!fc«351 chZS.�ahrgang Kusgabe A Hr. 17$ Bezugspreis, Tlkrtegichrl. 30,— M„ monatl. W,— A. frei ins Saus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 10,— M. einschl. gn» stellungsgebühr. Unter Kreuzband sitr Deutschland. Danzig. das Saar- und Memelgebiet, jomle die ehemals deutschen Gebiete Polen», Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20.- M, für das übrige Ausland 27.— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Slowaket. Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts* mit der Sonntags- beilage„Volk und geit*. der Unter- haltungsbeilage„Heimwelt* und der Beilage„Siedlung und Kleingarten* erfcheint wochemäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm»Adreffe: „ZoziolSemokrol Berlin� Morgen Ausgabe Derlinev VolksblAtt (30 Pfennig) Anzeigenpreis» Dtt achigefpalten» ÄoiujarffHejieÜf tostet WO M„fllplne Anzetgen-- da» fettgedruckte Wort WO M.(zu- läfflg zwei fettgedruckte Motte), febe« weitere Sott L— M. Slellengew«, und Schlafstellenanzelgen da» erste Wort U— M» fede» wettere Won LO Pfg. Worte über Ib Buchstaben zählen für zwei Worte. ssamilien-An- zeigen wr Abonnenten Aetle M. vi« Preise verstehe» sich einschließlich Teuerungszufchlaa. Anzeigen für die nächste Zkummer mllfseu bis» Ahe nachmittag» im dauvtgefchäfh Berlin SW 68, Linden» straße 3, abgegeben werden. Geöffnet non 8 Uhr früh bis i Uhr abends Zentralorgan der rozialdemokrati leben parte» Deutschlands Redaktion und Expedition: EN öS, Lindenstr. Z D-reez�reifz-r- Redaktion Nioriyplatz ISlifä— S7 zycrnfprertier. Moritzplai?»17 SS— 3� Donnerstag, den ÄS. Juli 1SÄ1 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW öS, Lindenstr. 3 s�ernfbcedicv ♦ �ttrlag. Expedition«nd Inseraten- . Abteilung Moripplatz»»7S.S-S4 Polizei gegen Reichswehr. Stellin. 27. Iuli. Da» Polizeipräsidium teilt mit: Nachdem bereits am Montag abend durch Angehörige des hiesigen Reichs-pionierbotaillons Nr. 2 die Lfsentliche Ruhe und Ordnung in den Grabower Parkanlagen erheblich gestört worden war und R e i ch s w e h r a n g e h ö r i g e sich der Feststellung ihrer Persönlich. kcit mit blanke r Maffe widerseht hatten, machten am Dienstag abend gegen 10 Uhr Angehörige der oben genannten Reichswehrtruppen teils gemeinsam mit radaulusligen Zivil- personen in der Nähe des Parkhauses einen Angriff aus im Dienst befindliche städtische Polizeibeamte. Letztere sahen sich plötzlich einer größeren Menge gegenüber, aus deren Mitte etwa 15 scharfe Schüsse sielen, gleichzeitig drangen Soldaten mit gezogenem Seitengewehr aus die Beamten ein. woraus letztere zur Abwehr des Angriffs von der blanken Waffe Gebrauch machten. Ruhe und Ordnung wurden binnen kurzem wiederhergestellt. Eine Anzahl Ruhestörer wurden v e r h a f t e l, mehrere Verletzte wurden nach Anlegung von Nowerbänden ins Lazarett bzw. zu ihrem Truppenteil befördert. Die Depesche ist in ihrer vorliegenden Form reichlich unklar. Man erfährt lediglich von einem Zusammenstoß Mischen Reichswehr, die in Stettin in Garnison liegt, und dortigen Polizeibeamten, ohne daß über die U r s a ch e n dieses Zusammenstoßes irgend etwas Näheres mitgeteilt wird. Man geht in der Annahme wohl nicht fehl, daß es sich bei den angriffslustigen Reichswehrsoldaten um einige Angehörige jener undisziplinierten Gruppen handelt, die leider in Geßlers Reichswehr nicht ganz selten vorkommen. Schon früher konnte man bei den verschiedensten Anlässen— nicht nur während des Kapp-Putsches— feststellen, daß die Republik und ihre Vertreter sich bei gewissen Reichswehrsoldaten keiner besonderen Sympathie erfreuen. Es ist allerdings nicht klar. was ein Angriff einiger Meuterer gegen städtische Polizei- beamte, selbst wenn er an Ort und Stelle erfolgreich aus- gegangen wäre, beabsichtigt hätte. Die Mitteilung, daß sich auch Zivilpersonen beteiligten und die meuternden Reichswehrsoldaten unterstützten, ist nicht geeignet, Klarheit in die Vorgänge zu bringen. Es wäre dringend erwünscht, daß das Polizeipräsidium Stettin eine ausführ- liche Darlegung der Vorgänge gäbe; ebenso scheint ein Tat- bericht vom Neichswehrministerium notwendig. , Zn vorgerückter Abendstunde erfahren wir von zuständiger Stelle aus Stettin noch folgende Einzelheiten über die Vorfälle. Die Plonierfoldaten nahmen schon seit Tagen ein überaus pro- vozierendes Verhalten den Pollzeibeamten gegenüber ein. reizten sie durch Schimpfworte und We Aufforderung an den Janhagel, den Anordnungen der Beamten nicht Folge zu leisten. Bei einem Wortwechsel zwischen einem Pionier und einer Zivilperson kam es dann im Znteresie der Regelung des Verkehrs zu polizeilichem Einschreiten. Dies erstreckte sich zunächst lediglich auf die Personalienfest. st e l l u n g. die jedoch in den meisten Fällen verweigert wurde und deshalb erzwungen werden mußte. Es liegen zuverlässige Nachrichten vor. daß der Zusammenstoß am 2ö. planmäßig von den Offizieren vorbereitet war. Der Grund für das Verhalten der Reichswehrtruppen ist noch nicht völlig geklärt: man nimmt jedoch an, daß er in der bevor- stehenden Auflösung der ZNililärgerichtsbarkeil zu finden ist, wodurch die Reichswehrlruppen der Z i v i l g e w a l t und damit der P o l l z e i als Vollstreckungsorganen überwiesen würden. Dies paßte offenbar den meist jugendlichen Angehörigen des Reichs- wehr-Pionlerbataillons nicht, und so suchten sie durch Gewalt diese Maßnahme zu vereiteln. Nach dieser Darstellung erscheint es um so angebrachter, daß das Reichswehrminlsterium eine eingehende Untersuchung zweck» Aufklärung der Angelegenheit und Bestrafung der Schuldigen einleitet. Geßler verfaffungsunkunüigZ Im.Heeresverordnungsblatt* Nr. 41 ist zu lesen, daß der Reichswehrminister ein„Erinnerungszeichen* für die Be« satzung der Kampfwagen genehmigt habe. Nach der Reichs- Verfassung sollen in Deutschland Orden und Ehren- zeichen nicht mehr verliehen werden; man kann sich auch nicht mit dem Hinweis, daß es sich eben nur um ein Erinnerung?- zeichen, nicht aber um einen Orden handele, herausreden. Durch diese Hintertür nämlich könnte nur zu leicht die alte Ordens- Wirtschaft in Deutschland. wieder eingeführt werden, was zwar für die Soldaten spielerei recht nützlich, für das Ansehen der Republik aber außerordentlich schädlich wäre. EinüeutsthertzauptmannalsLanüesverrater Der vereinigte S. und 3. Strafsenat des Reichsgerichtes verur- teilte heute den am 16. März 1889 in Ellwangen geborenen bis- herigen Hauptmann Franz Josef Kirsch wegen versuchten Lan- desverrats nach§ 92 StrGB.(Berrat von Staatsgeheimnissen, Festungsplänen, geheimen Aktenstücken) zu 1 Jahr 6 Monaten Zucht- haus und 5 Jahren Ehrenrechtsverlust. Außerdem wurde auf Aus- stoßung aus dem Heere erkannt. /Die Verhandlung fand unter völligem Ausschluß der Oeffentlichteit statt; auch in der Urteilsbegründung wurde nichts über den Sach- verhall mitgeteilt. Keine Verstärkungen nach Gberschlesten. Paris. 27. Juli.(MTB.) Der Londoner Verlcherstatter des „Temps" teilt mit: In englischen Kreisen würde erklärt, daß die französische Regierung vor der Zusammenkunft des Obersten Rates keine Truppensondungen nach Ober- scheflen abgehen wssen werde, und daß auch von diesem Zeitpunkt an gerechnet die französischen Truppen noch zwei bi, drei Tage abmarschbereit stehen würden, um die Entscheidungen des Obersten Rates abzuwarten. stmerikanisther Schiedsspruch! Paris, 27. JuN.(WTB.) Der diplomattsche Mitarbeiter der „Chicago Tribüne* teilt mit, offizielle stanzösische Persönlichkeiten gäben zu, die stanzösische Regierung könne nach dem Dersailler Vertrag von Rechts wegen nicht darauf bestehen, daß die deutsche Regierung die Beförderung von Verstärkungen durch Deutschland gestatte, falls dies nicht vom Obersten Rat mit Einschluß der eng- tischen und italienischen Stimmen verlangt werde. Man sei sich auch darüber klar, daß angesichts des Zusammentritts des Obersten Rates in der nächsten Woche und der Wahrscheinlichkeit, daß in zehn Tagen bereits eine Entscheidung vorliegen werde, die Zeit nicht ausreiche, um die Truppen zur See über Danzig nach Schlesien zu schaffen. Der Korrespondent teill ferner mit, es werde mehr und mehr erkennbar, daß man den amerikanischen Botschafter in London, harvey, der der Tagung des Obersten Rates beiwohnen werde, ersuchen werde, die Zustimmung seiner Regierung zu einem Schiedsspruch in der oberschleflschen Frage einzuholen, da sowohl Italiener und Engländer als auch Franzosen immer noch an demselben toten Punkt ständen wie im März dieses Jahres. » Paris, 27. Juli.(MTB.) Der Londoner Korrespondent des „New Port Herald* teilt mit, daß Sir Harold Stuart ohne Zweifel bei der Tagung des O b e r st e n R a t e s in Paris anwesend fein werde. Bis dahin werde er in London bleiben, und man nehme an, daß Lloyd Georges Politik sich unbedingt nach seinen Ratschlägen richten werde. Polenhetze gegen Lloyd George. Warschau. 27. Juli.(WTB.) Die polnischen Blätter veröffent- Iichen einen Aufruf, der unterzeichnet ist„Die Aufständischen* tmd der am Scharley vom 20. Jull datiert ist. In dem Aufruf wird scharf gegen Lloyd George Stellung genommen. In dem Aufruf wird ferner die polnische Regierung aufgefordert, nicht zuzu- lassen, daß weiter polnisches Blut vergossen werde. Anderenfalls würden oberschlesische Aufständische die trennenden Schranken zwischen Polen und Oberschlesien mit Gewalt niederreißen. General H o e f e r erklärt die ihm von französischer Seite unter- geschobenen provozierenden Worte, die in der Note an die Deutsche Regierung eine Rolle spiellen, für erfunden. Der Stand üerVieöeraufbauverhanülungen Der Reichswlrischafksrak gibt folgende Rlilleilung aus: Ja der gestrigen Sitzung des Reparationsausschuffe» des vorläufigen Reichswirtfchaftsrales machte der Reichsminister für Wiederaufbau Dr. Rathenau vertrauliche Mitteilungen über den Gang und den Stand der Wiederaufbauverhandlungen, sowie die Verordnung betr. Leistungsverbände und den in Aussicht genommenen Zusammenschluß der Leistungsverbände zu selb st verwaltenden Wirtschaslskörpern. Den Sern der Wiederausbauverhandlungen bildeten die Finanzierung und Bewertung der Reparationslieferungen. Die VerHand- lungen nehmen einen unge störten Forlgang. Im Anschluß an die Ausführungen Dr. Rathenaus sprach Staatssekretär Hirsch über die Gestallung der deutsch. französischen Handels- beziehuugea. Der Inhalt der Rede» wird im Laufe de« heuti- gen Tage» veröfteutllcht»Verden. Versailles unü Washington. London, 27. Juli.(MTB.) Nach einer New Yorker Meldung der„Daily Mail' berichtet der Washingtoner Korrespondent der „New York Sun', daß der Plan deS Staatssekretärs Hughes, die Annahme einer abgeänderten Fassung deS Verfailler Vertrages zu sichern, gescheitert sei, und daß ein neuer Vertrag mit Deutschland, der sich genau an die„einwandfreien Teile' deS Verfailler Vertrages halte, in Bearbeitung begriffen fei. Diese Mitteilung will der Korrespondent von einem der Re- gierung nahestehenden Senator erhalten haben, dem positiv erklärt worden sei, der verfailler Vertrag sei vollständig fallengelaffen worderr. ES werbe erwartet, daß eine Mitteilung über einen mit Detttschlmrd abz-'schließ enden Vertrag binnen kurzem erfolge» werden l Demokratie und Klassenkampf. „Bergbriefe" von Hngo Prenh. Hugo Preuß hat in der„Frankfurter Zettuirg* unker der Ueberschrift„Bergbriefe" eine Reihe von Artikeln veröffent- licht, deren letzter, abschließender in der gestrigen Morgen- nummer des demokratischen Blattes erschienen ist. Der Haupt- schöpfer unserer demokratischen Reichsverfassung setzt sich hier nochmals mit großer Wärme und Entschiedenheit für ein enges Zusammengehen der bürgerlichen Demokratie mit der Sozialdemokratie ein, durch das allein die der Republik drohenden Gefahren abgewendet werden könnten. Zum Schluß führt er aus: Die Furcht vor den zerstörenden Folgen des sozialen Klassenkampfes und die Einsicht, daß er nur durch gemein- same Arbeit auf dem Boden der demokratischen Republik vermieden werden kann, hat einst der Demokratischen Partei die große Menge ihrer Anhänger zugeführt. Die Errichtung der demokratischen Republik hat jenes Schreckgespenst zunächst beschworen; und von dieser Angst besteit, haben viele ihrer Mitläufer der Partei wieder den Rücken gekehrt. Durch solchen Mißerfolg bei den Wahlen ist man vielfach in der Partei topsscheu geworden und läßt sich, halb bewußt, auf einen Weg drängen, der doch eben wieder zum sozialen Klassenkampf führen muh. Glaubt man wirklich, durch eine solche Taktik verlorene Anhänger zurückgewinnen zu können oder nicht vielmehr die noch treu gebliebenen abzustoßen? Eine Partei, die das Vertrauen zu fich selbst verloren hat, die an ihrem eigenen Daseinsgrunde irre geworden ist, kann nicht anziehen, sondern nur abstoßen. Aber sie gefährdet so nicht nur ihren eigenen Fortbestand, sondern, was unendlich schlimmer ist, den des republikanischen Reiches. Mit noch größerem Recht als einst die nationalliberale, konnte sich jetzt die Demokratische Partei als die Partei der Reichsgründung, des neuen demokratischen deutschen Staates bezeichnen. Und nicht auf dem Boden„bürger- licher Sammlung*, vielmehr nur durch die Vereinigung bürgerlicher' und sozialer Demokratie konnte dieser demokratische Nationalstaat entstehen, nur so kann er bestehen in- mitten aller äußeren und inneren Not. Läßt die Demokro- tische Partei ihre eigene Fahne sinken? Einst in Tagen äußeren Glanzes und Reichtums lieh sich die bürgerliche Demokratie politisch entmannen, war ihr Aufschwung in der Zeit des Zusammenbruchs und der höchsten Not nur ein täuschendes Auf- flackern, nicht eine Wiedergeburt aus Elend und Armut, um durch die Kraft eines Gedankens Deutschland politisch neu zu beleben? Die Sozigldemokratische Partei, die ja auch heute noch mit der Demokratischen Partei im Reiche in der Koalition steht, hat sich niemals dem Gedanken eines Zusammengehens mit einer bürgerlichen Demokratie, wie sie Preuß vorschwebt, verschlossen. Ihr Bekenntnis zum Klassenkampf kann kein Hindernis dafür fein, denn sie hat diesen Kampf niemals als eine Entladung roher Gewalten gewollt, sondern als einen planvoll geordneten Kampf der unterdrückten und aus- gebeuteten Massen mit demokratischen Mitteln gegen die Mächte der Ausbeutung und der Unterdrückung. Ein so ver- standener Klasienkampf kann für eine ehrlich demokratische Partei keinen trennenden Graben bedeuten, mögen auch über letzte Ziele der Wirtschaftspolitik und über das Maß des augenblicklich Erreichbaren Meinungsverschiedenheiten be- stehen. Der Klassenkampf ist aber für die SozialdemotraUe nicht nur in dem hier angegebenen Sinn eine Richtlinie des poli- Me Mei en Handelns, sondern er ist außerdem auch eine ethode des politischen Erkennens, ein Leit- aden, der durch das Gewirr der innerpolitischen Kämpfe ührt. Der berühmte Satz von Karl Marx:„Alle Geschichte st eine Geschichte von Klassenkämpfen* hat uns zum Ver- Mndnis der Vergangenheit und der Gegenwart einen un- entbehrlichen Schlüssel geliefert, dessen sich eigentlich jeder moderne Politiker bedienen sollte. Die Erscheinungen unseres politischen Parteilebens lassen sich ohne ihn überhaupt nicht verstehen. Man dringt gewiß nicht in alle Tiefen des Ver- ständnisies ein, wenn man z. B. die Deutschnationale Partei als die Partei der Großgrundbesitzer, die Deutsche Volkspartei als die Partei des großindustriellen Unternehmertums bezeichnet, der„ideologische Ueber- bau* erwächst nicht so einfach und zwischengliedlos aus der Struktur der Wirtschaft, wie eine allzu schematische Anwen- dung der materialistischen Geschichtsauffasiung vermuten läßt. Wer das läßt sich nicht leugnen, daß Klassenkampf- theorie und materialistische Geschichtsauffassung wertvolle Einblicke in die soziale Verursachung unserer politischen fe erschlossen haben. die schleichende Krise der Demokratischen Partei, die Hugo Preuß zu seinen kritischen Betrachtungen veranlaßt hat, ist nur aus diesen Zusammenhängen heraus verständlich. Es ist nun einmal Tatsache, daß sich bei uns in Deutschland die zum Bewußtsein ihrer Gleichberechtigung, zu lebhaftem Drang nach politisch und sozial freien Verhält- nissen erwachten arbeitenden Massen links von der bürger- lichen Demokratie angesammelt haben, weil die bürgerliche Demokratie niemals mehr als kümmerliche Reste von ihnen zu halten verstand. Das hätte anders sein können, wenn wir in Deutschland ein besitzendes Bürgertum gehabt hätten, das Übet bie ng rpinnfrr**1 �cfdKifiiauna ieines impfe e Auch Mens pokltksch avW nur um NasenNknge hwaussah. Man denke daran, wie schwer es der englischen Arbeiterpartei ge- macht worden ist, sich zu einer selbständigen Partei mit sozia- listischen Grundsätzen zu entwickeln, weil in England wesent- liche Teile des besitzenden Bürgertums zu einer entschieden liberalen Politik standen, die vor tiefgreifenden sozialen Re- formen und vor einer deutlich volkstümlichen Sprache gegen bestehende Klassenprivilegien nicht zurückschreckte. Erst der Niedergang des englischen Liberalismus hat die Arbeiter- Partei zur Reife gebracht. Das bürgerliche Deutschland blieb unterdes ein völlig unpolitisches Land. Die besitzenden Klassen hatten me eine andere Einstellung zur Politik als nach dem Gang ihrer Geschäfte und nach den Ziffern ihres Steuerzettels. Als die beste Regierung galt diejenige, die einen am besten verdienen ließ und vom Verdienst das Wenigste wegnahm. In keinem Lande der Welt war die innere Polltik, dank der besonderen Eigenart des deutschen Bürgertums, materialistischer eingestellt als in Deutschland-- und weil die Sozialdemo- kratie das Kind beim rechten Namen nannte, beschuldigte man sie, in diese beste aller Welten den bösen Materialismus hin- eingebracht zu haben. So ist es im wesentlichen auch heut« noch geblieben. Was der Demokratischen Partei das Leben so unendlich schwer macht, das ist der Umstand, daß sie einerseits mit einem geschäftlich engherzigen und politisch blinden Bür- g e r t u m zu wn hat und daß sie sich andererseits diesem gegenüber nicht auf starke, aufstrebende Schichten stützen kann. Lebensfähig könnte sie nur noch werden durch einen heroiscken Versuch, dasjenige, was von diesen Schichten noch nicht sozialistisch ist, zusammenzuballen und dann für diese Masse tatsächlich— den Klassenkampf gegen die sozial herrschenden Schichten zu führen, mag sie auch das Wort Klassenkampf(auf Worte kommt es am wenigsten an) noch so ängstlich vermeiden. Ln Wirklichkeit sehen wir aber die Demokratische Partei den umgekehrten Weg gehen und der Engherzigkeit, der Kurz- stchtigkeit des Bürgertums, feiner Scheu vor dem roten Tuch eine Konzesston nach der anderen machen. Es ist das d i e Politik, die Theodor Barth mit den Worten zu kennzeichnen pflegte„proptor vitam vivendi perdere causa»," dem Leben zu Liebe den Zweck des Lebens preisgeben. Preuß hat mit seinen Artikeln einen Versuch gemacht, diese Entwick- lung aufzuhalten. Seinem Optimismus jede Ehre! Aber mißlingt der Versuch, so kann er die Erklärung dafür nur in der Auffasiung vom Klassenkamps finden, wie die Sozialdemo- kratie sie vertritt. Die Steuern im Reichskabknett. Heute faßt das Reichskabinett feine Veschlüsie über die neuen Steuervorlagen. Bon ihm wandern die Entwürfe vor- erst zum Reichsrat und zum Reichswirtschaftsrat. Deswegen fei unsere Stellung zum Steuerprogramm noch einmal ein- deutig formuliert. Die Sozialdemokratie ist in einer Stunde der höchsten Gefahr für die selbständige Existenz der deutschen Republik, im Hinblick aus die noch heute im Westen und Osten unter der Besetzung leidenden Teile unserer Bevölkerung, unter dem Gesichtspunkt der ehrlichen Wiedergutmachung und um dem Frieden Europas und der Welt zu dienen, für die Annahme des Ultimatums eingetreten. Die USP. hat uns diese Stel- lungnahme durch ihre Haltung der wohlwollenden Opposition erleichtert. Nur die engstirnigen Demagogen von ganz links und von ganz rechts bekämpfen uns dabei, in dem Bewußt» sein, praktisch außerhalb jeder Verantwortlichkeit für die Zu- kunft von sechzig Millionen Menschen zu sein. Die Deutsche Volkspartei war— das beweisen alle Tatbestände und Ur- künden— für die Annahme des Ultimatums, sie stellte aber im letzten Moment wahltaktische und parteipolitische Erwägungen über das Allgemeinintereste, deswegen blieb sie in öer Werkstatt eines Schaffenden. Von Paul Gutmann. Unsere Zelt mit ihren erbarmungslosen Anforderungen an die praktische Auswertung der Individuen läßt jene seltenen Ausnahme- fMe, die künstlerischen Genies, als immer köstlichere Geschenke eines gnädigen Schicksals erscheinen. Wir, die wir gewohnt sind, als keuchende Renner den Wettlauf um den tägllchen Erwerb mitzu- machen, blicken bereits mit kopfschüttelndem Staunen auf jene»igen- artige Spezies, dem das äußere Leben nichts, die eigene Kunst alles bedeutet. Und doch liegt die Zeit nicht so weit hinter uns, wo Friedrich Nietzsche unter dem Beifall einer großen Gemeinde aus» rufen konMe, daß Arbeit— er meinte die Arbeit um äußerer Ziele willen— den Menschen herabwürdige. Zu den begeistertsten Jüngern dieses Meisters, einer der an Wert de« Geleisteten ihm nahe kommt, aehört Hugo Wolf. Seine soeben tm R i t o l a- Verlag. Wien, von Heinrich Werner herausgegebenen »Brief« an Rosa Mayreder"' sind ergreifende Dokument« von der trogischen Großartigkeit jener heut« kaum noch möglichen Gattung des absoluten Ceistesmenschen. In diesem Freundschaftsbuch handelt es sich, wie bei Wagners Briefen an Mathilde Wesendonk, um das zu zeugende, das geistige Kind, und hier wie dort um eine Oper. Rosa Mayreder, an die jene Briefe gerichtet sind, ist die Librettistin des»C o r r e g i d o r*, jenes Wolffchen Bühnenwerks, dessen Wirkung bis heute mit auf enge Kreise beschränkt geblieben ist. Aber nicht der»Corregidor* interessiert uns in jenen in tiefster Schöpferqual hingeworfenen Zeilen, sondern Hugo Wolf selbst. Welche Gewissensnot um der scheinbar geringfügigsten Kleinigkeiten willen. Er will von der be- freundeten Textdichterin zwei Strophen geändert haben und schreibt: »Die Hatzl Die Musik spukt mir schon in allen Gliedern. Also nur schnell, schnell, schnell um Gotes, oder wie der Eorregidor sagt, um der Nägel Christi willenl Schnell!'" Ein andermal schreibt er:»Sie ahnen wohl nicht, was ich für Seelenpein gelitten. Einige Tage ging ich wie ein Verzweifelter herum und verfluchte mich und dies Komponieren und die Oper und die ganze Welt. Drei Tage marterte ich mein armes Hirn vergeblich ab, für die Stellt:„Wenn es Gott gefallen hätte, mich durch schlimmen Schein zu prüfen' den richtigen musikalischen Ausdruck zu finden."„Was ist aber auch aus der Szene geworden! Als ich sie mir heute vorspielte, war ich der- gestalt erschüttert davon, daß ich vor Grausen und Erschüttertheit abbrechen mußte. Die Welt wird daran etwas erleben!" Heutzutage, wo das Außergewöhnliche so rasch als pathologisch in Verruf gebracht wird, mögen derartig« Ausbrüche hymnischer Begeisterung über dos Erreichte vielleicht als Zeichen einer seelischen Krankheit gedeutet werden. Demgegenüber sollte man sich die Anstrengungen peinlichster Kleinarbeit vorhalten, die dem Triumph vorangehen:»Von früh morgens bis spät in die Nacht hinein fitze ihrer Mehrheit bei der enffcheidenken Abstimmung in der Opposition. Dieses Bild der Stellung der politischen Parteien gegen- über dem Ultimatum spiegelt schon im voraus ihre Haltung gegenüber der kommenden Steuerarbeit wider. Die Sozial- demokratie ist nach wie vor fest entschwsten, auch hier positiv unter Einsatz ihrer ganzen Kraft und Macht mitzuarbeiten. Sie ist sich dabei ihrer Verantwortung gegenüber den hinter ihr stehenden gewaltigen Volksmassen voll bewußt. Deswegen muß sie verlangen, daß der Grundzug der neuen Steuern sich darin ausdrückt, daß wir mit ihnen aus dem fehler- haften Kreislauf: neue Steuern, neue Verteuerung aller Lebensbedürfniste, neue Lasten, die zuletzt sämtlich der Konsument zu tragen hat, herauskommen. Das ist nur dadurch möglich, daß ernsthaft an die Verdienstquellen, an die Vermögensgrundlagen, an die Goldwerte herangegangen wird. Unter diese grundsätzliche Linie kann und wird die Sozialdemokratie niemals mitgehen. Des weiteren wüsten die neuen Steuergesetze von vornherein wenigstens alle groben Formen der Steuerhinterziehungen durch Gewinn und Besitz ausschließen. Es darf nicht dahin kommen, daß der Arbeiter mit seinem lückenlos erfaßten Arbeitseinkommen immer wieder zuin Spott derjenigen wird, die durch Verstecken ihrer Friedenswerte, durch Verschachtelung ihrer Riefengewinne und durch internationale Geschäfte dem Reiche die Milliarden ent- ziehen, die es braucht und die diese Leute entbehren können und sollen, schon deswegen, weil sie aus der Not Deutschlands ausgemünzt werden. Darüber hinaus muß aber durch eine entscheidende Beeinflustung der deutschen Produktion unter gemeinwirtschaftlichen Gesichtspunkten endgültig mit der Schleuderwirtschaft an Deutschlands Wirtschaftskraft aufgehört werden.'Genosse Hue hat erst gestern an dieser Stelle gezeigt, welchen Raubbau die Großinteressenten bei uns noch ungehin- dert zu treiben vermögen, immer unter dem Namen der über- legenen kapitalistischen Organisation, in Wirklichkeit unter Anbetung ihrer berüchtigten Schutzheiligen Spekulation und Profit. Deswegen muß die Erfassung der Sachwerte zugleich eine richtunggebende Beeinflustung der deutschen Wirtschaft zur Bevorzugung der Allgemeininteressen werden. Nur bei Einhaltung dieser Marschwege werden die Hand- und Kopfarbeiter gewillt sein, ihre politischen Vertretungen auch solchen Gesetzen zustimmen zu lassen, die auf dem Umweg über den Verbrauch der Republik Geldmittel zuführen. Die Einkommensteuer vom Arbeitslohn. Das am 11. Juli beschlossene und jetzt veröffentlichte Gesetz über die Einkommensteuer vom Arbeitslohn bedeutet eine vereinfachte Besteuerung des Arbeitsloh- n e s. Seine genaue Kenntnis fft unerläßlich. Es setzt an die Stelle der alten bisher gültigen Para- graphen der Einkommensteuernovelle vom März 1921 die neuen 8Z 45 bis 52. Der§ 45 erläutert den Begriff des Arbeitslohnes. Als Arbeitslohn, auf den die vereinfachte Besteuerung An- wendung finden soll, gllt der Gesamtbetrag der Einkünfte, die in vffent- Nchem oder privatem Dienste beschäftigten oder angestellten Personen aus dieser Beschäftigung oder Anstellung gleichviel unter welcher Be» Zeichnung oder in welcher Form beziehen. Als Arbeitslohn gelten auch Wartegelder, Ruhegehälter, Witwen- und Waifenpenstonen, Bezüge aus der reichsgefetzllchen Angestellten-, Unfall«, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung und andere Bezüge oder geldwert« Vorteile für frühere Dienstleistung oder Berufstätigkeit. Die 88 �6 und 47 erläutern den zehnprozenttgen Abzug und feine Ermäßigungen für den Steuer- Pflichtigen, für die Ehefrau, für minderjährige Kinder usw. und für die sogenannten Werbungskosten(Arbeitskleidung, Beiträge usw.) § 46. Der Arbeitgeber hat vom Arbeitslohn einen Betrag von zehn vom Hundert für Rechnung des Arbeitnehmers einzubehalten. Dieser Betrag ermäßigt sich: � 1. für den Steuerpflichtigen und für seine z» feiner Haushaltung zählende Ehefrau ») im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Stunden um je 0,10 M. für je zwei angefangene oder volle Stunden, b) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Tagen um je 0,40 M. täglich, c) im Falle der Zahlung des Arbeltslohns nach Wochen um je 2,40 M. wöchentlich, d) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Monaten um je 10 M. monatlich, 2. für jedes zur Haushaltung des Steuerpflichtigen zählende minderjährige Kind im Sinne des§ 17 Abs. 2 a) im Falle des Zahlung des Arbeitslohns nach Stunden um 0,15 M. für je zwei angefangene oder volle Stunden, b) im Falls der Zahlung des Arbeitslohns nach Tagen um 0,60 M. täglich, c) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Wochen um 3,60 M. wöchentlich, 'd) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Monaten um 15 M. monatlich. Kinder im Alter von mehr als siebzehn Iahren, die Arbeitseinkommen beziehen, werden nicht gerechnet. 3. zur Abgeltung der zulässigen Abzüge a) im Falle des Zahlung des Arbeitslohns nach Stunden um 0,15 M. für je zwei angefangene oder volle Stunden, b) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Tagen mn 0,60 M. täglich, c) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Wochen um 3,60 M. wöchentlich, 'S) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Monaten um IS M. monatlich: auf Antrag ist eine Erhöhung dieser Beträge zuzulassen, wenn der Steuerpflichtige nachweist, daß die ihm zustehen- den Abzüge den Betrag von 1800 M. um mindestens 1S0 M. übersteigen. Ueber den Antrag entscheidet das Finanzamt. Bezieht ein Steuerpflichtiger neben den laufenden Bezügen sonstige, insbesondere einmalige Einnahmen(Tantiemen, Gratifikationen usw.), so wird der von diesen Einnahmen einzubehaltende Betrag von zehn vom Hundert ohne Berücksichtigung der im Ab- satz 2 vorgesehenen Beträge abgezogen. Dienstaufwandsentschädigungcn bleiben bei FeMellung d«» ein» zubehaltenden Betrags außer Ansatz. Läßt sich bei vorübergehender Arbeit im Akkord dk Arbeitszeit nicht feststellen, so kann an Stelle der Ermäßigungen nach Abs. 2 eine feste Ermäßigung von vier vom Hundert des Arbeitslohns treten. 8 47. Die im§ 46 Abf. 2 Nr. 2 vorgesehene Ermäßigung ist auf Antrag auch für mittellose Angehörige zu gewähren, die von dem Steuerpflichtigen unterhatten werden. Ueber den Antrag ent- scheidet das Finanzamt. Der 8 48 behadekt die Veranlagung. Er betont, daß die Steuern dann durch den Lohnabzug als getilgt gelten. wenn das gesamte aus Arbeitslohn entstandene steuerbare Einkommen 24 000 M. nicht übersteigt. Besteht ein Ein- kommen unter 24 000 M. nur zum Test aus Arbeitslohn. zum anderen Teil aus sonstigem Einkommen, dann wird dieses veranlagt. Der§ 49 bestimmt, daß Steuerpflichttge mit einem Einkommen unter 24 000 M. die Veranlagung zur Einkommen- steuer beantragen können, wenn im besondern die Ab- zöge an Werbungskosten usw. 2700 M. übersteigen und wenn die Ermäßigungen für im Haushalt befindlich« Angehörige � durch die Abzüge noch nicht voll berücksichtigt sind. Der An- trag auf Veranlagung zur Einkommeneftuer ist in diesen Fällen selbstverständlich mtt einer Steuererklärung zu oer- binden. Die§8 Kl— 52 behandeln das Steuerbuch und die Ein- Ziehung der Steuern durch den Arbeitgeber. Besonders wichttg fft noch der Artikel III des Gesetzes. Er betont, daß die oben erwähnten Ermäßigungen des Lohn- abzuges auf Grund der Werbungskosten usw. mit dem 31. Juli beginnen. Wo diese Abzüge für Werbungskosten usw. in der Zeit vom 1. April bis 31. Just 1921 nicht gemacht worden sind, erhöhen sich diese Abzüge für die Zeit vom 1. August bis ich ununterbrochen bei meinem Schreibtisch und zermartere mein Hirn bei schwierigen Stellen, die mich oft sogar im Traum noch ver- folgen... Mit dem nötigen Aufwand an Fleiß und Geduld ge» lingt schließlich selbst das UntAjliche, aber es sind teuer erkaufte Siege." Wenn der innere Aufmhr vorüber ist, dann leuchtet bis- weilen der Sonnenschein jenes tiefen Humor« auf. den wir bei dem Komponisten der Mörikelieder so lieben.»Ich konnte der �ust nicht widerstehen, den ganzen Akt mir heute vorzuspielen, und wie lächer- lich es auch sein mag, ich war entzückt und hingerissen davon. Mir fiel dabei der Heinesche Der» ein:»Schade, daß ich ihn nicht küssen kann, denn ich bin selbst dieser brav« Mann." Aber wie bei allen großen Humoristen bedeutet das Lachen nur den Aufschwung aus einer allzufchweren, tragischen Erkenntnis. Den Abgrund seiner Schaffensqualen lassen Sätze wie die folgenden erkennen:„Die Musik hat enffchieden etwas Vampyrartiges in stch. Sie krallt sich unerbitterlich an Ihr Opfer und saugt ihm dm letztm Blutstropfen aus. Oder man könnte sie auch mit einem gierigen Säugling vergleichen, der unerbitterlich nach neuer Nahrung oerlangt, dick und fett wird, derweil die Schönheit der Mutter dahinwelkt." Das ausführliche Nachwort, das Rosa Mayreder zu diesen Briefen des verstorbenen Freundes geschrieben hat, gibt eine Fülle charakteristischer Züge, die das bisher gewonnene Bild des Meisters noch vertiefen. Die gesamte Publikation bedeutet einm überaus w erwollen Beitrag zur Kenntnis Hugo Wolfs und zur Psychologie des genialen Schaffens im allgemeinen. Besteuerung des Blldungslriebes. Wir erhalt eq folgende Mitteilung: Auf Anordnung des Ministeriums wird„mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage des Staates" am M o n- t a g und Donnerstag jeder Woche vom 4. August dieses Jahres ab von den Besuchern des„Museums für Ratur- künde" ein E i n t r i t t s ge ld vo n 2 M: erhoben werden. An den übrigen Wochentagen und an den San- und gesetzlichen Feiertagen, an denen die Schausammlung geäsnet ist, ist der Besuch auch weiterhin unentgeltlich. Vermutlich wird die schlechte Finanzlage des Staates durch diese Steuer auf den Bildunastrieb des preußischen Volkes nicht wesent- lich gebessert werden. Es Ist vielmehr anzunehmm, daß man im Museum für Naturkunde dieselben Erfahrungen machen wird wie in den Berliner Kunstmuseen: das Eintrittsgeld schreckt die Be- suchet ab. die Sammlung steht an den Zahltagen leer und die er- hofften Einnahmen bleiben aus. Filmschule und Kinolechnikum. In M ü n ch e n soll diesen Herbst eine vom bayerischen Kultusministerium und der Münchener Stadt- oerwaltunq unterstützte Lehranstalt eröffnet werden, die in ihren einzelnen Abteilungen das gesamte Gebiet der Filmherstellung in künstlerischer, technischer und kaufmännischer Hinsicht umfassen wird. Da» Schulgeld für die Darsteller- und Äegieabteilung soll 1000 M., das für die kaufmännische Abteilung 300 M. betragen. Für mittellose Begabungen beabsichtigt man Frei- Plätze zu schaffen. Einen Hauptzweig der Filmschule wird das Kinotechnikum bilden, in dem Aufnahme-, Entwicklungs- und Kopiertechmker sowie Vorführer unterrichtet werden sollen. Die Lehrzeit für die Aufnahme- operateure beträgt fünf Semester. Im Technikum beginnt der Unter-' richt bereits am 15. September. Man hofft durch diese Filmlchul« eine allgemeine Hebung des Nweaus der Filmindustrie und die Ausschaltung gewisienloser Ele- mente zu bewirken, die als Filmlehrer noch immer viele Opfer finden. Ans dem Nachlaß von Mark Twain wird demnächst ein Werk im Inselverlage deutsch erscheinen, das der amerikanische Dichter zu Lebzeiten sich zu oeröffentlichen scheute:»Der geheimnisvolle Fremde" betitelt. In der Erzählung, die im mittelalterlichen Oesters reich spielt, wo der geheimnisvolle Fremde in der Gestalt eines jugendlichen, verführerischen und Wunderdinge verrichtenden Satans in der Mitte einer Knabenschar erscheint, ist der sonst so leicht spottende Mark Twain von unheimlichem Ernst und unerbitt- lichem Earkasmus über die Niedrigkeit der Menschen. Er berührt sich da merkwürdig mit manchen Anschauungen Schopenhauers, be- sonders mtt der Art, die Mißachtung der Tiere durch die Menschen mit ätzender Schärfe zu kritisieren. Berwerkung von Ebbe und Flui. Aus Marseille wird dem „Handelsmuseum" geschrieben: Seit langem schon besteht in franzö- fischen Kreisen die Aostcht, die Kraftgewinnung aus Ebbe und Flut ins Werk zu fetzen. Wenngleich dieses Problem im Mittel» ländtfchen Meere niemal» zur Verwirklichung gelangen dürste, da selbst bei Springflut der Peqelimterschied höchstens 30 Zentimeter ausmacht, so oerhäll e» sich wesentlick) anders an der a t l a n t i s ch e n Seite. Der Gezeitenwechsel von St. Malo bringt zwischen Nippebbe und Springflut Wassersäulen von nicht weniger als 9 bis 11 Meter hervor. Es wird daher in dieser Gegend seit langem der Gedanke erwogen, die hier wirksamen Kräfte auszu- nützen. So läuft bei Roche-Gmide seit vielen Jahren eine Wasser- mühle, die aus einem durch Deiche gebildeten und durch die Flut gespeisten großen Wasserbehälter Antrieb erhält. Nach di«lem Grundlatz will nun die„Societe Bretonne" mit Hilfe einer vom französischen Staat bewilligten Unterstützung von zwei Millionen Franken das Decken von Rance in der Bretagne für den Ausbau einer Gezeitenkraftausnützung. einrichten. Zu gleicher Zeit begannen französische Ingenieure mit dem Bau einer Spezialturbine, die im Wechsel des Betriebes gerade durch die Eigenheit dieser Wasserkraft die beste Wirkung erzielen läßt. Eben- so ist ein Netz von tteberlandzentralen, Kraftver- teilungsstellen usw. in Ausarbeitung, um die gewonnene El-ktrokrast für die Umgebung nutzbar zu machen. Für die geplante Elektrifizierung der stanzösischen Bahnen wird hieran die Hoffnung geknüpft, in der Kohlenfrage größere Unabhängigkeit zu erlangen. ' Romantiker-AnsfleNnng In der Berliner StaatZbivliothek. Anlätzlich der Tagung der Gesellschaft der Bibliodbilen. die dielen Herbst in Berlin ftatlfindet, bereitet die preußisch« Staatsbibliothek eine Nusslcllung Deutscher Romantik vor. Die Nilsstellung wird zum erstenmal weiteren Kreisen den reichen Besitz zur Anschauung bringen, den die Berliner Bibliothek an Drucken und Handschrliten au« dem Kreise der Romantiker von den Brüdern Schlegel und T i« ck an bis zu ff o u q u 4 und E. Tb. A. H o s f- mann ibr Eigen nennt und der auch b il d kü n st l e ris ch manche« gejselnde bietet. Hr. 351 ♦ 3S. Fahrgang Heilage öes Vorwärts Vonnerstag, 25. FuU?H2I Groß?berlw ».Saüen verboten�. Die heißen Tage der letzten Wochen haben einen Mafsenan- drang Badelustiger zu den Badeanstalten und ganz besonders zu den Freibädern in der Umgegend Berlins gehabt, die denn auch Tag für Tag bis zum Bersten überfüllt waren. Da aber weder Badeanstalten noch Freibäder für den Massenbedarf der Groß- Berliner Bevölkerung ausreichen, so ist stets ein nach Zehntausenden zählender Rest von Badebedürstigen gezwungen, außerhalb der staallich oder städtisch genehmigten Oertlichkeiten sein Badebedürfnis zu befriedigen. Das ist seit Jahren so gewesen, und man kann nicht gut erwarten, daß mit einem Male auch bei der heißesten Witterung nur soviel Menschen baden, wie Badeanstalten und Freibäder auf- zunehmen vermögen. Ganz im Gegenteil. Das Bedürfnis der Grohstadtmenschen, im Sommer möglichst jede freie Stunde dazu auszunützen, in Feld, Wald und Wasser die Natur zu genießen, ist, gegen früher genommen, ganz erheblich gestiegen. Stärker denn früher empfindet man nach einer arbeitsreichen Woche in der rauchigen, benzindustenden Steinwüste Berlin das Bedürfnis, seinen Ruhewg draußen im Grünen zu verlcbkn und sich bei großer Hitze durch ein Bad im Freien zu erfrischen. Las ist so natürlich wie nur irgend etwas, und vom Standpunkt der Bolksgesundheit durchaus zu wünschm. Ueberreich gesegnet an günstiger Badegelegenheit ist die Umgegend von Berlin nun leider nicht. Es ist daher volks- hygienisch eine dringende Aufgabe der zuständigen Behörden, den vorhandenen Badestrand in erschöpfendem Maße der öffentlichen Benutzung zu erschließen. In erster Linie muß gefordert werden, daß die zahllosen Bade- verböte, wo sie nicht im Interesse der Oefsentlichkeit getroffen worden sind, schleunigst beseitigt werden. Bor allem sollte bei Razzien durch die Polizei, die polizeilicherseits gerechffertigt werden können, solange die Badeverbote bestehen, ein Unterschied gemacht werden zwischen Leuten, die sich in Punkto Sittlichkeit anstößig benommen haben und zwischen solchen, die ganz harmlos im Badeanzug ein Sonnenbad nehmen. Wenn ein Leser unseres Blattes uns schreibt, daß er bei solch einem Sonnenbad urplötzllch von einer Razzia der Grünen Polizei überrascht und festgestellt wurde und beinahe mit vielen anderen Leidensgenossen wie ein Verbrecher den Weg nach dem Polizeipräsidium hätte zurücklegen müsien, nur dafür, daß er ein Sonnenbad genommen hatte, so will die Notwendigkeit eines solchen behördlichen Borgehens doch nicht recht einleuchten. Es ist wirklich an der Zeit, dem anerkannten Badebedürfnis der Groß-Berliner Bevölkerung in weite st em Maße«nt- gegenzukommen und alle Ufer, die nur einigermaßen sich zum Baden eignen,' freizugeben. Dann können auch Razzien dieser Art in Zukunft untrbleiben, die nur geeignet sind, zwischen die Bevöl- kerung und ihre obrigkettsbestallten Hüter der Ordnung ernste Zwietracht zu säen. Die Berliner Bevölkerung fühlt sich mündig und verant- worwngsbewußt. Bon feiten der Polizei wird auch zugegeben, daß Ueberfchreitungen stttllcher Art kaum noch vorkommen. Daß aber die Menschen ertrinken, kommt in jeder Badeanstalt leider ebenso vor wie im freien Wasser. Die Pollzei kann nicht hinter jedem �Badenden einen Lebensschutz-Beamten ausstellen. Sie kann es nicht und soll es auch nicht. Die Bevölkerung wünscht in dieser der Gesundheit, der Erholung und dem harmlosen Lebensgenuß dienenden Betätigung in keiner Weis« von der Polizei gestört zu werden. « Die Hitze, die keineswegs geringer geworden ist, hat die Menschen auch am gestrigen Tage in ungeheuren Massen ins Freie, in die Frei- bäder getrieben. Die rieiengroßen Wasserflächen in der nächsten Nähe Berlins erweffen sich gerade in solchen Hitzeperioden als ein nicht hoch genug einzuschätzender Segen für die 4-Millionen-Stadt und es muß auch seitens Staat und Stadt alles getan werden, um die Seeufer für die Allgemeinheit frei zu halten. In den Nachmittagsswnden trat eine stark dunkelnde Bewölkung ein, die die Massen, die besonders mit vielen kleinen Kindern hinaus- gefahren waren, veranlahte, ihre Erholung vorzeitig abzubrechen und in die Stadt zurückzukehren. Aus den Provinzen kamen weiter be- unruhigende Nachrichten über Waldbrände und schwere Ernteschäden. Aufhebung öer WohnungsZwangstoirtschast I Zur Beseitigung der gegenwärtigen Wohnungsnot wird immer wieder die Aufhebung der Zwangswirtschaft und die Einführung der freien Wirtschaft im Wohnungswesen verlangt. Die Mieten werden heute unter dem Einfluß der Mieterschutzgesetzgebung Verhältnis- mäßig niedrig gehalten. Die Baukosten sind gegenüber dem Frieden auf das Zwölf- bis Fünfzehnfache gestiegen; die Mieten noch nicht einmal das Doppelte. Was erscheint da näherliegend als die Auf- Hebung der Mietbeschränkungen? Dann müssen eben im Spiel von Angebot und Nachfrage die Mieten so hoch steigen, daß sie eine angemessene Verzinsung der heute aufzuwendenden Baukosten er- möglichen. Dann wird sich das Prioatkapital dem Wohnungsbau wieder zuwenden, und olle Wohnungsnot hat bald ein Ende. Eine solche Kur würde freilich eine richtige Eisenbartkur sein. Gewiß, würden die Mietbeschränkungen aufgehoben, so würden die Mieten steigen. Sie würden höher steigen als zur Deckung der erhöhten Kosten des Hausbesitzes notwendig wäre. Damit würden die Renten der Grundstückseigentümer ebenfalls steigen, der Wert der Grundstücke und ihre Berkausspreise würden eine schwindelnde Höhe erreichen und die Verschuldung der Grundstücke würde in nie gesehenem Umfange zunehmen. Das wäre aber auch allesl Zur Bautätigkeit aber würden wir nicht kommenl Denn die Bor- aussetzung bei allem wäre doch die, daß eine Steigerung der Mieten auf das Zwölf- bis Fünfzehnfache des Friedensstandes jetzt und für- alle Zukunft möglich wäre. Wenn man nun auch gesagt hat, daß die Steigerung der Mieten für das Volk so nötig sei, wie das tägliche Brot, so werden doch selbst die kühnsten Optimisten im Kampf um die freie Wirffchaft eine solche Steigerung heute nicht für möglich halten. Dann würde aber auch diese Politik dem privaten Kapital immer noch keinen genügenden Anreiz zur Förderung der Bautätigkeit geben. Man hätte also zwar eine gewaltige Belastung der Mieter, aber keine Neubauten. Daß diese Erwägungen richtig sind, zeigt uns das Beispiel der Vereinigten Staaten in Nordamerika. Hier besteht keine Zwangswirffchaft für Wohnungen, keine Rationierung, keine Höchstmieten, keine Baukostenzuschüffe. Das Ideal der freien Wirt- schaff, hier ist es erhalten geblieben; und trotzdem werden in Amerika kaum neue Wohnungen gebaut. Der Kampf gegen die Wohnungsnot erscheint darum dort bei der freien Wirtschast genau so schwierig wie in Deutschland. öcotkartenhanöel la üer„Füöischen Schweiz". Ein Freispruch. ' In das eigenartige Milieu mancher Schanklokale in der so- genannten.Jüdischen Schweiz" führte eine Verhandlung hinein, die gester� die 10. Ferienstraskammer des Landgerichts I beschäftigte. In der Münz- und Grenadierstraße und Umgegend werden an gewissen Stellen und in Schlupfwinkeln, die der Polizei oft Anlaß zum Einschreiten geben, unter anderen wertvollen Gegenständen auch Brotkarten gehandelt. So auch im.Hackepeter", wo die An- geklagten Otto Siegmund und Friedrich Keßner als Kellner an- gestellt waren. Sie wurden beschuldigt, von Besuchern des Lokals Monate hindurch wöchentlich Hunderte von Fett- und Brotkarten aufgekauft, sich dann w einem Butrergeschäft und bei einer Bäckerei als Kunden eingetragen und die erhaltenen Butter- und Brot- mengen mit Gewinn weiterverkauft zu haben. Mitangeklagt war euch der Bäckergeselle Max Gramer, der ihnen bei ihrer Tätigkeit geholfen hatte. Wegen der großen Menge der Karten, die auf reelle Weise nicht in den Besitz der Verkäufer gekommen sein tonn- ten, nahm die Anklagebehörde gewerbsmäßige Hehlerei, worauf als Mindeststrafe ein Jahr Zuchthaus steht, bei allen drei Angeklagten an. Inzwischen waren auch zwei in dem Buttergeschäst angestellte Verkäuferinnen zu je 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. In den polizeilichen Protokollen hatten die Angeklagten zugegeben, sich strafbar gemacht zu haben; zum Termin hatte jedoch der Verteidiger den Kriminalbeamten, der das Proto- koll aufgenommen hatte, geladen, um sich von ihm bestätigen zu lassen, daß der in Polizeiprototollen immer wiederkehrende Aus- druck,„Ich gebe zu, mich strafbar gemacht zu haben", auch im vor- Negenden Falle in seiner Fassuftg von dem BeaNtten herrühre. Im Termin bestritten die Angeklagten ihre Schuld und behaup- teten, daß die armen Juden des Scheunenviertels ihnen die Brot- karten, die sie fich erspart hätten, verkauft hätten/ R.-A. Dr. Frey beantragte die Freisprechung der Angeklagten mit Rücksicht darauf, daß nicht ein vor der Polizei abgelegtes Geständnis, sondern nur das Ergebnis der Beweisaufnahme vor Gericht maßgebend sei; auch die bereits erfolgte Verurteilung der beiden Verkäuferinnen könne kein Hindernis im juristischen Sinne bilden.— Das Gericht erkannte auf Freisprechung._ Die befthlagnahmten Drupere-pfeifen. vergehen eines Polizeiwachtmeisters. Welchen Händen mitunter der polizeiliche Schutz der Bürger anvertraut ist, wurde durch eine Anklage illustriert, die den Wachtmeister der Schutzpolizei Adolf K o s k e gestern vor die Ferienstrafkammer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte war, nachdem er vom Militär entlassen war, in die Reihen der Schutzpolizei eingetreten und hatte sich dort ganz ordentlich geführt, bis er ohne jedes Besinnen sich zur Mitwirkung bei dem von zwei ihm oberflächlich bekannten Männern namens Feske und Below, die zur Zeit nicht zu ermitteln sind, geplanten Verbrechen bereit erklärte. Eines Tages, als er außer Dienst zu Hause weilte, kamen die beiden Genannten zu ihm und erbaten seine Mitwirkung be: einer ungesetzlichen Beschlagnahme. Diese sollte bei dem Kaufmann Korn in der Alten Jakobstraße 93 statt- finden, dem ein großer Posten Bruyere-Pfeifen abgenommen werden sollte. Der Angeklagte war ohne weiteres bereit dazu, zog sich seine Uniform an und ging mit den beiden zur Kornschen Wohnung. Der Inhaber war nicht wenig überrascht, zu hören, daß wegen angeblicher.Zollhinterziehung" sein Pfeifenlager beschlagnahmt werden sollte. Er zeigte alle Papiere vor, die bewiesen, daß er die Ware nur in Kommission übernommen habe und daß alles andere völlig in Ordnung sei. Es half nichts: seine Einwände wurden zurückgewiesen, und als Herr Korn telephonisch einen Zeugen herbei- rufen wollte, wurde er vom Angeklagten mit den Worten daran gehindert:„Hier ist die Polizei, hier haben Sie nichts mehr zu telephonieren!" Als es dann Frau Korn noch gelungen war, einen Zeugen des Vorgangs herbeizuholen, wurde diesem gedroht, ihn sofort zu verhaften, wenn er die Amts- Handlung störe. Die drei Eindringlinge„beschlagnahmten" dann 426 Dutzend Bruyere-Pfeifen im Werte von 12 0 0 0 0 M., trugen die Beute in großen Kartons in ein Auto und fuhren davon. Der Angeklagte erhielt eine Belohnung von 3000 M. Es gelang dann, einen Teil des gestohlenen Gutes wieder herbeizuschaffen. Der Angeklagt« gab seine schwere Verfehlung in vollem Um- fange zu und Erklärte, daß er es selbst nicht begreife, wie er sich von den beiden anderen habe übertölpeln lassen. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Gericht ging über diesen An- trag hinaus, da es sich um ein sehr grobes Vergehen im Amte handle und verurteilte den Angeklagten zu 1 Jahr S Monaten Gefängnis._ Der Einbruch bei Adolf Hoffmann teilweise aufgeklärt. Zu dem Einbruch bei dem Reichstagsabgeordneten Adolf H o f f m a n n erfahren wir. daß es dem Kriminalkommissar Dr. Schuppe mit seinen Beamten gelungen ist, den Einbruch teilweise aufzuklären. ES gelang, einen der Täter zu ermitteln und festzu- nehmen, doch hat die Beute noch nicht wieder herbeigeschafft werden können. Diese ist. wie die genaueren Feststellungen hes Bcstohlenen ergeben haben, nicht so groß, wie zuerst angenommen worden war. Der Verhastete ist ein früherer Fürsorgezögling Scripczak, der von Polen hierher gekommen war und sich arbeits- und wohnungslos hier aufhielt. Scripczak hatte sich dadurch verdächtig gemacht, daß er bei dem Abgeordneten gestohlene Sachen zum Kauf anbot. Er bestreitet nun den Einbruch und gibt nun an, daß er die ange- botenen Sachen gar nicht besitze. Diese sind, soweit sich bis jetzt bat feststellen lassen, noch nicht zum Berkauf gelangt, sondern be- finden sich noch in irgendeinem Versteck. Scripezak, der wiederholt vorbestraft ist, und in dessen Besitz auch Einbrecherwerkzeug ge- fundrn wurde, ist dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Geheimnisvolle Bluttat bei Wolttrsdorf. Ein Raubmord bei Woltersdorf beschäftigt die hiesige Kriminal- Polizei. Auf dem Wege zwischen Schönblick und Wolterödorf wurde ein junger Mann aufgefunden, dem die Schlagader an der linken Halsseite durchstochen worden ist. Verschiedene Umstände lassen darauf schließen, daß dort ein Kampf stattgefunden hat. Der junge Mann lag auf einer Anhöhe, zu der viele Blutspuren führen. Die Feststellungen haben ergeben, daß der junge Mann, dessen Persön- lichkeit noch nicht feststeht, mit einem anderen nach Schönblick ge- kommen war, um dort eine Konditorei zu kaufen. Aus diesem beabsichtigten Kauf ist jedoch nichts geworden. Es wird nun ver- mutet, daß sein Begleiter ihn im Walde überfallen und der Bar- schatt bis auf 100 M., die man noch fand, beraubt hat. Weitere Ermittelungen zur Aufklärung des Verbrechens wurden sofort in die Wege geleitet. Eine Zeugin, deren Eltern in der Nähe ein« Laube haben, hat gesehen, wie der junge Mann hilferufend an- gelaufen kam und dann zusammenbrach. 40s Die Rächer. Noman von Hermann Wagner. Gerade heute, dachte Reisner, und seine Finger zitterten unmerklich, soll ich ihn öffnen—? Unschlüssig schritt er durch das Zimmer und kämpfte mtt dem Unbehagen, das ihn lähmen wollte. Endlich fluchte er und riß den Umschlag auf. Ein dünnes Blatt war darin, das nur zwei Worte enthielt, die er bleich anstarrte, den Mund schmerzhaft verzogen:.Verräter! Behrens." Und er ballte, von einer blinden Wut gepackt, das Papier zusammen und warf es in eine Ecke, um ihm jedoch sogleich wieder nachzulaufen, es aufzuheben und zu glätten. Wieder bettachtete er die Worte. Sie hatten jetzt Knierev und Falten, schienen ohnmächtig und hilflos. Dq lachte er kurz und verschloß das Papier im Schreibtisch. „Prokop!" schrie er zornig. Prokop kam und sah ihn fragend an. Er fuhr ihn an:„Ist alles in Ordnung? Ist alles be- reit? Mein Anzug, meine Wäsche, mein Zylinder? Ist das Auto bestellt?" Die Fragen waren überflüssig, und er stellte sie nur. um sich zu entladen. „Ja," sagte Prokop. „Wie spät ist es?" „Genau acht," antwortete Prokop, und die Standuhr schlug gleichzeitig ihren dünnen und kurzen Ton. „Gut, ich bin für niemand zu haben,— ich will allein sein..." Prokop hob tastend die Hand.„Eine Pame ist draußen, die bittet, Sie sprechen zu dürfen.. „Eine Dame?" Prokops Züge wurden gefügig und bestimmt.„Sie macht einen— sehr sonderbaren.— sehr aufgeregten — Eindruck... Ich glaube, daß man sie empfangen muß!" Dieses sagte Prokop, der sonst nie etwas sagte. „Also," meinte Reisner und dachte mit Ingrimm an Frau von Mansch,„ich lasse bitten!" Er zündete sich eine Zigarre an, warf das Zündhölzchen wütend in eine Ecke und wandte sich der Tür zu, die sich nun öffnete und über deren Schwelle eine Frau ttat, in der er vergebens Frau von Marisch suchte. „Gnädige Frau,— Sie?!" rief er aus und hatte die Empfindung eines starken Unbehagens, das er sich nicht zu er- klären vermochte. „Ja, ich," sagte Hilde Gutzeit, deren Erscheinung in der Tat recht settsom anmutete, da ihr auffallendes, glänzendes Kleid und ihr federgeschmückter, kühn-eleganter Hut stark mit ihrem Gesicht konttastierten, das müde, erschöpft und resigniett war und dessen Augen ihren einstigen schönen Glanz völlig verloren hatten. Reisner taxiette sie nach einer raschen, grausamen Prü- fung und sagte sich: Hier ist eine unter die Räder gekommen! Eine jähe Ungeduld blitzte zugleich in ihm auf, und er sagte weiter zu sich: Wenn schon, was geht es mich an! Er schob ihr einen Stuhl hin und fragte sehr kühl:„Wo- mit kann ich Ihnen dienen?" Hllde Gutzeit ließ sich zögernd nieder und zog ihr winziges Taschentuch, das sie an die Augen fühtte. „Sie weinen?" fragte er betteten.„Was haben Sie?" Da erzählte sie mit erstickter Stimme, der man es an- hörte, wie sie sich überwand, was in den Monaten, die seit dem Tode ihres Mannes verflossen waren, geschehen war. Es war eine Geschichte, wie sie zu Taufenden passieren, nichts Ungewöhnliches war an ihr. Und doch gewann sie durch einen Unterton, der heimlich mitschwang, eine Note, die sie aus den Tausenden der banalen anderen hervorhob. Dieser Ton war eine Anklage, die zwar nicht ausgesprochen wurde, die Reisner indessen sehr wohl spürte. Sie richtete sich gegen ihn. Und sie lautete: Du hast schuld! Allein Reisner sträubte sich gegen diese Anklage und fragte sich: Habe ich wirklich schuld? Liegt es an mir, wenn eine verwöhnte Frau nicht mehr in dürftige Verhältnisse zurückfindet und, um gut leben zu können, ihre Kinder und ihre Ehre vergißt? Hatte diese überhaupt eine Ehre? Hatte sie sich ihm nicht schon viel früher angeboten? „Ja," sagte er und blies kunstvolle Ringe in die Luft. „was Sie mir da erzählen, gnädige Frau,"— er hielt es für eine besonders wirkungsvolle Abweisung, daß er noch immer „gnädige Frau" zu ihr sagte!—„ist nicht lustig. Aber ich verstehe nicht, weshalb Sie es mir erzählen. Sind Sie etwa der Meinung, daß ich Ihnen helfen kann?" „Doch." sagte sie hart,„das können Sie." „Wie?" fragte er gemächsich. Ihre Worte schienen aus der Ferne zu kommen, so leise waren sie gesprochen.„Ich hatte," sagte sie,„einen sehr sonderbaren Gedanken,— gerade gestern, als mir besonders trübe zumute war, denn ich war da in Gesellschaft eines Menschen, der mich recht anwidett und dem ich es doch nicht zeigen darf,— ja, ich hatte da einen Gedanken, wie man in solchen Augenblicken oft Gedanken hat, die einem zu- fliegen... Ich dachte mir, er könnte mir helfen, wenn er nur einmal ein gutes Wort zu mir sagen wollte,— wissen Sie, solch ein Wort, an das man sich dann klammert, weil man doch sonst nichts hät. an dem man sich festhalten könnte,—- ja, solch ein einziges gutes Wort... Das dachte ich gestern!" „Ein gutes Wort?" sagte er nachdenklich und doch sich zugleich dessen erinnernd, daß es bald Zeit für ihn war, sich umzukleiden.„Ja, ich wüßte nicht..." Er unterbrach sich plötzlich und sra?te rasch:„Leiden Sie Mangel?" Sie schüttelte den Kopf. „Nein?" fragte er wie erstaunt.„Nun, um so besserl — ich meine, um so besser für Sie, der ich nur Gutes wünsche und von der ich aufrichtig— aufrichtig!— hoffe,— daß,— daß... Ja, ich hoffe bestimmt, daß Sie sich— aufraffen werden!" Er gab sich einen Ruck, denn er merkte es nur zu deutlich, daß es Unsinn war, was er sprach.„Sie sind jung und hübsch und Sie werden gewiß,— ja, gewiß!— Ihren Weg machen,— noch immer machen, wenn,— wenn... Sie klug sind!" Er sah sie unsicher an.„Natürlich— und das soll Sie nicht kränken!— stehe ich jederzeit zu Ihrer Ber- fügung, wenn Sie doch... einmal Mangel leiden sollten!" Sie zerknüllte das Taschentuch in ihrer Hand und sagte matt und enttäuscht:„Ich sehe, Sie haben für mich keine Zeit.. Er hob beschwörend die Hände und hatte in diesem Augenblick wirklich Mitleid mit ihr.„Nein, Sie täuschen sich," rief er aus,„für Sie werde ich immer Zeit haben,— alle Tage,— wenn immer Sie kommen sollten, ja,— nur heute nicht, gerade heute, da..." Wieder zögerte er, „... da in zwei Stunden meine— standesamtliche Trauung stattfindet!" Sie fuhr erschreckt hoch.„Wie?" fragte sie mit fliegendem Atem. „Es ist so," sagte er mtt ratloser Stimme,„in zwei Stunden, ja.. «(Forts, folgt.) Krieg ergrSV er und Krtegerverkust«. Wir werden um Veröffentlichung folgender Mitteilung ersucht: DaS amerikanische Gräberamt(American- Grave? Registration Service Ö. M. C. in Europe) in Berlin, Bellevuestr. 12, ist nicht in der Lage, über deutsche, in Frankreich gefallene Krieger Auskunft zu erteilen. Das gesamte Material über deutsche Ge« fallene ist vom amerikanischen Hauptbureau in Paris dem Zentral- nachweiieamt für Kriegerverlust« und Kriegergräber in Berlin- Spandau, Schmidt-KnobelSdorff-Strahe, übergeben worden. Dort wird jedem Auskunftsuchenden bereitwilligst Auskunft erteilt. In Fällen, in denen besondere Nochforschungen erforderlich find, werden dieselben im Einvernehmen mit den fremdländischen Missionen in eingehender Weise kostenlos angestellt. Das Ergebnis wird dem Antragsteller direkt übermittelt. Die deutsche Organisation ist der Volksbund Deutsch« KriegS- gräberfürforge, Berlin V 10, Matthäikirchstr. 17. Zwangsweise Photographie. Wie eine bahnamtlich bediente Korrespondenz zu melden weiß, hat der Vorverkauf für die Monatskarten mit Lichtbild auf der Wann- seebahn begonnen und soll bereits von vielen Reisenden in Anspruch genommen worden sein. Weiterhin wird mitgeteilt, daß die Photo- graphie unbedingt eine Größe von 44,5 X 70 Millimeter haben müsse, weil kleinere Bilder nicht auf die Blechrahmen aufgeheftet werden können. Nun haben sehr viele der sogenannten Pahphotographien «ine Größe von 40 X 60 Millimeter, können also von der Bahn zurückgewiesen werden. Ist das der Fall, so würden tatsächlich viele hundert Fahrgäste, die im Besitz derartiger Paßbilder sind, ae» z, w u n g e n werden, sich erneut photographieren zu lasten. Dieser Zwang muß fallen, und zwar sofort. Die genannt« Korrespondenz schreibt zwar weiter:„Im allgemeinen werden die Reisenden zur Lösung der Monatskarte ein gewöhnliches Paßlicht- bild verwenden können, bei dem ein entsprechender weißer Rand stehen bleibt, damit das Bild die erforderliche Größe erhält* Aber da in der letzten Zeit auch bei der Bahn eine unangenehme Para- graphenresterei eingerissen ist. kann es leicht geschehen, daß die Be- amten die etwas kleineren Paßbilder zurückweisen. Die Bahnver- waltung müßte also durch sofortige Bekanntgabe dafür sorgen, daß alle sogenannten Paßbilder von den Bahnbeamten an- genommen werden. Gemeinnütziger Torfverkanf. 8000 Zentner bester Brenntorf sind durch Bermittlung des Brandenburgischen Landarbeitsamtes auk einem Kahn am Süd- ufer an der Fennbrücke in der Nähe des NordhasenS zum Verkauf bereitgestellt worden. ES handelt sich um ein guteS Er- zeugni» aus dem Rhinluch, das auf Grund einwandfreier Begut- achtung als hochwertiges Produkt anzusehen ist und daS sich auch durch besondere Festigkeit und Trockenheit auszeichnet. Die Fest- seyung des Preises erfolgt ohne jeglichen Zwischengewinn in der Weise, daß bei Abgäbe bi« zu 10 Zentner ab Kahn 11 M. pro Zentner, von 11 bi« 100 Zentner 10,7S M. pro Zentner und dar- über binau« 10, SO M. por Zentner berechnet werden. ES liegt hier ein behördlich unterstützter Versuch vor. auf möglichst billige Weise bereits vor den, Winter die Bevölkerung mit gutem Brennstoff zu versorgen, der bei genügender Absatzmöglichkeit innerhalb kürzester Frist wiederholt weiden würde. Die Ware kann an Ort und Stelle besichtigt werden. Die Verkaufszentrale nimmt auch telephonische Bestellungen unter Lützow 8059 entgegen. DaS germanische Reitergrab in Neukölln. DI« wenigsten Berliner werden wissen, daß unsere Stadt bzw. Neukölln ein für die älteste Geschichte unseres Landes und unsere« Volkes bemerkenswertes Denkmal birgt, nämlich das germanische Reitergrab, da» anläßlich von Straßenregulierungen im Jahre 1912 gefunden wurde und bisher im Rathause Neukölln untergebracht war. Dieses seltene Denkmal soll demnächst der allgemeinen Besichtigung freigegeben werden. Zu diesem Zwecke hat es der Museumsleiter Fischer vom Rathause nach der heimatkundlichen Abt>lung des Schulmuseum» im Körnerpark übergeführt. Hier, in unmittelbarer Nähe der Fundstätte, soll das Reitergrab auf einige Wochen nach- mittags von 4— 7 Uhr gegen ein Eintrittsgeld von 0,20 M. für Erwachsen« und 0,10 M für Kinder der öffentlichen Besichtigung zu- gänglich gemocht werden. Es ist beabsichtigt, die Eröffnung oer Museumssammlung Mitte August d. I. stattfinden zu lasten. Au» der alldeutschen Menagerle. In der»Deutschen TageS- zeitung* wird der Roman eine« Freiherrn v. Kapherr folgender- maßen angekündigt:»Eine leidenschaftlich bewegte Schilderung aus der Gegenwart. Der rasfische Niedergang de» Volkes, die Ver« judung des deutschen Adels, dazwischen köstliche Episoden au» dem Tierreich.*— Man muß gestehen, daß der Verfasser sein« Zeit versteht. Zuerst bringt er seine Leute über den»rassischen Verfall* und die»Verjudung des Adels* in Wut und Empörung,»dazwischen läßt er den Sturm durch»köstliche Episoden au» dem Tierreich' versäuscln, um ihn, vermutlich, durch eine neue»adlige Verjudung* wieder anzufachen. O Kappherr. wie groß ist dein Tierreich und wie klein da» Stilgefühl deines Verlegers. Mchttge Fahrplanänderungen kommen auf dem Nordringe am i. August zur Durchführung. Im Frühverkehr ändern sich die Fahr- zeiten folgender Züge: ab Lichtenberg 4.18, 4.48. 5.18 und 5.48 früh nach Schlesischer Bahnhof, an 4,31, 4.60, 6.26 und 5.66 früh. Born Schlesischen Bahnhof fahren die Züge nach dem Nordringe dann um 4.44, 5,22, 5.52 und 6.22 früh ab und kommen in Ge» sundbrunnen um 5.15, 5.55, 6.25 und 6.56 früh an. Vom Bahnhos Gesundbrunnen werden folgende Züge über die Stadtbahn ver- kehren: ab Gesundbrunnen 5.42, 6.12, 6.42 und 7.12 ftüb, die in Weißensee um 5.58, 6.28, 6.53 und 7.23 früh in dem bisherigen tahrplon der über die Stadtbahn vom Nordring verkehrenden üge weitergefahren werden. Diese vier Züge haben gute An- schlüsse an eine ganze Reibe von den nördlichen Bororten in Ge« sundbrunnen eintreffende Züge und stellen somit eine wesentliche Verbefferung des Fahrplans auf dem Nordringe dar. Die Ermilllungeo zum Zlkkenraub in der Gervinusstraß« haben, wie wir bereits meldeten, zu einer Verhaftung geführt. Der Verdacht lenkte sich auf einen Mann, der in einem Tischlereibetrieb in einem nördlichen Porort Berlins arbeitete. Nach Zeugenaus- sagen ist er zur Zeit des Diebstahls hier mit einem der mitgeraubten Koffer gesehen worden. Die Durchsuchungen haben zwar von den geraubten Schriftstücken nichts zutage gefördert, doch sind diese wahr- schewlich schon wieder fortgeschafft worden. Verpfuschte Jugend. In der ooroergangenen Nacht gegen 2 Uhr wurde die Gegend am Stettiner Bahnhof von Kriminalbeamten und Schutzpolizisten einer gründlichen Säuberung unterzogen. Dabei griff man 40Mädchen auf, die der gewerbsmäßigen Unzucht nach- gingen, und brachte ste nach der Stettiner Bahnhofswache. Don hier au» wurden ste nach dem Polizeipräsidium transportiert. Die Garkenarbeiksschule in Neukölln ist auch in den Ferien ge- öffnet, denn sie will nicht nur Schule, sondern zugleich eine Er- hvlungsstätte für all die Kinder mit ihren Eltern sein, die kein schönere» Ferienheim auffuchen können. Am Sonnabend, den 30. Juli, werden die Kinder, Ellern, Lehrer, Elternrät« und Freunde dieser Schule 8 Uhr nachmittags besonder» erwartet, damit das von Elternräten und dem Leiter vorbereitete Erntefest wie im Doriahre sich eines starken Besuches erfreuen kann. Für gute Unterhaltung wird gesorgt werden. Arbeitslose mll der Arbeitslosenkarte und die Geschwister unter 10 Iahren von Gartenschülern hoben freien Zutritt. I— Kos den Kreisen. 13. Kreis, Tempelhof. In der Kreisvertreterversammlung am 2S. Juli sprach Genolle Braun,. Tempelhof, über den Görlitzer Parteitag und führte" nter anderem aus, daß die Ansicht unter keinen Umständen mit der Deutschen Volksp artet in der Regierung' zu arbeiten, nicht gutgeheißen werden könne, da sich im Laufe der Zeit Umstände ergeben könnten, bei dem eine solche Festlegung üble Folgen für die Partei zeitigen könnten. Er begründete diese Stellung- nähme mll seinen Erfahrungen in früheren Iahren in Süddeutsch- lond und wies darauf hin, daß im Zentrum unter Umständen auch die reakttonären Einflüffe das Uebergeivicht erhallen könnten, so daß ein wettere« Zusammenarbeiten mit ihm nicht mehr möglich sein würde. Trotzdem diese reaktionären Kräfte des Zenttums sehr wohl bekannt sind, wird gegen die Koalition mit dieser Partei nichts «ingewendet. Deshalb sei es notwendig, eine klare Stellungnahme gegenüber der Unabhängigen Partei festzulegen, um eine Einigung nach links zu erzielen. Wenn uns dieses gelingt, werden wir auch die Mehrheit der Bevölkerung auf unserer Seite haben, und dann wird eine Koalition mit den Rechtsparteien nicht mehr in Frage kommen. Der Programmentwurf wird am besten an eine Kom» Mission zurückzuweisen sein, um endgültig auf dem nächstjährigen Parteitag erledigt zu werden. An diese Ausführungen knüpfte sich eine längere Diskufflon: die Genoffen Henfchel, Bänfch, Semmler und Marquardt waren mit der Stellungnahme zur Regierungsbildung nicht einverstanden. Sie wollen von einem Zusammengehen mit der Deutschen Volkspartei unter keinen Um- ständen etwas wissen, wohingegen die Ausführungen von Braun durch die Genossen Ewald und Gereczek unterstützt wurden. Ein Beschluß hierzu wurde nicht gefaßt.— Als Delegierter zum Partei- tag wurde nach längerer Debatte der Genosse Ostrowski, Lankwitz, dem Bezirkstag zur Wahl vorgeschlagen. Als Revisor für den Bezirksvorstand wurde Lank, Tempelhof, und als Mitglied der Preßkommisston Vinte. Mariendorf, dem Bezirkstag zur Wahl empfohlen. Ein Antrag des Genossen Marquardt, der angenommen wurde, verlangt, daß die Preßkommission aus je einem Vertteter der 20 Kreise Groß-Berlins bestehen und die Wahl dieser Genossen in den Kreisen selbst vorgenommen werden solle.— Die Sreisvertreterversammluvg des 16. Kreise»(Köpenick) am 20. Juli nahm zunächst den Bericht des Vorsitzenden Gen. Wißler von der Sitzung des Bezirksvorstandes entgegen, welcher bezügsich des Gutsarbeiter st reiks eine lebhaft« Debatte hervorrief. Die Borschriften unter II 6 Abs. 2 der Richllinien sollten vom Vor- stand einer Prüfung dahingehend unterworfen werden, ob es zweck- mäßig ist, daß zu den Kreisvertteterversammlungen die Abteilungsvorstände außer den Delegierten hinzugezogen werden müssen, da hierdurch kleinere Abteilungen mehr Vorstandsmitglieder als Dele- gierte zu den Tagungen entsenden können. Eine sehr ausgiebig« Debatte entspann sich über die bevorstehende Verteuerung der Lebensmittel und Wohnungsmieten. Man war der Meinung, daßseitensunsererGenossenindenParla. menten alles aufgeboten werden muß, um die Der- teuerung hintonzuhalten, bzw. eine gleichzeitige Erhöhung der Löhne und Gehälter durchzuführen. Zum Görlitzer Parteitag werden besondere Anträae nicht gestellt. Als Delegierte sollen die Genossinnen Hanna und Wachenheim unterstützt werden._ Srsy-Serlkner parteinachrickten. Achtung, Detriebsoertrauensleuke, Parteifunktionäre! dl«»» Sonntag, d«n 31. In«, ftnttsind«nde«emonsttation find non «Ine«»«ih« non«reisen die Plakat« zn»««»hang in den«eiriesden nnd B«r- kehr-lotalen noch nicht adaehaU worden.«I» bitten, dien nnoer, üglich noch. jnfcolen.(«ekretartat,»tndenftr. 3, 2. pol, linket«nsgang, 2 Trrpnen.) Ferner wird nochmal» dar ans ansmrrksaw gemacht, daß dt« Ordner für dtrs« Dewan- stration sich rechtzeitig am Sonntag normittag an der dekannten Stele einfinden. heute. Donnerstag, den 2S. Juli: 7.«rein Sharlottenbnrg. Wegen der Friedenademonstratton am SL Juli findet da« Waldfeft erst am 7. August statt. 11.«St 7 Uhr wichtige Funktionär,'chung dei Murrer, Taprivistr. 8. 7».«bi. Schöneberg. 8 Uh- bei Nitsche. Siegfriedstr. S. wichtig« Sitzung de« Frflausschusseo. Jeder Bezirk entsendet zwei Vertreter. Staunlln. 92, Abi. 7 Uhr wichtig« Funktianärsttzung bei Wolfs, kkaiser-Fried- rich-, ade Rosegaerstraße. All« Funktionäre müssen anwesend sein, ba wichtige» Material ausgegeben wird.—»3. Abt. 8 Uhr dringende Funk- tionärsitzung bei Drescher, liranoldplatz. Wichtige Tagesordnung. Znuglozt-Ästen. Gruppe Fried rlchohagen: 7>? Uhr bei Schulz. Frtedrichstr. 81, Vortrag.— Friedrichoh-iu! 7H Uhr im jt-nferenzzimmer der Semeindeschule Straß. mannstr. 8, Vortrag: ,,Die großen Utopisten*.— Senlölln: beteiligt sich an Treptow.— Süden: 7dh Uhr Zuristische Eprechswnd«, Lindrnstr. 8, Vortrag: „Mar Barth«!*, Referent Genosse Fritzsch«.— Tempelhos-Rariendorf: 7H Uhr im«inderbort-Üyzeum, D-rmaniastraß«, Vortrag:„stulturaufgabeu der Sozialdemokratie*.— Teeptow: 7% Uhr fan Jugendheim SIsenstr. 8, Bortrag:„Zean Zourdo*.— Vieleseldfahrer: 1. Gruppe: Treffpunkt Uhr pünktlich Lehrter Bahnhof! Gruppe Norden: 7 Uhr Besprechung bei Sadewasser, Sprengelstr. 8, Treffpunkt H10 Uhr Lehrter Bahnhof(Hofe». fette). Morgen, Freitag, den 23. Zull: 37.— II. Abt., 2. ktrel« Tiergarten. DI« Frauen de»«reife» Tierggrten veran. stalten ein«offeelochen. Treffpunkt nachmittag» 3 Uhr Restaurant Biesen- arund, am Spandauer Schiffahrtskanal. Um zahlreiche Beteiligung bittet die Kreisleitung. «2. Abt. 7 Uhr Funktianärsttzung mit Betriebsvertrauensleuten bei Dose, Nord» Hafen b. Erscheinen aller unbedingt erforderlich. Zungfazialisten. Abt. Schönebeeg• Friedenau: Uhr bei Riefe, Akazien. straße 11, Bortrag:„Da» Parteiprogramm*. Referent Genosse Brasch. » Bunan. Konntaa, den 81. Juli, vormittags mo Uhr, öffentlich, Bollsnerfamm- lung im Elystnoi. Referent Regierung» rat Genoss« v. Harnack, Berlin; »ZU« miedet Stiegt*_ ?ugenüveranstaltungen. heute. Donnerstag, den 2S. ZuN: Lankwitz: Sepdlitzstr. 8, Bortrag:„Geschichte der deutschen Arbeiterbewe- aung*.— Rorden: Schul« Putbuser Str. 3/1. Vortrag:„Religion, Staat und Eozlaliamuo*.— Osten(Stralnner viertel): Raglerftr. 8, Vortrag:„Erziehung »um L-b-nokameraden*.— Schmargendorf: Brette Str. 88, Bortrag:„Pariser Spmmune*. Kits aller Welt. Großfeuer bei Litterfeld. In der Rübenfastfabrik von Haensch und Co. in Sanderedorf brach ein Großfeuer aus. Selbst- entzündunq soll die Ursache des Brandes sein, durch den die Fabrik zum größten Teil eingeäschert wurde. Ueber die Höhe des Schadens konnte bis zur Stunde noch nichts festgestellt werden. Die Fabrikerplosson in Krlewald. Wie verlautet, entstand die Explosion der Pulverfabrik Lignose in Kriewald(bei Gleiwitz) bei der Vornahme von Versuchen. In Kriewald und Scki-'lowitz sind fast sämtliche Fensterscheiben durch Luftdruck eingedrückt und die Dächer vieler Häuser abgerissen. Auch in dem benachbarten Knurow entstand erheblicher Sachschaden. Die Fabrik selbst ist auf das Schwerste beschädigt und kann erst nach längerer Zeit den Bettieb wieder aufnehmen. 14 Tote und 26 bis 30 mehr oder weniger schwer Verletzte wurden festgestellt. Man vermutet, daß noch fünf Leichen unter den Trümmern begraben liegen. Der Brand der Fabrik wurde erst spät nachmittags gelöscht. Riesige Waldbrände in der Rheinpfalz. Als Folge der Hitze und Trockenheit sind in der. Rheinpfalz im Verlauf der letzten 4L Stunden drei riesige Waldbrände ausgebrochen, die augenblicklich noch andauern und bisher schon einen Schaden von etwa 6—7 Mil- lionen Mark an den Waldbeständen verursacht haben. Die Wald- brände wüten bei Homburg, Kaiserslautern und bei Maximiliansau: es sind zusammen etwa 50 bi« 70 Hektar Kiefern- und Fichtenbestände sowie Hoch- und Niederwald vernichtet worden. Zur Bekämpfung der verschiedenen Brände sind die Feuer« wehren von etwa 14 Ortschaften, ferner die Dorfbewohner und mehrere hundert Mann der französischen Besatzung»- truppen aufgeboten. Um die Eindämmung der Brände herbei- zuführen, mußten vielfach sogen.:Feuergassen geschlagen werden. Die Eisenbahnlinie von Kaiserslautern nach Enkenbach ist durch einen Waldbrand ebenfalls bedroht. Wetter bi» Freitag mittag: Sehr warm und schwül, vielfach heiler, aber sehr veränderlich und besonders im Westen ziemlich zahlreiche, meist schwache Gewitter. WirtslHaft Stinnes und seine 600 000 Arbeiter. Der deutsche Industrielle hat sich bis vor kurzer Zeit von einer Betätigung in der Politik im allgemeinen ferngehalten. Er ging von der nicht ganz unrichttgen Ansicht aus, daß eine politische Tätigkeit nichts einbringt, und daß man die dafür verwendete Zeit nutzbringender seinen Geschäften und Unternehmungen widmet. Gelegentliche Ausnahmen, zu oenen in erster Reihe der inzwischen längst verstorbene Freiherr von Stumm gehörte, bestättgen nur die Regel. Zumeist schickte man die Rechtsanwälle, Oberlehrer, Pro- fessoren und andere studierte Herren vor, von denen man genau wußte, daß ste bei der Stange hiellen und die Interessen ihrer Auftraggeber geschickter wahrnahmen, als diese selbst. Die Arbeit in den Generaloersammlungen. Börsensälen jind bei den Verhandlungen mit den in- und ausländischen Geschäfts- freunden war und ist eben eine ganz anders geartete, als die in den Parlamenten, Plenar- und Ausschußsstzungen, Wandelhallen und Vorzimmern der Minister. Und unsere Herren Unternehmer waren intelligent genug, um zu wissen, daß niemand gleichzeitig ein guter Kutscher und tüchtiger Karrenschieber sein kann. Also blieben sie selbst lieber auf dem Kutscherbock und überließen das Karrenschieben ihren Beauftragten.— Wenn sich auch in diesen idyllischen Verhällnissen nach der Re- volution einiges geändert hat, und ein Teil unserer Unternehmer sich heute mehr denn früher auch in der Politik seine Sporen zu verdienen ttachtet, so kann man wohl annehmen, daß die meistssn von ihnen hierbei mehr der Rot als dem eigenen Triebe gehorchten. Sie mußten, da nun einmal die Listenwahl eingeführt ist, ihre Namen dazu hergeben, um als„große Kanonen* der Rechtsparteien die Blicke der bürgerlichen Massen auf sich zu lenken und diese über die Nichtigkeit und Inhaltslosigkeit des rasch zusammengezimmerten Parteiprogramms hinwegzutäuschen. Die Führer der Rechtsparteien haben dabei ganz richtig spekuliert. Sie wissen ganz genau, daß in der bürgerlichen Well der Name eines Prominenten mehr zieht, als das beste und überzeugendste Programm.— Namentlich, wenn dieser Name Hugo Stinnes lautet, knüpft sich doch an ihn für die gesamte Bourgeoisie die Idee märchenhaften Reichtums und bisher nie dagewesener Erfolge. Der gute Herr Stinnes selbst dürfte diese Popularität mit einem ttockenen und einem feuchten Auge betrachten, vielleicht jetzt sogar mit zwei feuch- ten Augen. Denn seiner Intelligenz dürfte es nicht entgangen sein, daß er in Politik und Parlament, sagen wir einmal, nicht die glück- liche Hand hat, wie bei seinen geschäftlichen Unternehmungen.— Schließlich kann auch die stärkste Natur es nicht verttagen, wenn sie aus jedem Zeitungsblatt mindestens einmal ihren Namen liest: Stinnes und Rheinelbe: Stinnes auf der Generalversammlung der Hapag: Sttnnes im Reichstag und Stinnes im Reichswirtschafts- rat: Stinnes auf der Kurpromenade in Karlsbad(wer dächte dabei nicht an die berühmte Begegnung Goethes mit Beethoven?) und Sttnnes in Spa. Wer sollte da nicht von seiner eigenttichen beruf- lichen Tätigkeit, dem»monnay-matttng*(amerikanischer Ausdruck für Geldverdienen) abgehalten werden? Nachdem nun einmal dieser in gewisser Hinsicht zweifellos be- deutende Mann in der Oeffenllichkeit eine so hervorragende Rolle spielt, hat diese ein Interesse daran, Herrn Stinnes nicht nur durch die Brille des eiftigen, zeilenschindenden Reporters zu. sehen, sondern auch einmal ein ungeschminktes Bild von dem Wesen dieses Mannes und seiner Unternehmungen zu erhalten. Es ist daher nur zu be- grüßen, daß kürzlich eine Broschüre erschienen ist(Stinnes und seine 600 000 Arbeiter. Bon Kurt Heinig. Berlin 1921. J.H.W. Dietz Rachflq. G. m. b. H.. Stuttgart, und Buchhandlung Vorwärts G.m.b.H., Berlin. Preis 2,50 M.), welche uns eine sachliche Dar- stellung der Entwicklung und der heutigen Bedeutung der Firma Sttnnes und ihres jetzigen Inhabers gibt. Die sehr lobenswerte Broschüre enthäll zunächst die Geschichte der Firma Sttnnes und schildert sodann Herrn Hugo Stinnes in seiner Eigenschaft als Unternehmer, als Zeitungsverleger, als Polittker, in seinen Be- Ziehungen zum Steuerfiskus, zum Ausland usw. Jedes einzelne Kapllel ist packend und gemeinverständlich geschrieben, so daß es nicht wunderbar erscheint, daß innerhalb 4 Wochen bereit» 40 000 Exemplare der Schrift verkauft sind. Ein Beweis dafür, daß die Arbeiterschaft bestrebt ist, näheres über den Mann zu erfahren, der heute im ganzen In- und Ausland als der Prototyp des deutschen Großunternehmers gilt. Namentlich sollte kein Betriebsrat versäumen, die Broschüre zu lesen. Sie wird ihm mehr als da» Studium dickleibiger Bände Ausschluß geben über gewisse Begleiterscheinungen der deutschen Wirtschaft, ja ste wird Ihn überdies einen Einblick verschaffen in die Zusammenhänge der Großunternehmungen. Und vielleicht wird auch mancher zum Nachdenken angeregt werden, wie derartige Machtanhäufungen in einer Hand überwunden werden können. Denn daß eine»Stinnesterung der Wirtschaft* nicht der Weisheit letzte» Ziel ist, werden nachgerade auch eine Reihe von Richtfozia- listen begriffen haben._ Bedenkliche Angeboke. Dom Zentrolverband de» Deutschen Bank- und Bankiergewerbes wird uns geschrieben: Seitens unseres Verbandes und anderer berufener Stellen ist wiederholt vor der Beteiliqung bei einer nach dem sogen. Schnee- ballsystem arbeitenden„Anhaltischen Spar- und Dar- lehensgesellschaft m. b. H.*, jetzt in Leipzig, gewarnt worden, welche Einzahlungen kleiner Sparer unter In- aussichtstellung von Provistonen für weitere dem Unternehmen zu- geführte Kunden(„Kinder* und»Enkelkinder*) auf lange Fristen an sich zu ziehen sucht. Das System, nach welchem die Gesellschaft arbeitet, ist bedenklich und eine Gefahr für die Ein- leger, auch wenn es sich bewahrheitet, daß der Gründer des Unter- nehmens, der hinlänglich bekannte August Rettig, mit dessen Ver- waltung jetzt nichts mehr zu tun habe. Neuerdings oersendet ein Herr H. Weßling zu Berlin SW. 47 Aufforderungen zur Zeichnung von Aktien einer„Gemeinnützigen Kreditakttengesellschaft*, in welche die vorerwähttte Gesellschaft m. b. H. umgegründet werden soll. Beil dem Gebrauch des Wortes„Gemeinnützig* für ein Unter- nehmen dieser Art handelt es sich um eine gröbliche Irreführung des Publikums.— Dringend zur Dorsicht geraten werden muß vor den in letzter Zeit verschiedentlich erscheinenden anonymen Zeitungs- inseraten, in denen Kapitalisten aufgefordert werden,„ihr Kapital gegen Wegsteuerung zu schützen*, indem sie es dem Inserenten für geschäftliche Unternehmungen anvertrauen. Auf vielem Wege findet vielfach eine sehr viel wirksamere und durchgreifendere Enteignung der betreffenden Kapitalisten statt, als durch die rigoroseste Steuer- gesetzgebung._ Ermäßigung der Leikräge zur kohlenwirkschaflsstelle. Die Preußische Kohlenwirtschastsstelle in den Marten teilt mit: Die Preußische Landeskohlenstelle hat mit ministerieller Ermächtigung und im Einoernehmen mit den beteiligten Landesregierungen die von den meldepflichtigen Derbrauchern zu leistenden Beitröge ab- geändert und mit Wirkung vom 1. Juli d. I. ab wie folgt festgesetzt: Beiträge für Steinkohlen, Steinkohlenbrikett», Zechen- und Gas- kots 0,40 M. für die Tonne, für Braunkohlenbriketts, böhmische Braunkohlen 0,26 M. für die Tonne, für Rohbraunkohlen, Schlamm- kohlen, Steintohlengrus, Koksgru» 0,10 M. fürd ie Tonne. Die er- mäßigten Beiträge werden für alle vom 1. Juli 1921 ab bezogenen Kohlenmengen in Ansatz gebracht. Herabsetzung der Schiffsralen.»Times* meldet, mit Rücksicht auf die von ausländischen Schiffahrtsgesellschaften, besonders den deutschen, angenommenen niedrigeren Frachtsätze hätten die britt- schen Schiffahrtsgesellschaften beschlossen, die Frachtrate« zwischen dem Vereinigten Königreich und Indien herabzusetzen. Di« Der- Minderung beträgt 40 Proz. für die Fracht nach Gewicht, und 25 Proz. für Frachten nach Maß. Einheitsfront aller MrbeitenSen. Seit langer Zeit sind Bestrebungen im Gange, die darauf hinauslaufen, einen Zusammenschluß der beiden großen Spitzen. organisationen der Arbeiter und Angestellten, des ADGB. und der Afa, mit der Spitzenorganisation der Beamten, dem Deutschen Beamtenbund, herbeizuführen. Wir haben unsere Leser über den Gang der Verhandlungen fortlaufend unterrichtet und sie auch nicht im Dunkeln gelassen über die Widerstände, die dieser Zu» sammenschluß von einigen Arbeiterorganisationen ersuhr. Nunmehr scheinen die Verhandlungen einen gewissen Abschluß gefunden zu haben. Nach den Meldungen bürgerlicher Blätter ist von den Spitzenorganisationen ein Abkommen getroffen worden, das wahr. scheinlich die Zustimmung der maßgebenden Körperschaften finden dürfte und das folgenden Wortlaut hat: „Zur wirksamen Vertretung des gemeinsamen Interesses der Arbeiter, Ange st eilten und Beamten vereinbaren die unterzeichneten Spitzenorganisationen unter Wahrung ihrer vollen Selbständigkeit und unter Ausschluß aller parteipolitischen und religiösen Bestrebungen folgende Abmachungen: 1. Die drei Spitzenorganisationen verpflichten sich und die an- geschlossenen Verbände, In der Wahrung der gemeinsamen Ar- beiterinteressen zusammenzuwirken. Jede Organisation at ihr eigenes Programm selber durchzufahren. eschlüsse über gemeinsame Handlungen sind auf dem Wege der Verständigung herbeizuführen. 2. Alle beteiligten Verbände erkennen ihren organisatorischen Besttzstand gegenseitig an und werden sich jeden agitatorischen Ein- griffs in die Mitgliedschaft �eines anderen beteiligten Verbandes Organisatorische . Ving' werden. enthalten. Organisatorische Streitigkeiten sollen im Wege gütlicher Schlichtung behoben, bestehende Unstimmigkeiten baldigst beseitigt 3. Die beteiligten verbände stehen auf dem Boden der demokratisch-republikanischen Verfassung des D e u t s ch e n R e i ch s. Sie verpflichten sich, jeder Verletzung und jeder ungesetzlichen Äenderung dieser Verfassung im Reich und in den Ländern geschlossen entgegenzutreten, aber jede poltrisch« und religiöse tteb erz eu gu»g m tyren Mttgtieder- kreisen unbestritten zu dulden. 4. Für die Stellungnahme zu wirtschaftspolitischen Fragen und ein« gemeinsame Einwirkung aus die Wirtschaftspolitik durch die Beamten-, Angestellten- und Arbeiteroerbande ist richtung» gebend die Lage der Mitglieder als Arbeitnehmer und Verbraucher. Erster Grundsatz in der Wirtschaftspolitik soll fem, daß stets das Allgemeinwohl den Privat- interesfen voranzustellen ist. S. Diese Vereinbarung gilt auch für die örtliche und bezird »SrttMtv*/* Sn*- i-l r �— I � C.*!— Vi. liche Gliederung der beteiligten Spitzenorganisationen sowie für die Fachgruppen der angeschlossenen Verbände, soweit Beamte, Ange- stellte und Arbeiter in Betrieben und Verwaltungen den gleichen Arbeitgebern unterstehen." Am Anfanp der freigewerkschastlichen Arbeiterbewegung standen die Arbeiter. Die Angestellten und insbesondere die Beam- ten glaubten besondere Standes interesfen wahrnehmen zu Müs- sen und waren dem Gedanken der freigewerkschastlichen Organisa- tion sehr schwer zugänglich. Bei den Angestellten liegt der Wan- del in der Auffaflung schon weit zurück. Unter der Macht der Verhältnisie und der tatkräftigen Führung des jetzigen Zentral- Verbandes der Ange st eilten gelang es, die Angestellten davon zu überzeugen, daß sie gemeinsam mit den Arbeitern zu kämpfen haben, um eine Besferung der Lebensbedingungen des ar- bettenden Volkes zu erreichen. Die Gründung des Afa» Bunde« war die Krönung dieses Wertes, war die Schaffung der Einheitsfront zwischen Arbeitern und Angestell- ten, die seitdem als Proletarier den Kampf der Arbeit führen. Zwischen diesem Verschmelzungsprozeß und dem Heute liegt nur eine kurze Spanne Zeit, aber seitdem sind wir einen schönen Schritt vorwärts gekommen. Die Einheitsfront der Ar- beiter, Angestellten und Beamten marschiert. Die eben mitgeteilten Abmachungen sind der Anfang, den wir freudig be- grüßen. Manches wird an ihnen auszusetzen und zu ändern sein, aber wir wollen nicht vergessen, daß es sich um ein Kompromiß handelt, das nur den Rahmen abgeben kann für das, was werden soll. Und dieser Rahmen darf nicht verletzt werden, ein Zzarliverhinausgehen ist für jeden sozialisti- schen Arbeiter und freien Gewerkschafter uner- trä glich. Wir respektieren die politische Ueberzeugung des Geheimrats ebenso wie die des letzten Arbeiters. Aber die Betätigung im Sinne dieser politischen Ueberzeugung ist gebunden an den Punkt 3 der Abmachungen, der den Vertragsparteien die Verpflichtung aufer- legt, gemeinsam für den Schutz der jetzigen Verfassung vor jeder Verletzung und ungesetzlicher Äenderung zu schützen. Schutz der Verfafsung der Republik! Das All- gemeinwohl vor das Privatinteressel Das ist die Plattform, die den Zusammenschluß ermöglichte, auf der'sich die Einheitsfront aller Arbettenden formierte.— Die Zukunft wird lehren, ob jene recht haben, die diese Einigung für nicht im Inter- esse der Arbetterbewegung liegend ansehen oder jene, die glauben, daß dies der einzige Weg sei, die Beamten dem fr ei gewerk- schaftlichen Gedanken zugänglich und so nach und nach ganz zu einem Teil der freien Arbeiterbewegung zu machen. Im Interesse aller Hand- und Kopfarbeiter hoffen und wün- schen wir, daß die eingegangene Verbindung— ausgebaut im Sinne der freigewerkschaftlichen Arbeiterbewe- g u n g— einschlagen wird zum Wohle aller daran Beteiligten. Briefkasten üer Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt.— Jeder für den Brief- kalten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. Z, 1. Hos pari, links, H.<5. vor. Schriftstücke und Vertrüge sind mitzubringen. Der Anspruch dürste Ihnen nicht zustehen. Versuchen Sie es aber. Nichten Sie zunächst einen Antrag an Ihr» Behörde und dann an die Allgemeine Ortskranlenkasie.— 0. 1. Stellen Sie durch'-■~■ fiencht in Eisenach fest, ob der Verein überhaupt noch existiert. o raten wir, den Pcrcinsbeitrag sofort obzusei' ie beim Amts- nicht etwa verlustig gehen.— '' lichen Bestimmungen.—?. NM Venn der iluh dagegen «.»1. IM(flagno). ! steht er noch, zusenden, damit Sie Ihrer Rechte Die Berechnung entspricht den ge- .— g»•-- ... Maßgebend ist cht verstdht, kann er nicht beanstandet werden.— end ist das Drtsstatut. F. IM(Zriedrichswald).») Ja, sofern die Voraussetzungen des Z 2« RBE. vorliegen, b) Da« ist unerheblich. Arn 25. Juli verschied nach kurzer Krankheit der Führer der Deutschen Zentrumspartei und Vorsitzende der.Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages Seine Exzellenz der Staatssekretär a. D. Kar! Trimborn Im Alter von 67 Jahren. Die Deutsche Zentrumspartei und die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages wird ihren großen Führer nie vergessen. In tiefer Trauer: Die Deutsche Zentrumspartei: Burlage. Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages: Becker-Arnsberg. Die Beisetzung findet am Freitag, den 29. Juli, vormittags 10 Uhr, in Unkel a. Rh, statt Nach langen Leiden wurde unser lieber Mitarbeite�, der Buchbinder Paul Jahn Im 67. Lebensjahre von seinem einsam und steud- los gewordenen Dasein erlöst. Wir werden dem um die Arbeiterbewegung hochver dienten Mann ein ehrende» Andenken dewahren. personal unck GeschBtts- leitunK der„Vorwart»"- Buchdruckerei. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. Juli, nachmittags Ist, Uhr, von der Leichenhalle des Neu- iöllner Demetndesriedhofes. Mariendorfer Weg, aus statt. Karosserie-«.Wagenbau! Heute, Donnerstag, den 2S.ZulI, abends S'/zUhr bei L o et er. Weberfir. 17: Vollversammlung aller in den Wagen« und Karosseriefabriken beschäftigte« Arbeiter«nd Arbeiterinnen Tagesordnung: L Stellungnahme zum Rahmenabkommen. 2. Stellungnahme zum Lohuabtommea. va» NaticB der Ocganifolionra M/15 der Magen-».»arosseriesobr ite» Nerliu»». Ausgegeah Mmeine fimtlonienlDiie Kit uro SIMtliit W«. verein Berliner BucNrucher und SchMgieker Montag, den l. August, nachm. S>/, Ahe: Mmideiitl. semliliiersliMW im Gewertschastshau», Engelufer 14/ IS lageoordauug: Bericht von der Gauvorsteherkonferenz«nd de« Beschlnffen betr. die Wirtschaftsbeihilfe Di« Vertrauensleute, Druckereikassierer und Teneralver- sammlungsdelegierte sind zu dieser Versammlung eingeladen. Ohne Legitimattvu kein gutritt. 41/12« Der Gaudorstand. Ankauf Juwelen LMargraiACo., Kanonientr. 9. JaraebaateL Reicher, � m ..Reell" wirkt Wunder nach 3 maligcm Einreiben. So od. ähnl. lauten viele Ane» kennungen. SL3R.llu.ir Otto»Sichel. Berlin 43. — SO, Eisendahnstraße 4— besond. Zeiss u. 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August 1921 eingereicht« Wahlvorfchll Die in den Wablvorschlägen einzeln bezeichneten Bewerber sind unter sortlautenden Nummern auszusllhren, weiche die Reihenfolge ihrer Benennung auodrückt, und nach Familien und Vornamen, Beruf und Wohnort zu bezetchnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber. Kit dem sie beschäftigt sind. anzugeben. Mit den WahlvorschMgen für Versicherte ist von jedem Bewerber«Ine Trllärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl dereit ist. Die Wahlvorschläge müssen von mindesten« 1» Wahl berechtigten der detrestenden Gruppe mit zusammen 30 Stimmen unterzeichnet sein. In jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Vertreter de» Wahlvorschlaäe» und ein Stellvertreter sllr ihn au« der Mitte der Unterzeichner zu benennen. Der Wahlvorschlag»- Vertreter oder sein Vertreter ist berechtigt und verpflichtet, dem vormttMg« zur Ein- -. stribl während der Dtenststunden von S— 1 Uhr ficht aus. Die Ardettgeder» und MitgNederverzeichnllse können bis zum 14. August 1621 behus« etwaiger Einsprüche gegen die Richtigkeit der sich au« den Verzeichnissen ergebenden Wahl- und Stimmberechtiguna im Rassenlotal während der Dienststunden eingesehen werten. Einsprüche find dt, zum 14. August 1921 unter Betfügung»VN Beweismitteln bei dem Vorstande zu erheben. Die Stimmabgabe ist an dt« rechtzeitig eingegangenen . Wahlvorschläge gebunden. Die Wahlvorschläge werden in der I Reiheniolg« Ihres Einganges in der detrestenden Gruppe mit , Ordnungsnummern versehen. Dil für jeden Wablvorfdilag in Betracht lammend« Orbnung»nummer wird van dem Vorstand ! mittel« öffentlicher Bekanntmachung mitgeteilt werden. Sind auf güliigenWahlvorschlägen im ganzen nur so vteic wählbare ! Bewerber benannt, wie Vertreter zu wählen sind, so gellen i sie als gewählt. Sind weniger Bewerber vorgeschlagen, so Selten dies« ebenfalls als gewählt: wegen der noch fehlenden lertreter, sowie wegen der erforderlichen Ersatzvertreter ist jedoch alsbald ein» neue Wahl vorzunehmen. Dt« Ellmmadoab» am Tage der Wahl erfolgt durch einen Stimmzettel, welcher die für die detreffende Gruppe bezeichnete '...... i« Stimmfein. gebet Allg-SttskiMenM MöerliN'MMos. Bekanntmachung betr. Ausschutzwahl. Da zu der am 1. 3. bzw. 2. 8. er. anberaumten Wahl nur i« ein ordnungsgemäßer Wahlvorschlag von seilen der Serren Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer eingegangen ist, so gelten die Vorgeschlagenen al» gewählt. Die Liste der Arbeitgeber enthält 1b Vertreter, beginnend mit dem Namen Ernst Rricaler und endigend mit Rarl Nitzsch«, sowie 24 Ersatzvertreter, de- ginnend mit dem Namen B. Noack und endigend mst Ludwig Äu�« Di« Liste der Ardeitnehmxr enthält 30 Vertreter, beginnend mit dem Namen Gustav Radide und endigend mit Alfred Rlafske, sowie«0 Ersatzleute, beginnend mit dem ZIamen Hermann Stretch und endigend mir Hermann Stoff. Die für den 1. 8. und Z. 8. 21 anberaumten Wahlen finden daher nicht statt. Anfechtungen gegen die Glll- tlgkett der Wahl sind tnnerhatb einer Woche bei dem unter- zeichneten Vorstand anzudringen. 7/12 Berlin-Tempelhof, den 22. Iult 1921. See vorstand der ANgem. Ortstrantentass- für Berlin-Tempelhof. (gez.) Paul Röllmer, 1. Vors. �kietesg zodo» 1l.-24.Au;DSt.i G «!!«- elMntte 26673-OeldBow. zun. IMllllOSSH. iooooo | BOOOO f 700001 " 60000 r I 50000 Lose zu 6 M. Postgebühr nad Gewinn- liste 1,49 Mk. jS ••atertieit-�510*40 Pl- Äepfeh«;.. 3™ Birnen 200 Mohrrüben......... pt«nHtspieIs etc. j �EPumjjULOoaoeuMddicAw�mpopOBPQOOi�w�w� n■■■ wmvwwywh m Staatsoper Sotnmersastspiel Leitung Gustav Bergmann Sie Htve ___ 7'/. Uhr__ Deutsches Theater 7V, Uhr: Potasch u. Perlmutter Frt.71/,: Potasch u. Perlmutter Kammersitiele 7Va Uhr: Der Herr, der die Maulschellen kriegt FrLT'/a Uhr; Der Herr» der die Maulschellen kriegt Gr. Schanspielhaas (Karlstraße) 8: Die Weber(Auß Abonn) Frt 8: DieWeben Auß.Abon.) Berliner Theater Allabendlich 7*> Uhr: Volksbühne Theater am BQIowplatz. i/hr: Der Kaiserjäger Lessing-Theater Allabendlich 71/, Uhr: Die Ballerina des Königs (Leopoldine Konstantin) Dentsehes KQflstler-Theater 8 Uhr: Der Herr Verteidiger. Neil, Gebühr, Kaiser- Titz Komisehe Oper T8/« Gastspiel Alfred Läutneri Der fidele Bauer. Berliner?rater Kastanien-Allee 7—9 Täglich'/< S Uhr: :: Variete:: Wenn Engel streiken! Operette in 3 Akten Theater amKottbiiserTor Kottbuscr Str.6 T el.MpI»16077 Slite-Sänger Vom 15. bis 31. Juli Täglich 7>/i Uhr: Gaslsp. der Original- leipziger-FHtx weber. Sänger Vorverk. 11— l1/« u. 4—6 Uhr Am I. 8.: Wiederauftreten der Elite» Sflnger Theater i. d. Könlggrätzer Str. Flur noch 4 Vorftellnngen! 7.30 U.: Glaube und Heimat Freit.: Der G'wlssenswurm So.; Die Kreuzelschreiber Sonntag: Weibsteufel Komödienhans 7.30 Uhr: Der blonde Engel Cenrral-Tlieater 8 Uhr: Jlonka Prledr.WIlhelnist.Tli. uhr: nie Kleine ans der Hölle Kl. HcliitnnplelJtnna 7',-uhr Reigen Kleine« Xbcater 7'/.u.! Casanovas Sohn netro pol- Theater Jh? Die blane Naznr hl«»«« Oper«tt«ntheat. TVjUhr- American— Girl ReHldenz-Theater VI, Uhr Mo* Adalbert in 1919(Ab dafür!) •ehll ler-Xliont.Chiirl. Operettenspielzeit u�MeineFrau-ilas Fräulein Thalia-Theater 7'/, uhr. Mascottchen T h.am M o Ueii do rfK>l(itvi JhLDer Vetter ans Dingsda Thenter d«« Westens Volkstümliche Preise! Uhr' Morgen wieder lusük! Trianon-Theater u!; Lady Windcnner. Fächer Th.i.d.konimandäntenstr. 7/. uhnDie Dielenhexe Wallner- Theater 7vJuhr:Zigennerllebe Walhalla Theater Scheidungsreise Jtdmirals-�alast 7� 2 Uhr: Abrakadabra Feiles Caprice Linienstr.l32.amOranienbg.1. Täglich 8 Uhr; Prinzessin vom Nil Operette in 3 Akten Musik von Victor Hollfinder mit Prfinzl Blenke, Max Wa den. Käthe Jungherr usw. — Kene Welt— Arnold Scholz Hasenheide 108—114. Donnerstag, 28. Juli 1921; Konzert und Speziall. ... täten. Vorstellung.. GroB. Kunst- und Fronl.Feuerwerk A. vieis. 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Juli 1921 er- folgt; wo Abzüge im Sinne der Werbungskosten und sonstige abzugs- fähige Aufwendungen nicht schon beim Steuerabzug in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1921 berücksichtigt sind, erhöhen sich zum Aus- gleich dieser Abzüge die vorgesehenen Ermäßigungen für den in der Zeit vom 1. August bis 31. Oktober 1921 gezahlten und bis zum 31. Ottober 1921 fällig gewordenen Arbeitslohn a) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Stunden auf 9,40 M. für je zwei angefangene Stunden oder volle Stunden, b) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Tagen auf 1,49 M. täglich, c) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Wochen auf 8,49 M. wöchentlich, 6) im Falle der Zahlung des Arbeitslohns nach Monaten auf 35 M. monatlich. Wichtig ist noch: Wenn das gesamte steuerbare Einkommen 24 999 M. nicht über- steigt, so gilt die Einkommensteuer vom Arbeitslohn für die Zeit vom 1. April 1921 bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes durch den für diese Zeit vorschriftmäßig bewirkten Steuerabzug als getilgt. Bei höheren Einkommen werden auf die endgültige Einkommensteuer für 1921 die vom 1. April 1921 bis zum Inkrafttreten des Gesetzes vom Arbeitslohn einbehaltenen und vorschriftsmäßig oerwandten Beträge angerechnet. Um öas neue Parteiprogramm. Bis in die tiefsten Geheimnisse des sozialdemokratischen Parteilebens ist das TU.-Bureau eingedrungen, das folgendes zu melden weiß: Wie wir aus den Kreisen der Ausschußmitglieder er- fahren, wird der Entwurf des neuen sozialistischen Parteiprogramms. über den der nächst« Parteitag Beschluß fassen sollte, entweder vorher zurückgezogen oder nach kurzer formaler Debatte an den Ausschuß zurückverwiesen werden, und zwar deswegen, well es sich gar nicht um den richtigen Programmentwurf handelt. Der Parteitag hatte S Ausschüsse mit der Bearbeitung eines Pro- grnmmentwurfes beauftragt. Diese Ausschüsse hatten ihre ganz be- sonderen Gebiete zu bearbeiten und sollten dann in gemeinsamer Sitzung das einzeln bearbeitet« Material gegenseitig vergleichen, er- giinzen und bearbeiten. Statt dessen erhielten die Ausschußmitglieder plötzlich den später veröffentlichten Entwurf mit der Aufforderung, sich innerhalb 3 Tagen dazu zu äußern, ohne daß auch nur eine Gesamtfltzung stattgefunden hätte. Die meisten Ausschußmit- glieder lehnten denn auch diese Zumutung ab. Trotzdem erschien nach drei Tagen im„Dorwärts" der Entwurf als angebliche Arbeit der vorbereitenden Ausschüfle. Der Entwurf ist inzwischen von nahe- zu sämtlichen Bezirksstellen abgelehnt worden. Wer die Entwicklung dieser Angelegenheiten nach den Ber- öffenllichungen des„Vorwärts" verfolgt hat, merkt sofort, daß sich das TU.-Bureau aus diesen Veröffentlichungen, befon- ders aus dem Artikel des Gen. Q u a r ck, eine eigene Infor- mation zurechtgeschustert hat, die richtig ist, soweit sie Be- kanntes wiederholt, und unzuverlässig ist, soweit sie sich in Vermutungen ergeht. Daß ein Mitalied der Programm- kommission einem TU.-Derichterstatter fein Herz ausgeschüttet hat, halten wir für ausgeschlossen._________ Der Zoll§rauenüo?fer. Wie wir gestern abend mitteilten, taten sich die scheindemokra- tischen„Münchener Neuesten Nachrichten" in der chetze gegen Frauendorfer ganz besonders hervor. Der R e ch t» b e i> stand des Derstorbenen hat nunmehr den„Münchener Neuesten Nachrichten" ein umfangreiche» Schreiben zugehen lassen, worin es heißt: „Ihre Angabe, daß das Gericht ein Strafverfahren oder eine Voruntersuchung gegen Herrn v. Frauendorfer eröffnet hat, ist nicht richtig. Richtig ist nur, daß gegen Frauen- dorser ein staatsanwaltschaftliches(Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Unwahr ist, daß die Voruntersuchung „keinen Zweifel mehr an der Straffälligkeit" dessen zuließ, was Frauendorfer getan hat. Di« Ermittlungen, die noch keines- weg» abgeschlossen sind, sollen vielmehr erst die Klärung des Verdachtes bringen." Hossentlich genügt diese Berichtigung, um der unanständigen Verleumdungsmethode gegen einen Toten endlich Einhalt zu ge- bieten. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" haben in der ganzen Affäre eine Rolle gespielt, die von der großen Mehrheit der deutschen Presse— einschließlich des Z e n t r u m s und der D e u t s ch n a t i o- n a l e n— als höchst beschämend und unsauber empfunden wird. Ehrenrettung für Frauendorfer. Landtagsabgeordneter Genosse Auer veröffentlicht in der Mün- chener„Post" eine längere Erklärung über die Vorgänge vom 8. No> vember 1918 zur Bildung der revolutionären Regierung E i s n e r. In dieser Erklärung wird dargetan, daß Herr v. Fauendorfer nicht etwa aus Ehrgeiz oder aus Rachsucht gegen die Wittels- b a ch e r damals das Verkehrsministerium übernommen habe, sondern daß er geleitet war von der Sorge um Land und Volt, und daß er die Leitung des Berkehrsministeriums erst übernahm, als er sowohl von Auer wie von anderer Seite dringend darum ersucht worden war. Der Liller Kongreß. Pari», 27. Juli 1921. sEE.) Di« heutige Tagung des Liller Gewerkschaftskongresses verNef vollkommen ruhig. Ale erster Red- ner erklärte der Vertreter der Eisenbahner, Le Guennie, daß man immer Menschen brauchen werde, die materielle Arbeit zu ver- richten, man werde zum Beispiel immer Heizer brauchen, die die Lokomotive mit Kohle beschicken, und das werde auch morgen nicht anders sein. Man solle die törichte Demagogie aufgeben, die nur die Gehirne zerrütte, bevor die Gesellschaft reformiert werde, solle man an die Reformierung der Individuen denken. Le Guannie, der sich weiter in heftigen Worten gegen die Kommunisten wandte, machte den Dorschlag, jeder auf dem Kongreß vertretenen Richtung zwei Redner zu gestatten, doch wurde allgemein auf das Wort ver- zichtet, so daß die Abstimmung nach Mandaten vorgenommen werden konnte. Eine Untersuchungskommission, die auch die Ausgabe hatte, die Zwischenfälle, die sich am Montag ereigneten, zu untersuchen, wurde mit der Ueberwachung des Skrutiniums betraut, das bis 3 Uhr offengelassen wurde. Um diese Zeit sollt« das Er- gcbnis der Abstimmung bekanntgegeben werden. Der Delegierte P i e f f e r, der bereits gestern einen Ohnmachts- ai.fall erlitt, ist heute, wie wir erfahren, im Krankenhaus« ver- schieden. Ein Ehrengrab für Saures.„Journal des Debats" meldet aus Albi(Departement Tarn), daß dort am Mttwoch auf dem Friedhof in aller Stille der Sarg von I a u r e s in ein Grab umgebettet wurde, das die Gemeinde von Aldi für ihn hatte Herrichten lasse». polmfther Sozialistentag. Ausscheid en aus der*!. Internationale. Warschau, 27. Juli.(OE.) Auf dem Lodzer Parteitag der Pol- Nischen Sozialistischen Partei konzentrierte sich die Auseinander- setzung auf die Frage der weiteren Taktik der PPS. Den Standpunkt der Mehrheit des Parteiausschusses vertrat der Haupt- referent Perl, indem er das bisherige Verhalten der PPS.-Führer verteidigte und sich zu einem evolutionären Sozialismus bekannte. Die Ansicht der radikalen Linken verfocht der Oppositionsredner Z a r e m b a. Die Resolution Perl wurde mit 159 gegen 115 Stim- wen angenommen. Der Parteitag beschloß, gemäß Antrag des Parteiausschusses, aus der 2. Internationale aus- zutreten und zunächst sich keiner anderen Internationale anzu- schließen, sondern diese Frage dem Parteiausschuß zu überlassen, unter Vorbehalt der Zustimmung des nächsten Parteitages. Ein Anttag Perl, in derji. Internationale zu verbleiben, gewann nur eine geringe Minderheit von Stimmen: desgleichen ein. Antrag zum Anschluß an die Sozialistische Arbeitsgemeinschaft, die sogenannte Wiener Internationale. Der neue Parteivorstand wurde nach der Kompromißliste gewählt, wobei Daczynski Borsitzender ge- blieben ist. Das grundsätzliche Ergebnis des Lodzer PPE.-Kon- gresses ist, daß die Versuche einer Wiedervereinigung mit den ausgeschlossenen oder ausgeschiedenen Elementen mit kam- munistischen Neigungen gescheitert sind. Die taktische Leitung der Gesamtpartei ist in den Händen der Daczynski-Gruppe mit ihrem nationalistischen Einschlag geblieben. * Wir wollen auf die Partei der Polnischen Sozialdemo- kratie keinen Stein werfen. Ihr Entschluß, aus der 2. Inter- nationale auszuscheiden, ist nach ihrem bisherigen Verhalten nur konsequent. Ebenso konsequent ist ihr Entschluß, keiner anderen Internationale beizutreten. Die polnischen Sozial- demokraten sind nun einmal nicht international. Die Sozialdemokraten Polens gehen hier den Weg, den lange unterdrückte Rassen zu gehen pflegen. Sie wollen allein sein, um sich zu finden. Wir glauben aber nicht, daß sie ihren Weg lange allein gehen werden. Die Peitsche des Kapitalismus ist in Polen drohender erhoben als in einem anderen Lande Europas. Und diese Peitsche wird ihnen einst- mals Wegweiser sein. Bei ihrem Ausscheiden möchten wir den polnischen Sozia- listen einige Erinnerungen als Wegzehrung mitgeben. Die Internationale ist es gewesen, die stets für die Befreiung der Polen vom Zarenjoch eingetreten ist. Die Internationale ist es gewesen, die den Sozialisten Polens Gastfreundschaft gewährte, wenn die Henkersknechte des Zaren ihnen auf deN Fersen saßen. Die Internatio- n a l e ist es gewesen, die ihnen mit Rat und Tat half, wenn die Gewitterwolken aus Zentralrußland schwarz herüber- drohten. Die in der Internationale vereinigten deutschen Sozialisten waren es, die in der Zeit der preußischen Mißwirtschaft für das freie Recht der Polen in Posen kämpften. Gerade die polnische Sozialdemokratie ver- dankt der Internationale ihr Bestes. Die kleinasiatisthe Zrage. Man pflegte den türkischen Sulla» vor dem Kriege den kran- ken Mann am Goldenen Horn zur nennen. E» wäre interessant, festzustellen, inwiefern die ewigen Intrigen der Großmächte an diesem Zustand schuld waren. Nach der Aufteilung Afrikas war Kleinasien das gesuchteste Feld des europäischen Länderhunger», der viel we» niger«in Hunger nach Land als ein Hunger nach Anlage- Möglichkeiten für das Kapital ist. So suchten sich feiner» zeit in Türkisch-Marokko da» deutsche, französische und spanische Kapital den Rang abzulaufen. In Aegypten stießen die sranzösi- schen und englischen Interessen aufeinander. Tripolis ließ sich Ita- lien als Handgeld für seine Unterstützung der französischen Kolo- nialpolitik auszahlen. Etwas weniger deutlich traten diese tapita- listischen Sonderinteressen der Großmächte im B a l k a n k r i e g in Erscheinung, der bekanntlich die Türkei aus der Zahl der europäi- schen Mächte auslöschte. Als kleinasiatische Macht ging die Türkei an der Seite Deutschlands in den Weltkrieg, eine Belastungsprobe, der die alte TürkeiNebensowenig gewachsen war wie Deutschland. Nach dem Zuscssnmenbruch diktierten die Sieger der Türkei einen Frieden, der das türtische Staatswesen als solches aus der Landkarte tilgte. Palästina wurde ein selbständiger Iudenstaat unter englischer Oberhoheit. Mesopotamien gewähne man volle Auto- nomie unter einem König von Englands Gnaden, Syrien ligte Frankreich als christlich-katholische Vormacht mit Beschlag. Italien durfte es sich in einem schmalen Küstenstreifen bequem machen, dann kam— näher der Gefahrzone eine» etwa wiedererwachenden Türkentums— der Küstenstrich von Smyrna als griechische Ein- flußsphäre. Um Griechenland bei guter Laune und Bulgarien fern- zuhalten, sprach man ihm auch den letzten europäischen Küsten- bestand der Türkei, Ostthrazien, zu, während man Konstantinopel, da hierüber eine Einigung nicht zu erzielen war,.international!- sierte" und mit der Hauptstadt das Oberhaupt der Türkei und ihr Parlament. Armenien, über dessen Schicksal während des Krieges die Tränen vieler zartbesaiteter Ententepolititer flössen, wurde be- freit und sozusagen als Versöhnungsopfer Amerika angeboten. Es bedankte sich(Amerika, nicht Armenien, das indes in die russisch- türkische Zwickmühle geraten war, in der man es seufzend stecken ließ). Das war in etwa der Vertrag von Sövres aus dem Jahre 1919. Indessen ist viel Wasser den Nil heruntergeflossen und mancher Aufstand in Mesopotamien und Syrien, manche Unruhen in Aegypten und Palästina zeugten von wenig Gegenliebe für die Befreiungsversuche der großen Medizinmänner am goldenen Horn. Die eigentliche Tragödie aber spielte und spielt sich im Hinterlande von Kleinasiatisch-Konstantinopel und von Griechisch-Smyrna, in A n a t o l i e n ab. Der Sultan als Gefangener der Entente wagte sich dem Diktat von Sevres nicht zu widersetzen. Als das in Kon- stantinopel tagende türkische Parlament einen schwachen Opposition?- versuch wagte, wurde es gesprengt, und an seine Stelle trat eine „Volksvertretung", die sich den Wünschen der Entente willfähriger zeigte. Indeß schrieb der schlaue Fuchs Kemal Pascha, der den Braten gerochen hatte und in der Hauptstadt Anatoliens, Angora, geblieben war, Neuwahlen aus. An seine Seite trat der Griechen. Verächter und Armenierfeind Fuad Bei, der vor allem den militä- rischen Widerstand organisierte und Verhandlungen mit Moskau führte, ohne jedoch irgendwelche Sympathien für den Wesenskern des Bolschewismus zu zeigen. Was sich an türkischer Intelligenz und Widerstandskraft aus Konstantinopel drücken konnte, oersammelte sich in Angora, wo bald ein Parlament zusammentreten konnte, ein wenig bunt zusammengewürfelt und nicht immer einwandfrei gewählt, aber desto entschlossener zum Kampf. Man muß es Kemal und Fuad lassen, sie haben in Verhältnis- mäßig kurzer Zeit verwaltungstechnisch und militärisch Hervor- ragendes geleistet. Provinziallandtage wurden auf parla- mentarischer Grundlage konstituiert, die ihrerseits Vertreter ins > Parlament nach Angora senden, während der Reichstag von Angora ständig eine Anzahl feine Mitglieder als Kommissare in die Pro, vinz schickt, so daß Provinz und Hauptstadt immer in Fühlung mit- einander stehen. Die kemalistische Streitmacht war in- dessen in Aktion getreten und die Entente überließ es den Griechen, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Da das Feuer auch für die Griechen zu heiß war, versuchte man durch Verhandlungen die Situation zu retten. Die Kemalisten durften ihre Vertreter nach London und Paris entsenden und dem Schauspiel beiwohnen, wie sich England und Frankreich auch hier in die Haare gerieten.(Italien war klug genug, sich beizeiten aus dem Staube zu machen und seine Neutralität in Kleinasien zu erklären.) Frankreich siegte auf der großen Pariser Konserenz. Man erklärte sich zur Revision des Sevres-Vertrages bereit, Griechenland sollte Smyrna wieder an die Türkei herausgeben, England und Frankreich wollten in dem etwaigen Kampf zwischen Kemalisten und Griechen als neutrale Beobachter verharren. Kemal stimmte diesem Kompromiß zu. Griechenland nahm den Kampf von neuem auf. Nach anfänglichem bedrohlichen Mißgeschick ist ihm jetzt der große Vorstoß gelungen, und wenn auch türkische Flankenangriffe eine direkte Bedrohung Angoras aufzu- halten scheinen, kann man doch den weiteren Verlauf nicht voraus- sehen. England scheint unterdessen für seine griechenfreundliche Po- liti? Verbündete zu suchen und in dieser Hinsicht auch Italien au» seiner Neutralität wieder herauszulocken. Fest steht das eine: Hinter Griechenland steht England, das In Konstantin wie früher in Venizclos den getteuen Schildträger etwaiger späterer Ansprüche sieht, einen Schildträger, der die An- griffe des Islams auf sich lenkt, während England in Mesopota- mien und Palästina an seine zähe Durchdringungsarbeit geht, die ihm den Landweg Kapstadt— Kairo— Kleinasien— Indien freimachen soll. Der Weg nach Angora offen? Athen, 27. Juli. Nach hier eingetroffenen Meldungen ist der Widerstand des Feindes vollkommen gebrochen. Seine Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen werden auf 69 999 Mann geschätzt. Die griechische Vorhut soll auf der Straße nach Angora bis Gordium gekommen sein. Auf seinem Rückzüge steckt der Feind seine Materiallager, die er infolge der eiligen Flucht nicht mit- nehmen kann, in Brand. Rußlands Not. Terlokl, 27. Juli.(OC.) Aus Anlaß der Verschlimmerung der Crnährungslage finden in Petersburg trotz der geringen Zahl der Arbeiter fortgesetzt in den Fabriken Versammlungen statt. Auf einer Bersammlung der Alexandrowsker Werke wurden, wie die Petersburger„Prawda" meldet, nach Kenntnisnahme eines Berichts über die Verpflegungslage, den der aus Moskau eingetroffene Leiter des dortigen Vcrpflegungswefens Badajew verlas, keinerlei Resolu- tionen gefaßt, da kein konkreter Ausweg aus der verzweifelten Lage vorgeschlagen werden konnte. Nach einer Meldung de» Peters- burger Gewerkschaftsblattes„Machowik" fmd Studenten in die Hungergebiete zur Vorbereitung der Lebensmittelverteilung entsandt worden. Man rüstet sich zur Veranstaltung von Opfertagen für die hungerleidende Bevölkerung. Den Bauern ist es nahegelegt worden, selbständige Hilfskomitees zur Berteilung der staatlichen Lebensmittel zu bilden: diese bäuerlichen Komllees sollen offenbar parallel mit den Eowjetkomitees arbeiten. Aus Moskau hier ein- getroffene Personen berichten, daß in der Stadt äußerlich Ruhe herrsche; die Stimmung der Intelligenz sei jedoch nervös, es laufen viele Gerüchte bezüglich der nächsten Schritte der Sowjetregierung um. Die Sowjettegierung plant, den Bauern, außer der Natural- steuer, noch eine gewisse prozentuale Abgabe von jedem Pud(gleich 16,38 Kilogramm) der diesjährigen Ernte zugunsten der Hungerleidenden aufzuerlegen. Da» sowjetamtliche Wirtschaftsblatt„Ekonomitscheskaja Shisn" meldet, daß die im Juli reichlich niedergegangenen Regen, besonders im Südwesten, Westen, Norden und Nordosten, der Ernte mehr geschadet al, genützt hätten, da infolge der großen Feuchtigkeit das reife Getreide noch im Halm zu keinem beginnt und auswächst: zum Teil hat sich das Getreide infolge von Wolkenbrüchen gelagert, auch wird das Einbringen des schon ge- schnittenen Kornes durch Regen sehr verzögert: alles das führt zu einer weiteren Verringerung der Quantität wie der Qualität der Ernte. In den unteren Wolgagebieten schneidet man das Getreide, das aber fast gar keine Körner enthält. Auch die Heuernte ist durch die Regenfälle sehr beeinträchtigt. In vielen Gegenden wird angesichts des Futtermangels Laubheu in großen Mengen ge- sammelt. Tierische Schädlinge in großer Zahl haben die Obstgärten befallen. Die Zuckerrübenfelder der Ukraine sind bis zu 59 Proz. von den Schädlingen vernichtet: die Erwar- tungen hinsichtlich der Zuckerrübenernte mußten daher weiter herab- gesetzt werden: man rechnet für ganz Rußland mit einer Produktion von höchstens 7 Millionen Pud(1 Pud— 16,38 Kilogramm), während beispielsweise im IahreM1911 117 Millionen Pud produziert wurden. « Die Gattin Maxim Gorkis, die Schauspielerin Andrejewa, die sich gegenwärtig in Verlin aufhält, hatte mit einem Mitarbeiter des „United Telegraph" eine Unterredung. Frau Andrejewa ist Mitglied des von Maxim Gorki ins Leben gerufenen Hilfskomitees für die hungernden Gebiete Rußlands, doch betont sie, daß sie lediglich als Privatperson und nicht in offiziellem Auftrage nach Deutsch- land gekommen sei. Eorki, den sie in der nächsten Woche erwartet, hätte schon längst die Absicht gehabt, nach Deutschland zu kommen. Die deutsche Einreiseerlaubnis liege auch schon seit Mai in Riga für ihn bereit, dock) habe ihn seine Tätigkeit an der Hilfsaktion für die russischen Gelehrten bis jetzt daran gehindert. „Man macht sich," so sagte sie,„im Westen gar keine Vorstellung davon, was an wissenschaftlicher Arbeit in Rußland während der Rätezeit trotz des Mangels an Hilfsmitteln und unter den schwierig- sten Umständen geleistet wurde. Sämtliche Gelehrten Rußlands sind intensiv tätig und wollen trotz der furchtbaren Not, die besonders ihren Stand schon seit längerer Zeit betroffen hat, das Land nicht verlassen. Als seinerzeit von feiten der Sowjetregierung in F i n n- land einige Freiplätze für erholungsbedürftige Gelehrte erwirkt wurden, fand sich nicht einer bereit, seine Arbeit im Stich zu lassen. So z.B. der bejahrte, auch im westlichen Europa bekannte Bakteriologe Professor P a w l o w, der Orientalist Professor Oldenburg und der Physiker O s a d i j t s ch. Professor Olden- bürg gehört ebenfalls dem Hilfskomitee an. Das Hilfskomitee erstrebt in erster Linie die Einfuhr von etwa 3 Millionen Tonnen Getreide, die als Minimum für die 29 Millionen hungernder Menschen nötig sind. Die Einfuhr ist nach Ansicht von Frau Andre- jewa nicht als Almofen gedacht. Es dürfte lediglich eine Stundung der Bezahlung in Frage kommen. Rußland verfüge noch über genügend Reichtümer, um den Weltmarktpreis zu be- zahlen: doch könne selbstverständlich von sofortiger Regulierung kaum die Rede sein. Da» jugoslawische Derfchwörernest. Die.Grazer Tagespost" meldet: Die Belgrader Polizei verhaftete einen Mann, der ein« Bombe bei sich trug. Er gestand, daß er einen Anschlag auf den Ministerpräsidenten P o s ch tt j ch GeweMhQstsbeweguntz Der Jabrikarbeiterverbanö im Jahre 1920. Während des Jahres 1919 erfuhr der Fabrikarbeiterverband einen außerordentlich starker Mitgliederzuwachs, der zwar im ab- gelaufenen Berichtsjahre noch anhielt, aber im Verhältnis zum Vorjahre sehr gering war. Ende 1919 zählte der Verband 602 003 und ein Jahr später 644 910 Mirglieder. Seit seiner Gründung im Jahre 1890 hatte der Verband 1919 den st ä r k st e n M i t- gliederzugang zu verzeichnen, während das Jahr 1920 den größten Äbgang brachte. Die Ursache für diesen Rückgang, der sich übrigens bei anderen Gewerkschaften mehr oder weniger bemerkbar macht, dürfte in der Hauptsache zurückzuführen sein auf die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die erhöhten Beiträge. Tausende aber, die mit dem ersten Begeisterungssturm, den die Revolution entfachte, zu den Gewerk- schaften kamen, sahen sich enttäuscht, weil sie nicht schon anderen- tags die erwartete gebratene Taube auf dem Teller hatten. Sie zogen es daher vor, den Gewerkschaften wieder den Rücken zu kehren und die anderen für sie kämpfen und opfern zu lassen. Einer besonderen Betonung der Wirkung, die die kommunistische Arbeit in den Gewerkschaften hervorrief, bedarf es nicht. Die finanzielle Auswirkung des Mitgliederzuwachses vom Jahre 1919 machte sich erst im letzten Jahre bemerkbar. Der Kassenbestand zeigte zwar eine Zunahme, aber die Finanzen der- schlechlerten sich in demselben Maße, indem die neuen Mitglieder unlerstützungSberechtigt wurden, und so kam es, daß das Vermögen des Verbandes, umgerechnet auf den Anteil des einzelnen Mit- gliedeS, zurückging. Aus diesem Grunde machte sich eine Beitragserhöhung im April 1920 notwendig. Dadurch stiegen die Einnahmen des Verbandes um über 13 Millionen Mark und erreichten die Höhe von 32 920 6S0 Mark. Die Gesamt- einnahmen bcliefcn sich auf 43� Millionen, während fast 25 Millionen Mark ausgegeben werden niußten. Am Jahresschluß 1920 wies die Kasse einen Bestand von 18699 284 Mark auf. An Unterstützungen mußten fast 10'/, Millionen aus- gegeben werden. Davon entfielen auf die Streikunterstützung rund 4'/, Millionen, auf die Arbeitslosenunlerstützung 2'/� Millionen und ebenso viel auf die Krankenunterpützung. Im Berichtsjahre halle der Verband 4100 Lohnbewe- g u n g e n zu führen, von denen 3829 ohne Arbeitseinstellungen beendet werden konnten. Nur 29 Bewegungen waren erfolglos. Durch die Lohnbewegungen erhielten 1 570 964 Per- fönen eine wöchentliche Lohnerhöhung von 53652532 M. Ihre Arbeitszeit konnten 7399 Personen um insgesamt 5 5 8 5 8 Stunden in der Woche verringern. Für 5158 Personen wurden Verkürzungen der Löhne und andere Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen abgewehrt. Diese Zahlen zeigen wieder einmal recht deutlich, was es mit dem Geschwätz der Kommunisten über den»Verrat" der GeWerk- schaften an den Arbeilerinteressen auf sich hat.> Am 31. Dezember 1920 bestanden im Bereiche deS Verbandes für 5550 Betriebe mit 423 564 Beschäftigten 850 Tarifverträge. Diese Zahl erhöhte sich bis zum Schluß des Berichtsjahres um 15. Zu diesem Zeitpunkt waren 607 851 Personen in 8199 Betrieben von den Tarifverträgen erfaßt. DaS gut« Gesamtresultat der Arbeit deS Fabrikarbeiter«Ver- bandeS gibt nicht nur allen seinen Mitgliedern, sondern der ge- samten Arbeiterschaft Veranlassung, erneut nachzudenken über den Wert einer geschlossenen Organisation, und dürfte sie davon überzeugen, daß eS notwendig ist, alle kommunistischen ZerstörungSversuche niederzuschlagen, damit die Gewerkschaften in den kominenden schweren Kämpfen erfolgreich die Jnterefien der Arbeiterschaft vertreten können. Warnung vor Ausbeuter« Erwerbsloser! Seit Jahren werden die Polizeibehörden unausgesetzt in An- sprua, genommen von Leuten, die durch das unreelle Treiben so» genannter K u n st a n st a l t e n, vielfach unter hochtönenden Phan- tosiebezeichnungen, geichädigt wurden. Neuerdings ober werden nickt nur die Besteller von Bildervergrößerungen von solchen Unter- nehmungen oder deren Abgesandten übervorteilt, sondern diese sckädigen auch Erwerbslose, die sich einen Verdienst ver- schaffen wollen. Da wird durch ZeitungSinserate Stellenlosen eine Existenz mit 100 bis 150 Mark Tagesverdienst in Aus- ficht gestellt. Die sich darauf Meldenden werden auf die Reise geschickt mit dem Auftrage, die allbekannten Bestellungen auf Bildervergrößerungen aufzusuchen. Als Entgelt erhalten sie nur die F a h r k o st e n und müssen sehen, wie sie sich die Provision verdienen. Natürlich können diese Bedauernswerten bei ihrer Un- erfahrenheit und Ungewandlheit und der— glücklicherweise— schon in weilen Kreisen bestehenden Abneigung gegen solche»Kunst« onstaltcn" nicht auf einen grünen JJweig kommen und werden dadurch direkt gezwungen, zuvielUzu versprechen oder sonst zu schwindeln, um überhaupt Beflellungen und damit den einzigen Verdienst, die Provision, zu erlangen. Die Folge davon sind Anzeigen gegen sie und ihre Bestrafung, während die Inhaber der.Kunstanstallen" jede Verantwortung ablehnen. Aber nicht nur durch ZeitungSinserate werden solcke armen Leute betört, sondern » auch auf Bahnhöfen und dergl. treten die Beauftragten, die Ober- reisenden, dieser Art Unternehmungen an ihnen geeignet erscheinend« Leute heran und verstehen eS, sie zu beschwatzen. Strafrechtlich ist diesem Treiben nicht beizukommen, und es kann nur gewarnt werden davor, den Anerbietungen von Leuten, die großartige Ver- sprechungen für die Tätigkeit als Bilderreisender machen, zu folgen. Bemerkt wird, daß solche Inserate nicht nur in Berlin und anderen Großstädten, fondern auch an kleineren Plätzen erscheinen und daß die anreißerischen Oberreisenden in den verschiedensten Orten ihre Opfer suchen, die, statt den in Aussicht gestellten hohen Verdienst zu finden, ihre Sparpfennige opfern, schwer enttäuscht und schließlich dem Verbrechen in die Arme getrieben werden. Kohlenvertcuerung und Lohnerhöhung in Oberschlesieiu Die„Dena" verbreitet folgende Meldung: Die Arbeiterschaft in Königshütte hielt dieser Tage eine Prorestversammlung gegen die Verteuerung der oberschlesischen Kohle ab. Man forderte energisches Einschreiten der Interalliierten Kommission. Diese hat inzwischen die Preiserhöhung gebilligt. Sollte die Kohlen- Verteuerung nicht rückgängig gemacht wenden, so müsse eine Lohn- erhöhung von 39 Proz. gewährt werden. Leider ist bei dem derzeitigen Stande der Kohlenindustrie an eine Lohnerhöhung nicht zu denken. Sie würde gleichbedeutend sein mit völliger U n- rentabilität der Produktion, d. h. mit Stillegung der Betriebe. Die Löhne der oberschlesischen Arbeiterschaft waren bis- her schon höher als die der rheinisch-westfälisthen Bergleute. Dafür waren neben sozialen auch politische Gründe maßgebend. Es galt in Oberschlesien in erster Linie stets einen Streik zu vermeiden, denn Streik bedeutet hier Putsch, wie der Generalstreik im Mai und der ihm folgende Aufstand gezeigt haben. Dazu ist zu bemerken: Es ist richtig, daß die Löhne im ober- schlesischen Bergbau denen im Ruhrrevier nicht nachstanden und daß insofern die Lage der oberschlesischen Grubenarbeiter Verhältnis- mäßig besser war als v o r dem Kriege. Es kann aber keine Rede davon fein, daß die Lohnhöhe in irgendwelcher Beziehung zu den politischen Ereignissen gestanden hat oder steht. Im Gegenteil, die oberschlesischen Magnaten haben auf polittsche Momente eben- sowenig Rücksickt genommen, wie anderswo auch, und die Arbeiter- fchaft hat jede Lohnerhöbunq in bitterem Kampf durchsetzen müssen. Wenn die Verhältnisse für sie bisher einigermaßen erträglich waren, so verdankt sie das der vortrefflichen Stoßkraft der d e u t s ch e n G e- werkschaften. Von Unrentabilität des oberschlesischen Berg- baues hat bisher in Oberschlesien noch niemand etwas gemerkt. Und im letzten Tarifabkommen haben sich die Arbeitnehmer von vornherein bei einer Preiserhöhung eine Lohnerhöhung vorbe- halten. Sie können bei dieser Forderung auf das Lohnabkommen im englischen Bergbau hinweisen, in dem gleichfalls Lohnhöhe und Arbeitgebergewinn in Beziehung zu einander gebracht werden. Wenn hier' von offenbar kapitalistischer Seite versichert wird, nur rein wirtschaftliche Angelegenheiten durch national-politische Argumente zu sabotieren, so muß das von vornherein zurückgewiesen werden. Im übrigen mögen sich die Kapitalisten bei den Franzosen und Polen dafür bedanken, wenn der oberschlesische Bergbau in Not gerät._ Berliner Klavierfabrikanten gesien höhere Löhne. Seit 1% Jahr beträgt der vereinbarte Wochenlohn eines Klavier- arbeiters 248 M. bis 276 M. In der Vorkriegszeit verdiente ein Durchschnittsarbeiter 36—40 M. Das bedeutet also, daß die Lohn- steigerung etwa das Siebenfache beträgt. Der H ä n d- lF r v r e i s für ein Klavier betrug vor dem Kriege 300 bis 400 M. und«st derselbe jetzt auf 7500 bis 11 000 M. festgesetzt, also eine Steigerung um dos 2öfache. Dabei ist zu beachten, daß diese Preise Mindestpreise sind, die von Firmen, die außer der Qualität des Instrumentes sich ihren Namen noch extra bezahlen lassen, erheblich überschritten werden. Vergleicht man die jetzigen Kosten der Gesamtlebenshaltung mit denen im Mai des Vorjahre», wird jeder Einsichtige eine erhebliche Steigerung derselben zugeben müssen. Es ist daher unverständlich, wie die Klavierfabri- kanten in ihrer Antwort wörtlich schreiben können,»daß eine Lohn- erhöhung augenblicklich nicht zu bewilligen sei, weil die Verhältnisse in der Lebenshaltung eine Steigerung der Löhne zurzeit nicht rechtfertigen." Daß ihnen bei dieser Begründung selbst nicht ganz wohl zumute war, ist aus der weiteren Mitteilung zu ersehen, in der es heißt,»daß infolge der Ferien eine Anzahl wichtiger Firmen in der Versammlung nicht anwesend war und deshalb dieselbe den Beschluß einer Lohnerhöhung nicht fassen konnte." Sollte der Zufgll vielleicht nur die einsichtigen Unternehmer durch Ferien ferngehalten haben? Dann wäre ja anzunehmen, daß nach ihrer Rückkehr ihr Einfluß auf die Zurückgebliebenen eine bessernde Wirkung ausübt. Die Arbeiter können nicht so lange warten. Die Betriebsräte, Vertrauensmänner und Generaloer- fammlungsdelegierte werden Freitag 5 Uhr im �lleichenberger Hof", Reichenberger Str. 147, darüber Beschlüsse fass�, was zu geschehen hat, wenn nach Ablauf des Lohnabkommens, ab 1. August, eine Bindung für die Arbeiterschaft nicht mehr besteht. ver Streik im Texkil�Sroßhandell Entgegen allen Falsch- Meldungen der Arbeitgeber ist in der gestrigen Versammlung be- schlössen worden, daß nur dort weitergearbeitet werden soll, wo die Mindestforderungen unterschriftlich anerkannt wer- den. Es ist nicht wahr, daß das Angebot der Arbeitgeber höher als die Mindestforderungen ist. Eine Verhandlung, die Mittwoch stattfinden sollte, wurde von feiten der Arbeitgeber verhindert, an- geblich, weil ein Mitglied der Verwaltung des Deutschen Transportarbeiterverbandes nicht rechtzeitig anwesend war. Entgegengesetzte Aeußerungen, daß wir zu Verhandlungen nicht bereit waren, sind alsch. Heute 7 Uhr findet im Gewerkschastshaus eine Dolloer- ammlung statt, in der Bericht von der vorher stattgefundenen Ver- fammlung gegeben wird. Die ZostSnde In der vampfzlegelei Mkickeuburg Im kkrest« friede» berg waren bereits Gegenstand einer Notiz, die am 16. Juli an dieser Stelle erschien. Jetzt wird uns mitgeteilt, daß der Betriebsleiter der Dampfziegelei sein Vorhaben, die Organisation in seinem Betriebe unschädlich zu machen, dadurch erreicht hat, daß er den Betriebsrat f r i st l o s entließ. Der Direktor der Gesellschaft für Kultur-, Forst- und Eisenerzeugnisse hat das Betriebsratsmitglied P e s ch k e nicht nur fristlos entlassen, sondern noch obendrein„einen Lappen" zu schimpfen gewagt. Nebenbei bemerkt, hat dieser „Lappen" vier Jahre im Felde seinen Mann gestanden und für Leute vom Schlage jenes Direktors sein Leben aufs Spiel gesetzt und seine Gesundheit geopfert. Wir glauben, daß dieser erneute Hinweis genügt, um alle Arbeiter zu veranlassen, einen großen Bogen um Mückenburg zu machen. Deutscher Banarbeikerverband. Die Berichterstattung über die Lohnverhandlungen findet statt: Heute 6�4 Uhr Neukölln, Karlsgarten, Karlsgartenstraße. Gesundbrunnen 7 Uhr Schulaula Prinzen- allee 8. F r e i t a g 7 Uhr Osten l Schulaula Fruchtftr. 38. Norden I Schulaula Greifenbagener Str. 20. Wilmersdorf bei Pieper. Gasteiner Str. 6. Pankow bei Wauske, Brehmestr. 25. Lichterfelde bei Fleischer, Bäkestr. 7. Sonntag: Adlershof. 9 Uhr vormittags, bei Boschin, Sedanstr. 3.— Die Urabstimmung findet Sonntag von � 8— 2 Uhr in den Bezirkslokalen statt. Deutscher Metallarbeiteruerbaad. Betriebsrat»- und Arbeiierrats-Borgtzenbr der Metallindustrie: Die fstr beute angesagte Versammlung sinket am 4. August in der Aula Koppenplatz statt.- Bei der Wahl der Delegierten ist IN dem Lotal Bllrgergarten, Tempclhof. ein Lederetui für einen Kneuer gefunden worden. Abzuholen beim Kollegen Rudolf Behrendt, Linienstr. 83/85.—- Wir ersuchen alle ssunttionäre, den ZI. August 1S21 lMittwoch) sitzungsfrei zu halten. weil an diesem Tage eine Vollversammlung sitmtlicher Betriebsräte der Metall» Industrie in der Germania stattfindet. Die Betriebsräte werden ersucht, sich diesen Tag gleich vorzumerken.— Freitag, mittag, 1 Uhr, im Logenhaus, Liuien- strotze 121, Erwerbslosenversammlung der Metalldritcker. Soziales. ZNaffenunglück und Sicherheit im Bergbau. Ans erfahrenen Kreisen des Bergbaues wird uns geschrieben: Das Massenunglück auf Zeche Moni Cenis lenkte die Aufmerk- samkeit der Oeffeytlichkeit auf die Arbeits- und Sicherheitsverhält- nisse im Bergbau. Aber das Mene Tekel, das wiederum mit einer furchtbaren Flammenschrift geschrieben wurde, scheint gewisse interessierte Kreise noch nicht zu veranlassen, die Gefahren im Bergbau dort zu be- kämpfen, wo sie zu finden sind. Um als alter erfahrener Bergmann kein einseitiges Urteil ab- zugeben, hiell ich mit 6 erfahrenen Ruhrbergleuten eine Besprechung ab, in der folgende, für die Sicherheit im Bergbau ausschlaggebende Fragen besprochen wurden: 1. Werden im allgemeinen sämtliche Schüsse von Schieß- Hauern oder Schießmeistern abgetan? 2. Welche M u n i t i on wird zurzeit in den Bergwerken ver- wandt und wie ist die Wirkung in bezug auf eine Stich- flamme? 3. Ist eine Kohlenstaubexplosion möglich, ohne daß vorher eine Schlagwetterexplosion stattgefunden hat? 4. Ist die Berieselung zurzeit im allgemeinen auf allen Zechen intakt und wird vorschriftsmäßig berieselt? 5. Wie wird der Bergeversatz gehandhabt? 6. Schafft man noch Hohlräume wie es früher der Fall war? In der Beantwortung aller Fragen herrscht« eine allgemeine Uebereinstimmung. Zu Frage 1 wurde erklärt, es könne wohl vor- kommen, daß ein Schießmeister einem Hauer zum Selbstgebrauch Munition abgibt. Diese Taffache ist aber nicht auf Leicht- sinn oder Böswilligkeit zurückzuführen, sondern fast alle Schießmeister sind im„Hauptberuf" Förderaufseher. Zu Frage 2: Jede Munitton gibt mehr oder weniger eine Stichflamme. Eni- scheidend in dem Umfange der Stichflamme ist außer der chemischen Zusammensetzung der Munition die Ladung und die Wir- kungsmöglichkeit des Schusses. Zu Frage 3 und 4: Eine Kohlen st aubexplofion wird in einer genügend bewetterten Abteilung für unmöglich gehalten, wenn nicht vorher Schlag- wetterexplosion eingetreten ist. Zu Frage 5 und 6: Im Punkte Bergeversatz wird im allgemeinen genau so leichtsinnig drauflos gearbeitet wie in den früheren Iahren. Hohlräume. die durch eine dünne Mauer verdeckt sind, werden geschaffen. Hier liegtdiegrößte Gefahr. Ein Schuß in nächster Nähe, eine Stichflamme und das Massenunglück ist da. Hat man die Stimmen der Ankläger und Warner bis jetzt gehört? Nein! Der Ankläger von R a d b o d wurde A n g e- klagte? und zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt! So darf es nicht weitergehen! Es wird erwartet, daß eine Grubenkontrolle mit aller Schärfe einsetzt, nicht lediglich von der Bergbehörde, sondern von erfahrenen gewissenhaften Hauern: Von den Par- lamenten und Regierungen muh erwartet werden, daß den Kon- trollierenden der weitgehendste Schutz gewährleistet wird. Veranttp. für den redalt. Teil: Dr. Werner Peiser, Charlottenburg: für Anzeigen: TV. Glocke, Berlin. B erlag: VorwärtS-Verlag