!tg.334-» ZS.�abrgass Ausgabe 3 Nr. 165 Bezugspreis: SiBdc!}ä6tL30,— M., raonaf L 10.— SS. irei ins Saus, voraus zahlbar. Poll- brzug: Monatlich w,— M.«inschl.gu- ilrlluniisgebllhr. Unter iirruzbaud für !?eutich>aud. Danzig. da, Eaor» und Memelaediet. low,« die ehemals beut- scheu Debiete Polen». Oesterrelib. Ungarn und Luhemdura 20,— 9JU für da, übrige Ausland 27,— M. Polt» beftellungm nehmen an Oesterreich. Ungar«. Tlchecno- Slowakei. Däne» mark. Holland, Luxemburg, Schwedru und die Schweiz. Der.vorwärts' mit der Sonntagsbeilage.Boll und Feit", der Unie> Hallungsbeilage �eimwelt' und der Beilage.Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentaglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „Sozlaldemckral Berlin" Abend Ausgabe Vevlinev VolKsblettt [ 20 Pfennig) Anzeigenpreis, vi««htgefpaltene N-mmrrrMe»««, koftri üchv M.Nlete,» Anzeigen' da» lettgedrmve Wori Ichd» lässig zwei fettgedruckl» Wort«).>»»., weiter. Wo« u— M. SteNengesug» und SchlaMeklenmizetgen da, srti, Wort ir— M» lebt»»etter» Wer, •0 Pf®,«ort» über» vnchslobn. ilhleu für zwei Worte. Familie».«n zeige» für«donueute» geil« 1—»Ji Die Preis, verstehe» sich«suschliehl i. r«»erun,»zuichlag. «nz eigen für die«ächst« Zfummn müsse» dt»»«st»»achmittag» n» dauytg-schäft. Berlin SW Sä. Linden stroste Zl abgegeben werde». Sedffne, m» 9 Uhr früh W» 6 Uhr»den». Zentralorgan der rozialdemokrattfchen parte» Deutfcblands Neüaktioa und Expedition: SW 68, �indenstr.Z �.»»»-it>�r>es,-�- Redaktion Moristplan I5li»S— S7 ,iki.rii,z,rrttirr. �x�ition Moristplatf I»7 SS— St Montag, den 18. Juli 1921 vorwärts-verlas G-m-b-h-, SW 68, Lindenstr. Z Kernivredter> Verlag-«rveditio»«nv Inserate». �ern,preryer. Moripplatz l»7SZ-St Frankreichs neuer Vorstoß. Wieder einmal hat sich die französische Regierung an- klagend und, mit leisen Untertönen der Drohung- fordernd an die deutsche gewandt. Die neue Pariser Note und der Bericht über den Besuch des Botschafters LaurentbeiMinister Rosen sind neue Dokumente der unverändert unfreundlichen Gesinnung, die Frankreich gegenüber dem deutschen Volke hegt. An den Ausführungen der französischen Note ist sicher das eine richtig- daß die Lage in Oberschlesien nach wie vor prekär bleibt. Dem Land, das in Ungewißheit der Entscheidung über sein Schicksal entgegensieht, fehlt jede stabile Autorität. Die JAK. ist in sich uneins und verfügt über keine unzureichende Macht. Die Bevölkerung ist auf beiden Seiten aufs äußerste gereizt, und beide Seiten trauen ein- ander Angriffsabsichten zu. Nach der polnischen Auffassung, der sich die französische Regierung wie immer rückhaltlos an- schließt, liegt die Gefahr nur aus deutscher Seite, aber die Geschichte Oberschlesiens seit dem Friedensschluß beweist klar das Gegentell. Die deutsche Regierung wird zweifellos bereit sein, den Transport alliierter Truppen nach Oberschlefien zu erleichtern, hat sie doch die Schwäche der Ordnungsmacht in Oberschlesien selbst immer lebhaft beklagt. Und wenn von ihr gefordert Wird, daß sie R« se r v e v e r b ä nd e für Oberschlesien aus chrem Boden nicht dulde, so entspricht diese Forderung dem Friedensvertrag und erheischt gleichfalls loyale Erfüllung. Nach demselben Friedensvertrag steht ihr aber ein maß- gebender Einfluß in Oberschlesien nicht zu, dieser ist a u f dieJAK. übergegangen, deren Ausgabe es ist, mit der Unordnung im Lande selber fertig zu werden. Auf diese Un- ordnung sind auch die bedauerlichen Angriffe auf Franzosen zurückzuführen, die nach der Auffassung der Pariser Regie- rung sämtlich von Angehörigen des Selbstschutzes begangen fein sollen. Zuzugeben ist, daß auch der Selbstschutz bedenkliche Elemente enthält, wie sie auf feiten der polnischen ljnsurgenten massenweise zu finden sind, aber kennzeichnend bleibt doch, daß die Pariser Regierung, auf einem Auge blind, nur die Ausschreitungen der einen sieht und nicht die der anderen, nur die chöser-Gefahr und nicht die Korfanty-Gefahr. Wozu noch zu bemerken ist, daß die französische Regie- rung nach übereinstimmenden deutschen Berichten dem Gene- ral Höser persönlich unrecht tut. Nicht er, sondern Kor- s a n t y war es, der im„Manchester Guardian" offen erklärte, einer Polen nicht befriedigenden Lösung der oberschlesischen Frage werde der bewaffnete Ausstand folgen. Aber die französische Regierung ist eben nicht nur auf einem Auge blind, sondern auch auf einem Ohr taub. Nach den neuesten Nachrichten soll nun doch die E n t- scheidung des Ober st en Rats in der Woche vom 2H. Juli bis zum 1. August gefaßt werden. Das ist. wie die französische Note mit einem kleinen freundschaftlichen Stich de- merkt, deshalb notwendig, weil der englische Premierminister am Monatsende feine Sommerferien antreten will. Es gibt aber auch noch andere, stärkere Gründe zu wünschen, daß das unglückliche Land bald aus dem Zustand der Ungewißheit und Unruhe erlöst werde, vorausgesetzt, daß die Entscheidung ge- recht ausfällt und so wirklich zur Erlösung wird. Wenn aber Frankreich gar keine Sorge darüber zeigt, wie diasle Entscheidung von Polen aufgenommen werden wird. wahrend sie über ihre voraussichtliche Ausnahme i n Deutschland offensichtlich arg beunruhigt ist, so läßt das auch schon einigermaßen auf den Inhalt schließen, den sie nach französischer Absicht hoben soll. Das deutsche Volk steht sicherlich geschlosien auf dem Boden der Auffassung, die zuletzt wieder in der großen Ber» liner Phllharmonie-Bersammlung von Gerhart Haupt- mann und den Vertreteern der politischen Parteien vertreten worden ist. Nachdem die oberschlesische Bevölkerung selbst aus- gerufen worden ist und sich mit großer Mehrheit für das Ver- bleiben bei Deutschland ausgesprochen hat, hält man es hier- zulande allgemein für gerecht, daß Oberschlesien als ein Ganzes behandelt und der Wunsch feiner Bevölkerung respektiert wird. Das deutsche Volt weiß aber sehr genau, daß der Frieden von Versailles, der ursprünglich ja ganz Ober- schlesien gegen den jetzt festgestellten Willen der Bevölke- rung ungefragt an Polen geben wollte, kein Instrument zur Verwirklichung einer idealen Gerechtigkeit ist, es wird die Ent- scheidung. wenn nicht als gerecht, so doch als erträglich schon dann empfinden, wenn der Sinn des Selbstbestimmungs- recksts nicht geradewegs in sein Gegentell umgewendet und die Eristenznotwendigteit der schwer belasteten deutschen Wirt- schaff nicht verkannt wird. Die französische Regierung verlangt von der deutschen Regierung— von ihr allein, nicht auch von der polnischen—, sie solle»alle notwendigen Maßregeln treffen, damit die Eist» scheidi'ngen der alliierten Mächt« und die Ausführung des Friedensvertrags in Oberschlesien keinen Widerstand sinden". Nach dem Friedensvertrag soll die deutsche Regie- rung im Laufe eines Monats nach erfolgter Grenzsestsetzung den Deutschland zuerkannten Landesteil wieder in ihre Macht übernehmen, und innerhalb derselben Frist hat die polnische Regierung für die Verwaltimg der als polnisch anerkannten Gebiete zu sorgen. Das heißt: von dem Augenblick an, in dem die Grenzsestsetzung erfolgt ist, hat die deutsche Regierung in dem als polnisch anerkannten Teil Oberschlesiens überhaupt und ein für allemal garnichts mehrzu sagen. Man kann hier billigerweise nur ein negatives Verhalten van ihr verlangen, nämlich das Unterlassen jeglicher Einwirkung auf die Deutschen des abgetrennten Gebiets. Dieses Unterlassen ist eine Pflicht, die fich der deutschen Regierung auch ohne besondere Mahnung von selber aus- drängen wird. Denn erstens könnte sie durch eine solche Ein- Wirkung die Lage der Deutschen im abgetrennten Gebiet nur verschlimmern, zweitens würde sie sich in die Gefahr eines internationalen Konflikts begeben, den sie nicht wünscht und den durchzutrotzen ihr jede Macht fehlt. Darüber hinaus liegt es i.i ihrem eigenen Interesse, nach Kräften zu verhindern, daß nationalistisch überhitzte Elemente der deutschen Sache Bärendienste leisten. Helfen können ihr die allnerien Regierungen bei diesem Bestreben, wenn sie bei ihrer Entscheidung bedenken wollten, daß man auch die Deuffchen nicht zur Verzweiflung treiben soll. 5ranzösische Truppenverftärkungen l Korrespondenz B. S. ineldet: Das Oberkommando der französischen Rheinarmee hm aus Paris den Befehl erhalten, eine seiner Infanteriedivisionen mit Kavallerie zum Abtransport nach Oberschlefien bereitzuhalten und dieserhalb mit den deutschen Eisen- bahnbehörden in Verbindung zu treten. Ms Ersatz für diese nach Oberschlesien abzugebende Division ist dem Oberkommando eine farbige Dwision zur Verfügung gestellt worden. Die französtschen Truppenverstärkungen stnd auf Anforderungen des Gene- rals L« Rond zurückzuführen, der sie angesichts der englischen Truppenverstärkungen und des selbstbewußten Auftreten» der Eng- lönder und des Generale Hennecker zur Stärkung des französischen Ansehens für erforderlich hielt. Man vertritt französischerseits den Standpunkt, daß, je größer dos von einer Macht gestellte Truppen- kontingent sei» um so größer auch der diesem zugewiesene B e- satzungsabschnitt sein müsse. Man hofft auf diese Weise die Italiener auf einen ganz kleinen Raum links der Oder zu be- schränken, die Engländer aber wieder aus den von ihnen be- setzten Teilen des oberschlesischen Industriegebiets herauszudrängen und sie in die Kreise Kreuzburg, Rosenberg und Lublinitz verschieben zu können. Drohung mit RuhrgebietSbesetzung. Pari». 18. Juli. fWTB.) Pertinax schreibt im„Echo de Paris": Di« franzöfifche Regierung müsse bis zur letzten Konse- qenz die diplomatisch« Verhandlung verfolgen, die man in Berlin eingeleitet habe. Man müsse nicht nur die Militärmacht in Ober- schlesien verstärken, sondern sich vor allem vor de» Toren des Ruhrgebiets bewaffnen, man werde jedenfalls einen großen Lärm vernehmen. Das Ministerium werde dann drohen, daß es von Rationalisten ersetzt werde. Feinde und Alliierte würden Frankreich ersuchen, die Verhandlungen Loucheur-Rathenau-Berg- mann nicht zu unterbrechen. Aber, so sagt Pertinax, lassen wir uns nicht von dem Weg abbringen, auf den wir nach längerem Umherirren gelangt find. Möge Ministerpräsident Briand die Probe bestehen; wir können nicht glauben, daß er bei dem Ver- langen, die interalliierten Verhandlungen bis zum September zu vertagen, nur einfach für die Politik der geringeren Anstrengung hat eintreten wollen. Auch das.Journal" erklärt, daß es für die Wiederherstcl- lung der Ordnung in Oberschlesien wie für die Aufrechterhaltung de» europäischen Friedens notwendig fei, daß der Vertreter Großbritan» mens in Berlin sich dem Schritt Laurents anschließe. Wenn Lloyd George sich nicht entschließen könne, durch eine gemeinsam« Aktion Englands und Frankreichs den Respekt vor den Friedensverträgen so seien die schwersten Ereignisse zu befürchten. Pari». 18. Juli.(WTB.) Die Pariser Morgenpresse bereitet der französtschen Rot« über Oberschlesien nur eine teilweise zustimmende Ausnahme. Auch der Regierung nahestehende Blätter drücken Zweifel darüber aus, ob die vom Ministerpräsidenten angenom- m«n« Haltung die richtig« sei. vor allem äußert sich.Petit Parisien" skeptisch. Philipp« Willst schreibt in diesem Blatt« u. a.: I« mehr man dt« endgültig« I Lösung, vor die man die Polen und Deutschen stellen müsse, hin- j ousjöqer«, desto mehr müsse die Erregung beiderseits wachsen.- Dos Problem der Grenzziehung gemäß den Ergebnissen der Volk». � abstimmung sei offenbar mit Absicht kompliziert worden. E» sei j schon seltsam, daß man bi» zum 20. März 1S21 gewartet habe, um. abstimmen zu lassen. Da» hätte sech» Monate früher geschehen können. Jetzt besind« man sich seit vielen Wochen ovr eknem Ber- mittlungsvorschlage de, Grafen Sforza, den die Polen in großen Linien anzunehmen bereit seien. Worauf warte man nun noch, um ihn onzunehmenk .Figaro" sagt, in Paris weigere man sich, die oberschlesische Frage als eine rein örtliche anzusehen. Dadurch werde die gesamt« deutsche Frage in ihrem vollen Umfang aufgerollt. Es bestehe Ge- fahr, daß man aus Oberschlesien ein neues Irland mache und noch obendrein da» Feuer in Europa wieder onaünd«, .G a u l o i s" schreibt, die oberschlesische Angelegenheit erscheine bedauernswert. Es handle sich hier um eine Friedensstörung, deren Konsequenzen beträchtlich seien und schließlich vielleicht auch das Reparationsabkommen zwischen Loucheur und Rathenau in Frage stellen könnten. Das Gewerkschaftsbiatt„L e P eu pte" schreibt, e« sei nicht daran zu zweifeln, daß die französische Rote einen direkten Angriff gegen die englische Regierung darstelle. Zwei Ding« erregten in der Rot« Hauptsächtich Anstoß. Da» ein« sei, daß die französischen Diplomaten trotz aller Ersahrun- gen nicht darauf verzichten wollten, Frankreich den Gendarmen ipielen zu lassen, dos zweit«, daß die militärischen Mahnahmen den Eindruck erwecken würden. Frankreich treffe Vorbereitungen ,u einer Lösung, die sich nur mit Gewalt durchsetzen lasse.. „P o p u l a i r e" führt aus: Die französischen Soldaten sollen noch einmal und immer wieder das traurige und gefährliche Handwerk de» «uropäischen Gendarmen spielen. Di« öffentlich« Meinung der französischeu ArbMerweA wird gerechterweise erregt sein, wenn sie vernimmt, daß die fronzSsisch« Regierung Dortehrungen zur Entsendung von Verstärkungen getroffen hat, ohne da» Parlament vor Sessionsschluß;n befragen. Das Blatt fragt, warum die französisch« Regierung nur auf die Ver- antwortlichkeit Deutschlands bei den augenblicklichen verwick- lungen des vberschlessschen Konflikts anlpiel«, gerade als ob der . Aufstand Korfantys nicht stattgefunden habe, und wie man von einer �improvisierten Entscheidung sprechen könne, vier voll« Monate nach der Volksabstimmnng? .Er« Nouoelle' billigt den Schritt de» Ministerprästdenten Briand and sagt, wenn die Kabinette von London und Rom dem Verlangen nach Entsendung von Verstärkungen nachgeben würden, dann sei der erste Schritt zur Lösung des Konfliktes geschehen, dem man seit dem Kriege ausgesetzt sei. u m a n i t e sogt Soldaten, selbst wenn sie in großer Menge auftreten würden, seien niemal« ein Mittel gewesen, den Krieg zu vermeiden. Gustave Hirv6 nennt in der„Aictoire" den französischen Borschlag, Verstärkungen nach Oberschlesien zu schicken, die Klug. heit selbst. „Journal de» Debats" bemerkt: Briand Hab« vielleicht nicht unrecht, eine Verhandlung zu befürchten, die bei der äugen- bllcklichen Lage der Dinge zweifelsohne nur das Erg»bnls haben würde, den Segensaß der Standpunkte Ins Licht zu setzen. Das Blatt meint ferner, man dürfe numnehr hoffen, daß die alliierten Regierungen einsehen würden, daß man mit der oberschlesischen Frage Schluß machen müsse. Die Ber- stärkung des Besatzungsheere« sei tatsächlich notwendig' man müsse an Ort und Stell« genügend Truppen besitzen, um in jedem Augen- blick den Widerstand zu brechen, wenn die endgültige Entscheidung ausgesprochen würde, die aber auch dann ausgrfühn werden müßte. Die Englänüer in Oberschlesien. Beulhen. 18. Juli.n?>-i!s Sytidicaux Revolutionaires,„Revolutionäre Gewerkschaftsräte") in Frankreich gebildet haben, wurde ihm ent- gegengehaltcn, daß die Tätigkeit dieser„Zellen" bisher darin be- standen habe, die andersdenkenden Führer der C. C. T. mit allen Mitteln, vor allem mit der Waffe der Verleumdung herunterzureißen. Das bestritt der biedere Monatte, fügte jedoch im gleichen Atem hinzu,: „Es ist allerdings in gewisse Fällen den Mitglie- der» der„Revolutionnären Gewerkschaftsräte" erlaubt, zu lügen, wie mau eben für eine heilige Sache lügl." Man kann nicht einmal behaupten, daß Monatte mit diesem Bekenntnis aus der Moskauer Schule geplaudert habe, da ja sogar der Herr Oberlehrer Lenin einst offen die Berechtigung und die Notwendigkell von Lug, Betrug usw. zur Förderung der kommunisti- schen Ideen ausgesprochen hat. Indessen ist die Aeußerung Monattos sin neuer Beweis dafür, daß die Kommunisten aller Länder diese allerhöchste Weisung wörtlich befolgen. Die Kommunisten dürfen sich demnach weder wundern noch kränken, wenn wir jeden chrer Führer für einen g e w e r b s- mäßigen Lügner, jedes ihrer Organe für ein gewer bs- mäßiges Lügenblott erklären. Sie würden sogar darüber stolz sein müssen, denn ihre Sache bzw. ihr Gewerbe ist ja, nicht wahr,„hellig"...._ Attentat in Spanien. Auf den Borsitzenden der spanischen Ar- beitzeberoereinigung wurde ein Attentat verübt. Er wurde von mehreren Kugeln getroffen. Sein Zustand ist ernst. Die unbekann- ten Angreifer sind entkommen. Reben künsslerischer Begabung muß sie Geduld, Akkuratesse und praktischen Blick besitzen. In den Dereinigten Staaten hat sich der weibliche Architekt im Baugewerbe feinen Platz erobert, besonders bei der Errichtung kleinerer Häuser. Alle Baugewerkschulen und Kunstakademien stehen ihr offen, und jedes Jahr wenden sich mehr Frauen diesem Beruf zu. Des Ideal ist nach meiner Meinung die Zusammenarbeit von Mann und Frau, die gemein- sam die Entwürfe für ein Gebäude auearbeiten. Das kann natür- lich nur bei großen Aufqahen der Fall fein, aber dann hat das Zu- fammenwirken eines männlichen und weiblichen Architekten die besten Erfolge gehabt." Die Repertoire der Sowiel-Bühnen. Wir hoben schon allerlei von dem russischen Theater gehört, was aber eigentlich auf den künstlerischen Sowjet-Bühnen gespielt wird, war bisher nie genau angegeben. In einem Aufsatz der„Freien Deutschen Bolksbühne" teilt nun Iwan Falud! darüber Genaueres mit. Unter den Klassikern ist danach besonders Shakespeares„J ulius Cäsar" beliebt» unter Ibsens Dramen der„Brand". Häufig er- scheinen aus dem Repertoire Schillers„Wilhelm Tell" und„Die Räuber", Calderons„Liebe im Jenseits", Gogols„Revisor" und„Heiraten", ferner einige Stücke von Ossrowski, und besonders geliebt wird Berhaerens„Aufruhr". Mit Hebbel und Strind- berg weiß man wenig anzufangen, dagegen ist Romain R 0 l- l a n d s bei' uns fast unbekannte„Belagerung der Bastille" ein Hauptzugstück, das jedes Provinztheater auf fein Repertoire gesetzt hat. Einige Fanatiker haben versucht, reine Agitationsliter a- tur aufzuführen, wie„Der rote Winkel" oder„Um die roten Sow- jets", haben damit aber, wenigstens auf den Moskauer Bühnen, kein Glück gehabt. Selbstverständlich hat der Geschmack der großen Masse mit solchen Anstrengungen, ein künstlerisches Repertoire durchzu- führen, nicht Schritt gehalten. So klagt z. B. das in Iwanowa- Wesnefenft erscheinende Blatt„Arbeiterreich", daß das dortige „Volkstheater" lauter Paffen aufführe, wie z. B.„Der f ü n- dige Offiziersbursche" oder Hammelfleisch mit S p e ck", worauf dann Tanzbelustigungen stattfinden. Me der Halbmond zum ottomanisch?» Wappen wurde. Am 2. Juli, morgens um S Uhr, konnte man in Konstantinopel und auch anderwärts das Phänomen der Bedeckunq der Venus durch den Mond beobachten, ein Vorgang, den die Türken als oerheißungs- volles Glückszeichen deuteten. Bei dieser Gelegenheit weist die „Morning Post" darauf hin, daß der abnehmende Halbmond mit dem Stern zwischen den Hörnern seit dem 13. Jahrhundert als will- tärifche» und religiöses Emblem bei den Ottomanen in Brauch ist. Gleichwohl Ist die Dcrehrunq für den Halbmond ungleich älter. Sie hat in der Geschichte jener Länder schon über 2000 Jahre eine wichtige Rolle gespielt und reicht bis zum Lahre 339 v. Ebr. zurück. Damals hatte das plötzliche Aufleuchten des Mondes aus den Wolken in einer stockdunklen Nacht das Heranrücken des mazedonischen Heeres oerraten. Und dieses militärische Wohlverbalten de» Mondes verschaffte ihm die Ehre, zum Sinnbild der Machtfülle von Byzanz erhoben zu werden. das Echo des LZ-Ooot-Ürtdls. Lehrreich ist die Haltung der Rechtspresse zum Urteil des Reichsgerichts über die beiden U-Boot-Osfiziere. Bisher wur- den die Entscheidungen in den Kriegsverbrecherprozessen zu- n'Ztft gerade in jenen Blättern mit einem wahren Freuden» peheul begrüßt, das der Auswirkung der objektiven Arbeit des höchsten deutschen Gerichtshofes durchaus abträglich war. Das jüngste Urteil des Reichsgerichts, das doch auf dem gleichen Rechtsboden gewachsen ist, wie die vorhergegangenen, hat den deutschen Haß- und Wiedervergeltungstrompeten bei- nahe den Atem genommen. Einige von ihnen begnügen sich mit weniger oder mehr gekürzten Auszügen aus der Urteils- begründung. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" des Herrn Etinnes gibt schweren Herzens zu,„daß das höchste deutsche C-ericht unter Zurücksetzung aller nationalen Beschwe- rungen und Empfindungen versucht hat, den Tatbestand aufzuklären und die Strafe zu verhängen, die es für an- gemessen erachtete". Damit ist die giftige Kritik an den Rich- kern so sauber in die Anerkennung des Urtelles eingepackt, daß es die Mehrzahl der Leser dieser Zeitung gar nicht schmecken werden. Anders ist es bei der„Deutschen Tageszeitung". Sie z-tert über„Englands neuen Sieg" und macht dem Reichs- pericht den Borwurf, daß es nicht gewartet habe, bis der Kommandant Patzig— erwischt worden sei! Da hätten wir lcnge auf eine Sühne warten können. Aber sogar die„Deutsche Tageszeitung" kann gegenüber der Wucht der Tatsachen nicht bestreiten, daß„Verdachtsmomente" für den Versuch, die wider die Untat zeugenden Rettungsboote zu vernichten, bestehen blieben. Sie meint nur, für die etwa geschehenen Maßnah- msn seien nicht die Verurtellten, sondern der unauffindbare Kommandant Patzig verantwortlich. Die„Kreuzzeitung" ist fachlkcher und vornehmer, da wo die„Deutsche Tageszeitung" nnt vollen Iauchenkübeln arbeitet— man muß sich seinen L-esern anpassen— da sagt die„Kreuzzeitung" nur„Pfui". Diese kühlere Art des Kampfes hat ihr Zeit zu der Erkenntnis gslasien, daß„auf Grund der Beweisaufnahme das Reichs- gsricht zu einem Freispruch nicht wohl kommen" konnte. Das ist auch unsere Auffasiung. Der„Vorwärts" hat zur Frage der Kriegsverbrecher- Prozesse grundsätzlich schon verschiedentlich Stellung genommen. Deswegen sei heute nur wiederholt, daß wir die Kriegsver- brecher als eine Zutat jeder Nation zum Weltkrieg ansehen. Es wird sich da höchstens ein kleiner Unterschied insofern machen lassen, daß die allgemeine Kultur eines Landes die geistige Verfassung seiner Kriegsverbrecher mit bestimmt. Der Krieg entfesselt die Unvernunft und die Bestien in allen Ländern. Wir hoffen und wünschen, daß die Leipziger Kriegsver- brecherprozesse in allen am Krieg beteiligt gewesenen Ländern so viel gleichartiges Anklagematerial an die Oeffentlichkeit bringen, daß die Urheber der Pnnesie einsehen werden, sie haben mit der Forderung nach ihrer Durchführung nicht Deutschland ollein, sondern allen am Krieg schuldigen Regierungen den Stempel aufgedrückt, den sie verdienen: Verbrecher an der Menschheit. Die öeutlcbe Riefenleiftung. Paris. 13. Juli.(WTA.) Heber die von Deutschland in Aus- fhhrung des Lahlungsplanes geleiststeu Zahlungen wird nachstehende Tltttellung veröffentlicht: Di« deutsch« Regierung hat an die Repa- rNümskammisflon eine neue Zahlung im BeNag« von ungefähr LI Millionen Gold mark in«uropSischen Valuten geleistet. Die Zahlung wird zur Amortisation d:r Reichsschatzwechf«!»erwen- bet, die in Ausführung des Artikels 5 des Zahlungsplanes ausge- bmdigt worden sind. Die gegenwärtige Lage hinsichtlich der Aus- stihrung des genannten Artikels ist di« folgende: Zahlen in Gold- m a r i r a t e n auf drei Monate Ende Mai übergeben: 339 672 000 Barzahlungen, zur Vervollständigung der Milliarde 130 427 000, Gesamtsumm«: 1 000 000 000. Deutschland hat bis heute sür die Amortisierung der Tratten eine Summe von 114 949 690 Goldmark gezahlt mit Einschluß der soeben geleisteten Zahlung von 31 Millionen Goldmart, wodurch di« Gesamtsumme der Bar- zahlungen vom Monat Mai ab auf 160 427 000 Goldmork-s- 114 949 690 Goldmark— 275 376 690 Goldmark gebracht wird. Die obigen Zahlen bleiben evenwell kleinen Veränderungen unterworfen. Außerdem hat die Kriegslastenkommission soeben die Reparationskommission davon m Kenntnis gefetzt, daß die deutsche Regierung eine abermalige Zahlung von zirka 41 Mit- lionen Goldmark in verschiedenen europäischen Valuten an- bietet._ Eaillaux' Losung. Pari», 18. Juli.(EP.) Im.Progres Civlgue", einer wöchentlichen Zeitschrift für politische Kritik und sachliche Verbesserung, hat E a i l l a u x eine lange Studie der jetzigen Lage soeben beendet. Seine Schlußfolgerung ist, daß der einzige Ausweg aus der jetzigen Lage, wenn man nichts von einem allgemeinen Kon- kurs oder von einer Kopitulicrung Europas vor den Vereinigten Staaten wissen will, der ist, die Kriegsschulden zu inlcrnaiionall- sieren, verbunden mit dem Plane einer raschen Amortisation. Die Mittel für diese Amortisation würden aus einer Vorausnahme aus dem Kapital entnommen, und Eoillaux schlägt vor. diese Voraus- nähme auf dem Wege einer allgemeinen Erbschaftssteuer auszu- führen. Europa, so meint Caillaux, ist heute von den neuen Reichen, die in allen Ländern aus dem Kriege skrupellose Gewinne gezogen haben, zum Abgrunde geführt. Mit dieser Plutokratie soll ein Ende gemacht werden, und aus diesem Fkapital soll man die Mittel nehmen, die Kriegsschulden zu bezahlen. �ouhaux für �lutonomfe Gberschlesiens. Im.Progres Eivigue" liest man einen inkeresianken Bericht des Generalsekretärs der EST. 3 ouhaux über die Ergebnisse der Li om Mission, die vom Interalliierten Gewcrkschastsbund nach Obcrschlesien geschickt wurde. Die Delegation bestand aus Ion- t, a u x- Frankreich. Fimmen als Delegierten des Internationalen Gewerkfchaftsbundes. kohl- Deutschland und Zulawski- Polen. Iouhaux stellt fest, daßdasindustrielleReolcr Oberlckstestens eis einheitliches Ganzes anzusehen ist. Er gibt dafür i-.ehrere Beweise, die zwar alle dem entstammen, daß der Umstand, daß das Gebiet kapilallflisch ausgebeutet werde, es unmöglich mache, da» Gebiet zu teilen, ohne seiner Produk- tivitäl zu schaden. Die Frage der Teilung aus rein n a t i o- nalen Gründen ist unlösbar. Die nationalen Thesen sind ja aus beiden Sellen anfechtbar, weil sie wahres mit Fal- schern verwischen. Das beste wäre, schließt Jouhaur, der anscheinend ! ie Meinung der ganzen Delegation vertritt, an Oberschlesieu die Autonomie zu gewähre« unter Kontrolle des Völker- bunda und diesem Gebiet die offene Tür aus beiden Leiten zu garantieren. Geoß'Serün' � Näöchenwalüfeft. Klarblau der Himmel, golden die Sonne, fröhlich die Schar der jungen Mädchen, die om Sonntagmorgen mit großen Packen be- laden zur Wiese nach Zaulsdorf zum Mädchenwaldfest gehen. Ein Bursche trabt mit einer Laute hinterher. Ob es ge- lingen wird?— denkt er. Aber die Mädchen schreiten so fröhlich dahin und ihr Lachen klingt so beruhigend, daß jeder Zweifel schwindet. Und mit Recht. Das Mädchenwaldfest ist bis ins klein st e gelungen und hat den vielen Teilnehmern hohe Freude gewährt. Es war so recht ein Fest der Arbeiterjugend. Ein starker Wille und Glaube am Gelingen des Festes baut« aus den Herzen und Händen der Mädchen einen Tag auf, der farbenprächtig vorüberzog. Er bewies, daß auch die weibliche Jugend der mann- lichen völlig Gleichwertiges zur Seite stellen kann. Das allen zu zeigen, war Zweck der Veranstaltung. Jugcndgenossin Trude Ludwig sprach es aus und fand ein Echo bei allen, die ihr zuhörten. Dann sprach eine junge Genossin einen Prolog von Karl Bröger. Klar und frisch, den Inhalt tief erfaßt. Ein Mädchenchor hebt zu singen an. Rein klingen die Stimmen aus den jungen Mädchenkehlen und die Sängerinnen haben Kränze im Haar und bunt und farbenfreudig sind ihre einfachen Kleider, die schönhcitsuchende Augen und fleißige Hände geschaffen haben. Dann wird den Zuschauern eine Ueber- raschung bereitet: Ein Elfenreigen schwingt über die Wiese und löst jubelnden Beifall aus. Die Genossin Lisa A l b r e ch t hat viele Mühe daran gewendet; das Gelingen ist ihr bester Dank. Lautenlieder klingen. Am neckischen Text weiden sich die Zu- Hörer. Dann Ruhe. Genossin Vohm-Schuch tritt in den Kreis. Eindringlich spricht sie zu den jungen Menschen. Auch das Fest der Freude soll Raum haben für den Ernst der Zeit. Viele Mädchen stehen noch abseits. Es gilt sie heranzuziehen. Aus ihren Reihen sollen Frauen kommen, die in reinem und klarem Wollen die Mensch- heit zu höheren Zielen führen. In den Müttern siegt dt« Zukunft der Welt. Alle— Burschen und Mädchen— sollen lernen aus dem Leid, durch das wir gegangen sind. Der Wille zum Frieden, zur Versöhnung der Völker muß alle durchlohen mit helliger Flamme. Rur in der friedlichen Entwicklung können wir zur letzten FreiheU gelangen und nur in freien Menschen liegt die Bürgschaft für den Frieden.— Stürmischer Beifall dankt der Rednerin. Die Wort« waren zu Herzen gegangen. Mädchen und Burschen blickten ernst darein: die Zukunft! Dann springt die Freude wieder auf. Eine Verlosung von nützlichen Gegenständen findet statt. Der Abend sinkt hernieder und findet eine frohe Jugend bei Spiel und Tanz. Jauchzend tönen die Rufe in die Luft. Rote Banner flattern im Wind. In Gruppen und Zügen geht? nach Hause. Burschen und Mädchen singen: „Wann wir schreiten Seit an Seit"--- I Sn Schre! nach behArüZZcher tzilfe. In der„Tagt Rundschau", einem Organ der sogenannten „Deutschen Volkspartei", klagt einer über die Schwierigkeit, heut« noch einen Schneider zu finden, der aus Vaters altem Rock«ine Jacke für den Jungen machen will. Er schildert, wie ein Schneider nach dem andern ihn abnewiesen und tiidl erklärt Hab«, daß Umarbeitunaen hinter Reuansertigunnen zurückstehen müssen oder daß er überhaupt nur ■ noch Reuanfertiaunqen übernehme. Der verzweifelte Familienvater behauptet, fein Fall sei nicht vereinzelt, sondern typisch, und für die Schuhmacherei und verwandte Gewerbe treks« dasselb« zu. Den Leuten, die ihn ab-ewiesen haben, wirst er Marmel an Verständnis für die Rot ihrer Mitmenschen vor. und er emvfishlt, daß die Behörde eingrsift und Werkstätten für solche Lrbei» ten einrichtet, wozu ja Arbeitslose genug vorhanden seien. Man sieht, wie rasch bei den rechtsstehend«, Parteien ein Mensch dazu kommt, nach behördlicher Hilfe zu rufen, wenn er selber in Not ist. Das Dlatt hat es dein Bedrängten n-cht versaat, seinen Rot- schrei zu veröffentkichen und auch jenen Dorschlag zur Abhilfe wieder- zugeben. Aber find es nicht gerade die rechtsstehenden Parteien, die immer vor solchen„Experimenten" warnen und sie zu vereiteln l suchen?_ UeberfKNe: Gestern früh wurde in einem Wäldchen bei Spandau ein junger Mann aufgefunden, besten Hände gefestelt waren und dem ein Knebel im Munde steckte. Bei seiner Vernehmung gab er an, daß er aus H i n d e n b u r g in Oberschlesien sei und Hans O r l i ch heiße. Er fei nach Berlin gekommen, um einen Bekannten zu besuchen. Er habe am Sonnabend einen Ausflug nach Spandau gemacht und sei um 11 Uhr abends von zwei unbekannten Männern überfallen und niedergeschlagen worden. Nach längerer Bewußtlosigkeit sei er dann wieder zu sich gekommen. Die Täter hätten ihn entkleidet, ihm jedoch sein Portemonnaie, das 200 M. enthielt, gelassen. Er be- hauptet auch, durch einen Stich in den Arm verletzt worden zu sein, es wurde jedoch im Krankenhaus« nur eine kleine Stichwunde, die von einer Nadel herrühren konnte, vorgefunden. Die Angelegen- heit erscheint außerordentlich verworren und bedarf nüch der Auf- | klärung. Auf der Straße überfallen, niedergeschlagen und ausgeplündert ' wurde in der vergangenen Nacht'der 45 Jahre alte aus Bayern j stammende Gastwirt Karl Tannreuther, der hier in der Schlie- mannstraße 43 wahnhaft ist. Der Mann wurde vor dem Hause Schliemannslraße 47/48 von fünf unbekannten Männern angefallen, niedergeschlagen und seiner Brieftasche mit 2500 Mk., Lotterielosen und Ausweispapieren beraubt. Der Ueberfallene liegt noch ver- nehmungsunfähig danieder. Die Räuber entkamen mit der Beute unerkannt._ KreiSvertrekerversammlunge«. kreis Verlin-Mitte. Vor Eintrist in die Tagesordnung wurden verschiedene organisatorische Fragen erledigt und erneut daraus hin- gewiesen, daß alle Parteikörperschaften Druckausträge der„Vor- wärts".Druckcrei zu überweisen haben. Eingegangene Anträge der 25. und 26. Abteilung wurden nacki ausgiebiger Diskussion angenom- men und dem Bezirkstag überwiesen. Als Delegierter zum Partei- tag wurden der Genosse Riese und die Genossin Kell vorgeschlagen Weiter wurde Klage geführt, daß der Jugend. bewegung von der Abteilung nicht das nötige Interesse geschenkt wird. Für dos am 6. August in der Brauerei Königstadt stattfindend« Sommerfest, sowie für den neugegründeten Gesangverein soll lebhaft agitiert werden. Die Sreisverkrelerversammlunq des VI. Kreises(hallefches Tor) fand am 15. Juli 1921 statt. Mit dem beifällig ausgenommeneu anfeuernden Seidelschen Liebe„Vorwärls" des Gesanaotreins Männerchor Hallelches Tor(SPD.) wurden die Verhandlungen stimmungsvoll eingeleitet. Da der Referent, Genosse Eduard Bern- stein, nicht erschienen war, wurde sofort zu den Anträgen für den Partei- bzw. Bezirkstag Stellung genommen. Es gelangten zur Annahme: ein Antrag, der die Einigung der Arbeiter s ch a f t auf dem Boden der Demokratie besürwortet,«in anderer, der den Ausbau des Arbciterrechtes, namentlich die Schaffung eines erheblich verbesserten Betriebsrätegesetzes fordert, ferner ein Antrag, der sich gegen die Bestrebungen wendet, die in scheinbar harmloser Meise die Verschärfung der jetzt geltenden Zensurbestimmungen zum Ziele haben. Einstimmig wurde«Ine Resolution beschlossen, in der die Erhebung des L Mai und 9. November zu gesetzlichen Feiertagen gefordert wird. Schsießsich wurde noch eln Antrag angenommen, der sich für das Aufgehen der Jungioziaiisten in die Partei ausspricht. Eln Antrag, der die Einführung der Unsallversicherung sür Lehrer, Jugendfunktionäre und Schüler sowohl von der Partei wie auch vom Staat und den Gemeinden fordert, soll dem Parteivorstand als Material überwiesen werden. Endlich wurde nach ausgiebiger De- hatte ein Antrag angenommen, der die grundsätzliche Vermeidung von gemeinsamen Kundgebungen mit den nationalistischen Rechts- Parteien aus innerpolitischen und außenpolitischen Gründen empfiehlt. Gemeinsame Kundgebungen sollen nur mit solchen bürgerlichen Parteien stattfinden, die auf dem Boden des Ersüiiun.gs- Programms der jetzigen Reichsregierung stehen. Ais Delegierter zum Parteitag wurde Gen. Sperling in Vorschlag gebracht. Zu einer besonderen Aussprache führte die Frage der F r a u e n k a n d r- d a t u r. Beschlüsse wurden nicht gesaßt. Der Frauenagitatiou soll größere Beachtung geschenkt werden. Unter„Verschiedenes" wurde zum Eintritt in den Gesangverein in warmen Worten aufgefordert.— Für ein Kreisbonner sollen Mittel durch Sammlungen aufgebracht werden.— Die Jungsozialisten sollen rege on den kommenden Wahloorbereitun- gen zum Berliner Stadtparlament mitarbeiten. Ein Kind mik Kinderwagen gestohlen. Ein unbekanntes junges Mädchen setzte sich gestern auf dem Gartenplotz in den Besitz eines Kinderwagens und verschwand damit. Die Nachforschungen nach dem Verbleib des Kindes blieben ergebnislos. Die Diebin ist 1.65 Meter aroß und schlank, hatte dunkles Haar und war ohne Kopsbedeckung. Sie trug eine schwarze Bluse und einen dunklen Rock. In dem Wogen, einem zusammenklappbaren Sportwagen, lag das zwei Jahre alte Söhnchen des Ehepaares Wellschläger aus der Wattstraße 2. Die Sorge« des wohlhabendeu Bürgers sind nicht gering. Im „Berliner Tageblatt" wird in einem Beitrag über die Herrenmode mit ernsthafter Miene berichtet:„Roch vor einem Jahr war der Gürtel so beliebt, daß es Lautet äe Monvei(ein Pariser Mode- dandvl D. Red.) im Baden-Bo�encr Tanztournier versuchen konnte, den Gürtelfrack zu kreieren". Eine Berliner Mittagszcitung gar strapaziert die Hirne der prominenten Zeitgenossen mit der meschugge- nen Frage:„Welche berühmte Frau hätten sie geliebt und welche ge- heiratet?" Di« Antworten, die eingehen, sind denn auch der Zeit der Hundstage und der sauren Gurken gemäß. Der Verkehr am gestrigen Sonnkag war auf den Versiner Vor- ortstrecken wieder außerordentlich stark. Die Eisenbahndtrektion hatte umfangreiche Vorkehrungen getroffen, doch waren die Züge auf den vielbefahrenen Ausflugstrecken nach Grünau, Erkner. Wannseebahn und auf den Stettiner Vorort st reck en außerordentlich stark besetzt. �Trotzdem�hat sich der Verkehr an den einzelnen Strecken ohne größere Verzögerung durch- führen lassen. Rur auf der Strecke nach Erkner war infolge Scbad- Haftwerdenz einer Lokomotive in den Vormittagsstunden eine Der- fpätung von über einer Stunde entstanden. �Der Heimtransport der nach Hunderttanfenden auf jeder Strecke zählenden Ausflügler konnte, dank der Opferwilligkeit de- Personals, ohne Störung durch- geführt werden. Wald- und Mefenbrände sind aus der näheren und weiteren Umgebung Berlins in größerer Zahl gemeldet worden. Die Forst- Verwaltungen und Gemeindebehörden haben wegen der großen Trockenheit strenae Verbote erlassen, die sich gegen das Rauchen und Abkochen im Walde richten. Eine begrüßenswerte Erwetterunz baden d'e Anlogen des Sichtenberger SlndionS on der Herzdergürntze diir» Er- öffnung des Luit- und SonnenbobeS etfafiren, da? von mv' oenS 3 Ubr bis-um Einteilt d.-r Dunketbeit tägli» geöffnei ist. Vc-de- ' tage iür Frauen und Mädchen: Montag. Mittwoch und Freitag. vadetage für Männer: Dienstag,?onnerStag. Sonnabend und � Sonntag. Vadekarien für Erwocklene 1 M.. im Dutzend 10 M., Kinder zahlen die Sättte. Krankenlassen. Voliiliniken und Dereine iür da« Einzelbad SV Pi. Karten sind on der Knsse des Stadions zu haben. Bestellungen nimmt tslephonisch der Spielplatzinspektor (Li. 1581) entgegen. Die Sureaus beim Ebarlok'rnburger Wohnungsamt und MW- elnigungsamt bleiben vom 20. d. Mrs. ab bis auf lveiieteS Mittwochs und Sonnabend» für den Publikumverlebr geichiossen. � Die AuSkiinftSstelle de« MeteinigungSamleS ist nach wie vor täglich von 9— lS Uhr geöffnet. Lrüppelfürforge. Svrechstunden zur Beratung in Krüppslfür- sorge-Angelegenheiten für Angehörige des Kreises Teltow find«; von jetzt ab nicht nur, wie bisher, jeden Dienstag, sondern auch an den anderen Wochentagen von 8 bis 10 Uhr vormittags in der Woh- nung des Herrn Kreisarztes Dr. Gutwein in Berlin W. 10, Gen- thiner Str. 40(Fernsprecher: Lützow, 5700), statt. Das Wetter für morsie«. Ein wenig kühler, vielfach bester, vorüberaebcnd Hilter bewölkt mit etwa« Dewittcrncigunz und mätzigen nordwentichen Winden. Vroß-Serliner parteinackrichten. Morgen, Dieuskag. den 19. Juli: t». Ärrf». Tl, Ubr abend».«rei,vettr«ten>ersaminlung in Treptow. B!»orlagarten am Treptvwer.Part. Vortrag de» Gen. Strieder:„Der nächste Partenag-.— Kreisangelegenheiten._ Ort»-U«sch»h für«rbeltorwohlfahrt Charlotteabaeg. Di-N«wo, den lg., abend« ti Uhr, Ztatbau», Zimmer» Eigung aller in der Arbeilerwohlsahrt»pflege tätigen Genossen um> Genolflnnen. Jugenöoeranftaltungen. heute. Montag, den 18. Juli: Mlerihof! Kack-nberabarack-, LUerarischer«»rtrag-«harlottenb«». Rvstnonstr. 4, Mufik. und Brettspiel-b-nd.- Grünau! Lokal Werner,««Penicker Straß«, Vortrag:„Glahbrenner-.- K-rmsdoli- Roonstraße(Turnhall«>, R-ig-n. abend.— Zahanniathal! Iobanneo.Werner.Straß-. Vortrag!„Was ist SojlaUs- mu»V"- S-ntwiZ- S-pdlitzstr. 0, LIt-r-iuradend.- Moabit: Mclefstr. 17 bei Schmidt, Vrettspielabend.— Osten(Stralauer Viertel): Raglerstr. Z, Diskussion», abend:„Unsere Stellung in der deutschen Jugendbewegung".— Stegliß. Friede. »au l: Ossenbacher Sir. 5», Unterhaltungsabend.— Südost lRenbenberger viertel): Glogauer Str. 12/1«, Mitgliederversammlung.—«tri» Wcddlugr Spielen Im Schillerpark._ vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichslmnd der«rieasbrschädlgten Ortsgruppe» 50. Dienstag, den lg. Juli, abend» VI, Uhr. Nietteljahres-Versammlang m den Unlons-Festsälen, Sretl-watd«: Straß»»22._ Sport. Kernen zn Grunewald, Sonntag, 17. Iusi. Der Große Prüfungsprei» sah den Dunkesschimmel Tanz als Ueberraschungs- sieger, dem es noch hartem Kampf gelang, die nützliche Zarin abzu- fertigen. Skarabae, der Favorit, kam an der Wallhecke zu Fall. Preiso°nSaarmund(e«000 M..«200 Meter). 1. Rotbart(Ulbrich), 2. Sankt Martin(Mazalski), 3. Schipper(Baidel). Tot. 58, PI. 81, 85; ferner liefen; Waderl(4), Minimal, Sturmkchwalbe.— Buchen- Jagd- Rennen (Shrenpr. und 8l) 000 M.. 4000 Meter). 1. Aleeich(v. Falkenhausen), 2. Viebcr. mann II(v. Berchem), 8. Till?. Tot. 45, Pl. 19, 18; sirner liefen: Harlekin «aef.).—«inder- Hürden- Rennen(25 000 Di.. 24«? Meter). 1. Col- terg(Nardel), 2. Sarra,(P. Lewilti), 3. Sinn Fein lDphr). Tot. 88, Pl. IS, 21, 13; ferner liefen: Mokan(4). Silbcrtaler, Belgrade, Major(ausgibr.), Land». mann.— Grober Prllfungspre'i»(Ehrenpr. und»0 000 M.. 4000 Meter). 1. Tan»(H. Teichmann), 2. Zarin fBismarckj, 8.«cid(Izinenpi). Tot. 90, PI. 18, 15, 18: ferner liefen: Gallipoli II(4), Landvogt(angeh.), Heribert, Skarabae stützung der Fachzcstung eine au» drei Mitgliedern bestehende Kom Mission zu wählen, fand Zustimmung. Gewählt wurden S p o< taczyk, Heß und Bergmann. Ferner wurde beschloll«n, ein« Iugendgruppe zu gründen und mit der Leitung den Kol- legen Bischofs zu betrauen. Weiter wurde der Beschluß gefaßt, eine öffentliche Anfrage des Inhalts an die sozialistische Presse zu richten: Was der ADGB. und die Gewerkschaftskommission getan haben oder zu tun gedenken, um der ungeheuren Brotverteuerung entgegenzutreten.(Wir empfehlen den Filmaewerkschaften dringend, die sozialistische Prcsie zu lesen, dann werden sich solche Anfragen von selbst erübrigen oder wenigsten» an die richttge Adresse ge- richtet lverden. Red. d.„V.".)• Unter Verschiedenem wurde von einem kommunistischen Redner wieder einmal erzählt, daß mit einer Eisenstange und Gummiknüppeln von den Gewerkschaft». führern bei der Arbeitslosendemonstratton im Gewerkschaftshause geschlagen worden sei. Diese Behauptung wurde von S ch e« d« l als gänzlich unwahr gründlich zurückgewiesen. Deutscher Tr»»»v«rtarbeiteruerband. Dienstag, morgen« 7 Uhr. im Schweizer- garten. Um ssrieürichsNain AW2:»rohe, Frvlitanzert, verangattct von den Branchen der«ach- und Schüchangestellien und Prtvatwiichter. Eintrvt-Prew l SRart. «tllett» im Schweiz ergarten._ Wirtschaft Der Ausbau der Privatwirtschaft in Sowjetruhland. In führenden Sowjetkreisen wird nach einem OE.-Drahtbericht der Erlaß«ine» Dekrets beraten, das die Anerkennung eines b ä u c r- lichen Privatbesitzes im Umfang bis zu 10 Deßjatinen (1 vchjatine— 1,1 Hektar) vorsieht. Es wird für notwendig er- gehend« Neuregelung des stavtrschen«runooesitzes gepiani, wooei sogar die Rückerstattung der st ädtischen Immobilien an die früherenLe litzer in Erwägung gezogen wird. Das Präsidium des Moskauer Sowjets hat bereits eine Perordnung er- lassen, wonach in Häusern, deren Einwohner die Reparatur der Wasserleitung»- und Kanalisationsanlagen selbst übernehmen, die In- haber«in Anrecht auf die Wohnungen erhalten und nicht mehr aus- gesiedelt werden dürfen. In Sachen der Großindustrie ist bereits zur Durchführung der Verordnung des Obersten Volkswirffchaftsrate» geschritten worden, wonach die Fabriken in drei Kate- zorien geteilt werden: in staatliche, vom Staat subsidierte und in selbständige, die der Fabrikatton von Artikeln des Massenbedarfs dienen sollen. Eine Verfügung des Rates der Volkskommissare ge- steht jedem Bürger dui Recht zu, industrielle Kleinbetrieb« zu eröffnen. Nach einer Meldung der Moskauer„Iswestiia" Hot der Arbeits- und Verteidigungsrat angeordnet, die Zahl der in Betrieb befind- lichen Passagierwaggons zwecks Kohlenersparnis zu ver- mindern, da die Hoffnung auf den Kohlenbezug aus dem Aus- lande sich verschlechtert hat. Am 10. August>. Is. tritt in Moskau eine Konferenz der deutschen Kolonisten zusammen; sie soll die Frag« der staat- lichen WirtschastshUf« an die von der Mißernte hart betroffenen deutschen Wolgatolonien und deren Beteiligung an der Raturalsteuer beraten._ Der Wert des Goldes. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 18. bis 24. d. M. zu demselben Preis« wie in der Vorwoche, nämlich 820 M. für ein 20.-M.-Stück, 160 M. für ei» 10-M.-Stück. Für ein Kilo- gramm Feingold zahlt die Reichsbank 44 600 M. und für die aus- ländischen Goldmünzen entsprechende Preise. Rassische Faserstoffe In Berlin. In den Speichern des Osthafens sind durch die Denffch-Russische Transportgesellschaft jetzt die ersten Waag oniadungen Flachs und Hanf aus Rußland eingelagert worden. Es steht zu erwarten, daß weitere Sendungen in allernächster Zeit folgen werden. Der Handelsverkehr wird sich in der Hauptsache auf Hanf, Flachs, Fell« und Därme erstrecken. Berpachtung dänischer Schiffe an deukfche Reedereien. Nach dem Beispiel schwedischer Reedereien gehen jetzt auch die dänischen Reedereien mit dem Plan um. ihre Fahrzeug« an Deutschland zu verpachten. An die deuffchen Schifsssirmen sind, wie mitgeteilt wird, Angebote gelangt, die mit Rücksicht auf die niedrigen Heuern gute Aussichten auf die Pachtung bieten. In auffälligem Gegensatz hierzu steht eine DA.-Meldung aus Kopenhagen, derzufolge eine Gruppe deutscher Reeder wohl Verhand- lungen mit skandinavischen Reedereien geführt hat, die daraut ab- zielten, für einen gewissen Zeitraum skandinavische Tonnage der dem- schen Schiffahrt zu überlasien. Von feiten der dänischen und norme- zischen Reeder habe aber das deutsche Angebot eine Ablehnung er- fahren, dagegen haben zahlreiche schwedische Schiffseigentümer sich bereiterklärt, aus das deutsche Angebot einzugehen. Die englische Ausfuhr nach Sowjetrußland hatte im März diese» Jahres einen Wert von 7745 Pfd. Sterl., im April von 2080 Pfd. Sterl., im Mai von 60 004 Pfd. Sterl. und im Juni von 81 201 Pfd. Sterling. Berpachwng de« Petersburger Hafen« an einen englischen Konzern. Wie der Korrespondent de? Ost-Exp:eß erfährt, hat dte Sowjetregierung beschlossen, den Petersburger Hafen zu verpachten. Zu diesem Zweck wird eine Aktiengesellschaft ge- gründet: die Hälfte der Aktien übernimmt ein englischer Konzern, während die andere Hälfte der Sowjetregierung gehören wird. Schwedens Schiffs- und Tilenschenveriuste durch den Krieg. Ein amtlicher Bericht deS schwedischen Handelsministeriums stellt feit. daß Schweden während des letzten Krieges 247 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 268 000 Brntto-Tonnen eingebüßt habe. Die Gesamtzahl der schwedi'chen Toten, die durcb Handlungen der. Kriegführenden umS Leben gekommen sind, beziffert sich aui 1lö0 einschließlich derjenigen Schweden, die auf ausländischen Schiffen zugrunde gegangen find._ Soziales. Arzt und Staat. Von beachtenswerter Seite wird uns geschrieben: Zwischen den Krankenkassen und dem Groß-Berliner Aerztebunde schweoen Ver- Handlungen über die freie Behandlung von Angehörigen der Kassen- Mitglieder. Warum gehen beide Parteien nicht einen Schritt weiter? Durch die bevorstehende Hinauffchraubung der Versicherungsgrenze von 15 000 M. auf 28 000 M. und durch die Behandlung der An- gehörigen werden zirka 85 Proz. der Bevölkerung in den Kossen ein. Dann fällt aber auch der bisherige Hauptgrund gegen die Verstaatlichung der Aerzte fort. Denn die„Freiheit" des Arztes, einem Kranken Hilf« zu leisten oder nicht, fällt dann fort. Die Aerzte— von denen gleichfalls zirka 85 Proz. Kassenärzte sind— hoben ja die Pflicht, der Bevölkerung resp. den Kassenangehörigcn bei jedem Ansuchen Hilfe zu leisten. Im allgemeinen Dolksintercsse und auch im Interesse der Aerzte selbst ist die Verstaatlichung der Krankenkassen und der Aerzte zweckmäßig. Gerade letztere find von den Kassenvorständen viel zu sehr abhängig und ibr Honorar ist für die anstrengenden körperlichen und geistigen Leistungen zu gering. Die vielverbreitet« Annahme, daß das Honorar der Aerzte zu hohe Summen erfordert, ist falsch. Es beträgt nur 10— 12 Proz. der Kassengesamteinnahmen und könnte nach Angabe von Sachver- ständigen der Dresdener Krankenkassen ohne weiteres auf 20 Proz. gehoben werden. Stuf die 5 Proz. der Richtkassenärzte— die es wohl nicht nöttg hoben, Kassenärzte zu sein— brauchen wir bei einer Reform des Heilwesens wahrlich keine Rücksicht zu nehmen. Dringen wir also aus die Verstaatlichung! Gewiß wird dann mancher der Kassen- löwen ein geringere, Einkommen haben als bisher, gewiß ist es not- wendig, daß das Honorar der Aerzte noch ihrem Dienstalter steigt. Aber wir dürfen die Lichtseiten nicht übersehen. Der Arzt würde mit 65—458 Jahren pensionsberechtigt fein, er würde auch An- spruch aus Pension haben, wenn er früher arbeitsunfähig iverden würde, in Krankheitsfällen würde sein Gehalt weiter gezahlt werden, sein« Angehörigen dürften bei seinem frühen Tode auf Pension resp. Unterhalt der Unmündigen rechnen können, der Arzt würde jede» Jahr«inen vierwöchigen Erholungsurlaub antreten können, ohne daß er einen pekuniären Schaden erlitt« und die gesamte ärztliche Tätigkeit würde nach beltimmten Normen geregelt werden. Den jetzigen Angestellten der Krankenkassen brauchte andererseits um ihre Stellung nicht bange zu sein, denn sse würden auch bei der Ver- staattichung des Kassenarztwesens auf staatliche Anstellung rechnen Ms öer Partei. Ren« Erfolge. Die„Rote Woche" im Bezirk Oberpfalz und Niederbayern brachte der Partei 1655 neue Mitglieder und 508 neue Leser für die Parteipresse. Don einer Anzahl Orte stehen die Er- gebnisse noch aus. Derantw. kür den revatt. TeU: Dr. Weeuee Peller, Tharlotlendur«: für Ni�eioen: _—-"erlag:«orwürtS-Aerla«<». m. d. H.. verlin. Dnut: voe» «erlaaSanttoIt Soul Singer«. So.. Berlin. Sintenfft. 3. Tt. Wotfc, Berlin. 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