fle.34» ♦ SS.�ahrgaüg Ausgabe B Nr. 171 Bezugspreis» St Rtelj öftrL 30/— 3L, mnutL 14— PL frei ins Hans, notous zahlbar. bejug: Monatlich 10,-9 fteLunasgebühr. Unter S___ Deutfchland, Danzig. das Saar» und Aiemelgebiei, sowie die ehemals dent» fchen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn nnd Luxemburg 30,— SR, für das übrige Ausland??,— M. Poft. beftellangen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tlchecho- Elowakeh Düne- mort Holland, Luxemburg, f und die Schweiz, Ter.Vorwärts�>>--« beilage.Volt ui hallungsdeiloge ,�en Beilage.Siedlung und Klewaarton� erscheint wochentäglich zweimal. Sa tags und Montags einmal. Abend-Ansgabe »Sozi Telegranml»stldreste: «ridenratrat Verl Vevliner Volksblatt (20 Pfennig) SWzetgeopretSi Die achtgespaltene Nonparetllezeüe tostet 3L0 M.kleine Anzeigen� das fettgedruckte Wort 1�0 M.(zu- lässig zwei settgedruckte Wortes, sedee weitere Wort h— M Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort v— all, jedes weitere Morl « Pfg. Worte übet 15 Buchstaden zählen für zwei Worte. Kamtliewstln- zeigen für Abonnenten geile 3,- M Bit Preise verstehen sich etnschliestlich Teuerungszuschlaa Anzeigen für die nächste alummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlm EW«8. Linden. Kraste 3. abgegeben werden, Seäffnet von» wir srüh bi»« Uhr abends, ZcntraXorgxn der rozialdcmokratf fchen parte» Deutfchlands Reüaktion und Expedition: EW HS, Linöenstr. Z D-enztieeiizee« Redaktion Moritzplatz»S»t>S— S7 �ernsprerqrr. Morinvlatz 11753—54 Dienstag, den ÄS. Juli 19ÄK. vorwärts-verlag G.m.b.H., EN) SS, Üindenftr. 3 5kernivreck>er• Verlag, Expedition und Inseraten. Morihplatz»1703-04 Die Metallarbeiter für /lmjleröam. Das endgültige berliner Resultat. In Verl in wurden abgegeben 5466$ S limine«. Davon erhielten: Liste A 31641, Liste B 22 827 Stimmen. * Die aus dem Reiche vorliegenden Resultate bestätigen die Tendenz des Berliner Resultats. Ueberall Nieder» lagen der Kommunisten. Bezirk Essen: Bon 69 zu wählenden Delegierten gehören 5 7 d e r Richtung Amsterdam und 12 der Kommunistischen Partei an. Diese wurden gewählt in der Zahlstelle Essen. Bezirk Hagen: Bon 56 Delegierten des Bezirks wurden durch die Zahlstelle Remscheid 7 Kommunisten gewählt. Me übrigen 49- Delegierten vertreten die Amsterdamer Jnter- nationale. In Bochum stegte die vereinigte Liste der Sozialdemokraten und Unabhängigen mit 1319 Stimmen gegen die kommunistische mit 934 Stimmen. Alle gewählten Delegierten(5) ge- hören der Richtung Amsterdam an. In Oberhausea(Rhld.) wurden mit 961 gegen 366 kommunisti- schen Stimmen 2 Sozialdemokraten und ein Unabhän- giger zum Lerbandstag delegiert. In Blühlhelm a. d. Ruhr erhielt die„Mehrheitsliste"(KPD.) 362 Stimmen und die„M inderheitsliste"(SPD.) 538 Stim- men. Diese Verschiebung der Mehrheitsverhälwiss« in dem ehemals kommmzistischtn Mühlheim bewirkte die Wahl von 2 Sozial» d e m o t r a t e n. Di« Kommunisten sind ganz ausgefallen. In ganz Rheinland-Westfalen wurden also neben 113 die Richtung Amsterdam vertretenden Delegierten nur 19 Kommunisten gewählt. In Magdeburg schlugen unsere Genossen die vereinigten Unabhängigen und Kommunisten mit 4045 Stimmen gegen 3271 Stimmen. Alle 10 Delegierten gehören der SPD. a n. Don den 18 Hamburger Delegierten sind 12 Sozialdemo- traten und 6 Unabhängig«. In Siel, der ehemaligen kommunistischen Hochburg, s i e g t e d i e List« A mit 3638 Stimmen gegen 1593, die auf Liste B entfielen. In Skeksin wurden mit 1484 gegen 726 Stimmen 3 Sozial» bemokraten und 2 Unabhängige gewählt. In Saalseld war die„Mehrheitsliste" ebenfalls kommunistisch, erhielt aber nur 375 Stimmen, während unsere Genossen auf ihre Liste 453 Stimmen vereinigten und den zu wählenden Delegierten stellen. Die Niederlage, die die Kommunisten erlitten haben, scheint bei ihnen eine fürchterliche Wirkung gehabt stolzen iT~" WWW.. die g kaus auf dem Wahlschlachtfelde. Die„Rote Fahne" stellt chterliche zu haben.„Gestern noch auf stolzen R Brust geschossen lixgen die osfcn, heute durch die roßspurigen Bannerträger Mos ganz kleinlaut fest, daß in Berlin„nichts anderes zu erwarten war". Wie für alles, so hat sie natürlich auch für den ausgebliebenen Sieg, der ihr so sicher war, eine E n t- s ch u l d i g u n g. mit deren Hilf» sie die kommunistische Niederlage in einen„sehr hoch anzuschlagenden Erfolg" umwandelt. Diese Entschuldigung ist aber so eigen- tümlich, daß wir sie der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten wollen. Die Kommunisten sagen nämlich, daß sie unter sehr schwierigen Verhältnissen bei der Wahl zu arbeiten hatten, weil— ja weil„in den Märzkämpfen fast s ä m t l i ch e kam- munistischen Funktionäre in den Betrieben gemaßregelt wurden". Wem dieser Grund für die Niederlage der Komunisten nicht einleuchtet, dem ist nicht zu Die Märzaktion der Kommunisten hat nämlich in der at bewirkt, daß ihr ein sehr großer Teil nicht der schlechtesten Mitglieder den Rücken gekehrt hat und sich wieder dahin be- gab, woher er kam, nämlich zu den Unabhängigen oder zu unserer Partei. Wir freuen uns, daß die„Rote Fahne" jetzt endlich einmal diesen„Erfolg" ihres wahnwitzigen März- putfches feststellt. Wie„hoch" der„kommunistische Erfolg" anzusagen ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß die Anhänger Amster» dams bei der Wahl zur Berliner Ortsverwal- t u n g der Metallarbeiter die Kommunisten nur mitl339 Stimmen schlagen konnten, während sich ihr Bor- sprung mehr wie versechsfacht hat. Wirklich ein„sehr hoch anzuschlagender Erfolg!" Um sich über den Schmerz des Verlustes der 77 Berliner Mandate einigermaßen zu trösten, berichtet das Kommunisten- blatt:„In Nürnberg, Stellin. Limbach, Gotha hat die kommunistische Liste die Mehrheit." Keine einzige Zahl, die die Richtigkeit dieser Mitteilung beweist. Jeder, der die Verfiältnisse einigermaßen kennt, wird mit uns zum mindesten die Behauptung, daß die Kommunisten in Nürnberg ge- siegt haben, sehr bezweifeln. Wie berechtigt dieser Zweifel ist, zeigt das oben wiedergegebene Stettiner Resultat. Dort ist nicht ein einziger Kommuni st zum Metallarbeiter- kongreß delegiert morde« Der Nürnberger„Sieg" wird dem Stettiner sehr ähnlich sein. Zorüerungen ües I.H. D. Die Oberfchlesifche Kommission des Internatio- nalen Gewertschaftsbundes hat über ihre Unter- suchung des oberschlestschen Problems einen Bericht heraus- gegeben, in dem es heißt: Die Vertreter des IGB. haben festgestellt, daß das oberschlesische Problem im Wesen eine Frage um den Besitz industriellen Gebietes ist. Sie heben hervor, daß dieses Gebiet eine wirtschaftliche Ein» heit darstellt und nicht zerstückelt werden darf, wenn nicht seine ganze wirtschaftliche Tätigkeit und Entwicklung gefährdet werden soll. Nach eingehender Prüfung der Existenzmöglichkeiten der ober- schlesischen Industrie, der Bedürfnisse dieses Gebiets und der Jnter- essen Deutschlands und Polens sind sie zur Ueberzeugung gelangt. daß mit der Zuteilung dieses Gebietes ein« wirtschaftliche Autonomie vrbunden sein muß. d. h. die neue politische Grenze darf keine Zoll- schranke bilden, der freie Austausch der Güter nicht behindert wer- den. Zu alledem muß bei der endgültigen Zuteilung des Gebietes gleichzeitig die Verteilung der Produkt« und die Lieferung der Roh- stoffe derart geregelt werden, daß sie den gerechten Bedürfnissen beider Staaten Rechnung trägt. Diese wirtschaftliche Autonomie muß durch eine Autonomie der Verwaltung ergänzt werden, um die rechtliche und tatsächliche Gleich- heit der Einwohner in einwandfreier Weise zu sichern und der Min- derheit gegenüber eventuelle Repressalien oder Unterdrückungen irgendeiner Art und unter welcher Form sie auch auftreten mögen. Garantien zu bieten. Als wichtigste Bedingung, deren Mißachtung die Unzufrieden. hell und die Konflikte nur erhöhen und vermehren könnte, verlangen sie die Austechterhaltung der von den Deutschen eingeführten sozialen Gesetzgebung, die den Arbeitern dieses Gebietes zurzeit zugute kommt. Sie verlangen nachdrücklich den Ausbau dieser Gesetzgebung, der das sicherste Mittel darstellt, um durch die fortschreitende Solidarisierung der deutschen und polnischen Arbeiter, deren Organisationen das bindende Element sind und bleiben werden, zum Frieden zu ge- langen. In diesem Zusammenhang weisen sie auf die Tatsache hin, daß die Sozlasisierung der oberschlestschen Großindustrie unumgäng- lich notwendig ist. und zwar nicht nur, weil sie eine Form des Fortschritts bilden wird, weil sie auch den kapitalistischen Druck ausschalten wird, unter dem ein Teil der Bevölkerung.und die all- gemeinen Interessen de» Landes leiden könnten. Di« Delegierte« des IGB. erklären außerdem, daß das ober- schlefifche Problem nur dam» einer glücklichen Lösung zugeführt werden kann, wenn diese Provinz aufhört, ein Objekt fortwährender Konflikte zwischen Polen und Deutschland zu sein, sondern ein Elc- ment der Zusammenarbeit wird zwischen den beiden Nachbarländern. Sie fordern schließlich die Arbeiter der beiden Nationen auf, in diesem Sinne zu handeln, um ihre Rechte, ihre Forderungen und den allgemeinen Frieden zwischen den Bölkern zu sichern. gez. Fimmen. Iouhaux. DeutschlanÜ unü Amerika. Pari«, 26. Juli.(EE.) Die„Chicago Tribüne" meldet aus Berlin: Aus der bestunterrichteten Quelle wird bekannt, daß die Be- sprechungen zwischen dem amerikanischen Geschäftsträger Dresel und dem deutschen Außenminister Dr. Rosen beendet wurden. Auf alle Fragen Amerikas wurde eine befriedigende Antwort erteilt, deren wichtigste die war, wie sich Deutschland zu einer gesetzmäßigen Aktion stellen würde, die im Hinblick auf die Porter-Knox-Entschlie- ßung unternommen werde. Die deutsche Regierung antwortete, daß sie eine Proklamation des Präsidenten Harding für anehmbar betrachte. Diese würde ihr gestatten, einen Botschafter in Amerika zu ernennen und die Friedenspräliminarien zu verein- baren. Man erfährt, daß Deutschland mitgeteilt wurde, eine Ant- wort bezüglich der Form und des Inhalts dieser Proklamation zu erteilen, doch wird erklärt, daß die Anschauung Deutschlands nichts mit den Punkten des Friedensvertrages zu tun habe. Reichskanzler Wirth sei entschlossen, einen wirtlichen Frieden zwischen beiden Ländern herbeizuführen. In offiziellen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß der amerikanische Friedensvertrag wahrscheinlich die meisten seiner Bestimmungen dem Bersailler Vertrage ent- nehmen wird.' Irland gegen Gewalt. Dublin. 26. Juli.(EP.) Eine offizielle Mitteilung der Einnfeincr Regierung sagt, daß der Friede nicht ohne Schwierigkeiten erlangt werden könne; doch werde man ihn erlangen. Alles hänge heute von Irland ab. Sein Engländer würde Zwangs- mahnahmen des Nordens gegen den Süden dulde« Ueberhaupi lehre die Erfahrung, wie unwirksam solche Maßnahmen seien. Man solle zu dem gesunden Menschenverstand jedes einzelnen irischen Bürgers Vertrauen haben. Den in Irland seien die Neber- lleserungen der Vergangenheit stärker als alle Zwangsmaßnahmen. v« frühere preußische Zusttzminifler o. Beseler ist gestern im 80. Lebensjahre in Berlin gestorben. Ein schwerer Fehlgriff. Zur Programmdiskusfio«. Bon Max Quarck. Warum sagen wir Mitglieder der Programmkommission nicht endlich gerade heraus, daß die Veröffentlichung des Pro- grammentwurfs in so eiliger und unfertiger Gestalt ein schwerer Fehlgriff war? Wir können doch damit viele un» nütze Diskussionen abkürzen und die Partei vor Schaden be- wahren! Jetzt wird hinter den bei so früher Veröffentlichung un» vermeidbaren Mängeln überall im Lande Absicht gesucht. die gar nicht vorhanden ist. Daß die Dürftigkeit der finanz» politischen und das fast völlige Fehlen schulpolitischer Vor- schlüge auffällt, ist nur zu begreiflich. Unsere Leute im Lande wollen hier einige wenige, leicht handhabbare und praktisch formulierte Forderungen mit Recht haben. Statt dessen spricht der Abschnitt Finanzen fast mehr vom Friedensvertrag, als von der deutschen Steuerreform, die doch auch einen völligen„Um» stürz" oerlangt, und die Schulsätze sind wunderschöne Lehr» buchdeklamationen, nur keine politisch zugespitzten Forderun- gen. Die fatale Unausgeglichenheit zwischen Agrarkommission und Wohnungs- und Siedlungskommission in Bezug auf Bodenverstaatlichung ist offensichtlich. Infolgedessen hat sie hier schon mehrfache Erläuterungen finden müssen. Der all- gemeinen Einleitung Hot man in der Parteiversammlung meines Wohnortes nichts mehr und nichts weniger seitens der Redaktion des Parteiblattes und des Parteisekretärs vorge« warfen, als daß sie— den Klassenkampf wegeskamotteren wolle, weil der betreffende Satz des Erfurter Programms nickst wieder aufgenommen sei. Zur Prüfung der Frage, ob die Sache auch ohne das Schlagwort nicht sehr deutlich bezeichnet sei. ist man leider nicht gekommen. Und den Exaltados von ganz links war die angebliche Entdeckung natürlich Wasser auf ihre Mühle, das sie nach seiner Reinheit nicht zu unter- suchen brauchten. Die größte Enttäuschung aber bereitete den Genossen im Lande, daß sie eine solche Fülle von Einzel» Programmen in vielen Zeitungsspalten vorgesetzt bekäme« Sie hatten eine sehr gedrungene Zusammenfassung erwartet. Die Summe von bedauerlichen Irrtümern, die durch den Fehlgriff der unfertigen Veröffentlichung bervorgerusen sind. ist in der Borstellungswelt der großen Masse eher noch größer, als oben geschildert. Und vieles hätte dlirch die zeitige Ausgleichsarbeit der Gesamtkommission, die sofort nach Ab» schluß der Einzel- und Teilarbeiten einsetzen mußte, vermieden werden können. Wer ein wenig Organisations- und Arbeiter- kenntnis hat, wußte, daß das Unfertige der Programmarbeit unsere Leute im Lande verwirren mußte. Man durfte es gar nicht dahin kommen lassen, daß sie sich mit diesen unge» reisten Programmteilen und Borarbeiten, die der scharfen kritischen Zusammenfassung und des kräftigen Strichs ent» behrten, herumschlagen mußten. Welche Berkennnung der Massenpsyche! Wer weiß und versteht denn jetzt draußen im Lande, daß die meisten von uns Kommissionsmitgliedern die wichtige Einleitung, auf die unsere Leute mit Recht so ent- scheidenden Wert legen, vor der Veröffentlichung so wenig gekannt haben wie sie? Wenn man ihnen das jetzt sagt, halten sie es für eine faule Ausrede. Und doch ist es so. Im Höchst- falle kannten vor der Beröffentlichung die wenigen von uns Programmarbeitern, die in zwei Teilkommissionen sahen, die Arbeitsergebnisse dieser beiden Kommissionen, also bestenfalls den fünften Teil des veröffentlichten Gesamtmaterials. Daher erklären sich z. B. die Widersprüche und Unklarheiten, die zwischen Wohnungs- und Agrarbeschlüssen bestehen bliebe« Wir hätten eben in einer Sitzung der Gesamtkommission, jeder auf seinem Gebiet, gewaltig opfern und zusammenfassen müssen. Und bei der programmatischen Zusammenfassung hätten wir uns gegenseitig das Urteil geschärft. Schließlich hätten wir''«serem besten Stilisten den Auftrag geben müssen, das neue Gejamtprogramm nach jenen letzten Beschlüssen in e in e m Gusse zu schreiben. Dann bätte es auch mit allen Vorarbeiten veröffentlicht werden können. Die Massen hätten über und neben allen Einzelbeitev etwas Großes, Fertiges, Abgerundetes in die Hand bekommen, das gewiß immer noch verbcsserungsfähig war, aber doch eine achtunggebietende, durchgearbeitete Schlußschöpfung der Gesamtkammission dar- stellte. Sicher ist der schwere Fehlgriff in bester Absicht geschehe« Man wollte in angemessener Frist vor dem Parteitag den Ge- nassen im Lande Gelegenheit zu einem Urteil über den Entwurf und zur Mitarbeit an der Kommissionsarbeit geben. Sehr löblich! Aber auch hier ist das Gegenteil erreicht. Jetzt lehnen die Genossen im Lande zum Teil die Mitarbeit an so Unfertigem ab und es gibt außerdem unendliche Mißverständnisse aufzu- klären, währenddessen der Parteitag heranrückt. Wir müssen jetzt doch noch einmal zu einer Sckilußredaktion zusammen- treten, nur unter v'el ungünstigeren Umständen, umgeben von Irrtümern und unntltig erweckten Boreingenommenheite« Und das Ergebnis uyscrer verspäteten Gesamtarbeit kommt außerdem doch zu spät, um an der verfahrenen Diskussion vor Görlitz noch etwas zu ander« Damit ist aber auch schon gesagt, daß die Verständigung für dieses Jahr doch wohl nicht mehr zustandekommt Bei einem Programm, das den Wiederzusammenschluß befördern und uns längere Zeit als Leitstern dienen soll, ist das wohl auch kein Schaden. Dieses Resultat hätten wir aber viel billiger und reibungsloser haben können ohne unfertige Veröffentlichung der bloßen Programmvorarbeiten, ohne Diskreditierung der Programmkommission und ihrer redlichen Bemühungen, ohne gegenseitige Verstimmung und ohne daß sich die Demagogen von links wieder einer willkommenen Beute bemächtigen und sie zur Verunreinigung der deutschen Arbeiterklasse ausnutzen konnten. Rußlanöhilfe unü Sozialdemokratie. Die Zentrale der KPD. hat an den Vorstand der Sozial- demokratischen Partei ein Schreiben gerichtet, in dem sie eine gemeinsame Aktion der Gewerkschaften, der Sozial- demokratie, der Unabhängigen, der Kommunisten und der Kommunistischen Arbeiterpartei zugunsten des hungernden Sowfetrußland anregt. Der Parteivorstand hat sich in seiner heutigen Sitzung mit dieser Anregung beschäftigt ist und dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß die in Vorbereitung befindliche Hilfsaktion durch jede Art politischer Einstellung nur geschädigt werden kann. Die Partei betrachtet diese Aktion als eine Sache der Menschlichkeit, sie wünscht und erwartet, daß sich an ihr auch Kreise beteiligen, die außerhalb der genannten Verbände stehen. Sie wird sich daher an de r a l l g e m e i- nen Hilfsaktion mit besten Kräften beteiligen und ist bereit, Delegierte in das zu bildende allgemeine Hilfskomitee zu entsenden. Die kommunistische Sonderaktion lehnt sie ab. Dorfen und$ue. Dom Genossen H u e wird uns geschrieben: Vor etlichen Monaten suchte mich ein Herr auf, der sich, wenn ich mich nicht in dem Namen irre, als der frühere katholische Ar- beitersekretar Krämer aus Wiesbaden vorstellte. Er war mir bislang unbekannt. Der Herr frug mich, ob ich einen Herrn Worms(oder Wurms) kenne, was ich verneinen mußte. Darauf entpuppte sich Herr Krämer als einen Abgesandten des„Präsidenten der rheinischen Republik", Herrn Staatsanwalt a. D. D o r t e n. und teilte mir mit: Worms fei zu Dorten mit Schriftstücken ge- kommen, aus denen hervorgehen solle, daß bekannte Mehrheits» sozialisten im Rheinland geneigt seien, die Bestrebungen Dortens zu unterstützen. Die Schriftstücke trügen die Unterschriften von H u e und Sollmann- Köln. Mein Ersuchen, mir diese interessanten Schriftstücke vorzulegen, konnte Herr Krämer nicht erfüllen, sie wären, wie er sagte, in Händen von Dorten. Ich erklärt« dem Herrn, sein Chef Dorten sei einem ausgekochten Schwindler auf dem Leim gegangen. Wenn Dorten auch nur einigermaßen politischen Instinkt besäße, würde er den Schwindel sofort erkannt haben. Ich sei doch genügend bekannt als Feind der Zer- schlagung Deutschlands in wer weiß wie viele Kleinstaaten, wenn sie sich auch als Republiken aufmachten. Ich sei und bleibe Anhänge» de» deutschen Einheitsstaates mit repu- blikanischer Verfassung und wüns-che von Dorten und seinesgleichen nicht behelligt zu werden. Für den Genossen Sollmann dürfe ich getrost dasselbe erklären, ohne mit ihm vorher darüber gesprochen zu haben. Der sehr bestürzte Herr Krämer erklätre mir nun, Worms habe von Dorten bereits etwa 85 000 M. erhalten zur weiteren Fruftifizie- rung seiner„Verbindungen". Als ich Herrn Krämer erklärte, ich würde die Worms-Dorten-Affäre sofort der Presse mitteilen, bat er mich, davon Abstand zu nehmen, bis er mir Nachricht über den wetteren Verlauf des Schwindels gäbe. Eine sofortige Veröffent- lichung würde den Worms, der versprochen habe, recht bald Dorten nähere Mitteilungen zu machen, warnen und seine Festnahme ver- hindern. Seitdem hörte ich nichts mehr von der Geschichte, bis ich nun in der Presie lese, daß Dorten die Fälschung der erwähnten Schriftstücke festgestellt habe und so die Seifenblase geplatzt sei. Weder Worms noch Dorten find mir persönlich bekannt geworden, noch habe ich jemals die ominösen Schriftstücke gesehen. Gewisie Erfahrungen veranlassen mich, dies noch ausdrücklich öffentlich festzustellen. Die Sefteuerung öer Riesengewinne. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" des Herrn Stinnes fetzt ihre fachkundigen Untersuchungen über die neuen Finanz- pläne des Reiches fort. Sie betrachtet jetzt im besonderen die Körperschastssteuer und die bei ihr in Aussicht stehenden Aen- derungen. Man muß gerade bei diesem Blatt, das sich unter der Leitung seines neuen Chefredakteurs mitunter merkwür- dige Eskapaden leistet, die Ehrlichkeit anerkennen, mit der zu- gegeben wird, daß die derzeitige Körperschaftssteuer, also die Besteuerung der Aktiengesellschaften, eine entscheidende steuerliche Bevorzugung gegenüber denjenigen be- deutet, die der Einkommensteuer unterliegen. Es werden doch jetzt noch die ausgeschütteten Gewinne der Aktiengesellschaften nur und im ungünstigsten Falle mit einem Viertel des Steuer- satzes erfaßt, den ein Privatmann aus seinem Einkommen zu leisten hat. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" gibt offen zu, daß die Körperschaftssteuer in ihrer bisherigen Gestalt einen starken Anreiz zur Gewinnaufspeicherung, zur Bildung hoher Rücklagen und Reserven gibt. Wir wollen dieses Be- kenntnis wegen seiner Wichtigkeit hier wörtlich abdrucken. Es lautet: „Diese steuerliche Vergünstigung hat es bewirkt, daß viele Werke im letzten Jahr erhebliche Rücklagen und Reserven gestellt und dazu kräftig« Abschreibungen vorgenommen haben. Es kann in der Tat fraglich sein, ob derartig umfangreiche Sicherungen für ein Unternehmen gerechtfertigt sind oder nicht. In keinem Fall« kann jedoch das Moment der Steuerersparnis natürlich im Interesse des Reiches liegen. Daher und insoweit wird es im allgemeinen zu billigen sein, daß der neue Entwurf die gekennzeichnete Vereinheit- lichung des Steuersatzes bringt." Die neue Form der Körperschaftssteuer soll den Gewinn der Aktiengesellschaften ganz allgemein erfassen. Das be- deutet eine Besteuerung an der Quelle, die nicht nur einfacher ist als die Versteuerung des Einkommens beim Empfänger, sie erfaßt auch den Gewinn, der in Form von Dividende zu aus- ländischen Aktienbesitzern abfließt. Dabei können wir die Angst des Steuersachmannes der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", daß die Aktiengesellschaften in Zukunft zu viel Steuern zahlen müßten, nicht teilen. Schon deswegen nicht. weil feine rechnerischen Beweise für die Absicht zu hoher Be- steuerung falsch sind. Abe» das bleibt nicht das Entschei» dende. Wir finden vielmehr beachtenswert, daß das Haupt- blatt des Herrn Stinnes nichts Näheres von den Vorschriften über die steuerlichen Begünstigungen derSchachtel- gesellschaften sagt. Nachdem die Gewinne der Aktien« gesellschasten einschließlich der Abschreibungen und der ähn» lichen bisher allgemein gebrauchten Drückeberger-Gelegenhei» ten versteuert werden sollen, bleibt in der steuerlichen Begün- stigung der Schachtelgesellschaften eine neue, entscheidende Lücke in der steuerlichen Erfassung dieser Unternehmergewinne. Durch dieses Loch werden die großen Konzerne und Inter- esienten den Hauptteil ihrer Verdienste verschwinden lasten, wenn nicht beizeiten der Steuerfiskus feine Hand davor hält. Außerdem hat das Körperschaftssteuergesetz noch eine ent- scheidende Lücke. Soweit der neue Entwurf bisher bekannt- geworden ist, fehlt bei ihm eine Kontrolle der aus deutschen Industriegesellschaften nach dem Ausland abfliehenden Riesengewinne. Es fei daran erinnert, daß eben in Oester- reich ein Bankcnkonzern wegen steuerlicher Hinterziehung von 3 Milliarden Kronen erfaßt worden ist. Die vornehmsten österreichischen Großbanken hatten die Aktien von sechs der bedeutendsten Industrieunternehmungen Deutschösterreichs in Schweizer Tochtergesellschaften, sog. Holdingunternehmen, ein- gebracht. Damit verschwanden die Ueberschüste aus dem österreichischen Geschäft in Schweizer Aktiengesellschaften. deren Gewinne dem Zugriff der deutschösterreichischen Regie- rung entzogen waren. Wir wissen, daß z. B. Herr Stinnes nicht nur seinen Riesenposten an Aktien der Alpinen Montan- gesellschaft, sondern auch noch allerlei andere Aktien in der Vialett-Theater öer Cjcl-Sühne. Um den starken Heimatdichter pflegen sich immer ganze Kreise von Leuten zu gruppieren, die fleißig in ihrer Heimatsprache dichten und singen, die sonst aber recht pahieren sind und nur dialektisch eingefärbte Talentchcn. Gottfried Kellers genialer Stil hat bis zum heutigen Tag« eine Unmenge von Schweizerlein angesteckt, die aber nur Nachahmer sind, Fritz Reuters Nachfahren im Pommerfchen und Mecklenburgischen sind gar nicht zu zählen, doch nur der Ziffer noch, nicht der erschütternden Originalität nach. Es geht im Tiroli» schen nicht anders, wenngleich das Touristenland mit Schriftstellern, die mehr als ein winziges Berglein sind, ziemlich verschwenderisch gesegnet ist. Halb Schönherr, halb Rosegger,«infechstel Anzen- gruber ist der tirolische Dramatiker Rudolf B r i x, seinem bür- gerlichen Beruf nach Polizeidirektor, von Innsbruck. Er fetzt sich also aus lauter Ouäntchen zusammen. Er bildet eint Kuriosität für sich, weil er nicht nur Schnadahüpferl reimt, sondern sich gleich an ein Drama, also beinahe an das schwierigste heranmacht. Gibt sich der martialische Mann tragisch, so wirkt er aber wie eine Marlitt, die ins Innsbruckische übersetzt wurde. Nicht, daß die Motive seiner dramatischen Verwicklungen unecht wären. Bäuer» liches Erbrecht, Kinderlosigkeit, die den Verlust von Haus und Hof bedeutet, das Herz des Ehebrechers unter der losen Jacke, da» kommt gewiß alles aus dem Leben h«r. Nur nutzt das Leben nicht viel, und mag es der neugierig« Beobachter auch noch so merkwürdig finden, wenn es vom Künstler nicht bei seinem Ker f gefaßt wird. Der Dramatiker Brix redet Feuilletons aus der Provinz. Daß ein Bauer, der feine Frau, die Betrügerin, enterben will, sich an den Wertpapieren ein« Fackel entzündet, die zum Selbstmörderboden heraufleuchtet— das mag manchmal vorkommen. Aber dann sagt eben der Mann, der mit so etwas ein Trauerspiel explodieren läßt, daß er sich vor solchem Brimborium in acht nehinen muß. Er sagt sich das, wofern ihn einiger Geschmack belehrt. Der viel zu beherzte Theatraliker Schönherr hat in Brix einen Epigonen, der ihn noch überspitzt. So viel bengalisches Feuer und Papier zugleich, das ist dieser Heimatdramatiker,©ein Trauerspiel heißt:„Der dürre Bau m". Ein Bauernschwank heißt:„Das Gnadenbil d". Ist das tröstllch! Wenn der Mann fröhlich ist, oürfen feine Menschen reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, sind sie ganz lodenecht und heubodenwahr. Die Mädel kommen ohne viel Umstände in die Hoffnung, die Bauernjungcn und die Alten, der Dorfbarbier, der Pfarrer, alle sind prachtvolle Kerls. Dos Stück ist eine saftige Posse von dem Heiligenbild, das allen Mädeln einen Ehemann ein- bringt, obwohl der Praktikus schon etliche Monate vor der Trauung seine Pflicht tat, damit die Jungfern„bumsti" gehen. So verträgt man den Dialekt, so sieht man, daß sogar geistige Verwandtschaft zwischen„Potosch und Perlmutter" und der Brixschen Well besteht. Di« Genies sind international, aber auch die Dialektschlager. Gott liebt alle Schöpfer eben, nicht das Vereinzelte und Einsame. Er verstreut von jeder Spezies immer gleich über den ganzen Erdball und, stehe, es trifft gleichmäßig gut zum Mississippi und zum Jsel» berg. Max Hochdorf. Erziehung— Jugendbewegung— Religion. Zum Entwurf eines Parteiprogramms wird uns geschrieben: Der Ab- satz über Kulturpolitik erscheint mir in seiner jetzigen Form nicht haltbar, weder im logischen Aufbau noch in der Formulierung einzelner Aufgabenbezirte. Zum Beispiel darf die Iugendhilse nur als eine Uebergangseinrichtung bis zur vollständigen Umschaf- fung der Schule als Erziehungsstätte gefordert und aufrecht erhalten werden. Und der Absatz über Religion, Staat, Kirche und Schule verlangt eine feinfühligere und dabei doch klarere Fassung. In Ge- meinschaft mit den Genosien Hilter und Filzhuth habe ich be- rells vor.längerer Zeit diesen Progrommabsotz formuliert wie hier folgt und wie er auch im Iuliheft der„Neuen Erziehung", Seite 237, abgedruckt worden ist. Erziehung ist nicht Vollstreckung autoritativer Zielsetzungen am hilflosen Objekt, sondern Befreiung und Pflege aller im Menschen schlummernden gefunden und natürlichen Kräfte. Ihr Ziel ist da- her nicht der Anhänger eine» politischen oder religiösen Bekennt- nisies, sondern der sozialistische Mensch, d. h. die im Gemeinschafts- leben durch schaffende Arbeit heranreisende und sich auswirkende Persönlichkeit. Erziehung ist Sache der Gemeinschaft, Familienerziehung anvertraut« Gemeinschaftsaufgabe. Sie vollzieht sich in schöpf-- rischem Arbeits- und Gemeinschafteleben. Die Schule muß also eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft sein. Jugendbewegung, d. h. das nach eigenem Gesetz sich ge- staltende Persönlichkeits- und Gemeinschaftsleben der Jugend, ist als schöpferisch« Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung zu werten. Iugendhilse als sozialpflegerifche Einrichtung mit hauptamtlich tä- tigen Organen hdt die Arbeit der Schule in innigem Zusamnen- wirken mit ihr und der Elternschaft zu ergänzen, bis die„Erziehung" zur selbstverständlichen Lebenshilfe in jedem Sinne gestaltet ist. Sie beginnt mit dem werdenden Kinde und endet mit dem Eintritt in die Selbständigkeit., Neben dem einheitlichen Aufbau des Bildungsmefens vom Kindergarten bis zur Hochschule dienen besondere Bildungsstätten für erwachsene Doltsgenosien der Ausbildung zu führender Arbeit im Gemeinschaftsleben und zur schöpferischen Mitarbeit an der so« zialistischen Zukunftskultur Religion als intimste seelische Einstellung des einzelnen darf weder Partei- noch Staatsfoche sein. Alle religiösen Gemein- schaften haben das gleiche Recht freier Betätigung. Daher: Tren- nung von Staat und Kirche, Trennung von Schule und Bekenntnis, weltliche Schule. Paul Oesterreich. Schweizer Montana A.-G. eingebracht hat. Und es ist nicht unbekannt, daß neben Herrn Stinnes in Deutschland noch eine ganze Anzahl Industriekapitäne tätig sind, die in rühren- der Uebereinstimmung bei all ihrer sonstigen persönlichen und materiellen Gegnerschaft ganz erhebliche, dem Steuerfiskus nicht gerade nützliche Verbindungen mit dem Ausland pflegen. Wie denkt die„Deutsche Allgemeine Zeitung" über derartige „Schachtelungen"? Wenn hier diesmal der Steuererheber nicht durchgreift, dann wird die große Reform der Besitz- steuern im kommenden Herbst nichts weiter bedeuten als eine Umstellung der Steuerhinterziehungsabteilungen unserer großen Industrie- und Handelskonzerne. Wir nehmen an, daß wir darüber der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" nichts noch Deutlicheres zu sagen brauchen, nichtsdestoweniger hoffen wir auf eine Beantwortung unserer Frage. Trimborn gestorben. Der Vorsitzende der Zenlrumsfrakiio« des Reichstages, Staats. fekrelär a. v. Geh. Zustizral Karl Trimborn, ist gestern abend an den Folgen einer Operation gestorben. Trimborn, der in Köln geboren wurde, hat ein Alter von 67 Iahren erreicht. Seit 1896 gehörte er dauernd dem Reichstag an, bis 1918 für den Wahlkreis Köln(Stadt), feit März 1912 für den Wahlkreis Sieg-Waldbröl. Im Kabinett des Prinzen Max von Ba- den war er Staatssekretär des Innern. 1919 wurde er Mitglied der Verfassunggebenden Nationalversammlung und wurde am 6. Juni 1980 in den ersten Deutschen Reichstag gewählt. Mit Trimborn ver- schwindet eine Persönlichkeit au» dem politischen Leben, die über den Rohmen ihrer Fraktion hinaus lange Zeit eine maßgebende Rolle in der deuffchen Politik spielt«. Im August 1914 ging Trim- born als Mitglied der deutschen Zivilverwaltung für Belgien zu- nächst nach Verviers und später als Generalreferent für das Unter. richtswesen nach Brüssel, wo er bis August 1917 blieb. Diese Tätig- keit gab er auf, da er als erfahrener Politiker es ablehnte, sich von untergeordneten Mlitärstellen Eingriffe in seine Berwaltungsmaß nahmen gefallen zu lassen. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter. als Trimborn selbst dem rechten Zentrumsslügel nahestand und be- sonders in den Kämpfen um die parlamentarische Tätigkeit Erz- b e r g e r s als dessen Gegner hervortrat. Dagegen stellte er sich in der Maikrise dieses Jahres auf dir Seite Wirths, und als Verbindungsmann zwischen der westfälisckzev und der lüddeutschen Zentrumsgruppe hat«r dann er'vl-'reich ge- wirkt. Eine neue Berufung in die Regierung lehnte e- wegen feiner Schwerhörigkeit ob. Die Zentrumsfraktion verliert mit ihm einer. erfahrenen Vorsitzenden und einen gewiegten Unterhändler. Alr Mensch hatte Trimborn alle Vorzüge eines echten Rheinländers. seine persönliche Liebenswürdigkeit schaffte ihm Freunde in allen Parteien. Im Reichstag, zu dessen markantesten Persönlichkeiten er gehörte, wird man Karl Trimborn schmerzlich vermissen. Ein verheißungsvoller Anfang. Bereits ln der ersten Sitzung de» französischen Gewerkschafis- kongresses kam es zu stürmischen Zwischenfällen. Die TU. meldet darüber, daß ein Redner der Blinderheit, als er sich zur Tribüne begeben wollte, von den Anhängern der Mehrheit aufgehalten wurde. Im verlauf der darauf erfolgenden Zusammenstöße fielen zahlreiche Revolverfchüffe. Zwei anarchisti- s ch e Delegierte find schwer verwundet worden. Aoherden wurde ein Gewerkschaftssetretär am Arm verletzt. Auch andere verwundete wurden au» dem Sitzungssaal eutferul. '» Der ADGB. war von der EGT. zum Lille-Kongreß einge- laden worden und hatte diese Einladung selbstverständlich angenommen. Der Vorstand hatte beschlossen, seinen ersten Vorsitzen den, Genossen Theodor Lei pari, nach Lille zu entsenden. Ob wohl das Paßvisum so rechtzeitig nachgesucht worden war, daß bei einigen guten Willen auf feiten der sranzöstfchen Behörden die Ein- reiseerlaubnis rechtzeitig hätte erteilt werden müsien, wird Genosse Leipart die Reise nicht antreten können. Bis zur Stunde hat er das Visum noch nicht erhalten. Auch der„Vorwärts" hott« die Absicht, den Genossen Steiner- Iullien als Berichterftatier nach Lille zu entsenden. Ihm ist die Einreiseerlaubnis glatt abgelehnt worden. „Die Schneeverhältnisse Deutschland»" lautete das nicht gerade zeitgemäße Thema, über da» Prof. H o l l m a n n in der letzten Sitzung der Preußischen Akademie der Wissenschaften sprach. Auf Grund der Zöjährigen Beobachtungen von 1881 bis 1913 wird der. Versuch gemacht, die Verbreitung der Schneefälle in Deutschland durch Linien gleicher Zahl der Schneetage darzustellen. Diese zeigen in ihrem Verlauf große Aehnlichkeit mit den Januar-Isothermen. Die Zahl der Schneetage schwankt im Tiefland zwischen 10(Ober- rheintal) und 70(Masuren) und erreicht auf dem Gipfel der Zug- spitze die Zahl 101. Es bestehen gesetzmäßige Beziehungen zwischen der Anzahl der Tage mit Schneefall und mit Schneedecke, die auf die Bildung ewigen Schnees und stüherer Eiszeit«inen Schluß zulassen. VWzei in Tränen. Die Vorwürfe, die die Entente gegen Deutschland erhob, weil es mit der Verwendung giftiger Gas« im Krieg begonnen habe, haben sie nicht oerhindert, weitere Ver- suche mit diesem Kampfmittel anzustellen, und jetzt kommt sogar aus Amerika die Nachrcht, daß man dort erwäge, tränen- erregende Gase im Kamps gegen Zufammenrottungen und gegen Verbrecher zu verwenden. Die Versuche haben in Philadelphia stattgefunden, und die Polizeitruppe ist dabei durch die Gase, die den von fünf Beteranen aus dem großen Krieg geschleuderten Bomben entströmten, dreimal zurückgetrieben worden, während die Zaungäste in voller Auflösung flohen. Der Erfinder erklärte den Polizeileuten, das Gas gefährde die Gesundheit nicht, sondern errege nur die Tränendrüsen und rufe Würgen und Erbrechen hervor! Die Blätter, die darüber berichten, bezweifeln indessen sowohl die Notwendigkeit der Versuche, als auch die praktische Verwendbarkeit des Gtsses in der angegebenen Rich- tung. Es sei eine Waffe, die keine Unterschiede mache. Und während die Schuluno der Polizei in Gasangriffen schon eine pein- liche Vorstellung sei sei es noch unangenehmer, zu denken, daß die Verbrecher selber sich Visses neue Kampfmittel zunutze machen würden. i Der itolienische Vogelmord. Eine belgische Zeitschrift für Jagd und Fischerei greift den italienischen Bundesgenossen wegen des Massenmordes an Vögeln an, der auf seinem Gebiet getrieben wird, und die italienischen Blätter, die darüber berichten, können sich dem Gewicht der vorgebrachten Zahlen nicht verschließen. So sind in einem Jahr« in Marseille aus Brindisi und Messtna 8 000000 Wachsein angekommen, und auf dem römischen Markt wurden an einem Tage 20 000 dieser Vögel vertauft, die in Cioitaoecchia gefangen waren. Auf dem Markt in Udin« verkaufte man ebenfalls im Zeit- räum eines Jahres 620 496 Vögel. Dazu kommt, daß die italieni- schen Schuljungen, die die schlimmsten Vogeliäger sind, die ganzen Nester von den Bäumen reihen und so ein Bttlfache» von dem ver- Nichten, was ziffernmäßig ermütelt wird. Die frauzösische Propaganda- NuSttelluug. die in Biebrich und Wiesbaden unter dem Patroual bei sranzösijcheii Ober- kommissariatS eingerichtet worden ist und die nicht gerade ein Erfolg sein soll, ist jetzt trotzdem einen Könnt verlängert worden und wird den ganzen September hindurch geöffnet bteibew die Entscheiäungs-Konferenz. Die Verhandlungen zwischen England und Frankreich haben noch nicht zu einer Einigung geführt. Immerhin ist man sich aus beiden Seiten entgegengekommen. England ist bereit, der Entsendung einer Sachverständigenkommission zu- zustimmen, Frankreich ist damit einverstanden, die Entschei- dungstonferenz auf den 4. August anzuberaumen. In der Frage der Truppenverstärkungen ist man dagegen noch keinen Schritt weiter gekommen. Nach einer Mitteilung der eng- lischen Regierung stehen augenblicklich in Oderschlesien 4 4 0 0 Mann englischer Truppen, während die F r a n- z o s e n eine stärkere, die Italiener eine schwächere Truppenmacht unterhalten. Ueber zu geringe Berücksichti- gung können sich die Franzosen also nicht beklagen. Und da die Engländer und Italiener bewiesen haben, dag diese Truppenmach� vollauf genügt, die Ruhe aufrechtzuerhalten, wenn man nur will, ist nicht recht ersichtlich, was weitere 10 000 Mann französischer Soldaten in Oberschlesien sollen. Die Oberschlesier haben an der �augenblicklichen Einquartierung genug zu tragen. Ihren Wünschen würde eine neue Ver- stärkung am allerwenigsten entsprechen. Daß dies mühsam erzielte französisch-englische Einver- nehmen über die französische Division stolpert, ist nicht anzu- nehmen. Geradezu lächerlich ist die Behauptung einiger Pariser Blätter, die deutsche Regierung habe mit ihrer Ant- wort auf die französische Truppentransportforderung etwas ähnliches bezweckt, und es war unnötig, von englischer Seite in dieser Hinsicht wiederholte Mahnungen an deutsche verantwortliche Stellen ergehen zu lassen. Wir wollen eine schnelle und gerechte Entscheidung in der obcrschlesischen Frage. Weiter nichts. Pflichtvergessene Elemente sind in Ober- schlesien ja bereits wieder am Werk, neue K o m p l i k a t i o- nen herbeizufühmv Es ist bezeichnend, daß diesmal der Brandherd das französische Einslußgebiet in Rybnik ist, nach- dem die früheren Brandstätten im Jndustriebezirk Beuthen- Gleiwitz-Kattowitz dem französischen Einfluß entzogen worden sind. Wir befürchten, daß französische Verstärkungen dem neu onfglosenden Brande am allerwenigsten entgegen- treten werden und sehen die Rettung nur in dem Entscheid des Obersten Rates. Ob der Oberste Rat, auch wenn er am 4. August zusammentreten sollte, fähig sein wird, den Urteils- spruch herbeizuführen, und bald herbeizuführen, das ist allerdings eine große Frage. Während so das grausame Katze-und-Maus-Spielen mit ewem Teil Europas, der früher weder zu den ewig brennen- den Balkanländern noch zum Reich des kranken Mannes am Goldenen Horn gerechnet wurde, inmitten des deutsch-enten- tistischen Friedenskonzerts seinen Fortgang nimmt, ist der Abbau des weniger schmerzhaften Kriegszustandes mit den Vereinigten Staaten ohne viel Geräusch um ein gut Teil gefördert worden. Schwierigkeiten bestehen, soweit es aus den Veröffentlichungen hervorgeht, überhaupt nicht mehr. Denn da wir nun einmal den Verfailler Frieden als Grundlage für den Neuaufbau angenommen haben, wes- halb soll unser Verhältnis mit den Vereinigten Staaten nicht in diesen Bau mit eingefügt werden, wenn wir natürlich auch unsere Beziehungen zu Amerika in einem anderen G e i st entwickelt wünschen ats in dem Verfailler, Es hat stch ja schon des öfteren gezeigt, daß es weniger auf Verträge an- kommt, als auf den Geist, der sie beseelt. Kompromißverhanölungen. Pari«, 26. Juli,(ET) In einer Unterredung, dl« gestern zwischen dem französischen'Botschafter in London und Lord Curzon stattfand, wurde festgesetzt, daß sich der Oberste Rat am 4. August versammeln solle. Am 28. Juli werden in Paris die alliierten Sachverständigen' zusammentreten. Eecll Hurst, der während der Friedenskonferenz mit dem französischen Dele- gierten Fromageot im Redaktionskomitee des Friedensvertrages saß, ferner Charles Tufton, der auf der Friedenskonferenz englischer Sachverständiger für polnische Angelegenheiten war, werden in Paris mit Major Clarck, dem Mitglied der englischen Kommission in Oberschlesien, welcher auf Wunsch seiner Regierung Oppeln bereits am letzten Freitag verlassen hat, um sich nach Paris zu begeben, zusammentreffen. Auch die italienische Regierung ernannte bereits ihre Sachverständigen, Garbasio, den italienischen Gesandten, und einen höheren Beamten, Pilotti, zu denen sich noch ein technischer Sachver- ständiger gesallt. Die französische Regierung ernannte den Unterdirektor im Auswärtigen Amt, Massiqni, ferner Fromageot für die Rechte Frankreichs, den Ingenieur Pere Ducri zu Sachver- ständigen und Ministerialdirektor Laroche. Ueber die Besprechungen des englischen Außenministers mit dem französischen Botschafter meldet der„Matin", daß ersterer neuerdings den Standpunkt vertrat, die Entsendung einer neuen französi- schen Division nach Oberschlesien sei verfrüht, man solle die Tagung des Obersten Rates abwarten, vielleicht ließe sich die Entsendung von Truppen vermeiden. Lord Curzon versicherte dem Botschafter, die Aufwerfung einer juristischen Frage, wie sie Deutsch- l a n d in seiner Note bezüglich des Durchzuges französischer Truppen durch deutsches Gebiet stellte, dürfe nicht die Meinungsoerschieden- hellen zwischen den Alliierten vergrößern. Derselben Meinung gab Lloyd George, wie der„Matin" und der„Petit Parisien" ver- sichern, dem deutschen Botschafter Sthamer und St. Aulaire gegen- über Ausdruck.„Petit Parisien" weiß zu berichten, Lloyd George solle Sthamer versichert haben, Deutschland täusche sich, wenn es glaube, die gegenwärtigen Verhandlungen ausnutzen zu wollen, sich seiner Verpflichtungen gegenüber den Alliierten zu entziehen, oder wenn es annehme, die herzlichen Bande, welche Frankreich und England bisher vereinten, seien schwächer geworden. Sthamer sei beauftragt, seine Regierung vor der Gefahr zu warnen, die sie laufe, wenn sie diese Anschauung aufrechterhalte. Dasselbe Blatt glaubt zu wissen, daß der Borschlag des italieni- schen und des englischen Kommissars, die betreffenden Gebiete, die deutsche Stimmenmehrheit aufwiesen, sofort den Deutschen, die- jenigen mit polnischer Stimmenmehrheit sofort den Polen zuzu- weisen, nunmehr als erledigt zu betrachten sei. vor neuen Gewalttaten! Breslau. Zö. lull.(Eig. Drahtbericht de»„vorwärts".) von zuverlässiger parteigenösfischer Seile wird au» dem Industriegebiet bestätigt, daß gestern noch Zusammenstößen zwischen deutschen und polnischen vewafsneten in Rybnik und verschiedenen kleineren oberschlesischen Industrieorten der General st relk ausgebrochen ist. Sowohl in Rybnik al» auch in anderen Orten wurde von zu- verlässigen Zeugen beobachtet, daß von polnischer Seite dort erneut größere wassenmengen verteilt würden. Der deul- schen Bevölkerung haben sich Infolgedessen neue Befürchtungen bc- UlächÜgt. Lloyd George und Stresemann. TU. hat sich von Reuter be- fiatigen lassen, daß die Bericht« über Verhandlungen zwischen Lloyd George und Stresemann von der Entscheidung über da« Ultimatum Unrichtig seien. Wir können in diesem Dementi nur ein« Gefällig. keitsaktion von Reuter für die Deutsch« Bolkspartei erbstcken. Will Herr Stresemann, der auf Norderney in Bülows Cpuren wandelt, nicht einnial selber auf Ehre und Gewisjen erzählen, wie die Sache wirklich gewesen ist? Nie wieder Krieg! Wir meldeten aus Hamburg, daß sich das schwarz-weih-rvte Bürgertum am Tage vor der allgemeinen Demon. sirotion gegen den Krieg ein„patriotisches" Stelldichein geben will. Dabei ist uns der Fehler unterlausen, anzunehmen, daß die Demo- k r a t c n sich dieser Demonstration und nicht der schwarz-weiß-roten anschließen würden. Wir müssen uns berichtigen. Die Demokraten haben beschlossen, sich bei— keiner der beiden Kundgebungen zu be- teiligen. Die Angst vor dem eigenen Mut ist eine weitverbreitete polllischc Krankheit. GroßSeeün Im Erholungsheim üer Serliner Straßenbahner. An der sanft geschwungenen mecklenburgischen Ostieeküste, in dem freundlichen Bruns haupten, steht ein schmuckes Giebelhaus. An der Fahnenstange im Vorgarten webt die Berliner Stadtfahne mit dem schwarzen Bären aus weißem Felde, und der Hauseingang zeigt als eigentürmlichen Schmuck das geflügelle Rad. Dieses freund- liche, rosa neugetünchie Haus ist das Erholungsheim der B e- triebskranke n lasse der Berliner Sraßenbahn, das diese aus eigener Kraft sür die Genesung und Ausspannung ihrer Mitglieder von der Berufskrankheit der Straßenbahner, der Rer- vosität, erworben hat. Nach dem soeben vollendeten Um- und Er- weiterungsbau wurde das Erholungsheim dieser Tage von einer aus Vertretern der Stadt Berlin und aller Kreise des Berliner Straßenbahnwesens bestehenden Kommission besichtigt und feierlich seiner segensreichen Bestimmung übergeben. Der Vorstand und der Ausschuh der Betriebskrankenkasie der Berliner Straßenbahn mit Syndikus Moser, dem ersten Vor- sitzenden, an der Spitze, Vertreter der Angestellten- und Betriebs- räte, Bürgermeister Ritter als Vertreter der Stadt Berlin und Vorsitzender der Verkehrsdeputation mit einigen Mitgliedern dieser Deputation, Vertreter der beteiligten Berufs- und Fachverbänd« und der Geschäftsführer der Krankenkasse, Mertsch, nahmen an der Besichtigungefahrt teil. Das Erholungsheim in Brunshavpten ist aus einem ehemaligen großen Pensionshaus entstanden und wird jetzt sür die Betriebs- krankenkasie von der früheren Besitzerin als Oberin verwaltet. Der Umbau, den Architekt Friedrich Aug. H a r t m a n n, BDA., in Berlin-Schöneberg mit großem künstlerischen Verständnis leitete, hat aus dem Dutzendvenfionshaus ein überaus behagliches, geradezu vor- nehm wirkendes Heim geschaffen. Den Pfleglingen, von denen bereit» 4S die Segnungen der Ruhender Meeresluft und des Seebades ge- nietzen, und von denen insgesamt 60 bis 70 ausgenommen werden können, stehen außer den geräumigen und mit modernen, zweck- mäßigen Möbeln ausgestatteten Schlafzimmern und Veranden eine Reihe von Gcsellschaftsräume» zur Verfügung. Don den Wänden grüßt überall bunter künstlerischer Wandschmuck den Gast. Auch für Wintcrkuren ist das Erholungsheim eingerichtet: eine vollständige Zentralheizung ist eingebaut, und das gänzlich neu er- richtete Badehaus weist blitzblanke Kachelzellen, Wannen und einen Dusch- und Massageraum auf, der noch durch ein elektrisches Lichtbad ergänzt werden soll. Unnötig zu sagen, daß auch ein Arzt- und Ge- schäftszimmer sowie ein Isolierzimmer für besondere Krankheits- fälle vorhanden sind. Mit seinem schmucken Aeußern bildet das Er- holungsheim der Berliner Straßenbahner ein« Zierde des Ostsee- bades Brunshaupten. Bei dem Abendesien, das im Speisesaal des Erholungsheim» unter vollzähliger Teilnahme der Pfleglinge stattfand, gaben Bürger- meister Ritter für die Stadt Berlin und der Obekoorsteher Risch von Brunshaupten dem Gefühl der Freude lebhaften Ausdruck, während der Vorsitzende der Betriebskrankenkasie, Syndikus Moser, den Dank an alle abstattete, die an diesem schönen Werk sozialer Selbstvcrwäsiung mitgewirkt haben. Das Kinderheim der Straßenbahner in Graal. Aber nock mehr hat die Betriebskrankenkasie der Berliner Straßenbahn für ihre Mitglieder und deren Familienangehörige ge- schaffen. In Graal, in der Nähe von Brunshaupten, Hot die Be- triebskrankcnkosie, an der schönsten Ecke des Ortes, unmittelbar am Walde, in diesem Frühjahr ein dreistöckiges Doppelgicbelhaus er- worden und zu einem Kindererholungsheim ausgestaltet. Der prachtige Besitz wirf» ergänzt und abgerundet durch den Ankauf benachbarter Garten- und Waldflächen, die als Obstgärten und Spielplätze angelegt werden sollen. Unter der Leitung einer ersah- renen Oberin und betreut von Sckwestern und Kindergärtnerinnen gedeihen schon jetzt bei kräftiger Pflege in der köstlichen Wald- und Seeluft von Graal über 50 Kinder. Da» Kinderheim soll durch den Einbau von Zentralheizung sür Winterkuren benutzbar gemacht werden. Die drei Tage dauernde, abwechslungsreiche Besichtigungsfahrt der Dcrkehrskommission gab ollen Teilnehmern die Ueberzeugung, daß die Betriebskrankenkasie mit diesen Erholungsheimen für alt und jung, für d>e nervösen Straßenbahner und die unterernährte Stroßenbahnerjugend, eine soziale Großtat ersten Range» voll- bracht hat.__ ver Kampf um einen kleinen Prinzen. Don der Zivilkammer de» Landgerichts in Potsdam wurde setzt der Streit um den kleinen Prinzen Karl Franz Joseph entschieden. Prinz Eitel Friedrich, der den Prinzen nach dem Tode de« Prinzen Joachim bekanntlich zu sich genommen hatte, verweigerte der Witwe de» Prinzen die Herausgabe des Sohnes. Jetzt hat dos Potsdamer Gericht dahin entschieden, daß Prinz Eitel Friedrich den Sohn binnen 4 Wochen der Mutter herausaebon muß, da laut Gerichtsbeschluß Prinz Karl Franz Joseph der Mutter zugesprochen worden Ist. Di« Prinzessin, die in Desiau weilt, hat eine einstweilige Derfüaung er- wirken wollen, daß ihr der klein« Prinz schon vor der gesetzlich vier- wöchigen Frist ausgeliefert werde, da ihre Nerven durch den Kampf um den Sohn total heruntergekommen seien. Da» Potsdamer Ge- richt hat d«m nicht stattgegeben und will vorher eine mündliche Der- Handlung beider Parteien ansehen. Prinz Eitel Friedrich tst zum Tragen iämtlicher Kasten des Verfahrens verurteilt und In der Ur- teilebegründung wurde gellend gemacht, daß das Housgesetz der Hohenza'lsrn nicht mehr in Anwendung zu bringen ist. Es ist traurig genug daß Eitel Friedrich so wenig Verständnis für das natürliche Empfinden der Mutter bat und die sich um Ihr Kind bannende Frau, genau nach dem Buchstaben, vier Wochen lang warten läßt. Eitel Friedrich ist allerdings auch nie Oater geworden. Neun Selbstmorde an einem Tag«. Der gestrige Montag weist«ine grauenbafte Füll« von Selbst- morden aus. Ein Dienstmädchen Hot sich in dem Badezimmer einer Pension im Westen mit Gas vergiftet, und ebenso ein Händler in der Skalitzer Straße. Eine Kontoristin stürzte sich über da» Ge- länder der Lützowbrück« in den Landwehrkanal und ertrank. Ein Kutscher sprang am Hansanfer in die Spree und kam gleichfalls im Wasser um. In einem Hotel in der Koppenstraß« hatten sich«in junger Mann und eine junges Mädchen die Puleadern aufgeschnitten und waren daran verblutet. Im Walde an der Spandauer Chaussee fand man eine Frau an einem Daum erhängt vor und an der Chor- lottcnburgcr Schleuse wurde die Leiche eines 50 Jahr« alt«n Mann«» gelandet. Der grauenhafteste aber ist der icunte: Der Schütze Glietstein ..er 12. Kompaani« des 9. Infanterie-Regiments in Ruhleben brachte sich nach der Rückkehr vom Truppenübungsplatz Jüterbog mit einer M.-G.-Patrone aus seinem Dienstkarabiner einen schweren Bauch- schuh bei, der die Lunge zerriß— Neun Selbstmorde! Sie endeten viel verborgenes und große» Menschenleid. Weiter im Namen des Königs. Tie alten Urteilsformulare mit dem Kopfe„Im Name» de? Königs" sind seit einiger Zeit aui dem Potsdamer ÄmlSgeiicht zu Ende gegangen. Die neuen Urteile werden setzt mit Maschinen» fchrit« auSgesleüt. Mehrere iolcher Urteil« sind gestern hinaus« gegangen, die wieder de» Kapf.Im Namen des Königs" tragen. Unterschrieben sind diel« Zchrislstiicke mit: Geheimer Rechnungdral jkube, Abt. 4, Potsdam. Die Urteile sind einem Lantiageadgerid- ueten übergeben, der durch eine Anfrage endlich die Regieruug �ui- iordern wird, sich über die Zustände auf dem Potsdamer Amts- geriebt z» äußern. Der Justizminister scheint sich auf seinem Nitiilsteriesscl sehr sicher zu fühlen, daß er derartigen Dingen zu- sieht, ohne einzugreifen. � Wetter und Unwetter. Das Barometer hat bereits am Sonnabend einen Sturz er- fahren und man erwartet täglich, stündlich den Umschwung. Er scheint aus Südwest kommen zu wollen, denn aus dieser Richtung macht sich zu zeit starke Bewölkung demerkbar. Die Folgen der eit Wochen anhaltenden Dürre sind bereit» unabsehbar. Unreif ällt das Obst mit den Blättern masienhaft von den Bäumen. Die Wiesen trocknen aus. An vielen Stellen verdorre» bereits die Kartoffeln und andere Feldfrüchte, wie Erbsen und Bohnen. Der Grundwasserstcnd geht dauernd zurück, die Wald- und Wiesen- drände bilden eine große Gefahr. Stellenweise sind nicht i ur Forsten und Wiesen, sondern auch Roggenfelder vom Jeuer arg heimgesucht. Di« Brunnen, Gräben und Wasierläufe drohen zu versiegen. Die märkischen Seen haben einen ganz außerzemöhn- lieh niedrigen Wasserstand, weshalb die Schiffahrt mit Schwierig. leiten zu kämpfen hat, Schiffe leichtern müssen und nur mit halder Ladung verkehren können. Aus dem Reich, besonders au» dem Westen, häufen sich die Unwettermeldungen. In Thüringen hat furchtbares Hagelwetter, von dem wir in Berlin nichts gemerkt haben, großes Unheil an- gerichtet. Auf der Nordsee herrscht Sturm. Zahlreiche Segler und Dampfer muhten den Hamburger Hafen zum Schutz aufsuchen. Eine ganze Anzahl nach See bestimmter Dampfer blieb vorläufig liegen, um ein Abstauen des Sturmes abzuwarten. Auch werden aus verschiedenen Gegenden riesige Moor- und Waldbrände ge- meldet. Kinderverhetzung durch Kommunisten. Bon«inem partrigenössisckien Helfer des Ferien spiel» platze« Königsheide wird un« im Auftrage mehrerer Arbeitereltern folgende« gesÄrieben: Seil Jahren erfreuen sich die Ferienspielplätze Neuköllns in der Königsheide eine« außerordeinlich starten Besuches. So auch in diesem Jahre. Die Kinder tollen«nd spielen, so daß ti für jeden Kmder freund ein« wahre Herzensfreude ist, dieiem lustigen Treiben zuzusehen. Diese naiürlich« kindliche. Betäligung icheiur einige Helfer, die Kommunisten sind, nichr ichlasen zu lassen. Sie treiben seit einigen Tagen eine polilische Propa- ganda unter den Kindern, die schon dazu geführt bar, die Kinder >n verschiedene Loger zu spaiien. AIS ich einen dieser Heiser zur Rede stellt«,«rklärie er mir e« sür«ine Parteipflicht zu hallen, auch unter den Kindern politriche Sulltärnng zu verbreite». Nun tst ,n den letzten Tagen iogar schon versucht worden mit Hils« von Pia« taten Kinderdemonsiroiionen zu veraustalten. Angesicht« dieser Tal- fache sragcn wir hiermit öffentlich: Wo« gedenlt die Leitung d-s Spielplatze« zu tun. um dieje unerhörten Zustände zu beseitige!!? Wann bekommen wir die stSdtische Baupolizei? Am 1 0. M a i 1 9 2 1 hat die Stadtverordnetenversammlung be. schlössen logl. Gemeindebiott der Stadt Berlin Nr. 21 vom 22. 5. 1921 Seite 268 sf., Ziff. 18): 1. daß der Magistrat die B a u p o l> z e i auf beschleunigtem Wege endgültig in städtische VSr- waltung überführen, für ihre Angliederung an die�Siedlungs- 'deputation sowie für Ersetzung der veralteten Bezeichnung Bau- polizei durch die zutreffendere Bezeichnung„Bauaussichtsami" Sorge tragen, 2. daß der Leiter dieses Amtes endlich ein technisch vorgebildeter Beamter sein soll. Bon einer Beschleunigung der Sache war bis jetzt nicht« zu merken. Daß aber eine Dringlichkeit vorliegt und das Verlangen nach beschleunigter Durchführung des Beschlusses berechtigt ist, haben nicht nur die Verhandlungen im Stadtparläment gezeigt. Auch weite beteiligte Kreil« der Berliner Bevölkerung wissen das selbst am besten. Im Interesse des bauenden Publikums, des Baugewerbes und der ganzen Bürgerschaft erscheint die sofortige Verwirklichung d»z Ctodioerordnetenbeschlusies und ein völliger Neuaufbau des Boupolizeiverfahren, dringend geboten. Die Verbesserungen, namentlich«ine Vereinfachung und Ver- bistiguna der Verwaltung und des Geschäftsganges, die sich aus der Verwirklichung de» Bescklusses ergeben würden, sind so mannigfaltig � und zahlreich und dem Publikum, dem da» veraltet« System über alles Maß hinaus verhaßt ist, so einleuchtend, daß es in der Tat be- stemdet. daß noch kein Schritt in per Angelegenheit unternommen zu sein scheint._ Einbrnihsdicbstahl beim ATGB. Ein großerKleiderdieb stahl wurde in der vergangenen Nacht in den Verkaufsräumen des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbunde» am Engelufer 20 verübt. Einbrecher stahlen aus diesem fertig« Iackettonzüge. Hosen, Mäntel, Stiefel, Unterwäsche usw. im Wert von ungefähr 50 000 M. Eine Sindesleich« im Müllkasten fand gestern ein„Naturforscher" aus dem Grundstück Dircksenstr. 46. Es handelt sich um die Leiche eines netzgeborenen Knaben, die von einer unbekannten Person dort niedergelegt worden ist. Die kleine Leiche wurde dein Schau- haus« überwiesen., Durd) einen Sprung an» dem Zensier macht« der 37 Jahr? dt, Arbeiter Otto Kulischewsk' aus der Utrechter Str. 1 seinem Leben ein Ende, er stürzte sich au» dem Fenster im vierten Stockwerk aus den Hof hinab. „Fleifchfegen au» hcerobcsländea". Unter dieser Marke teil- ten wir vor einiger Zeit»ine uns an» Kreisen des unteren Reichs- bankpersonds zugegangene Beschwerde mit, in der geklagt wurde. daß einerseits die Reinmachefrauen kein Büchsenfleisch bekommen, andererseits einzelne Personen bis zu 50 Büchsen gekaust hätten. Wir erhalten aus Beamten treiien der Reichsbank«ine Erklärung, in der uns mitgeteilt wird, saß ein« offiztell« Verteilung von Büchsenfleilch in der Reichsbont nicht stattgefunden habe. Ein Beamter habe lediglich privatim Kenntnis von der Möglichkeit erhalten, von amtlichen Ausgabestellen Büchsenfleisch zu beziehen. Di« ihm zugeteilten Mengen seien so gering gewesen, daß ein« Der- teilunq in größerem Umfange gar nicht möglich gewesen sei. Außer, den Reinmachefrouen habe auch eine große Anzahl mittlerer und höherer Beamter nicht» erhalten. Einzelne Personen haben nicht 50 Büchsen gekauft, sondern waren zur Entgegennahme von Sammelousträgen berechtigt. vi« Vertrauensmänner für die Angesiellteooersicherung. Orts- a u» f ch u ß Berlin, T o u b e n st r. 33 kl. teilen mit, daß mit Rücksicht auf die Urlaubszeit während de» Monats August Sprechstunden nur Montag, vienstag und Freitag nachmittag» von 4 bis 6 Uhr abgehalten werden. Die Bor- mittagesprechstunden sollen au». Schriftliche Auskunft wird jeder- zeit erteilt._ TaS Wetter für marflen. Warm und schwül, überwieaend b-iter, zeitweile stärker bewö.lt bei mäßigen südliche» Winden. Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst lrocken. GeweMhoftsbeVegung vie vollstrsckbarkeit eines Schiedsspruches. Das Landgericht I, 15. Zivilkammer, Berlin, Aktenzeichen Z2 C. 852.* 80 hat die vollstreckbarkeit eines Schieds- f p r u ch e s des Schlichtungsausschusses abgelehnt. Wir geben die Begründung auszugsweise wieder: Gemäß§ 87 Betriebsrätegesetz wird im gesetzlichen Schlich- tungsocrfohren endgültig entschieden und schafft die Entscheidung des Schlichtungsausschusses Recht zwischen dem beteiligten Arbeit- geber und Arbeitnehmer—". „— Das Gericht muß jedenfalls als berechtigt und oerpflichtet angesehen werden, zu prüfen, ob der Schlichtungsausschuß über- Haupt im Rahmen sein er Befugnisse gehandelt hat— „— Loraussetzunq der Tätigkeit des Schlichtungsausschusses ist feine ordnungsmäßige Anrufung. Wenn dies nicht dargetan ist, fehlt es an der ersten Grundlage des Verfahrens. Ein Spruch in einem solchen Verfahren kann keine Gültigkeit be- anspruchen—". Weitere Voraussetzung ist, daß der Spruch des Schlich tungsausschusfes sich innerhalb des durch ihm durch dos DRG. gc gebenen Rahmen? fällt. Ein Spruch, der die gesetzlichen Grenzen der Befugnisse des Schlichtungsausfchusses überschreitet, ent» Kehrt gleichfalls jeder Bedeutung— Der Spruch verstößt ferner gegen � 87 Abs. 2 BRG., der bestimmt, daß der Spruch auf eine bestimmte, nach bestimmten Grundsätzen zahlenmääßig zu berechnende Entschädigung zu lauten hat. Im Gegensatz zu dieser Bestimmung hat der Schlichtungsous- schuß Groß-Berlin kumulativ auf Weiterbeschäftigung und Ent- schädigung erkannt— ,— Schließlich läßt auch das Verhandlungsprotokoll des Schlich» tungsausschusfes nicht erkennen, ob die Bestimmungen des% 86 Abs. 2 BRG. gewahrt sind. Es ist nicht ersichtlich, ob ein Antrag auf Aussetzung des Verfahrens gestellt ist. In dieser Richtung hätte aber mindestens eine Fragestellung des Schlichtungsansfchusies er» folgen müssen, da die offenbare Absicht des Gesetzes ist, die Frage, ob ein Grund zur fristlosen Kündigung vorliegt oder nicht, grundsätzlich der Entscheidung des Ordentlichen Gerichtes zu unterwerfen. Die Klage war daher gemäß Z 91 ZPO. auf Kasten des Klägers abzuweisen— Der erste Grunh zur Abweisung� ist von den Gruppenräten und insbesondere von den gekündigten° Arbeitnehmern genau zu be- achten. Man begibt sid) seiner Rechte aus dem BRG., wenn man ine vorgeschriebenen F r i st e n nicht innehält. Der zweite Grund verpflichtet die Beisitzer am Schlichtung»- ousschuß, darauf zu achten, daß die Entschädigung in jedem Schieds- fpruch zahlenmäßig angegeben wird. Der dritte Grund erscheint dagegen nicht stichhaltig. Die Ar- gumentation des Landgerichts deckt sich nicht mit der Fassung des § 86 Abf. 2 BRG. Räch dem klaren Wortlaut desselben ist es nicht Aufgab« des Schlichtungsausschusses, die Parteien aufzu- fordern, den Antrag auf Aussetzung des Verfahrens zu stellen, fon- dern es ist vielmehr Aufgabe der Parteien, eventuell gegenüber dem Schlichtungsausschuß dies zu beantragen. Auch die Zivilkammer 26 des Landgericht« I in Berlin hat am 80. April 1921, Aktenzeichen 48 A. S. 23. 21 die Vollstreckbar- keit von" zwei Entscheidungen des Echlichtungsausschusies Groß- Berlin ebenfall« abgelehnt, da die Antragstellerin den An- gestelltenrat nicht angerufen hatte. Dieser Angestelltenrat hatte jedoch bereits vorher der Kündigung zugestimmt. Das Landgericht stellte fest, daß für ein Eingreisen des Schlichtungsausschusses die gesetzliche Grundlag« gefehlt hat. Es ist also unbedingter Wert auf Einhaltung der Dorschristen und Fristen de« BetnebsrStegesetzes zu legen; insbesondere müssen auch die Betriebsvertretungen selbst hierauf achten und vor ollem auch ihre Belegschaften über die Rechtslag« aufklären. Der best« Spruch eines Schlichtungsausschusses ist wertlos, wenn infolge von Fehlern während des Verfahren« und im Falle der Nichtanerken- nung durch den Unternehmer die Vollstreckbarkeit, mithin also die Durchführung de« Schiedsspruches nicht gegeben ist. Organisierte Arbeiter wollen sie nicht! Die Betriebe der Strumpfwirkerei in Nord- und Südamerika befinden sich feit zirka acht Monaten im Streik, um einen löpro- zentigen Lohnabbau zu verhindern. Besonders haben es die Unter- nehmer darauf abgesehen, das Zweimafchinenshstem einzuführen. Die dortige Kollegenschaft, die sich zum größten Teil aus Deutsch- amerikanern zusammensetzt, wehrt sich verzwetselt dagegen und zieht e§ teilweise vor, nach Deutschland zurückzukehren. Die Unternehmer versuchen nun, aus Deutschland neue Arbeitskräste zu erhalten und scheuen sogar die weite Reise nicht, um die Arbeiter selbst zu holen. Hauptsächlicki die erzgebirgische Wirkergegend wird beimgesucht. Den Ncuangeworbenen wird nicht gesogt, daß sie als Streikbrecher und Lohndrücker verwendet werden sollen. Sie sehen erst, wenn sie die Uebersahrt hinter sick> haben, daß sie mißbraucht werden sollen, der dort kämpfenden Arbeiterschaft in den Rücken zu fallen. Organisierte Arbeiter wollen die Uiiterncbmer überhaupt nicht haben. Das ist ja auch erklärlich, denn sie haben es ja darauf abgesehen, die ameri- kanischen Organisationen zu zertrümmern. Vor Arbeilsaanahme in Amerika wird dringend gewarnt. Afa und private Verkehrsvnternehmungen. Das Berliner Ortskartell der Afa wollte mit der Organisation der privaten Verkehrsunternehmungen wegen tariflicher Asi machungen verhandeln. Auf den Antrag erhielt aber das Orts- kortell am 25. Juni vom Arbcitgcbervcrbond der deutschen Straßenbahnen, Kleinbahnen und Prioateifenbohnen die Mitteilung, daß er es ablehne, mit den Angestelltenoerbänden besonders über den Absthluß eines Tarifvertrages zu verhandeln. Der Grund sei, daß der Arbeitgeberverband erst kürzlich mit d«m Deutschen Verkehrs- bund und mit der Gewerkschaft deutscher. Eisenbahner und Staats- angestellter, Fachverband der Privateisenbahnen, einen neuen Reichstarifvertrag für die Angestellten der Kleinbahnen und Privat- eifenbahnen abgeschlossen Hab« und daß unter diesen Vertrag auch die Angestellten der Berliner Kleinbahnenverwoltungen fielen. Von den Angestellten ist darauf beschlossen worden, den Schlichtungsausschuß Groß-Berlin anzurufen. Was den oben ermähnten Rcichstsrif angeht, fo ist inzwischen vom Arbeitgeberverband und den andern Vertragsparteien die Verbindlichkeitserklärung beim Reichsarbeitsministerium beantragt worden. Hiergegen hat der Afabund Einspruch er- hoben, indem er unter anderm geltend machte, daß ein großer Teil der Berliner Angestellten der in Betrocht kommenden Betriebe in den Afonerbänden organisiert seien und daß diese trotz- dem zu den Verhandlungen über den Reichstarif nicht hinzu- gezogen wurden.____ . Mitgliederversammlung der Eisenbahner. In der Rr. 823 der„Roten Fahne" vom 20. Juli 1921 befindet sich unter obiger Spitzmarkc ein Artikel, in dem behauptet wird, daß der Hauptvorstand eine aus der Mitte der Versammlung eingebrachte Resolution„wegen der vorgerückten Zeit" nicht zur Abstimmung ge- bracht habe. Daß der ganze Versammlungsbericht den Eindruck er- zeugt, als ob die Kommunisten im" Deutschen Eisenbahnerverbond die Oberhand hätten, ist bei der„Roten Fahne" ja selbstverständlich. Wir müssen daher zunächst feststellen, daß die Ausführungen des Kollegen Wilhelm Schulz(1. Bevollmächtigter der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Eisenbahnerverbandcs) den ungeteilten Beifall der Versammlung gefunden hotten. Auch die Diskussionsredner der VKPD. stimmten seinen Ausführungen zu, natürlich mit der üb- lichen Phrase, daß Verhandeln keinen Zweck Hab«, sondern nur Handeln. Wie man sich das Handeln vorstellt, ist, wie üblich, nicht oerroten worden und wird wohl auch immer das große Geheimnis aller Bessermocher bleiben. Doch haben sie den Eisenbahnerkollegen gezeigt, wie man ein« Kampksront von vornherein unmöglich ist. Die Ortsvcrwaltung hatte sowohl im Interesse der Eisenbahner als auch der Arbeiterschaft im ganzen das Bestreben, durch energisch« Schritte des Hauptoorstandes beim ADGV. bei den in Frage kommenden Instanzen dahin wirken zu lassen, daß endlich unsere Forderungen, Anpassung der Löhne an den Weltmarktspreis, zur Durchführung gelangen/ Das setzt natürlich eine friedliche Verhandlung voraus, ehe zu schärferen Maßnahmen gegriffen wird. Das kann selbst die VKPD. nicht ander« machen, wie Beispiele täglich zeigen. Aber nun zum Kern der Sache selbst. Einzelne Redner der Moskowiter hatten es scheinbor als ihre Hauptpflicht angesehen, an- statt in sachlicher Weise zu diskutieren, nur da» übliche wüste Ge- schimpfe auf die leitenden Organe, Haupworstand usw.. loszulassen. Die Versammlung nahm einen solchen Charakter an, daß ein großer Teil der Kollegen davon angewidert den Saal verließ. Die Oppo- sttion hatte ihre Leute nicht mehr in der Hand. Beruhigungsversuche einiger besonnener DKPD.-Leute blieben fruchtlos. Sie mußten sich sagen:„Die ich rief, die Geister, ach, ich werd' sie nimmer los." Gegen 19 Uhr waren von über 2900 Anwesenden keine 259 mehr im Saale verblieben. Aus diesem Grunde, und nicht wegen der vorgerückten Zeit, ließ der Versammlungsleiter nicht über die eingebrachte Resolution abstimmen. Die Anhänger der Münzstraße aber hatten wieder einmal einen „großen Sieg" gegen die Bureaukratie, aber auch gegen die Inter- essen der Eisenbahnerschaft sowie der Arbeiter im allgemeinen erreicht._ Ein besonders krasser von Lehrlingsausbeutung. Der bei dem Fleischermeister Haselosf, Teltow, Breite Str. 7 beschästigte Lehrling hat eine Arbeitszeit von morgens 5 Uhr bis in die späte Nacht. hinein. Von morgens bis abends 8 Uhr muß der Lehrling Landarbeit verrichten, kommt er nach Hause, dann beginnt das Schlachten und dauert bis 19, 11 ja 12 Uhr. Sogar Sonntags wird geschlachtet. Käst und Logis hat der Lehrling beim Meister. Die Schlafstube liegt im Keller, die Fenster sind vergitterl, so daß«in Vorübergehender neulich sagte:„Seht, da sitzen welche im Zoo im Käfigl" Die BeschLsttgten müssen, wenn sie wirdlich einmal weggehen wollen, auf den Wächter warten, der sie hinousläßi. Schlimmer kann's im Gefängnis auch nicht fein. Zu diesen Verhält- nissen kommt noch die Schlagferttgbeit des Herrn Fleischermeisters. Besonders seitdem der Herr /Obermeister" seiner Innung geworden ist. Erst vor kurzem wurde ein Kutscher grün und blau geschlagen. Wie gastlich das Haus des Herrn Obermeisters ist, geht schon daraus hervor, daß in kurzer Zeit 5 Kutscher tmd 3 Gesellen diese freundlich« Stelle verlassen haben. Der Z e n t r a l v e r b a n d der Fleischer erwartet von der Arbeiterschaft in Teltow, daß sie solange die Konsequenzen aus dem Verhalten des He r r n Hasel off zieht, bis der Herr sich bequemt, seinem Personal anständige Arbeitsbedingungen zu ge» währen. Der Sieg der Gewerkschaften in Potsdam ist nach einer Mtt- teilung der Demokratischen Partei, Potsdam, und entgeqen unserer Meldung vom 21. Juli nicht trotz der Gegnerschaft der Demokraten errungen worden. Diese haben vielmehr am 6. Juni schriftlich er- klärt,„es ablehnen zu müssen, sich an der Wahl zu beteiligen". Der genannte Herr Wiese ist seit dem 1. März nicht mehr im Dienste der DDP. Potsdams und hat die Wahlarbeit nicht in ihrem Auf- trage geleistet. Verhandlungen im Rheinschifferstreik!n Koblenz und Essen hatten nach WTB. den Erfolg, daß die Maschinssten und die Heizer die Arbeit am Mittwoch wieder aufnehmen wollten, nach- dem ihre Forderungen im wesentlichen anerkannt waren. Nunmehr haben die Matrosen neue Forderungen gestellt, so daß wiederum Verhandlungen nötig werden und die Aufnahme der Rheinschifsahrt am nächsten Mittwoch in Frage gestellt ist. Generalstreik in der französischen Textilindustrie. Die Vertreter der Arbeitsbörsen von Rauba ix, Tourcoing und Umgegend haben beschlossen, für den 2. August den Generalstreik in der Textilindustrie und allen anderen durch eine Lohnherab- s e tz u n g bedrohten Arbeitszweigen zu erklären. Sroß-Serliner parteinachrichten. Morgen. Mittwoch, den 27. Juli: 28. Abt. Die Kahlaben b« finden in den bekannten Lakaien statt. 238 unb 239 bei Bartels, Rqckestr. 19. Sie Bezirke 387, Sport. Großer Brei» von Berlin. Do« größte radfportllche Sreignt» wird am kommenden Sonntag, dem 3t. Juli, für Berlin im deutschen Stadion zum AuSttag kommen. Der große Preis von Beilm wird in diesem Jahr zum erstenmal wieder seit längerer Zeit sür Flieger sowohl al« auch für Dauersahrer auSgesahren werden. Im großen Preis der Dauerfahrer wird die erste Begegnung zwischen Appcdhans und Lewanow und dem deutschen M-isler W i t t i g. welche längere Zeit in Berlin nicht zusammen getrosten find, besonders großes Interesse erwecken. Mus aller Welt. 10 Mark für eine Straßenbahnsahrl. Bom 1. August ab kostet in Posen eine einfache Fahrt auf der Straßenbahn 19 Mark. Berantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Peisrr, Charloktenburg: für Anzeigen: T». Mlocke, Berlin. Verlag: VarwärtS-Vcrlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Bor- wärtS-Buiddrnckerci u. VerlagSanftait Paul Singer u. To.. Berlin. Linbenstr.». Nutzeisen Stabeften, Bleche, T-Trfiger, U-Eisen, Rehre, Ketten, LagarMeke. 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