nt.341 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 173 «ezngSvretS, ®l««llifl)rU30.—■21.. monoiL 10.— SÄ. frei mu Jinu« norau» ,iat)lbat. Volt» »crafi: Monatlich 10,— M. etnldiLSu- fte!limn»fl»6üht Unter?r»u»l>anl> für ®cttt{olanb, Dauziß. das Saar- un» Memeiaebiet. low!« die ebemal» Heul- Ich-N Kediet« Polen« vesterreich. Ungarn und Lux-mdnr- 3Q.- M. ftft da» übrige Ausland 27,- M. Po!>» deftellunrien nelimcn an Oeilerreich. Ungarn. Tlchecho- Elowaler Däne- msri. Holland, Luremdurg. Schwede» und die Schwe» V«»Vorwärts» inil der Sonntag». deilage„Twil und �eit» der Unter- daltunzsd-ilaqe �eimwelt» und der Beilage»Sildlung und Klemganen» »richeint wochentaglich zweintal. Sonn- tag» und Montag» einmal. Telegramm-Adreffe� »Sojiniormofrat Sur«»» Morgen-Ausgabe Devliner DolKöblstt (30 Pfennig) Anjrt»e«pretS> Tie»chigelualte»- M»,»«r»iltei>»»» loltel M»Rl»>»»«i», eigen- >4» letlgedeucht,»eri IM«(»u- litfil»»w" letlgedru», Wert«), icdw weitere Wert l,— WL Stele», rluch' und Schlaiflelle»,»,»«,»» da» erft» Wo« SÄ. fede, weiter, Wo« 10 Plg Wort, Oder Id Buchliade» »adlen litt üw" Wons lsattNlicn-An- tetgen tlir Abonnenten ftetl,»e- M. vi» Prell,«eltetzen flch etnlchlletzltch T»ueru»,»,ulchl«a ilnllelgen Mr»le»dchfi« lÄunune» atüflen dt, 5 Uift nachmittag» im bauotgelchäfr«erlln SA« Linden» ltroß» ll. abgegeben»erden Geäffnel oon S Übt friid di» i Übt»bend». Zentralorgan der rozialdemohratifchen parte» Deutfchlanda Ueöaktwn und Expedition: EM öS, Lindenftr. Z k'L-weiibew-el,-»- Rrdaktlon Moritlplal, lSl!>S— g? gnartbrla« 11753— 51 Freitag, den ÄÄ. Juli 1931 mmmmammmmmBmamämasaKsmm vorwärts-verlag G.m.b.y., SM HS, Lindenftr. 5 Fernsprecher: Ekvebition und Qnfcrntcit. 'Kbtcilitng M-ritzpl«» 11753—54 Der engliM-franzöfifthe Gegensatz. Keiner wM nachgeben! e o n d a a. ZI. Zuli. sWIV.) Dav Revier Lureav meldei: mals allerdings im großen und ganzen gerecht berücksichtigt und von beiden Seiten respektiert. Sollte das, was in Schleswig möglich war, nicht auch in Oberschlesten zu erreichen sein? Lloyd George hat vor einigen Tagen vor den Koalitions- liberalen in einer längeren Rede darauf hingewiesen» wie sehr er allenthalben um einen friedlichen Ausgleich aa- müht ist und wie viel ihm daran liegt, die Atmosphäre des Hasses und des Unreckts zu überwinden, die Euronn nervestet und in das niedere Dasein eines Kontinents zurückstößt, an dem die Weltgeschichte achsel nickend vorübergeht. In Schles- wig ist England der Sieg über Haß und Unrecht gelungen, sollte Lloyd George dasselbe nicht erreichen können, in einem Lande, an dem das Wohl Deutschlands, die Gesundung Europas in viel höherem Maße hängt als an Schleswig? Von englischer Seite wurde darauf hingewiesen, daß Lloyd George unmöglich nach Washington gehen könne, ohne die Lösung der obcrschlesischen Frage erzielt zu haben. Wir möchten dem hinzufügen, daß es ihm unmöglich ist, nach Washington zu gehen, ohne eine ehrenvolle Lösung erzielt zu haben. die irische Zraae. London. 21. Iull.(Reuker.) Amkllch wird bekanntgegeben, daß Lloyd George und Devalera ihre Vesprechung-n heute f o r k g e s e h k haben. Ein« Grundlage für eine formelle Konferenz Ist bisher nicht gefunden worden. Devalera kehrt morgen nach Irland zurück und wird Lloyd George nach einer Unterredung mit seinen Parteigenossen weiteres mitteile». London. 21. Juli.(WTD.) Die heutig« Besprechung des Pre- mierministers mit de Lalera dauerte nahezu eine Stunde. Wie ver- lautet, umsaßt« sie folgende Punkte: 1. Homerule für Süd- Irland nach dem Vorbild der britischen Dominions. 2. Sicher» h e i t« n f ü r U l st e r. 3. Wichtige Zugeständnisse auf fi- n a n z i e l l e m Gebiete. 4. Abmachungen, um die B e z i e h u n g e n der nordirischen und der südirischen Republik zu regeln. Nachdem de Dolera das Foreign Office verlassen hatte, stattete General Smuts dem Premierminister einen halbstündigen Besuch ab._ Amerikas Manöatforüerung. Vashinzlon. 20. Juli.(WTV. gn».Journal de» DibatS'.) Da» Staatsdepartement hat leine Etklärung vom 4, April erneuert wonach die Beremigten Staaten in der Frage der Mandate, so wie sie der Yötkerbund verteilt habe, eine Stimme für sich ver« langen. Dadurch wird der Enlschluß der anienkanitcken Regierung bestätigt, die Revision der vom Bölterbund vorgenommenen Ver- leilung. speziell der Ueberlrogung de« meiopotamischen Mandat» an England und de» Mandat» über die Intel Dop an Japan zu einer hervouagelideu Frage der Abrüstungskonferenz zu machen._ Sozialistische Gpposttion gegen Sonomi. ZNalland. 21. Iuli.(EP.) Di« Bemühungen, die sozio- listisch« Fraktion in der italienischen Kammer für die Unter-t stützung des Kabinetts vonomi zu gewinnen, sind erfolglos geblleben, da die sozialistische Fraktion beschlossen Hot, gegen die Regierung»u stimmen._ Die ZMtteilimg der„München-Ar, gsburger Abendzeitung�, die von verschiedenen Berliner Rechtsblättern wiedergegeben wurde,( wonach Erzberger vom Reichskanzler beauftragt worden sei', einen ausführlichen Plön für die bevorstehende Steuergesctz- gebung auszuarbeiten, wird von amtlicher Seite als v S U ig aus; »$x Suf t gcgriffoB dajelchnet � Sn französisches Schandgesetz. Das Bureau des Internationalen Gewerk» schaftsbundes in Amsterdam erläßt folgende Erklärung: In den Teilen des Friedensvertrages von Versailles, die nicht von wirtschaftlichen Fordeningen handeln, wird mit wohlfeiler Feierlichkeit von der Sicherung des Frie- d e n s geredet. Wie ernst diese schönen Worte von den ver- tragschließenden bürgerlichen Regierungen genommen werden, bezeugt ein Gesetzentwurf der französischen Regierung zum Schutz des unbeschränkten Militarismus. Dieser Gesetzentwurf ist die Antwort der Gene- r ä l e auf den spontan ausbrechenden Unwillen und die Meute- reien gegen die Einziehung der Iahresklasse 191S. Der Eni- wurs verbietet alle antimilitaristische Propaganda,„gleich- gültig in welcher Form oder durch welch« Mitte l", durch die Angehörige des Heeres und der Marine, Aktive und Reservisten, zu pflichtwidrigen Handlungen oder Zum Ungehorsam gegen ihre Offiziere oeranlaßt werden komm Drei Dinge werden als Allerheiligstes der bürger- lichen Ordnung besonders erwähnt: die Einberufung zur Armee, der Schutz der Gesetze und der militärischen Berard- nungen und die Verteidigung der republikanischen Verfassung. Schon die ersten Paragraphen des Gejetzss geben den begriff Heeresangshärig« eine Weite daß darunter alle Wehrsahigen zu verstehen sind vom jüngsten Rekruten bis zum ältesten Landwehrmann. Sie nehmen daher einem großen Teil der Zivilbevölkerung das Recht, sich über den Miliians« mus oufAUklären. Aber damit nicht genug, keiner soll mehr darauf hinweisen dürfen, daß der Militarismus die Knute des Kapitals in bürgerlichen Demokratien ist; keiner sich erkühnen zu behaupten, daß Heeresausgaben im Frieden und erst recht im Krieg nur die Steuern erhöhen und oie private Rüstungs- tndustrie bereichern: daß stehende Heere nur Machtmittel des weißen oder roten Jmperialismus uub Garantien künftiger Kriege sind. Denn durch all« Gedanken, die gegen den Militarismus in Wort und Schrift geäußert werden, kann der Geist des Widerstandes bei den Soldaten gestärkt werden. Darum verbietet der Entwurf alle Pro- paganda gegen den Militarismus in allen Kreisen des Volkes, denn das ist der Sinn der Bestimmung, die die Pro- paganda durch dritte Personen verbietet. Die öffentliche Mei- nung steht zur freien Verfügung der Generäle. Die bürgerlichen Parteien werden vermutlich dieses Ge- setz annehmen. Aber die französische Arbeiterschaft hat ihre eigenen Gedanken über den Weg zum Frieden und zum wahren Völkerbund. Der Kampf gegen den Militarismus ist eines der großen Ziele der Gewerkslysften in allen Ländern. Der französische Gewerkschaftsbund hat daher schärfsten Protest angekündigt; die ontimilitaristische Pro- paganda gehör« zu seinen Grundsätzen und er werde sie nicht ausgeben: überall haben die Ortsaruppen dieser entschiedenen Haltung zugestimmt. Die französische sozialistische Jugend hat sich In einem flammenden Manifest den älteren Kameraden angeschlosien. Wenn der Entwurf Gesetz wird, wird die Pro- paganda gegen den Militarismus nicht geringer werden: sie wird nur im Namen des Rechtes gegen das Gesetz geführt werden. Der Militarismus ist der gemeinsame Feind aller Arbeiter, ob sie Deutsch«, Franzosen oder Engländer sind; er ist die Waffe der erstarkenden Re- a k t i o n in den Ländern der Sieger wie der Besiegten. Sieg- reicher Militarismus in Frankreich ist eine Herausforderung und frische Nahrung für den verborgenen und unterdrückten Militarismus in Deutschland und den anderen Ländern Europas. Der Völkerbund theoretisiert über Entwaffnung, während nichts geschieht, die politische Atmosphäre von Konfliktstoffen zu reinigen. Mehr als je müssen di« Arbeiter nur ihrer eigenen Kraft vertrauen. Aus dem Kongreß in London haben die Gewerkschaften beschlossen, den Militarismus in jeder Form zu bekämpfen. Der Kampf gegen die Reaktion kann iedoch nur durch Massenaktionen geführt werden, die nicht denkbar sind ohne bewußtes Solidaritätsgefühl der Arbeiter aller Länder. Der Internationale Trans- portarbeiterverband hat sich auf seinem letzten Kongreß in demselben Geist entschieden und eine erhebliche Summe für diesen Kampf bewilligt. Die Gewerkschaften haben die Macht, zu handeln, und müssen handeln. An dieser Front darf es keine Parteiunterschiede geben. Die Uneinigkeit des Pro- letariats ist die Bresche, die der Militarismus zu seinem Siege benutzen will. Die Landeszentralen hebe« jetzt kaum eine ernstere Aufgabe, als dieser Gefahr Herr zu werden. Der kürzeste Weg zu diesem Ziel sind Erfolge über den Feind. Nur wenn in oen verschiedenen Ländern die Gewerkschaften tm Kamps für den Frieden unerbittlich eingesetzt«erden, sichern sie die errungenen Freiheiten, legen den Grund zur wirtschaftlichen Demokratie und sind Wegbereiter eines wirk- lichen Bundes der Völker. Nur dann kann der Internationale Gewcrkschaftsbund den Weltfrieden gegen jeden internationalen Trust bürgerlicher Regierungen und kapitalistijcher Interessenten behaupten. Soweit der Internationale Gewerkschaftsbund� Bei den deutschen Arbeitern weckt seine Erklärung und der Gegen- stand, den sie behandelst Erinnerungen an alte Zeiten. Wenige Lahre nach dem Sieg Deutschlands über Frankreich von 70/71 kam im Deutschen Reichstag jenes Schandgesetz zu- stände, das die Sozialdemokraten zu rechtlosen Objekten polizeilicher Willkür machte. Wenn das französische Gesetz zum Schutz des Militarismus auch dem äußeren Anschein, ein Ausnahmegesetz zu sein, vorsichtig aus dem Wege geht, so stellt es doch in seiner Weitmaschigkeit einen Angriff auf ein Grundgesetz der Demokratie, auf die Freiheit der M e i- n u n g dar. In beiden Fällen sind die gesetzlichen Früchte des Sieges für die Arbeiter gleich bitter. Deutschland war in den siebziger Iahren des vergangenen Jahrhunderts ein Kaiserreich. Frankreich ist beute eine Re- publik, die vergessen hat, daß sie eine ist. Darin liegt die Tragik Europas und seine eigene. Die Politik der Vexationen dem besiegten Gegner gegenüber und die Politik cher Unter- drückung gegenüber den eigenen Landsleuten, die keine Dik- tatur des Säbels wollen, sind nur zwei Seiten ein und der- selben Sache. Darum braucht die deutsche Arbeiterschaft, die im eigenen Land den Militarismus bekämpft, nicht zu ver- hehlen, wo im Kampfe der französischen Arbeiter gegen den Unterdrücker Militarismus ihre Sympathien stehen. Eine Freiheit macht uns alle frei! , ♦ * lieber die Vorgeschichte dieses Gesetzentwurfs und über den gegenwärtigen Stand der Dinge fei noch folgendes hinzu- gefügt: In der zweiten Hälfte des Monats April wurden bekannt- lich zwei französische Jahrgänge mobil gemacht, von denen einer erst kürzllch aus dem aktiven Dienst entlassen worden war. Der Versuch der Regierung, die Unzufriedenheit der Betroffenen auf Deutschland abzulenken, schlug fehl. Auch die Bemühungen der großen bürgerlichen Presse, im Hinblick auf die damals als unerläßlich und unvermeidlich bezeichnete Besetzung des Ruhrgebiets eine regelrechte Kriegsstimmung zu schaffen, hatte insofern eine ganz unerwartete Wirkung, als ein großer Teil der Einberufenen glauben mußte, es handle sich keineswegs um einen bloßen Spaziergang, und erst recht keine Lust an diesem militärischen Abenteuer ver- spürte. Sind nun tatsächlich an allen Ecken und Enden des Lan- des und besonders im besetzten deutschen Gebiet Meute- r e i e n großen Stils vorgekommen, wie es damals in der Arbeiterpresse behauptet wurde, oder nicht? Vor allem die kommunistische„Humanitä" veröffentlichte wochenlang tag- täglich ganze Spalten mit derartigen Angaben: danach hätten fast überall, in den Garnisonen des Innern, während der Esten- bahntransporte und in den rechts- und linksrheinischen Standorten die Soldaten rote Fahnen gehißt, die„In- ter nationale" gesungen, die Offiziere ausge- pfiffen und dergleichen. Rur in den wenigsten Fällen sei dagegen eingeschritten worden, meist hätten die Militärbe- Hörden aus Angst vor einem Umsichgreifen und einer Ver- schärfung der Revolten beide Augen zugedrückt und oft sogar bereits ergriffene Strafmaßnahmen rückgängig gemacht. Obwohl fast alle derartigen Mitteilungen der„Humanit6" mit verhältnismäßig genauen Angaben von Zeit, Ort, Truppen- teil, Namen der Offiziere usw. versehen waren, dürfte ein großer Teil davon übertrieben oder gar erfunden loorden sein.-Diese Frage kam sogar auf einer kommunisti- schen Konferenz zur Sprache, wobei von einzelnen Rednern die allzu große Leichtgläubigkeit der„Humanit6"-Redakteure scharf getadelt wurde. Auch trat, allerdings reichlich spät, eine amtliche Dcmentiermaschine in Tätigkeit, die zuerst alles rund- weg leugnete, sodann aber hier und da in recht gewundener Form einzelne Vorkommnisse z u g e st a n d. Wie dem auch sei, wenn auch nur der zehnte Teil der Meutereimeldungen auf Wahrheit beruhte, so dürfte es in der französischen Armee recht munter ausgesehen haben. Hin- zu kommt noch der Umstand, daß, wie meist in solchen Fällen, die französische- Militärverwaltung offenbar jämmerlich ver- Was ein altes Kaffeefieb alles vermag. Von Frieda Rudolph-Staubitz. Wenn es uns einmal recht schwer ums Herz ist und wir in w- Welt nicht mehr aus und ein wissen, dann können wir nichts Besseres tun, als im Reich unserer Kinder unterzutauchen. Selbst wenn wir nur ein Viertelstündchen in ihrer sorglosen FrölMchkeit verbrmgen, gibt es uns wieder Mut und Kraft für kommende schwere Tage Und was wir nicht alles von unfern Kindern lernen können! Unglaubliche Dinge. Vor allem, mit einem Nichts glücklich zu sein. .Aus einem Nichts eine Welt von Herrlichkeit aufzubauen. Ist das nicht viel? Da ist Mutters altes Kaffeesieb. Gerade ein Jahr hielt es aus, dann bekam es an der allsrnotwendigsten Stelle ein Loch. Es ging wirtlich nicht mehr anders, es mußte auch ohne Geburtstag ein neues her. Aber was mit dem alten anfangen? Es sah noch so schön aus. Sein Rand blinkte wie eitel Silber. Mutter besann sich nicht lange und schenkte es den Kindern. Es löste ein« Freude aus,, als sei ihnen ein Königreich zutell geworden. Jubelnd stürmten sie davon. Nun wurde ausprobiert, ob Sand hindurchliefe. Das ging natürlich prachtig. Das Loch gab sich keine allzu große Mühe, die strömende Masse zu halten. Sand war natürlich Zucker und solchen streut man auf Kuchen. Also Kuchen her. Der Vater sägte Holz. Er wurde bestürmt, von dem runden Stlimmchen, das gerade auf dem Sägebock lag, einige Scheiben ab- zuschneiden.„Wozu?"„Wir brauchen sie." Es war ihm ja ein ziemlicher Zeitverlust, aber er war ein verständiger Vater, dem der Eifer und die Freude seiner Kinder auch was wert war. Das Säge- mehl wurde ausgefangen, es gab Weißmehl. Das brauchten sie unbedingt. Heinrich baute«inen Backofen, Lotti rührte unverdrossen Zucker und Mehl durch das Sieb, Anna baute den Tisch auf, die Bäckerei war fertig. Eine Viertelstund-z, später stand alles zum Ver- kauf. Die großen Holzscheiben, die der Vater gesägt, waren fein mir„Zucker" bestreut und mit Blättlcin verziert. Sie stellten die Torten dar, bei deren. Anblick einem wirklich das Wasser im Munde zusammenlief. Dann die Unmenge kleiner Törtchen, alle noch zum! Friedenspreis erhältlich. Mit Blumen, ohne Blumen, mit Schoko- ladenguß, mit Eiercreme. Es war in dieser Bäckerei alles zu haben Nim viele Freude obendrein. Dieses Spiel währte einig« Tage, dann kam„Vater und Mutter" dran. Anna fand, daß zu dem Kaffeesieb eine Küche gehörte. Die> andern meinten das auch und so wurde eine Küche gebaut. Der Backofen aus der Bäckerei wurde jetzt zum Herd umgewandelt, eine Kiste gab den Küchenschrank, allerlei Scherben das Geschirr. Aber die Hauptsache war: das Sieb hing an der Wand an einem richtigen Naasl. Es war das unentbehrlichste Küchengerät. Da aber zu einer Wohnung mehr als die Küche gehört, bauten sie sich gleich nebenan ein Schlafzimmer. Viere hatten zwar nicht Platz darin bei sagte und namentlich Im Meinland die Verpflegnngs- u n d Unterkunstsverhältnisse unter aller Kritik gewesen sein sollen. Indessen steht es fest, daß diese kurze Episode mehr zur Verbreitung der antimilitaristischen Ideen im französischen Volke und auch im aktiven Heere beigetragen hat, als selbst eine großzügige jahrelange Spezialagitation. Ilm nun den Folgen ihrer eigenen Fehler vorzubeugen, verlangten die Ge- neräle die sofortige Einbringung eines verschärften Ausnahme- gesetzes gegen die antimilitaristische Propaganda. Abgesehen davon, daß heutzutage die Generalität das wirkliche regierende Element in Frankreich bildet, fanden sich einige Minister so- fort bereit, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen vor allem der erzmilitaristische, jähzornige Kriegsminister B a r t h o u und der sehr weit rechtsstehende Iustizminister Bonneva y. Ob Vriand selbst mit vollem Herzen bei der Sache war, ist dagegen fraglich; er wäre ja gewissermaßen zu allererst dem Fallbeil des neuen Gesetzes zum Opfer gefallen: schon begann die Arbeiterpresse ihre antimilitaristische Propaganda lediglich mit früheren Briand-Zitaten fortzusetzen... Jedenfalls versuchten Vorthou und Vonneoay in den Kammerausschüssen das neue Gesetz mit allen Mitteln durch- zupeitschen. Die Parlamentsferien waren nahe und die Herren Generäle bestanden darauf, daß das Gesetz vor dem Auseinandergehen der Kammer angenommen werde. Dieses erwies sich aber schon in den ersten Koininissionrbcratungen als derartig überspannt, daß seinen eifrigsten An- hängern dach angst und bange davor wurde. Der Wider- spruch gegen gewisse Bestimmungen, die sozusagen nicht nur jede Meinungsfreiheit, sondern sogar das Recht zur Kritik eklatanter Mißstände zu erdrosseln und freie Hand der Militärbureau kratie zu lassen drohten, ertönte nunmehr auch im bürgerlich-radikalen Lager. Im Ausschuß zerpflückten vor allem drei bekannte Rechtsan- wälte, der Sozialist Uhry, der Kommunist L a f o n t und der Linksrepublikaner deMora-Giafferi(Caillaux' Anwalt) die juristischen und politischen Unmöglichkeiten des Eni- wurfes. �iie hatten damit den Erfolg, daß zuerst erneute Be- ratungen, sodann eine regelrechte Be r t a g u n g bis über die Parlamentsferien hinaus mit stillschweigender Zustimmung Briands und, wie es heißt, auch Bonne- vays, aber zur größten Entrüstung Barthous und der Generäle beschlossen wurde. Ob damit die ganze Angelegenheit als begraben an- gesehen werden kann, steht dahin. Bei der bornierten Hart- näckigkeit der französischen Militaristen ist es anzunehmen, daß sie das Spiel noch nicht für verloren geben. Einstweilen bleibt das Schandgesetz, gegen das sich die obige Erklärung des Internationalen Ge'werkschaftsbundes richtet, nur ein Entwurf...____ Noskau mftrmert üie Arbeitslosen. Die Mitteilungen des Internationalen Gewerkschafts- bundes veröffentlichen ein interessantes Geheimdokument aus der„Abteilung für westliche Propaganda" des Zentralkomitees der 3. Internationale. Es wird darin der„Internationalen Union der Arbeitslosen" die Unterstützung der 3. Internatio- nale zugesagt, und zwar in folgenden am 10. März d. I. be- schlossenen Thesen: 1. Alle Sektionen des Westeuropäischen Sekretariats dahin an- zuweisen, der Gründung neuer und der Entwicklung der der Intcr- nationalen Organisation für Arbeitslose bereits angeschlosienen Organisationen ihre besondere Aufmerksamkeit zuzu- wenden: - 2. diese Organisationen materiell zu unterstützen und zu diesem Ziveck die Ipeziellen Fonds des Sekretariats in Anspruch zu nehmen. Es wird überdies durch die kompetenten Organe der Finanzsektion des Sekretariats eine Summe von 220000 schwedischen Kronen zur Verfügung gestellt werden; 3. jedem Ansuchen seitens der Führer der genannten Union auf Entsendung von Instruktoren, die die Arbeitslosen über politische Fragen aufzuklären haben, nachzukommen. Die Propaganda-Zlbteilung ist in diesem Sinne anzuweisen, damit sie dieser Wohnungsnot, darum schlief man abwechselnd. Die Betten waren eine fjandvvll' Stroh und ein Sack zum Zudecken. Schließ- lich kam noch ein Wohnzimmer dazu. Eine Kiste als Tisch und vier Holzklötze als Stühle. Prächtig! Ein ganzes Haus ohne Reichs- zuichuß und ohne Vaterns Geld. Wie geschäftig nur das Essen aus der Küche aufgetragen wurde. Und immer schön durch die Tür, die eine Schnur war und jedesmal eingehängt wurde. Als die Wohnung fertig war, kam für die männlichen Bewohner die schlimm« Zeit der Arbeitslosigkeit. Anna imd Lotti hatten zu sieben, zu rühren und wieder zu sieben. Die„Männer" standen herum. Sie machten sich selbständig. Ein Fuhrunternehmen wurde ge- gründet. Am Holzstoß wurde ein Stall eingerichtet. Willi wurde das Pferd und Heini der Fuhrmann. Das war ein Hücht und Hott und Scharren und Schnauben. Mittags ging der Mann heim, essen. Der„Gaul" lagerte dann bequem im Stall und fraß Hafer. Wenn ober viel zu tun war, dann brachte auch die Mutter das Essen. Zur Benachrichtigung kam der Hausvater auf den Einfall, ein Telephon zu bauen. Erst waren sie alle freudig mit einverstanden. Wie fein, wenn man sich anrufen könne, drahtlos natürlich, ganz modern. Man rief nur:„KliNglingling," und schon antwortete es:„Hier!" Desondere Leitung war nicht vonnötcn, dafür um so unentbehrlicher ein Hörer. Un� dieser Hörer mußte niemand anders als das Kaffee- sieb fein. Es paß'e so schön an die Ohrmuschel und hatte einen Stiel zum Anfassen. Nur mußte es au einer Schnur hängen, alle Hörer waren ja angebunden. Soweit schien die Sache auch den Mädchen einzuleuchten, aber der HaPvatcr beanspruchte den Hörer für sein Bureau. Nur da gehörte er hin. Selbst das Pferd ergriff Partei für seinen Herrn. Die Mädchen dagegen behaupteten, daß„über- Haupt" das Sieb in die Küche gehöre. Schon war der Familien- zwist da, aber zum Glück rief jetzt die richtige Mutter zum Kaffee. Auf dem Kaffeetisch lag das neue Kaffeesieb in seiner ganzen hellen Schönheit und blinkte die Kinder freundlich an. Alle schauten sie darauf. Dann fing Annas Gesicht zu leuchten an, Heini schmun- zelte behaglich. Lotti schnalzte mit den Fingern und zulegt munkelte der Kleine mit den Augen. Das ging alles, ohne ein Wörtchen zu verlieren. Die Mutter wunderte sich, daß heute ganz ohne Aufforde- rung so schnell alles in die Küche geräumt wurde und alle vier eifrigst die Tassen abwuschen, abtrockneten und in den Schrank stellten. Sie freute sich über ihre fleißigen Kinder. Bald darauf ertönte es:„KliNglingling."„Hier Frau Lustig. Wer dort?"„Hör' mal, Frau, schick mir doch die Lotti mit dem Hafersack rüber, der Gaul hat Hunger."„Schon recht. Sie kommt eben." Klinglingling. Die Mutter ist doch auf dies Tefephon neugierig und geht, es sich anzusehen. Was findet sie? Auf dem Bureau des Hausvaters hängt an einer Schnur das neue Kaffeesieb als Hörer, während drüben in der Küche das alte hängt. Das Pferd aber zeigt'mit diplomatischer Schläue sofort die Technik des Telephonierens; denn nur unter der Bedingung, auch telephonieren zu dürfen, blieb er in der Roste des Pferdes. Das neue Sieb! Bier Kinderstimmcn ver- dem Sekretariat die erforderliche Anzahl von erfahrenen struktoren zur Verfügung stellt. Unterzeichnet ist das SchriftstüS: S i n o w j e w. Und so weiß jetzt S a b a t h wenigstens genau, wem er fein Loch im Kopfe verdankte. Es war ein Gruß brüderlicher Soll- darität aus Moskau! Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Juni-Aktion gegen das Berliner Gewerkschaftshaus auch in kommunisti- scheu Kreisen schärfste Kritik erfahren hat. So schreibt Bern- hard Düwell in Levis Zeitschrift„Unser Weg": Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die Politik der deutschen kommunistischen Parteien, insbesondere aber die Politik der Zentrale der VKPD„ völlig oireklionslos auf der Welle der geschichtlichen Ereignisse treibe, so wäre dieser Beweis aus der Hell- tung der Leitung der Partei zur Erwerbslofenfrage�, wie ste in ihrem Zentralorgan, der Berliner„Roten F a h n e", zum Ausdruck kommt, vollgültig erbracht. Was ist geschehen? An zwei aufeinanderfolgenden Montagen des Monats Juni find die Er- werbslofen Berlins vor das Berliner Gewerkschaftshaus geführt worden, um dort als Masse ihre Forderungen an die Bertreter der organisierten Arbeiterschaft zu richten. Beide Male kam es zu großen Tumulten, die damit endigten, daß Gewerkschastsbeamte schwer mißhandelt wurden und zu ihrem Schutz nach der Sipo riefen. Und obwohl dies alles geschah, soll die„Aktion", ganz so, wie man es aus den Märztagen gewöhnt ist, weiter„gesteigert" werden! Düwell fetzt dann auseinander, daß die KPD. durch ihre „kopflose Leitung", und ihren„Wahnsinn" sich in offenem Gegensatz zu den Massen des deutschen Proletariats stelle und damit ihre eigene Zukunft vernichte. Also selbst dieser Kommunist begreift nach� allem Vorgefallenen nicht mehr, wie ein deutscher Arbeiter überhaupt noch ein Kommunist sein kann. Seine Erkenntnis wird ihm den Weg aus der KPD. erleichtern. Denn jetzt wird er ganz be- stimmt doch auch hinausgeworfen werden— wenn er es nicht schon ist._ Ein Rechtfertigungsversuch. lieber die im Reichsjustizministerium ausgearbeitete Vor- lege zu einer Neuordnung der Verteilung von Freiheits- und Geldstrafen verbreitet die Dena eine ausführliche Darstellung, die offenbar aus Kreisen stammt, die dem Entwurf nahestehen. Aus der Art der Begründung geht deutlich die Absicht hervor, den von uns bereits kritisierten Entwurf zu r e ch t f e r t i- gen. Zunächst wird darauf hingewiesen, daß die prinzipielle Seite der Angelegenheit der allgemeinen Reform des Strafrechts vorbehalten bleiben soll. Sodann heißt es, es werde durch den neuen Entwurf erreicht, daß die Geld- strafe mehr als bisher zum Ersatz der Freiheits- strafe dienen kann; außerdem eröffne der Entwurf für die Geldstrafe ein neues Gebiet, indem er das Gericht ermächtige, überall da, wo wegen eines Vergehens bisher auf eine Frei- heitsftrafe erkannt werden mußte, eine Geldstrafe zu verhängen, wenn der Strafzweck hierdurch erreicht werden kann und nicht mehr als ein Monat Freiheitsstrafe verwirkt ist. Gerade dieser Punkt ist u. E. die schwache Seite des Entwurfs, da er in erster Linie den Angehörigen der de- sitzenden K l a ssen zugutekommen wird. Diese Gefahr besteht in um so größerem Umfange, da der H ö ch st b e t r a g der Geldstrafen, die in den Strafvorschriften angedroht sind, auf das Zehnfache erhöht wird. Für Vergeben, bei denen jetzt Geldstrafe überhaupt mcht oder nur neben Freiheitsstrafe zulässig ist, soll die Freiheitsstrafe durch eine Geldstrafe bis zu 20 000 M. ersetzt werden, falls das Urteil auf eine Freiheits- strafe bis zu einem Monat lautet. Der einzige Vorteil, den wir bei der beabsichtigten Reu- regelung feststellen können, ist der, daß künftighin auch E i- gentumsvergehen mit Geldstrafe belegt werden, für die bisher bekanntlich auch in leichtesten Fällen— wenn nicht Mundraub vorlag— nur auf Freiheitsstrafe erkannt werden konnte. Jedoch wird gerade diese kleine Erleichterung durch die gewaltige Erhöhung des Strafsatzes wieder illusorisch. sicherten hoch und heilig, daß ihm nichts passiere. Bier Augenpaore hingen bittend und fürchtend an der Mutter. Und da auch ihr die Freude und das Spiel der Kinder ohne all den neumodischen Kram von viel Geld und wenig Dauer unendlich viel wert war, gab sie lachend ihre Zustimmung. So lange telephoniert wird, darf es hängen bleiben, das neue Kaffeesieb, dann aber umgehend in die Küche Die Welsen und der Hildesheimer SIlberfuvd. In einer Kleinen Landtagsanfrage stellen die deutsch-hannoverschen Abge. ordneten Blank und Biester die Forderung, den in den KOcr Jahren ausgegrabenen Hildesheimer Silbersund, der damals nach Berlin überführt wurde, nach Hildesheim zurückzubrin- gen und im Austausch dafür die im Hildesheimer Römer-Muscum befindlichen Nachbildungen nach Berlin zu senden. Zur Begründung wird angefüh'-t, daß es„im Gegensatz zu der bisher geübten'Zentrali- sation der Kunstsammlungen im Interesse sowohl der Allgemeinhell als auch der H« i m a t k u l t u r" liege,„die. Kunstschätze möglichst dort ui betasten, wo ihr Fundort ist". Die Herren Wcl-en befinden stch auf dem Holzwege. Es mag vielleicht im Jntereste der„Heimatkultur" liegen, Kunstwerke dort zu belasten, wo ihr E n t st s h u n g s o r t ist; der zufällige Fundori hat aber mit Heimetkultur nichts zu tun. Der Hildesheimer Silber- schätz ist zum orößten Teil römischen Ursvrungs und bildete vielleicht einen T-eil der Beut« aus der Schlacht im Teutoburger Walde. Aus di-'le Beut« baben die Hildesheimer ebensowenig An- lvruch wie die Deulschhannoveraner, und es ist daher l-ston bester, das wertvoll« Tafel- und Küchengeschirr im Berliner Museum zu lasten, wo es sährlicb von vielen tau sind in- und ausländilchen Be- iuihern oesehen und bewundert wird, während es im Hildeshelm-r Römer-Museum zu einer provinziellen Angelegenhert degradiert werden würden' Feierliche Ausgrabung des Ehepaars E'd. In der Kathedrale van Burlos fand in Gegenwart des spaniscken linterrichteminifiera, des Erzbstchoks, der Behörden und eines zahlreichen Publikums die keierliche Ausgrabuna der sterbstckien Ueberrest« des Cid C a m p e a- do r und seiner Gemahlin Donna limencs statt. Nach den erforderlichen ärztlichen und notariellen Beurkundungen wurden die Ueberreste in einem Bronzebebästcr beigesetzt,>u dem der Bürger» meister von Bornas, der Erzbischof und der Unterrichtsminister je einen Sibstistel baben. Hrffentlich kühlen Herr und Frau Eid Cch in ihrer neuen Bronze- n-rngckuna zufrieden und bebagl-ch imd dürken ihr? wohlverdiente Rube nunmehr bis zum jüngsten Gericht ungestört und standesgemäß gensißen. Wenn der„Busch" brennt. Die sommerliche Trocken best, die bei der gegenwärtig herrschenden Hikewelle besonders groß ist. hat stets mehr oder weniger ausgedehnt« Waldbrände im Gefolge. Aber solche europäischen sommerlichen Waldbrände sind nur ein Kinder- spiel aegen die ungeheuren Feuersbrünste. die entstehen, wenn der „Busch" in Australien oder das„Feld" in Südafrika brennt. Das Buschfeuer in A u st r o l i e n kann Wachen dauern. Es entsteht im Gras, das trocken wie Stroh ist, und züngelt dann !Tt. 341 4 Z 8. Jahrgang Heilage öes Vorwärts ■i.- TjasKS-- Frettag, 22.?uU l§2l Die /irmen von Groß-Serlin. Erhöhung der Armenunterstützungshöchstsatze umtvvProz. Don Stadterordnetem Hugo Subke. Wir gebe» den Aasführitugen de» Stadtv. fflcn. Snike um f« lieber Raum, als fic u. o. auck) nachweisen, daß das Geschrei der tlirgerlidjen Dresse iiber die kostspielige Wirtschaft der Stadt Berlin viilllg unbegründet ist. Eher ist das Gegenteil der Fall. D. Red. In der Sitzung der Stadwerordnetenversommlung vom IK.Iuni wurde der Beschluß gefaßt, die Höchstsätze der Armenunterstützung um 100 Proz. zu erhöhen. Damit ist nun freilich nicht gesagt, daß die zurzeit gezahlten Armenunterstützungen um das Doppelte er» höht werden, aber die Armenvorsteher können— vorausgesetzt, daß der Magistrat dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung bei- tritt— nun ohne Genehmigung der Kreisversamm» l u n g bis zu dieser Grenze gehen. Wenn man in Betracht zieht, daß hier in Berlin der Höchstsatz der Armenuntcrstützung, welcher ohne Genehmigung der Krcisversammlung für eine alleinstehende Person bewilligt werden konnte, nur 70 M. und für ein alleinstehendes Ehepaar nur 140 M. pro Monat betrug, so ist dies ein tief- trauriges, ja beschämendes Bild. In anderen Städten sind die Sätze bedeutend höher. Recklinghausen z. D. zahlt für eine olleinstehende Person 160 M. und für jedes weitere erwachsene Familienmitglied 120 M. pro Monat mehr. Außerdem werden noch ganz bedeutende Eonderunterflützungen geleistet. In Kiel beträgt der Höchstsatz für eine olleinstehende Person 120 ÜDl, für ein alleinstehendes Ehepaar 240 M. Alsdann wird für die Wintermonate noch extra ein monatliches Feuerungsgeld von 30 M. gewährt. Zu Weih- nachten erhält die alleinstehende Person 100 M. und das Ehepaar 1S0 M.— Frankfurt a. M. zahlt für die alleinstehende Person 220 M., für ein Ehepaar 310 M.! ferner werden ziemlich beträcht- liche Mietzuschläge gewährt, die erst jetzt wieder um 33% Proz. erhöht worden sind. Demgegenüber betrugen die für Berlin fest- gesetzten Höchstsätze für die einzelne Person 70 M., für ein allein- stehendes Ehepaar 100 M., für ein Ehepaar mit 1 Kind 120 M, mit 2 Kindern 140 M. im Monat. Man unterscheidet nun Gemeinden, die hohe, und solche, die niedrige Unterstützungssätze— je nach ihrer finanziellen Lage— zahlen. Aus den angeführten Beispielen kann man ersehen, daß Berlin nicht nur zu den Gemeinden gehört, die niedrige Unter- stlltzungen gewähren, sondern unter diesen auch am schlechtesten da- steht. Es wird nun eingewendet, daß die Höchstsätze ja noch gar nicht erreicht und im Durchschnitt nur 4S M. pro Monat gezahlt werden. Man kann dieses aber nicht daraus zurückführen, daß in Berlin keine dringende Not vorhanden ist, sondern daraus, daß mit allen Kräften danach gesttebt wird, so wenig wie irgend möglich an Unterstützungen zu zahlen. Nun wird auch darauf hingewiesen, daß ja die Armenvorsteher das Recht haben, mit Genehmigung der Kreisoersammlung über die bisherigen Höchstsätze hinauszugehen. Don diesem Rechte ist bei 27 000 Armenrentnern in nur 1200 Fällen, also knapp 4L Proz., Gebrauch gemacht worden. Die Not der Armenrentner— so wird von bürgerlicher Seite behauptet— könne also nicht so groß sein: sie müssen noch anderweitige Einnahme- quellen haben, denn sonst würden sie viel eindringlicher vorstellig werden. Diese Auffassung ist falsch. Wer die verzweifelte Lage, wer Not und Elend der Armenrentner kennt, und wer den hier er- freulicherweise noch vorhandenen Menschenstolz richtig einschätzen .jann, der weiß, wie ungeheuer schwer es gerade diesen Menschen fällt, immer wieder und wieder zu bitten und zu betteln. Armen- Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ist für diese Leute das schlimmste: ste hungern, darben und entbehren lieber, ehe sie der Wohlfahrtspflege zur Last fallen wollen. Das Vorgehen mancher Armenvorsteher trägt an diesem Uebelstand auch ein gut Teil Schuld. Den Bedürftigen aber muß klar gemacht werden, daß es keine Schande ist, Armenunterstützung in Anspruch zu nehmen. Wer in Not und Elend geraten ist, wer ein ganzes Menschenleben hindurch gearbeitet hat und nun krank und erwerbsunfähig geworden ist, hat ein Recht auf Hilfe. Wir aber, Staat und Kommunen, hoben die Pflicht und Schuldigkeit, für unsere hilfsbedürftigen Mitmenschen voll und ganz eintreten. Nun wurde auch in der Stadtverordnetenversammlung von demokratischer Seite darauf hingewiesen, daß ein Drittel der Armen- geldempfänger auch Renten aus der Sozialversicherung beziehen und diese sich daher bedeutend besser stellen, betragen doch heute diese Renten im Durchschnitt zirka 90 M.. sind also ziemlich ansehnliche Beträge, die bei der Gewährung von Armenunterstützung nur mit der Hälfte der eigentlichen Grundrenteüdgrenze von Mecklenburg erstreckt, daher starke Geschiebe- bestreuung. Durch den Rheinsberger Park und den Buberow nach Zechliner Hütte. Von hier gen Südost über Forsthaus Bärenbusch zum Nehmitzsee und Großen Stechlinsee. Auf dem Westufer dieses sagenumwobenen Sees gen Nord und weiter über Groh-Menow und Priepert nach Ahrensberg. Die mecklenburgische Grenze haben mir überschritten. Aus den zahlreichen Seen kommen die Ouellflüsse der Havel. Durch Wald und Wiesen, an Seen und Brüchen vor- über nach Neustrelitz, am Zierker See gelegen. von Neustrclitz führt die Chaussee nach dem nur wenige Kilo- meter entf.wnten Schwesterstädtchen Lltstrelitz. Ueber Kurhaus Domjüch noch Fcrsthaus Serrahn. Wir sind jetzt im Wildpark, ein prächtiges Waldgebiet in äußerst hügeliger und seenreicher Gegend. Auch Schwarzwild hält sich hier aus. Di« groß« bobissche End- moräne, die sich von Schleswig bis Kurland verfolgen läßt, der bal- tische Höhenrücken, zieht sich hier hindurch. Am Südende des Schweinegartensess vorüber nach Goldenbaum. Gen Südost zur Goldenbaumcr Mühle und auf dem Westuser des Mühlenteiches zur Steinmühle. Wir wandern immer im Bereich der Endmoräne. Auf der Höhe der Berge ist Block an Block gehäuft. Nördlich des Weges liegen die Warsberge, 141 Meter hoch. An Koldenhof und dem Dolgener Teerofen vorüber zu den»Heiligen Hallen", ein Buchenwald, dessen schlanke Stämme zu beträchtlicher Höh« aufragen. Sobald wir den Wald verlassen, sehen wir den ganzen weiteren Verlauf der Endmoräne. Die Aecker gehen auf beiden Sellen bis dicht an den Kamm heran. Große Steinhaufen und Steinwäll« find am Wege und auf den Feldern aufgetürmt. Der Steinreich- tum ist so groß, daß ein Schotterwert angelegt wurde, in dem d'.« Geschiebe zu Schotter für Chausseen und Eisenbahnen verarbeitet werden. Bald haben wir Fcldbcrg erreicht, ein Flecken, der schon im 14. Jahrhundert als eine der Burgen des Landes Stargard genannt wird. Feldberg hat eine sehr schöne Umgebung; viele Seen liegen hier. Besonders hervorzuheben ist der Schmale Lucin. Er ist ein echter Rinnensee, tief eingebettet zwischen hohen, stellen Usern. Bei einer Länge von etwa 6 Kilometer ist er nur 300 bis 500 Meter breit, er machr den Eindruck eine» Flußlaufs. Von Feld- berg führt eine Eisenbahn noch Neusttelitz. Die Wanderung hat eine Gesamtlänge von etwa IIS Kilo- meter, sie läßt sich in fünf bis sechs Tagen gut ausführen. Der Fall Nuüolvh-JranHke. Eine magiskalsoffiziSse ErklSrung. Das Nachrichtenamt des Berliner Mazistrals verbreitet folgende Erklärung: Am 8. Januar d. I. reichte ein Dr. Rudolph mit einem kurzen Lebenslauf ein Gesuch um Beschäftigung im Gemeindedienst ein. Der Lebenslauf besagte daß der Bewerber 1890 geboren sei. Rechts- Wissenschaft und Volkswissenfchaft studiert sowie das juristische Doktorexamen bestanden habe und daß er ferner bis Kriegsausbruch wiffenfchafllicher A-sistent im Dolkswirtschaftlichen Seminar der Universität Breslau gewesen sei. Weitere Angaben betrafen seine Tätigkeit in Friedenszeiten sowie feine militärische Betätigung wäh» rend des Krieges. Der Lebenslauf besagte ferner, daß der Be- werbe? vom November 1K18 bis Mai 1919 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt tätig gewesen sei und im Mai 1919 bei der Waffenstlvstandskommifsion das selbständige Referat „Wiederaufbau" übernommen habe. Letztere Angaben wurden be- legt durch ein Zeugnis des Vorsitzenden der Deutschen Waffenstill- standskommisston Dr. Wilms vom 9. Januar 1920. S?s Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. »Wer kann behaupten, daß ich schuld habe," sagte fi*»wo ich doch kaum wußte, daß es außer'der meines Mannes noch eine Schuld gab? Als es geschehen war, da lähmte mich nur bleiches Entsetzen, denn ich konnte mir sagen, daß ich es wohl traumhast erhofft hatte,... so wie wir oft von Dingen träumen, von denen wir mit Bestimmtheit wissen, daß sie sich nie ereignen werden,... daß ich es aber nie bewußt gewollt hatte... Und doch war es über Nacht gekommen. Es war ein furchtbares Erwachen." Dann sprach sie, nach einem Aufatmen, mit dem sie die Erinnerung an das brutal Gewaltsame von sich abschüttelte, von Lehrens, und in ihre Stimme kam ein milder Ton, ein Ton der Dankbarkeit, die in ihr nachzitterte und die doch nicht so stark wie ihr Lebenswille war, der sich nicht länger mit etwas verketten wollte, das vorbei, das für alle Zeiten in ihr ausgestrichen war. »Wir Frästen," sagte sie,„können nur leben und gedeihen, wenn uns Zärtlichkeit und Liebe einhüllen, die all unser Böses verdecken, die es ersticken, so daß es nicht wachsen kann... Es war eine Torheit von mir, daß ich mir einen Menschen aufdrängen ließ, wie es mein Gatte war. Er alterte und neidete mir deshalb meine Jugend, in der er seinen Feind witterte und die er erdrosseln wollte, obwohl sie doch mächtig genug war, sein eigenes Leben zu zerbrechen. Es war ein Kampf zwischen uns, der auf Tod und Leben ging und in den dann der andere eingriff, der so sehr Mann, der so stark war, daß ihn sein Alter nicht hinderte, sich vor meiner Jugend zu beugen... Wenn ich ihn auch nicht liebte, so wärmte ich mich doch an der Liebe, die mir aus seinem Hexzen w lichten Flammen entgegenschlug, denn ich fror in jener Zeit, die niemals Sonne für mich hatte... Das ist jetzt vorbei. Ich bin stei und reich und ich fühle, daß ich noch jung bin. Ich habe alle Erinnerungen an die Vergangenheit in mir ausgemerzt, sie drücken mich nicht mehr und ich fürchte mich vor keinen Schatten.,, Ich will leben, denn ich bin jung und stark!" An diesen ihren Worten entzündete sich auch seine?han- tasie, und er erzählte ihr, was er selbst noch vom Leben er- wartete. Die tiefe Stille im Zimmer erschien ihm wie der weiche, endlose Raum eines nächtlichen Traumes vom Glücks Alles Unwahrscheinliche blühte hier zur Selbstverständlichkejr auf, alle Enge und Schwere war aufgehoben, das Abenteuer- liche bekam den Zug des Natürlichen und Wahren. Er beichtete chr von seiner Sehnsucht, reich zu werden, st» nrt-fr und daß es dann nur wie«tue automatische Folge und Selbstverständlichkeit war, wenn er sich aus der dürftigen Zusammengehörigkeit der plumpen Masse löste, sich über sie erhob, jie nach Gutdünken lenkte und gebrauchte, als ein Halbgott, der sich nur selber verantwortlich war. Der Anfang war gemacht, er stand aus einem Grund, der schon so sest war, daß er es wagen durste, ein kühnes Gebäude daraus zu errichten, ein Gebäude, das himmelwärts strebte und das alles andere überragte. Er fei nicht furchtsam, denn er fühle, wie er mit seinem Ziel wachse, das ihn nur um so stärker machte, je höher er es hinaufschraubte. „Aber ich bleibe doch arm," sagte er.„und mein Leben wird zwecklos, wenn Sie mir nicht die Hand geben, um mich zu führen!" Er war an der Glut seiner eigenen Worte entbrannt und spürte, wie das Feuer, das in ihm aufschoß, auch aus sie über- griff, wie es auch sie in Flammen setzte, die nur darauf wartet«, zu brennen, in oer, wie in ihm, der Wunsch war, alles Alte. Unzulängliche und Kleine von diesem Feuer verzehren zu lassen, das zugleich den Willen nach Neuem und Starkem härtete. Er trat hinter sie. legte leicht seine Lippen auf ihr Haar und bettelte:„Wollen Sie mir helfen?" Sie zögerte erst lange, zu antworten, doch dann fragte sie:„Was schlagen Sie mir vor?" Sie duldete dabei seine kaum wahrnehmbar« Liebkosung, ste berührte sie sogar ange- nehm, denn es entging ihr nicht, wie alles in ihm dahin drängte, sich ihr zu schenken. „Ich schlage Ihnen vor, mich zum Mann zu nehmen." sagte er, wobei sich seine Lippen sellsam verzerrten, in einem Schmerz, dessen Süße seinem Blut den Lauf hemmte.„Das schlage ich Ihnen vor,— nein, darum bitte ich Sie!" „Erhoffen Sie sich viel davon?" fragte ste. „Alles erhoffe ich mir davon," antwortete er behutsam, so, als müsse er jedes einzeln« Wort, das er sage, erst wägen. „alles. Sagten Sie vorhin nicht selbst, daß Sie die seien, die ich brauche?.... Und ich? Werde ich Jynen nie etwas be» deuten? Berachten Sie mich noch?" Sie hob die Arme und legte sie von rückwärts auf leine Schultern, ihn so tiefer zu sich herabziehend.„Nein," sagte sie,„ich verachte Sie nicht." „Und werden Sie mich— vielleicht— einmal... lieben?" „Vielleicht," sagte sie. Er spürte es, wie ihm ihr Atem entgegenwehte, und fragte:„Darf ich Ihren Namen nennen?" „Ja," sagte sie weich. „Lucie..." „Komm,— komm naher!" „Darf ich dich küssen?" „Ja, küsse mich!"— Ts war finster um ste. und die Zett rann lautlos an ihn« vorüber. Es war»im lange Spanne Zeit, denn«s j schlug irgendwo plötzlich zwölf. Mehrere Stunden waren sie beisammen gewesen. „Die Klosterkirche," sagte sie,„es ist Mitternacht." „Ein neuer Tag beginnt," sagte er, sich erhebend und aus ihren Armen lösend,„ein neuer Tag für mich!" „Füx uns beide," sagte sie,„ein neuer Tag für uns beide..." Sie ließ ihn hinaus. Prokop erwartete ihn noch und nahm ihm stumm die Kleider ab. „Du," sagte er zu ihm,„du,— du hast eine neue Herrin... Prokop antwortete nicht, sondern verbeugte sich nur mit einem respektvollen Lächeln,— einem Lächeln, das wissend war, obgleich es keinen Ausdruck hatte. IS. Der Mai ging seinem Ende zu, die Wiesen standen üppig und schrien nach der Sense, die Bäum« waren längst ver- blüht, setzten Früchte an, und die Schneemassen der hohen Tauern schimmerten bläulich durch die Dunstschleier der heißen Tage. An Neisner waren alle Sehnen gespannt, und er spürte. wenn er die Arme reckte, jenes prickelnde Verlangen des Körpers, das nach Betätigung drängt. Vier Jahre habe ich verschlafen dachte er, nun bauche ich vier Jahre doppelter Arbeit, um das nachzuholen, was ich versäumt habe. „Ich kann ohne Arbeit nicht länger sein," sagte er eines Abends zu Lucie,„wollen wir nicht unser Zelt abbrechen unv dorthin ziehen, wohin wir gehören?" Sie verstand iqn sofort und nickte ihm zu.„Wir reisen ab, sobald du Lust hast." „Morgen?" „Gewiß, morgen." Da gab er Prokop noch am gleiche« Abend Anweisung, die Koffer zu packen und für den nächsten Morgen einen Wagen zu bestellen, der sie nach Spittal zur Bahn bringen sollte, und als es dunkel war, stieg er in ein Boot, um ei« letztes Mal auf den See hinauszufahren, denn seine Arme brauchten Anstrengung und Bewegung und sein vor Freude wirrer Kopf sehnte sich nach der klaren und linden Nacht, über der der Himmel wie ein unermeßliches schützendes Dach hing, das von dem Glück und dem Friede« der Welt jede Störung fernhielt. Er ruderte weit hinaus, ließ dann die Ruder fahren, streckte sich im Boot aus, die Arme unterm Kopf kreuzend, und ließ die Augen in der schwarzblauen Wölbung ertrinken, in der« tiefste Tiefe sie hwabfa««. ohne doch je auf ein« Druod ga ftoßen,(Focfc fefeU Als in der städtischen Verwaltung ein Bedarf an Wissenschaft- lich ocrqebildcten Hilfsarbeitern sich herausstellte, wurde dem obigen Bewerber am ttö. Februar 1SL1 geschrieben, daß sich Gelegenheit biete, ihn als Hilfsarbeiter beim Magistrat einzustellen. Rudolph meldete sich auf dieses Schreiben hin zunächst nicht. Erst am 5. März teilte er aus Königsberg l Pr. mit, daß er die angebotene An- stellung annehme und trat am 21. März 1921 bei der Kriegs- beschäl igtensiirsarge ein. Mit Rücksicht darauf, daß er alsbald eine rcrantwcrtlichere Tätigkeit auszuüben hatte, wurde er am 14. Mai d I. durch den Bürgermeister aufgefordert, die Angaben über seine Vorbildung und seine frühere Tätigkeit durch Beibringung von Zeugnissen zu belegen. Er kam dieser Austorderung zunächst nicht nach, wandte sich vielmehr am 23. Mai mit einem Schreiben an Stadtrat Statt, den Leiter der Hauptfürsoraestelle für Kriegsbeschä diäte und erbat, angeblich um bei der„Ausführung des Dienst auftrages keinerlei formelle oder materielle Berstöße zu begehen" um eine Mitteilung, welche„rechtlichen Bestimmungen" für ihn„als Gmcindebeamten zwecks Ausführung der Verfügung des Herrn Bürgermeisters Ritter maßgebend seien". Der Magistratskommissar für die Krirgsbeschäölgtcnfursorge, Stadtrat Stolt, forderte Rudolph am 81. Mai auf, den Lebenslauf entsprechend den üblicben Ge p'logenheitcn einzureichen. Er reichte nunmehr einen ausführlichen Lebenslauf sowie einen Band Zeugnisse ein. Inzwischn hatte sich herausgestellt, daß Rudolph einen Doppel nomen führt und nach seiner eigenen Angabe in den Kriegs beschädiqtenakten ursprünglich Franzke heißt. Dieser Umstand m Verbindimg mit der immerhin befremdlichen Weigerung, dem Er suchen des Bürgermeisters auf Ergänzung seines Lebenslaufes durch B-ibringung der Zeugnisbelege nachzukommen, erweckte einen ge- wissen Argwohn, der noch durch die Tatsache gesteigert wurde, daß die beigebrachten Zeugnisse anscheinend nicht sicheren Ursprungs waren. Bevor noch die Verhaftung in Wildbad erfolgte, hatte der Oberbürgermeister die dem Rudolph in der Kriegsbeschädiqtensür sorge erteilten Nollmachten bereits entzogen und die Stadthaupb lasse angewiesen, die von Rudolph gezeichneten Anweisungen nicht mehr zu honorieren. Auch wurde nach erfolgter Verhaftung die fristlose Entlassung aus dem städtischen Dienst verfügt. Die Vor- ganae haben im übrigen dazu geführt, das Geschäftsverfahren bei der Kriegsbeschädigtensürsorge überhaupt, ebenso wie die Geschäfts- fiihrunq des Rudolph einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Die Erklärung läßt an Umfang nichts zu wünschen übrig, wie mahl manches schon betrnnt var. Hoffentlich folgt nun die Auf klärung der ganzen Angelegenheit bald nach. Das Gericht schloß sich den Dusführungen des Verteidigers in vollem-Börse), Zimmer?, und zwar für Kinder von 10— 18 Uhr Umfange an und erkannte auf Freisprechung auf Kosten der morgens und für Erwachsene von 5— 7 Uhr abends. Genossen, . w w:!-"■<. � r r«.___ ri J-.___"__ 1 1 u �..---- TS*«f-***« v» vi ver ,Sekt�ierer in öer Portierloge. Ein Mnnn trinkt in 10 Tagen S Kisten Sekt aus. Zu der Gilde der sogenannten„Hart-Säuser" scheint' der Haus� wart August Markows?' zu gehören, gegen den die S Ferien- sirafkammer des Landgerichts 1 eine Anklage wegen Unterschlagung zu verhandeln hatte. Dem Angeklagten waren in seiner Eigen- schajt als Hauswart für einen in dem betreffenden Haufe wohnhaften Herrn W. neun K i st e n Sekt im Wwte von zirka 10 000 M. zur Aufbewahrung übergeben worden, da W. zufällig nicht zu Hause war. Als er mit dem edlen Naß allein in der Portierloge faß, kannte er, der es fertig gebracht hatte, in wenigen Stunden ganz allein 190 M. zu oerkneipen, der Versuchung nicht widerstehen, einer Flasche den Hals zu brechen. Dieser einen Flasche folgten mehrere andere und um Mitternacht war eine Kiste leer. Als der Eigentümer des Sekts zwei Tage später die Kisten abholen wollte, erklärte der Angeklagte, der inzwischen schon bei der vierten Kiste angelangt war, dcß die Kisten von einem Boten schon abgeholt wor- den seien. Taisächlich brachte M. es fertig, innerhalb von 10 Tagen den Inhalt der neun Kisten zu vertilgen. Da». Schöffengericht ver- urteilte ihn zu 5 Monaten Gefängnis. Bor der Straf- tammer bekundete der von Rechtsanwalt Dr. Carl Loewenthal geladene Profesior Dr Frankel- Charlottenburg, daß der An geklagte ein sogenannter Quartalssäufer sei, der ständig unter Älkoholdruck Zehe und in diesem Zustande für seine Handlungen nicht verantwortlich zu machen sei. Unter Aufhebung des ersten Urteils wurde der Sektengrosocrtilger freigesprochen. Wiederaufnahme eines Schleichhandelsprozesses. Wie erinnerlich, war der Inhaber des Sanatoriums Grüne- wald, der Kaufmann Mener, wegen Schleichhandels zu 3 Monaten Gefängnis imd 100 000 M. Geldstrafe verurteilt worden, da das Wuchergericht annahm, daß er für das ihm unterstehende Sana- torium rationierte Lebensmittel, insbesondere Butter, Fleisch, Mehl und Zucker angekauft habe, um damit die Kranken und deren Le- gleiter zu verpflegen. Die Derurterlung hatte besonders in Aerzte- kreisen großes Aufsehen erregt, weil namhafte Aerzte, die ihre Kranken in das Sanatorium geschickt hatten, es im Interesse der Erhaltung der Gesundheit und des Lebens ihrer Patienten für un- bedingt notwendig erachteten, diese über die Zuteilung hinan» mit rationi-rten Lebensmitteln zu versorgen. Meyer hat dann auch durch Rechtsanwalt Dr. Alsberg die Wiederaufnahme des Ver- fahrens betreiben lassen. In dem Wiederaufnahmegesuch wurde besonders geltend gemacht, daß sich der Verurteilte in einer Pflichten- kollision befunden habe. Die Pflicht zur Einhaltung der Rationie- uingsoorschriften müsse zurücktreten hinter der höheren und wich- tigeren Pflicht, für dos Leben und die Gesundheit der ihm anver- trauten Kranken zu sorgen. Die Strafkammer de» Landgerichts III hat diesem Gesichtspunkt Rechnung getragen und die'Wiederauf- nahm? des Verfahrens angeordnet unter Verweisung der Sache vom Wucbergericht an die Strafkammer. Die weitere Oeffentlichkeit interessiert an dieser Angelegenheit ganz besonders der Umstand daß die Autorität„namhafter Aerzte" der Anlaß gewesen sein soll, daß der Sanatoriumsbesitzer in eine Pflichtenkollision geraten ist Es wird sich doch wohl nunmehr nicht umgehen lassen, daß die Oeffenllichkeit auch einmal erfährt, wer diese so lebensgefährlich erkrankten Patienten waren, welchen Stän- den sie angehörten und welcher Art ihre Krankheiren waren. Soll es doch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Mitbürgern geben, die sich krank und sogar halbtot esien, und bei denen die nam- baftesten und berühmtesten Aerzte ihren ganzen Witz und ihr ge- samtes Können aufbieten müssen, um die verrenkten Mägen' und Gedärme wieder so weit in Ordnung zu bringen, daß sie von neuem rolloestopft werden können. Solche Mitbürger soll es auch in der „aroßen Zeit" gegeben haben. Der Prozeß wird hoffentlich, durch feine Wiederaufnahme auch hierüber Klarheit schassen. ß 7 und seine Auslegung. Eine geradezu beispiellose Rechtsunsicherheit in der Frage der Auslegimg einer Verordnung trat in einer Verhandlung vor dem Wuchcrgericht des Landgerichts I zutage. Angeklagt war der In- Haber der bekannten Kaviarfirma Theodor Kattus. Der An- geklagte hatte, wie tausend andere Geschäftsleute, in einer Zeit, in der die Butter noch nicht freigegeben war, von außerhalb wiederholt Butter bezogen und das Pech gehabt, daß ihm ein Paket beschlag- nahmt wurde. Die Folge war ein Strafbesehl wegen Schleichhandels über zwei Tage Gefängnis und 10000 M. Geld- strafe. Hiergegen erhob Rechtsanwalt Wolter Heyn Wider- lpruch und wies vor Gericht darauf hin, daß in der Anwendung des 8 7 der'Verordnung vom 18. Dezember 1920 eine derartige Rechts- Unsicherheit bestehe, wie sie lonst in der deutschen Rechtspflege glück- literweise nicht existiere Jener Paragraph besag«, daß eine Be- strafunq nicht mehr stattfinden könne, wenn die Verkehrsregelung aufgehoben sei. Das Landgericht l stelle in solchen Fällen das Ver- fahren stets ein, das Landgericht II schwanke in der Rechtsprechung, d»s Landgericht III verurteile in allen Fällen, das Kommerzericht lpr»che frei,»öbrend das Reichsgericht wiederum verurteile. Diele fnnderbore Art der Rechtsvrechung habe die noch sonderbarere Folge, daß z. V. semrivd, der jenseits des'Bohnbofs Schönhauser Allee wohne, vom Landgericht III verurteilt werde, wann er aber ein Hau»«eitex südlich wohne, oom Landgericht I freigesprochen werde. Staatsbasse. Das Ende der Berliner Kriegsbeschädiiztenlazarctte. Fast drei Jahre nach Beendigung des Weltkrieges werden in Berlin die letzten Kriegsbeschädigtenlazarette verschwinden. Wie wir erfahren, wird am 1. Oktober das letzte derartige Hospital, das Lutherlyzeum vom Haupwersorgungsamt Berlin aufgelöst und die dort befindlichen Patienten in andere Ärankenliäufer übergeführt werden. Damit dürfte dann der Abbau der Kriegslazarette in Groß- Berlin restlos durchgeführt sein. Die noch immer in ärztlicher Be- Handlung befindlichen Kriegsbeschädigten werden den städtischen Krankenhäusern zugeführt, wo für ihre Unierbringung Sorge ge- tragen worden ist. Lediglich in solchen Fällen, wo eine dauernde Beobachtung der Patienten auf Erwerbsunfähigkeit durchgeführt werden muß, oder wo eine Spezialbehandlung sich als notwendig erweist, sollen Kriegsbeschädigte in Anstalten des Hauptverforgungs- amtes untergebracht werden. Erfreulicherweise ist die Zahl der ärzt- lich behandelten Kriegsbeschädigten jetzt stark zurü-kgozangen._ Während im verflossenen Jahr noch 3400 Kriegsbeschädigte sich in La- zarettbehondlung befanden, hat sich die Zahl jetzt auf etwa 1200 Per- sonen herabgemindert. Es ist damit zu rechnen, daß bis zum Ende dieses Jahres noch eine ansehnliche Zahl der während des Krieaes Berwundeten wenigstens soweit hergestellt werden, daß sie ihren Be- rtf, wenn auch in beschränkter Weise wieder aufnehmen können. Zur LBeiternrbeit der Kaufmanns- und(Öewcrbegerichte. Der Stillstand der gewerbe- und kaufmannsgerichliichen Recht- spreckung ist beendet. Die'Wahl der Vorsitzenden dieser Gerichte ist bereits durch den Magistrat erfolgt. Zum 1. Vorsitzenden ist Magistratsrat Wölb- l i n g und zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Leo gewäblt wor- den. Die Wahl bedarf nur noch der Bestätigung des Oberpräsidenten, die voraussichtlich nicht lange auf sich warten lassen wird. Klagen können danach wieder bei diesen Gerichten in der Zimn'/raße und auch bei den Gerichtsschreibereien der früheren Berliner Gewerbe- und Kausmannsgerichte angebracht werden. Die Wahl der Beisitzer durch den Magistrat steht unmittelbar bevor. Diese werden solange funktionieren, bis die neuen Beisitzcnden auf Grund des gesetzlich vorgeiehenen Wahlverfahrens erfolgt ist. Wie uns hierzu noch von berufener Seite mitgeteilt wird, ist die allgemein beklagte Verzögerung in der Rechtsprechung darauf zurück- zuführen, daß die Bestätigungen der für die Bezirke gewählten Kör- perschaften erst sehr spät eingingen. In dem Gesetz für die Bildung der neuen Gemeinde Berlin ist aber ausdrücklich festgelegt, daß bei den Ort-gesetzen für die Gewerbegerichte die Bezirksbürgermeister gehört werden mülsen. Hieraus ist der Hauptsache nach die unlieb- same Berzögerung entstanden._ Ein altes Möbel. In Berlin in der Fnedrichstroßs gibt es noch eine Königliche Hof-Kun st-Stickerei. Sie bezeichnet sich nämlich fo in ihren Anzeigen und fügt auch noch hinzu, daß sie Armeefahnenlieferautin ist. Ob nun diese Königl. Hof- usw. Firma für die Armee republikanisch« Fahnen gegen gule Be- Zahlung zu liefern sich entschlossen hat oder ob die Armee des Herrn Geßler ihre alten Bestände an Fahnen erst aufbrauchen will? Warnung vor einem Schwindel-Kontrolleur. Ein Scktvindler bat sich in Besitz einer AuSweiskane des Charlottenburger städlischen ElelirizitätswerkeS zu setzen gewußt und treibt nunmehr im Berliner Westen sein Unwesen. So erschien er am 14. Juli vormittags in einem Hotel in der Kurfürstenstraße und verschaffte sich auf Grund der SlnsweiSkarte Eingang\n die Räume. Bei dieser Gelegenbeit erbrach er einen Koffer. In der Nettelbeckstraße ist er in 3 Pernio- nate mit dem gleichen Vorgeben eingedrungen, ohne hier aber Ge- legenheit gefunden zu baben, etwaS milzunebmen oder zu rauben. Der Schwindler ist mittelgroß, Anfang der Dreißiger, hat blondes Haar, trägt einen braunen, einreihigen Anzug, rote Krawatte und weißen Hut mit breitem Rand. Der Händler Otto Thiede aus der Lewetzowstraße. der bei den große» Hausdiebstählen in einem KonfeitionshauS m der Leipziger Straße genannt wurde, bestreitet, wie uns mitgeteilt wird, ent- schieden, gewußt zu baben, daß die von ihm von der Diebin, der 20 Jahre alten Verkäuferin Hedwig Kaisin aus der Reinickendorfer Straße gekauften Sachen von dieser gestohlen worden waren. Ebenso will er diese auch nicht zu den Diebstählen verleilet baben. Er behauptet vielmehr, daß das junge Mädchen von seinen Eltern dazu veranlaßt worden sei. Nähere Auftlärung über die großen Diebstähle, durch die das Konfektionshaus um nicht weniger als «00 000 M. geschädigt worden ist, dürfte die bevorstehende Gerichts- Verhandlung bringen. Elve verzweiflungskak. Gestern abend schoß /ich der 53 Jahre alte Arbeiter P. in seiner Wohnung in der Havelftraße eiiie Revolverkugel in den Kopf und verletzte sich io schwer, daß er nach einem Krankenhause gebracht werden mußte. Die andauernde Krankheit seiner Frau hatte ihn schwermütig gemacht. Zu dem Raubmord in Schöneiche wird uns mitgeteilt, daß es der Kriminalpolizei jetzt auch gelungen ist. die Arbeiterin Domke festzunehmen. Di« Verhaftete bestreitet zwar, vorbei um das Ver- brechen gewußt zu baben, muß aber zugeben, nachber davon unter- richtet worden zu sein und auch einen Anteil von der Beute erhalten zu haben. Sie wurde jetzt ebenfalls dem Untersuchung»- richter vorgeführt. Adlige Hebammen. In einer Veröffentlichung von 19 Weib- lichen Personen, die ihre Prüfung als Hebamme bestanden haben, fallen folgende AdelSnamen auf: Schwester Elise v. Hutten. Schwester Hildegard v. Leitow-Vorbeck geb. Gräfin v. Schwerin, Fräul. Asta Zander, Frau Eliiabetb v. MaSke geb. Knhnke. So»Ys ganz recbtl Für ehrliche, praktische Arbeit im Dienst des Nächsten ist niemand zu schade. Zrauenabkeile. Nach soeben herausgekommenen eiUnbahnamt- lichen Richtlinien muß in jedem Zuge je ein Abteil für Fronen vor- aeseben werden, wenn der Zug wenigstens 7 Abteile der betreffenden Klaffe führt. In Zügen ohne Wagen mit geschlossenen Abteilen, in Triebwagenzügen, sowie in Vorortzügen werden Frauenobteile nicht eingerichtet. Eine besondere, von den vorstehenden abweichende Bestimmunq hebt in den Zügen auf den Strecken Zossen— Wüncdors, Stettiner Bahnhof— Kremmen, Beelitz— Oranienburg, Berlin— Werneuchen und Zossen— Jüterbog die Frauenabteile auf. Die Waldbrände dauern an! Dom gestrigen Tage allein wer- den wiederum drei Feuer gemeldet. Am Vormittag brannte in der Nähe des Restaurants„Waldkater" in Tegel an der Bernauer Straße eine Waldfläche von 50 Ouadrakmeter ob. Nachmittags gegen 114 Uhr brannte der Wald bei Beelitzhof. In beiden Fällen gelang es Streismannschaften der Schutzpolizei mit Unterstützung der Anwohner und von Waldarbeitern, oas Feuer, bevor es noch größere Ausdehnung nehmen konnte, zu löschen. Einen weit grüße- ren Schaden hat ein Waldbrand in Tegel angerichtet, der gegen 3 Uhr nachmittags wieder in der Nähe der Bernauer Straße aus- kam. Hier griffen die Flammen so schnell um sich, daß die Wehren aus Waidmannslust, Tegel, Wittenau und die freiwillige Feuer- wehr der Borsigwerke herangezooen werden mußten, um des Feuers Herr zu werden. Erst nach zweistündiger Tätigkeit konnten die braven Sappeure wieder abrücken. Etwa vier Morgen Baum- bestand waren vernichtet. A»fS»,erkurse I» Englisch und französisch. Am 1. August be. ginnen die ueuen Anfäiigerkurse der Svrackn'ckule kür ProleUrier fAbendunterricht) für Genosien und Genaisinnen»bne Vorkenni« nisie. Es werden such Anlängexkurse für Kinder von 12— 14 Jabren lNacbmittagsunterrickits eingerickitet. Anmeldungen am Sonnabend, den?S. Juli, und DieiiSteg, den 2«. Juli, in der 24. Gemeinde« schule. Hinter der Sarnisgnlirch»(Nähe»ahn hos die verhindert sein sollien, sicb periönlich anzumelden, können sich schriftlich an die Sptachschnle für Proletarier wenden. Die Eisenbahner-Kleingarkenkolonie Tempelhofer Feld veranstaltet am Soirnryg, den 31. Juli, ein großes Garlensest. Tie Griindliiigsverlnmmlnng eines Vereins ehemaliger Ober- schlesier 1921 sindct am Sonnabend, den 23. Juli, abends 8 Uhr, im Restaurant TttlbelniShos. Berlin, Anbaltltratze 12. Ecke Wilbelmstraße. statt. In einer Zuschlist wird betont, dag sich die Mitglieder aus Angehörigen aller Parteien zusammensetzen. Tos deutsch-amerikanilche stzeff' daS am Sonnabend im Zoo statt- findet, verspricht eine lebr beachtenswerte Veranstaltung zu werden. Eine große Anzahl Künstler haben fich dem guten Zweck zur Verfügung gestellt. Im Garten lonzertiert das Blülhner-Orchcslcr, Militärkapelle Becker, Or- chester Kermbach. Bei Dunkelheit Riesenseuerwerk. Im Marmorsaal findet ein Elilekonzert statt, bei dem u. a. Ciaire Tux und Carl Elewing fingen. Im Kaiieisaal sindct eine Operetlenicoue statt; alle Opcrcttcnbübnen Berlins weiden mit ibren Solisten mitwirken. Ans dem Beitrag der beut- schen Mitglieder in Amerika sind in Deutichiand 8 Kinderbeime eingerichtet worden, deren Existenz aus 10 Jahre hinaus durch diese Spende gesichert yt. Groß-öerliner Parteinachrichten» Heule, Freilog, den 22. Juli: 15. Bezirl. SPD..Elternb-irät-, Sitzung pünktlich 7H Uhr in Niederschone. weioe, Grünauer Straße 8. Tagesordnung: Bericht über die Arbeiten des gcntralausschuslcs.— Bericht über die Schuldeputation.— Stellungnahme zur Wahl des Bezirksschulrats.— Berschledencs. Zunolozialiften. 7 Uhr«onferen, aller Genossen, die fich für die Winlcrarb-lt intcressscrcn. in der Juristischen Sprechstunde, Lurdenstr. 3. BesonScre Einladungen ergehen hierzu nicht.— Gruppe Lichterseldc. VV* Uhr Nestau- rant Quandt, Hindenburgdamm, Ecke Moltkessratze.— Gruppe Rprdeir. Gemeindeschuie Puttbuler Straße S-s, Vorlesung über„Wilhelm Tell.— —«ruppc.SchSneberg.Friedenau. Lolal Riese, Akaztenstraße, Vortrog Uber Lberschlessschcs Land und Leute. Morgen, Sonnabend, den 23. Juli: 12. Ab«, m Uhr wichtig« Sitzung des erweiterten Abteilungsvorstandis bei Krause, Mariannenplatz 22. Erscheinen unbedingt erforderlich. lOZ. Abt. Obrrschöncweidc. 10', Uhr Treffpunkt in der Schule Frlschenstraße. Nachtspazicrgong Strausberg— Tiefensec. 1Z1. Abt. Nicd--schi!nho»lcn. 7V4 Uhr bei Stolle, Treskow-, Ecke Blssch-rstrade, Sitzung sämtlicher Funktionäre. Bildungsausschußmitglieder eine halbe Stund: früher. Uebermorgen. Sonnlag. den 24. Juli: 1Z. Abt., Nachm. Z Uhr in Habels Brauerei, Bergmannstr. 48/50, Sommerfell. Gartentonzert. Gesang, Reigentänze,«inderbelustigungen. Zt. Abt. Charlottenburg. Gemütliches Beisammensein mit Familien und im Birnbaum, Galvanistraße. Kaffeekodjen, Preiskegeln für Dam« Herren. Anfang 8 Uhr. 110. Abt. Grünau-Bohnsdorf. Parteigenossen treffen fich um �2 an der Fähre in Grünau. Gemeinsamer Abmarsch zum Krcisfeft nach Muqgcl. schlößchen(Friedrichshägen). Auch rege Beteiligung der Jugend erwünscht. Gästen Damen und Jugenüveranftaltunaen. heuls, Freitag, den 22. Juli: «ritz. Schule Ebaussccstr. 1Z2. Mädchenabend.— Mahlsdorf. Schule»al. derseeswiße, Mädchenabend.— Moabit. Waldcnserstr. 21. Vortrag:„Versailler Friedensvertrag".— Reulölln-Siid. Noqatstr. 58, Vortrag:„Die Slcichbere-b. tiqunq der Frau*— Nordost. P-steurstraße. Vortrag:„Gesund- heitslchre".— Schäaeberg n. Frantenstr. 10, Schule, Rczltations. und Lieder- abend.— Tempelhof. Lyzeum Germaniastr. 6—7, Mädchenabend.— Treptow. Elsen st r. 8, Vortrag:„Kommunistisches Manifest".- Weißcniec. Woettprome- nade 1, Bericht der Funitionärveriammlung. Sport. Nennen zu Gronewold. Donnerstaci, den 21. Juli. Das von vier Psemn bestrittene Podbieliki-Rennen wnrde zu einer sehr zabmen Affäre, da OrdenSjäger, vom Ziel ab führend das Rennen leichi pewann.„_ I. Kremmener Jagdrennen. 1. Zivilist fKardell, 2. Galva- dore(Bvrowsti). 8. Scylla sBotzelt). Tot. 18: 10. Pl. 16. 27: 10., ferner liefen: Rcvelry f4.), Primel.— II. I u n g m a n n c n- R c n n c n. i NuntiuS(Kalper), 2. Navenna(Standinger), 3. Alarid(Railenderg). Tot. LZ: 10, PI. 20, 22: 10 Ferner liefen: Protos(4.), Diamant. Ritter Blaubart.— III. Schlenderhan-Rennen. 1. Damenwei, (Zimmermann), 2. Hallunke(Kasper), 3. Pallenberz(O. Müller). Tot. 29:10, PL 14. 22. 14. Ferner liefen: Teuft,»role(4.), Ena er, Leucht- türm, Bamiltein, Malcnte. Magelane.— IV. Aald-Iagdrennen. t. Tcllos(Krönzlem). 2. Maison Rouge(Ptfitzler), 3. Pan Dcmon(Stolpe). Tot. 16: 10. Pl. 16. 23: 10. Ferner liesen: Liese(4.). Dorn, Gladiß abg.— V. Podbielski-Rennen. 1. Ordensjäger(Oiejnik), 3. Schall II lZimmermami). 3. Liebesgott(O. Schmidt). Tot. 13:10, Pl. 11, 15:10. Ferner lies: Eleanor.— VI. Grunewald-Preis. 1. Roienftls (Scholz). 2. Landsmann(Lommatzsch), 3. Mokan(Wurst), Tot. 17: 10, Pl. 16, 23, 14: 10. Ferner Uesen: Belgrad-(4), Meiste in, Silbertalcr. B.imanach.— VII. H n n i> S t a g e- A n S g l e i ch. 1. Indlmg(Stau- dinger), 2. DardanoZ(Icntzsch), 3. Nculütz(Oiejnik). Tot- 30: 10. Pl. 13, 15,19:10. Ferner Uesen: Prophetin(4.). Heiligenroda. Lebcnsgesabrt», Ornament, Jol Efftndi, Brandmeister, Raslelbinder(Zimmermann), wurde rot dem Rennen zurückgezogen, Einsätze zurückzczahlL Arbeitersport. Arbeiter-Nadfahrerbiind«»lidarität, Gau 9, Bezirk 5,«erenstaktet»m Sonntag, den 24. Juli, im Etablissement„Neu-Seeland"(Jnh. Ww. E, Scho- nert> in Stralau, Parallelweg, sein diesjährige« Aadfahrcr-Sportfest(16. Be- zirksfest) in großer Aufmachung, verbunden mit Großem Eartenkonzert, Epe- zialitälen, Kunst- und Reigenkahren, Grober Ball.— Punkt 1 Uhr mittag, treffen sich alle Ortsgruppen»es Bezirks am Tchlesifchen Tor zur Ausstellung zur Korlofahrt mit großer Musikkapelle mach Neuseeland, abends großer Strand- fackclzug. Arbeiter, Nadfahrer und Sportler, Freunde und Gänner, erscheint in Massen.— Touren für Sonntag, den 24. Juli. 1. Abt. Schmöckwitz, Schätzler» Bootshaus, Start 5 und 1 Uhr, Dülowstr. 56.— 2. AbL 23. Juli nach Werbellinser, Start 5 Uhr nachm. Eonnlag Li-pnitzfce. Start 5 und 12 Uhr, Planufer 63.— 3.«bt. 23. Juli, Werbellin(Jo-chimsihal), Start abends 6 Uhr. Sontag, Biescnlhal, Schützenhaus, Start 6 Uhr, Launtzer Platz, Kirche.— 4.«bt. Sonnabend iDubrow Solzsee), Start 6 Uhr abds. Sonntag, Badrwur, Müggelhort, Start 6 und 12 Uhr, W-berwi-fe, Ecke Frank. furtcr Allee.— 5. Abt. Wuckcnsee bei Biesenthal, Start 5 Ugr. Badctolir Müggelhort, Start 6 und 12 Uhr, Eomturciplatz.— 6.«bt. Sonnabend Nacht- tour, Buckow(Märkische Schw-izL Start 8 Uhr abends. Sonntag 12 Uhr, Rade. brück, Start Kzperchagencr Straße 21).—? Abt. Freicnhegcn, Start 5 Uhr mittags, B-rgs-ld-, Start 1 Uhr, Schul-, Ecke Brinz-Eugen-Etraße.—». Abt. Tiefcnfte, Start 4 Uhr lrüh, Armin, usplatz, mittags 1 Uhr, Blumberg. Start Waldstr. 8.—». Abt. Körbiskrug, Start 6 Uhr, Brandenburger Strage 22.— Id.«bt. nach Wandlitzsee. Start 4 Uhr srüh. Nachmittags nach Hirschgarten, Start 12 Uhr. Eomeniusplatz.— 11. Abt. Sonnabend Werbellinfec, Start 6 Ugr abends. Sanntag Brenden, Start 5 Uhr. Mittags Wandlitz(Seekrug), Start 12 Uhr, Seestr. lül.— 12. Abt. Am 22. Juli Sitzung. Sonntag nach Lübbenau. Siart Rudower Ehaussee.— Jugendliche Nadlahrer! Nach dem Wuckenfce der Biclcnthal, Start 6 Uhr, am«önigstor.— Ortsgruppe-Lichtenberg. Slraus- berq(Rotkäppchen). Start 6 und 1 Uhr Traveglatz.— Ortsgruppe Spandau. Neuruppin, Siart 5 Uhr, Schützenhaus.— Ortsgruppe Weißenfte. yicl wird um 7ib Uhr am Start bckanntgeaebcn. Mittags ILL- Uhr nach Schonerlinde. Ortsgruppe Tegel. Meißnershof, Start A Uhr, Schliegerstr. 64— Orts- ippe Paukow-Niederslliönhauftn. Eoriensee, Start 7 Uhr.— Ortsgruppe Zicinickendorf. Nach Schildhorn, Start 6 Uhr. Tonristraoerei»„Die Natnrfr-nnde', Ort,gr-p»e Berlin. Fahrten am 23., 24. Juli 1921. Abt. Li-btenberg. Bahnhos Ti-jensee— Langers--, Abfahrt Sonnabend 5.53 Wriezcner Bahnhof.— Abt. Wcdding. M-lchow— U-dersce, Abfahrt Eonnabend 5.35 Stettincr Fernbohnhof.— Abt. Steglitz. Kiesenihal— Vnchowsee. Abfahrt Sonnabend 8.16 Slettiner Fernbahnhof.— Abt. Charlotten» durg. Nachtwandcrung ins Rutheland. Treffpiinkt Sonnabend 7.30 Anhalter Bahghof.— Abt. Norden. Eichwalde�— Erosstcnlce, Abfahrt Sonnabend 5.30 UN» Sonntag 5.27 Bahnhof Gesundbrunnen.— Abt. Treptow. Michendorf— Licne» witzsce, Treifpiinkt 946 Uhr Bahnhof Treptow.— Abt. Weißenfte. Trcsfahrt zum Störitzsce, Treffpunkt Sonnabend 6 Uhr Antonplatz. öriefkaften üer Neöaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt.— Jeder für den Brief» kästen bestimm-en Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Eilige Anfragen trage man In der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Hof part. links, vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. K. Z. 243. Wir warnen dringend vor leder Auswanderung. Fall, Sie trotzdem darauf bestehen, raten wir Ihnen, sich zuvor mit dem Reichswaiidc. rungsamt, Berlin, Lliifenstr, 3lk, oder mit dem Deutschen Auslandsinstitut. Stuttgart, Pfizerstr. 3, an Verbindung zu fetzen. Die Kosten für eine Aus» Wanderung sind so beträchtlich, daß nur wenige die Mittel hierfür besitzen.— Arien»«. In Graß-v-rl!» gibt es»ehrer« Ledigenheime. Un» ist nur die Adresse von einem derselben d-k»»nt.«ie lautet!»orkehstel-AItienzesellsch-ft, „Ledigenhe,»" Charlottendurg, Danckelmannstr. 47. Wetterbericht bis Lonnabrud»itttaq. Zeikweile aufklarend, jedoch»hftwiegcnd vewölkt und im östlichen Küsten., cbiete ziemlich zahl. reiche, in den«nderen Gegenden nur vereingeiie,«eist geringe Reoemälle mit weiterer Ablühlung. Ms See Partei. Joseph Hybesch gestorben. Nach langer Krankheit, die auch die Abnahme des einen Deines nicht zum Besseren wenden konnte, ist zu Brünn im 71. Lebensjahr Joseph Hybesch gestorben. Mit ihm ist ein lebendes Stück Ge- schichte der östcrreichiichen Arbeiterbewegung dahingegangen. Schon 1869 war der junge Brünner Weber in der Wiener Bewegung tätig, in der Zeit der Spaltung richteten sich gegen ihn als„Radikalen" die schörssten Verfolgungen Auf dem Hainfelder Parteitag 1889 war Hybesch unter Viktor Adlers Mitarbeitern bei dem Einigung?- werk. Als 1897 zum ersten Male sozialdemokratische Abgeordnet« gewählt werden konnten, war Hybesch unter ihnen. Mit den übrigen tschechischen Genossen gab er damals jene berühmte Erklärung gegen das„Römische Staatsrecht" ab, das heute verwirklicht und über Ge- biete ausgedehnt ist, an die die Nationaltschechen ehemals selbst nicht gedacht haben. Später trat Hybesch auf die Seite derer, die die Ge- werkschaften national spalteten und dadurch auch der einheitlichen österreichischen Sozialdemokratie das Ende bereiteten; schließlich wurde er K o m m u n i st. Ein grundehrlicher Kämpfer, ein einfacher Mensch ist er immer gewesen. von den Iungsozialisken. Der Ausschuß der Hamburger Iungsozialisten veröffentlicht im Juniheft der„Arbeiterbildunq" eine Erklärung, die angesichts der be- vorstehenden Konferenz der Jungsozialisten in Bieleield von befände- rer Bedeutung ist. Da sie aber auch gleichzeitig die Verhältnisie in der Hamburger Bewegung der Iungsozialisten klärt, sei sie hier zur Kenntnisnahme für die weitere Parteiöffentlichkeit abgedruckt. Sie hat folgenden Wortlaut: Wir sehen uns veranlaßt, zu erklären, daß wir weder mit Malter Bictor noch mit dem von ihm herausgegebenen„Rundbrief", für den in verschiedenen Zeitschristen Reklame gemacht wurde, irgend etwas zu tun haben. Zwischen den Hamburger Jungsozialisten, so- weit sie sich in Gruppen zufammengetan haben, die den Ausschuß als Gefamtloitung wählten und in deren Austrag das Blatt„Der Jung- sozialist" herausgegeben wird, und Walter Bictor bestehen kaum nennenswerte innere Gemeinsamkeiten, aber keinerlei sachliche oder persönliche Bindungen oder Beziehungen. Damit ist zugleich gesagt, daß alles von ihm bisher über die proletarische Jugendbewegung, ins- besondere die Jungsozialisten Gesagte oder Geschriebene, sowie sein Rundbrief ohne innere Beziehung zu uns dasteht. Zum soZährigen Gründungsfest der dänischen Sozialdemokrakle reist für die deutsche Partei Genosse Orto Wels nach Kopenhagen. Fast alle Parreicn der II. Jnternotionale schicken Vertreter. Wohl zur Vorfeier des Feste« gaben die Kopenhagener Genossen ein Waldfest für die deutschen Ferienkinder, an dem etwa 600 deutsche Kinder mit ihren Pflegeeltern und deren Kindern teilnahmen. Auf den Tribünen der Nennbahn prangten auf langen weißgedeckten Tisckien Riesenmengen von Kuchen und Schokoladekannen, an denen sich die Kinder gütlich taten. Auch die 96 in Kopenhagen befind« lichen deutschen taubstummen Kinder wurden in der Taubstummen- anstalt beschenkt. Wietfchaft Hermes als Serater. Nach einer WTB.-Meldung wird eine in der„Berliner Morgenpost" zum Ausdruck gekommene optimistische Auf- fassung von einer bevorstehenden Rekordernte im Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft n i ch t ge- teilt. Die Wolffsche Meldung schließt mit dem Satze: I m ganzen wird man kaum annehmen dürfen, daß der Ernteertrag im Durchschnitt über den einer Mittelernte hinausgeht. Gleichzeitig mit dieser Meldung ging der Presse der Saatenstandsbericht von der Preisstelle des Deutschen Land- wirtschaftsrates, Mitte Juli 1921, zu, in dem es wörtlich heißt: Abgesehen von diesen Ausnahmen(d. h. im Rheinland usw. D. Red.) wird das Wintergetreide, sowohl Roggen als auch Weizen, eine mittlere bis gute Ernte aufweisen, wenn auch hier und dort mitgetellt wird, doß Weizen infolge Rost und Brand im Ertrage gelitten habe. Wenn man bedenkt, wie vorsichtig die Landwirte die Ernte- ergebnisse beurteilen— einen zufriedenen Bauern gibt es nie — so kann man bei Gegenüberstellung des agrarischen und des ministeriellen Urteils feststellen, daß Herr Hermes agrar-i scher als die Agrarier urteilt! Dke Loge der Eisenbahnen. Eine aus Düsseldorf dotierte Nach- richt der„B.-Z. am Mittag" spricht von einem stark wachsenden Defizit bei der Eisenbahn und sieht als Ursache dafür und für die ständig zurückgehenden Leistungen der Eisenbahn die letzten Tariferhöhungen an. Die Nachricht ist unzutreffend. Auszugchen ist davon, däß die im Dezember 1929 durchgeführte Reform des Tarifsystems und die am 1. April 1921 in Kraft getretenen Tariferhöhungen die Güter- frachten um annähernd 79 Prozent gesteigert haben. Nach der Tarif- crhöhung sind die Einnahmen aus dem Güterverkehr im April jedoch nicht nur in diesem Umfange, sondern sogar um 89 Proz. gegen den gleichen Monat des Vorjahres gestiegen. Das bedeutet, besonders in Anbetracht der zahlreichen, im Hinblick auf die kommende Fracht- erhöhung im März vorgenommenen Vorwegbeförderungen, eine Steigerung des Berkchrs um etwa 19 Proz. Der Mai weift dem- gegenüber eine Steigerung der Berkehrseinnahme um nur S1 Proz. auf, also in Wirklichkeit einen Verkchrsruckganq von annähernd 29 Prozent gegenüber dem Vorjahre. Dieser Rückgang ist, soweit die bisher vorliegenden Meldungen erkennen lassen, auch im Juni noch nicht ausgeglichen. Die Gründe für das Nachlassen des Ver- kehrs find in erster Linie neben der allgemeinen Konjunkturab- fchwächung in dem Ausfall des oberfchlestschen Verkehrs und in den ständig fühlbarer werdenden Wirkungen der Sanktionen am Rhein zu suchen. Stark beeinflußt werden"die Verkehrsleistungen und in- folgedessen die Einnabme auch durch den Fortfall der Ueberfchichtsn im Ruhrrevier. Im Personenverkehr sind die Einnahmen nicht nur um das Maß der am 1. Juni durchgeführten Tariferhöhungen, fon- dern weit darüber hinaus gestiegen. Die Entwicklung des Reife- Verkehrs ist zurzeit durchaus zufriedenstellend. Im Haushaltsvor- schlag ist der Fehlbetrag der Eisenbahn für 1921 auf etwa bM» Milliarden geschätzt woiden. Die inzwischen durcbgeführte Erhöhuna der Koblenpreise muß ihn um eine Anzahl von 5)underten von Mi!- lionen Mark erhöhen. Eine bestimmte Aeußerung über das sinan- zielle Ergebnis des Haushaltsiahres abzugeben, ist jedoch im übrigen jetzt, nachdem erst drei Monate desselben verflossen sind, kein Sach- verständiger imstande. Das Ergebnis wird von der Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse entscheidend beeinflußt. Jedenfalls ist aber bestimmt zu erwarten, daß der Fehlbetrag des Jahres 1921 ganz wesentlich binter dem von 1929 zurückbleiben wird, ein Ergebnis, das in erster Linie auch auf die Tariferhöhungen zu- rückzuführen ist. Gegen die Umsahsteuererhöhung.'Der Berband der Getreide- und Futtermitteloereiniaungen Deutschlands hat sich in einer Re- solution gegen die beabsichtigte Erhöhung der Umsatzsteuer auch für Brotgetreide, Futtermittel und Mehl ausgesprochen, weil er darin eine unerträgliche Belastung des notwendigsten Konsums der breiten Masse, an Brot und Fett erblickt. Er bittet Reichsregierung und Reichstag aus diesem Grunde von einer Crhöhung der Umsatzsteuer für Brotgetreide und Futtermittel absehen zu wollen. Der hierdurch etwa entstehende Steuerausfall kann sehr wohl ausgeglichen werden, wenn das Bestreben der zuständigen Finanzämter mehr,' und vor allen Dingen erfolgreicher als bisher, darauf gerichtet ist, den g e- samten steuerpflichtigen Umsatz in allen Ge- fchäftszweigen wirksam zu erfassen. Darin läge zugleich ein im Interesse des reellen Kaufmanns notwendiger Schutz gegen die Konkurrenz steuerscheuer Elemente. vor polnisch-ischechischen WirkfchafksverHandlungen. Demnächst werden polnisch-tschechische Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages in Warschau beginnen. Der tschechische Handclsminister wird in Warschau zu Vorbesprechungen über die Grundlagen des Vertrages erwartet. Nach einer anderen Meldung ist er dort bereits eingetroffen. Soziales. Arzk und Staai. Der in Nr. 334, Abendblatt des„Vorwärts" vam 18. Juli cr. enthaltene Aufsatz„Arzt und Staat" enthält einige Unrichtig- keiten, die leicht zu einer Irreführung der Leser Veranlassung geben können. Zunächst wird der Verstaatlichung der Aerzte und der Krankenkassen in einem A t e m z u-g e das Wort geredet. Die im„Verband der Krankenkassen Groß-Berlins" vereinigten Kassen stehen dabei auf dem Standpunkt, daß eine Verstaatlichung der Kran- kenkassen den Versicherten jeden Einfluß auf die Kassenorgane nehmen würde, für sie also neben der Zahlungspflicht die Beschnei- dung aller bisherigen Rechte dadurch gesetzlich festgelegt werden würde. Ueber die Verstaatlichung der Aerzte zu reden, erscheint in der Jetztzeit, bei den traurigen Staatsfinanzen, ebenfalls verfrüht. Als Einzelerscheinung, die unter keinen Umständen mit der Entwick- lung der Versicherungsträger verquickt werden kann, könnte sie sich erfolgversprechend auch nur ein wirtschaftlich gesundes Staatswesen leisten. Eine bestehende Abhängigkeit der Aerzte von den Krankenkassen zu behaupten, ist irrig. Aerzte und Kassen sind heute Vertrags- kontrahenten, die in jeder Phase der Entwicklung den Versuch machen, einerseits ihre besonderen Berufsinteressen, andererseits das Interesse der Perficherten wahrzunehmen. Daß die Aerzte durch die Einführung der freien Arztwahl das Interesse der bisherigen Kassenärzte gefördert hätten, kann billig bestritten werden; die Schuld a» der Verringerung.des dem einzelnen Arzt zu zahlenden Honorars aus Kassenmitteln kann man aber auch unter keinen Um» ständen den Kassen beilegen. Berlin ist offizielles Sammelbecken aller erwerbslosen Aerzte. Die von den Versicherten und den Ar- bcitgebern aufgebrachten Kasscnbeiträge sind aber nicht dazu da, er- werbslofen Aerzten eine Existenz zu verschaffen. Eine weitere Her- abdrllckung der Honorare betreiben auch wieder ausschließlich Aerzte durch eine nicht nur beruss-, sondern auch gemeinschädlich wirkend; Polypragmasie. Die Behauptung, das heute den Aerzten zur Verfügung stehende Honorar betrage nur etwa 19 Proz. der Kasseneinnahmen, ist ebenso irreführend, wie die Behauptung, die Kassen könnten bis zu 29 Proz. ihrer Gesamteinnahmc nur an Arzthonorar zahlen. Die letztere Auf- sassung eines Kassenpraktikers, die 1914 noch mit Berechtigung ver- fochten werden konnte, wird heute von allen Fachleuten als irrig bekämpft, da durch den Krieg und die nachfolgenden Wirtschaftsoer- Hältnisse eine Umwertung aller Begriffe erfolgt ist. Es steht aber fest, daß die Ausgaben der Kassen für Arzthonorar nicht nur als reines Honorar für praktische Aerzte berechnet werden können, fon- dern daß dabei auch alle Kassenaufwcndungen für Zahnärzte, Rettungsstellenärzte, Heilgehilfen, Hebammen usw. in Zlnsatz gebracht werden müssen. Berechnet man diese Aus- gaben unter cineni gemeinsamem Rubrum, dann machen sie bereits zirka 36 bis 38 M. pro Mitglied oder etwa 16 Proz. der Gesamtem- nähme aus. Daß die Verarztung der Kassenmitglieder bisher sehr im argen liegt, bestreitet kein Kenner der Dinge. Die Schuld trifft jedoch nicht die Versicherten oder deren Vertreter in den Krankenkassen, sondern sie liegt, kurz heraus gesagt, an dem Honorarhunger eines zu stark überlaufenen Aerztestandcs und an dem Bestreben der Aerzte, ihren erwerbslosen Kollegen aus Kosten der Versicherten eine Existenz zu schaffen. � Carl Schulz. Mus aller Welt. Ein umfangreicher Moorbcand entstand aus bisher unaufge- Meter Ursache am Dienstag im G e e st h a ch t e r Moor, der ani Mittwoch abend trotz umfangreicher und energischer Gegenmaß- nahmen noch nicht gelöscht war. Die Fläche, auf der das Feuer zur- zeit wütet, ist etwa IM- Morgen groß. Die Anwohner haben ihre 5)offnung auf Regenfälle gesetzt, die allein imstande wären, dem Feuer Einhalt zu gebieten, das sich in die Erde hineingefressen hat und so nur schwer bekämpft werden kann. Don der Magdeburger Sirafkammer wurde der Bankbeamte August Schneemann, der i» der Zeit vom November 1929 bis zum.Januar 1921 bei der Sparkassen-Großzeiitrale von Sachsen, Thüringen und Anhalt begangenen Kriegsanleihestiicke im Nenn- wert von 289 999 M. unterschlagen hatte, zu 2'A Jahren Gefängnis und fünf Jabren Ehrverlust verurteilt. lSchluß de«»cdaltionellcn Teils.» 'mOn&ianfh DUJARDIN O.m.b.H. UQDINQEN ttfl. LAPOCtIELLE(coGfiAc-oiAPENTt riiAamt, »Jü*1 iÄ.sjsM"Wc'. WKVW l!—■-xv-eH-. Qeneral-Vejrtreler für Qroß-Berlin und Brandenburg; JIrnst Moritx, Charlotten bnrg, Svaiserdanini 114 Telephon: Amt Wilhelm Nr. 4916 und 494/. anflaviu- imm Stoffe loel.»elchüS» jut Desinfektion der Mund- und NachevhShke besonders bei Heiserkeit, stolsentziindung, Der« MljM. lchleimung. Erhältlich In den Apotheken u. Drogerien. jüt Zierren- n. Satnsü-SekleidKng „Aparte Neuheiten14 Verkaut meterweise Koth& Seeland Gertraudtenstraße 20— 21 Saison ssSäS* SMS -vSiO wir verkeufen LSwswck ZKÄZrU und beschränken uns hier wegen Platzmangels auf einige Beispiele: Nur Qualüäts waare Damen- Schnllrschuhe grau Leinen, mit Ledersohle, sehr' billig...____ Dam en-Spangensdiuhe weiss Leinen, feste Leder- sohle und braune Absätsg� Damen- Schnürschuhe echtChevreau. Lackkappen, elegante borrn. enorm billig Damen-Spang ensdiuhe prima Boxkalf, hervorragende Quali'fitsware.. Damen» Sifefel, prima Kindbox, vorzüghdie Ausführung, nur Mlttclgrössen Damen-Pumps, braun u, schwarz, edht Chevr. u. 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Die innere u. äußere Lage Sowjet-Rußlands u. die Aufgaben derKommunistischen Partei Rußlands Der X. Kongreß der Kommunist. Partei Rußlands M. 2— M. 5— M. 1.50 M. 1.50 M. 1.50 M. 2 50 M. 5.- M. 0.50 M. 1- M. 0.50 M. 1.- M. 0.50 = Zu beziehen durch die= Im Carl Bop IM. Hamburg 11 IM CaHle; btlll f»tr gninb?- bat Ct't floh «» S!e)m«ul?- ist bie 3i«a« ßifikst?- FrfSl 6tr Hobn?- füitnt M Pfirt'- frift dl, Ccu ihre Sfrfcll üftD.7 , wöfche, Odcbinen, Gatd I waren spottbillig. Quolltals» wäre, keine Lomborbware. Leihhaus Solhagener Str.<7 !(Hotteiecke). � Snru« 1696 Stark sllr einen Anzugk Sie kaulrn Inckettanzllge. Iünztingsan» 1 zöge, bie modernsten lsarden. I auch blau, serner gtofte Aus» ] wohl in Cutaways, iüehrock- anzllgen, Copercoa!,. Ma» rengopalefots, Summlmiin» ! teln. alles aus das modernste, ebenbilrtig jeder Masjarbeit, spottbillig bei Bürger. Ret» > chenbergeestrajse 159, oorn ff. ! 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Räch den Angaben des inzwischen verhasteken Schul- Verwalters sind diese Tanks von einem S l u d i e n r a t dorthin gebracht worden mit der Angabe, es seien Steine für das Senckenbergische Museum darin. Die Untersuchung bei dem Studie:, rat förderte erhebliches Pelastungsmatcrial zutage, außerdem gewisse Anhaltspunkte für das Bestehen einer Organi- fa t i o n und sonstiges eine Reihe bekannter Persönlich- ketten belastendes Material. Der Gang der Untersuchung ergab, daß weitere Gewehre versteckt sein mußten. Das sührte zu einer Untersuchung in einem Lokal auf der Hundswiese, wo über SOS Gewehre und 40 Kisten Munition gesunden wurden. Aus dem vorstehend mitgeteilten Bericht der Frankfurter Polizei geht'hervor, daß die Waffenschiebungen einen weit größeren Umfang aufweisen, als man nach den ersten Meldungen annehmen konnte. Der Bericht weist jedoch in einigen Punkten Lücken auf, deren schleunige Beseitigung im Interesse einer restlosen Aufklärung dringend erwünscht ist. Es ist n i ch t mitgeteilt, daß der S t u d i e n r a t selbst, der offenbar einer der H a u p t s ch u l d i g e n ist, verhaftet wurde; aus der bei ihm vorgenommenen Untersuchung muß jedoch geschlossen werden, daß seine Persönlichkeit den Behörden b e- k a n n t ist. Sollte er es nicht vorgezogen haben, die Stätte seiner Wirksamkeit zu verlassen, so wäre der sofortige Erlaß eines Haftbefehls gegen ihn eine dringende Notwendig- keit. Ferner ist es für die Oeffentlichkeit von höchstem Inter- esse, die in dem Bericht nicht genannten Namen der ü b r i g e n Waffenschieber zu erfahren, um so mehr, als der Bericht selbst von»bekannten Persönlichkeiten" spricht. Die zahlreichen, meist ungesühnten Fälle von Waffenschiebungen aus den letzten Iahren haben zur Genüge bewiesen, daß sofort und energisch zugepackt werden muß. um die Gefahr der Ver- Dunkelung von vornherein zu beseitigen. Die Rettung. . Die„Rote Fahne" beschäftigt sich mit unserem Artikel „Ruhlands Hungerkatastrophe". Sie ist erstaunt, aus unserm Munde den Satz zu hören:„Deutschland hat nichts dabei zu gewinnen, wenn der Bolschewismus in einer Katastrophe un- tergeht". Das schlage unserer bisherigen politischen Haltung Sowjetrußland gegenüber ins Gesicht. Wir hätten indirekt aui einen Sturz der Rätemacht hingearbeitet. Die„Rote Fahne" irrt. Wir haben auch Sowjetrußland gegenüber stets den Grundsatz vertreten, daß es völkerrechtswidrig sei, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen und haben z. B. die Anschauung sozialrevolutio- n ä r e r K r e i s e, die eine Intervention in Sowjetrußland für notwendig erachteten, mit Entschiedenheit zurückgewiesen« Mit ebenso großer Entschiedenheit haben wir allerdings von den Sowjetmachthabern verlangt, auch ihrerseits die ein- fachsten Grundsätze des Völkerrechts zu achten, ohne die ein Verkehr von Volk zu Volk nicht möglich ist, ohne die der inter- nationale Gedanke, der im Sozialismus lebt, eine Kinder- klapxer in der Hand von Despoten ist. Wir haben uns bestens dafür bedankt, unser arbeitendes Bolk durch Turkesta- ner in tiefstes Elend stürzen zu lassen; wir haben uns von vornherein dafür bedankt, uns dem Moskauer Diktat zu unter- werfen, wie es später die USPD. und zuletzt Levi sowie alle getan haben, die Gelegenheit hatten, in das wahre Antlitz Moskaus zu sehen. Die„Rote Fahne" irrt ferner— und wenn sie sich einen letzten Rest gesunden Menschenverstandes aus der Sintflut der VKPD.-Wirren und der parteipolitischen Wirren Sowjetruß- lands hinübergerettet hat, muß sie ihren Irrtum einsehen,— in die halberstorbenen Eukalr.ptusbäume, die Hunderte von Kilo- meiern weit sich erstrecken. Die Hitze ist so groß, daß schon eine Viertelstunde, bevor die Flammen die Bäume, erreichen, diese er- bleichen und sich zusammenkrümmen, wie wenn sie beim ersten Her- annahen der Flamme in das Feuer stürzen wollten. Irgendwo in der Ferne, viele Kilometer weit weg, arbeitet eine Schar Männer im Schweiße ihres Angesichts, um einen breiten Pfad in das Dickicht des Waldes zu schlagen. Sie hoffen, aus diese Weise der wei- teren Ausbreitung des Brandes Halt zu gebieten, wenn sie ihm seine Nahrung entziehen, und van den abgelegenen Dörfern und Farmen eilen die Männer auf Pferden und in Karren herbei, um ihre An- siedlvngen vor dem völligen Untergange zu schützen. In Südafrika ist das erste Anzeichen eines Feldfeuers in einem seltsam beißenden Geruch zu spüren, den das brennende Gras von fernher ausschickt. Auf dieses Zeichen hin sammeln sich all« Farmer und Eingeborenen; jeder bekommt einen in Master ge- tauchten Kornsack in die Hand, und nun geht es mit Windeseile zu dem Ausgangsort des Feuers hin Und dann beginnt eine der schwersten Arbeiten, die Männer leisten können. Die„Feuerschläger" stehen 10— 12 Meter voneinander entfernt. Jeder hat seinen be- sonderen Teil des Feuers, den er mit dem nassen Sack ausschlagen muß, und während er mit dem linken Arm Gesicht und Augen gegen die sengende Hitze schützt, schlägt er auf das brennende Gros ein. Schritt für Schritt dringen die Männer vor. Der Rauch blendet sie, die Hitze röstet sie, aber sie dürfen nicht ablösten, wenn sie die Gefahr beschwören wollen. So geht es stundenlang, oft einen ganzen Tag, bis die letzte Flamme glücklich erstickt ist. kein Kriegsgewinner. Einer der österreichischen Heerführer im Weltkrieg lebt jetzt in Innsbruck und führt ein sehr zurückgezogenes Dasein. Kürzlich tritt er in einen Hutladen und verhandelt über eine ibm passende Kopfbedeckung. Endlich findet er einen Hut, der 1800 Kronen kostet.„1800 Kronen?" ruft er entsetzt.„Sie glauben wohl, daß ich ein Krieasgewmner bin?"„0 nein, Exzellenz," versetzte der Hutmacher gütig lächelnd,„wenn Sie ein Kriegsgewinner gewesen wären, würde dieser Hut jetzt 18 Kronen kosten." Tie Exl. Bühne im Theater i. d. KönlaarStzer Strake bring! nach Schönd-rr und?ln;cngru5er den Tiroler Autor Rudolf B r i x jmr Aussührnng und �war wird am Sonnabend die Komödie„Das Knadenbild- und am Montag die Tragödie„Der dürre Baum" gegeben.- Komische Lpcr. Reueinstudiert geht am Sonnabend, den 23., Leo Fall's Lpcictlc ,D e r s i d c l c B a u c r" cislinaliz in Szene. „Peter Brauer-', eine noch nicht aulgesührte Tragikomödie von ©erhalt Hauptmann, die ein©egeniifick ,u„Kollege Cramplon" iit, wird Ansang November im 1! u st s p i e l h a u j e zum ersten Male in Szene gehen. Büchersammlung der Kaiser-Wilhelms-Akademie für ärztlich- soziales Bcrsorguugsweien. Tie Benutzung dieser grötzten medi. zjniichcn Bibliotbek Europa», die allen deutschen Aerzten, Zabnä'. ttcn. Tier- arzlen und Apotbctern sowie den Studiei enden der Universität und der tierärztlichen Hochschule Berlins offen steht, wird vom Ende dieses Monat» an wesentlich erleichtert. Die Bücheiei ist in den Räumen de» Ncichsarbeitsministeriums(Ecke Invaliden- und Scharnhorst- striche) untergebracht. wenn sie glaubt, daß wir der rusiischen Räterepublik mit bös- williger Feindseligkeit gegenüberstehen. Das einzige Ver- brechen, das wir begangen haben, war, daß wir nicht wie jene uns von dem Irrlicht der Weltrevolution in einen Su m p f locken ließen, aus dem herauszukommen sie nun selbst verzweifeln. Was wir weiter an Sowjetrußland ver- urteilten, war fein Militarismus, der das„Stahlbad" des Weltkrieges zu verewigen drohte und der sich um kein Haar von dem Militarismus eines Ludendorff und eines Foch unterscheidet. Trotz! i, Foch und Ludendorff, olle drei mißbrauchten sie Polen für ihre nattonalisti- s ch e n Zwecke, alle drei vergossen sie Arveiter- b l u t, um irgendwelcher Ziele wegen, die weder die Arbeiter- schaft, noch die Welt um ein Haar weiter gebracht haben. Aber auch derartige Betrachtungen bringen die Welt nicht weiter, bringen Sowsetrußland nicht die eriebnre Rettung, die Lenin, Trotzki und Sinowjew jetzt von eben der Welt erwar- ten, die sie verfluchten und die durch ihre roten Legionen g e- w a l t s a m umzuwandeln sie sich vermaßen. Rettung bringt auch nicht der Zusammenbruch des Bolschewismus, der nur zu neuen Wirren führen müßte. Rettung bring: allein Auf- bauarbeit, mühsame, peinliche und kleinliche Aufbauarbeit, jene tägliche und alltägliche Ausbauarbeit, die weniger mit hochfliegenden Plänen auf weißen: Papier und hinreißenden Ausrufen, als mit den gegebenen Tatsachen und Widerstän- den arbeitet, die niederzutrampeln ein leichtes, zu überwinden aber bedeutend schwerer und— revolutionärer, weil fruchtbringender ist. ch In deutschen Regierungskreisen steht man dem Hilferuf Maxim Gorkis durchaus nicht gleichgültig gegenüber und ist gern bereit, zur Hilfe für die entsetzlich leidenden Lolksgenosien Rußlands zu tun, was möglich ist.. Nahrungsmittel freilich kann Deutschland nicht liefern, aber, wenn— etwa vom Internationalen Roten. Kreuz— eine Hilfsakiton eingeleitet würde, so würde Deutschland wenigstens mit Arzneien und technischen Hilfsmitteln, vielleicht auch durch Entsendung von Aerzten sich selbstverständlich daran beteiligen. Russenhoffnung: �uslanüskapital. Terioki, 21. Juli.(DE.) Im Zusammenhang mit der Er- höhung der Cisenbahntarife sind auch die Lebensmittelpreise ge- stiegen: so kostet ein Pfund(gleich 400 Gramm) Brot in Petersburg gegenwärtig etwa SOOO Rubel. Die Bevölkerung hofft, durch Meldun- gen der SowjetpreMe veranlaßt, auf das baldige Eintreffen der aus- ländischen Konzessionäre. Man meint, daß die Ausländer Lebensmittel mitbringen und die Ernährung der Ar- beiter der von ihnen gepachteten Betriebe übernehmen werden. Die Sowjetregierung erläßt eine Berordnung, die einen weiteren Zu- ström der Flüchtlinge aus den Hungergegendcn nach Moskau untersagt. Bei der schnellen Flucht aus den Hungergouverncments herrscht nach wie vor Panik. Die Außerordentliche Kommission hat besondere Abteilungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung abkommandiert, da die Eisenbahnwogen von den Flüchtlingen im Sturm genommen werden.— Nachdem die Sowjetregierung den Arbeitern der nationalisierten Betriebe unlängst gestattet hatte, Gegenstände für den Austausch gegen ländliche Erzeugnisie her- zustellen, sieht sie sich jetzt genötigt, gegen den Mißbrauch, der mit dieser Erlaubnis getrieben wird, energisch einzuschreiten, da die- Rohstoffe der Fabriken in großem Umfange zu diesem Zweck aus- gebraucht worden waren.— Die kostenlose Beleuchtung der Woh- nungen und Straßen soll demnächst aufgehoben werden, da diese Leistungen des Staates in unverantwortlicher Weise miß- braucht worden sind. Die Vertreter eine,» belgischen Kompagnie haben die sogenannte „Strandbahn" von Petersburg nach Ssestrorezk und die dortigen Werke besichtigt: die Belgier beabsichtigen, die Ausbeutung der Bahn und der Werke zu übernehmen. Tie Naturalsteuer. Moskau, 17. Juli.(OE.) Das Zentralkomitee der russischen Kommunistischen Partei veröffentlicht in der„Prawda" eine Ueber- sicht über die Stellung der Bevölkerung zum neuen Naturalsteuer- System, die auf Berichten der Parteiorganisationen aus 31 Gou- ocrnements beruht. Bei der Arbeiterschaft sei Beunruhigung entstanden, ob der Staat auch künftig imstande sein werde, die Ar- beiter mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu versorgen. Von den Bauern dagegen sei das Dekret im allgemeinen günstig aufge- nommen worden und habe in manchen Gebieten bereits eine Zu- nähme der Anbaufläche, eine günstigere Einstellung zur Sowjet- regierung und den Rückgang des Bandenwesens mit sich gebracht. Es sei indessen bei der Bauernschaft auch Mißtrauen und eine feindliche Stellungnahme zu beobachten. Die Bauern seien besorgt, wie die dehnbaren Bestimmungen der Steuerdekrete in der Praxis ausgelegt werden würden und ob die neue Politik der Sowjet- regierung von Dauer sein werde. Ein Protest. Prag, 21. Juli.(OE.) In einem offenen Schreiben an Friedrich Adler erhebt die Auslandsvertretung der russischen sozialrevolutio- nären Partei dagegen Einspruch, daß die Wiener Arbeitsgemein- schaft sozialistischer Parteien in ihrem Protest gegen die Sozialisten- Verfolgungen in Sowjetrußland als deren Opfer nur die Mensche- witi und eine bestimmte, der Arbeitsgemeinschaft angehörige Gruppe der linken Sozialrevolutionäre erwähnt habe. Es widerspreche dem Gebot sozialistischer Solidarität, daß über die Verfolgung der Anarchisten, der rechten- Sozialrevolutionäre und der übrigen Gruppen der linken Sozialrevolutionäre kein Wort gefallen sei, und es wäre Pflicht der Sozialisten, gegen jede Unterdrückung der Freiheit in Sowsetrußland zu protestieren, wenn sie gleichzeitig ihren Protesten gegen den weißen Terror moralisches Gewicht verleihen wollten._ Rus üem roten Sachsen. Besserung des Zlrbcitsmarktes— Hebung des Personenverkehrs. Dresden, 21. Juli.(TU.) Die Besserung des Ar- beitsmarktes in Sachsen hat auch im Monat Juni allgemein angehalten. Bei(52 berichtenden Arbeitsnachweisen ist in sämtlichen Berufsgruppen die Zahl der Arbeitsuchenden gesunken, und zwar von 6g 630 Anfang Juni auf 57 273 Anfang Juli. Der Personenverkehr der Eisenbahn' in Sachsen hat sich im Juni günstig entwickelt. Trotz der am 1. Juni einge- tretencn Tariferhöhung ist der Verkehr im Vergleich zum Juni 1320 um etwa 49 Prozent gestiegen. « Der Freistaat Sachsen ist bekanntlich zum größten Kummer der bürgerlichen Reaktion ganz Deutschlands rein sozialistisch re- giert Wir registrieren mit Genugtuung diese beiden Anzeichen„so- zialistischer Mißwirtschaft". Der Reichspräsident hat der Familie des verstörbenen Reichs- sagsobgeordneten Prof. Hitze ein Beileidstelegramm gesandt. Ein neuer Kreöit für Deutstblanü. Berlin. 21. Juli.(MTB.) Bei Bekannigabe des Kredites von 150 Millionen Goldmark wurde mitgelcilk, daß die Perhandlungen mit internationalen Ainanzkreifen zwecks Beschaffung weilerer Kredite forlgcsehl werden. Wir erfahren heule von der Reichsbank, daß es durch Vermittlung des Bankhauses Mendelssohn u. Co. in A m st e r- dam gelungen ist. inzwischen einen neuen Kredit von 50 Millionen Goldmark für die Reichsbank zu beschaffen. Ver- Handlungen wegen fernerer Kredite schweben. Geftär-öniffe. Der frühere Reichstagsabgeordnete und jetzige gemäßigte Däne H. P. Haussen hielt kürzlich vor den„Venstres Ungdoms fore- ninger"(Iugenivereine der Linken) eine Rede über seine Schlswig- Politik, bei der er einige'�ehr bemerkenswerte Erinnerungen zum besten gab. Haussen hat seit dem Jahre 7903 mit dem damaligen ersten polnischen Vertreter Oberschlesiens im deutschen Parlament, K o r f a n t y, Bank an Bank gesessen'und manches Jahr Seite an Seite mit ihm gekämpft. „Ich habe besonders", so erzählt Haussen,„sowohl vor als auch nach dem Zusammenbruche Deutschlands umfangreiche Ge- legenheit gehabt, mit ihm über die Zukunft Polens zu sprechen. Ich weiß deshalb auch, wie gern er und feine Irennde die Volksabstimmungen In Ostpreußen und Oberschlesien verwie- den hätten. Und es glückte ihnen auch, in den ersten Entwurf des Friedensvertrages eine Bestimmung hineinzubringen, derzumlge Oberschlesien ohne weiteres zu Polen gelegt werden sollte. Aber England, unterstützt von Amerika, erhob Ein- s p r u ch gegen diese Regelung. Die Bestimung wurde gestrichen und ein« solche, die die Grcnzregelung in Oberschlesien auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker vorsieht, in den Dersailler Vertrag ausgenommen." Es ist immerhin recht interessant, aus diesem Munde bestätigt zu hören, wie wenig sicher sich Korsnnty und seine polnischen Hinter. männer der„Stimme des Volkes" in Oberschlesien und Ostpreußen stählten. Das Abstimmungsresuttat hat gezeigt, wie berechtigt ihre Befürchtungen waren. Weiter kam Haussen auf die Beamtenfrage in Schles» w i g zu sprechen. Er führte aus: „Wo haben wir die Beamten, Lehrer, Prediger, Richter, die das Land zwischen der Flensburger Förde und Dannewirke-Eider verwalten könnten? Wir hatten sie nicht zwischen den Kriegen, als doch ein Stab von Beamten in der Verwaltung ausgebildet war, unter Berücksichtigung deutscher Landesieile. Wir erwogen damals alten Ernstes die Frage, ob«vir nicht dc««lschgebildele Beamte aus Oesterreich oder der Schweiz berusen sollten, um auf diese Weise die nach dem dreijährigen Kriege verabschiedeten oänen- feindlicken schleswig-holsteinistben Beamten durch loyale Teamten, denen Sprache und Nationalität nicht hinderlich waren, zu ersetzen. Und jetzt sind die Verhältnisse weil schwieriger." Das sind recht bemerkenswerte Abstimmungserfahrungen. Wir schätzen die dänische Kultur zu hoch, um nicht zu glauben, daß Däne- mark diese Schwierigkeiten bei einer vom Geist der Versöhnlichkeit und Gleichachtung getragenen Haltung dem Deutschtum gegenüber überwinden wird. Aber ein Vergleich mit Oberschlesien liegt nah«. Auch hier ist die gesamte Verwaltung in deutschen Händen. Kann ein einigermaßen voraussehender Kopf annehmen, daß es den Polen gelingen wird, auch nur annähernd der Schwierigkeit Herr zu werden, die Dänemark drei Jahre noch der Abstimmung noch nicht überwunden hat? Posen lockt nicht zur Wiederholung. Und Posen ist wie Schleswig ein verwaltungstechnisch nicht sehr schwiert- ges landwirtschaftliches Areal, während Oberschlesien mit seinem außerordentlich verwickelten System von Urproduktion und verarbeitender Industrie, von Schiffahrts- und Eisenbahnwegen, mit seinen Gas- und Elektrizitätszentren und seiner dichtbesiedelten Bevölkerung die denkbar schwersten Anforderungen stellt. Hat Europa heute Platz für solche Experi« m ent e? kkorfantys Mannen. Zu den Unruhen in Inowrazlaw(Hohensalza) schreibt die„Ga- zeta Warszawska": Die Belassung von Waffen an Aufständische sei ein Fehler der polnischen Militärbehörde gewesen. Unter den internierten Insurgenten seien kaum einige hundert Schlesier ge- n>esen, der Rest Landstreicher und Verbrecher. Es sei ein Rätsel, wer diese Elemente außerhalb Schlesiens angeworbey, bewaffnet und hinausgeschickt habe. Bei diesem Geheimnis sei die POM. (Polnische geheime Militär-Orgänisation) und die Nationale Ar- bciterpartei beteiligt. K o r f a n t y habe wiederholt gebeten, ihm keine Leute mehr zu schicken, da er genug Hobe. Diese Leute seien durch Gewalttätigkeiten eine Geißel für die oberschlesische Bewilke- rung gewesen. Außerdem hätten sie zum Schrecken aller pol- nisch denkenden Polen geäußert, sie würden die Aufstandsbcwcgung auch auf andere Teile Schlesiens übertragen. Posen, 21. Juli.(DA.) Der„Dziennik Poznanski" schreibt: Im Augenblick des Anfstandes in Oberschlesien waren zahlreiche Ab- teilungen Aufständischer— überwiegend von der Nordqruppe des Majors Nowak— gezwungen, aus Oberschlesien zurückzukehren. Auf diese Weise entstanden größere Gruppen oberschlesischcr Insur- gcnten in Ostrowo, Hohensalza,'Schrimm, Iarotschin und Posen. Für die Insurgenten sorgt das Komitee für Verteidigung Schlesiens, indem es Kantinen errichtet und ihnen Wäsche, Kleidung, Bücher usw. liefert. Es beginnt also für das Komitee zur Verteidigung Schlesiens ein neuer Tätigkeitsabschnitt: es steht vor neuen Aufgaben.— Hoffentlich Abwicklung, da kann es ja noch lange bestehen! Gleiwitz, 21. Juli(DA.) In Scharley haben die Polen die Zentralstelle untergebracht, deren Aufgabe es ist, die polnischen Aufständischen zu Verbänden zusammenzuschließen, damit sie jeder- zeit zum Losschlagen bereit sind. Auch an anderen oberschlesischen Orten haben sich ähnliche Stellen mit dem gleichen Ziel oufgetan. Keine Riickkctzr de Marinis? Oppel««, 21. Juli.(DA.)� Bekanntlich ist der italienische Re- gierungskommissar General de Marinis nach Rom gereist. In Oppeln hegt man die Befürchtung, daß er endgültig von seinem Posten abberufen sei. General de Marinis erfreut sich wegen seines starken Gerechtigkeitssinnes der Achtung und Wert- schätzung der Bevölkerung, die seine Rückkehr dringend wünscht. (Wenn das so ist, muß de Marinis natürlich weg! Red.) Verschiedene höhere Beamte der JK. haben ihre wegen des Aufftandes weggcsandtcn Familien zurückkommen lassen. Auch hat die JK. die Verträge ihrer Ziviibeamten, die Anfang August ab- laufen, verlängert und eine Anzahl neuer Beamter für den Geheimdienst verpflichtet. Ebenso wurden innerhalb der Polizei Um- gruppierungen vorgenommen und neue Hundertschaften gebildet. Alles dies sind Anzeichen, daß man mit längerer Dauer der interalliierten Herrschaft rechnet. Eine Reihe englischer Beamter und Offiziere ist telegraphisch nach London berufen worden, darunter Hauptmann Harrie, der Adjutant des Kattowitzer Kreiskontrclleurs. Der von den Insurgenten verschleppte Dergrat Reinsch ist frei- gelassen worden und nach Ratibor zurückgekehrt. GewerMÄstsbeWegung «rDIcfc Schweinerei muß beseitigt werben." vom wandelbaren Rusch. Ver Kampf um die Macht im Deutschen Metallarbeiterverband «st seinen Höhepunkt erreicht. Zwei Tage n»r noch werden die Aqitateren da» Wort siikiren und dann werden die Mitglieder die Entscheidung darüber fällen, wer in den nächsten zwei Jahren die Geschick« der gröbten Gewerkschaft der Welt leiten soll. In diesem Augenblick ist eS angebracht, den Blick zurückzuwerfen auf die Taten und die Worte jener Leute, die den Arbeitern heute sogen, daß nnr sie in der Lage sind, allem Elend zu steuern, um die Arbeiter- schaft anS den Sklavenletten de» Kapital« zu befreien. Metallarbeiterl Wenn Ihr am Sonntag oder Montag zur Wahlurne schreitet, dann denlk an de« Herbst ISIS. Denkt daran, dah damal« unter der glorreichen Führung eine« O«kar drisch und eimS Richard Mllller die Riesenbewegung der Berliner Metallarbeiter jenen katastrophalen Ausgang nabm, der sür all« Metallarbeiter Deutschland« die schwerste» Folgen halte. Denkt daran, daß diese genialen Organisatoren das gesamte Vermögen von über 20 Millionen Mark verpulvert haben, und denkt an daS Wort de« jetzigen unabbängigen Bevoll- mächligten ZiSka, der l'/s Jahre nach dem Abbruch de» Streikes erklärte:»Al« ich noch dem Streik meinen Posten antrat, stand ich vor einem Scherbenhaufen'. Metallarbeiterl Wenn Ihr nicht Eure ganze Organisation in«inen Sä-erbenhauien verwandeln wollt, dann gebt bei der bevorstehende» Delegierienwahl Eure Stimme nur der Liste A! Die Kandidaten, die stch Euch auf der List« V präsentieren, sind zumeist reckt w a n d e l b a r e Naturen und werden geführt von Leuten, die ihren Mantel na» dem Winde hängen und mal so und bald anders können. Ein Musterexemplar ist in dieser Be- ziehung der ichon erwähnte OSkar Rusch. Am t2. Mai tOLO schrieb Rusch on seine unabhängigen Parteifreunde in den Gewerkschaften einen mit.Streng vertraulich I' gezeichneten Brief, in dem er zum Kampf gegen die velriebsrätcorganisallon Müller- und Dg u migsck er Färbung aufrief. Er sagt in dem Schreiben, dah die BeiriebSrätezenlrale sich immer mehr der Erledigung wirtschaftlicher Aufgaben zuwende, was wir Berliner Gewcrlfchosller nicht länger dulden können. Man bringt uns dann systematisch al« gewerkschaftliche Organi- iation in Gefahr, baut in» Rahmen der Partei und GeWerk- schaften mit eigenen Beiträgen eine vollkommen neve OrganisaNon und»ebrt stch mit Händen und Füben dagegen, dah die Vewerl- schaften die Betriebsräte organtsteren.' Weiter sagt Rusch in seinem ihm heute sicher sehr unbequemen Brief:.Da« weitere Borgehen der Veiriebsrätezentral« in der Richtung, in einzelnen Betrieben Einzelaktionen anzubahnen, ver- wickelt un« in schwerste wirischastliche stämpie, bei denen wir letzten Ende« al« Gewerkschaften nur noch äl« GeldbewilligungSmaschinen in Frage kommen. Diese Schweinerei muh beselstgt werden t Die GewerkschoflSkommiision Berlins hat beschlossen, die Bc- triebSiäte gewerkschaftlich zusammenzufassen und nach Industrie- gruppen zu organisieren. Wir wustten, dast wir mit diesem Be- schlus; den Kampf gegen die A u S w ü ch s e beS von Däumig und Müller propagierten RäusystemS aufnehmen, wir w.sten ober auch weiter, dah Däumig und Müller ihre Anhänger im ganzen Reiche haben. Es ist Aufgabe unserer unabhängigen GewerkschaftSgenossen, im Reich mit un» gemeinsam an die veselllgung der Verunstaltung de» Räkegcdankea» heranzugehen.' So schrieb im Mai lvLll der damalig« Borsttzende der Berliner Gewerkschaftskommission. Heute ist er ein ganz anderer geworden und lang« nicht mehr so vernüntiig. Heut« denkt er gar nicht mehr daran, die Auswüchse der Kommunisten zu bekämpfen und ihre Schweinereien zu hindern. Aber seine Aufforderung vom Mai 1S20 ist nicht vergessen worden. Ihr wird am kommenden Sonntag von allen freigewerkschaftlich organisierten Metallarbeitern Folge geleistet werden, indem sie den jetzigen Freunden Rusch« den Scheidebrief überreichen, und die Verwandlung de« Dentschen Metallorbeiterverbande« in einen Scherbenhaufen dadurch ver- hindorn, denn sie wählen Mann für Mann die Liste A. «Jnr Nrwahl im Metallarbeiterverband. Po* der Ort-verwaltung»erlin des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes wird uns folgendes geschrieben: Heber die Berechtigung der einzelnen Kollegen, an der bevorstehenden Hrwatzl teilzunehmen, sind verschieden« abweichend« Meinungen laut geworden, und zwar hauptsächlich wegen der arbeitslosen Kollegen, die mit ihren Bei- trägen länger als S Wochen im Rückstände sind.— Es wird vielfach angenommen, daß dadurch, west unsere»envakwng beschlossen hat, auch diesen Kollegen den Eintritt in unsere Generalversammlung, soweit st« Delegierte sind, zu gewähren, die Berechtigung hergeleitet werden kann, auch bei einem länger als 6 Wochen dauernden Bei- tragsrückstand bei dieser Wahl da« Wahlrecht ausüben zu können. Das vom Hauptvorstand herausgegebene Wahlreglement nimmt aus« drücklich auf den ß 21 Abs. la des Statuts Bezug, woraus hervorgeht, daß jeder Kolleg«, der sich nicht ausdrücklich von der Berwaltungdie Stundung der Beiträge bescheinigen ließ, nicht im Besitz der Mit» gliederrechte ist. Wir möchten infolgedessen ausdrücklich darauf hin- weisen, daß nur diejenigen Kollegen ihr Wahlrecht ausüben können, die mit ihren Beiträgen auf dem laufenden sind, sowie diejenigen, denen aus Beschluß der Verwaltung d>« Zahlung ihrer Bei- träge über die sechswöchige Karenzzeit hinau» gestundet worden ist._ Der Kampf der Berliner Voloniararzte. Entgegen ander» lautenden Meldungen scheinen die am gestrigen Donnerstag im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Dolksbtldung g u n g gefuyn zu yaoen, oay o I e lsesayr eines dieser Slerzte weiter bestehen bleibt. Bis zur Stund« sind die Besprechungen im Ministerium noch nicht abgeschlossen, Nach dem Vorichlaa des Ministeriums wird nur«in Bruchteil der Volontäraffistenten feste Gehaltssätze erhalten, wo» den Wünschen der Volontäraffistenten in keiner Weise entspricht. Bei der gestrigen Verhandlung im Kultusministerium, die unter dem Vorsitz des zu. ständigen Dezernenten, Ministerialdirektor Krüß, stattfand, stellte es sich übrigens heraus, daß die anwesenden Vertreter de? R eich- finanz Ministeriums keinerlei Do l l» macht hatten, irgendwelche bindenden Zugeständ- Achtung, Metallarbeiter! Am Sonnkag, den 24., vnd Rlonkag, den 25. Znli, finden die Wahlen zum verbandsiag der ZNetallarbeiier stall. Es gilt einzutreten: Für die Geschlossenheit der 0rganisafion! ' Aür den Ausbau der Gewerkschaften i Mr Amsterdam i Gegen das arbelkerfeindfiche Treiben der Moskowileri Es gilt die Säumigen aufzurütteln i Sorgt für den Sieg der Lifte A die mit dem Nomen A l b r e ch t beginnt. nisse zu machen. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist die Stimmung unter den Volentäraffistenten im Hinblick auf die Verschleppungemanöver der zuständigen Behörden«ine überau» er- regte, so daß bereits für die nächsten Stunden mit einer eventuellen Arbeitsniederlegung gerechnet werden kann._ Beseitigte Streikgefahr. Die dem Transportarbciterverband angeschloffenen, tm Eisen- Handel, Röhrenlagern und Maschinenhandel beschäftigten Arbeiter waren am Donnerstag auf dem Hofe de» Gewerkschaftshaufes ver- sammelt, um zu der Streiksrage Stellung zu nehmen. Ko h l- s ch m i d t berichtete, daß nach energischen Vorstellungen die B e- willigung einer Lohnerhöhung von 18 Prozent 'erreicht worden ist, und zwar soll diese ab 15. Juli gelten. Der Tarif kann erstmalig am 15. September zum 1. Ottober gekündigt werden. Infolge, der neuen Vereinbarung wird der Tarifvertrag vom 1. April 1920 wie folgt geändert: Jugendliche Arbeiter von IS bis IS Jahren erhalten bei Einstellung 132 M., nach einem halben Jahre 152 M. und nach einem Jahre 172 M. Arbeiter über IS Jahre, Gruppe I: Ehauffcure 310 M.? Gruppe II: Kutscher, Kran- oder Lostfahrstuhlfllhrer 300 M.: Gruppe III: Lager-, Maschinen« und Hofarbeiter usw. 290 M. ver Stundenlohn beträgt in Gruppe II«,40 Mk., in Gruppe III 0.20 M. Weiblich« Arbeiter unter IS Jahren erhalten 20 Prozent, über 18 Jahre erhalten 25 Prozent weniger als gleichaltrige männliche. Der Redner erklärte, daß dieser Lohntarif nicht be- friedigend sei, dennoch empfehle er, im Hinblick auf die vorHerr. schenden Verhältnisse, den Kolleaen die Annahm«. Nach einer lebhaften Auesprach« wurde der Tarif mit«10 Stimmen gegen 272 Stimme» angenommen, so daß der Streik vermieden ist. Sie wollen noch«ehr! Bor einigen Tagen ging»in« T.-U.-Meidung durch die Presse, wonach Kr»pp stch vergnlatzt sah, auf seiner Germania-Werst in Kiel eine S t r e ck u n g d«r Ar b e i t vorzunehmen. Es wurde in der Notiz weiter gesagt, daß die 12-Milliarden-Abfindung für die Reeder nicht ausreichend fei, um di- begonnenen Echiffsbauten zn beenden. Wenn die Reeder nicht noch Geld locker machen köunten. müßten die Arbeiten eingestellt und A r- better entlassen werden. Jetzt meldet dasselbe Stinnes-Organ: .Die industrielle Lage in Kiel, insbesondere auf den Werften, ist sehr unbefriedigend. Aufträge liegen nur in ge- ringem Umfang vor. Die deutsche Werft, die bereit» vor kurzem einen großen Teil ihrer Belegschaft entlassen mußte, hat am Sonnabend weiteren 10 0 Arbeitern gekündigt und in derschsedenen Abtessungen dk« ArssektSzekt»nfAkerraK« in der Woche beschränkt. Auch auf der Germania-Werft ist die Einführung von Feierschichten notwendig ge- worden. Di« HowaldtS-Werfr arbeitet zurzeit.zwar in vollem Umfange, doch ist dort ebenfall« in Kürze mit Betriebe- einschränkungen zu rechnen.' Es bedarf dringend der Nachprüfung durch die zuständigen Stellen, ob tatsächlich ein Mangel an Arbeit besteht, oder aber Mangel an Prosit die Werftbesitzer veranlaßt, so zu handeln. Sie wollen zu den 12 Milliarden Reichsgeldern noch weiter« Milliarden schlucken, nachdem sie eben erst ihre KriegKo Millionen ins Trockene gebracht haben. Um ihr.patriotische»' Ziel zu erreichen, glauben sie in Form von Betrievsst'llegunge» und Arbeiterentlassungen einen Druck auf die Reichs- regierung auszuüben. Wir verlangen von der Regierung, daß st« nicht wie ihre wilhelminiichen Borgänger während des Kriege« dieser Erpress erpolittk de» Kapitals nachgibt, sondern die Werftbesitzer zwingt, ihre Betriebe weiterzuführen, selbst dann, wenn di« Dividende«ine» kleinen Rutsch nach mit« machen sollt«._ Zum Streik der Kontobnch-Vtrbetterschast. In GraumonnS Festsälen nahm die streikende Kollegenschast Stellung zu dem gegenwärtigen Stand der Bewegung. Eine Aus- sprach« mit Buchdruckeretbesttzern und GcschäftSbüchersabrikanten hat am Mittwoch, den 20. Juli, stattgefunden und verlies er- g e b n i» l o». Höchste Entrüstung riet unter den Versammelte« das Verlangen der Unternehmer hervor, die Arbeit bedingungs- lo« aufzunehmen. Da» Verhalten der Unternehmer, die sich am 30. Juni mit den Vertretern des Verbände» der Buchbinder und Papiervcrarbeiter zusammensetzten, um den ausgebrochenen Konflikt beizulegen, spottet jeder Beschreibung. Die Arbeitsaufnahme wnrd« durch eine brutale Maßnahm« der Unternehmer gestört, die di« Arbeiter mit fristloser Entlassung bedroht. Der Versuch der Unternehmer, die Streikenden durch ein Flugblatt zum Streikbruch zu verleiten, und auch die Erwirkung«ine? GerichtsbeschlusieS. der geeignet ist, da» stoalitionsrecht der Arbeiterschaft zu gefährden, trugen erheblich zur Verbitterung der Streikenden bei. Stürmische Zustimmung der Streikversämmtung fand der Bevollmächtigte Rothe, al« er er« klärte, daß der Streik au» den genannten Gründen nunmehr selten» der O r t S v e r w a I l un g d«S Verbände« der Buchbinder und P a v i er v e r a r b e it er anerkannt und geführt werde. Die Unternehmer, die in keinem festen TarisverhSItin» mit unserer Organisation stehen, werden den ge» schlossenen Widerstand der streikenden Arbeilerichost sowohl wie de» verbände« der Buchbinder und Papierverarbeiter wie auch der übrigen in Betracht kommenden Organisationen finden. Die Ver« bandsleitung nimmt damit die Fäden der Bewegung in die Hand und fordert die Buckbindereiarbeiterschaft.auf, strengste Solidarität auszuüben. Dasselbe wird'ge- sorderi von den Buchdruckern und der BuchdruckereihilsSarbriterschast. liebt Solidarität! «chsteng! Graphische Arbelker und ArbeNeriunen Berlin, k Am Freitag, de» 22. Juli, 5 Uhr. finvet in Havelland« Fesisälen, Neu« Fiiedrichstraße, eine Milgftedeiversammlnng der Zahlstelle Berlin statt. Aus der Tagesordnung steht: Wahl eine« Beiralsmiigtiede« und eine« Stellvertreter». Kolleginnen und Kollegen! Welch« wichtige» Fmiktiouen der Beirat auszuüben hat, haben wir bei der letzten vmstandswaht im verband« lowie au» in Berlin gesehen, darum ist r« Pflicht aller Kolleginnen und Kollegen, in der Ber- sammkung ru erscheinen und ihre Stimm« den Kandidaten der Richtung Amsterdam zu geben. Keine Stimme den Moskowitern l Aktionsausschuß der giophischen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlin«. sRichtung Amsterdam.) SBV.-Mekallarbeiier! Freitag S Uhr Rosenthaker Hof, Rosen- thaler Straße II, Konferenz sämtlicher Funktionäre. Es gilt die letzten Votbereitungen für die Wahl am Sonntag zu treffen. Au»- gäbe von Material usw. Alle Kollegen müssen erscheinen. Der Fraktionsvorstand. Der Landrrrbclkecflrelk in Pommern. Die Meldung einiger Ben» kiner Morgenblätter, doß auf etwa 40 Gütern gestreikt wird, trifft, wie wir von unterrichteter Seite hören, nicht zu. In Pommern wird auf 8 bis 8 Gütern gestreikt, ferner auf Rügen auf 12 Gütern. Gegen« über anderslautenden Meldungen fei festgestellt, daß der Streik wirt- schriftliche Ursachen hat: es handelt sich um LohnstreUigkeiten. vom fichechlschen Bankbeamkenstreik wird mitgeteilt, daß di« streitenden Prokuristen der deutschen Banken den Beschluß gefaßt haben, ihre Vermittlung zwischen den Direktionen der Banken und der streikenden Beamtenschaft anzubieten und den Streik bei» zulegen. Die einleitenden Schritte zu diesen Perhandlungen wurden bereits veranlaßt. Es ist dies bereit» der dritte Der- Mittlungeversuch, den Generalstreik der Beamten betzulegen. Die engst'chrn vergarbeiter haben nach einer Londoner Mel- dung des MTB. vom 21. Juli einer Lohnherabfetzung von 2 Echil- ling pro Tag zugestimmt. A-tikol-ei»,«» der Angestellte». Latz--» er«, AitgAederversainmluog Frei» teg 4 Uhr»testicner Tastno,»reedener Stroh« es.— Putz.ck»t»tl, Mitglieder- versommlung isrettog 8 Uhr Dresdener£«fino, Dresdener Straß« 80.— Papier» FunktionSraersammlung H$ Uhr Wilhelm-Hof,«nhaltstr. U/U. verband der vnchbinber»nd Pnpternerarbeiter Denttchlnad». vnchdindent M-ntag s Uhr bei Baum. Stallschreiberstr.«7, Versammlung aller t» den vietalldetrieben deschilftigttn stollezlnnen und Kollegen. «erant». für den redatt. vell! Dr. Werner vrtser, Ddorlottenbur«: wr«nzelgeni Dd. SIloit«, Berlin Verlag! Vorwärts-Serlag®. m. b. H., verlin. Druck: B»r- wllrtS-Bulddruckeret u. Lerlagsanstalt Paul Singer u. To.. Berlin. Lindensir.». Htcrz« 1 Vellage. KYG KlelMmS.l8.bJ. kvq Hegte und folgienda Tage aiiKg«f gewghutlch billige Aneebotel HmiplgeecHSift: KommeintieuiLleinslrasse SO~Ql 2L V erkaiuf seteile: Osten, Waraclmiaer Str. 33 3-.» Llclvfienl�erg, Frankfurter Allee 82 4. ,, Neukölln, Bergstrnsse 29 . 1B.5O Unnau. 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