nr.335» ZS.�ahrgcmg fiusguht A Nr. 170 BezunsvretSl Ki-rteljlhrl.M.- M. mona». III.- Morgen-Ansgabe frei in» Hau»,»»tau» zahlbar. Ball- fcczug; Manatliih 10.— M. einschl. Au- ftflImia»BBbUi>r UnittÄrcuzbonb füt Deuischlunb.?anzig. ba» Saar- und Memelgebici. low» d» ehemqi, beul- sche» Tebieie Polen» Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20.- M, kür ba» llbrig» Ausland 27.— M. Post» dsstellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tscheche- Slowakei. Däne- mark. Holland. Luxemburg. Schweben und b>, Schweiz Der ,5Joro5rt»" mü der Sonntag»* beilage„Poll und Aeir". der Umer- hallungabeilaae.Heimwelr" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erjcheinl wocheniäglich zweimal. Sona- tag» und Planlag» einmal. Telegramm-Bbress»! »Sozialderuarrat y«r Vera«» berliner Oolksblatt � 20 pksnnis) Sgizekgrnvre,«- vu«chlgei palten» R-noae-illeeetl, lostet iX 31„airlnr AnzeiH»«," da» kottgebruäi« Warl Ili» illl uu- lästig»wc> iellgebnuil» Bioriet lege, weiter. War, i,- PI Slellenaeli,«;, und Schiaistellenanzeigen ba» ern, vori U— kst. lebe»«eitere jw'.n b» Big. istlori, gor'>5 Buchstabe» zählen ist! zwei Poeie ffaunlien-lli» zeigen Mr Abonneuie» fte'le i.- 31 P» Prell»«erstehen stch»»nchlietzli« keuerung»zulch>». hinbrn- stratze 2. abgegeben werben,»ieastnet »in S Ubr Icstd bi» b Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemohrattfchen parte! Deutfchlands Reüaktion und Cxpeüition: SW SS, Linöenftr. Z «tedattio« y.storistplatz ISl«»— S7 HVernlprrrner. Moritzvlast ll7S»—»4 Tienstag, den Ist. Juli 4VÄ» Vonvarts-Veelag G.tn.b.f»., Sw es.»indenrtr. 3 Scrnflif<>rfi<*r• Brrla«. Sxpkditi-n und Jiiioratrn- ,VcrnH»Frn)>.r...........-g Murihpla« 117.">*-54 GeVerksthasten unsörotpreiserhöhung Die»Dena' veröffentlichte gestern abend eine Nachricht, wonach die freien Gewerkschaften weaen der bevor- stehenden BrotpreiSerhöhung eine Eingab« an die NeichSregierung gemacht hätten. Auch sollen die Gewerkschaften für den Fall, das; daS Kabinett der Brot« Preiserhöhung seine Zustimmung erteilen sollte, die Forderung nach demRücktritt der sozialistischen Kabinetts- Mitglieder erhoben haben. Wie wir zu dieser Mitteilung von unterrichteter Seite erfahren, ist die Darstellung in dieser Form falsch. Unzutreffend ist es vor allem, dah gegebcnensallö der RiickUttt der sozialistischen Reichsminister gesordert werden solle; man bat sich nicht im mindesten in Gewerkschaftskreisen mit dieser Frage beschäftigt. Zutreffend ist— wie eS auch ohne die Nachricht der.Dcna" als völlig selbstverständlich gelten must—. daß die kommende Brotpreiserhöhung wiederholt den Gegenstand von Besprechungen innerhalb des ATGB. bildete. Tie Frage wurde genieinsam mit der„Zentralarbcitsgemein- schaft" erwogen, und es wurde darauf hingewiesen, daß im Fall einer Verteuerung des Brotes eins Erhöhung der gegenwärtig tariflich festgelegten Löhne erfolgen müsse. Lediglich über diesen Punkt wurde auch das Reichs- I a b i n e t t in Kenntnis gesetzt. Verlln. 18. Juli. fWTA.) Di« durch die Presse gehenden Nach- rl-hten von der Brotpreisterhöhung haben vielfach lebhafte Beunruhigungen ausgelöst. Es erscheint daher eine Aufklärung über f Gründe und Ziel der Erhöhung erwünscht. In dem am IS. August l 1921 zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr ist eine sehr erhebliche Brot. nerbilligung gegenüber den vor allem durch da» teure Auslands- getreide tatsächlich erwachsenden Elnstandskosten erfolgt. Das Reich hat für diese Zwecke über IllMilliarden Mark im laufenden, Wirtschaftsjahr« aufgewendet, die e» sich nur durch stärkere Juan- spruchnahme der Notenpresse beschoffen konnte und die letzten Ende» durch Steuern wieder abgedeckt werden müssen. Bei der ungünstigen Finanzlage ist das Reich auf die Dauer außerstande, eine Verbilli- gung in diesem Umfange fortzusetzen. Auch in anderen Ländern, In Italien. England und Frankreich bestand während der jkriegszeit und auch in den folgenden Iahren ein politischer Brotpreis, d. h. e» hat eine Berbilligung des Brote» unter Zuhilfenahme von Staats- Mitteln stattgefunden. In Erkenntnis der Unmöglichkeit, ein» solche Wirtschaftspolitik weiterzuführen, sind diese Länder, trotz weit günsti- gerer Finanzlog», bereit» dazu übergegangen, zum Test unter Ein- führung der freien Wirtschaft für Getreide und Brot die Berbilligung des Brotes durch öfsentiiche Mittel einzustellen. Auch Deutschland muß notgedrungen, da es die west größte Bc- lastung zu tragen hat, zu einem Abbau der Getreide- und Brotver- billigling übergehen. Di« Reichsrcgierung hatte deshalb im Ein- vernehmen mit dem Reichstag, der anläßlich der Etatberatungen mit der Frage befaßt war,«Ine Erhöhung der Brotpreif« um etwa SO Proz. de» jetzigen Drotpreijes ab 1K August 1921 in Aussicht genommen. Gegenüber diesem Plane hat später der Volkswirtschaft- liche Ausschuß de» Reichstages auf Antrag des Reichstagsabgeord» neten Wieber ein« Resolution gefaßt, die Reichoregierung zu er« suchen, den Drotprei» im neuen Wirtschaftsjahr nicht über 40 Prrz. zu erhöhen. Trotz der großen Bedenken wegen der finanziellen Aus- Wirkung dieser Resolution hat das Reichstabmett sich entschlossen. den Brotorcis nicht um SO, sondern um 40 Proz. zu erhöhen. Bei einer solchen Steigerung de» Lrotpreises wird das IVOO-Gramm-Brot in den Orlen, in denen es bisher ü M. gekostet hat, nunmehr einen Preis von etwa 7 TSl. erreichen. Auch da» bedeutet noch, daß allein für die ersten 7F Monate des kommenden WirtschaftssaHres, das ist für die Zeit vom IS. August d. I. bi» zum Ende des Reichshaushalisjahrez, dem 31. März, Derbilligungszufchüssz des Reiches In Köh« von über bis 4 Milliarden Mark— je nach dem Weltmarktpreis. und dem Stande der deutschen Währung zu leisten sein werden, also eine Belastung des Reiches, die neben seinen sonstigen gewaltigen Verpflichtungen außerordentlich drückend ist. Zu der in der Presse geäußerten Befürchtung, daß das ratio. nierte Brot der Bevölkerung In schlechter Beschaffenheit verabfolgt werden wird, liegt kein Anlaß vor. zumal im neuen Wirtschaftsjahr die Drotstreckung sortfällt und das Brot nur aus reinem Brotgetreidemehl erbockcn werden muß. Bei einwandfreier Verarbeitung solchen Mehls, die durch Kommunalverbünd« und Polizeibehörden überwacht werden wird, darf erwartet werden, daß die Bevölkerung auch das rationierte Brot in schmackhafter Zube- reitung erhält. Vorbereitung zum vierten flufftanö. In der vorläufigen Antwort, die der Lußenminffter Dr. R o- fen auf die Eröffnungen der französischen Regierung über die Lag« in Oberschlesien und die daraus abgeleiteten fron- zöfifchen Forderungen gab, wurde auch Bezug genommen auf«Ine Unterredung des Ministers mit dem französischen Botschos« ter vom 7. Juli: zu dieser hatte Dr. Rosen einen Großindu- st r i e l l e n aus dem östlichen Teil Oberschlesiens beigezogen, der dem französischen Botschafter als Augenzeuge einige sachliche An- gaben über die wahre Lage im Lande machte. Wir geben aus diesen Mitteilungen, die der französischen Regierung sofort zugänglich gemacht wurden, die wesentlichsten Punkte nach WTB. wieder. Ja dem Bericht heißt es: 1 Aeußerlich steht es besser au, al, vor dem Abkommen mit Korfanty wegen der Räumung, weil die großen Straßen von polnischen Insurgenten frei seien und man unge- hindert auf ihnen verkehren könne. So bin ich vorgestern früh im Automobil von Kattowitz über Pikolai nach Glelwitz gefahren, um dort den Schnellzug nach Berlin zu erreichen. Die Elsenbahn zwi- schen Kattowitz und Glelwitz war nicht benutzbar, weil die Züge van polnischen llnfurgatlen angehalten und geplündert wurden. Die polnischen Insurgenten sind nach wie vor teils in der Nähe der geräumten Ort«, z. V. dicht bei Kattowitz, teils auch in den Orten verblieben oder in die Orte zurückgekehrt, welche sie nach dem Abkommen geräumt haben sollten. So sind die polnischen Insur- genten, welche aus den nördlichen Stadtteilen von Königshütte abgezogen waren, nach wenigen Stunden in diesen Stadtteil wieder zurückgekehrt. Noch am Montag haben sie sich in Laurahütte d"rch Verschleppung von Beamten unliebsam bemerkbar gemacht Die Behörden der polnischen lln'urgenten sind nach wie vor in Zuuk- fl?n gel kleben. Sie erheben Steuern, sie heben sunge Leute zum Mlitär au, und fle verweigern den ordentllchm deutschen vehörden. z 33. dem tandrat. den Gehorsam. 2. Ein Teil der polnischen Insurgenten ist nach Polen ab- transportiert worden, um dort militärisch ausgebildet zu wcr- den und nach ihrer cheimat Obcrfchlessen alsdann zurückzukehren. Sie sollen als Stammformalioneu für den geplantou vierten Aufstand dienen. Ein anderer Teil der oberschlesifchen volnischen Insurgenten ist in Oberschlesten geblieben und hat seine Waffen nicht ab- geliefert, sondern in Sammesstellen abgegeben, von wo aus sie versteckt werden. In Oberschlesten zweiselt niemand daran, daß der vierte Aufstand mit aller Energie und unter Mitwirkung Polens und unter Duldung der französischen Behörden vorbereitet wird und jederzeit ausbrechen könnte. In diesem Falle ist die deutsche Be- völkerung der Schreckensherrschaft der polnischen Insurgenten schutzlos preisgegeben, da ja bis dahin der deutsche Selbst- schütz nicht mehr bestehen wird. Dem verüZenste seinen Lohn. Posen, 18. Iull.(DA.) Auf dem unläugst in Ezenstochau ob- gehaltenen allpolnischen Tage wurde mitgeteilt, daß bei der War. schauer Regierung Schritte unternommen werden, auf die obcrschle- ssschen Insurgenten das Militärsiedlungsgesetz auszu- dehnen, das ihnen eine Existenz sichern werde. Bekanntlich hat Polen mit dem Krieg gegen die Interalliierten nichts zu tun gehabt. P a s e n. 1«. ZuN.(IDIB.) Zm„flurscr Poznanski" erläßt der Verband ehemaliger Aufständischer aus Oberschlesten einen Ausruf, in dem es u. a. heißt:„Die Zeil zum Ausruhen ist für uns noch nicht gekommen. Wir müssen warlen. um bereit zu sein, jeden Augen- blick unser Lebe« für die Zdeale einzusehen, für welche wir gekämpft haben. Wir sind dabei, in ollen Orlschaslen Gruppen von ehemali- gen Aufständischen zu bilden, die von einer starken Organisation um- saßt werden. Zeder Ausständlsch«, der bis jetzt feiner p a t r I o t i- s ch e n P f l i ch k genügt hat, Ist verpsstchlet, der Gruppe beizutreten." Verfolgung deutscher Zeitungen in Polen. Wie der Posener„Postemp" meldet, hat die Staateanwaltschast gegen neun deutsche Zeitungen wegen staatsfeindlicher Artikel Straf- verfahren eingeleitet. Polnische iftiistnngen. Warschan. 18. Juli.(TU.) Das polnische Amtsblatt verordnet für die polnischen Grenzbezirke im Osten die Aushebung der Jahr- gänge 1885 1894. Elbing, 18. Juli.(TU.) Die„Elbinaer Zeitung" meldet, daß eine französisch.polnlsche Artillerie- und Ingenteurkommission die ehemolnen deutf-ben Festungen an der Warthe- und Weichssllinte bereist und ihre Modernisierung überprüft. Zunächst sollen Posen und Thorn, später auch Culm und Graudenz mit n e u e n, den Kriensersohrunaen entsprechenden Anlogen und Armierungen versehen werden. Erwoaen wird die Anlage von Sperr'orls läng, der ganzen deutsch-polnischen Grenz«. Potemkins Rülfkehv. Oppeln, 18. Juli.(BS.) Die auffallend schnell« Rückkehr L» Rands, der sich bekanntlich mtt großem Gefolge zu einer In- spektionsreife in das früher von den polnischen Insurgenten besetzte Gebiet begeben hotte, ist auf Unstimmigkeiten mft den Engländern in B« u t h e n zurückzuführen. Der dortig« englische Krciskom- Mandant verbot die von den Polen zu Ehren Le Ronds geplanten Kundgebungen und erklärte, daß er dies« eventuell mit Waffenge- walt oerhindern würde. Le Rond ist darauf von Glelwitz au» so« fort wieder nach Oppeln zurückgekehrt. O Warschauer Blätter melden au» Berlin, der dortige polnische Geschäftsträger werde in Begleitung des Referenten für polnische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt sich nach Ostpreußen be- geben, um die Lage der dortigen Polen zu untersuchen. die diiettanten am Merke. Im„Figaro" vom lö. Juli veröffentlicht der bekannte Auslandzpolitiker Mermeix das Protokoll der Sitzung de» Obersten Rates vom 2. Juni 1919, in der über die Frag« entschieden werden sollte, ob«» hei der ur- sprünglich beschlossenen Zuteilung Oberschlesiens an Polen bleiben oder vb eine Volksabstimmung vorgenommen werden sollte. Die Diskussion entstand auf Grund des entschiedenen Protest«» der deutschen Friedensdrlegatton, die in ihren Gegenvorschlägen zu dem über- reichten Emwurs die Unmöglichkeit der Annahme einer solchen Entscheidung durch Deutschland so klar hatte durch- blicken lassen, daß, wie aus dem folgenden Bericht hervor- geht, besonders Lloyd George mit der ihm offenbar recht unangenehmen Aussicht einer endgültigen Ablehnung Deutschlands reäinete, falls es bei der Zuteilung Ober- schleflens an Polen bleiben würde. Hier das Sitzungs- Protokoll: Clemenceau: Was Polen anbetrifft, so gibt es zu- erst ein historisches Verbrechen, das wiedergutgemacht werden muffe, aber man müsse aucy einen Wall zwischen Deutschland und Rußland bilden. Sie können die Interviews mit Erz- berger lesen, in denen er verlangt, daß Polen so schwach wie möglich bleibe, weil es Deutschland von Rußland trenne: er fügt hinzu, daß, wenn einmal Deutschland sein« Beziehungen zu Rußland ausgenommen habe, es Frankreich unter viel besseren Bedingungen werde angreifen können als 1914. Ist das das, was Sie wollen? Wenn Deutschland Rußland beherrscht, so bedeutet das, daß unsere j Toten umsonst gefallen sind. Das ist für den Augenblick � alles, was ich dazu sagen will. Wilson: Ein Plebiszit in Oberschlesien erscheint mir schwierig: es wird unerläßlich sein, zuerst die deutschen Beamten auszitweisen.- Lloyd George: Meinen Sie die kleinen Beamten? Wilson: Nein, ich denk« an die Verwaltungsbeamie». Clemenceau: Vergessen Sie jedoch nicht, daß es in Deutschland die Zentralbehörde ist, die die Bürgermeister er- nennt. L l o y d 0 e o r g e: Ich bin damit einverstanden, daß die hauptsächlichsten deutschen Behörden das Land vor der Ab- stimmung verlassen müßten. Wilson: Ja, aber das ist nicht alles: 1? oder 29 deutsche Großkapital, st en bcherrsäfen Oberschlesien. Clemenceau: Das ist die nackte Wahrheit. Nament- lich Henckel v. Donnersmarck. Wilson: Eine freie und offene Volksabstimmung ist, nach Ansicht meiner Sachverständigen, unmöglich in einem Lande zu erwarten, das seit so lange unter einer Herrschaft steht und das stets in der Sorge von Vergeltungsmaßnahmen leben wird, wenn die Deutschen nicht verschwinden. Lloyd George: Und doch sind im Jahre 1997 trotz dieser Aimst die Polen bei den Wahlen siegreich geblieben. MeineSachoerständigenseheneinesürPolen Sünstige Volksabstimmung voraus. Sie denken. aß ein solches Plebiszit den Deutschen künftige Einwendungen unmöglich machen w,rd. Wilson: Es gibt in Deutschland kein» Volksbe- wegung zugunsten Oberschlesiens(?), es ist eine rein kapitalistische Angelegenheit(I). Lloyd George: Und doch ist die deutsche Reichsregierung in der Mehrheit sozialde- m o k r a t i s ch, und sie ist es, die Protest erhebt. Wilson: Ja. aber zugunsten der Kapita- listen(I!). Ich wiederhole,»ine freie Abstimmung ist unmöglich. Lloyd Georg«: Nun, dann werden wir da» Gebiet während der Abstimmung besetzen. Wilson: Dann wird man sagen, daß wir einen m i l i- tärischen Druck ausgeübt haben. Clemenceau: Sa oder so, die Deutschen werden immer protestieren. Lloyd George: Nichtsdestoweniger wird die Ab- stimmung stattfinden. Uebrigens wie werden die Deutschen die Industriebeoölkerung einschüchtern können, die Wider- standskraft besitzt? Wir haben das in Wale? kennen ge- lernt und wir haben üher die großen Besitzer gesiegt. Wilson: Sie vergleichen hier zwei Sachen, die nicht vergleichbar sind. Lkoyv George: Aber ich sage Ihnen noch einmal, daß die Wahlen für die Polen in dem gesamten Gebiet, das uns fetzt betrifft, Dünstig ausgefallen sind. Wilson: Es handelte sich um innerpolitische Wahlen und nicht um ein Plebiszit bezüglich der Nationalität. Clemenceau: Wir haben nicht versprochen, daß e« ein Plebiszit in dieser Gegend geben würde. Wilson: Kurz und gut, wasbietenSieunsan? Lloyd George: Dasselbe Vorgehen wie fürO st Preußen. Wilson: Und wenn die Deutschen sich weigern, der Entscheidung des Völkerbundes Folge zu leisten? Clemenceau: Sie werden von ihnen Versprechungen verlangen: sie werden versprechen, und werden nichts halten. Ist das das, was Sie wallen? Lloyd George: Ich schließe die Möglichkeit einer militärischen Besetzung der Abstimmungszone nicht aus. Wilson: Ich wiederhole, daß Deutschland erklären wird, daß man einen Druck ausübt. Lloyd George: Eine Division wird ge- n ü g e n. Wilson� Das wird genügen, um uns zu beschuldigen, einen Druck auszuüben. Lloyd George: Ich will den Frieden. Ich weiß aus guter Quelle, daß die s ch l e s i s ch e Frage für die Deutschen die wichtigste ist. Ich will lieber eine Division nach Schlesien schicken, als ganze Arme e n auf Berlin m a r s ch i e r�e n lassen. Clemenceau: Wer sagt Ihnen, daß Sie die Wahl haben werden? Lloyd George: Und was die Freiheit der Abstim- mung anbelangt, so geht das uns an. Wenn Deutschland sich der Anwendung eines für Polen günstig ausgefallenen Plebiszits widersetzt, dann wird die britische Armee in i t Begeisterungauf Berlin marschieren. Das ist es, was ich will. Ich habe nötig, das englische Volk auf meiner Seite zu sehen, falls es neue Schwierigkeiten geben sollte. Wilson: Ihre Absichten sind ausgezeichnet. Aber wenn wir Truppen entsenden, wird man uns des Druckes be- schuldigen. E l e m e n c e a u: Ich Hobe Ihnen allen beiden mit Auf- merksamkeit zugehört. Meine Einwendung ist die folgende: Sie wollen Schwierigkeiten vermeiden und werden schlimmere hervorrufen. Ein Plebiszit? Ausgezeichnet! Aber nichr t» D e u t{ ch I ci» d, wo die Freiheit niemals existiert hat. Die Abstimmung beschließen und auseinandergehen, ohne sich um etwas zu kümmern, wäre sehr schön, aber ein Verbrechen gegen die Polen. Bleibt die Besetzung der Abstimmungszone durch uns, dann wird Deutschland sagen, daß ein Druck ausgeübt worden ist. Wissen Sie, was geschehen wird? In sechs Monaten, in einem Jahr werden Sie mitten im Frieden alle ilnannehmlich leiten des Krieges haben, und dann wird zu dieser Zeit die Lage wahrscheinlich noch schwie- riger sein, als sie es jetzt ist. Sie sagen. Mr. Lloyd George, daß Sie nicht wünschen, nach Berlin zu gehen. I ch a n ch n i ch t. Wenn wir Millionen von Soldaten haben töten lassen, so geschah dies, um unsere Existenz zu retten. Sie sagen, daß Sic die Ansichten Oberschlesiens kennen möchten. Ich antworte Ihnen, daß unter der deutschen Verwaltung Oberschlesien sich nicht frei wird ausdrücken können und daß unter einem Re- gime interalliierter Militärbesetzung die Deutschen behaupten werden, daß die Abstimmung gefälscht wurde. Sie wollen die Leidenschaften der Rassen mildern und Sie werden sie nur aufpeitschen. Es gibt Fälle, in denen das das ein- fachste und vernünftigste ist, ganz einfach: Nein! zu sagen. Wir haben die Ueberzeugung, einen gerechten Frieden gemacht zu haben.(?) Bleiben wir dabei. Plebiszit und Besetzung, das bedeutet für morgen Streitig- leiten, vielleichrSchlachten— mit einem Wort, genau das Gegenteil dessen, � was wir wünschen. Lloyd George: Aber wenn Sie einen deutschen Widerstand befürchten, wird sich dieser noch viel eher er- eignen, wenn es keine Volksabstimmung gibt, und es muß &.zugegeben werden, daß vom Rechts st andpunkt aus betrachtet, Deutschland uns gegenüber sich in einer besseren Situation befinden wird. W i l s o n: Wir haben in unseren Friedensgrundsätzen erklärt, daß Polen alle unzweifelhaft pol n i s ch e n Provinzen zufallen würden. Lloyd George: Aber d a s ist es gerade: die Deut- fchen sagen, daß das bei Oberschlesien nicht der Fall ist. Clemenceau: Wieso denn? Sie wissen doch, daß die deutschen Statistiken selbst zeigen, daß Oberschlesien in großer Mehrheit polnisch ist. W i l s o n: Wir müssen zu einem Schluß kommen: man könnte eine Volksab st immung unter der Kon- trolle einer interalliierten Kommission zu- Zum Jubiläum eines Liedes. Von I. K l i ch e. In diesen Svmmertagen besuchte ich von Wilhelmshaven aus wieder einmal chelgoland. Jene rote Felseninsel in der Nordsee, deren einstiges wilhelminisches Kraftantlitz heute laut Ententebefehl radikal umgemodelt wird. Und wieder wie sonst führte mich mein Weg an dem kleinen, bescheidenen 5)äuschen vorbei, an dem eine Inschrift daran erinnert, daß in ihm einstmals der Dichter Hoff- mann von Fallersleben gewohnt hat. Achtzig Jahre werden es in den kommenden Augusttagen, seit August Heinrich Hoffmann, der sich nach seinem im Liineburgischen gelegenen Geburtsort Fallersleben benannte, hier sein später so bekannt gewordenes„Deutschlandlied" schrieb. Jenes Lied, das heute, zum deütsch-völkischen Antisemitengesang herabgezerrt, bei jeder Gelegenheit aus den Kehlen„teutfcher" Bierbankbarden steigt. Ts ist ein selrsamcs Schicksal, das diesem Liede zuteil wurde: einige Anmerkungen über seinen ursprünglichen Sinn dürften daher nicht unzeitgemäß sein. Es war im August 1S4I, als der damalige Breslauer Professor Hoffmann seinen Verleger Eampe in Hamburg besuchte, um mit diesem über die Herausgabe seiner„Unpolitischen Lieder" zu ver- handeln. HHofmann ha.ie sich durch das glückliche Aufspüren einer Reihe bis dahin unbekannter frühniederländischer und althoch- deutscher Dichtungen bereits einen geachteten Namen gemacht. Und just ein rundes Jahrhundert ist jetzt vergangen, seit 1821 seine ersten Liebeslieder und Romanzen erschienen waren. Aber eine so unermüdliche Philologennatur auch der gelehrte Professor und Freund des deutschen Volks- und Kinderliedes war: der reaktionäre Mrtternichgeist jener oormärzlichen Epoche rief auch ihn in die politische Arena. Das entschiedene Wort des Burschenschafters Bin- zer:„Wer die Wahrheit kennet und saget sie nicht, der bleibet für- wahr ein erbärmlicher Wicht" fand bei Hofmonn einen lauten Widerklang. Er schrieb seine„unpolitischen" Zeitgedickste, deren Inhalt im Gegensatz zu ihrem bescheidenen Gesamttitel stand, und die eine humorooll-gallige Satire aus den finsteren und Philister- haften Geist je�er Jahre darstellten. Von den Reaktionären mu MißNauen und Argwohn betrachtet, von der deutschen Jugend geliebt und v.rehrt, war Hoffmann von Hamburg nach dem damals englischen Helgoland gefahren und dichtete dort am 2(5. August sein„Deutschland, Deutsch- I a n d über alles". Keineswegs im Sinne jenes chauvinistischen ErobsruNgsgedankens, wie das nach Josef Haydns„Gott erhalte Franz den Kaiser" gesungene Lied unter Wilhelms ll. glorreicher Aera ein halbes Jahrhundert sväter seinen Weg zu machen begann! Jni Gegenteil: Hofsmanns Berfe atmeten in ihrem innersten Wesen Opposiiionslust. Aus ihnen sprach der g r o ß d e u t s ch e Ein- billigen: wir w ürdenertläre n, daßdieBolks- ab st immung null und nichtig ist, wenn die Kommission uns berichten würde, daß ein Druck ausgeübt worden sei. Lloyd George: Ich will einen Konflikt ver- meiden. Die Deutschen in Oberschlesien betrachten die Polen als eine minderwertige Bevölkerung, die sie verachten. Die Deutschen unter polnische Souveränität stellen, heißt U n- ruhen hervorrufen. Clemenceau: Seien Sic ohne Zweifel: Unruhen werden Sie immer haben, jetzt oder später, mit oder ohne Volksabstimmung. L l o y d G e o r g e: Ich bin ganz gegenteiliger Ansicht. Clemenceau: Die Zukunft wird darüber entscheiden, aber ich bite Sie, nicht zu vergessen, was ich heute gesagt habe. » Der Zweck dieser Veröffentlichung des ultranationa- listischen„Figaro" ist offenbar der, Georges Clemenceau als den großen Staatsmann hinzustellen, der alles voraus- gesagt habe, was inzwischen eingetroffen sei. Lloyd George dagegen soll durch seinen Eigensinn an allem schuld sein. Das Bild, wie es sich aus diesen protokollarischen Auf- Zeichnungen in unseren Augen widerspiegelt, ist allerdings ein ganz anderes: wir erblicken darin eine Bestätigung des bereits sattsam bekannt gewordenen Dilettantismus, mit dem das Schicksal von Millionen damals entschieden wurde. Wir sehen einen Clemenceau, der sich mit albernen Witzchen über alle ernsten Einwendungen hinweg- zusetzen versucht, während Wilson mit kindischem Eigensinn vier- und fünfmal dieselben Argumente wiederholt— Argumente, die gerade im Munde des„Vorkämpfers" des Selbst- bestimmungsrechts der Völker geradezu grotesk anmuten—, bis er schließlich nachgibt. Daß er in diesem besonderen Falle nach der guten und vernünftigen Seite nachgegeben hat, schafft nicht die Tatsache aus der Welt, daß er in unzähligen anderen Diskussionen nach der umgekehrten Richtung vor Clemenceau zurückgewichen ist. Indessen zeigt sich mit erschreckender Deutlichkeit, von welchen Zufällen, Launen und Eingebungen das Schicksal von Millionen damals abhing. Vielleicht ver- danken die Oberschlesier die Gewährung des Plebiszits ledig- lich dem knurrenden Magen Wilsons, der nach dieser aus- gedehnten Debatte endlich„zu einem Schluß kommen" wollte.. Relativ am vernünftigsten und sympathischsten erscheint uns noch Lloyd George, wahrscheinlich aber nur, weil er in dieser Frage besser informiert war und weil England an einer Verstümmelung Deutschlands im Osten kein besondere», Interesse hatte. Aber auch die Informationen des englischen Ministerpräsidenten waren keineswegs einwandfrei: er weist wiederholt aus dos Ergebnis der Reichstagswahlen von 1907 hin und weiß nicht, daß sich aus den Reichstagswahlen von 1912 wiederum die umgekehrten Schlußfolgerungen ziehen ließen. (Wobei übrigens betont werden muß, daß die Reichstags- wählen, ob 19(17 oder 1912, weder nach der einen noch nach der anderen Seite irgend etwas Bestimmtes beweisen.) Indessen hat Clemenceau nnt seinen pessimistischen Pro- phezeiungen nur deshalb Recht behalten, weil die Inter- alliierte Kommission oder vielmehr ihre französischen Mitglieder, vor allem General Le Rond, alles getan haben, u m die Abstimmung z u g u n st e n von Polen zusälschenunddieenglischePolitikder Anwendung des Selb st bestimmungsrechts in Oberschlesien nachträglich zu diskreditieren. Der militärische Druck, von dem Wilson immer wieder sprach, ist in der Tat in der schlimmsten Weise zum Nach- teil der deutfchgesinnten Bevölkerung ausgeübt worden. Und nachdem die Abstimmung trotz alledem eine beträchtliche Mehrheit für Deutschland ergeben hatte, hat Le Rond den Korfanty-Putsch durch Passivität begünstigt. Kurz, Frank- reich hat alles getan, um Clemenceaus„Prophezeiungen" oerwirklichen. Aber die Schuld an allen Verwicklungen in Oberschlesien tragen weder England noch Deutschland, sondern allein die französischen Staatsmänner, Diplomaten und Generäle. heits- und Verbrüderungsgedanke. Dieser aber richtete sich klar und unzweideutig gegen die geschworenen Feinde dieses Gedankens, die den ischen Fürsten. Die Vaterlandsliebe focht in diesem Liede gegen die Reaktion. So hat man die Veefc damals auch aufgefaßt. Die unter der Devise schwarz-rot-gotd marschierenden Turner sangen das Lied be- reits zwei Monate nach seinem Entstehen. Und auch Fürsten und Junker erkannten den tieferen Sinn des Liedes. Noch im selben Jahre wurden Hofsmanns„Unpolitische Lieder" mitsamt ihrem Ver- läge verboten. Im folgenden ward gar der Dichter s e i ne r Breslau er Professur enthoben, um, aus vielen Bun- desstaaten ausgewiesen, lange heimtlos durchs deutsche Land zu irren. Dieses schimpfliche Unrecht hat der Dichter nie ganz über- wunden. Auch nach 1870 nicht, wo er bekanntlich Verse zum Lobe des damaligen Kaisers sang. Er kannte die borussi'chen Pappenheimer und wußte, wie fremd viele unter ihnen dem Reichsgedanken gegenüberstanden. Alte Schmerzen wirkten bei dem Manne nach, dessen wissenschaftliche Bedeutung das Ausland früher als feine Hei- mat erkannt und zu schätzen gewußt hatte. Und manchen durch- schaute er. Und zornig brach es gelegentlich aus seiner Brust: Des Reiches Feind ist auch mein Feind! Fluch euch, die ihr's nicht ehrlich meint! Sollten diese Worte nicht ebensogut vorahnend auf das heutige alldeutsche Paukertum gcniünzl sein? Pflanzen als Vetterpropheten. Nach dem Volksglauben sollen gewisse Pflanzen, die man als„W etterpslanzen" bezeichnet, die Eigenschaft besitzen, die kommende Witterung zu erkennen und durch Gestaltsveränderungen äußerlich kundzugeben. In der Tot kann man an einigen Gewächsen eine außerordentlich seine Empfindlichkeit für den jeweiligen Feuchtigkeitsgehalt der Luft und gleich- zeitig damit eine Reaktionsfähigkeit beobachten, die sich durch be- stimmte Bewegungen dieser Pflanzen äußert. Sehr häufig kommt es auch vor, daß die Feuchtigkeitsempfindlichkeit der Wetterpflanzen erst im abgestorbenen oder vertrocküeten Zustand auftritt, und zwar in diesem Falle als Folge von Spannungserscheinungen zwischen zwei nebeneinanderliegenden Gewebeschichten, die sich beim Eintvcknen zusammenziehen und bei Befeuchtung wiede» ausdehnen, wie man es z. B. an manchen Kapfelfrllchten sehen kann Am deutlichsten und sichersten soll man das Wetter am Verhalten der Wetter- oder Silberdistel(Lorlina acoulis) voraussehen können, die bei schönem Wetter die glänzendweißen Hüll- schupven ihrer unaestielten Blütenköpfe strahlenförmig auseinander- legt, während sie sie bei trüber Witterung zu einer länglichen Kugel zusammenschließt. Bei anderen Wetterpflunzen sind es einzelne Teile, an deren jeweiliger Stellung man die Wetterousstchten er- kennen will, so beispielsweise die zarten Grannen der Teilfrüchte des Reiherschnabels wie auch die Grannen de., Feder- Notverorönung als Urteilsaufhebung! Wann kommt die Notverordnung für Groß-Berlin? ist die ständige Frage, der man überall im Publikum und Presse br- gegnet. Wenn eine Berliner Korrespondenz als Antwort schreibt, daß die Verordnung in den nächsten Tagen erscheinen werde, so können wir auf Grund zuverlässiger Nachrichten mitteilen, daß die Notverordnung im Berliner Rathause Ende dieser Woche er- wartet wird. Die Befürchtungen, die wir schon vor Wochen aus- sprachen und auch in den letzten Tagen wiederholten, daß nämlich» bei einer Entscheidung zugunsten der Anträge von Eynern und Ge- nossen aus Ungültigkeitserklärung der Stadtverordnctenwahlen dieser riesengroße komplizierte Verwaltungsapparat, der sich doch noch ini Aufbau befindet, sehr leicht in Unordnung geraten kann, sind leider nicht unbegründet geblieben. Die erwähnte bürgerliche Korre- spondenz schreibt nämlich— und die helle Angst spricht aus ihreu Zeilen: „Die Zustände erheischen dringend allerschnellste Arbeit. Arbeit. Heute ist es schon so, daß unbesoldete«tadträte Be» denken tragen, an wichtigen Beschlüssen usw. t e i l z u- nehmen oder mitzuzeichnen. Da jetzt mehrere besoldete Stadträte beurlaubt sind, wird schließlich bei längerer Dauer dieses nicht vorgesehenen Zustandes die städtische Verwaltung in die größten Schwierigkeiten geraten. Die jetzt schon bestehenden sind groß genug. Steuer- und andere sehr wichtige d r i n- g e n d e Vorlagen konnten nicht verabschiedet werden. Es können weder Pensionierungen noch Anstellungen, weder Wahlen noch Verabschiedungen beschlossen werden. Selb st das Ab- schließen von Verträgen, die Dornahme von An- unk» Verkäufen ist erschwert. Hier muß schnellstens Wandel geschaffen werden Deshalb soll nunmehr eine Notverordnung hcrous- kommen. wonach der alte Zustand bis zu den Neuwahlen wieder. hergestellt wird. Auch die Stadtverordnetenversammlung soll gutem Vernehmen nach weiter tagen, damit dringende Vor- lagen erledigt werden können. Es liegen schon eine ganze Reihe solcher Vorlagen vor, deren Nichtannahme erhebliche Nachteile sur Berlin im Gefolge haben.".......« Ganz recht. Die städtische Verwaltung wird„in Unordnung und„in allerhand Schwierigkeiten" geraten.„Es muß schnellstens Wandel geschaffen werden". Es sind aber wahrscheinlich schau Schwierigkeiten eingetreten, über die sich die städtische Verwaltung» um das Publikum nicht unnütz zu erregen, vermutlich nicht wir-, äußern wollen. Nach unseren Ermittlungen werden die städtischen Beamten zurzeit mit Arbeiten in einer Weise in Anspruch genommen, wie es in der Sommerzeit, die doch der notwendigen Erholung und Erfrischung dienen soll, noch niemals der Fall war. Alle aber, die unter diesen und den sich etwa noch ergebenden Zuständen zu leiden haben, vor allem die Einwohner von Groß-Berlin, sollen bis zun, Wahltage nicht vergessen, daß es die Deutsche Volksparte, mit ihrem Fraktionsführer von Eynern an der Spitze war, dt« wegen„fornieller Verstöße", wie Herr o. Eyneni in der„Täglichen Rundschau" zugibt, die Wahl angefochten hat. Volle und schwere Verantwortung trifft diese Partei, die sich so gerne auf ihren Wiederaiisbauwillen beruft. Sozialöemokratie und Vaterlanöspartei. Tie Gcbämgkcit der bürgerliche» Presse gegen die Aibeit der Sozialdemokratie in sozialistischem Geiste nimmt immer grotesker« Formen a«: dem deutjchnationalen.Lokal-Anzelger" blieb es vor» behalten, eine neue Entdeckung zu machen. In einer Besprechung des vom.Vorwärts" am Sonntag veröffentlichten iozialdemo- kratiichen Parteiprogramms nimmt er besonders an der sozialistischen Auffosiung. die Sozialdemokratie sei„die Partei des arbeileiidcu Volkes" Anstoß und meint, hiergegen lasse sich in genau derselbe» Weise begründeter Widerspruch erheben wie gegen die mittlerweile wieder in Vergessenheit geratene VaterlondSpartei, die ibu gleichfalls über sich ergehen lassen mußte. Ganz abgesehen davon, daß wir uns nicht erinnern können, voin.Lokal-Anzeiger" je» male einen Protest gegen das schädigende Treiben der VaierlandS» Partei gehört zu haben, erscheint der Vergleich so überaus lustig. daß wir ihn, ohne im einzelnen auf ihn einzugehen, unser» Leser» nicht vorenthalten wollten.__ Ein Mißtrauensvotum haben die deutschen Sozialdemokraten im tschechoslowakischen Zlbgcordnetenhaus gegen die Regierung wegen ihrer erweiternden Anwendung jenes Ermächtigungsgesetzes eingebracht, das nichts anderes fei als der alte k. t.§ 14. Pfriemengrases, der Gerste und des Hafers, die sich bei trockenem Wetter korkzieherartig ausrollen und bei Nässe ausstrecken. Das einzige, was man an allen diesen Wetterpflanzen erkennen kann, ist immer nur der augenblickliche Feuchtigkeits- gehalt der Luft, der allerdings vor Eintritt eines Regens größer ist, so daß man, wenn die Pflanze ihre Feuchtigkeitsreaktion wahrnehmen läßt, allenfalls Regenwetter prophezeien kann. Das ist aber auch alles. Wirklich wertvolle Voraussagen für die kommend« Witterung kann man aus dem Verhalten jener Pflanzen niemals entnehmen, schon deshalb nicht, weil sie für die L u s t d r u ck v« r- h ä l t n i s s e, die gerade das wichtigste Kennzeichen jeder Witterungs- Veränderung bilden, keine Empfindlichkeit äußern. Als Feuchtigkeitsmesser können die sogenannten Wetterpslanzen, zu denen übrigens auch die bekannte„Jerichorose" gehört, mit vollem Recht gelten, als Wetteranzeiger jedoch nie und nimmer. Elektrische Vundbehandlung. Eine Methode, durch die Wunden infiziert sind, mit Hilfe der Elektrizität zu zerstören, ist von dem englischen Arzt Wollingwood Fenwick angegeben worden, der darüber im„British Medical Journal" berichtet. Es ist ihm danach gelun- gen, Fälle, die bereits hoffnungslos erschienen, schnell zur voll- ständigen Heilung zu bringen. In einem Fall hatte ein Mann eine schwere Blutvergiftung am Unterarm, die durch die gewöhnliche Be- Handlung nicht behoben werden konnte. Der Arm wurde daraufhn in eine Porzellanwann« gelegt, die mit einer Salzlösung gefüllt war, und dann ließ man den elektrischen Strom durchgehen. Am folgenden Tage befand sich der Arm schon in einem viel besseren Zustande, der von Tao zu Tag zunahm, und nach 10 Tagen mär er vollkommen geheilt. Tiefe Wunden von Granatsplittern, die besonders schwierig zu behandeln sind, wurden angeblich mit dem gleichen Erfolge kuriert. Gwald Tülberg. dessen für die Volksbühne geslhafsenen Bühnenbilder den Berliner Arbeitern noch in Erinnerung lein dürsten, ist als Plosessor der Graphik an die Kasseler Kunstakademie be- rufen worden. Zweiter Potsdamer Knnktkommer. Der diesjährigen rrltcn Poti- damer Kuiistaussiellung soll im nächsten Sommer eine weitere folgen, die der Architektur gewidmet sein wird. Peter Bebrends und Hans P ö l z! g werden das Arrangement übernehmen. Daneben plant man eine historische.Potsdamer Ausstellung". Eine»Perwaltungöatademie» ist bonder Universität Jen, eingnichlet worden. Es werden Vorlesungen über büraerliches Recht. Sleuerrccht, Agrarrecht. Stralrecht. Vertebrsrecht. über geschichiliche Tbcmata ii. a. gebalicn werden, und zwar als Hochschullurje für Beamte. Beginn: 5. November. Kitsch-lptnsiibr verboten. Der schweizerische Bundes rat hat die EinsubrminderwertigerKunsl gegen st änS« o e r b o t e n. Die Enticheidung über die Frage, ob es sich im einzeliien Falle um Kunst handelt oder um Kitsch, stedl der Kuustkoinmission zu, die damit häufig vor eine recht schwierige Aufaäbe gestellt werden wird. Denn das plalldeuvche Sprichwort.Wal dem Einen sin U h l, is dem Ander« sin S! a ch I i g a i 1», gilt belannliich auch sür Kunsturleilr. (Sine Ansftellung für sparsames Heizen und Kochen wird von Mitte August bis Ende September im Charlottenburger Schlvs! llatti'nden. Sie bildet den wichtigsten Teil der„LeHrauSstellung sür Wörme, wirti chast", die gezemoSrNg m Manchen zu sehe« ist. Nr. 335 ♦ 3S. Fahrgang Heilage öes vorwärts Vkenstag, 19. Fuli 1921 Kirchenwahlen und Sozialöemotratie. Don Pfarrer B l e i« r- Charlottenburg. Die Wahlen zur Derfaffung gebenden Kirchenversammlung haben sich sozusagen unter Aueschluß der Oeffentlichkeit abgespielt in dem geschlossenen Kreise der kirchlichen Gcmeindekörperschaften. Sie waren das Siegel auf die Kirchenwahlen im Frühjahr(Neuwahlen zu den kirchlichen Körperschaften), und haben deshalb keinerlei Ueber- raschungen gebracht für diejenigen, die die kirchlichen Verhältnisse kennen. Bei den Wahlen zur Verfassung gebenden Versammlung sind von allen Richtungen— es lagen 7 Listen vor— viel schöne Worte geredet worden über die neue„Volks'kirtbe. Welche Wirklichkeit diesen Worten gegenübersteht, beweist oas Ergebnis der Wahl. Für die Provinz Brandenburg einschließlich Groß-Berlin haben die chochorthodoxen. die in dem bekannten Pastor Philipps- Cbarlottenburg ihren Führer erblicken, von S1 Sitzen 27 erobert, also die absolute Majorität. Es genügt zur Kennzeichnung dieser Liste, daß Philipps und seine Freunde seinerzeit die Entfernung des bekannten freigerichteten Pfarrers I a t h o in Köln mit Energie und mit Ersolg betrieben haben. Es sind die Kreise, die nach ihrem Programm heute noch nach der Revolution in der Kirche nur gläubige, d h. orthodoxe Pfarrer haben wollen, die hellte noch vcr- langen, daß in der Kirche jeden Sonntag dos Apostolikum, das sogenannte apostolische Glaubensbekenntnis(Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer usw.) von allen Pfarrern ver- lesen und bekannt wird, auch wenn«in freigerichteter Pfarrer— und es gibt deren viele— erklärt: Ich lehne dieses Apostolikum glatt ab, ich glaube nicht daran. Diese intolerante Richtung hat also die Mehrheit hier sogar, wo in Groß-Berlin doch schon seit Jahr- zehnten eine bedeutende kirchlich liberale Bewegung besteht. Uns Sozialdemokraten interessiert deshalb von allen übrigen Wahlvor- schlagen, die außer dem kirchlich liberalen alle mehr oder weniger nach der Orthodoxie hinneigen, nur der kirchlich liberal«. Dieser Wahlvorschlag hat eine vernichtende Niederlage erlitten; denn von 51 Sitzen hat er nur 8 Sitze erobert. Er ist also zu vollständiger Ohnmacht ver- urteilt. Dieser Mißerfolg, der das natürliche Ergebnis der Kirchenwahlen im Januar war, Hot nicht nur äußere, sondern auch innere Gründe. Einst hatten wir eine blühende kirchlich liberale Bewegung auch in Groß-Berlin. Damals war Traub der Führer und wies das Ziel eines großen ncuprotestantischen Kulturbundes, in dem für alle Freiaerichteten Platz war, als Sturmbock gegen die kirchliche und politische Reaktion. Damals wurde die kirchlich liberale Bewegung begeistert getragen von freigerichteten Bürgerlichen und genoß auch die Sympathien mancher Sozialdemokraten. Das ist längst anders geworden. Seitdem Traub politisch geschwenkt hat und sogar in die Kopv-Bewegung hineingeriet, hat er auch kirchenpolitisch ge- schwenkt, sieht er in dem Apostolikum eine brauchbare Grundlage der Kirche, kämpft er mit für die konfessionelle Schule, er, der einst ganz genau wußte, daß dieser Religionsunterricht, so wie er heute gegeben wird an den meisten Schulen, viele geradezu mit Ekel und Abscheu gegen die Religion erfüllt oder sie ganz gleichgültig läßt. weil er keine Fühlung hat mit dem Volksempfinden der Gegenwart. Dieser Geist, der Geist Traubs, herrscht bei den Führern de» kirch- lichen Liberalismus von Groß-Berlin. die auch politisch seine Freunde sind. Und deshalb haben sich viele enttäuscht zurückgezogen und machen einfach nicht mehr mit. Sie vermissen den Ernst der Tat, wirklich auch allen politischen Richtungen in der Kirche freie Bahn zu geben. Unter den 8 gewählten Liberalen befindet sich ein ein« ziger Sozialdemokrat, unser Genosse Porti u«. Bezeichnenderweise wohnt er nicht in Groß-Berlm, sondern in Brandenburg. In Brandenburg webt unter einigen Liberalen ein frischer Geist, dort ist man bei den Kirchenwahlen mit den Sozialdemokraten in Fühlung getreten und hat sogar in der Katharinenkirche vor einigen Wochen eine religiöse Maifeier gehalten. Aber hier in Berlin haben die liberalen Führer—- sie gehören sämtlich der Deutschen Volkspartei oder dem rechten Flügel der Demokraten an— für den religiösen Sozialismus kein Verständnis. Sie veranstalteten wohl Gedächtnisfeiern für die ehe- malige Kaiserin in der Kirche, verhielten sich aber religiösen Mai- feiern gegenüber ablehnend, weil die„politisch" wären, chohen- zollernfcicrn, bei denen sogar in der Kirche„Deutschland, Deutschland über alles" gesungen wurde, haben sie ohne Bedenken geholten. Sie begrüßen es auch nicht, wenn Pfarrer Sozialisten sind und in der Sozialdemokratie den chrisllichen Gedanken vertreten, sondern sehen im günstigsten Falle in ihnen gutmütige Schwärmer, die über kurz oder lang Schiffbruch leiden und erkennen werden, daß Sozialdemo- kratie und Kirche sich nicht vereinigen lasten, ebensowenig wie Christentum und Sozialismus. Sie wollen nichts wissen von der herrlichen religiös st>zialen Bewegung in der Schweiz, die sich knüpft an die Nomen Kutter-Ragaz. So wird Genosse Portius aus Brandenburg in unserer Verfastung gebenden Versammlung auch unter den Kirchlich-Liberalcn ein weißer Rabe sein und erfahren, wir Sozialdemokraten in der Kirche keine Förderung zu erwarten haben von dieser Verfassung gebenden Versammlung. Trotzdem sage ich nicht: Genossen, tretet alle aus aus der Kirche! Sondern ich sage: Genosten und Genossinnen, die Ihr in der Kirche seid, tretet ein für unsere Gedanken! Organisiert Euch für die nächsten Kirchenwahlen— gerade aus dem Lande und in kleinen Städten ist das durchaus möglich oann könnt Ihr auch j postabonnenien i 1 Damit die regelmäßige Zustellung des„Vor-|- c) warts" im nächsten Monat keine unlieb- w » same Unterbrechung erleidet, ersuchen wir# unsere Postabonnenten, das Abonnement 6 I für den Monat August zum v- g Preise von 10 SU. einschl. Zu- g K stellungsgebühr bei dem K » zuständigen Postamt 9. L sofort zu be« S 2 stellen% % llilrä g g K Vorwärts-Verlag G.m b.H., Berlin| die Kirche benutzen zum Aufbau der neuen Kultur, die sich nicht gründen darf auf das Kapital, sondern auf den Menschen. Denn nicht das Geld ist hellig, sondern allein der Mensch! » Die Einberufung der außerordentlichen Kirchenversamm- l u n g zur Feststellung der künftigen Verfassung der alten, preußischen Landeskirche ist für den 24. September in Aussicht ge- 1 nommen. Ueber den Entwurf zur Derfassungsvorloge ist zwischen dem evangelischen Oberkirchenrat und dem Generalsynodaloorstand 1 bezüglich der künftigen Verfastung der Kirchengemeinden und' Kirchenkreise im wesentlichen Einverständnis erzielt worden, während sich bezüglich der O r-g an i s a ti o n der Prooinzial- und landes- kirchlichen Verwaltung grundsätzliche Meinungsver-� schiedenheiten ergeben haben. Es ist deshalb mit der Vor- legung von Doppelentwürfen zu rechnen, deren Veröffentlichung baldigst erfolgen soll._ GroßiDerün Der Glasmusikant. „AuS der Jugendzeit klingt«In Lied mir immerdar ach wie liegt io weit, was mein einst war". Silberhell und fein schwingt dieses Lied durch den Straßen- lärm der SicgeSallee. Harmonisch fügen sich merkwürdige Töne ineinander wie Sphärenmusik, wiederholen sich und verhallen. Menschen bleiben sieben und horchen auf. Rarfabrer steigen ab. Kutscher halten zuweilen ihre Pierde an und lauschen. Eine Aiempause im Straßenbeiriebc, ein neues Bild im Tieiben der Großstadt. Ein Kriegsbeschädigter steht hinter einem Schemel, ouk den er einen Kasten gestellt hat. der ein sonderbares, nickt alltägliches Instrument trägt: ein Brett, auf dem kiistollklare, teilweise mit Wasser gefüllte Gläser von verschiedener Größe befestigt sind. Wenn er nun mit seinen Händen die Ränder die Gläser streift, dann klingen ste. D'e nrosten tiel und voll die kleinen bell und leicht bcschiviligt. Er muß denken bei dieser Aibelt und er schaul nickt auf. Es hat den Anschein, als ob er sich ganz dem Spiele hin- gäbe. Neben ihm sitzt ein kleiner Junge, batfüßig und schlecht ge- kleidet, mit guten, großen Augen, die zuweilen liebevoll den Spieler belrachicii. In einer Mütze sammelt er Almosen, die von den Zu- Hörern geipeudet werden. Beim Geben ist eS hier wie überall: die Aermsten geben, vom Mitgefühl, ergriffen am häufigsten. Verstohlen greife» sie m die Tasche, geben schnell, ofr scheu und eniseinen sich rasch. Wohl- habende tun es meist mit läisiger Miene. Viele schiitlel» spöllisch ihre gepflegten Köpfe und geben achiel, uckend davon.„Woraus das arbeilSickeue Gesindel nicki alles verfällt", lagt« einer von ihnen. „Verzeihung, mein Herr, spielte dieier Manu im„Wintergarien", augelan mir Frack und weißer Weste, würden Sie ihm Beifall zollen und seine Kunst sicherlich als„kolossal" oder.pbäiicmcnal", vielleicht sogar als genial bezeichnen, während Ihre geputzten und mit alle» Toileitengeheimniiien vertrauten Damen„entzückend", „himmlisch" oder auch„lüß" lispeln würden. Und der Gedanle an da?„arbeitsscheue Gesindel" würde Ihnen gar nicht lommen. bc» ionderS dann nicht, wenn Tie ipäier im geheimen Nachtlokal bei teurem Sekt verjubeln, was fleißige Hände erwarben." Ein Gedenktag. Heute vor zehn Jahren zog die arbeitende Jugend Verlins in großen Scharen auf den Neuköllner Gemeindefriedhof, um ihrem so jäh aus dem Leben geristenen Führer Fritz M a f ch k e einen Denkstein zu setzen. Fritz Maschke, ein echter Proletariersohn, war von früher Kind- heit an gezwungen, ins Erwerbsleben einzutreten, um der alten Mutter und den kleineren Geschwistern zu helfen. Er tat dies in restloser Hingabe, trotzdem sich schon damals die Schwindsucht be» merkbar mochte. Der Gedanke der Jugendbewegung und des Jugendschntzea war damals noch wenig entwickelt. Fritz Maschke war zunächst Mit- glied eines christlichen Jünglingsvereins, lernte dann die Arbeiter- jugendbcwegung kennen und schloß sich ihr an. Durch seine Jntelli- genz und seinen Fleiß wurde Fritz Maschke nicht nur der Leiter und einer der besten Vorkämpfer unserer Berliner Organisation, sondern auch ein geachteter Führer der deutschen Jugendorganisation. Wenn wir heute an den damals 22jährigen Fritz Maschke zu- rückdenken, der so plötzlich von uns ging, so tun wir es mit dem Wunsche, daß unsere Arbeiterjugend diesem selbst- losen Kämpfer noch st reden möge. Die Arbeiterjugend wird heute an seinem Grobe einen Kranz ntcberlegen._ Gin verhännnksvoller Schuß. Schreckenskak eine« jähzornigen Taubevfreundcs. Wegen einer im Jähzorn verübten Tat hatte sich gestern vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts I der Lehrenbauer Jürgen von Kaminietz zu verantworten. Die Anklage warf dem Angeklagten die Schuld für eine dem läjährigen Schüler Bruno Grüneberg zu- gefügte Körperverletzung vor, die zur Folge hatte, daß G. auf beiden Augen erblindete Der in dem Hause Liesenstraße 10 wohnhafte Anaeklagte be« schäftigt sich schon von Jugend auf mit der Zucht von Rassetauben, von denen er einige 60 Stück auf dem Baden des genannten Hanfes untergebracht hat. Wie er vor Gericht erklärte, seien ihm diese Tier- che» sehr lieb geworden. Um so mehr habe er sich geäraert, wenn ungezogene junge Bursche» mit Steinen warfen und mit Katapulten nach den Tauben schassen oder ihm„Taubenfritze" nachriefen. Am 11. Juli v. I., so behauptet der Angeklagte, hätten wieder mehrere Jungen, unter ihnen der jetzige Zeuge Grüneberg, vom Nachbar- dache aus noch den Tauben mit Steinen geworfen. Der Zeuge G. und andere bestritten dies und behaupteten, daß der Angeklagte sie erst mit einem Teschin bedroht und dann mit einem zwciläufigen Jagdgewehr einen Schuß auf sie abgegeben babe Dieser Schuß hatte, wie Augenarzt M a s s u r vom Birchow« Krankenhaus bekundete, die furchtbare Wirkung, daß Grüneberg auf beiden Augen erblindete und stets blind bleiben wird. Die Behauptung des Angeklagten, daß er nur mit einem Selbstschuß- apparat einen Schreckschuß abgegeben habe, wurde durch dos Gut» achten des gerichtlichen Sachverständigen, Waffenfabrikant Otto Bock, an der Hand der Röntgenaufnahme widerlegt.— Der Vertreter der Anklage beantragte mit Rücksicht auf die außerordentlich schweren Folgen, welche die im Jähzorn verübte Tat des Angekla"�» 82] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. Wieder warf sie mit einem Ruck den Kopf hoch.«Oh, rief sie lachend aus.„mein Haar!" Sie eilte zum Spiegel, um ihre Haare, die herabgefallen waren, wieder lose aufzustecken. Er sah im Spiegel Ihr Gesicht, das in einer stummen Sprache zu ihm redete, in einer Sprache, die er verstand und um derentwillen er diese Frau verabscheute. „Bin ich schön?" fragte sie. „Fa," antwortete er,„aber ick begreife doch nicht, wieso Sie jemandem zum Berderben werden konnten." Sie blieb von seiner Beleidigung unberührt und blickte überlegen über ihn hinweg, so» als ob er ein Schwätzer wäre, der sie im Augenblick amüsierte.„Ich glaube es Ihnen, dag Sie das nicht begreifen. Ihre Formel ist sehr einfach. Sie sind kein Mann." „Oho!" drohte er ihr. „Kein Mann," wiederholte sie, ihn unter einem mit einer graziösen Gebärde besänffigend.„Ihr herrisches Gebaren tauscht mich nicht. Es bestätigt mir nur, daß Sie im Innersten schwach sind" Er lachte raub auf.„Oh. ich würde es schon aus mich nehmen, Sie zu zähmen." Sie wandte sich ihm zu. ließ beide Arme herabsinken und sah ihn, sich ihm gleichsam wehrlos preisgebend, vcll an.„Dos würde Ihnen nie gelingen. Ich fürchte Sie nicht. Rein." „Bielleicht werden Sie es noch lernen, mich zu fürchten!" Ihre Augen schimmerten in feuchtem Glanz.„Wie,... wie wollten(sie das zuwege bringen?" fragte sie leise. Er forderte sie mit einer Handbewegung auf, sich zu setzen und rückte seinen Stuhl nabe an den ihren heran. »Ahnen Sie es noch nicht, daß ich Ihre— Bergangenheit kenne?" fragte er. „Ich weiß es," sagte sie mit einer Ruhe, die ihn seltsam fiackte.„Ich wußte es von dem ersten Momem an, als ich Sie ah, und doch fürchte ich Sie nicht. Was können Sie mir tun?" „Ich kann Ihnen überallhin folgen,— wie ein Sckatten." „Ich fürchte auch keinen Schatten." sagte sie.„nein, Ihr Schatten würde mich nie erschrecken, nie!" „Mein Schatten würde zu Ibrem Gewisien werden," mahnte er sie.„Schreckt Sie auch Ihr Gewissen nicht?" Sie schüttelte den Kopf. „Ein Mann sitzt für Sie im Gefängnis," fuhr er fort,„und büßt dort Ihre Schuld,— noch zehn endlose Jahre muß er büßen, muß er warten und sich sehnen,— Tag für Tag, Monat für Monat, Jahre hindurch... Wissen Sie, was das heißt?" „Wisien Sie es?" gab sie zurück. „Ich weiß es," sagte er mit abgestorbener Stimme,„oh sa." Ihre Augen weiteten sich, wuchsen in einem trüben Staunen.„Sie—?" Da verlor seine Stimme mit einem Male olles Drohende, ste wurde leise und war doch voll eines maßlos Schweren. „Ich war mit ihm zusammen,— verstehen Sie mich?—: mit ihm!... Und es gab keinen außer meiner, den er hatte, wie auch er der einzige war, der mir geblieben war. Er war mehr als mein Freund, denn was bedeuten an jenem Ort Begriffe wie: Freundschaft?!... Er war ein Stück meines Körpers. meine Seele war ein Teil von ihm. Es gab keine Falte in dem Herzen des einen, die der andere nicht kannte,— wir liebten einander, wir waren eins!" Er bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen und schwieg eine Weile.„Und dann durfte ich plötzlich gehen, ich war frei... Nie werden Sie das begreifen, was es heißt: frei sein! Es heißt, wieder leben dürfen, wo man dock schon tot war, wieder atmen können, wo sich einem doch schon eine harte Faust für immer um die Kehle gelegt hatte... Ich durste geben, und er blieb zurück,— blieb ollein zurück, wie auch ich allein gehen mußte und bis heute allein geblieben bin!" Er löste die Hände wieder vom Gesicht und sah sie an. „Verstehen Sie jetzt, wer ich bin und wie ich zu ihm und zu Ihnen stehe?" „Ich weiß nur, wie Sie zu ihm stehen," sagte sie.„Aber wie steben Sie zu mir?" „Ich bin da, um Sie an ihn zu mahnen, um Ihnen zu lagen, daß er noch lebt, daß er sich nach Ihnen sehnt und daß Sie auf ihn zu warten haben." „Wie lange noch," sagte sie traumhaft,„noch zehn lange Jahre? Dann bin ich alt." „Ja," sagte er,„und doch müsien Sie warten,— denn er hat soviel für Sie getan, wie kein zweiter Mann für Sie tun würde!" Sie legte die halb verglommene Zigarette in den Aschen- becher und drückt« sie aus.„Er hat mich geliebt," sagte sie, „deshalb hat er es getan.. „Und Sie? Haben Sie ihn nicht geliebt?" „Ich habe nur meinen Mann gehaßt,— das mar alles... Der andere hat mich von ihm befreit. Dafür war ich ihm dankbar. Wir sind qustt." „Sie sind kalt und grausam," sagte er mit pochendem Herzen, denn ihm war, als müsse es ihm gelingen, sie zu überzeugen.„Denken Sie nicht daran, was er leidet?" „Er büßt, was er getan hat." „Waren Sie es nicht, die ihn dazu getrieben hat, es zu tun?" Sie wurde rot und ballte zornig die Fäuste.„Hat er Ihnen das gesagt?" „Mehr noch," versetzte er und hatte die Empfindung, daß er eine Wolfsgrube bereite, in die sie unrettbar hineinstürzen mußte,„er hat mir Beweise gegeben." Sie biß sich auf die Lippen.„Beweise?" Seine Haltung nahm etwas Hinterhältiges an.„Es existiert ein Brief von Ihnen, der beweist oder es zum min- besten wahrscheinlich macht, daß Sie bei jener Tat damals die treibende Kraft waren... Ja, dieser Brief ist vorhanden. Zu Ihrem Glück lag er dem Gericht, das damals gegen Sie verhandelte, nicht vor. Sonst süßen Sie"— er lächelte düster— „jetzt wobl nicht hier!" Ihr Gesicht war verzerrt und sie kämpfte mit dem Atem. „Wo,... wo ist dieser Brief?" flüsterte ste. „In meinem Lositz," sagte er langsam und kostet dies« i Minuten ihrer Angst voll aus,„in meinem sicheren Besitz. „Und er,... er hat Ihnen... diesen Brief gegeben?" „Er befand sich an einer sicheren Stelle," antwortete er ruhig,„an einem Ort, von dem ich ihn, als ich in Freiheit war, abzuheben hatte... Das habe ich getan. Mein Luftrag ist es, ibn zu verwahren. Ich erfülle meinen Auftrag." Sie schrie plötzlich auf, so laut und in einem Ton so tief- gründiger Qual, daß er bis in seinem Innersten erbebte. Sie war aufgesprungen und hatte sich, wie um ihm zu entfliehen, zur Tür gewendet, war aber vor dieser wieder jäh umgekehrt und hatte sich auf die Ottomane geworfen. Sie lag mit dem Gesicht nach unten und schluchzte. Ibr Weinen erschütterte ihren ganzen Körper. Es rang sich stoß» weise aus Ihr empor, es überflutete sie, wie ein tosend hervor- brechendes Gewitter eine lechzende Landschaft überflutet. Und mit einem Male,— so, wie sich einem Menschen, der sein Leben lang gehungert hat. ein Traum erstillt.— mit einem Male ging ihm auf, wie schön sie war.(Forts, folgt. ««habt Habs, zwei Jahre Zuchthaus. Das Gericht erkannte auf z« e i Jahre Gefängnis unter Ablehnung des vom Staatsanwalt beantragten Haftbefehls.___ Durch 5ürften-Reichtum verdorben. Von Kaifer-Tachten und Prinzenschlössern war in einer Ver- Handlung die Rede, welche gestern vor der 2. Ferienstraskammer des Landgerichts I gegen den der gewerbsmäßigen Hehlerei angeklagten Dekorateur Richard Kubitz stattfand. Der Angeklagte war früher bei verschiedenen Hoflieferanten als Dekorateur angestellt gewesen, und zwar befand er sich stets auf Reisen. Seine Aufträge führten ihn in zahlreiche kaiserliche, prinzliche und fürsllich« Schlösser, serner auf die Pachten„ihohen- zollern" und„Meteor" Ueberall waren die seltensten und wert- vollsten Kostbarkeiten aufgestapelt, die einen unermeßlichen Wert hatten und die Begehrlichkeit des einfachen Mannes reizten. Im Krieg erlitt er infolge eines Volltreffers eine schwere Gehirn- erschütterung, lag viele Monate im Lazarett und als er herauskam, war alle alte Herrlichkeit verschwunden. Er fand also in seinem alten Berufe keinen Erwerb mehr und legte sich auf Vermittlungen. Aber schon das erste Geschäft mit einem holländischen Kapitän, bei dem es sich um Seide für 400 000 M. handelte, brachte ihm 9 Mo- natc Gefängnis ein, da sich später herausstellte, daß die Seide ge- stöhlen war. Wenige Tage nach seiner Entlassung aus dem Ge- fängnis lernte Kubitz in einem Cafe am Potsdamer Platz einen ele- vant gekleideten Herren kennen, der sich als Automoüilhändler und Besitzer einer antiken Uhrensammlung ausgab. Es handelte sich um 86 alle Uhren von unschätzbarem Werte, darunter einige Wunder- werke der mittelalterlichen deutschen Uhrmacher- und Goldschmiede- kunst, und zwar einige von Peter helc in Nürnberg hergestellte eiförmige Uhren, sog...Nürnberger Eier". Diese Uhren waren von dem angeblichen AutoHändler, der in Wirklichkeit ein bekannter Ein- brecher war. bei einem Bankier Marsop am Reichstagsufer gestohlen worden. Kubitz wurde festgenommen, als er diese Uhren zusammen mit 9 bei der Frau Professor Marburg in Eharlottenburg gestohle- ncn Pcrserteppichen in einer Droschke fortschaffen wollte. Vor Gericht wies Rechtsanwalt Dr. Harry P i n c u s auf die vorzüglichen Zeugnisse des Angeklagten hin, der als ein durch die Kriegsstrapazen und Verletzungen völlig zerrütteter Mann sich nicht mehr in die neuen Verhältnisse habe hineinfinden können. Das Ge- richt ließ auch weitestgehende Milde walten und verurteilte den An- geklagten nur wegen einfacher Hehlerei zu 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung der vollen Untersuchungshaft von S Monaten. ZkrciSvertreterverfanimlung. In der Vertrcterversammlung deS Kreises IV fPrenzlouer Tor referierte Genosse Franz Krüger über die Ausgaben des Parteitages in Görlitz, der fiä, unter anderem mit der EinigungSirage und der Beteiligung an der Regierung und die Frage des Zusam- menarbeilens mit der Deutschen Volkspartei in der Regierung be- schäftigen wird. DeS weiteren mutz die Programmsrage gelöst werden. Der Vortrag fand großen Beifall. Als Delegierter zum Parteitag wurde einstimmig Genosse Paul K i t t a u e r vorge- schlagen. Zum Bezirkstag lagen verschiedene Anträge vor, die in zum Teil Hefligen Debatten erledigt wurden. Sie behandelten die Wahl derStadtschulräte und die K o n z e s s r o n e n, die den Bürgerlichen bei dieier Gelegenheit ge« «acht wurden: ferner Gegenmatznabmen gegen Provokationen der Kommunisten bei unseren Veranstaltungen, und endlich wünschte man verschiedene Aenderungen in der Besetzung des Bezirksvor- standeS. Der Borschlag, eine Genossin als dritte Borsitzende im Bezirksvorstand zu wählen, wurde abgelehnt. Nach einem kurzen Hinweis des Kreisvorsitzenden Kemnitz auf die bevorstehenden Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen wurde die gutbesuchte Ver- sammlung geschlossen. Die Wanderflegel flnd's gewesen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der vergangen« Sonntag hat zufolg« den aus der näheren und weiteren Umgebung und auch aus der Provinz auftauchenden Nach- richten eine große Reih- von Woldbränden gebrocht. Man hat jetzt dafür und sehr schnell eine Erklärung bei der Hand:„Die Wander- vögel sind'? gewesen!" Einmal darf aber als ziemlich sicher fest- stehen, daß die organisierten Wandervögel wie die organisierten Ar- beiter-Iugendwanderer fast immer mit Führer wandern, die sich der Gefahren einer Abkocherei mitten im Walde bewußt sind. Leider wandern aber sehr viel« der Arbeiter- wie der bürgerlichen Jugend „wild", und diese Leutchen, die sich der Disziplin einer Organisation nicht fügen mögen, sind oft genug eine Gefahr. Eine nicht zu ver- gesicnde Gefahr für den Wald aber sind die Raucher, die ihre glimmenden Stummel achtlos wegwerfen. Es muß jeden Natur- freund traurig stimmen, wenn er hört, daß an einem Sonntag i m Grunewald allein drei Brände ausgebrochen sind. Der Schutz der Wälder ist ebenso sehr Sache des Volkes selber wie der Schutz der Menschen. Jeder soll mithelfen, den Wald zu schützen. Mit Ausdrücken wie„Die Wandervögel find's gewesen!" soll man vorsichtig sein. Die im Wald unachtsam sind, rechnen zu der un- angenehmen Zunft de: Wander f l e g e l. Einen großen Dutkerschwindel, durch den eine ganze Reihe Ver- liner Familien geschädigt worden sind, betrieb ein Kaufmann Fer- dinand Erler aus Ulm, der jetzt dort auf Veranlasiung des Unter- suchungsrichters verhaftet worden ist. Erler inserierte in Berliner und anderen Tageszeitungen, daß er 1» Allgäuer Tafelbutter, un- gesalzen, stets frisch, in Postpaketen von 10 Pfund zum Preise von ISS M., frei Haus, bei Vorauszahlung auf sein Postscheckkonto Stutt- gart 23 864, liefere. Auf diese Anzeige sind eine ganze Anzahl Be- stellungen eingelaufen und das Geld ist auch beim Postscheckamt ein- gezahlt worden. Erler hob die eingezahlten Beträge ob, ohne daran zu denken, auch die Butter zu liefern. Als der Schwindel an den Tag kam, wurde das Postscheckkonto gesperrt: doch laufen noch stän- dig Zahlungen ein. Geschädigte, die noch keine Anzeige erstattet haben, wollen sich bei der Dienststelle B II, 18, Zimmer 113, des Berliner Polizeipräsidiums melden. Andere, die oas Inserat noch nachträglich lesen sollten, werden gewarnt, das Geld einzusenden. Die Umbauarbeiten am Bahnhof �riedrichstrafte. Die Fertigstellling der Kelleranlagen an der Ostseite des neuen Bahnhofs, die vor einiger Zeit in Angriff genommen worden sind, macht gute Fortschritte und dürfte etwa in einigen Wochen zu er- warten sein, hier werden für die Entwässerung des gesamten Bahn- Hofs einige Pumpenanlagen usw. erforderlich, die späterhin mit den erforderlichen maschinellen Ausrüstungen oersehen werden. Bis zum Ende des Jahres wird der neue Stadtbahnsteig, der etwa 0,75 Meter höher als die beiden altm Bahnsteige liegen wird, ein- schließlich der Fahrkartenausgaben, der neuen Restaurationsräume usw. soweit fertiggestellt sein, daß seine Inbetriebnahme erfolgen kann. Der neue Bahnsteig wird ebenso wie die beiden anderen bis zur Fertigstellung des Umbaues der unteren Räume im Bahnhof Fried- richstraße eine vorläufige Ueberdachung erhalten. Mit dem Tage der Inbetriebnahme des neuen Bahnsteiges wird dann der bisherig« Stadtbahn st«ig außer Betrieb gefetzt, um die Grundmauern und die Räume im Sockelgeschoß des Bahnhofes nach den Umbauplänsn auszugestalten. Ebenso werden auch die erforderlichen Erweiterungen der Spreebrücke erst nach der Außerbetriebsetzung des alten Stadtbahnsteiges er- folgen können. Mit der Inbetriebnahme des neuen Bahnsteiges wird auch die setzt cm Bau begriffene neue Schalterstelle östlich der Friedrichstraße mit dem einen Zugang zum Bahnsteig und den, Niedergang zur Nord-Südbahn dem Betrieb übergeben werden können, wenn auch die abwärtsfü�rende Treppe vorläufig den Rei- senden noch nicht zur Verfügung steht, da ja die Nvrd-Südbahn vvraussichllich erst ein Jahr später dem Betriebe wird übergeben werden können. Roch dem vollendeten Umbau des Untergeschosses werden dann die endgültigen Bahnsteighallen errichtet werden, und zwar sollen zwei getrennte Hallen, die ein« über dem neuen Bahnsteig, die andere über den beiden alten Bahn- steigen, die dann dem Fernverkehr dienen werden, errichtet werden. Porlosrhöhnng für Auslandspakeke. Im Auslandspaketverkehr sind seit dem 20. März 1921 die Gewicht- und Versicherungsgebühren nach dem Verhältnis von 1 Franken � 10 M. erhoben worden. Ent- sprechend der inzwischen veränderten Bewertung der deutschen Mark und infolge der bedeutenden Erhöhung der an das Ausland zu ver- gütenden Beförderungsgebühren sieht sich die Postverwaltung zur Verhütung von empfindlichen wirtschafllichen Schädigungen gezwun- gen, vom 1. A u g u st d. I. an die vorbezeichneten Gebühren nach dem Verhältnis 1 Fr.= 12 M. zu erheben. Ueber die Einzelheiten geben die Postanstalten Auskunst. Ablenkung der Autolinie 8. Die Allgemeine Berliner Omnibus- A.-G. muß ihre Kraftwagenlinie 8, Alexanderplatz-Wilmersdorf, wegen Straßenbahnbauarbeiten zwischen dem Dönhoffplatz und dem Spittelmarkt vorübergehend ablenken. Die Wagen fahren von der Leipziger durch die Jerusalemer Straße, über den chausoogtsi- platz, den Werderschen Markt, den Schloßplatz und durch die König- strotze, wo sie in den regelmäßigen Weg einmünden. Die Teilstrecke von der Ecke der Potsdamer und Bülowstraße endet während der Dauer der Ablenkung am Werderschen Markt statt am Spittelmarkt. Von einem Vlumenkopf getroffen wurde ein Sonntagsspazier- gänger, der Maurer Georg H. aus der Berliner Straße in Wilmers- darf. Boni zweiten Stockwerk des Hauses Hindenburgdamm 32 fiel ihm ein Blumentopf auf den Rücken, so daß er sich in ärztliche Be- Handlung begeben mußte. Menschen, die derart rücksichtslos mit dem Leben und der Gesunheit ihrer Mitmenschen umgehen, sind natürlich für den Schaden, den sie anrichten, haftpflichtig. Dasselbe ist der Fall, wenn durch Master, das beim Begießen der Blumen vom Bal- ton herabläuft, ein Anzug beschädigt wird. Die Schrecken der Spielwiese. Der Arbeiter Fritz B. wurde in der vergangenen Nacht im Treptower Park von jungen Burschen überfallen. Nachdem er durch einen Hieb mit dem Schlagring betäubt war, wurde ihm seine Brieftasche mit 50 Mark entrissen. Die Täter entkamen. vier Säcke mik seidenen Kostümen und vlänleln wurden am Sonntag morgen dem 37jährigen Ernst O. und dem Mechaniker Otto G. aus Berlin abgenommen. Die Sachen waren aus dem Kon- fektionsgeschäft Brat in der Belle-Alliance-Slraße entwendet. Die Täter wurden verhaftet. Sie§reunöe unserer Zeitung «erden gebeten» bei ihren Husflügen und Reifen an allen TerbaufskteUen, besonders auf den Lahn- hSfen, den„Torwärto" zu häufen und ihn in den OafthSfen, Restaurants und Caf�s stets zu verlangen. Wenn der„Vorwärts" Irgendwo nicht zu haben ist, richte man gütigst eine hurze filitteilung an „vorwärts"-Verlag H. m. b. H., Hauptexpeüition Berlin 8 OCX. 68, XUndenltraße» Fernsprecher: Hmt filontzplatz 11753-54 De* Verein Berliner Bnchdruck-Maschinenmeifter veranstaltete am Sonnabend, den lS. d. M., im Restaurant ,Ncu-Sceland" in Stralau- Rummelsburg ein Sommersest, daS, von gutem Detter begünstigt, einen starten Besuch verzeichnen konnte. Konzert, Gelang und Spezialitäten- vorsübrungen standen auf dem vrogramm und fanden ireudigen Beifall. Am Abend wurde natürlich auch getanzt. Es ist wobl keiner von bannen gegangen, der sich de» gelungenen Festes nicht erfreut hätte. Wetterbericht bis Mittwoch mittag. Etwas kübler, vielfach heiter, nur zeitweise im Bmnenlande stärker bewölkt und strichweise Gewitterregen. Zilmsihau. verbotene Filme. Di« Filmoberprüfslelle teilt mil. daß gemäß Z 4 des Lichtipielgesctzes die Zulassung der Bilditreisen.Das Frauenhaus von B r e s c i a"(Fezall�Film, Leipzig),.Meßtcr- Woche 15' (Deulig-Film. Berlin) und.Die Flucht aus dem Heere der heimatlosen'(Krüger u. Co.. Hamburg) von der Oberprüsilelle widerrufen worden ist und daß damit die in Umlauf befindlichen ZulastungS- karten ungültig geworden find. Das B-rbot für die Meßterwoche ist ganz wirkungslos, da die Meßtcr.Filmwochc nach den lausenden Wochen deS (Xadres numeriert werden. Nr. 15 stam.mt also auS dem April und ist inzwischen durch alle deutschen Lichtspielhäuser gegangen. Groß-öerliner Parteinachrichten. Achtung! 7.«rei» Tharlottendueg: Di- Adi-ilungsfllhr-r mttbtn noch«inmal darauf aufmerksam gemacht, daß die Äreisvertreteroersammlung-un Don» nerstag, den 21. Juli, abds. 7 Uhr in der Aul- der IS. S-m-iirdcschul-, Svrccstr. 26, stattfindet. heuke, Dienstag, den IS. Juli: IS. fteei« Treptow. 714 Uhr in Treptow im Bikt-riagarten, Am Treptower Park, Äreisvertreteroersammlung. Tagesordnung: Der nächste Parteitag. Rcsercnt: Gen. W. Strieder.— Ztreisangelcgenheitcn.— Berschiedenes. 27. Abt. 714 Uhr Sitzung der Funktionäre und Betriebsvertrauensleuie bei Dobrohlaw, Swincmllnder Straße 11. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen dringrnd erforderlich. 126. Abt. Reinickendori-Ost. 7 Uhr Funklionärsttzunz bei Lindstaebt, Residenz» straße 120/21. Wichtige Tagesordnung. Zuugsozialiilcn. Trupp« Lichtenberg. 714 Uhr bei Schlenkrecht, Simplon- straße 42, Bortrag des Eenostea Bartels Uber:„Wie entsteht ein Bach". Morgen, Mittwoch, den 20. Juli: 26. grell Reinickendorf. 6 Uhr greisoertreterverfammlung, Rathaus Wittenau. Tagesordnung: Die Aufgaben des Parteitages. Referent: Arthur Häußler. Aufstellung der Kandidaten. *4. Abi. Rcntoll». 714 Uhr bei Taubel, Weiseste. 23, wichtige Funktionärsitzung. Sämtliches Material ist mitzubringen. Rrntölln. Elternbeiräte, nachm. Z Uhr Besichtigung der Fericnfpiele in der Aönigsheide. Trcffpunlt Z Uhr in Niederschäneweide-Iohannisthal, Etu- benrauchftr. 7. Uebermorgen. Donnerstag, den 21. Znli: 7. Kreis Eharlottenburg. 7 Uhr Kreisvertretcroerfammlung in der Aula der 16. Gemeindefchule, Spreestr. 26. Tagesordnung: 1. Der Bezirks- und Parteitag. 2. Verschieden:?. Ohne Legitimation kein gutritt. Jugenüversnftaltungen. Dienstag, den 19. Juli: Achtung! Heut« abend 7 Uhr findet im gentraljungendh-im, Lindenstr. 3, 2. Hof links, 3 Treppen links, eine Besprechung der Bielefeldfahrer statt. Ta- oesardnung. 1. Die Organisation der Bielefeldfohri.— 2. Geschäftliches.(Das Fahrgeld filr Hin- und Rückfahrt(43 M.), bzw. nur für Hinfahrt(2ö M.) ist mitzubrinstim.) Moabit: Zagow», Ecke Levetzowstraße, be! Berger Musik, und Reigenebend. Liederbücher mitbringen.— Riederfchönhouten: Blanlcnburger Straße 71/72, Marcell-Ealzer-Abend. � Osten: Stralau«! Viertel. Spiele in Treptow, Rasen» fläche 4.— Paatow: Wollankstr 131, Rcigenabend.— Reinickendorf. Ost: Schule Hausottcrplatz, Mitgliederversammlung,— Rcinickcndorf>Wcst: Scharnwcbcr» straße 114, Diskusstonsabend.— R-scnthaler Vorstadt: SireNtzcr Straße 42.43, Epielabend.— T-lmargenborf: Brestestr. 38, Musikabend. Liederbücher mitbringen.— S-bäneberg I: Rubens», Ecke Hauptstraße, Diskussionsabend über verschiedene Nummern des„Führers".— Sck änebey, II: Frankenstr. 10, gim» mer 34, Mäd-benabend. Vortrag.— Staaken: Epielabend auf dem Cportvlatz.— Steglitz II: Johanna-Stegen-Str. 23, Literarischer Abend.— 14. Kreil: Treptow auf der Spielwiese 6 Spiele im Freien. öriefkaften üer Reöaktion. F. B. 14. Ver Sarg wird milverbramtt.— A. Lampe, O. UZ. Sofern wir die erforderlichen Angaben erhalten, soll Ihr Wunsch herücksichtigt werden. Wirtschaft Für die Errichtung einer Weltbank. Der amerikanische Senator Hitchcock brachte einen Gesetzes- antrag ein, der die Errichtung einer Weltbank unter der� Kontrolle der Bereinigten Staaten befürmortet. In diesem Gesetzentwurf heißt es, daß die Bank mit einem Kapital von 2400 Millionen Dal- lars begründet werden und ihren Sitz in New Jork haben soll. Alle Nationen könnten Aktien erwerben. Hitchcock ist willens, dieses Projekt zur Durchführung zu bringen nicht nur durch Vermittlung der Regierungskreise, sondern auch mit den führenden Bankiers. In seinem Bericht über die Beweggründe zu diesem Plan erklärt Hitch- cock, es ereigne sich wohl zum erstenmal in der Weltgeschichte, daß irgendein Volk ein solches Jnstitust einzurichten beabsichtige. Da aber die Vereinigten Staaten der Weltgläubiger seien und über die Hälfte des ganzen Goldbe standes der Erde verfügten, sei es notwendig, mit Hilfe der Ver- einigten Staaten den Welthandel wiederherzustellen. Man habe allen Anlaß zu glauben, daß die anderen Völker Amerika nicht nur die Leitung, sondern auch die Kontrolle dieser Bank zugestehen wür- den. Hitchcock erklärt ferner, zwei Drittel der amerikanischen Han- delsflotte lögen unbeschäftigt vor Anker, obwohl Amerika Ueberfluß an Produkten habe aus Werkstätten und Bergwerken, deren andere Völker bedürften, könnten diese nicht taufen, da es an Zahlung?- Mitteln fehle. Amerika habe jedoch mehr Gold, als es zur Grund- läge für feinen eigenen Kredit benötige. Dieser Ueberfluß an Gold sollte zur Grundlage internationaler Kredite gemacht werden. Die Bölkerbank, wie dieses Institut heißen soll, wird beim Wiederauf- bau die größten Erleichterungen gewähren können, die Valuta in allen Ländern stabilisieren, und auf diese Weise könnten die Ver- einigten Staaten den Welthandel wiederherstellen. Aufhebung der kohlenbefchlagnahme. Infolge wieder aufge- nommener Verladungen oberschlesischer Kohle wird die für das Ge- biet der Stadtgemeinde Berlin von der preußischen Kohlenwirt- schaftsstelle in den Marken angeordnete allgemeine Beschlagnahme der für die meldepflichtigen Jndustrieverbraucher bestimmten Mengen an Steinkohlen und Steinkohlenbriketts sowie die gleichzeitig mit der Beschlagnahme dem Kohlenhandel auserlegte Anzeigepslicht mit Wirkung vom 18. Juli 1921 aufgehoben. Der Hansabund und die neuen Steuern. Der Hansablind ver- breitet eine Meldung, derzufolge er sich zurzeit damit beschäftigt,„die Meinungen und Ansichten der von ihm vertretenen Wirt- schaftskreise zu den Steuerfragen zu sammeln, um an Hand dieses Materials später die Vorlagen der Regierung eingehend zu prüfen und eventuell entsprechende Gegenvorschläge zu machen. Nach dem neuen Programm des Hansabundes wird dieser gerade den Steuerfragen die allergrößte Aufmerksamkeit widmen und das Steuerprogramm der Regierung in dem Umfange unterstützen, als es mit den Interessen von Handel, Gewerbe und Industrie vereinbar ist." Das wollen wir den Herren vom Hansabünd gern glauben. Ihnen ist jede Steuer recht, die„mit den Interessen von Handel, Gewerbe und Industrie vereinbar ist", d. h. mit anderen Wor- ten ausgedrückt: die bequem auf die breiten Massen des Volkes ab- gewälzt werden kann. Im übrigen sollte sich die Arbeiterschaft an der Rührigkeit und Wachsamkeit der im Hansabund organisierten Kapitalisten und Unternehmer aller Schattierungen ein Beispiel nehmen! velriebseinschränkungen in der rheinisch-westfälischen Eisenindustrie infolge der Sanktionen. Infolge des Einskusses der widerrechtlichen Sanktionen sind in der rheinisch-westfälischen Eisenindustrie Detriebseinschränkungen größeren Umfange? nicht zu umgehen gewesen. So waren z. B. die Rheinischon Stahlwerke genötigt, drei Biertel der Belegschaft ihres Bandeisenwerkes II in Duisburg zu kündigen; auf dem Werk III in Duisburg-Hochfeld ar- Heitel nur die halbe Belegschaft und auch auf dem der gleichen Firma gehörenden Duisburg-Meidericher Werk mußten Feierschichten ein- gelegt werden. Die A.-G. für Hüttenbetricb in Duisburg- Meiderich hat ihren Betrieb etwa zur Hälfte einschränken müssen. Umfangreiche Stillegungen bei anderen Unternehmen der Groß- eisenindustrie sind in absehbarer Zeit zu erwarten. Arbeiterent- lassungen größeren Umfanges werden die weitere Folge fein. Schlechter Geschäftsgang ln der diemischen Industrie. In Mit- teldeutschland wird bei 30 Proz. sämtlicher Mitgliedssirmen des Ar- beitgeberverbandes der chemischen Industrie verkürzt gearbeitet, 28 Proz. haben bereits Entlassungen vorgenommen und 10 Proz. werden noch weitere Entlastungen vornehmen müssen; 5 Proz. der Betriebe ruhen vollständig. Die Aufträge sind im Vergleich zum Dezember 1920 um durchschnittlich 38 Proz. zurückgegangen. Produktenbörse in München. Im Saale des Münchener Han- delsvereins fand am 16. Juli die erste offizielle Münchener Pro- duktenbörfe statt. Für die nunmehr regelmäßig erfolgende amt- llche Preisfestsetzung wurden Kommissionen gewählt, und zwar für Getreide, für Produkten, für Futtermittel und Heu. viskontogesellschafi. In der ord. Generalversammlung der Dis- kontogesellschaft zu Berlin, in der 475 Kommanditisten mit 36 081 Stimmen vertreten waren, wurde die auf 16 Proz. festgesetzte Dioi- dend« sofort zahlbar gestellt. Die Erhöhung des Grund- kavitals um 90 Millionen Mark auf 400 Millionen Mark wurde einstimmig genehmigt. � Entdeckung neuer Sohlenlager in Rußland. Einer Meldung aus Moskau zufolge wurden etwa hundert Werst von Odessa mäch- tige Kohlenlager entdeckt. Amerikanischer Schutzzoll aus Farben.„Chicago Tribüne" m-l- det aus Washington: Die Bestimmung des Gesetzentwurfes für einen Schutzzoll, die einen 35prozentigen Wertzoll für Farbstoffe vorsieht, ist vom Repräsentantenhaus mit 122 gegen 106 Stimmen angenom- men worden. Das ist offenbar eine Folge der seit Kriegsbeginn von den Amerikanern mit beispielloser Energie durchgeführten Bcstre- bnngen, sich von den deutschen Teerfarben zu emanzipieren. Slinnes in Böhmen? Kürzlich hatten wir eine Mitteilung ver- öffentlicht, derzufolge das Gerücht Stinnesfcher Verhandlungen mit den Wittkowitzer Eisenwerken dementiert wurde. Jetzt wird aus Praq folgende Meldung verbreitet:„Czeske Slowo" behauptet, daß die Stinnesgruppe, die um jeden Preis Einfluß auf die Wittkowitzer Hüttenwerke gewinnen wolle, in Mährisch-Ostrau die„Morgenzei- tung" und die„Dstrauer Zeitung' gekauft habe. Bermutlich wird auch diese Nachricht prompt wieder dementiert werden. Im Volks- munde pflegt man zu sagen: Wenn man es andauernd läuten hört, muß irgendwo eine Glocke hängen. Schließung der Putilom-Werke in Petersburg. Nach mehrfacher Schließung und Wiedereröffnung sind noch der„Ekonom. Shisn" die Petersburger Putilow-Werke nunmehr endgültig geschlossen worden. Rur Notstandsarbeiter werden in den Werken belasten, im übrigen wird die gesamte Belegschaft teils anderen Betrieben, teils der Arbeit im Gemüsebau zugeführt. vorträae. Vereine unü versammlnnoten. Berliner Arb«!ter»Schach?lub. Abt. Rord-Ost spielt jeden Donnerstag von 7 bis 11 Uhr bei Jonas. Asiensteiner Straße 12, Ecke Braunsberger Straße. Am Donnerstag, den 21. Zuli, Vortrag ilber Spielcröffnungen.— Steno. graphenoerein Stolze-Sckirey. Nordbezirk. Uebungen jllr Damen und Herren Dienstag, 7)4 bis 3'� Uhr, 126. Wemeindeschule, Gartenstr. 107a.— 2n!cr. nationaler Bund aller Kriegsopfer, Ortsgruppe Lichtenberg. Mittwoch, den 20. Juli, abends 7 Uhr Generalversammlung in der Schul-Aula, Parkaue, MSllendorsstraße.— Neichsoereinignng ehem. Kriegsgesangener, Bezirl-grnvpe SS. Donnerstag, den 21. Juli, ab-.nds 7>!, Uhr Versammlung mit gemütlichem Beisammensein Blüchcrsiile. Biitcherstr. 6l.— Mieterband Berliu-Sirglitz e. V. Mittwoch, den 20. Juli, abends 8>4 Uhr Lauenburgcr Kasino, Steglitz, Ecke Lauenburger- und Poschinger Straße, Mieterratschulr, in der insbesondere die Frage der Instandsetzungsarbeiten auf Grund des jj 10 der HächstMieteuauard- nung behandelt werde» soll. WG«H l.ScUmoitrt, Sortuärf« 0,35'/„ 2. Fuchs, Neukölln 0,37'/,, Mernqrost. TVar- lottenburg 0,38'/� 4. Vojz, Neptun- Weixenscc 0.4V.—?)! ä n n c r- I ch w i m m e n bet. über 35 Jahre. 1; Buschmann, Neukölln 0,36, 2. Steinkc, Norden 0,33.— Männerlaaenstasfette 4X45 Meter: 1. Vorwärts, 2. Fr. Schw. Neulölln, I. Mannschaft, 3. Neukölln II. Mannschajt.— D a m e n r ü ck e n I ch w i m m e n 46 Meter: Dörinz, Vorwärts 0,40'/,, 2. Papenkopf, Vorwärts 0,41°/,, 3. F. Krij;, Fr. Schw. Chartottenburz 0,42. — M ä ii n e r b r Ii st s ch w i lir m e n SO Meter: 1. MöduZ, Fr. Schw. Neukölln 1.17°/,, 2. Hiltmann, Süd Ost 1,10'/,, 3. Kanuenbera. Fatkcnhagen- Seegejeid 1,20, 4. Portz, Süd-Osl 1,20'/,— Juflend-Dasserball- spiel: Fr. Schw. Charlottenburg gegen Fr. Schw. Norden, 3:1 Toie, öalbzeit 1: 1. Die Leiden des befehlen Gebiets. Auf Anfrage einiger heffifchcr Landiagsabgeordneter wegen Belästigung von Frauen durch fran- zäsischc Soldaten in Griesheim hat die'äegicrung geantwortet, daß sie die Bestrafung der Täter oerlangt habe. Es handelt sich um die Vergewaltigung einer 7ljrhrigen Frau und einen Angriff auf zwei junge Mädchen, bei dem Schlimmeres durch die Dazwifchenkunft einer französischen Pairouille verhütet wurde. Von den Borkomm- nisfen erhielt die Behörde durch Drille Kenntnis, sin Beweis dafür, dah weibliche Angegriffene vielfach aus Scham eine sofortige Anzeige scheuen. Das dstpreufjische Dorf Gimmsndorf(Kreis Neidenburg) ist durch eine Feuersbrunst fast völlig vernichtet! siebzig meist stroh- gedeckte Gebäude wurden eingeäschert, viel Kleinvieh ist umge- kommen. Ein schwerer Rennbahnunfall. Auf der Danzig-Zoppoter Renn- bahn kam am Sonntag der bekannte Herrenreiter Graf Salms mit seinem Pferd schwer zu Fall. Die Verlestungen des Reiters find sehr ernster Natur. Das Pferd mußte erschossen werden. Tödliche Abstürze in den Alpen. Wie uns aus Oberstdorf im Allgäu gedrahtet wird, ist vom Ostgipfel der Hoesats der Reichs- wehrsoldat Max Koscher aus Kempten abgestürzt. Seine Leiche haben'Oberstdorfer Führer geborgen. Bon der Roten Wand ab- gestürzt ist der Buchbinder Anton Klotz aus Kempten und im Krankenhaus Oberstdorf gestorben. Ein Tumult in Wien. Infolge des Mißbrauchs eiiaes Pfarrer- jubiläums zu monarchistischen Provokationen der„Frontkämpfer"- Vereinigung kam es in Wien XVII(Hernals) zu Zusammenstößen, wobei die Wache eingriff. Zwei Wachleute und drei.Demonstranten wurden verletzt, eine Anzahl Personen verhaftet. Infolge eines Erdrutsches im Panama-Kanal ist die Schiffahrt gehemmt. Radreiineil in Treptow. Horizontpreis, Molfohren über 1500 Meter: 1. Abraham 2 Min. 52°/, Sek., 2. Müuzuer, 3. Häusler, 4. Wegeuer.— Krvneprcis, Däucrieimcu über 75 Kilometer: 1. Lcwanow 1 Stunde 9 Min. 390, Sek., 2. Weiß 2010, 3. Thomas(Rad- schaden) 4070, 4. Techmer 11720 Meter zurück.— S l e i P N erPreis, Punkteiohren über 20 Runden: 1. Oskar Tictz 18 Punkte, 2. Otto Tietz 15 Punlte, 3. Stolz 9 Puutle, 4. Kcndelbachcr 7 Punkte, 5. Hcnlch.— Mercedespreis: Zweisitzersabren über 1800 Meter: 1. Münzner- Schröder 2 Min. 57 Sek., 2. Ki ahner-Petri, 3. Bchrend-stolz. 4. Gebr. Tietz. — EntschädiguugSsahrcn über drei Runden: 1. Kendelbachcr 1 Min. 29'/, Sek., 2. Köps, 3. Henich, 4. Scel. �edsiterfport. DaK Schau- und Wettichwimmen, das der Arbciter-Schwimm- verein.Süd-Ost" am 14. Juli im Paradiesgarten abhielt, hatte Tauscnde von Zuschauern angelockt, die die beiden User der Spree bcietzten, oder von Booten aus den Darbietungen folgten. Unter den Klängen einer großen Kapelle spielten sich im Wasser interessante Känipse ab. die von ei- Bcr- einen des Kreises I iABV.) ausgetragen wurden. Den Slbichtuß der schwimmerischen Borsiihrungen bildete ein Lampionreigen, der von Mit- gliedern des ABB..Süd-Ost" geschwommen wurde. Das daraus zu de- öbachiende große Feuerwerk erhöhte den Eindruck der gelungenen Der- uiistattuna. Ergebnisse: Männerbrustichwimmen intern 45 Meter: 1. Kühne 0,47, 2. Höhne 0,51, 3. I. Paich 0,52.— Männerseitelchwimmen: 1. Jahr.°AB. Dorwärts 1.11. 2. Werner, Vorwärts 1,12°/,. 3. Kannen- berg. Faltenhagen- Seegefeld 1,12'/,, 4. Kramer, Neukölln 1,15°/,,— D a m e n b r u st s ch lv i m m c n 45 Meter: I. 4- G, Grix und F. iTrix, Fr. Schw. Cbarlottenburg 0,44, 2.-j- Sucher, Neptun. Weißensee und Luther, Fr. Sckw. Neulölln 0.45.— M ü n n c r b i u st st a j s c l t c 4X45 Meter: 1. ASB. Süd-Osl 2.25°/,. 2. Neplun-Weißensce 2,3l, 3. Fr. Schw, Norden 2,33'/,, Neukölln bist.— Jngcndbru st schwimmen 45 Mete«. Die Erübebenkatastrophe in China. Paris, 18. Füll.(DA) Dem„Makin" zufolge liegen erst jchi die genauen Ziffern über die Opfer des am 18. Dezember vergangenen Zahre» über die Provinzen kwangsn und Schensi(Jtord- china) hereingebrochenen fürchterlichen Erdbebens vor. Roch dem sehr sorgfältig aufgcstellien Material des Observatoriums in Zi- Ka-Wei haben bei diesem Erdbeben mindestens 180000 Personen den Tod gefunden. Entgleisung. In T a u b e n h e i m an der Spree entgleisten am Sonntag 8 Uhr früh drei Wagen 4. Klaffe infolge falscher Weichenstellung. Ein Wagen stürzte um und sperrte die beiden Hanptgleise. Es wurden etwa 2v Personen verletzt, davon 2er- h e b l i ch. Die meisten konnten nach Llnlegung von Notverbänden die Weiterreise fortsetzen Ein Wagen wurde zertrümmert. .Der Verkehr konnte auf dem Nebengleise aufrechterhalten werden. kgUes vsskiLe L5n:cnstr.l32 amOranisnbg.T. Täelich'US Uhr: Prmzessiu mm Nil Operette in 3 Akten Musik von Victor Holländer mit Franzi Blcnke, Max Calden, Käthe Jungherr usw. Staatsoper Sommergastspie! Leitung Gustav Bergmann Im Berliner Theater, heute, Dienstag: Saison-Ausverkauf Male Male hat Freitag, den IS. Juli, begonnen as Milliarden- Souper Deutsches Theater 7'/, Uhr: Potaiccti u Perlmutter Mi. 7>/,t Potascit u. Perlmutter Karamerspiele ?>/, Uhr: Der Herr, der die Maulscheilen kriegt Mi. 7Va Uhr: Der Herr, der die Mau'.echcllen kriegt Gr. Schauspielhaus (Karlstraße) 8: Die Weber(AuB-Abonn.) Mi 8; DieWebcrfAuE.Abon.) an Flechten, Hautausschlag, Hautjucken, Pickeln, Finnen, Schorf, Krätze usw., dann gebrauchen SieTerrnhe's Heilseife. Erfolg Uberraschend. — Stück 6 M. Zu haben in den Apotheken und Droeerien, CeneralverlFieb: E. Kaiser, W SO, Würzburger Str. 6. Hauptdarsteller: Ralph Arthur Roberts, Uschi Blleot, Lea Seldl, Herbert Klpcr, Paul Rehkopf, Paul Pruegcl. Volksbühne Theater am BUlowplatz. hV': Der Saiserläoer ttieater ainRotttinserTor KottbuserStr.6 Tel.Mpl.16077 Berliner Theater Heute zum 100. Male. Ballige Vom 16. bis 31. juli Täglich 7'/, Uhr: (iastsp. der Original- Lelfiziner-prit« Sonntag, den 24. Juli 1921 nacl.miffngs 4 Uhr J W I, Weber. 0305 8r Vorwerk. 11— l'/j u. 4—6 Uhr Am I. 8.; Wledernuftreten der Elite» Sänger SpezIalsÄrzt Br.Scotri, Roseathalerst. 69-70 j für alle üesch echts-. Haut-, Harn-, Frauenleid Syphilis-, Salvarsan-Kuren Blutunters. Damen separat, 10—1. 5—7. üchru-nstraßc 54 7-/z Uhr;' Persönliches Auftreten Johannes Htcmarn u. Dora Schlüter in „Cocain�(Sektkübel) u. 9 weitere Attraktionen in der„Bockbrauerci", Fldiclnstrafte ———— Mitwirkende:■ cerURer kiom.Tier-Orcftester Berliner uiK-rrto........ Freie Tcri.ersChan....... Ab S Uhr in beiden Sälen TANZ Herren 2 Mark Damen 1 Mark jEinlrtliSpreiS 2,50 Mtt. Inkl. Steuer Eintrittskarten zu X Mk. inkl. Steuer sind zu haben bei Mörsch, Engelufer 15, G. Schulz, Kotlbuser Tor, und In den mit Piakaten belegten Handlungen in 150 Verteilungsstellen/// Geschäftszeit 8—1 u. 4— 7 Uhr Hciirzep ICase....... Spitz- oder Stangenkäse Tilsiter Käse, tett........ Dan. GoudasKäse, fett..... Edamer Käse........ Schweizer Käse........ Dan. Steppen-Käse...... Roquefort-Käse..,...... Wh* hochfein, Q«P.lilltt-5v�St.CSL-lSjroL,priral'% yöWjz Jh federdicht Dannenköper. 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Slnowjew; Vor dem Dritten KongreB der Kommunistischen Internationale/ Karl Radck; Die Gründung der 2 Vi Internationale t J. Stepanow: Die ausländischen Konzessionen/ Helene Brion: Eine Aufgabe des tranzösischen Kommunismus/ Tom Queich: Die Gegner der sozialen Revolution in England/ Bcla Szanto: Parteiverschmelzungen in Ungarn und in Deutschland/ Ein britischer Kommun st: Zwei Revolutionen in Irland/ Franz Koritschoner: Die Arbeiterräte in Deutsch-Oesterreich/ Chr. Kubaktchieff: Der Balkan am Vorabend der Revolution/ J. Jansen: Ueber die Entwicklung der Kommunistischen Partei in den Niedeilanden/ J. Herzog: Der Kampf für die Kommunistische Internationale in der Schweiz/ Ein Delegierter der Liga: Die revolutionäre Bewegung in Süd-Afrika/ Wl. WHenski(Slbiriakow): Am Vorabend der Entstehung der Kommunistischen Partei in China/ baka!: Ueber blick über die sozialistische Bewegung in Japan bis 1917/ Sen Katayama: Revolutionäre Strömungen in Japan' G. Moros: Zur Geschichte des Bürgerkrieges in Rußland/ J. Nowomlrskl: P. A. Kropotkin als Theoretiker des Anarchismus/ Die Pariser Kommune: Kar' Marx: Die Parser Kommune/ J. Stekiow; Der Grundfehler der Pariser Kommune/ J. Stepanow: Die Pariser Kommune und die russische Revo ution/ Der weiße Terror nach dem Sturz der Kommune(EpisoJen der Maiwoche)/ Der Internationale Rat der roten Goverkachaften: G. H.: Die In■ustrlearbeiier der Welt/ Bericht über den Verband tür gewerkschaftliche Propaganda in Schweden/ Bescnlüsse des Ersten Gewerkschaftskongresses der Balkan-Donauländer/ Die industrielle Krise und die gelben Geweik- schaiten in England/ Der Drang nach Moskau usw./ D!e Internationale Genossenscbaftsbcwegunj; t L. Chintschuk: Die Vetein- heithehung der Genossenscnaftsbewegung/ Richtlinien der internationalen Qe» ossenschaft*newegui-g/ Dokumente der imernatioaelen kommunistischen Bewegung, Von der Tätigkeit des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale/ Lektionen der Kommunistischen internationale/ Die Internationale der kotnmunistischen.Jugend/ internationale kommunistische Frauenbewegung/ Helden und Märtyrer der proletarischen Revolution/ BGcherschau/ Illustrationen: P. A. Kropotkin auf dem Totenbett/ Zwölf Bilder zdr Pariser Kommune. 763 Seiten Zu beziehen durch die Preis M. 10,— Verlagsbuchhandlung Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley, Hamburg II. Rauchen gestHttet Kastanien-Allee 7—9 TSRlich VjS Uhr: :: Variete:: Wenn Engel streiken! Operette in 3 Akten Die große Aus- stattungsschffu Tip Tip Hiirrah! Königgriticr MraOe 121 Täglich 8'/, Uhr: Herrnfeld- Gastspiel Keicosn.- Tbeaier Während d. Ferien d. Slell.Sängertäel. I'/, «ä Gala- Sänger M Ab 1.8. Wieder- &tjj auft. d. St.Sänc. OJP. Dönhoff-Breul .. Variete mit dem b kannten Allen Birwandien, Frenndcn, Beianmen und De» nolsen hiermit die traurige Nachricht, daß meine innig» r-eliedtc Frau, meine iierzenegute Mutter, unsere\ enrzig« liebe Tochter. Nichte» Tante und Enkelin eksrZotte l'liietle «ed. kivrlli« »ach langem, sS)werem Leiden im noch nicht voll» endeten 28. Lebensjahre nach noch nicht»wet Jahren! aiüriitcher Ehe. trog sorgsamer, treuer Pflege, legte Zeit im Elternhaus, am IS. Juli, morgen» VI, Uhr,( entschlafe» ist Dies neigen In ihrem Schmerz tlcfbetrüdt an Wilhelm Thiede Herbert Thiede als Sohn StSse}�®«™ Die Beerdigung findet am Mittwoch, den?a. Juli, I nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten Tl. Pauls-Fricdhoses. Eecstr. 124, aus statt SSt8d j Den iieoen Pniteigenossen, Freunden und Bekannten sllr die vielen Giiidwiinsche und Blumenspenden zu unterer gol- denen lä ochzeit sagen wir unseren herzUchsten Dank. 8S4Ld Max Richter und Frau Am Friedrichshain 27. ?/ie SDS «5e s- ttrampfadergeschwllre, auch vcr- alteie.IchmerzhasieWunden,Ent- zllndung m. unemiigi Jucken heilt laut viel Erso gsd richten d milde u wohltuende.Orlinda- Salbe- ,4.80 M. u. g.oo M. Otto Reichel, Berlin 42, 80. Eisendahnstr. 4. iSMrMMMkkiierM i QcrwaKunaXtdle Berlin X N. 51, Cinlenftr. 83—85 Geschäftszeit von vorm. S Uhr di« nachm 4 Uhr Telephon: Amt Norden lSS. l2SS. 1087, 071« ; Mittwoch, den 20 Zuli, abends S'/- Uhr. in der Aula des Sophien-Gymnasiums. Welnmeisterstr. ! SrMmersliWlmg«er SWüMeiler agesordnung: l. Unsere nächsten Ausgabe«.— 2. Branchenangelegenheiten und Berschiedene» ohne MUgliebobnch lein Zutritt. Donnerstag, den 21. Zuli. abend» s Uhr im Gewerkschaslshau», Engelufer IS: Versammlung der Vertrauensleute und Betriebsräte d.Mctalldrückeru.PoliererGr.-BerlinS Wir richten nochmals di« Mahnung an die Aollegen, zu dieler Aonierenz die KtUckieil» zur Neichskonfeien, mitzubringen. Dergleichen machen wir aus den am Lonnobenb, den 23, Zuli, ttattflndenden Qmusangsabend»er Delegierten »er»eichstousere«, im tveioerti chattshau» auimertlam. Wir bitten, uns mitzuteilen, wieviel Aollegen au» den Be» trieben an dem Empiangsadend teilnehmen. Om Oer«iniritt Ist frei. IM Technikum (ieBamves luKenicur- u. Baulacii. Winter Semester: 7. Oktober. Vorkcnnlnisso werd. berücksicbtiÄt, Programm umsonst. Spezial rArzt � StreBltz S (Mecklenburg)= 1 Jaife lür Geschlechts»» Haut*, Harn*» Frauenleiden, nerv. Schwäche, Sypltilfs« Huren, Blutuntei suchunxen, spez. chron. Harnleiden a. Ausflüsse, Licht» u» Fingen» HeibAns'.'.Lftser' BiV.O. LÖSCr MünZStr.9 nahe Alexandcrplatz. Q-l» 4-8, Sonn ax» 10-12. Damenz. separat. 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Rückstände! Quecksilber, salpet. Silber| Donnerstag, den 21. Zuli, abends 6 Uhr. in den ZNusiter-Aefksälen, Kaijer-Wiihellu Str. 31: B r a n ch e«- V e r s a ni m l n n g der MMinev'. Auls- mü WawkMloffkl Tagesordnungi 1. Slellungnahrne ,ur Ztcuccgefung I de» Cohnabtommen».£ Vortrag llder Aulgaden der Gewerkschasten und der Berdandstag in Jena. 5 Ver- schieden eS estor ogne mUgllebsbiuch(«In Antritt.-Ms» Donnerstag, den 21. Zuli, abends 6 Uhr, im Gewerkschasishaus(Groh.Saal), Engelufer IS: Gemeinsame Versammlung der Klempuer, Rohrleger und Helfer Tagesordnung: I. Slrtlungnahrn« zum Berbanbslag in Jena. 2. Verbands- und Branchenangeiegen heilen. ll. Verschiedenes. Die Berirauensieuie beider Branchen treffen sich um S Uhr im Saal V. ogne NNtg«-b»bnch(«In Znlritt 94)9_ Die OrtsnetmaKnng. greift jede Wanze Sicherstes Slabihal« mittel Schtmirmii Schul!» I .Moaimzrrlff- z- Drogerien»r»di«iich Mein-Fabrikant- vtto Reichel, DerlIiiSO.33. Gerechtigkeit für Alle! Anläßlich der Leipziger ReichSgerichtS-Verhandlun. gen gegen die deutschen Kriegsbeschuldigten ver- öffentlicht der Arzt und AnwersitätSprofessor Dr. August Gallinger, der selbst in französisch« Kriegsgefangenschaft gewesen ist, eine Darstellung der Gefan- genenbehand>ung in Frank- reich, England u. Rumänien. .frier spricht baS Volk selbst. Professor Galling«, d« sich frei weiß von Völkerhaß, hat Tausende von Berichten auS allen Schichten der Kriegsgefangenen«halten. Ein großer Teil der Ein- sender bekannte sich zur Sozialdemokratie. Alle Na- men mit Ausnahme d« Ein- sender aus dem besetzten Ge- biet sind voll ausgeschrieben und mit genau« Adresse an- gegeben, so daß jeder Leser sich persönlich erkundigen kann. ! Preis 4.50 Mark- T»»»»»»»»»,»»»»»>»»,»»»,»»«»»»»»»»»»»» Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder vom Verlag„Süddeutsche Monatshefte", München, Königinstrahe 103 l/crrätig an allen StadMnMfen 'Vertrauensvolle Auskunft HrbammePreuh.Bruiiner.llr.?» ViüIisiiMgii srofics und billiges Lager METZNER SEs HEUXOLLNi Kinderwagen-Welthaas Bergstr. 133 « J s«« SPAKOÄU:, andreasstr.gsampiatz—• aoams ataunenm«fl«BbI Strcuz. filchs« 75,-, RotfUchs,«0,- an, Atastasllchse, ZodtlsUchse sowie all« anderen Pelzarien, Pelzmäntel, alles zu dedeu- teud horadgesehirn, spotldilli- gen Sommerpreisen, Reine Lomdardwarenl Leihhaus! Warschauer Straße 7. 172R- ................................................................................... MBB W jui.tiiJmni'.'i1..1 ,iii.iiiiii..imii.miitnun.mi(nnunin»tuiiiiimiiuttr Schriften von N. Lenin: Der Imperialismus als jüngste Etappe des Kapitalismus............... M. 4.— Der.Radikalismus*, dig Kinderkrankheit des Kommunismus............ M. 4.— billige Ausgabe M. 2.50 Die Weitlage und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale.........AI 1.30 Die Wahlen rur Konstiiuierenden Versammlung und die Diktatur des Proletariats..... M. 1.20 Das Verhältnis der Kommunisten zum mittleren Bauerntum.............. M. 1.40 Die große Initiative(Der Heroismus der russischen Arbeiter im Hinterland. Die Kommunistischen Samstage).......... Erfolge und Schwierigkeiten der Sowjetmacht. An die russische Jugend......... Die auswärPge u. innere Politik Sowjet-Rußlands Die gegenwärtige Lage Sowjet-Rußlands... Das Verhältnis der Arbeiterklasse zum Bauerntum Die Vorbedingungen und die Bedeutung der neuen Politik Sowjet-Rußlands(lieber Naturalsteuer)............... M. 1.— M. 1.- M. 1.- M. 030 M. 1.— 0.50 1.— ß Zu beziehen durch die Hamburg 11 9625b* .....-.............................................................. Reine Lomdardmar«._ HSR* «nziige. 156,—, Covercoat 27»,—, Gummimäntel 275,—, en 45,— Friedensslofse. ....ne Lombardware. 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Wie der Tokioer Korrespondent des „Daily Expreß"' berichtet, wird die Hinzuziehung Chinas zur Be- fchlußfaffung über die Fragen des Pazifik und des fernen Ostens in Tokio mit einigem Unbehagen betrachtet. Die Meinung in Japan geht dahin, daß, wenn für alle Mächte in China die gleiche Behandlung verlangt wird, dann auch Japan Anspruch auf Gleich- heit der Behandlung erheben kann, was die Einwanderung in Amerika, Australien usw. und den japanischen Handel in ? n d o ch i n a und aus den Inseln des Pazifiks anbetrifft. Japan könnte sich in keine Erörterung dieser verschiedenen Fragen einlassen, wenn nicht zuvor die Voraussetzung der Gleichberechtigung ge- geben sei. In Nordamerika geht die Bewegung gegen die japanische Ein- Wanderung weiter: zu ihrer Förderung ist ein Sammclbuch mit sehr vielen Beiträgen erschienen.— Jeder Einwanderer soll in Zukunft einen besonderen Paß für sich haben: also eine weitere Erschwerung. Griechisther Vormarsch in Kleinasten. Athen, 16. Juli tPresie- Bureau). Die griechische Offensive schreitet fort. Jeder feindliche Widerstand ist überwunden. Griechische Flieger baben feindlichen Rückzug üui K u t a b i a festgestellt. Große seiudliche Kolonnen besinden sich auf dem Wege nach Eski-Schchir. In der Nordfrout ist der Feind auf seine befestigten Stellungen bei Avghin und Kovalitza zurückgeworfen worden. Die Türken befinden sich in ihren letzten Schützengräben bei Kutabia. Eine große Anzahl Kriegsgefangener und viel KriegSgerät fielen in die Hände der Griechen. Mustapha Kemal Pascha hat den Oberbefehl übernommen. Rätselraten um Moskaus Militärpläne. helslngfors 18. Zul«.(TU.) Buhland hat sieben Z ah- resklassen mobilisiert. Man glaubt hier, daß die Mobili- sierung entweder gegen den neuen Ostseeverband Lettland, Estland. Litauen oder gegen Polen gerichtet ist. Möglicherweise solle ein Teil der neuen Sowjetarmee den K e m a l i st e n zur Verfügung gestellt werden. Eine Kriegserklärung: Weistrustland au �eligowsti. Warschau, 18. Juli.(EE.) Aus K o w n o wird gemeldet, daß die weißrussische Regierung dem General Z e l i g o w s k i den Krieg erklärt hat. Zur Wahrheit gezwungen. Wie oft hat die.Rote Fahne" alle Meldungen über Rußlands Hungerkatastrophe, die natürlich meist nicht aus Sowjctquellcn stammten, als weißgardistische Lügen' hingestellt! AngesichlS des Hilferuf», den Maxim Gorti an Gerhart Hauptmann gerichtet hat, wechselt sie schleunigst die Haut und beschuldigt die nichtbolsche« wisiischen Arbeiter Europas, Sowjetrußland im Erich gelösten zu haben. Natürlich, sie kann ja nicht zugeben, daß der bolschewistische Wähnsinn, der dje Abhängigkeit Rußlands von den übrigen Staaten aus seiner Rechnung strich, an all dem Elend schuld ist. UrbrigenS bat Lenin auf dem Allrussischen Transportarbeilerkongreß im März d. I. ausdrücklich festgestellt, daß die Wiederanmahme ententcmili- lätischer Angriffe auf Sowjetrußland den Atbeilerparteien der Ententeländer zu danken ist— denselben Parteien, die von Moskau seil Jahr und Tag und bis zuletzt in der rniamsten Weise der- leumdet werden. Stockholm. 18. Juli.(WTB.)„Stockholms Tidingen" bringt Meldungen Moskauer Zeitungen, wonach 15 ruffische Gou- oernernents von Hungersnot bedroht find. Infolge der Dürre entstehen in der Erde große Risse, Flüffe und Brunnen trocknen aus, die Bevölkerung flüchtet in großen Mengen. Die Zahl der Flüchtlinge wird auf mehrere Millionen geschätzt. » S i n o w j e w ist in der Schlußsitzung des Mostauer Kon- greffe» zum Vorsitzenden des Exetutiokomitees der Kommunistischen Internationale wiedergewählt worden. Ungarischer Terror. Budapest. 17. Juli.(UK.) Die Angriffe der Opposition gegen die Regierung erreichten in der gestrigen Sitzung der Rationalver- sammlung ihren Höhepunkt durch eine Rede des zwar monarchistischen, aber horthyfeindlichen Abg. Beniczky. Er brachte Dokumente über zahlreiche Fälle von Terror vor. Einige Einzelfälle waren be- reite früher in die ausländische Presse gelangt, von den amtlichen Organen aber stets dementiert worden. Der Abgeordnete führte unter großer Unruhe des Hauses aus: In zahlreichen Teilen des Landes besteht heute noch ein Zu- stand, der sich in nichts vom Snstem B e l a K h u n unterscheidet, nur mit dem Unterschied, daß an Stelle des roten der weiße Terror ge- treten ist. Kleine Gruppen von Ossizieren und„erwachenden Un- narn" halten die Bevölkerung in Schrecken und verhindern die sried- iiche Arbeit. In Kecskemet erschien bald nach dem Einzüge der Nationalarmee das Detachemenl des Oberleutnants H e j j a e, um- zingelte das dortige Gefängnis, in dem Kommunisten gefangen saßen, und verschleppte KZ Häftlinge in den nahe gelegenen Wald von O r g o v a n q. Sämtliche 63 Personen wurden nach schweren Mißhandlungen an den Bäumen ausgehängt. Die Polizei versucht«, sich diesem Terrorakte zu widersetzen, wurde aber von Hejjos mit dem Tode bedroht. Am gleichen Tage wurden sämtliche wohlhabenden Juden des Ortes verschleppt und ihr Be- sitz an Geld und Schmucksachen geraubt. Einige Tage später fand man die Leichen der Ve.schleppten in einer Grube. Man hatte ihnen die Schädeldecken mit Knüppeln zertrümmert. Der Polizej- Hauptmann erstattete Bericht an das Ministerium: die Unlersuchung muhte eingestellt werden. weil eine unbekannte höhere Gewalt sich einmischte. Hcjjas und feine Offiziere verjubelten das geraubte Geld und sind soch heute auf freiem Fuß und Angehörige der Nationalarmee. In 2 z s ä k wurden von sämtlichen wohlhabenden Bürgern unter Todesandrohunaen große Geldsummen erpreßt. Zahlreiche Personen wurden o e r s ch l e p p t und es fehlt bis heute van ihnen jede Spur. Gegen die wohlhabenden Juden wurden Internicrungs- befehle erlasien und ibr Besitz für beschlagnahmt erklärt. Auch schwer Kranke wurden in die Jntcrnicrungslagcr oerschleppt: der Oberstuhlrichter(etwa Landrat) sagte: .Wer krank Ist. soll entweder gesund werden, oder krepieren." Der Führer der Terroristenbande war der Leutnant F r a n c z i a- K i h, der eigenhändig drei Bürger ermordete und beraubte. Auf die zahlreichen Beschwerden wurde er verhaftet, aber schon nach wenigen Wochen ouf höheren Befehl freigelassen und ist seit- dem- als Angehöriger der Nationalarmee auf freiem Fuß. Auch mehrere führende Männer der»Erwachenden Ungarn" waren an tefe» Erxzesien beteiligt. Semäßigtere Slemmt». die gegen Die Junktionäre Zur Genossensihaftsfrage. In einer allgemeinen SPD.-Fiinktionärversamwlung hielt am Montag Genosse Vieth(Hamburg) über das Thema:„Die Bedeutung der Konsumgexiosfenschaften im heutigen Wirtschaftsleben" einen Bortrag. Dcr Redner enlrollle in seinen Ausführungen ein Bild von der Eniwicklung der Konsumgenossenschastsbewe- gung von ihren Ansängen bis in die neueste Zeit. Viel später als in England sei bei uns in Deutschland die Bedeutung der Kon- sumgenossenschaften erkannt worden. Dort wäre es den'streikenden Bergleuten nicht möglich gewesen, in ihrem letzten Riesenkampfe so lange auszuharren, wenn sie ihre großen Konsumgenosicnschaftsn nicht gehabt hätten. Doch auch in Deutschland sind, wie der Redner hervorhob, das Konsumgenossenschastswesen und in Derbin- dung damit die Sclbstproduktlon für den Eigenbedarf der Genossenschaften bereits zu einer gewaltigen Bedeutung empor- gewachsen, so besonders in Hamburg, das allen anderen Städten hierbei voranmarschiert. Erst die Zunahme der Gewerkschaftsbewegung hat den Gedanken neu belebt. In welchem bedeut- samen Umfange der Gedanke fich in die Praxis umgesetzt hat, zeigt eine Statistik vom vorigen Jahre. Es waren 1291 Konsum- vereine mit 2 711169 Mitgliedern vereinigt. Der Umsatz betrug 2861 Millionen Mark, die Eigenproduktion stellte sich auf 311 Millionen, der Wert des Grundb«sitzes auf 131 Millionen, und die Betriebsmittel betrugen 668 Millionen. Beschäftigt wurden 16118 Personen. Die Großeinkaufs-Gesellschaft deutscher Konsumvereine hat eigene Lager in Hamburg, Gröba. Erfurt, Berlin. Düsseldorf, Mannheim, Nürnberg und Breslau. In Vorbereitung sind Lager in Königsberg, Minden, Chemnitz und Stuttgart. Für die Eigen- Produktion sind vorhanden: 2 Seifenfabriken, 3 Zigarrenfabriken, 1 Zündholzfabrik, 1 Teigwarenfabrik, 1 Kistenfabrik, 1 Kantabak- fabrik, 1 Zigarettenfabrik. 1 Zuckerwarensabrik, 1 Weberei, 1 Bürsten- warenfabrik, 1 Kafseegroßrösterri, 1 Eewürzmühle und 1 Senfmühle. Der Bestand der Bankeinlaacn war'1926 117 Millionen Mark. Die Hamburger Genossenschaften werden im laufenden Jahre einen Umsatz von 166 Millionen Mark zu verzeichnen haben. Sie führen jetzt sogar Gefrierfleisch ein, das sehr begehrt wird und das Frischfleisch durch seine Konkurrenz verbilligt. Wenn die Arbeiterschaft erst die ungeheure Kraft dcr Konsumgenosienschasten und Eigenproduktion richtig begriffen habe, werde der beschrittene Weg uns sicher der Gemeinwirtschast und S o z i a l i s i e- r u n g näherbringen. Auf den sozialdemokratischen Par- t e i t a g e n hat sich den früheren Iahren gegenüber hinsichtlich der Bedeutung des Wesens der Konsumgenossenschaften ein bedeutsamer Wandel vollzogen. Schon in den Beschlüssen des M a g d e v u r- per Parteitages kam dies zum Ausdruck und der Kasieler ließ diesen Genossenschaften volle Gerechtigkeit widerfahren. Man erkennt jetzt an, daß sie die Arbeiterschaft praktisch schulen, sie fähig machen für die Zukunft, für die Uebersllhrung der kapilalistischen in die sozialistische Gemeinwirtschast.(Lebhafter Beifall.) In der folgenden 'Aussprache stimmten alle Redner t«n Grundgedanken des Referenten zu. In Berlin müsse die Bewegung wieder in gesündere Bahnen gelenkt und weiter ausgebaut werden. Genosse E tz k o r n wies darauf hin, daß man in Hamburg bessere Erfolge durch die Gutschrift der Dioidenden erreicht habe. In Berlin sei von vornherein die Auszahlung erfolgt und hierdurch die Mitgliedschaft zum Schaden einer bess-ren Entwicklung verwöhnt worden. Würden die Dividenden gutgeschrieben werden, so wäre das ein wesentlicher Vorteil für die Genossenschait. Auch in England werde der Gewinn als Gutschrist oerbucht und das lyibe sich in der Zeit der Not während des Streiks als sehr nützlich er- wiesen. Di« Streikenden konnten ihren Kredit nun in Anspruch nehmen. Durch energische Agitation werde es gelingen, auch hier vorwärts zu koinmen. Wenn jeder seiner Pflicht nachkomme, dürfte der Ersolq nicht ausbleiben. Die Versammlung schloß mit dcr einstimmigen Annahme folgender Resolution, welche vom Arbeitsausschuß der SPD.-Genossenschafter Groß- Berlins«ingebracht war: „Die Funktionärkonferenz des Bezirksverbandes Groß-Berlins der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands anerkennt die hohe wirtschaftliche und soziale Bedeutung der modernen deutschen Kon» sumgenassenschaftsbewegung. Die genossenschaftliche Be- dorssdeckungswirtschaft und die sich daraus aufbauend« konsumgenosienschaftliche Eigenproduktion bedeutet ein Stück frei- williger Gemeinwirtschast, die der Arbeiterschaft Wirtschaft- liche Borteile bringt und sie immer mehr befähigt, ihr« Wirtschaft- lichen Angelegenheiten in die eigenen Hände zu nehmen. Indem die Konferenz die Beschlüsse der Parteitag« in Magdeburg und Kassel wiederholt, fordert sie all« Parteigenossen aus, der Konsum- genosienschaft nicht nur als Mitglied anzugehören, sondern auch ihren Warenbedarf in möglichst weitem Umfang« in derselben einzudecken. Die Konferenz macht es darum den Funktionären zur Pflicht, in den nächsten Abteilungsversammlungen der Genosscnschaftsfrage eine größere Bedeutung beizulegen." die Morde protestierten, wurden mit 23 Stockhieben bestraft. Die Terroristen trieben es so weit, daß zahlreiche Eißwohner von Izsak nach der Hauptstadt flüchteten und bis heute nicht wagten, in ihre Heimat zurückzukehren. Abg. B c n i e z k y führte weiter aus, daß diese Fälle nur einen kleinen Bruchteil aller vorgekommenen Gewalttaten darstellten. Er sei im Besitze zahlreicher weiterer Dokumente, die er bei Gelegen- heit vorlegen werde. Die Berantwortung für alle diese Terrorakte treffe die Regierung, denn die Zahl der Terroristen sei so gering und ihre Nomen seien so bekannt, daß es ein leichtes sein mühte, sie unschädlich zu machen. Weiter fragte der Redner, wie ee möglich sei, daß immer noch fast täglich Leiche« au« der Donau geflschk werden und warum die ungarische Presse durch die Zensur verhin- dert werde, darüber zu berichten. Als der Abgeordnete im weiteren Verlauf seiner Rede die Person Horthys erwähnte, verbietet ihm der Präsident, den Reichsverweser in diesem Zusammenhange zu nennen. Beniczky forderte schließlich die Regierung auf, die Schul- digen zu verhaften und der Bestrafung zuzuführen. Die Rede rief ungeheures Aufsehen hervor. Die Christlich-natio- nale Bereinigung unterbrach den Redner fortwährend mit Zwischen- rufen wie:„Vaterlandsverräter",„Iudensöldling" usw. Minister- Präsident Bcthlen ergriff darauf das Wort zu einer beruhigenden Erklärung und versprach wieder einmal strengste Untersuchung der Angelegenheit. Arbeiter und Studenten. Eine widerlegte Verleumdnng. Wünchen, 18. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Von Landsberg aus forderte ein Unternehmer auf dem Unioersitäts- Arbeitsamt in München wegen Arbeitseinstellung seiner Arbeiter eine Anzahl Studenten an. Die Arbeiterschaft wehrte sich gegen den Streiküruch und brachte die Studierenden ohne jede Ge- waltanwenbung zum Bahnhof mit dem Ersuchen, ihnen in ihrem Lahnkampf nicht in den Rücken zu fallen. Die VerHand- lungen führten zu dem erfreulichen Ergebnis, daß man sich o e r- söhnte und mit gegenseitigem Händedruck trennte. Aus dieser Tatsache macht die bayerische Hetzpresse einen ungeheuerlichen Landfriedensbruch, der mit bewaffneter Macht hätte niedergeschlagen werden müssen. Im Zusammenhang init Scharfmachertum, Unternehmerwillkür und paliiischer Hetze wird dcr Landsberger Lohnstreik zu einer politischen Staaisaküon ersten Ranges und einer Beschimpfung der Landesbehörde» und Arveiter ausgebeutet. Die Maßlosigkeit der bäuerischen Provinzpreise, die sich Über „Gewaltanwendung" entrüstet, tritt aus der jüngsten Nummer des „Miesbacher Anzeiger" deutlich zutage: Der R e i ch s w e b r- minister wird verhöhnt, weil er seinerzeit als einziger nicht die Qualifikation zum Reserveoffizier erhalten habe, die angebliche(längst dementierte Red.) Verlobung des Reichskanzlers init der Tochter eines �Holzindustriellen wird unter Zitierung des Geistes Erzbergers mit der Lieferung von Holzhäusern an die Entente in Verbindung gebracht, Minister R a t h e n a u aber wird unter Berufung auf ein Wiener Blatt„Indenkrea- t u r" genannt, der seinen Freunden das halbe Ratianaluermogen Deutschlands in den Rachen geworfen habe und durch den.ieungel- tad einer Million Mitbürger zum vielfachen Millionär ge- worden sei! Der„Bayerische Kurier" ruft in einer Polemik gegen die For- derung des„Borwärts" noch Aufklärung über die Schritte der bayerischen Justiz in der Verfolgung des Mörders von G a r« i s den Genossen Auer als angeblichen Zeugen für die Heuchelei der sozialistischen Führer an, indem er behauptet, Auer habe in einer Versammlung das politische Motiv der Mord- tat selbst in Frage gestellt. Wie wir vo« dem Genosicn Auer erfahren, ist die Metdung des Blattes völlig aus der Lust gegriffen. So wird systematisch geschürt und gelogen, und dann mundert man sich, wenn die Köpfe aneinandergeraten. Zusammensetzung der provinzialausschüsse. Der amtliche Preußische Pressedienst gibt eine Ueberncht über die parteipolitische Zusammensetzung der ProvinzialauSschüsse. Hiernach vertreten: p 3?-© s Z- S S»-(9»• s ii•= Verschiedene v) Ä 6> K Ostpreußen..... 3—11125— Brandenburg.... 3 1 1•>——— Bürgerl. C Pommern..... 1———— 2 6— Schlesien..... 4—— 1 2 1 2 Oberschi. 4 Sachsen...... 32 2 1 123— Schleswig-Holstein.. 5—————— Bürgerl. 5 Hannover..... 5—— l 1 2 2 D Hanvr. 2 Westfalen..... 3— ,1 1 6 2„l.. Rheinprovinz.... 3— 1— 7—— Bürgerl. 3 Heffen-Ichssau.... 4— 1 1 3 3— Hcss.Arbg. 2 Bezirksverband Kassel (Landesansschuß).. 4—— 1 2—— Bürgerl. 3 Bezirlsverb. Wiesbaden (Landesausschußl..4 1— 1 3 2 2_— 45 4 T 10 20 16 21 I? Obwohl wir die größte Anzahl von Beiireieni haben, reichen die Zahlen gegenüber der geschlosienen Rechtsfront noch nicht aus um immer eine gesunde Provinzialpolitik durchzusetzen. viölencrhöhnng für Schössen und Geschworene. Di« Tage- gelber, die den Schöffen und Geschworenen seit dem Jahre 1913 gewährt werden, im» die ursprünglich auf 5 M. festgesetzt waren, sind im Jahre 1920 auf 20 Dl. erhöht worden: zugleich wurde die Zulage iür Nachtquartier van 3 M. auf 12 M. heraufgesetzt An- gesschis der herrschenden Teuerung reichen auch dieie Säve nicht mehr aus, so daß weiteren Teilen der Bevölkerung die Teilnabnie an der Rechtsprechung erschwert wird. Vom 1. August d. I. tritt daber nach einer soeben vetöffentlichlen Verordnung der Reichsregierung vom 12. Juli«ine weilere Erhöhung ein: da» Tage- geld wild künftig 30 die llebervachtunaSzulaae 20 SL Betrogen Im Namen des Volkes- ungültig. Die Urteilsaussertigungen mit der Ueberschrift„Im Namen des Königs" Hausen sich: der kürzlich aus Potsdam mstgeteilre Fall steht längst nicht mehr vereinzelt da. Wenn alte Urteilsdogen aufge- braucht werden sollen und die dynastiiche Einleitungssormel durch- strichen wird, so läßt sich nichts dagegen einwenden: wird aber die Formel handschriftlich oder unter Benutzung der Schreibmaschine angewendet, so spricht hieraus eine gegen die herrschende Staat?« form gerichtete Absicht, die mindestens unter dos auch nach für richterliche Beamte geltende Disziplinarges etz fällt. Be- zcichnenderweise wagen es auch monarchistische Richter nicht, der der mündlichen Urleilsverkündigung sich in solcher Weiss gegen die Republik aufzulehnen und ihre Amtspflichten zu verletzen: aller- dings beschränken sie sich in vielen Fällen daraus, die Anwendung der Farinel„Im Namen des Balles" zu vermeiden. Die Angelegenheit hat jedoch auch eine juristische Seite, die wohl der näheren Betrachtung wert ist. Es fragt sich nämlich, ob die Zustellung schriftlicher Urteilsaussretigungen mit der Ueberschrift »Im Namen des Königs" Rechtsgülrigkeit besitzt. Man muß hier zu dem Ergebnis kommen, daß ein solches Urteil zwar ge- sprachen bleibt, nicht aber in Kraft treten kann, weil es im Namen einer Person vertündet wird, di« nicht mehr existiert und demzufolge weder Gesetzesmacht noch B e r k ü n d i g u n g s- b e f ii g n i s besitzt. Sind die obersten Landesjustizbehörden zu schwach, den Unfug schnellstens zu unterbinden, so mögen die Par« lamente eingreifen und unzweideutig die Rechtsunwirk- famkeit derartiger Urteilsausfertignngen aussprechen: im anderen Falle könnten bei Ni ch t a n e r k e n n u n g des Rechtsspruches schwere juristische Komplikationen entstehen. Für die R e- publik gilt ein für allemal der Satz: Urteile, die im Namen des Königs verkündet werden, sind im Namen des Volkes ungültig! Hakcnkreuzlcr. Di«„Deutsche Zeitung" brachte in ihrer Nr. 319 die Behauptung, daß der Reichskanzler gegen die Anschlußbewegimg in Oesterreich seine Ränke spinne und den österreichischen Gesandten in Bertin, der ihm«inen Vortran über die verzweifelte Lage Oester � reiche und den einzig rettenden Anschluß halten wollte, gar nicht erst habe zu Warte kommen lösten, sondern ihm einen langen Dortrag gehalten habe, der in der Behauptung gipfelte, daß eine Angliede- rung unmöglich sei. Diese Behauptungen werden amtlich als frei erfunden erklärt. Ein Fülschcriliicklcin. Die„lkationalliberale Korrespondenz", das Organ der Deutschen Bolkspartci, entrüstet sich über Zahlen, die der„Borwärts" kürzlich unter der Ueberschrift„Die Tätigkeit des Heimatdienstee" oeröffentlichte, und aus denen hervorging, daß die bürgerlichen Parteien in fast doppelter Stärke wie die Sozialdemokraten im Heimatdienst beschäftigt seien. Die KorresvaN- Venz sucht es so hinzustellen, als habe der„Vorwärts" dieses Zah° lenmaterial zusammengetragen. Es dürste ihr nicht unbekannt sein, daß die Ziffern von amtlicher Stelle der Presse beta»iib:cgeben und wahrscheinlich auch an die„Not. Korr." überwiesen wurden. Die Behauptung, der„Vorwärts" habe aus Tendenzgründen die Angelegenheft behandell, stellt sich also als eine Fälschung de« vationalliberaleu Organs heraus, OswerkschQftsbewegurlg Entlassung»vorübergeheuö" Sefchästigter. Dsi der jetzigen Wirtschaftskrise und der dadurch bedingten Arbeitslosigkeit ist die Verordnung vom 12. Februar 1S2Y („Reichsgesetzblott" S. 213) von besonderer Bedeuiung, da es bei strikter Durchfiihrung derselben bis zu einem bestimmten Grads möglich ist, die Arbeitskollegen gegen vollständige Arbeits- losigteit zu schützen, da nach Z 12 Entlassungen erst vorgenommen werden dürfen, menn die Wochenarbeitszeit im Be- triebeblsauf2-iStundenherabgeIetzt wurde und auch, wenn dies geschehen/ die Bestimmungen des§ 13 zu beachten sind. Jedoch«nchält dies« Verordnung einen Pferdefuß in dem dritten Absatz des§ 12, weicher lautut: »Die Vorschrift des Absatz 1 Satz 1 findet keine Anwendung bei Entlassungen von Arbeitnehmern, di« nur zur vorüber» aahendcn Aushilfe oder für einen vorübergehenden Zweck angenommen sind.* Di« Unternehmer, denen ebenso wi« die Durchführung sämt- llcher sozialer Schutzbestimmungen im allgemeinen, so auch besonders die Durchführung der Derordnung vom 12. Februar 1920, unangenehm und lästig ist, versuchen nun, mit chilse der oorangesührten Bestimmung des I 12 Abs. 3 nach Möglichkeit, um die Verordnung vom 12 Februar 1920 überhaupt herumzukommen. Es wird in letzter Zeit vielfach versucht, bei Neueinstellung von Arbeitnehmern Abmachungen zu treffen, d«b die Einstellung auf eine bestimmt« Zeitdauer erfolgt und noch Ablauf dieser Frist ohne weiteres und ohne besonder« Kündigung die Tätigkeit der betreffenden Arbeit- nehmsr im Betriebe endet. Derartige Abmachungen stehen jedoch der Verordnung vom 12. Februar 1920 durchaus entgegen. Es handelt sich nunmehr sür uns darum, die Absichten der Unter» nehmer zu durchkreuzen und denselben di« Umgehung der Verordnung vom 12. Februar 1920 unmöglich zu machen. »Vorübergehende Beschäftigung* kann z. B. nur sein, wenn im Falle der Erkrankung oder der Beurlaubung eines oder mehrerer ständiger Arbeitnehmer de» Betriebes ein« gleiche Anzahl Arbeit. nehmer für die Dauer des Fehlens der erkrankten oder beurlaubten Arbeitnehmer«ingestellt werden. Dann wird, wenn die ständigen Arbeitnehmer in den Betrieb wieder zurückkehren, die vorübergehende Beschäftigung der für s!« als Ersatz eingestellten Arbeitnehmer tat- sächlich zu Ende sein. Erkranken srdoch inzwischen weitere Arbeit» nehmer oder werden weitere beurlaubt, und di« zuletzt als Ersatz eingestellten treten nunmehr auch an deren Stelle, dann kann von vorübergehender Bcschüstigung nicht mehr die Rede sein. Es handelt sich dann vielmehr bereits um eine ständige Beschäftigung zur normalen Aufrech terholtung des Betriebes. Weiter kann man als„vorübergehende Beschäftigung* betrachten, wenn die Bewältigung eines Auftrages in Frage kommt, dessen Um- fang und Größe über den normalen Auftragsbestand und di« normale Leistungsfähigkeit des Betriebes hinausgeht. Auf Grund des F 71 BNG. hat sich jedoch In solchen Fällen in Betrieben, ouf welch« das BRG. Anwendung findet, der Betriebsrat oder Obmann davon zu überzeugen, ob«in die normale Leistungsfähig- t e I t vorübergehend übersteigender Beschäftigungs- grab voiliegt. Die tetsächlich zu solchem Zwecke eingestellten Ar» beitnehmer könnten ebenfalls als vorübergehend Beschäftigte betrachtet werden. Wenn j-choch während der Erledigung des besonderen Auf- träges die Einrichtungen des Betriebes derart verbessert wurden, dast der Betrieb in der Lage ist, in diesem Umfange dauernd weiter zu arbeiten, und wenn nach Erledigung des besonderen Aus. träges die zu diesem bestimmten Zweck Eingestellten noch zu weite- ren Arbeiten des normalen Geschäftsganges herangezogen werden, dann kann von einer vorübergehenden Beschäftigung oder Beschäftigung zu einem bestimmten Zweck nicht mehr die Rede sein, sondern es handelt sich um st ä n d i g e Tlrbeitnehmer. In allen übrigen Fällen, wo die vorangegebenen beiden beson- deren Merkmale nicht vorliegen, deren Vorhandensein außerdem noch gegebenenfalls von der Betriebsvertretung ausdrücklich feftzu- stellen wäre, ist unter allen Umständen auf die strikte Durchführung der ZZ 12 und 13 der Derordnung vom 12. Februar 1920 zu dringen, auch wenn der Unternehmer zeitlich begrenzte Abmachungen ge- troffen Hot, und gegen jede vorgenommene Entlastung ist auf Grund des F 14 derselben Verordnung innerhalb 3 Wochen von der Kündigung ab gerechnet, bei dem zuständigen Schlichtungsausschuß Einspruch zu erheben. Tie Angelegenheit hat in der letzten Zeit die Presie wiederholt beschäftigt. So ist der Dchlichtungsausschuß Neu Münster in seiner Sitzung am 19. April 1921 zu folgender Auslegung der Be- griffe»vorübergehende Aushilfe* bzw.„Einstellung für einen vor- übergebenden Zweck* gekommen: „Vorübergehende Aushilfe* liegt nur dann vor, wenn ein Arbeitnehmer aus dem Normalbestand vorübergehend an der Ausübung seiner Arbeiten behindert ist und ein anderer als Ersatzmann eingestellt wird. Wird ein Arbeitnehmer als Er- satzmann für alle laufend vorkommenden Erkrankungen eingestellt, so fällt dies nicht unter den Begriff„vorübergehende Aushilfe*. „Einstellung für ernen vorübergehen de n Z w e ck* liegt nur dann vor, wenn eine die Normalbeschäftigung 'er Botriebsanloge überstmende Arbeit bewältigt werden foll. Die Festlegung des Normalbefchäftlqungsgrades eines Betriebes rrfolot am zweckentkprcchendften durch eine Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem Betriebsrat. Wenn zu einem vorüber- gehenden Zweck besondere Einstellungen vorgenommen werden sollen, empfiehlt es sich, hierüber schriftliche Abmachungen zu treffen und dieselben von beiden Parteien sowie dem Betriebsrat unterschreiben zu losten* In der„Deutschen Bergwerkszeitung* vom 12. Juli 1921 be- findet sich ebenfalls ein ouf diese Angelegenheit bezugnehmender Aufsatz, welcher die oorangesührten beiden Begriffe wie folgt festlegt: „Zusammenfassend kann gesaat werden, ein A u s h> l f s- v-mbältni» lieat dann vor. wenn die Einstellung und eventuelle Weiierbeschaftiguna unter dem für den Arbeitnehmer klar erkenn- baren Hinweis auf die nur vorübergehende Verwendung erfolgt ist. wenn ferner die Zeitdauer unter Berücksichtigung der besonderen Begleitum' Snd« nicht entgegen dem Sinne des 8 l2 Abf. 3 der Demobilmachunesverordnung vom 12. Februar 1920 und entgegen Treu und Glauben zu weit begrenzt wird und wenn die Art der Belchäftigung einwandfrei«ine außerhalb der Normallinie liegende, nicht ständige Arbeitsleistung darstellt.* Durch diese beiden Gutachten wird da», was wir eingangs aus- geführt haben, ge' iitzt, so daß es wö'lich sein muß, die Absichten der Unternehmer, Einstellungen auf bestimmte Zeit zur Ausschaltung der Verordnung vom 12. Februar Auswirkung kommen zu losten. 1920 vorzunehinen, nicht zur und setzte sich damit C l. N ö r p e l. i Rheinlandkommission. in Widerspruch zu den Verordnungen der Zum Streik der Kontobucharbeiter. Der Syndikus des Arbeitgeberverbandes der Papier verarbei- tenden Industriellen, Dr. F e l d g e n, veröffentlicht in den neuesten „Api-Mitteilungen* einen sehr merkwürdigen Streikbcricht. Es wird hierin bestritten oder verschwiegen, je nachdem es ihm paßt, daß i n vielen Orten Deutschlands die Kollegenjchast Lohn, erhöhungon erzielte. Der Wahrheit zuwider wird be- hauptet, daß der Streik bald zusammenbrechen dürste. Diesen Wunsch der Unternehmer können wir sehr wohl begreifen, aber die Streikenden lassen sich nicht irreführen und das Vertrauen zu der Streikleitung nicht nehmen. Dieser Streikbericht in den„Api-Wit> ! teilungen" enthält auch einen über zwei Seiten langen Aufruf an j die Arbeiterschaft, der fetzt durch die Unternehmer jedem Arbeiter l als Brief zugesandt wurde. Die Unternehmer mögen sich ihre Mühe �sparen, die Arbeiterschaft geht ihnen nicht ins Garn. Am 13. und IS. Juni trat In Berkin unter Vorsitz de? Reichs- ! arbeitsministeriums ein Schiedsgericht zusammen. Dieses entschied. daß die streitenden Partei«! den ollen Lohn- und Arbeitsvertrag bis 30. September d. I. anerkennen sollten. Der Arbcitgcbervcr- band und der Transportarbeiterverdand erkannten den Schiedsspruch an, der Zentralverband der Maschinisten und cheizer lehnte ihn ab. Darauf warfen die Unternehmer noch einen größeren Teil von Maschinisten und Heizern aus dem Betrieb. Zu dieser Lage nahmen erneut Mitgliederversammlungen in der Zeit vom 8. bis 14. Juli an allen Stationen des Rheins Stellung. Die Abstimmung ergab 693 für und 131 gegen sofortigen Streik. Damit war der Kampf beschlossen. Die Konferenz der Der- trauensleute am 14. Juli in Mannheim trat den Entscheidungen der Versammlungen bei. Die Streikenden kämpfen um die Anerkennung folgender Mindestforderungen: Einstellung aller entlassenen Kol. ! legen.— Auszahlung der zu Unrecht abgezogenen Lohnbeträge. Erhöhung der Wochenlöhne um 35 M. für Mofchi- Die Forderung nach gleicher Entlohnung Ist durchaus berechtigt und Heiz« r als Abgeltung für die besonders seitens de? zumal in den Gc chäftsbuchfabnken qualitativ h°chm-r«g° Arbeit Mafchinenpersonals zu leistende schwere körperliche Arbeit und für verlangt wird. Di- Sorge der Unternehmer, daß die Strelkenden, � Mehrarbeit des Auf- und Aostochens der Feuer.- Die geforderte .............................. iii ii iii—■wiwiwmii«—■iimi Erhöhung der Wochenlöhne um 35 M. versteht sich aus Nachzahlung vom 1. April 1921. Die Kämpfenden hoben nicht nur den Widerstand der Unter» nehmer, sondern auch den Gewoltmaßnahmen der Besatzungetruppen zu begegnen. Die Gewaltmaßnahmen haben an verschiedenen Stationen des Rheins bereits eingesetzt. Die Streikenden sollen mit Gewalt gezwungen werden, die Arbeit wieder auszunehmen. Die der Znr Liste Achtung, Aletallarbsiter! vestreikung der kosten für die Wafilogitaljon A sind Sammelissten herausgegeben. Diese Listen werden oder von den SPD.- und ItSp.-kollegen getrennt Gewalt gezwungen werden, v.«-aroen mieoer au aun�men ni-Kihrf In atten Betrieben lua nnck, feine Sammellisten Maschinisten und Heizer der Rheinschufahrt werden sich aber der Ge � l!«n n/».«nk-r-! wall nicht beugen, sie sind gewillt, mit aller Energie die en chweren Umlauf sind, sind unsere IZer.rauensleule� verpflichtet, � cin»m glücklichen Ende zu führen. »m vom vetriedssekretariat. Lindenftr. 3. 2. Hos 2 Tr.. dieselben abzuholen. Ter FraktionSvorstand. bei der übrigen Arbeiterschaft keine Solidarität finden, mögen sie den Streikenden überlasien. Di» Arbeiterschaft ist von dem Gegen» teil informiert und von der solidarischen Hallung der Gesamtarbeiter- schast überzeugt. Das Flugblatt de» Api teilt der Arbeiterschaft mit, daß sie keine Forderungen stellen und solche durch Streik nicht erzwingen darf, indem es einen Gerichtsbeschluß vom Landgericht l, Zivilkammer 7. vom 8. Juli 1921, abdruckt, nach welchem drei strei- kenden Kollegen im Wege der einstweiligen Verfügung folgende» offenbart wird: „Den Antragsqegnern wird bei Dermeidung einer Hoftstrafe von 1 Woche für jeden Fall der Zuwiderhandlung verboten, sich bei dem gegenwärtigen Streik der Buchbinderelbctrlebe der Ge. schüjtsbücherfabriken dahin zu betätigen, daß Arbeitswillig« an der Aufnahme der Arbeit durch sie selbst oder durch Streikposten oder durch ein sonstiges von ihnen instruiertes Organ gehindert werden.* Der Einspruch gegen diesen Gerichtsbeschluß ist angemeldet. Die herrschende Teuerung, der Widerstand der Unternehmer gegen jede Lohnoufbesierung hat di« Arbeiterschaft(zumeist langjährige, 15 bis 20 Jahre in den Betrieben Beschöftigte) geschlossen in den Streik treten lasten. Trotz Api. trotz Gerichtsbeschluß und trotz Staotsan. wall werden sie Solidarität üben und aushalten bis zum gcwiinsch. ten Erfolg._ Ter Kampf der Volontärärzte. Die Meldung, daß im preußischen Notetat 900 000 M für die Volontärärzt« bereitgestellt seien, haben in der Oessentlichkeit den Eindruck erweckt, ass ob die zuständigen Behörden ihre Bereit- Willigkeit gezeigt hoben, die Lag« d«r jchwerbedröngtsn Volontär- ärzte durch Gewährung einer vertraglich geregelten Ent- l o h n u n g zu bessern. Wie un« von unterrichteter Seite hierz» mitgeteilt wird, ist diese Annahm« falsch. Die genannte Summe als Unterstützung für bedürftige Volontärärzt« in Preußen vorgesehen. Der Minister für Wistenschaft, Kunst und Volksbildung hat es bisher nicht für nötig gehalten, aus den von der Groß-Berliner Der- tragskommission der Aerztekammer unternommenen Dermittlungs- schritt eine Antwort zu erteilen. Dieser Bermittlunqsschritt sollte die Gefahr einer Arbeitsnied erlegung der Dolontär- ärzte abwenden. Noch dem bisherigen Verhalten des Kultus- Ministeriums besteht diese Gefahr, wie uns von gut informierter Seite mitgeteilt worden ist, unvermindert fort. Die Erregung der Volontärärzt« an d«n Universitätskliniken und an der Eharite wird noch gesteigert durch die nicht mißzuverstehende Aeußerung eines höheren Ministerialbeamten, wonach man künftighin die Arbeit der Volontärärzte durch begüterte nicht approbierte Asrzt« kostenlos erledigen lassen würde. Nachdem der am 12. d. M. im Kampf der Volontärärzte um ihre Existenz beim Kultusminister unternommene Vermittlungeschritt der ärztlichen Organisationen bis zur Stunde ohne Antwort seitens des Ministeriums für Wistenschaft, Kunst und Volksbildung geblieben ist. haben die Volontärärzte an den Unioersi- tätskliniken und an der Charit« beschlossen, zum letzten Mittel, näm- lich zur Zlrbeitsniedcrleguna zu greifen.-Am heutigen Dienstag mittag wird In der Unioerfitäts-Frauenklinik in der Eharite eine Dollversammlung der Volontärärzte stattfinden, die, wenn bis dahin keine Antwort des Ministers Dr. Becker eingetroffen ist, die sofortige Arbeitsniederlegung beschließen wird. Der Ä u l- tusm in ister Dr. Becker ist zu dieser Versammlung, unter ausdrücklichem Hinweis auf die schwerwiegenden Folgen seines ab- lehnenden Standpunktes, eingeladen worden, ebenso wer- den sämtliche ärztlichen Organisationen Vertreter entsenden. Einem Streik der Volontärärzte, deren Zahl sich auf 160 be- läuft, werden stch, wie wir hören, auch die in den staatlichen Kliniken vorübergehend tätigen Aerzte, darunter auch Ausländer, anschließen, so daß insgesamt etwa 200 Aerzte die Arbeit niederlegen werden. Die Folgen wären sowohl für die staaillchen Kliniken wie sür die Berliner Bevölkerung einschneidender Natur. Es ist sehr bedauerlich, daß e» der Kultusminister Dr. Becker so weit hat kommen lassen. Ein Landarbeilerstreik Ist nach MTV. auf 5 Gütern im Kreise Greisswald am letzten Freitag ausgebrochen. Die Angestellten auf den Ktcinkohlenbcrgwerken des Aachener Revier sind am 14. Jull in den Streit getreten. Vorhergegangene Verhandlungen unter dem Vorsitz d?s Reichs- und Staatskommissars M e h l i ch find erfolglos geolleben Die Angestellten wünschen die Uebertragung de» Ruhrtarifes auf das Aachener Revier. Die Bergarbeiter find durch den Streik der Angestellten stark in Mitleidenschaft gezogen. Der verbandsiag der Scmelndebomlen des Saargebiets forderte zwecks Gleichstellung mit den Staatsbeamten einen Franken- A u s g l e i ch s z u s ch l a g. Die weiteren Fordsrungen des Der- bandstages gipfelten in dem Verlangen noch Aufrechterhal» tung de, Selbstverwaltunysrechts und Achtungder deutschen Gesinnung von feiten der saarländischen Regie- rungsbehörden._ flus der öetriebsrate-praxw. § 18 DRG. wahlenkhalkung einer Arbcitnehmergruppe. Der Schlichtungsausschuß Ulm Hot am 6. Mai 1921 emschieden, daß, wenn sich eine Arbeltnehmergruppe der Wahl zum Betriebsrat enthält, dem gewählten Arbeiterrat die Befugnisse eines Betriebs- rots nicht zustehen.(Dcröfsentlicht in„Das Schlichtungswesen", Mitteilungsblatt der Schlichtungsausschüsse in Bayern, Württemberg. Baden, Hessen und Hessen-Nastau 3. Jahrg. Nr. 6, S. 130.) Der Reichsorbettsminister hat in einem Bescheid I. A 3423 vom 28. September 1920(„Reichsarbeitsblatt" Nr. 8 vom 80. 1» 21. S. 295) folgende Ansicht vertreten:„Beteiligt sich dagegen bloß die eine Arbeitnehmergruppe nicht, so bilden die Gewählten der ande» ren Gruppen zugleich Gruppcnrat und Bottiebsrar". In demselben Sinne äußern sich Dr. I. Feig und Dr. F. Sißlir in ihrem Kommentar Anmerkung 1 zu 8 18 BRG. und Anm. 2 zu§ 8 der Wahlordnung zum BRG. Ebenso Dr. Flatow Anm. 5 ... Zu d 8 der Wahlordnung zum BRG. Durch das Detriebsrätegcfetz sollen der Belegschaft bestimmt« ' Rechte bezüglich der wirtschaftlichen Berhältniste des Betriebes ein» geräumt werden. Die Ausübung dieser Rechte ist an die Wahl der � vorgeschriebenen Körperschaften gebunden. Wenn man aber der Ansicht des Schlichtungsausschusie» Ulm beitreten würde, dann könnte ein Arbeitgeber, der ein Handelsgeschäft betreibt und eine große Anzahl Angestellte, aber nur wenige Arbeiter beschäftigt, letztere bestechen, um sie von der Wahl abzuhalten und umge» kehrt könnten in- einem Industrieunternehmen mit vielen Zlrbeitern und wenig Angestellten, diese durch Gewährung von besonderen Vorteilen ebenfalls zur Preisgabe ihrer Interessenvertretung ver- anlaßt werden. Das würde dem Sinne des BRG. und dem allge- meinen Rechtsempfinden geradezu ins Gesicht schlagen. Es ist mehr als eigentümlich, bah die Schlichtungsausschüsse, die doch nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes, sondern nach dem i sozialen Empfinden entscheiden sollen, zu derart merkwürdigen j»Schiedssprüchen kommen. § 36. Bezahlung der Fahrzelk zum Ork der vekrlebsraksfißuug. Eine Firma in Berlin hatte die Abhaltung einer Betriebsratssitzung in ihrem Dircktionsgebäude beantragt. Dem Verlangen wurde seitens des Betriebsrates stattgegeben. Die Firma weigerte sich jedoch, die ausg» wendete F a h r z« j i zu bezahlen. Der Schlichtungs- ausschuh Groß-Berlin entschied in diesem Sireitfalle, daß die Sitzungen des Betriebsrates an der Arbeitsstätte stattzufinden haben. Wenn jedoch auf Wunsch der Firma an einem anderen Orte die Sitzung abgehalten werden solle, sei der Unternehmer ver- pflichtet, di« Zeit, di« zum Erreichen des Sitzes der Direktion notwendig ist, zu vergüten. Sitzungen außerhalb der Arbeits. zeit würden meist unmittelbar im Anschluß an dieselbe abgehalten werden. Man könne den Betriebgratsmitgliedern nicht zumuten, den Verlust zu tragen, den sie auswenden müssen, um einen der Direktion genehmen Ort zur Abhaltung der Sitzung zu erreichen» «»lllobuchard-lter. Di« Persammlung d»r Streikenden findet heut« 10 Uhr bei K«aumann, Naunnnstr. 27, statt. Dl« Ltrellleitunz. Verband der Buchbinder und Papieruerarbciter Deutschland». Buchbinder! vanncratag S Uhr in den SemmerlAlen, Teltawer Straste 1/4, Branchen- Versammlung aller in Buchbindereien, Buchdruckereien und Seschiisleduchfabriten Beschafliale». Deutscher Dronaportarielter-Berdand, Drupv« C, Mweraliile und Fett«. S'trcik in der Nkieinschiffafirt. Seit dem 22. Mai waren vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer gegen die Unternehmer der Rhcinschiffahrt Teilaktionen verfügt, um die Unternehmer zu veranlassen, den berechtigten For- dcrungen der Heizer und Meschinlsten nöb-r zu treten. E» wurde gefordert: vollkommene Sonntagsr'be. Bezahlunn der täglich zu leistenden Mehrarbeit für A-ck- und Abstechen der Feuer und unter, Würdigung der besonderen schweren körverlichen Arbeit dieser Ar- bejtergruppe eine entsprechende Lodnerhöhung. Die Unternehmer lehnten diese durchaus bereibtigten Ferderungen glatt ab. Außerordentliche Mit lleherverlommlungen bcschlasien daraus, die täglich zu leistend« Mehrarbett für Aus» und Abstachen der Feuer innerhalb der festgeleaten lZstündlgen Fahrzeit zu verrichten, wo- durch die Fabrzcit eine Verkürzung von täglich zwei- Stunden erfuhr. Ferner die Durchführung vollkemmcner Sann- � togsruhe. Das Unternehmertum schritt zu Aussperrungen Gruppenversammlung heut« 7 Uhr bei Prasser, MiSaelkirchstr. A».— Branche 2, Ehrmlkalien. Miltwach 1 Uhr in..Schullheih-Festsalen", Neu« Iakobstr. 24/23. Einganz Schmidtstr. 10/20, gunktianiirnrrsammlung. Brtriedevertrauenslrule, Betriebsräte, Obleute, Mitglieder der Branchrnlritung stnd geladen.— Gruppe: "reiuirkMi■• u Pap:erau»stattunz. Heul« S Uhr bei Witt«, Poftstr. 27, C'ruppevnersarmnlung. Dupscrschmied«! All« stallegen, welche auf dem Boden gewerkschaftlich«? Arbeit stehen, werden dringend ersucht, Mittwoch 7 Uhr im Sewertschaflshaus ! tu erscheinen. I grntralve.'banb de: Anpest-lltra. Dertlk-Großhandel. DlitgNederpersamm- lung Mittwoch 4>,t Uhr Haverlandp-lsestsale, Z!«ue Friedrichsir. 30. IHt venrendet»Cr Eure Kinder rin die Uli iVlUtllCl icfgrn Jiror g t o r e n 59? i I b e cl-j b e ü e g i n d c r s e i i e-eil über 26 Iahten nizttich eqipiohiene Myrrholin- Seife. für Herren- v. Damen-Bekleidung ..Sparte Neuheiten- Verkaut me erweise Kmh&»rs; GertraudtcnstraRe 20—21