Vr.Z4H�ZS. Jahrgang Musgabe A Nr. 177 BezugSvretS: SikrteljährUZ».— M., monoil 10,— M. frei ins Sau», voraus zahlbar, Post- bezug: Monatlich 1V,— Sil. einschl. Au, slellunosgebühr Unter Kreuzband tür Deuilchland, Danzig, das Eaar» und Mernelaebiet, sowie die ehemal, beul- scheu Gebiete Polen». Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M. llit das übrige Ausland 27,— M. Posl- deileUungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Elowalet, Däne» wart, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts� mit der Sonnrag»- beilage»Volt und Zeit", der Unter- baltungsbrilage.Leimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Morgen-Ansgnbe Telegramm-Adr�se »Sozialdemokrat Bern«- Bcriincv Volkslilatt (30 Pfennig) AnzetgeupretS, Dt, aitugelvalten, Aoimareillezeil, tollet bZ-v M»Klein» Anzeige«" da» leUgeb ruckte Dort 1,50 M(zulässig zwei lettgedruckt» Wortes, sede» weitere Wort M. Stellengesuch« und Schlasstellenanzetgen da, erst» Wort u~ M. jede, weiter« Wort 00 Psg. von, Uber IS BnchNabe» zählen für zwei Won«, ffam'llen-An- zelgen für Abonnenten Zelle ä- M Die Preise oerstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag Anzeigen für die nächste Dumme, mästen dl» st Ahr nachmittag«>w Hanurgeschäft. Berlin KW SS. Linde». ftraße S. abgegeben werden. Geiifsnei oon 8 Uhr früh bis i Uhr abend», Zentralorgan der rozialdemohratifcben parte« Dcutfcblands Reüaktion und Expedition: SW SS, Linüenstr. 2 Redaktion Moritzplast 1S1ilS-S7 ,�ernsprer>ier. Erpeditio« Moritzplatz Il7»z— 5,4 Mittwoch, den Ä7. Juli 1SS4 vorwärts-veriag G.m.b.H., SM 68, Linüenstr. 3 CSot-nCht-nrhot-• Verlag,(fjuedition niili Jmcraten- . 3U,tcl!llnB Morittplal? 117 53—51 Optimismus in fondon« i London, 26. 3utL wie Reuker erfährk, haben die b r i- tische und die französische Regierung nunmehr ein Ein- Verständnis über die Fragen von prinzipieller Bedeutung er- reicht, die mit O b e r s ch l e s i e n in Zusammenhang stehen, wie bereits mitgeteilt wurde, hat die französische Regierung sich damit einverstanden erklärt, da st der Oberste Rat am 4. August zusammentritt. Die britische Regierung Hot den Vorschlag angenommen, vor dem genannten Zeitpunkt eine Sachverständigenkonse- r e n z stattfinden zu lassen, und um den Wünschen Briands ent- gcgenzukommen, Hot sie dem zugestimmt, dah die Konferenz des Obersten Rates in Paris stattfindet. Die britischen Sachverständigen. Sir Eecil hurst. Rechtsbeirat des Auswärtigen Amtes, Tufton, Vorstand des Mitteleuropäischen Departements, und Waterlow. Mitglied dieses Departements, find heute ahend nach Poris abgereist. Eine Reife der Genannten nach Oberfchle- sien wird nicht in Erwägung gezogen. Als Ergebnis der Auseinandersetzungen zwischen deu Regierungen ist eine viel bessere Atmosphäre geschassen worden. Zn der Tat besteht jeder Grund zu der Annahme, dast die oberschlesische Frage sich aus dem besten Wege zur Lösung befindet und dast weitere Mistverständnisse bezüglich der Entsendung von Truppen oder eines anderen Punktes wohl kaum entstehen werden. Tie Pariser Konferenz ohne Lloyd George. London. 26. Zuli.(WTV.) Reuter meldet amtlich, der Oberste Rat wird am 4. August in Paris zusammentreten. Lord Eurzon und Valfour werden England auf der Konferenz vertreten. Lloyd George werde wahrscheinlich nicht zugegen sein. Oberschlefien im Unterhaus. Paris, 26. Juli. Wie der Londoner Korrespondent des„Newyort .herald" meldet, Hot gestern im engltscken Unterhaus im Anschluß an die Erklärung Lloyd Georges, er werde am Donnerstag eine MUlc'luug über die dberschlesis!",» Frage machen können, Oberst Med awood die Anfrage an die Regierung gerichtet, ob sie sich bewußt sei, daß aus allenSeiten des5zaules starke Opposition gegen das Vorgehen der Franzosen in Oberschlesien bestehe. In dem allgemeinen Lärm sei auch der Widerspruch der Minister vernehmbar ge- worden. Auf die Anfrage, ob eine der alliierten Truppen in Schlesien verstärken könnle, ohne anderen in Verbindung zu setzen, habe die Regierung Mächte ihre sich mit den geantwortet, daß sie diese Frage vor ihrer Beantwortung prüfen müsse. Verschärfung üer Lage in Gberschlesten. Oppeln, 28. 3 uli. swTV.) Die Lage im kreise Rybnik hat sich v e r s ch ä r s t. hauptfächlich in der Stadt selbst, jedoch auch aus dem Lande verstärken sich die Insurgenten, und Zwar durch Zuzug aus kongrestpoleu, ausfallend schnell. Der polnische kreis betrat in Rybnik hält nach wie vor die Gewalt in den Händen und schickt sogar Fragebogen an die einzelnen Gutsvorsländ« welche die Anzahl der Bewohner, Menge des Getreides, Anzahl des Viehs und llebcrsichten über die Gröste der einzelnen Guisvorstände betressen. Die Emmagrube hielt vor einigen Tagen eine Belegschastsversammlung ab. in der von den Polen beschlofien wurde, sästitliche deutschen Beamten herauszuwerfen. Die Donnersmarckgrube wird von bewaffneten Insurgenten beseht geHallen. In Rybnik ist neuerdings auch der bekannte Polenführer R o s a n s k i wieder aufgetaucht. Er war bis zum Beginn des letzten Aufstandes polnischer Plebiszilkommissar in Rybnik. Alle Fäden der polnischen Samv'- organisationen laufen augenblicklich nach Reu deck, östlich Tarno- wih, an der polnischen Grenze. In Loslau haben jetzt rimd S0 deutsche Familien die Stadt verlassen. In Rybnik ist die Zahl noch höher. Roch Dzierkowih wird aus Befehl des italienischen Obersten S a l v i o n i in Ratibor«ine Kompagnie Italiener gelegt werden. In Räuden ist ein Zug französischer Husaren eingetrossen. Tas verschleppte Eisenbahnmaterial. Sattowih, 2S. Juli.(Dena.) Die Eisenbahndirektion K a t t v w i tz ist nach wie vor ständig bemüht, die von den Jnsur» genten noch Polen verschleppten Lokomotiven und Waggons zurückzuerhalten. Wie einwandfrei festgestellt wer- den konnte, steht das geraubte Eifenbahninaterial unbenutzt auf der Grenzstation S o s n o w i c e. Die polnischen Behörden haben bis heute die Zurückgabe des unrechtmäßig orgecigncten Eisenbahnmaterials oerweigert. Trotzki Lebeasmittelüiktator. h e l f i u g f o r s. 26. Zull.(EP.) Räch Meldung der„Prawda" sollen die Vrotratioueu in Petersburg und Moskau noch und nach gäuzllch aufhören. Die Lebensmitlelkrise hat den Höhepunkt erreicht, und die Sowjelbehörden fürchten mehr als je einen konterrevolutionärenPutsch. Trohkiist zum Lebensmitteldiktator ernannt worden. Ein Aufruf der Menschewiki. Aus Bad Berka geht uns folgendes Telegramm der Auslands- Vertretung der russischen Sozialdemokraten(Menschewiki) zu:„An- gesichts der in Ruhland ausgebrochenen Hungersnot, die die Arbeiterklasse Rußlands mit physischem Untergang bedroht, richten wir auf Veranlassung unserer Partei an alle Arbeiterparteien und Organisationen Deutschlands das dringende Ersuchen, unverzüglich ein Arbeiterkomitee aus Vertretern aller Rich- t u n g e n zu bilden, welches die h i l f s a k t i o n in Deutschland organisieren und anführen soll. Wir wenden uns gleichzeitig auch an den Internationalen Gewerkschaftsbund mit dem Ersuchen, die Initiative zu der Organisierung einer internatio- nalen Hilfsaktion zu ergreifen. Auslandsvertretung der Soz.-Dem. Arb.-Partei Rußlands. gez.: Abramowitsch. Keine Musfuhrabgabe an Japan. Tokio, 25. Zull. lwlv.) Die japanische Regierung hat die Absicht, eine 26prozen»ige Abgabe von den in Japan einzuführenden deutschen waren zu erheben, endgültig aufgegeben._ Mbrüften oüer zahlen! Pari«, 26. Juli.(WTB.) havas meldet aus Washington, Senator B o r a h habe im amerikanischen Senat den Antrag gestellt, daß die Zahlung der Schulden der Alliierten bis nach der geplanten Abrüstungskonferenz aufgefcho- b en werde. Wenn die auswärtigen Regierungen nicht in der Lage seien, sich mit den Vereinigten Staaten über das Abrüstungsprogramm zu einigen, werde das der amerikanischen Regierung ein Recht geben, auf der pünktlichen Bezahlung ihrer Schulden und Zinsen zu bestehen. Wenn die Regierungen fortführen, erhebliche Summen für ihre Rüstungen auszugeben, würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich eine andere Politik einschlagen. Frank- reich sei gegenwärtig die am meisten militaristische Ration. Seine Armee von 800 000 Mann sei übermäßig stark. Auch England gebe ungeheure Summen für seine Armee und Ma- riilo aus. Die Lasten üer öesatzung. Den PPN. wird geschrieben: Ein verwunderliches Belastungs- bild zeichnete der belgische Finanzminister über die Besatzung s- Heere. Nach seinen eigenen Angaben kostet pro Tag jeder einzelne Mann im amerikanischen Heer 4 Dollar 32 Cents, im englischen Heer 13 Schilling 4 Penny, im französischen Heer 15 Franks 19 Cen- times und im belgischen Herr 16 Franks 9 Centimes. Was bedeutet das für Deutschland? Ein einfaches Rechenexempel deckt die große Bürde auf: Es kostet ein amerikanischer Soldat im Monat 130 Dollar oder durch Durchschnittskurs 90 8 0 M., in der gleichen Einkommens- höhe bewegt sich die Löhnung der englischen Soldaten.- Der franzö- sischr wie der belgische Soldat empfängt(den Frankkurs im Durch- schnitt gerechnet) im Monat je 812 0 M. Erst durch diese Zahlen werden die unerhörten Einkommen im Vergleich zu dem Einkommen- Verhältnis der deutschen Bevölkerung in das wahre Lickit gesetzt. Wir können derartige Monaislöhnungen nur in Vergleich zu-unseren Ministergehältern setzen, aber auch da nur, wenn man ihnen nicht die hohen Steuern aus das Einkommen abzieht. Geschieht das je- doch, so sinkt das Ministereinkommen weit unter die Monatslöhnung eines einfachen Soldaten des Besatzungsheeres. Nach viel sichtbarer wird die gewaltige Bürde, die die Besatzung auf das deutsche Volk legt, wenn die Gesamtziffern annähernd wiedergegeben werden. Vor einigen Wochen wurde von den alliierten Regierungen durch die Krieaslastenkommission die höhe ihrer Ausgaben in einer einzigsten Zahl genannt: es sind von den Alliierten für den Unterhalt ihrer Truppen ausgegeben worden: 3,5 Milliarden Goldmark, Die tatsächlichen Ausgaben bis zum heutigen Tage belaufen sich auf rund 6,8 Milliarden Vopiermark, Dieser Betrag wird aber noch wesentlich erhöht durch die rückständigen, noch nicht festgestellten und angeforderten Requi- sitionen usw. Wenn man annimmt, daß die aus dem Etatsjahr 1919/20 verbleibende Reserve, von etwa 5 Milliarden damit beglichen wird, so würden von deutscher Seite für die. Besatzung rund 12 Milliarden Papiermark geleistet sein, hierzu kommt der Aus- wand der alliierten Staaten mit 3,5 Milliarden Goldmark, oder nach dem heutigen deutschen Reichsmarkwert 45— 50 Milliarden Papiermark. Die Gesamtlast des Unterhalts der Bcsatzungstruppen seit Wafsenstillstand würde demnach also im Durchschnitt etwa 55 bis 60 Milliarden Papiermork ausmachen. ßranzö'sifche Preßfreiheit in Deutfchlanü. Man meldet uns aus Düsieldorf, daß die„Düsseldorfer Zeitung" von der Besatzungsbehörde für drei Monate wegen eines politischen Artikels, der sich gegen die Franzosen richtete, verboten worden ist, In den Teilen Oberschlesiens, wo die Franzosen regieren, durften, wie man uns telegraphilch meldet, die deutschen Z»it»nqeii die deutsche Antwortnot« an die französ-lche Regierung nur mit großen Lücken veröffentlichen. Der systematische Kampf gegen die deutschen Zeitungen hat dahin geführt, daß der.�kattowitzer Anzeiger" ge- zwungen wurde, sein Erscheinen einzustellen. Das Jkattowitzer Morgeublatt" ist abermals auf unbestimmt« Zeit verbäte» worden. planlose Wirtschaft. Von Otto h u e. Kann sich der Normaldeutschc vorstellen, daß in seinem Vaterlande wertvolle industrielle Rohstofse jetzt ungenutzt liegen bleiben, während man in unzähligen amtlichen und privaten Publikationen die Volksgenossenschaft auffordert, mit Rucksicht auf Geldentwertung und Kriegslasten die ein- heimischen Produktionsmöglichkeiten intensiv zu steigern, den Import so viel wie nur eben möglich einzuschränken? In der Tat geschieht eine Brachlegnng einheimischer Rohstoffquellen, worauf wir die breiteste Oesfentlichkeit nun nachdrücklichst aus- merksam machen möchten. Alle Welt weiß, dah Deutschland durch den Krieg sein weitaus wichtigstes Eisenerzgebiet, Lothringen. verloren hat, 1913 betrug die deutsche Eisenerzförderung 28,6 Millionen Tonnen, wovon 21,1 allein aus Lothringen stammten, gleich rund 79 Proz. In den nach dem Krieg noch Deutschland verbliebenen Eisenerzgebieten wurden 1913 nur 7,5 Millionen Tonnen mit einem Eisengehalt von nur zirka 2,4 Millionen Tonnen gewonnen. Damit 1913 die Roheisen- Produktion von 19,3 Millionen Tonnen erzielt werden konnte, verhütteten unsere Eisenwerke außer fast 26 Millionen in- ländischer noch fast 12 Millionen Tonnen ausländischer Eisen- und manganhaltige Erze; außerdem über 6 Millionen Tonnen Kiesabbrände, Schlacken, Manganerze usw. Nachdem uns durch den Krieg rund 79 Proz. unserer inländischen Eisenerz- basis verlorengegangen waren, verstand es sich eigentlich von selbst, daß die uns verbliebenen Eisenerzgruben in absehbarer Zeit wenigstens nicht unter Absatzmangel leiden würden. Mußten doch während des Krieges unsere rechtsrheinischen Erzzechen mit Hochdruck fördern, um nur die Herstellung von 13i,i Millionen Tonnen Roheisen(1917) zu ermöglichen, weil die Auslandserze schließlich ganz ausblieben und die lothrin- gifche Förderung enorm zurückging. Es ist uns nicht bekannt, wie hoch sich zurzeit�die deutsche Roheisenerzeugung beläuft. Nehmen wir an, die Jahreserzeugung betrüge nur noch 5 Millionen Tonnen, so würde hierfür die gegenwärtige in- ländische Eisenerzförderung nicht einmal die Hälfte des Be- darfs decken. 1929 stellte sich die inlandsdeutsche Eisenerz- förderung auf rund 6 Millionen Tonnen, die bis auf einige hunderttausend verbraucht wurden. Daneben ist ungefähr die gleiche Menge Auslandserze verhüttet worden. Man sollte also annehmen, daß unsere Eisenerzgruben keine Schwierigkeiten hätten, ihre relativ geringe Förderung in den Verbrauch überzuführen. Wie aber liegen die Dinge tatsächlich? Die Eisenerzzechen im Lahn-Dillbezirk, mit dem benachbarten westfälischen Siegerland, das größte uns verbliebene Eisenerzgebiet, leidet seit Monaten unter zunehmenden Absatzschwierigkeiten! Seit Monaten müssen sich dort die Belegschaften wöchentlich mehrere Feierschichten gefallen lassen! Bereits ist eine Anzahl Förderungen stillgelegt und auf den Halden lagern große Mengen unoerkaufter Erzmengen! Die Unternehmerpresse berichtet, es sei noch mit der Betriebseinstellung einer Reihe Gruben, namentlich in Oberhessen, zu rechnen. Also auch mit der Entlassung meh- rerer tausend Bergleute, die, zumeist bodenständig, nicht mit Sack und Pack abwandern können. Wohin übrigens, da keine Nachfrage nach Arbeitern ist!? Herrschte gemeinnützige Ordnung in unserer Volkswirt- schaft, so wäre es keine Unmöglichkeit, die Verarbeitung der inländischen Rohstoffe nach einem großzügigen Plan zu regu- gieren. Es handelt sich in dem nassauisch-hessischen Bezirk um eine Iohresförderung von Millionen Tonnen(1929, im Jahre 1917 waren es 2,19), während sich der deutsche Eisen- erzverbrauch für 1929 insgesamt noch auf fast 12 Millionen Tonnen belief. Die Vertretung des Deutschen Bergarbeiter- Verbandes im Lahn-Dillgebiet hat bereits vor mehr als einem Holben Jahre alle nur denkbaren Anstrengungen gemacht, um die Landes- und Reichsbehörden, vom Demobilmachungs- kommissar bis zur Reichsregierung, zu veranlassen, sich für die Abnahme der Erze seitens der großen Hüttenwerke zu ver- wenden. Alle Schritte waren vergeblich. Man erklärte der Bergarbeiteroertretung zur Ueberleitung der inländischen Erz- förderung in den heimischen Verbrauch fehle es„an der ge- fetzlichen Handhabe". Hier gelte die„freie Kon- k u r r e n z". Die Hüttenwerke zögen es vor, billigere Aus- landserze zu beziehen, die Preise der Jnlandserze seien zu hoch. Tatsächlich nimmt der Eisenerzimport zy: schon in der Periode Januar-November 1929 wurden 6,47 Millionen Tonnen Erze und Schlacken importiert. Sicherlich reden wir keinem abgestandenen Merkantilismus das Wort, aber Deutschland ist doch gezwungen, der Entwicklung seiner eigenen Produk- tionskräfte den Vorzug gegenüber einer Rohstoffeinfuhr zu geben, die allerdings privatwirtschaftliche Vorzüge hat. Die mit Betriebseinstellung und Arbeitslosigkeit heim- gesuchte Arbeiter- und Angestelltenschaft verstebt es einfach nicht, daß man ihr Arbeitsprodukt ungenützt läßt, um den gleichen industriellen Rohstoff mc-ffenhaft zu importieren. Der Deutsche Bergarveiterverband Hot auf seiner Generalver- sammlung, wie auch dann die des christlichen Gewerkvereins. beschlossen, die R e i ch s r e g i e r u n g sei aufzufordern, die Eisenerzindustrie des Sieg-Lshn-Dillgebists vor. dem Ruin zu schützen, indetn Vorkehrungen für den vorzugsweisen Ver- brauch der Erge im Inlands getroffen würden. Die dem Äergarbeiterverband angehörenden preußischen Landtags- »bgeordneten haben bei der Bergetatberatung die schwere Absatzkrisis im.deutschen Erzbergbau geschildert und einen Antrag zu seinem Schutze gestellt. I» unbegreiflicher Kurzsichtigkeit haben-sämtliche bürgerlichen Parteien diesen A n- trag abgelehnt!„Nur Arbeit kann uns retten." Ge- miß, aber unsere Erzbergleute wollen arbeiten, sie werden heute arbeitslos gemacht durch eine Eisenerz- Versorgung, die vorzüglich nach Privatwirtschaft- l i ch e n Gcsichtspvnkten orientiert ist. Der in der Landtags- Kommission erhobene Einwand, die schlechte Beschäftigung der Erzzechen sei aus K o h l e n- und K o k s m a n g e l zurück- zuführen, trifft längst nicht mehr zu, wofür der Reichskohlen- kommissar und der Reichskommissar für die Eisenwirtschaft Zeugnis ablegen können. Letzterer kam durch die Borstellun- gen der Bergarbeitervertreter auch zu der Ansicht, daß even- tuell an die Kontingentierung der Eisenerzeinfuhr gedacht werden müsse. Auch die Eisenerzförderung im Herrschafts- gebiet der I l s e d e r Hütte, an der bekanntlich das Reich mit 25 Proz. beteiligt ist, leidet stark unter Absatzmangel, aus der- selben Ursache wie das Lahn-Dillgebiet. Allerdings find die Preise für Jnlandserze gewaltig in die Höhe getrieben. Beispielsweise stand vor dem Kriege Siegerländer Spateisenstein auf 18 bis 19 M.. im Juni d. 3. auf 406,50 M.! Lahnerz wurde ähnlich verteuert, es stand bis vor kurzem auf 173 bis 238 M. Kürzlich ist das Siegener Erz um 30. das Lahnerz um 24 bis 26 M. pro Tonne ver- billigt worden in der Hoffnung, nun ausreichenden Absatz zu finden. Man merkt nichts davon. Aber auch das Roheisen ist im tollen Jagen nach dem„Wetlmarktpreis" von 70 bis 80 Mark vor dem Kriege auf über 2350 M. in 1920 hinauf- getrieben worden. Der damals erst konstituierte Eisen- wirtschaftsbund drängte auf den Preisabbau und wird deshalb als„Zwangswirtschaft" von feiten der Unternehmer immerfort bekämpft. Wir haben damals die„Annäherung der Inlandspreise an den Weltmarktpreis" entschieden be- kämpft. Wir haben wiederholt hingewiesen auf das ständige Schwanken unserer Valuta, das uns eines bösen Tages plötz- lich vor die Notwendigkeit eines starken Preisabbaues, eben mit Rücksicht auf das voraussichtlich starke Sinken der Aus- landspreife, stellen würde. Dann aber hätten sich die Preise für unsere sämtlichen Lebensbedürfnisse derart den sozusagen gewaltsam erhöhten Preisen unserer Rohstoffe und Halb- fabrikate angepaßt, daß der zweifellos von den Unternehmern nun propagierte Lohn- und Gehaltsabbau zu schweren sozialen Konflikten führen werde. Die Warnungen waren in den Wind gesprochen, die Warner wurden als„einsichtslos", ja sogar als„arbeiterfeindlich" verschrien— heute ruft das ganze Unternehmertum nach Lohn- und Gehaltsabbau, während die Lebenskosten der breiten Massen sich den Teufel um den er- heblich gesunkenen„Weltmarktpreis" kümmern, neuerdings noch zunehmen. Das ist die Folge der planlosen Wirt- s ch a f t. die nur den Augenblicksprofit im Auge hat. Dieser Planlosigkeit würden noch mehr unserer inländi- schen Rohstoffquellen geopfert werden, wenn die verantwort- liehen Behörden den Dingen ihren vernichtenden Lauf lassen. Dem Reichstagsausschuß für Volkswirtschaft wurde von der Regierung berichtet, Ende Mai d. I. hätten sich die Eisenerz- preise frei Oberhausen, berechnet auf ein Proz. Eisenachalt, gestellt: für schwedische Erze auf 5,30, lochringische Minette 4.49, luxemburgische Minette 4,21, deutsches Rot- eisenerz aus dem Dillgebiet auf 5,67, aus dem Lahngebiet auf 5,75 M.! Danach stand der deutsche Erzpreis am höchsten. Außerdem enthalten die Lahn-Dillerze sdie übrigens 40 bis 50 Proz. Eisengehalt besitzen, also keines- wegs„minderwertig" sind) die VerhüttSng erschwerende Be- standteile svorzüglich Kieselsäure), während die lothringisch- luxemburgischen, auch die schwedischen Erze großenteils phos- phorhaltig sind, worauf sich die lukrative Gewinnung von Thomasphosphatmehl als Nebenprodukt aufbaut. Zweifellos wird die Verhüttung jener Auslandserze privat- Iungsozialismus. Von Richard Weimann. Jungsozialismus— liegt darin nicht ein Gegensatz zum Sozia- tismus? Keineswegs, beides ist im Grunde das gleiche. Dos Wort Sozialismus erhält dadurch einen besonderen Klang, daß wir Jung- sozialisten haben. Sie oertreten keine Richtung, sie stellen sich auch nicht in Gegensatz zu den Alten. Sie wollen nur, daß die hohen Gefühls- werte lebendig werden, die der Sozialiemus in sich trägt, daß er sich voll auswirkt nach der ethischen Seite hin, daß er den gan- zen Menschen packt. Ihnen ist der Sozialismus nicht nur eine politische Ueberzeuguktg, ein Wirtschaftsziel, sondern eine seelisch- sittliche Erneuerung, eine neue Lebensgestaltung. Sie streben danach, wirklich revolutionär zu sein, nicht mit Worten, sondern durch Taten. Es ist leicht, sich im Wortradikalismus zu er- gehen, aber unendlich schwer, sich loszureißen vom Alten, Her- gebrachten, das uns in seiner Bequemlichkeit so sehr gefällt. Aber darauf kommt es an, die tausend Gewohnheiten des Alltags, die sich auf uns vererbt haben wie eine ew'ge Krankheit, abzuschütteln und neue Wege zu gehen. Auch in der Gesinnung, in seinen privaten Lebensäußerungen muß man beweisen, daß man Sozialist ist. Gerade hier läßt sich am besten beurteilen, wer Spießbürger und wer Revolutionär ist. Die Iungsozialisten wollen das sein oder werden, was man feit dem sozialdemokratischen Kulturtag in Dresden schlagwortartig den „sozialistischen Menschen" nennt. Sie mühen sich um den Beweis, daß der„sozialistische Mensch" nicht ein Schlagwort ist, son- dern lebendige Wirklichkeit wird. Unser heutiges Partrileben allein befriedigt sie nicht. Es ist— bei aller Anerkennung unserer sozlalistischen Kulturarbeit— immer »och zu einseitig rational, d. h. verstandesmäßig eingestellt, das Irrational«, d. h. seelisch-gefühlsmähige kommt zu wenig zur Gel» tung. Zwar vollzieht sich auch in der Partei unverkennar eine inner« geistige Umstellung, aber sie geht naturgemäß nur langsam vor sich und kann auch nicht ausschließlich den Iungsozialisten Rechnung tragen. Die letzteren wollen sich aber nicht in der Masse verlieren, sondern im Kreise Gleichgesinnter mit der ihnen eigenen geistig. seelischen Einstellung ihr Eigenleben im Rahmen des Ganzen ent- wickeln. Sie haben daher in der Partei eigene Gemein- i ch a f t e n gebildet, in denen der Sinn für die Gemeinschaft und die Kameradschaftlichkeit gepflegt werden. Das dient der Entfaltung aller jugendlichen Kräfte zum Nutzen des Parteiganzen. In Bielefeld treten die Jungsozialisten des Reiches dieser Tage das erstemal zusammen. Sie wollen vor aller Welt ein Be- kenntnis zum Sozialismus oblegen und ihre Ideale verkünden. Dabei wird es sich erweisen, daß der Jungsozialismus keine Richtung, ja nicht einmal etwas Neues ist. Er ist nichts andere» als der Sozialismus im umfassendsten Sinne, der unser ganzes wirtschaftlich profitabler sein, zumal wenn zwischen Erz- lieferanten und Bcrhüttungswerken gewisse Jnteressengemein- schaften verabredet sind. Aber kann man es Volkswirt- schaftlich gutheißen, daß unsere einheimische Erzindustrie mit vielen taufenden Arbeitern in Verfall gerät, weil die privatwirtschaftliche Kalkulation der großen Hüttenwerkskon- zerne es so will? Man betrachte auch die kolossalen Vetriebsüberschüsse der Hüttenwerke und be- antworte sich dann selbst die Frage, ob die verhältnismäßig kleine Zahl der Erzverbraucher nicht in der Lage ist, auf einen Teil ihrer enormen Gewinne zugunsten des Verbrauchs in- ländischer Eisenerze zu verzichten. In Betracht kommen nur wenige Dutzend Großwerke, die zu den überschußreichsten An- lagen in Deutschland gehören. Die taufende bereits arbeitslosen oder von Arbeitslosig- keit bedrohten deutschen Erzbergleute und ihre Familien werden den Gemeinden, den Ländern, dem Reiche zur Last fallen. Man muß ihnen Arbeitslosenunterstützung zahlen, die Gemeinden werden auch schwer getroffen durch die Betriebs- ftillegungen. Alles Beschönigungsgerede inter- efsierter Kreise schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß ein großer Teil unferes-Erz- bergbaues ruiniert wird, wenn die Vorbeu- ungsmaßregeln ausbleiben! Der vorzugsweise erbrauch unserer inländischen Rohstoffe ist durchzuführen, wenn nicht anders, dann durch gesetzeskräftige Vor- schriften. Man kann auch, wie es schon vor dem Kriege für die Ueberleitung der Sieg-Lahn-Dillerze in den oberschlesischen Verbrauch geschah, durch besondere Frachttarife die Ver- brauchsmöglichkeit begünstigen. Das ist jedenfalls volks- wirtschaftlich nützlicher als die Zahlung von Erwerbs- losenunterstützung an die Opfer einer planlosen Wirtschaft. Wahrscheinlich wird sich der übliche„Sturm der Ent- rüstung" erheben über vorstehende Vorschläge zur Einschrän- kung der planlosen„freien" Wirtschaft. Was es damit auf sich hat, lehrt dieser Vorgang: Der deutsche Roheisenver- band hat soeben einer Reihe von Gießereien die Rabattgewährung versagt bzw. die Entziehung der- selben angedroht, weil sie billigere Einkaufs- Möglichkeiten für Luxemburger Gießerei- roheisen wahrnehmen konnten! Ist das nicht be- zeichnend für die sogenannte„freie Wirtschaft"? Das privat- kapitalistische Syndikat schützt sich vor billigen Roheisenimport, indem es seinen„straffälligen" Abnehmern die Rabattver- gütungen entzieht. Das Syndikat kontingentiert auf diese Weise auch den Import von Roheisen. Also k o n t i n g e n- t i e r e das Reich die Eisenerzeinfuhr zugunsten un- serer arbeitslosen Erzbergwerksarbeiter! versagt üie Sozialdemokratie) Die„Kreuz-Zeitung" macht den Arbeitern und ihrer politi- schen Führung den Vorwurf, daß sie bei der— Erfüllung des Ultimatums versage. Gerade die.Arbeiterschaft habe bisher nicht den Weg betreten, der zur Durchführung der eingegange- nen Verpflichtungen führen könnte, falls dies überhaupt mög- lich sei. Das Versagen sieht die„Krcuzzeitung" darin, daß die Sozialdemokratie keine erhöhte Arbeitszeit auf sich genommen und in keine Einschränkung des Reallohnes gewilligt habe. Als besonders schlagender Beweis für den sozialdemokratischen Wider- stand wird angeführt, daß im Programmentwurs der Achtstundentag und sogar dessen Herabsetzung dort verlangt wird. wo mit erhöht«? Gefahr für Leben und Gesundheit des Beschäftigten zu rechnen ist. Man hat noch weitere Beweise für unser Versagen. Das Ver- langen des sozialdemokratischen Vertreters im Ausschuß des Reichstages: erst Gesamtprogramm an Steuern, dann Einzel- beratung, gilt den Herren von Rechts ebenfalls als ein Ver- brechen. Die Stellungnahme des„Vorwärts" gegen die Brotpreiserhöhungen schlage aber dem Faß den Boden aus, denn gerade die Arbeiterschaft sei zu einer Einschränkung der Lebenshaltung eher im Stande als andere Bevölkerungskreise. Sein erfüllt. Sozialisten sein mit Herz und Hirn, in seder Lebens- äuherung, nicht nur in der Organisation, sondern auch draußen— das wollen die Jungsozialisten. Dazu mögen ihnen die Alten helfen! Der kühle Hut. Ein kühler Hut ist in heißen Sommertagen eine Annehmlichkeit. Die Frage ist nur, was für eine Kopfbe- deckung man sich dazu wählen soll. Die Antwort darauf gibt ein englischer Hygieniker, der eingehende Versuche mit den verschieden- sten Herrenhüten angestellt hat und seine Ergebnisse in einem Londoner Blatt mitteilt. Bei diesen Versuchen wurde ein Mann auf einem Stuhl ins Freie gesetzt und dann die Lufttemperatur ge- mesien, wobei sich 9S Grad Fahrenheit ergaben. Ihm wurden dann die verschiedenartigsten Hüte aufgesetzt, von denen er einen jeden eine Viertelstunde ausbehalten mußte Innerhalb eines jeden Hutes wurde vorher ein kleines Thermometer angebracht, das die Wärme in dem Luftraum zwischen Scheitel und Hutoberfläche messen sollte. Der erste Versuch wurde mit einer Seglermütze gemacht, die man bisher wohl für eine ziemlich kühle Kopfbedeckung hielt. Nach Ablauf der Viertelstunde zeigte das im Hut befindliche Thermometer 192 Grad Frahrenheit, also 7 Grad mehr, als die Außenluft auf- wies. Es folgte dann ein englischer Polizistenhelm, bei dem sich eine Hutwärme von 199 Grad ergab. Sodann wurde ein Zylinder gewählt, den man gewöhnlich für ein recht heißes Kleidungsstück ansieht. Und siehe da, die Temperatur unter dem Zylinder belief sich nur auf 91 Grad, war also um 11 Grad geringer als bei der für luftdicht geltenden Seglermütze. Der Zylinder er- wies sich also als kühler wie der gewöhnliche steife Hut, der 94 Grad hatte. Der steife Hut jedoch, den man auch nicht gerade für recht sommerlich hält, war immer noch kühler als die viel- getragene„leichte" S o m m e r m ü tz e, unter der sich eine Wärme von 96 Grad entwickelte. Alle diese Kopfbedeckungen sind zum Tragen bei heißer Witte- rung nicht praktisch. Viel geeigneter erwiesen sich die eigentlichen sommerlichen Kopsbekleidungen. Der weiße breitkrempige Leinen- h u t schnitt schan bedeutend besser ab, indem die sich unter seiner Bedeckung entwickelnde Temperatur nur 89 Grad betrug, S Grad weniger als die Wärme der Außenluft. Der Leinenhut wieder wurde noch übertroffen von dem runden festen Strohhut, wohl der beliebtesten sommerlichen Kopfbedeckung der Männer. Dieser Strohhut mit fester Krempe hatte nur eine Temperatur von 85 Grad. Noch günstiger schnitt der weiche weiße Strohhut ab, der es auf 82 Grad brachte, und den Rekord stellte der mit Recht so viel gerühmte Panamahut auf, unter dessen leichtem luftigen Gewebe sich nur eine Wärme von 7g Grad entwickeln konnte, so daß der Träger eines solchen Hutes seinen Kopf um 16 Grad kühler hatte, als wenn er keinen Hut getragen hätte. Diese Versuche beweisen, daß der, der auf einen kühlen Kopf bei heißer Witterung sieht, alle Mützen von sich weisen und zum Strohhut greifen soll. Schwarze Schmach in?seven. Revublikonische Berliner nehmen mit Recht Anstoß an den mouarchiftifchen Geschmacklosigkeiten, mit denen ein Teil des Publikum» die Aufführungen der Potsdamer Freilichtspisl« zu würzen sucht. Aber was sich hier auf dem Brau- Wir stellen fest: Die Sozialdemokratie hätte nach der Mei- nung eines führenden reaktionären Blattes nicht versagt, wenn sie für Abschaffung des Achtstundentages, für Ber-- längcrung der Arbeitszeit in ungesunden Betrieben, für Her- absetzung der Löhne, f ü r direkte Steuern ohne sich um direkte zu kümmern und f ü r hohe Bratpreise wäre. Wir können da die„Kreuzzeitung" gleich für alle Zukunft beruhigen. In der von ihr angedeuteten Richtung wird die Sozialdemokratie immer„versagen". Täuschen wir uns nicht, hinter diesen Redensarten, ver- hüllten Drohungen und Ausflüchten steckt ein Grundsatz, und das ist der, dem Reiche in seiner Rot ni ch t Helsen zu wollen! Man will sich von den Pflichten drücken und sucht Gründe dazu. Wir halten es demgegenüber mit folgenden Bemerkungen: „Ob die neue Regierung Bestand hat und leistet, was von ihr erhofft wird, wissen wir nicht. Aber niemand täusche sich darüber, daß diese Wendung trotz alle? inneren Kämpfe und trotz der Aus- einandersetzungen mit den noch lebendig bleibenden Kräften der Vergangenheit, zu denen die neue Staatsform gezwungen fein wird, un w i d e r r u f l i ch ist: zu stark ist die demokratische Welle, zu stark das revolutionäre Zittern, das über die ganze Erde geht.. Diese Sätze unterschreiben wir voll und ganz. Standen sie nur zufällig am 9. Oktober 1918 in der„Kreuz-Zeitung"? Ihre Stellung von heute oder die von damals ist unehrlich, ist feige, ist„ein Versagen" gegenüber den harten Tatsachen. bewaffneter �ufftanü gegen wen) Nachdem der Ehrenvorsitzende der 3. Internationale, Heinrich Brandl er, vor Gericht erklärt hat, der Kommu- nismus brauche zu seinem Sieg noch Jahrzehnte, die KPD.- Zentrale sei eine Gegnerin des bewaffneten Aufstandes, und die Diktatur des Proletariats lasse sich auch verwirklichen, ohne daß der bestehenden Verfassung ein Haar gekrümmt würde— nach alledem hat es die Zentrale für nötig gehalten, ihren Lesern wieder etwas kräftigere Kost vorzusetzen. Und so er- schien dieser Tage ein von ihr herausgegebenes Büchlein„Tak- tik und Organisation der revolutionären Offensive. Die Leh- ren der Märzaktion", worin u. a. I. H e y d e r folgender- maßen orakelt: Der künftige monarchistisch-militaristische Putsch wird also kein isolierter kleiner Putsch sein, sondern ein großzügiges ernstes Unternehmen. Nicht politische Desperados wer- den die Aktion leiten, sondern die anerkannten Führer der mon- archistischen Parteien. An Stelle Kopps wird der Hohen- z o l l e r stehen und an Stelle des Kapitäns Ehrhardt der Gene- ral Ludendorff. Zur selben Zeit wird sich aber weder d i c proletarische Front einheitlich gestalten, noch wird sie sich ouf andere Schichten stützen können. Die Gewerkschafts- bureautratie und die führende Bureaukratie der Mehr- heitssozialisten wird sich nie mehr trauen, die Parole des Generalstreiks herauszugeben. Hinter dem im Interesse der Gewerk- schaftS- und Mehrheitssozialistenbureaukratie geführten Generalstreik erschien im März 1929 der gegen die sozialdemokratische Gewerk-' schaftsbureaukratie gerichtete Ausitand. Und diese Bureaukratie weiß es nur zu gut, daß jeder Generalstreik des Proletariats, auch wenn sie sich selbst an die Spitze desselben stellen würde, letzten Ende» nur in einen gegen sie sich wendenden, bewaffneten Aufsland münden kann. Also wenn„der Hohenzoller und Ludendorsf" ihren Putsch machen und Gewerkschaften und Sozialdemokratie zum Generalltreik aufrulen, dann werden d i e.Kommunisten kommen und dieien�gen, d i e den General st rcik gegen den Hohenzoller führen, ganz einfach totschießen. Heil den Hohenzollern, daß sie solche Untex- tonen haben wie diese Kommunisten! Wer ist dieser I. Heyder? Hat der Mann am Ende nur ausprobieren wollen, welcher Blödsinn, wenn er nur rrrevo- lutionär klingt, von der KPD. in eine parteioffizielle Schriften- fammlung aufgenommen wird? hausberge abspielt, ist ein sanftes Säuseln gegenüber den natio- nalistischen Donnerschlägen, die von dem weltbedeutenden Bretter- gerüste des hannoverschen Städtchens Zeven erdröhnen. Dort pro- duziert sich eine Schauspielertruppe, an deren Spitze ein Direktor P a l m b a u m steht. Dieser Palmbaum ist ein sehr vielseitiges Ge- wachs: nicht nur Menschendarsteller, sondern auch drrrromatischer Dichter. Und in letzterer Eigenschaft hat er mit kerniger Faust ein Stück gezimmert, das den Titel trägt:„Die schwarze Schmach in deutschen Lande n." Am letzten Sonntag erlebte es feine Uraufführung, über die das Kreisblott des Kreises Zeven einen spaltenlangen Bericht bringt. Ort der Handlung: eine mittlere Stadt am Rhein. Unter dem Schutz der französischen Besatzung vergewal- tigen und ermorden schwarze Sergeanten dreizehnjährige Mädchen, während ein edler Deutscher, dem aus Versehen ein Revolver los- geht, der nicht einmal ihm gehört, standrechtlich erschossen wird usw. Ganz Zeven raste vor Wut und schäumte vor sittlichem Ekel. „Möge Herrn Palmbaums Werk dazu beitragen," sagt der Theater- reierent des Kreisblatts,„um allen Deutschen die Augen zu öffnen und auch dem Ausland verkünden, mit welcher unge- heuren Schmach die sogenannte Grand Notion Deutschland bedeckt!" Ein kühner Wunsch, zu dessen wenigstens teilweifer Erfüllung wir das unsrige beitragen wollen, indem wir das In- und Ausland, fa- weit es das„Zevener Kreisblatt" nicht liest, auf die nationalistischen Greuel aufmerksam machen, deren Schauplatz zurzeit die Zevcncr Bühne ist. Die„Reinigung" der ungarischen Wissenschaft. In den letzten Tagen sind wiederum eine Reihe namhafter Professoren auf Grund eines Disziplinarverfahrens von ihrer Lehrtätigkeit an der Budapest er Universität dispensiert worden. Die Maßregelung erfolgte wegen der Haltung, die die Betreffenden während der Revolution eingenommen hatten. Die meisten der Gemaßregelten sind bereits feit Jahrzehnten an der Universität tätig und haben auf Grund ihrer wtstenschaftlichen Arbeiten einen Weltruf. Dies gilt besonders von Prof. Heinrich Marczali, der der bedeutendste lebende Geschichtsforscher Ungarns ist. Seine Ar- betten find in alle Kultursprachen übersetzt worden. Augenblicklich befinden sich im Lehrkörper der Budopester Universität aus» schließlich Anhänger des bestehenden Kurses. Auslieferung österreichischen kunsibesihes. Die t s ch e ch o- slowakische Regierung hat ihre Forderungen auf die aus öffentlichem österreichischen Besitz auszuliefernden Werke bereits überreicht. Die Liste ist in den letzten Stunden in Wien eingetroffen. Es besteht Grund zu der Annahme, daß die tschechoslowakische Re- gierung auf die berühmten Gemälde ans der Prager Kunstkammer, daunter Hauptwerke von Dürer und C o r e g g i o sowie auf die unschätzbaren Handzeichnungen Dürers Anspruch erhebt. „Der einzige Weg." Der Roman ,.l- e« 6 r a p e a u x" von Paul Reboux, über den wir bereits vor einigen Monaten, als er in der Originalausgabe oerösfentlicht wurde, ausführlich be- richtet haben, ist jetzt in deutscher Uebersetzung unter dem Titel„Der einzige Weg" bei G r c t h l e i n u. Co. in Zürich und Leipzig erschienen(geheftet 16 M., in Halbleinen 24 M.). Das Werk, das nicht nur ein literarisches, sondern ein politisches Ereignis allerersten Ranges ist, wurde von der nationalistische« Citel vor Gericht. ?itol Friedrich mutzte schon wieder einmal vor dem ordentlichen Gericht erscheinen. Diesmal interessiert unS die Streitsache, in der er wieder verurteilt wurde, wenig. Imndelt es sich doch nnr um die Herausgabe dcS Kindes des Prinzen Joachim an die Mutter. Viel wichtiger scheint, datz die beklagte Partei, der Prinz Eitel, nach den Zeitungs- berichten sich wieder auf das.Hausgesetz der Hobenzollern" berufen hat. Der Gerichtshof mutzte in seiner Urteils- begründung ausdrücklich darauf hinweisen, datz es Haus- gesetzc der königlichen Familie nicht mehr gibt. Mit der Beseitigung der Adelsvorrechte, die im Artikel 109 der Reichsverfassung formuliert und sür Pfützen durch ein besonderes Gesetz ini Juni l920 ausgeführt wurden, hat das Haus Äoheuzollern auch als juristische Persönlichkeit auSgespukt. Mit diesem sogenannten Adelsgcsetz verschwanden die Vor- rechte des gesamten AdelS. Mit welchem Wust von Sondervorschristen dabei aufzuräumen war. geht allein aus der Tatsache hervor, datz es ausdrücklich nicht weniger als 79 Gefetze und Verordnungen ganz oder teilweise aufhebt. In all diesen Gcsesten und Verordnungen waren die verschiedensten Vorrechte zugunsten des Adels festgelegt. Es bleibt bc wundeinswcrt, welche Mühe sich Prinz Eitel gibt, wohl mehr verführt durch seinen Rechtsbeistand als aus eigenem Willen. immer wieder Urteile aus Grund von Vorrechten zu ver- langen, die nicht mehr existieren. Die frankfurter Wirrköpfe vor Gericht. Frankfurt o. ZN.. 2S. Juli.(TU.) In der Verhandlung des Frankfurter Aommunistenprezejses bekannte sich der chauptangeklagtc Schriftsteller Georg Kunz als Kommunist aus Ueberzeugung und Anhänger von Liebknecht. Räch dem Kapp-Putfch ist er Mitglied des aus vier politischen Parteien bestehenden A t t i o n s- ausschusses gewesen. Lediglich als Abwehr gegen die O r g e s ch und gegen die Truppen, die von der Regierung nicht entwaffnet wer- den konnten, se idie Kampforganisation(KO.) bei der KAPD. ge- schaffen worden. Die Kampsorganisation hat nach der Behauptung von Kunz nur zwei Monate, von Mitte Mai bis Mitte Juli 1S20, bestanden. Dann sei sie durch Parteibeschluß a u f g e l ö st worden, weil sich zu ihr zu viele Lockspitzel drängten und die Gefahr einer M i i i t a ri s i e r u n g der Partei eintrat. Ein« Reihe von Vergehen, die ihm vom Vorsitzenden vorgehalten werden, bestreitet der Angeklagte. Dann erfolgte die Vernehmung von Wilhelm Lehmann, der neben Kunz die treidende Kraft in Frankfurt gewesen sein soll. Lehmann war nach dem Kapp-Putsch im März bei der Kontrolle der Straßenpatrouillen im Bureau tätig. Der Schreiner Rudolf Schwarz, der sich„Anarchokommunist" nennt, will die KO., die er nicht als illegale Kampforganisation, sondern als i n t e r- nationale Komunistenorganisation bezeichnet, gegründet haben. Er erklärt, daß die Gründung nicht als Kampf- organifation. sondern als ein Versuch gedacht sei, die gespaltenen einzelnen Gruppen wieder zusammenzubringen.(Der richtige Weg! Red.) Gürgerblock plus Kommunisten. In den Ausschüsien des sächsischen Landtages, wo gestern wiederum die Regierungsvorlage über eine Grund- und Ge- merbesteuer beraten wurde, kam es zu einer Sensation. Die beiden Dorlagen wurden nämlich mit allen bürgerlichen und mit den Stimmen der Kommuni st en abgelehnt. Dadurch ist die sächsische Regierung in ein« schwierig« Situation geraten, die Finanzminister Heidt dadurch kennzeichnete, daß er betonte, der Re- gerung würde bei der Ablehmmg der beiden Vorlagen im Plenum nichts weiter übrig bleiben, als zurückzutreten. Fall» die Regierung zurücktreten würde, wäre die nächste Folge die Auflösung des Land- tage» und die Ausschreibung von Neuwahlen. ver ftühere sächsische Finanzminister NIHschke(Dem.) ist in Leutzsch bei Leipzig gestorben. Presse Frankreichs totgeschwiegen. Bei uns in Deutschland dürfte es eines Bombenerfolges sicher fein. Und es verdient ihn schon allein seines tapferen, rücksichtslofen Wahrheitsmute» wegen.„Der einzige Weg", der zur Gesundung Europas führen kann, ist noch Ansicht Reboux' kein anderer als die Brücke der Versöhnung zwischen Deutsch- land und Frankreich. Unsere Nationalisten werden in dem Roman zwar manche Blüte finden, aus der sie chauvinistischen Honig saugen können, im ganzen aber dürfte der strenge Gerechtigkeitssinn des Verfassers sie eoenso wenig befriedigen, wie er ihre französischen Gesinnungsgenossen befriedigt hat. �rnteUeö. Di« Saat steht reif, die Saat steht schwer, Das Korn stießt in die Scheuer, Wo nehmen wir wohl die Säcke her?— Gottlob, da» Brot wird teuer. Wer Schinken schmaust als Hauptgericht Am Abend und am Margen, Den schert die kleine Zukost nicht, Ihn zwicken keine Sorgen.* Der gute Himmel mühte sich Doch nicht sür Bettelkinder: Er dachte liebreich sicherlich An schnelle Mast der Rmder. Ein fettes Rind bringt unbedingt Dem Züchter manchen Batzen— Und wem kein Geld im Beutel klingt, Schmor' Rüben seinen Fratzen. Die Armut plagt nur den, der dumm, Kartoffeln mag er schlingen— Laßt uns zum Erntefest darum Ein frommes Dantlied singen. Der Sünder spüre Hungerquol, Uns fülle sich die Scheuer. Seid fröhlich, Brüder, allzumal: Gottlob, da» Brot wird teuer! S ch l a r a s f. Svielplanäuberung. Di« E x I- B ü h n e bringt imTbeaterin der Königgrätzer Zlrahe am lammenden Sonnabend in itb- ändening de« Spielnlan« zum leeten Male Änzenzruber» Komödie ,D i e Krenzelschreiber" zur«uisübrung. In der Arbetter-Kunftansftellung. Petersburger Str. 30. lieft Ernst striebrich au« de» Werten Maxim tSorki» am Donnerstag. den 20, abend« 7>/, Uhr. Der Dionier-Brrlag. Hamburg 3t. bat leine Veröfsentlichungen au« dem Buchkandel zurüggezogeii und licscrl n u r n o ch an Private. Tie'e Verlogsmaiinakme rcluU crt— nach Angabc;c« Pcrlags'nheb« 4— au« der Intcrestelongkeit der BuchbLndler am Zeilringen. Di« Schrnien sind durch die AuSschaltimq de» vuchbandel« wesentlich billiger geworden. Wir verweisen auf das im Anzcigenleil befindliche Inserat. Die vielseitige ADV. Wie das„Berliner Tageblatt" mitteilt, übt die Char- lottenburger Hundertschaft ZBV., über deren Verschwörertätigkeit wir kürzlich ausführliche Mitteilungen machten, eine Reihe weiterer Tätigkeiten aus, die gleichfalls der dringenden Aufklärung bedürfen. So hat sie Bereitschaftsaußenkomman- dos in Berlin-Zehlendorf. wo das Uebersall-Kommando unter» gebracht ist. Sie arbeitet Hand in Hand mit der p o l i t i s ch e n Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums(Ab- tellung 1 a) und tritt von Zeit zu> Zeit als Hilfe für das Regierungsoiertel und die Bannmeile in Tätig- keit. Um stets zur Bereitschaft zu sein, ist sie mit zahlreichen Kraftwogen ausgestattet: serner übt sie einen besonderen W a r n e d i e n st für Demonstrationen aus. Eine Polizeitruppe, der derartig wichtige Angelegenheiten übertragen sind, mutz umso sorgfältiger gesiebt und von allen zweifelhaften Elementen gereinigt sein. Einer Organisation, deren Hauptaufgabe darin besteht, sich auf den kommenden Rechtsputsch vorzubereiten, den Schutz des Regierungsviertels zu übertragen, heitzt denn doch den Bock zum Gärtner zu setzen. Wenn die Informationen über die Tätigkeit der ZBB. erteilt sein sollten, um ihre Bedeutung in der Oeffentlichkeit genügend hervorzuheben, so müssen wir gerade im Hinblick auf diese schwerwiegenden Aufgaben mit besonderem Nachdruck eine restlose Aufklärung der dunklen Angelegenheit fordem._ Sapern sthweigt! 3n der Angelegenhell der Ausweisung des russischen Volks- kommisiars k r e h i n s k i ist, wie die PPN. hören, eine Stellungnahme der Bayerischen Regierung aus die Anfrage der Reichs- regierung bis heule noch nicht erfolgt. Die» Schweigen ist sehr vielsagend und nicht gerade geeignet, den bayerischen Standpunkt in dieser Angelegenheit zu stärken. Sachsens Sefolüungsorünung und üas Reich Dresden, 26. Juli.(TU) Der Bcsvldungsausschuß des sächsischen Landtages beschäftigte sich mit den von der Reichsregie- r u n g gegen zahlreiche Positionen des sächsifchen Besoldungsgesetzes erhobenen Einsprüchen. Mit einem Teil dieser Einsprüche fand sich der Ausschuß ob. Bei einer Reihe anderer Einsprüche beschloß der Ausschuß im Landtag vorzuschlaaen, den R e i ch s s ch i e d s- g eri ch ts h o f dagegen anzurufen. Auch beschloß der Ausschuß, die Regierung zu ersuchen, zu den demnächst in Berlin statt- findenden Beratungen über dos Ortsklassenverzeichnis auch eine Anzahl van Landtagsabgeordneten hinzu- zuziehen._ Der Grgeschterror in Saüen. Die ausführlichen Mitteilungen des„Vorwärts" über umfangreiche Waffenschiebungen in Baden wurden von der reaktionären Presse teils totgeschwiegen, teils erklärte diese die Nachrichten für falsch, ohne auch nur die Spur eines Be- weises hierfür zu erbringen. Inzwischen ist uns neues Material von durchaus zuvermjsiger Seite aus Baden zu- gegangen, aus dem deutlich hervorgeht, daß die Orgesch selbst die verwerflichsten Mittel nicht scheut, wenn es gilt, den Kampf gegen die Entwaffnung zu führen. Einige Partei» genossen, welche den Mut fanden, den badischen Behörden über die Berstecke von Waffen Mitteilung zu machen, wurden boykottiert. Wie gearbeitet wurde, beweisen nachstehende Proben tatsächlicher Vorgänge in Osterburken, wo Plakate mit folgendem Inhalt angeklebt wurden: Einwohner Osterburkens! Hütet Euch und gebt vem E. und dem K. kein« Lebensmittel wie Milch, Eier mehr. Wer erwischt wird, kann rechnen, daß seine Scheune und olles nach der Ernte abgebrannt wird. Klub Eiisigkeit. Nachstehend teilen wir einige weitere Fälle schlimmsten reaktionären Terrors mit. Sonnabend, den 18. Juli, wurde dem Kinde eines Mannes, welchen man in Verdacht hat, daß er der Urheber der Waffen, beschlagnahme sei, im Metzgerladen kein Fleisch gegeben, obwohl ein geschlachtetes Rind, ein Kalb und ein Schwein zum Verkauf hing.— Dem Sohne eines der im Verdacht stehenden Genosien wurde die Arbeit gekündigt.— Einem Wagen» m e i st e r. welchen man verdächtigt, bei der Aufdeckung der Waffen- schiebungen die Hand im Spiele zu hohen, beleidigen seine Vor- gesetzten wie und wo sie können und bedrohen ihn täglich.—(Eisen- bohnsekretäre, Rangierer und Eisenbahnarbciter, welche die Waffen- schiebungen tatsächlich unterstützt haben, sitzen unbehelligt von der Generaldirektion an ihren Posten und machen sich über den Staatsanwalt lustig.— Ein anderer Mann soll als Geschäftsmann zugrunde gerichtet werden, indem man ihm die Arbeit entzieht. Den Höhepunkt erreichte die Aktion der Reaktionäre im Hinterlande mit der Lahmlegung einer sozial- demokratischen Versammlung, wie nachfolgender Bericht unseres badischen Parteisekretärs im 7. badischen Wahlkreis besagt: Am Sonntag, den g. Juli, sollte Genosse Dr. Krau« in«wer Mitgliederversammlung in Osterburken sprechen, um in den Kreisen der Mitglieder Klarheit zu schaffen. Die Versammlung konnte nicht abgehalten werden, da die sogcncmnte Orgeschpartei. wie sich die Herren seht offen benennen, da« Vcrsammiungölokal völlig besetzt hatte und den Wirt mit einem offenen Konflikt droht«, wenn er uns sein Lokal zur Verfügung stellen würde. Die Sache ging so weit, daß die Wirte sich sogar weigerten, dem Genossen Dr. Krau? Unterkunft für die Nacht zu gewähren I Sie begründeten dies damit, daß ihr Geschäft dann boykottiert würde, wenn ihnen nicht gar dos Haus über dem Kopf angezün- d« t werde. Der Kreisvorstand hat sich in seiner letzten Sitzung mit der Angelegenheit befaßt und kam zu dem Ergebnis, daß. wenn in Osterburken nickt ganz energisch durchgegriffen wird, unsere Bewegung dort auf Jahre hinauf lahmgelegt ist. Der Kreisvorstand beschloß, vom Bezirksvorstand folgen- des zu verlangen: 1. Der Bezirksvorstand möge in der Landtagsfrattion unter ollen Umständen dafür sorgen, daß die Interpellation betreffs der Waffenfunde und Orgeschumtriebe sofort be- handelt wird. 2. Der Bezirksvorstand muß mit allen Mitteln versuchen zu erreichen, daß ein paar der reaktionären Elemente aus den Beamten- kreisen in Osterburken, wie z. B. der Bahnhofsvorsteher, einige Steuerbeomte und vor allem auch die Gendarmen versetzt werden und dafür Leute von zuverlässiger republikanischer Gesinnung hinkommen. 3. Der Bürgermeister möge wegen Begünstigung der Waffen- schicber zur Rechmschost gezogen worden. 4. Dem Genossen E l l w a u g e r, der vor der Wassenaffäre in .seinem Betrieb für fünf Mann Arbeit hatte, jetzt aber völlig be- schäftigungslos ist, soll vom � Staat Arbeit zugewiesen werdAr. nicht nur um den Mann schadlos zu halten, sondern auch um den Mitthern der Orgesch zu zeigen, daß die Republik die Leute nicht durch ihre Feinde zugrunde richten läßt, und um zu beweisen, wie die Regierung die Aufdeckung der Waffenverheimlichung einschätzt. ö. Muß der Bezirksvorstand von dem Genossen R e m m e l e verlangen, daß dieser in seiner Eigenschaft als Minister, nicht als Sozialdemokrat, möglichst bald, auf jeden Fall vor Beginn des Wahlkampfes, eine Gemeindeversammlung in Osterburken abhäll, zu der Bürgermeister, Gemeinderat und die Beamten beordnet werden und die übrige Bevölkerung eingeladen wird, und in der der Mi- nister die Luft reinigt und den Leuten klarmacht, daß nicht die Auf- d e ck e r der Waffenverheimlichung, sondern letztere s e l b st die Landesverräter sind." Bedauerlicherweise reicht die Kraft der badischen Genosien nicht aus, die Versetzung einiger reaktionärer Eisenbahn- und Steuerbeamten von Osterburken zu erreichen: dies ist R e i ch s- angelegenheit. Desgleichen wird dem Wunsche, dem Genossen Ellwanger Arbeit zuzuweisen, nur dann entsprochen werden können, wenn ihm die Eisenbahnverwaltung solche zuteilt. Die ganze Angelegenheit beweist, wie sehr sich die Ver- Hältnisse in Baden zugespitzt haben, und es ist zu hoffen, daß die demokratische Reichsregie rfing den von der Reaktion besonders heftig angegriffenen badischen Innen- minister Genossen R e m m e l e nach Kräften unterstützt.' Die Orgesch-Bande ist, wie ihr Terror beweist, unverkennbar bemüht, Baden zum Aufmarschgebiet für einen neuen Rechtsputsch zu machen. Rückwirkende OestrafungöesSchleichhanüels Bei der Anwendung des 8 7 de? Gesetzes vom 18 Dezember ISSO über Verschärfung der Strafen gegen Schleichhandel, Preis- treiberei und verbotene Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände sind Ziveisel darüber hervorgetreten, ob 8 7 auch auf Zuwiderhand- lungen gegen Regelungsvorschriften., sie Nach dem 31 Dezember 1920 aufgehoben sind oder in Zukunft aufgehoben werden, Anwen- dung findet Im Einklang mit dem Wortlaute des Gesetzes und der EntstchungSgcschichtc hat das Reichsgericht dieser vom Rechts- ausfchuß des Reichstages eingeführten Vorschriften in einer Entscheidung vom 10 Februar 1921 die Anwendung des§ 7 auf diese Fälle verneint, indem es ausführt: „Die Vorschrift enthält nicht einen allgemernen Ausdruck de? gesetzgeberifckcn Willen? dahin, daß Verfehlungen gegen Rege- lungsvorschriften nach deren Anfbebung nicht mehr strafwürdig sein sollen. Hätte solche? in der Absicht des Gesetz- gebers gelegen, so hätte es bei der Aufbebung der ReglungSvor- fchriften bestimmt werden müssen und zwar allgemein auch für Zuwiderhandlungen, die beim künftigen Wegfalle gegenwärtig noch bestehender VcrsorgungSregelungen noch nicht abgeurteilt sein werden, nicht aber hätte der Ausschluß nach- t r ä g I i ch c r Bestrafung— wo eS im 8? geschehen ist— auf die, bisherigen Zuwiderhanvlungcn gegen aufgehobene Rege- lungsvorschriften beschränkt werden können." Diese Entscheidung, die bisher nicht allgemein bekannt geworden ist, wurde vom Preußischen I u st i z m i n i st c r in einer Allgemeinen Verfügung vom 19. Juli 1921 zur Kenntnis der Preußischen Justizbehörde gebracht Die StrafverfolgungSbe Hörden werden angewiesen, in Fällen der gedachten Art von eiyer Ein- stellung des Verfahrens auf Grund de?§ 7 abzusehen. Der ßasciftenkrieg dauert fort. Rioihlod, 26. Juli.(ER.) Auf einer Fahrt der FaScisten durck mehrere Bauerndörfer der Provinz Croffeto kam es zu einem blutigen Zwischenfall. Eine Anzahl Kommunisten beschossen einen Lastwagen der FaScisten und töteten einen FaScisten, worauf 6 von den Kommunisten erschossen wurden. Außerdem steckten die FaScisten zwei Bauernhöfe in Brand. In Rocca di Sirada setzicn die FaScisten 17 Häuser in Brand und töteten 4 Kommunisten. Die Gesamtzahl der Toten wird dem.Corner« della Sera" zufolge auf 1 Fasclstcn und 11 bis 14 Kommunisten angegeben. Ä4stündiger Proteststreik in Rom. Rom, 26. Juli.(MTB.) Infolge der Zwischenfälle zwischen Kommunisten und FaScisten in Rocca Strada wurde gestern abend ein Generalproteststreik von 24 Slunden angesagt. Die Stadt Rom zeigte ihr gewöhnliches Aussehen, nur die Straßen- bahnen streiken._ Der Krach in JTille. Lille. 29. Juli.(EP.) Die Nachmittagssitzung des Kongresses der E. G. T. ist f e h r stürmisch verlaufen. In dem Augen- blick, als Monnousceau(Kommunist) das Wort nehmen wollte, fingen Mehrheitler und Minderheitlsr an sich zu beschimpfen. Die Kommissare oersuchten Ordnung zu schaffen, indem sie auf die Tische sprangen und mit G u m m i s ch l ä u ch e n(?) nach den Kon- gressisten schlugen. 7 bis S Pistolenschüsse wurden abgefeuert. Die Leute ergriffen die Flucht, und mehrere Personen, darunter auch Frauen, wurden verletzt, als sie nach den Türen eilten. Doch werden keine schweren Verletzungen gemeldet. Als endlich di« Ruhe wieder hergestellt wurde, hob der Vorsitzende die Sitzung auf, di« aus Dienstag früh vertagt wurde. Doch blieben die Delegierten im Lokal, und die Agitation nahm wieder zu. Jon- haux brachte es fertig,«ine Rede zu halten, in der er solche Er- eignisie al» sür die ganze Arbeiterklosse beschämend bezeichnete. Eine Kommission wurde veranlaßt, in der Mehrheitler und Minder- heitler gleich vertreten find, um die Mittel zu studieren, mit den Arbeiten des Kongresses fortzufahren. Dann wurde die Sitzung endlich aufgehoben, und das Lokal leerte sich ohne weiteren Zwischenfall. Zum Tode Trimborn« sandte der Vorstand der Sozial- demokratischen Reichstagssraktion an Dr.'Peter Spahn folgende Kundgebung:„Im Namen der Sozialdemokratischen Reichsrags- sraktion sag« ich Ihnen dos derzfichste Beileid anläßlich des Todes Ihres Karl Trimborn. Als Führer der Zentrumspartei genoß Karl Trimborn weit über di« Kreise seiner Partei hinaus u n h e- stritten«« Ansehen. Unsere Fraktion wird Karl Trimborn stets ehrend im Gedächtnis behalten." ver Reichspräsident hat anläßlich des Hvdes Trimborn» der Tochter wie der Zentrumsfraktion de» Reichstages ein Beileids- telegramm gesandt. Zede Rummer ein Reinfall! Reinhold Wulle kündigte sein Blättchen mit der Behaupiuug an, daß jede Nummer ein Ereignis sein werde. Die Nummern 1 bis 72 sind bisher auch regelmäßig elwa» Besondere«, eine An Ereignis mit vorgeletztem Minuszeichen gewesen. Jeden Abend quält sich Pas Wullesche Blatt ein Ereignis ab. Gestern lasen wir, daß Herr Wulle in Jena eine deutschvölkische Bewegung unter dem Malio:.N g'-riänze sind unanständig", entfacht habe. Also Kampf sür Sii'I'y'' r»i>d Neiiniiblichlafen geben. In der gleichen N»mn, er an' deneli'e.i Sc>e»nrd der Besuch einer Diele—„das Publikum ift iiiftfttg"— trotz Ohren- und Zahnschmerzen geschildert. Aber Herr Wulle! Gewer�sthlzstsbewegung Gerverkschasten und Werkstudenten. Eine kommunistische Verleumdung. >2eit einiger Zeit wird in kommunistischen Arbeitslosenoersamm- . gen erzählt, daß das Mitglied des Vorstandes des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbundes, der Genosse K n o l l, vor„Arbeiter- mördern", womit in Erinnerung an die Marburger Studenten, die deutsche St u Kentens cha>t gemeint ist, gesprochen habe. Der- selbe Knoll soll sich aber vorher ausdrücklich geweigert haben, vor Arbeitslosen zu referieren. Die Vorgänge im Berliner Gewertschaftshause sind noch be- kannt. In oller Erinnerung ist es auch, daß bei der ersten Demon- stration unser Genosse Knoll zu den Arbeitslosen gesprochen hat und dafür recht unsanft von ihnen behandelt wurde. Ist die Be- Häuptling der„Roten Fahne", von der Weigerung Knolls, zu Ar- beitslosen zu sprechen, eine bewußte Lüge, so ist die, daß er vor „Arbcitermördern" eine Rede gehalten hat, eine ganz nieder- trächtige Verleumdung. Die„Deutsche S t u 0 e nt e n s ch a f t" hielt unlängst in Er- langen den 4. deutschen Studententag ab. Die„Deutsche Studenten- schaft" umfaßt all« Studierenden ohne Unterschied darauf, ob sie das Hakenkreuz oder den Sowjet st ern tragen. Kein Student kann sich von ihr ousschließen. Die Beiträge werden mit den Kolleg-Gcldern erhoben, was durch die Verfassung— die übrigens die Partei- und rassepolitische Neutralität ausspricht — festgescßt ist. Die Wahlen zum Studententag werden auf Grund des allgemeinen, gleichen Berhültniswahlrechtes vollzogen, so daß I e d e. Richtung zum Wort kommt. Diese Erläuterungen waren not- wendig, um zu zeigen, daß die Organisation der Gesamtstudenten- schaft nicht identisch ist mit den studentischen Verbindungen. Zu diesem Studententag wurde der Allgemeine Deutsch« Ge- mcrkschoftsbund eingeladen, weil eine Reihe wichtiger sozialer Fragen auf ihm besprochen werden sollte. Diese Einladung wurde angenommen und Genosse Knoll hatte den ADGB. in Erlangen zu vertreten. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand der sogenannte Wert- st u d e n t. Das ist jener Student, der es sich heute nicht mehr leisten kann, auf Kosten seiner Eltern das Studium zu vollenden. und der, um es nicht aufzugeben, in Kohlenbergwerken, in der Land- Wirtschaft oder in den Fabriken während der Ferien a r b i t e t und dabei den ehrlichen Willen zeigt, mit den Interessen der Arbeiterschaft nicht in Widerspruch zu geraten, sich vielmehr mit ihr verständigen möchte. Diesen neuen Studenten hat der Ge- nosse Knoll im Auftrage des Gewerkschaftsbundes und im Namen der Arbeiterschaft begrüßt und ihm deren Sympathien übermittelt. Er Hot erklärt, daß, wenn sv aus der Not der Zeit heraus der Be- weis erbrocht wird, daß Studium und Arbeit nebeneinander möglich sind, sich gewissermaßen ergänzen, der Student also A r- b c i t e r wird, dann steht dem nichts mehr im Wege, daß der Arbeiter auch Student werden kann. Vielleicht kommen wir, so sagte Knoll weiter, auf dem Wege über den Werkstudenten am ehesten zur Einheitsschule und er hat noch hinzugefügt, daß er sich davon auch eine geisttge Befruchtung der Arbeit verspreche. Aus dieser Sympathieerklärung der Gewerkschaften für den Werkstudenten, der sich gegenüber dem Sohn des Kriegs- und Re- volutionsgewinnlers zu behaupten versucht, wird niemand etwas Arbeiterfeindliches herauslesen, es müßte denn ein Kommunist sein, dessen Bewegung fast ausschließlich geleitet wird von Studenten und Angehörigen der intellektuellen Kreise. Nachklänge zur Metallarbeiterwahl. Unabhängige Bündnistreuc. Den Kommunisten ist großes Heil widerfahren. Die ersten f i eck- e n ihrer Delegierten sind gewählt, und zwar in der schönen chauptstadt Sachsens, in Dresden. Dieser kommunistische Sieg ist eine Folge unabhängiger Bündnistreue und Cha- > atterfestigkeit. Seit der Wahl der Berliner Ortsverwaltung im Dezember v.J. sind unsere Parteigenossen im Metallarbeiteroerband sehr oft mit den Unabhängigen zusammengegangen. Die Folge davon war, daß die SPD.- und USP.-Mitglieder des Beirats des Metallarbeiteroerbandes für die eben abgeschlossene Delegierten- wohl beschlossen, daß Sozialdemokraten und Unabhängige in g e- mcinsamer Front den Kommunisten gegenübertreten. In allen Wahlbezirken sollte eine gemeinsame Liste dieser i-eiden Parteien aufgestellt werden. Dieser Anweisung ist nicht überall Folge geleistet worden. So z. B. nicht in M a g d e- bürg, wo unsere Genossen ihr« gemeinsamen Gegner schlagen kannten, und auch in D r e s d c n, wo unsere Liste unterlag. Diese Seitensprünge der Unabhängigen brauchen nicht allzu tragisch genommen zu werden. Aber eine besondere Bedeutung er- fährt ihr Verhalten durch die Kritik, die das Dresdener Wahlergeb- nis von feiten der„F r e i h e i t" erfährt. Dieses Blatt schreibt in seinem Leitartikel von gestern abend unter der Ueberschrift:„E- Bruderkampf und seine Lehren": „Die Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratie hatten nichts unoersucht gelassen, um die Kommunisten für die gemeinsame gewerkschaftliche Arbeit wiederzugewinnen. Aber dos Diktat von Moskau war für sie in der Regel bestimmender, als die aus vernünftigen Erwägungen entspringende Einsicht. Nur in einem Falle, soweit wir bisher übersehen können, fanden sich Unabhängige und Kommunisten zusammen. Das war in D r e s- den. Dort hatten sie eine gemeinsame Liste aufgestellt." Noch diesen Worten der„Freiheit" haben also die Mitglieder der USP. den Pakt, den sie mit unseren Parteigenossen schlössen, dazu mißbraucht, um hinter dem Rücken der Vertragskontrahenten mit den Kommunisten Geschäfte zu machen. Das Bedauern der„Frei- heit", daß die Einigung mit den Kommunisten„nur in einem Falle' gelungen ist, wirkt besonders komisch angesichts der nachstehenden Zitate, die vor etwa vier Wochen in den Spalten der„Freiheit" zu finden waren: Am 21. Juni schrieb die„Freiheit" in ihrer Morgenausgabe, anschließend an die Vorgänge im Gewerkschaftshaus, die Kommu- nisten.„sind schlechtweg die ärgsten Schädlinge der Arbeiterbe- wegung, mit denen gemeinsame Aktionen ganz unmöglich sind, weil sie jede Aktion nur kompromittieren. Deswegen muß sich die Arbeiterschaft von diesen Leuten mit Abscheu und ver- achtung abwenden.. Am 22. Juni war in der Morgenausgabe der„Freiheit" folgender Absatz zu finden:„Aber das Gesindel(die Kommunisten), irrt sich. Und so leicht, wie es sich vorstellt, wird es die russischen Subsidien nicht verdienen. Wir lassen uns die Gewerkschaften weder von innen heraus zersprengen, noch von außen zertrümmern." Im Abendblatt vom selben Tage war im Fettdruck folgender Satz zu lesen:„Feigheit, Erbärmlichkeit und Gewissenlosigkeit, daraus besteht jetzt die kommunistische Bewegung." Wir wollen es bei diesen Zitaten bewenden lasten und vor allen Dingen nicht wiedergeben, was die„Leipziger Volks- zeitung" am Montag in einer Besprechung des Leipziger Wahl- ergebnistes über die„großmäulige kommunistische Agi- ta t i o n", über den„verlogenen"„Roten Kurier" und die„nicht minder verlogenen Flugblätter" der Leipziger Kommunisten gesagt Hot. Aber wir erinnern uns bei dieser Gelegenheit jener Aufforde- rung der„Freiheit", sich vor den„unsicheren K a n t o n i st e n", mit denen wir gemeint waren, zu hüten und„achtung- gebietende Dl st an z" zu wahren. Wir stellen fest, daß w i r überall getreu der getroffenen Abmachungen gehandelt haben, daß die Unabhängigen aber Treubrüche begangen haben und daß die „Freiheit" bedauert, daß dieser Treubruch ihres Wistens n u r in Dresden begangen wurde. Wir ziehen aus diesen Tatsachen die Schlußfolgerung und warnen mit den Worten der„Freiheit" die Arbeiterschaft vor„den unsicheren Kantonisten". Nachstehend, noch weitere Wahlresultate: In Leipzig siegte die Amsterdamer Liste mit K713 Stiminen über die Mos- kauer, die nur 4162 Stimmen erhielt. In Zwickau wurden für die USP.- Vertreter 1000 Stimmen, für die Kommunisten 600 abgegeben. In Bremen wurde mit großer Mehrheit die A m st e r- d a m e r Liste gewählt. In Dresden konnten die vereinigten Unabhängigen und Kommuni st en mit 7 8 0 0 über 6900 sozialdemokratische Stimmen triumphieren. Bei diesen Wahlresultaten ist zu beachten, daß überall nur zwei Listen zur Wahl standen und die einfache Mehrheit entscheidend war. Die unterlegene Liste ist daher überall völlig ausgefallen. Die Verhandlungen lm önchdruckgewerbe. Im gestrigen Morgenblatt brachten wir die kurze Mitteilung, daß eine Einigung für das Buchdruckgewerbe erzielt worden sei. Wir crfabrcn dazu noch folgende Einzelheiten: Im Anschluß an die zentralen Tarifoerhandlungen wurde am 27. Juni ein Schiedsspruch gefällt, dessen wesentlichen Inhalt wir unseren Lesern mitgeteilt haben. Die Unternehmer hatten diesen Schiedsspruch abgelehnt, und dadurch erübrigte sich eine Erklärung der Arbeiter über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs, der nirgends Befriedigung auslöste. Die Verhandlungen waren dadurch auf dem toten Punkt an- gelangt. Um sie jedoch wieder in Fluß zu bringen, hat das Reichs- arbeitsmmristerium beide Parteien ausgefordert, zum 18. Juli Ver- trctar nach Leipzig' zu entsenden, um in gemeinsamer AuS- spräche nach neuen Wegen zu suchen, die zu einer Verständigung führen würden. Von Arbettersette wurde in diesen Verhandlungen im besonderen eine Erweiterung des Schiedsspruches auf die Ledigen der L-Klasse und eine Berück- sichtigling der Klasse A gefordert. Die Unternehmer stimmten schließlich einer materiellen Auswirkung des Sch'eds- spruches für die Ledigen der L-Klasse zu, verlanchen aber eine Bindung für Z Monate. Es wurde dann folgender E i n i- gungsvor schlag gemacht, den die Vertreter beider Parteien ihren Auftraggebern unterbreiten sollten.: 1. Das unter dem 3. November 1920 abgeschlossen« Lohn- abkommen mit seiner Erneuerung chlt nunmehr mit Einschluß der Wirtsckastsbcihilse bis zum 31. Oktober 1921.— 2. Die Ledigen der Klasse B erhalten außer der bisherigen Wirtschaftsbcihrlsc ein« monatliche Zulage, und zwar in den Orten bis einschließlich iVi Proz. Lokalzuschlag 12 M. .......' 17*.... 14„ „„ übrigen Orlen bis 25„„ 17„ 3. Zu Protokoll wird erklärt: Tie Vertragschließenden sind sich darüber einig, daß die in Aussicht stehende Erhöhung der Brot- preise, die für rationiertes Brot eine Erhöbung etwa bis zu 7,50 M. und für den freien Laib Brot(1900 Gramm) etwa 12 bis 13 M. betragen soll, keinen Anlaß für neue Forderungen der Gehilfenschaft innerbalb der Vertragsdaucr bietet.— Tagegen steht es der Gehilfenschaft frei, im Laufe des Oktobers neue.Forderungen für Viesen Monat zu stellen, sobald die aint- liche Indexziffer des Statistischen Rcichsamts eine Erhöhung der Teuerungszahl um mindestens 15 Proz. gegenüber dem Junizahlen zeigt. Zu diesem Vorschlag nahmen am 21. und 22. Juli die Gau- Vorsteher und der Gesomtoorstand des Verbandes der Deutschen Buch- druckcr Stellung. Nach einer eingehenden Aussprache kam man ein- mütig zu der Auffassung, daß dem Einigungsvorschlag in der vor- gelegten Fastimg die Zustimmung versagt werden müßte. Um jedoch alle sich bietenden Berhandlungsmöglichkeiten zu erschöpfen, wurde beschlosten, dem Vorstand des Deutschen Buch- druckeroereins telegraphisch mitzuteilen, daß am Montag eine Ge- hilfenkommistion bereit sei, eine erneute Aussprache über die bedenk- liche Situation vorzunehmen. Die neuen Verhandlungen fanden am Montag im Reichsarbeits- Ministerium statt u.rd führten zu folgendem Ergebnis: „Der am 27. Juni l921 im Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch wird mit folgender Aenderung angenommen: 1. Die ledigen Gehilfen der Klasse B, alle Gehilsen der Klasse A, alle vom Schiedsspruch nicht erfaßten Hilfsarbeiter und Hilfsarbeite- rinnen erhalten eine monatliche Zulage in den Orten bis 7*Prc>z. Lokalzuschlag von 1 5 M., in Orten über 7* bis 17% Proz. 18 M. und in allen übrigen Orten 20 Mk. Neuausgelernte Ge- Hilfen, jugendliches Hilsspersonal und Lehrlinge erhalten eine monal- liche Zulage von 1 0 M. 2. Neue Verhandlungen sollen in der zweiten Halste des Sep- tember im Tarifausschuß stattfinden." In den Monaten August bis September würde die Wirtschosts- beihilfe oder die Monatszulage nunmehr betragen: In Orten bis einschließlich TA Prozent Lokalzuschlog für Tarifklasse C: Verheiratete 73,50 M., Ledige 58,50 M. Tarifklasse L: Verheiratete 66 M., Ledige 58,50 M. T a r i f k l a s s« A: 15 M. An Orten mit mehr als 71h Proz. bis einschließlich 17* Proz. Lokalzuschlag: für Tarifklasse C: Verheiratete 88 M., Ledige 70 M.. Tarif- klasse B: für Verheiratete 79 M.. Ledige 70 M. Tarif- k l a s s e A: 18 M. An allen übrigen Orten, darunter B e r l i n, für Torisklasse C; Verheiratete 110 M., Lcdige 87,50 M.; für Tarifklasse B: Verheiratete 98,75 M.. Ledige 85 M.: für T a r i f- klasse A: 20 M. Neu ausgelernte Gehilfen, jugendliches Hilfs- personal und Lehrlinge 10 M. �, Durch diese Vereinbarungen dürften die äußerst schwierigen und langwierigen Torifverhandlungen vorerst ihr Ende erreicht Hoden. In den für September in Aussicht genommenen neuen Verhand- lungen wird versucht werden müssen, eine weitere Verbesserung der Lebenslage der Angehörigen, des Buchdruckgewerbes zu erreichen. Dom Streik im Textilgroßhandel. Gestern fand wieder esne Versammlung der streikenden Handelshilfsarbeiter des Textilgroh- Handels statt. Wolter konnte mit Genugtuung berichten, daß jetzt mehr als 100 Firmen die Mindestforderungen und die Wirt- schastsbeihilfe bewilligt hätten. Als ganz besonderes Schreckmittel sprechen jetzt die Unternehmer die fristlose Entlassung aus. Dadurch brauche sich aber n i e m a n d erschrecken lassen. Denn ganz selbstverständlich werde der Kampf nicht eher beendet, b:s sämtliche Streikenden wieder eingestellt seien. Heute finden nun Verhandlungen statt, über deren Resultat um 5* Uhr auf dem Hof des Gewerkschaftshauses berichtet wird. Ein Zimmererstreik wird heute heute früh in Berlin und Um- gcbung einsetzen, weil die Unternehmer sich weigern, die Lohnfordc- rungen der Arbeiter zu bewilligen. Derantw. für den redest. Teil: Dr. Srrnrr Priscr. Charloltenburg: sür ilnzelgen: ?». WaSt, Berlin. Verlag: VorwürtZ-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor- wäriS-Buchdruckerei u. LerlagZanstalt Baul Singer u. Co., Berlin. Lindenstr. 2. Hier»» 1 Beilage. Deulsclier llelilarbeltermb. | Verwaltungsstelle Berlin. D.'nMitgttcdcrn»urNach» i rich», Saft der Kollege, der j Metallarbeiter Xsll Moldenhauer I Moabit, Waldstr. 44, am | 33. Juli gestorben ist. Die Einäscherung findet i Donnerstag, den 2L. Juli, I nachm 5 Übe, im Krema- j matorium Gerichtsir. statt. Rege Beteiligung wird I erwartet. S4/iZ Xarki-uk. Den Mitgliedern ferner I rur Nachricht, daß der | Kollege, der Helfer Karl Schubert 1 Schönhause? Allee 159, am |'12. Juli verstorben ist Ehre ihrem Audenten! Die Ortsoerwallung. besoncl. Zeiss u. Goerz werden ständig angekauft Photohaus Steckelmann Berlin W9, Potsdamer Str�l35 BortDflrfsftrebenOe UDO SrWer ®uic 4>ecdrel»lmoal>chleiten lltnfllätung und Anregung gebende Broschüre:«in neuer «Heist? sendet gratis' j. Stötuann& So., Berlin. Käniggräßer Str. TL Parzellen* günstige Lage oerlaust billig Sleuereinnehm. Mrrner, Bahn- has Srrrnrsberg. Eoustantinftr. 7 Xeieggsnleike virck zu 84a/0 in Zahlung genommen. Wegen Renovierung meiner Geschäftsräume Extra billige Preise!! Reinwoll.Trihot-Sportjacken ftiÄ1 132 IX 140 woT 40 Impr. Regenmantel 165, Impr. Seidenmäntel 240, 355 GUfflmimäntel wr vimen 297, wr Herren 350 Reinwoll. Tncbcapes 496, Reinwoll. Tuchmäntel 315 Kostüme 125, 215, 340. 450 Stoffrücke 44, 66, Seidenrücke 109, 185 Während der RenoTierungszeitü Astrachanmäntel m � 285. 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Vom genannten Zeit- punkt ad wird nach iechs» monatiger Mitgliedschaft das Krankengeld kür 39 Wochen, und da» Sterbegeld im vierzigsachen Betrage de» Grundlohne» ge- zahlt. 7,10 Druckexemplare der Satzung»- Lnderung ssnd vom I August ab im Kossenivkai erhältlich. ver Vorstand der Ort»- krantenlnss« der«Vürtl«, zn Berlin A Rösener A.Kllnickr Vorsitzender Echriftfuhrea Reklame- QenosscnscIiaM GroB'Berlln G. G. m d. H. in Ligu. Ausg-l-ist am 21. März 1921. vilauz: Oktoder-März: Ausgaben..... 40 919,15 9t Einnahmen.... 37 164,95„ De.. 3 754,20 9t Inventar..... 4 000,— M. Barbestand.... 2 681.8»„ 6681,80 91. Engezahlt. Kapit. 10 436,— 9t B.stano...... 6 681,80„ 36705] 3 754,20 M. Scyfarth. Grosse. Droxmann, Von der Reise zurück L.' Dr. Yolimann Fr."rT Schlesische Straße 40a % äugen• Fußiofilenvci Härtung entlernt mit absoiuter Sicherheit Bosco'. SO Jahre bewährt Mit Se> iestigungspflaster 4,50. Otts Kvicbel.Bln.�Eiseababastr� Kt» 5«. Jahrgang Heilage des Vorwärts Mittwoch, 27. Mi192l verlorenes Kinöerlanö.' Von Anna Blas. In seiner Broschüre„Die Wirkungen der englischen Hungerblockade auf die deutschen Kinder" hat Lic Dr. Fr. S. S ch u l tz e auf die traurigen Folgen des Hungers auf unsere deutschen Kinder hingewiesen. Mit Recht sagte er damals, 1919, schon, daß das Sterben nicht das größte Uebel bedeute. Tragischer und bedeutsamer wäre das Siechtum der kommenden Jahre und der ungeheure Geburten- rückgang wäre fast zu begrüßen. Nun wird gerade in diesen Tagen Sturm gelaufen gegen die Forderung einiger Reichstagsabgeordneten, dem§ 217 einen Gesetzesparagraphen beizufügen, der den Frauen Straffreiheit zusichert, welche die Unterbrechung der Schwangerschaft in den ersten drei Monaten, und zwar mit Hilfe eines approbierten Arztes vornehmen. Zunächst einige Fragen: Ist es Zufall, daß gerade die Familien die wenigsten Kinder haben im allgemeinen, diegroßeWohnun- gen innehaben, Räume, in denen Luft/ Licht, Raum und Sonne ge- nügend vorhanden sind, um Kindern eine möglichst günstige körperliche Entwicklung zu sichern? Wie kommt es, daß gerade die Familien im ollgemeinen die wenigsten Kinder haben, denen Milch in genügender Menge zur Verfügung steht, die keine Sorge darum haben brauchen, wie sie weißes Mehl, Nährmittel, Obst, Gemüse, Fleisch beschaffen sollen? Wäre die Natur gut und gerecht, so müßte ja gerade in solchen Familien Kinderreichtum herrschen, und in den armen Prole- tarierfamilien, wo sechs, sieben und mehr Kinder keine Seltenheit sind, müßte die Kinderzahl den kärglichen Verhältnissen angemessen sein. Offen und ehrlich sind diese Fragen noch nicht beantwortet worden. Zunächst die Wohnungsverhältnisse. Es war eine traurige Tatsache, daß schon vor dem Kriege die arme Bevölkerung mit den schlechtesten, ober gleichzeitig teuersten Wohnungen zufrieden sein mußte. Die Berichte der BerlinerOrtskrankenkassen gebSn ein geradezu erschütterndes Bild davon, wie die arme Bevölke- rung in Berlin vor dem Kriege Hausen mußte, denn Wohnung kann man diese Löcher, hoch unter dem Dach, tief unten im Keller, nicht nennen. Wer die Schilderungen armer kinderreicher Mütter liest, wenn sie Wohnung suchen müssen, der weiß es, und die in der Kriegs- fürsorge tätigen Personen haben auch hier manchen Einblick tun können, wie solche kinderreichen Mütter von Haus zu Haus irren. Der Hauswirt will sie nicht aufnehmen, weil er meint, daß selbst die elendste Spelunke durch viele Kinder Schaden leidet. Die übrigen Familien wollen sie nicht dulden, weil sie den Schmutz und den un- vermeidlichen Lärm auf den Treppen nicht ertragen mögen. Gegen viel gute Worte und eine Miete, die in keinem Verhältnis steht zu der Wohnungsspelunke, findet schließlich die kinderreiche Familie Aufnahme. Und die Notwohnungen? Erst vor kurzem beschrieb ein Frankfurter Arzt, in welcher Verzweiflung oft junge Frauen zu ihm kommen» die geheiratet haben, denen ein Zimmer, im besten Fall noch Küchenbenutzung zur Verfügung steht. Sie haben das Zimmer er- halten unter der Voraussetzung, daß keine Familie kommt. Nun stoben sie keinen Platz für ein Kinderbett, keine Möglichkeit, das Kind zu baden, Kinderwäsche zu waschen, und der Vermieter will kein Kindergeschrei hören!„Ja, warum wird auch so jung und unbedacht 'geheiratet?" Wie oft hört man das. Wissen die Leute nicht, daß es einen Geschlechtstrieb gibt, und zwar bei beiden Geschlechtern? Bei dem Mann ist es ja staatlich anerkannt. Da baut man Bordelle. duldet die Prostitution. Man denke dabei, abgesehen von der Moral, an die Gefahr der Verbreitung der Geschlechtskrankheiten. Die Prostituierte muß sich der Behandlung unterwerfen. Der Mann bleibt unbehelligt. Er trägt ruhig die Syphilis in die Familien. Der Prozentsatz der verheirateten syphilitisch erkrankten Männer beträgt etwa 25 Pröz. Die Unverheirateten dürfen, auch wenn sie krank sind, junge unverdorbene Mädchen heiraten, junge Kinder. Warum *) Dasselbe Thema wird in der soeben erschienenen Schrift:„Die Abtreibung der Leibesfrucht' von Grotjahn und Radbruch lVerlag Vorwärtsbuchhandlung) behandelt, auf die zurückzukommen wir uns vorbehalten. Red. d.„V.". kümmert sich hier der Staat nicht um die Verbreitung der entsetzlichen Volksseuche? Und die Ernährung? Die meisten deutschen Kinder über 6 Jahre erhalten heute keine Milch mehr. Aber selbst da, wo sie An- spruch aus Milch haben, kann sie häufig nicht angeschafft werden. Wieder will ich ein Münchener Beispiel anführen. Eine Familie mit 4 Kindern im Alter von 4 Monaten, 1%, 3 und 5 Jahren, von denen das kleinste noch gestillt wird, hat Anrecht auf 3% Liter Vollmilch. Diese kostet im Monat 1K1 M. Beim Einkommen von monatlich 1009 M. würde also die Milch für die Familie genau ein Sechstel des Einkommens verschlingen. An alle anderen Nahrungsmittel ist dabei noch gar nicht gedacht! Oberschwester W o e r n e r befaßte sich in ihrem Referat be- sonders mit der Not der kinderreiche» FamiMon. Es kehlt überall an Matratzen, an Betten, an Leinentüchern. Auch in besser situierten Familien kommt selten mehr als ein Leinentuch auf eine Person. Bon den Armen besitzen mindestens zwei Drittel kein ganzes Leinentuch mehr. Kein Leinentuch bei Entbindung und in Krank- heitsfällen! Interessant sst auch die Aufstellung der Anschaffungs- kosten für ein Neugeborenes. Erstlingswäsche kostete 1914 35 M., 1920 409 M. Ein Korb mit Inhalt 1914 58 M., 1920 517 M. Badewannen u. a. m. 1914 30 M., 1920 413 M., Kinderwagen 1914 35 M., 1920 800 M., Wickelkissen 1914 8 M., 1920 260 M. Der Ge- samtverbrauch betrug also 1914 187 M., 1920 2172 M., also ein Fünftel des Jahreseinkommens eines gelernten Arbeiters. Wer kann es einer Mutter verdenken, wenn sie die Schar ihrer hungernden, frierenden Kinder nicht vermehren will? Allerdings, sie kann die Säuglinge ja in Moos betten, in Zeitungs- papier wickeln, in Hutschachteln schlafen lassen, wie das häufiger vor- kommt, als man glaubt! Wer hat den Mut, ihr dazu zu raten? Und glaubt man, daß heute Staat und Gesellschaft solchem Elend steuern können? Und die Wäsche und Kleider der Größeren? UnddieErziehung? Gewiß, die Verfassung sichert kinder- reichen Familien Erziehungsbeihilfen. Aber hier sind es gerade die großen Söhne, die schnell mitverdienen sollen, die großen Töchter, die die Mutter unterstützen sollen. Also so schnell wie möglich ein u n- gelernter Beruf, der Geld einbringt. Wer weiß das nicht, der mit Schulentlassurgsgesuchen zu tun hat! Wohl heißt es in der Verfassung, daß jede Mutterschaft geschützt werden soll. Aber im Grunde steht diese Forderung auf dem Papier. Noch heute gibt es zweierlei Moral, ist die A b l e u g- n-ung der Vaterschaft möglich. Noch heute liegt alle Verant- Wartung, alle Schande auf der unverheirateten Mutter. Noch heute kann verfügt werden, daß eine unverheiratete Beamtin entlassen wird, wenn sie ein uneheliches Kind Hot. Warum nicht auch der Beamte? Und wenn die Beamtin schütz- und mittellos ist und dadurch zur Abtreibung gezwungen wird, was blüht ihr dann? Die Zuchthaus- strafe! Die ganze Grausamkeit der Frauen zeigt sich darin, daß die Beamtinnen selbst nicht mit einer„Gefallenen" im Amt bleiben wollen. Der„gefallene" Beamte scheint sie weniger zu stören! Gewiß, es gibt Mittel, um die Empfängnis zu verhindern. Aber ist ihre Anwendung denn moralischer, wenn man überhaupt von Moral in solchem Fall sprechen will. Und sind diese Mittel nicht auch wieder nur denen zugänglich, die Geld haben? Uebrigens haben die Strafparagraphen auch wenig Zweck, denn nach Professor B l a s ch k o hat die Zahl der Abtreibungen in den letzten Iahren sich von 20 aus 50 Prozent gesteigert, und zwar nach Professor S i l b e r g l e i t nicht bei den ersten und zweiten, sondern meist bei den späteren Geburten. Man meint auch, der ungezügelte Geschlechtstrieb unserer Jugend würde durch unsere Forderung gefördert. Eine Abhilfe gegen die sittliche Gefährdung liegt in den überfüllten Wohnungen. Abgesehen von den Wohnungskrankheiten unserer Proletarierjugend, Tuberkulose, Syphilis. Skrophulose, Rachitis usw., welche sittliche Verwahrlosung muß eintreten? Mit viel Aufwand von Pathos betonen die Gegner unseres An- träges, daß sie„deutsche Männer und Frauen sind". Nun, auch w i r Sozialdemokraten sind deutsche Männer und Frauen. Auch unsere Männer, Söhne, Brüder haben gekämpft und geblutet. Tausende armer Frauen haben den Ernährer verloren. Aber wir haben das Elend, den Jammer gesehen, die das Stahlbad des Krieges über unsere deutschen Frauen gebracht hat. Wir wollen vermeiden, daß tausende deutscher Kinder zu siechen oder gar schädlichen Ge- schöpfen heranwachsen. Darum wollen wir unseren Müttern die Möglichkeit geben, zu zuverlässigen, sozial denkenden Aerzten zu gehen, statt daß sie sich, wie heute, trotz schwerer Strasparagraphen in die.Hönde gewissenloser Kurpfuscher begeben, die lle unter Umständen für immer unfruchtbar machen oder ihren Tod herbeiführen. Eine sachgemäß vorgenommene Unterbrechung der Schwanger- schaft ist ja auch nicht gefährlicher wie eine schwere Entbindung. Be- dingung ist natürlich, daß der Keim noch nicht lebensfähig ist. Wir glauben hier deutscher zu empfinden als jener alldeutsche Professor, der meinte, 10— 15 Millionen Geborener müssen zugrunde gehen, aber„das tut nichts"! Was wir vor allem fordern, das ist das prophylaktische Verfahren. Man soll die Menschen so erziehen, daß sie nicht dem Strafgesetzbuch, das so sehr verbesserungs- bedürftig ist, zum Opfer fallen. Darum wollen wir eine ft a r k e Erziehung zum Verantwortungsgefühl in jedem Mädchen, jedem jungen Mann. Keiner ist Selbstzweck, sondern Wegmacher auf dem Ziel zu einer besseren Zukunft. Aber nicht nur das Verartmortungsgefühl des einzelnen soll gestärkt wer- den. Auch Staat und Gesellschaft müssen viel mehr zum Gefühl der Verantwortung gebracht werden. So lange sie nicht helfen, daß, jedes Kind, das geboren wird, zu einem körperlich und geistig tüch- tigen Menschen erzogen werden kann, so lange wird Mutterglück noch in unzähligen Fällen Mutter leid bedeuten, und jedes Recht zum Eingreifen und Strafen fällt fort. Aber wir Frauen sind ja jetzt zum Wiederaufbau mitberufen. Was wir aufbauen wollen, das ist Kinderland, glückliches, sonniges Kinderland, nicht durch Straf- Paragraphen, sondern durch Stärkung des sozialen Ge- wissens und des wahrhaft sittlichen Empfindens. GroßSerlln Der Kuckuck. Die Chinesen haben den Mut gehabt, ihre Zöpfe abzuschneiden. die Justiz kann sich dazu noch immer nicht aufschwingen. Um nur einen dieser Zöpfe vorzuführen: Die Siegelmarke, im Volke der„K u ck u ck" genannt, bildet eine Schädigung des Kredits, eine unnötige Härte und Verärgerung des anständigen Schuldners und eine Gefühlsverletzung. Und wozu das. olles. In keinem Lande Europas besteht eine solche Ein- richtung. Die Siegelmarke wird durch Unterschrift des Schuldners im Protokoll ersetzt, und dadurch wird der Zweck der Pfändung völlig erreicht. Der Gerichtsvollzieher, der heute den Kuckuck ankleben muß. leidet persönlich darunter, denn er, der nur seine Pflicht als Be- amter tut, ist an sich schon der bestgehaßte Mensch. Seine Aufgabe als Beamter ist so schwierig, weil er die Verbindung zwischen Richter und dem Publikum herzustellen hat. Das Ankleben der Siegelmarke ist ein Akt, der je nach Temperament, Stand, Erziehung des Schuldners Schamverletzung und Aerger hervorruft. Der Ge- richtsoollzieher,' wenn er auch stumm feine Pflicht tun muß, empfindet es hart, wenn er unter den heutigen Verhältnissen fein veranlagte Menschen kränken muß, ohne in der Lage zu sein, seiner Pflicht eine gemilderte Form zu geben. Die Zwecklosigkeit des„Kuckucks" ist praktisch dadurch dargetan, daß vielfach das„Pfandsiegcl" abgerissen wird,.ohne daß man den Schuldner fassen kann, denn das Siegel kann abgefallen sein. Auch wird sich nur selten ein Gerichtsvollzieher finden, der Anzeige er- stattet, denn fein Takt verbietet es ihm, den bedrängten Schuldner noch weiterhin zu schädigen. Nach der Gesetzgebung gilt nach Anlegung des Siegels die Pfändung als getätigt, aber diese Täätigung kann durch das Proto- koll, also die Aufführung der Pfandstücke und die Unterschrift des Schuldners, leicht ersetzt werden. Es ist Sache der obersten Justizverwaltung, einem berechtigten Wunsche, der nicht nur aus den Reihen der Gerichtsvollzieher, der Handels-, Landwirtschafts- und Rechtsanwaltskammern, sondern aAh aus den breiten Schichten des Volkes heraus entsprungen ist, bei der Vorlage der zu erwartenden neuen Zivilprozeßordnung Rechnung zu tragen. «Sj Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. Die Zimmer rochen wie nach Moder, die Luft war s-Wecht. Er riß sofort die Fenster auf und badete sich in der Sonne, die nun, als habe sie Versäumtes nachzuholen, warm ,'nd wie flüssig hereindrang. Zwischen den Bäumen vor dem Hause haschten sich zwei Spatzen unter lautem Spektakel. Reisner wandte sich von diesem Bild ab, das zu idyllisch war, als daß es seine vibrierenden Nerven hätte beruhigen können. Er ging an das Telephon und ließ sich, mit den Fingern ungeduldig auf der Tischplatte trommelnd, verbinden. „Hier Reisner. Sind Sie es selbst, Mannheimer?" Die Stimme aus dem Geschäftsviertel der Friedrichstadt bejahte._,_, „Sie sprachen mir vor ein paar Wochen von der Sache Braß. Ist sie noch zu machen?" Wieder bejahte der Partner. „Ja?... Gut, dann besuchen Sie mich morgen!... Ob ich Lust habe, zu kaufen? Vielleicht... Also auf morgen. Schluß!, Reisner wanderte pfeifend durch sämtliche Zimmer, alles daraufhin betrachtend und prüfend, ob es auch Lucie gefallen wurde. Hier fehlte das, dort jenes, und er machte sich Notizen darüber. Und doch war er mit seinen Gedanken gar nicht bei der Sache. Etwas anderes spukte ihm im Kopf herum. etwas Großes, das. wenn es gelang, ihn den Absichten für feine Zukunft um einen großen Schritt näher brachte. Der Kommissionär Mannheimer, mit dem er schon wieder- holr Geschäfte abgewickelt hatte, hotte ihm gegenüber gesorächs- weise einiges von der Automobilfabrik I. Braß und Sohn verlauten lassen, einem Unternehmen, das, mit zureichenden Mitteln gegründet, anfangs auch prosperiert hatte, um dann. ncchdem sein Gründer gestorben und es in die Hände ge- fchöftsuntüchtiger Erben gekommen war, in der Erzeugung und im Absatz allmählich imme' mehr zurückzugehen. Es war schon lange verkäuilich. doch hatte bisher, ob- gleich es billig und unter günstigen Dedingunoen zu haben war, noch niemand so recht die Lust und den Mut gefunden, es an sich zu bringen, auch Reisner nicht, der mtt den Be« sitzern— einer Witwe mit noch zwei unmündigen Kindern— wohl schon so halb und halb verhandelt, schließlich von einem Kauf aber doch abgesehen hatte. Heute aber sah er die Sache mit einem Mal ganz anders. Seine Phantasie, durch die Erlebnisse der letzten Wochen beflügelt, malte sich die Wirkungen aus, die es haben mußte, wenn dem Unternehmen mit Hilfe einer großzügigen Re- klame, die einige hunderttausend Mark nicht ansah, wieder aufs neue Leben eingeblasen wurde. Man durfte keine Zeitung, keine Zeitschrift aufschlagen, an keiner Litfaßsäule vorübergehen können, ohne auf die schreienden Worte„Braß-Automobile",„Braß-Motore" zu stoßen. Daß eine solche Reklame, die die Fabrik dummerweise bisher vermieden hatte, enorme Wirkungen auf den Absatz haben mußte, war natürlich klar, und die Frage war nur. ob auch genug Geld vorhanden sein würde, um einige Jahre durchzuhalten. Reisner geriet allmählich in Feuer, seine Gedanken ent- zündeten sich und wurden doch sogleich wieder von einem Willen, der kühl und sachlich war, gebändigt. Er setzte sich an den Schreibtisch, griff zur Feder und begann, zu rechnen. Es verging der Mittag, der Nachmittag und wurde lang- sam Abend.— aber er saß noch immer am Schreibtisch und rechnete und kombinierte und rechnete wieder. Sein Gesicht war von Spannung und Erregung gerötet, doch seine Lippen preßte eine eiserne Tatkraft zusammen. Er träumte und phantasierte nicht mehr, er rechnete. Als es dämmerte, stand er auf und ließ sich von Prokop Schinken, Eier und Tee bringen. Er aß alles mit einer Giex, die gar nicht darauf achtete, was sie verschlang. Dann aber lehnte er sich erschöpft in den Sessel zurück uind brannte sich eine seiner besten Importen an. Er war entschlossen. 16. Der vierundzwanzigste Juli war der Taa, an dem, vor- mittags um elf lihr,- auf dem Standesamt die Trauung Reisners mit Lucie vollzogen werden sollte. Der Tag sollte� ohne jede Feierlichkeit und ohne jede Feier verlaufen, das hatten sie beide beschlossen. Er brachte nur die äußerliche Besiegelung dessen, worüber sie sich innerlich schon längst einig waren. Sie hatten zu niemandem von dem Tag ihrer Trauung gesprochen. Sie wollten niemanden sehen und allein sein. Kein dritter sollte in ihr Leben etwas hinein- zureden haben, weder im Guten. noch im Bösen. Reisner hatte sich von Prokop, der auch weiter im Dienit seines Herrn verblieb, während für Lucie ein Dienstmädch.-n und eine Köchin zur Verfügung standen, die sie sich selbst ge- wählt hatte, schon um sechs Uhr wecken lassen. Er war unruhig und von einem jener leisen Angstzu- siände befallen, die sich bei manchen Menschen einstellen wenn ihnen ein Glück, an das sie wohl geglaubt haben, das aber doch mehr nur ein Bestandteil ihrer Träume war, endlich zur Wirklichkeit wird. Und dieser sonderbare Zustand übertrug sich auf alle seine Glieder. Sein Gang war unsicher, vor seinen Augen flimmerte es, und seine Zunge lormte nur mühsam Worte und Sätze. Auch dos Frühstück schmeckte ihm nicht, obwohl er Hunger hatte. So setzte er-sich zu einem Glase Wein und versuchte es, zu rauchen. Dabei verfiel er in eine halbwache Träumerei, aus der er von Zeit zu Zeit aufschreckte, wenn etwa die Standuhr in dünnen, kurzen Lauten schlug �der wenn etwa draußen die Türen gingen. Denn mit der Ruhe, die dies Haus sonst ein- gehüllt hatte, war es heute vorbei. Hundenerlei war zu tun, und die neuen Dienstboten hatten nicht die leise Art, die Reis- ner zu lieben gelernt hatte. Wie lange er so gesessen hatte, hätte er nicht anzugeben vermocht. Es konnten immerhin Stunden gewesen sein, denn Prokop trat jetzt ein und übergab R?isner die Post. Reisner sah sie gar nickt an, sondern warf sie achtlos auf den Tisch. Dabei fiel ein Brief auf die Erde, den Protop aufhob und seinem Herrn neuerdings überreichte. Reisner warf einen flüchtigen Blick darauf, stutzte ober plötzlich und sagte zu seinem Diener, indem er diesen scheu ansah:„Prokop, es ist gut.. Er war wieder allein, trat an dos Fenster und betrackstete die Schrift, die ibm unbekannt war. Aber w"? leine Augen immer wieder anzog, war ein blauer Geschäftsstempel, der dem Umschlag aufaedruckt war:„Gefängnisverwaltung".., (Forts, folgt.) Das Paradies in der Wohnung. Vom Wetter, von der Schupo und anderen Tinge«. Noch immer ist die erschnte Abkühlung nicht eingetreten. Auch der Gewitterregen, der in den gestrigen Nachmittagsstunden ein- fcfcte und vom Westen nach dem Osten strich, hat für die von ihm betroffenen Stadtteile die dem Mogistrat höchst angenehmen und er- wünschen Funktionen eines Riesensprengwagens ausgeübt. Das Publikum pilgerte wieder in Scharen in die Freibäder hinaus uno die Nichtschwimmer hotten das zweifelhafte Vergnügen, nahe den Ufern in Bouillon zu baden. Der Dolkswitz nennt die warme Brühe allerdings ganz anders. Die ganz Schlauen aber ließen schon am frühen Morgen die Vorhänge und Jalousien herab und ergingen sich in der also von Sonnenstrahlen abgesperrten Wohnung vielfach im paradiesischen Urzustand. Und da es jetzt schon richtige Aepfel gibt, soll es gar vorgekommen sein, daß so eine nette apetitliche Eva dem Adam einen hübschen rundlichen Apfel hingehalten hatl Da, beiß mal rein. Und er, natürlich, er beißt auch wirklich rein. Die Kinder hüpften inzwischen im Badetrikot draußen herum. Am chumboldthafen und anderen Wasserteilen der Innenstadt etablierte sich oft genug ein ungeniertes Badeleben. Recht befremdend wirkte in diesem sommerlichen Treiben, daß die Beamten der Schutzpolizei trotz der riesigen Hitze in ihren dicken Uniformen mit hohem Halskragen und schwerem Helm herumgehen müssen. Sollte das etwa auf Befehl von höherer Stelle zurückzuführen sein? Oder wünschen es die Beamten selber? Auf jeden Fall sind sie zu bedauern. Man erinnert sich, daß schon vor dem Krieg die blaue Polizei eine leichtere Sommeruniform erhielt. Der heutige Zustand bedeutet deshalb einen Rückschritt. Aus Süddeutschland kommen allerdings höchst beunruhigend« Nachrichten. Die Höchsttemperatur in der Rheinebene erreichte in diesen Togen 34 Grad Celsius im Schatten. Auch in den Gebirgen an Schmarzwald und an der Nauen Alp ging sie bis auf 28 und 30 Grad. Die Folgen dieser, seit 1911 größten und intensivsten Hitz- Periode zeigen sich in einer beispielslos fortschreitenden Dürre. Die Entlaubung der Bäume macht Fortschritte wie im Herbst. Die Felder und Wiesen sind vielfach am Verdorren. Mannheim steht vor einer Wasserkatastrophe. Sollte die Hitze und Trockenheit noch weiter andauern, so dürften sich die Ernteaussichten in Süddeutfchlanu ganz erheblich verschlechtern. Da die Neigung zu Wolken- und Gewitterbildung weiter besteht, so wird auch die Abkühlung hoffentlich nicht allzulange auf sich warten lassen. Ein Weiser sagte allerdings in diesen Tagen: Jetzt kommt ordentlicher Regen und dann— ist der Herbst da. Er hat nicht so unrecht. Also genieße man den Sommer, solange er noch da ist! krüppelelenö in Hroß-Serlin. Die unerquicklichen Groß-Berliner Verwaltungsverhältnisie üben besonders schädliche Wirkungen auf einem Gebiet aus, das einer durchgreifenden und schnell zufassenden Behandlung sehr nötig be- darf. Dies Gebiet ist die K r ü p p e l f ü r s o r g e. Am 6. Mai vorigen Jahres wurde durch das vom preußischen Landtag ange- nommene Krüppelfllrsorgegesetz der Krüppclfürsorge in Preußen dle gesetzliche Grundlage gegeben. Wenn auch in manchem unzugänglich, brachte das Gesetz doch in dem Streben nach Vereinheitlichung in der Anzeigepflicht für Aerzte, Hebammen, Lehrer und Fürsorge- Personen und besonders durch die Einführung der Erwerbs- befähigung für die Krüppel unter 18 Iahren, vieles von Krüppeln und Krüppelfreunden warm Begrüßte. Am 1. Oktober 1929 trat das Gesetz in Kraft und in den preu- ßischen Provinzen wird überall eifrig an der Ausführung de» Gesetzes gearbeitet. Nur in der Reichshauptstadt ist über das junge Fürsorgepflänzchen schon jetzt der Frosthauch der Erstarrung ge- kommen. Die Krüppelfürsorge ist hier dem Jugendfürsorge- omt zugeteilt. Tüchtige Leute sitzen da mit warmem Herzen. Helfen wollen sie, aber sie können nicht. Zu taufenden laufen die Fürsorgeanträge, die Notschreie unserer jungen Schicks alsgenosien im Jugendfürsorgeamt ein. Bergehoch haust sich das Material für eine werktätige Hilfe, aber die Beamten zucken die Achseln: wir können nicht--- Inzwischen frißt das Krüppelelend weiter, das Glück ungezählter Familien zerstörend. Bedrückt und ratlos stehen die Eltern mit ihrem bewegungsbeschränkten Kind« da, der bei Krüpoelgebrechen oft so wichtige rechtzeitige Eingriff unterbleibt, der Ausbildungs- beginn wird für viele Iugendkrüppel unhellvoll verzögert. Und all« diese Unterlassungssünden häufen sich bei den einzelnen Körper- gebrechlichen und kommen in ihrem Leben zur Auswirkung als Be- Hinderung des Tatwillens, Vermehrung der Wirtschaft- l i ch e n Not, Unterdrückung der Lebensfreudigkeit. Die rück- wirkende Belastung der öffentlichen Wohlfahrt durch diese der recht- zeitigen Hilfe entbehrenden Krüppel ist natürlich sehr groß und auf Grund de» preußischen Fürsorgegesetze» könnte die Stadt auch ver- antwortlich gemocht werden für körperliche Schädigungen, die ein«" Krüppel infolg« mangelnder Versorgung entstehen. Diese ZustäiNe werden besonders schmerzlich von den im Bund zur Förderung der Selbsthilfe der körperlich behinderten(Otto Perl-Bund) vereinigten Körperbehinderten empfunden, die oft am eigenen Leib« die Schäden veralteter und vernachlässigter Körpcrversehrtheit herumschleppen. Im Interesse ihrer jugendlichen Schicksalsgenossen wünschen sie eine recht baldige Entwirrung der so unklaren Groß-Berliner Krüppel- sürsorgeoerhältnisse. Hier, wo es sich um das Ledensglück und die Gesundung junger Menschen handelt, sollten alle maßgebenden In- stanzen und alle Parteien des Stadtparlaments sich einmütig für die sachgerechte und gründliche Durchführung des preußischen Krüppelfürsorgegesetzes in Groß-Berlin einsetzen. Kulturfein üliche Verkehrspolitik. Ein unverständlicher Deschluß der Eisenbahn-Tarifkommission. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die von der Stadt Berlin und sämtlichen großen Berufs- verbänden getragene Volkshochschule Groß-Berlin ver- anstaltet regelmäßig kleine und größere Exkursion« n zu naturwissenschaftlichen und anderen Lehr- zwecken. Diese Exkurstonen beruhen auf dem durchaus richtigen Gedanken, daß Hand in Hand mit der theoretisch-wissenschaftlichen Belehrung auch der praktische Anschauungsunterricht in der Natur gehen muß. Nun fetzt sich die Hörerschaft der Volkshochschule Groß- Berlin zu 80 Prozent au» Arbeitern und Ange st eilten, also aus Kreisen zusammen, für die die heutigen Fahrpreise, wenn überhaupt, so nur unter unverhältnismäßig schweren Opfern er- schwinglich sind. Während es bisher immer möglich war, für die an den Exkursionen teilnehmenden Hörer die übliche Fahrpreis- ermäßigung zu erlangen, uiird diese neuerding» von der Eisen- bahndirektion versagt, und zwar mit der Begründung, daß solche Ermäßigungen nur für Schüler und Studenten, nicht aber für Hörer von Volkshochschulen,„die doch schon im Erwerbsleben ständen", in Betracht kämen. Tatsächlich ist die im offiziellen Tarif(Teil I) vorgesehene „Fahrpreisermäßigung für Fahrten zu wissenschaftlichen und be- lehrenden Zwecken" nur für die dort angeführten Anstalten be- stimmt, unter denen sich befremdlicherweise die Volkshochschulen nicht befinden. Noch befremdlicher wirkt es, daß die zuständigen Stellen, trotz aller Vorstellungen der betroffenen Kreise, s i ch weigern, von diesem engherzigen und unsozia- len Standpunkt abzugehen. Wie wir nämlich erfahren. lag erst kürzlich der Ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen ein formulierter Antrag auf Aus- dehnung der Fahrpreisermäßigung auf Volkshochschulen vor, wurde ober einstimmig abgelehnt. Die Volkshochschule Groß- Berlin muß deshalb wohl oder übel auf die Veranstaltung von Erkursionen verzichten, solange die Torifkommission auf ihrem Standpunkt beharrt Soweit die Zuschrift. Wir haben in der letzten Zeit wiederholt und nicht gerade in anerkennender Weise Anlaß gehabt, uns mit Eisenbahnverkehrsangelegenheiten zu beschäftigen. Uns liegen auch von anderer Seite Sleußerungen vor, in denen sehr darüber geklagt wird, daß die Eisenbahn sich die größte Mühe gibt, alle nur erdenk- lichen Ansprüche eines Luxusreisepublikums zu beftiedigen. Mit auherordentsichem Befremden kann man feststellen, daß sich gerade in der letzten Zeit die Eisenbahn mit großem Eifer um den Ausbau des Schlafwagenverkehrs bemüht. Da es nun aber eine Tatsache ist, daß an dem Luxusoerkehr, wenn überhaupt, so doch geringfügig verdient wird, so wird man mit um so größerem Nach- druck fordern müssen, daß sich die Bahnverwaltung dazu bequemt, Bildungsbedürfnisse der Massen nicht geringer zu achten, als die Bequemlich- k e i ts b e d ü r f n i s s« zahlender Schieber und Mil» l i o n ä r e. W i r fordern, daß mit der Demokrati- sierung des E isen b ah n w e s en s, in n en wie außen, endlich ernst gemacht wird. StaStverordnetenwahl am 1ö. Oktober. Dem Vernehmen nach sollen die Wahlen zur neuen Berliner Stadtverordnetenversammlung erst am 16. Oktober stattfinden. da die notwendigen Vorarbeiten erst zu diesem Zeitpunkt fertig sein dürften. Der ständige Ausschuß des Preußischen Landtags hat seine Sitzung zur Beratung der Notverordnung über die Regelung der vorläufigen Verwaltung der Stadtgemeinde Berlin von Mittwoch auf DonnerSrag vormittag 10 Uhr verlegt. Der Einbruch beim„Zahnathleten*. Eine absonderliche Einbrechergeschichte beschäftigte gestern die Ferienstrafkammer des Landgerichts l. Angeklagt wegen versuchten schweren Diebstahls waren der Reisende Felix H i r s ch f e l d, der Student Hans M a l y und der Kaufmann Georg Arndt.— Die Angeklagten wurden eines Nachts von dem Polizeiwachtmeister Cipesnat dabei abgefaßt, als sie in die in der Frankfurter Allee 361 gelegene Wohnung des Zahntechnikers Penner gewaltsam eingedrun- gen waren, offmbar um hier Plombiergold zu stehlen.— Vor Gericht behauptete der Angeklagte Felix Hirschfeld, daß er nur als Spitzel im direkken Auftrage der Polizei den Einbruch mitgemacht habe. Er sei eines Nachts mit zwei Kriminalbeamten in ein Recht- kaffee in der Elsasser Straße gekommen, um dort einen Mädchen- Händler zu suchen. Hier seien die Angeklagten Maly und Arndt an ihn herangetreten und hätten ihn gefragt, ob er eine lohnende Sache bei einem.Lahnatyleten" mitmachen wolle. Nachdem er den beiden Kriminalbeamten den Sachverhalt mitgeteilt und sie gewisser- maßen um Erlaubnis gebeten hatte, habe er dann den Einbruch zum Scheine mitgemacht.— Die von Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t und Assessor v. Strantz geladenen Kriminalbeamten bestätigten diesen Sachverhalt. Hirschfeld wurde daraufhin freigesprochen, wäh- rend Maly und Arndt zu 1 Jahr bzw. 6 Monaten Ge- f ä n g n i s verurteilt wurden._ Nichts ohne(Quittung. Eine in vielfacher Hinsicht lehrreiche Verhandlung beschäftigte die Berufungsstrafkammer des Landgerichts II. Wegen Unter- schlagung war der Uhrmacher Karl von F a r a angeklagt.— Am 6. August v. I. übergab die Privatsekretärin Elisabeth Voigt, die Tochter des verstorbenen Obermusikmeisters D., dem Angeklagten eine lange goldene Uhrkette zur Reparatur und vergaß dabei, wie sie vor Gericht unter Eid erklärte, sich als Quittung den sog. Reparatur- bon geben zu lassen. Als Fräulein V. nach einiger Zeit ihre Kette wieder abholen wollte, bestritt der Angeklagte, überhaupt ein« solch« erhalten zu haben. Als er dabei blieb, war die Zeugin gezwungen. Anzeige zu erstatten. Das Schöffengericht hatte o. F. wegen Unter- schlagung zu 400 M. Geld st rase verurteill. Gegen dieses Urteil legte Rechtsanwatt Dr. Frey Berufung ein und machte vor der Strafkammer geltend, daß man den Angeklagten nur verurteilen könne, wenn man ihm nachweise, daß er von Anfang an die Absicht gehabt habe, die ohne Quittung in Empfang genommene Kette zu veruntteuen. Solang« ober noch die Möglichkeit bestehe, daß die Kette vielleicht durch Diebstahl abhanden gekommen ist oder ver- sehentlich einem anderen Kunden ausgehändigt fei, bleibe nur eine zivilrechlliche Schadensersatzpflicht übrig, nicht aber eine Unter- schlagung. Das Gericht brachte in seiner Urteilsbegründung zum Ausdruck, daß das eidliche Zeugnis der Geschädigten durchaus glaub- würdig sei, so lange aber der Nachweis fehle, wo die Kette wirklich geblieben sei, könne keine Verurteilung wegen Unterschlagung er- folgen. Das Urteil lautet« demgemäß auf Freisprechung. Zum Aktenranb beim Oberft �reyberg. Der Aktenraub bei Oberst Freyberg hat im Laufe des gestrigen Tages zu einer Verhaftung geführt. Ein Kraftfahrer hatte durch feine Aussage die Aufmerksamkeit der Polizei auf eine be- stimmt« Spur gelenkt. Infolgedessen begaben sich einige Kriminal- kommissare mit dem Kapitän Belugen, der bekanntlich in der Woh» nung des Oberst von Freyberg anwesend war, als der Einbruch er- folgte, nach einem Außenvorort von Berlin, wo der Verdächttge wohnt. Bei der Gegenüberstellung glaubte der Kapitän, in ihm einen der Täter wiederzuerkennen, jedoch bestritt der Betteffende ganz ent- schieden die Mittäterschaft. Trotzdem schienen die Verdachtsmomente groß genug, so daß seine Verhaftung erfolgt«. Bei dem Oberst von Freyberg haben sich auch Leute gemeldet, die diesem Wahrnehmungen mitteilten, die seine eigenen Beobachtun- gen bestätigen, nach denen seine Wohnung schon seit längerer Zeit beobachtet worden war. Bei der Abteilung la haben sich ferner Leute gemeldet, die Kisten mit bolschewistischen Schriftstücken ab- gegeben haben, die Untermieter dort zurückgelassen hatten. Der Jnhall der Kisten wird zurzeit noch geprüft. Sonderbare Verwendung der Schupo! Täglich kann man jetzt in Lichterfelde an der Reich?- wehrschützenkaserne ein sonderbare« Bild sehen. Da« Bataillon der Reichswehr ist zu einer Uebung ausgerückt und man mußte annehmen, daß die Kaierne durch Angehörige des Bataillon« bewacht würde. Da« ist aber nicht der Fall. Die Kaserne wird durch B e a m t e d er S ch up o, Abteilung Lichterfelde. bewacht, und zwar wandern außen um die Kaserne herum zwei Streifen der Schupo mit regelrechter Ablösung. In der Wacht- stube der Kaserne sitzen etwa 3—4 ReichSwebrsoldaten, die von dort auS den Eingang bewachen. Die Frage ist berechtigt: Hat die Schupo talsächlich keine wichtigeren Aufgaben zu erfüllen? Diesem sonderboren Zustand muß bald ein Ende gemacht werden. „Störung eines öffentlichen GotteSdienffes". Gestern abend fand auf dem Herzberqplatz in Neukölln ein öffentlicher Gottesdienst der evangelischen Gemeinde statt, der hin und wider durch laute Zwischenruf« wie„Jesus Christus kann uns Arbeitslosen auch keine Arbeit geben" u. a. unterbrochen wurde. Als Täter wurde der 23jährige Arbeiter Willy Melde aus Neukölln ermittell und festgenommen, er ist nach seiner Vernehmung wieder entlassen worden. Das Kriterium der„Störung eines öffentlichen Gottesdienstes", wie die amtliche Meldung den Vorfall bezeichnet, dürfte denn doch wohl nicht gegeben sein. Die Aeußerung„Christus kann uns Arbeits- losen keine Arbeit geben", kann im Sinne de»§ 166 RStGB. unmöglich als„beschimpfende Aeußerung", d. h. als Gotteslästerung gelten.§ 166 spricht dann auch noch von„einem zu religiösen Ver- sammlungen bestimmten Ort". Daß der Herzbergplatz zu Neukölln als solcher angesehen werden kann, wäre ganz neu. Wenn die Kirche sich an die Oeffentlichkeit begibt, soll sie ibrer Sache oertrauen und wegen eines Zwiichenrufers nicht zimperlich fein. Sonst möge sie in ihren Kultgebäuden. den Kirchen, bleiben. Polizeilchrknrsns im Kreise Niederbarnim. Die kommunalen Polizeivollzugsbeamten müssen be- kanntlich vor ihrer endgültigen Anstellung eine amtlich anerkannte Polizeischule besucht und die vorgeschriebene Fachprüfung abgelegt haben. Der Kreis Niederbarnim beabsichtigt, bei hinreichender Be- teiligung in nächster Zeit einen neuen Polizeilehrkursus einzurichten, an dem auch auswärtige Beamte und solche Privatpersonen, die sich erst auf den kommunalen Polizeibeamtenberuf vorbereiten wollen, teilnehmen können. Das Unterrichtslokal be- findet sich in Berlin. Die Gesamtdauer wird etwa 3 Monate bettagen. Wer gewillt ist, an dem Lehrgang teilzunehmen, kann sich bei dem Landratsamt des Kreises Niederbarnim in Berlin NW. 40, Friedrich-Karl-Ufer 6, melden, wo auch im Zimmer 31 auf Wunsch nähere Auskunft erteilt wird. Parteigenossen, die Interesse für den sehr wichtigen kommunalen Polizeiberuf haben, sollten ver- suchen, an dem Kursus teilzunehmen. Angestellte der Zigarettenindustrie. Die in der Zigaretten industrie beschäftigten Handarbeiter befinden sich in einem schweren Kampf mit den Unternehmern. Der Verlauf de« Kampfe« zeigt den brutalen Machtwillen der Arbeitgeber. Pflicht eine« jeden A n g e st e l l t e n ist e«. die Hand- arbeiter in ihrem Kampfe in jeder möglichen Weise zu unterstützen. Streikarbeit ist abzulehnen. In Zweifelsfällen ist die unterzeichnete Geschäftsstelle zu befragen. Gegen Angestellte, die Streikarbeit leisten, wenn auch vlelleicht in verschleierter Form, wird mit allen organisatorischen Mitteln vorgegangen werden._.. Asa-OrtSkartell Groß-Berlin, Belle-Allrance-«tr. 7—10. Aufdeckung eines großen Silberschmuggel«. Die Kriminalpolizet beschlagnahmte gestern abend am Bahnhos Zoo bei drei verdächtig erscheinenden Personen eine große Menge Silbergeld, welches diese bei sich trugen. Die Gesamtsumme beträgt zirka 200 000 M. Vier Kinder unter einem Mauerpfeiler begraben. Vorgestern nachmittag spielten mehrere Kinder an einem eisernen Tor, da« an einem Mauerpseiler vor dem Hause Kurze Str. 3» in Steglitz be- festigt war, indem sie die eljerne Tür erkletterten und sie hm und her bewegten. Infolge der erheblichen Belastung stürzte plötzlich der schon sehr schadhaste Pfeiler zusammen und die Mauerblöcke begruben vier Kinder unter sich, die zum Teil erhebliche Ver- lctzungen erlitten. Die 6jährige Lucie Wascheck. Kurz« Str. 3a wohnhaft, trug einen doppelten Bruch de« rechten Fuße« davon und mußte schleunigst nach dem Krankenhause in Lichterfelde ge- bracht werden. Die lljährige Margot Müller, Kurze Stt. 4. zog sich Kopf- und innere Verletzungen zu. cebensgefährliche Häuser. Als gestern nachmittag der acht- jährige Willi Starte au» der GipSstroße 16 an dem Hause Gips- straße 19d vorbeiging, löste sich plötzlich von dem mit Schiefer ge- deckten Dach eine größere Schiesertasel, stürzte herab und verletzte den Knaben schwer am Kopfe.— Oft genug Passiert e« jetzt auw, daß sich größere oder kleinere Flächen�Putz ablösen» herunterstürzen und dadurch die Passanten schwer gefährden. vi« zerplatzte Sohlensäureflasche. Eine gewaltige Detonation verursachte vorgestern»achmillag in der Boyensttaße eine große Auf- regung. Kurz vor 3 Uhr gab e? einen ungewöhnlich starken Knall. dem ein Klirren von vielen zerbrochenen Fensterscheiben folgte. Wie sich bald herausstellte, war vor dem Hause Nr. 43 infolge der heißen Sonnenstrahlen eine Kohlensäureflasche explodiert. Der Luftdruck war so groß, daß die meisten Fensterscheiben der um- liegenden Häuser sprangen. Personen wurden jedoch glücklicher- weise nicht verletzt. Da» oeue Fernsprechamt„Dönhoff"— nicht etwa„Dönhofs- platz"— in der Feilnerstr. 1 ist fertig und soll nunmehr im Laute diese« Jahre« zur Entlastung der Aemler„Moritzplatz" und„Zen- trum" in Betrieb genommen werden. Der Tag der Jnbetrieb« nahm« de« neuen Amte«.Dönhoff' wird noch bekanntgegeben werden. Dle Marttzeiteo auf dem Viehhof werden mit Zustimmung de« Herrn Polizeipräsidenten festgesetzt: für Rinder und Hammel von 8—12 Uhr. für Schweine und Kälber von 8'/,— 12 Uhr. Die Regelung tritt sofort in Kraft. Dl« täglichen Waldbrände. Vorgestern nachmittag entstand in der Nähe de» Landgut«« Eule bei Kohlhasenbrück«in Waldbrand, der sich auf etwa 100 Quadratmeter ausdehnte, aber von Waldarbeitern gelöscht werden konnte.— Durch einen weggeworfenen Zigarren- stummel, der noch glimmte, entstand nachmittag« im Jagen 123 bei Wannsee Feuer, da« eine Fläche von etwa 8 Morgen, die mit Gra« und Baumstümpfen bestanden war. vernichtete. Die herbei- gerufene Feuerwehr hatte zwei Stunden mit Ablöscharbeiten zutun. Vorwärtsleser Beelitz hellslfitle können die Zeitung von Klaunig am Bahnhof beziehen._ Ms öen Kreisen. Die Kreisvertteterkonserenz des 9. Kreises(Wilmersdorf) sand am 20. d. M. statt. Das Referat hielt Genosse Dr. Z e ch l i n, der in diplomatischer Weise die Einigung mit der USP. berührte und kurz auf das Parteiprogramm«inging. Ein Antrag, der die Einigung mit der USP.„unter Wahrung der Würde" unserer Partei betont, wurde angenom- m e n. Die Versammlung behielt sich vor, in einer demnächst einzu- berufenden Mitgliederversammlung eingehend die Frage des Pro- gramms zu besprechen. Als Delegierter zum Parteitag soll der erste Vorsitzende, Gen. Anton für den Bezirksvorstand, die Genossen Hamburger und Dr. Korach als Mitglieder der Pressekommifsion, die Genossen Beck und Olioier als Revisoren, und Genossin Stock, die den Posten schon innehatte, für den Bildungsausschuß vorgeschlagen werden. Der Kreis beschließt, Mitte August ein Sommerfest abzuhalten. Zn der verlreteroersammlung des 11. Kreises(Schöneberg- Friedenau) gab Genosse Eduard Bernstein in einem Vortrage über das neue Parteiprogramm nach Darlegung der Gründe für eine Er- Neuerung desselben einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit der auf dem Kasseler Parteitag gewählten Programmkommission und ihrer Untertommissionen."Besonders wurde vom Gen. Bernstein zu den Richtlinien für die auswärtige Politik Stellung genommen. Auch über die Einleitung zum Programmentwurf sprach Bernstein ausführlich und betonte die mit der endlichen Festlegung verbundenen Schwierigkeiten. Der Redner wünschte, daß über die Politik der Partei etwas Bestimmtes in das neue Programm aufgenommen wird. Er hielt ferner eine Vereinigung der USP. mit der SPD. für erforderlich: ein Zusammen- schluh sei aber er st nach Erzielung einer Ueber- einstimmung in großen uns bewegenden Fragen möglich. Als Delegierte für den Parteitag schlugen die anwesenden Kreis» Vertreter den ersten Vorsitzenden des Kreises, Gen. Oskar Hausse, vor. Anträge lagen nicht vor und wurden auch nicht gestellt. Die Vorgänge bei dem Waffenfund im Schöneberger Rat- haus wurden durch den stellvertretenden Führer unserer Bezirks- verordnetenfraktion ausführlich geschildert. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung über den Waffenfund leb- haften Ausdruck. Nachdem noch auf die bevorstehenden Wahlen zur Stadt- und Bezirksverordnetenversammlung hingewiesen worden war, wurde die Bertreterversawmlung geschlossen. Sriefkaften der Redaktion. Briefliche A u s k u n s t wird nicht erteilt.— Jeder für den Brief- kästen bestimmten Anfrage filge man«inen Buchstaben und ein« Nummer bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Epreelistund«, Lindenstr. 3, 1. Hof varl. Ilnt,. vor. Schriflstilet« und Lerlriige sind mitzubringen. Statbund Osten. Di« Gkatliteratur ist uns nicht delannt! im Berlage vor PH. Steeiam jr. in Leipzig ist et» sehr brauch bares Puch erschienen. Nie wieder Krieg! Aus Kreisen der Arbeiterjugend gehen uns folgende warm- herzigen Ausführungen zu: Das Manifest der zu Pfingsten in Amsterdam gegründeten „Arbeiterjugend-Jntsrnationale" beginnt mit nachstehenden Worten: „Der Wahnsinn des Weltkrieges hat unserer Seele ein Brandmal aufgedrückt. Die Jugend Europas ist verblutet auf den Schlachtfeldern. Mit Trauer und Zorn denken wir an die unzähligen gefallenen Kameraden, in deren Geist und Herzen un- geahnte Schätze an Kenntnissen, Weisheit und Schönheit ruhen. Krieg dem Kriege!" Diese wenigen Worte sind mehr wie se gerade jetzt, kurz vor der 7. Wiederkehr des Tages, an dem das Massenmorden seinen Anfang nahm, berufen, gelesen und weitergetragen zu werden. Wenn ich als Jugendlicher diese furchtbaren Jahre mit ihren Schrecknissen noch einmal durchdenke, die Invaliden und Siechen, die Witwen und Waisen in ihrem Elend als Zeugen aufrufe, so ist es mir einfach unbegreiflich, daß es noch möglich ist, für den Gedanken des R e- vanchefeldzuges Propaganda zu machen. Dennoch kann man in dem Organ des„Deutschnationalen Jugendbundes" lesen: „Heute liegt sein Meisterwert(gemeint ist B i S m a r ck. Red.), die gewaltigste Tat der deutschen Geschichte, zertrümmert am Boden, und anstatt zu oersuchen, es wieder aufzurichten, wird es mit Füßen zertreten und zerstampft! Einst aber kommt der Tag der Abrechnung, den wir, Deutschlands nationale Ju- gend, herbeisehnen: dann werden wir uns das wiederholen, was uns Bismarck, der Recke aus dem Sachsenwalde, geschaffen hat, und um das wir jetzt schmählich betrogen sind: nicht durch Flehen und Winseln vor dem Tribunal des Völkerbundes, sondern durch unsere eigene Kraft werden wir es uns wiedererringen, durch Blut und Eisen: die Freiheit Deutschlands und seine Kaiserkrone!" Arbeitereltern l hört diese Worte, denkt'daran, daß man auf diese Weise die Jugend vergiftet, sie einstellt auf ein neues Morden. Wollt Ihr Eure Kinder zu Mördern machen? Leonhard Frank schildert in seinem Wert„Der Mensch ist gut", wie weit es reichen würde, wenn man alle Gliedmaßen, die unsere Brüder„dem A l- t ar des Vaterlandes" geopfert hoben, von Berlin au» wie Schienen nebeneinander legen würde. Denkt daran! Habt Ihr den Moment vergessen, als Ihr den Brief des Kompagnieführers lesen mußtet, der es Euch zur Gewißheit machte, daß Ihr den Bater. Bräutigam, Bruder oder Sohn verloren habt? Habt Ihr vergessen, daß Eure blühenden Kinder als Krüppel oder Kranke an Körper und Gemüt in die Heimat zurückkehrten? Habt Ihr die Jahre oer» gessen, die entsetzlichen, furchtbaren Jahre der Not, der Entbehrung, des Elends und der Krankheiten in der Heimat? Ihr Mütter, denkt an die Stunden, wo Ihr gegrübelt und schier verzweifelt darübe: nachgedacht habt, wo Ihr das Stück Brot, den Schluck Milch für die Kleinen und Kleinsten hernehmen solltet! Jenn Ihr Eure Kinder liebt, so versucht, so lange es Euch noch beschieden ist, für sie zu sor- gen, mit aller Kraft einer Wiederkehr solcher Kriegsjahre entgegenzutreten. Und wir Jugendlichen selbst? Aus freudlösen, dunklen Kinder- jähren sind wir voller Hoffnungen in die Werkstatt, in das Bureau, in das Leben getreten. Und schnell, ach allzu schnell, haben wir ein- sehen müssen, daß unser Leben noch düsterer wurde. Gerade wir Jungen haben am meisten unter der Ausbeutung der Kapi- ta listen zu leiden. Denken wir daran, daß wir uns ein besseres Leben erringen wollen. Ein freies Leben, damit wir uns unseres Lebens freuen können. Es soll nicht getrübt werden durch den Ge- danken an ein neues Morden. Wir müssen erkennen, wir müssen fühlen, daß wir nicht Schlächter werden wollen für eine kleine Klasse von Menschen, um deren Leben zu erhalten. Wir wollen den Soldatenrock nicht anziehen, um Menschen zu vernichten, Menschen umzubringen, die gleich uns kämpfen und darben, die auch Proletarier sind, die auch Familie haben wie wir. um die auch die Mutter, die Frau, das Kind, die Braut und die Ge- schwister bangen und sich Sorgen machen und mit brennender Sehn- sucht den Augenblick herbeiwünschen, wo sie sie wieder in ihre Arme schließen können. Uns graut vor dem Blut, das wir vergießen sollen. Und darum wollen wir am 7. Jahrestag des Völkerkrieges ge- loben:.Lrieg dem Kriege!"„E s l e b e d i e in t e r n ati o- nal« Völkerversöhnung!" Und wir als Arbeiterjugend wollen diese Gedanken in die Herzen der Jugendlichen pflanzen. Ihr Eltern, schickt Eure Kinder zu uns, daß sie dem Sozialismus zum Siege zu oerhelfen. Wenn Ihr alles Elend, das ich geschildert habe, nicht noch einmal durchmachen wollt, dann kommt zur„Arbeiterjugend". Denkt an die Kameraden, die mit dem tödlichen Blei in dem Körper unter fremder Erde ruhen, denkt an die Invaliden und Kranken und gelobt: „Nie wieder Krieg 1" Dle Cholera in Astrachan. In der Moskauer.Jswestija" vom 8. Juli gibt Lazis eine Beschreibung der in A st r a ch a n herrschenden Choleraepidemi« und der sanitären Zustände in der Stadt, die folgendermaßen lautet: Bei der Einfahrt nach Astrachan warnt uns der Kapitän des Dampfers:„In der Stadt herrscht die Cholera, trinkt kein un» gekochtes Wasser." Wir wissen das längst, aber viele Passagiere trinken doch ungekochtes Wasser: was sollen sie anders tun, in der Sonne sind es 40 Grad und man nährt sich fast ausschließlich von getrockneten Fischen. In der Stadt ist allenthalben die letzte Nummer der ort- lichen Zeitung angeklebt, deren Inhalt fast ganz der Cholera gewidmet ist. Wir erfahren aus ihr. daß die Cholera nicht nur in den Arbeitervierteln wütet, nicht nur die in Unfauberteit lebende indigene Bevölkerung dahinmäht, sondern auch die kulturellen Schichten der Gesellschaft, Aerzte und Sowjetbeamte. An der Cholera ist der Leiter der Bildungsabteilung des Gouvernements- exekutivkomitee» gestorben, am Tage darauf verschied seine Frau: mehrere Aerzte sind gestorben, auch solche, die keine Cholerakranken behandelten. Seit dem Auftreten der Cholera bis zum 12. Juni sind S70 Cholerafälle registriert worden, von denen 230 tödlich ver- liefen, die Zahl der Genesenen beträgt 88. Das ist die Zahl der offiziell registrierten Fälle, aber wieviel sterben in den Winkel» gassenl Wo liegt hier die Ursache? Die Stadt ist nichts anderes als eine mit Un- rat angefüllte Abflußgrube. Kein Wunder: sieben Jähret st sienichtgereinigtworden. Fast alle Straßen starren von Schmutz. In die unteren Teile der Häuser dringt das Grundwasser ein und bildet stinkende, grünüberzogene Lachen. In der Nähe des Hafens sieht man die Ueberreste von Aborten, die ganz offen stehen und die Hafenstrahe verpesten. Dicht daneben haben Straßenhändler ihre TischemitFischenundEisbonbons aufgeschlagen. Die Luft ist mit Fliegenschwärmen angefüllt, die vom Unrat zu den Waren, von den Waren zum Unrat fliegen. Aber der ausgehungerte Passagier kauft alles, was man ihm an- bietet. Wir wenden uns an ein Glied der Außerordentlichen Kom» Mission zur Bekämpfung der Eholeraepidemie mit der Frage: Ist es wirklich nicht möglich, wenigsten« die Straßen in einen reinlichen Zustand zu bringen.— Nein,— sagt er— es ist nicht möglich. Aber wo» kava doch de» Unrat oerbreoneu!— Wir habe» es ver- ' sucht, er brennt lange, er ist feucht.— Aber man kann ihn doch tn den Höfen oergraben?— Ja, das könnte man vielleicht. Und wir einigen uns, daß er diese Maßnahme ergreifen wird. Aber es erweist sich, daß die Cholera schon weiter vorgeschritten ist. Sie hat schon die Fischereibezirke ergriffen. Die Kirgisen und Kalmücken fliehen in tödlichem Schrecken, ohne die Lohnzahlung abzuwarten. Keine Macht hall sie auf. Die Arbeit kommt ins Stocken. Das zeigt sich schon in der Zufuhr von Fischen nach Astrachan. Bald werden die eingetroffenen Fischladungen ge- löscht sein, aber eine Zufuhr findet nicht mehr statt. Nach einem Verlroge mit der Hauptfischereiverwaltung müssen wir 4000 Kirgisen für die Salzlager zugewiesen erhalten. Der Ge- danke muß aufgegeben werden und wir sind gezwungen, unver- richteter Sache abzufahren. Wie man sieht, mäht die Cholera hier nicht nur die Bevölke- kung, sondern sie hindert empfindlich die Arbeit der Sowjetorgane, denen die Verpflegung des ganzen Landes obliegt: sie wird somit doppelt gefahrbringend. Aufgabe der Republik ist es. der Ausbrei- tung der Epidemie zu steuern. Der Arbeiter- und Bauern- i n s p e t t i o n würde es aber gar nichts schaden, einmal der Frage nachzugehen, wer daran schuld ist. daß die ständig von der Cholera bedrohten Städte, wie Astrachan, zu stinkenden Senk- grubengewordensind. Wirtschaft Der„freke� Getreiöehanüel. ©«„Deutsche Handelsdienst", jeine Korrespondenz, welche der Groß- und Schwerindustrie wohl nicht gar zu fern steht, ver- breitet folgende Meldung aus Frankfurt: Seit der Freigabe der Getreidewirtschaft ist die Preisentwicklung am Getreidemorkt ziemlich unstet. Auf der einen Seite machen die Landwirte hohe Forderungen, die von der anderen Seite nicht bewilligt werden können. Die Stimmung an der heutigen Getreide- börse war außerordentlich fest. Für Weizen zeigten sich so starke Unterschiede in den Forderungen, daß ein Preis nicht zustande k fln. Dabei war Landesweizen höher angeboten als fremder, so daß er keine Beachtung fand. Landesroggen war unverkäuflich. Hülsenfrüchte waren bei knappem Angebot zu hohen Preisen gehandelt. Entsprechend der Stellung der sogenannten Korrespondenz dürfte der Bericht wohl ohne jede Voreingenommenheit abgefaßt sein. Man erkennt daraus, daß selbst sehr weitrechts st ehendeKreise schon in Sorge stich über die künftige Gestaltung des Getreidemarktes. Wenn eine Börse sich außerstande zeigt, einen Preis zu bilden, so bedeutet das nicht mehr und nicht weniger als eine offene Bankerott- erklärung der heutigen Wirtschaftsordnung. Man mag sich zur Börse stellen wie man will: Solange sie einmal besteht, ist sie ge- wissermaßen ein öffentlicher Regulator der Wirtschast. Und wenn ein Institut mit derartigen effektiven Machtmitteln offiziell seine Un- fähigkett erklärt, die ihm übertragenen oder die freiwillig über- nommenen Aufgaben zu erfüllen, so ist damit der Beweis erbracht, daß irgend etwas faul ist im Staate. Darauf läßt auch ein Bericht schließen, den vor einigen Tagen die„Frankfurter Zeitung" über die erste Woche des freien Getreide- Handels veröffentlichte. Das Blatt schrieb: „Die erste Woche des freien Getreidehandels liegt hinter uns. Der Verkehr ist, wie dies nicht anders fein kann, noch nicht in glatte Bahnen gelenkt, und auch die amtlichen Notierungen seit Donnerstag zeigen, daß die Preisbildung noch ziemlich unregel- mäßig ist. Eine Tatsache, auf die man bis vor kurzem kaum irgendwo gefaßt war, ist die, daß der Unterschied zwischen den Preisen, die bisher amtlich für Getreide gezahlt wurden und den Weltmarktpreisen mit einem Sprung überwunden worden ist, so daß nicht selten die Forderungen des Inlands über den Well- Marktpreis sogar hinausgingen." Wenn hier gesagt ist, man sei bis vor kurzem kaum irgendwo darauf gefaßt gewesen, daß der Unterschied zwischen den amtlichen Inlands- und den Weltmarktpreisen mit einem Sprunge über- wunden werden würde, so trifft diese Bebauptung vielleicht auf die Handels- und Dörsenkreise zu. Auf sozialistischer Seite, wo man der Tätigkest der Börse mit etwas mehr Skepsis gegenübersteht, hat man oft genug warnend die Stimme erhoben und zum mindesten auf die Möglichkeit einer derartigen katastrophalen Entwicklung hingewiesen. Nachdem nun aber der Versuch gemacht ist, und man dem„freien Spiel der Kräfte" Gelegenheit gegeben hat, sich ungehindert aus- zutoben, zeigt sich sofort, daß die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen worden sind. Jedenfalls geht es so nicht weiter. Nach- dem die Börse ihre Unfähigkeit, preisregulierend zu wirken, bewiesen hat, ist es allerdings äußerst bequem, sich, wie die„Frkft. Ztg." es tut, damit zu trösten, daß„es im Anfang nicht anders sein konnte". Richtiger wäre es, einzugestehen, daß ollein eine Erfüllung der For- derung nach Beibehaltung des politischen Brotvreises imstande ist, unsere Wirtschaft vor weiteren schweren Erschütterungen zu be- wahren._ Dle neuen Sleuervorlagen werden nach einer TU.-Meldung am 28. Juli zum ersten Male dem Kabinett zugehen, dort durchberaten und an den Reichsrat bzw. Reichswirtschaftsrat weitergegeben werden. „Börfentipps". Vom Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbe« wird uns geschrieben: Seit mehreren Wochen wehen den Angesteltenausschüssen zahlreicher Banken und Bank- firmen in den verschiedensten deutschen Städten gedruckte Zirkulare zu, in denen eine angebliche„Bank Gersfeldt u. Ca., Hamburg, Berlin, Hannooer" den Ankauf von Aktien der Badischen Uhren- fabrikn, Furtwangen, und der Württembergifchen Kattunmanufoktur, Heidenheim, empfohlen wird. Die angebliche Bank erklärt, daß sie der Erteilung von Aufträgen gern entgegensähe, gibt jedoch ihre nähere Adresse nicht on. sondern nur eine— der Post unbekannte— Telegrammadresse. Weder in Hamburg, noch in Berlin, noch in Hannooer ist eine Firma des fraglichen Namens bekannt: es liegt mithin der Verdacht nahe, daß die Zirkulare unter fingierten Namen von einem Spekulnaten versandt werden, der auf diese Weise um- fangreiche Angestelltensvekulationen in den Aktien der genannten Unternehmungen herbeiführen will, um deren Kurs zu steigern. Der- artige Manöver sind gemäß§ 88 des Börsenaesetzes strafbar. Der Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes setzt hierdurch eine Belohnung von 1000 M, fiir denjenigen aus, welcher den Urheber der erwähnten Zirkulare derart namhaft macht, daß seine strafrechtliche Verfolgung stattfinden kann. Von dem gesunden Sinn der Angestelttenauslchüsse darf man getrost erwarten, daß sie auf derartige Manöver gewissenloser Speku- kanten nicht hereinfallen werden. Jntcrellant ist, zu sehen, wie falsch man diese Ausschüsse noch immer einschätzt. Gegen die Luxussteuer. Der neugegründete„Rheinisch-West- fälifche Ausschuß zur Abwehr der Luxussteuer" verbreitet eine Ent- schließung, in der entschieden Verwahrung dagegen eingelegt wird. daß jüngst von seilen der Regierung der Abwehrkampf gegen die Luxussteuer als eine Propaganda interessierter Kreise bezeichnet wurde. Arbeitgeber und Arbeitnehmer der in Frage kommenden Industrien führen den Kampf gemeinsam aus der Erwägung heraus. daß die Steuer ihren ursprunglichen Zweck, einen sozialen Ausgleich zu schaffen, in ihren Auswirkungen gänzlich verfehlt hat. sondern im Gegenteil die wirtschaftllchen Schwierigkeiten durch die Lähmung zahlreicher Wirtschaftszweige erhöhte. Amerikanische Kredite für Deutschland. MTB verbreitet fol- aendes Reuter-Telegromm: Ein Bankcnsyndikat bewilligte einen Kredit von neun Millionen Dollar für Getreideoerfchisfungen nach Deutschland. Dem Vernehmen nach läuft der Kredit drei Monat«. Die gleiche Meldung wird von anderer Serie in folgender Form bestätigt:„Ein Syndikat amerikanischer Bankiers hat ein Abkommen getroffen» Deutschland einen Kredit von 9 Millionen Dollar zu ge- währen. Man glaubt zu wissen, daß diese Vereinbarung darauf hinauslaufe, Deutschland auf 90 Tage laufende Kredite zu geben." Vielleicht handell es sich hier um eine Folge des Besuches der amerikanischen Handelskammervertreter in Berlin. Groß-öerlmer parteinachrichten. heute, ANttwoch. den 27. Zu«: s. Nrei« Wilmi«,d»rs. 7 Uhr erweiterte Borstandsfitzung des Kreises im Partei» bureau, Gasteiner Str. 12. 11.»reis Schöneberg-Zriedeuau. 7zh Uhr ollaemeinc Mitgliederversammlung in der Schulaula Feurigstr. 57. Referent Albert Horlitz:„Sozialistische Zlultur» arbeit. Gäste, insbesondere„Vorwärts"-Leser find willlommcnl 28. Mi. Die Zahlabende finden in den bekannten Lokalen statt. Die 33c- ziele 237, 238 und 239 bei Bartels, Rnkestr. 19. 30, Abt. Die Bezirkszahlabende fallen in diesem Monat au». 38. Abt. Die Gruppenzahlabende sllr Juli sollen aus. 4«. Abt. 7 Uhr gahlabend bei Teller, Serlichingenstr. 7. 44. Abt. Der Zahlabend findet nicht statt. 89. Abt. Maricnbors. Die gahlabende finden in den bekannten Lokalen statt. 99. Abt. Neukölln.« Uhr Funktionärsitzung bei Prtisert, Fuldastr. 49. Er- scheinen aller Funktionäre dringend notwendig. 03. Abt. Renköll». 7li Uhr Funktionär sitznng bei Kellert, itaiser-Friebrich- Straße 88. Sämtliche Funktionäre und Betriebsvertrauensleute müssen unbedingt erscheinen. 117. Abt. Lichtenderg. TU Uhr wichtige Vorstandssitzung bei gandcreit, Prinz- Albert-Str. 32. Sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. 131. Abt. Riederschönhanseu. 7% Uhr gahlabend in den bekannten Lokalen. 133. Abt.»arow. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Berndt, Dorf. 14l. Abt. Rosenthal. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Leusner, Viktoria., Ecke Prinz-Heinrich�vtratze. Tagesordnung: Unsere Stadtvcrorduetenwählen. Lokal wird besonder» hingewiesen. Auf das neue Lokal v Araucnveranstaltungen: 133. Alt. Bnchholz. 7� Ahr Frauenabend bei Kahne. Berliner Str. 3g. Rcfe» rcnt Robert Fendel:„Was mutz die Frau von der Politik wissen?". Morgen. Donnerstag, den 28. Juli: 3. Neri» Wedding. 714 Uhr Sitzmig der Bildungskommiffion bei Kersin, Pank- stratzc 90. 4. Kreis Prenzlauer Tor. 7 Uhr Sitzung des Kreisvorstande» und der Ab- teilungsvorstände bei Soldschmidt, Stolptsche Str. 8«. Sehr wichtige An- gclegenheiten. Ist. Kreis Riederschöueweid«. 714 Uhr Kreisvorstandssttzunst mit den Abteilung«- fithrern heim Genossen Lchäps, Grünauer Str. 8. Wichtige Tagesordnung. 22. Abt. 714 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre bei Bauer, Große Frankfurter Straße 1. Erscheinen unbedingt erforderlich. 33. Abt. Charlotte» bnrg. 714 Uhr Abteilungsoersammlung bei Jakob. Bis- warck-. Ecke Sesenl)eimer Straße. « 13. stlbt. Treffpunkt zur Demonstration am Sonntag früh 8 Uhr aus dem Eomeniu-Platz. Die Funktionäre werden ersucht, für restlos« Beteiligung Propaganda zu machen._ Jugenüveranstaltungen. Verein Arbeiter, Zugenb. Sekretariat: SB. 08, Lindeuftr. 3, 2. Aas li»ts, 2 Treppen rechts. Telephon: Rpl. 121 98—10. heute. Mittwoch, dea 27. Juli: B»h««dors: Schule Dahmestraße, Vortrag:»heidnische Sitten und De- bräuche".— Gesundbrunnen: Schule Gotcnburgerstr. 2, Dortrag:„Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung".— iichteuberg: Parkaue 19, Vortrag:„Entwich. lung de» Menschen".— Prenzlauer Vorstadt: Sencfclderstr. 9/7, Bortrag:„Die Entstehung der Internationale".— Roseatbal: Schule Kastanienallee, Mit. glieberversammlung.— Spandau: Altes Echützenhaus, Rcuendorfer Str. 2, Bortrag:„Rechte und Pflichten der Mitglieder".— Südost lKIipcnickcr Viertel): Wrangelstr. 128, Mitgliederversammlung.— Besten: kurfvrstrnsir. 141, Portrag:„Vorgeschichte der Mark"._ Mus aller Welt. Schwere Explofionskataftrophe bei Gleiwitz. G l e i w I h. 26. Zull.(AJIB.) Eine schwere Explosion ßat sich in der Spreng st offabrik Sriewald ereignet. Die ganze Sprengftoffabrit Lignose ist in die Lost gepflogen. Elf Arbeiter wurden sosort gelötet, drei weitere flai- b e» aus dem Transport ins Krankenhaus, Fünf Arbeiter sollen noch unter den Trümmern liegen. Die Gesamtzahl der Schwerverletzten wird ans Über 20 geschäht. Der Sachschaden geht in dle Millionen. Die Entstehungsursache der Ex- plosion ist bisher unbekannt, ver Betrieb wird ans längere Zeit stillgelegt werden müssen. Aus der Fabrik waren etwa ööo Mann beschästtgt._ Zugzusammenstoß in Sachseu. An» Ebersbach in Sachsen wird gemeldet: Gestern nach mittag gegen 1 Uhr stieß aus der eingleisigen Strecke zwischen Ebersbach und Dürhennersdorf eine von Ebersbach kommend« leerlaufende BorspannlotomoNve mit einem von Löbau kommenden, ans Lokomotive und einem Personenwagen bestehen- den prüfungszuge der Dresdener General- und BetriebsdlreNton zusammen. Die Prüfungskommission hatte bereits in Dürhenners- dorf den Zug verlassen, beide Lokomotiven fuhren mit voller Wucht auseinander, so daß sie vollständig zertrümmert wurden, ebenso wurde der passagierwagea schwer beschädigt. Der Lokomotivführer der Vorspaunlotomotwe wurde getötet, der Heizer erheblich verletzt, da» Personal des prüfungszuge, erMt leichte Ver- lehungen. ver VvrfaN bedarf dringend der Aufklärung, denn es wirkt bei aller Tragik fast wie eine Groteske, daß ausgerechnet ein Prüfungszug da» Gleis gesperrt und so offenbar das Unglück verschuldet haben soll.__ Schwere Munikionskataslrophe bei pola. Eine In der Nähe' von P o la belegene Pulverfabrik, in der enorme Munitionsbc- st ä n d e aufgestapelt waren, ist in die Lust geflogen. Die durch die Explosion hervorgerufene Erschütterung machte sich in der ganzen Stadt fühlbar, fast in allen Häusern sind die Fensterscheiben ge- fprungen. Ein Wald in der Nähe der Fabrik sing Feuer. Nach den letzten Nachrichten sind mehrere Tot« und etwa 10 0 Ver- letzte zu beklagen.__ Vorträge, vereine und Versammlungen. Klavicrarbciter. Freitag, den 20. Juki, nachmittags 3 Uhr, im Reichcnberger Sof,«ratzet Saal, Reiä-entzerger Str. 147, Versammlung der Betriebsräte und Vertrauensleute aller Betriebe. Tagesordnung: Unsere Stellung zur Antwort der Unternehmer.— Di- Branchenleitung. gentraluerband der Augestelltc«. Mitgtiederpersammlunge» Freitag. Textil» Großhandel-, Baumwollen-, Leinen- und Kleiderstoff-Großhandel, Samt- und Seidcnwaren-Großhandel: 714 Ahr Arminhallen, Komniandantenstr. b8/S0.— Export, Import: 0 Uhr Prachtsäle„Alt-Berlin", Blumenstr. 19. Deutscher Transportarbeiter oerband. Branche 33(Kurz., Galanterie-, Spiel- waren): Donnerstag, den 28. Jlllt, abend» 149 Uhr, bei Radtke, Rene Jakob- stratzc 1/3, Gruppenversammlung. Tarifkündigung. Karofferl«- und Wageubau. Donnerstag, den 28. Juli, abeild» 914 Uhr, bei Böker, Wcberstr. 17, Bollverfommlung aller in den Wagen- und Karosserie- sodrtken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Stellung. nähme zum Rahmenabkommen. 2. Stellungnahme zum Lohnabkommeu.— Das Wagenbaukartell. » Tonristen-Beres»„Die Rawrfreunde". Mittwoch, den 27. Iull, Orts- aruppen-Monotsversommkung sgeschästliche Sitzung) in der Schule Deinmeister- straße 13, pünktlich 71, Uhr abends. Wetterbericht bis TonnerStaq mittag. Warm und schwül, viel« fach heiler, aber veränderlich bei mäßigen, vorherrschend westlichen Winden; strichweise Gewitter. (Schluß de, redaUwnelle» Teil«.) ] i Hühneraugen A 1 Hornhaut Schwielen u. Warzen \iM Hornhaut. Schwielen�.- bese/'ig} da* ärtfllch empfohlene millionenfach oewanrr* ÄJf F S *.3.-, la Apotbete*■.Dfogate wmiHrt. f Tl�eater,lichtsp8ele etc.J VnUUCOQDaC»-r,......................... im II[■■■■■I......... Iimi I Staatsoper Sommersastspiel Leitung Gustav Bergmann 7Vz U»w Deutsches Theater 7V2 Uhr: Potasch u. Perlmutter DoJVa: Potasch u. Perlmutter Kaiefflerspieie 7Vz Uhr: Der Herr, der die Maulschellen kriegt Do. TV? Uhr; Der Herr, der die Maulschellen kriegt Gr. Schauspielhaus (Karlstrafie/ 8; Die Weber(Auß Abonn.) D0.8: DleWeber(Au6.Abon.i Volksbühne Theater am Bülowplatz. Der Kaiserjäger Uhr: Lessing-Theater Allabendlich 7l/2ühr; Die BalleriDa des Königs (Leopoldine Konstantin) ßeutsehes KönslIer-ThBate 8 Uhr: Der Herr Verteidiger. Hell, Gebühr, Kaiser-Titz Berliner Theater Allabendlich T° Uhr; JDOS Theater I. d. Königgrätzer Str. Nur trodi S VorftoNnngen! 7.30 Uhr; Diwt Gnadenbild Donn: Glaube und Heimat freit.: Der G'wlssenawurm 0.- Die Krenzelschreiber Sonntag: Der Weibsteufel KomDdienhaus 7.30111)r: Der blonde Engel Oentriil-Theater 8 Uhr; Jlonka frledr.WIlhelmat.Th. u'hVßiBKIetesiisilBrBölfe III. Schannpiellinn« 7'/, uhr Reigen Kleine« Theater 7'/« u.: CasaMas Solin .Tie trop ol-Theater uhn Die blaue Maznr Neue» Dperettentheat. i /=uhr American-Girl Itesldenx-Thcater 7'/, Uhr Max Adalbert in 1<>19(Ab dafür!) Schiilrr-Theat.Charl- Opereitenspielzett uilieineFrau-ilasFräalein Thn II ä-T1i enter 7/= uiu Mascottchen T h. n m o 1 1 en d o rfp 1 n t« J�.Der Vetter ans Dingsda Theater den Westens Volkstümliche Preise! Morgen wieder lustik! Trlanon-Theater 7',, Uhr: Ida Wüst in Lady Wlndermeres Pficher Th.i.d.Kommnndantenstr. v�uhnDieDieieuhexe Wallncr- Thenter T�uhrZigeunerliebe Walhalln-Thcatcr uhfScheidangsreise Kotnisehe Oper 73/4 Gastspiel Alfred LSulneri Der fiilele Bauer. WDchj Variete-Spielplan Rauchen gestattet! iehrenstraße 54 7>/t Uhr: ♦ Persönliches Auftreten Johannes Riemann u. Dora Schlüter in t9Cocaln44(Sektkabel) u. 9 weitere Attraktionen Theater am Kotttiuser Tor KottbuserStr.6 Tel.Mpl.16077 Slite-SSnger Vom 16. bis 31. Juli Täglich?>,, Uhr: Gastsp. der Original- Leipziger-FHt. Weber. SdUgKk Vorverk. 11— t'/« u. 4—6 Uhr Am I. 8.: Wlederanttreten der Elite» Sänger Reichshallen-Theat. Täglich 7'/, Uhr: Gala-Singer Ab 1.8. Wieder- auft. d. St.Säng. Variete DSnhoff- Brettl Admirals-falast ?>/, Uhr; Die roten Schöbe Neue Welt ARNOLD SCHOLZ Hascnhelde 108-114 Mittwoch, d. 27. Juli 1921: Konzert u. Spezialitäten- Vorstellung iMesErnletet Großer Ernte- Umzug Kinder-Theater/ Kinderspiele und Kinderbclutti- gungen aller Art, wie: Toptschlagen, Sackhüpfen Wettlaufen. Ktnder- f ac k e I z u g/ Um 6 Uhr: Aufsteigen dea Luftballons„Neue Welt- Anf. 4 Uhr. Einlaß 3 Uhr KaffeekUche ab 2 geOffnet Voranzeige i Donnerstag, den 28, Juli: Großes Kunst- und Fronten- Feuerwerk Tart Restaurant Slid&nde Südring 1224 ! Tanz-Abende Folies Gaprice Linienstr.l32.a«nOranienbg.T. Täglich 8 Uhr: Prinzessin vom Nil Operette in 3 Akten Musik von Victor Holländer mit Franzi Blenke, Max Waiden, Käthe Jangherr usw. Berliner frater Kastanien-Allee 7—» Täglich Vs« Uhr; Variete« Wenn Engei streften Operette rn 3 Akten täglich anßcr Montae I Treff® Taoz-ParailEs Zelt 2 fn den Zelten(Tiergarten) Die beliebten Tanzabende Erstklassige Balimusik. Sonnabend, den 30. Juli: Baby» Ball Prämier, des kürz. Rockes g PaiEübaetaBil.faff'artiizcli, | lagebr.Bohnenkaffee | Echt Java• Melange « 4 Pfd. M. 10«, 8 Pfd. M. 190, g 18 Pfd. M. 398 frankoNach- JJ nähme jeder deutschen g Poststation. Bei I bis 100 -g Zentner Preis auf Anfrage. | Germania ÄeÄ Export nach all.Weliteilen MW oet ZmeMeoMl Mtonitmiüe per 81. Dezember 1930 Aktiva aoffa-Jtonto.............. SR. 871�3 (But Rärbistrup.............. 21 000,— Rittergut geefen............ Anfchiußftück Zeesen........... Guwhof ftärbtsfiug........... Pt. Staotsbont............. Bank f. Hdl. u. Industrie(Dr. Harttnnnn 2« Aaste) Fritz Hornemann, Sidierheii........ Sonto-Rotrent-Äonto(But Zeesen...... Eigenheim-Siedlungs-Gen......... Bcrfchuß-Ronto Inf. Paetel........ Innentar........... 37t 750,— Abfchreibtmg.........., 150,— ®en.-33irff(f)Ofl«-Ronto.......... Eatzunaen-Ronta Ronto-Roci 210 037,10 245 927,20 35 000— 10 166,10 63 980,— 30000,— 156 067,50 60 299,60 73 545,81 600,— 90,— 330,- Zup 3, Klasse am 9, u. 6. Aug. Ziehung Staats- Lotterie habe noch Kaullose vorrätig >(,= 20 II.| ij,= 80 M. >«;.= 40 M. I>/>= 160 M. ' X- Voll-Lose für alle Klassen •I,= SO M. 1= 200 M. 'U- 100 K. I»),= 400 M. Fr. Müller, Postacbeck-Kt«. 31 158. 4242«,- rreiit-Raitto Parzellengeid, Rückstände....M. 38 999�7 Bauneld............ 2 223,40 Berschiedene,........., 1203,40 Passiva JinpotheVn-Ronlo(Bitf Zeesen....... Gesetzlicher Reservefonds......... Ronto-Rorrent-Ronto Darlehn.. 3K. 38 150,— Parzellenguthaden........ 40 059,— Geschäftsanteile......... 63 400,— Vaugelder........... 27 91630 Berschiedene»........., 324.05 Uederschuß............... Hit 870 320.64 Gewinn- u. Verlust-Rechnung per 31. Dezember 1920 37t 970 320,64 M. 595289,- „ 101 586,22 169849,85 103604chT Debet Gatzungen-Ronto.. Etraßenbau-Ronto. ' andlgs.-Unt-Ronfo ebLude-Ranfa.. Prazeßfosten-Ronta. Innen tar-Abschreibg. Uederschuh.... M. 194.50 7 998,- 16 614,20 24 953,46 686.06 150,— 103 604ch7 Kredit M. Effetten-Ronfa... 1879,75 Gui Rörbisttug.. 1 389,80 Baustoff-Ranfo.... 1 456,90 Parzellen-Verf.-Ronfa 60877,10 Miete- u. Pachlen-Rt 6 707,56 Solzoerfaufs-Ronta. 81 262,20 Zinsen-Routo... 610,74 Gen. Wirtschasts-Rto. 26L0 37t 164 240.79 M. 164 240,79 TNIIglicbcr-vcwrgnnn: Stand Anfang 1920... 164 Mitgt m. 175 Ant 37t 52 500 Neuaufnahmen bis 31. 12, 20 28»„ 28„. 8 400 Stand Ende 1920.... 192 Mitgt m, 203«nt. M, 60 900 Am 31. 12. 20 schieden aus. 48,, 50,, 15000 Stand Ende.1920.. Prozesse, Rat, Beistand, mäßige Preise, Teilzahlung, Ehe-, Alimenten-, Strafsachen. Steuern, Gnadengesuche. Landgerichtsrat Dr. v. Kirchbach, Gesellschaft in. b. 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Ohne Mitgliedsbuch fein gutritt! Donnerstag, den 28. Juli, nachm. 4 Ahr, in der Schulaula des Schiller- Lyzeums. Pankstr. 14 (Ecke Böttgerstraße): Branchen-Versammlung allellllil.GelilsSllUlk-3vdvMedeslhgsl.So»egm Tagesordnung: 1. Stellung zur Torffkünbigung. 2. Branchenangeleaenheilen. 3. Perschiedencs. Ohne Mttglledsduch fein Zutritt! Donnerslag. den 28. Znli, nachm. 4V, Ahr, im »Dresdener Garten", Dresdener Skrahe 45a (Ecke Prinzenstrotze): Vollversammlung der Gold und Silberarbeiter Tagesordnung: 1. Vortrag des Rolleaen F. Ritte« über:»pflichten und Rechte her Betriebsräte-, 2. Verbands- und VranchenanzeiegenHeiten. 3. Verschiedenes. Die arbeitslose» Rollegen treffen sich eine Halde Stunde srüher. Donnerslag. den 28. Znll. pünktl. 4 Ahr nachm., in den ZNusikersälen, Kaiser-Mihelm-Str. ZI: Branchen- Versammlung der Zigarettenmaschinensührer und Betriebshandwerker Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum jetzigen Stadw« der Aussperrung unter besonderer Beriietfichiigmig solaender Puntte: a> Beschlutzsastung über den in Ab- wesenhett der ziaarettenindustriellen gefaßten Schiede- sprach oo« 22. Znli; b) Beleuchtung des Gegensettipkeit«» oerhältnistes zwischen Behörden und Unternehmertum. 2. Die Stellung des Tnbafnrbetternerbandes zu unserm Streit 3. Betriebsangelegenheiten und Verschiedenes� y4/f4_ Tie Qrtsverwalfnnst. Nutzeisen jeder Art: Rund-, Alach-, Quadrat- u. Bandeisen, Gas-Sicde-Rohre» T-Trägeru.U-Eisen, Feldschmieden und Amboffe sofort ab Lager lieferbar kellxBohk, Berlin C. 25, Dircksenstr. 12, Moritzpiotz 12072. Ecke Voliairestraße. Moritzplod 1 2073. K$?- Uder, 86. 16, Sngelnfer 5 Zigaretten, Kau-, Rauch- u. Schnupftabake G.A.HanewacKer• Goldfarb• Lanafried» Eicken» Raulmo Oldenkott• Geöffnet 8—2 u. 3—5 Uhr. Moritzpl. 301», 13720 Entfettungs- Tabletten Marie»Sibajo-. das«rfolgreichsto und unfchSdlichste Mittel gegen Aetfsuchf.. Ghne viätzwang. 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