt, der einen Antrag, Zei- tpnqsdruckpapier aus der Tarifklasie 4. in die Tarifklasie B unter Fortfall einer besonderen Gebühr für die Gestellung bedeckter Wagen zu versetzen, einstimmig angenommen hat. Das Reichsoerkcbrsministerium, in desien Resicrt dies« Ange- leqenheit fällt, hat aber bis jetzt wenig Eifer gezeigt, dem ein- stimmig geäußerten Wunsche des Reichstages Rechnung zu tragen. Es erscheint daher durchaus angebracht, daß sich die Orffentlichkeit mit dieser Frage einmal ganz energisch befaßt. Namentlich hat die Arbeiterschaft alle Veranlosiung. darauf zu achten, daß ihre vitalsten Jnteresien nicht mit Füßen getreten werden. Die großen Inseratenplantagen, welche ein erheblicher Teil der bürgerlichen Presie darstellt, können vielleicht unter Umständen auch bei einem etwas höheren Papierpxeis noch bestehen. Für die Arbeiterpresie trifft das nicht zu. Denn hier lassen sich infolge der bedrängten Lag» der Arbeiterschaft die Hohen Preise nicht auf die Abonnenten abwälzen Der Arbeiter bo! ein begründetes Recht darauf, sein« Zeitung zu einem erschwinglichen Preise zu erhalten. «. rorss m�Pmr.rh a hi. ihr, der in Weimar für ein Kompromiß eintrat. Da, Schulprogramm •, auch in die auf simultaner Grund' läge ausgebauten höberen Schulen schicken. Kommt die Bekenntnis- schul«, dann bekommen Sie auch die Prolelariecfchule. Das Volk wird noch mehr zerttüftet. Die Gemeinschaftsschule ist nicht religions- feindlich. Umgekehrt muß die Bekenntnisschule, in der der ganze Unterricht vom Geist des betreffenden Bekenntnisses erfüllt sein soll, in vielen Gegenden für die Kinder anderer Bekenntnisse zu einem uneriräglichen Gewissen-'wang führen. Die Gemeinschaftsschule soll das Selbstverständliche sein. Sonderschulen sollen erst auf Antrag errichtet werden dürfen und nur soweit, als der geordnete Schulbetrieb nich' gestört wird. Darauf beruht ja das Schulkompromiß. Wir verlangen, daß das Reichs- schulgesetz im Geist und im Sinn dieses Kompromisses durchgeführt wird. tariats. Abg. Dr. Bsesih lD. Vp.): An dem zweiten Weimarer Schul- kompromiß sind in erster Linie die Demotraten schuld. Damals ist der Gedanke der Einheitsschule zu Grabe getragen worden. Darauf vertagt ssich das Hans.— Auf Antrag H e i l m a n n (Soz.) wird die vom Aeltestenrat beschlosiene Beschränkung der Rede- zeit auf eine Stunde bei der Beratung de« Notetats aufgehoben. Auf Antrag Scholich(Soz.) wird das Kommunal-Abgaben- gesetz morgen an erster Stelle auf die Tagesordnung gesetzt. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr: N o t e t a t in Verbindung mit kommunistischen großen Anfragen betreffs Beschlagnahme kom- mnnistischer Zeitungen und deittschnationaler Anfrage betreffs Auf- Hebung der Sanktionen, kleine Vorlagen, Anfrag« über das Gruben- unglü.' auf der Zeche Eonstantin der Große. Rest von heute. Schluß, gegen 7 Uhr. z. B. Gemüse, überhaupt noch in Frage kommen könnte, oder ob I berechnet wird, eine Maßnahme, die insbesondere für die Transporte ArgcktLrmSßignng für tebensmilkel. Den„P. P. N." wird ge- m.idet: Die am 1. Dezember 1323 in Kraft getretenen und am > April 1321 erheblich erhöhten Frachttarife der Eisenbahn ll-�en nicht nur eine Steigerung der Lebensmittelpreise befürchten, sondern es erschien sogar fraglich, ob der Transport einzelner Güter, wie' gutversand fsrtaefall«,. l» daß'nvnmehr nur das wirkliche Gewicht nicht vielmehr in einzelnen Versorgungsgebieten weite Bevölkerungs- kreise auf diese Lebensmittel hätten verzichten müssen, da die Kosten der Her nbrineung der Ware aus den Erzeugunasqebieten zu hoch waren. Das Reichsminist-rium für Ernährung und Landwirtschaft ist daher unverzüglich mtt dem Reichsverkehrsministerium wegen einer Ermäßigung der Frachtsätze in Verbindung getreten. Die Bemühungen haben dereit» Erlolg gehabt. Seit dem 1. Juli Ist der S3prazentiqe Gewichtszuschlag beim Eil' von Obst und Gemüse, Brot, Butter und Margarine von Beratung ist. Sodann ist ein ermäßigter Ausnahmetarif für die ver-ndung von Milch geschaffen worden, eine Mahnahme, die vor allem im Interesse der Versorgung der kleinen Kinder auf da» donkbarste zu begrüben ist. Schließlich ist bereit» am 13. Juni ein Ausnahmetarif für Fische in Kraft getreten, der durchschnittlich eine Frachtermäßigung um 33 Proz. in sich schließt. Weitere Vergünstigungen, insbesondere auch für den Transport»rni DünaemUbäti Uni ntub nickt»rkolat, stehe-»«bor in Ausficht. Das versenkte tazarechchiff. (Schluß aus der Abendausgabe.) Der zweite Offizier der �Llandovcry Castle" Chapman er- klärt, daß das Lazarettschiff ordnungsgemäß als solches gekennzeichnet war. Zum Transport ron Munition und Truppen fei es niemals benutzt worden. Nach der Torpedierung wurden die Insassen in die Boote gesetzt. Bald darauf erfolgte auf dem Schiff eine Kesselexplosion. Das Rettungsboot des Zeugen trieb in der Nähe des Schiffes. Eine Leuchtboje verbreitere etwas Licht. Es gelang dem Zeugen, zwölf im Wasser treibende Schiffbrüchige aufzunehmen. Der Zeuge hat sieben Rettungsboote auf der einen Seite des Schiffes gesehen, weiß aber nicht, wie viele auf der anderen Seite heruntergelassen waren. Zwei Boote kenterten und versanken. Der Zeuge glaubt, daß durch die Kesselexplosion noch eine Anzahl Personen getötet worden sind. In seinem Rettungsboot befand sich auch der Kapitän. Als das U-Boot herankam, wurde dem Rettungsboote zugerufen:„Kommen Sie sofort, sonst schießen wir auf Sie!" Der Sprecher war der Kommandant des U-Bootes, der zwei Revolver in der Hand hatte. Der Kapitän der„L. E." stieg auf das U-Boot über, kam aber bald suruck und erklärt?, ihm sei von dem ersten Offizier gesagt worden, ois Rettungsboote sollten sich rasch aus der Nachbarschaft des Sch'.ffss entfernen. Die Engländer trachteten danach, diesem Ersuchen schnell zu entsprechen. Bald kam aber das U-Boot wieder heran und habe die Rettungsboote aufgefordert, linksfeits zu fahren. Der vierte Offizier und der Zeuge wurden an Bord des U-Bootes genommen und ausgefragt, ob amcrikamsäte Ilicgeroffiziere an Bord gewesen 'eien Die Fraae wurde verneint. Der Offizier sei aber dabei ge- blieben, daß Flieger an Bord gewesen sein müßten. Die beiden Engländer wurden dann wieder auf das Rettungsboot entlassen, das das U-Boot zunächst aus den Augen verlor. Dann aber sei das U-Boot wieder auf das Rettungsboot zugekommen, das sich nur schwer der Gefahr eines Zusammenstoßes entziehen konnte. Dem Zeugen kam dabei der Gedanke, daß das U-Boot bestrebt war, alle Zeugen des Ereignisses zu beseitigen. Das Rettungsboot setzte schließlich ein Segel, um in der Dunkelheit schleunigst zu ent- kommen. Der Zeuge hörte Geschützseuer, es seien dicht über das Boot Granaten geflogen, die in der Nähe explodierten. Ein Te.l der Rettungsboote auf Backbordseite sei durch Torpedoschuß ver- nicht�worden.e � g g. zzarton behauptet, das U-Boot habe verschiedene Versuche gemacht, das Rettungsboot zu rammen. wie er aus seinem direkten Zufahren auf die Rettungsboote schloß. Er hatte den Eindruck, daß auch das andere Rettungsboot in den Grund gebohrt werden sollte. Das Boot des Zeugen sei mehrmals mit Granaten beschossen morden. Die Insassen des Rettungsbootes wurden schließlich von einem vorüberfahrenden Dampfer aufge- �� �Das� Gericht beschließt sodann die Verlesung der von dem am Erscheinen in Leipzig verhinderten englischen Zeugen Evans in London gemachten Aussage. Evgns, Zahlmeister auf der E., hat angegeben, daß auch er den Angriff des U-Bootes auf die Rettunasboote beobachtet habe.„ Der Zeuge Ports, erster Offizier auf dem Dampfer„Atlantian, der vorher torpediert worden war, befand sich als Gefangener an B�rd des U-Bootes 86, und zwar im Torpedoraum, als die Torpe- dierung der„S. C." erfolgte. Er hat nicht bemerkt, daß am nächsten Morgen die Besatzung des U-Bootes sehr bedrückt gewesen sei. Am 16. Juli ist er in Kiel an Land gebracht worden,«oldt habe ihin zuvor das Versprechen abaenommen, nichts von dem Vorgang zu erzählen.— Angetl. B o l d t bemerkt dazu, daß sich das Schweige. versprechen nicht etwa nur auf den Vorgang am 27. Juni, sondern auf alle' Dinge bezog, die der Zeuge an Bord gesehen habe. Dies wird von Potts bestätigt. Zeuge Crosbg, Telegraphist auf dem„Atlantian, befand sich als Gefa.gsner im U-Boot, als am 27. Juni einer der Leute an den Dieselmotoren zu ihm sagte, ein großer H o s p i t a l d a m p s e r sei in Sicht. Nach der Torpedieruna hat er beobachtet, daß aus der Munitionskammer des U-Bootes Munition nach oben gegeben und verschossen wurde.„-. Zeuge H e a t h e r war Schiffskellner auf der„L. C.. Er be- hauptct, daß das Schiff niemals zu anderen als Lazarettzwecken be- nutzt worden sei. Durch das Sinken der„L. C." wurden Boote mit auf den Grund gerissen; Heather rettete sich durch Schwimmen auf das Kapitänsboot. Das U-Boot habe oersucht, das Rettungs- boot„unterzuwaschen", so daß es hätte kentern können. Daß das U-Boot die Absicht hatte, sein Boot zu rammen, kann er nicht be- haupten. Thomas Abrahams aus London, ebenfalls Steward auf der „L. C.", will nie Munition auf dem Schiff gesehen haben. Der Zeuge S a v a g e, Hilfssteward auf dem Hospitalschiff, ist nach dem Untergang zweier Boote an einer Strickleiter wieder an Bord der„L. C." geklettert und ließ mit anderen Leuten ein Boot herab, auf welchem er später auf das Kavitänsboot gekommen ist. Der Präsident hebt gegenüber den früheren Zeugenaus- sagen hervor, daß nach diesem Zeugen bereits zwei Rettungsboote gesunken waren, ehe das Lazarettschiff selbst unterging und ein Boot in den Grund zog. S a v a g e erzählt dann weiter, wie der Kapitän von den U- Boots-Leuten ausgefragt wurde. Hierbei habe der U-Boots-Kom- Mandant gesagt, die Explosion der„L. C." sei so stark gewesen, daß sie von Munition herrühren müsse. Auch dieser Zeuge gibt an, daß das U-Boot später einige Schüsse abgefeuert habe. Zeuge John Murphy behauptet, daß in dem Augenblick, als das U-Boot zu feuern begann, noch 3 Rettungsboote über Wasser in der Nähe waren. Der Präsident hält dem Zeugen vor, daß kein anderer Zeuge bisher derartige Angaben gemacht hat. Der Zeuge erwidert auf diesen Borholt, er habe L i ch t s i g n a l e gesehen, die nur von anderen Rettungsbooten kommen tonnten. Nachdem das Feuern des U-Bootes aufgehört hatte, habe er Boote nicht mehr gesehen. Zeuge Chapman bezeichnet es als nicht ausgeschlossen, daß Murphy die Signale nur in der Einbildung gesehen habe; er selbst habe keine bemerkt. Sachverständiger Korvettenkapitän Saalwächter glaubt nicht, daß wirklich Signale gegeben worden seien; es sei vorge- kommen, daß lange nach dem Untergang versenkter Schiffe sich mach Lichterscheinungen an der betreffenden Stelle gezeigt haben, die von dem Calcium Carbid der untergegangenen Schiffe herrührten. Zeuge Charles F u r i n g von der englischen Ueberwachungs- kommilsion für Lazarettschiffe bekundet, daß der„L. C." 19 Rettungs- boote hatte, die 1666 Personen fasten konnten. Nachforschungen nach umhertreibenden Booten seien von der irländischen Küste aus ver- anstaltet worden, aber es wurde nur ein leeres Boot gefunden, das nicht zur„L. C." gehörte. Der Kommandant des englischen Torpedoboot-Zerstörers„Ly- fander", T w i g g, der seinerzeit die Schiffbrüchigen aus dem Kapitänsboot aufgenommen und das Boot dem Meere überlassen hat, will von den Geretteten durchaus den Eindruck gewonnen haben, daß das U-Boot die Spuren der Versenkung der„L. C." habe ver- wischen wollen. Das später gefundene leere Boot könne nicht das- selbe sein, das er nach Aufnähme der Schiffbrüchigen habe treiben lasten. Zeuge S h e r st e n, Kommandant des Zerstörers„Snowdrop", der am 29. Juni 1918 an die Versenkungsstelle gesandt wurde, fand dort ein leeres Boot. Er glaubt im Gegensatz zu der Aussage des Zeugen Twigg, d a ß es sich um das Boot handelte, aus dem die Be- satzung übernommen wurde. Um 4% Uhr wird die Verhandlung auf Mittwoch vormittag 9 Uhr oertagt. « Terioki, 12. Just.(OE.) Der Chefredakteur der sowjetamtlichen Moskauer„Jswesttja" Steklow erklärte bei Besprechung der Leipziger Kriegsbeschuldigten-Prozesse, die, deutschen Generale hätten nicht den hundertsten Teil der Untaten begangen, die die Söldlinge der sich jetzt zu Richtern aufwerfcnden Entente während des russischen Bürgerkrieges verübt hätten. Man müsse über alle zu Gericht sitzen, und zwar müßte das Wcltproletariat der Richter sein. Eeseßgeblmg ist dringend nokwendig. Die Kriegsopfer aber sollten sich endlich jene Organisation der Kriegsbeschädigten und-Hinter- bliebenen schaffen, die sich jenseits aller Parteipolitik auf die speziellen wirtschafts- und sozialpolitischen Ziele der Kriegsopfer einstellt. Soziales. kapitalistische üricgsopfersursorge. Man schreibt uns aus Mitteldeutschland: Bei allen Betriebsein. schränkungen ist es immer wieder zu beobachten, daß man Kriegs- beschädigte stets zuerst mit entläßt, weil sie infolge ihrer Beschädigung nicht so viel zu leisten vermögen, wie die körperlich vollwertigen Ar- bciter. Auch bei Vergehen, die man sonst ein- und mehrmals beim vollwertigen Arbeiter und Angestellten gern übersieht, ist man bei den Kriegsbeschädigten sofort mit der Entlassung zur Hand. Der letzte Putsch tft als willkommene Gelegenheit von den Unternehmern benutzt worden, ein ganzes Heer von Kriegsbeschädigten auf die Straße zu werben, indem man ihnen Beteiligung an der Aktion, gesetzliche Verstoße oder Vergehen gegen die Betriebsordnung oft mit sehr gesuchten Gründen nachwies. Wenn auch die überlegte und zielbewußte Beteiligung einzelner Kriegsbeschädigter an der ver- trecherischen Kommunistenaktion zugegeben werden muß und sie auch keinen Schutz, selbst nicht durch das Schwerbesthädigtengesetz. finden können, so hat doch das Unternehmertum diesen Putsch zu einem Generalauskehr der im Betrieb nicht voll ausnutz- baren Kriegsbeschädigten benutzt. Zu den über 39 999 arbeitslosen, mehr als S9 Proz. erwerbsbeschräntten Schwerbeschädigten gesellen sich nun noch etwa 59 999 üriegsbeschüdigle mittlerer und leich- lerer Erwerl sbeschrüulung, deren Wicderunterbringung bei der heutigen Lage des Arbeitsmarktes und dem gemeinsamen Vorgehen der Unternehmer gegen die Kriegsbeschädigten natürlich ungeheuer schwierig ist. Wahrlich: ein glänzender Dank unserer Geldherren an jene Bedauernswerten, die mit Strömen von Blut, Leiden furcht- barster Art, den Verlust von Gliedmaßen, das Geld der Kapitalisten zu Bergen häustcn! Wo man sich aber bereit erklärt, Beschädigte zu beschäftigen (Schwerbeschädigte wüsten ja nach gewisten Bestimmungen einge- stellt werden), sucht man durch entsprechende Lohnkürzungen den Beschädigten den Dank des Vaterlandes(sprich des Kapitalisten) in der fühlbarsten Form abzutragen. Die Fürsorgestellen und Or- ganisationen der Kriegsbeschädigten führen einen ständigen Kampf gegen Industrie- und Agkargewaltig«, die sich für die„Ruhmestat der Einstellung von Schwerbeschädigten" durch unberechtigte Kür- zungen am Lohn und Deputat selbst belohnen möchten, um so die nicht mögliche volle Ausbeutung der Armen wieder weit zu machen. Gerade die Unterbringung von Schwerbeschädigten bereitet große Schwierigkeiten, da sich ein großer Teil der Arbeitgeber, besonders der Agrarier, noch geschickt um seine Einstellungspflicht drückt. Gegen die Kriegshinterbliebenen geht das Unter- nehmerwm mit denselben Mitteln vor, denn auch diese armen Frauen, die in den Kriegsjahren durch harte Fron in den Fabriken, den Bureaus und auf dem Lande, durch Unterernährung, durch ein Uebermaß von Kummer und Sorge, erzieherischer Arbeit an den vaterlosen Kindern, zumeist körperliche Ruinen geworden sind, kann der Unternehmer nicht so ausnutzen, wie die gesunden Frauen und Mädchen. So ist auch hier eine planmäßige Entlassung von Hinter- bliebenen, vor allem in der Textil- und Papierindustrie sowie in den B u re a u s, zu beobachten, wo man aber nur in den wenigsten Fällen dafür männliche Kräfte, sondern weit mehr junge Mädchen und junge, verheiratete Frauen eingestellt hat. Die meisten armen Kriegswitwen müssen schon heute nur von ihrer unzuläng- lichen Renten leben und können dazu meist nur noch als Heimarbei- terinnen, Aufwarte-, Waschfrauen und Tagelöhnerinnen etwas ver- dienen. Hier zeigt sich die völlige Unzulänglichkeit der staatlichen Für- sorge, vor allem der gesetzlich verankerten, für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. Das Schwerbeschädigtenqesetz ist nur ein Stein im noch nicht vollendeten Fürlorgebau. Die Hinterbliebenen z. B. genießen keinerlei gesetzlichen Arbeitsschutz. Ein Ausbau der Mus aller Welt. Tie Hitzewelle in Amerika. Die Hitzewelle, die vom Atlantischen Ozean bis zu den Rocky Mountains hinzieht, fordert von Tag zu Tag wachsende Opfer. Aus den Hospitälcrn�rerden ungezählte Fälle von Hitzschlägen ge- meldet. Die Zahl der Toten hat nahezu 59 erreicht. So werden allein aus dem Gebiet des Staates Ohio 37 Todesfälle gemeldet, aus New Dork und Chicago in den letzten Tagen je 5 Todesfälle. In New Dork hat die Feuerwehr überall fliegende Stationen auf- geschlagen, die der Bevölkerung mit der Spritze kalte D u s ch e n. verabreicht. Die Ilnkersuchung der Leichen der ermordeten Bürgermeister ergab, daß Busse erschossen worden ist, während Werner durch Schläge mit einem harten Gegenstand, wahrscheinlich mit einem Gewehrkolben, getötet wurde. Das Gewehr wurde heute auf- gesunden. Siefert leugnet weiter. Aus den Fingerabdrücken am Gewehr wird die Täterschaft fedoch festgestellt werden können. In der Rocktasche des ermordeten Herforder Oberbürgermeisters' Büste fand man seinen abgeschnittenen Trauringfinger. Der Frank- furter Gerichtschemiker Dr. Popp hat B l u t s p u r e n an den Kleidern des verhafteten Siefert festgestellt. Siefert leugnet auch weiter die Tat. Oberbürgermeister Busse war durch einen Herz- s ch u ß getötet worden, Bürgermeister Werner durch Kolben- hiebe aus den Kopf. Bei der Pulververbrennung, die in Wilhelmshaven täglich auf Befehl der Entente staltsinden muß. ereignete sich eine schwere Pulverexplosion. Fünf Personen wurden verletzt, zwei von ihnen sind inzwischen gestorben. Der Brand bei Blohm n. Voß hatte geringeren Umfang, als zu- nächst angenommen wurde. Ein 66 Meter, langer Schuppen, der Baumaterialien enthielt, ist abgebrannt. Die Hamburger Feuerwehr ist in Zusammenarbeit mit der Wertwehr nach zweistündiger Arbeit des Feuers vollkommen Herr geworden. Die Höhe des Schadens dürfte etwa eine Million Mark betragen. . Lohnender Einbruch. In der vorletzten Nacht sind Geldschrank- ernbrecher in das Konsulat von Großbriiannien in Hamburg ein- gedrungen. Sie haben den modernen Geldschrank aufgeknabbert und 156 englische Pfund in Roten zu 20. 5 und 1 Pfund, sowie 3696 M. deutsches„Geld" geraubt. Die Töter scheinen sich verletzt zu haben. Aufgehobene Spielbank. Wie uns aus Homburg vor der Höhe gedrahtet wird, hat auf Anordnung der Staatsanwaltschaft von Frankfurt a. M. die Frankfurter Kriminalpolizei im Homburger Kurhaus eine genau nach dem Muster von Monte Carlo ein- gerichtete Spielbank aufgehoben. Der Untorn-ehmer konnte mit mehreren 166 666 Mark flüchten. An dem Spiel, das nur nachts stattfand, beteiligten sich neben Personen aus den höchsten Gesell- schaftsklassen auch zahlreiche Hochstapler und Glücksritter aus den Nachbarstädten. Der Unternehmer stellte der Homburger Stadt- Verwaltung von den Rieseneinnahmen zur Unterhaltung der Kuranlagen bedeutende Summen zur Bcrfügung. Skeuerzelchenschieber. Die Düsseldorfer Kriminalpolizei oerhaftete eine Bande von fünf Personen, die den Berkauf von Tabak. steuerzeichen im Werte von mehreren Millionen Mark betrieb. Die Steuerzeichen rühren von einem Einbruch her. Bei der Fest- nähme gelang es der Kriminalpolizei, für 556 666 Mark Steuer- zeichen zu beschlagnahmen. Die eigentlichen Diebe sind tzer Maurer- polier Franz S ch a p e r aus Brakel bei Höxter und der Kraftwägen- fahrer Willi Engel aus Heinzell, Bezirk Fulda, die als Räuber von mehreren auswärtigen Behörden gesucht werden. Beide treten unter falschen Namen in Städten des rheinisch-westfälischen Jndu- striebezirks auf: Sckaper als Franz Möhr, Franz Nolden und Franz Werners, Engel als Arthur Kortmann und Pelzer. Beide sind flüchtig. Falschmünzer verhafte«. Der Düsteldorfer Kriminalpolizei ist es gelungen, eine große Falfchmünzerbande, die in Westdeutschland und Holland ihr Unwesen trieb, zu verhaften. Sie war seit 1919 tätig und war zuletzt in Düsseldorf und München-Gladbach. Dann wurde der Sitz nach Köln verlegt, wo über 11 Folschmünzerwerkstätten ermittelt wurden. Führer war der angebliche Kaufmann Joseph Elasten aus Köln. Als man ein anderes Mitglied der Bande, den Arbeiter Ludwig Crell verhaftete, gestand dieser, vor zwölf Jahren in Köln-Mühlhcim das Dienstmädchen Anna Neubauer ermordet zu haben, lieber 166 Personen dieser Bande wurden verhaftet. In den Werkstätten zu Düsseldorf, Köln und München-Gladbach wurde das gesamte Falschmünzermaterial beschlagnahmt, außerdem für 466 666 M. falsche Fünfzigmarkscheine und Einkommensteuermarken. Die Bande hatte Millionen in den Verkehr gebracht, darunter auch falsche holländische Guldenscheine. Märkyrcrdenkmal. In Anwesenheit des französischen Ministers des Innern M a r r a u d und mehrerer Staatssekretäre vollzog sich in Colmar die feierliche Enthüllung deS Denkmals für Jacques Preiß, den ebemaligen elsäisischen Abgeordneten im Dculschen Reichstag, der während des Krieges in deutscher Gefangenschaft im Lager Hildes- heim gestorben ist. Die Gedenkrede hielt der Abbs Wetterlö. bei in Preiß den glühenden Vorkämpfer des französischen Gedanken« im Elsaß feierte. Während der Enthüllungszcremvnie überflo< ein Flugzeug in geringer Höhe den Denkmalsplatz und streut Blumen. Geschästüche Mitteilungen. .«ukirol- ist ein Mittel gegen Hühneraugen und harte Haut, auch gegen Warzen zu verwenden. Wir verweisen auf das heutige Inserat im Rellameteii. Wetterbericht bis Tonnerstag mittag. Mähig warm, vielfach bciter und größtenteils trocken, nur im östlichen Küstengebiet zeitweise stärker bewölkt. Lcüfäm- A ra {oumunas-AuSiverkotir HialiVafsitQ Uend hl,%* Morgen Theater,!L8ghtspgeie etc/J Staatsoper SommerKastspIel Leitung Gustav Bergmann 7Vj Uhr üeatsches Theater Vk Uhr; Polasch u.Perimufter Do. 7'/»: PotascU u.PerlrauUer Kammerspiele 7�/2 Uhr: Der Herr, der die Maulschellen krlc�t Do. V/t Uhr: Der Herr, der die Maulschellen kriegt Gr. Schanspieihaas (Karlstraße) 8; Die Weber(Auß. Abonn.) Do 8: DicWebcr 1 Auß.Abon.) Central-The»ter s imr; Jlonka Frlotlr. WIlhelmst.Tli. SL Die Kleine ans der Bälle Hl. i!»chaa�plcliianM 7VjUhr: Reigen Kleine« Theater 7'/.u.- Casanovas Solln .Hctropol-Theater u%Die blaue Mazur fteucfc Operettentheat �uhrAmericaa-Girl ResUlenx-Tlicater 71/, Uhr Max Adalbert irf 1919(Ab dafür!) Bcliiller-Theat.Chsrl Operetten- Spielzeit uf'JeineFran- das Fräulein Schloßpark- Thea! Steglitz, Schloßstraße 48 vi, u.; Hans Hucksbeln TUulla-Thcnter v/i uhr; Mascottchen Tli.am\uilciilata J�.Der Mer aus Dingsda Thentcr de« Weaten« VI, Uhr: Tb.i.d.Komraaadantenatr. Bis IS Juli geschlossen Ab Sonnabend 7 Uhr; Die Dielenhexe Trianon-Theatep u.': Lady WlnderniEF. Fächer Walfner-'Theater 3 U.; Cavalleria ruatlcana. Bnlazzo Wulhnilu-Theater Jh�ScheiüMßsreise Volksbühne Theater am BDIowplatz. Jhr3 Der Kaiserjäger Lessing-Theater Allahendlich 7'/, Uhr; Die Bsilerina des Im (Leopoldine Konstantin) Deutsches Künstler-Theater ?>/» wir Geständnis (Paul Otto)_ Berliner Theater Allabendlich 7.30 Uhn Beiebs!i&li.-Tiieater Stettiner Sänger wAr.tangt'/.Uhr i�Dönhoü-Brettl \�;SI ü VarietÄ» diJJi, Saal u. Garten Neue Welt ARNOLD SCHOLZ Hasenheide 108-114 Mlitwocu, 13. Juli 1921: Konzert u.Speziali- täten- Vorstellung Großer Ernte- Umzug Kinder-Theater/ Kinderspiele und Kinderbelusti- gungen aller Art, wie: Topischlagen,; sekhüpien Wettlaufen, Kinder- fackelzug/UmbUhr: Aufsteigen des Luftballon»„Neue Welt" Am. 4 Uhr. Einlaß 3 Uhr Kaffeektiche ah 2 gebltnet Voranzeige I Donnerstac, den 14. Juli: Grolles Kunst- und Fronten- Feuerwerk ..Ausbruch des Vesuv" Theater 1. d. KQniggrStzer Str. 7.3»! Glaube und Heimat 3)0.; Die Kreuze Isehrelh er Freitag: Föhn Romodienhans 7.30 Uhr; Der blonde Engel Kotnisehe Oper Operosplelzeit Täglich /'/. Uhr jüt-Keidelberg Oper von Pacchierotti Stc. Z>/.; Der Barbier t. Sevilla Variete-5 Rauchen gestattet! [LUDWIG LESSEN: Em Wanderbuch An deutschen Seen,i Flüssen undAuchtenj Th. a. Kottbuser Tor Tel Moritzpl. 16077 Tägl. Vi, Uhr: Elite-Sänger — 10 Herren!— Witz! Komik! Urkom. Typen I Größu Lacherfolg Vorvk.ll-lVr,4-6U. 16. bis 3'. 7.(während des Urlaubs der Elite-Sänger) Gastspiel der Leipziger Fritz- Weber■ Sänger mit kolossalem Programm. Foiies Caprice Llnienstr.i3Z.amOranienbg.T. 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Wahlen zur Verfaffunggebenden preußischen Kirchenversammlung liegt vor. Zwar stehen noch einzelne kleme Wahlergebnisie aus, doch vermögen diese am Gesamtergebnis nichts mehr zu ändern. Es erhielten an Sitzen in Brandenburg: Positive Liste 27, liberale Liste 8, evangelische Vereinigung 7, evangelischer Khchenverband 4, überparteiliche Liste 3, von der Heydt 2: Ost- preußen: Einheitsliste 11, Bckenntnisliste 9, liberale Liste 1; Pommern: Einheitsliste 14, rechte List» 3, linke Liste 1; Sachsen: Einheitsliste 19, Bekenntnisliste 8; Westfalen: Einheitsliste 16, Liste der freien evangelischen Bolrskirche 2; Rheinpeovinz: Einheitsliste 11, rechte Liste(Chorakterlilte) 19: Schlesien: endgültige Resultate können erst Anfang August festgestellt werden. Voraussichtlich sind die Ergebnisse socgende: Ewigunqsliste 13, Liste der kirchenpolitisch nicht Organtsterten 8. Wie sich die Sitze in der sogenannten Eint- gungsliste aus-die einzelnen Richtungen verteilen, läßt sich noch nicht übersehen, doch dürste mit einer starken Mehrheit der Rechtsgruppe zu rechnen sein. SewerMsstsbeWegung Ter Achtstundentag und die Gewerkschafton. Hamburg, 12. Juli.(Eigener Drahlberickl des.Vorwärts'.) Auf der Hamburger Gewerkiäiailskoiisercnz biell am Moniag, dem alocilen Tage, der Genosse V i e d e r m a n n- Hamburg ein Nefeiat über die friede uSbedingun gen und Gcwcrk- schasteu. Er ging bon der Tatsache aus, dag die Slrbeilnehmer es in erster Linie geweieii seien, die die ittnnalime des Londoner Ultimatus befüitvorieien, die nun auch da�u bemogen miigten, daß es erfüfii werden könne. Tann enlivicketle er in grogen Zügen die wirtschafiliche Siiuaiion Deutschlands unler dem Druck des Zwanges, das Ultiniatnm eriüllen zu müssen und ging dann auf die Frage des Achtstundeniages ein. Er sübrte ungefähr folgendes auS: Für die Gewerkschaflen besteht die ernste Aufgabe, dre Massen auf weitere schwerwiegende Folgen hinzuweisen. Wir werden uns mit dem Gedanken veriraut machen müssen, dah die Entente sich Eingriffe auf dem Gebiete der Sozialpolitik herausnehmen wird. Man wird auf diesem Gebiete init einer rückläufigen Bewegung rechnen müssen. In erster Linie trifft dies für die Arbeitslosen- unterstügung zu. * Dem Bericht vom ersten Tage ist noch nachzutragen, das; über die„Bezirkliche Zusammenfafiung der Betriebsräte' an dritter Stelle nach einem Referat deS Belriebsräleiekretärs Legart verhandelt wurde, über die provinziale Zui'ammensasinng der Ortsausschüsse und die Wahl eines bezirklichen Ortsausschusses der Gewcrkschaslen. Auf die Ausführungen des Bürgerschaitsmitgliedes Biedermann werden wir zurückkommen, sobald ein auSsührlicher Bericht vorliegt. Tarifvertrage im Bekleidungsgewerbe. Der Deursche BekleidungSarbeit er-Verband schreibt unS: Im Jahre 1920 wurden 234 Tarife neu abgeichlosien und 321 erneuert, so dafi am Schlüsse des JahreS SS5 Tarife bestanden! da« von sind 4 Reichs- und SSI Ortstarife. Die SSS Tarife erstrecken sich auf S30 Orte und baden Gülliqkeit für 21 1S7 Betriebe mit 201 070 beschäftigten Personen. Von den Beschäftigten sind 129 063= 64,2 v. H. Mitglieder deS Verbandes. Nach Branchen geordnet, sind vorhanden: I rend der der Afa angeschlossene Allgemeine Verband der ! Deutschen Bankangestellten denselben a b g el eh n t hat. Anstatt Ber ' ständgung mit den Bankbeamten im Allgemeinen Verband zu suchen, um so eine Einheitsfront herzustellen, wie sie bei der Bewegung in der Tschechoslowakei erfreulicherweise in die Erscheinung tritt, scheint dem Deutschen Bankbeamtenoerein mehr an einer Einigung mit den i�ankdirettoren gelegen zu sein. Der Verein hatte am 10. Juli die Betriebsräte der H y p o» thekenbanken Deutschlands zu einer Aussprache nach Leipzig gerufen über den für das Hypothekenbankgewerbe gefällten Schieds- fpruch. Er schickt sich an, mit den Direktoren der Hypo- thekenbanken einen Landestanif abzuschließen, anstatt für die Angestellten bei den Hypothekenbanken einzutteten und den Neichstarif für das deutsche Bankgewerbe auch auf sie auszu- dehnen. Durch diesen besonderen Hypothekbankentarif werden Gehalts- sätze festgelegt, die weit niedriger sind als die Sätze des Reichstarifs. Die Hypothekenbankangestellten sollen mit einem weit geringeren Existenzminimum abgefunden werden als ihre Kollegen im Kredit- Bankgewerbe. Kurzum, der Abschluß eines Sondcrtarifs mit den Hypothekenbanken bedeute eine große Gefahr für de Gesamtheit der Bankangestellten. Dabei hat sich ein großer Prozentsatz der Hypo- thekenbankleitungen bereits dem Reichstarif angeschlossen. Zwei Kollegen aus M e i n i n g en, die zur Teilnahme an der Aussprache von den Angestellten der dortigen Deutschen Hypotheken- dank bevollmächtigt waren, verwies Herr Fllrstenberg aus dem Lokal, offenbar deshalb, weil die Meininger Angestellten von einem solchen iZondertarifoertrag nichts wissen wollen. Außerdem sucht der Bankbeamtenverein ins Geschäft zu kommen tarifs, wobei, wie er der Presse gestern abend berichten ließ, ein Vollversammlung üer Spd.-MetaUarbeiter morgen Vonnerstag um ö Uhr im Deutschen Hof, lluckauer Str. 15 Tagesordnung: Der Wahlkampf fiir den verbandskag in Zena Partei- und Vcrbandsbuch legitimiert. NichtParteimitglieder, die auf unserem Boden stehen, können durch Mitglieder ein- geführt werden. Der Fraktionsvorstand. folgte Angebot der Arvettgever mit 196 gegen 6 Stimmen ablehnten. Der Lohn sollte im Krankheitsfalle für 21 Tag» anstatt 14 Tage weitergezahlt werden, wogegen die Weiterzahlung bis zu 6 Wochen gefordert war. Weiter seien die Unternehmer bereit gewesen, auf die Streichung der Bestimmung deS Tarifvertrages zu verzichten, wonach die bestehenden Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden dürfen. Ob mit oder ohne die Ausnahme von der Regel,„außer Lohn und Arbeitszeit' sl), das gehl aus den Darlegungen nicht hervor. Die Arbeit- geber wollten sogar auf die Bildung paritätischer Kom- Missionen zur Prüfung der Leistungsfähigkeit bei ber- minderter Leistung verzichten. Nur in der Urlaubsfrage, Verlängerung de» Urlaubs von 16 auf 21 Tage hätten die be- nachgeben können, da sie durch den Inzwischen seien die Berliner vollständig stillgelegt und Expedition der Waren beschäftigten Arbeitern zu Sonnabend gekündigt worden. Die Maschinenmeister werden zu diesen Darlegungen wohl daS Wort nehmen und klarlegen, wie die Dinge stehen. drängten Unternehmer nicht Neichstarif gebunden seien. Zigarettenbetriebe den letzten noch mit der Auf dem Wege der Verhandlungen wurden M9 Tarife mit 20 432 Betrieben abgeschlossen, die für 19L8L5 bcschäftigie Personen Gültigkeit haben. Mit Hilfe deS SireikS kamen 86 Tarife mit 676 Betrieben zustande. In diesen Betrieben werden 6246 Personen beschäftigt. Die 4 ReichStarise erstrecken sich auf 375 Orte und 9590 Betriebe mit 77 884 Beschäftigten. Die 661 Ortstariie er- strecken sich auf 630 Orte und 11 667 Betriebe mit 123 186 Be- schäftigten._ Ter Tarifkampf im Bankgewerbe. Wie wir bereits berichteten, hat der deutsche Bankbeamten-Verein dem Schiedssprüche unter gewissen Vorbehalten z u g e st i m m t, wäh» tarfs, wobei, wie er der Presse gestern abend berichten ließ, ein Ausgleich geschaffen werden soll über die verschiedene Stellungnahme zu dem Schiedssprüche. Der Allgemeine verband beruft zu m o r g e n, Donners- tag 714 Uhr eine öffentliche Bankangestelltenver« s a m m l u n g nach der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee, ein, in der die Kollegen Marx und E m o n t s über das Thema: Unter- werfung oder Kamps referieren werden. Forderungen der Bolontärärzte an der Gharit6. „Die Grundjordcrung der Volontärärzle besteht in einer vcr- traglich festgelegten Bezahlung aller zur Aufrechterhaltung deS Krankenhaus- und Lehrbetriebes nubedingt notwendigen Volontär« ärzte, die bis heute keinen Pfennig für ihre aufreibende Tätigkeit erhalten. Ein Sachverständigenurteil der Direktoren über die Zahl der unbedingt notwendigen Aerzte liegt darüber bereits seit langem beim Ministerilim vor.' l'/j Jahre fei vergeblich verbandelt mit Kultus«, Finanz« und ArbeitSniinist-rium. Es soll nun ein letzter Vermittlungsversuch unter- nommcn werden und bei Ablehnung der Forderungen eine Kollektiv- anskündigung der Arbeitsverhältnisse und damit eine Arbeits- ei»stell un g erfolgen. Eine Notbilfe zur Vornahme lebenS- wichtiger ärztlicher Eingriffe werde für diesen Fall eingesetzt werden. Zur Nussperrnng in der Zigarettenindustrie. Auf Darstellungen der Unternehmer sind offenbar die gestern in der Abendpiesse verbreiteten Nachrichten zurückzuführen, wonach trotz allen Entgegenkommens die Maschinenmeister daS in der SchlichtungsauSschußsitziing im Reichsarbeiisministerium er« Achtung, Holzarbeiter'! Der Streik bei der Firma Gebr. Kraus e, Wilhelmstr. 124, ist nach einem Kamps der Streikenden von 22 Wochen abgebrochen worden. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß für organisierte Arbeiter obiger Betrieb unter allen Umständen zu meiden ist, da die Firma e» ablehnt! die tarifvertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen. Arbeiterfreundliche Blätter bitten wir um Abdruck dieser Notiz. Die OrtSverwaltung. sAuf Wunsch der OrtSverwaltung erscheint diese Notiz, die gestern früh in der„Freiheit' stand, im.Vorwärts' erst heute. D. Red.) Alhknngi Vekriebsräke der Metallindustrie, 3. Hauptgruppel Donnerstag Uhr in der Schulaula am Koppcnplatz: Barbe- svrechung aller Kollegen und Kolleginnen der SPD. Es ist Pflicht, pünktlich zu erscheinen. Vom. Slreiksieber' in Lodz. Nach einer TU.-Meldung hat das Streikfieber in Lodz weiter eingesetzt. Seit Dienstag streiken die Straßenbahner. Der Verband verlangt 30 bis 60 Proz. Lohn- erhöhung. Seit Montag streiten auch die Bauarbeiter, die mit den gezahlten Löhnen nicht mehr zufrieden sind. Ein anderer, viel ernsterer Streik steht bevor, der der Textilarbeiter, die eine Lohn- erhöhung von 120 Proz. verlangen. Der Jndustrieverband geht an» gesichts dieser hohen Forderung auf keine Verhandlungen ein. Dem- zufolge sprach sich der Arbeitgeberverband für einen allgemeinen Streit in allen Fabriken in Lodz und Umgebung aus. Der Aus- bruch dieses für die Lodzer Industrie vernichtenden Streiks ist täglich zu erwarten. Warum macht der„Jndustrieverband' nicht einmal den Ber- such, durch Verhandlungen den Streikausbruch zu verhüten, die Vernichtung der Lodzer Industrie zu verhüten? Trans»«rtartiitel»erband. Donnerstaz. Rollkutscher, Begleiter, Bobeu- arbeiter, Mitfohrer, Stalleut« und Wächter: SM, Uhr bei Dök-r. Weberstr. 17, Bollversammlung.— Handelshilfsarbeiter und Arbeiterinnen aus allen Be» trieben des Bodcnlederhandels: 7 Uhr im Lokal oon Statt Witte, Poststr. 29, Kruppenversammlnng.— Bau- und Arbeitskutscher: 7 Uhr im Sewerkschaft». hau«. Engelufer 14/15, Eaal 4, Branchenoersammlung. Verband der Buchbinder und Papierverarbeitcr, OrtSverwaltung Berlin. Donnerstag 514 Uhr im Eaal 1 des Dcwerkschaftshaufes, Branchenversammlung aller in Briefumschlag- und Papierausstattungsbetrieben Beschäftigten. Ant- wort auf unsere Forderung. Beamtcnbund, Provinzkartell Berlin. Freitag 7M Uhr in der Reuen Welt, Hasenheide, Versammlung aller Diätare.— Die Notlage der Diätare. Berantw. Mr den redakt. Teil: Dr. Werner Peisee, Tharlottenbura: kllr Anzeigen: Tb. Gloltc, Berlin. Verlag: VorwärtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Bor- wärls-Buchdruckerei u. Verlagsanllalt Paul Singer et, Co.. Berlin. Lindenstr. 8. Htcrz» 1 Beilage. Hühneraugen Hornhaut Schwielen u. Warzen btstiHqt da» antheh tmpfohltna millionanfaef, bawänrn hfi Schachtel M.3.-. In Apotheken u. Drogerien erhSUHch. Deulscher Mslal arbEitirverb. Verwaltungsstelle Berlin, i Den Kollegen zur Nach- richt, das; unser Kollege, l der Schlosser 93/>4 J Ausust Przytarski Stegiiß. Albrechtstr. 89,90,1 am 9. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke». Die Einäscherung findet I am Donnerstag, den l4.Iu>i,! nachmittags 4'/, Uhr, im I KrematortumBaumschuicn- weg. Kiefholzsttahe, statt. Rege Beteiligung ermattet> Die Ortsverwaltung.[ Am l 0.7, vorm.>,,1 > starb nach turzem, schweren! Leiden mein inniggeliehter I Mann u. Valer, der Tischler| Otto Hache Die ti strauelndeu Hinterbliebene». Einäscherung Donnerstag. I nachm. 3 Uhr, im Krema- 1 lorium Baumschulenwcg. I Kiesholzstrahe 3S32b I Haschen! Kognak 0,85, Sekt 0,70 Rotw.0,60,Weiß\v.0,55 Altpapier aller Art kauft bei freier Abholung Reinhoid Quade Nachf. S>chinid«tr. 30 Telephon Alexander 11Q2 SeMelwl»MmWO Oerwal'ungsftclle Berlin X II. Sss, CinicnltP. 8J— 85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Teiephon: Amt Norden 185. 1239.>987. 9714 voaoerstog. den 1«. Juli 1921, abend» 7 Uhr. in der Schnlaula, tlappenplatz 12: Versammlung aller aktiven Betriebsräte der Hauptgruppe III der ZNetalliudustrie teMn in Eagersdork, 15 Minuten vom Bahnhof Elrausderg ent- fernt.zu verkaufen. 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Frankierter Str. 115 ..... des Wirtschaftslebens lernt mo» leicht verstehe» durch das neue Äuch: DR DEUTSCHE VOLKSWIRTSCHAFT (kine öinfufcrunj pon GtorgGrssnauer und Rod. Schmidt OreU br. schirrt II>1.-.«td»> 5 Bodinanfllang Vorn ans. Berlin SW68 2 rr-'t ntjemB»» fr Rat, Beistand, mäliige i- reize, reii- rahlung. Ehe-, Alimenten-, Stral Sachen. Steuern. Gnadengesuche i-andgerichtsi al Dr v. Kirehbach, Qesellschatl m. b. H.. AlezanderslraBe 48{am Alexanderplatz, gecenüher fietrl<9— 7 l Olanr Erfol' e 1 Renhachts Tel.: Könl st 3S9S, Prozesse, iriuiimiumiiiuiuiiuujmmiiiniuiuuimiiiiiuimmniiiiiiiu'iVTr Schriften von N. Lenin: Der Imperialismus als jüngste Etappe des Kapitalismus............... Der«Radikalismus", die Kinderkrankheit des Kommunismus............ billige Ausgabe Die Weltlage und die Aufgaben der Kommunistischen internationale......... Die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung und die Diktatur des Proletariats..... Das Verhältnis der Kommunisten zum mittleren Bauerntum.............. Die große Initiative(Der Heroismus der russischen Arbeiter im Hinterland. Die Kommunistischen Samstage).......... Erfolge und Schwierigkeiten der Sowjetmacht. An die russische Jugend......... Die auswärtige u. innere Politik Sowjet-Rußlands Die gegenwärtige Lage Sowjet-Rußlands... Das Verhältnis der Arbeiterklasse zum Bauerntum Die Vorbedingungen und die Bedeutung der neuen Politik Sowjet-Rußlands(Ueber Naturalsteuer) Zu beziehen durch die IM Mi Hamburg 11 3425b« ilTflTttfttlTTII trntirmmttrir'rnt'Tnntnmin ;.i. itjiiu.iiuiuiuiuu.ii Nntzeisen jeder Art: :»und-, Tfiach-, Quadrat- u. Bandene». Gaei-Tiede-RoHre, ss'-Triifterii.H-Elseu, Feldschmicdcn und Ambosse sofort ab Lager lieferbar ?kii! Kohls, Berlin C. 25. Bircksenstr. 12, 1 Äoriholatz 12072. Ecke Boitaircstrahe. Morigpla«>2073. 1 Kiufe ständig zu höchsten Prel en Sold- fiatin-Silbsr-�i jinzen Weuhaus, RoBstr. 8 nicht im ho. 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