N?.ZS2 4ZS.?ahegm»g Msgabe B Nr. 174 Bezugspreis» MrrttlZIHrl. 30,— M.. moua». 1«,— R. frei ins Kaus, voraus zahlbar. Polb- bczng: Monatlich 10,— M. einschl. Fu- stellun.'.sgedllhr. Unter Kreuzband für Deulschland, Danzig. das Saar- und Meiuelgcdtet. sowie die ehemals beut- fchen Gefiele Polens, Oesterreich, Uno.arn und Luxcmbur«20.— M. für das iidrige Ausland 27,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tlchecho- Slowakei, Däne- mark. Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der»Vorwärts� mit der Sonntags- beilage.Doli und fteit* der Unterhaltungsbeilage �eimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten' erich-.nl wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montag» einmal. Telegramm-Abreise: «Sozialderaotral Der Ii»" Abend-Ausgabe berliner Volksblstt 20p»«nnig) «uzeigeupreiS» vt»«chtgefpalten« RonpareMezetl, lostet iJX M..ßleioe Unjcigcn' da, fettgedruckt« Wort 150 M.(zu- iässtg zwei fettgedruckte Worte!, jede, weitere Wort l.- M. Slellengefuch, und Schlafstellenanzetge» da« erst« Wort i~- SU fede« weitere Wort «o Big. Tort» Über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. ffamilien-An- zeigen für Abonnenten zeil» ch— Sl DU Preise»erstehen(ich«tnfchli-ßli» Teuerungszuschlag, anzeige» für die nächste Stummer milfsen dt»» Uhr nachmittag» im Hanutgeschäft. Berlln EW SS. Linde». straße S, abgegeben werden. Dedffnei von 9 Uhr früh bis b Uhr abends. Zentralorgan der rozialdernohrati fchen parte! Deutschlands He&oFtion und Expedition: EW HS, Linöenstr. Z Redaktton Mortstplast lSlvS— S7 �ernsprenier. Moriqvlah ll?»»— S4 Donnerstag, den Ä8. Juli 1SÄ1 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., EM SS, LinÜenftr. Z ÄeernkUt'e-lksr-'r-- Verlag. Expedition«nd Inseraten. Moritzplap ll7S»-St Die Oerliner Nowenvaltung. Beginn der Beratungen. Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtage« trat Heute zu einer Sitzung zusammen, um über den Regierungs» entwurf einer Verordnung zur Sicherung einer geordneten Ver» waltung in der Stadtgemeinde Berlin zu beraten. Die preußische Regierung war durch den Staatssekretär G ö H r e vertreten. Der Minister des Innern, D o m i n i e u s, war nicht anwesend. Beim Artikel I entwickelte sich eine umfangreiche allgemeine Aussprache. Nach der Vorlage sind Mitglieder der bisherigen Stadtverordnetenversammlung und der bisherigen Beztrksversammlungen verpflichtet, die diesen Körper» schaften gesetzlich obliegenden regelmäßigen Geschäfte und notwen» digen Geschäfte anderer Art, die keinen Aufschub dulden, als einst» w e t l i g e Stadtverordnetenversammlung und als e i n st w e i l i g e Bezirksversammlungen fortzuführen, bis die neugewähllen Versammlungen in Tätigkeit treten. Versagt der Magistrat einem von der einst» welligen Stadtverordnetenversammlung oder von einer einstwelligen Bezirksverordnetenversammlung gefaßten Beschlusie die Ausführung, so entscheidet auf Anrufen von selten der Versammlung der O b e r» Präsident endgültig. Abg. Dr. Menl(USP.) schlug folgende Fasiung vor: Die Mit- g lieber der bisherigen Stadtverordnetenversammlung und der bis- berigen Bezirksversammlungen in Berlin sind verpflichtet, die diesen Körperschaften obliegenden Gesetze als einstweilige Stadtverordneten- Versammlung und als einstweilige Bezirksversammlungen fortzu- führen, bis die neugewöhlten Versammlungen in Tätigtell treten. Abg. Hirsch(Soz.) schloß sich diesem Antrage an. Abg. Dr. v. Richter(Dt. Vp.) schlug folgende Fasiung vor: 1. In der Stadtgemeinde Berlin werden eine einstweilig« Stadwer- ordneterwersammlung und einstweilige Bezirksversammlungen gebildet. Ihre Wirksamkeit dauert, bis die neugewählte Stadtoer- ordnetenversammlung und die neugewählten Bezirksversammlungen in Tätigkeit treten, längstens aber bis zum IL. Oktober 1921. Ihre Ausgabe ist die Erledigung der der Stadtverordnetenversammlung und den Bezirksversammlungen gesetzlich obliegenden regelmäßigen Geschäfte und derjenigen notwendigen Geschäfte anderer Art, die keinen Aufschub gestatten. Die einstweilige Stadtverordneten- Versammlung und einstweilige Bezirksoersammlung bestehen aus den Mitgliedern der bisherigen Stadtverordnetenversammlung und den bisherigen Bezirksoersammlungen, die diesen Körperschaften bis zur rechtskräftigen Ungültigkeitserklärung angehört haben. Weiter fordert der Anttag, daß die Neuwahlen der SkadKer- ordneten und der Vezirksverordnelen am 9. Oktober 1921 stattfinden sollen. Abg. Dr. v. Arles(Dnat. Bp.) unterstützte den Antrag Richter. Die Regierungsoertteter erklärten sich gegen den Antrag der Deutschen Volkspartei, er sei unannehmbar durch die eventuelle Be- anstandung durch ein Viertel der Mitglieder der Versammlung. Um 1 Uhr wurde eine zweistündige Pause gemacht, und die Beratungen sollen nachmittags fortgesetzt werden. In Aussicht ge- nommen ist von dem ständigen Ausschuß, daß sich an die erste Sitzung nach der Einführung durch den Oberbürgermeister eine zweite anschließt, in der die Beratung der von dem Stadwer» ordnetenvorsteher Dr. W e y l vorgelegten Tagesordnung vorge- nommen werden kann. Konflikt im Tkürinyischen Lonötag. Weimar, 25. Infi. In der heutigen Sitzung des Thüringer Landtages erklärte nach Ablehnung de» Grnndstenerge- sehe» durch die Rechtsparteien und die S o m mu nisten der Staalsiminster Dr. Paulssen: Die Staatsregierung sei gezwungen, zurückzutreten, hierauf stellten die Unabhängigen den Antrag aus Auslösung des Landtage». Der Antrag wird am Sonnabend behandelt werden. Die oberfchleflsche Konferenz. Eine halbamtliche französische Erklärung tastet sich nun- mehr an den Kernpunkt des englisch-französischen Streites und damit an den Kern des oberschlestschen Problems über» Haupt heran.§ 4 des Anhanges zu Art. 88 des Friedens- Vertrages besagt:„Das Abstimmungsergebnis wird ge- meindeweise, und zwar nach derMehrheitinjeder Gemeinde, festgestellt." Aus dieser wahltechnischen Be- stimmung wollen die ftanzösischen Sachverständigen die For- derung ziehen, daß die„Aufteilung" Oberschlesiens nun auch gemeindeweise zu geschehen habe, ein absurdes Verlangen, das gänzlich undurchführbar ist, und das von England und Italien von vornherein abgelehnt wurde. Dieser alte Streit wird also jetzt aufgefrischt und die Verhandlungsprotokolle von Versailles, die. wie wir aus Veröffentlichungen wisien, nicht gerade ein Ruhmesblatt in der Geschichte der alli- ierten und assoziierten Staatsmänner bilden, sollen als Zeu- gen angerufen werden. Man kann sich also auf einen langwie- rigen und harten Kampf gefaßt machen. Es ist ein geschickter Schachzug der ftanzösischen Regierung, in dieser schwierigen Frage die Entscheidung der Vereinigten Staaten (Wilson stand bekanntlich seinerzeit auf ftanzösischer Seite) in die- Wagschale zu werfen. Die Antwort der amerikanischen Regierung auf die diesbezüglich« Aufforderung steht aller- dings vorerst noch aus. In der Frage der Truppenverstärkungen ist man im übrigen noch immer nicht zu einer völligen Klarheit gelangt, wie es nach einem offiziös englischen Bericht bereits den Anschein hat. Neuerdings hat Frankreich dem englischen Auswärtigen Amt mitteilen lassen, man halte es für unmög- lich, die Sitzung des Obersten Rates anzuberaumen, ehe diese Frage geregelt sei. Man wies darauf hin, daß seinerzeit von den Alliierten 60 000MannalsBesatzungsür Ober- schlesien zugestanden worden seien, und daß England durch seine Haltung die Alldeutschen ermutige. Ein Vorwurf, den man in Anbetracht des Verhaltens der Franzosen den Polen gegenüber an die sranzösische Adresse zurückgeben kann. Von England und Italien ist. wenn die„Chicago Tribüne" richtig unterrichtet ist, eine RoteandiedeutscheRegierung unterwegs, in der bestätigt wird, daß die Truppentransporte eine alliierte und keine deutsche Angelegenheit seien. Damit haben England und Italien der Haltung Deutschlands ihre Zustimmung gegeben. Frankreichs VerstarkungSdivision. London. 27. Zoll.(WIR.) Das Reutersche Bureau erfährt au» ftanzösischer Quelle: ver ftanzöflsche Lolschafier hat Lord Eurzon mitgeteilt, daß die ftanzöflsche Regierung es für nnmög- l t ch halte, eine Sitzung des Obersten Rates einzuberufen, bevor die gtagt der Truppensendung nach Oberschlesien geregelt sei. Lord Curzon nahm diese Erklärung zur Sennwis, die dem Kabinett vorgelegt werden wird. vcr Kernpunkt öes Streites. Paris, 25. Zuli.(WTD.) Heute nachmittag tritt der S a ch- verständigenausschuß, dessen Aufgabe darin besteht. Vor- schlüge für die deutsch-polnische Grenze zu machen, zu seiner ersten Sitzung zusammen. Wie.Petit Parisiea" mitteilt, müßten die Sach- verständigen zunächst über die juristischen Fragen beraten und dann zur praklischen Bewertung des Ergebnisses der Volksabstimmung vom März 1921 übergehen, vor allen Dingen müßten sich— nach dem halbamtlichen Blatte— die Sachverständigen einigen über den Friedensvertrag, der bestimmt, daß das Ergebnis der Volksabstimmung gemeindeweise und nach der Stimmenmehr- holt in jeder Gemeinde seflgeslellt werde. Es sei wahrscheiollch, daß. wenn Meinungsverschiedenheiten in der Auslegung sich ergeben würden, man zum Protokoll der Friedensoerhand. Inn gen greifen müsse, um zu erfahren, in welchem Sinne die Friedensvertragsklausel redigiert worden sei. Erneuerung öes Dreizonen-vorschlogs. London, 28. Juli.(MTB.) Das britische Mitglied de» Bot- schasterrates ist„Daily News" zufolge angewiesen worden, den seinerzeit von England und Italien gemachten Vorschlag über Zu- Weisung der unstreittg deutschen bzw. polnischen Teile Oberschlesiens an Deutschland bzw. Polen dringend zu erneuern. Paris, 28. Juli.(EE.)„Chicago Tribüne" meldet: Das Foreign Office(englisches Auswärtiges Amt) richtet eine kurze Note an die Wilhelmstraße, worin es erklärt, daß die von Deutschland aufgeworfene Frage der Entsendung von Truppen nach Oberschlesien eine interallUerte Angelegenheit sei, die nur von den Alliierten selbst erörtert und entschieden werden könne. Die Anftage Deutschlands, ob England die Haltung Frankreichs in dieser Frage unterstützen werde, wurde ignoriert. Die italienische Regierung soll eine ähnliche Haltung eingenommen haben. Weitere Hetreiöekreüite für Deutschland. Berlln, 28. Juli.(WTB.) Ueber den Abschluß eines Getreide- finanzierungsvertrages mit einer Gruppe englischer Banken über drei Millionen Pfund Sterling ist vor kurzem bereits berichtet worden.— Obwohl der Bedarf an Auslandsgetreide für die ersten Monate des neuen Wirtschaftsjahres so gut wie ge- deckt ist und die Inlandsernte erwarten läßt, daß größere Men- gen Auslandsgetreide in der nächsten Zeit nicht mehr angekauft wer» dm. sind doch weitere Kreditmöglichkeiten gesichert wor- den. um eine Inanspruchnahme des Devisenmarktes für Getreide- täufe gegebenenfalls zu vermeiden. An diesem Kreditgeschäft ist besonders bemerkenswert, daß zum erstenmal eine Gruppe der führenden, am Aeceptkreditgeschäft beteiligten amerikanischen Bankinstitute bei einem internationalen Rembourskreditgeschäst ver- einigt sind. Auf Grund dieses Kreditvertrages können, falls weitere Getreidekäuf« notwendig würden, monatlich bestimmte Getreidemengen angetauft werden. Ein weiterer Kreditvertrag ist mit einem holländischen Hause über 20 Mllionen Gulden und iptt einer dänischen Bank über 29 Millionen dänische Kronen abge» schlossm worden. das Vertrauensvotum öer/kngst. 0. 0. R o m, 25. Juli. Das erste politische Votum des Kabinetts B o no m i ist mit seinen 166 Stimmen Mehrheit viel günstiger ausge- fallen, als es selbst die Freunde und Verfechter des neuen Ministeriums zu hoffen gewagt: inzwischen hat sich allerdings auch die innenpolitische Lage in einer Weise verschlechtert, wie dies selbst die pessimistischsten Vorhersagen nicht fürchten konnten. Zwischen beiden Erscheinungen besteht ein ursäch- licher Zusammenhang: der Sturm im Lande hat dazu beige- tragen, die Wogen in Montecitorio zu glätten. In der Tat kann man, selbst wenn man ein sehr geringes politisches Verantwortlichkeitsgefühl bei den bürgerlichen Par- teien voraussetzt, begreifen, daß alle Gelüste nach einer neuen K r i s e, selbst in den arg enttäuschten Portefeuille- aspiranten, zurückebben mußten gegenüber den wachsenden Verwicklungen der innerpolitischen Lage: eine Krise wäre ein Schicksalsschlag für Italien gewesen, heute, wo es gilt, des inneren Friedens und des äußeren Dekorums willen, dem Fascismus eine energische Regierungsgewalt entgegenzu- stellen. Das Votum vom 23. d. M. bedeutet nichts anderes, als die Einsicht dieser Tatsache von feiten aller Parteien. Man hat dem Ministeriurn einen parlamentarischen Gottesfrieden gewährt, weil man dahintergekommen ist, daß die Friedens- Verhandlungen mit den Fascisten auch im besten Falle nicht den Frieden von heute auf morgen bringen können. Gegen das Ministerium haben die Sozialisten gestimmt. die Kommunisten, die Republikaner und die Fascisten. Un- sere Parlamentsfraktion hat sich einem ausdrücklichen Partei- vorstandsvotum gebeugt. In der darüber in der Kammer abgegebenen Erklärung hat Genosse Modigliani unter anderem gesagt, daß die Fraktion Legen das Ministerium stimme, auch, weil die dem parlamentarischen Milieu fern- stehenden Massen ein Votum zugunsten des Kabinetts nicht verstehen würden. In dieser Erklärung liegt eingeschlosien, was aus der ganzen Sachlage klax hervorgeht: daß nämlich unsere Fraktion für das Ministerium gestimmt haben würde, falls sie durch dieses ihr Votum den Sturz des Kabinetts hätte verhindern können. Ein überflüssiges Votum, ein zweckloses zur übergroßen Mehrheit Stoßen, hätten die Massen allerdings nicht verstanden. Theoretische Erwägungen, zugunsten des Mi- nisteriums Vonomi zu stimmen, bestehen wahrhaftig nicht, und Opporwnitätsgründe kamen deshalb nicht in Betracht, weil durch die Haltung der übrigen Parteien den Stimmen der Sozialisten keine ausschlaggebende Bedeutung zugekommen wäre. Die Erklärung Modiglianis besagt aber deutlich, daß für das Votum gegen das Kabinett Opportunitätsgründe den Ausschlag gegeben haben, und diese Tatsache ist für die parlamentarische Grundlage des Kabinetts deshalb von Be- deutung, weil es evenwell darauf rechnen kann, bei einem Ab- fall der rechtsstehenden bürgerlichen Elemente die Stimmen der Sozialisten zu erhalten. Das ist fteilich Zukunftsmusik. Einstwellen leben wir in einem Zustande, der etwas an Panik erinnert, und der die bürgerlichen Parteien sich um das neue Kabinett scharen läßt. Die blutige Saat des Fascismus trägt ihre blutigen Früchte, und es ist keine Ende des Zwistes abzusehen. Die Tatsache des Fascismus ist jetzt in das Seelenleben der Massen eingedrungen.' Als die Friedensvorschläge von Musso- lini kamen, war der Stein schon mit allzu großer Wucht ins Rollen gekommen. Ganz richtig hat T u r a t i in der Kam- mer gesagt, daß es nicht genügt, wenn sich einer vom Banden- führer in eine büßende Magdalene verwandelt, um einem Zustande bürgerlichen Kleinkriegs ein Ende zu setzen. Der Fascismus ist heute eine organisierte Macht, die sich unter den Augen der Polizeibehörden hat mit Waffen versehen können, und die über Transportmittel und Gelder verfügt, so daß sie sich beliebig von einem Orte zum anderen begibt, wo- durch eine relativ kleine Schar ganze Gegenden terrorisieren kann. Außerdem haben die letzten Wochen, iin denen einer- seits Friedensverhandlungen im Gonge waren, während sich andererseits die Ausschreitungen häuften, zu einer p r o l e- tarischen Gegenorganisation, der sogenannten „Arditi del Popolo"(Sturmsoldaten des Volkes) geführt, die den bewaffneten Grupen der Fascisten bewaffnete Gruppen entgegenstellt. Hier liegt ein neuer Grund beständiger Kon- flikte. Die Unruhen sind in eine ganz akute Phase getreten. Das Ministerium Vonomi hat die Polizeiorgane angewiesen, den Auszug bewaffneter Gruppen aus ihrem Zuständigkeitsgebiet ! zu verhindern und macht sie für etwaige„Strafexpeditionen" verantwortlich. Auf diese Weise ist es zu dem Blutbad von S a r z a n a gekommen, das sich noch gar nicht in seinem vollen Umfange übersehen läßt. Die Fascisten von Livorno. Masia, Earrara und anderen Orten hatten sich in Sarzana zu einem fasciMchen„Aufgebot" vereinigt, das auch den Zweck verfolgte, einen dort verhafteten Fascistenführer in Freiheit zu setzen. Gegen alles Erwarten stießen die Fascisten auf den Widerstand der Carabinieri, wobei fünf der Ihren i und zwei Carabinieri den Tod fanden. Darauf zerstreuten sich die Fascisten in das umliegende flache Land, wobei ßä* aber von dem erbitterten Landvol? aufgespürt wurden. Auf diese Weise sollen zehn von ihnen den Tod gefunden haben, zum Teil einen sehr grausamen Tod, wenn den Nachrichten der bürgerlichen Blätter zu glauben ist. Das Blutbad von Roccastrada reiht sich unmittelbar an ! die Ereignisse von Sarzana an. Roccastrada ist ein kleines [' Rest(9300 Einwohner), das im Rufe steht, viele Kommunisten zu haben. Auf seinem Sündenregister hatten die Fascisten vermerkt, daß in Roccastrada am 2. Juli gegen einen Zug i sascistischer Autos gefeuert worden war, der einen gefallenen j Fascisten von Grosseto nach Siena transportierte. Es ist i eine Lieblingsgewohnheit der Fascisten, die Toten ihres ! Bürgerkrieges auf Automobilen spazieren zu führen, was ! immer den Keim zu neuem Blutvergießen zu legen pflegt. So !' hatte man denn dem Orte eine Strafexpedition zugedacht, war aus Grosseto mit Autos gekommen und hatte um 5 Uhr früh ; das Aushängen von Fahnen mit den Landesfarben gefordert : und durchgesetzt. Da die Fascisten dasHausdessozia» l listischen Bürgermeisters schon bei ihrem ersten J Besuch verbrannt hatten, scheinen sie dann ihre Wirk- � samkeit, zu deren Entfaltung sie Handgranaten und dergleichen ■ Propagandamittel bei sich führten, anderen Orten zugedacht ■' zu haben. Den bürgerlichen Blättern zufolge stießen sie beim / Berlassen des Dorfes auf einen„kommunistischen Hinterhalt", , bei dem es zwölf Tote gab. Der Hinterhalt der Kommunisten ' muh ganz besonders fein angelegt gewesen sein, denn sie' l haben 12 Tote unter den Ihren, während von den Fascisten nur einer gefallen ist. Diesen Unterschied in der Zahl der i Opfer führen die bürgerlichen Blätter aus den Mrst der . Fascisten zurück; wahrscheinlich haben dabei die Handgranaten , eine ausschlaggebende Rolle gespielt, was die Ordnungsorgane ' nicht zu ergründen suchen. Sie begnügen sich mit der Be- merkung, daß in dem Konflikt sogar„Handgranaten" ver» wendet wurden. Bon wem, sagt man nicht. Wahrscheinlich ' haben sich die Kommunisten auf ihre eigenen Handgranaten gesetzt und sind dabei umgekommen. Bon den Fascisten wur» den 7 Häuser und mehrere Scheunen verbrannt! Der Ministerrat hat sofort den Präfekten von Grosseto (Regierungspräsidenten) semes Amtes enthoben. Jetzt müssen - die hohen Herren daran glauben, denen man bisher dafür � Dank gewußt hatte, wenn sie den Fascisten gegenüber beide ! Augen zudrückten. Aber damst wird natürlich die Sturzwelle der Gewalt nicht angehalten. Das war früher möglich, als i , die Bewegung begann, aber da schien sie der bürgerlichen; Reaktion allzu verheißend für den Wahlkampf. Jetzt ist der Fascismus der Macht der bloßen. Polizeimaßreaeln entwachsen, ' und sein Gegenpart, die„Sturmsoldaten des Volkes", drohen ! denselben Entwicklungsprozeß zu durchlaufen. ' Unter diesen Umständen darf es nicht wunder nehmen, ; wenn Bonomi, nachdem feine Erklärungen am 18. d. M. eine so eisige Ausnahme in der Kammer gefunden hatten, am 23. eine so starke Mehrheit davongetragen hat. Heut drängt die - Sorge um den Fascismus die parlamentarischen Intrigen in � den Hintergrund. Auf das vorige Ministerium fällt die ungeheure Verant- > wortung, die Erstartung des Fascismus geduldet und geför» j dert zu haben. Bonomi findet die Tatsache vor. Die Si» tuation verschärft sich einerseits durch die tägliche Vermehrung der Ausschreitungen; sie klärt sich aber anderersetts, weil gerade diese Exzesie den Fascisten Svtnpathien entziehen. fjaböi doch zwei Parteien, die sich durch Fascistenfreundlich» '� keit auszeichneten, die Nationalisten und die Fraktion Sa» larchra, für das Ministerium gestimmt, das versprochen hat, '>M"Fascisten eine eiserne Faust zu zeigen! So ist der Fascismus augenblicklich für Bonomi ein , Element parlamentarischer Festigkett; die Fascisten- sorge hält die Parteien der Rechten ab, gegen das Kabinett Sturm zu laufen. Ob der Fascismus das Ministerium in seiner tatsäcklichen politischen Lebensfähigkeit, die nicht im Parlament liegt, beeinträchtigen und erschüttern kann, da» wird in letzter Linie von der Fähigkeit Bonomis abhängen, die Frage der akuten Konflikte der kommenden Wochen polizeitechnisch zu lösen. Nationale Erziehung. Don Hans Lauer. In einem Käseblättchen„Volk und Wehr", da» zwar nicht um seiner selbst, wohl aber um seiner Gesinnung wegen der Rede wert ist, die gleichzeitig diejenige einer in Deutschland immer noch nicht unmaßgeblich gewordenen Menschenschicht ist, erläßt der verband nationalgesinnter Soldaten" einen(natürlich flammenden) Aufruf» der sich für den Boykott von Waren des„Feindbunde»" erklärt. Es ist belanglos, daß man dazu so oder so Stellung nehmen kann. Nied» lich aber ist der erste Satz, der da lautet: Züchtigt Eure Kinder, wenn sie... t... unschuldige Tiere quälen?, ihre Rauflust an schwächeren Kindern auslassen?, ihren Eltern Geld stehlen? Ach nein doch! ,:.. wenn s i e gedankenlos französische Schokolade knabbern! Ich stelle mir lebhaft vor: Ein zehnjährige» Mädel etwa spielt mit ihrer Freundin Fangeball. Ein drittes kommt daher gepurzelt. Es stellt sich heraus, daß die drei zusammen im Besitz von 3,50 M. sind, die frei zu ihrer Verfügung stehen. Sie gehen in das nächst« Schokoladengeschäft und kaufen sich eine halbe Tafel Schokolad«. Jubelnd stürzen sie mit ihr auf die Straß« und beginnen zu knabbern und verziehen Mund, Augen und Ohren dabei und kriegen braune Fingerchen und eine braune Zunge. So gut schmeckt das Zeug! Plötzlich fegt ein Teut daher. Blondes Germanenhaar. Blaue« Auge. Blutprobe bestanden. Hakenkreuz, völkischer Rafseschädel. Eines der Mädel hüpft auf den Teutonen zu:„Du, Datt, Batil Mal kosten! Och, ist dos was Feines!" Das Kindchen reibt die Hand über den Magen und knapst dann eine Ecke von seinem Schokoladen» stück ab, um Vätern... Wie es ein» aus der Backe sitzen hat, daß es aufs Pflaster fliegt. Denn es klebte noch da»„ier" von„Premier" auf der Umhüllung der Schokolad«.„Gedankenlose Knabberei!''. flucht es aus der völkischen Brust.„Das will Blut von meinem Blute sein, das Feindbundschokolade knabbert?" Die Kleine weiß nicht. Sie versteht gar nicht. Schokolade ist, was gut schmeckt. Und vom Feindbund reden die Großen zu Hause manchmal, wenn der dicke, fette Onkel vom Lande kommt. Und doch... Du bist bloß noch ein rechtes dummes Kleinchen, liebes Kind. Wärest du vernünftig, erkenntest du, daß dein vom Nationalen Bund erzogener Papa seinerseits ein wertvolles Er- ziehungswerk an dir ausübt. Er lehrt dich einen Haß, den du später einmal brauchst. Zwar nicht den gegen einen Feindbund, der dir nie etwas zuleide tat, aber den gegen einenUnverstand, der in dein junges Leben mit Hilfe von Ohrfeigen Haß gegen andere Böller trägt. Verherrlichung öes öürgerkrieges. In Borkum hat die Brigade Ehrhardt für ihre Gefallenen auf dem Kasernenhofe der Küftenwehrabtellung VI, also aus staatlichem Boden der deutschen Republik, gestern ein Denkmal enthüllt. Wir leiden zwar durchaus nicht Mangel in diesem Artikel, aber wenn sich Leute finden, die glauben, daß derlei Sachen zum Leben heute notwendig sind, und wenn sie sonst die Allgemeinheit nicht stören, dann mögen sie ruhig sich Denk» mäler setzen. Das Ehrhardt-Denkmal bedeutet aber etwas ganz anderes, es ist die bewußte Verhöhnung der deutfchenRepublik, die nur mühsam unter dem Man- tel der Erinfterung für die Gefallenen der 2. Marinebrigade verhüllt wird. Es muß schon auffällig wirken, daß auf Reichs» boden ein Denkmal aufgestellt wird, desien eines Relief einen kräftigen Arbeiterarm zeigt, der auf offener Hand eine Krone trägt. Wenn aber zur Geschmacklosigkeit die Ver- herrlichung des Bürgerkrieges kommt, dann geht das über jede noch so weit gezogene Grenze, und die des Herrn Reichs- wehrministers ist bekanntlich kaum erkennbar weit, hinaus. Das Denkmal trägt die Inschriften„Berlin, München, O b e r s ch l e s i e n". Das sollen Höhepunkte sein„für den unsterblichen Ruhm, den die aus dem schmählichen Zusammen- bruch der Marine kraftvoll entstandene Ehrhardt-Truppe sich erworben hat w heiligem Kampf um den inneren Frieden". So lesen wir es in der„Deutschen Zeitung", lieber die sonstigen Embleme, Erinnerungszeichen und Bilder des Denk- mals regen wir uns nicht weiter auf; sie sind auf demselben Boden gewachsen wie die Dutzende von Blechscherzen, die bei „patriotischen" Soldaten heute üblich sind. Es gibt eben Men- schen, die glauben, sich nur dann aus der Masse herauszuheben, wenn sie irgendeinen bunten oder glitzernden Mumpitz an sich herumschleppen dürfen. Das ist immer ein Charakteristikum für Mangel an Glauben an den Wert der eigenen Persön- lichkeit. Bei der Einweihung wurde das schöne Erhardt-Lied ge- stmgen: Hakenkreuz am Stahlhelm, schwarz-weiß-rote» Band, die Brigade Ehrhardt werden wir genannt— Ehrhardts Geist im Herzen, kann nicht untergehen; die Brigade Ehrhardt wird einst auferstehen. Nach diesem wahrhast erhebenden Liede trat der Kam- mandeur der Küstenwehrabteilung IV, also wohl em Mann. der den Eid auf die deutsche Repubsik geschworen hat, der Kor- vettenkapitän v. Abendroth, vor das Denkmal und hiett eine sicher prachtvolle Rede mit dem üblichen„begeistert aufgenommenen" Hoch. Das ist alles geschehen nicht unter Wilhelm TL, sondern im dritten Jahre der Republik. Der Flaggenskanda! auf Borkum, Wie wir kürzlich mitteilten, wurde auf dem fett Jahren als anttsemittsch verseucht bekannten Nordseebad Borkum unter großem Jubel der deutsch-völkischen Badegäste von aktiven Küstentruppen die schwarz-rot-goldene Fahne heruntergeholt. Wie uns mitgeteilt wird, wurde dieser Tatbestand dem Reichspräsidenten Genossen Ebert gedrahtet, außerdem sandte der Reich»tagsabs«ordnete Ge- noss» Hünlich folgende» Telegramm au den Reichswehrminister Seßler: Auf Borkum, unter hervorragender Beteiligung aktiver Kllstenwehrangehöriger, schwarz-rot-goldene Fahne beschimpft» beschmutzt und niedergeholt. Daneben Beteiligung an anderen Ungehörigkeiten gegen nicht all- deutsche Badegäste. Ueber das Nähere schriftliche Mitteilung erfolgt.— Protestier« als Reichstags Mitglied gegen skandalöse« Benehmen im Dienst der Republik stehender und von ihr bezahlter Soldat««. Ersuch« dringend um so- forttge» Eingreifen. Wie wir weiter höre« war der Essend chhnsetretär, dem die ener» gische Behandlung der Angelegenheit zu danken ist, beim Oberpräst- Diesen Haß brauchst du, damit deine Kinder einmal reichllcher Schokolade knabbern können, al» du e» iu deinem Leben tonntest. Den» da wurde sie durch die Schuld solcher Teutonen, wie dem Vater es ist, durch Dörrgemüse ersetzt. Die«usstellung-frage für die Berliner Kunstvereini- g u n g e n wird augenblicklich in den beteiligten Kreisen lebhast be- sprochen. Während sich eine neue Gruppe unter dem rätselhaften Namen„S a l o a t i o n" auftut, die ohne Künfllerjury neue Wege oersuchen will, sind die älteren Gruppen im Um- bzw. Abbau. Die Novembergruppe, die im Winter 191S/1S hoffnungsvoll begann, hat sich soeben gespalten, und eine Anzahl Mitglieder sind ausgeschieden, zuerst da» Künstterpaar Garbe-Roeder und Oswald Herzog, dann George Grosz, Dix, Raoul Hausmann. Thomas Ring, Rudolf Schlichter u. a. Sie wollen damit dem„opportunistischen Flügel„der Vereinigung, der sie trotz revolutionärer Versicherungen zu einem bloßen Ausstellungsverein werden lasse, ein«„Gemeinschaft der Werttätigen" entgegenstellen. In den Sezesiionsgruvpen, in der Freien Sezession, deren Ehrenpräsident Max Lievermcmn sst, und in der Berliner Sezession, der von Corinth geführten Grupe, ist man dagegen gerade von der Erwägung der Ausstellungs- Möglichkeiten her dazu gekommen, über eine Veranstaltung von Aus- stellungen an gemeinsamem Orte, in dem jetzigen Haus« der Berliner Sezession, zu verhandeln. Die Freie Sezession hat bekannt» lich ihr altes Haus am Kurfürstendamm verloren. Die Berliner Sezession aber wird sich möglicherweise in ihrem bisherigen Haufe, dessen alle Räume einem anderen Zwecke zugedacht find, neue Aus- stellungsräume schaffen können. Es wäre wohl im Interesse sowohl der Künstler wie des Publikums, wenn sich hier für beide Sezessions- gruppen, wenn auch vorläufig in verschiedenen Monaten des Jahres, Unterkunst für ihr« Ausstellungen finden ließe. Sin ZNenzelfund. Einen unbekannten Steindruck de» stmgen Menzel hat jetzt Walter von zur Westen, der bekannt« Berliner Sammler, aufgefunden. E» ist ein mit einer interessanten Bild- oignette geschmückte« Titelblatt, zu dem von Salleneur« komponier- ten Schauergedicht des bekannten und berüchttaten M. G. Saphir zum Tode des Herzogs von Reichstadt, des Sohnes Napoleons und der Marie Luise. Menzel hat darauf Napoleons Geist mit dem toten Sohne im Arm dargestellt, wie er über dem offenen Grabe schwebt. Das Blatt, das der Finder in den Mitteilungen ber Berliner Bibliophilen Gesellschaft veröffentlicht, war der bisherigen Menzel-Forschung ent» gangen. Uns der Geschichie der Hanse. Mit Deginn der„Nordischen Woche" wird das Lübeckische Staatsarchiv eine Aus- stellung eröffnen, deren Hauptteil in einem reichen Urkundenschatz mit erläuterndem Text einen Ueberblick über die Geschichte der deutschen Hanse geben wird. In der Hanse, deren Haupt Lübeck jahrhundertelang gewesen ist, vollzogen sich die Bcrkehrsverbindungen mit jenen Ländern, die in diesem Jahr zum Besuch der Nordischen Woche aeladen find. Wie wertvoll diesen Staate« der Verkehr mtt den deutschen Städten war, deuten Rost«, der dt« erforderlichen«nwessvngeu vom Reichs- Präsidenten erhallen hat. Die republikanisch gesinnte Bevölkerung Borkums ist entschlossen, sich nicht länger von dem nationalsstischen Pöbel provozieren zu lassen, und es ist dringend zu wünschen, daß die Behörden nachdrücklich durchgreifen, ehe es zwischen Em- wohnern und Gästen zu tätlichen Auseinandersetzungen kommt. Riß im Kahr-Slock. München. 28. Zoll.(Eigener vrahtberichl des„vorwärts".) Die Sprünge im bayerischen Ordnungsblock, die der„Vorwärts" schon längere Zeil festgestellt Hai. haben sich bei den gestrigen Land- tagsverhandlnngeu zu einem kräfiigen Riß erweitert. Der ver» fassungsstreil über den verordnungsentnmrf einer Neuordnung der Schulpflege und Schulaufficht im verfaffungsausschuß des Landtage, zelttgte in der gestrigen Plenarsitzung ein välliges Aus- einanderfallen der S oalili onsparteieu»od endigte mit einer parlameatarische« Nieder- tage der Regierung Lahr. Mt 54 gegen 47 Sstmmen der Bayerischen Volkspartei wurde beschlossen, daß der Entwurf, von dem der Kultusminister nur gewisse Teile dem Landtage zur veur- teilung übergeben wollte, iu allen seinen Teilen der Genehmigung des Landtages entsprechend dem Artikel 48 der verfafsungsurkunde zu unterstellen sei. Es hat sich damit ergeben, daß fich alle Fraktionen des Landtages mit Ausnahme der vayerischeu Volks- partel iu der Frage der Genehmignngsp flicht der Schulverorb- nung gegen die Regierung Kohr und den Kultusminister entschie- den haben. Die Frage wird somit endgültig vor dem Staatsgerichts- Hof ausgetragen werden. Die Angelegenheit hat aber wieder ge- zeigt, wie sehr die Ereignisse der letzten Wochen und Monate die Stellung der Regierung Sahr im Parlament und im Volk erschüttert haben. Die TR. meldet über die Vorgänge selbst: Im Berfassungsausschuß des bayerischen Landtage« war vor kurzem eine Meinungsverschiedenheit zwischen der Regierung und der Mehrhell darüber entstanden, ob die Frage der Schulpfleg« der Zu- ständigkell de« Landtages zu unterstellen fei oder nicht. Der Stand- punkt der Regierung, daß die» n i ch t zu geschehen brauche, war nur von der Bayerischen Bolkspartei geteill worden. Gestern nachmittag kam die Angelegenhell im Plenum de» Landtages zur Sprache. Redner der Bayerischen Bolkspartei und der Demokraten sprachen ihr Bedauern über das Vorgehen der Regierung au«. Bon demo- kratischer Seite wurde erklärt, es sei von der Regierung gegenüber dem Landtag« nicht loyal vorgegangen worden, die Regierung habe einen Konflitt hervcrgerufen, es liege eine Brüskierung der Mehr- hell de» Landtage» vor. Die Wiederholung solcher Borgänge werde unerfreuliche polllische Wirkungen haben. Die Demokraten könnten e? sich nicht gefallen lassen, wenn so gegen die übrigen Koalitions- Parteien vorgegangen werde. Dem gegenüber erklärte der Redner der Bayerischen Bolkspartei, daß diese den anderen Koalitionspir- teien in wellgchendem Maße entgegenkomme. Kultusminister Matt wies die Borwürfe«ine» nicht loyalen Vorgehen» zurück und stellte fest, daß er mit Zustimmung semer sämtlichen Ministertollegen gehandelt habe. Da» Ergebnis der Beratungen war, daß mit allen Stimmen gegen jene der Bayerischen Bolkspartei Anträge angenommen wurden, wonach die Regierungsverordnung bettessend Schulpfleg«, Schulleitung und Schulaufsicht als Ganzes, asso auch be- züglich der Echulpflege, der Genehmigung de» Landtages zu unter- brellen ist. Sozialüemokratie unü Koalition. Kolkbu», 28. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Zur Regi«rung»frage in Preußen beschloß die Generalversammlung des Sozialdemokrattschen Vereins Kottbus nach einem Referat des Ge» nossen Bernhard Rausch folgenden Anttag an den Görlitzer Partellag: Da da» starr« Festhallen an der ablehnenden Haltung gegenüber einer Koalition mit Einschluß der Deutschen Bolkspartei sich während der Regierungskrise in Preußen als nachteilig erwiesen hat, möge der Parteitag tm Interesse der sozialdemokratischen Wähler- Massen den Fratttonen im Reich, iu den Ländern und Gemeinden «ine größere tottische Beweglichkeit einräumen, die auch die Möglich. keit einer Koalition mit der Deutschen Bolkspartei unter der Bedingung von Sicherungen für den Bestand der Republik nicht ausschließt. beweisen die zahlreichen Privllegien, welche ihr« Herrscher den beut- schen Kaufleuten gewährten. Welche Bedeutung umgekehrt der Handel mit jenen Ländern für die Deutschen hatte, ist au» der zäben Verteidigung dieser Dorrechte ersichtlich. Sämtliche Kriege zwischen Nordländern und Deutschen drehten fich im Grund« um den See- Handel. Don dem allem sollen die ausgestellten Urkunde» er» zählen. Die Einladung Heinrich» de» Löwen an die Gotländer vom Jahr« 1183 eröffnet deren Reihe. Die älteste„Stta" de» beut» schen Kaufhof«» zu Nowgorod redet von der achtunggebietenden Stellung de» deutschen Kaufmanns im Osten. Privilegien der nordi- schen Könige geben den Gästen durch Schrift und Siegel ein Bild von den mittelalterlichen Kanzleigebauden ihrer Höfe. Bon beson- derer Wirkung auf den Beschauer werden Urtundenausfertigungen wie der Etettiner Friede mtt seinen 23 Siegeln sein. Die Reihe der Urkunden führt bis ins 19. Jahrhundert und weist gerade aus die» ser Zell noch einige höchst merkwürdig« Stücke au« den fernsten Ländern auf, Handelsverttäge Lübeck» mit Persten, Zansibar, Slam, Ehina, alle in dem besonderen Charakter ihrer Länder gehalten. Daneben wird eine Anzahl von Urkunden ausgestellt, die von dem inneren Leben Lübecks zeugen, wie Kaiserurkunden, päpstliche Bullen und Ablaßbriefe von Kardinälen in Prachtausstattung. Eine Fülle von Siegeln wird dem Liebhaber manch feines Kunstwerk zeigen. Es ist bekannt, daß die Seestädte im Mittelalter mtt Bor- liebe die Darstellung eines Schiffes als Siegelbild gewähll haben. Die Entwickelung der verschiedenen Schiffstypen an der Hand dieser Bilder zu verfolgen, ist besonders reizvoll. Wenn früher einmal Gelegenhett war, in die Schätze des Staatsarchivs einen Blick zu tun, war der Zudranq groß. So ver» spricht auch die Archivausstellung der Nordischen Woche einen zahl- reichen Besuch. „Gottlob, dos vrok wird teuer!" Unter Keine,„Erntelied" in der gesttigen Morgennummer, da» den wirtlichen, echttn oft- elbischen Agrariern vollkommen au» dem Herzen gesungen ist, hat bei den Berliner Dielen-Agrariern der �Deutschen Tageszeitung" keinen Beifall gefunden. Ei« sind der Meinung, daß den Landwirt „schwere Sorgen drücken, Sorgen für sich und für die voltsernäh- rung", und daß es die Pflicht des„Vorwärts" sei, das �Zerständrns für diese Lage allenthalben zu fördern." Die Gelehrten der„Deutschen Tageszeitung" habe» keine Ahnung davon, wie es auf dem Lande aussieht, sonst würden sie wissen, daß die Sorg« um die.Volksernährung" noch keinem Agrarier Jemals das Leben verbittert hat, und daß heute den deutschen Landmann keine andere Sorge so ernst und fchwer drückt wie d-i« bange Frage: wo lege ick, nach erfolgter Abzahlung aller Hypotheken meine über» schüssjgen Gelder am vorteilhaftesten und steuerstcherste» an? Eine Pädagogisch« Herbstwoche mit dem Tbema.Theorie und Praxi« der Arbeitsschule- veranstaltet das Ze»tral- in st i tut istr Erziehung und Untere icht, verlin, vom ». dl» 10. September w Köln. Vetter«««»lunst ertettt daS Städttjche Schulamt in Köln, Ägrippastr. KL €1« SozkalÜemskrat über NieüersthSnenfelö. Das Schreckens-Ncgimeat des Staatsanwalts Kraus. Die bürgerliche Presse in Bayern wie im übrigen Reich suchte anläßlich der wiederholten Mitteilungen des„Vor- wärts" über skandalöse Vorgänge in der bayerischen Feswng Niederschönenfeld es so hinzustellen, als seien die Proteste ausschließlich von bösartigen und unzuverlässigen Kommuni st en ausgegangen. Wie wir schon demgegen- über kurz mitteilten, wurden die Angaben über Nieder- schönenfeld von einem Mitglied der SPD� in vollem Umfang bestätigt. Obwohl unserem Gewährsmann die Drohung der Festungsleitung bekannt war, jeden, der nach seiner Ent- lassung Ungünstiges über die Festung aussage, in Schutz- h a f t M nehmen, erteilte er uns eine Reihe von Jnformatio- nen, die wir nachstehend zur Kenntnis bringen: Nach der Anficht unseres Gewährsmannes find die ge- genwärtigen unhaltbaren Zustände auf der Festung ledig- lich auf die Rigorosität und den Käsern enhofton des neuen Anstaltsvorstehers Staatsanwalt K r a u ß und die durch ihn herbeigeführt? Militarisierung der Strafanstalt zurückzu- fiihren. Während der frühere Anstaltsleiter, Amtsrichter Voll- mann, es oerstanden hatte, den politischen Gefangenen die Ehren- hast innerhalb der bestehenden Verordnungen nach Möglichkeit zu erleichtern, erklärte der neue Herr bei seinem Erscheinen:„I ch bin in die Festung gekommen, um Ruhe und Ord- nung zu schaffen: wenn es nötig Ist, auch mit Gewoll!" Von seinen Anordnungen zur Schikanierung der Gefangenen seien nur die folgenden 4 Punkt« erwähnt: 1. Die übliche B e- s u ch s z e i t wurde ganz gründlich verringert. Die Anwesenheit eines Aufstchtsbeamten, die nur bei Renitenten in Uebung war. wurde ständig durchgeführt. Der Besuch der Braut eines Gefangenen wurde völlig verboten: Ehefrauen müssen sich Beaufstchtigung durch die Wärter gefallen lassen. Noch Weggang der Besuche werden die Häftlinge bis aufs Hemd untersucht. Z. Es wurde ein« Polizeistund« eingeführt, jetzt wird um 10 Uhr das Licht in allen Räumen gelöscht, so daß Leute wie Toller, die für ihre schriftstellerischen Arbeiten meist die Ruhe der späten Abendstunden benutzten, jetzt in ihrer Tätigkeit wesent- llch gehemmt sind. 3. Im Gegensatz zur Feftungsordnung wurde eine strenge Briefzensur und Kouttskation aller mißliebigen Schriften durchgeführt. 4. Das Recht auf sechs Stunden Aufenthalt im Freien wurde auf zwei Stunden eingeschränkt. Einzelhaft, Hofentzug, hartes Lager, Kostschmälerung usw. wurden eingeführt. Die Behauptung einer„schamverletzenden Nacktkultur� durch die Gefangenen ist eine böswillige Erfindung. Trotz der Ablehnung eines parlamentarischen Unter- fuchungsausschusses durch die bürgerlichen Vertreter im bayerischen Landtag ist die bayerische Regierung jederzeit in der Lage, sich die notwendigen Informationen durch Entsen- dung eines Mannes nach Nicderfchönenfeld zu beschaffen, der seinen Beruf nicht lediglich als den eines Peinigers und Rächers ansieht._ Die amerikanische Zrieöenserklärung. New Zork. 28. Juli.(Funkspruch des MTB.) Nach einer Mit- tcikung des Chefs des Justizhepartements in Washington werden die Vorschläge über die Veröffentlichung der Friedensprotla- m a t i o n dem Präsidenten Harding voraussichtlich In d« nächsten Woche unterbreitet werten. tzunger, peft und Cholera. Helsingfors. 27. Zull.(EP.) Die Völker Rußland, sind in Bewegung wie in den Tagen der Völkerwanderung. 35 Alil- lionen Menschen find von der Hungerkatastrophe betroffen worden, und viele von ihnen ziehen nach anderen Gouvernement». Die hungernden Dauern belagern vrenburg. Ufa und Schadolnask. Tel- sabinsk ist gänzlich geplündert. 3n woronesch, Ezarycin und Sra»- neikut ist die Pest ausgebrochen. Washington, 28. Jull. Staatssekretär H n g h e» hat eine Not« an die S o w j-e t r e g i e r u n g gesandt, in der die Polltit der Der- einigten Staaten der Sowjetregierung gegenüber dargelegt wird. Es wird darin gesagt, daß, wenn alle amerikanischen Bürger, die noch In Rußland gefangen sind, wieder freigelassen werden, die Bereinigten Staaten eine Hilfsaktion für die von der Hun- gersnot betroffene Bevölkerung übernehmen würden. Die Note ver- vollständigt das Telegramm, das von Hoover an Maxim Gorti ge- schickt wurde. Der Kongreß von Lille. Lille, 28. Juli.(EP.) In der Nachmittagssitzung des Kongresses der EGT. haben mehrere Redner aller Richtungen gesprochen. Ton- lade, Minderheiller, verlangt die Trennung der EGT. von der Amsterdamer Internationale und Verwerfung des Internationalen Arbeiterbureaus des Völkerbundes. G i a d i c i e l l i sagt, daß man die Zweite Internattonale nicht verlassen dürfe in Anbetracht der internationalen Verpflichtungen, die die EGT. auf sich genommen hat. Der Kongreß nimmt einen Antrag an, der die Solidarität»- gefühle des EGT. für die streitenden Arbeiter Elfaß-Lothringens ausspricht. E a s s e r a t gibt bekannt, daß die Kommission, die gestern ernannt wurde, auf die Suche nach den Verantwortlichen für die gestrigen Ereignisse verzichtet hat in Anbetracht der Totsache, daß die bürgerliche Polizei eine Untersuchung in derselben Sache eingeleitet hat. Herr E a d o c t, Minderheitler, Mitglied der Kom- Mission, ist mit dem Verzicht nicht einverstanden. Der Kongreß küm- mert sich nicht darum, was die Polizei tut und besorgt seine Geschäfte selbst. Auf Antrag Iouhaux' wird der Beschluß auf Donners- tag vertagt und die Sitzung aufgehoben. Wie„Huinanltö" meldet, sind für den Bericht de sMgemeinen Arbeiterverbandes(EGT.) 2653, dagegen 1353 Stimmen abgegeben. Kemal kapituliert! London, 28. 2ull.(EP.) Nach dem„Daily Expreß" hat die türkische Regierung um die Vermittlung der Alliierten ersucht, um dem griechisch-türkischen Kriege ein Ende zu macheu. Ein WTV.-Telegramm au» Angara vom 27. veröffentlicht da- gegen einen türkischen Heeresbericht, nach dem die Schlacht bei Eski Schehir zugunsten der Türken auslief, havas behauptet, die Griechen zögen sich auf den Abschnitt Seid Ghazl zurück. Polizei gegen Reichswehr. Zu unserer Meldung im heuttgen Morgenblatt wird uns von unterrichteter Seit« aus Stettin mitge- teilt, daß von einer Vorbereitung des Angriffs auf die dortigen Polizsibeamten durch Reichswehroffiziere nicht gesprochen werden könne. Selbst wenn es sich aber um einen spontanen Angriff der Truppe handelt, würde dies für die verantwortlichen Stellen der Reichswehr keine Entlastung bedeuten. GroßSerün vom ikhemann vergiftet! Die Defttstognahme einer Leiche im Krematorium. Auf Grund schwerst Beschuldigungen, die gegen den Maschinen- Heizer Paul Martzak aus der Danziger Stt. 13 erhoben werden, wurde die Leiche seiner verstorbenen Ehesrau Ida kurz vor ihrer Einäscherung von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Martzak selbst wurde festgenommen, nach seinem Verhör aber wieder auf freien Fuß gesetzt, da für die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen keine genügenden Unterlagen vorhanden sind, die seine Inhaftierung rechtferttgen könnten. Martzak wird von Hausbewohnern und anderen Leuten drin- gend verdächtigt, seine Frau durch Darreichung vergifteter Milch ge- tötet zu haben und mit der Einäscherung der Leiche nur bezwecken zu wollen, daß die Spuren seines Verbrechens vernichtet würden. Frau Martzack war vor 14 Tagen nach dem Genuß von Fisch erkrankt und seitdem bettlägerig. Ihr Mann hatte ihr immer Milch an ihr Loger gebrocht, die, wie die Frau zu Rachbarsleutey gesagt haben soll, einen eigenartigen Geschmack und auch einen Satz gehabt haben sollte. Bor wenigen Tagen verstarb die Frau. Ein Arzt schrieb auf den Torenschein„Herzschwäche, vielleicht durch Genuß von schlechtem Fleisch". Der gegen den Ehemann gehegte Verdacht, daß er an dem Tode seiner Ehesrau, mit der er kein glückliches Eheleben geführt hatte, schuldig sei, wurde bei den Leuten noch be- sonders dadurch verstärkt, daß der Mann die Leiche nach dem Kre- mntorium bringen ließ, um sie dort einäschern zu lassen. Hierzu gehört jedoch ein« letztwillige Verfügung der Verstorbenen, und es wurde stark bezweifelt, daß diese vorhanden sei. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei haben nun ergeben, daß diecsr Schein tatsächlich gefälscht worden ist. Marzak hatte selbst die Urkunde ausgestellt und von einer ihm bekannten Frau mit dem Namen seiner verstorbenen Ehefrau unterschreiben lassen. Dies Aufruf des Verbandes für Volksgesundheil. Der Verband für Volksgesundheit, jene Organisation von Lebcnsreformcrn mif pazifistischer, sozialistischer Grundlage, welche innerhalb der Arbeiterbewegung arbeitet, fordert alle leöeMesmr. MMmm. WeliM. IM- M AMsleme. MWm der Yameü-Lmüg von Groß-Verlln ans. am Sonntagvormittag in Berlin zu bleibeu uud sich restlos au der Friedenskundgebung Nie wieder Krieg zu bekelligea. Sammelplatz: Sonulag. 31. Zoll, vorm. S Uhr püukkl. Mstriner platz(Ostbahnhof), Nähe des Schief. Lahnhof». Verband„volkegefundheii", Orksverem Groß-Berlin. m*■MuiuiTuiiiMiT—— wiiiiiiiwBa— a— m——■an gibt der Beschuldigte auch zu und führt als Veranlassung dazu an, daß seine Frau stets den Wunsch gehabt, eingeäschert zu werden, ihr plötzlicher Tod sie aber gehindert hätte, selbst diesen letzten Wunsch zu unterschreiben. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte daraufhin die Leiche im Krematorium und ließ sie nach dem Schauhause bringen. Die Leichenöffnung ergab jedoch keine bestimmten Anzeichen für eine Vergiftung. Zur genauen Feststellung werden Teile de» Magen- Inhaltes besonders daraufhin untersucht. Siebzehn Landwirte vor Gericht. Die Arelskornstelle von Zauch-Belzig hat keine Unterlagen. Wegen Richtablieferung und Beiseiteschaffung von Getreide waren 17 Landwirte des Kreise» Zauch-Belzig vor dem Schöffen» gericht Belzig angeklagt. Es standen den Angeklagten sehr hohe Strafen in Aussicht, die in die Tausende gingen. Die Landwirte ent- schuldigten sich mit Mävsefroh, Wildschaden und Mißernte. Die zum Termin geladenen amtlichen Schätzer erklärten, daß sie keine ge- nügenden Unterlagen zu dem Ertrag der damaligen Ernte hätten. Auch die Beamten der Kreiskornstelle konnten eine Feststellung über die Ernte nicht mehr atzgeben, da der Prozeß zu lange hingeschleppt war. Sämtliche Angeklagten mußten freigesprochen werten, weil dem Gericht keine Unterlagen von der zuständigen Kreiskornstelle gegeben werten tonnten. Diejenigen Bauern, die wegen Nicht- ablieferung von Milch und Butter angeklagt waren, mußten gleich- falls freigesprochen werten, da die Zwangsbewirtschaftung für Milch und Butter inzwischen aufgehoben ist. Der letzte Freispruch des Schöffengerichts dürfte sich kaum auf- recht erhalten lassen, falls die Verfehlungen in eine Zeit gefallen find, in der noch der Zwang zur Ablieferung bestand. Der Fall bedarf also wohl noch der Aufklärung. Belohnte Beschimpsungen. Recht merkwürdige Anschauungen scheint, dem Bericht einer be- kannten Berliner Mittogszeitung zufolge der Hausbesitzerinnen- Verein von Groß-Berlin(Vorsitzende: Frau Anna Schefsner, Berlin- Friedenau) von staatsbürgerlichen Pflichten in schwerer Zeit zu haben. Die verwitwete Frau Oberstleutnant Äiebergall-Reim, Charlottenburg, Schliiterstroße 24, war nämlich am 2. Juni von dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu 600 M. Geldstrafe vevurteilt worden, weil sie vor einer Spruchkammer' des Mieteinigungs- amtes X der Stadt Berlin das Mieteinigungsamt eine„Rechts- beugeanstall" genannt und den Wohlfahrtsminister Stegcrwald wegen seiner Höchstmietenverordnung als„Oberbonzen", Bürger- Mörder und mit noch einigen anderen noch scbärferen Ausdrücken belegt hatte. Der Hausbesitzerinnen-Verein von Groß-Berlin hat in- folgedessen der Frau Riebegall nicht nur„seine Anerkennung für ihre dem Hausbesitzcrstande gellende Aufopferung und ihr mutiges, von ihr als Frau gezeitigtes Berhalten" ausgesprochen, sondern die Frau Riebergall auch zu seinem Ehrenmitglied« ernannt. Die Angelegenheit wird erneut vor der Sttafkammer verhandell werden, da Frau Riebergall Berufung eingelegt hat. Leere Räume im Krankenhaus. Man schreibt uns: Das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in der Exerzierstraße hat infolge der immer ungünstiger gewordenen Finanzlage der Ge- meinde weiter abgebaut werten müssen. Verschiedene Pavillons Iind frei geworden, und dos Entbindungsheim ist seit dem 1. Mai ». I. geschlossen. Aussicht, daß die Finanzlage der Jüdischen Ge- meinde sich bessert, ist nicht vorhanden; das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Muß schon der Betrieb erheblich eingeschränkt werten, so dürfte wenigstens dafür Sorge getragen werten müssen, daß in einer Zeit der ungeheuren Raumnot die freige» wordenen Räume anderweitig verwendet werden. Für Bureauzwecke ließen sie sich sehr gut Herrichten. Es könnte sogar Rücksicht darauf genommen werten, daß dafür an anderer Stelle zum Teil Räume für einige kleine Wohnungen freigemacht werten. Das hätte das Gute, das die Jüdische Gemeinde ihre Finanzen aus- besserte und dadurch das Krankenhaus der Bevölkerung erhalten bliebe, und daß weller die freien Räume nützliche Verwendung fänden. Wie man hört, find solche Env?>.zOT(>zn von dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde auch angestellt worden. Magistrats- und Stgdt- verordnete hoben einem Abkommen zugestimmt, wonach der Stadt das an der Exerzierstraße belegene Schwesternhcim gegen Miete zur Verfügung gestellt werden sollte. Dieses Abkommen ist vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde nicht inne- gehalten worden, angeblich aus technischen und finanziellen Gründen. In weiten Kreisen der Bevölkerung wird diese Nachricht mit Be- fremden aufgenommen werten, zumal bekannt ist, daß in diesem Schwesternheim von einigen leitenden Schwestern starke Naumver- schwendung getrieben wird. Mit der schlechten Finanzlage der Ge- meinde ist diese Verschwendung nicht zu vereinbaren: auch nicht da- mit, daß die Gemeinde van der Stadt jährlich einen besonderen Zu- schuß von 609 999 M. erhäll. Das Verhalten der Jüdischen Gemeinde dürfte dem Rufe der Gemeinde nicht zuträglich sein. Bisher wurde sie gerade in den Arbeiterkreisen des Nordens ob ihrer vorbildlichen Krankenpflege dankbar genanill. Ten Landrat von Zauch-Belzig geht�s an. Es wird nun wirklich bald Zeit, daß der Landrat von Jauch- Belzig sich um Dinge kümmert, die, wenn sie so weiter laufen, ge» eignet nsid, uns außenpolitische Unannehmlichkeiten zu bringen. Im Kulturtheater in Potsdam, hinter dem Brauhausberg, wird nämlich sell eingier Zeit Kleists„Hermannsschlacht" gespielt, und nach den uns gewordenen Berichten benutzt ein alldeutscher Pöbel bisher jede Vorstellung zu nationalistischen Kundgebungen unerhörtester Art. Wir selber haben darüber berichtet. Run geht auch der„Freiheit" von einer Tellnehmerin folgender Bericht zu: „In den Pausen der Aufführung spielle eine Musikkapelle Deutschland, Deutschland über alles". Meine Freundin und ich blieben sitzen, während sich das nationalistische Publikum von den Sitzen erhob. Sofort zeigte sich der Bildungsgrad dieses bürger- lichen Publikums: es läßt sich schrifllich nicht wiedergeben, was uns wegen unseres Sitzenbleibens für Beschimpfungen zu- teil wurden. Plötzlich wurde die Aufmerksamkeit von uns ab- gelenkt, man hatte ein lohnenderes Objekt gefunden. In unserer Nähe war ein Japaner ebenfalls sitzen geblieben, und nun zeigten sich die deutschen Helden in ihrer ganzen herrlichen Tapfer- teit. Man griff den sich völlig ruhig verhaltenden Mann tat- l i ch an und schlug ihn auf den Kops. Der Tumull wurde allgemein, als sich ein jüdischer Herr des Japaners annahm." Das Naturtheater In Potsdam, das hinter dem Brauhausberg liegt, gehört pclittsch zum Kreis Zauch-Belzig und der Landrat dieses Kreises in Belzig hätte längst Anlaß Nehmen sollen, die Bor- stellungen derart überwachen zu lassen, daß der alldeutsche Janhagel überhaupt nicht dazu kommt, seine sadistischen Gelüste austoben zu lassen. Sollte aber Belzig zu weit von Potsdam entfernt oder der Landrat zu schwach sein, so würde sich das Ministerium des Innern freundlichst um diesen ekelhaften Betrieb bemühen müssen. Dnrchstich am Halleschen Tor. Die Bauarbeiten an der städtischen Untergrundbahn Nord-Süd sind am Halleschen Tore um ein wesentliches vorwärts geschritten. Vom Belle-Alliance-Platz kommend, unterfährt am Halleschen Tore die neue Untergrundbahn das westliche der beiden Torgebäude. Zur Durchführung war es also erforderlich, die Fundamente dieses Bau- werkes, welches ohne Beschädigung erhalten geblieben ist, durch neue zu ersetzen, die nicht in den Tunnelquerschnttt hineinragen. Unter die tragenden Mauern des Baues wurden also nach und nach schwere, und 1 Meter hohe I-Träger eingebracht, die jetzt den Tesigest rost für das ganze Gebäude bilden. Die Schachtarbeiten haben ve- gönnen und soeben wvrte der„Durchstich" vorgenommen. Bon bei» den Seiten ist die Ausschachtung des Bodens so weit oorgelchritjpn« daß nun das westliche Torgebäude seiner alten Fundamente völlig beraubt, nur noch auf den zu beiden Seiten des späteren Unter- grundbahntunnels befindlichen Tragemauern ruht. Die sorgfältige Ausführung der ganzen Unterfangung hat es bewerkstelligt, daß diese schwierigen Arbetten ohne jeden Schaden für dos Gebäude durchge- führt werden konnten. Zur Durchführung der übrigen Bauarbeiten ist bisher das Gebäude durch einen neben den Fundamenten liegen- den Bautunnel umgangen worden, so daß zmischen den beiden Tor- gebäuden«in Teil des westlichen Bürgersteiges und des Fahr- dammes durch Bauzäune in Anspruch genommen wertem mußte. Diese den Verkehr behindernden Zäune werten demnächst wieder abgebrochen werden können._ Die Sinderwagen-vlebin, über deren Auftreten wir wiederhqjt berichteten, setzt ihr schändliche» Treiben Immer noch ungestört fort. Gestern erschwindelte sie wieder einen kaffeebraun gestrichenen Wagen von einem Kinde in der Mufeumsstraße, ebenfalls unter der Vor- spiegclung, der Kleinen im Wagen eine Puppe�kausen zu wollen. Vor dieser Gaunerin kann nicht genügend gewarnt werden. Sie ist etwa 28 Jahre alt, hat ein hageres Gesicht, geht ohne Hut und trägt eine schwarze Bluse,«inen grauen Rock, schwarze Strümpfe und schwarze Halbschuhe. 3n der Badeanstalt ertrunken ist gestern der 27 Jahre alte Lichtbildvorführer Paul Hierse aus der Rostocker Straße 11. Als er in dem Wellenbad Plötzensee am Nordufer 17 badete, ging er plötz« lich unter. Obwohl er gleich geborgen wurde, war er schon tot. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Mohnungseinbrecher machten wieder an verschiedenen Stetten reiche Beute. So stahlen sie bei dem Kaufmann Mosius in der Sophienstrahe 15 Silbersachen usw. im Werte von 259 909 M„ au« der Wohnung des Dr. Friedrichs in der Herwarthstraße 4 Teppiche für über 20 000 M. Die Ausgabe von Platzkarten wird setzt so geregelt, daß für jeden Platz in jedem Zug« nur ein einziger Vordruck existiert. DU Ausgabe von zwei Platzkarten für den gleichen Platz ist somit au»- geschlossen. Eine Doppelbesetzung kann also überhaupt nicht mehr vorkommen. Im übrigen ist der Versuch als solcher noch nicht gb- geschlossen Allerdings müssen die Reisenden bei der Lösung der Platzkarten auch darauf achten, ob die gelösten und' verabfolgten Karten auch mit dem Zuge und dem Reisetage, den sie selbst ver- langt haben, übereinstimmen.— Die bisherigen Erfahrungen er- mutigen nicht zu einer allgemeinen Einführung. Cine Trieb, vagen Verbindung nach dem Scharmützessee tritt ab 81. I u l i auf der Strecke Fürftanwalde— Scharmützessee in Kraft, fo daß der Zug, der aus Berlin kommt, sofort Anschluß nach dem Scharmützelsee erhält. Der 6. kret»(H a l I e s ch« S Tor), veranstaltet-ry Sonntag. St. flul«, im Südwesten, w der fr. Bockbranerei, Aidlcinür. 2—8. wie w trüberen Jahren ein von den Genossen mit ihren Familien gern beiuchte» Sommerfest. Die Feftleitung bat alles versucht, um den Genossen mtt Ibren Familien einen angenehmen Sonntag zu bieten. EintrittSp-ei« t,50 Mark. Kinder in Begleitung Erwachsener bis 14 Jahren frei. Einlaß 2'/, Ansang 3fl, Uhr._ Das Wetter für morgen. Noch sehr warm nnd schwill, vielfach heiter, aber veränderlich mit wiederholten Gewitterregen und mätzigen vorherrschend südöstlichen Winden. Groß- berliner partewachrichten heute, Donnerstag, den 28. Jull: Zungsozialist««, Kruvv« Seandau. Abend« 7>/z Uhr im Jugendheim, Ulkt EchUtzeichau», Susanimenfunst Jun�sozialisten Tempelhos■ Martendorf. Die«ercmsteltuug am heutig«»ag» OeVerGhastsbeVögung Nachklänge zum Gutsarbeiterstreik. DI« SPD.�Nitgl!ed«r des Lerdandes der Gemeinde» und Stnats- ! arbeite? waren am Mittwoch abend zahlreich versammelt, um einen Vortrag des Genossen»Polens le über den Verlaus des Guts- arbeiteistreiks zu hören. Die Erhöhung ües Srotpreises. Die Stellungnahme der Bäckergesellen.( z)er Referent kam in seinen sehr sachlichen Ausführungen auf die Die Zwangswirtschaft für Brotgetreide wird am 15. August Gründe zurück, die den Streik veranlaßt hoben, und schilderte dann einer anderen Regelung unterzogen, auch das Kuchenbackvcrbot fällt. Hessen bekannten Verlauf. Einem Sympathiestreik habe man mit Von diesem Zeitpunkt ab soll das Arbeitslosenproblem«n Bäcker- sehr gemischten Gefühlen gegenübergestanden, weil hierbei die Still- -«werbe nach Ansicht der Bäckermeister völlig gelost fem. Die Zahl. Regung sämtlicher lebenswichtiger Betriebe der Stadt in Frage ge. .telle Berlin des Zentralverbandes der Backer, Konditoren und ver- kommen wäre. Der Redner rügte incbesondere, daß eine Einigung wandter Berufsgenossen Deutschlands hatte daher am Mittwoch eine aljf die von allen beteiligten Fraktionen anerkannte zehnprozentig« öffentliche Versammlung einberufen, in der zur Aufhebung der � Zulage nicht zustande gekommen sei. indem ein Teil der Magistrats- Zwangswirtschaft und der Arbeitslosenfrage im Backereiberuf! Mitglieder nachträglich nur für VA Proz. gestimmt habe, die dann tellung genommen wurde.— Außerdem wurde die Frage der schließlich von den Streikenden angenommen wurden. In der fol- IS Lohnerhöhung behandelt. Der Vorsitzende der Zahlstelle Berlin des Bäckerverbandes Schutzmann referierte. Er schilderte die� Lage im Bäckergewerbe qenden regen Aussprache wies Genosse Dr. Vorchardt die gegen ihn im Verlaufe des Streiks erhobenen Angriffe als seder Grundlage entbehrend zurück. Völlig un steptisch gegenübergestanden habe. Der Beschäftigungsgrad in den Bäckereien hängt ob von dem Konsum. Durch das Sinken der Reallöhne ist aber die Bevölkerung - l r—..... r �. P v* v> a v» y». v» ♦ i» ♦» 1 1 ä— und erklärte, daß der Fachausschuß der Versicherung der Bäcker, wabr sei der Vorwurf, daß er sich bei einer Verhandlung gegen die meister, daß nach Aufhebung der Zwangswirtschaft die Arbeits. Zulassung von Arbeitervertretern erklärt habe. Auch könne ihn losigkeit im Bäckergewerbe oerschwinden werde, von vornherein! k e i n Vorwurf treffen, daß er ein« Sitzung ver» lassen Hab«, in der sonst ein« Stimmenmehrheit für die Forderungen der Streikenden erreicht worden wäre. C r h a b e di e bez ü g li che S i tz u ng n a ch nicht so zahlungsfähig, um so viel kaufen zu können, daß für aus. mehrstündiger Verhandlung verlassen müssen. reichend« Beschäftigung der Bäcker gesorgt ist. Es ist auch zu be-!um an anderer Stelle eine unabweisbar« Pflicht fürchten, daß die zahlreichen Kleinbäcker durch Einstellung von Lehr, zu erfüllen jedoch mit dem Vorsatz, baldigst wie. lingen und auch durch erhebliche Ueberschreitung der achtstündigen! d« r z u k o m m e n. Hiervon habe er auch den anwesen- Arbeitszeit auf die Beschäftigung von Arbeitslosen verzichten werden. Zden Parteigenossen sofort Mitteilung gemacht. Bisher waren sie gezwungen, auf ein bestimmtes ihnen zugeteiltes � S a n z wider Erwarten fei ober inzwischen di« Ab. Kontingent Mehl eine bestimmte Zahl von Bäckern einzustellen. Stimmung im Ausschuß erfolgt, die Stimmen» Nach Aushebung der Kontingentierung würde dieser Zwang fort- gleichheit ergab. Auch wenn er nicht gefehlt hätte, würde ..... Vorschlag des Arbeitsministeriums auszuführen, Ar- daraus noch keineswegs zu folgern sein, daß die Sache endlich öäckergewerbes In anderen Berufen unterzubringen, ist anders für die Streikenden verlaufen wäre. Folgende Rrfo'ution wurde einstimmig angenommen: ..Die heutige Versammlung der SPD.-Mitglieder des Gemeinde- und Staotsarbeiteroerbandes hat mit Bedauern Kenntnis genommen Warenpreise hervorgerufen werde. Das Beispiel Hamburgs aber von der Haltung der Genossen in den städtischen Körperschaften aus beweist, daß noch Aufhebung der Kontingentierung Anlaß des Streits der Rie'elfelderarbeiter. Sie boouftragt den fallen. Den beitslose des Bäckergewerbes... bei der Lage völlig unmöglich. Es ist der Vorwurf erhoben worden, daß durch die Kontingentierung die Arbeitskraft nicht völlig aus- genutzt werde und daß dadurch auch eine Erhöhung der Bach »eist, die Preise infolge der Kalkulationen der Arbeit. geber gestiegen sind. Nach dem 15. August werden olle Ar- beiter mehr Lohn fordern müsien und die Bäcker werden da nicht zurückstehen können. Nachstehende Entschließung, in der die weiteren Ausführungen des Referenten zusammengefaßt sind, wurde von der Versammlung einstimmig angenommen: „Die am Mittwoch den 27. Juli im Gewcrkschaftshaus tagende Versammlung der Backergesellen von Groß-Berlin fordert den Magistrat bzw. die Ernährungsdcputation auf, an dem bis �etzt in der Kontingentierung liegenden Bsschäftigungszwang für Backcrge» 'ellen nichts zu ändern. Würde doch durch den Wegfall des Be- chäftigungszwangcs die schon jetzt durch ihre Dauer sehr drückende Fraktionsvorftand, mit der Berliner Parteileitung dieferhalb in Ver binln-na zu treten." Alsdann kam di« Lohnfrage zur Sprache. P o l e n s k e konnte berichten, daß bereits mit den zuständigen Stellen Rücksprache ge- nominen sei, und daß man dort zu Verhandtungen bereit lein würde. Falls eine Einigung auf diesem einlachen Wege nicht erfolgen sollte, solle eine Schlichtungsinftanz entscheiden. Wünschenswert würde es fein, wenn man ohne Kündigung zu einer Erhöhung' gelangen könnte. Tarifkündigung in der chemischen Industrie. ,______„.,. Die Afa-Funktionäre der chemischen Industrie erörter- rbcitslostgkeit sich zur Ünerträ'giichkeit steigern. Dies um so mehr, ten in einer Versammlung am Mittwoch die Frage der Tarif. als prozentual die Arbeitslosigkeit im Bäckerberufe die größte und kündigung. Iungblut vom Zentralvcrband der Angestellten durch die übergroße Mehrzahl von Kleinbetrieben im Bäckergewerbe und Günter vom Bund technischer Angestellten referierten. Sie (SS Proz. aller Betriebe) noch vergrößert werden würde durch lange stellten fest, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse so gestaltet Llleinarbeit des Arbeitgebers oder durch Ersatz durch billige Arbeits- haben, daß die Angestellten der chemischen Industrie dringend einer kräfte, durch Lehrlinge. I Verbesserung ihrer Lag« bedürfen, und daß In den nächsten Der angeblikye volkswirtschaftliche Nachteil, den die Kontingen. Monaten die» Bedürfnis durch die Auswirkung des Diktats der tierunq in sich bergen soll, würde durch den Wegfall derselben nicht � Entente und durch neue Verteuerungen der Lebens. beseitigt, sondern würde durch die Vergrößerung der Arbeitslosigkeit! m i t t e l. insbesondere des Brotes, noch erheblich verstärkt werden der„volkswirtschaftliche Nachteil" nur anderwärts gebucht. Durch l wird. Di« Frag« sei nur die, ob die notwendig werdende Tarif- diese anderweitige Buchung ergäbe sich aber noch eine Verschlechte.. kündigung bereits, wie es angeregt war. zum 1. September oder rung für die Gesamtheit, als ja zu dem angeblichen materiellen Ver-! erst zum 1. Oktober erfolgen solle. Alle Gründe, namentlich die lust noch ein moralischer hinzukäme. Anderseits muß aber die Ge- inzwischen eintretende bessere Uebersichtlichkeit der Gestaltung der sellehschaft gegen die Aufhebung der Kontingentierung und de» darin Lebensbedingungen, ließen eine Tarifkündigung erst zum 1. Ok- kennen gelernt, als er in der Provinzial-Landtagsoersammlung gegen den Oberpräsidenten und sämtliche republikanisch gesinnten Staats- beamten vorging und den Wunsch aussprach, daß diese sofort aus dem Amte entfernt werden mögen. Es wird allgemein angenommen, daß H. nach dem Posten des Oberpräsidenten strebt, und damit wäre auch den Arbeitg bcrn zweifellos gedient. Die Arbeiterschaft der Vcreinsbrauerei hat sich einen Betriebs- rat gewählt, aber Herr Direktor Feig hat denselben nicht anerkannt. Die aushängende Liste war eines Tages verschwunden und Herr Feigt bestimmte seine Getreuen zum Betriebsrat. Das sind Zu- stände, die unbedingt beseitigt werden müssen. Es wird erwartet, daß das Reichsarbeitsministerium, das in dieser Angelegenheit an» gerufen ist, im Interesse der Arbeiterschaft eingreifen wird. Tarifverträge im Bekleidungsgewerbe. Im Jabr« 192» wurde nach einer Stalistik de« Deutschen Be» lleidungsarbeiterverbandes im Bekleidungsgewerbe 234 Tarife neu abgeschlossen und 32l erneuert. ES bestehen zurzeit 4 Reichs» und 551 OrtStarife, die sich auf 530 Orte erstrecken und 21 157 Betriebe mit 291 679 Personen erfasien. Auf dem Wege der Verhandlungen wurden sür 29 432 Betriebe mit 195 825 Personen 519 Tarife abgeschlosien. Der Abschluß von 36 Tarifen für 675 Betriebe und 5245 Personen konnte erst mit Hilfe deS Streiks erreicht werden. Die vier Reichstarife er- strecken sich auf 375 Orte und umfassen in 9599 Beirieben 77 884 Beschäftigte, während die Ortstarise sich auf 539 Orte mit 11 576 Betrieben und 123 186 Beschäftigten erstrecken. Bei der Mahl zum Verbandstag der Metallarbeiter wurde in Frankfurt a. M. die Liste Mulanski lSPD.) mit 4614 Stimmen ge- wählt. Die Unabhängigen erhielten 3786, und die Kommunisten, die ebenfalls, trotzdem nur zwei Listen zugelassen wurden, eine be» sondere Liste aufgestellt hatten, 772 Stimmen. llandarbeiterstreik in Sachsen. In vielen Orten der Amts- hauptmannschaft Leipzig sind die landwirtschaftlichen Arbeiter infolge Ablehnung an Lohn, und Deputatsforderun- gen in den Ausstand getreien. Unruhen in Lodz. In Lodz ist es erneut zu großen Unruhen unter den streikenden polnjlchen Textilarbeitern gekommen, die Lohnerhöhung und die Einführung von Fabrikarbeiterräten fordern. Gelegentlich einer Demonstration vor dem Gebäude des Lodzer Ar» beitgcbcrvcrbandes und dem Amtssitz des Woywoden machte die Polizei und die berittene polnische Gendarmerie von der Waffe gegen die Volksmenge Gebrauch, wobei es eine große Anzahl Toi« und Verwundete gab. Die polnische Militärkommandantur gab be» kannt, daß im Falle einer noch längeren Dauer des Streiks die streikenden Arbeiter rücksichtlos zum Militärdienst einberufen und an die oberschlesische Front geschickt würden. Betriebsräte und Funktionäre der städtischen Betriebet Freitag, den 29. Juli, abends 6 Uhr Vollversammlung im Patzenhofer vor- mals Bockbrauerei, Fidicinstr. 2/3. Tagesordnung: Stellungnahm« zur Lohnforderung bzw. Tarifkündigung. Baad der technischen Aa-.estelllea aad Beamte». Freitag. 7 Uhr. Vertrauen». ~'"'----- Archltettea im gimmer« männeroerlanitnlung der der Haoerlaads-Festsüle, achgravnen doch» Tiefdau t Friedrich str. 85, &ivtfeSyafi enthaltenen Bcschäftigungszwangs protestieren, als sie ja dadurch die yexwirklichung der 19 Punkte des ADGB. preisgeben würde, di« dlttch Die Kontingentierung bisher für das Bäckergewcrbe bestand. Der Wegfall der Kontingentierung muß aber auch deshalb zurück- gewiesen werden, als ja der von den Gegnern als Volkswirtschaft- licher Nachteil bezeichnete Teil schon jetzt in Wegfall kommt. Ist doch bei der Brotpreisberechnung für den 15. August die Lohnerhöhung, die sich durch die kommende Brotpreiserhöhung und deren Fern- Wirkung notwendig macht, nicht mit m Ansatz gebracht worden, sondern wird sich diese nur auf der unbewirtschafteten Produktion aufbauen. Die Versammlung weist aber au» diesen Gründen auch alle etwaige, wie schon in früherer Zeit erhobene Vorwürfe� der Bro! praktische? erscheinen im Interesse einer günstigen Durch» der Tarifberatung. t o b« r führimg Alle Diskussionsredner mit einer Ausnahme hießen diesen Vor- schlag gut. Die Versammlung beschloß dann auf Antrag eines Mit- gliedes der Tariftommission, daß im August eine allgemeine Mit- gliederversammlung der den Asa-Verbänden angehörenden Mitglie- der aus der chemischen Industrie über die Tarifkündigung beschließen soll. Die Versammlung wird um den 29. August herum stattfinden. Ein Arbeiterfeind. Ein Demobilmochungstommiflar, wie ihn die Reaktion wünscht. Ist der Regierungerat Dr. Höhnen, Stralsund. Vom Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter wurde der Schlichtungsausschuß an» verleurer zu sein, ganz energisch zurück und weist die Bevölkerung gerufen, weil die Brauereidirektoren der vorpommerschen Brauereien darauf hin. daß in dem neuen Brotprcis, welcher ab 15. August jede Verhandlung mit der Bemerkung ablehnten, daß nunmehr die zu zahlen ist, kein Pfennig erhöhter Lohn, aber 6,4 Pf. für Verteuerung von Kohle und sonstigen Artikeln und rund ILO Alk. für die Erhöhung des INchles enthalten sein wird. Die Bäckergesellen verlangen also nichts als Arbeit und dadur Exlstenz, was durch die Kontingentierung mit erreicht wird, deshal fordern sie die Beibehaltung derselben." est zum Lohnabbau gekommen sei. In der Schlichtungsausschuß' tzung am 8. Mai 1921, die Regierungsrat Dr. Brauns als Vor- sitzender leitete, wurden die Löhne in der Stralsunder Vereins- braucrei um 25 M., in Greifswald um 29 M. pro Woche erhöht. Die Arbeitgeber und auch deren Vertreter Herr Heydcr, ein früherer Hauptmann, lehnten jede Lohnerhöhung ab. Nun wurde der De- mobilmachungskvmmissar anaerufen. Trotzdem in allen Städten In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten" i esii to mnÄLrnÄ hTirnn™ ffa m„rh„„„rf, inshrtnnhJ. Wm.f hinn.mipl.n hat. Pommerns die Lohne 295 M. und 195 M. wöchentlich betragen. unterstrichen. Es wurde auch insbesondere darauf hingewiesen, daß die Bäcker 25 Proz. Arbeitslose aufweisen und daß die Arbeitsnach- weise bisher bei Ueberführung der Arbeitslosen in andere Berufe völlig versagt haben. Ferner wurde sür die Kommunalisierung der Lrotoersorgung eingetreten. Dr. Herz gab als Mitglied der Er- kiährungsdeputation die Erklärung ab, daß sich die Kommission für di« Beibehaltung der Kontingentierung einsetzen wird.(Beifall.) Zur Lohnforderung referierte ebenfalls Schumann. Er ersucht« die Versammlung um Ermächtigung bei den Verhandlungen mit den Unternehmern, eine Lohnerhöhung von 39 Proz. zu fordern. In der Diskussion wurde die Erhöhung um 30 Proz. als Jlfln- deflforderung bezeichnet. Auch sprachen die Redner sich scharf g«g«n die Nachtarbest aus. Man sollte die Bäckereien kontrollieren, die schon morgens um 6 oder 7 Uhr frisch« Schrippen liefern. Die Versammlung stimmte dem Vorschlage, eine Lohnerhöhung von 89 Proz. zu fordern, emstimmig zu. wurde unterm 15. Juli die Verbindlichkeitserklärung des Schied» spruches von Herrn Höhnen mit folgender Begründung abgelehnt: „Dem Antrage vom 26. Mai dieses Jahres auf Derbindlichkeits- ertlärung des Schiedsspruches des Schlichtungsausschusses in Stral- sund vom 3. Mai dieses Jahre» in Sachen gegen die Stralsundische Vcreinsbrauerei in Stralsund, die Herkulesbrauerci und die Hendriks» braucrei in Greifswold wegen Abschlusses eines Tarifvertrages vermag ich nicht stattzugeben. Die Erledigung dieses Lohnstreiks muß einer gütlichen Einigung vorbehalten bleiben, da die notwendige Rücksicht- nähme auf da» allgemeine Wirtschaftsleben ein staatliches Eingreifen, wie etwa bei lebenswichtigen Betrieben, hier nicht erfordert. I. V.: gez. Dr. Höhnen." Herr Höhnen ist wahrscheinlich der Ansicht, daß den Brauereien, wenn sie diesen Lohn zahlen müssen, nicht genügend Profit verbleibt. Daß ober die Arbeiterschaft mit einem Wochenlohn von 165 M. zugrunde geht, das kümmert diese Herren wenig. Uebri- gen» hat die Arbeiterschaft diesen deutschnationalen Dr. Höhnen schon Verschiebung und Preiswucher mik Hasenfelleu? Hasenfelle, bzw. die davon gewonnenen Haare, sind ein unent- behrliches Rohprodutt für die Hutinduftri«. Nach einem un» zu» gegangenen Berichte des Zentralverein» der Hutfabrikanten Deutsch» lands scheinen sich gewisse unlautere Methoden, die seit Kriegsbeginn in die verschiedensten Zweige d«s Handels eingerissen sind, auch beim Handel mit Hasensellen bemerkbar zu machen. Der genannte Verband teilt mit, daß die Haarhuttndustrie wohl reichlich mit Austrägen versehen ist, auch noch für eine gewisse Zeit zu annehmbaren Preisen eingekaufte» Hasenhaar besitzt, daß indessen in letzter Zeit wieder eine wilde Spekulation in Hasenfellen Platz ge- griffen und die ursprünglichen Fellpreise von 19 M. pro Stück bi» auf 23— 25 M. pro Stück hinaufgetrieben hat. Infolgedessen haben die Hutfabrikanten in ihrer letzten Lerfammlung elne So e r r e im Hasenhaareinkauf mit sofortiger Wirkung beschlossen und die Geschäfts? eiwng beaustragt, mit allen Mitteln bei den Behörden dahin zu wirken, daß die Zurückhaltung der Hosenielle ftiten» einiger weniger Spekulanten oder die unbefugt« Hinausfchaffung von Hasen- fellen in das Ausland sofort inhibiert wird. Es wird Aufgabe de» Deusschen Hutarbeiterverbondes fein, diese Mitteilungen der Fabrikanten zu überprüfen und gegebenenfalls auch seinerseits alle Maßregeln zu ergreifen, um eine durch Spekulations- wut und Gewinnsucht der Fellhändler seinen Mitgliedern drohende Arbeitslosigkeit zu verhindern.— Berbandstag der deukfcheu hau»,«md Srandbeflhervereine. Der 42. Verbandstag des Zentralverband«» deutscher Haus» und Grundbesitzcrvereine findet in den Tagen vom 6. bis 9. August in Köln a. Rh. statt. Neben einem Empfangsabend mit musikalischen usw. Darbietungen, verschiedenen gemeinschaftlichen Mittagessen und einer Dampferfahrt nach Königswinter werden die Herren Hausbesitzer sich auch mit der„Aushebung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen", mit ihren„Forderungen zu einer Neugestaltung der Mieterschutzgesetzaebung" und anderen Fragen befassen. Die Presse ist zu dieser Veranstaltung ergebenst eingeladen. Sie kann sich die Reise nach Köln schenken. Was dort geredet werden wird, kann man sich ungefähr denken. Man hat dasselbe schon zu ver- schiedenen Malen anderweitig gehört. Beranlw. für den redott. Teil: Dr. Werarr vcisrr,«darlotteabara: für«nzeigrn: 53. Glocke, Berlin. Verla«: BorwürtS-Verlag 9. m. i. H.. verlin. Druck: Bar- wärtS'Buchdrackerei a.«erlaaSanstalt Baal Stniier u. to.. Berlin, vindenür. 8. Snimprilfe, m siel; ewig bindet! Als Selbsthersteller liefere ich in QusM-it und Preis einzig dastehend Trauringe ts i Traarlnr, vuk. q I1, Ouk.-Trauring;. . von 7S M an i .... 240 M. 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