Kc.340» ZS. Jahrgang Ausgabe& Hc. 16$ AIirnd-Auvnnlie c Bezugspreis t SlftteIi3IncL30.— äJl., monatL 10,— R. jtfi ins Haus, ootau» zahlbar Paib» bfzug: Monatlich 10,— M. sinichl, All- stellunassebllhr Uni« Kreuzband iür Deutschland, Danzig, dos Saar- und Memelaediet. sowie die ehemals beul- schen ibeoiele Polens Oeflerretch. Ungarn und Luxemburg 20,- M., für das übrige Ausland 27.- M> Pose- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. TIchecho- Slowakei, Däne- marl, Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz, Der„Pormäris* mit der Sonntagsbeilage.Volk und Btif der Unter- baliungsbeilage �ieimweir' und d« Beilage»Siedlung und Kleingarten� erscheint wochemiiglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adrelse i »Sozioidemokral verNn� berliner Nolksblstt Anzetgrnprets! Dt, achtgelpaltene Vvnparetlle,»«» koktet dLd M.»Ulotns Anzotgen-' da- ketlgedruckte Bsrt 1.1» M izu- Uisftg zwei settgedru-kt» Worte), sede» «eitere«or, I.- M. SteUcnaekuch» UN» Schtasstellenanzeigen da» erst» Won!»— M» iede» wettere Won t0 Psg Wone lider Id Buchstaben sühlen für zwei Worte. BamiUrn-An- i eigen kür Abonnenten Beil» M. vi» Preise oerfteheu sich einschltehilch Teuerungszuschlaa anzeigen kür die ndchkte illumm« Utükleo d>» Ii Uhr nachmittag« im dauolgeschatr Berlin GW 6H. üinden- tiBB» 3. abgegeben werden. Sieöffnet oon S Udr früh bis i Uhr abends. ) �entralorgsn äer fosialäemokratil'cken Partei Daitfchlands Reüaktion und Expedition: SW SS, Lindenstr. Z S-ennktir-rf,-«- Ncdaktivn«Z'oritzplay laluS—«7 ttrri,,z,iru)rr. Moripplatz»I7SS-K« Donnerstag, den ÄL Juli 1931 Frankreich bleibt halsstarrig. pari». 70. Zull.(haoas.) Ver britische GeschSfksiräger hak heute nachmittag vriand die Antwort seiner Regierung aus die Note vom letzten Sonnabend betr. Oberschlesien überreicht. Diese Antwort bestätigt die Unterredung, die der französische Botschafter St. Anlaire gestern mit Lord Cnrzou gehabt hat. Sie weist nach- d r ü ck l i ch st aus die Rolwendigleii des Zusammentritts des Obersten Rates am 28. Juli in Boulogne-sur-Bicr hin ohne vorhergehende Prüfung des Teilungsproblems durch eine Sachoer. ständigentommisflon. Die Arage der Entsendung von B er st ä r- fangen nach Oberschlesien soll der Entscheidung de» Obersten Rates vorbehalten bleiben. St. Zlulaire wird morgen im Foreign Office die Antwort der französischen Regierung überreichen. Paris. 21. Juki.(BIB.) Zur englischen Jlofe in Sachen eines Zusammenlrilts des Obersten Rates schreibt der»Petit parisien", falls Lloyd George durch die Ereignisse persönlich ver- hindert sein sollte, werde er sich durch Lord Curzou und Lord B a l s o u r vertreten lasten. Da jedoch der letztere seine Ferien cm 1. August antreten wolle, müsse eine Entscheidung inner- halb zweier Tage getrofseu werden. Die französische Note. soll bereit« gestern abend an den frauzöstschea Botschafter in London abgegangen sei«. Die franzüflsche Regierung bestehe darauf, daß es e'.lig fei, den Esseflivbefiand der Truppen in Ober- fchlcsien z« erhöhen. Ein gemeinsamer Schritt der drei Oberfom- mistare in Oppeln läge vor, durch den Berstärkungen verlangt werden. Frankreich nehme dieses Berlangen au und sei bereit, eine Viviflon zu entsenden. Die franzöflsche Regierung verlange, daß die Sach- verständigen am kommenden Montag zusammentreten und daß der Oberste Rat sich in Boulogne vereinigte, sobald diese die erforder- licheu Borarbeiten geleistet hätten. „Preß Astadation' zufolge betonte Lord Gurzon in einer Besprechung mit dem französischen Botschafter am Dienstag, daß, wenn die nächste Zusammenkunst des Obersten Rates, entsprechend Briauds Lorschlag, er st im Herb st erfolgen sollte, es äußerst schwierig sein würde, die notwendigen Vorbereitungen für die Washing» toner Konferenz zu treffen. pari», 21. Juli.(ET.) Der„New York Herald' erblickt in der englischen Note ein ene rgisches Abrücken Englands vom französischen Standpunkte. Man habe es vorgezogen, sagt das Blatt. die englische Note nicht zu veröffentlichen, weil sie schlechten Eindruck erwecken könnte. Zweifellos habe jedoch die Hol- tung Lloyd Georges in Paris entschieden Aergernis erregt. Man ist der Ansicht, daß Lloyd George keineswegs den französischen Standpunkt annehmen werde, selbst, wenn die militärischen(sach- verständigen dafür eintreten würden, daß Frankreich vorgehe und ge- nügend Truppen nach Oberschlesien entsende, die im Derein mit der übrigen oberschlestschen Besatzung zwischen Polen und Deutschen eine Scheidewand errichten sollen. Wie Befand arbeitet. Frankreich stützt sich in seiner Forderung nach Truppenver- stärkungen für Oberschlesien auf«in Dokument der drei Kommissare der JAK. In diesem Dokument ist zwar nach der Wiedergab« des „Petit Parisien' davon die Rede, daß Verstärkungen notwendig feien, wenn man die Wiederkehr eines Aufftandes,„sei es seitens der Deut- schen, sei es seitens der Polen', verhindern wolle, ober gleichzeitig wird oerlangt, die vberschlesische Frage so schnell wie möglich zu regeln, um«in weiteres Umsichgreifen der bevor st«hendeu Unruhen zu verhindern. Es sei bedenklich, eine derartig« Frage in einem Land« in der Schwebe zu lassen, wo trotz der getroffenen Maßnahmen die beiderseitigen Bevölkerungen nur unzureichond entwaffnet seien. Das Hauptgewicht wird also hier auf die schnelle Lösung der ober- schlesilchen Frage gelegt. Diesen Teil des Berichts scheint Briand nach den bisherigen Informationen über feine Antwort nicht in Er- wägung gezogen zu haben. Nach der„Morning Post' wird in der Mitteilung der alliierten Kommisiare an die Dotschafterkonferenz ausgeführt, daß. wenn die vberschlesische Frag« nicht sofort vom Obersten Rot in Angriff ge- nommen werde, die alliierten Streitkräfte in Oberschlesien von 20 000 auf 60 000 erhöht werden müßten. Die französische Presse. In der französischen Presse steht die oberschlesische Frage weiter im Vordergründe des Interesses. Während die sozialistischen Organe zur Vernunft mahnen, hetzt ein Tell der ch a u v i n i st i s ch e n Boulevardpresse direkt zum Krieg. So sagt Leon Doudet in der..Action franyaise':„May wird eines Tages merken, daß der Mord des Kommandanten Montalegre in Oberschlesien durch seine Folgen mit dem Mor-d von Serajewo identisch ist.(II)" Der„Radical' versucht die französische Forderung nach Truppenverstärtungen in O b e r s ch l e s i e n mit dem Hinweis zu begründen, daß Rußland einen Krieg gegen Polen vorbereite! Pertinax schreibt im„Echo de Paris', die Hallung des französischen Wortführers entspreche genau semer Ansicht über vorwärts,verlag G.m.b.H., EM öS, Ltndenstr. 3 »kernsvreckcv- Brrlag. Expedition und Inseraten- z, ei�rz■ r' Abteilnnq Moriüptay U7S3-.S« das, was sich in Oberschlesien abspiele. Di« Aufschiebung der Ta- gung des Obersten Rates habe Borteile, aber nur unter der aus- drücklichen Voraussetzung, daß die französische Regierung nicht zögere, das Nötige, namentlich am Rhein, zu veranlafien, um die Er- eignisie in Oberschlesien zu beherrschen. Der Korrespondent der „Chicago Tribüne" erfährt aus„diplomatischen" Kreisen, daß die Lage in Oberschlesien als gefährlich betrachtet werden müsis und daß schon Innerhalb der nächsten 48 Stunden eine Krise ausbrechen könnt«. Die Quelle kann man sich denken! Und Italien! Es ist auffällig, daß Italien sich m diesem englisch- französischen Duell neutral verhält. So wie die Dinge heute liegen, bildet Italien das Zünglein an der Wage. Vom Grafen Sforza wußte man, daß er der polnisch-sranzösischen Auffassung zuneigte. Von dem neuen italienischen Außenminister d e l l a T o r e t t a weiß man, daß er kurz vor seinem Amtsantritt in Paris weilte und daß fein Eintritt in das Kabinett Bonomi in Frankreich eine günstige Presie fand. Man weiß serner von ihm, daß er außenpolitisch eine aktivere Haltung einnimmt als sein Vorgänger, und wenn in der j u g o s l a w i s ch- italienischenFrage eine Wendung eingetreten ist, so ist Toretta wohl nicht ganz unbeteiligt an dieser Entwicklung. In- offiziell erfährt man auch, daß er der Entwicklung in K l e i n- a s i e n nicht ganz al« passiver Zuschauer gegenübersteht. In loser Fühlungnahme mit England soll bereits die Frage des Wiedereintritts Italiens in die kleinasiatische Politik erörtert worden sein. Es ist möglich, daß England hierbei daran denkt. in Italien ein gesundes Gegengewicht gegen französische Auf- faffungen zu finden. Auch hier drängt die Zeit wie bei der oberschlesischen Frage. Sollte die Entscheidung für Italien so schwer sein?' Auf eine kleine Inkonsequenz der französischen Rufer nach Truppenverstärkungen sei hingewiesen. Als Oberschlesien in Flammen stand, als sich die französischen Truppen vor den Aufftändischen zurückzogen als die Italiener bluteten, als die D e u t s ch e n unter dem Kriegsverbrechertum der Banden um Korfantn in hellen Scharen flüchten mußten, damals hieß es von französischer Seite immer wieder: Wir sind stark genug in Oberschlesien, um Ruhe und Ordnung auf- rechterhalten zu können. Heute, wo bettächtliche Truppen- Verstärkungen(vor allem von englischer Seite) eingettoffen sind, heute, wo der Friedenszustand, abgesehen von einigen Untaten derselben Korfanty-Gestalten, wieder hergestellt ist, wo der englische Kontrolleur Stuart nach London berichtet, in Oberschlesien sei man mit der Ernte beschäftigt, heute ruft Frankreich plötzlich nach Truppenverstärkungen und droht da- mit, vorzugehen, ehe der Oberste Rat in dieser Frage ent- schieden hat. Wie lange will sich England, wie lange Italien diese Hanswurstiade noch mit ansehen? Unfruchtbare Summen. London. 21. Juli.(EP.) Der belgische Finanzminister «eill gegenwärtig in London, wo er schon mehrere Aussprachen mit dem Kanzler Sir Robert Hörne Über die von Deutschland ge- zahlten Summen gehabt hat. Die Verlegung der Tagung des Obersten Rates und der Finanzminister der Entente hat zur Folge, daß ungeheure Summen in den Banken stilliegen, an- statt benutzt zu werden. Diese Zahlungen Üben auf den Geld- markt einen Druck aus ohne Dorteile für eine Ration. Belgien und England haben ein Prioritätsrecht auf die von Deutschland bezahlten Summen, Belgien auf i'A Milliarden und England auf dl« Kosten für die Besetzung der Rheinlande. Deshalb haben diese beiden Länder ihre Interessen diskutieren wollen, ohne auf die Ver- sammlung des Obersten Rates zu warten. Washington. 21. Juli.(EP.) Es wurde im Senat mitgeteilt, daß die Schuld der Alliierten den Vereinigten Staaten gegenüber sich mit Zinsen auf 043534 000 Dollar erhöht, wovon 284 Millionen Dollar oon Frankreich, 407 Millionen Dollar oon England, 167 Millionen Dollar von Italien und 34 Millionen Dollar von Belgien geschuldet werden. Noch immer öie Leipziger Urteile. London, 21. Juli.(Reuter.) Ungefähr 70 Unterhausmitglieder haben eine Resolution unterzeichnet, die in Kürze dem Unterhaus eingereicht werden soll. In dieser Resolution wird die tiefe Unzu- friedenheit mtt den Leipziger Prozessen ausgesprochen und die Regierung ersucht, Schritte zur Durchführung der Bestim- mungen des Versailler Vertrags zu unternehmen. Gegen die Zonrnallsieuverhastungeu in Budapest. Die Wiener Journalistenverbände„Cencordia" und„Organisation" wollen esne' internationale Aktion zur Befreiung der in Budapest verhafteten' Journalisten veranstalten. Die Verhaftungen erfolgten wegen Mit- nrbeit an dem in Wien erscheinenden ungarischen Tageblatt„Jövö" i (Zukunft). 1 Kamilienverflcherung. Groß, Aus dem Verband der Krankenkassen Berlins wird uns geschrieben: Einem dringenden Bedürfnis namentlich der minder- bemittelten Volkskreise ist der Ruf nach Einfübrung der Familienversicherung bei den Krankenkassen'Groß- Berlins entsprossen. Für jeden praktischen Soziachygieniker lag es klar zutage, daß mit dem Augenblick, wo den 5t ranken- kassen die finanziellen Mittel zur Ausführung dieses Projektes zur Verfügung standen, der Wunsch der Versicherten in die Tat umgesetzt werden mußte. Waren die Finanzen der Krankenkassen allgemein während des Krieges und auch in der ersten Nachkriegszett ziemlich schwankend, s» hat sich mit dem beginnenden Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens, besonders durch Erhöhung der Versicherungsgrenze auf 15 OVO Mark und die Erhöhung der Betttäge eine Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen eingestellt: die Kassenvorstände glau- den, jetzt den berechtigten Wunsch der Versicherten in der von ihnen geplanten Form Wirklichkeit werden lasten zu können. Wenn die Einführung der Familienversicherung zum 1. Juli noch nicht möglich war, so liegt das bestimmt weniger am Willen der Krankenkastenoorstänoe, als vielmehr daran, daß die Angelegenhett von der Wirtschaftlichen Abteilung des Groß-Berliner Aerztebundes wenig gefördert wird. Vorausgeschickt soll werden, daß seitens der Aerzte im allgemeinen keine ideellen Gründe gegen die Einführung der Familienversicherung vorgebracht werden. Den Einwendun- gen rein materieller Natur versuchten die Kasseiworstände bis zur Höchstgrenze der Leistungsfähigkeit entgegenzukommen. Daß dabei nicht mit Gefühlen, sondern ausschließlich mit dem Verstände gearbeitet werden muß, ist sür jeden Praktiker selbstverständlich. Die Vorstände der Kassen müssen Mathe- matiker sein und kaufmännisch rechnen, da ihnen anderenfalls die Ausschüsse der Kassen, auch ihr fachmännisches Gewissen und letzten Endes die nach der RVO. übergeordneten Behörden in den Arm fallen würden. Während der bisher gepflogenen Verhandlungen ver- langten die Aerzte zunächst die Regelung der Be- zahlungsfrage. Dabei schlugen sie vor. diese in der ihnen genehmsten Weise, als Bezahlung für Einzel,- leistungen vorzunehmen. Es kann bezweifelt werden, daß dieser Vorschlag von den Aerzten selbst jemals ernsthaft durch- dacht worden ist. Für Kassenpraktiker fit er jedenfalls ganz- lich undiskutabel. Was als Einzelleistung gelten soll, darüber ist man sich auf beiden Seiten noch nie recht klar geworden, eine Kontrolle darüber kann den Kassen auch vom Llerztebund nicht garantiert werden. Ein geschäftstüchtiger Aerzt kann aus einem Fall so viel Einzelleistungen konstruieren, daß bei der Bezahlung den Kassen schwül werden könnte. Logischer- weise haben die Vertreter der Aerzte in der Wirtschafll-citz.'N Abtellung des Aerztebundes sich auch diese Forderung nicht zu eigen gemacht, es wurden die Verhandlungen um die Bs- Zahlung nach einem Pauschal geführt, das sich in drei Arten zur Ausführung bringen ließe: 1. in Form eines Zuschlages zum allgemeinen Pauschale für alle Versicherten, 2. als Zuschlag zum Pauschale für alle Mitglieder, die Familienangehörige zu versorgen haben, 3. als sogenanntes Fallpauschal. Wegen der Verschiedenheit in der Zusammensetzung dos Mitgliederbestandes der einzelnen Kassen liegen brauchbare Statistiken über die zweckmäßigste Art der drei Pauschalen noch nicht vor. Zwar haben einige Kassen in Groß-Berlin die Familienversicherung bereits in den Kreis ihrer Leistungen einbezogen, ttotzdem handelt es sich für die Kassen allgemein und auch für die Aerzte hier um Neuland. Demgemäß müßte zunächst einmal mit der Einführung der Neuerung eine g e- wisse Probezeit festgelegt werden, nach deren Ablauf an Hand geführter Statistiken eine generelle Regelung auch der Honorarfrage erfolgen kann. Da die Kassenoorstärtd« sich ganz entschiede« gegen jedes Experimentieren oerfchließen müssen, bleibt für sie' nur die Form übrig, die sich nach praktischer Berechnung und Er- fahrung am besten bewähren wird— und das ist die Be- zahlimg nach einem Fall pauschal. Als Begründung für diese wohlerwogene Anficht kann ins Feld geführt werden, daß es einmal unmöglich ist. fest- zustellen, wieviel Mitglieder der einzelnen Kassen Angehörige haben, die den Segen der Familienverstcherung in Anspruch nehmen könnten und wie hoch die Zahl dieser Angehörigen sein. kann. Bei der Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt würde sich ein statistischer Versuch an jedem Tage verschieben. Auch die Praxis bei den Kassen, die heute schon mtt Familierwer- sicherung arbeiten, kann nie und nimmer als Maßstab an- gelegt werden, da die Prozentziffern derart auseinandergehen» daß Schwankungen von 25 bis 93 Proz. vorkommen. Außerdem handelt es sich fast ausschließlich um Kassen, die ein festes Verhältnis in ihrem Mitgliederbestand baben, d. h. es find Betriebskrankenkassen, die auf Grund des Angestellten- resp. Beomtenvarhältnisses ihrer Mitglieder zu dem einen Arbeitgeber die Aufnahme solcher Statistiken möglich machen können. Daß eine allgemeine oder besondere Orts- oder Landtrankentasse ihre Arbeitgeber, deren Zahl In die Tausende geht,«cht zur Ausmachung derartiger Feststellungen ersuchen oder gar zwingen kann, ist selbstverständlich. Es wurde also den Aerzten ein Pauschal für den Fall und Monat angeboten, das sich nach eingehender Berechnung im Höchstfall auf IS Mk. ohne und auf 20 Mk. mit freier Arzneigewährung belaufen kann. Die Differenzierung wird deshalb als nötig erachtet, weil bei Arzneigewährung zweifel- los die Arbeitsbelastung der Aerzte eine bedeutend höhere wird. als bei Wegfall dieser Neuerung. Ob überhaupt Arzneigewäh- rung gegeben-werden kann oder soll, darüber fällten die Aerzte keinen muffigen Streit führen, denn diese Frage wird lediglich von den Kasseninstanzen zu erörtern sein: sie kann sich nur nach dem Stand der Kassenfinanzen regeln. Daß die Kassen diese Frage sehr reiflich erwägen müssen, arhellt aus einem kleinen Beispiel: Angenommen, es führt«ine Kasse sofort mit der Fa- wilienversicherung freie Arzneigewährung ein. dann wäre die Inanspruchnahme der Aerzte nicht nach einer niedrigen, son- dern nach einer Hochfrequenz vorhanden. Folge: entsprechende Mehrauegabe von Monatsbons und gesteigerte Zahlungen ssur Abgeltung des Fallpauschals. Wünscht weiter ein Familien- Mitglied ein Bad, oder«in noch billigeres Medikament, dann hat die Kasse nicht nur den Preis desselben an den Lieferanten zu zahlen, sondem muß dazu noch den Preis für den Bon rechnen, so daß der(Lesamtpreis für das Bad oder Medikament sich um das 10» bis 20fache verteuert. Wenn die Kassen die Garantie hätten, daß alle Berechtigten von sozialem Geist beseelt, all» Aerzte korrekt bis zum i-Punkt wären,— diese Garantie kann aber niemand geben»der tragen— auch dann könnten sie einen Sprung ins Ungewisse nicht machen. War- rningen davor liegen nicht nur aus Kreisen der Versicherten. sondern auch aus den Reihen der Aerzte in stättlicher An- zahl vor. Unsere Berliner Kassenärzte wissen es genau, daß die Gewährung freier Arznei- und Heilmittel den Kassen ohne neuerliche Erhöhung der Beiträge unmöglich ist. Bekannt ist ihnen ferner, daß eine Beitragserhöhung ohne ge- sondert« Zustimmung seitens der Arbeitgebervertreter in den Vorständen und Ausschüssen nicht durchführbar ist und letzten Endes dürfte es einem jeden bekannt sein, daß die gesamt« Arbeitgeberschaft Groß-Berlins einer Beitrags- erböhung für die Krankenkassen schroff ablehnend gegenüber steht. Das sind im engbegrenzten Rahmen die nackten Tat- fachen, mit denen nicht nur die Kassenvorstände, sondern auch die Versicherten zu rechnen haben. Man darf wohl anneh- men, daß die Berliner Arbeitnehmerschaft intelligent genug ist, um nach Prüfung dieser Darlegungen zu entscheiden, wo ihren berechtigten Wünschen Rechnung getragen werden soll und wo man aus Lerufsegoismus unberechtigte voreilige Hoffnungen erweckt. An der Zeit ist es. daß die Sache endlich einen energischen Ruck vorwärts kommt und dazu müssen die Versicherten selbst beitragen. In allen Betrieben muß das Wie und Weshalb erörtert werden, damit den Kassenvorständen seitens der versicherten der Rückhalt ge- boten wird, auf den sie nicht verzichten können und wollen. Fest steht die Tatsache, daß die Einführung der Familienversicherung kommt. Wenn nicht mit dem Bund der Aerzte, dann gegen ihn. Hoffen wir, daß auch diesmal noch«ine Einigung gefunden wird, die es beiden Teilen wieder ermöglicht, mit einander praktische Sozialhygiene zu treiben! Zrakkrsich und öie RegkeruKy Mrth. Der Reichskanzler Dr. Wirth hatte mit einem Vertreter der amerikanischen„United Preß" eine Unterredung, in der er nach den Mitteilungen des Berichterstatters klar erkennen ließ, daß sein Finanzprogramm gefährdet sei und der S t u r z d e s Kabinetts drohe, wenn die Regierung in den Fragen Oberschlesiens und der Aufhebung der Sank- Treue und Gifersucht bei Tiere«.' Seitdem Steinichs Farschimgen den Beweis erbracht haben, daß Mutterliebe nichts anderes als»in« Drüsenabfanderung ist irnd die Slexungen der menschlichen Seele zum großen Teil aus die Funktion körperlicher Orgarie zurückzuftlhr«« find; seitdem also mancherlei Gefühle und Empfindungen, die bisher mit dem Nimbus der Poesie und de» Göttlichen umgeben waren, in»in» sehr Irdische medizinische oder naturwissenschaftliche Sphäre hmabgedrückt sind, wird es niemanden Wunder nthmen, wenn er hört, daß mich Tier« der zartesten und leidenschÄftkichsten Seelenregungen fähig sein können. Und daß diese Regung«« sich zuweilen in vollkommene menschlichenFormen äußern, haben ja streich? Beobachtungen der Zoologen bewiesen. In einem Wert„Das Eemütsleben der Tierwelt", das demnächst bei Carl Reißner m Dresden erscheinen wird, bietet Th. Zell dafür»ine FW« neuen Material». Wir ent- nehwcn diesem Werk die folgend«, interessimtsn AuZsührungen, die dem ewig zeitgemäßen Thema.Ehelich« Treu« und Eifersucht" ge- widmet sind. Außer den Tauben— sagt Zell— gelle» mtt Recht Störche und Schwalben als Mustsrbilder ehelich« Treu«. Aber auch Aue- nahmen kommen vor, wie»in« wertvoll« Beebachtung des Grafen Reichenbach beweist. Ein Taubeupärchen war in der Brut begriffen, und die Junge« hatte» saeben die Eierschale» durchbrachen. Bekanntlich last der Taob« alltäglich für einige Stunden seine Taube im Brüten ab, und toMr.\« dann wieder frei wird, stürzt er mit lautem Girren hinaus und gibt sein« Freud« in Flug- küasten zu erkennen,(flnst, da er sich so ergötzte, setzte sich auf den Schlag ein zartes Täubchs», trippelte hin und h«. putzt« stch und ordnet« hier und da ein Federche«, s» daß maa t»«ahl mit einem koketten Fräulein»ergleiche» durfte. Und nun spielt« sich eine seit- same Szene ab. Der alte Täuber girrt da» Täubchen«», und bald wird ein flüchtiger Liebesbund geschlossen. Do stürzt plötzlich pfeilschnell die tilte Täubin aus dem innere» Schlag h«»»r, mit Gewalt gegen da» Glaefenster, ein Fehlstoß, de» sie bei sesstige- Gemütsruhe nie getan hätte. Mit Schnabel- im 3 Flügels chldzen fällt sie nicht über dt« Nebenbuhlerin, sondern üb« den ungetreu« Gasten h« und bearbeitet ihn, so lang« ihr« Kräfte ousreich«. Dar Täub« ließ sich die Züchtigung ruhig gefallen und rückte langsam bis an dt« Kant« des Flugb'.ettes. Endlich, fast herabgeftsße*, schwang« sich in die Luft empor, stieg mit kräftige« Flügelschlag bis zu bedeutender Höhe, in weiten, mächtigen Bog« de» Asther durchmessen», keine Ch-hälste ab« blieb ruhig sitz« mit tief stngezvgeiiem Kopf«— und wenn Tauben weinen konnten, so«einte sie gewiß bitterlich. Das währte sehr lang«, so daß der Beobachter bereits stirchlete, die noch fast ganz nackte» Jungen würde««starren und zugrunde t i o n e n mit leeren Händen komme. Er sagte, daß die neue Note Briand» über Oberschlesien sür ihn«in Schlag ins Ge- ficht sei, und daß er daran zweifeln müsse, ob Frankreich wirk- lich wünsche, mit Deutschland zu einer Verständigung zu ge- langen. Könne er als Ausgleich für die Opfer, die er fordere, nicht» bringen, dann würde der Reichstag sein Finanz- Programm niemals billigen und dann sei sei« Kabinett lebensunfähig. Die Ankündigungen des Reichskanzlers eröffnen für das Reich sehr dunkle Aussichten. Denn wenn olle Demühungen der deutschen Regierung, ruhige Verhältnisse in der auswar- tioen Politik zu schaffen, an der ewigen Konflikt- lüsternheit Frankreichs scheiterten, so wäre eine Fortsetzung der Politik Wirth» durch«ine neue Regierung, sei sie wie immer zlisammengesetzt, unmöglich, und der reaktiv- näre Rationalismus gewänne die Oberhand. Dann müßten die vernünftigen Menschen in Europa«Ine Zeitlang mit ge» bundenen Händen zusehen, wie die deutschen und die fron- zösischen Nationalisten die schwierigen Verhältnisse zu meistern versuchen. Und dann wäre bei der gegebenen Kraftoerteilung das Schicksal Deutschlands besiegelt, wenn nicht andere Mächte den Ausschweifungen des französischen Imperialismus ent- gegenträten— selbst auf die Gefahr eines neuen Krieges hin. Zu einem solchen Eintreten für Deutschland besteht aber keine Stimmung, sie würde noch weniger vorhanden sein. wenn Deutschland wieder unter der Herrschaft der schwarz- weiß-roten Reaktion stände. Es bleibt also von den beiden Möglichkeiten nur eine, nämlich die, daß Deutschland dann das völlig wehrlose Opfer des französischen Imperialismus würde. Und das Ist e» ja auch, was der französische Imperia- Usmus letzten Endes will. Die deutschnationale Propaganda geht hartnäckig mit der Verleumdung hausieren, die gegenwärtige deutsche Regierung sei eine„Regierung von Gnaden Frankreichs". In Wirklichkeit liegt die Ungnade Frankreichs so schwer auf ibr, daß ihre Existenz dadurch gefährdet wird. Rur jene Franzosen, die keine ins Endlos« fortgesetzte Katastrophen- Politik wollen, stehen dem Kabinett Wirth sympathisch gegen- über, ebenso wie die gleichgesinnten Deutschen, Engländer usw. Die anderen werden an dem Tag, an dem das Kabinett Wirth zusammenbricht, ein Triumphgeheul ausstoßen. Denn die Politik des Kabinetts Wirth hat ihre Anschläge auf das Ruhrrevier vorläufig vereitelt, die Durchführung ihrer Pläne in Oberfchlesien zum mindesten arg erschwert, die Stellung Frankreichs in den neubesetzten Gebieten erschüttert. Ei« werden den Tag segnen, an dem die deutschnationalen Desperados obenauf kommen, denn er schafft ihnen freie Bahn. Die Deutschnotionalen lügen, wenn sie sagen, das Kabinett Wirth lebe von Gnaden Frankreichs, und sie zeigen sich damit sehr undankbar. Denn in Wahrheit ist der f r a n- zösische Imperialismus ihr, stärk st er Protek- to r, ohne ihn hätten sie sich aus ihrer verdienten Zerschmette- rung nie erhoben, und sie können in Deutschland niemals wieder zur Herrschaft gelangen außer durch ihn. Sie sind seine Bundesgenossen auf dem Wege xi einer neue« Krise Europas und zu Deutschlands völligem Untergang. Die Wahl öes Reichspräsiüenten. Unter der Ueberschrift„Sie kleben!" richtet der deutsch- nationale Reichstagsabgeordnete W u l l e einen pöbelhaften Angriff auf den Reichspräsidenten. Er schreibt: Auch Herr Edert bleibt. An ihm find all« Remvahien, alle Beränderunz«, im bntijchc» Bslke spttrlss varüberzeganzen. Er mutz,«i« es in dem verteaullche« Rundschreiben de» Herrn Kachel- Müller(gemeint ist Genasse Hermann Müller�ranken. Re». d.„A.") an die Genassen vam Juni IlliS heißt, die seziattstischa» Jisteteffen rn der Rezierung«ahrnehman. Er ist also der Bertrauensmann d« Sozialdemokratie. Aiich«in Grund, Beichsprästdeut zu Reiben. Aenost. lich geht alles um diese Frap« Harum, und»och brennr sie MMonen Deutschen auf der Seele. Darum verlange» wir Bolls- entscheid. Das Boit soll endlich»an de« ihm zustehenden o«r- fasiungsmllßizen Recht« Gebrauch machen, soll darüber befinde», ob gehen. Endlich«hob sie sich, macht« kurz kehrt und trippelte iv den Schlag zu de» Jung«, zurück. Rtihrend« Lewelse ehelicher Treu« geben öfter» die Störche. Ein Storchminnchen suchte sein Weibchen, das wegen- Berletzung eines Flügel» nicht wandern kannte, drei FrühNng« nacheinander auf und blieb in den folgenden Jahren auch im Wint« bei ihm. Auch bei manchen Säugetieren ist die eheliche Treue varhanden, wenngleich»iel seltener als bei den Vögeln. Jnteressant ist beispielsweise.«a« d« berühmt« stöwenjäz« Gerard üb« da« Benehmen de» männlichen Löwen in der Wildheit beobachtet hat. Nach ihm verläßt d« König der Tier« in d« Bnwsigstt seine Gsttw niemals ohne die dringendste Rot und zeigt ihr fortwährend die größte Liebe und Rückficht. Gehen sie zusammen auf Raub au», s« steht der Gatte still, so oft es d« vattin gefallt. Ist« in die Hürde ein- gebrochen,»öhrend sie sich riedergelegt hat, so bringt»r ihr da» Beste, was« finden kannte, und sieht ihr mit de« größten Behagen zu, wahrend ste frißt. Erst wenn sie gesättigt ist, denkt er auch an sich. Rind«, Antilopen, Tinhuf«, Elefanten leben fast alle in Poly- ganüe und fühlen sich nur wohl, wen« sie einen recht großen Harem besitzen. Dagegen wohnt den Nashörnern eine wahrhaft rührend« Zuneigung zueinander inue. Wie erklärt sich dieser merkwürdige Unterschied in dem Lerhalten der Tiere? Ausschlag gibt der Grundsatz, daß die Natur die Er- Haltung der-Art wünscht. Hiermit steht salgend« Erscheinung im Sinklang: Wenn die Mutter imstande ist, allein die Jungen großzuziehen, kümmert sich d« B a t e r um die Sprößlinge nicht: wenn fi« nicht oermag, hilft d« B a t« r ihr. Da die Jungen d« Wärm« und Nahrung bedürfen, sa ist der D« t e r am wenigsten bei Säugetieren nötig; die Mutt« kann beides geben, ohne da« Lager zu»erlassen. Bei den vögeln da- gegen«erden die N e st h a ck e r fast immer gute Bat« sein, da Ihre Lunge» nicht gesäugt»erden und längere Zeit brauchen, ehe sie da; Nest verlassen können. Die Nestflüchter, die wie Hühner und Enten sich sofort selbst Nahrung suchen, brauchen dagegen keinen Bat«, um leben zu können. Wenn also Mutterliebe eine Drüsenabsond-rung ist, so muß man B a t e r l i e b e«l» die nllchterne Konsequenz de» Grundsatzes der Arterhaltung ansehen. Ein« ebenso unpoetische wie unanfechtbare Auffassung. „Die Hermanns schlnchl". Auf der Naturbühne aus dem Brau- Hausberg in Pstsdam brachte gestern die Gesellschaft für Vater- ländisch« Schauspiele— Leitung: Ullrich Haupt— da» Drama Heinrich». Kleists„Die Hermannsschlacht" zur Aus- führung. Der Dersuch, rein künstlerisch betrachtet, war gar nicht so übel gelungen; denn die Naturbühne bietet diesem Stück mit leine« oielsach wilden und kriegerischen Inhalt ungeahnt« Möglichteilen zur Entfallimg. Es kamen packende und stimmungsreiche Szenen zu- stand«. der Vertrauensmann der Sozialdemokratie wert« Präsident des Deutschen Reiches bleiben soll. Würde Herr Wulle sein doppeltes Amt als Reichstags- abgeordneter und Zeitungsmann mit einiger Gewissenhaftigkeit ausüben, so wäre ihm bekannt, daß der Reichspräsident wieder- holt auf Ansetzung der Volkswahl gedrängt hat. Regierung und Reichstag haben jedoch die Unmöglichkeit erkannt, diese Wahl jetzt schon vorzunehmen, da der Reichspräsident laut Ar- tikel 41 der Verfassung vom ganzen deutschen Volke gewählt wird, die Beteiligung des o b e r s ch l e s i s ch e n Bolksteils an der Wahl aber noch nicht möglich ist. Entweder als» hat Herr Wulle von den Dingen, über die er schreibt, keine Ahnung, dann verleumdet er leichtfertig, oder aber er kennt sie und behauptet das Gegenteil, dann verleumdet er bewußt. Auf alte Fälle ist dieser deutschnational« Mann ein« ganz besondere Zierde des Reichstags. C!n Kronprinz mit üem«.Dolch von hifiten". Durch die Blätter gehen jetzt Mitteilungen über«ine aus- führliche geheime Lenkschrift des früheren Krön- prinzen Rupprecht von Bayern, die vom 19. Iull 1917 datiert und an den damaligen bayerischen Ministerpräsi- denten Hertling gerichtet ist. Sie ist von großer Bedeutung deswegen, weil hier aus dem Munde eines Mannes, den man doch weder Sozialist noch vaterlandslos schimpfen kann, d i e Wahrheiten ausgesprochen werden, durch deren Nichtbeachtung der Zusammenbruch herbeigeführt wurde. Der vormalige bayerische Kronprinz setzt in seiner Denkschrift auseinander, warum an der Westfront zugunsten Deutschlands Erfolge nicht mehr z» erwarten und warum auf eine durchgreifende Wir- tung des U-Boot-Krieges nicht mehr zu rechnen sei. Er ver- wirft die sinnlosen Bombenangriffe auf London. mit denen nur das Gegenteil von dem Gewollten erreicht werde. Er verlangt einen verständigen Friedens- schluß m i t R u ß l a n d und rät, vor dem vollen Einsatz der amerikanischen Hilfskräfte, vor deren Unterschätzung er warnt. mit den Gegnern Verhandlungen auf der Basis eines Ber- gleichssriedens einzuleiten! Er meint, das müsse geschehen nötigenfalls unter Verzicht auf Entschädigungen und bei Drein- gabe der Kolonien! Der Prinz sagt weiter: „Man wirst der bayerischen Negierung vor, daß sie sich alles von Berlin gefallen steße, und die Meinung gewinnt immer mehr Allhänzer, daß, nachdem doch alles von B«lin aus geleitet werde, unsere Regierung weit« Nicht» sei, al» ein überflüsstzer und kost- spielizer Lallast. In den anderen Bundesstaate» ist übrigens die ontimonarchistifche Stimmung womöglich n»ch schlimm«. Durch hier nicht zu erörternde Umstände ist der Kais« um alles Ansehen ge- kommen, und die Verstimmung geht soweit, daß ernsthaft denkende Leute bezweifeln, ob die Dyuastt« der Hohenzollrrn de» Krieg über- dauern wird. Bedenklich stimmte mich»in Ausspruch, den nun vor einem J-Hre»in im Verkehr mit Bismarck herangereifter Staatsmann zu mir tat:„Die Lölker werden« künftig nicht mehr dulden, daß üb« sie durch die Ungeschicklichkeit der Regierungen so»in Unglück herein- bräche wie d« gegenwärtige Krieg, und würden sich künftig die Ent- scheidung über ihre Politik, wie ilb« Krieg und Frieden selbst vor- behalten."* Die„Deutsche Allgemein« Zeitung" ist durch die Denk- schrift des früheren Kronprinzen völlig erschlagen. Sie meint. unter diesen Umständen wäre es In der Tat wohl am besten gewesen, damals schon dem grausamen Spiel ein Ende zu machen. Das war auch immer die Nussassung der Sozialdemokrat««, nur daß uns damals die Gesinnungsfreund« der volkspartetlichan Zeitungen wegen Landesverrats auf den SandHauson stellen wollten, wenn wir d i e Wahrheiten aussprachen, die jedem leidlich vernünftigen, der nicht unter Kriegswahnstnn lebte, selbswerständlich er- schienen. Wir find neugierig, wie sich die Reaktionäre jetzt mit dem früheren bayerischen Kronprinzen abfinden. Ist er nun auch mit dem„Dolch von hinten" gegen die deutsche Front losgegangen? Soweit so gut. Entschiedenen Einspruch muß man jedoch er» eben, wenn bei«in« künstlerischen Darbietung die verschollene jaiserhumn«„Heil dir im Siegerkran»" demonstrativ zweimal gespielt wird, wie e» geltern der Fall war. Will «um auf dem Brauhausberg msnarchistilq« Demonstrationen veran» stalten, so wird man sich nicht beklagen sürsen. wenn das Publikum eventuell mit Gegendemonstrationsn antwortet. Die Gesellschaft möge sich aiso entscheiden, ob da«, was sie darbietet, in Zukunft als rein« bansckerisch« Veranstaltung»der als ein Gemisch«>t roat- tivn&rem Radau seez aufgefaßt«erden soll. Der Knrlemosrkanf stir die Staaioshest«. Im Berlin« Publikum hat flch seit langer« Zeit über die Art und Weise, wie der Karteuverkauf bei den Staatstheatern, besonders für den vierten Rang, erfolgt, lebhaft« Unwille entwickelt, dar in vielfachen Be- Ichwerden zum Ausdruck kam. Um hier soviel als möglich Abhilfe zu schassen, hat nunmehr des Kultusministttium angeordnet, daß die bisher bestehenden Kaufreseroate eine wesentliche E i n- ich r L n k u n g«fahre» und dadurch die Zahl der für den vierten Rang zum B«kauf gelangend«« Karten sich nicht unerheblich«höht. Immerhin genügen die zum freien Lerkauf gelangenden Karte« auch jetzt nicht den Bedürfnissen, da ein nicht unbeträchtlicher Teil d« Plätze als Dienst- und Freiplitz« für das technische Personal zi-rücküehalten und euch»inlge Kaufkarten für dos Personal und dessen Angehörige reserviert werden müssen. Darin wird sich eine Besserung nicht erzielen lassen. Um das»ergebliche Anstehen des. Publikums nach Kaufkarten tunlichst unnötig zu machen, ist an- geordnet worden, daß dt« Zahl d« zum Berkauf gelangenen Plätze im dritten und vierten Rang am Sonnabendabend durch Anschlag zur Kenntni» de» Publikums gebracht wird. Die«leklrisch« Ernte. Reu« B-rsuche üb« die Wirtimg d« Aektvizität aus da« Wachstum des Getreide» find auf der englischen Bersuchsstation fär Landwirtschaft zu Harpenden gemacht worden. C» zeigte sich, daß der Ertrag der mit Elektrizität behandelten Ge- treidearten um LI Proz. größer war als d« auf den gewöhnlichen Feldern. Man hat diejenige Störte de» Stromes ausprobiert, die kür dies« Zwecke am geeignetsten ist und gefunden, daß ein sehr schwacher Strom die besten Ergebnisse zeitigt. Das Getreide kann ebenso überelektrifirn und dadurch geschädigt«erden, wie über- mäßige Düngung die Ernte beeinträchtigt. Sodann hat man be- obachtet, wie der Wechselstrom, d« vorher noch nie zu solchen Experimenten verwende! worden war. wirken würde. Doch zeigte sich, daß der Gleichstrom»iel bessere Ergebnisse hervorbringt. Im allgemeinen bleibt noch ein«eite» Feld für die nähere Er- forschung de» Einflusses der Elektrizität auf die Ernte übrig, und praktische Erfolge kornnun vorläufig nicht in Frage,«eil die Kosten der Eiektristerung größer sind als di« dadurch«reichten Borteile. Eine Vlassael-Zeichnung ist dem Kupferstichtaiinett Misere» Neuen UnienmS att iSelAent überwiesen werbeti. Es bändelt lich um ei»« lbOä entitandene,, in Metallftist und llohle«usgesührte Handzeichnung RüfsaelS, b:e den'Fiarientoxs der beräbmten.Radonna bei Duca dt Terra« nuosa- wiedergibt, die bat Saiser-Foiedruh-Raseum desitzt. Kampf gegen üie Getre!üew!rtsthastZ Der Borswnd debnlo hat dl« Obers chlesten-Sammlung In Berlin gehavt. vi« Auszählung der Tausende von Sammel- büchsen, die in der Preußischen Seehandlung vorgenommen wurde, ist nunmehr beendet. Der Inholt sämtlicher Sammelbüchsen, Opfer- stände usw. bellef sich auf nur 188 144 M. Den Haupianteil hieran baden außerdem noch die in den Berliner Schulen veranstalteten Sammlungen. Das Ergebnis ist keineswegs überraschend, wenn man In den Sammeltagen beobachtet hat, wie e» geradezu die elegan- testen und vornehmsten Herren und Damen waren, die kaltblütig und oft hohnlilchelnd an den Sammlern vorübergingen. Die Berliner Plutokratie hat kein Herz für Oberschlesten. Im Botanischen Garten zn Dahlem wird nach ministerieller Der- fvgung vom 25. Juli ab am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag eine Einlrittsqebiihr von 1 M. erhoben. An den übrigen Togen bleibt der Zutritt frei. Der Garten Ist während des Sommers fortan geöffnet»on 7— 7, an Sonn- und Feiertagen 10 bis 7 Uhr. Di« Schauhäuser sind offen von 10—12 und 1—8 Uhr. DaS Tveiter für morgen. Ettou« kübler. bei Wien nordwestlichen Winden und veränderliche» vewiliunz, ohne««heblich» sst-dcrschlögc. Sport. »roh«» tyrtU dm Aar«». Im DruUchti,»Mdion soll orn II. Juli bet ,®ro8e gtret«»SN Pei lin-«um Nu»! rag kommen. fltt(fiiejet>«»>»hl«I» auch für 5>ttutr-' «•hm g.eß» RanluctenjcR»eretfeben M bthftc sich die®We bw beutlchen Slxger und Snunsahrer tn diese« C«(t boet jus«n»«, finden. Der®»r»m!acs jon? f lätteUmrf»Un— Verls»,»er am 2i. Juli b. J« Nüchmiiwns 8,30 liht IM Stodien vn e sehen mild, Ut»rssiiiei. EwiriUsknrien de, Wertheim unb in den iSpertseledäften zu folsenden Vsmerkttl-presten: So �ire, die der Internationale Gewerkschaflsbünd den italienischen Arbeitern x Bekämpsunq der Reaktion überwiesen habe, stammen aus der asche der Bourgeoisie. Diese Tatsache müsse inen den Ar- beitern mitteilen. Es erübrigt sich fast, den Arbeitern zu sagen, daß Klara Zetkin hier— bewustt oder unbewußt— gelogen hat, da der Jnter- nationale Gewerklchastsbund noch nie auch nur einen Pfennig aus- gegeben oder empfangen hat, der nicht aus den Taschen der Ar. b e i t« r stammt, die dem Internationalen Sewerkschaftsblind ange. hören. Aber nebenbei bemerkt: Wäre es nicht viel bester, wenn Klara Zetkin ihr« Ghftpseile auf gewisse Leute richtete, die zu ihrem eigenen Klüngel gehären? Weist sie nicht, daß selbst in den„höchsten K/eisen" der Dritten Internationale Leute leben, die ihre mütterlich« Fürsorge r nötig haben? Weil Klara Zetkin es verschmäht, den Arbeitern ? Partes«« vor dem 1 vktover 153! zusammentreten, um den wirt- schaftlichen Verhältnissen entsprechend die Löhne für die kommenden Monate festzulegen Die Lohnvereinbarungen sind erstmalig künd- bar am!. Ottober zum IS. Oktober 1S21 und verlängern sich still- schweigend um weiter« 4 Wochen, wenn sie nicht 14 Tage vor Ab- lauf dieser Frist gekündigt werden. Lehmann berichtete über die Verhandlungen, die in drei Sitzungen zur Vereinbarung der Tarifvorlage führten. Daran schloß sich eine Diskussion. Die Versammlung der Vertrauensleute gab dann gegen drei Stimmen der Abmachung ihre Zustimmung und beschloß, sie der Vollversammlung zur Annahm« zu empfehlen. Die endgültig entscheidend« Vollversammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen findet am Donnerstag, de« 28. Juli, abends 6% Uhr, bei Bveter m der Wcberstr. 17 statt. die Wahrheit über die Verbindungen zu sagen, vi« zwischen der Vouraeoisie und gewissen Lrbeitcr„füHmn" bestchen, so wollen wir ihr diese Arbeit abnehmen und sie der Mühe entheben, tagelang ihre stark beschäftigte Zunge noch mehr anstrengen zu müssen. Im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale sitzt«in Mann namens Iwan N e d! e l k o f f, d. h. diesen Namen führt«r aus pewlssen Gründen beut« nicht mehr. Er nennt sich jetzt E h a h l i n. Der Grund zu diesem Ramenswechsel ist darin zu suchen, daß der Ge- nannte nicht mehr und nicht weniger als ein qan? beröchkigl« Streik- brecher ist, der während de» Streiks der bulgarischen Eisenbahner im Jahre 1915 ein« gewichttge Rolle spielt«. Zudem war er ein Schütz- vnq des Exkönig!« Ferdinand von Bulgarien, auf dessen Kosten dieser merkwürdig«»Revolutionär" in Paris studk'-te. Aber noch andere derartig« Elemente gehören zum»chohen Rot" fn Moskau Wir haben schon einmal Gelegenheit genommen, mitzu» teilen, daß Herr Murphy ein bezahlker Splon von Scolland Zfard während de, Krieges war und daß«r, trotzdem er seine Vergangen- heit nicht leugnet, für würdig befunden wird, an der Spitze der roten G e« e r k s ch a s ts> n t« r n a ti on a le Moskaus zu stehen. Ein Polizeispitzel im vorläufigen. Vorstand der kommu- «istischen Gewerkschaftsinternationalel Arme kommunistische Arbeiterl Wir bringen nicht nur Klara Zetkin, sondern allen Arbeitern diese revoluttenären Größen nochmals in Erinnerung und könnten die Litte de? Spione, Streikbrecher und sonstiger.Freund« der Ax- heiter" beliebig verlänaern. Wir wollen uns heute aber damit begnügen, noch festzustellen, daß selbst cherr L o s o w s k i. der den deutschen Arbeitern wegen seiner frechen und un- verschämten Reden, die er vor ihnen gegen ihre Führer gehalten hat, erst ün Jahre 1917, nach der russischen Oktoberrevelutio«, den Mut gefunden hat, einer Gewerkschast beizu- treten, obwohl es schon Innre vorher in Rußland wenn auch nur kleine und»on den zaristischen chäschern verfolgte Gewerkschosts. »rganisationen gab. Abc'- da war es noch gefährlich, nicht wahr, Herr Lo'owski? Und wer sich in Gefahr begibt---. So sehen die„Heilen" Moskaus aus, die bei der deutschen Ar- beiterschast um Sympathien werben und leider auch solche gewinnen konnten Da« war aber nur möglich, weil man nur ihren Worten gelauscht, nie nach ihren Taten und ihrer Vergangenheit gesraqt hat. Je mehr dies« bekannt werdm, je aerinoer wird ihr Einsluh und An- hang werden. Am Sonntag und Montag werden die Anhänger der größten Gewerkichost der Welt den Moskowitern sagen, was sie von ihnen halten. An diesen Taqen werden all« Berliner Mitglieder des Deutsrben Metall« rleiterverbande« dies« Worthelden abschütteln und ihre Stimme der Liste A, deren Kandidaten der Amsterdamer Jaier- anstoual« angehören, geben._ Aus dem Karosserie- und Wagenba«. Zum neuen Rahmen» und Lohnabkommen hatte am Mittwoch eine Versammlung aller Vertrauensleute der Wagen- und Karosferiefobriken Stellung zu nehmen. Die Haupt- sächlichsten Bestimmungen sind: oie wöchentlich« Arbeitszeit beträgt 4ü>4 Stunden