ng.344» ZS.�ahrytMg Ausgabe iS Hr. 170 Bezugspreis» BlfrttljStjtL SO,— ajl, monatL KX— SR. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich ID.— M. einschl. gu- stcllllngsgebllhr Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, das Saar» und Memelcicdiet, sowie die ehemals beut- lchen Gebiete Polens Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20.- M. für has übrige Ausland 27.— M. Post» beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei. Dänemark. Holland, Luremdurg, Schweden und die Schweiz. Der»Vorwärts"' mit der Sonnrag»- beilage„Voll und Seit"', der Unter- Haltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten« «richeint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse. «Sozialdemokrot Berlin» Abend Ausgabe Berliner Volksblnti �20 Pfennig) Anzeigenpreis» vt, achtgespalten« Roiwareillezeil« tostet d»i0 M.„Nielse Anzeigen» da« teUgedruckt« Wort l�v M. lzu- liissig zwei fettgedruckt» Worte», jede» weitere Wo« l.— M. Stellengesuch« and Schlafstellenanzclgen da» erst» Wort M. fede« weitere Wort SV Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Famtlien-An- zeigen für Abonnenten Zelle 8,— SR. Di« Preil« oerstehen stch ctnschlieblich Teuerungszufchlag. anzeigen Mr die nSchst« Nummer wüsten dts 8 Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin EW W. Linden. ftraße 8. abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis S Uhr abends. �enti'alorgan cler fozialckmokratircbcn parte» Dcutfcblanda Redaktion und Expedition: SM S8, Linöenftr. 3 T-�rnkUrecker' Redaktion Mortüplatz ISitlS-»? �erilsprenler. Spedition Morttzplatz iI7SS— S4 Sonnabend, den Ä3. Jnli I9Z1 Frankreich will öurchmarjchieren. Paris, 23. Iuli.(WTB.) Der Meinungsaustausch zwischen Paris und London über das Verfahren, das einzuschlagen ist, um die obcrschlestsche Irage zu lösen, dauert, wie havas meldet, an. Gestern abend wurde der Votsüzafler SL Aulaire telegraphisch ersucht, bei der englischen Regierung aus der Rotwendlgteit zu bestehen, vor der Einberufung des Obersten Raks 1. Verstärknu» gen nach Obersch'.csicn zu senden, um die Durchführung des Spruches der Alliierten zu sichern, 2. die sofortige Einberufung eines Sach- verständigenausschusfes zu fordern, der die technische Seite der Frage prüfen und einen Bericht vorbereiten soll. St. Aulaire werde dem Foreign Office noch mitteilen, daß der franzöfifchs Botschafter in Berlin beauftragt werde, bei der Reichsregierung in Berlin einen diplomatischen Schrill zu unternehmen, um sie erneut zu ersuchen, alle Vorbereitungen zu treffen, um den Abtransport der französischen Di vi- s i o n nach Oberschicfien gegebenenfalls durchführen zu können, die marschbereit sei. wie„Petit parisien" zu wissen glaubt, wird die Slbsendung der Truppen erfolgen, sobald Großbritannien seine Zu- stimm irzi g gegeben hat. Unö EngianÜ! London, 23. Juli. lWTB.) Das Reutersche Bureau verbreitet folgende Mitteilung: Weitere Telegramm« aus Oppeln von dem britischen Kommissar in Oberschlesien betonen von neuem die Not» wendigkcit einer schleunigen Regelung der oberschlesifchen Frage in Uebereinstimmung init dem Vorschlag der Interalliierten Plebi'zitkommission. Man ist der Ansicht, daß es politisch nicht zweckmäßig sei, Truppen aller drei Alliierten abzuschicken, und man glaubt, daß dies auch gar nicht notwendig, sein würde, wenn eine rasche Entscheidung durch den Obersten Rat zu erreichen wäre. Inzwischen gibt das Auswärtige Amt seiner V e r- wunderung Ausdruck und mißbilligt das Gerede auf beiden Seiten des Kanals über gespannte Beziehungen zwischen den beiden Regierungen. Man hält an dem Glauben fest, daß die französische Regierung in dieser Angelegenheit wie in der Vergangen- heit mit den Älliierten zusamenwirken wird bei der Lösung der beunruhigenden Frage, in der eine Meinungsverschiedenheit nur über die'Art und Weise des Verfahrens besteht. London. 23. Iuli.(WTB.) Ein diplomatischer Berichterpatter des„Daily C h r o n i c l e" schreibt: Der französische Vorschlag, den 15. August als Datum der Zusammenkunft zu wählen, ver- anlaßt einen Aufschub von drei Wochen und wird als gefährlich lange angesehen werden. Wenn auch noch keine Antwort bezüglich dieses Vorschlages nach Paris gesandt worden ist, so glaubt man doch, daß der britische Geschäftsträger in Paris mit dem franzö- sischen Außenminister in der Angelegenheit in Fühlung ist und nach- drücklich den Standpunkt vertritt, daß ein früheres Datum ratsam sein würde. Man glaubt in maßgebenden Kreisen nicht, daß die Franzosen eine weitere Division nach Oberschlesien werfen werden, ohne die Ansicht der britischen Regierung abzu» warten. In dieser Frage ist der britische Standpunkt dem dek französischen Regierung entgegengesetzt, chier glaubt man, daß die Absondung weiterer Truppen höchstwahrscheinlich neue Kon- flikte veranlassen werde, wenn keine endgültige Entscheidung durch den Obersten Rat erfolgt. Ein diplomatischer Berichterstatter schreibt im„Daily Tele- g r a p h": Die britische Regierung würde mit ernster Unruhe und Mißfallen die sofortige Entsendung von 10 000 Mann französischer Truppen nach Oberschlesien ansehen. Sie ist der An- ficht, daß eine solche Angelegenheit vom Obersten Rat erwogen werden sollte und sie habe Grund zu glauben, daß Rom derselben Meinung ist. Englanös Antwort. London, 23. Iuli.(WTB.)„Morningpost" schreibt: Wir er- suyren von amtlicher Seite, daß keine weiteren diploma- tischen Schritte in der oberschlesifchen Frage getroffen worden sind. Die britische Regierung hat Briands Rote nicht beantwortet. Sie habe keinen Grund, ihre Haltung zu ändern, und alle aus Oberschlesien eintreffenden Nachrichten bekräftigen die Ansichten, auf denen diese ihre Haltung beruht. Sie beabsichtige indessen nicht, sich mit der französischen Regierung darüber zu streiten, sondern wünsche allein dringend, daß die oberschlesische Frage vom Obersten Rat so schnell wie möglich geregelt werde. „Times" meldet: Die britische Antwor" auf die französische Note werde nicht vor Beginn der nächsten Woche erfolgen. Paris, 23. Iuli.(WTB.) Der Londoner Berichterstatter des „Petit Parisien" meldet, man habe sich in England gefragt, ob der englische Text des bekannten Telegramms der Interalliierten Kommission in Oppeln mit dem französischen Text übereinstimme und ob nicht vielleicht ein Uebersetzungsfehler vorliege. Diese Bedenken hätten die englische Regierung veranlaßt, eine Rückfrage in Oppeln zu stellen. Die Antwort auf die fran- zösische Note werde daher wohl erst erfolgen, wenn die Aufklärung eintrifft. Der große Zweikampf. Die amtlichen und halbamtlichen Erklärungen, die heute aus England und Frankreich vorliegen, sind widerspruchsvoll. Fest steht lediglich, daß bisher keine der beiden Parteien nach- gegehen hat. Eine gewisse Neigung zu einem Kompromiß auf englischer Seite könnte man aus der Mitteilung herauslesen, die englische Regierung habe sich mit Oppeln in Verbindung gesetzt, um festzustellen, ob die Meinungsverschiedenheiten be- züglich der IAK.-Note nicht etwa auf eine Entstellung im englischen Tert zurückzuführen seien. Aber diese Mitteilung stammt aus Paris, und ein derartiger Schritt Englands wäre nach den Veröffentlichungen des englischen Kommissars in Oberschlesien inkonsequent. Eine Neigung, Frankreich ent- gegenzukommen, könnte man ferner aus der Verlautbarung des Reuter-Bureaus herauslesen, die recht zweideutig den Standpunkt der englischen Regierung dahin präzisiert, daß ein Verstärkungskommando der drei alliierten Mächte un- nötig sei. Wahrscheinlich bezweckt die Mitteilung jedoch ledig- lich, den Kanonendonner der das Duell Briand-Lloyd George begleitenden Presse auf ein weniger großschlachtiges Kaliber herabzustimmen. Bon Wichtigkeit ist, daß eine halbamtliche englische Mel- dung auf eine angeblich französische Anregung, die Konserenz auf den IS. A u g u st anzusetzen hinweist. Hier bereitet sich vielleicht ein Kompromiß vor. Die Schwierigkeit bleibt aber noch, ob nun Frankreich tatsächlich seine Division nach Ober- schlesisn wirft oder nicht. England hat bisher nein gesagr. Aber bezieht sich dieses Nein auf die französische Ver- stärkung oder die englische Mitwirkung? Hier sind die englischen Kommentare zum Teil nicht klar. Wo sie es sind, lehnen sie allerdings die französische Verstärkung ener- gisch ab. Ist diese Verstärkung für Frankreich mehr als eine Prestigefrage? Soweit eine Orientierung möglich ist, räumen die Engländer, wo sie in Oberschlesien den maßgebenden Ein- fluß haben, gründlich mit der Insurgenten- und Protektions- Wirtschaft auf. Und ihr Einfluß wächst noch immer. Es ist bedeutsam, daß sie nunmehr selbst an einer Besetzung von K a t t o w i tz, diesem bisherigen und wichtigsten Mittelpunkt der französischen Einflußsphäre, beteiligt sind. Das ist es, was Frankreich aufs äußerste beunruhigt. Das ist es aber auch, was eine nochmalige Truppenverschiebung gefährlich machen würde. Letzten Endes ist die französische Forderung nach Truppen- Verstärkungen ein letzter Appell an die Waffen. Lloyd George ruft Belgien und Italien auf seine Seite. Sein Ein- fluß droht auf der Entscheidungskonferenz überwiegend zu werden. Deshalb fürchtet Frankreich Boulogne, deshalb sein Ruf nach Waffen._ England und die parlsee Sssprechungen. Paris. 23. Iuli.(EE.) Das„Petit Journal" meldet, daß am IS. Iuli die englische Regierung an die französische Regierung eine Note richtete, worin um Aufklärung über die d e u t s ch- f r a n- zösischen Wirtschaftsverhandlungen gebeten wird. Die englische Regierung befürchtet, daß sich die französische Regie- rung durch diese direkten Besprechungen mit Deutschland eine Art Priorität zum Schaden der übrigen Alliierten sichern könnte. Die französische Regierung erteilte darauf die Antwort, daß bisher in Berlin keinerlei feste Abmachungen ge- troffen wurden und daß es übrigens die englische Regierung selbst war, die wiederholt Frankreich empfahl, mit Deutschland in direkte Verhandlungen zur Lösung des Wiedergutmachungsproblems ein- i zutreten. Das besondere Interesse Frankreichs an dieser Angelegen- | heit sei unbestreitbar.__ Em Pechvogel. Dem„Daily Herald" zufolge wurde dem bekannten amerikani- scheu Sozialdemokraten Morris Hillquit bei seiner Ankunft in Dover das Betreten des englischen Bodens untersagt, obgleich er im Besitze eines von den englischen Behörden in den Vereinigten Staaten regelrecht visierten Passes war. Die Gründe dieses Verhaltens der englischen Behörden sind uns nicht recht klar. Wahrscheinlich war dieses Verbot als Abwehrmaß- nähme gegen den Bolschewismus gedacht. Merkwürdigerweise steht aber Hillquit ebenfalls auf der Schwarzen Liste Moskaus. Wie erinnerlich, gehörte er mit Mac Donald, Lon- guet, Hilferdlng, Modigliani und Turati zu denen, die in den 21 Punkten ausdrücklich als jene zentralistischen Elemente bezeichnet wurden, von denen sich die Parteien reinigen müßten, um Moskau- reif zu werden.__ Lloyd Georges Lockruf an die Unabhängigen Liberalen auf dem Bankett der Koalitionsliberalen ist vergeblich gewesen. Der Parla- mentsberichterstatter der„Times" meldet, daß die Bewegung, die auf eine Versöhnung zwischen den Koalitionsliberalen und den Unabhängigen Liberalen hinzielte und die im Unterhaus vor einigen Wochen begonnen hatte, wieder aufgegeben worden ist. vorwärts-verlag G.m.b.H., SM 68, Änöenstr. 3 SSeMritföre-fhi»*• Verlag. Expedition und Juscraten- zverrnprerycr. Abteilung Moritzplatz 11753-54 Rrbeitenvohifahrt. Bon Marie Iuchaez. Der„Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt" bezweckt die Mitwirkung der Arbeiterschaft bei der Wohlfahrrspslege, um hierbei die soziale Auffassung der Arbeiterschaft durchzusetzen. Im besonderen will er die gesetzliche Regelung der Wohlfahrtspflege und ihre sach- gemäße Ausführung fördern. Diesen Zweck will er erreichen durch: Zusammenfassung aller an der Wohlfahrtspflege tätigen Frauen und Männer, Gewinnung neuer Kräfte, Schulung der bereits tätigen und der neu herangezogenen Kräfte, Stellungnahme zu allen Fra- gen der Wohlfahrtspflege in der Oeffentlichkeit und ihre wisienschaftliche Durcharbeitung, Wahrnehmung der Jnter- essen der Arbeiter bei der Besetzung von Stellen und bei der Vermittlung ehrenamtlicher Hilfskräfte für die öffentliche Wohlfahrtspilege, Vertretung der Arbeiterschaft bei den Be- Hörden des Reiches, der Länder und der Selbstverwaltungs- körper, bei Zusammenschlüssen der Wohlfahrtsorganisationen sowie der Zusammenarbeit mit gleichartigen Organisationen. Nachdem die sozialdemokratische Arbeiterschaft sich mit allen möglichen Kulturproblemen: Schule, Bildung, Jugendbewegung organisatorisch befaßte, will sie auch das große Gebiet der allgemeinen Wohlfahr ts- pflege zu durchdringen suchen. Die stete Berührung mit dem sozialen Leben, die Beschäftigung mit der Sozialpolitik und die Mitarbeit in den Sclbstverwaltungskörpern sind ihr Anschauungsunterricht und weisen den Weg. Das Bestl-eben der organisierten Arbeiterschaft, bei sozialen Schäden zur Selbsthilfe zu greifen, ist durchaus nicht neu. Um der großen sozialen Kindernot abzuhelfen, haben z. B. die sozialdemokratischen Frauen in den Großstädten sckion vor dem Kriege Kinderferienwanderungen veranstaltet, mit denen ganze oder teilweise Verpflegung verbunden war. Ihre Kinderschutzkommissionen befaßten sich hauptsächlich mit dem Schutz der Kinder vor sittlicher und körperlicher Verwahr- lnsung, vor gefetzwidriger Ausbeutung bei gewerblicher Arbeit. Diese eigenen Veranstaltungen wurden durch die Not des Krieges unmöglich gemacht. Die Arbeiterftauen mußten bei überlanger Arbeitszeit in der Munitionsindustrie und anders- wo schaffen. Andererseits sind aber gerade in dieser Zeit durch die große soziale Not der Jugend und weiter Volks- schichten getrieben, große Kreils der sozialistischen Männer und Frauen in die allgemeine Wohlfahrtsarbeit hineingekom- men. Die Demokratie hat der Arbeiterschaft rechtmäßig Ar- beitsgebiete erschlossen, zu denen sie früher nur vereinzelt zu- gelassen wurde. Der die Arbeiterschaft auch in dieser Frage beherrschende Leitgedanke ist demnach: nicht nur Objekt, sondern Subjekt der Wohlfahrtspflege wollen wir fein. Die Gründung des 5) a u p t a u s f ch u s f e s für Ar- beiterwohlfahrt geschah am 13. Dezember 1919. Vis beute sind zirka 300 Orts- und?8 Bezirksausschüsse gemeldet. Der Hauptausschuß beschäftigte sich bisber vornehmlich mit der Förderung der Organisation, mit der Sammlung von Mate- rial zu den dazu gehörigen Fragen. Er hat sich den Reichs- und preußischen Behörden angemeldet und ist durch Dclega- tionen in amtlichen und halbamtlichen, in privaten Beran- staltungen und Organisationen vertreten, er fördert auf jede mögliche Weise die Ausbildung von Kräften sür die Wohl- fahrtspflege(für Beruf und ehrenamtliche Mitarbeit) und be- schäftigt sicki mit den schwebenden Problemen unter wissen- schaftlichen Gesichtspunkten und vom prinzipiellen Standpunkt. Es ist ganz besonders gelungen, die Ausbildung von w e i b- lichen sozialen Arbeitskr asten zu fördern. Unter Zusammenarbeit mit dem Reichsministcrium des Innern, den verschiedenen Gewerkschaften und sozialen Frauenschulen sind zirka 120 Arbeiterinnen(nach paritätischer Auswahl) in einem Sonderlehrgang für die soziale Berufsausbildung geschult war- den. Daß man neuerdings von Reichs und Staats wegen Stipendien an ehemalige Volksschüierinnen sür die ordent- lichen Lehrgänge an sozialen Frauenschulen geben will, ist u. a. auch auf die Aktivität des Hauptausschusses für Albeiter- wohlfahrt zurückzuführen. An den Berliner Lehrgängen für Wohlfahrtspflege ist er ebenfalls stark beteiligt. Ein eigener Kursus für Teilnehmer aus dem ganzen Reich wurde vom 25. bis 31. Oktober 1920 abgehalten. In den Bezirken(Pro- vinzen, Ländern) sowie in den größeren Orten finden neben den von amtlichen Stellen geförderten auch eine Reihe von eigenen Kursen statt. Einen weiten Raum in den Diskussionen des Hauptaus- schusies nahm der Gedanke der sozialen Selbsthilfe ein, wie ihn Dr. C a s p a r i im„B o r w ä r t s". Nr. 562 vom H4. November 1920, unter dem Titel„Fremde Wohlfahrt, eigene Würde" behandelt bat. Die'Ausbringung der Mittel für die Wohlfahrtspflege, ganz besonders für Jugend- wohlfahrt durch periodische oder regelmäßige Abführung von Stunden- oder Schichtlöhnen mit und ohne entsprechende Bei- träge der Arbeitgeber begegnet in den Kreistm tet Arbeitet einer starken Sympathie. Jedoch kann der Hauptausschuß der Sache nur propagandistisch und durch Vereinbarung mit den Gewerkschaften dienen, die hierbei ausschlaggebend sind. In den Ortsausschüssen ist die Arbeit je nach den örtlichen Ver- häitnissen, ganz verschieden. Ein umfassendes Bild'aßt sich auf beschränktem Raum nicht geben. Man arbeitet in den Gemeinden mit Ferienwanderungen, stellt Helferinnen für Kindertransporte ins Ausland und bei der Versendung im Inland, ebenso für die Ouäkerspeisungen. Die Ortsausschüsse befolgen den Grundsatz, daß die soziale Gemeinschaft, verkör- pert in der Gemeinde, die Pflicht hat, für ihre Glieder zu sorgen und daß der einzelne als Glied der Gemeinschaft ver- pflichtet ist, nach besten Kräften an der Verfolgung dieses Zieles mitzuwirken. Eine Klärung der Ziele, eine Richtschnur für neues Ar- beiten soll uns unsere Wohlfahrtsbewegung in Görlitz geben. Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt veranstaltet am Donnerstag, den 13. September 1921, in Görlitz, im Restaurant Tivoli seine erste öffentliche Wohlfahrt s- t a g u ng. Tagesordnung: 1. Aufgaben und Ziele der modernen Wohlfahrtspflege. Rednerin: Genossin Helene Simon- Schwelm. 2. Die gesetzlichen Grundlagen und der organisatorische Aufbau de? Wohlfahrtspflege. Referent: Bürgermeistsr Dr. C a s- pari- Brandenburg. 3 Aussprach«. Daran anschließend findet am nächsten Tage, Freitag, den 11. September, im gleichen Lokal die erste beschließende Jahresversammlung statt, in der Genossin Marie I u ch a c z über„Die Erfahrungen der Vergangenheit in der Wohlfahrtsarbeit und ihre Nutzanwendung" spricht. Teilnehmer sind Delegierte aus den Bezirksorganisationen für Slrbeiterwohlfahrt. Gäste aus den Kreisen der organisierten Arbeiter- schaft, die in den verschiedenen Zweigen der Wohlfahrtsarbeit tätig sind, sind zur Teilnahme eingeladen. Anmeldungen werden bis zum 1. September unter der Adresse MarieIuchacz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, erbeten. Teilnehmerkarte wird zugesandt. Der Ordensfimmel ist eine deutsche Krankheit, die sobald nicht I aussterben wird. Vielleicht ergibt sich aber auf dem hier vorge- schlagenen Wege ungewollt die Möglichkeit, ihm zu Leibe zu rücken? Wenn nämlich ein paar Millionen Menschen den IPour le Merite z. SB. auf stolzer Männerbrust tragen, so würde er doch vielleicht für den einzelnen Helden an Wert verlieren. Zur Beschleunigung dieses Prozesses möchten wir vorschlagen, daß die Erlaubnis zum Anlegen sämtlicher Orden und Ehrenzeichen auch auf Greise» Frauen und Säuglinge ausgedehnt wird! Eine kleine Anfrage. „Das Demokratische Deutschland", die bekannte von dem Demo- kraten Bernstorff herausgegebene Wochenschrift, hatte kürzlich be- hauptet, daß sich Stinnes mit den Kommuni st en und die Kommunisten mit Stinnes eingelassen hätten. Das sei auf die origi- nelle Art geschehen, daß die„Rote Fahne" in einer Druckerei her- gestellt wurde, die Eigentum des Herrn Hugo Stinnes gewesen sein soll. Gegenüber einigen Ableugnungen stellt die genannte Wochen- schrift jetzt fest, daß die Firma M o e s e r in Berlin Tochterunter- nehmen der bekannten Firma Brandstetter in Leipzig gewesen sei: Brandstctter gehört zum Stinneskonzern. Die Firma Moefer hat die „Rote Fahne" in Lohnauftrag gedruckt. Mit dem 1. Juli find in diesem Verhältnis einige Aenderungen eingetreten, die Firma Moeser ist eingegangen, ihre Leiter sind in andere Stellungen des Stinnes- konzerns abgewandert und die„Rote Fahne" soll, wie berichtet wird, in einer eigenen Druckerei hergestellt werden. Es verdient doch einige Aufmerksamkeit, was„Das Demokratische Dautschland" fest- stellt. Danach hat Herr Hugo Stinnes monatelang kommunistische Arbeitergroschen in seinen Konzern fließen lassen und die Todfeinde des Kapitals haben nichts Besseres gewußt, als ihre„Rote Fahne" Msgerechnet in einer Druckerei des Herrn Hugo Stinnes herstellen zu lassen. Man sieht, die Weltgeschichte macht auch ihre kleinen Witze. £)ec mit dem Grüen l Der Bundestag der Feldeifenbahner-Kriegsteilnehmer stellte auf seiner DundKtagung den Antrag, die R e i ch s r e g i e r u n g zu er- suchen, für sämtliche Kriegsteilnehmer am Weltkriege 1914/18 ein Kriegsshren zeichen zu stiften. Falls die Kosten hierfür zu hoch fein sollten, wird die Reichsrcgierung gebeten, lediglich die Ausstellung der SBesitzzsugnisse zu veranlassen und die An- schaffiing nach bekannt gegebenem Muster jedem einzelnen Beteilig- ten anHeim zu geben. Dementi unö Heftätigung! München, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Niederschönenfelder Affäre wurde von einem Vertreter des Justizministeriums im Verfassungsausschuß in einer Form behandelt, die dem Ernst der ganzen Angelegenheit direkt Hohn spricht. Der Antrag, einen Untersuchungsausschuß einzu- setzen, wurde gegen die soziali st i s ch en Stimmen abge- lehnt. Der Borstand der Anstalt habe dem Ministerium mitgeteilt, daß die im„Vorwärts" neuerdings enthaltenen Angaben vom ersten bis zum letzten Wort erlogen seien! Folgende Stilprobe zum Beweis der„Ernsthaftigkeit" der Untersuchungstätigkeit:„Die widerspenstigen Gefangenen behaupten, von der Kommunistischen Partei schon längst für Minister- und Kommandanten- p o st e n in Aussicht genommen zu sein und haben ständig Angst, sie könnten vergessen und diese Posten an andere verteilt werden!" Ein soeben aus Viederschonenseld enklaffenee ernster und ruhiger Parteigenosse bestätigt dagegen vollinhaltlich die beiden Berichte des „Vorwärts". „Sprünge im bayerischen Ordnungsblock." München, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Durch die Mitteilungen des„Vorwärts" unter dieser Ueberschrift (Nr. 336) ist die Nervosität der bayerischen Regierung noch mehr gestiegen. In der Gereiztheit, mit der sie in der offiziösen„Staats- zeitung" auf die unter obigem Titel im„Vorwärts" erschienenen Darlegungen eingeht, wirft sie der„Vorwärts"-Berichterstattung Unlauterkeit der Gesinnung und falsche Darstel- lungsweise vor, um dann im wesentlichen alles zu b e st ä t i- gen, was zu dem Artikel Veranlassung gegeben hat. Wenn sie den Konflikt des Abg. Schlittenbauer mit dem Handelsminister Hamm wegen Duldung von Vieh Verschiebungen ableugnet, so möchten wir sie nur bitten, den Bericht des Wirtschaftsausschusses des Landtags vom 14. Juli nachzulesen, um zu sehen, von wem dieser Vorwurf ausgegangen ist und wie er in beteiligten Kreisen gewirkt hat. Vollkommen zu unterschlagen sucht man die Notiz über den Streit zwischen dem Landwirtschastsminister und dem Staatsanwalt, zu deren Erledigung in einer mehrtägigen Be- ratung der Ministerialreferenten selbst die kritiklose Nachsprecherin der Kahr-Politik, nämlich die„Münchener Neuesten Nachrichten", er- klären:„Zu den Angriffen auf den Landwirtschaftsminister wird eine ziemlich gewundene und nichtssagende Crklä- r u n g veröffentlicht," weiter heißt es:„alle anderen Angaben des ltrteils sind aus den Fingern gesogen". Was bleibt dann noch übrig? Etwa die Asußerungen der rechtsradikalen bayerischen Blätter, die der Ministerpräsident ostentativ durch die Landtagsräume trägt? Sollte es der bayerischen Regierung gar so peinlich sein, im Scheinwerferlicht des„Vorwärts" zusammen mit ihren Gesinnungsgenossen vor aller Welt förmlich photographiert zu werden? \.. ,. Zwei Hetz- und Radauversammlungen schlimmster Art, die nur unter der treibhausmäßigen Züchtern der bayerischen„Ordnungs- zustände" vorkommen konnten, brachte, wie uns aus München mit- geteilt wird, der gestrige und vorgestrige Abend, die eine veranstaltet von der national-sozialistjschen Arbeiterpartei, in der die Reichsregie- rung von dem Hauptagitator derartig beschimpft wurde, daß die Versammlungsteilnehmer sich zu tätlichen Drohungen hin- reißen ließen, die zweite mit dem Motto„Heraus mit der Gegenrechnung!", in der unter maßloser Uebertreibung berechtigter Forde- rungen der Reichsregierung nach Möglichkeit Knüppel auf den Weg ihrer Politik geworfen wurden. programm-Diskussion. Breslau, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) In der gestrigen Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Breslau, in der die Delegierten zum Parteitag gewählt wurden, wurden mehrere Entschließungen zur Programm- frage angenommen. Beinahe sämtliche Redner und die mit großer Mehrheit angenommenen Entschließungen erklären den Entwurf der Programmkommission als eine geeignete Grundlage für eine weitere Diskussion der Programmfrage bis zum nächsten Partei- tag. Für Görlitz wird nur die Annahme eines kurzen A k t i o n s- Programms gefordert, das für die Frist von diesem bis zum nächsten Parteitag in Gültigkeit bleiben solle. Das endgültige Pro- gramm müsse enthalten: ein klares Bekenntnis zur Aufgabe der Arbeiterklasse, die kapitalistische Gesellschaft in die sozio- listische zu verwandeln, eine eindeutige Darlegung der von uns gewünschten Wege der S o z i a li s i er u n g und eine Ausführung unserer Forderungen zur Demokratisierung(Beseitigung der Rechte der Militärherrschaft und Belagerungszustandgesotz usw.), die in dem Programmentwurf vermißt wird. Das Ende der pofener Autonomie. Der Beschluß des polnischen Ministerrats vom 9. Juli d. I., die Vereinheitlichung der Verwaltung des ehemals preußischen Teil- gsbiets mit der allgemeinen Staatsverwaltung Polens bis zum 1. September d. I. durchzuführen, wird von der Posener Presse scharf kritisiert. Das führende polnische Blatt in Posen, „K u r j e r P o z n a n s k i", hebt das Verderbliche dieses Beschlusses ausdrücklich hervor und weist auf die katastrophalen Folgen hin, die sich bei Durchführung der Verwaltungsreform in weniger als zwei Monaten ergeben müßten. Das Blatt betont, daß, während in ganz Polen die Verwaltung versage und das Bild eines jämmer- lichen Chaos darbiete, sich allein das ehemalig preußische Teilgebiet dank der übernommenen und sachkundig angepaßten Organisation auf der notwendigen Höhe administrativ-staatlicher Leistungsfähigkeit gehalten habe. Die Aufhebung der Sslbstver- waltung im gegenwärtigen Augenblick fei aber doppelt gewagt, weil Polen im Zeichen des Ueberganges zuin freien Handel stehe. Angesichts dieser Tatfache erscheine die Auflösung der Selbstverwal- tung als geradezu katastrophal. Auch mit Rücksicht darauf, daß das Posener Ministerium zurzeit mit den unaufschiebbaren Maßnahmen für die Herabsetzung der Brotpreise beschäftigt sei, sei dessen Aufhebung oder Liquidierung ein unbegreiflicher Leichtsinn. Zum Schlüsse des Artikels heißt es:„Indem die Regierung Witos alle diese Rücksichten ignorierte, lieferte sie den krassen Beweis, daß ihre Politik und ihre Methoden Polen aus dem SNißgefchick nicht herausführen, sondern es vollends zugrunde richten werden. Es ist patriotische Pflicht, alles zu tun, daß eine solche Re- gierung beseitigt und die Staatsgewalt in fähigere Hände gelegt wird." Selbstmord ewes baperisthen Ministers. In den letzten Tagen wurden in den rechtsstehenden Zeitungen Bayerns mit zunehmender Deutlichkeit Mitteilungen über Münz- fälfchungen gemacht, deren sie den bis vor kurzem im Amt �wefencn Staatssekretär für das Verkehrswesen v. Frauendorffer be- schuldigten. Frauendorffer war nicht nur ein Liebhaber, Kenner und Sammler antiker SNünzen, er hat auch mit einer gewissen Be- rufsleidenfchaft lange Jahre fein Amt als bayerischer Verkehrs- minister, innegehabt. Unter dem altey Regime vor dem Krieg tat er feine Pflicht als Exzellenz und Ritter hoher Orden, er blieb auch unter Eisners Regierung in seinem Fachamt. Jetzt hat er, wie eben gemeldet wird, sich erschossen. Der Wahlprüfungsausschuß der ikaNetiifchen Kammer hat eine Untersuchung wegen der Wahl des Grafen Tvggenburg, dessen Nationalität zweifelhaft fein soll, angeordnet. Toggenburg ist einer der vier deutschen Vertreter Südtirols im italienischen Parlament. Bei der Eröffnung der Session durch den König drohten Fascisten ihn mit Gewalt fernzuhalten, weil er während des Krieges unter den Habsburgern sich als besonders italienerfeindlich gezeigt habe. Darauf verzichteten die vier Südtiroler an der Teilnahme. In Italien ver- urteilte man das Auftreten der fascistifchen Rüpel allgemein. Manchesmal möchte ich... Bon Hans Bauer. Manche«»«! nachte ich einen Roman schreiben, der müßte heißen:„Auf märkischem Sande" und in der„Deutschen Zeitung" erscheinen... Und er müßte überhaupt zum Totlachen sein. Manchesmal möchte ich, daß der Herr Polizeipräsident Poehner in seinen Jugendjahren die Hedwig Courths-Mahler geehelicht hätte. An Ludwig Thomas, Max Bewers und Otto Ernsts hätte Deutsch- land für die nächste Generation dann wahrscheinlich keinen Mangel. Manchesmal möchte ich eine Diele gründen. Darin müßte die Garderobe frei fein, kein Weinzwang bestehen und eine Tasse besten Kaffees für 1,39 M. erhältlich fein. Manchesmal möchte ich, man hätte im Januar 1917 nicht die ersten Kapazitäten, sondern mich blutigen Laien darüber um Rat gefragt, ob man mit 129 U-Booten England werde aushungern könn«. Manchesmal möchte ich, daß solange jede Nacht eine Munitions- fabrik durch Selbstentzündung in die Luft flöge, bis man es für sinnlos hielle, noch welche zu bauen. Manchesmal möchte ich wissen, ob der Name Einstein oder der Name Hindenburg länger im Gedächtnis der Nachwelt lebt. Manchesmal möchte ich die Bibliothek eines ostelbischen Land- rotes durchstöbern dürfen. Manchesmal möchte ich wünschen, Herr Knüppel-Kunze fiele bei einer Veitfahrt ins Wasser und würde von Herrn Moses Mandelse.ife gerettet. Manchesmal möchis ich die Existenz meines ehemaligen Aus- bildungsunteroffiziers auf die kleinen Gaben angewiesen wijjen, die ich ihm reiche. Sonst bin ich aber nicht rachsüchtig. Manchesmal möchte ich, die Stunden meiner Arbeit sausten im Tempo der Aburteilung von Revolutionären dahin und die Stunden bei meinem Liebchen schleppten schwer wie der geregelte Gang eines Prozesses gegen Rechts-Bolschewisten. Manchesmal.... manchesmal: So hat a jeds halt sei Sehnsucht. Das Eintrittsgeld der Vluieen und die schwer schädigenden Wirkungen, die es auf die bildungsbsflisscne Jugend ausübt, bespricht Prost Adolf Erman, der Direktor des Aegyptolo- gifchen Seminars, im neuen Heft der„Berliner Hochfchul- Nachrichten". Zwar habe die Regierung, sagt Erman, den Studenten das Vorrecht eingeräumt, gegen eine Halbjahresgebühr von 19 M. sich fteien Eintritt in die Museen zu verschaffen, aber diese gutgemeinte Bestimviusg treffe nicht den Kern der Uebelstände, weil sie nur an die wenigen Studenten denke, die zu wissenschaftlichen Zwecken die Museen besuchen.„Die w«t»ollsten Besuch« sind ab« die gelegentlichen, d. h. unter den Studenten die, die in einer freien Stunde zwischen zwei Vorlesungen in die benachbarten Museen hinübergehen. Diese eine Stunde fortan mit 2 M. zu be- zahlen, sind sie nicht in der Lage, und sie werden noch weniger bei der allgemeinen Not sich zu solchen gelegentlichen Besuchen eine Semesterkarte zu 19 M. lösen können." Die Studierenden, deren Studium zum Teil in den Museen stattfindet, müssen jetzt zu allem übrigen noch jährlich 29 M. entrichten, nur um von den Türhütern in ihre Arbeitsstätte eingelassen zu werden. Und wer Kunstgeschichte aus persönlichem Interesse betreibt, der wird es sich wohl überlegen, ob er das nach weiter tun kann, da der Staat ihn für feinen Fleiß und seinen Bildungstrieb derartig besteuert. Schließlich weist Erman noch auf einen anscheinend geringfügigen Punkt hin, der unter Umständen aber doch von Wichtigkeit werden kann.„SWer die Museen kennt, weiß, daß es in ihnen nie an Schülern fehlt, die sich bei gelegentlichen Besuchen für irgendein Fach begeistert haben und die nun in jedem schulfteien Augen- blicke wiederkommen, eifrig studieren und oft schon selbständig arbeiten. Aus diesen Berlmer Jungen ist so mancher hervor- gegangen, der später dasselbe Fach in der Wissenschaft vertreten hat. Glaubt man nun wirklich, daß diese armen Schüler, für die es ja nicht einmal Semesterkarten geben wird, weiter noch in die Museen kommen werden??" Das Schlußsrgebnis der Kritik Ermans lauist natürlich:„Das Eintrittsgeld muß wieder aufgehoben werden— und j e eher, desto besser!" Starke Steigerung der literarischen Produktton. Die Produk- tion an Büchern und Zeitschriften hat in Deutschland im- Jahre 1929 gegen die des Jahres 1919 einen Aufschwung genommen, der fast ein Sechstel der ganzen Produktion beträgt. Sic belief sich 1929 auf insgesamt 32 343 neu herausgegebene Werke gegen 26194 im Jahre 1919. Davon waren NeuerfcheU nungen an Büchern 19 978(1919 15 876): neue Auflagen von Büchern 8713 l64Z2). Zeitschriften 4332(3886). Nach der Statistik L. Schönrocks ine„Buchhändler-Bvrfenblatt" stehen darunter an erster Stelle die Werke der schönen Literatur mit 6647(5931). Es folgen Rechts- und Staatswissenfchft mit 4411 (4321), Erziehung und Unterricht 3149(2614), Theologie 2392(1847), Sprach- und Literaturwissenschaft 1726(1954). Heilwissenschaft 1489 (1972), Juaendschriften und Bilderbücher"1431 l1916), Naturwissen- schaft und Mathematik 1345(1138!, Geschichte und Biographie 1393 (966), Haus-, Land- und Forstwissenschaft 989(787), Bau- und In- genieurmissenschaft 989(634). Erdbeschreibung und Karten 913(781), Kunst, Musik und Theater 831(838), allgemeine Bibliographie, Ge- samtwcrke u. a 572(389), Knegswissenschaft 229(311), Studentenwesen und Sport 199(161), Verschiedenes 772(778). Was Bakunln dem Zaren beichkeke. Aus den Geheimarchiven der russischen. Polizei, die seit dem Umsturz schon so viele interessante Dokumente herausgegeben haben, wird jetzt die Veröffentlichung eines„Bekenntnisses Bakunins" angekündigt. Viktor Serge, Moskau, der in das Dokument Einsicht genommen hat, macht schon jetzt einige Mitteilungen daraus. Aach seiner Teilnahme an der revolutionären Bewegung in Rußland, Frankreich und Deutschland(1848 bis 1849) wurde Bakunin zuerst in der Peter-Pauls-Festung, dann in der Schlüssel- bürg eingekerkert und schließlich nach Sibirien verbannt, von wo es ihm erst 1862 zu entkommen gelang. Die Dokumente, die heute dem Geheimarchiv der Polizei entnommen worden find, stammen aus jenen Zeiten des Kerkers und der Verbannung. Der geistige Vater des Anarchismus scheint damals eine moralische Krise durch- gemacht zu haben. Nikolai l. hatte ihm durch den Grafen Orlow vorschlagen lassen,„ihm zu schreiben, wie der geistige Sohn an seinen geistigen Vater schreibt". Der Zar als Haupt der orthodoxen Kirche fühlte sich nämlich als geistiger Bater seiner Untertanen. In dem kleingeschriebenen, vierundncunzig Seiten umfassenden Heft, das in den Dokumenten der III. Sektion des Ministeriums des Innern(Polizeidepartement) gefunden wurde, versucht nun Bakunin, dem Zaren„sein ganzes Leben, all seine Gedanken und Gefühle' darzulegen". Er schreibt:„Ich will Ihnen mein Bekennt- nis ablegen, wie dem geistigen Vater, von dem der Mensch die Ver- gebung seiner Sünden nicht in dieser, aber in der anderen Welt erwartet.. Er bezeichnet seine Handlungen als p h a n t a st i- s ch e Pläne, unbegründete Hoffnungen, verbrecherisches Vorhaben.„Ich war zu gleicher Zeit Betrüger und SBe- trogener: ich habe die anderen und mich selbst genarrt, habe gleichsam die Vernunft meiner Anhänger und die meine ver- gewaltigt... Ich hatte mich selbst in eine unnatürliche, unbegreif- liche Läge versetzt, die mich bisweilen zwang, wider meinen Willen ein C h a r l a t a n zu sein. In mir steckt viel Don-Quichotterie". Die ganze europäische Bewegung, an der er selbst so kräftig teil- genoinmen hat, deucht ihn armselig und eitel.„Ganz Europa lebt von einer Lüge", erklärte er. Die Revolution von 1848 ha: ihm die„Ohnmacht der G e h e i m b ü n d e" bewiesen. Das einzige, dem er wirklich treu bleibt, ist sein Panslowismus. Die sla- wischen Völker sind, verglichen mit den degenerierten Nationen des westlichen Europa, die einzigen, die gesund geblieben, die einzigen geborenen Kommunisten, auch dem Charakter nach. Ihre Gruppie- rrmg vermag eine neue Macht hervorzubringen, ein neues»Reich des Ostens" mit Konstantinopel als Hauptstadt. Es ist leider nicht bekanntgeworden, was Väterchen Nikolai zu diesen Bekenntnissen seines anarchistischen Beichtkindes gesagt hat. Die Kirchenbuße, die er dem reuigen Sünder auferlegte, wird jeden- falls nicht allzuhart gewesen sein. Dr. Ncsttiepke— Leiter des Neuen Volkstheaters. Direktor Heinz G o l d b e r g ttitt mit dem heutigen Tage au' seinen Wunsch von der Leitung des Neuen Volkstheaters zurück. Er ist indessen aufgefordert worden, auch in der kommenden Spielzeit die Inszenierung einzelner Werke zu übernehmen. Für die weitere Leitung des Neuen Bolkstheaters ist von der Voltsbühne E. V., die das Haus seit mehreren Monaten bewirtschaftet, Dr. S. Ne- striepke bestimmt worden. Erftauffüyruugen der Woche. Moni. Theater i» der König- gräher Strasse:„Der dürre Baum".— Dieust. Rtsse-Theater r „Mein Leopold".— Montag, de« I. August. Bolksbühue:„Liebelet". Waffenschiebungen in SaÜen. Dke Verleumdungen gegen den Minister Remmeke. Vor einigen Tagen ging durch die reaktionäre Berliner und auswärtige Presse eine Reihe schwerster Angriffe, die sich sämtlich gegen die Person des badischen Ministers des Innern Genossen R e m m e l e wandten und ihm nichts weniger als Rechtsbeugung, Eingriff in ein schwebendes Verfahren, ver- fassungswidrige Beeinflussung der Staatsanwaltschaft usw. zum Vorwurf machten. Um von dem Stand der Angelegen- heit ein objektives Bild zu erhalten, das gleichzeitig auch einen Einblick in die Treibereien der O r g e s ch in Baden gewährt, haben wir an sachkundiger Stelle Erkundigungen eingezogen und können als Ergebnis die folgenden Mitteilungen machen: Karlsruhe, den 21. Juli 1321. Am 25. Februar d. Js. beschlagnahmte die badische Gendar- merie auf einem Gut des Grafen v. B o d m a n am Bodensee 1130 Jnfanteriegewehre, 9 Maschinengewehre und 20 VW Schuß Munition. Studenten aus Freiburg und Stuttgart, ehemalige junge Offiziere, hatten diese Waffen aus Württemberg nach Baden gebracht. Die gerichtliche Verfolgung der Uebeltäter, von welchen zwei längere Zeit wegen Flucht nicht zu erreichen waren, steht noch aus. Am IS. Mai d. Js. wurden auf dem Bahnhofe zu Öfter- b u r k e n 300 Gewehre beschlagnahmt. Am 28. Mai d. Js. in einer alten, nicht mehr zu kirchlichen Zwecken benützten Kilianskapelle zu Osterburken 1000 Gewehre, und endlich wurden am 4. Juni d. Js. auf einem Gut Seligenthal bei Osterburken eine erheb- liche Anzahl Maschinengewehre und Jnfanteriegewehre bcschlag- nahmt.(30 Maschinengewehre und 1200 Jnfanteriegewehre.) Sämtliche Waffen sind nachweisbar aus Württem- berg nach Baden gebracht worden. An der Waffenschiebung beteiligt sind Studenten, die sich zur Württemberger Eisen- bahnerwehr zählen und ehemalige Militärs. Die gerichtliche Verfolgung geht nur schleppend vor sich, worüber später einmal ernstlich zu reden sein wird. Mit der Argumentation, es handle sich hierbei um Militärwaffen, glaubte das Oberlandes- g e r i ch t alle in dieser Sache erfolgten Verhaftungen aufheben zu sollen. Die Personen, welche für die Unterbringung der Waffen verantwortlich sind, hatten gefälschte Militärpapiere in �Besitz. Die Waffenschieber haben es mit der Behauptung, die 'Waffen müßten vor der Vernichtung durch den Entwaffnungs- kommisfar gerettet werden, sogar fertiggebracht, daß die bäuer- liche Bevölkerung im badischen Hinterland gegen diejenigen Ar- b e i t e r, durch deren Aufmerksamkeit die Waffenverschiebungen den Polizeibehörden bekannt wurden, einen schweren Boykott führt; die Waffenschieber hätten im vaterländischen Interesse ge- handelt, während chie Arbeiter Landesverrat begangen hätten! Die Seele dieser Treibereien ist ein Hauptmann a. D. Damm, der im Jahre 1913 den militärischen Dienst quittierte, um sich in Südamerika als Landwirt zu betätigen. Damm war der Polizei schon länger als ein Org esch-M an n verdächtig. Ver- fchiedene Nachforschungen nach dessen Tätigkeit blieben bis zum 4. Juni ergebnislos. Im Zusammenhang mit den Waffenfunden war er verhaftet gewesen. Seiner Haftbeschwerde würde am 3. Juni stattgegeben. An diesem Tag gelang es jedoch in Heidelberg ein bis dahin geheim geführt- Bureau der Efcherich-Organisakion aufzudecken. Die badische Regierung hatte die Escherich-Organisa- rion als unerlaubt angesehen; von ihrem Pestaud in Baden war der Regierung keine Meldung gemacht worden. Im Geheimen wurde für sie geworben; auch die Versammlungen, die im Novem- der des letzten Jahres General von W�atter in Karlsruhe und in Heidelberg für die Escherich-Organifation abgehalten hat, waren streng geheim durchgeführt worden. Hätte die Regierung Fehrenbach nicht jenes Verbot gegen Polizeisclbstschutzorgani- tioncn aufgehoben, dann wäre die Rechtslage für eine Strai- � Verfolgung glatt gegeben. So kommt nur der§ 128 des RStrGB. in Betracht, um so mehr, als die Drahtzieher des Cscherich-Selbst- schutzes in Baden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Geld- sammiungen und Werbungen durchführten. Naiven Wen- schen gegenüber tat man so, als ob es sich für einen Schutzverband für die Technische N o t h i l f e handele! Durch die Beschlagnahme der Bureauakten in Heidelberg wurden die Fäden der Escherich-Organisation stl Baden völlig aufaedeckt. In Karlsruhe befand sich die Landes- leitung mit einem Major a. D. Alfred Krautze an der Spitze. Ein Hauptmann a. D. Otto.Hang war zweiter und ein Leutnant a.D. Hans Thümmel dritter Stabsleiter. Diese drei Balti- r u m e r entzogen sich einer in Aussicht stehenden Untersuchungshaft durch Flucht. Für Baden-Nord war eine Gruppenleitung in Heidelberg mit dem bereits genannten Hauptmann a. D. Damm atv der Spitze. Zwei ehemalige junge Leutnants waren seine Gehilfen. Für Baden-Mitte war eine Gruppenleitung in Karlsruhe. Auch die war mit drei ehemaligen Offizieren als Werbungs- beamten besetzt. Für Baden-Süd befand sich die Gruppenleitung in Fr ei bürg. Auch hier waren drei ehemalige Offiziere angestellt. Wer diese Organisation näher kennen gelernt hat, kann über ihren fiir die Republik gefährlichen Charakter keinen Augenblick im Zweifel sein. Sie rühmt sich, bei den k o m m u n i st i s ch e n P a r- t e i e n ihre Spitzel zu haben, und aus den hierüber nach der Zentrale in München geschickten Berichten geht hervor, daß dies in der Tat der Fall gewesen sein muß. Es geht aus ihnen aber auch hervor, daß die Leute es mit der Wahrheit recht wenig genau nehmen, wie insbesondere der von ihnen geführte Pressefeldzug gegen den badischen Innenminister beweist. Das derzeitige Reichskabinett hat ja erfreulicherweise mit der Escherich-Organifation Schluß gemacht. Im Laufe der Zeit wird sich auch noch herausstellen, wie nötig das gewesen war, denn an Waffenverschiebungen, über die ja immer wieder neue Meldungen erscheinen, sind die militärischen Abenteurer immer aufs neue de- teiligt. Mit der Behauptung der Orgeschleute, nur gegen die K o m- m u n i st e n kämpfen zu wollen und nichts gegen die Republik zu tun, läßt sich leider immer noch bei einem Teil der Richter Ein- druck schinden. Was die deutschnationale Prefle nun über den„Eingriff desBadischen3nnenministers"indie Rechtspflege schreibt, ist direkt unwahr. Eine förmliche Anfrage der Deutschnationalen im Badischen Landtag kommt demnächst zur Verhandlung, wobei sich dann herausstellen wird, was in den Kreisen der deutschnatiqnalen badischen Richter an Behaupwngen gegen� den Innenminister herumgeht. In den Kreisen des Großkapitals, durch welche die Orgefch in Baden finanziert wurde, soll über die Aufdeckung und das neuerliche Verbot der Escherich-Organifation großer Unmut herrschen. Es wird behauptet, für diese Zwecke seien ganz er- hobliche Mittel zusammengebettelt worden, was schon daraus hervorgeht, daß man etwa 13 Personen mit Monats- gehältern von 1200 bis 2000 M. für die Escherich-Organi- fation eingestellt hatte. In dem Kampf der deutschnationalen Presse gegen das badische Innenministerium findet diese lewer auch von einem Teil der badischen Justiz in einem Umfange Unter- stützung, der nachgerade lästig zu werden anfängt. Die Feinde der Republik hätten allen Anlaß, mit ihren weiteren Angriffen bis zu der endgültigen Klarstellung durch den badischen Land- k a g zu warten.__ Exkaiser Karl befindet sich, entgegen anderslautenden Gerüchten in der ausländischen Presse, noch immer in Hertenstein bei Luzern. Auf Erkundigung bei der schweizerischen Regierung ist der britischen Regierung mitgeteilt morden, daß die strenge Bewachung des früheren Kaisers Karl aufrechterhalten wird. OroWaM Die Hüter öer Staöt Derlin. Vertreter der Presse auf den städtischen Rieselgütern. Einer Einladung der Stadwertretung folgend haben die Ver- treter der Berliner Presse die im Norden belegenen Riefelgüter „L i n b e n h o f" und„H o b r e ch t s f e l d e" am Freitag einer Be- sichtigung unterzogen. Sie wurden hierbei vom Stadtrat K o b l e n- z e r und dem städtischen Güterdiroktor Ruths geführt. Auf dem Wegs nach„Lindenhof" wurden zunächst die Kläranlagen und das große Pumpwerk in Augenschein genommen. Dann fand die Besichtigung des Guts- Hofes statt, bei der auf diesem betriebene Schweinezucht lebhaftes Interesse erregte. Wie vom Direktor Ruths mitgeteilt wurde, bleibt das Borstenvieh Tag und Nacht im Freien. Zur Fütterung werden auch die Speifcnabsälle aus den städtischen Anstalten Berlins vor- teilhaft verwendet. Auch die Schafzucht wird in„Lindenhof" erfolg- reich betrieben. Es ist gelungen, schöne Tiere, die einen bedeutenden Ertrag durch ihre Wolle bringen, zu züchten. Die für ständige Gutsarbeiter vorhandenen Wohnhäuser sind recht gut gebaut. Die Wohnungen bestehen aus 2 Stuben, einer größeren und einer kleineren, sowie einem Keller und Bodenraum. Zu jeder Wohnung gehört auch ein Stall, der Schweinen, Ziegen oder dem Geflügel zum Aufenthalt dient. Die für den Aufenthalt nichtständiger Arbeiter und Arbeiterinnen zur Verfügung ge- stellten Räumlichkeiten können als gänzlich einwandfrei nicht bozeich- net werden. Es trifft dies allerdings mehr auf die innere Aus- stattung als auf die Räume selbst zu. Die Strohsäcke waren zer- rissen und unsauber, und auch die Schlafdecken zum Teil unrein und entzwei. Auch der Fußboden zeigte Mangel an Sauberkeit auf. Hier Abhilfe zu schaffen, ist eine dringende Aufgabe für die Guts- Verwaltung. „Hobrechisfelde" macht mit feinen Baulichkeiten, feinem großen Getreidespeicher und allen sonstigen der Wirtschaft dienenden Anlagen einen vorzuglichen Eindruck. Das Gut weift einen Bestand von 204 Milchkühen auf. Eine über dem Stand jeder Kuh angebrachte Tafel gibt die täglich von dieser erzielten Milchmenge an. Die Aufstallung geschieht nach dem sehr hygienischen holländischen System. Hinter jeder Viehreihe befindet sich eine Vertiefung, in die der Kot fällt, so daß die Kühe sich nicht in ihrem eigenen Kot beim Niederlegen besudeln können. Hierdurch und durch die Aufbindung des Schwanzes gestaltet sich die Milchgewinnung hygienischer, indem die Verschmutzung beim Melken wesentlich vermindert wird. Durch die auf dem Gut eingerichtete Schlächterei mit Kühlhaus werden die vielen Anstalten Berlins mit frischem Fleisch versorgt. Das Gut hat auch eigene Reparaturwerkstätten. In dem großen Getreidespeicher können 2000 Zentner gelagert werden. Nach den Mitteilungen des städtischen Güterdirektors haben die Güter der Stadt insgesamt einen Umfang von Z8 0S0 Hektar (1 Hektar— zirka 4 Morgen). Von dieser Landfläche entfallen rund 1? 730 Hektar auf Alt-Berlin und 10 230 Hektar auf die hinzugekom- mcncn Vorortgüter. Aptiert sind von der Gesamtfläche rund 11 300 Hektar, davon Alt-Berlin 8300, Vorortgüter 3000. Von diesen sind in Selbstbewirtschaftung 3300 Hektar, verpachtet 6000. Von den 16 800 Hektar Raturland sind 3300 kleinere Waldparzellen auf den Gütern, 8300 Acker und Wiesen und 2800 Wege, Gräben und Un- land. Von den 8300 Hektar Acker und Wiesen sind verpachtet rund 2300 Hektar, so daß noch rund 6000 Hektar in eigener Bewirtschaftung sind. Im ganzen sind somit 3000 Hektar Raturacker, 1000 Natur- wicsen, 5500 Rieselland, insgesamt: 11 500 Hektar in eigener Bewirt- schaftung. Auf den Gütern werden gehalten: rund 1000 Pferde, 200 Maultiere, 600 Zugochsen, 2000 Milchkühe, 1000 Stück Jungvieh, 4000 Mutterschafe mit 4000 Jungfchafen und Lämmern, 300 Zuchtsauen, 500 Mastschweine, dazu die Ferkel. Die Güter werden in acht großen Administrationen von 8000 bis 10 000 Morgen bewirtschaftet. Ihnen steht je ein Administrator vor, dem noch 2 bis 4 Inspektoren unterstellt sind. Weiter sind noch 17 Einzelgüter vorhanden von 1500 bis 4000 Morgen. Im ganzen sind an Beamten und Anqestellten erforderlich 8 Administratoren, 17 Oberinspektoren, 50 Inspektoren und 80 Maier. An Arbeitern sind rund 5000 tätig, davon sind zwei Drittel Deputanten, ein Drittel bezieht Barlohn. Von Berliner Erwerbslosen werden zurzeit zirka 600 Personen auf den Gütern beschäftiat. Der finanzielle Ertrag der Güter wird für dieses Jahr auf 600 000 Mark berechnet. In einer kurzen Ansprache erklärte Stadtrat Koblenzer, der städkischa Guisnrbeiker stehe keineswegs schlechker als der gewerbliche Arbeiter in der Stadt. Freilich komme auch der Arbeiter auf dem Lande heute nicht aus, aber man müsse sich doch fragen, ob der Betrieb höhere Lohnausgaben tragen könne. Was die Verträge mit den höheren Gutsbeamten anbetreffe, so dürfe nicht übersehen werden, daß zur Zeit des Abschlusses der Wert von Depu- taten nicht so hoch geschätzt wurde als heute. Wo eine Acnderung erforderlich fei, werde diese bewirkt werden. Den Beschluß der Besichtigung bildete ein Besuch der in Ho- brechtsfelde befindlichen Arbeiterwohnungen. Von den in den Räumen für Schnitter untergebrachten unständigen Arbeitern wurde sehr über Wanzen geklagt. Güterdirektor Ruths versprach, durch Renovierung Abbilfe zu schaffen.— Ferner wurde von einem unständigen Arbeiter über schlechtes Ellen in der Kantine Beschwerde geführt. Der Wirt erklärte, für 3 M. nichts Besseres liefern zu können. Auch darüber wurde Klage geführt, daß die bewilligte Lohn- zutage bisber noch nicht ausgezahlt worden fei. Die hierfür zu- ständigen Stadtvertreter würden gewiß grck daran tun, für die Aus- zahlung der gewährten Zulage baldigst Vorsorge zu tragen. Es befremdete, wm wir nicht oerhehlen wollen, daß an der Ve- sichtigungsfahrt kein Mitglied des Betriebsrats �teilnahm, das schließ- lich ebensogut wie der Güterdirektor bei bestimmten Anlässen zur Uuskunft hätte zur Verfügung stehen müssen. Ersinöer unö Heiratsjchwinöler. Ein gewerbsmäßiger Heiratsschwindler, der eine ganze Reih» -Berlinerinnen um zum Teil erhebliche Betrage Pefchädigt hat, wurde gestern unschädlich gemacht. Es handelt sich um einen 23 Jahre alten Schlosser Erwin Henfel, der sich als Ingenieur und Erfinder ausgab. Damen, deren Bekanntschaften er machte, erzählte er, nach- dem er sie durch Heiratsversprechungen an� sich gefesselt hatte, daß er eine Erfindung gemacht habe, deren Ausbeutung ihm hohe Sum- men bringen würde. Natürlich befand er sich zurzeit wie alle Er- finder in Geldverlegenheiten, und daraus halfen ihm die Damen immer gern aus. Wenn die lohnende Erfindung nicht allein zog, so sprach er auch noch von einer großen Erbschaft, die er gemacht habe, aber noch nicht zur Auszahlung gelangt fei. Gefälschte Nota- riatsakten und andere Papiere legte er zur_ Bekräftigung seiner Aussagen bereitwilligst vor. Er begnügte sich nicht damit, der „Braut" abzunehmen, was diese besaß, sondern borgte auch deren Angehörige und Bekannten um ganz erhebliche Summen an. Wenn er dann alle genügend gerupft hatte, verschwand er. Gestern wollte es der Zufall, daß eine„betrogene Braut" ihn in Begleitung einer anderen Dame sah, die noch gar nicht wußte, daß sie einem Schwind- ler ihr Vertrauen geschenkt hatte. Zu ihrer Ueberraschunq ließ die Betrogene ihn von ihrem Arme weg fe st nehmen. Bei einsr Durchsuchung der Wohnung des Gauners wurden viele Brief- schaften gefunden, aus denen allein 10„Bräute" festgestellt werden konnten, die dem Schwindler ins Garn gegangen waren. Zur voll- ständigen Aufklärung seines Treibens ist es erwünscht, daß sich weitere Geschädigte bei der Dienststelle L II, 2, Zimmer 134, des l Berliner Polizeipräsidiums melden. Polizeiliche Schliessnng der„Wilde» Kilmbörse". Durch eine Verfügung des Polizeipräsidenten Richter ist Nun» mehr die„Wilde Filmbörse" im Cafe Colosseum, die vom Interessen- verband der Hilfsregisseure ins Leben gerufen war, geschlossen und den Unternehmern die Weiterführuug des Betribbes, ebenso wie dem Wirt des Cafes die Hergabe feines Lokals zu diesen Zwecken unter Androhung polizeilicher Maßnahmen untersagt, worden. Der Polizei- Präsident begründet die Verfügung mit dem Hinweis, daß die „Colosseum-Börse" eine gewerbsmäßige Stsl/envermittlung darstelle, für die die vorgeschriebene behördliche Genehmigung nicht erteilt morden sei und auch nicht erteilt werden könne.' Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Filmindustrie haben ihren Bedarf an Arbeits- kräften lediglich in der allein anerkannten städtischen Filmbörse im „Clou" zu decken. Kinderpflegeausstellung im Auguste-Viktoria-Hans. Die heißen Tage, die großg Gefahr für die Säuglinge in sich bergen, haben das Kaiserin-2Uiguste-Viktoria-Haus, Charlottenburg (am Bahnhof Westend), veranlaßt, seine Wanderausstellung„Mutter und Kind" im Saale der Anstalt dem Publikum zur Besichtigung zu» gänglich zu machen. In der Ausstellung wird an Hand von leicht ver- ständlichen Bildern, Photographien, Modellen und Wachsnachbüdun- gen hauptsächlich eine zweckmäßige Pfleg« und Ernährung des Kindes von der Geburt bis zum schulpflichtigen Alter dargestellt. Die Ausstellung ist von Sonnabend, den 23. Juli, an bis Donnerstag, den 11. August, täglich von 4 bis 7 Uhr geöffnet, ßjs findeir täglich Führungen durch die Ausstellung statt. Jugendliche unter 16 Jahren haben keinen Zutritt. Gebete für S. 2R. Wie wir vor einigen Tagen mitteilten, wird im Dom zu Stendal noch immer wie in den alten Tagen dort um das Seelenheil des Flüchtlings von Doorn gebetet. Aber man braucht gar nicht so weit zu gehen. Wie uns ein Leser unseres Blattes mitteilt, geschieht das auch jeden Sonntag in der Martha- k i r ch e, G l o g a u e r St r. 22. Auch sonst scheint man dort noch die alten Herrlichkeiten anzubeten. Erst vor kurzer Zeit wurden im Konfirmandensaal zwei Bilder des früheren Kaiscrpaares aufgehängt. Freies Baden für die Schuljugend. Den Schülern und Schülerinnen oller L i ch t e n.b e r g e r, F r i e d r i ch s f,e l d er und Karlshorst er Schulen steht der Besuch des Rummels- burger Seebades während der Sommcrferien in der Zeit von 8 bis 12 Uhr vormittags kostenlos frei. Badekartcn werden im Stadthaus, Lichtenberg, Türrschmidtstr. 25, Zimmer 67 und in der Baracke 2, Zimmer 21, Rathausstraße, während der Zeit von 8 bis 3 Uhr werktäglich ausgegeben. Die Schüler und Schülerinnen der Schulen von Biesdorf, Kaulsdorf und M a h l s d o r f können das Pöckelsche Bad in Kaulsdorf an der Wernerstraße während der Sommerferien in der Zeit von 8 bis 12 Uhr vor- mittags kostenlos benutzen. Raubüberfall auf der Landstraße. Ueberfallen, ausgeplündert, fc'ner Barschaft und seines Fuhrwerkes beraubt wurde gestern nach- Mittag der Rechnungsführer Ruoff aus Perkowitz bei Nauen. Der r�nrt befand sich mit einem zweispännigen Wagen auf der Chaussee Perkowitz— Bredow, als plötzlich zwei. unbekannte Männer den Pferden in die Zügel fielen und den Rechnungsführer zwangen, an- zuhalten. Unter Vorhalten einbs Revolvers zwangen sie ihn, vom Wagen zu steigen und ihnen eins Aktentasche auszuhändigen, die 8800 M. Lohngelder enthielt. Die Räuber bestiegen dann selbst das Fuhrwerk und jagten davon. Wahrscheinlich sind die Landstraßen- räuber damit nach Berlin gefahren, um es hier zu Geld zu machen. Sechs Schreibmaschinen wurden gestern aus der Fortbildungs- schule der Gemeinde Zehlendorf in der Kaiserstr. 9 gestohlen. Die Diebe müssen sich zu ihrer Fortschaffung eines Automobils be- dient hoben. Räch Unterschlagung von 80 969?N. flüchtig geworden ist zum Nachteil der Anilinfirma in der Lohmühlenstr. 36 der 29 Jahre yAe Kaufmann Walter Löffel, der. zuletzt in. der Reichenberger Str. 178 wohnte. Löffel, der bei der Fabrik beschäftigt war, hat sich dadurch in den Besitz des Geldes gesetzt, oaß er verschiedene Beträge, soweit bis jetzt feststeht zusammen 80 000 M., an verschiedene Vankstellen überwies und dann für sich abhob. Der Student Cdy Krüger, der den von uns berichteten Raub- Überfall auf die Wi.we Schin verübte, hat gestern Selbstmord be- gangen. Sozialhygienische Selbsthilfe. Die Orkskrankenkasie für Adlers- Hof und Umgegend hat in Riederfchreiberhau im Riesengebirge ein Grundstück mit Haus erworben. Das Haus soll als Erholungs- und Genesungsheim für die Kassenmitglisder dienen. Botanische Sonntagswandervngen. Die Volkshochschule Groß- Berlin veranstaltet während der Ferienmonate vier botanische Man- derungen unter fachmännischer Führung. Die erste Wanderung findet am kommenden Sonntag(24. Juli) statt, Ziel: Michendorf (Strecke Beelitz-Heilstätten). Abfahrt: 6.30 Uhr früh vom Bahnhof Charlottenburg. Hennigsdorf. Die Ausgabe der Zuckerkarten für den SRcrncck August findet am'Mittwoch, den 27. und Donnerstag, den 28. Juli 192t ini Rat- haus, Zimmer 13, statt. Das Wetter für morgen. EtwaS kühler, zeitweise aujklaiend, jedoch überwiegend bewölkt, Mit wiederholte» Regensällen und irischen westlichen Winden. �ugenöveranftaltungen. Heule, Sonabend, den 23. 3«U: Eine StaJitctctlonfctcnj findet abends Uhr im gcniralingcttdheint, 2in- densti. 3, 2. Hof, statt. Tagesordnnug wichtig. Morgen, Sonkkag, den 24, 3uli: Norden. Wanderung: Melchow— Schwarzer See, Treffpunkt'47 Uhr Bahn- £lof Gesundbrunnen, Glazeingang.— Sw-jncberg I. Wanderung: Bernau L-conitzse-, Treffpunkt K Uhr Kmfer-Wilhelm.Platz.- Schöneverg II. Bande. rung: Pa etzer Vordersee, Treffpunkt V26 Uhr Rachaus. Arbeitersport. treten Turnertttiatr nceuioun>T>r:A aus oen diesjährigen Meisler B- F.--- Spielbeginn der 1. Mannfch. um 5 Uhr, I d-Mannsch. um 3 Uhr, I, Iugendmannlch. um Ve2 Uhr._____ Theotee öer Woche. Vom Ä4. Int, bis 31. Juli. Wolksbühne: Der Kaiferjäger.— Opernhaus: Die Strohwitwe.— Deutsches Theater: Potasch und Perlmutter.— Kammersxiele: Der Herr, der die Mam- schelle kriegt.— Theater in der Königgrätzer Straße: 24. u. 26. Die Kreuzil- fchreiber. 2b. u. Sl>. Der dürre Baum. 27. Das Gnadenbild. 28. Glaube und Heimat. 20. Der G'wissenswurm. 31. Abschiedsoorstellung: Her Weibsteufel,-n- Deiitfches Opernhaus: Geschlossen.— Schiller-Theater: Weine Frau, das Frau- lein.— Großes Schauspielhaus: Die Weber. Täglich. Deutsches Künstler-Theater: Der Herr Verteidiger.— Kowo- diendans: Der blonde Engel.— Berliner Theater: Das Willlarden-Souper. Kleines Schauspielhaus: Reigen.— Trianon-Theatei: Ladp D-indermercs Fächer.- Ressdenz-Theater: 1919(Ab dafür).- Z-ntral-Theater: Ilwika.- Theater in der Kommandantcnstraße! Die Diclenhcre.— ssric drich-W i,|cl i". 1 städtisches Theater: Die Kleine aus der Hölle.— Komische Oper: Der Nd,.e : Bauer.— Ntcttopol-Theaier: Die blaue Mazur.— Reucs Operet-cn-�heatcr. , American-Girl.- Thalia-Theatcr: Wascottchen.- Theater am.Nouend-rs. platz: Der Vetter aus Dingsda.— Theater des Weft-ns: Immer wieder — Kleines Theater: Casanova» Sohn.— Wallner-Theater- gigeunerliehe. W-lhalla-Theoter: Die Sch-idung-reise.-r Rose-Theater: Der arme Millionär. !— Lnisen-The-t-r! Tagebuch einer Verlorenen.— Ä ' zesssn vom Nil.— Admiral-p-l-st: 24., 26.. 23. u. 30. Abrakadabra. 2j„ 27.,_ 29. u. 31. Die roten Schuhe. �.. ni~" | Rachmittaqsvorftellungen. VfiKsbuhue: 89. u. ol,(£a.ö|w?cja l'rustieana. Bajazzo.— SSMer-Theater: 24., Ein �r�tn��icr7 94 /r Sl! Theater: 24. u. 31. Lady Windevmeres Fächer.—— Die Freunde.— Theater des Westens: 24. u. 31. JD: au stc e : Kleines Theater! 24. ll. 31. Eaianovas Sohn.— Luisen Theater. 24. u. 81. R»; l kSppchen. KeweMkastsbewegung �tStaUardeiter, hört! Äm Nachstehenden bringen wir einige Auszüge aus Briefen, Sie zwar nicht für uns bestimmt waren, uns aber doch erreichten. 1.„Etwas Interessantes haben wir festgestellt. Noch der Revo- tution jagte man die Angestellten in den Fabriken fort und arbeitete allein, und siehe da, es ging nicht. Nun fetzt« die Gewerkschaft irn Einverständnis mit der betreffenden Regierungsstelle die»Fabrik- komitees ein. Allerdings auf sechs Monate. Dabei haben die Arbeiter des Betriebes nichts mehr zu sagen. Wohl können sie sich beschweren. Der Erfolg ist aber gering. Die Fabrik- komitees haben sehr viel von ihrem Recht abgeben müssen, well eben gearbeitet werden mutz. Die Diktatur richtet sich recht oft gegen die Arbeiter und muß es. Um die Arbeit produktiver zu gestalten, hat man neben dem Lohn Prämien eingeführt." 2.„Hier fand der internationale Kongreß statt. Du wirst wohl erfahren haben, welche Bedingungen der USPD. für ihren Eintritt gestellt wurden. Hauptbedingungen sind: Namensänderung: KPD. Besetzung des Zentraloorstandes und Redaktion mit KPD. Dann dürfen wir uns verschmelzen, himmelsarramenl, ich gehe nicht nach kiansssat Dann hat man auch eine gewerkschaftliche Internatio- nale geschaffen. Die deutschen Syndikalisten sind schon angeschlossen. Das wird schöne Auseinandersetzungen geben." 3.„Daß man uns im Auswärtigen Amt nicht einmal die Hand reichte, läßt man noch hingehen, aber hört folgendes: Unser Begleiter führte uns im Hause der Gewerbschaften die Breppe hinauf. Auf der Fensterbank fitzen drei Männer. Der Begleiter wechselt einige Worte und sagt uns eine Treppe höher:„Das war Tomsky, der Vorsitzende der Allrussischen Gewerkschaften. Er kann Euch auf der Treppe nicht empfange» und er kann Euch äugen- blicklich ja doch keine Wohnung besorgen, das macht der internatio- nale Sekretär." Wir waren platt— der Mann weiß, wer wir find, begrüßt uns nicht!" 4.„Gleich bei unserem Cintrefftn hatten wir erfahren, daß der größere Teil der vor einigen Wochen hierher Ausgewanderten wieder nach Deutschland zurück will. Der Grund liegt tri der fabel- hast schlechte» Ernährung. Morgens Brot und Tee, mittags Kohl oder Gemüsesuppe— Brot und Kasch«— also Grütze. Fett so gut wie gar nicht. Monatlich ein Pfund Zucker. Brot und Suppe ist ausreichend. Letztere soll monatlich sechs Pfund Fleisch oder Fisch (Heringe) enthalten. Rachprüfung ist unmöglich, da das Essen in Gemeinschaftsküchen hergestellt wird.— Monatlich werden dann noch Zigaretten, Zbü bis 200, verabfolgt. Die Spsifemengen gellen für acht Stunden Arbeitszeit. Will inan mehr essen, muß man l ä n g e r a r b e i t e n. Zu diesem Zwecke ist ein Prämie-isystem eingeführt. Wer ein halbes Pfund Brot mehr haben will täglich, muß zwei Siunden länger, also zehn Stunden, und wer sonstige Sachen als Prämie haben will, z. P. Zucker. Obst und dergleichen, der muß bis zwölf Stunden schaffen." Diese Briefstellen stammen nicht von Menschewisten, nicht von Sozialoerrätern, nicht von gelben Eewerkschaftsbonzen, sie stammen aus der Feder waschechter Kommunisten, die damals allerdings noch Unabhängige waren. Die unter 1 und 2 angeführten Zitate schrieb der Kommunist Schumacher vom Bekteidungs- arbeiterverband am 6. September 1920 aus Moskau, und die anderen beiden Zitate haben wir einem Moskauer Brief vom 1. Sep- tember 1S20 entnommen, der von Rusch, Schumacher und Czerny unterschrieben ist. Alle diese Leute sind längst nach Canossa gegangen und erwarten, daß ihr morgen ebensalls diesen Büß- gang antretet. Ueberlegt euch das vorher! Lest nochmals ausmerk- sam diese Urteile von Kommunisten aus dem kommunistischen Para- dies Rußland. Dann'werdet ihr aus innerster Ueberzeu- g u n g und nicht wie Schumacher mit schlechrgsspielter Posse aus- rufen: Wir gehen nicht nach Canossa! Wir wählen nicht die kornnrn- niskischs Bonzenlisle! Wir verzichten auf das komy:unisiische Para- dies nach dem rnffüchen Muster! Wir wählen die Liste A! Severmg, Graör-auer unö ö&eVersKmmiimgsfrsiheit. 3m Redaktionsstab der„Freiheit" scheint seit einiger Zeit ein Ferienredakteur sein Unwesen zu treiben, der unter allen Umständen glaubt, den guten Ruf bekannter Sozialdemokraten bei den Arbeitern in Mißkredit zu bringen. Erst gestern abend sahen wir uns veranlaßt, eine völlig aus der Luft ge- griff en e Notiz der„Freiheit" über Noskes Stellung zum Land- arbeitcrstreik in Khedin richtigzustellen, wovon die„Freiheit" heute morgen merkwürdigerweise keine Notiz genommen hat, trotz un- seres Appells an ihren journalistischen Anstand. Dafür aber hat sie aus einer anderen Blüte Honig gesaugt. Sie benutzt die von uns am Mittwoch abend veröffentlichte Notiz: „Ein Angriff auf die Berfammlungsfreiheit", um sich an unseren Genossen S e v e r i n g und Gradnauer zu reiben. Sie behauptete, daß diese beiden Sozialdemokraten die Un- geheuerlichkcit decken, die in der Hetze der Schupo aus die Ge- werkschaftsoersammlungen liegt. Wenn die„Freiheit" sich einbildet, wieder einmal einen fetten Braten erwischt zu haben, um uns und unseren Genossen eins auszuwischen, so hat sie sich diesmal erst recht indieNesselngesetzt. f Genosse S e o e r i n g kann den Osnabrücker Vorgang, der am 11. 3 u l l spielte, nicht decken, weil er, was auch die„Freiheit" weiß, seit März nicht mehr Minister ist. Außerdem hat � Severing sich immer wieder bemüht, den Reichsminister des 3nnern; Koch zur Regelung der Frage der Nachtversammlungen der Gast-' wirtsgehilsen zu bewegen. Leider war das ohne Erfolg. Die„Frei- heit" müßte also ihren Zorn gegen diesen bürgerlichen Minister richten, aber entweder befriedigt sie das nicht oder es trägt ihr nicht den gewünschten Erfolg ein, und darum muß der S o z i a l- s den 3ndustriellen d e m o k r a t Gradnauer die Prügel einstecken, die Koch verdient■ Ergebnis geführt. hat. Unser Genosse Gradnauer aber wird die Osnabrücker Vorgänge nicht decken, sondern Abhilfe schaffen, des kann die„Freiheit" ge- miß fein. Ihrem Ferienredakteur empfehlen wir, in Zukunft etwas vor- sichtiger in seinen Angriffen aus sozialistische Minister zu sein. Er könnte sonst noch verschiedentlich sein Blatt blamieren, was absolur nicht mehr notwendig ist. Oder will die„Freiheit" durch solche Polsmiken und Meldungen, die jeder Grundlage entbehren, die Einigung des Proletariats fördern? Dann ist sie auf dem richtigen Wege! und der Arbeiterschaft haben bisher zu keinem Von kleineren Ausschreitungen in Lodz abge- sehen, verttef der Streik bisher ziemlich ruhig. Die Arbeiterschaft fordert angesichts der steigenden Teuerung und Geldentwertung eine Lohnzulage von 120 Proz., während die Arbeitgeber nur eine solche von IS Proz. zugestehen wollten. Die graphischen Hilfsarbeiter zum Schiedsspruch. Ems Niederlage der Kommunisten. In der Mitgliederversammlung des Verbandes der graphi- fchen Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen, die Freitag tagte, berichtete Grohmonn zunächst über die Bewegungen in der Kontobuchbranche und im Buchdruckgewerbe. Durch den Buchbinderftreik in der K o n t o b u ch b r a n ch e find auch die graphischen Hilfsarbeiter in gewisser Weise berührt worden. Zwar haben oie beiden Firmen A s h e l m und I a g e r t die Kündigung des Buchdruckhilfspersonals wieder zurückgenommen, bei R i e f e n st a h l u. E o. ist es aber zur Entlassung gekommen. Inzwischen ist nun der Streik der Kontobucharbeiter vom Buch- binderverbcmh für offiziell erklärt worden. Die Vertrauens- Personen der graphischen Hilfsarbeiter werden sich noch mit der Situation om Montag nachmittag S Uhr im Graphischen Vereins- haus beschästigen. Die Bewegung im Buchdruckgewerbe hat zu dem bekannten Schiedsspruch geführt, den die Buchdrucker angenommen haben. Der Berliner Ortsvorstand der Hilfsarbeiter, die Vertrauensleute und Funktionäre aber lehnten den Schiedsspruch ab, desgleichen der Ber- bandsvorstand. Die Berliner Buchdruckereibesitzer haben ebenfalls den Schiedsspruch abgelehnt. Jetzt haben die Gau- leiter das Wort. Die Gaulcitsrkonferenz der Buchdrucker hat bereits Donnerstag begonnen und die der graphischen Hilfsarbeiter begann ''-s»'"----•-- 3n der Augsburger Papierhülsenindustrie stnd die Arbeiter wegen Lohndifferenzsn in den Streik getreten. Die Elekiriziläksarbeiker von Skraßburg sind Freitag vormittag in den Streik getreien. Die Stadt ist ohne Licht. Der Betrieb der Straßenbahn mußte eingestellt werden. Mehrere Zeitungen mußten wegen Strommangeis ihren Betrieb einstellen. Der Streik erfolgte, weil die Elektrizitätsarbeiter eine Lohnkürzung von 2 5 Prozent erfahren sollten. �......... Sonntag i« Trans % Uhr Sd, � der Kranf�rer, Anbinder, Fahrstuhlführer und Schiebebllhncnfahrer der fficofr wrtarbeiter-Verlaad, mlaula, Pank-, Ecke Berliner Metallindustrie. angeiegenheit. Sroß-Berlin. Sektinn V. "e, Branchen»«! fammlung gnahme zum Lohnabkommen und Branchen- heute. Neu« gönnen ZerHandlungen stehen' bevor, die abzuwarten sind. Mekallacbeiker! ZNeldek Euch Makerial abgeholt haben. A u f z u r A r b e l l i k s i t der Organisation. sofort zur Wvhlhiife im 122, und bei Kolkge immer 4. Sämtliche 10 Uhr das neue Es geh! um die Einheitlich- Cs entspann sich eine sehr lebhafte Diskusston. Schließlich stimmte die Versammlung einstimmig der Stellungnahme der Ber- trauensleute zu, indem sie aussprach: „Die Versammlung erblickt in dem vom Reichsarbeitsministerium gefällten Schiedsspruch in Anbetracht der äußerst schlechten Wirtschaft- lichen Lage des Hilfspersonals keine auch nur annähernd den Ber» Hältnissen Rechnung tragende Lösung und lehnt daher einmütig den Schiedsspruch ab. Sie erwartet vom Vcrbandsvorstand, daß er alle ihm geeignet erscheinenden Maßnahmen trifft, diesen Schieds- spruch einer Abänderung zu unterziehen, um der Kollegenschast zu ihrem Rechte zu oerhelfen." Die Wahl eines MitgliedeszumVerbandsbeiratan Stelle von Krumrei, der wegen seiner Moskaufahrt ausgeschlossen ist und dessen Rechte bis zur endgültigen Ent- fcheidung des nächsten Verbandstaaes ruhen, fiel aus Schäfer. Sein Stellvertreter wurde Willi Grohmann. Beide sind Ber- treter der Amsterdamer Gewerkschastsrichtung und erzielten ganz erhebliche Mehrheiten gegenüber den kommumsti- schen Kandidaten. Diese Niederlage der Kommunisten in einer ihrer Hochburgen ist ein gutes Zeichen für die morgige Delegiertenwahl derMetallarbeiter.__ Ultimatum im Textilgrofthandel. Im Februar d. I. haben die gewerblichen Arbeitnehmer de» Texiilgroßhandels dem Graß-Berliner Arbeitgeberverband des Großhandels Forderungen eingereicht. Nachdem nach monäte- langem Aerhondeln der Schlichtungsausfchuh für die Bckieidungs- industrie durch einen Schiedsspruch das bisherige Abkommen bis Ende August verlängern wollte, stellten die Arbeitnehmer folgende Mindestforderungen auf: Für ledige Arbeitskräfte über 22 Jahre 27S M., für verheiratete 300 M. Wochenlohn. Weibliche Arbeitskräfte 75 Proz. dieser Sätze-, die Sätze der über 22 Jahre alten Arbeitnehmer sind entsprechend gestaffelt. Als Ausgleich für di» bisherige geringe Entlohnung werden für die Monate April bis Juni Wirtschaftsbeihilfen von -ZOO bis 35 0 M.(ein Vergleichsvorschlag des Schlichtungsaus- fchussss Groß-Berlin vom April d. I.) oerlangt. Diese berechtigten und bescheidenen Forderungen wurden vom Arbeitgeberverband abgelehnt. Darauf beschlossen die Arbeiter, den Arbeitgebern ein Ultimatum zu überreichen, wonach überall dort, wo die Forderungen nicht anerkannt werden, die Arbeit am Montag früh ruhen soll. Morgen vormittag OM- Uhr werden in einer Versammlung im Dresdener Kasino, Dresdener Str. 06, die erforderlichen Maßnahmen noch einmal besprochen. Der Streik i« der polnischen Webwarentndustrie. Nachdem die Teilstreiks in der Textilindustrie Polens sich zu einer allgemeinen Streikbewegung ausgewachsen haben, liegt noch den„Danziger Neuesten Nachrichten" die g e- s a m t e polnische Webwarenindustrie still. Verhandlungen zwischen Bund der techjrfsHen Angestellte» und Beamten. Montag SU, Uhr Versamin- lung der Angestellten der privaten Berkehrsmuernehmangeu glmmer 6, Haoerlands Festsäle, Neue Fricdrichstr. S�._______ WirtftHoK Mrkschaflliches aus Sowjekrußland. Dem amtlichen Wirtschaftsblatt„Ekonomitfcheskaja Shifn" zu- folge sind in den letzten Tagen in Petersburg Vertreter deutscher, finnländischer und englischer Firmen eingetroffen, um über Pacht- vertrüge von einzelnen nationalisierten Industriebetrieben zu ver- handeln. Sämtliche Interessenten begeben sich nach Moskau, da die Verpachtung staatlicher Betriebe bis auf weiteres dem Arbeits- und Berteidigungsrat vorbehalten ist. Eine norwegische Handelsdele- gation verhandelt über die Pacht der Dubrowin-Papierfabrik, die früher einer norwegischen Gesellschaft gehört hat. Die Ausfahrt des ersten Sowjethandelsdampfers „Transbalt" nach Deutschland wurde im Petersburger Hafen feierlich begangen. Obwohl die Petersburger Fabriken nicht arbeiten, verschlingt der Unterhalt der Fabrikarbeiterschaft ungeheure Summen. Aus diesem Anlaß hat, wie die„Krasnaja Gafeta" meldet, der Peters- burger Bolkswirifchaftsrat um die Bereitstellung eines Z w e i m i l- liardenfonds zur Finanzierung der Petersburg ger Fabriken und Werke nachgesucht. Arbeiterentlassungen auf den deutschen werften. Die industrielle Lage Kiels ist scklecht, die der Werften womöglich schlechter. Die Deutsche Werft, die vor kurzem einen großen Teil ibrer Belegschaft entlassen mußte, hat nun weiteren 100 Arbeitern gekündigt und in verschiedenen Abteilungen die Arbeitszeit auf vier Tage in der Woche blirabgeietzt. Auch auf der Germaniawerst find Feierschichten eingelegt worden. Bei der Howalcswerft ist in kurzer Zerr mit erheblichen BelriebSeinschränkungen zu rechnen. Die Verschuldung Europas an Amerika. Die Vereinigten Staaten von Amerika bilden die Gläubiger-Nation der ganzen Welt. In einem Schreiben des amerikanischen SchatziekreiärS Mellon an Harding wird eine Aufstellung gegeben über die Ber« pflichtiingen, die IS auswärtige Schuldnerregiernngen bei den Ver- einigten Staaten haben. Hiernach schulden: (in 1000 Dollar) Großbritanien. Frankreich.. Italien... Belgren... Rußland... Polen.... Tschechoslowakei Serbien... Rumänren.. 4 106 318 3 350 702 1 048 034 875 280 192 001 135 001 01 179 61 153 30 123 Oesterreich. Griechenland Estland.. Armenien. Kuba... Finnland.. Lettland.. Litauen.. Ungarn.. 24 055 15 000 13 999 11959 9 025 8-281 5 132 4 981 1085 Diele Summen ergeben einen Geiamibeirag von 10141207528 Dollar, das sind rund 80 Milliarden deutsche Papiermark. /tas aller Welt. Groftfeuer i« Paris. Freitag abend brach in einem Geschäft für Theaterdekorakionen in Paris ein vrand aus. der 10 Häuser einäschert«. Der Schaden soll über 10 Millionen Frank betragen. Zwei Personen wurden leicht verletzt._ Ein großes Holzlager durch Feuer vernichtet. Freitag abend brach in dem Holzlager der Firma Grenz u. Co. in B a m b e r g aus unbekannten Ursachen ein gewaltiges Großfeuer aus, dem trotz stundenlanger Arbeit der Feuerwehren die ganze Anlage mit großen ' Vorräten im Werte von Hunderttausenden von Mark zum Opfer fiel. Ein Reinfall Dr. Dortens. Bei Dr. Dorten stellte sich dieser Tage ein Mann vor mit der Behauptung, die rheinisch-westsälische Aroesterschast habe sich geeinigt und unterstütze den Plan Dortens auf Errichtung einer rheinischen Republik. Der Derkünder dieser Botschaft behauptete weiter, Abg. H u e stehe an der Spitze dieser Bewegung! Dorten gab dem Manne zunächst 10 000 M., dann ober 25 000 M. in der Hoffnung, damit ein edles Werk zur Errich- tung des rheinischen Sonderstaates getan zu haben. Aber bald herrschte im Dortenschen Hause gewaltige Betrübnis, denn es hat sich herausgestellt, daß Dorten das Opfer«in« Schwindels ge- worden war. Charwttenburg: für Anzeigen: Th. Glocke, Berlin Verlag: VorwSrtS-Verlag, G. m. Berlin. Druck: Vor- Verantw. für den redatt. Teil: Dr. Werner Pekfer, t, Verlin Verlag: VorwSrtS-V erlag G. ivärts-Buchdruckerci u. Berlagsanltalt Paul Singer u. rg: I rillt. W»WW Berlin. Lindenstr. S. Bad laiiiriiiii Sdüeslen. Katarrhe Asthma* Grippe Nieren»»*» Blase Gicht* Ziacker* Steine K. I?' Uüsr, S6. 16, Snpluler 8 Zigaretten, Kau-, Rauch- u. Schnupftabake G-A.Hanewac! er• Goldfzirb• Lanafried• Eicken» Raulino Oldenkott• Geöffnet 8—2 u. 3— 5 Uhr. Moritrpl. 30U. 1372u AN« Walle f reiserltöhungli Vinn I tö'zinnl WelBmetalll Zalingeblsse! Zahn 1 ItlUlll Bleil ürinr.f. Sperial- b, 100, Platinabfälle! gebrauch I Kupier. RotguO, Gald-u.Silberbruch. Messln«, Nickel, Aluminium, Gold- u. silberhall. Zink, Slanniolpapler, Glüh- Rückstände! Queck- j strumpfasche ins 160 M. Silber, salpet. Silber kauft zu Tageskursen i Bdelmatall-Elnkautsbureau Weberstrafle 61. M-liiip-Selzer bei hohem Lohn per sofort ges Berliner Härle»-Zeitung _ Kranenstr. 37. 3659b« Gardinen! 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