!Tg.330» ZK. Jahrgang Busgabe B fit. 163 Abend-Ausgabe BezagSPretS» Werte lIZHrl, so,- M, monat I. IS,— 9. frei in» Sau«, voran, zahlbar. Polt» bezng: Monatlich 10.— M. einschl. g» ftellunasgebUhr Unter isreuzdand siir Denischland. Danzig. da« Saar» und Memelaebiet. sowie die ehernal, dent» schrn Sebiet» Polen», Oesterreich, Ungarn und Luxem dura 20,— R. flit da» vdrige Ausland 27,- M. Polt» bestellungrn nehmen an Oesterreichs Ungarn, Tschecho- Slowatet, Däne- marl. Holland. Luremburq. Schwede» und die Schweiz, Der„Vorwärts- mit der Sonntag» beUage»Voll und Zeit-, der Unter« haltnngsdeilage �eimwel»- und der Veilage„Siedlung und Llemgarteu- »rlchemt wochentäglich zweimal. Sonw« tag» und Montag» einmal. Telegramm- Adresse i »Sozlaldcoiarcal Seena* Oerlinev VolksblAtt ( 20 Pfennig} «nzetgenpret», 9» achtgespalten» NonpareMeze«» loitet iJO M..Blrta* Anzeigew* da,'eltgedruckt» Wort 1,30 M. szn» lässig zwei fettgedruckt» Worte!, jede» weitere Wort 1.— M. Stellengesuch« and Schlafstellenauzetgen da» erst« Wort M,>ede» wettere Wort « vsg. Wort, lld« l»«uchstadea zählen fvr zwei Wort«. ffamilien-An» zeigen für Abonnenten Zeile S.-«. Die Steil« verstehen sich»tnlchliehiich Tenerungszuschlag, «lnzetgen für die nächst« Nummer müssen b>» 5 Ahr nachmittag» tm Hauptgeschäft. Berlin EW 08. Linden. Rrah, 8. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh di» i Uhr abend». �entralorgan cler so2ialäemokratif<�eii Partei Deutfebtandd Reüattion und Expedition: SV öS, Lindenstr.S Lkckrnktnsecker' Rcdakti«» Morttzplatz»v»»S-v7 »iscriisprknicr. Expedition Moritzplatz»l7sa-S4 Freitag, den 18. Juli 19%1 vorwärtS'verlag G.m.b.H., 6SD 6$, binden str. 3 Sf crnfstcrfldr• Irring,«rvedition und Inseraten. .«btrilung Moritzplatz U7SZ-S4 Schläge gegen Llopö George. London. 14. Juli.(MTB.) Der Gesundheitsminister Sir L. Mond erklärte im Unterhause, mit Rücksicht auf die finanzielle Lage. mühte die Zahl der unter Regierungsbeihilfe zu er» bauenden Häuser auf 176 000 beschränkt bleiben. Die staatlichen Ausgaben würden sich wie folgt oerteilen: Beihilfen für örtliche Zweckverbände 10 Millionen Pfund jährlich, Beihilfen für private Unternehmen etwa 5 Millionen Pfund Zuschüsse, für Der« besierungen und hygienische Einrichtungen 200 000 Pfund. Sir A. Mond fügte hinzu, die verfügbaren Arbeitskräfte einschlieh« lich der zahlreichen ehemaligen Soldaten seien auf mindestens 12 Monate hinaus mit dem Häuserbau vollauf beschäftigt. Die Regierung habe keinen Grund, mit dem Erreichten unzufrieden zu sein. Hierauf oerlas Minister ohne Portefeuille Dr. Addison sein Rücktrittsgesuch an Lloyd George, weil die Regierung den größten Teil seines Planes verworfen hatte, der den Bau von Häusern mit Hilfe von Regierungsgeldern vorsah. Addison be. trachtete diese Entschließung al» einen Bruch der von der Re» gierung dem Dolte gegebenen feierlichen Der» sprechungen. » Lloyd Georg« geht hier konsequent den Weg weiter, der ihm die Feindschaft der unabhängigen Liberalen und der Arbeiterpartei zugezogen hat und der von einem großen Teil der Regierungs» koalition selbst verurteilt wird. Währen er der Schwerindustrie durch Schutzzölle und durch die Antidumping-Gesetzgebung weit- gehende Unterstützung zuteil werden läßt, zieht er sein« Hand von der notleidenden Bevölkerung vollkommen zurück. Den Bergarbeiteren nahm er den Regierungsschutz bei Lohndifferenzen, den Landarbeitern wird durch e'n Gesetz, das augenblicklich beraten wird, gleichfalls das nationale Lohneinigungsamt genommen. Da» alles waren„Kriegsmaßnahmen", die jetzt nicht mehr nötig sind! Der Mohr hat seine Schuldigketi getan... Und Häuserbau für die, denen der Krieg die Wohnung nahm— immer langsam voran. Den Dank der Rech'en erntet Lloyd George aber trotzdem nicht. Rorthcliffes Organ.Times' schleudert gegen den Minister» Präsidenten und seinen Außenminister eine ganz« Artikelserie, um zu verhindern, daß England auf der Konferenz von Washington durch sie vertreten wird. Ob man auf dieser Seite hofft» bis dahin ein neues Ministerium zustande zu bringen? Vorläufig versucht Lloyd George auch den.Sparsamkeits'-Parteien gegenüber den starken Mann zu spielen. Er hat mit der Northcliffe- Presse olle ministeriellen Verbindungen ab» brechen lassen und ihren Vertretern, die im Auswärtigen Amt besonder» gut bedient zu werden gewohnt sind, die Tür von außen zeigen lasten. Der Rücktritt Addiion» und der Konflikt mit der Rortheliff» Presse zeigt von neuem, daß die Stellung Lloyd Georges heute nicht mehr unerschüttert ist. Abrüstung öer englischen Lanümacht. London. 15. Juli.(WTB.) Einer Mitteilung des Kriegsamte» zufolge ist die Stärke der territorialen Armee gegenüber der Zeit vor dem Kriege um 40 Infanterie-Batatllone oermindert worden und beträgt jetzt 180 Bataillone mit einer Gesamtstärke von 4704 Offizieren und 1 1 4 2 4 0 M a n n. die Küsten» Verteidigung ist mit Rücksicht auf die verminderte Gefahr einer In» vasion völlig den königlichen Garde-Artillerie» und Pioniertruppen übertragen worden. Diese Maßnahmen erbringen eine Erspar- nis von SSO Millionen Pfund Sterling pro Vahr. In der.Morningpost' schreibt ein Militärkorrespondent, es verlaute. daß die Regierung beschlosten Hab«, das Heeresbudget um 25 Prozent zu vermindern. Der Korrespondent erhebt gegen diese Maßnahmen als eine Gefährdung der Sicherheit des Landes Einspruch.__ Amerika gegen öle Vorkonferenz. Washington. 15. Juli.(Havas.) Es wird gemeldet, daß di« amerikanische Regierung die Anregung der bvitischen Regierung nicht günstig aufgenommen habe, wonach eine Dorkonfe» ren, über di« Fragen des Stillen Ozeans statfinden solle, bevor die Konferenz nach Washington über die Entwaffnungsfragen ein» berufen werde. Man sei in Washington der Ansicht, daß di« zwei Konferenzen in der Hauptstadt der Verewigten Staaten stattfinden sollen._ Amerikanischer Kredit für Deutschland. Rem Bork. 16. Juli.(TU.) Di« Kreditgewährungen für Deutschland sind, wie der Korrespondent der.Frankfurter Zeitung' erfährt, gut im Gange. Sech» Transaktionen in Höhe von sechzig Millionen Dollar sind w der Schwebe, darunter ewe von neun Millionen Dollar für die Getreideeinfuhr» stelle. Die„Reo York Tribüne', sonst deutschfeindlich, verlangt, Amerika soll« das deutsch« Eigentum freigeben. Sriand gegen Schiffer. Paris, 14. Juli.(Havas.) Infolge der jüngsten Erklärungen ?m Namen öer demagogie! „Zrn Namen der Partei!' überschreibt die.Kreuzzei» tung' einen Artikel, in dem sie gegen die Sozialdemokratie den lächerlichen Borwurf erhebt, sie wolle die Justiz zu einer. sozialdemokratischen Parteisache machen. �-• m---.-•---■- Man muß die Herren von der.�reuzzeitung', die mit des deutschen Reichsjustizministers haben einige Journalisten Mi» blindem Eifer die Justiz des kaiserlichen Deutschland verherr- Nisterpräsident Briand befragt, was er von den Aeußerungen lichen. fragen: Warum stempelt Ihr die Angelegenheit der K�iss.» W.«Wnnh rnAomh- Richter zu Eurer Partei fache? Ihr tobt, weil die Justiz Schiffers halte. Briand antwortete lächelnd IchbedaureSchiffer, daß er durch das Amt. da« er aus- übt, in die grausame Notwendigkeit versetzt wurde, den skandalösen Freispruch des Generals Stenger durch den Leipziger Gerichtshof und die anderen Urteile, welche Entrüstung in Belgien und Groß- britannien(?) hervorgerufen haben, zu decken. Es ist ein Glück, daß Schiffer sich nicht ebenfalls durch sein Amt verpflichtet glaubte, die unqualifizicrboren Manifestationen der Menge gegen die Dele- gierten, mit deren Entsendung nach Leipzig Frankreich den Gerichts- Hof geehrt hatte, zu entschuldigen. Wenn man die deuffchen Zeitungen liest, die von fortgesetzten Herausforderungen angefüllt sind, wenn man die verabscheuungswürdigen Taten(der Polen doch wohl?) erlebt, die sich jetzt in Oberschlesien abgespielt haben, kann es niemand in den Sinn kommen, daß es Frankreich sein soll, das den Haß großzieht, auf die Gefahr hin, den Augenblick hinaus» zuschieben, wo es den beiden Völkern möglich fein wird, normale Beziehungen wieder aufzunehmen. Wie es auch fein mag, ich hoffe, daß die Zurücknahme unserer Akten und die Zurückberufung unserer Abgesandten zum mindesten bewirkt haben werden, unseren Freunden und Verbündeten, die in Leipzig geblieben sind, den Nutzen einer besteren Gerechtigkeit zukommen zu lasten. Und ; da» ist immerhin schon etwas. » Briand versteckt hinter der Maske de» Spotts sehr geschickt den M i ß e r f o l g, den er mit seinem Schritt bei den anderen Entente- mächten qebabt hat. Frankreichs Absicht war es bekanntlich, durch die Zurückziehung der französischen Iuftizkommission und der fran» j zösischen Zeugen ein gemewsames Vorgehen der Entente herbei» zuführen, das die Aburteilung der deutschen Kriegsverbrecher vor Ententegerichten bezweckte. Nach den Aeußerungen Briands | ist anzunehmen, daß es mit den französischen Maßnahmen sein Be» wenden haben wird._ Die irische Konferenz. London, 15. Juli.'(EP.) De Dalera und Lloyd Georg« chre Urteile nicht mehr„Im Namen des Königs" ausfertigt und vollstreckt und lobt doch die Urteile in Leipzig, die„3 m Namen des Reiches" gefällt werden. Wo ist da die Ob- jektivität, die„in dem immer roher werdenden Parteistreit" ausgerechnet die.Lreuzzeitung"„täglich schmerzlicher ver- Die Stellung der Rückwärtsparteien zu den Fragen des Rechts und der Richter ist sehr einfach. Man betont, daß bis zum 10. November 1918 die deutschen Richter mit einer Objektivität gerichtet hätten, wie sie von dem Geist unbestechlicher Gerechtigkeit gefordert und von der Abgeklärtheit des Alters bewundert wird. Seither verlange man es umgekehrt. Das sei eben die Folge der bösen Revolution. Wie sieht es denn mit der Objektivität und der Unabhän- gigkeit der Richter und des Rechtes aus? Die geschriebenen Paragraphen sind der Niederschlag der zu einer bestimmten Zeit herrschenden Moral und Sittenauffassung. Der Richterstand, der immer aus der herrschenden Klasse herauswuchs, hatte stets die gleiche Auffassung übe? Sitte und Recht, wie sie das geschriebene Gesetz ausdrückte. Die Gesetze sind nicht die Bergegenständlichung eines Rechts. das über den Wolken schwebt. Sie sind häufig genug der reichlich ungenierte Niederschlag der Anschauungen und Ideen. die in der Oberkaste eines Volkes— oft nur mit dem Mund und nicht einmal immer mit der Tat— vertreten werden. Man braucht nur die Geschichte des N e ch t s zu stu» dieren, nur um ein Jahrhundert zurückzugehen, und man kann an tausend Beispielen beweisen, was es mit der Objektivität des Rechts auf sich hat. Im allgemeinen Landrecht Friedrichs IL, dos allerdings erst 1794 Gesetzeskraft erlangte, haben wir Artikel, die von dem Rechte der Adligen sprechen, EhenzurlinkenHand Und Friedrich Wilhelm II. zu schließen. haben allein an der Unterredung in Downingstreet, die drei Stunden! Auswirkung dieses Grundsatzes eine dauerte, teilgenommen. De Dalera war von Arthur Obrin und von dem Kommandanten Barton begleitet, doch blieben beide Herren während der Unterredung in einem anderen Zimmer. Ueber diese Zusammenkunft wurde keine offizielle Miteilung gemacht. Sofort nach deren Schluß ging Lloyd George zum König, um Bericht zu erstatten. Bei einem politischen Diner am gleichen Abend sagte der Ministerpräsident, daß der König die Friedensverhandlungen mit dem größten Intereste verfolge. Ueber feine Unterredung mit de Dalera sagte er nur, daß die austichtigsten Anstrengungen gemacht wurden, um die Schwierigkeiten des Problems zu überwinden. Zum ersten Male seit seiner Ankunft hat de Dalera Journalisten empfan- gen, doch hat er ihnen sehr wenig gesagt. Er erffärte diese seine Zu- rückHaltung mit dem Wunsche, die Lage nicht zu komplizieren: doch hat er seiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß niemals die Hoffnung auf Frieden zwischen Irland und England bester gewesen sei. Spät am Abend wurde offiziell mitgeteilt, daß die Unterredung zwischen Lloyd George und de Dalera heut«. Frei- t a g, um 11 Uhr, fortgesetzt wird. London, 15. Juli.(WTB.) Wie der polittsche Korrespondent der„Daily Ehronlcl' erfährt, legt De Dalera noch immer Nach» druck auf die Einheit Irlands. Die Regierung hofft, eine Kon- ferenz zwischen der nord- und südirischen Delegation zu ermöglichen. Schon wieder die Reichswehr. Bedenkliche Alarmnachrichten kommen au» den Kreisen der Arbeiter au« Hammer st ein in Pommern an un». In Hammerstein scheinen die Rechtsparteien es schon seit einiger Zell auf Provokationen der Arbeiterschaft abgesehen zu haben. Da» hat bisher zu oerschiedentlichen Konflikten geführt, die sich dadurch ver- stärkt haben, daß die rechtsstehenden Kreise nunmehr Hilfe von Reichswehrtruppen erhalten haben. Die Einigkeit der ge- samten Arbeiterschaft in Hammerstein, von den Sozialdemokraten bi» zu den Kommunisten zeigt, daß es sich um Vorgänge handelt, die nicht aus Dummheiten einzelner Ueberradikaler entstanden sein können. Jetzt sind die Zustände in Hammerstein soweit gediehen, daß die Reichswehr an der Hand einer Liste alle Arbeiter- führe?„persönlich kennen zu lernen' versucht. Au» den Prügeleien und Uebergriffen kann stündlich ein Blutvergießen entstehen. Das Verhalten der Truppe läßt diese Befürchtungen berechtigt erscheinen. hatte bekanntlich in Frau zur rechten Hand, eine zur l i n k e n Hand und außerdem noch eine K o n � k u b i n e. Der Prolet, der das damals zu kritisieren gewagt hätte, wäre aus verschiedenen Gründen, im besonderen aber auch deswegen von jedem„objektiven" Richter verurteilt worden, weil er es gewagt habe, ein gesetzliches Recht. also einen sittlichen Grundsatz des Adels, zu kritisieren. Die„Kreuzzeitung' ist aus verschiedenen Gründen gegen die Rechtsprechung durch das Volk. Schon die Formel dieses neuen Rechts„Im Namen des Volkes" sei rechtswidrig, weil sie r.e v o l u t i o n ä r e n Ursprunges ist. Auch hier lassen die Verteidiger des Alten jede Fähigkeit geschichtlichen Sehens vermissen. Wie sind denn die Hohenzollern nach Brandenburg gekommen? Mit Feuer und Schwert, durch Schädeleinschlaqen und Landesverweisung haben sie die Formel„Im Namen des Königs" durchzusetzen gewußt! Der Stadt Berlin haben sie das Recht, Urteile zu sprechen, jähr» zehntelang genommen. War das nicht„revolutionär"? Die„Kreuzzeiwng" trägt jetzt wieder das Motto„Vor- wärts mit Gott für König und Vaterland". Als das alte Recht des Königs nach ihrer Auffassung vor die Hunde ging, da stellte sie sich nicht hin und schrieb Artikel gegen das neue Recht„Im Namen der Partei". Sie tat etwas ganz anderes. Sie versteckte ihre Flagge und zog eine neue auf. Ueberdie« erinnern wir uns noch eines Zeugen für das revolutio- n ö r e Recht, eines Zeugen, den sicher auch die„Slreuzzeitung* anerkennt, es ist Bismarck. Die Redaktionsritter des Blattes mit dem Kreuz mögen nur in Sybels„Geschichte dep Entstehung des Deutschen Reiches" etwas nachlesen. Es war 1866 und Bismarck wollte ein halbes Dutzend' Thrönchen beseitigen. Die Besitzer dieser monarchischen Uten- silien wandten sich an den russischen Zaren. Dieser schrieb an den König Wilhelm einen entrüsteten Brief, in dem er be- tonte, daß Preußen durch die geplanten Entthronungen den Bestand des monarchischen Gedankens gefährde. Was man heute den Hannoveranern tue. das könne morgen mit dem gleichen Recht den Preußen geschehen. Darauf schickte man einen leibhaftigen General, Manteuffel, zur Be- ruhigung nach Petersburg. Bismarck gab ihm im Einver- ftändnis mit dem König Instniktionen mit. Sie lauten ein» deutig: entweder habe der Zar sich damit einverstanden zu er- Da- Gewerkschaftskartell hat zum Glück inzwischen durchgesetzt, daß klären, was Preußen wolle, oder man werde in Deutschland die Revolution entfesteln! Nun, man einigte sich. Und dem Militär das Betteten der Stadt verboten worden ist. Der Reichs» wehrminister ist ebenfalls aufmerksam gemacht worden. Un» erscheint dringend notwendig, daß die zuständigen Stellen sofort durchgreifende Maßnahmen ttefsen, um Mord und Totschlag in Hammcrstein zu verhüten, und daß sie sich selbst durch Augen- schein von den Tatbeständen überzeugen. Da» Gewerkschaftskartell ist zu jeder Auskunft gern bereit. in der öffentlichen Verkündigung der Thronbeseitigungen hieß es, der Hannoveraner und seine Freunde hätten den Eni- scheid der Waffen angerufen, dieser sei gegen sie aus» gefallen. Deswegen müßten sie„nach Gottes Ratschluß" ver- schwinden. Das war tatsächlich Recht„Im Namen des 1 Königs'. Das alte Regierungssystem, die Hohenzollern uyd die Leute der„Kreuzzeitung" haben ebenfalls den Entscheid der Waffen angerufen. Das Volk in seiner überwälti- gen den Mehrheit entschied am 10. November gegen sie. Sonst hätten wir heute keine Republik. Das will man aber nicht einsehen. Man hat ja auch ganz andere Gründe. Die Reaktionäre und die Mehrzahl der Richter befürchten gemeinsam, daß ein neuzeitliches Element in Er- scheinung treten, daß juristisch nicht approbierte und ge- stemnelte Menschen sich in den Richterstuhl setzen könnten. Da bisher der Richterstand in seiner Gesamtheit immer für den Schutz des Alten, für die Wiederkehr der früheren Zustände eingetreten ist und eintritt, so will man sich dieses Bollwerk erhalten. Man schreit„Feurio", weil es im eigenen Herren hause brennt. Wir haben dafür volles Verständnis, aber gerade deswegen werden wir uns nicht davon abhalten lassen, die weitverbreitete Weltfremdhest und bewußt han- delnde Reaktion unter den Richtern mit allen Mitteln, die die Republik uns in die Hand gibt, zu bekämpfen. Säßen heute schon einige hundert der gefürchteten Ar- beitersekretäre auf deutschen Richterstühlen, sie bildeten ein nur sehr bescheidenes Gegengewicht gegen die homogene Masse der Richter, die in den politischen und sozialen Vor- urteilen eines versunkenen Zeitalters aufgewachsen sind. In ihrem Bestreben, die offenbaren Schäden der deutschen Rechtsprechung zu heilen, wird sich die Sozialdemokratische Partei nicht einschüchtern und nicht aufhalten lasten durch einen wüsten Kampf, der gegen sie und ihre Forderungen ge- führt wird im Namen und mit den Mitteln der reaktiv- nären Demagogie! Kabinett Stegerwalö am Marterpfahl. Die gestrige Anklagerede, die Genoste Hellmann im Preußischen Landtag gegen das Kabinett Stegerwald hielt,, hat fürchterlich in dessen Reihen eingeschlagen. Schon rein äußerlich bot die Ministerbank, während Genoste Hell- mann auf Grund umfassenden Sachmaterials Schlag für Schlag auf sie niedersausen ließ, das komische Bild völliger Ratlosigkeit und Konsternation. Zuerst sah man Herrn S ä m i s ch, den„Fachminister" der Finanzen, als ihm feine im Gegensatz zu allen Ver- sprechungen trostlose Finanzwirtschaft, sein Versagen bei der einfachen Auskunfterteilung an das Parlament, seine Dota- tion an den Prinzen Friedrich Leopold vorgehalten. und schließlich noch die im Schöße des Ministeriums ausge- heckte Schiebung mit dem Hohenzollernvermö- gen enthüllt wurde, wie von Wespen gestochen von seinem Stuhle aufspringen. Er, der die Reden des Deutschnationalen Becker und des stimmbegabten politischen Leichnams Wie- m e r mit wohlgefälligem Kopfnicken angehört hatte, redete jetzt mit aufgeregten Handgesten auf seine Ministerkollegen ein, lief dann hilfesuchend zu seinen Geheimräten, denen er auseinandersetzte, daß natürlich alle Angriffe gegen ihn un- richtig seien, aber man möge ihm doch sagen, waser dar- auf antworten solle! Dann meldete er sich beim Prä- sidium zum Wort, fügte aber, nach dem Bericht eines Ohren- zeugen seiner Wortmeldung die naive Bemerkung bei, er wolle so in der Rednerliste placiert werden, daß Heilmann ihm nicht noch einmal antworten könne! "Dann kam Herr Dominicus an die Reihe. Als ihm vor- gehalten wurde, wie er seinen Parteifreund Fiehn, den Landrat des Kreises Königsberg i. N., trotz des Zusammenbruches aller deutschnationalen Verleumdungen gemaßregelt. und den Führerder Hetzkampagne gegen Fiehn, den deutschnationalen Abgeordneten v. d. Osten an feine Stelle gesetzt habe, suchte er seine grenzenlose Der- legenheit hinter nervösem Lachen zu verbergen. Herr Stegerwald verlor auch die ä u ß e r e Fassung. Seine Gereiztheit entlud sich in längeren Zwischenrufen, die von der Ministerbank aus im allgemeinen nicht üblich sind. Seine Verteidigungsrede am Schluß der Sitzung war nach allgemeinem Urteil vollkommen matt und sachlich inhaltlos. pflanzlicher Sommersthlaf. Während bei uns die warme Jahreszeit die Zell des Vollwuchses und des Fruchtens der Gewächse ist, bedeutet sie in den Tropen eine schwere Gefahr für viele Pflanzen. Um sich dieser Gefahr zu ent- ziehen, verfallen zahlreiche Tropengewächse in einen der Winter- ruhe unserer Gewächse entsprechenden Sommerschlaf. Als Ursache dieser sommerlichen Ruhezeit kommt fast ausschlieh- lich und überall der nahezu vollständige Mangel an Wasser in Betracht. Es gibt in den Tropen Gegenden, in denen monatelang kein Tropfen Wasser vom Himmel fällt. Auf der im Nordwesten von Afrika gelegenen Kapverdischen Insel Sao Vicente pflegt es z. B. überhaupt nur einmal im Jahr und auf den übrigen der Inseln sogar nur einmal innerhalb sechs Iahren zu regnen. Run weisen ja nicht alle tropischen Länder derart abnorme Regenoerhäll- nisse auf? gleichwohl zwingt die immerhin lang genug dauernde sommerliche Regenlosigkeit die Pflanzen zu möglichster Ein- schränkung ihrerTranspiration. Zu diesem Zweck wer- fen viele tropische Bäume im Laufe des Sommers ihre Blätter ab, so daß also, ebenso wie bei uns im Winter, die Bäume kahl da- stehen. Merkwürdigerweise ist jedoch die Dauer dieses Sommerschlafs der Tropsnbäume ganz verschieden. Auf Java z. B. gibt es Bäume, deren Ruhepause nur ein paar Tage währt, worauf sie sich trotz der trockenen Hitze, gleich wieder belauben. Andere bleiben bis zu zwei Monaten völlig unbelaubt, während manche Bäume im Verlauf des Sommers zwei-, dreimal ruhen und sich dann immer wieder belauben. Die sommerliche Dürre ist auch die Ursache, warum man in den Tropen soviel mehr Holz- als Krautpflanzen antrifft. Auf Java beispielsweise nicht weniger als 15 ODO wildwachsende Baumarten, wogegen Deutschland an einheimischen Bäumen kdum 30 aufweist, gegen eine wiederum nach Tausenden zählende Menge kroutartiger Gewächse, die in den Tropen die Trockenhell nur in den wenigsten Fällen zu überstehen vermögen. Sehr schwierig ist eine Anpassung für die europäischen Baumarten, die nach den Tropen verpflanzt werden. Sie find die Winterruhe gewöhnt und sollen sich nun auf einmal zu einer sommer- lichcn Ruhezeit bequemen. So wurden vor wenigen Iahren deutsche Aepfel- und Birnbäume nach Sumatra ver- pflanzt. Man konnte da die interessante Beobachtung machen, daß die deutschen Bäume dem tropischen Klima zunächst hilflos gegen- überstanden: die einen warfen die Blätter zur gewohnten Zeit ab, die anderen warfen sie ebenfalls ab, belaubten sich aber sofort wieder frllch. während die übrigen weder eine Sommer- noch eine Winter- ruhe einhielten, sondern ihre Blätter dos ganze Jahr hindurch bei- behielten, Merkwürdig ist übrigens auch das feine Gefühl mancher Tropenbäume für die Dauer ihres Sommerschlafs. Manche Akazien- Am klügsten verhielt sich der Landwirtfchastsminister Herr W a r m b o l d. Er steckte vorsichtig ein paarmal seine Nasenspitze durch die Portiere des Einganges, um zu sehen, ob Heilmann noch rede. Dann zog er es vor, schleunigst zu verschwinden, so daß im Hause der Eindruck entstand, Herr Warmbold wolle unseren Redner belleibe nicht durch seinen persönlichen Anblick zu einer Abrechnung auch noch m i t i h m reizen! Selbst die„Deutsche Tageszeitung", deren Hauptredak- teur Becker gestern durch Heilmann eine Abfuhr erlitt, die eine überwältigende Beifallsdemonstration auslöste, gesteht zu, daß Heilmann rednerisch einen glänzenden Tag gehabt habe und Stegerwald ihm rednerisch nicht gewachsen sei. Um so komischer macht sich daneben die Behauptung der„Kreuzzei- tung", Heilmann fei tüchtig„auf die Nase gefallen" und hätte „blamiert abziehen" müssen. Am meisten freut sich die „Kreuzzeitung" über das dröhnende Gelächter, das die Rechte anstimmte, als Heilmann sich einen internationalen deutschen Soziali st en nannte. Die ,Lreuzzciwng" hält das nämlich ebenfalls für einen falschen Zungenschlag. Wir glauben gern, daß das Gehirn der Herren von der Rechten nicht ausreicht, um zu erkennen, daß dieser v o l l b e- a b s i ch t i g t e Ausdruck eben nicht den inneren Widerspruch enthält, den die Deutschnationalen in ihrer Beschränktheit darin sehen. Uebrigqns lachte nicht, wie die„Kreuzzeitung" behauptet, das ganze Haus, im Gegenteil, selbst im Z e n- t r u m war man über diese begriffsstutzige Lacherei der Rech- ten sehr ärgerlich. Verwundern muß es, daß die„Vossische Zeitung" meint, Heilmanns Rede habe erheblich geringere Schärfe aufge- wiesen, als man erwartet habe. Auf was muß sie danach ge- faßt gewesen sein! Dagegen stellt die„Freiheit" ricbtig fest, daß Heilmanns Rede als Ganzes betrachtet, dem Kabinett Stegerwald sicher sehr unangenehm und Steger- walds Erwiderung von kläglicher Hilflosigkeit war. Der Reichsrat gegen Sie Zrauen. Den Gesetzentwurf über die Heranziehung der Frauen zum Schöffen- und Geschworenenamt, der be- stimmt, daß die Schöffen- und Geschworenengerichte ohne Rücksicht auf das Geschlecht gebildet werden können, haben die Ausschüsse des Reichsrats abgelehnt. In der gestri- gen Vollsitzung wandte sich namens der bayerischen Regierung der Gesandte von Preger aufs entschiedenste gegen den Ent- wurf. Nachdem Staatssekretär Joel erklärt hatte, daß die Reichsregierung nach wie vor erheblichen Wert auf die Vorlage lege, wurde m der A b st i m m u n g im Plenum der Gesetzentwurf mit 31 gegen 31 Stimmen, also mit Stimmengleichheit abgelehnt. Ein merkwürüiger Protest. Eine bekannte Berliner Korrespondenz verbreitet die folgende Nachricht: „Dem Reichsrat ist bekanntllch am 1. Iull ein angeblich zieren bei ihrer Entlassung zustehenden Dersorgungsgebührnisse im Falle anderweitiger, aus gewinnbringender Be- s ch ä f t i g u n g stammenden Privateinnahmen bis zu einer ge- w i s s e n H ö h e gekürzt bzw. gestundet werden. Die ganze Form des Gesetzes und sein Aufbau ,der bei weitem die schlimmsten Befürchtun- gen der davon betroffenen jkreise überstieg, hat den schärfsten Protest in Offizier-, aber auch, obschon diese weniger davon betroffen werden, in Beamtenkreisen hervorgerufen. Wie wir hören, haben alle Ministerien und Behörden, sowie alle Beamtenorganisationen gegen dieses Gesetz beim Reichs-at protestiert, so daß dieser es in der ihm vorgelegten Form abgelehnt und zur Neubearbeitung an das Reichsfinanzministerium zurückgegeben hat. An eine Wiedervorlage an den Reichsrat vor dem 1. Oktober ist kaum zu denken." Ehe der Tatbestand, wie ihn die vorstehende Meldung gibt, nachgeprüft ist, wollen wir uns nicht über die merk- 1 würdige Art äußern, wie hier ein notwendiger Gesetzentwurf! bäume der afrikanischen Steppe blühen immer unmittelbar vor dem Deginn der Regenzeit auf und sind darin so pünktlich, daß sie den Eingeborenen direkt als Wetterpropheten oder richtiger als Kalender dienen. Denn der Eintritt ihrer Blüte ist ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Trockenperiode unwiderruflich beendet ist. Die Schauspieler der Exl-vühne. Diese Tiroler ernten in Berlin vielen Ruhm. Sie nehmen ihre Arbeit nicht nur ernst, sie sind auch sehr begabt und vortrefflich geschult. Sie sind volkstümlich, ohne flach zu werden. Das Beste ihrer Arbeit ist der Eifer, bis ins kleinste Pünktlein alles auszufeilen. Weibsleut, um beim tirolischen und sachlichen Deutsch zu bleiben, stehen gehorsam und abhängig unter der Fuchtel des Regisseurs; sie sind immerhin gelehrig. Man kann etwas mit ihnen beginnen, aber die große Natur fehlt. Frau Exl selber, die als Schönherrsche Frau Suitner am reifsten und reinsten war, lebt von großer Weichheit. Sie scheint, seltsam klingt es, eher eine weltliche Schauspielerin als eine bäuer- liche. Das Anmutige, das Schnippische und auch das Demütige ge- lingt ihr. Alles aber, was einen Ausbruch der Inwendigkeit erfor- dert, versiegt bald. Daß sie aber der Berechnung so weit zugänglich ist, beweist wieder ihre sehr nützliche Begabung. Die Exl-Bühne sollt« uns, bevor sie weggeht, ein modernes hoch- deutsches, der dörflichen Welt entrücktes Stück spielen. Die Künsller erzählen, daß sie so etwas in Innsbruck tun, wo Exl„Kammer- spiele" i la Max Reinhardt begründet hat. Wir sind neugierig, wie sie das machen. Für den Erfolg der Frau Exl, die im Tiroler Dialekt häufig matt wird, braucht man nicht zu bangen. Und die Mannsleut? Zwei Charakterspieler, zwei gleich, stehen ihrer Truppe zur Berfü�ung: Edua'd Köck und Ludwig Auer. Auer> ein ganz Schnurriger. Er kann ein Hallodri-Rekrut von unbändiger Säuferausgelassenheit s-in, ober auch ein lebensmüder Achtziger. Welch weiter Weg, welch weitgespannte Verwandlung! Köck oerfügt mehr über die Vcrstandesfähigkeit, er ist der Steinklopferhanns, aber auch das verschlagene Schneiderlein aus dem„Weibsteufel". Er ist der Schlaue, der Schmuggler, der Sachte, der Dämpfer. Ferdinand Exl spielt überhaupt alles, was jugendlicher Lieb- Haber, Mann und Heldenretter ist, viele Fächer, und ein starker� oft wiederkehrender Ton. eine Methode des Sprechens, des Schluckens, des Blickens, des Fäusteballens und Zungenfchnalzens, die sehr charakteristisch ist, im Ganzen famoses Komödiantentum und Rou- tine, die freut. Max Hochdorf. Eine eigenartige Sünstlerfahrt. Anfang Oktober geht von New Port ein Dreimastschoner auf e-ne zweijährige Abenteuerreise in See. Die Mannschaft besteht aus neun jungen Künstlern und Dichtern, die jetzt ausgewählt werden und zwar nach Ge- sichtspunkten wie Handfertigkeit, allgemeine Kultur, originales Den- ken, Reiseersahrungen, physischer Mut und seemännische Kenntnisse. Dos Ziel der poetischen Reisenden rst, Material für Bücher und Artikel, über primitive Architektur, Kunst, Tanz. Pantomimen, Pro- Zessionen und Mythologie der Eingeborenen der Länder zu sammeln, die auf der Reise berührt werden. Die Idee dieser Reise geht aus von Dr. B i c t o r O. Free- bürg, dem Herausgeber des„Swedish-American Trade Journal", verhindert werden soll, an den Reichstag zu gelangen. Sach- lich muß aber schon heute festgestellt werden, daß die der- zeitigen Pensionsgesetze dringend einer Aenderung bedürfen. Heute ist es so, daß ein Beamter oder ein Ossizier, der den Staatsdienst verläßt, für sein ferneres Leben die volle Pension bezieht, wenn er auch in einer glänzenden Privat st ellung jährlich Hunderttausende von Mark verdient. Nur in dem Falle, daß ein Offizier oder ein Beamter in eine andere Staatsstellung eintritt oder embe- rufen wird, rechnet man die Pension auf das Gehalt an. Die Umwälzung hat eine große Anzahl von Offizieren überflüssig gemacht, viele Beamte sind aus dem Staatsdienst ausgetreten, weil ihnen die„ganze neue Richtung" nicht paßt. Der Nachweis der Pensionsnotwendigkeit ist in den letzten Iahren immer leichter geworden. Und allen diesen Leuten, von denen ein großer Teil l ä n g st w i e d e r in gut dotierten Privatstellungen ist, soll der verarmte Staat die im besonderen bei höheren Beamten und Ossizieren ganz bedeutenden Pen- sionen als Extraverdienst weiterzahlen! Dieses offenbare Un- recht gegenüber der Allgemeinheit muß durch eine Aende- rung der Pensionsbestimmungen beseitigt werden. Diesem Zweck dient der bekanntgewordene Entwurf. Die Wünsche des Reichsfinanzministeriums waren dabei überdies außer- ordentlich bescheidene. Im besonderen würden durch die Aenderungen die Pensionäre, die keinen, nur unzureichenden oder nicht erheblichen Nebenverdienst haben, in ihren Be- zügen nicht gekürzt werden. Und dennoch das or- g a n i s i e r t e Geschrei über einen Raub wohlerworbener Rechte! Das Reich mag bei diesen Leuten finanziell zu- sammenbrechen, wenn nur jeder Generaldirektor, der Haupt- mann a. D: ist. noch seine Pensionstausender schlucken kann. Eine Kahr-Slamage. Alünchen, 15. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Heute morgen erfolgte die Bekanntgabe von der E i n st e l l u n g der Untersuchung gegen den Vorstand des Republikanischen Reichsbundes in Bayern, Hauptmann a. D. Schützinger und Genossen. Die nunmehr gescheiterte Aktion brachte den Kampf der Münchener Polizei gegen alles, was republikanisch ist. mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck. Mit großem Lärm wurde am 30. Januar die Haussuchung bei dem Borsstzenden, dos Verbot des Republi- konischen Reichsbundes und die Einleitung eines Verfahrens wegen Verbrechens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 30. Mai 1920(Zusammenfassung von Personen zu Verbänden mili- tärischer Art ohne Genehmigung der zuständigen Dienststelle) in die deutsche Presse hinausposaunt. Während aber die bayerische Justiz es verstanden hat, politische Verbrechen, die ihr eine einfache Hand- habe boten, in wenigen Tagen zur Aburteilung zu bringen, sah sie sich veranlaßt, das„Verbrechen", das in einer Bestrebung zum Schuhe der Republik gegen Putschversuche bestand, über ein halbes Jahr gegen den Angeschuldigten sich hinziehen zu lassen, bevor sie sich unter dem Zwang der Tatsachen zu einer Rehabilitierung des schwer angeklagten Mannes entschloß. Auf wiederholtes parla- mentarisches Drängen der Sozialdemokratie wurden die sich ihrer Blamage bewußten Justizbehörden zu einer Durchführung der Boruntersuchung veranlaßt, die am IL. Mai abgeschlossen war. Und nun brauchte man noch volle zwei Monate, um sich über die Einstellung des Verfahrens schlüsiig zu werden. Der Entscheid der Strafkammer des Landgerichts München I stellt fest, daß die Gründung der staglichen.Wehrabteilung" kei» neswegs als ein Unternehmen im Sinne der Verordnung des Reichspräsidenten betrachtet werden könne, da weder bindende Be- schlüsse noch überhaupt die Voraussetzungen für einen militärischen Zusammenschluß vorhanden gewesen seien. München, 15. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der„Miesbacher Anzeiger" verhöhnt den Reichsminister Dr. W i r t h in einem Artikel, in dem er ihn den Treuhänder der Franzosen nennt. Er unterschiebt ihm die Worte:„Der deutsche Geist, so minder- wertig er auch im Vergleich mit dem französischen ist, lasse sich eben nicht abschaffen. Er beklage das lebhaft und hoffe, daß die � Weisheit und Menschenfreundlichkeit der hohen Alliierten WanM I schaffe." Der ganze Artikel strotzt von Gehässigkeiten und bewußten ! Verleumdungen der Reichsregierung. dessen Laufbahn phantastisch genug ist: R i n d e r h l r t in Kansas, Student der Nale-Universstät, Lehrer für Englisch an einer Marineakademie, Erforscher des Lebens und der Sitten de? Lappländer, während des Krieges Kommandeur eines U-Boot-Iägers. Das Unternehmen wird auf genossenschaft- licher Basis durchgeführt; sämtlicher Verdienst an dem Verkauf von Büchern, Skizzen und Photographien soll unter alle Reiseteilnehmer gleichmäßig verteilt werden. Augensprache und Ohrensprache. Wir bewundern heute die An- schaulichkeit und Kraft des Ausdruckes, die sich in den Dichtungen primitiver Kulturen oder volkstümlicher Kreise findet, und wir sehen mit Recht einen Grund dafür in der Tatsache, daß bei den der Schrift unkundigen oder sie wenig benutzenden Er- Zählern das gesprochene Wort eine ganz andere Bedeutung besitzt als bei uns. Für uns, die wir Dichtungen hauptsächlich lesen, ist die Sprache zu einer Augensprache geworden, während sie dem primitiven Menschen Ohrensprache geblieben ist. Die tiefgreifende Bedeutung dieses wenig beachteten Unterschiedes hebt Dr. Heinz Potchoff in der Diederichsfchen„Tat" hervor. Der Einfluß des Schreibens und Lesens auf die Sprache ist höchst un- günstig gewesen: sie ist dadurch flach und klanglos getvorden. Die- jenigen Menschen, die wenig lesen, haben sich ein stärkeres Gefühl für klingende Sprache bewahrt, und zweifellos ist dieser Unterschied der Sprachübermittlung ein Grund mit dafür, warum zwischen den verschiedenen Bildungsschichten und Berufsklassen, zwischen Stadt und Land so viele Mißverständnisse bestehen und die Verständigung so schwer ist. Der wichtigste Einfluß des Auges auf die Sprache ist wohl der auf den Satzbau, und die Satz ungetüme, denen wir heute allenthalben bei unseren Schriftstellern begegnen, wären unmöglich, wenn sie beim Schreiben laut gesprochen würden. Wenn ober eine unserer besten Romanschriftstellerinnen den Satz:„Lena lehnte den Kopf" usw. oder wenn ein Dramatiker sich den Vers:„Sein Sein, fein Denken" nsw. ein einziges Mal laut vorgelesen hätten, so müßten sie gemerkt haben, daß ihre Feder stotterte. Solche häßlichen Wiederhol ngen, wie z. B.:„Wenn er wüßte, daß das das Ende wäre", findet man immerfort. Wenn ein lyrischer Dichter das Wort„Duftgestiebe" bildet, um den Frühling anschaulich zu machen, so kann es nur ein sehr geschickter Vorleser beim Vortrag des Gedichtes verhindern, daß der Hörer„duftige Sfiebel" verstcht. Potthoff oerlangt daher mit Recht, daß wir wieder mehr laut lesen, uns selbst und anderen vorlesen müssen, um unser durch die Augensprache abgestumpftes Gefühl zur Sprachschönhett zu ver- feinern. Ipielplanänbernng. Im Theater in der K o m m a n d a n t e«> st r a h e wird die Erstauffübrunq der Operette„Die Dielenhexe" aus Donnerstag, den Lt., verschoben. Perbandstagnng der Zlmateurphotographen. Der Verband Deutscher Amatcurvbotographen-Vereine wird vom tS. bis 18. September in Leipzig zum eutenma! nach dem Kriege wieder zu einem Verbands- tag zusammentreten. Im Leipziger BuchzewerbehauZ soll gleichzeitig eine Bilderaus st eilung stattfinde«. preußischer Landtag» 41. Sitzung, Freitag, den 15. Juli 1921. Auf der Tagesordung steht zunächst die Beratung des Gesetz- entwurfes betreffend die Delegatur für den preußischen Anteil der Erzdiözese Gnesen-Posen. Die Delegatur soll eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes bilden, die preußischen Gesetze i ber das Aufsichtsrecht des Staates bei der Vermögensverwaltung über die Schaffung wirklicher Hilfsfonds und die über die Erhebung von Abgaben solle auch auf diese Körperschaft Anwendung finden. Abg. Brückner(Soz.): Meine Freund« werden wie im Ausschuß so auch jetzt im Plenum gegen den Antrag des Rechtsausschulses stimmen. Wir können nicht einsehen, daß für den Zweck wie hier oefordert, wieder so große Auswendungen im Betrage von 127 000 Mark gemacht werden sollen. Schon melden sich die Vertreter des evangelischen Glaubensbekenntnisses und st eilen ebenfalls Forderungen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Kosten solcher Einrichtungen von den Beteiligten selbst aufge- bracht werden müssen. Der einzige Weg. der hier beschritten werden muß, ist eben die Trennung oonKirche undStaat. Wir werden gegen den Ausschuhantrag stimmen. Abg. Silian(Komm.): Wir lehnen die Vorlage ab. Man will mit dieser Diözese nur eine politische Kamvforqanisation aufrechter« balten.— Das Gesetz wird gegen die Stimmen der sozia« l i st i s ch e n P a rteien angenommen. Ferner findet eine Entschließung Annahme, wonach Schritte ge» tan werden sollen, um für die evangelische Bevölkerung der Grenz- mark einen Provin�iallnnodialverband zu errichten. Es folgt nun die Beratung des Antrages über die Genehmigung der strafrechtlichen Verfolgung des Abg. Scholem(Komm.) wegen Beleidigung. Abg. Dr. Cohn(U. Soz.) empsiehlt als Berichterstatter die An- nähme des Ausschußontrags, die Genehmigung zur Strafverfolgung nicht zu erteilen.— Das Haus beschließt demgemäß. Der Antrag auf Einstellung des Verfahrens gegen den kommu- nistischen Abgeordneten Rabold wegen Beleidigung wird a n g e> n o m m e n. Es folgte die zweite Beratung des Entwurfs über die Bereit- ftellung von Staatsmitteln zur Förderung der Ausiedlung. Ver- banden wird damit die Beratung des Antrags Schreiber-Halle (Dem.) über die Erhöhung der Mittel für Zwischenkredite zur Für- derung der Bildung von Rentengütern. Abg. Braun(Soz.): Wir stimmen dem Gesetz zu, halten aber ZOO Millionen Mark nicht für ausreichend und beantragen daher, stattdessen 500 Millionen Mark zu bewilligen. Wenn schon einmal ein Kreditgesetz gemacht wird, dann soll man doch mit einemmal soviel aufbringen, um bei der Anfledlung auch etwas zu erreichen. Wenn man berücksichtigt, daß die Geldentwertung seit der Vorkriegszeit etwa neun Zehntel beträgt, so können wir mit einem Betrage von ZOO Millionen in der Siedlungsfrage nicht einmal die Friedensleistungen erreichen. Ich haste es nicht für sicher, daß solche Mittel für Ueberteuerungszuschüsse noch in Zukunft zur Verfügung gestellt werden. Es wird daraus hinauslaufen, daß üb whaupt nur noch oermögende Ansiedler von der Möglichkeit, sich anzu- siedeln. Gebrauch machen können. Aus allen diesen Gründen bitte ich, unserem Antrage zuzustimmen.(Beifall bei den Soz.) Abn. Da Ilm er(Dnat.) spricht ge-gen den sozialdemokra- tischen Antrag.- Abg. Kilian(Komm.) lehnt den Ausschußantrag ab. Abg. Graf Stolberg(D. Bp.) und Abg. Dr. Wendorf (Dem.) treten für Annahme des Ausschußcm träges ein. Landwirtfckaftsminister W a r m b o l d: Vorläufig kommen wir mit den 300 Millionen aus und würden fürs erste für größere Summen noch keine Verwendung haben. Wir werden aber bald eine neue Vorlage einbringen, die mögstchst alle Wünsche berück- sichtigen soll. Abg. Braun(Soz.): Ein« planmäßige Siedlung ist unmögstch, wenn die Siedlunasgesellschaften sich nach der finanziellen Decke strecken müss-n. Ohne größere Mittel können sie nicht im Sinne des Reichssiedlunasgefetzes arbeiten. Damit schließt die Aussprache.— Der sozialdemokratische Antrag auf Erhöhung der Mittel für die Anüedlung von 300 auf 500 Millionen wird gegen die sozialistischen Parteien und Demokraten abgelehnt.— Der Gesetzentwurf über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Förderung von Ansiedlungen wird sodann in zweiter und dritter Beratung angenommen, ebenso ein demokratischer Antrag auf Borlegung eines Gesetzentwurfes, durch den die staatlichen Mittel zur Förderimg der Rentengutsbildung auf 200 Millionen Mark erhöht werden sollen. In zweiter und dritter Beratung abgenommen wird sodann der Gesetzentwurf betreffend Uebernahme der B e r- pllichtungen des Saarbrück er Knappschaftsver- eins gegenüber dem Knappschaftlichen Rückversicherungsverband in Eharlotte'nburg durch den preußischen Staat. Es folgt die Fortsetzung der Aussprache über den Zlokekal. Zunächst ergreift Minister Dominikus das Wort. Bei der„Roten Fahne' wurde am 12. Juni auf Grund von Anzeigen eine Haussuchung nach Plakaten vorgenommen. Diese hat nach dem Bericht des Polizeipräsidenten ergeben, daß eine Zuwiderhandlung gegen Paragraphen des Pressegesetzes und des Rrafaesetzbuches vorliegt. Der Poizeiprösident hat daraufhin die Plakate beschlagnahmen lassen und die gerichtliche Bestätiguna be- antragt. Das zuständige Amtsgericht Berlin-Mitte hat diese Maß- nahmen gebilligt. Auf die kommunistische Anfrage, ob das Staats- Ministerium das Perhalten des rechtssozialistischen Berliner Polizeipräsidenten billigt, antworte ich: IaI Der angebliche Erlaß von wir. vom 6. Juni, daß alle nicht angemeldeten Versammlungen un- bedingt aufzulösen sind, konnte trotz eiftiaster Nachforschungen in meinem Ministerium bisher nicht ausfindig gemacht werden. Ich wäre Herrn Geschte sehr donkbar, wenn er mft diesen Erlaß ver- schaffen könnte.(Heiterkeit.) (Fortsetzung m. der Morgenausgabe.) Strafantrag im U-9oot-prozeß. Leipzigs 15. Zull.(WTv.) Zo dem Prozeß gegen die beiden ll-Voot-Offiziere Dikhmar und Voldl wurde heute die Beweis- aufnähme geschlossen. Der Oberreichsanwalt beantragte am Schlüsse seines Plaidoyers gegen die b e i d e n Angeklagten wegen»ersuchten Mordes je vier Zahre Zuchthaus. Die ungültigen Staötverorönetenwahlen. Die Rechtslage nach der Ungültigkeitserklärung der Groß- Berliner Gemeindewahlen ist folgende: Die Leschlüsse der bisherigen Stadtverordnetenversammlung, sowest sie nicht etwa von den Aus- sichtsbehörden beanstandet worden sind, bleiben rechtsgültig. Die von der Sadwerordnetenoersammlung gewählten ehrenamtlichen Ge- wrindebeamteu scheiden mft dem Ablauf der Stadtverordneten- Mandate aus, führen aber die Geschäfte ebenso wie die Stadtoer- ordnetenversammlung bis zur Reubesetzung weiter. Inzwischen wird die Wahlordnung durch eine Notverordnung des Staaismmifteriums geändert werden, weil gewisse Bedingungen des Gesetzes Groß-Bsrlin die Wahlordnung zu{ehr eingeengt haben. Zu dieser Notverordnung gehört die Zustimmung des ständigen Ausschusses des Preußischen Landtages. Bei dieser Aen derung der Wahtordnirng will man darauf Bedacht nehmen, daß etwa emtretende Ungültigkeiten der Wahlen nicht auf ganz Eroß-Berlin zurückwirken, sondern auf zu bildende Wahlkreise beschränkt bleiben. Selbstverständlich kann das aber nicht so gemacht werden, daß die Stadtverordneten selbst nur von einzel- nen Wahlkreisen, und nicht mehr von ganz Groß-Berlin gewählt werden; einer derartigen Aenderung steht das Gesetz Groß-Berlin im Wege, welches Groß-Berlin zu einer Einheit macht. Groß'�erün Die Kriegsarbeit üer Staöt Serlin. Ein Rückblick auf fünf Jahre der Zwangswirtschaft. In dem Augenblick, wo die aus den Kriegsjahren in die Friedenszeit hinübergenommenen Reste der Zwangswirtschaft ein Stück nach dem anderen befestigt werden, ist das im Aufttage des Berliner Magistrats durch Stadtarchwar Dr. Ernst K a e der herausgegebene und jetzt erschiene Buch„Berlin im Weltkriege'(Berlin, Trowitzsch u. Sohn, 1921, 367 S.) von be- sonderem Interesse. Das lesenswerte Werk, zu dem alle Berwal- tungsstellen der Stadt dos Material zusammengetragen haben, be- schränkt sich zwar nicht auf eine Schilderung der Kriegswirtschaft des Gemeinwesens Berlin, sondern gibt einen Ueberblick über die gesamte Gemeindeverwaltung in den Kriegsjahren und ist in dieser Hinsicht ein Ersatz für die bisher üblich gewesenen fünf- jährigen Verwaltungsberichte des Magistrats. Aber die Kriegs- Wirtschaft nimmt darin einen sehr breiten Raum ein, sie, die in den Kriegsjahren die wichtigste der kommunalen Aufgaben geworden war, weil in der Not jener Zeit die Beschaffung des Unentbehr- lichsten, der Nahrung, der Kleidung, des Obdachs, der Möbel usw., eine behördliche Regelung mehr als je heischte. Bon den Hinder- nissen, die der Gemeindeverwaltung sich entgegenstellten und mit ihrer Schwere sie zu erdrücken drohten, hat in den Kriegsjahren die breite Masse der Bevölkerung wenig erfahren; sie sah nur die Wir- kung, den an allen Ecken und Enden sich fühlbar machenden Mangel. Da gibt uns manchen sehr lehrreichen Aufschluß dieses Buch, das uns zeigt, welche Aufgaben zu lösen, welche Lasten zu übernehmen, welche Riesenleistungen zu bewältigen waren. Auch das tritt aus dieser nüchternen Darstellung der Berliner Kriegsarbeit klar hervor, daß in den Kriegsjahren die Geldnöte Berlins begannen, die nach unaufhaltsamer Steigerung heute der Stadt die Erfüllung ihrer sozialen Pflichten so sehr erschweren. Geflissentlich oerschweigen das die bürgerlichen Parteien, die über»sozialistische Mißwirtschaft' des mft der Revolution einsetzenden Zeitabschnitte» schreien und dem Gemeinwesen Berlin die Wiederherbeiführung»geordneter Zustände' verheißen, falls man bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlea ihnen zur Herrschast verhelfen will. Verurteilung einer Jalsthmüozerbanüe. Eine große Folschmünzerbande ist durch das Schwurgericht des Landgerichts I unter Borsitz des Landgerichtsdirettors Bruns zu langjährigen Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteift worden. Die Sitzung, die sich gegen acht Angeklagte richtete, ging gestern nach viertägiger Berhandlung zu Ende. Die Angeklagten hatten im Sommer 1919 eine ziemlich schlecht nachgemachte Fälschung der Fünfzigmark-Hilfsbantnoten vom 30. November 1918 herausgebrocht. Obwohl dl« Fälschung sehr schlecht ausgeführt war, wurde sie w vielen Exemplaren, Haupt- sächlich in Groß- Berlin verbreitet, well die Bertreiber, fast aus- schließlich Angehörige des Verbrechertums des Weddings und ihres Anhanges, die Scheine meist in kleinen Geschäften in der Dämmer- stunde oder bei Straßenhandlern gegen Abend im Zwielicht in Zahlung gaben. Außer den acht Angeklagten waren in das Der- fahren noch drei andere Personen oerwickelt, die aber inzwischen ums Leben gekommen sind. Der Kellner Erich Arnold wurde bei seiner Festnahme bei einem Flucht- oersuch erschossen. Ein anderer, unter dem Spitznamen .Boxermax'«ms dem Wedding bekannter McwHosfmann wurde in einem Wirtshausstrest e r st o ch e n. D er Haupt- angeklagte, der G e ld s ch r a n ke in b r e ch er Max Böhnke, starb im Untersuchungsgefängnis am zweiten Verhandlungstag vor Aufregung an Herzschlag. Die übrigen Angeklagten wurden gestern nach zweieinhalbstündigem Plädoyer des Staatsanwaltschaftsrates Dr. Arndt zu hohen Zuchthaus- und Gefängnisstrofen oerurteilt. Der Gemüsehändler Richard Weid- n e r. in dessen Wohnung seinerzeit die Falschscheine gedruckt worden waren, erhiest vier Jahre Zuchthaus. Der Alteisenhändler Richard Löwe erhiest vier Jahre Zuchthau», der unter dem Spitznamen»Matrosen- Otto' bekannte Otto H u b a t s ch erhiest ein Jahr und neun Monate Gefängnis, der Metalldreher Fritz Brandt, der bereits wegen einer anderen Falschmünzersache zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteill ist, eine Zusatzstrase von ein Jahr sechs Monaten, der Pferdehändler Max Michaelis erhiest drei Jahre und sechs Monate Zuchthaus, der Drucker Albert Otto zwei Jahre und sechs Monate Zuchthaus. Otto und Brandt waren vv» der Falschgeldabteilung bei einem neuen Versuch, wieder falsches Geld herzustellen, ergriffen worden. Dieserhalb ist Brandt früher schon verurteill worden, während Otto, der seinerzeit in der Försterei Elsenau bei Stettin mit mehreren anderen Spieß- Scsellen eine neue Fälschung versucht hatte, dcchei ober von der älschgeldabteilung überrascht worden war, sich zvegen dieser Straf- tat demnächst nochmals vor Gericht zu verantworten hat. Der Schlosser Willy Win gel, der früher an einer Brotkartenfälschung betestigt gewesen ist, wegen der er ebenfalls noch verurteill werden wird, �erhielt zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Der Schlächter Albert K l e i n j ch m i d t endlich zwei Jahre und sechs Monate Zuchthaus. Kleinschmidt war der Ver- tteiber der Falschgeldscheine. Allen Beschuldigten wurden die bür- gerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 bi» 8 Jahren abge- sprachen und bei den mit Zuchthaus Bestrasten auch die Stellung unter Polizeiaufsicht für zulässig erklärt. Für die Gemeinschaftsschule. Die Ellern der 31. und 32. Schule Rüttlistraße, Neukölln, beschlossen in einer Elternversammlung am 5. Juli m Kliems großem Saale einstimmig die Umwandlung dieser Schulen in eine Gemeinschaftsschule. Die beiden Referenten, Lehrer W e i m o n n und Schmidtbauer gaben noch einmal in gedrängter Kürze ein Bild der neuen Schule. Während ersterer den Geist des Gemeinschaftsgedankens in kurzen Worten nochmals kennzeichnete, erläuterte letzterer die vorher ver- lefenen organisatorischen Richllinien. Starker Beifall lohnte die Redner, und alle Anwesenden gelobten, mit vereinter Kraft dem gesteckten Ziele zuzusteuern. Schwer und überaus reich an Rück- schlagen und Enttäuschungen wird der Weg sein, doch unaufhaltsam schreitet der Gemeinschaftsgedanke, welcher nur allein ein wirklich freies Geschlecht, starke, unbeeinflußte Menschen heranbilden kann. Aufgabe aller Arbeitereltern ist es, daran mit- zuarbeiten, daß die Schultn von einem Geiste er- füllt werden. SPD.-Elkerubeiräle? Achtung! Die Sprechstunde f ä l l t b i s z u m 18. A u g u st a u s. Gegenüber den wiederholt und dringend geäußerten Wünschen unserer Elternbeiräte auf Zustellung des Aufrufs des Ober- stadtschulrates Paulsen oerweisen wir auf die Sonder- nummer 12 der Zeitschrift„Der Elternbeirat', die„die Gemeinschafts- schule' behandelt und außer dem„Ausruf' die Programmrede P o u l s e n s in der Stadtverordnetenversammlung enthält, sowie von Henniqscn einen Beitrag aus der Praxis der' Hamburger Ge- nmnschaftsschule, die Paulsen früher leitete, und Aufsätze von K a r s e n und Jensen. Wir empfehlen allen Esternbeiräten, sich dieses Heft vom Verlag für Sozialwissenschaft, Lindenstr. 114, gegen Einsendung von 1,50 M.(Postscheckkonto: Bcrlilln 27 576. sowie in der»Dorwärts'-Buchhandlung, Lindenstr. 3, zu beschasjen. Die Dungladessäkke«nn Arbauhasen. die wir in Nr. 323 schilderten, soll— nvie wir erfahren— eingehen. Des Polizei» Präsidium ist entschlossen, hie Fortsetzung des gesundheitgefährlichen Treibens nicht zu dulden. Bravo! ver Arbeitsnachweis der Stadt Verlin teilt mit, daß die Fach. abteilung für das Fleischergewerbe(Stadt-Abteilung), Vers:-» N24, Friedrichstraße 110/112, am 15. Juli 1921 eine Abteilung für Ber- käuferinnen eröffnet. Vermittlung kostenlos an Fleischermeister und Wurstgeschäfte in der Zeit von 1 bis 3 Uhr nachmittags. Bcstellun» gen erbeten durch Anruf Norden 2186 bis 2190 und 2195 bis 2199. Achtung, Zungsozialisten! Die im heuttgen Morgenblatt ver- öffentlichten Veranstallungen finden nicht morgen, sondern heute statt. »Volk und Zeil', unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Das Wetter für morgen. Trocken und iideitviegend heiter, etwas wärmer, der größtenteils schwachen veränderlichen Winden. Hroß-Serliner parteinachrichten. Sonnlag, den 17. Juli: z. Nrei«, Wedding. Ziesschtigung und Führung durch den Botanische» Garten in Dahlem. Treffpunkt im Wirtschast-Hof d. B. G. um 9»/, Uhr. Zahlreiche Be- teiligunz wird erwartet. «charlottenburg.Spoudau. Die Inriilische Sprechilunde findet letzt jeden Sonn. »dend von 5—6 Uhr im Zuoendhenn Gharlvtlenburg, Rosinenfir. i, r>. 1 Trp» statt. Borwärtsquittung, PaNei- oder Gewerkschaftsbuch legitimiert. Sozialdemokratischer Männer-Chor.«reis Prenzlauer Tor«. Sonnabend, de» IS Juli, abend« 7 Uhr. im Lokal des Sangesdruder» W. Goldschmidt, Stoiptsch, Straße SK. Mitglieder-G eneralversammlung. Vorträge, vereine und Versammlungen. ... Tourtstenvrrew.Die Naturfreunde-, Ortsgruppe Köpenick. Ist und 17. Jnli: Etlftungssest am Langen See sMarienlust), hinter Wendenschloß. Abfahrt sämmt. licher Gruppen:») am Sonnabend abend ab Gharlottbg. 6.2«: Al-randerpi. S.«S: illtf Vhf' 803,"_ b) am Sonntag früh ab Charlottbg. 7L2: Al-xand-rpl. 7.!>6i GewerMastsbeivegung ssommunistifthe Revolutionsmache. In der»Roten Fahne' werden die den beiden soziclldemokro- ttschen Parteien angehörenden Mitglieder des Metallarbeiter. Verbandes als»die Aengstlichen' bezeichnet, weil beide Gruppen sich über eine gemeinsame Liste für die Delegiertenwahlen zum Ver- bandstag verständigt haben. Die Glossierung dieses Zusammen- gehens in der»Roten Fahne' zeugt von dem Aerger der kom- munistischen Mißvergnügten über»das notdürftig zurechtgezimmerte Kompromiß, das ihnen die angenehme Rolle des lachenden Dritten total verdorben hat. Der kommunistischen Propaganda im allgemeinen, und der im Metallarbeiterverband im besonderen, soll die Veröffentlichung einer Resolution dienen, die der letzten Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter als Antrag unterbreitet wurde, der jedoch noch nicht zur geschäftsordnungsmäßigen Behandlung kommen konnte. Obwohl die Herrschasten alle Ursache hätten, ihre drei direkten Aktionen im Berliner Eewerkschaftshaus nicht immer wieder in Erinnerung zu bringen, suchen sie unter zweck- entsprechenden Verdrehungen Kapital daraus zu schlagen. Zeugt diese Resolution auch weniger von Lift und Schlauheit, so ist sie um so stärker in der Berschweigung der Wahrheit.»Die Frage, ob die Arbeitslosen oder die Angestellten zuerst zu Tätlichkeiten übergegangen sind, ist von untergeordneter Bedeutung." Aus einer feststehenden Tatsache, an der alle Regeln des kommunistischen Morattodex abprallen, sucht man eine Frag« zu machen, erklärt sie von untergeordneter Bedeutung, wM aber trotzdem eine Untersuchungslommission, die zur Hälfte aii«' Erwerbslosen— den vorgeschobenen Akteuren wahrscheinlich selber— und zur anderen Hälfte aus in Arbeit stehenden Mitgliedern gebildet werden soll. Die Drahtzieher verlangen, daß die Versamm- lung der Metallarbeiter»unbeschadet des zu erwartenden Berichts' bereits da»»feststellt', was die Kommunisten„festgestellt' wissen wollen: daß die Erwerbslosen durch die Haltung der Ge- werkschaftsführer gereizt worden seien am 20. Juni— nachdem sowohl K n o ll als Sabbath zuvor dem Verlangen nach- gekommen waren, über die 10 Punkte zu sprechen, und dabei in der gemeinsten Weise beschimpft und malträtiert wurden; nachdem sich herausgestellt hatte, daß die überwiegende Mehrzahl der bereits zwei- mal ins Gewerkschastshaus abkommandierten Arbeitslosen u n- organisiert waren—, daß weiter„sich die Arbeitslosen nicht zuletzt durch die Schuld des ADGB. in einer oerzweifelten Lage befinden'; daß der ADGB. den tausendfältig bekundeten Kampfwillen ständig mißachte usw. Schließlich wird eine all- gemeine Massenaktion gefordert, um die Geschäfte der VKPD. wieder in Gang zu bringen. Das ganze Machwerk klingt in einen Appell mis cm die Mitglieder aller Parteien und Gewerk- schaften, über olle trennenden Grundsätze hinweg sich zum gemein- samcn Kampf gegen den gemeinsamen Feind zusammenzufinden. Diese unglaubliche Verlogenheit hat eben in dem gemeinsamen Vorgeben der sozialdemokratischen Metallarbeiter beider Richtungen ihre Würdigung gefunden. Sie sind gezwungen, gemeinsam den Kampf zu führen gegen den gemeinsamen Feind, die kom- munistische Niederträchtigkeit. Drohender Streik der Bankangestellten. Unterwerfung oder Kampf? das war die Frage, mit der sich die öffentliche Versammlung der Bankangestellten in der Brauerei Königstadt am Donnerstag befaßte. Als erster Redner sprach Marx. Der Allgemeine Verband der deutschen Bankange» stellten habe den Schiedsspruch abgelehnt, vom Deutschen Bank- bamtenverein sei er. aber mit einigen Vorbehalten angenommen wor- den. Am Freitag werde nochmals verhandelt. Der Allgemeine Ver» band könne dem Spruch nicht zustimmen, well derselbe kein aus- reichendes Existenzminimum gewähre. Seitens der Bankleitungen müssen— so führte der Referent weiter aus— ganz andere Konzessionen gemocht werden, wenn ein Tarifvertrag im deutschen Bankgewerbe zustande kommen soll. Ein tarifloser Zustand dürf:« den Bankleitungen viel unangenehmer werden, als den Angestellten, die dann ständig freie Hand hätten. Die freigewerkschastlich organisierten Angestellten sind bereit, die Konsequenzen zu ziehen, sofern das erforderlich sein sollte. Daß das Bankgewerbe den Angestellten sehr wohl eine auskömmliche Existenz gewähren könne, dafür sprächen die enormen Summen der Tanttemen, die man den Herren Auf- stchtsräten zuwende. Nicht Unterwerfung, sondern unerbittlicher Kampf werde die Losung der Angestellten sein.(Stürmischer Bei» fall.) E m o n t s sprach im gleichen Sinne. Cr hob hervor, daß man den Angestellten zumuten wolle, statt 7)4 Stunden 8 Stunden zu arbeiten.— Auch die folgenden Redner sprachen sich für den Kampf aus.— Beschlossen wurde, an die streikenden Bankangestellten in der Tschechoslowakei ein Sympathietelegramm abzusenden. Schließlich wurde einstimmig ttne Entschließung angenommen. in der erklärt wird, daß die Banka'.sAestellten bisher in allen Der- Handlungen im Arbeitsministerium schwere Enttäuschungen erlitten haben. Sie sind nicht länger gewillt, von Verhandlungen zu Wer- Handlungen diese Enttäuschungen weiter zu ertragen. An alle Kol- legen, insbesondere an die unorganisierten, ergeht deshalb die Auf- forderung des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankangestell- ten, sich ihm anzuschließen und den unmittelbaren gewerkschaftlichen Kampf mit aufzunehmen. Möglich ist, daß der Schiedsspruch heute abgeändert und dadurch eine Verständigung herbeigeführt wird. Btzirltsverb BcriinSPD. 12. AbteUuuq. Dm 13 Zuli, nachmittags S1/, Uhr, verstarb unsere treue Parteigenossin WMmt Wunseh geb.Btnder. Waldcmarstr 19 im Alter von 74 Jahren. Ehr« ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, IS, Juli, nachm 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle de» alten Thoma«- «irchhos». Neukölln, Her- mannstrafie, aus statt Um rege Beteiligung bittet Der Abtellungsvorftand, Iliiillcilbk llik! sld'sielkskb. Berwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nach- richt. daß unser Kollege, der Werizengmacher WiHielm SlnllieM Fried richslelde. Rosenselderstrahe 4. am 11. Zull gestorben ist. Ehr« seine» Andenke». Dl« Ort»»erwaltu»g. 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