Kr. 331 ♦ ZS.�ahrgcmg Ausgabe M Nr.lbS Bezugspreis: SIertei;ShrI.A>.— M.. monall. 10,— 9R, fr« ins SScaio, voraus zahlbar, Postbezug: Monatlich ist.— M. einschl. Zu- stellunzsgebllhr Unter Kreuzband Nir Pculschland, Danzig. das Saar» and Mentelgebiet, sowie dl« ehemals beul- schen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemdura 20.— M. für das übrige Ausland 27,— M. Post- beltellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tlchecho» Slowakei, Däne- Waich Holland, Luiemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts" mit der Sonntags» beilaze.Volk und Felb", der Unterhaltungsbeilage«Hcinnoelt* und der Beilage.Siedlung und Klemgatten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags and Montags einmal. Telegramm- Adresse: «Sozialdemolra» VerlUr" Morgen Ausgabe Berliner Oolksblstt (�30 Pfennig) AnzetgenvretSi Dt» achtgelvaltene Nonoarelllezell» kostet d.bl) M.Kleine Anzeigen� da««ettgedrurkt» Wort I.öo M. bleiben bei seiner Mutter, bei Deutschland!(Stürmi- � scher, langanhaltender Beifall.) l Als letzter Redner sprach Reichstagsabgeordneter Prof. Dr. 'S ch ü ck i n g(Demokrat). Die Versammlung nahm eine Resolution im Sinne der Referenten an. Sie erhebt Protest gegen alle Versuche, Teile Ober- schicsiens vom Deutschen Reich loszulösen. Oberschlesien habe sich mit überwiegender Mehrheit für Deutschland erklärt, dar- um sei sein Verbleiben bei Deutschland eine Forderung der G e- rechtigkeit. Weil viele Hunderte keinen Zutritt mehr zu dem überfüllten Saal gefunden hallen, fand im Vcethooensaal eine Parallclvcrsamm- lung statt. potemkin Le Oppeln. 15.? s.(DA.) Heute vormittag hat Geaeral Le Roud in Vegleilung von Harald Stva.k und De Marlon mit großem Gesolze in einem Extrazuge eine Zn'pekllonsfohrt von Oppeln über Gldwiß, Hindenburz. köuigohülte nach Sottowih an- getreten und sie soll von dort über Schoppinih, Zleu-Barun und Pleß fortgesetzt werden. Ans dem von den Franzosen festlich geschmückten Lahnhof hindenburg stand neben der französischen Ehrenkompanie mit Musik fast die gesamte polnische Bevölkerung, die infolge recht- zeitiger Benachrichilgung durch den französischen Sreiskontrolleur zu- gegen war; sie brachte andauernd Hochrufe auf Frankreich und Polen aus. Natürlich waren auch die ehemaligen Führer der Znsur- genlen anwesend. Mit großem Stimmenaufwand wurden po'ntsche Lieder gesungen. Der Bürgenneisler und der Landrat waren erst kurz vor dem Einlressen des Zuges von dem französischen Kreis- kontrolleur benachrichtigt und auf den Lahnhof befohlen worden. Durch das Mastenanflreten der Polen, die felbstve-stöndlich von dem französischen Kceiskonlrollcur rechtzeitig von dem Eintreffen des Extrazuges unterrichtet worden waren, sollte natürlich wieder der Eindruck erweckt werden, daß hindenburg. dos überwiegend deutsch gestimmt hat. eine polnische Stadt sei. Paris, 15. Juli.(SE.) Die„humanits" behauptel zum zweiten Male, daß die französische Rrqicruvg Waffen und Munition nach Polen, Oberfchtesien und Rumänien sende. Diese volbereitun- gen deuteten aus einen Krieg gegen Soivjetrußlaud hin.„La Presse" erklärt, daß die Regierung nur Vorsichtsmaßnahmen gegen einen : etwa'gen Handst eich des Generals höfer und sonstige Sciegssolgen im Falle einer für Deutschland ungünstigen Entscheidung ergreife. Auflösung des Plebiszitkommissariats. Das deutsche Plebiszitkemmistariat für Oberschlesien ist nach Beendigung seiner verdunswollen Arbeit aufgelöst worden. Zur Wahrnehmung der deutschen Interessen Oberschlesiens wollen sich die deutschen Parteien und Organisationen zu einem D 0 l k s r a t zusammenschließen, an dessen Spitze Dr. Lukaschek tritt. ßrankreicb bestellt Probehäuser. Verlin, 15. tzull.(Amtlich.) Die Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der französischen Regierung über die Lieferung von Holzhäusern für Nordfrankreich haben zu einer Be- slellung von Sö Probehäufern mit S7 Wohnungen geführt. Die Häuser sollen mit größter Beschleunigung vergeben und in den zcr- störten Gebieten ausgestellt werden. Es handelt sich um folgende Konstruktionen: 1. Häuser halbgcmischter Bauweise(Außen- wände aus holz. Innenwände aus übertünchten Gipsplalten). und zwar: 4 Doppelhäuser und 5 Einzelhäuser von Typ 1(Arbeiter- wohnungen), 3 Doppelhäuser und 6 Einzelhäuser von Typ 2 (Meistcrwohnungen) und 9 Einzelhäuser von Typ 3(Bcamteu- wohnungen). zusammen 27 Häuser mit 34 Wohnungen. 2. Häuser gemischter Bauweise(Holzgerippe, Außenwände aus Zement- platten, Innenwände mit aus Kalkputz versehenen und über- tünchten Gipsplatten), und zwar 2 Doppelhäi'ser und 2 Einzelhäuser von Typ 1, 2 Dopvelhä'tser und 6 Einzelhäuser von Ty? 2 tix'o 3 Einzelhäuser vom Typ 3, zusammen 15 Häuser mit 19 Wohnungen. 3. Holzhäuser, und zwar 10 Doppelhäuser vom Typ 1. 19 Einzel- Häuser vom Typ 2 und 4 Einzelhäuser vom Typ 3„ mit zusammen 34 Wohnungen. Paris, 15. Juli.(ET.) Die Vertreter der Genosienschasten der Zimmerleute von Südwestfrankreich haben Loucheur gebeten, bei der Lieferung von Holzhäusern nicht zu vergessen, daß die französische Industrie im Departement Landes in der Lage sei, Holzhäuser zu gleichen Bedingungen zu liefern. Loucheur erwirkte, daß dem De- partement Lande» di« Lieferung von 10000 Holzhäusern vorbehalten bleib«, vorwärts-verlag G.m.b.H., SW S8, Linüenstr. Z Ste-fttklire-rhcr- Verlag. Exvrditio« und Inseraten- . Abteilung MoriyplaI, 11753-54 verkannter Kommunismus. Brandlers Verteidigung vor Gericht. Heinrich Brand ler, der Vorsitzende der KPD.-Zen- trale, der am 6. Juni in Berlin zu fünf Jahren Festung ver- urteilt wurde, hat soeben das Stenogramm seines Prozesses erscheinen lassen. Es eröffnet tiefe Einblicke in den Mause- r un gsprozeß, in dem sich der deutsche Kommunismus befindet, es gewinnt Bedeutung auch durch den Umstand, daß der Mann, dessen Aeußerungen hier ausführlich zitiert werden sollen, kürzlich zum Ehrenvorsitzenden des 3. Kon- grefses der Dritten Internationale gewählt wurde, daß es also eine kommunistische Autorität ist, die hier zu uns spricht. Vrandler hat sich, wie schon bekannt, in feinem Prozest sehr lebhaft gegen den Borwurf verteidigt, durch die Rolle, die er in dersLl ä r z a k t i 0 n gespielt hatte, Hochverrat begangen zu haben. Er hat ausdrücklich bestritten, daß diese Aktion den Sturz der Regierung und die gewaltsame Aenderung der Verfassung zum Ziele gehabt habe. Seine Ausführungen lassen es zweifelhaft erscheinen, ob die KPD. diese Aktion überhaupt gewollt hat— sicher hat ein großer Teil von ihr sie nicht gewollt, sie ist als Ganzes in diese Aktion etwa ebenso �hineingeschlittert", wie einst das Kaiserreich in den Weltkrieg. In Moskau sagten die Vertreter der Kommunisten, die Bewegung sei von Mansfeld aus, mit Homburger Unter- stützung, ohne ihr Zutun ins Rollen gekommen, sie hätten aber dann mitmachen müssen, um ihren Ruf als„revolutio- näre Partei" nicht zu diskreditieren. Ein solcher Revolutionär wider Willen scheint auch Drandler gewesen zu sein, wenig- stens sagte M a l z a h n in Moskau von ihm, feine Rede in der entscheidenden Sitzung vom 17. März sei„so unbestimmt" gewesen,„daß feder daraus herauslesen konnte, was er wollte". Dieser Mann stand also am 6. Juni vor Gericht und sollte ausfressen, was andere eingebrockt hatten. Er hat sich dessen entschieden geweigert. So antwortete er auf die Frage eines Beisitzers, ob feine Partei zum Kampf mit den Waffen auf- gerufen habe, mit großer Entschiedenheit: Nein! Nicht zum Kampf mit den Waffen! Sondern si« hat die Bewaffnung der Arbeiter gefordert, um den blutigen Bürgerkrieg zu verhindern. Bei Besprechung der Dynamitattentate legte Brandler größtes Gewicht darauf, daß sich Mitglieder seiner Partei daran nicht beteiligt hätten. Vielleicht hätte es sich um Mitglieder der KAPD. gehandelt, das fei aber e i n großer Unterschied. Dazu führte er dann weiter aus: Ueber die KAP. möchte ich folgendes sagen: Gerade, weil wir das allergrößt« Interesse an der E n t f a l t u n g des Ge n e r a l- st r e i k s hatten, mußten wir uns gegen die Ailenkate wenden. Wir haben versucht, Verbiudung zu bekommen, und wir hoben aus der Zentrale drei Mann delegiert, die mit der KAP.-Zenkrale verhandelt haben. Ich habe an den Verhandlungen nicht teilgenommen. Ich sag« das aber nicht, um mich etwa strafsret zu machen, sondern well ich zu denen gehöre, die für die SAP. sozusagen das rote Tuch sind. Es haben drei Vertreter der Zentrale mit der KAP. gemeinsame Sitzungen abgehalten, und sie haben in der Sitzung der Zentrale Bericht erstattet, daß sie nach stundenlangen heftigen Auseinandersetzungen sich bereit erklärt haben, ganz unsere Linie einzuhalten und alles zu versuchen, daß auch ihrerseils diese Attentate, dies« Terrorgeschichten unle". bunden würden, und soweit Ich das nachprüfen konnte, und soweit es berichtet ist, ist von der Zentrale der KAP. der Versuch gemacht worden, das auch tatsächlich durchzuführen während der Aktion. Brandler hat sich auch sonst nicht gescheut, das Gericht tieferen Einblick in die Intimitäten der Märzaktion nehmen zu lassen. So hat er z. B. auch verraten, daß nach der Aktion ein Redaktionswechsel in der„Roten Fahne" vorgenommen wurde. Der Zusammenhang der Rede läßt keine andere Deutung zu, als daß die alte Redak- tion davongejagt wurde, weil sie es zu toll getrieben hatte. Diese Auffassung wird auch durch folgende Aeußerung � Brandlers bestätigt: E» ist zum bewaffneten Aufstand in diesen Märzkämpfen auf- gefordert worden, das weiß ich und dos wissen Sie auch, aber nicht von der Kommunistischen Parket Deutschland, und nicht von der Zentrale dieser Partei, sondern, soweit sie ein» gegriffen hat, hat sie da, Gegenteil getan. Von nicht minderem Interesse ist auch die folgende Ans- einanderfetzung: Drandler: Unser strategisches Ziel ist, die Maffe zu erobern. die Ideologie des Kommunismus zur Tat werden zu laflen. Vorsitzender: Die Welirevolution! Drandler: Natürlich! Die Welirevolution! Di« Jdco- logie. die in dieser Broschüre, die di? Leitsätze der III. Internationnie und die in Deutschland von 500 000 Mitgliedern anerkannt wird(?), diese Ideologie in die Köpfe der Masse hineinzubringen unv zu verlebendigen, das ist unsere Ausgabe. Wenn diese Ideologie die Masse erobert hat, wird sie Gewalt, dann-wird dieses sogenannte, was man mit Hochverrat bezeichnet, eintreten. Aber das ist ein Prozeß von Iahrzehnten. ehe der Kommunismus verwirk- licht wird. Wer meine politische Tätigkeit einigermaßen kennt— und ich bin doch seit 22 Jahren öffentlich politisch tätig—. der {««n mich nicht in d«m verdacht haben, mit dey Märzaktion d! e Räterepublik zu errichten. Aus dem Grunde habe ich ja auch politische Gegner, die ich ständig be- kämpft habe, Minister Fellisch, Friede! usw. als Zeugen ge- nannt— ob sie unter Zeugeneid aufrechterhalten, was ihre Zeitun- gen uns unterschieben— ob sie mir zutrauen, die mich doch seit Jahren kennen, daß ich— ich muß es immer wiederholen— und mich leidenschaftlich dagegen wehren, einen solchen politischen Unsinn bege?)en könne, der mir hier unterstellt wird. Wo bleibt bei dieser Auffassung die sogenannte„Di!» tatur des Proletariats"? Auch das ist viel einfacher, als man es sich vorstellt. Die KPD. kann nach Brandler die Diktatur erst ausüben, wenn sie die überwältigende Mehrheit des Proletariats hinter sich hat, das Proletariat bildet aber nach seiner Schätzung 90 Proz. der Bevölkerung. Die überwäl- tigenhe Mehrheit von 90 Proz. der Bevölkerung ist aber zu- gleich auch die überwältigende Mehrheit des Gesamtvolkes. Der Gegensatz zwischen Diktatur und Demokratie löst sich durch dieses Zauberkunststück in Dunst auf, und der Ehren- Vorsitzende der Moskauer Internationale enthüllt sich uns als das, was er im Grunde seines Herzens wahrscheinlich auch wirklich ist: als ein braver D e m o k r a t. Als solcher hat er auch das Recht zu sagen, daß die Diktatur, wie er sie auf- faßt, mit einem Minimum von Gewalt auskommen könne und auszurufen: Die Diklalur des Proletariats ist möglich sogar bei Bestehen der denlschen Dersassung! Hoffentlich werden diese Worte eines maßgebenden Führers genügen, um alle idiotischen Versuche, die deutsche Verfassung gewaltsam zu stürzen, ein für allemal zu unter- binden. Soweit erscheint also-Brandler durchaus als Menschewik, Sozialdemokrat, äußersten Falls Rechtsunabhängiger. Aber es gibt doch einen Punkt, an dem sich unsere Wege weit trennen, das ist Brandlers revanchedurstigerRatio- n a l i s m u s. Bon ihm zeugt folgende Stelle: cherr Staatsanwalt! Wir sind mit der herrschenden Partei in Rußland schon längst verbündet. Dazu fordern wir kein Bündnis mit Sowsetrußland. Wir fordern dies Bündnis durch die Regierung, weil wir der Meinung sind, daß dies der einzig richtige Ausweg ist in unserer Lage, wo wir der Entente gegenüberstehen und von ihr wie eine Zitrone ausgepreßt werden. Daß in dieser Forderung der einzig rettende Ausweg liegt, haben wir seit 1918 vertreten. Liegt darin etwa ein Hochoerrat! Denken Sie sich doch in die Situation hinein!..... Wir glauben nicht, daß die Weltgeschichte mit Rosenwasier ge- macht wird. Mr werden, wenn nicht die Arbeiterklasse Englaiids und Frankreichs uns zuvor kommt, uns gegen die räuberischen An- griffe der Entente zur Wehr setzen müssen, mit der Waffe in der Hand. Wir müssen bekennen, daß der Ehrenvorsitzende der Z. Internationale mit diesen Ausführungen der Gefühls- welt des Staatsanwalts und der Richter wahr- scheinlich näher gekommen sein dürfte als der unseren. Aber gleichviel, hat man das Protokoll dieser Gerichtsverhandlung gelesen, so bleibt nur zweierlei übrig: Entweder muß man Brandler für einen feigen Strolch halten, der sich vor Gericht herausschwindeln wollte— und daß er das nicht ist, können wir mit gutem Gewissen behaupten— oder aber dieser Brandler ist ein Sozialpatriot, ein Feind der Gewalttätigkeit lwenigstens im Innern), ein Schützer der Verfassung, kurz und gut ein Ordnungselement der demokrati- scheu Republik. Welche Häustmg von Mißverständnissen diesen Mann zum Kommunisten und sogar zum Vorsitzenden der KPD.-Zentrale während der Mürzaktion gemacht und ihn schließlich vor Gericht gebracht hat, braucht hier nicht weiter untersucht zu werden. Möge Brandler bald a m n e st i e r t werden und als Führer der KPD. i m Sinne der Ausführungen, die er vor Gericht machte, weiter tätig sein! Man wird dann nicht mehr die Wiederholung solcher idiotischen Verbrechen zu befürchten brauchen, wie die sogenannte Märzaktion eines gewesen ist! vom Sonnen- und Regenschirm. Kulturgeschichtliche Plauderei von Albert Schweitzer. Der Schirm, der seit langem eins der unentbehrlühsten Requi- fiten des modernen Menschen bildet, blickt auf eine lange und stolze Geschichte zurück. Er hat Jugend- und Entwicklungsjahre durch- gemacht, Anfeindungen und Hindernisie überwunden, bis er sich end- lich im 18. Jahrhundert seine Geltung als Begleiter jedes richtig- gehenden Bürgers errungen hat. Der Schirm war lange Zeit hindurch ein Symbol von An- sehen und Macht. Diese Eigenschaft hat er sich im Orient bis auf unsere Tage bewahrt. Ein altes Relief in Rinive stellt einen Fürsten dar, über dessen Haupt ein Sklave einen Sonnenschirm hält. Ein Herrscher in Birma erließ noch im Jahre 1858 eine Pro- klamation, in der er sich zum„König über 84 schirmtra- g e n d e Fürsten" erklärte. Auch in der Türkei galt der Sonnenschirm lange als Symbol der Herrscherwürde. Im klassi'chen Zeitalter der Griechen und Römer kam er auch nach Europa. In der griechischen Kunst balancieren besonders die zarten Figürchen aus Tanagra reizende Schirme, die wie große Blätter über den niedlichen Blumen stehen. Während im Orient der Schirm weit mehr von den Herren der Schöpfung getragen wurde, treffen wir ihn bei den alten Griechen und Römern aber nur als Begleiter der Damen. Es galt geradezu als ein Zeichen weibi- scher Verweichlichung, wenn ein Mann des Gebrauchs eines Schir- mes verdächtigt wurde. Der römische Dichter Claudian klagt schon im Jahre 399, daß die römischen Jünglinge, die dereinst die sabini- schen Jungfrauen in ihren Armen davongetragen hatten, jetzt so verweichlicht seien, daß sie nur noch den Sonnenschirm spazieren- führen. Plinius erzählt, daß die Sonnenschirme der Römer an- sänglich aus Palmblättern bestanden hätten und erst später aus Stoff gefertigt worden seien. Daß man damals auch schon zusammenleg- bore Schirme kannte, beweist eine Stelle aus Aristophanes' Lust- spiel„Der Ritter", in dem der klassische Dichter sagt:„Denn deine Ohren waren ausgespannt grab wie ein Sonnenschirm und klappten wieder zu." Im Mittelalter ging diese Errungenschast der Kultur wie so vieles andere verloren. Alkuin, der Lehrer und Freund Karls des Großen, schrieb im Jahre 890 an den Bischof von Salz- bürg einen Brief, in dem es heißt:„Alkuin sendet dem Bischof ein Schutzdach, damit es Euer verehrungswürdiges Haupt vor Regen- güssen bewahre." Damit hören wir zum erstenmal etwas über die Verwendbarkeit des Regenschirms. Einige Jahrhunderte später nahm die katholische Kirche den Schirm auch in ihren Kultus auf. Bereits im Jahre 1176 ließ sich der Doge von Venedig stets einen Pruafchirm voraustragen, wenn er ausging, mochte die Sonne scheinen oder nicht. Der englische Reisende Thomas Corrote äußert sich im Jahre 1611 genauer über den Schirm in Italien, wo um das Jahr 1600 der Regenschirm schon allgemeiner wurde. Don Die StaAtverorönetenwahl. Das„8-Uhr-Abendblatt" brachte gestern abend die bestimmte Mitteilung, daß die Neuwahlen zur Berliner Stadtverordnetenver- sammlung am 9. Oktober stattfinden werden. Zwar ist dieser Termin in den letzten beiden Tagen wiederholt genannt worden, wie wir aber durch Nachfrage an zuständiger Stelle haben feststellen können, steht der Tag der Neuwahl noch keineswegs fest, wiewohl man auch im Rathaus annimmt, daß der 9. Oktober, der ein Sonntag ist, der Wahltag sein wird. Weiter bringt das Blatt die folgende merkwürdige und be- fremdende Mitteilung: „Als gestern das Urteil des Oberverwaltungsgerichts ihm(dem Stadtverordnetenoorsteher) in einem Exemplar zugestellt wurde, begab sich der Stadtverordnetenoorsteher zum Bürgermeister, wo sich herausstellte, daß der Magistrat, obgleich der Inhalt des Urteils schon seit etwa 14 Tagen bekannt ist, mit der Regierung noch keinerlei Fühlung wegen Schaffung eines Uebergangs- stadiums, das die Weiterführung der Stadtgeschäfte ermöglicht, ge- nommen hatte. Nach unserer Anfrage, die wir sofort an eine an völlig unterrichteter Stelle stehende Persönlichkeit richteten, erhielten wir zur Antwort, daß diese Mitteilung nicht zutrifft. Der Magistrat stehe im Gegenteil seit geraumer Zeit wegen der Schaffung des Uebergangsstadiums mit dem Minister des Innern in Verbindung und Unterhandlung._ Em Vciterlanöshelö. Wie wir berichteten, hatte in der Hamburger Bürgersibaft der deuischrationale Oberlehrer Dr. Ridderhoff durch Vorwürfe, die er einem Teil deS deutschen Volkes wegen seiner Haltung während des Krieges machte, stürmische. Szenen in einer der letzten Sitzungen hervorgerufen.— Wie nnS aus Hamburg gedrahtet wird, wurden aus der Mitte der Bürgerschaft nun dem Herrn Vorwürfe gemacht, daß er sich, in, Gegensatz zn seiner nationalistischen Haltung nach dem Kriege, während de» Kriege» vom Kriegsdienst gedrückt habe. Auch seinen Sohn habe er vor- sucht, reklamieren zu lassen. Darauf hat die deutschnationale Fraktion für ihr Mitglied Stellung genommen und die Beweise für die Bchaupturrgen verlangt. In der gestrigen Sitzung der Hau,- burgcr Bürgerschaft wurde nun an der Hand von Briefen, die Dr. Ridderhoff selbst bezügllch seiner Reklamation an die vor- gesetzten Behörden gerichtet hatte, ein fürchterliches Gericht über ihn gehalten. Er wurde von mehreren Rednern der sozial- demokratischen und der demokratischen Fraktion für porlamen- tarisch tot erklärt. Unter lebhasrem Beifall wurden die Anwürfe des Oberlehrers, der zwar in seinen Phrasen national, in den Handlungen aber nichts weniger als das war, an den Pranger gestellt._ Uaterfuchungsaussthuß für Mittelöeutschlanü In den nächsten Tagen wird eine Kommission von sieben Mit- gliedern, zu der jede Partei ein Mitglied stellt, sich nach Mitteldeutschland begeben,, um die Verhältnisse in Mittel- deutschland, besonders auch im Leuna-Werk, zu studieren und mit einzelnen Persönlichkeiten Fühlung zu nehmen. Die Kommiß sion soll die Verhältnisse studieren, die damals bei Ausbruch der Unruhen vorgelegen haben. Besonders soll geprüft werden, ob ein Teil der Schuld vielleicht auf schlechte Informationen der Regie- rungsstellen zurückzuführen ist. Die Untersuchung hätte mehr be- deutet, wenn sie früher gekommen wäre, denn es sollen doch Tat- bestände und Angaben über-solche geprüft werden, die sich schon längst in Urteilen, in Gefängnis und Zuchthaus ausgewirkt haben. Dennoch wird die Untersuchungskorrrmission bei gründlscher Arbeit noch viel Nutzen stiften können. Rheinland im Reichsrat. Der rheinische Provinziallandtag wählte in den Reichsrat den Abg. Landgerichtsrat Dr. S ch u- macher- Köln(Ztr.) und seinen Stellvertreter, den Abg. Redakteur Paul G e r l a ch- Düsseldorf(Soz.). 2 und Zffz. Vandervelde(2) ist zu Besprechungen mit der Sozialistischen Partei Frankreichs(2l/zl über die Londoner Konferenz nach Paris gereist. Italien kam er nach Frankreich, bürgerte sich aber erst unter Ludwig XV. dauernd ein. Sehr bekannt in Nordeuropa wurde der Schirm durch die Schil- derung des Sonnenschirms des Robinson Crusoe in der be- rühmten Erzählung Dsfoes, die im Jahre 1719 zum erstenmal er- schien. Zu gleicher Zeit kamen auch die ersten Schirme in Eng- l a n d auf. Sie fanden jedoch keine gute Aufnahme und es war nur dem Philantropen Jonas Hanway zu verdanken, daß der Schirm sich im Verlauf eines Menschcnalters durchsetzte. Für Han- way war es stets ein wahres Sprehrutenlaufen, wenn er sich mit seinem fremdartig anmutenden Dach auf der Straße zeigte. Er wurde von der Menge verfolgt, verspottet und oerhöhnt. Aber mit löblicher Zähigkeit trug er Zeit seines Lebens den Schirm mit sich. Endlich, kurz vor seinem Tode, hatte er die Genugtuung, daß durch ihn der Regenschirm in England Ein- gang fand. Um das Jahr 1755 wurde der Schirm durch eine Nürnberger Firma aus Frankreich in Deutschland eingeführt. Die Männer des 18. Jahrhunderts bedienten sich aber noch nicht häufig des Regen- schirms. Erst die Leute der Biedermeierzeit trugen ihn mit Würde und Behagen. Er wurde das Symbol dieser gemütlichen und vorsichtigen Epoche, und seitdem gehört er auch bei uns zum unveräußerlichen Besitz unseres alltäglichen Leben». Dag Slaaksthealer Im nächsten Spiessahr. Die Intendanz un- seres Staatlichen Schauspielhauses plant für die kommende Saison die Aufführung folgender Dramen: Schiller:„Don Carlos" und „Die Braut von Messina": Goethe:«Faust I": Shakespeare: „Othello" und„Hamlet": Grabbe:„Herzog Theodor von Got» land": Calderon:„Der standhafte Prinz"(in neuer Bearbeitung und Uebersetzung).— Von neueren Werken wurden folgende ge- wählt: Fritz von Unruh:„Prinz Louis Ferdinand": Ger- hart Hauptmann:„College Crampton": Strindberg: „Karl XII.": Moritz Heymann:„Joachim von Brandt".— In Aussicht genommen wurde ferner ein neues Werk von Carl Zuckmayer. Die Reihe der Erstaufführungen wird im September eröffnet durch Ferdinand Raimunds„Die gefesselte Phantasie", mit der von Felix Mottl bearbeiteten Musik Franz Schuberts. Staatliche Beihilfen gegen Tuberkulose. Nachdem schon die in den preußischen Staatshaushalt eingestellten Mittel für Beihilfen zur Bekämpfung der Tuberkulose oerstärkt sind, erweitert der preu- ßische Volkswohlfahrtsminister, wie in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, die bisher maßgebenden Grundsätze zur Verteilung dieser Staatsmittel. So können jetzt Staatsbeihilfen auch gewährt werden an leistungsschwache Gemeinden und Kreise sowie private Wohlfahrts- Organisationen, um Einrichtungen und Anstalten zur Heilung der Tuberkulose zu unterhalten. Bedingung ist nur, daß es sich dabei um die Beseitigung vorübergehender finanzieller Schwierig- ketten handell. Sodann können Beihilfen gewährt werden zur Neunzig Tage vom Sieg entfernt. Endlich hat die Rechtspresse für die Hundstage den richtigen Agitationsbraten erwischt. Aus der Eröffnungssitzung der Reichs- landwirtschastskonscrenz Englands und seiner Kolonien in London hat der Minister von Australien eine Rede gehalten, in der er u. a. sagte, während des Krieges sei Großbritannien nur 99 Tage von einer Hungersnot entfernt gewesen! Besäßen die reaktionären Blätter einige ObjektivitSt. dann wären sie so anständig, ihren Lesern mitzuteilen, daß der Minister die Be- merkung gemacht hat, um zu zeigen, wie notwendig es für Eng- land sei, den intensivsten Handel mit den eigenen Kolonien zu treiben und von Zufuhrep der Vereinigten Staaten unabhängig zu bleiben. Erfährt man dies, dann bekommen die 99 Tage ein ganz anderes Gesicht. Aber daran ist den Rückschrittsblättern gar nichts gelegen. Sie biegen die Sache ein bißchen um und jubeln wie die „Deutsche Zeitung":„Noch99Tage hätten wir aushalten müssen und die vier Jahre Heldentum wären nicht vergeblich gewesen. Neunzig Tage länger ein Volk in Waffen— und niemals ein Volk in Sklavenketten. Neunzig Tage zu früh: der 9. November!" Jetzt wird nun auch das kleinste patriotische Käseblättchen draußen in der Provinz erzählen, wir hätten„nur noch ein Viertel- fahr" aushalten sollen, dann wären heute wir oben und die anderen unten. Mit Dcrnunftgründen ist den Leuten, die so etwas glauben, nicht beizukommen: deswegen wollen wir daran erinnern, daß Deutschland schon im Jahre 1914 nur durch einen G l ü ck s u m st a n d den Krieg nicht verloren hat! Damit man nicht etwa denkt oder behaupten kann, es handele sich bei unserer Fest- stellung um eine einseitig orientierte Duelle, sei derjenige genannt. der diesen Elücksumstand feierlich auf einer nichtöffentlichen Tagung der Militärjuristen in Brüssel betonte. Es war der Vorsitzende der Reichsentschädigungskommission Hiekmann. Er teilte seinen verblüfft aufhorchenden Zuhörern mit, daß Deutsch- land im Winter 1914/15 den Krieg aus Mangel an Pulver verlor en hätte, wenn nicht zum Glück in Antwerpen große Salpeterlager erobert worden wären. Das Kriegsministerium und der Große Generalstab, die Regierung und die berühmten Fachleute des alten Systems, sie aue zusammen, so oft sie auch vom kommenden Krieg geredet hatten, sie hatten nicht einmal dafür gesorgt, daß Deutschland für ein halbes Jahr Krieg die nötigen Rohstoffe zur Pulverherstellung besaß! Amüsanterweise ist es dann der„berüchtigte Jude" Rathenau ge- wesen, der durch die Ausbildung der Kriegsrohstofforganisation da- fiir sorgte, daß durch Gewinnung von Stickstoff aus der Luft ge- nügend Salpeter für die deutsche Kriegführung erzeugt wurde. Also schon 1914 hing das Schicksal Deuffchlands an einem seidenen Faden. Wie lächerlich die Behauptung ist, daß man durch Warten und durch noch längeres Hungern noch hätte gewinnen können, zeigt auch die Argumentation der„Kreuz-Zeitung". Sie meint, aus den Aeutzerunpen des australischen Ministers gehe hervor, wir hätten ddn unbeschränkten U-Boot-Krieg früher beginnen müssen. Dann wären also wohl die 99 Tage am 9. November schon vorübergewesen und wir hätten im November 1918 den Krieg gewonnen? Man sollte nicht glauben, daß es Menschen gibt, die derlei Unsinn reden. Deutschland hat doch bekanntermaßen dcn un- eingeschränkten U-Boot-Krieg begonnen, ohne im Besitz einer ernsthaften U-Boot-Flottille zu sein. Die Herren von rechts rönnen sich trösten, sie kommen sicher ins Himmelreich, wenn wahr ist, was in der Bibel steht, daß die die größte Aussicht haben hineinzukommen, die geistig arm sind. Die große Truppenrevue des 14. Zuli in Pari? ist angelMich wegen der Hitze ausgefallen Im(Rheinland hat sie den Klimbim nicht gehindert.) Die„Humanitö" verzeichnet mit Genug- tuung das Gerücht, daß die Parade aus Besorgnis antimilltarini- scher Kundgebungen ausgefallen sei. Di» Deutschen in Australien. Die australische BundeSversamm- lung hat eine„kgl." Kommission ernannt, welche die Loyalität der deutschen Bewohner Australiens mit dem Ziele untersuchen ioll. den öffentlichen Verwalter des während des Krieges beichlag- nabmtcn Eigentums zu einer Eutscheivung über seine R ü ck- e r st a t t u n g zu führen. ersten Anlage von Einrichtungen und Anstalten, wenn die Mittel zur weiteren Durchführung des Unternehmens gesichert sind. Bor- aussetzung dabei ist in der Regel, daß sich auch die Krankenkassen, Versicherungsanstalten usw. in angemessener Weise an der Kosten- deckung beteiligen. Auch von privater Seite geschaffene Anstalten können vom Staat unterstützt werden. Sodann ist es möglich, aus- nahmsweise Beihilfen für theoretische wissenschaftliche Arbeiten zu gewähren, die aus Verhütung und Heilung der Tuberkulose un- mittelbar abzielen. Die Prüfung der Maschinenschreiberin. Interessante Versuche über die Befähigung zum Maschinenschreiben sind von dem staatlichen Laboratorium für Berufseignung in Cambridge angestellt worden. Es wird dabei ein elektrischer Apparat verwendet, der abwechselnd rote, grüne und gelbe Lichter zeigt, und eine Stoppuhr, die den hundertsten Teil einer Sekunde angibt. Die Lichter flammen in unregelmäßigen Zeiträumen getrennt auf, und der zu Prüfende muß jedesmal sofort den Knopf niederdrücken, der das aufflammende Licht auslöscht. Die Uhr, die ebenfalls elektrisch kontrolliert wird, verzeichnet die Länge des Zwischenraums zwischen dem Aufflammen des Lichts und dem Auslöschen. Diejenige Maschinenschreiberin, die in der geringsten Zeit das Licht zum Verlöschen bringt, soll für dcn Beruf am geeigneisten sein. Einige der Mädchen brauchten zwei Zehntel Sekunden, um das Licht auszulöschen. Andere brauchten vier Zehntel Sekunden. Wer eine halbe Sekunde braucht, um den Knopf niederzudrücken, der ist zum Maschinenschreiben nach dieser Eignungsprobe nicht befähigt. Das belgische Trohköpschen. Ein Internationaler Kon- greß für Medizin und Arzneikunde findet gegenwärtig in Brüssel statt. Trotzdem das internationale Rote Kreuz auf dem Kongreß vertreten ist, sind die deutschen Gelehrten wiederum ausgeschlossen worden. Daß durch eine Teilnahme der deutschen Mediziner die Be- ratungen des Kongresses und die Fortschritte der medizinischen Wissenschaft gefördert werden würden, bezweifeln wohl auch dies« „Internationalen" nicht. Aber ehe sie ihren blöden Haß gegen alles Deutsche unterdrücken, schädigen sie lieber sich selber.„Ist meinem Vater ganz recht, wenn ich mir die Finger abfriere— weshalb kauft er mir keine Handschuhe!" sagte der eigensinnige Junge und ging bei 29 Grad Frost mit bloßen Händen spazieren. Die Stubenfliege, unser anscheinend so harmloser Haus- und Tischgenosie, ist in Wirklichkeit einer der schlimmsten Feinde der Menschheit. So ziemlich alle ansteckenden Krankheiten, Typhus, Brechdurchfall, Tuberkulose, Milzbrand, Pocken, Scharlach, bringt sie uns als Gegengeschenk für unsere Gastfreundschaft. Da die Fliegen- plage jetzt wieder in größerer Stärke auftritt, sei an ihre gesundheits- schädliche Seite erinnert._ «rbriter-KunftimSsteNmi«, Petersburger Straße Zg. Die KollellivauSslellung des ZlrbeiterinalcrZ Otto Nagel ilt nur noch VIS Zt. Juli. Am morgigen lsonntag finden voimittaaS 10 und abends 7 Uhr Führungen statt. „Mining-- nnS der„Stromtid-- gestorben. An Süd, in Mecklen. bürg starb dieser Tage eine Frau Ingenieur Boß, die in ihrer Jugend jür Fritz Reuter d«S Borbild zum Mining tu der»Stromtid' gewesen ist. !tt. ZZl<>Z§. Jahrgang Beilage öes vorwärts Sonnabettö, lö. FuU?H2l GroßSerün Lehnin. Eins der ältesten Klöster der Mark Brandenburg ist Kloster Lehnin. Seine Gründung erfolgte um 1180; Mönche des Klosters Sittichenbach bei Eisleben wurden hierhin versetzt. Von den alten Baulichkeiten ist nur noch wenig erhalten; im Lauf der Iahrhun- derte wurde viel umgebaut und ausgebessert. Am bemerkenswer- testen ist das„Königshaus'" aus dem 15. Jahrhundert, in dem ein kleines Museum untergebracht ist. Dom Potsdamer chauptbahnhof fahren wir mit dem Fernzug bis Groß-Krcuz und dann mit der Kleinbahn weiter nach Lehnin. Die schöne Wald- und Wasserumgebung hat Lehnin zu einem be- liebten Ausflugsort und Sommeraufenthalt gemacht. Viele Seen liegen in der Umgebung des Ortes, so der Klostersee, Mühlenteich, Gohlitzsee, Mittelsee, Schampsee und Kolpinsee. Im Klostergarten stehen alte hohe Linden, die höchsten der Ge- gend. Wir verlassen Lehnin gen Ost auf der alten Potsdamer Land- straße, die sich, von alten Eichen begleitet, durch den Wald zieht. Bald biegen wir rechts ab zum Schampsee und Kolpinsee, zwei echte märkische„Waldaugen" die in stiller Ruhe und Abgeschieden- heit in dem verträumten Walde liegen. Auf dem Westufer des Kolpinsees wandern wir gen Süd zum Luchgraben. Von der über den Graben führenden Luchbrücke(die zweite Brücke) in östlicher Richtung nach Resau. Diese kleine Siedlung ist in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts berühmt geworden durch den „Spuk von Resau", der sich aber später als ein geschickt ausge- führtes Taschenspielerkunststückchen entpuppt hat. Von Resau kommen wir in nordöstlicher Richtung über die Kcnneberge nach Bliesendorf, das am Nordhang des Krummaten- berges liegt. Wir durchwandern dos Dorf und verlassen es gen Nordost auf der Straße nach Glindow. Sobald wir aus dem Walde treten, sehen wir die chäuser dieses Ortes vor uns. Durch Glindow kommen wir nach Werder. Am Osthang der ehemaligen Lehniner Weinberge, die jetzt die Werderschen Obstgärten tragen, wandern wir zum Bahnhof Werder. Weglänge etwa 22 Kilometer. Ab- fahrt früh 8 Uhr 10 Min. oder bereits abends 7 Uhr 20 Min. Nie wieder Z?rieg! Vor einigen Tagen brachten wir die Mitteilung von einer für den 31. Juli, dem Tag des Kriegsausbruchs, geplanten großen Demonstration aller am Völkerfrieden und Bölkerverständigung interessierten Groß-Berliner Organisationen, Bünde und Vereine. Wie wir soeben hören, hat auch dieBerlinerGewerkschaftS» kommiision die Teilnahme der Gelverkschasten an dieser machtvollen Kundgebung aller Friedensfreunde beschlossen. Der rabiate Schwiegersohn. Wegen qualifizierten Hausfriedensbruches und gefährsicher Körperverletzung hatte sich der Gastwirt Paul O b st aus der Lippehner Straße vor der 1. Strafkammer"des Landgerichts III zu verantworten. Der Angeklagte, der verschiedene Jahre in Frankreich, England und Aegypten als Oberkellner tätig gewesen war, hatte in Kairo bei der Seefahrt einen Sonneisstich und dadurch eine dauernde Schädigung seines Nervensystems erlitten. Er hatte im November 1919 die Tochter eines Elfenbeinschnitzer? in Bernau kennen ge- lernt, sie geehelicht, aber sich schließlich wieder von seiner Frau ge- trennt: dann ergab er sich dem Spiel und dem Trunk, fuhr eines Tages nach durchzschter Nacht nach Bernau und schickte einen ihm bekannten Schankwirt, der ihn begleitete, zu seinen Schwieger- eltern voraus, weil er von diesen etwas Geld für die Reise zu seinen Eltern haben wollte. Als der Angeklagte dann nachkam, stemmte er, um die Tür offenzuhalten, den Fuß zwischen die Türe. In dem Augenblick schlug ihn sein Schwiegervater mit einem � Gummiknüttel auf den Arm, was den Angeklagten so in Wut ver-, setzte, daß er eine Pistole, die er bei sich hatte, hervorzog und d r e i Schüsse in das Wohnzimmer seiner Schwiegereltern abfeuerte.! Durch diese Schüsse erhielt der Schwiegervater einen Streif- schuh am Kopfe, ein zufällig anwesender junger Mann einen schweren Beckenschuß. wegen dessen der Verletzte wachen-> lang im Krankenhaus- liegen mußte und seine Ehefrau einen Schuß in den Ellenbogen. Dem Angeklagten wurde ferner zur Last ge- legt, daß er seine Ehefrau die Treppe hinuntergeworfen habe, wo- durch die Frau einen komplizierten Schädelbruch erlitt. Diese Tat bestritt der Angeklagte aufs entschiedenste. Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Gefängnis. R.-A. Dr. I o h a n n y führt für den Angeklagten ins Feld, daß dieser nach dem ärztlichen Gutachten minder zurechnungsfähig sei und sich in- folge seiner unglücklichen Ehe und des Verhaltens seiner Schwieger- eltern in furchtbarer Erregung befunden habe. Daß er seine Ehe- frau die Treppe hinuntergeworfen, sei nicht erwiesen. Das Gericht kam mit Rücksicht auf den Nervenzustand des Angeklagten zu der Strafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis, rechnete 9 Mo- nate als verbüßt an und bewilligte dem Angeklagten eine Ve- währungsfrist für den Rest der Strafe. Hölz ins Znchthaus überführt. Nachdem die übrigen Straftaten des Vandenführers H ö l z nicht mehr zur Aburteilung gelangen können, da die Dresdner Justiz- behörden auf einen neuen Hölz-Prozeß verzichtet haben, gelangt nunmehr das vom Sondergericht beim Landgericht I Berlin gefällte Urtell zur Vollstreckung. Am Donnerstag dieser Woche wurde Hölz aus dem Moabiter Kriminalgericht abtransportiert. Da Hölz auch jetzt wieder, wie schon während des Prozesses, der Behörde gegen- über die Befürchtung aussprach, er würde auf dem Transport bei- feite geschafft werden, hatte die Oberstaatsanwaltschaft ausdrücklich die Genehmigung gegeben, daß der Verurteilte von einem seiner Verteidiger auf dem Transport begleitet werde. Hölz, dessen einer Fuß mit einer eisernen Kette beschwert war, die jeden Fluchtversuch ausschloß, wurde von Staatsanwalt- schaftsrat Dr. Jäger, Polizeimajor Freitag, feinem Verteidiger Iustizrat Dr. Broh und einem Kriminalbeamten begleitet. Dem Kraftwogen folgten zwei weitere Autos mit höheren Schupo-Offi- zieren und Kriminalbeamten. Das Ziel der Fahrt war vorher streng geheim gehalten worden: es war Münster in Westfalen. Bauklehrlinge«nd Lebejünglinge. Die sich immer mehr ausbreitende Großmannssucht junger Buriwen trat auck in einer Verhandlung zutage, welche gestein die Ferienstraskammer des LandgeiichlS III beschäftigte. Wegen sckiwerer Urkundenfälschung und Unterschlagung waren die Banklehrlinge Otto Äirstein aus Charlottenburg und Rudolf Hassel angc- klagt. Die beiden jungen Leute waren bei der Dresdner Bank an- gestellt gewesen und hatten hier Gelegenheit gefunden, insgesamt 30 000 M. in kleineren Teilbeträgen an siw zu bringen und diese Veruntreuungen durch Fälichungen zu verdecken. Mit dem Gelds spielten die jungen Herrchen in den Tanzsälen und Bars ihren Dämchen gegenüber den noblen Kavalier und gaben das Geld mit vollen Händen aus. Der Staatsanwalt beantragte je IV« Jahr GeiängniS. Das Gericht erkannte auf je neun Monate Ge- f ä n g n i»._ Grundbesitzer gegen städtische Wasserwerke. Ein grundlegendes Urteil, welches der Stadt Berlin sehr vielen Schaden bereiten kann, ist dieser Tage vom Landgericht I Berlin ge- fällt worden. Bei der Neuanlage von Tiefbrunnen für die Wasser- Versorgung der Stadt Lichtenberg, die im sogenannten Kaulsdorfer Busch kprz vor dem Kriege gegraben und im Jahr? 1915 in Betrieb genommen worden sind, wurde dem Voden so viel Wasser entzogen, daß den Anliegern dieser Gegenv ein bedeutender Schaden durch den Minderertraq ihrer dort belegenen Grundstücke entstand. Aus einer Reihe von Schadenersatzprozessen, die eine Anzahl Grundbesitzer der dortigen Gegend gegen die Stadt Lichtenberg, jetzt gegen die Stadt- gemeinde Groß-Belrin anstrengten, sind jetzt vier Klanen, die von der Stadt einen Schadenersatz oov 10 000 bis 145 000 M. verlangen, durch Urteil vom 11. Juli dahin«.n.schieden worden, daß die Schaden. srsatzansvrllche der Kläger dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt worden sind. Wie wir hören, sind die soeben gefüllten Urteilssprüche nur die Vorläufer für eine ganze Reihe weiterer Entschüdigungs- Prozesse._ „ssShigkeltSprüfnng" bei der Post. Don einem auf die P a t e t b e st e l l u n g der Post sich be- ziehenden Fragebogen, der bei den Postämtern wohl schon vor langer Zeit eingeführt wurde, aber noch jetzt in Gebrauch ist, gibt ein Post- beamter uns Kenntnis. In dem durch die Paketbcsteller von Zeit zu feit auszufüllenden sonderbaren Schriftstück, das offensichtlich den weck hat, die Leistungen der Paketbesteller zu ermitteln, wird ge- fragt hoch: Ausdehnung des Bestellreviers in Metern(Strahenzüge vom Anfangs- bis zum Endpunkt gemessen), Dauer der Anfahrt bis zum Anfangspunkt des Reviers, der Rückfahrt vom Endpunkt des Reviers, Bespannung(Pferdezahl), Beförderungsmittel(Art des Wagens), Zahl der Mitfahrer, Dauer der Vorbereitung und Zu- schrift, Dauer der Bestellung im Revier, Zahl der zu bestellenden Pokete, der dabei zu besuchenden Wohnungen, im besonderen der Wohnungen mit Einschreib-, Wert- oder Nachnahmesendungen, Dauer der Ablieferung und Rückschrift, Zahl der zurückgebrachten Pakete: ferner: Name. Amtsbezeichnung und Lebensalter des Be- stellers, Urteil über seine Auffassungsgabe, über seine Beweglichkeit, über die Beweglichkeit der Mitfahrer, Name und Amtsbezeichnung des feststellenden Beamten. Wir sehen, daß trotz der Paviernot die Behörden nicht davon lassen, ihre Aktenschränke mit„Material" vollzustopfen. Man könnte den Fragebogen amüsant finden, wenn nicht die zuletzt aufgeführten Fragen, deren Beantwortung selbstverständlich durch den Aus- s i ch t s b e a ni t e n ersolgt, erkennen ließen, daß dieses Frage- und Antwortspiel oft von verhängnisvoller Be- deutung für einen Pakeibe st eller sein dürfte. Wie da manchmal das Urteil des Vorgesetzten ausfallen wird, kann man sich denken. NeichSweHnuinisterium nnd Kriegsbeschädigte. In Nr. 327 des„Vorwärts" vom 14. Jnli war bemängelt worden, daß das Reicbswehrministerium die Kaiernen im Norden nicht zur Unterbringung eines VersorgungSamtes für Nieder- und Obelbarnim zur Veriiigung stelle. Dazu crllärt das Neichswebr- Ministerium, daß diese Kasernen schon seil langer Zeit an das Reichs schatzmini st eri»in abgegeben worden seien. Nur die Moabiier Kasernen gehörten noch dem Neichswehrmiuisteriuin und seien bis unter das Dach belegt. Die Talsache, daß in den Kasernen Räume zur Unterbringung de? Borsorguiigsamtes vorbanden sind, wird durch diese Erklärung nickt bestritten. Wir sprechen die bestimmte Hoffnung auS. daß das Reichsschatzministcriiim den Wünschen der Schwerkriegsbeschädigten Rechnung irag-n wird. Die Tätigkeit der bisherigen Gewerbcgerichie und Kaufmanns- gerichke Groß-Bcrlins braucht, obwohl die Mandate der Beisitzer am 30. Juni endgültig erloschen sind und die Wahlen der neuen Beisitzer für das einheitliche Gewerbegericht und für das einheitliche Kaufmannsgericht erst im August vollzogen werden, keineswegs ganz eingestellt zu werden. Bekanntlich können die Klagcsachen, wenn die streitenden Paiteien beide einverstanden sind, durch den Borsitzenden der Kammer allein erledigt werden. Die Vorsitzenden aber können auch nach Erlöschen der Beisitzer- Mandate weitcramtieren und mindestens in Berlin geschieht das tatsächlich. Es ist also hier nach wie vor die Möglichkeit gegeben. Eni- scheidungen durch die Borsitzenden herbeizuführen. Hiernach hat wenigstens bei Einverständnis beider Parteien niemand nötig, bis zum Zusammentritt des neuen Gewerbegerichts und des neuen Kauf- mannsgerichts das Amtsgericht als Ersatz zu nehmen und dort sein Recht zu suchen. Das ist auch keinem zu raten, da ja die Amts- gerichte es gerade an dem fehlen lassen, was einen der Vorzüge der Gewerbe- und Koufmannsgerichte bildet, nämlich an der Be- schleunigung ihrer Arbeit. S400 M. Papier für 200 IN. Gold. In Lickiteiiberq zahlte beule eine Dame 200 M. in Goldgeld an, Sckiallcr des Poilanils 32 ein. Darob großes Gemurmel im Schaitervoiraum. Die Folge hiervon war, daß der Beamle etwas nervös winde und der Dame den doppellen Kursweit in Papiergeld, also stall 3200 M.. 6400 M. zahllc. Da der Beamte iür deit zuviel tzezahllen Betrag eriatz- pffickilig ist und die Dame sick> bisher nockl nickit freiwillig gemeldet hal, werden Zeugen des Vorganges, nainenlbcb der Herr, der mit der Dame ein kleines Wortgeielvr sührte, gebeten, sich beim Postamt 32 in Lichicnberg zu melden. Der vergessene Haftbefehl. Besondere' Glück hatte gestern ein Angeklagter, der Kulscker Ariur Röhrt ch. welcher von der Slrai- kanrmer zu zwei Jahren Zucht h au s vem teilt worden war. Offenbar in der Annahme, daß sich R. schon in Uiiierluchungsbalt befinde, unterließ es der Nnllaacvcrlrclcr, wie es sonst bei einer so hoben Slrafe üblich ist, gleichzeitig auch den Antrag auf sofortige Verbaslung zu stellen. Als die'er Irrtum sich auftlärte und der Haflbefehl vom Gericht ausgesprochen war, ergab e« sich, daß der Angeklagte inzwischen verduilet war. Obwohl man das ganze Ge- bände absuchle, blieb R. verschwunden. Der geheimnisvolle lirefferstecher. Trotz Festnahme durch ein« Streife der Sichkrhcitspolizci verweigerte ein unbekannter Mann, der an der Trabrennbahn Nnhleben den Kassierer Paul Neumann über- fallen und durch Messerstiche am Kopf verletzt hatte, jegliche Auskunft über seine Personalien. Der Täter trug auch keine P-rsonalpapiere bei sich. Das Befinden des Verletzten ist zufriedenstellend. Berlin bei Nacht. Um das Berliner Nachtleben kennen zu lernen und sich von den Anstrengungen seines Berufes zu erholen, begab sich 30j Die Racher. Roman von Hermann Wagner. „Gewiß." sagte Reisner.„darin haben Sie recht. Nur vergessen Sie das eine: niemand würde in unserem zwacke geglaubt haben, daß Sie einem Verbrechen zum Opfer ge- fallen seien, jedermann würde an einen Unfall geglaubt haben!" Herr von Webenau schwieg. Reisner sah ausdruckslos vor sich hin ins Leere.„Sie ahnen nicht, junger Mann, wie häufig sich solche Unglücksfälle ereignen. Ich selbst weiß von einem, der— es sind nicht viel mehr als zwei Jahre her— auf der Hamburger Außenalster passiert ist.",... Er schien völlig apathisch und femen Erinnerungen hm- geaeben.„Es war damals ein Tag wie dieser. Zwei Manner ruderten in einem Boot. Mitten auf dem Wasser gerieten sie in einen Streit. Und wissen Sie, was der Grund ihres Strei- tes war? Ein Weib! Der eine von den beiden war der Gatte d'es's W«.ibes— gewiß, kein Mann, der Sympathien ver- diente, denn er mißhandelte die Frau, die der andere liebte. Immerhin, er büßte an diesem Tage schwer, denn, was glauben Sie, was geschah?" v>. In dieser Frage lag ein swmmer Schmerz, vor dem der junge Mann im Innersten erbebte. Scheu und verstohlen sah er zu dem hin, der ihn in diesen Augenblicken in semer Hand hielt und den er trotzdem nicht nur hassen konnte. Was war der Grund? Welch einem Rätsel sah er sich da plötzlich � �„Der Gatte jener Frau, um die der Streit entbrannt war, ertrank,— ertrank vor den Augen dessen, der ihn aus dem Boot ins Wasser geschleudert hatte." ergänzte Reisner rn einem Tone, der etwas Feierliches hatte.„Und wer, glauben Sie, war der Mörder?" „Jener... andere," sagte Herr von Webenau wcher- willig und mit vor Spannung angehallenem Atem. „Falsch! Die Frau!" „Die Frau?" „Sie sind erstaunt?" Reisner machte eine zornige Ge- bärde.„Sie wären es nicht, wenn Sie älter wären und sich Nicht von einem Schein blenden ließen, der immer trügt! Was wissen Sie von den Frauen? Sie glauben dem Gesicht, das Sie anlächelt, weil Sie jung und hübsch sind, und das Sie doch verraten wird, wenn Sie nicht blindlings das tun, was es will. Sie sehen in der Liebe noch ein Spiel, wo sie doch ein Kampf ist, ein Kampf, in dem der Mann unterliegen muß, weil er der Arglosere ist. Denn nur Lumpen und Zyni- ker beherrschen die Frauen!" Er fuhr sich mit dem Aermel seines Hemdes über die be- perlte Stirn.„Verzeihen Sie mir, wenn ich vorhin heftig zu Ihnen war und Worte und Drohungen gebrauchte, die Ihnen gegenüber nicht angemessen waren. Aber ich mußte meine möchte Sie zugleich anflehen, diesen Ort schleunigst zu ver lassen, ohne sich zu besinnen, ohne sich noch einmal umzuwen den... Die Sache sitzt nicht tief in Ihnen, glauben Sie mn das: das Ganze war nicht mehr als ein« Tändelei, die Sie vergessen werden, sobald Sie �andere Frauen treffen... Jene eine Frau aber ist nichts für Sie, sie gehört nicht Ihnen, sie gehört einem anderen,— und ich müßte Sie töten,— wenn... Aber lasten wir das! Sagen Sie mir. daß Sie mir folgen und diesen Ort unverzüglich verlassen werden!" Dem anderen war, als träume er. Er suchte nach scharfen Worten, um diesem Menschen, der so tat, als könne er über ihn verfügen, zu antworten. Allein er fand keine Worte, ob- gleich nichts von Furcht mehr in ihm war. Ein großes Stau- neu hielt seine Sinne umfangen.„Sie reden so sonderbar m-t mir," sagte er nach einer Weile,„so sonderbar, wie noch nie ein Mensch mit mir gesprochen hat. Meine Gedanken sind ver- worren, und ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll. Alles, was Sie mir scheinbar erhellen wollen, wird doch nur um so dunkler... Sie erzählten mir vorhin von einem Mord auf der Hamburger Alster. Sagen Sie mir eins! Waren S i e jener Mann—?", Reisner senkte die Augensider und schien doch seinen Part- ner fest anzustarren.„Rein," sagte er,„i ch war es nicht!" „Wer war es?" „Ein anderer, der noch im Gefängnis sitzt,— noch zehn lange Jahre..." „Und wer war jene Frau?" „Jene Frau, auf die der Gefangene nun wartet? Die der Antrieb zu seinem Verbreche» war? Die er verfluchen müßte, verfluchen und hassen, und die er dennoch liebt, d:e er liebt und auf die er wartet, in Hoffnung und Angst,— noch zehn lange Jahre?" ,Ia." Reisner schrie ihn wild cm:„Sie kennen sie, junger Mann!" Herr von Webenau ließ das Steuer fahren. Er zitterte am ganzen Leibe.„Ist... sie... es?" fragte er leise. „S i e ," brüllte Reisner,„j a!" Es gab eine lange Pause zwischen ihnen, in deren Per- laufe Herrn von Webenau alles klar wurde: der Haß und der Schmerz dieses Mannes, in dessen Augen Tränen standen,— Tränen, die er weinte, ohne es zu wissen, die über seine Wangen kollerten und auf den Boden des Bootes fielen, mit dessen Schmutz sie sich vermischten. „Bitte," wandte er sich weich an Reisner,„wollen Sie die Güte haben, nun an Land zu rudern?" „Ja," sagte Reisner abwesend und griff mechanisch nach den Rudern,„gern." Er holte aus, nnd das Boot schnellte, das Wasser lautlos durchschneidend, dem Millstätter Ufer zu. Sie stiegen aus, und Herr von Webenau kettete das Boot an, während Reisner wieder in seinen Rock fuhr. Dann schrit- ten sie nebeneinander dem Seehof zu. Aber noch ehe sie ihn erreicht hatten, machte Herr von Webenau Reisner ein Zeichen, sich mit zu setzen. Eine Bank stand an der Straße. Gegenüber auf einer Wiese mähte ein Mann Heu. „Sind Sie der Freund jenes Mannes, von dem Sie sprachen?" fragte Herr von Webenau. Reisner nickte.„Ja, der einzige, der ihm geblieben ist." „Und ist das, was Sie mir gesagt haben, die reine Wahrheit? „Es ist die reine Wahrheit, ja." „Ich,... ich bin erschüttert," sagte Herr von Webenau. „und ich,... ich fürchte mich. Ja, ich habe Furcht. Und ich möchte— sie nicht mehr sehen..."..... Reisner ergriff seine Hand und drückte sie so stark, als wollte er sie zerquetschen.„Ich danke Ihnen." sagte er mit erstickter Stimme,„ich danke Ihnen im Namen— des anderen!" Sie schwiegen wieder, (Forts, folgt.) ein Parlamentarier in ein Nachtlokal in der Keithstraße. Wie er zu seinem Schrecken feststellte, war er in eine Dergnüciunqsstätte des valutastarken Berlins geraten Sehr„erleichtert� begab sich der Ge- schädigte zur Memmsenwache, welche Zwangsgestellungen in der Woh- nung eines Kaufmanns G> vornahm und den Betrieb schloß. Für Ferienreisen in die Mark bieten die im letzten Jahre ein- gerichteten Kraftwagen-Personenposten günstige Reise- gelegenheit. Derartige Kraftwagen verkehren von Potsdam nach Caputh zum Schwielow- und Lienewigsee, von Potsdam »ach Ketzin lchavel» zur Wublitz und nach dem idvlliichen P a r e g. Sonntags und Montags ist von Potsdam aus(9 Uhr vorm. ab chailptbahnhof) Kloster ßehnin über Baumgartenbrück, Werder und Glindow mit dem Kraftwagen zu erreichen, während an den übrigen Werktagen die Verbindung dorthin vom Bahnhof Werder aus unterhalten wird. Bon Bernau aus besteht eine Linie nach Laake mit seinen Seen und schonen Buchenwäldern. Sonntags fährt ein besonderer Wagen von Bernau unmittelbar zum Liepnitz- jcc. Die R u p p i n er Schweiz sowie die Gegend um Reu- g l o b s o w(Stechlinsee) wird durch Kraftwagenlinien erschlossen, die teils von Reuruppin. teils. von Rheinsberg, teils von G r a n s e e aus oerkehren Die beliebten Ausflugsgebiete bei Zechlin und Zechlinerhütte sind von Gransee über Rheins- bcrq in drei Stunden zu erreichen(ab Berlin Stettiner Bahnhof ÜZ.ö? Uhr nachmittags, ab Gransee 2,25 Uhr nachmittags). In die südöstlich von Berlin gelegenen Gegenden um Königs-Wuster- bansen, Priems,? e u p l tz und Wendisch- Buchbolz führen Postkraftmagenlinien von Königs-Wusterhausen. Groß- Besten, Bahnhof Teupitz, Groß-Köris und Halbe. Die Fahrpläne der Posten hängen auf den Bahnhöfen und bei den Postanstalten aus. Poftverkehr mit Oberfchlesien. Nach Orten des bisherigen Auf- standsgebiets in Oberschlesten sind Postsendungen aller Art wieder zugelassen. Die Wertgren-e für Briefe wird jedoch auf 1000 M. beschränkt, weil die Verkehrssicherheit noch nicht völlig wiederher- gestellt ist. Zuekerbelieferunq. Auf Abschnitt 87 der Berliner Zuckerkarte ist in der Zeit vom 1. bis 15. August 1921 ein Pfund Berbrauchszucker zum Inlendszuckerprei'e abzugeben. Die Goldene Hochzeit feiert heute unser Genosse Maximilian Richter, Am F r i e d r i ch s h a in R r. 27. Wir wünschen ihm, der seit 25 Jahren unserer Partei angehört und seinerzeit den Wohl- verein Karlshorst mit gründete, noch einen langen, glück- lichen Lebensabend. Der tzaleinalionale Artiflenverein veranstaltet im Ufa-Palast am Zoo eine Nachtrorstellunq zugunsten der notleidenden Artisten, die durch den polnischen Ausstand in Oberfchlesien in große Bedrängnis geraten sind. Erste Kräfte der hiesigen Bariete-Biihnen haben sich ausnahmslos zur Derfüciung oestellt. Die Vorstellung beginnt um 1114 Uhr nachts. Die Eintrittspreise sind von 29 M. an aufwärts. Der Vorverkauf hat bereits begonnen an der Kasse des Ufa-Palast am Zoo. sowie an den bekannten Voroerkaufsstellen. Lehrgang für Lbülm, imPflege. An der H ö h e r e n Partner« lehran statt Berlin- Dahlem findet vom 11. diZ 1?. AnaiiN ein Lehrgang für Obstbaumpflege tatrünschilitk usw) batt. Anmeldungen sind an den Direktor der Höheren Gältiierlehranstali Berlin- Dahlem zu richten._ Groß-Ser!mer Partemachrichten. öezirksverbanö Seriin for SPS. Ab heute ist die Adresse des Bezirkslekrekartats mit sämMch-n Nebenstellen: Berlin Sw. SS, Lindensir. 3, 2. Hof. Ausgang 3. 2 Trp. Fernsprechanschtüsse: Amt Akoritzplatz 121 08, 121 09, 121 1(5. Oer Sezirksvvrstanö. ZUarsign, Sonntag, den 17. 3 tili: S. Äxci» Wcdbing. Befichtigunq des Botanischen Garten» in Dahlein. Treff- Punkt vormittags!>?i> Uhr lm Wirtsckjaftshof des B. G. gahlr-iche Beteill» gung wird erwarlet. 4. ,Abt. gamilienausfluz nach Fehlendork-Weg, Sicstaurant Leopold, Alfentirnhe. Treffpunkt frtth 8 Uhr Bahnhof Srohgprschenstrahe. Nachziigler werden im Lokal erwartet. Z0. Vdt. Belichtiaung de» Krematoriums Treptow. Trotfpunkt 8 Uhr vorm. am Bahnhof Banmfchulenweg. ieilr Nachnilgler bis 1 l!hr nachm. im Nestau» rant„fium K-rmat-rium", Klefholz», Ecke Marienthaler Strabe. Kaffee» kochen in der Waldschönke, K.Lniasheide. IZS. Abt. Tegel. Besichtigung der Berliner Wasserwerke. Sammelpunkt See» ' strand, Germania-Klubhaus, vorm. S Uhr. Spsrt. Rennen zu Ruhleben. Freitag. 15. Füll. Nach längerer Paule begannen jeyl in Berlin wieder die Trabrennen und die erste» Rennen brawlen, bei starten Feldern, keine sonderlichen lieber- rastchungen. 1 InIi-PreiS. 1. Tenfel'bart(Schleufener). 2. Elhelbert fAlfr, Missd). Z. McuS(I. Llchtenf). Tot. 40:10. PI. 20. 13. i«:10. Feiner lieien: Floreftiii« II(4), Gladiator I, Loni III. Kogenluft. Ret!!. Eduard 1, Frl. Helene K, Moiuna, Nord'on di4q.. Handfest, Flora Bingen.— 2. Baltan-PreiS. 1. Angriff(Slcinngel). 2. Toni H.(Tpeer). 3. Falter tRm. Schlenn). Tot. 26: lv, PI. 14, Sl, 20:10. Ferner liefen: Fremdling. 14), Eolonel Tillen, Hindenbnrg II, Dünabnrg, FranciSeo, Mamiee, Chbiva. Ouecksilberl di4q., Uammeefrih, Urdenbach, Doppelgänzer.— 3. E b e l! i u S- P r e i S. 1. Seewind(Heublein). 2. Golbllern f. Weil ftteiiiagct). 3. Jaust II(Heckeit). Tot, 15:10, PI 14, 32, 46. Feiner 'icfen: Härder 14), Divinedes, Dr. KelerveS, Ebolsealand I, Peidiun. Wi.heimina, Erster Ovderadcr d!«q., Dr. Adols K., Fred WilkeZ jr.. Mailechen Hl, Ddrffllnger I, Kickeline. Miss Gregor.— 4. Apselblüle- Preis. 1. Eischen cHm. Schleus). 2. Ludmill l IG. Lautenbergt. 3. Huschabell iGrohmnnn). Tot. 9.7: 10, Pl. 12, 14, 11. Ferner liefen: JbirlS Onward 14), Gonvernanle, Heidemann. Aurel, Lindra. Billy II, Heiderode B.— ä. H e r r e n- F a b r e n. 1, Holsteinerin 2(Fiömming), 2/ Topinambur'(Kohr ich). 3. Xaoer(A Falk). Tot. 20:10. PI. 13. 26. •11:10. Feiner liefen; Quecksilber 1. Direktor. Elster Odderaber. Pollur didq.. Brabant t. Bell. Hindenbnrg>1. Tipp Kn er. DotkSIied. C oeus, Turchbruch.— 6. A u S g l e i ch§< R e n n e n. 1. Eiguid IE. Zrenberz». 2. Mackensen iRingiiiS). 3. Harlenfels II. Lichtenj.). Tot. 1.°>1: 10, Pl. 40. 24, 23: 10. Ferne, ltejen: Prachimädel 14>, Fibel. Jupiter III, üluktio.aatoe, Sabar, Jockele, Flagge, Aklionär, Bebdigen, A batroS.— 7 Intet- nationales Rennen. 1. Constantin The Great IGrohmann). 2. Dornräschen ll(Ringius). 3. Bett 1W. Freundtj. Tot. 12: l0, Pi. 12. 15, 17: 10. Ferner liesen: Arabern), Kuierlrud, Gerard A.. iManteuffel.— ll/H a l u» l e- P r e i Z. 1. Oliomar t. Welte IHm. Schleus.-. 2. Peter I fchi0BMa;,n). 3. Relpetl(Stcinagclj Toi. 26:10, PI. 20, 23. 30:10. Feiner liefen: Pupille 14), Handstreich, Hojlakei, Äarla, Amorelle, Draus- gänger II, Bingon jr., Ridalgo II. Arbeitersport. ArbeUer-Nabfabrer-Bunb„Dolida.ität". Sonntag, den 17. Zuli, San» «andcrsahet«ach tsotodam. Eammelstaet der Bezirke 1, 2, Z: Potsdam, Glie- nicker Brücke, um U. Uhr; der Bezirke 28, 24. 25 in Potsdam, am Luftschisf» Hafen, um II Uhr. Die Lokale«nd„Friedrichsgarten" und„Alter Frib". Start sämtliche: Abteilungen und Ortsgruppen an den bekannten Stellen. Be» zirke 4, Z, 8, 9: Kottbus, Eefellfchaftshaus Kolkwitz, U Uhr vorm. Bezirke tz. 16, U: Reppen,„Reichsgarten. Bezirke 12, 18, 14, 15: Soldin,„Schützen- baus". tz Uhr Propagcndafahrt durch die Stadt, anfchlietzend Berfammlung. Bezirke 17. 18, Ist, 26. 21: Templin. Kurhotel IJnh. O. Reiche). Bezirke 22, •tz..7: Pr-i-wati wewerifchafishaus. Die Berfammlungen finden, wo nichts Be- fonder»« demerkt, mittags um 1 Uhr mit Referaten über das Thema„Welche Forderungen stellen wir an Reich, Staat, Kommune und Arbeiterschaft?" statt. Bundesgenossen, auf zur Gouwanderfahrt! Gestaltet sie zu machtvollen Demon» ierationeni— 8. Beziiks-Delbeaben» am Sonnabend, den Itz. Juli, fällt aus.— >rt,gr»Pv««riner. Am Sonnabend, den Itz. Zuli, Lampionfahrt nach Freien» walde. Treffpunkt mit Ortsgruppe Lichtenberg in Tiefenfre. Starl 8 Uhr.- Der»»«l»»»»sch,ft be»»rbeiter.Rnbfnhrer.Bnnde»„Ssltdaeitit", Ortsgruppe Reinickendorf, ist vor kurzem auf der Fahrt von Reinickendorf nach Oranien» bürg ein Karton mit 1 Käppi und tz roten Schärpen verloren gegangen. Der Finder wird ersucht, die flll ihn wertlosen Sachen bei dem Lorsitzenden Otto Sengdusch. Reinickendorf. Lcharnweberftr.>22, abzugeben.— Achtnng, Znag. labler auf nach Pstsdnm! Jugendliche Radfahrer, Treffpunkt msrgeil« 7 Uhr Hallesche» Tor(Zandorf)._ «Srnerber'che bis Sonntag mittag. Trocken und überwiegend heiter, i» den TageSslunden mätzig warm, in der Nacht zum Sonntag, »amenilich im Büiuenlande, wieder ziemlich kühl. Mißtrauen geg (Fortsetzung au» der Abendausgabe.) Innenminister Dominicus(fortfahrend): Mein Erlaß, der angeblich Kommunisten von der Kommunal- Verwaltung ausschfießt, soll sie natürlich nicht auf alle Fälle als Stadträte und Beigeordnete ausschließen. Ich habe aus meiner eigenen Tätigkeit in der Berliner Stadtverwaltung die Erfahrung geschöpft, daß es mitunter sehr nützlich ist, wenn die Kommunisten den Unterschied zwischen Theorie und Praxis am eigenen Leibe ver- spüren!— In der Frage der Aufhebung des Belagerungszustandes tut nach Herrn Heilmanns Ansicht meine Politik den Reichsinteresien Abbruch. Allein das Reichskabinett hat im Einverständnis mit uns die Aufhebung des Belagerungszustandes in den Regierungsbezirken Magdebung und Erfurt sowie in einem Teil des Bezirks Merseburg verfügt, dagegen ebenfalls im Einverständnis mit der preußischen Repierung sich für die Aufrechterhaltung des Belagerungszustandes in Ostpreußen ausgesprochen, wo auch ich seine Aufhebung wünsche, doch erklärt der Oberpräsident es für notwendig, den Behörden jene Mahnahmen in die Hand zu geben, die eins parteipolitische Zerklüf- tung der Bevölkerung Ostpreußens verhindern.(Abg. heilmann (Soz.): Die Parteien sind einstimmig dagegen!) Gewiß, das mag der Fall sein, ich halte mich aber an den verantwortlichen Bcr- waltungsbeamten.— Zur Frage der Konzentrationslager bemerke ich: Im Lager Stargard befinden sich Ausländer, die eigent- lich ausgewiesen werden müßten, die man aber nicht abschieben kann. Gewiß sind Mißstände vorgekommen, aber auf deren Beseitigung habe ich sofort hingearbeitet: die schuldigen Beamten sind entlassen. Nach einem Erlaß vom 4. Juli werden lästige Ausländer zunächst nicht in Konzentrationslager gebracht, sondern es wird erst versucht, sie abzuschieben. Bei polnischen Deserteuren kann eine soscriige Ab- schiebung nicht erfolgen. Der Borwurf, die preußische Regierung leiste Polen Henkersdienste, ist also nicht berechtigt. Auch sind nicht 399. sondern noch 459 Personen interniert, und der einzelne Inter- nierte kostet nicht etwa 199 999, sondern nur 1599 M. Die in Oberschlesien verhafteten Internierten sind unter der Ober- Hoheit der Interalliierten Kommission verhaftet worden, und nicht unter der der preußischen Regierung. In den Freikorps waren ganz natürlicherweise auch bedenkliche Elemente. Auswüchse sind vorgekommen, die die preußische Regierung durchaus nicht billigt, wie z. B. die Ausschreitungen auf dem Dreslaucr Bahnhos, wo Per- sonen gewaltsam gezwungen wurden, ,/)eil Dir im Siegerkranz!" zu singen. Doch haben auch die Freikorps ihre Verdienste. Bei dem Sturm auf den Annabcrg sind 5 junge Offiziere gefallen und solche Offiziere finden allerdings meine Anerkennung. Herrn Heilmanns Portcifreimde in Oberschlesien hol n eine ganz andere Auffassung als er. Ich w u n d e r c mich über die Auslegung, die mein Orgesch-Erlaß vom 26 Juni, demzufolge auch die Provinzialorganisationen der Orgesch aufgelöst sind, gefunden hat. Anders natürlich ist es mit jenen Organisationen, die korporativ der Orgesch beigetreten waren, wie z.B. der Vaterländische Frauenverein und ander« ähnliche Ver- eine. Jeder Umgehung der Auflösungsverfügung wird die Regierung entgegentreten. Einverstanden bin ich mit dem Abg. Heilmann darin, daß das Ziel sein muß, jede bewaffnete Selbsthilfe zu be- seitigen. Nun die Personalienpolilik. Ich war da auf Schlimmeres gefaßt, als die Debatte brachte. Den Landrat Dombois berief ich nach Stolp, weil eine Deputation den alten Asiesior dieses Kreises, nämlich Herrn v. Dombois. als Landrat haben wollte. Der Mann, der nach Prenzlau auf die Stelle Dombois kam, ist in feinem bisherigen Amt von meinem Amtsvor- gänger bestätigt worden. Er kann also kein Reaktionär sein. Land- rat F i e h n wurde von dem zuständigen Regierungspräfldenten beurlaubt, und dieser gehört der SPD. an. Der regelmäßige Nach- wuchs für die Nerwultung fehlt. Ich trage keine Bedenken, auch in Zukunft geeignete Herren der Sozialdemokratischen Partei in solche Aemter zu berufen. Die Einheit der preußischen Verwaltung ist schwer zu schaffen, denn dos Recht des Beamten auf eigene politische Ueberzeugunq und Betätigung, das ich nicht missen mochte, steht hier oftmals im Wege. Wenn Herr Heilmann mit dem Satz schloß:„Zum Frieden bereit, zun: Komps entschlosicnl", so möchte ich ihm ont- warten, daß wir uns nach Kräften verteidigen, wenn wir angegriffen werden. Aber ich glaube, die Zeiten erfordern nicht Kampf, sondern sie fordern Bereitschaft zum Frieden. Ich jedenfalls werde den Kampf nicht provozieren. Finanzminister Sämisch: Ich weiß nicht, worauf Herr Heilmann seine Behauptung, ich leiste Widerstand gegen die Pläne im Reich, stützen will. Sämtliche Berhandlungen waren vertraulicher Natur. Herr 5)eilmann kann sicher nicht aus einer klaren Quelle geschöpft haben. Das Vermögen des Prinzen Leopold befindet sich in staatlicher Verwaltung. Tat- fache ist, daß dem Prinzen von der Staatsbank ein Darlehen gegeben worden isi.(Lebhaftes Hört, hört! rechts.) Ueber die neuen Steuern kann ich erst Mitteilung machen, wenn die Vorschläge vor- liegen. Die Kritik des Abg. Heilmann läßt sich in dem Satz zu- fammenkassen: Ich kenne zwar die Pläne des Finanzministers nicht, aber ich mißbillige sie.(Lebhafter Beifall rechts.— Unruhe und Zischen links.) Ein Vertreter des Justizministeriums: Der Amtsgerichtsrat P o r a y, der bei der Leistung des Eides sich die Freiheit seiner politischen Gesinnuna vorbehalten hat, handelte dabei im Rahmen der Erklärung des Reichsministeriums, die seinerzeit Staatssekretär David abgegeben hat. Abg. Dr. Lauscher(Zentr.): Ich war außerordentlich erfreut über den Protest, den der Abg. Hcilmann gegen die alte Lüge von der ausschließlich deutschen Kriegsschuld hier erhoben hat und über die Entschiedenheit, mit der er die Objektivität der deutjchcn Reichs- gerichte in Leipzig verteidigte. Sein Aufruf zur Sammlung aller nationalen Krästc war mir aus dem Herzen gesprochen, ebenso seine Zurückweisung des hetzerischen Treibens des„Reichsboten" gegen unsere Kirche.(Unruhe rechts.) Derartige Angriff« gegen einen Teil des deutschen Voltes vertragen sich nicht mit unserer politischen Lage. Wenn das Kabinett Stegerwald die Reichspalitik durchkreuzen wurde, wäre ich der erst«, der für seir e Beseitigung wäre. Wir haben nie bestritten, daß die Sozialdemokratie in der Regierung vertreten sei» muß. Zlher dasselbe unverminderte Recht haben auch die bürgerlichen Parteien. Die Tatsache, daß die alle fiwrtiiion nach den Neuwahlen zu schwach war, läßt sich nicht wegdiskutieren.(Widerspri ch b. d. Soz.) Die Sozialdemokratie will nicht mit der Deutschen Volkspnrtei zusammen im Kabinett sitzen, allein die Deutsche Volkspartei hat erklärt, sie stehe auf dem Boden der Verfaffung und wolle diese nur mit ver- fassunasmäs-igen Mitteln ändern.— Der Redner wendet sich nun dem Reichsschulgrsetzentwurf zu und erklärt, die Konsessionsschule dürfe nicht beseikißk werden: denn dos stehe im Widerspruch mit der Gewissensfreiheit. Das Volk sei nicht für eine seelische Uniformie» rung. Wer die konfessionelle Schule antaste, beiß« beim Zentrum aus Granit. Abg. Dr. Cohn(U. Soz.): Die Einbringung de« Not etat« bedeutet eine Rückentwicklung, ihr« Wirkung ist eine vieieicht absichtlich« Schwächung de, P'.rla- ments. Das Kabinett Stegerwald kapituliert auch finanziell vor den Rechtsparteien und läßt sich ohne Schwung und Sinn für die wirtschaftliche Entwicklung dahintreiben. Man klagt über die Valuta, aber dir riesigen Gewinn.- entspringen meistens der m Stegerwalö. wilden Devisenspekulakioo. Seitdem ihre Beschränkung aufgehoben ist, kann jeder Spekulant den Stand der deutschen Mark herabdrücken. Hingegen ist der Konsum der breiten Masjen um 89 Proz. zurückgegangen. Bei solcher Eni. Wicklung ist an einen Rückgang der Preise, folglich auch an Lohn- obbau nicht zu denken, vielmehr wird Lohnaufbau die notwendige Folge sein. Statt auf die Durchführung der Steuergesetze zu dringen� fördert die preußische Regierung die indirekten Steuern, und auch die Grundsteuer soll auf die Verbraucher abgewälzt werden. Wenn die alte Form der Steuerveranlagung und Erhebung reformiert wird, wenn zwangskorporierke Skeuerbeiriebsgemoinschaften eingeführt werden, dann werden die unproduktiven Betriebe zum Schließen gezwungen, und es wird eine Intensivierung der Betriede erreicht. Die Steuerpolitik Stegerwalds und Sämischs aber führt zur Verelendung der Blassen und zur Stärkung der Reaktion. Wer kaust denn die Luxuswaren, die durch das Loch im Westen hereinströmcn? Sind es nicht die Wähler derselben bürgerlichen Varteien, die stets ihren Patriotismus und ihren Protest gegen die Sanktionen bekunden? Dieselbe bürgerliche Presse rühmt begeistert das Hotel„Atlantic" in Heringsdorf, wo die Verpflegung täglich 1999 Mark kostet und findet kein Wort des Protestes gegen diesen ruchlosen Luxus. Ohne eine friedliche aniimiiikaristische Jnnenpohak bleiben die Proieste gegen die Sanktionen wirkungslos. Die Orgesch- Organisationen sind doch in erster Linie zur Bewachung der geheimen Waffenlager da. Hier hilft nur ein Verbot aller Verbände mili- tärischer Art und der Mut, es durchzuführen. Herr Dominicus hat nickts von den Strafen mitteilen können, die wegen der Rohheiten in den Intenlierungslagern verhängt worden sind.(Redner beschäf- tigt sich eingehend mit der Frage der Internierten.) Als Landarbeiter sind die jüdischen Einwanderer gut, trotzdem aber wird gegen sw gehetzt. Sensationell aber wirkt es, zu hören, daß der Bruder des Antisemilen Wulle etienfalls jüdische Landarbeiter angefordert hat. In der ganzen Ostjudenstage vermisien wir be! der Preußischen Regierung den Sinn für die Tatsachen und derselbe Mangel an Verständnis für die Wirklichkeit zeigt sich auch in der Behandlung des oberschlesischen Problems. Es wird wieder genau so gelogen wie während des Krieges, bis die große Enttäuschung kommt. Die enttäuschten militärischen und halbmilitärischen Kräfte in Ober- schlesien werden sich(und uns! Red.) dann in ein Abenteuer gegen die Polen stürzen. Von diesen Kräften verspricht sich Herr Domini- eus, daß sie eines Tag-s bei der Neueinorönung Oberschlesiens in Preußen behilfich sein werden. Was nottut, ist die rücksichtslose Entfernung des Selbstschutzes aus Oberschlesten. Die deutsche Re- gierung Höste von Anfang an es ablehnen müssen, für die Wieder- Herstellung der Ordnung in Oberschlesien ihren Arm zu leihen. Aber die reaktionären Elemente verfolgen damit andere Ziele. Wer kam in das Lager Sielow? Es waren Angehörige der SPD und der USPD., die von Deutschnationalen in Oberschlesien denunziert worden waren Denunziantentum und Korruptton stehen in Ober- schlesien in üppiger Blüte. Da redet Herr Becker von der„D. T." vom Drennus-Schwert, das der Sieger in die Wagschale werfe. Ja, hat denn diese Zeitung nicht tagtäglich während des Krieges:„Wehe den Besiegten!" gerufen? Herrn Heilmonns Rede war ein journa- listiscbes Meisterstück, aber im Grunde nur Ministerstürzerei. Er hat kein Wort gesagt von der Aktion des geeinigten Proletariats, wahr- scheinlich in dem Gefühl, daß die Einigung be! seinen Parteifunktionären nicht mehr aktuell ist. Auf die Gefahr Sin, daß man mich auch für durchseucht erklärt vom„Einigungs» stmmel", rrtfe ich das Proletariat zum Einheitskampf auf. Die Mehr- hettssoZiolisten möchten lieber heute als morgen wieder hinein in die Koalition, am liebsten mit der Deutschen Doikspartei. Sie müssen alle erst durch ein Läuterungsl-ad, um die Schlacken der zweijährigen Koalitionspolitik wieder loszuwerden. Rur ein wirklicher Klassen- kämpf des vereinigten Proletariates kann Europa retten.(Lebhafter Beifall b. d. U.Coz.) Abg. Riedel(Dem.): Die Ablehnung des Etats durch die So- zialdemakraten bedeutet den Kampf gegen den Staat. An die Linke richten wir die Mahnung, den Arbeitern nicht immer wieder den kommenden Bürgerblock an die Wand zu malen. Durch die Zwischen- rufe der Deutschen Bolkspanei gestern scheint der Beweis erbracht zu sein, daß die Partei die Anschauungen des Herrn v. Campe nicht teilt.(Lebhafter Widerspruch bei der D. Bp.) Damit schließt die Aussprache. Abg. v. d. Osten(Dn.) jpersönlichs: Die Behauptung, Ich haste im Kampfe gegen den Landrat des Kreises Königsberg(Reumart) gehässige und kleinliche Methoden angewendet, ist unwahr. Der Notetat wird angenommen. Abgelehnt werden die sozialistischen Anträge auf Aufhebung des Belagerungszustandes und des Ministerialerlasies über die Zuiässigkeit von Selbstschutzorganisa. tionen. Angenommen- wird die demokratische Resolution, schleunigst im Benehmen mit der Reichsregierung zu prüfen, ob Umgehungen der Auflösungsbckanntmachungcn der Reichsregierung vorliegen und dafür zu sorgen, daß solche Umgehungen verhindert werden. Der sozialdemokratische Antrag, die Internierungslager für Siusländer aufzuheben, wird abgelehnt. Der Antrag der D. Bp. auf Aufhebung der Sanktionen hinzuwirken, wird ange» nommen. Es folgt die dritte Lesung. Abg. Heilmann(Soz.): Der neue Erlaß Dominicus' über die Internierten ist ebenso mißraten wie der frühere, auch seinen Orgejcherlaß sollte er revi- dicren. eHrr.od. Osten hat im Ausschuß viele Stunden darauf oerwendet, den Landrat Fiehn zu Falle zu bringen. Jetzt ist der Landrat abberufen und o. d. O st e n oerwaltet den Kreis. Durch die Praxis des Herrn Dominicus wird die Hetze gegen die republikanisch gesinnten Landräte nicht bekämpft. Diese Leute fühlen sich bald ganz schutzlos. Die Quelle für meinen Angriff auf die Amtsführung des Finanzministers war einzig seine Rede im Haupt- ausschuß. Astf Herrn Steaerwalds Rede zu antworten, ist über- flüssig, denn es stand nichts darin. Daß Otto Braun als preußischer Minister im Reichstag gegen Hermes aufgetreten ist, hat dem Ein- vernehmen zwischen Preußen und dem Reich lange nicht so geschadet wie der heutig« erbitterte Kampf zwischen Dirih und Stegerwald, der die Politik vergiftet. Im Reich hoben Sie(zum Zentrum) doch gemerkt, daß ein Kabinett, das links regieren will, auf dio selbstlose llnlersiühung der Unabhängigen rechnen darf: in Preußen erklären Sie die Beteiligung der Unabhängigen für unerträglich. In Preußen geht es uns ebenso mit der Deutschen Bolksportei: ihre angeblich nur mit gesetzlichen Misteln arbeitende Gegnerschaft gegen die Republik besagt gar nichts. Auch die Deutschnationolen wollen ja nur mit gesetzlichen Mitteln die Verfassung ändern: dann dürfte man also eigentlich auch ohne sie nicht regieren. Es ist eben ein Gnindunterschied in der Staatsaufsasiung monarchischer und republikanischer Parteien. Es gibt kein Beispiel in der Geschichte, daß eine Republik aus friedlichem Wege zur Monarchie wurde. Das Zentrum ist zwar kein« geradezu republikanische Partei, aber wir sind sicher, daß es die Birfasjung nicht gewaltsam ändern wird. Bon keiner Partei rechts vom Zentrum wissen oder glauben wir das. Dr. Cohn hat gewiß recht, wenn er die Jnleruaiionale als die Menschheit von morgen bezeichnet. Heute ist sie es aber noch nicht, und wir dürfen das deutsche Volk nicht an nastonaier Unterdrückung sterben lassen, west morgen die Internationale die Menschheit sein wird Unsere Sehnsucht nach Regierungspiätzen Die Plaiöopers fr Nach Schluß der Bemeisaufnalime im Leipziger U-Boot-Prozeß ergriff Oberreichsanwalt Dr. Ebermeyer das Wort zu seinem Plä- doyer, an dessen Schluß er den lbercits gestern mitgeteilten) Strafantrag auf Zuchthaus von 4 Iahren für beide Angeklagte stellte. Aus seinen Ausführungen ist folgendes nachzutragen: Noch nie fei ihm die Erfüllung seiner Dienstpflicht so schwer gewesen wie heute. Die Angeklagten hätten das beste Zeugnis von ihren Vorgesetzten und Kameraden erhalten und sie seien tapfer und opferfreudig für das Baterland tätig gewesen. Gegen sie die Anklage wegen Mordes zu erheben, fei ihm außerordentlich schwer geworden. Jeder, der der Verhandlung gefolgt sei, werde zuaeben müssen, daß alles ge- schehcn fei, was zur Aufklärung des Tatbestandes dienen konnte. Angesichts des Schweigens der Angeklagten müsse man stch allein auf die Zeugenaussagen stützen. Roch längerer Ver- folgung der„Llandovern Castle" sei sie al? Lazarettschiff er- könnt worden. Das Schiff habe sich in einem Gebiet befunden, in dem die Versenkung von Lazarettschiffen nicht zugelassen war. Trotz Abratens habe Patzig beschlossen, das Schiff zu t o r p e- d i e r e n. Dem Kapitänleutnant Patzig sei es darum zu tun ge- wesen, Leute von dem untergegangenen Schiff zu bekommen, um nachzuweisen, daß sein Vorgehen tatsächlich berechtigt sei. Das wäre der Fall gewesen, wenn stch hätte feststellen lasten, daß Munition oder Truppen an Bord waren. Das Kapitänsboot ist aufgefordert worden, heranzukommen. Die Engländer versicherten, daß nillsts verbotswidriges auf dem Schiffe gewesen sei. Das Kopitänsboot wurde ein zweitesmal angehalten und es wurde ein anderer Mann auf das U-Boot übernommen, aber auch dieser sagte nichts aus. was die Annahme des Kommandanten Patzig hätte bestätigen können. Ein Beweis dafür, daß das U-Doot das Kapitänsboot hätte rammen wollen, sei nicht erbracht. Das Kapitänsboot sei vom U-Boot eine Viertelmeile entfernt gewesen, als vom U-Voot gefeuert wurde. Wie viele Schüsse abgegeben wurden, sei nicht ermittelt, sicher sei nur, daß aus dem checkgeschütz geschossen wurde. Auf dem U-Boot sei niemand gewesen, der nicht davon überzeugt war, daß das Schießen die Vernichtung der Rettungsboote bezweckte. Wenn man annehmen wolle, das Schießen sei nicht zum Zwecke der Vernichtung der Zeugen erfolgt. so könne man es vielleicht damit erklären, daß herumschwimmende Trümmer in der Dunkelheit von Patzig als englische Streit- kräfte angesehen werden seien. Das fei möglich, aber die Um- stände unseres Falles lasten die Unterstellung des Sachverständigen als ausgeschlossen erscheinen. Das Schießen müsse also den Zweck gehabt haben, die Rettungsboote zu vernichten. Wer geschossen habe, ob Patzig oder Meißner oder noch jemand, sei nicht sestzuftÄIen. Ob die Angeklagten etwa durch einen Befehl g e- deckt waren, darauf kam es hier nicht an. Das Ausbleiben P a tz i g s von der jetzigen Verhandlung sei besonders er- s ch w e r e n d für die Angeklagten. Wenn Patzig wirklich nur im Irrtum gehandelt habe, so sei nicht einzusehen, warum er sich nicht gestellt und für seine Offiziere gezeugt habe. Begreiflich wäre sein Fernbleiben, soweit er als Angeklagter in Frage käme. Aber nach- dem er gehört habe, daß seine Kameraden angeklagt seien, sei es seine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit gewesen, hier zu erscheinen. Es müsse als erwiesen gelten, daß Patzig mit den Angeklagten ge- meinschaftlich die Boote Hab« versenken wollen. Das sei rechts- widrig gewesen, denn die Insassen von Rettungsbooten seien hilflos und dürften nicht getötet werden, jedenfalls dann nicht, wenn nicht sogenannte„Krieqsnotwendigkeitcn" vorhanden sind. In diesem Falle liegen solche Kriegsnvtwendigkeiten unter keinen Umständen vor. völkerrechtswidrige Handlungen feien, wie anerkannt wird, strafrechllich zur Verantwortung zu ziehen. Di« An- klag« habe vollendete Tötung angenommen. Die VerHand- lung habe für diese Annahme nichts ergeben, wenn auch die große Wahrscheinlichkeit bestehe, daß das Schießen nicht ohne Erfolg gewesen sei. Aber die absolute Sicherheit hierfür fehle, so daß nur i U-Osot-Prozeß. versuchte Tötung mit Ueberlegung übrig bleibe. Unter Umständen könne man annehmen, daß Patzig der allemige Täter war und die Angeklagten nur Beihilfe ge- leistet haben. Aber die Annahme der G e m e i n s ch a f t l! ch k e i t liege näher. Der Obcrreichsanwalt stellte schließlich den schon mitgeteilten Antrag. Scnatspräsident Dr. Schmidt weist die Angeklagten auf den veränderten Gesichtspunkt hin. Es sei nicht unmöglich, daß mit Rück- sicht auf die besonderen Umstände die Ueberlegung als ausgeschlossen erachtet werden könne, so daß nur gemeinschaftliche Tötung resp. Beihilfe zu einem Tötungsversuch in Frage kommen könne. �Der Verteidiger des Angeklagten Dithmar, Rechtsanwalt Dr. v. �wehl-Berlin, erklärt, daß ihn der Antrag des Oberreichsanwalts sehr überrascht habe, da er durch den Gang der Verhandlung yoi der Unschuld der Angeklagten fest überzeugt worden sei. Er ent- rollt dann ein Bild von der schweren Not, in der sich Deutschland im Jahre 1918 befand. Die Vorgänge beim Schießen seien nicht ge- nügend gettärt. Das Schweigen der Angeklagten, die sich auf ihr Versprechen berufen, sollte nicht als Schuldbewußtsein ausgelegt werden. Es fehle jeder Schuldbeweis gegen Dithmar. Nur Meißner kann das Feuer geleitet haben. Die Angeklagten hätten sich daran gar nicht beteiligen können, denn sie seien am Ausguck ununterbrochen tätig gewesen, ebenso wie Patzig. Der Verteidiger beantragt schließlich die Freisprechung Dithmars. Der Verteidiger des Angeklagten Boldt, Rechtsanwalt Dr. Veier-Leipzig, nimmt auf die Ausführungen seines Kollegen Bezug und geht dann auf verschiedene Einzelheiten ein. Auch Dr. Beier beantragt zum Schluß die Freisprechung seines Klienten. Der dritte Verteidiger, Rechtsanwalt hahnemann-Leipzig, gibt dem Gerichtshof zu erwägen, ob Völkerrechtsoerletzungen wirklich dem Strafgesetz unterliegen. Er begründet seine An- sicht durch Hinweise auf die Literatur und führt aus seiner eigenen Tätigkeit bei Kriegsgerichten während des Krieges Beispiele an. Das englische Strafgesetz enthalte die Bestimmung, daß der gefangene Feind nicht nach dem Strafgesetz abgeurteilt werden dürfe, wenn er durch einen Befehl seines Vorgesetzten gedeckt sei. Auch ein französischer Rechtslehrer stimme dem zu. Die„L. C." sei während des ganzen Krieges ein H i l f s k r i e g s s ch i s s gewesen und habe keinen Anspruch auf Immunität gehabt. Die Angeklagten wußten, daß auf Ungehorsam gegen einen Befehl die Todesstrafe steht, außer wenn sie überzeugt waren, daß ein Verbrechen ausgeführt werden sollte. Die Angeklagten seien also außerstande gewesen, sich dem Befehle zu widersetzen, wenn man einen solchen als wirklich vorhanden annehmen wolle. Die An- geklagten hätten ihre Pflicht gegen das Vaterland getan, ihre Frei- sprechung erscheine daher geboten. Reichsanwalt Dr. Fetfenberger legt dar, die Ausführungen der drei Verteidiger hätten die Auffassung der Reichsanwaltschast nicht erschüttern können. Der Reichsanwalt geht alsdann auf Einzelheiten des Tatbestandes nochmals ein. Wenn Patzig wirklich einen feind-- lichen Zerstörer in der Nähe glaubte, auf den er seine Schüsse richtete. so wäre dies unverständlich gewesen, denn durch das Schießen hätte er sich der Gefahr ausgesetzt, selb st angegriffen zu werden. Da wäre doch sofortiges Tauchen viel natürlicher gewesen. Der Zweck des Schießens könne also nur der von der Anklage gekenn- zeichnete gewesen sein. Stach Ansicht des Reichsanwalts ist auch nicht jede Handlung eines U-Bootes eine Seekriegshandlung. Der Auffassung, daß Rettungsboote nicht unter allen Umständen Schutz verdienen, tritt der Reichsanwalt mit Entschiedenheit entgegen. Die Rechtsanwälte erwidern kurz dem Reichsanwalt. Die beiden Angeklagten Dithmar und Boldt machen von ihrem Rechte aus das Schlußwort keinen Gebrauch., Hierauf wird um%4 Uhr die Verhandlung geschlossen. Das Urteil wird Sonnabend 1 Uhr verkündet werden. können wir sehr gut beherrschen, wenn es sein soll bis zu den nächsten Wahlen. Wir haben nach den bisherigen Erfahrungen zum Kabinett Stegerwald nicht das Vertrauen, ihm 5 Milliarden Kredit zu bewilligen. Weil wir den Staat nicht schädigen wollen, haben wir der Verabschiedung des Haushalts kein Hindernis in den Weg gelegt, müssen aber unser schärfstes Miß- trauen aussprechen. Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen(Komm.): Der Selbstschutz in Ost- preußen dient lediglich zur Bekämpfung der Kommunisten. Abg. Lauscher(Zentr.): Herr Heilmann hat früher, als noch die Sozialdemokraten in der Regierung saßen, der Rechten einmal den guten Rat gegeben, man müsse vor jeder Staatsgewalt, wenn sie auch nicht jedem srrrpathisch ist, einen gewissen Respekt haben. Gestern war bei ihm von diesem Respekt nichts zu spüren. Für die Not der Stunde müssen wir den Mut haben, die politischen Gegensätze zu überbrücken. Abg. vlelcr-Berlin(V. Soz.): Die Regierung hat alle Ursache, erst einmal die Sanktionen gegen die eigenen Volksgenossen aufzuheben. Noch heute werden in Sielow Ostjuden und Oberschleflsr interniert und schlecht behandelt. Der Notetat wird in der Gesamtabstimmung gegen die sozialiski- schen Parteien angenommen.(Lebhafte Pfuirufe b. d. Soz.— Gegenrufe rechts: Ruhe!— Erneuter Lärm links.) Es folgt zweite und dritte Beratung des Diätengesetzes für den Staatsrat. Abg. Siering(Soz.) bittet, die Aufwandsenffchädigung für den Präsidenten des Staatsrats zu streichen. Da es sich um eine Per- fassungsänderung handelt, wird ein Hammelsprung vorgenommen: er ergibt die veschlußunfähigkeit des Hauses. Der Präsident setzt die nächst« Sitzung auf �9 Uhr an. (Schluß im Hauptblatt.) Nochenhiife und Wochenfürforge nachdem am 7. JulivomNcichStageverabschiedeten Gesetz. k. Wer erhält Wochenhilfe oder Wochenfür- sorge? e) Jede weibliche Versicherte, die im letzten Jahre vor der Niederkunft mindestens sechs Monate hindurch gegen Krankheit versichert gewesen ist: b) jedeFraueinesDerslcherten, sowie jede Tochter oder Stieftochter, welche mit dem Versicherten in häuslicher Gemeinschaft lebt, falls der Versicherte im letzten Jahre vor der Niederkunft mindestens sechs Monat« hindurch gegen Krank- heit versichert gewesen ist: (unter a) und b) fallen auch die freiwilligen Mitglieder von Ersotzkassen, welche beim Ausscheiden aus der Versicherungspflicht zur Weiteroersicherung bei einer Krankenkasse oder knappschaftlichen Krankenkasse berechtigt gewesen wären, und welche seitdem der Ersatz- lasse ununterbrochen angehört haben.) c) jede minderbemittelte Deutsche, die einen An- spruch aus a) und b) auf Wochenhilfe nicht hat, falls ihr und ihres Ehemannes Gesamteinkommen, oder, falls sie alleinsteht, ihr eigenes Einkommen in dem Jahre oder Steuerjahre vor der Entbindung den Betrag von zehntausend Mark(bisher 4000 Mk.) nicht überstiegen hat. Für jedes vorhandene Kind kommen dazu noch 500 Mk. Ii. Worin bestehen die Leistungen der Wochen- Hilfe oder W o ch e n f ü r s o r g e? 1. Aerztliche Behandlung, falls solche bei der Ent- bindung oder bei Schwangerschaftsbeschwerden erforderlich wird. Diese Bestimmung tritt in Kraft, sobald die erforderliche Derständi- gung zwischen Aerzten und Krankenkassen erreicht ist. 2. Beitrag zu den Kosten der Entbindung in Höhe von 100 Mk.(bisher 60 Mk.): 3. Wochengeld für zehn Wochen, von denen mindestens sechs in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen. Das Wochen- geld beträgt: für die unter I ,) genannten weiblichen Versicherten die Höhe des Krankengeldes, jedoch mindestens 4,60 M. täglich(bisher 1,50 M.), für die unter I b) und c) Genannten 3 M. täglich(bisher 1,60 M.). Das Wochengeld für die ersten vier Wochen ist spätestens mit dem Tage der Entbindung fällig. Neben dem Wochengeld für die Zeit nach der Entbindung wird Krankengeld nicht gewährt. 4. S t i l l g e l d, falls die Wöchnerin ihr Kind stillt, für zwölf Wochen, das Stillgeld beträgt: für die unter I a) Genannten die Höhe des halben Kranken- gcldes, jedoch mindestens 1,60 M. täglich(bisher 0,76 M.): für die unter I b) und c) Genannten 1,50 M. täglich(bisher 0.75 M.): 5. Solange die unter 1. erwähnte ärztliche Behandlung noch nicht durchgeführt ist: Beihilfe für Hebammendienste und ärztliche Behandlung, falls solche bei Schwangerschaftsbe« s ch w e r d e n erforderlich werden, in Höhe von 50 M.(bisher 25 M.). III. An wen ist der Antrag auf Gewährung der Wochenhilfe oder Wochenfürsorge zu stellen? 1. Die unter I a) genannte versicherte Wöchnerin ebenso wie die unter 1 b) genannte Familienangehörige eines Versicherten hat den Antrag bei der in Frage kommenden Krankenkasse zu stellen: 2. Die unter I c) genannte minderbemitlett« Wöchnerin hat den Antrag bei dem Dersicherungsamt ihres Wohnortes oder Bezirks zu stellen. In beiden Fällen geschieht die Auszahlung durch die Krankenkasse. Es ist auf alle Fälle ratsam, den Antrag möglichst frühzeitig vor der Entbindung einzureichen. IV- Wasgeschieht.wenndieWöchnerinoder der unter I b) genannte Versicherte sterben? 1. Stirbt eine Wöchnerin bei der Entbindung oder während der Unterstützunqsberechtigung, so werden die noch verbleibenden Be- träge an Wochen- oder Stillgeld, welche andernfalls an sie gezahlt morden wären, an denjenigen gezahlt, der für den Unterhalt des Kindes sorgt. 2. Ist der unter I b) genannte Versicherte vor der Niederkunft gestorben, so wird die Wochenhilfe trotzdem gewährt, wenn die Niederkunft innerhalb neun Monaten nach dem Tod« des Der- sicherten erfolgt. V. Die Wochenhilfe wird unter allen Umständen nur einmal gewährt. Ist eine Wöchnerin bei mehreren Kassen versichert, oder ist sie und ihr Mann versichert, so erhält sie lediglich die sür die unter I a) Genannten in Frage kommenden Wochenhilfe. VI. Das hier benannte Gesetz tritt mit dem Tage der Berkündi- gung, das heißt, wahrscheinlich in etwa drei Wochen, in Kraft. Bis dahin bleiben die jetzt geltenden Bestimmungen bestehen. Nachklänge zum englischen Streik. Die neueste Nummer der„Bergarbeiter-Zeituug' be- faßt sich mit dem Verlauf des Lohnkampfes der englischen Berg- orbcitcr.„Die linksbolschewistische Presse fabuliert von einem„Der- r a t d e r Führer" an den Bergarbeitern, die rechtsbolschewistische Presse von einer Kapitulation der Führer und einem„Zusammen- b r u ch" des Bergarbeiterstreiks". Auf beiden Seiten sei offenbar der Wunsch der Vater de» Gedankens. In Wirklichkeit könne davon die Rede nicht sein. Die englische Kohlenausfvhr»urde vom«ettbewerb mit der Auskandskohle Immer mehr bedrängt, s» dnß sie«uf etw« ein Dritte! de, Friedensstandes zurückgegangen war,«eshalb die Preise anstatt nnch den Telbstkosten sich nach den Preisender Auslon dskohle richten mußten. Die„Bergarbeiter-Zeitung" zitiert sodann einen Bericht des Sonderberichterstatters der„Kölnischen B o l k s z e i t u n g" vom 2. Juli, der den Erfolg des riesigen Kampfes wie iolgt beurteilt:' „Brachte er auch nicht die restlose Erfüllung aller Forderungen für die Arbeiter, so dürfen die Bergleute heute doch zufrieden sein mit dem Erreichten, um so mehr, als auch die Besitzer und die Re- gierung das neue Uebereinkommen als die Grundlage eines dauer- haften Friedens erklären. Schritt für Schritt mußten die Konzessiv- nen den beiden Gegnern abgerungen werden. Das eine läßt sich jedoch heute noch mit Bestimmtheit erklären:„Hätten die Regierung und die Besitzer die jetzt gemachten Konzessionen Ende März gemacht, so wäre der Streik nicht zum Ausbruch gekommen und England hätte nicht eine neue Dudgetbelastung von durchschnittlich 3 Millionen Pfund wöchentlich während der Streitzeit aufzuweisen. Einer Lohnherobsetzung, die im Einklang zu der rückschreitenden Lebensverteuerung steht, haben sich die Bergleute nicht widersetzt. Die Ende März von den Besitzern gemachten Vorschläge kamen aber Lohnherabsetzungen von 30—50 Proz. gleich, die neuen in Kraft tretenden Lohntürzungen betragen 12— 15 Proz.(Im Juli 2, im August 2,5, im September 3 Schilling pro Tag.) Was für die Arbeiterschaft eine größere Bedeutung besitzt, ist das Zugeständnis eines Landes-Lohnminimal- t a r i f s. Die Basis beträgt 20 Proz. über den im Juli 1914 be- zahlten Sätzen. Dazu erhält der Bergarbeiter einen Gewinnanteil von 17 Proz. seines Lohnes und 83 Proz. des sogenannten Surplusprosits, d. h. des Gewinnes, der nach Abzug des von den Besitzern verlangten per- sönlichen Mindestgewinnes übrig bleibt, während der Rest den Be- sitzern zufällt." Beachtenswert ist auch, was der alte Vorkämpfer der Ruhrberg. leute A u g u st Siegel der„Bergarbeiter-Zeitung" dazu schrieb: Während der 95 Tage, die dieser gewaltige Kamps anhielt, haben die deutschen Zeitungen der verschiedenen Richtungen Nach- richten verbreitet, die mit der Wahrheit schlecht in Einklang zu brin- gen waren.... Die„Rhein.-Wests. Ztg." schrieb zum so und so- vielten Male von der Ausnahme der Arbeit und der Kapitulation der Führer. Die„Deutsche Bergwerks-Ztg." schrieb einmal„wegen dem kleinen Unterschied eines Lohnabzuges zwischen 2 und 314" Schilling nimmt der Riesenkampf seinen Fortgang. Die beiden Hauptpunkte, worum es sich drehte, nationales Lohnamt und nationaler Pool(Ausgleichskasse), verschwieg sie ihren Lesern. Nun ist der Kampf zu Ende und alles wundert sich, daß alles so ruhig verlaufen ist und 1 250 000 Bergarbeiter drei Monate lang aushalten tonnten. Wer die Verhältnisse kennt und die Menschen, der wundert sich nicht. Es gibt zunächst in England nur einen Bergarbeitcrverband, obgleich Tausende Bergarbeiter katholisch sind. Jeder Bergmann muß Mitglied sein, und zwar ohne gesetzlichen Zwang. Weil die Arbeiter keine Unorganisierten unter sich dulden, gibt es auch keine Streikbrecher. Wo keine Streikbrecher sind, da gibt es keine Krawalle. Bei Ausbruch eines Lohnkampfes erhält der Arbeiter von den Geschäftsleuten Kredit, den er sonst nicht erhält. Alles, was eben helfen kann, hilft. Es werden Volksküchen errichtet, da wird Mittag- essen»erteilt, und zwar bei dem jetzigen Kampfe pro Kopf eine Suppe täglich und 1 Pfund Weizenbrot. Schulkinder erhalten ihr Esse» t» der Schule. Es ist gesetzliche Borschrift, daß Kinder, die zu Hause nichts zu essen bekommen, in der Schule ernährt werden müssen. Schon 1912, bei dem fünfwöchigen Streik, ist dieses Gesetz in An- spruch genommen worden. Die gut ausgebauten Konsum- genosfenschaften leisten sehr viel bei solchen Kämpfen: Haupt- fächlich beim letzten haben sie viel geleistet. Die Bauern haben die Preis« sür Kortoffeln und Milch bedeutend heruntergesetzt usw. Trotz alledem haben die 5 Millionen Menschen(d. h. mi Frauen und Kindern) furchtbar gelitten. Die„Deutsche Bergwerks. Zeitung"(Nr. 153) wundert sich darüber, daß nach einem so furcht- baren Kampfe die Vertreter der Grubenbesitzer und Arbeiter zu- sammen verhandelten. Obgleich die englischen Grubenbesitzer keine Engel sind, so muß man doch zugestehen, daß zwischen der Bchand- lung der Arbeiter in England und der in Deutschland ein krasser Unterschied besteht. Ich bin 18 Jahre lang als Bergmann im Ruhr- gebiet tätig gewesen und 22 Jahre in Schottland, habe also in dieser Beziehung reiche Erfahrung. Unsere Werksbesitzer haben jeden Ar- beiterführer aufs äußerste verfolgt und ihre Presse erschöpfte sich in Verleumdungen. Dessen würde sich ein englischer Werksbesitze� schämen. Was hat nicht alles unsere Unternehmerpresse geschrieben, von Kohleneinfuhr in England usw. Was ist nun wahr? Am 27. Juni erklärte der Bergbauminister Bridaman im„Haus of Commons". Es wurden eingeführt aus Amerika 336 000 Tonnen, aus Frankreich 430 000 Tonnen, aus Belgien 495 000 Tonnen, zusammen 1 260 000 Tonnen. Soviel fördern die Bergarbeiter in anderthalb Schichten. 160 000 Tonnen deutsche Kohlen wurden von Frankreich und Belgien nach England ausgeführt. Was ist der Erfolg für die Arbeiter? Wilhelm Stracker, Führer von Northumberland sagt, der Minimallohn eines Arbei- ters darf nicht unter 20 Proz. von 1914 sei n:'und das ist erreicht. Außerdem die Teilung des Prosits: für die Werksbe- sitzer 17, für die Arbeiter 83 Proz. Das hat uns elnen Schritt näher zur Nationalisierung gebracht. So wie die Engländer die ersten waren, die die gesetzliche Zlchtswndcnfchicht(1908) bekamen, so wer- den sie auch wohl die ersten sein, die zur Ausschaltung der Privatkapitalisten kommen, und zwar kraft ihrer Einigkeit."_____ Mus aller Welt. Zm Rheinischen Meolererprozeh gegen zehn Strafgefangene, die einen Ausbruch auS der Strafanstalt Rheinbach zu inszenieren suchten. wurde vor dem Bonner Schwurgericht das Urteil gesprochen: gegen drei wurden ZuchtbauS st rasen von drei Jahren und Ge« fängnisstrafen von zwei Jahren und einem Jahr sechs Monaten verhängt, während gegen drei andere in einem besonderen Verfahren wegen einfacher Meuterei verhandelt wird. Raubübersall. Gegen den Kammerpräsidenten Siegfried Spiegel in Oedenburg wurde ein Raubmordoersuch verübt. Ein Depeschenbote, namens Roderer, übergab Spiegel eine fingierte De- pesch« und während Spiegel dies« las, überfiel der Bote ihn mit einem Stemmeisen. Es entspann sich ein Handgemenge. In- folge des Lärmes kamen Familienangehörige herbei, worauf der Täter ssüchtetc. Die Verwundungen des Kammerpräsidenten Spiegel sind schwer. Georges Earpeniier hat an seiner Niederboxung durch Dempsey offenbar noch nicht genug. Er hat soeben einen Vertrag unterzeichnet, der ihn verpflichtet, im Oktober seinen Weltmeisterschaftstitel für Mittelgewicht gegen einen noch zu bestimmenden Gegner in New Pork zu verteidigen. Di« Franzosen werden demnach Gelegenheit haben, noch ein zweites Mal um„Georges", ihren Nationalheros, bangen und zittern zu können. Landarbeit bei Mondschein.„Chicago Tribüne" meldet aus Chicago, daß in dem mittleren Teil der Vereinigten Staaten die Hitzeperiode ist gestern eine Abkühlung eingetreten. In London und lätzt. Aus dem Lande werde nachts beim Mondlicht gearbeitet. 9 b« luaa 64tcn»n©»eifen.®t»r4nfn usw fwk jur StrtHima een«omtofltn»d«?»um CKnhxtw ton OW ofo. SSHstoff wneenkel. StrtfisM- WH«- MihnaliÄ. gBkrftnfrti-ch-imq w Cngm» «d«olmtntaMrtnbMNuadtn. Theater,l.ichtspgeie etc.� taatsoper vimergaätspiel Leitung Gustav Bergmann Volksbühne Theater am Bülowolatz. uhr: Der RaiserjSger Berliner Theater Allabendlich 7�0 Uhn DAS Vi, lidr Deutsches Theater Lesslng-Theater Allabendlich 7'/a Uhr; Die Oallerina des Königs (Leopoldlnc Konstantin) Geständnis VI, Uhr Dienstag 7'/« Uhr, zum ersten Male: Der Herr Verteidiger Hell, Gebühr, Kaiser-Tietz ÄipÄÄ— fleutscties Kllns'Jer-Tlieater Karamerspiele V/z Uhr: Der Herr, der die Maulschellen kriegt Stg. 7V, Uhr: Der Herr, der die Maulschellen kriegt Schauspielhaus (Karlstraße) : Die Weber(Auß Abonn.) 'tß.8; DSe"Weber(Auß.Abon.) rie< y Ceutrnl-Thencer Uhr; Jlonka aricl r. Willi elntst.Tli. Die Kleine aus der Bolle Mclinnnpieltanna tr Reigen Kleinem'Ihcater p!,u.: Casanovas Sohn .TTetropol-Tlicatcr Th? Die blaue Mazur • eu�Mperette>ntheat. 'lUhr AnjericaU'Girl ICesldcnz-Theater - Uhr Max Adalbert in ">19(Ab dafür!) ehill.tr-Tliedt.t'lmrl. Operetten- Spielzeit 'Keine Frau-das Fräulein friloGpark• Theat. eglltz. Schloßstraße 48 - u.: Dans Ruckeiiein ThBUii-Tlioater Uhr Mascottchen a m U e ii do rfp fi a t k Der Vetter aus Dingsda .'nf.er dos Wemens Morgen wieder iustik! 4«Kommnndantenstr> l r, zum ersten Male: ic Ulelenhexa« tnon-Tlieatcr IJncp- Tlieater Derkuhreigeu . Oballa-Thcatcp Scheldungsrelse ■ialrals?atas! -Uhr- Abrakadabra orrjen 7�/,: Die rot. Schuhe Folles Gaprice Linienstr.I32.amOranienbg.T. TSgllch'Ifi Uhr: Prinzessin vom Nil Operette In 3 Akten Musik von Victor Holländer mit FrSnzi Blenlte, Max Calden, Käthe Jungherr usw. Komisehe Oper Opernspielzeit Täglich i9U Uhr AltMökIderg Oper von Pacchierotti Stfl.3V«: Der Barbier?. Sevilla Theater amKctlhnserTor KoUbuserStr.6 Tel.Mpl.16077 Slite-Sänser Vom 16. bis 31. lull Täglich Tl. Uhr: iGattsp. der Original- Leipzioer-Frit. Weber. SäUPGr Vorverk. 11— iVa u. 4—6 Uhr Am I. 8.: Wlederanftreten der Elite• Theater i. d. Känlgprätzer Str. 7.30 Uhr: Kreuzelschreiber 6oimt.: Glaube und Heimat Mo.: Die Kreuzelschreiber Romödienhans 7.30 Uhr; Der blonde Bngel Keichsh.- Theater Während d. Ferien d. Stett.Sänger l«tl. 7'/j länger täzl.?>/, Gala- Sänger Ah 1.8. Wieder- auft. d. Sl.Säng. Dönhoff- Breill Varletd Berliner frater Kastanien-Allee 7—9 Täglich Vi 5 Uhr: :: Variete:: Wenn Engel streiken! Operelle in 3 Akten 'Schau-Bar� Köiilggrätzer Straße 121 Täglich SV, Uhr: Herrnfeld- Gastspiel Die letzte Ehre I Die Welt geht unter Ab 7 Uhr: Filmprogramm MetalPÄ1" Grüner Weg St zahlt Tagespreise für Rupfer, Messing, Blei, Zink etc. Zinn u. Blei sowie alle Altmetalle kaufen zu Tagespreisen MetatischniBlzwerke, Waldemarstr. 74. releohon; Moritznlatz 99SS I 71.', ZÄUN bisj 31. Juli! Die große Au»- otattungasebau I Tip Tip Uurrasi! mit dem bekannten Wiihelni Hartslein! Herde-Rennen I debren.traDe 54 VI, Uhr: ♦ Persönliches Auttreten Jobanne. Riemann u. 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Raa(h N 4, Bergstr. 34, Nd.8214, 8S25 Cr»«-»: o I_ A �-»4- Dr. Jaffü für Oeschlechts-, *3pU-iLi44l 3/iI AI Haut., Harn-, Freucnleidcn, nerv. Schwäche, Syphilis-Xuren, Blut untersuchnn gen, spez. chron. Harnleiden u. Ausflüsse, Licht, u, Flnsen. Heu-Anst.',WMu-' Dir.O. Löser Münzstr.9 nahe Alexanderplatz. 9-1, 4-8, Sonnlags 10-12. Daraenz. separat- Oeufssher Melararbijtsrrsrb, Terwaltunzsstelle Berlin. Ten Kollege» zur Nach- rlch!. daß unser Kollege. der Schlosser ThegSor Thiele Ackersir. I5S am 10. Juli gestorben ist. EH» seinem Anhenfen! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den IO,Iuli, vormitlags II Uhr, von der Leichenhalle des ft-idhichen Anstaltsfriedhoses w Bach aus statt. 93/19 RegeBeieiligung erwariet Die Ortsvertoalwng. Kranken- und ßlerhekasse der im allxemeiu. Verkehrswesen beschäftigten Personen und Berufsgenossen„fcintrach»" (V. a. 0.) in Berlin. Am Dienetag, heu 16. August, abends VI, Ahr: AutzerordenNUHe GMM'MSMMg im Restaurant BürgeTheim, Alte Schönhauser Dir. 3d/24. Tagesordnung: 1. Antrag auf Aendernug der Satzung. 2. Verschiedenes. Oer Vorstand. 21/S Z.A,: Karl Wendt, 1 Dorf. -W««» Jedes Wort 1 MÄTÄ:;! fettgedruckte Worte). Stellengesuche u. Schlaf- 1 Stellenanzeigen das erste Wort(fellgedrucki) j I M., Jedes weitere Wort 60 Pf. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen lürzwel Worte Anrzolivnn die für die nächste Nummer AliZUyCU bestimmt sind, müssen bis um 5 Uhr nachmittags Inder Haupt-Expedition des Vorwärts, Berlin SW 68, Lindenstraße Nr. 3, I abgegeben werden. Dieselbe ist von morgens | v bis abends 5 Uhr ununterbrochen gchlfnet Verkäufe Damp/waschmaschine, neu. billig, wegzugshelber. Quoos. Treptow. Erätzstraße 5.+27 „Bau- und SledJungstand" dos flnt'sfiorft In Blacks und einzelnen Par-ellen 9) M.p.iUR. an. Berlm. Bernbur ter Sit. 18, par. nserate>-� w Vorwärts bringen ÄrsolD! 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Sie werden be- schuldigt, acht Wagaons Kartuschenhülsen sowie anderes Heeres- Material vom Artilleriedepot G e r w i s ch verladen und ver- schoben bzw. Mithilfe dazu geleistet zu haben. Der Zeugfeldwebel Liedtke, der sofort nach Bekanntwerden der Tot Selbstmord verübte, ist der Leiter der ganzen Schiebung gewesen. Da das Heeresgut ursvrünolich auf Grund eines gefälschten Telegrammes an die bekannte Maschinenfabrik R. Wolf, Duckam ohne Wissen d-s Firmeninhabers abgesandt war, konnte noch nicht festgestellt werden, ob diese die tatsächlichen Inhaber oder, wie jetzt bekannt wird, die Schrothütte Stoff u. Tag in Magdeburg war. Der Inhaber der Firma Stoff u.? ag. Kaufmann Salzmann und fein Prokurist Kauf- mann Schulz, befinden sich unter den Mitangeklagten. Die andern fünf Angeklagten, darunter der Dipl.-Ing. Ring und sein früherer Materialverwalter Wilhelm der Firma R. Wolf in Magdeburg- Buckau, sollen aegen hohe Provision das Geschäft vermittelt haben. Die Firma Stoff u. Tag zahlte als Kaufpreis die Summe von 200 000 Mark. Der Prozeß wird voraussichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen._ Das£ech im tveften. Berlin, 15. Juli.(MTB.) Staatssekretär Hirsch und der Reichskommisiar für Ein- und Ausfuhr Trendelenburg haben mit der französischen Regierung in Paris Ende voriger Woche und Anfang dieser Woche verhandelt und die Mißstände zur Sprache ge- bracht, die seit Einrichtung der Rheinzollarenze infolg« der Einfuhr großer Mengen unerwünschter Waren für Deutschlands entstanden sind. Frankreich hat offiziell erklärt, aus dem gegenwärtigen Zu- stand im Rheinland keinerlei Sondervorteile für seinen Handel er- streben zu wollen. Die Unterhändler haben sich über ein Programm geeinigt. welches der deutschen Regierung hoffentlich ermöglichen wird, als- bald auf die Ein- und Ausfuhrbewilligungen im Rheinland Einfluß zu nehmen, Dobel soll auch dem besonderen Bedürfnis Deutsch- lcrnds auf Sicherstellung der Devisenbeschaffung für die Reparation Rechnung aetragen werden. Frankreich wird seine Wünsche wegen der französischen Einfuhr mitteilen. Hierüber soll im August weiter- verhandelt werden.— Die Tragweite der getroffenen Abmachungen wird sich erst übersehen lassen, wenn die betreffenden Anordnungen ergangen sind. Die weiteren deutschen Bemühungen, die AMierten von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Sanktionen und insbe- sondere die schädlichen Eingriffe in das deuffche Zoll- und Steuer- wesen, sowie die Zwischenzollinie endlicher außer Kraft zu setzen, werden selbstverständlich dadurch nicht berührt. Selgien unö öie Sanktionen. Brüssel, 15. Juli.(DA.) In der belgischen Kammer verlangte P i e r a r d(Soz.) die Aufhebung der Sanktionen, namentlich der Besetzung von Düsseldorf und Duisburg-Ruhrort: das Kabinett Wirth könne mit Rücksicht auf die Beweise seines guten Willens be- anspruchen, daß man ihm entgegenkomme. Er forderte die belgische Regierung auf, die Intitiative zu ergreifen und bei der nächsten Tagung des Obersten Rats die Aufhebung der rheinischen Sanktionen zu beantragen. Außenminister I a s p a r erwiderte, daß Belgien in der Frage der Sanktionen nur gemeinsam mit den Alliierten vorgehen könne. Es sei daher nicht angängig, die Haltung der belgischen Regierung in diesem Augenblick zu präzisieren, die sür ihre Delegierten im Hin- blick auf die höheren Interessen Belgiens volle Aktionsfreiheit stich wahren müsse. Die belgische Regierung könne sich daher durch keinerlei Erklärung binden. Ob die Aufhebung der Sanktionen be- schloffen oder die Besetzung der drei Rheinstädte verlängert werde, die Entscheidung werde nur in vollkommener Uebereinstimmung zwischen allen Alliierten geführt werden. Für die künftige Wiederholung dieser ministeriellen Redensarten beliebe man zur Kenntnis zu nehmen, daß Duisburg und Ruhrort dank einem alten Bochegesetz seit Jahr und Tag eine Gemeinde bilden. Der Duisburger Bürgerrat ist ohne Angabe von Grün- den aufgelöst worden. Ja so ein Bürgerrat hat's in sich! Llopö George und Addison. London, 15. Juli.(WTB.) In seiner Antwort auf das Rück- tritisgeiuld Dr. Addison» sagte Lloyd George, er könne es nicht hinnehmen, daß die Regierung ihre WohnungSpelitik aufgegeben babe. Die Marktloge bobe die Turchsübning von Addisons Plänen unmöglich gemacht und der neue Minister babe die Aufgabe, die Pläne auf«ine mehr kaufmännische Grundlage zu stellen. * In einer Bankettrede äußerie sich Lloyd George sehr zuver» sichtlich über die Festigkeit der Regierung, die bei 17 Nachwahlen gesiegt habe und auch über die Verhandlungen mit de Valera, den er als den Führer der großen Mehrheit Irlands bezeichnete. Neue Kämpfe in Belfast. London, 15. Juli.(TU.) Die Waffenruhe wird in Dublin und im größten Teil von Irland beachtet. Aber in Belfast bewarfen Sinn- seiner mit Steinen die Polizei, die sofort Feuer gab. Mehrere Polizisten und ein Abgeordneter sind verwundet worden. Die Ver- luste der Sinnfeiner sind nicht bekannt. Abends war Ruhe. tteue Regierungskrise in Ungarn. Budapest, 14. Juli.(UK.) Stephan Friedrich, der nach seiner Rehabilitierung im Tiszaprozcß entschlossen ist, wieder ins politische Leben einzutreten und sich an seinen Gegnern zu rächen, ließ in der Nationalversammlung durch den Abg. B e n i c z k y eine Interpellation einbringen, aus der hervorgeht, daß Graf Magashazy, der(flügeladjutant de» Beich5oerwese> s, während des Karlputsches einen Steckbrief gegen Friedrich erlassen hatte, wonach dieser trotz seiner Immunität festgenommen werden sollte. Ferner kündigte Friedrich an, daß er rücksichtslos die Machenschaften seiner„sehr hochstehenden" Feinde enthüllen werde. In der gleichen Sitzung wandte sich die gesamte Opposition heftig gegen das Kabinett. Der agrardemo'ratische Abgeordnete Rupert machte Mitteilung von einem neuen Uebergriff militärischer Terroristen und rief unter un- geheurem Tumult, daß im heutigen Ungarn niemand seines Lebens sicher sei. Iustizminister T o m c s ä n y i, der antworten wollte, wurde niedergeschrien Die Regierungspartei ließ das Kabinett voll- ständig im Stich. Die Wirkungen der Sitzung, welche die stürmischste seit Bestehen der Rationaloersammlung war, sind noch nicht abzu- sehen. Die Regierungspartei ist vollständig auseinandergcsallen. Die Situation des Kabinetts ist um so schwieriger, als diesmal die gesamte Opposition, auch die demokratischen und republikanischen Elemente, gemeinsam mit der Friedrichgruppe in einer Kampffront gegen die Regierung stehen. » Das Ungar. Tel.- Korr.- Bureau verbreitete am 14. Juli durch WTB. einen Bericht über eine Rede des Sozialdemokraten j Karl Bayer. Nach diesem Bericht hatte Payer den Wunsch des Ministerpräsidenten Grasen Bethlen nach einem Zusammenwirken der Klassen begrüßt und sich auf das schärfste gegen das Friedens- diktat von Trianon gewendet.— Daß Payer erklärt hat, das Fohlen des Zusammenwirkens fei nicht von der Arbeiterschaft verschuldet, und daß in Uebereinstimmung mit der Rede Payers die Versammlung die Wiederherstellung des Rechtes und die vollständige Aufhebung der Unterdrückungsmahnahmen gefordert hat, davon be- richtet das Horchybureau natürlich kein Wort. der internationale Irauentongreß. Revision des Friedens— Aufhebung der Sanktionen. wie». 15. Juli.(WTB.) Die gestrige Sitzung des Kongreffes der Internationalen Frauenliga beschloß eine Kund- gebung an Lloyd George sowie an den Präsidenten H a r- ding zum Zeichen des Dankes für die Einberufung der Ab- rüftungskonferenz. Diese Kundgebung wird auch an alle zur Teilnahme an dieser Konferenz eingolochenen Regierungen gerichtet werden. Leas- England erstattete ein Referat über Irelhett von Handel vnd Verkehr. Der wirtschaftliche Niedergang der Völker sei durch die Politik der Absperrung der großen gegenüber den kleinen Staaten beschleunigt worden. Rsdnerin trat für die Politik der offenen Tür in den K o l o n i a l l ä n d e r n, für die Handelsfreiheit sowie für ein Kreditsystem ein, das den wirtschaftlich schwächeren Völkern den Warenankauf in den produzierenden Ländern ermöglicht. Jacobs- Holland referierte über die Revision der Friedensverträge. Sie erklärte, daß nur die Frauen imstande seien, a u 4 d e n B ö l k e r- b u n d r a t einen genügenden Druck zur Revision der Friedens- vertrüge auszuüben. Man dürfe nicht vergessen, daß die Friedens- bedingungen den Keim zu einem noch größeren und unmenschlicheren Krieg in sich bergen, als der letzte war. Alle Staaten, die besiegten, die vermeintlichen Sieger und die Neutralen, lebten unter dem schrecklichen Druck, der sie in beständigem Angstgefühl vor der Zukunft hält. Die Friedensbedingungen müßten derart sein, daß sie den Nationen zu einem freundschaftlichen Zusammen- leben und zur Entwicklung in Glück und Wohlstand nach ihren eigenen Richtlinien verHelsen. Zu diesem Zweck müßten die Frauen in der ganzen Welt dem arbeitenden Volk« klarmachen, was die gel- tenden Friedensbedingungen für dasselbe bedeuteten. I o w e t- England richtet an die Entente die Mahnung, die Sanktionen auszuheben, da Deuffckland die ihm durch den Friedensvertrag auferlegten schweren Bedingungen zu erfüllen sich ehrlich bemühe. M i l l a n d- Irland behandelte das irische Problem und beantragte, daß der Erwartung Ausdruck gegeben«erde, daß die jetzt wischen England und Irland geführten Verhandlungen zu einem auernden Frieden und zur Versöhnung zwischen den beiden Ratio- nen führen werden. Die Konferenz nahm eine Entschließung an. die den Kamps Irlands für seine Unabhängigkeit als von vitaler Be- deutung für die zivilisierte Welt hinstellt. Reuwahleu lu Heffeu im November. Der hessiscke Landtag hat sich gestern nach viel wöchiger Tagung, in der der Staats- Voranschlag nnd eine Reihe wichtiger Gesetzesvorlagen erledigt iviirde, bis zum Oktober verlagt. Der Präsident teilte am Schluß der Sitzung mit, daß die N e r> w a h l e n in Hessen in der zweiten Hälfte des November stalisiiidcn werden. Die Kommunisten der Tschechoslowakei haben mit ihren groß- artig angekündigten Kundgebungen ain 12. Juli trotz des Mottos »Für Freilasiung der politischen Geiangenen" einen Mißersolg erlitten; die Beteiligung war recht mäßig.— Tie deutsche Sozialdemokratie der Republik hält ihren Parteitag am 9. Oktober und den folgenden Tageii in Prag ab. Tapans Avkworl auf Hardings Einladung erklärt lediglich die Bereitwilligkeit zur Beratung über Abrüstung— aber nicht auch über die C h i n a f r a g e. Darüber ist man in Washington beun- ruhigt. Wirtschaft Amerikanische Saufleuke in der Berliner Handelskamtner. Das Präsidium der Berliner Handelskammer empfing gestern, umgeben von einer Reihe leitender Persönlichkeiten der Berliner Bankwelt, die in Berlin anwesenden Vertreter der amerikanischen Handelskammer. Von den amerikanischen Herren»wurde die Frage gestellt, in welcher Weise Deutschland wieder zu einem leistungsfähigen Abnehmer amerikanischer Roh- stoffe gemacht werden könnte. Von beutscher Seite wurde aus die Notwendigkeit einer Milderung der Frie- densbedingungen hingewiesen und insbesondere die Not- weudigkeit der Belassung des ungetrennten Ober- fchlesiens bei Deutschland betont, wenn die deutsche Bolls» Wirtschaft auch nur einigermaßen normal arbeiten solle. Die Ge- Währung« iver großen Anleihe auf längere Zeit hinaus, um die Stabilisierung des Markkurses zu ermöglichen, würde naturgemäß neben einer Erleichterung der außerpoliti- s ch e n Lage der Zukunft Deutschlands zugute kommen. � Tie amerikanischen Gäste waren mit den deutschen Anwesenden einig daß eine Wiederherstellung des alten Verhältnisses vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Amerika und Deutschland dringend erforderlich sei. In seinem Schlußwort konnte Präsident von Mendelssohn feststellen, daß, wenn auch keine bestimmten Ergebnisse erzielt seien, doch schon die Tatsacke einer freundschaftlichen Aussprache über gemeinsame Interessen zwischen Kaufleuten beider Nationen, die so mannigfache Beziehungen verbinden, ein erfreu- liches Ereignis sei. deffen Wiederholung dringend zu wünschen wäre. Die steigenden Dufterpreise. Die im vorgestrigen Abentblatt cnt- holtene Meldung von einem Anftehen der Butleipreiie wird durch den letzten Martlbericht einer führenden Berliner Butl-nfirma bestätigt. Der Bericht bemerk! daß die Zufuhren schwach blieben und zu erhöbten Preisen schlank untergebracht wurden.„Die Notierung mußte dieser Tendenz Rechnung trogen und aberrnals Kecaufgeictzt werden". Warum die Zufuhren ichwach blieben, ist leider nicht gesagt. Ein vernünftiger Grund dafür wird wohl auch kaum zu finden sein. ES sei denn, daß man das Spekulalions- bedürfnis der Produzenten, aus niedrigem Angebot erhöbte Preise zu erzielen, als einen„vernünftigen" Grund bezeichnet. So etwas nennt man dann:„Das freie Spiel der Kräfte". Desenttiche Besserung der deutschösterrcichischen Handelsbilanz. Ctner Wime« WTB.-Meldung zufolge erreichte nach Mitteilung des Handelsstatistischen Dienstes in den ersten drei Monaten des laufen»,, o den Jahres die Einfuhr nach Oesterreich die Menge von 15.5 Millionen Doppelzentner gegen 1l,4, die Ausfuhr nahezu 3,8 Millionen Doppelzentner gegen 1,9 im gleichen Zeitraum des Borjahres. Die Einfuhcmerge steigerte sich also um 23 Proz., die Ausfuhrmenge um fast 100 Proz. Die bisher noch nicht vorliegende Wertbilanz dürste ein nach wesentlich günstigeres Ergebnis aufweisen als die Mei.gebilanz. Rund Dreiviertel der ganzen Einfuhrmenge bestanden in Kohle und Koks. Ein erfreu- liches Zeichen der Belebung der industriellen Tätigkeit bildet neben der gesteigerten Kohlenzufuhr auch die starke Einfuhr der indu- striellen Rohstoffe bei gleichzeitigem Rückgang des Imports der be- züglichen Fertigprodukte Rund 55 Proz. der gesamten Einfuhr- menge entfallen auf Deutschland, 25 Proz. aus die Tschechoslowakei. Bon der Ausfuhr entfallen 23 Proz. auf Italien, 22 Proz. auf die Tschechoslowakei. Reichswiftschaftsrat und Avsfuhradqabe. Ms Berichterstatter der vom R->parationsausIchuß des Reichswirischaftsrats eingesetzten Jndcxkommfffion hat Dr. H i l s e r d i n g einen Bericht ausgearbeitet, der sich mit der beweglichen Abgabe von 26 Proz. unserer Ausfuhr an die Entente besaßt. Der Bericht hat den Zweck, eine Grundloge zu finden, nach der dies« Reparationsabgabe unter B e r Ü ck s i ch t i» g u n g der jeweiligen Gesamtwirtfchastslags durch eine andere Zahlungsart abgelöst werden kann, da Deutschland laut Friedensvertrag das Recht hat. hierfür einen en-sprechenden Vorschlag zu unterbreiten. Der Bericht betont, daß die Gesamtausfuhr als Index schwere Nocheile aufweise. Die Ausfuhr sei über» Haupt kein Maß st ab für die Besserung einer Volkswirtschaft. In der jetzigen AüSsuhrzrmittlung ist di« Wiederausfuhr größtenteils mitentbalten. Dieser sogenannte Reexport bringe höchstens ein vaar Prozent Bermiltlunpegebühren, es sei unmöglich, ihn mit 26 Proz. zu belasten. Aehnlich slebe es mit dem Veredelungsverkehr, für den eine faiche Belastung ebenfalls nicht tragbor wäre. Es ergebe sich daher die Notwendigkeit des Versuches, zu einem Index zu gelangen, der durch fein Ansteigen die vermehrte Ertragsfähigkeit der Wirlfchaft erscheinen läßt. Dafür kämen in Betracht: 1. Produktionsindex, a.'so Angaben über die Höbe der Erzeugung wichtiger Massengüter, wie z. B. Kohle, Eisen. Getreide usw. 2. Verbrauchsindex, afio Ziffern über den Verbrauch von Tertilrobstaffen, Kaffee. Tee, Zucker 3. Ver» kehrsindex(Eisenbahn, Wasserstraßen, Post). 4. E r s v a r n i s< index lSparkasseneinlagen, Bankdepositen usw.). 5. Steuer- inder(Einkommensteuer, Umsatzsteuer usw.). 6. Valutaindex (das Sinken der Mark als Zeichen einer Verschlechterung der Wirt- schaft und umgekehrt). Dazu käme dann nach die Berücksichtigung anderer wirtschafilicher Momente, wie die Feststellung des B e s ch ä f- tigungsgrades der Arbeiter oder Zunahme bziv. Abnahme der Staatsschulden pro Kopf der Bevölkerung. kabelbau zwischen Deutschland und Amerika? Gegenüber der Meldung eines Berliner Blattes, daß die Errichtung eines direkten Kabels zwischen Deuffchland und den Bereinigten Staaten von Amerika infolge„bureaukratischer Bedenklichkeiten" auf deuffcher Seite nicht zustandegekommen wäre, wird dem WTB. von zu- ständiger Stelle mitgeteilt, daß abschließende Verhandlungen über den Gegenstand nicht stattgefunden haben und daß deshalb von einem NichtZustandekommen des bezeichneten Projektes nicht gesprochen werden kann. Ein rumänisches Enkelgnunosgeseiz gegen Ausländer. Aul Er- suchen des Außenministers Take Ianescu hat die rumänische Kammer einer Anzahl von Zusatzanträgen zum Enteignunosgesetz zugestimmt. die sämtlich das Eigentum von Ausländern betreffen. Donach kann fortan Ackerland im Besib von Ausländern aävzlich enteirniet. werden, wenn die ausländischen Eigentümer zehn Jahre lann au�er- halb Rumäniens sich aufhalten oder ihren Agrarbesitz unbebaut lasien. Damit werden Ausländer auf die gleiche Stufe mit rumänischen Eigentümern gestellt. GLWerksckmftsbewsgung Gewerkschaftliche Arbeits los envertretuug AuS dem Bureau der Berliner GewerkschastStommission wird unS geschrieben: Seit geraumer Zeit sind die freigelvcrkschaftlichen Arbeitslosen dertreter im Jnieresse der Erwerbslosen in der Erwerbs- losenfürsorge der Stadtgemeinde Berlin tälig. Fast in allen GeschäflSstellcn der einzelnen VerwaltungSbeziike macht sich diese ersprießliche Täiigkeil für die ArbeilSloieii bemerlbar, die sich vor- wiegend daraus bezieht, die Erwerbslosen in allen Fragen der Füriorgetätigkeit zu beraten. Immer zeigt eS sich, wie nol- weudig es war, diese Einrichuing durch die Gcwerkschafien zu schaffen, obwohl cS vorher harter Kämpfe bedurfle, bis sich der Gedanke durchseyle, daß die Jnieresien der ArbcilSIojen rein wirt- ichaflliche sind und deshalb keine polmiche, sondern eine w i r I- schaftliche Interessenverlretung geschaffen werden mußte. Der Berliner GewerkschaftSkomniission ist es nach vieler Mühe gelungen, diesen Gedanken in der organisierten Arbeiterschaft durchzuscyen. Der Srreit, ob wirtschaftliche oder politische Arbeitslosenrätef kann als überwunden gelten. ES liegt nun im Interesse der Erwerbslosen der Stadtgememde Berlin, von dieser Einrichtung regen Gebrauch zu machen und alle Beschwerden und Wünsche, die sich auf dw Erwerbs- loseuunterstüynng beziehen und alle Fälle, in denen sie glauben. daß ihnen von den behördlichen Stellen Unrecht geschehen ist, den Arbeitslosenvertreiern der Gewerkichafren zu umerbreiten. Man wende sich deshalb an die f r e i g e w e r l i ch a f r l i ch e n Arbeits- losenvertreier der am nächsten gelegenen Geschäftsstelle semeS Berwaltungsbezirks: i» besonders schwierigen Fällen an die Ver- treter in der Zenirale der ErwerbSlosensürsorge im Marstallgebäude. Bereitwilligst werden alle Anliegen entgegengenommen, Beschwerden weitergegeben und sachgemäß erledigr. Den ArbeitSloienvertreiern der Getverkschaflen ist besonders Gelegenheit gegeben, in den Für- sorgeauSichüssen die Interessen der Arbeitslosen nachdrücklichst zu vertreten._____ Tie Stern-Tampfergescllschaft— organisationSfeindlich! Reaktionäre Arbeitgeber gibt es, wie überall, auch in den Berliner Wasserstraßen, ksier ist in erster Linie die Stern-Gesell- s ch a f t zu nennen, die es nach wie vor ablehnt, mit den Gewert- schasten einen Tarifvertrag abzrischließen. Diese Gesellschaft bekämpft die Gewerkschaften der Schiffsmannschaften mit allen Mitteln und scheut sich nicht, die Gcwerkschnft-angestellten zu beschimpfen und ihn?n die Agitation auf ihren Schiffen zu verbieten. Dabei rühren die Profite der Dampfcraesellschaftcn zu 95 Proz. direkt ans Ar- beitergroschen her. Der Menschenschwarm, der jetzt jeden Morgen von der Jannowitzbrücke nach den Dampfern strömt, besteht durchweg aus Arbeiter- und Angeftelltenfamilien. Wir appellieren daher an alle Genossen und Ge- n o s s i n n e n, bei etwaigen Ausflügen die Dampfer solcher Gesell- schasten zu benützen, die mit uns im Tarifverhültnis stehen und die den Schiffsmannschaften anständige Löhne zahlen. Wir wollen nicht. daß bei einer— lüstündigen Arbeitszeit 190 M. Wochenlohn gezahlt wird und die Mannschaften obendrein zum Winter auf das Straßen- pflaster gesetzt werden. Folgende Firmen haben mit un« einen Tarifabschluß und wünschen wir, diese zu berücksichtigen: die Firma Robiling an der? a n n o w i tz b r ü ck e, L a n a w a! l u. Schmolle an der Waisenbrücke, ferner die Firma Kieck, Oberbaum- brücke. Diese Firmen besitzen Dampfer, die der Neuzeit ent- sprechend und auf das bequemste eingerichtet find. Auch hier muß Solidarität geübt werden! Zentraloerband der Maschini st en und Heizer. Tie SPT.-Metaklarbeitcr zum Verbaudstag. Zu den bevorstehenden Wahlen der Delegierten zum Verbands- tag in Jena nabmcn die SPD.-M'etallarbeiier in einer Versammlung am Donnerstag im.Teuiichen Hof" Stellung. Rcfereni war Wa tfchizky, der auf die wichtigen Aufgaben des Verbands- rages in seinen Ausführungen binwws und die Noiwcndigkert be- tonle, einmütig für die Wahl solcher Delegierten einzu:reien, die auf dem Boden der selbständigen einheitlichen gewerl'chaitlichen Organisation stehen. Den koalierten Uniernebmern müffe eine ge- fchlossene gewerkschaftliche Organisaiion enigegenaestcllt werden. Der Redner berichiete serner über die mit den UZP.-Kollegen getroffene Verständigung zur Anistellung einer gemeinsamen Kandi- daienliste und forderte die Kollegen auf, nunmehr ihre Vrlicht bei den Delegiertenwahlen zu run. die am Sonntag, den 24. Juli, statisindcu. An der folgende» Aussprache beteiligicn sich noch mehrere Redner, die ebenfalls z» einer energischen Agitation für die Wahlen auiforderten. Auch die erwerbslosen Kollegen sollten sich nicht von Parolen leiten lassen, die nur der Zersplitterung dienen, sie sollten bedenken, daß alles, was für die Erwerbslosen getan wurde, nur den Gewerlfchaitcn zu danken ist. Achkunz. Töpfer! Die Firma Krieger, Engelufer. Ecke Abalberlstrnße, ist wegen Lohndiffercnzen für organisierte Töpfer g e s p e r r r. Die Filialleirung. s verband der vnchblnder und PapkerverarbeNee veukschkands. Ortsverwaltung Berlin. Da in der„Neuen Welt" mn Man- tag, den 18. Juli, die Feier des Guten Montags statt- findet, bleibt das Bureau von 1 Uhr ab geschlossen. Billetts zum Guten Montag sind bei den Kassierern, in den Zahlstellen, auf dem Bureau und an der Kaste noch erhältlich. Die Ortsverwaltung. vom Gaswerk der Gasbetriebs-A.-G� Gitfchiner Str. 19, schreibt uns die Belegschaft: Der Hofarbeitsr Richter war bis vor etwa einem halben Jahre als Automatenkasfierer tätig, mußte jedoch diese Tätigkeit einstellen, weil er Frauen belästigte, die er auf seinen Dicnstgängen in ihrer Wohnung allein antraf. R. wurde nicht ent- lassen/sondern unter Zustimmung der Belegschaft im Werke als Hof- arbeiter weiterbeschäftigt. Nun hat sich Richter beurlauben fassen auf sieben Wochen, um sich der Orgesch in Oberschlesien zur Verfügung zu stellen. Gegen die Absicht, nachdem wieder als Hofarbeiter weiter zu arbeiten, hat sich die Belegschaft gesträubt. Die Direktion soll ihn deshalb wieder als Automatenkassierer beschäftigen wollen. Das könnte der Belegschaft an sich einerlei sein, doch er- wartet sie, daß die Direktion sowohl im Interesse des R. wie auch in ihrem eigenen Interesse es unterläßt, diesen Mann wieder auf die Automatengas-Berbraucherinnen loszulasten. „vlißstände im Krankenhaus Lankwitz." Der„Vorwärts" brachte am 21. Juni fRr. 283) einen Bericht, der uns aus Anlaß einer Ber- sammlung von Angestellten zugegangen war, in welcher eine Reihe von Beschwerden vorgebracht wurden über die Arbeitsverhältnisse, die hygienischen Berhältniste sowie über die Behandlung der weib- lichen Hausangestellten. Daraufhin sandte uns das Kuratorium des Krankenhauses eine Erwiderung, worin die aufgestellten Behaup- tungen bestritten wurden. Eine eingehende Untersuchung sollte er- folgen und von dem Ergebnis derselben Mitteilung gemacht werden. Jetzt erhielten wir die Abschrift einer preßgesetzlichen Berich«. oung, die der B e t r i e b s r a t von der„Roten Fahne" fordert. Diese Berichtigung bezieht sich zum größten Teil auf Behauptungen, die der„Vorwärts" nicht verbreitet hat. Daß das Personal 14 Stunden arbeite, wird als unwahr bezeichnet, auch daß alle Schwestern nur im Unteroffizierston mit Personal und Kranken verkehrten. Daß die Angestellten von den Schwestern gegen ihren Willen zum Kirchen- besuch veranlaßt werden, bleibt unerörtert. Als richtig wird erklärt, daß eine Angestellte drei Monate lang keine Bettwäsche bekam: sie habe sich infolge ihrer Nachlässigkeit zur festgesetzten Zeit keine Wäsche besorat.. Wir wollen auf die Berichtigung nicht weiter eingehen. Doch möchten wir sowohl dem Kuratorium wie dem Betriebsrat empfehlen, es nicht bei dieser„Berichtigung" bewenden zu lasten, sondern sorg- faltig darauf zu achten, daß etwa noch vorhandene Mißstände mög- lichst beseitigt und neue vermieden werden. Die Erhaltung des Friedens im vankgewerbe soll nach dem Der- lauf der gestrigen Besprechungen im Reichsarbeitsministeriuin unter Borsitz des Ministerialdirektors Dr. Sitzler als aussichtsreich erscheinen und eine schnelle Einigung der Parteien erwarten lasten.— Zwischen Unterwerfung oder Kampf bleibt demnach noch die Einigung. Ein neues Lohnsystem in Sowjctrustsand. Die Sowjetregierung hat für eine Reihe von Betrieben der In- dustrie und des Verkehrswesens versuchsweise folgende» System der Entlohnung eingeführt: Die mdioiduelle Dersorgung und Na- turalprämiierung der Arbeiter und Angestellten hört auf und wird durch Gcsamtzuweisungen ersetzt, die den einzelnen Betrieben, ohne Rücksicht auf Aenderungen ihres Personalbestandes, zur Verfügung gestellt werden. Diese Beträge und Naturalleistungen werden auf Grund der im März 1921 tatsächlich an die betreffenden Betriebe erfolgten Zuwendungen festgesetzt. Der Entlohnungsfonds darf je- doch nur in dem Falle vollständig verteilt werden, wenn das Pro- TexstteSetter rnff stark bokfchewMchem Einschlag eingesetzt habrn*. Diese Ausstände setzten erst ein, als durch den starken Rückgang der Valuta die Lebenshaltung der Arbeiter erheblich verschlechtert wurde. Die Jnduscriellen lehnten Berhandlungen ab, so daß die Arbeiter mit oder ohne bolschewistischem Einschlag zum Streik gezwungen waren. Das Lorgehen gegen die Streikenden ist durch diesen Vorwand sicher nicht gerechtfertigt. Ueber den Distrikt ist der Ausnahmezustand verhängt. Es ist also alles geschehen, den Streik mit Gewalt zu unterdrücken. duktionsprogramm voll erfüllt wird, anderenfalls soll ein dem Aus fall der Produttion entsprechender Teil des Fonds der Verteilung entzogen werden Das neue Entlohnungssystem stellt einen Versuch dar, die Arbeiterschaft der einzelnen Betriebe solidarisch an der Pro- duktivität der Arbeit und an der Einschränkung des Betriedsperfonals zu interessieren. Damit wäre das kommunistisch« Lohnsystem preisgegeben. Ist nun auch gegen die Einstellung eines gewissen Anreizes zur Arbeitsleistung an sich nichts einzuwenden, wie er in Sowjetruhland zumal auf die Dauer nicht entbehrt werden kann, so ist doch der dem kapitalistischen Aktordsystem entnommene Antrieb nicht einwandfrei, schwächere Arbeitskräste durch ihre eigenen Ar- beitskameraden aus den Betrieben zu verdrängen. Ein solches An- triebfystem bedeutet die Erstickung des gewerkschaftlichen Solidori- tätsgcdankens, der den Machthabern in Rußland ohnehin überflüssig erscheint. Ausdehnung des Streiks in Lodz. Die Zahl der Streikenden in Lodz nimmt beständig zu. Den Tertilarbeitern haben sich auch die Straßenbahner angesthlosten. Die Lohnverhandlungen zwischen den Druckereibesitzern und den Setzern wurden abgeschlossen. Den Setzern � wurde eine Lohnerhöhung von 30 Proz., dem Hilfspersonal eine Er- höhung von 50 Proz. zuerkannt. Ab lö. Juli kostet in Lodz die Nummer einer Zeitung 10 M. lpolnische Mark!). In das Gebiet von Lodz wurden drei Infanterieregimenter und Maschinengewehrabteilungen geschickt,„weil dort Ausstände der üer Setriebstäte-praxis. Begriff der„Zustimmung" des Schlichtungsausfchufses zur Kündigung eies Betricbsverkrelungsmitgliedes an Stelle der Dclriebsoerkretung. Nach§ 96 DRG. bedarf es zur Kündigung des Disnswerhält- nisses eines Betrisbsoertretungsmitgliedes der Zustimmung der Be- triebsvertretung: abgesehen von den besonderen Fällen, bei deren Borliegen diese Zustimmung nicht erforderlich ist. Im allgemeinen ist also sede Kündigung eines Betriebsoertreiungsmitgliedes überhaupt unwirksam, wenn die Zustimmung der Betriebsvertretung fehlt. Nach § 97 BRG. kann der Arbeitgeber die Ersetzung dieser fehlenden Zu« stimmung durch den Schllchlungsausschuß beantragen. Erjolgt die. selbe, so liegt, da vorher die Kündigung des Arbeitsgebers ungültig war,«in« Künigung erst vor von dem Moment ab, an welchem der Schlichtungsausschuß die fehlende Zustimmung der Betriebsvertretung ersetzt. Ein Letriebsvertretungsrnitglied ist im Falle von Kündi- gungsausschluß bis zu diesem Zeitpunkt zu beschäftigen bzw. zu be» zahlen Im Falle jedoch eine Kündigungsfrist vereinbart ist, kann bei der Ersetzung der Zustimmung zur Kündigung durch den Schlich- wngsausschuß die Kündigung erst von dem nächstmöglichen Kündi- gngstermin ab zu dem nächsten Entlastungstermin vorgenommen werden.._ Trotzdem die Rechtslage an sich nun klar Ist, sind die Ansichten der Kommentatoren des Betriebsrätegesetzes geteilt und die Urteil« der Schlichtungsausschüste entgegenstehend. Es fei daher aus nach- folgenden Descheid des Reichsarbeitsministers vom 6. Dezember 1920 I. A. 4412 zur Beachtung hingewiesen: „Eine nachträglich erklärte Zustimmung ist zwar zulässig, hat jdoch, selbst wenn man die Sprechweise des Bürgerlichen Gesetzbuches zugrunde legt, nicht rückwirkend« Kraft, da auch 8 164 BRG., indem er die Rückwirkung vorschreibt, zugleich als Auslegungsvorfchrist hin- zufügt:„Soweit nicht ein anderes bestimmt ist." Aus der Vorschrift des§ 97 Abs. 1 Satz 3 folgere ich sinngemäß, daß hier etwas an- deres bestimmt ist, daß nämlich das Dienstoerhältnis nur bei einer bis zum Beginn der Kündigungsfrist erklärten Zustimmung mit Ab- lauf der Kündigungsfrist endet. Die nach der Kündigung erklärt« Zustimmung wirkt daher zugunsten einer zu dem nächstfolgenden Kündiaungstermin ausdrücklich oder stillschweigend erneuerten Kun- digung."__ �ugenAveranftaltunyen. SlAtuoa! Da» liuqeadsckrctarlat bkfindct gch ab 16. Juli im ,,Vora>iirts-. Gebäude, SW. 66, Liudeastr. Z, 2. Kos liul», i Tic»?ca reckts. Di« Einkaus»- zentrale muß infolge de» Umzug«» oorläusig geschlafsea bleibe». Trefspimkle zum Mödchenwaldsest am Sonntag, den 17. Juli: Britz: S Uhr Jdealgenossenfckuist.— Gesundbrunnen: zh» Uhr Bahnhof Ge- snndbrvnnen, Sinaang BrunnenNraße.— Moabit: 7 Uhr Turm», Ecke Strom- strahe lDresdner Banlt.— RcnlSlla: 7 Uhr Rinqbahnhof.— Bikderschönenieide: 9 Uhr Bahnbof Niederscköneweidl.— Rirdcrsckönhauscu: 7 Uhr Friedensplatz.— Sioldost: 7 Uhr Alcxanderplotz.— Osten(Gtralaucr Viertel): 8 Uhr Rudolf- Plötz.— Schänebe.g 7: 8 Uhr S�äneberger Bahnhof.— Staaken: 7.15 Uhr Bahnhof- Ttaolen.— Sirglitz-fsriedenau l u. II: 6 Uhr ltaiscreiche.— Südost: 6 Uhr Eärlitzer Bahnhof.— Südmist: 7 Uhr Bllichervlatz.— Roscnthalcr Vorstadt: 7 Uhr Rosenthaler Platz(Normaluhr).— Wcihensce: 7 Uhr Antonplatz. Vorträge, Vereine unü versammivn�en. Deutscher Tr»»»partarbeltlr»erband. Am Dienstag, den lv. stuli, morgen« 7 Uhr, im Dchweizergarte», Am Friedrjchshain 29J3Z, große» Frühkonzert, veranstaltet vcn den Branchen der Wach, und Schließangestellten und Prtvad- mächter. Eintiittevrei» Z M. Billett» find noch im Bureau, Bapreurher Str. 31 und Engelufer 14/15, g immer 48, zu haben.— Allgemeine Kranken,»ad Sterbe- kaffe der Metallarbeiter. Filiale Berlin 8. Mitgliederversammlung Sonnabend, den 16. Juli, abend» 8)4 Uhr, bei Kapser, Reichenberger Str. 154. Briefkasten öer Reüaktt'on. Tchrifitiche Auskunft wird nicht erteilt. R. 22. Nähere» Ist»n» darüber nicht bekannt.— ech. R. 6. 1. Ja. Die Anmeldefrist ist aber stcherlich schon Uberschritten. Trotzdem aber käunen Sie «» versuchen. 2. An den Landrat de» Kreise». 8. Ja.— K. K. 75. Wächentlich 24 M.—«. M. 75. 1. Ja. 2. Etwa 20 M.- W.«. 13. Führen Sic Be. schwcrdc. Zum Erfolg wird ste aber nicht führen.— K. W. 1. Wenden Sie(ich an da» Bezirksamt(Jugendamt) oder an das Städtische Walsen Jakobstr. 33.— P.®. 47. Darüber läßt sich nicht» Bestimmte» Nordischer Abonnent. Vorläufig ist an eine Reform nicht zu der Waisenhau», Alto sagen.- denken. Ber» anlassen Sie Ihren Anwalt, da» Verfahren nach Mäglichkeit zu' beschleunigen.— T. K. F. 2000. Die Vorschriften de» neuen Gesetze» sind erst zum Teil in Kraft getreten. Im übrigen müssen auch noch die Auzsiiihrungsb-stimmung-n abge. wartet werden. Berantw kür den redal«. Teil Dr Weener Beiser. Cdarlottenbiirg: tür Anzeigen: Sil. ffllorf«. Berlin. Verlag. Vorwärls-Bcrlag«. m d. P.. Berlin. Druck Vor- wärts-Buchdruckerei u. Berlagsanfial« Vanl«inaer u. To.. Berlin. Lindeiltr. 8. 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