» gp, TWTrgpag Musgabe Hc. 179 Bezugspreis t _______. h-cL 30,— an., monatL 10,— OL frei ins Saus, ooraus zahwar. Posi- bczug: aiionarlich 10,— M. einschl-Lu- stell» ngsgebühr. Unter Kreuzband Illr Deutschland, Danzig. das Saar» und Memelaebiet, sowie die ehemals beut- scheu Sediete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— ZJl, fiit das übrige Ausland 27.— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungar», Tschecho- Slowakei. Däne- mark. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts' mit der Sonntag»- beilage.Volk und Feit', der Unter- Morgen-Ausgabe �30 Pfennig� haltungsbeilage �»eimweit' und der Beilage.Siedlung und Kleir l Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal, Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „SojialOemohral Serltn' r* Devlinev Volksblati AuzetgenpretS» Sie achtgespaiten«� NonoareMezetl, tostet ächv all.„Ilieiiw Unjclgcii* du» leugedruckt» Wort ichO ilL(zu- lässig zwei fettgedrii-kt» Worles, sede« weiter» Wort U— ZU. Stellengesuch» und Schlafstellenanzeigen da» erst, Wo« u— Di, lede» wettere Wo« «0 Psg. Wotte Uder lä Buchstaben zählen sstr zwe, Won«. ffamtlien-An- zeigen für Abonnenten geile 3— M Di« Preise oerstehen sich«nschlieglich Ten erungs, Uschlag. m «»zeigen für die nächste lltumm-l müssen dt» 5 Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin EW«3. Lindem strasie st. abgegeben werden. Deoffne, oon 9 Uhr iriih bis b Uhr abend» Zentraiorqzn der rosialdemokrati rdien Partei Deirtfcblands ReSaktion und Expedition: SW H8, Linöenstr. Z Redaktion Morthplatz i)7 �ernsprerycr. Expedition Morinplav 117S»-S4 Freitag, den ÄS. Juli 1921 Vorwärts-Verlag G.m.b.H., SW SS, Lindenstr. Z ÄternkttreiZl�B' Berlag, Expedition und Inseraten. »ssernsprcrycr. zlbte�uug Moritzplatz 11783-54 Der englisth-italiemsthe Vorschlag aussichtsreich! ver sielefeiser Iugendtag London. 28. Juli. tEP.) Die grundsätzliche Annahme des Vorschlages der englischen und italienischen Oberkommissare in Oppeln zur Regelung der oberschlesischen Frage durch Frankreich gilt als gesichert. Diese Lösung wurde vom englischen Obersten Percival und dem italienischen General de Rl a r i n i ausgearbeitet und vom neuen englischen Kommissar Stuart und dem italienischen Oberst Visconti unterstützt. Verschiebung der Pariser Konferenz. London. 28. Zuli.(WTv.) Reuter erfährt, daß das Sa dt nett, das heute vormittag zusammentrat, die ober- s ch l e s i s ch e Frage behandelt habe. Es sei kein Grund vor- Händen, zu glauben, daß die britische Regierung die gezenwär'.ige Lage al» so ernst ansehe, wie es in einigen Kreisen der Fall zu sein scheint. Obgleich es sehr wahrscheinlich ist. datz die Zusammen- kunfi des Obersten Rates wieder etwas hinausgeschoben werden wird. Lord C n r z o n hakte heute nachmittag eine Unter- redung mit dem französischen Botschafter., Ministerrat in Paris. Paris, 28. Juli.(MTB.) Ueber den heutigen Ministerrat mird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: Ministerpräsident B r i a n d hat seinen Kollegen eine vollständige Uebersicht über die diplomatische Lage gegeben, insbesondere über die durch die oberschlesische Frage geschaffene Lage. Da er von dem französischen Botschafter in London benachrichtigt worden ist, daß die englische Regierung erst heute über die Fragen beraten werde, die die französische Regierung gestellt hatte, entschloß sich der Mi- nisterrat, morgen im Elysce erneut zusammenzutreten, um die Antwort der englischen Regierung zu prüfen. französische Zugeständnisse. Varl«. 28. Iull. jucher einen herzlichen Empfang bereitet. Aber das menschliche Bild beider erhält durch die Schilderung Friedrichs Leben und Rundung. Empfehlungsschreiben, so erzählt er, halte ich zwar keine, hielt diese aber auch, als mit Goethes Verwandten genau bekannt, für un- nötig. Ziemlich von der Reise ermüdet, hatte ich treK-'ch geschlafen, kleidete mich schon in aller Frühe recht sorgfältig an, und da ich doch den großen Dichter nicht wohl in den ersten Morgenstunden in- kommodieren konnte, so trieb ich mich einstweilen in den eben nicht jehr schönen und krummen Straßen Weimars herum. Es schlug endlich zehn und ich eilte nun nach Goethes Wohnung, wo ich mich als einen Landsmann und guten Bekannten seiner Fa- milie melden ließ. Ich ward sofort vorgelassen, traf ihn jedoch nicht allein, sondern in Gesellschaft einer ziemlich martialisch aussehenden Dame. Ich hatte ihn nur«in paarmal und immer nur einige Augen- blicke gesehen, wenn er auf Besuch in Frankfurt war. Er sah der Frau Rat, seiner Mutter, ähnlich, war von ziemlich hoher Statur, kam mir etwas breitschulterig vor, trug das Haupt hoch, und in seinen Mienen drückte sich ein mich abschreckender Ernst, ja sogar Strenge aus. Die ganze Figur kam mir steif und abgemessen vor, und vergeblich suchte ich in seinem Gesicht«inen Zug, der mir den gemütvollen Verfasser von„Werthers Leiden" oder„Wilhelm Meisters Lehrjahren" ver- raten hätte Bei feinem Anblick erstarrte mir das Blut fast in den Adern und das Herz war mir, wie die Frantfurter sagen, so ziem- lich in die Schuhe gefallen. Nur stotternd und stockend tonnte ich mein Anliege» vorbringe«, bei dem jei» M verstnjternder Blick msr Soweit in st» verzweifelter Situation Hilfe möglich ist. erheischt sie den sofortigen Aufschwung oller tatkräftigen Elemente der Nation, die Befreiung der Gesellschaft von politischer Bevormundung und politischem Druck. Ohne größere Freiheit ist Rußland nicht zu retten! Aber auch nicht chne eine Hilfsaktion des Auslands. Und diese darf nicht abhängig gemacht werden von den politischen Verhältnissen der Sowjetrepublik. Es haben sich Stimmen erhoben, die das jetzt dort herrschende Regicrungssystem für diö Größe des Elends verantwortlich machen. Sie dürfen das Hilfswerk nicht be- einträchtigen, den Eifer zur Hilfe nicht abschwächen. Um so mehr, da es sich um unsere eigene Rettung ebenso handelt, wie um die des russischen Volkes. Der russische Seuchenherd ist so groß, daß von ihm aus die Ansteckung weit über Rußlands Grenzen getragen zu werden droht, wenn wir nicht rechtzeitig mithelfen, ihn energisch einzudämmen. Wenn das Haus in Flammen steht, fragt man nicht lange, ob der Besitzer durch Handlungen oder Unterlassungen Mitschuld am Brande auf sich geladen hat. Das erste ist, man sucht zu retten, was zu retten ist, und die Flammen zu löschen, so rasch es geht. Und darum schließen wir uns aus vollem Herzen dem Rufe an: Hilfe für das arme, verhungernde Volk von Rußland! Laßt es nickst die Sünden seiner Regenten entgelten! Diesen aber rufen wir zu: Reißt ab die Fesseln von den Völkern, über die das russische Reich heute gebietet, gebt frei die Kräfte, die drängen, die Hungernden und Elenden aufzurichten und ihnen Rettung zu bringen! Eduard Bernstein. Karl Kauksky. Groß-Verlmer Wahlen: 16. Oktober. Im weiteren Verlaufe der Beratungen des Ständigen Ausschusses des Preußischen Landtags über die Notverordnung zur Siche- rung einer geordneten Verwaltung in der Stadtgemeinde Berlin sprach sich Abg. Otto-Eharlottenburg(Dem.) sowohl gegen den Antrag W e y l, der der einstweiligen Stadtverordnetenversammlung alle Rechte der bisherigen zuweisen wollte, aus, als auch gegen den Antrag Dr. o. Richter(D. Vp.), weil nach diesem schon ein Viertel der Mitglieder der einstweiligen Stadtverordnetenversammlung oder einstweiligen Bezirksversammlung einen Beschluß beanstanden können. — Abg. Schulte(Zentr.) vertrat denselben Standpunkt. Auch die Regierungsvertreter erhoben gegen den volksparteilichen Antrag Bedenken. Bei der Abstimmung wurden der Antrag Weyl(U. Soz.) und auch der Antrag v. Richter(D. Dp.) a b- gelehnt. Artikel I wurde in der Fassung der Regierungsvorlage unverändert angenommen. Danach sind die Mitglieder der bisherigen Stadtverordnetenversammlung und der bisherigen Bezirksoersamm» lungen verpflichtet, die regelmäßigen Geschäfte dieser Körperschaften und notwendige Geschäfte anderer Art, die keinen Aufschub dulden, als e i n st w e i l i g e Stadtverordnetenversammlung und als einstweilige Bezirksoersammlungen fortzuführen, bis die neugewählten Versammlungen in Tätigkeit treten. Die einst- welligen Versammlungen sollen alsbald zur Wahl ihres Vorsitzenden, der Schriftführer und ihrer Stellvertreter zusammentreten. Eine erneute Einführung und Verpflichtung der Mitglieder findet nicht statt. Versagt der Magistrat oder ein Bezirksamt einem Beschlüsse die Ausführung, weil der Beschluß nicht zu den regel. mäßigen Geschäften gehöre oder nicht unaufschieblich sei, so ent. scheidet der Oderpräsident endgültig. Nach Artikel II der Regierungsvorlage sollte der Minister des Innern den Wahltag für die bevorstehende Neuwahl der Stadtverordneten und der Bezirksverordneten bestimmen. Der Ausschuß lehnte in diesem Punkte die Regierungsvorlage ab und belchloß endgültig, daß die Neuwahlen am tö. Oktober staklsinden sollen. Nach Artikel III ist wahlberechtigt, wer die im Landes- Wahlgesetz vorgeschriebenen Boraussetzungen erfüllt und seit einem Jahre seinen Wohnsitz im Gemeindeoezirk Berlin hat. Hinzu- gefügt wurde, daß diese Bestimmungen nur für die Neuwahlen am 16. Oktober gelten. Sozialdemokratische Anträge, die Aufenthaltsfrist überhaupt zu streichen oder auf 6 Monate zu verringern, wurden abgelehnt. Wie bei den ersten Gemeinde. wählen in Verlin. wurde auch hier bestimmt, daß rentenempfangende Kriegsbeschädigte, heimgekehrte Kriegs» und Zivil- gefangene, sowie F l ü cy t l i n g e aus den verlorenen oder be» eiskalt durch die Adcrn schauerte. Ich stammelte, daß ich, sein« Werke lesend, eine unwiderstehliche Neigung für die Bühne geschöpft, daß sein Wilhelm meine Liebe zur Schauspielkunst aufs höchste gesteigert habe, nannte ein Dutzend Rollen, die ich schon einstudiert, vergaß aber in meiner Bestürzung unglücklicherweis« einig« aus seinen Stücken zu nennen, obgleich ich auch den Egmont auswendig gelernt.— Als mich der finstere Mann endlich fragte, ob ich keine Briefe an ihn mit- gebracht und ich ihm hierauf den Geniestreich, den ich gemacht, und zu dem mich hauptsächlich sein Wilhelm veranlaßt hatte, eingestand, da legte sich seine Stirne noch mehr in Falten, nur ein karges:„So. so," entwischte noch seinen Lippen, und nachdem er gefragt, wo ich wohne, verabschiedete er mich mit der Bedeutung, er würde mich dos weitere wissen lassen, ich sollt« mich indessen ruhig in meinem Gast- hos verhalten. Wie mißmutig mich der gegen alle meine Erwartungen eisige Empfang und die unfreundliche Aufnahme gestimmt, kann man sich denken. Mehr Anteil, so schien es mir, habe noch die neben meinem steifen Landsmann stehende heroisch« Dame an mir genom- men, wenigstens schienen dies ihre Blicke zu verroten, denn sie war während der ganzen Szene stumm geblieben. Gar zu gerne hätte ich zu Goethe gesagt:„Was sind Sie für ein hölzerner Patron. Sie können unmöglich Wilhelm Meisters Lehrjahre geschrieben haben". oerschluckt« es aber. Als ich mit einer stummen Verbeugung aus dem Zimmer war, ward es mir wieder leichter ums Herz, und ich erkundigte mich bei einem dienstbaren Geist, wer die Dam« sei, die ich gesehen, worauf mir der Bescheid wurde:„Eine französische Frau, die sich Madame von S t a e l nannte." Nachdem ich mich einigermaßen von meiner moralischen Erkältung erholt hatte, dachte ich, du mußt es doch auch bei Schiller versuchen: dieser, obgleich schon sehr leidend, nahm mich doch weit freundlicher aus und gestattete mir, ihm Ferdinands Monolog:„Verloren, ja Unglückselige", sowie ein Stück au» der Glocke vorzudeklamieren, worauf er mir sagte:„Sie sind allerdings nicht ohne Talent für die Kunst, wenn Sie sich Mühe geben, so können Sie es weit bringen: ich will mit Goethe sprechen, der allein kann hier etwas für Sie tun." Der russische Skaaksverlag In Deutschland. Bei dem großen, tatsächlichen und unaufschiebbaren Bedarf, der für Lehr- und wissen- schaftlich-populäre Bücher in Rußland besteht, wie auch aus Er- wägungen ökonomischen Charakters, kann die Sowjet-Regierung nicht die Wiederherstellung des graphischen Gewerbes in Rußland abwarten, sondern muß zu Bücherbestellungen im Auslande ihre Zuflucht nehmen. Zu diesem Zwecke hat der Oberste Volkswirt- schaftsrat bei feiner Auslandssektion in Berlin eine der Sowjet- Handelsverttctung untergeordnet« besondere Verlagsabtei» l u n g geschaffen, auf deren Verantwortung in deutschen Druckereien Bücher für Rußland gedruckt worden sind. Der seit Januar d. I. bestehenden Verlagsabteilung gehört ein besoi'deres Redaktions- Kollegium an, dessen Aufgab« es ist, Bücher zur Ueberfetzung auszuwählen, die notwendigen Manu- Met«, Artikel«nd Kompilationen zu bestellen, stuvie auch hie für setzten Gebieten wahlberechtigt find, wenn sie in Lerliit wohnen, auch wenn die A n s S s s i g k e i t s s r i st noch nicht erreicht ist. Die weiteren Artikel über die Einhaltung von Kreiswahloor- schlagen und über die Feststellung des Wahlergebnisses wurden nach dem Regierungscntwuri unverändert angenommen, ebenso die Be- stimmunaen über die Wahlprüfung. Artikel X wurde in der Regie- rungsfassung abgelehnt. Dafür wurde folgender Anttag Lcinert (Soz.) angenommen: Die unbesoldeten Mitglieder des Magistrats und der Bezirksämter, der Mitglieder der Städtischen Verwaltungsdepu- tationen und-kommissioncn scheiden mit dem Zeitpunkte des Zu- sammentritts der neugewählten Stadtverordnetenversammlung und der neugewählten Bezirksversammlungen aus ihren Aemtern. Die neugewählten Stadtverordneten- bzw. Bezirksverordnetenversamm- lungen haben alsbald nach ihrem Zusammenttitt N e u w a h l für die Ausscheidenden vorzunehmen. Die bisherigen Inhaber dieser Aemtcr und Stellen bleiben bis zum Eintreten ihrer Nachfolger in Tätigkeit. Angenommen wurde auch Art. XI, wonach diese Der- ordnung mit dem auf ihre Verkündung folgenden Tag in Kraft treten soll. Es wurde noch einmal ausdrücklich bestimmt, daß sie nur für die bevorstehenedn Neuwahlen gilt. Die Vorlage wurde darauf im ganzen angenommen. Damit war die Tagesordnung des Ständigen Ausschusses erledigt._ der telephomsthe Presieverkehr beüroht! In den Ausführungsbestimmungen zum Fernsprechgesetz, das am 1. Oktober in Kraft tritt, beabsichtigt die Reichspostverwaltung, wie die TU. mitteilt, folgende für die deutsche Presse schwerwiegende Bestimmungen aufzunehmen: Nachtaoonnementsgespräche sollen nur mehr von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens zulässig sein. Am Tage werden sieben Stunden lang, und zwar von S bis 12 und von 2 bis 6 Uhr dringende Pressegespräche überhaupt nicht mehr zugelassen. In der übrigen Zeit können dringende Pressegespräche unbeschränkt (Wegfall der Kontingentierung) mit einfacher Gebühr stattfinden. Die Reichspostverwattung glaubt, die Nichtzulassung der dringenden Presssgespräche während sieben Stunden am Tage unbedingt forde«» zu müssen, will aber an den Zeiten S bis 12 und 2 bis 6 Uhr nicht festhalten, sondern die Festsetzung der Stunden ohne dringende Pressegespräche im Einvernehmen mit den Organisationen der Der- leger und Journalisten und mit den Nachrichtenbureaus regeln. Da die Ausführungsbestimmungen schon in etwa 14 Tagen dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat zur Beschlußfassung vorgelegt werden müssen, ist eine sofortige Stellungnahme aller Organisationen der deutschen Presse notwendig. Enüe ües Streiks im Textil-Großhanöel. Am Donnerstag nachmittag fanden zwischen Vertretern der Handelshilfsarbeiter des Texttlgroßhandels und dem Arbeitgeberoer- band mehrstündige Verhandtungen statt, die sich schwierig gestalteten und bis in den Abend hinein dauerten, während die zur Versammlung zusammenberufenen Arbeiter und Arbeiterinnen schon stundenlang im Gewerkschaftshaus harrten. Die Unterhändler, für die Wolter sprach, brachten als allerletztes Angebot der Un- ternehmer folgenden Vergicjchsvorschlag, dessen Voraussetzung die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit ist. Für die Dauer des Ab- kommens, das bis zum 1. Oktober gilt, wird der Rahmentarif für Bekleidungsindustrie anerkannt. In den neuen Verhandlungen im September wird noch über einen neuen Rahmentarif mitberaten. Zugestanden werden ab 1. Juli den Ledigen bis zu 22 Iahren die Stafselsätze des schon vekar.nten früheren Angebots der Unternehmer, für die Ledigen über 22 Jahre 260 M. pro Woche, für die Der- heirateten ohne Kinder 275 M.. für die Verheirateten mit Kindern 285 M. Außerdem erhalten alle Beteiligten eine Rachbewilligung der eingetretenen Erhöhung für die sechs Wochen vor dem 1. Juli, also zurück bis zum 15. Mai. Für die Verheirateten m i t Kind wurde diese sechswöchentliche Rückentschädigung(15. Mai bis 1. Juli) höher bemessen, nämlich auf 300 M. Die Lohnkommission empfahl unter Berücksichtigung aller Ver- hältnisse die Annahme des Vorschlags, wenn er auch nicht ganz befriedige. Nach kurzer Diskusston wurde der Vorschlag gegen eine Ver- schwindende Minderheit angenommen und damit der Streik für beendet erklärt. Die Arbeit wird heute(Freitag) wieder aufgenommen, und zwar spätestens bis 12 Uhr mittags. den Druck in deutschen Typographien bestimmten Materialien zu beschaffen. Bis heute sind von dem Russischen Staatsoerlag, der feine Ar- beit in Deutschland im März d. I. begonnen hat, an deutsche Firmen Bestellungen im Betrage von 9246606,45 M. ergangen. Das Prinzip ist die Ausschaltung aller Vermittler und Kommissionär«. All« Bestellungen werden unmittelbar den Firmen selbst erteilt. Sprachliche Mißverständnisse. Anknüpfend an unser« Notiz „Maulaffen feil halten"(Nr. 30 der.Heimwelt"), schreibt uns ein Leser: Es gibt noch mehr solcher Redensarten, die auf sprachlichen Mißverständnissen beruhen. So ist z. B.„Sein Schäfchen ins Trockne bringen" sinnlos. Im Niederdeutschen heißt es:„Sing Schäpke int Drüche bringen":„Schäpke" ist aber gleich„Schiffchen" (nicht Schäfchen"): so ist es auch klar und verständlich, denn nach glücklicher Fahrt wird das Schiff auf Land(das Trockene) gebracht. Der bekannte Vogel, der die gefangenen Insekten zunächst auf Dornen spießt und dann erst oerzehrt, wird im Hochdeutschen „N e u n t ö t e r" genannt, und es geht von ihm deshalb die falsche Sage, er finge erst zu fressen an, nachdem er neunfache Beute gemacht habe. Auch hier liegt Mißverständnis des Niederdeutschen vor: dort heißt der Vogel„Hiägendöder", gleich„H e�ck e n t ö t e r". Kenntnislose Leute verwechseln aber„Hiägen"(Hecke) mit„Niägen", gleich„Neun". Schließlich gehört hierher auch das Wort„Hokuspokus" für Zauberformel. Im Augenblick der Wandlung von„Brot und Wein" in„Fleisch und Blut" in der Messe spricht der Geistliche die Worte„hoc est corpus"(„dies ist der Leib"). Das mißverstand die fromme Gemeinde und formte daraus Hokuspokus als Be- Zeichnung für die geheimnisvolle, zauberhafte Umwandlung. Ein„Adelsacker". Vor einigen Tagen gab der„Vorwärts" den Bericht eines feiner Freunde von einer Thüringer Wanderfahrt wieder, in dem von den großen Gewinnen gesprochen wurde, die an einem einfachen Sägewerk in einer kleinen Stadt Thüringen« von einem Amtsgerichtsrat und einem Forstmeister gemacht wurden. Heute erhalten wir ein paar Zeilen aus F r e i b u r g im Unstruttal. Dort gibt es ein Stück Erde, daß den Namen„Adels- a ck e r" führt. Daran knüpft sich folgende Erinnerung. Ludwig, der Springer, Landgraf von Thüringen(1076— 112S) hatte unter der Unbotmäßigkeit des Adels zu leiden, der sich besonders im Schin- den und Drangsalieren der Bauern hervortat. Da lieh er kurz entschlossen die widerspenstigen Junker vor einen Pflug spannen und pflügte mit ihnen das Stück Land um, das nach diesem Vorfall heute noch den Namen„Adelsacker" ttägt. Den agrarischen Wucherern und Schindern, die Deutschland aus- hungern und dabei nach Schwert und Peitsche für das angeblich widerspenstige Volk schreien, würde auch heute eine solche Kur nicht schaden. Sie hätten dann zugleich Gelegenheit, zum erstenmal In ihrem Leben eine nützliche, ihren Fähigkeiten angemessene Arbeit zu verrichten._ Bluthner-Orchester. Das nächste städtische Volkskonzert Sndet heute abend 8 Uhr im Blüthnersaal unter Leitung von Theod« lüngerSdors statt. Programm: Beethovea-Abe«» !Te. 553■» 3S.Iahrganz SeilÄM öes VorWärts §re!tag, 2H. Juli 1921 Der verschVunöene Klassenkampf Bon Heinrich Ströbel. Die Wünschbarkeit der baldigen Schaffung eines neuen Parteiprogramms wurde dieser Tage"in einer Partei- Versammlung von einem Geuoffsn mit den Worten begründet, dag die Sozialdemokratische Partei ein den veränderten Ver- hältnissen und Bedürfnissen entsprechendes neues Programm haben müsse, um die noch immer weit verbreitete irrige Bor- stellung zu zerstören, als ob der Sozialismus nur Sache der Arbeiterklasse und nicht auch Sache des ganzen Volkes fei. Das sollte besagen: da der Sozialismus in Deutschland infolge der Revolution und der durch sie er- rungenen Demokratie aus dem Vorkdegsstadium der Vorbereitung in das Stadium der Verwirklichung eingetreten ist, zu dieser Verwirklichung aber die Gewinnung und die tausend- faltig aufbauende Mitarbeit der Volksmehrheit gehört, so gebrauchen wir ein neues Programm, das die Ideen, die Ziele, die Notwendigkeit und die materiellen und kulturellen Vor- züge der sozialistischen Gesellschaftsumformung in knappster Form so klar, so überzeugend und so werbckräftig ausspricht, bah es dem Sozialismus weit über die Schichten des Prole- tariates hinaus überzeugte und begeisterte Anhänger ge- Winnen hilft.» Das Grundempfinden dieses Genossen war wohl überall die treibende Kraft des Wunsches, so rasch als möglich den Geist des Sozialismus in eine neue, zeitgemäße Programms- tische Form gegossen zu sehen. Und aus diesem Grundemp- finden heraus scheint die Programmkommifsion auch an ihre Arbeit gegangen zu sein. Nur leider ist man dem an ,sich richtigen Ziele, die sozialistische Klassenbewegung zu einer weiwmsassenden Volksbewegung auszuweiten, auf f a l- schen Wegen nachgegangen. Man hat geglaubt, den sozialistischen Gedanken und Zielen dadurch stärkere Anziehungskraft und größere Volks- tümlichkeit zu verleiben, daß man sie ihrer bisherigen Schärfe und Schroffheit entkleidete, sie unbestimmter, milder und ver- söhnlicher ausdrückte. So hat man die Idee des prole- tarischen Klassenkampfes, dje doch die geistige Achse des Sozialismus marxistischer Prägung bildete, aus dem Programm bis auf kümmerliche Rudimente verschwinden lassen. So hat man das Wort Sozialisierung mit auf- fallender Aengstlichkeit zu vermeiden gesucht: in der ein- leitenden prinzipiellen Erklärung findet es sich so wenig, wie In dem Abschnitt„Wirtschaftspolitische Forderungen"— überall ist nur von„sozialistischer Gemeinwirtschaft" die Rede. Ueberall begegnen wir an Stelle der alten und klaren Formeln und Begriffe neuen Formulierungen, die aber leider nicht das Suchen nach größerer Schärfe und Präzision des Ge- dankens und Ausdruckes verraten, sondern nur das Bestreben, unbequemen Festlegungen auszuweichen und in bürgerlieben Kreisen möglichst wenig Anstoß zu erregen Diese ganz un- verkennbare Tendenz zur Abschleifung aller sozialistischen Scharfen, zur Anpassung an die bürgerliche Ideologie cnt- -springt sicherlich der guten Absicht, dem Sozialismus dadurch zu nützen, Vorurteile gegen ihn zu überwinden, ihn salon- und regierungsfähig zu machen. Aber diese woblMeinende Absicht ändert nichts an der Tatsache, daß eine solche A b- dämpfung des Sozialismus, eine solche Verflüch- tigung seines innersten Geistes die Werbekraft und das Ex- pansionsvermögen des Sozialismus nur zu schwächen, statt zu stärken geeignet ist. Daß das Erfurter Programm einer Modernisierung be- dürftig war, wird kein Mensch bestreiten, zu allerletzt K a u t s k y, sein Verfasser. Der Kapitalismus hat in den seither verflossenen 30 Jahren in den Kartellen, Trusts, in seinen riefenhaften Syndikats- und Monopolbildungen Wirt- �chaftsgebilde erstehen lassen, von denen 1891 erst Ansätze vor- banden waren; er hat in dem Finanzkapitalismus und Im- oeriolismus Erscheinungsformen angenommen und Tendenzen � offenbart, deren Analysierring und Einordnung in den sozio-, listischen Vorstellungskreis höchst wünschenswert geworden war. Die Stellungnahme zu dieser modern st en Phase des Weltkapitalismus war ebenso geboten, wie die Auseinandersetzung mit dem Agrarproblem, dem Valuta- Problem und all den verhängnisvollen Wirtschaftsfolgen des Weltkrieges. Aber die Dirrchdringung dieser Probleme und ihre Erfassung durch ein neues sozialistisches Programm war — zumal in dieser Zeit eines chaotischen Gärens in der ganzen Welt— eine Arbeit, die nicht von vielbeschäftigten Persönlichkeiten einer einzigen Parteirichtung so nebenher ge- leistet werden konnte, sondern eine Aufgabe, zu deren de- sriedigender Lösung nur die sähigsten Köpfe des ganzen deut- schen Sozialismus nach allergründlickller individueller und kollektiver Arbeit gelangen konnten. Namentlich war es ein Unding, daß mau nicht einmal Karl Kautsky selbst zur Aus- arbeitung des. Programms heranzuziehen für notwendig ge- halten hatte. Daß ein Programmentwurf, den man nun so. mit einem Arbeitsaufwand, dex in gar keinem Verhältnis zur Größe der Aufgabe stand, und mit ganz unzulänglichen Mitteln, schlecht und recht zustande gebracht hat, den billigsten Ansprüchen in keiner Weise entsprechen konnte, wyr vorauszusehen. Schon Genosse Stampfer Hot auf seine elementarsten Mängel hingewiesen: statt eines Werkes aus einem Gusse, das gleich dem Erfurter Programm in strenger logischer Gliederung die Auffassungen und Forderungen des Sozialismus entwickelte und mit zwingender Folgerichtigkeit aus den Prinzipien des Sozialismus und seinen Fernzielen die praktischen Tagesfor- derungen ableitete, haben wir ein brüchiges Stückwerk er- holten, das weder einen klaren Gesamtplan noch eine ver- nünftige architektonische Gliederung aufweist, sondern system- los und unorgänisch widerspruchsvolle Einzelheiten zusammen- klittert. Die Leitidee des proletarischen Klassenkampfes ist aus dem Programm verschwunden: die Idee, daß der Kapitalismus durch die Trennung der Massen von dem Eigentum an Pro- duktionsmitteln im modernen Proletariat jene soziale Macht schaffe, die— bei Strafe der Selbstvernichtung— nun die Expropriateure zu expropriieren, die Produktionsmittel in den Besitz der Volksgesamtheit zu bringen gezwungen sei. Leider hatte sich dieser Gedanke im Kopfe vieler westeuropäischer, in- sonderheit auch deutscher Sozialisten in die Vorstellung einer automatischen, mechanischen G e f ch i ch t s e n t w i ck- lu n g verwandelt, weil man vergessen hatte, daß sich die ökonomische Entwicklung nie und nirgends ohne Zutun der Menschheit, ohne entscheidende Mitwirkung der menschlichen Willenskräfte vollzieht. Und inwie- weit man auch der marxistischen Terminologie eine Mitschuld an dieser Mißdeutung der ökonomischen Geschichtsauffassung geben mag— Marx und Engels selbst haben niemals ver- kannt, welch gewaltige Bedeutung der politischen Willens- energie der proletarischen Massen bei der gesellschaftlichen Fortentwicklung zukommt. Die Umsetzung der in der Proleta- risierung der Massen sich äußernden kapitalistischen Entwick- lungstendenzen in revolutionäre proletarische Massen- stimmung, in sozialistische Willensenergicn der Arbeiterklasse, das war für den Marxismus ja gerade die Voraussetzung und das Wesen des proletarischen Klassenkampfes! Und wenn etwas den Sieg des Sozialismus zu verbürgen vermag, so ist es die Ueberzeugung von der Realität und der Notwendigkeit dieses proletarischen Klassenkampfes. Nur weil das Wesen des Kapitalismus die Ausbeutung der jfraletari- schen Massen bedingt und weil dem Proletariat kein Ausweg aus seinem kulturlosen Dasein bleibt, als die sozialistische Um- gestaltung der Produktion— nur deshalb ist der Vormarsch des Sozialismus unaufhaltsam. Die sittliche Empörung einzelner über die Ungerechtigkeit des Kapitalismus und das Mitleid der human Gesinnten mit dem Los der proletarischen Schichten besäße niemals gesellschgftsumbildende Kraft, wenn das sozialistische Ethos nicht die ungeheure Wucht der durch die Not revolutionierten Proletarierarmeen zum Bundesgenossen gewönne. Der Sozialismus als geistige, sittliche Macht kann nur siegen, weil und soweit er sich auf den Klassenkampf des Proletariates zu stützen vermag. Und nichts wäre verhängnisvoller, als wenn diese historisch-politische Erkenntnis, die wichtigste, die uns der wissenschaftliche Sozialismus der Marx und Engels ge- bracht, nicht auch in dem neuen Programm der deutschen Sozialdemokratie als leitender Gedanke zum Ausdruck käme. Gerade die Betonung und Klarstellung des proletarischen Klassenkampfes als des wirksamsten Hebels des Sozialismus würde dem pseudomarxistischen Fatalismus ein Ende machen, der fast alles von der„Entwicklung" und so gut wie nichts von der Einsicht und der Willenskraft erwartet. Und nur die Hervorhebung des 5ilassenkampfcharakters der sozialistischen Bewegung kann die Arbeiterklasse vor Illusionen, vor leicht- fertigem Optimismus und sträflicher Apathie bewahren, in die sie das einseitige Vertrauen in die„naturnotwendige" Ent- Wicklung des Kapitalismus zum Sozialismus hin und dos ebenso unbegründete Vertrauen in das Wohlwollen und Ent- gegenkommen der bürgerlichen Klassen sonst allzuleicht ein- lullen könnte! Die klare Herausarbeiwng und Definierung der Idee des Proletarischen Klassenkampfes ist also das wichtigste Stück jedes sozialdemokratischen Programms. Nur wenn die Arbeiter- klasse mit dieser Idee erfüllt, von dem Bewußtsein ihrer histo- rischen Mission durchdrungen ist, wird ihr die Kraft ihrer Be- freiung von den Fesseln des Kapitalismus innewohnen.. Die Werbekraft des Sozialismus unter den dem Proletariats klassenverwandten Schichten, den Angestellten, Tech- nikern, Ingenieuren, Beamten, Lehrern, Intellektuellen usw., wird dadurch auch nicht im ge- ringsten leiden, viel eher gewinnen! Denn je klarer, ein- leuchtender die sozialistische Auffassung diesen dem Sozialis- mus namentlich heute durchaus zugänglichen Schichten ent- gegentritt, je systematischer und schonungsloser die sozialistische Kritik an allen Nebeln und Widersinnigkeiten des Kapitalis- mus ist, desto größere Anziehungskraft wird sie ausüben. Mit Halbheiten, Vertuschungen und Verschweigungen verwirrt und entnervt man nur die Arbeiterklasse selbst, ohne die geistigen und seelischen Bedürfnisse gerade jener intelligentesten und regsten Schichten des sogenannten Stehkragenproletariats zu befriedigen, deren Gewinnung für den Sozialismus so wün- schenswert und notwendig ist. Darum: der proletarische Klassenkampf ist eine historische Tatsache, die es nicht schamhaft zu leugnen, sondern energisch hervorzuheben und vernünftig darzustellen gilt. Wir haben zu zeigen, daß der pro- letarische Klassenkampf nicht das geringste zu tun hat mit der Demagogie der schwieligen Faust oder irgendwelchem geistigen und politischen Knotentum, daß er das innigste Zusammen- gehen und die gegenseitige seelische Befruchtung von Kopf- und Handarbeitern nicht nur nicht ausschließt, sondern im Gegenteil dringlichst erfordert. Zeichnen wir so von der 5)öhe der sozialistischen Geschichtsauffassung aus ein scharfes und ebrlhches Bild der gesellschaftlichen Zustände und der sozialen Kämpfe, die das Zeitalter des Uebergangs zun, Sozialismus erfüllen werden, so dienen wir der Sache der sozialdemokrati- schen Partei und den Interessen des Volkes weit besser, als da- durch, daß wir herbe Wahrheiten verschweigen und an die Stelle sozialistischer Anschauungen und Begriffe ein ver- schwommenes Mischmasch halb sozialistischer, halb bürgerlicher Mcmungen setzen. Die Arbeit der Programmkommission war gut gemeint. aber sie schlug falsche Wege ein und geriet gänzlich in die Irre. Ihr Entwurf ist in Anlage und Ausführung gleich mißraten. Gelänge nicht das Wunder, ihn in den leider nur noch zur Verfügung stehenden wenigen Wochen gänzlich umzuschmelzen, so wäre die Vertagung der entscheidenden Be- schlösse um mindestens ein Jahr dringend anzu- raten!'An wichtigstem, aktuellsten Veratungsstoff würde es dem Görlitzer Parteitag darum ja nicht fehlen. Würde doch schon eine ernsthafte Erörterung der Steuerprobleme an die Zeit und das Niveau des Parteitags die höchsten Ansprüche stellen!* il] Die Racher. Roman von Hermann Wagner.' Sie war aschfahl im Gesicht.„Sie— Sie... verheiraten sich wohl— sehr gut?" stammelte sie. „Ja, recht gut," erklärte er eilig,„mit einer reichen Frau... und auch meine neue Fabrik legt sich glänzend an,... und, wie gesagt, wann immer Sie meiner bedürfen sollten..." Sie raffte mit verzweifelter Hast ihre Kleider.„Nein," flüsterte sie zitternd, und ihr Mund blieb vor Aufregung ein wenig offen,„nein,— ich will Sie nicht länger stören!" Sie eille zur Tür und wandte sich noch einmal um.„Leben Sie glücklich," sagte sie mit einem halb erloschenen Blick,„ja, leben Sie glücklich!" Er war erstaunt und im Innersten irgendwo tief getroffen, blickte ihr nach, fand aber die Tür schon leer. „Prokop!" rief er laut und voll Mißmut. Prokop erschien und war stumm. „Meine Wäsche, meinen Anzug! Eilen Siel Schnell!" Und er begab sich in sein Schlafzimmer und riß sich die Kleider vom Leib, um sich für die Trauung umzuzjehen. Sein Automobil— es war ein Luxusauto, denn er ver- fügte jetzt selbst über zwei Wagen— brachte ihn nach der Pension im Westen, in der Lucie ihn erwartete. Sie trug ein schickes, Helles Kleid, das für keine Festlich- keit gemacht war, und einen duftigen Hut, wie ihn eine junge Dame gern aufsetzt, wenn sie Dinge vorhat, von denen sie an- nimmt, daß sie leicht und amüsant werden. „Da bist du ja," sagte sie einfach und begriff nicht, daß er Eile hatte,„nun, so fahren wir!" Die geschraubt würdige Miene des Standesbeamten er- schien ihr sehr komisch, und es kostete sie Mühe, nicht zu lachen. Dafür lächelte sie. Mit diesem Lächeln glitt sie über die weni- gen Förmlichkeiten, die zu erfüllen waren, wie über etwas Nichtssagendes und Langweiliges' hinweg. Bevor sie auf die Straße hinaustraten, küßte sie ihren Mann und sagte bloß:„Nun also!" Draußen beratschlagten sie, was zu tun wäre. „Fahren wir heim" fragte er. Sie schüttelte den Kopf.„Erst essen wir zu Mittag,— ganz ungezwungen.— irgendwo... Und dann zeigst dü .mir deine Fabrik!" Sie wählten aufs Geradewohl ein Restaurant Unter den Linden. Der Wagen flitzte durch die Straße, tutend und manche Pfütze durchfahrend, so daß das Wasser zischend auf- spritzte, denn es hatte kurz zuvor geregnet. „Wie lustig," sagte Lucie und blinzelte nach der Sonne hinauf, die wieder warm und freundlich lachte. Sie fand es auch sehr amüsant, am Hochzeitstag im Re- staurant zu speisen, wo andere ebenso langweilige wie üppige Gastmähler gaben. Es schmeckte ihr ausgezeichnet, und als sie in der süßen Speise herumstocherte, erfaßte sie eine tolle Lustigkeit, die sich mit einem lauten Lachen befreite, so haß mehrere Gäste, die verdrossen oder sachlich bei ihrem Diner saßen, sich indigniert nach ihr umsahen. „Noch nie war ich so ausgelassen wie heute," sagte sie, und stieß ihn an,„aber du,— du scheinst elegisch!" Er dachte im gleichen Augenblick an den Brief, den er am Morgen erhalten hatte, und auch der Gedanke an Gutzeit war ihm gekommen, wie dieser verspielte Mann am Haken in seiner Kammer hing.— und so straffte er sich, lächelte gequält und antwortete:„Verzeih, ich war abwesend!" „Abwesend? Heute?" „Ja, gerade heute," antwortete er und bestellte Sekt, um es aul diese Weise zu versuchen, heiter zu werden. Sie ahnte, was ihn bedrückte, und nahm zärtlich seine Hand, um ihn zuversichtlich zu machen. Ihre Heiterkeit war leis und mild geworden und ging all- mählich auch auf ihn über. Mit einer.Handbewegung strich er alles Quälende von sich ab. Er stieß mit ihr an, leerte das Glas bis auf. den Grund, um es sogleich von neuem zu füllen und auszutrinken. Das schien ihm frische Lebenslust einzublafen, und er war mit einem Mal wie umgewandelt. Er sprach schnell auf sie ein, sich an seinen eigenen Worten erhitzend, und erzählte ihr von den Fortsll'ritten, die die Fabrikation und der Umsatz in seinem neuen Betrieb machte. Schon merkte man den Erfolg. Die Reklame arbeitete ' mit allem nötigen Tam-Tam. Em neuer Betriebsleiter war eingestellt worden, der durchaus dem entsprach, was Rcisns'- sich von ihm versprochen hatte. Auch er selbst hatte sich schnell in die neue Materie eingearbeitet, die er jetzt schon fast völlig beherrschte.* In das Unternehmen war ein neuer Zug gekommen. Die Morore, die man bisher hergestellt hatte, waren gut gewesen, man hatte es aber nicht verstanden, sie bekanntzu- machen, auf jene weithin tönende Art, die die Zeit von heute nun einmal verlangt. Dem war abgeholfen worden. Die Reklame, die er machte, war geschickt, eindrucksvoll und war vor allem ins jene Massenhafte gesteigert, das allein den Erfolg verbürgt. Ein ganzes Heer von Agenten war bemüht, sie zu unter- stützen, so daß die Fabrik schon heute vosl beschäftigt war und man viele neue Arbeiter hatte einstellen können. „Ich will die Fabrik sehen," sagte Lucie interessiert,„du mußt mich hinfahren, sogleich!" Seine Leidenschaftlichkeit, die viel Gezwungenes gehabt hatte, ging iü jene Wärme über,, die ihrer Sache sicher ist. Ihr Interesse machte ihn sehr glücklich. Er berichtete ihr von dem großen Vermögen, welches der Betrieb der Fabrik und die Reklome verschlangen, das sie jedoch beide schließlich wieder hergeben mußten, mit hohen Zinsen, die der Gewinn waren. „Bist du so reich?" fragte sie betroffen. Er errötete, weil er jetzt gezwungen war, ihr seine Ver- Hältnisse zahlenmäßig klaM'lcgsn. Er wußte, daß ibr, die selbst ein großxs Vermögen besaß, Geld nicht imponierte. Um so stolzer machte es ihn jetzt, daß er ihr zeigen konnte, auf wie festen Füßen er stand. Noch nie war zwischen ihnen vom Geld die Rede gewesen. Sie brachen aus, um nach der Fabrik hinauszufahren. Der Wagen durchquerte die Straßen, bahnte sich bald einen Weg durch wimmelnde Menschenmassen und ratternde Fuhrwerke aller Art, bog wieder in enge Nebengassen ein, in denen vornehme Häuser still träumten, ließ prunkvolle Paläste ebenso gleichgültig hinter sich wie die kahlen, hohen Miets- kasernen der Arbeiterviertel, sah in den Laubenkolonien lustige Fähnchen flachem und hielt schließlich, seinen Lauf mit ver- blassendem und dann jäh sterbendem Geräusch und ohne er- müdet zu sein einstellend, vor einem großen Fabrikgebäude, in dessen blinden Fenstern sich die Sonne spieaelte. (Forts, folgt.) GroMerim lthorin., Das Tochterkloster von Lehnin war Thorin. 1260 wurde das Kloster Maricnsee auf einer Insel im Paarsteiner See, dem jetzigen Pehlitzwerder, gegründet. Um 1270 schon wurde das Kloster dahin verlegt, wo heute noch die Ruine steht. Mit der Stetttner Fernbahn fahren wir bis Chorinchen. Wir verlassen das Dorf gen Süd und wandern am Südhang einer Hügelkette gen Ost. Diese Kette gehört der großen südbaltischen Endmoräne an, jener gewaltigen Ablage» rung der Eiszeit, die sich von Schleswig-Holstein bis nach Rußland verfolgen läßt. Wir kommen zum Rettelgraben, der das Gebiet im Hinterland der Endmoräne entwässern hilft, und wandern an ihm gen Ost. Bald führt ein Steg über das Wasser und wir treten durch ein Fallgatter in den Klostergarten. Rur wenige Schritte noch und wir stehen vor der Ruin« des Klosters Chorin, eine der schönsten Norddeutschlands. Ein Teil der Gebäude, von denen einige als Wirt- schaftsräume des Amts Chorin benutzt werden, ist noch erhalten. Das Kloster wurde während des 30 jährigen Krieges durch die Schweden zerstört. Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurde die Ruine ausgebessert, so wie wir sie jetzt sehen. Vom Kloster wandern wir gen Südost und Ost durch den prächtigen Wald zum Forsthaus Liepe. Das Gelände ist sehr hüglig, wie dies in den Gebieten der Endmoränen fast immer der Fall ist. Vom Forsthaus Liepe weiter in südlicher Richtung zum Dorf Liepe. Der Name stammt aus dem Slawischen und bedeutet soviel wie Linde. Wahrscheinlich bildet« dieser Baum in jenen Zeiten hier noch große Wälder. Vor Liepe überschreiten wir die Endmoräne, deren Geschiebereichtum in mehre» ren Steinbrüchen ausgebeutet wird. Westlich von Liepe sind die gr- waltigen Schleusenanlagen des Berlin—Stettiner Großschiffahr»- weges. Am Rande des Oderbruchs wandern wir nach Niederfinow am Finowkanal. Von hier Rückfahrt über Eberswalde nach Berlin. Weglänge IS Kilometer. Abfahrt früh 6.00 Uhr oder schon abends ä.0ö oder 8.30 Uhr._ vie Tragödie des vorbestraften. Weil er als Vorbestrafter keine Arbeit finden tonnte, ist der Arbeiter Hermann L e e t h e wieder auf die Bahn des Der- brechen» gelangt. Wegen schweren Diebstahl» im strafschärfenden Rückfalle bzw. Hehlerei hatten sich L. in Gemeinschaft mit dem Schlosser Max R e u s ch e l und der Händlerin Maria Groß vor der Ferienstras» kommer des Landgerichts l zu verantworten. Die beiden schon er- heblich, u. a. auch mit Zuchlhous vorbestraften Angeklagten hatten am 28. November v. I. durch Einbruch bei der Firma Abramsohn am Mariannenufer für ca. ISO OVO M. Lederwaren gestohlen und der dritten Angeklagten zum Verkauf übergeben. Vor Gericht wies Rechtsanwalt Dr. W. H a y n darauf hin, daß der Angeklagte Leethe in gewissem Sinne ein Opfer seines Vorlebens und seiner im jugend- lichen Leichtsinn verübten Straftaten sei. Der Angeklagt« habe es fertig gebracht, trotz der heutigen Arbeitslosigkeit wiederholt Arbelt zu finden. In demselben Augenblick, als es herauskam, daß er in» folge der letzten Bestrafung noch unter Polizeiaufsicht stand, habe «r sofort wieder seine Arbeit verloren, so daß er, von Verzweiflung und Hunger getrieben, schließlich wieder aus dem Wege des Ver- brechen? landete. Das Gericht kam trotz der Vorstrafen und des ?ohen Wertes der gestohlenen Sachen zu einer sehr milden Auf- assung. indem es Leethe nur zu 9 Monaten Gefängnis verurteilte und ihm auch drei Monate der Untersuchungshaft als verbüßt anrechnete. Der Mitangeklagte Reuschel wurde zu 1 Jahren Gefängnis verurteilt, die Groß freigesprochen. » Der Rechlsschuhoerband dir vorbestraften verlln», E. B.. Berlin S�V. 61, Bärwaldstr. 44, Aernspr. Moritzpl. 16673, Post- Ickieckkonlo 98598, kann soeben auf ein einjährige« Bestehen zurück- blicken. Er hat in dieser Zeit eine segensreiche soziale Tätigkeit en'.fallet und einer großen Anzahl von Personen mit Rat und Aus- fünften zur Seite gestanden. Außer einer erstaunlichen Anzahl von Freisprechungen wurde in zahlreichen Fällen Bewährungsfrist durch- gesetzt bzw. vorläufiger Strafaufschub erwirkt. Dazu kommen eine ebenfalls verhältnismäßig groheAnzahl von Borstrasenlöschungen und Begnadigungen. Ortsgruppen des Verbandes bestehen außer Berlin und Vororten in Leipzig. Mannheim und LudwigShafen, weitere find in der Bildung begriffen. Dem Zentralsekretariat ist neuer- dings eine eigene Detektivabteilung angegliedert worden, die sämt- liche ErmittlungS« und anderen Aufträge der Mitglieder prompt, gewissenhaft und billig erledigt. In der Zeil von 9—6 Uhr wird im Zentralsekretariat Bärwaldstr. 44 täglich kostenlos für jedermann Rar und Auskunft erleilt. Seit dem 1. Juli d. I. erscheint als Organ des Verbandes die Monatsschrift„Der Staatsanwalt'. Lälsthertunststück einer hysterischen. Die Fälschung einer Zahlungsanweisung über 10 000 M. wurde der Kontoristin Frieda Richter zur Last gelegt, die sich gestern wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung vor der Ferienstrafkammer des Landgericht» I zu verantworten hall«. Der Tatbestand, der der Anklage zugrunde lag, ist etwas in Dunkel gehüllt. Die Angeklagte war seinerzeit in der Bantabteilung der Firma W e r t h e i m beschäftigt gewesen. Am 3. Juni 1919 wurden bei der Bankabteilung von dem dortigen Guthaben der Firma Anton Müller in Berlin 10 000 M. abgehoben, und zwar auf Grund einer mit dem Namen des Herrn Müller versehenen Zahlungsanweisung, die mit Maschinenschrift auf einen Briefbogen geichrieben war, welcher im Kopfaufdruck die volle Firma des An- weisenden trug. Das Geld ist auch nach sorgfältiger Prüfung der Unterschrift anstandslos an den Vorzeiger der Anweisung au». gezahlt worden. Es hat sich später herausgestellt, daß dies« Zah- lungsanweisung von Anfang bis zu Ende fälschlich angefertigt war. Ein schwerer Verdacht fiel auf die Angeklagte. Zu ihrer Entlastung hatte die Angeklagte behauptet, sie sei nur das Werkzeug eines seinerzeit in der Bankabteilung Wertheim be- schäftigt gewesenen Kassierers gewesen, der schließlich die Auszahlung der Summe von 10 000 M. getätigt habe. Jnfolg« der lehr be- stimmten Beschuldigung der Angeklagten wurde der Kassierer in Haft genommen, mußte aber bald wieder entlassen werden, da sich auch nicht der allergeringst« Anhalt für deffen Mitschuld ergab. Alle Bemühungen des Vorsitzenden, die Angeklagte zu einer wahrheits- gemäßeren Erklärung der Vorgänge zu bewegen, blieben erfolglos. Erst da» Gutachten des Nervenarztes Dr. Topp-Weißensee brachte die Aufklärung. Dieser erklärte die Angeklagte für eine überaus hysterische Persönlichk-it von vermindertem Intellekt, bei der sich das Bild einer mit der Hysterie oft verbundenen krankhaften, phan- tastischen Lügenhaftigkeii herausgebildet habe. Auf Grund dieses Gutachtens beantragte der Verteidiger, die Angeklagte, deren Zweifel- los vorhanden«? Mitschuldiger von ihr nicht zu ermitteln war, milde zu bestrafen und sie der bedingten Begnadigung zu empfehlen. Das Gericht verurteille die bisher unbescholtene Angeklagte zu 6 Mo- naten Gefängnis und gewährte ihr eine dreijährige Be- währungifrist._ Ermordet oder geflüchtet! Rätselhaftes verschwinden einer Frau. Das unerklärliche Verschwinden einer Frau beschäftigt die hie- sige Kriminalpolizei. Seit dem 17. d. M. ist die am 19. Juli 1866 zu Mehesdorf im Kreise Luchau geborene Ehefrau Anna Iacoby, geborene Klaue, die bei ihrem Ehemanne, dem 42 Jahr« alte« au« Berltnchen im Kreise Soldtn gebürtigen Rohrlegerhelfer Karl Ja- coby in der Fennstraße SS wohnte, unter eigenartigen Umständen verschwunden. Frau Iacoby Halle seit zwei Iahren die Stelle einer Aufwarte- frau bei einer Frau Linke in der Roscnthaler Straße 2. Am 16. d. M. ist sie dort zum letzten Male tätig gewesen. Sie hatte ihre Arbeitsstelle in den Abendstunden gegen 9 Uhr verlassen und ist nach ihrer Wohnung in der Fennstraße SS zurückgekehrt, wo sie sich auch am Sonntag, den 17. d. M., mit ihrem Ehemanne aufgehallen hat. Am folgenden Tage hat die Frau ihre Tätigkeit bei der Frau Linke nicht wieder aufgenommen. Seit diesem Tage ist sie spurlos verschwunden. Jetzt ist der Ehemann der Vermißten auf Grund von Aussagen der Hausbewohner wegen Mordverdachts festgenommen worden. Frau Iacoby hatte Hausbewohnern gegenüber verschiedentlich ge- äußert, daß, wenn sie eines Tages verschwunden sei, von ihrem als gewalltätig bekannten Manne umgebracht worden fei. Iacoby selbst bestreitet, seine Frau ermordet zu haben. Irgendwelche Spuren, die auf einen Gewallokt schließen lassen, wurden bei einer Durchsuchung der Wohnung nicht gefunden. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, daß Frau Iacoby sich infolge der äußerst schlechten Eheverhältnisse von ihrem Mann entfernt hat und Unterkunft bei einer ihr bekannten Familie oder einem bekannten Manne gefunden hat. Die Vermißte ist 1,60 Meter groß und schlank, hat volles. lange» graumeliertes Haar, zusammengewachsene schwarze Augen. brauen und am Daumen der rechten Hand eine von einer Operation herrührende zwei Zentimeter lange Narbe. Milleilungen werden von Kriminalkommissar Dr. Riemann im Zimmer 34 des Berliner Polizeipräsidiums, Hausanruf 499, erbeten. Ausschreitungen eines Franzosen in Berlin W. Ein Vorfall, der dringend der Aufklärung bedarf, ereignete sich, einer Meldung des„8-Uhr-Abendblattes' zufolge, im Hause Babels- berger Str. S1. Der französische Unteroffizier Parot von der Inter- alliierten Militärkommission wollte mit seiner Frau aus der Woh- nung im Hause Babelsberger Straße 61, wo er zwei möblierte Zimmer bewohnt, nach einer anderen Wohnung übersiedeln. Wegen einiger Sachschäden, die er ersetzen sollte, kam es zu einer erregten Szene zwischen ihm und einer in derselben Wohnung wohnenden Frau Dr. Schlüter. Der französische Unteroffizier griff Frau Dr. Schlüter, die übrigens in der Hoffnung ist, tätlich an und ver- setzte ihr einen Bruststoß, so daß sie zu Boden fiel und in Schrei- krämpfe verfiel. Es entstand ein größerer Menschenauflauf, und zwei Beamte der Schutzpolizei wurden herbeigerufen, die den Täter, der sich bis jetzt fälschlich als Offizier ausgegeben hatte, zur Polizei- wache am Prager Platz brachten. Das„Deuffche Abendblatt' des Herrn Wulle brachte gleichfalls in sensationellster Aufmachung:„Franzosenattentat' einen Bericht und rühmte die Weigerung einiger Chauffeure, den verhafteten Parot zu fahren, als eine„in einer derart gesinnungslosen Zeit besonders bemerkenswerten' Tat. Es muß die amtliche Aufklärung des Vorfalls abgewartet werden. Inzwischen wäre es zwecklos, über das Verhalten der einen oder der anderen Seite ein Urtell abzu- geben. Immerhin würde ein Angriff auf eine schwangere Frau, deren Erregung durch ihren Zustand erklärt werden könnte, als ver- werflich bezeichnet werden müssen. Verringerung der Milchznfuhre«. Die Berliner BL.-Korrespondenz stellt fest, daß am I. Juli noch 567 000 Liter Milch nach Berlin gekommen sind, jetzt aber nur noch 400 000 Liter, und sie führt die» auf die anhaltend« Dürre und den Mangel an Grünfuller zurück.„Andererseits', schreibt sie,„wird aber in Milchhöndlerkreisen auch dem städtischen Milchamt ein Teil der Schuld an der Zufuhrverrinaerung zugeschoben, und zwar wird behauptet, daß da» Mllchamt selbst durch verkehrte Maßnahmen die Möglichkeit einer Erhöhung der Milchzufuhren unterbunden habe. Im Juni nämlich richtete diese Behörde an alle Interessenten ein Rundschreiben, in dem es angeblich aus Mangel an Absatzmöglich- keit vor dem Abschluß neuer Milchpachtungen vor dem 1. August warnte und für den Fall, daß solche dennoch vorgenommen würden, den betreffenden Milchpächtern statt des gewöhnlichen Geftehungs- preise? von 2,60 M. pro Liter nur den erheblich geringeren Ver- arbeitungswert als Vergütung in Aussicht stellte. Um nicht bei jedem Liter Milch etwas aus eigener Tasche zuzuzahlen, nahmen die Berliner Milchpächter infolgedessen gemäß dem Rat des Milchamtes, von dem Abschluß neuer Pachtungen Abstand, und für die Stadt Berlin entschwand damit die Möglichkeit, die infolge der Dürre«in- tretende Zufuhrverringerung wieder auszugleichen. Die Angriffe, die von dieser Seite aus gegen das Städtische Milchamt gerichtet wurden, sind nicht neu. Das Milchamt wird hoffentlich die Angelegenheit klären. ?ft nackt baöen schamlos! Die.Germania', das Hauptblatt be« Zentrums in Berlin, wird rot. wenn sie das Wort baden hört; sie wird röter, wenn sie da» Wort nackt vernimmt, und sie wird am rötesten, wie ein Krebs und wie ein Truthahn, wenn ihr bekannt wird, daß nackte Menschen gemeinsam baden. Denn Nacktheit ist dem Herr- gott der.Germania' ein Greuel. Bekanntlich hat er die ersten Menschen im Paradies mit einer Badehose geschaffen. Die.Germania' also hat so einen Fall erschnüffelt. Im Bund der älteren Wandervögel— er ist übrigens ziemlich.völkisch' orientiert— hat ein Dr. Leopold Fulda die Parole ausgegeben, Wander- Vögel sollen draußen gemeinsam ohne Badehose, also nackt baden. Die Wandervögel ständen am Scheidewege: zurück ins Mittelalter den Philistern zuliebe oder vorwärts zu uns selbst und zur Natur. .Jungens und MädelS' sollten sich„nackt und in der Bewegung' sehen,.besonders«he sie heiraten'. Der Badeanzug soll« künstig da» Kennzeichen der ganz Häßlichen, Geilen und Geschlechtskranken sein. In Badeanstalten werde man sich noch an die Vorschriften halten müssen. Auf der Fahrt aber wäre dann.möglichst an ein- samen unbeobachteten Stellen zu baden'. Ein vernünftiger Mensch— dem Reinen ist denn doch wohl alle» rein, verehrte.Germania'— kann dabei wirklich nichts finden. Bekanntlich baden in Norwegen, Italien und Japan so Männlein wie Weiblein gemeinsam ungeniert splitteriasernackt und es passiert nicht». Im übrigen sind 20 Jahre der Entwicklung an der ehrwürdigen.Germania' spurlo» vorübergegangen, sonstmüßte sie wissen, daß da« Nacktbaden seit ebenso langer Zeit von ernst- haften und sittlich unantastbaren Menschen gefordert und gefördert wird. Sie ober kreischt von Schamlosigkeiten. Die freien ehrlichen Menschen lachen darüber und— werden nackt baden oder auch nicht, wie es ihnen gerade gefällt._ Brennholz gegen Küchenabfälle. Di» Verordnung für die Verwertung von Küchenabfällen ist durch Bekanntmachung de« Neichsministers' für Ernährung und Land- Wirtschaft vom 24. Juni 1921 auf die Verwaltungsbezirke Cbar- lottenburg, Spandau. Berlin-Steglitz. Berlin-Tempelhof. Berlin« Treptow. Berlin-Weißensee, Berlin-Pankow, Berlin-Reinickendorf ausgedehnt worden. Die möglichst restlose Erfassung sämtlicher, nicht im eigenen Haushalt verbrauchter oder verfütterte Küchen- abfäll« ist im Interesse der Beschaffung von Viehfutter, namentlich im kommenden Winter speziell für uniere Milchkühe eine zwingende Notwendigkeit. Um die Ablieferungsfreudigkeit zu heben, werden private Händler zugelassen werden, die. gegen Abgabe von Brenn- bolz usw. Küchenabtälle einsammeln und zu behördlich festgesetzten Preisen in erster Linie den Kuhbaltern zuführen. Die Namen der zugelassenen Händler werden von Fall zu Fall in den einzelnen Be- zirken belamttgegebea.. Regelung Äer Tumultschadeu. Die durch die Unruhen in Berlin entstandenen Schäden find noch immer nicht völlig geregell worden- Wie erinnerlich, sind ein Teil der Geschädigten semerzeit von der Stadt Berlin entschädigt worden, ein anderer Teil, bei dem die Nachprüfung der durch die Unruhen entstandenen Schäden noch nicht erledigt war. mußte warten, weil sich die Stadt Berlin für den Ersatz des Schaden» nicht mehr für zuständig erklärte und das Reich als ersatzpflichtig eintreten sollte. Offenbar ist aber die Frage der Zuständigkeit noch nicht ganz geklärt, denn noch immer müssen die durch Granat- treffer ihrer Wohnungseinrichtungen usw. beraubten Einwohner der damaligen Tumultviertel darauf warten, daß ihnen der Ersatz der entstandenen Schäden geleistet wird. Bildung, Die Straßenbahn saust die Königgrätzer Straße ent« lang. Auf dem Vorderperron zwei Herren m Zivil: Typu» preußischer Leutnant. Der Wagen fährt an dem Theater in der Königgrätzer Straße vorbei. Das Theater hat al» Sprechbühne seinen Ruhm selbst im Ausland. Der eine Herr sieht das Theater und fragt den andern:„Du, wa» für ein Film läuft denn hier heute?' Eine gefährliche Unsitte, viele Fahrgäste der Eisenbahn haben die leidige Angewohnheit, die Tür ihres Abteils zu öffnen und aufzustoßen, ehe der Zug zum Halten gekommen ist. Dieser sträs- liche Leichtsinn hat gestern nachmittag aus dem Stadtbahnhof Friedrichstraße einen schweren Unfall zur Folge gehabt. Die auf dem Bahnsteig stehende 46 Jahre alle Witwe Martha Hentze wurde von einer solchen Tür am Kopfe getroffen und erlitt so erhebliche Verletzungen, daß ff« nach der Universitätsklinik gebracht werden mußte.— Die Uebeltäter, vielfach junge Leute, dürsen sich nicht wundern, wenn sie von den Bahnbeamten, die sie dabei ertappen, hart angelassen werden und außerdem noch Strafe zahlen müssen. 10 900 Zentner Gaskoks versunken. Im Teltowkanal ist ein dem Schiffer Blankenburg gehörender, mit 10000 Zentner Gaskoks der Gasbetriebsgesellschaft Berlin-Mariendorf bel-chener Aalm unterge- gangen. Der leckgewordene Kahn liegt bei Mariendorf und muß nun, da er die Schiffahrt behindert, schnellstens durch einen Bergungs- dampfer der Teltowtanals gehoben werden, was keine leichte Arbeit ist, da nur noch die Spitze des Kahns aus dem Wasser emporschaut. Straßenbahn-Rennsonderzüge nach der Rennbahn Ruhleben verkehren Freitag, den 29. d. M., wie folgt: a) Ab Alex and er- platz 1.10, 1.30, 1.50 über Potsdamer Platz. Zoo, Knie, b) Ab Hallesch es Tor 1.30, 1.45 über Yorckstratze. Bülowftraße. Zoo. c) Ab Eifenacher Straße Ecke Hauptstraße 2.00 über Winterfeldt-, Rollendorf-, Wittenbergplatz, 3»°. 6) Ab Ehar- lottenburg, Knie 1.20, 1.40. Fahrpreis 5 M.'. für die Teil- strecke Zoologischer Garten— Ruhleben 3 M. Jrelfarten für die Ferienspiele werden vom Jugendamt. Haupt- abteilung III. 10b, nicht mehr ausgestellt. Eltern von besonders bedürftigen Kindern können sich an die Oberleiter der Außen- spielplätze wenden. Diese werden nach eingehender Prüfung der Verhältnisse Freikarten für bedürftige Kinder auestellen. Händlerzuschlag für Sarlosseln. Die PreisprüfungSstell« Groß- Berlin bat mit Wirkung bis zum 15. September 1921 den ,u- lässigen Höchstzuschlag einschließli» aller Unlosten für den Kartoffel- großhandel auf 9 M.. für den Kartoffellleinhandel auf 6 M. je Zentner festgesetzt. Ossi Oswalda. der beliebte Filmstar, hat in dem modischen Spiel „Ein Wintertroum' vor. Rochus Gliele. das der Verband der deut- scheu Modenindustrie zusammen mit dem Berein deutscher Kürschner am 9. und 10. August in der„Scala' zur Aufführuna bringt, die Hauptrolle der Märchenprinzessin übernommen. Albert Paulig spielt die Rolle des Conferenciers. Arbeiter- VolkSfeft i« SckSneberg. Lang ill e« her. daß man in Schöneberg-in proletarisches VoUSfest feierte. Dem Drängen der Partei- a-nossinn-n und Genossen bat die 79. Abteilung im �i« Tchöneberg- Friedenau endlich nachgegeben und beschlossen, ein grohe« volwfesl ab? r- halten. Am Tonntag. den St. Juli,»achmlttag» 3 Uhr, findet dieses Bolls- fest Im.Sirtenwäldchen'. Tempelhot, Manteusselstrah-, nahe beim Sachsen- dämm und Lindenbof. statt. Di- gesamte«rbeitefichatt Schöneberg« und Friedenau» ist ewgeladen. Um 2 Uhr Treffpuntt b-t Groß. Sedanstr. 17. Hroß-Herllner Parteinachrichten. Heule. Arcikag, den 29.?uk: «dt. 8 Uhr bei Schwär»,«l-ntenselder Str. U, Funttionlrfitmi«. 8t. scheinen jede» Funtttonlir». etfortttlifl. � 0„_Lunrjlll, eor< 15.»dt. " Stapp« Herm-d-rs- fW ist,, i» Zu trag.— Stoppe Starben: 7 Uhr Spielen im H ZNorgen, Sonnabend, den 30. Zuli: am Sonnabend, den 86. Juli, abends 7� Uhr, beim Sangeabrudee Krause, Mariannenplatz 22._ Treffpunkte zur Demonstration ,Me wieder Krieg' am Sonntag, den 31. Zuli: 12. ftreia. Morgen, VH Uhr(n Sieglitz, am Markt, Düppelstraß' ». Abt. Morgen, Uhr am itottduser Tor. 10. Abt. Morgen« 8 Uhr bei Wolf, Forster Str.«1.# 13.»dt. Morgen, 8 Vi Uhr am Morihplatz(Wertheim). 17. Adt. Morgen, 8 Uhr bei Murrer, Toprlviftr. 8. 20.»it. Morgen, 8U Uhr am Baltenplah, Westseite. 23.«dt. Morgen, 8 Uhr im Werneuchener Schlob, Werneuchener Straße. Ah. marsch 8>4 Uhr zum Prenzlauer Tor. 2«.»dt. Margen, 8 Uhr bei Wichmann, Weißeniurger Straße. 29.«dt. Morgen, 8Vi Uhr Prenzlauer Allee 189 bei Burg. M.«dt. Morgen» 8 Uhr bei Oblglo, Stralsunder Str. U.«emeinsamer«d. marsch. Thailottenburg. 51.»dt. Morgen, 7H Uhr an der Kirche bei der Eisen. bahn.— 52.»dt. bei Bade, Haiserin-Augusta-Mee 52.— 5t.»dt. im „Birnbaum", Salvanistratze.— 5«.»dt. bei Schneider, Holzcndorffstroße.— 58.«dl. bei Stein, Passauer Str. 55. 80.»dt. Morgen, 7% Uhr im Al>tetlunz»lokal von Sürlich, Ruhen«», Ecke 81.«d� Morgen» 8 Uhr im Restaurant Ulldrlch, Pandlerpstr. 88. 85.«dt. Tcmpelhos. Morgen, 8ü Uhr am Hafen, Friedrtch.Karl», Ecke Per- liner Straße. 92.«dt. Reukölln. Morgens TßL Uhr bei Ewald, Weser-, Ecke Eldestraße. 199. Abt. Friedrich,hagen. Morgens 914 Uhr am Bahnhof. 115.»dt. Lichtenberg. Morgen« 8 Uhr auf dem Traveplatz, scke velchfelstraße. 128. Adt. Pankow. Morgen» 8 Uhr bei Heinze, Ecke Kaiser-Friedrich-Siroße. 13».«dt. Reinickendors-Ost. Morgen» 8V4 Uhr pünktlich Abmarsch vom Seebad. Znagsoztallstenl Soweit die Tresfounkte nicht mit den Truppen vereinbart oder mit den Abteilungen der Ardeiteriuaendvereine festgesetzt sind, treffen sich die Zungsozialisten mit ihren Partetobteilungen. Dir Zungsozialisten de, l». ttreiie» treffen sich um 814 Uhr in Pankow( Kirche), Breite Straße: Truppe Britz: morgens 814 Uhr auf dem Spielplatz Hannemannstraße. Pflicht jeder Genossin und jede» Genoffen ist es. an dieser Demonstration teilzunehmen. �ugenüveranstaltungen. Heule, Freilag. den 29. Zuli: Bortrag:„Urgeschichte her Mari Brandenburg'. Vorträge, vereine tinü Versammlungen. R-ich-dund der«riegsbeschädigten und Hinte rdliedenen,»an«r-ß.«erlin. Bez. 2 Osten. Sonntag, den 81. Zuli, Friedensdemonstration. Tress. puntt vormittag, 9 Uhr Andreaepiatz.— Montag, den 1. August, abend, 7 Uhr, Mitgliederversammlung in der Aula Andre-»sti. 1/2.—«eich,pereiuignng ehe. maliger Zkeiegagesangener. Treffpunkt der Ortsgruppen und EinzelmUglteder der RCcft. Sonntag vorm. 10 Uhr Rathau» Berlin, NSnigstraße. Avignon., Stdirier- und Tagesplakate find mitzufuhren.— Allgemeine Kennten, nnd Sterbelasse der SRetallardeitee, B. a.»„ Hamburg. Filiale«anmschnlenweg. stdtn� dm M. �i'li/' Ä'l'fc. K 8etIest* NSchst« gahlnben» So». die Güter See Staöt Serlin. Dom Gesmnt-Betriebsrat der Güter der Stadt Berlin geht uns folgende Erwiderung zu: Der„Vorwärts" berichtete über eine Besichtigung der beiden Güter„Lindenhof" und„Hobrechtsfelde" unter Führung des Stadt- rats Koblenzer und des Güterdirektors Ruths. Leider wurde in dem -Bericht noch nicht genug unterstrichen, daß dies sozusagen die Muster- guter Berlins sind. Wie sieht es nun aber auf den anderen Gütern aus, z. B. lm Süden auf den Administrationen Osdorf, Großbeeren und Sputen- dorf? Dort findet man Zwcizimmer-Wohnungen, deren Fußboden aus Zement oder Steinpflaster besteht. Jedes der zwei Zimmer hat 12 Quadratmeter Dodenfläche. Die Küche(4 Quadratmeter Bodenfläche) ist ein dunkles Loch, liegt auf dem Flur und muh gemeinsam von zwei Familien benutzt werden. Die Wohnungen sind derartig feucht, daß die Wäsche verstockt und die Möbel auseinander fallen. Boden und Keller sind nicht vorhanden. Bei den nicht ständigen Arbeitern(Berliner Arbeitslosen) in der Baracke Neu beeren kommt außer dem schon am Sonnabend Gerügten noch folgendes hinzu: Die Größe des Raumes beträgt ungefähr 300 Quadratmeter: er wird von 38 Mann bewohnt. Der Saal ist Schlaf Wohn- und Eßraum zugleich. S6 Arbeitern stehen 22 Schränke, zum Teck ohne Rückwände, zur Unterbringung ihrer Kleidung' und Speisen zur Verfügung, ferner ganze 16 Waschbecken und 1 Fußbadewanne. Ein« Bodegelegenheit für alle Arbeiter der südlichen Güter (1S00 an der Zahl) ist nicht vorhanden, trotzdem sie bei der staubigen Arbeit auf dem Lande und einem derartig dichten Zusammenwohnen unbedingt nötig wäre. Ueber das E s s e n wird nicht nur in Hobrechts- felde, sondern überall geklagt, besonders da den Arbeltern pro Tag 13,70 M. dafür angerechnet werden. Leider trifft auch das betreffs der Kuhhaltung Gesagte im Süden nicht zu. Hier wird immer noch nach dem alten primitiven System gearbeitet. Eine eigene Reparaturwerk st att wäre auch in Groß beeren und Osdorf bü dem großen Bestand an Maschinen und land wirtschaftlichen Geräten von großem Dorteil. Großbeeren besitzt nicht einmal eine eigene Gutsschmicde, und so sind Schmiederechnungen von 10 000 bis 20 000 M. monatlich keine Seltenheit. Einen großen, ganz modern«ingerichteten S v e i ch e r hatte Großbeeren auch. Leider brannte er vor zirka S Jahren ab. Die heute noch stehenden Teile mit wertvollen durch die Witterungseinflüsse sehr beschädigten Mahlgängen ließen sich zu einem, wenn auch nicht modernen, so doch gebrauchsfähigen Speicher, der für die südlichen Güter dringend er- forderlich ist, umbauen, so daß es nicht mehr nötig ist, das Getreide in Privatspeichern unterzubringen. Eine Schweinezuchtstoll ohne Schweine. Auch in Schmetzdorf ist ein großartiger, im Jahre 1908 mit einem Kostenaufwand von 65 000 M. errichteter, zirka 2000 Stück Dieh fassender Schweinezucht st all errichtet worden, dem leider nur die Schweine fehlen. Er dient jetzt zur Lagerung von künstlichem Dünger, besonders Kainit. Die innere Einrichtung, Rohrleitungen, Gitter usw., ist dadurch vollständig zerfressen und der Stall erst nach einer durchgreifenden, sehr hohe Ausgaben erfordernden Instand- setzung wieder zu gebrauchen. Somit muß. da ja, wie bekannt, kein Geld da ist, die rentable Schweinezucht trotz der vorhandenen Ge- bäude brach liegen und der Stadt wird dadurch eine bedeutende Ein nahmequelle genommen. Ein besonderes Kapitel auf den südlichen Gütern ist die Feld- bahn. Seit über einem Jahre führen die Betriebsräte ihretwegen einen schweren Kampf sowohl mit der Direktion als auch mit der Deputation. Es liegen hier zirka 20 Kilometer Feldbahn- gleise, die der unpraktischen, zeitoergeudenden Art der Anlage wegen überhaupt nicht benutzt werden. Die Gleise sind voll- ständig eingewachsen, zum Teil an Wegkreuzungen herausgenommen, so daß die ganze wertvolle Anlage völlig werllos ist. Die dazu gc- börigen Wagen sind zum großen Teil ebenfalls verrostet und verfault. Durch Herausnehmen und Instandsetzung der Gleise, wozu Platz und Räume vorhanden sind, und Vermieten derselben(für einen laufen- den Meter wird bis 1 M. pro Monat bezahlt) ließen sich weitere Einnahmen schaffen, aber leider sind bis jetzt alle Bemühungen ver- geblich gewesen. Da« interessanteste des ganzen Artikels sind die Zahlen der Verpachtungen. Es geht daraus hervor, daß von 112 000 Morgen über die Hälfte, nämlich 66 000 Morgen, verpachtet und nur 46 000 Morgen in eigene Bewirtschaftung genommen sind. Wenn man bedenkt, daß f ü r o e n Morgen nur 300 M. Pacht gezahlt werden, dagegen aber bei eigener Bewirtschastung 500—600 M. erzielt werden können, so ist ein solcher großer Einnahmeausfall nicht zu billigen. Man hat sogar 10 000 Morgen Raturland, das gerade, wie die Direktion immer sagt, fiir den städtischen Betrieb am geeignetsten ist, verpachtet. Eigentümlich ist auch, daß immer das beste und für die Bswirt- fchaftung am günstigsten gelegene Land verpachtet und daß am weitesten entferntxste und schlechteste durch die Gutsverwaltung be- arbeitet wird. Ein besonderes Bild ergibt auch die Zahl der Beamten und An- gestellten, die vom Güterdirektor angegeben wurde, nämlich 8 Ad- ministratoren, 17 Oberinspektoren, 60 Inspektoren. In der Privat- landwirtschaft rechnet man auf ungefähr 2000 Morgen 1 In- spektor. Da nun die Statt Berlin 46 000 Morgen selbst bewirt- schaftet, so ergibt sich daraus, daß mit demselben leitenden Personal ein weitaus größeres Gebiet bearbeitet werden könnte als das an- gegebene von 46 000 Morgen Die Lage der Arbeiter wird von ihnen selbst keineswegs so rosig angesehen, wie sie Herr Stadtrat Koblenzer schildert. Aus dem Vor- stehenden wird man deshalb wohl ersehen können, wie dringend not- wendig es gewesen wäre, daß an der Besichtigungsfahrt sich ein Mitglied des Betriebsrates betelligt hätte. Vetter bi» Eonnabeud mittag i Gebr warm und schwill, vielfach heiter, aber veränderlich. Im Nordosten vereinzelte, nur geringe. In den meisten anderen Degende» öster wiederholte, stellenweise stark« Gewitter- regen. Wirtschaft Volkswirtschaft und Intereftenverbänöe. Die amtliche Zeitschrift des Leipziger Meßamtes„Die Leipziger Mustermesse" beschäftigt sich in ihrer letzten Nummer mit den volkswirtschafllichen Aufgaben der Jnteressenverbände. Einleitend wird auf die Erschwernisse hingewiesen, die einem Wiederaufbau unserer Wirtschaft aus den Bestimmungen des Friedensverstages entgegenstehen. Wir stehen, beißt es wörtlich, mit unserer Handels- politischen Souveränität gleichsam unter der Oberaufsicht des inter- alliierten Garantickomitees. Aus dieser mißlichen Lage folgert nun das Blatt, daß bei einem solchen Stande der Dinge Handel und Industrie im Wege der Selbst- Hilfe einen Teil der volkswirtschaftlichen Aufgaben übernehmen müssen, die der Staat infolge seiner außenpolitischen Gebundenheit zurzeit nicht ganz erfüllen kann. Das sei ein Problem, zu deren Lösung genaueste wirtschaftliche Kenntnis ebensowohl wie sicherster polittscher Takt erforderlich sind. Weiter heißt es wörllich: „Die freie, handelspolitische Initiative, an die wir hier denken, beschränkt sich nicht auf die allgemeinen, öffentlichen Wirtschafte' oerstetungen, sondern dürste namentlich auch von den Interesse»' verbänden der einzelnen Wirtschaftszweige zu leisten sein. Ihnen allein steht ja die spezielle Warenkenntnis zur Verfügung, die alle Maßnahmen erst wirksam und lebendig macht. Diese Gruppen gehen dabei über ihre ursprüngliche Ausgabe, die Privatwirtschaft- lichen Interessen ihrer Mitglieder hinsichtlich des Nohstoffbezuges, des Warenabsatzes, der Preisbemessung, der Lieferungsbedingungen, der Arbeiterfragen zu wahren, weit hinaus. Sie nehmen tell an der volkswirtschaftlich orientierten Selbsthilfe zur Wiederher' stellung unseres Wirtschaftslebens. Worin soll diese Tätigkeit bestehen? In der Hauptsache darin, daß man einheitliche Besstebungen schafft. In unserer auswärtigen Handelspolitik darf es keine„Außenseiter" geben. Die Grund- forderung ist also geschlossenes Aussteten auf dem Weltmarkte. Wenn man's so liest, mag's leidlich scheinen. Geht man den Dingen aber ttefer nach, so findet man unschwer, daß doch diese oder jene Voraussetzungen fehlen, die für eine wirksame Tätigkeit der Verbände auf dem angegebenen Gebiete unerläßlich sind. Da war zunächst von dem erforderlichen sichersten politischen Takt die Rede. Gerade an diesem, dünkt uns, hat man es leider vielfach fehlen lassen. Oder glaubt man etwa, daß es sonderlich geschickt und politisch taktvoll ist, die ersten Schiffe, die das neue Deutschland gebaut hat,„Ludendorsf" und„Tirpitz" zu benennen? Namen, die kaum geeignet erscheinen, uns in der Welt neue Sympathien zu erwerben. Wenn dann weiter gesagt ist, daß die verschiedenen Gruppen über ihre ursprünglichen Aufgaben, die privatwirtschaftlichen Inter- essen ihrer Mitglieder zu wahren, weit hinausgehen und an der volkswirtschaftlich orientierten Selbsthilfe zur Wiederherstellung unseres Wirtschaftslebens teilzunehmen, so ist doch die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß ihnen ein großer Teil ihrer Mitglieder auf diesem Wege die Gefolgschaft verweigern wird. Die ganze Gedankenwelt des Kaufmanns und auch des Industriellen ist durch jahrhunderte lange Gewohnheit, durch Erziehung und Aus- bildung, viel zu sehr auf das egoistische Motiv des eigenen Vorteils und Verdienstes eingestellt, als daß es einigen wcitcrblickenden Führernaturen ohne weiteres gelingen würde, hier eine sofort ein- setzende Umstellung in Fleisch und Blut übergegangener Ansichten durchzusetzen. Die Idee, daß das Wohl des eigenen Unternehmens in erster Linie abhängt von dem Wohle der Gesamtwirtschaft, dämmert wohl schon hier und dort. Keineswegs hat sie aber schon allerorts oder auch nur in nennenswertem Umfange so feste Wurzeln geschlagen,- daß man willig auf einen eigenen Borteil verzichtet, wenn der Ge- samtwirtschaft daraus Schaden erwächst. Wollen die Verbände dagegen ankämpfen, so ist es gewiß löblich. Nur kann man billigerweise befürchten, daß ihr- Machtmittel nicht ausreichen werden sich durchzusetzen. Hier erwächst der Arbeiter- schast eme bedeutende und dankenswerte Aufgabe. Sie ist, im Gegen- fatz zum Unternehmertum, in erster Linie dazu erzogen, Solidarität zu üben und nur dann auf den eigenen Nutzen zu sinnen, wenn dieser nicht einen Schaden für die Allgemeinheit im Gefolge hat. In den Arbeitsgemeinschaften, in den Bestiebsräten usw. ist ihr heute Gclegenhett gegeben, erzieherisch auf die Unternehmer einzu- wirken. Tut sie auch an dieser Stelle ihre Pflicht, so wird auch dos Pflichtbewußtsein des Unternehmers gestärkt werden. Und dann ist es nicht ausgeschlossen, daß es den Verbänden gelingt, in erster Linie den Interessen der Volkswirtschaft und dann erst denen ihrer Mitglieder zu dienen._ Neue Schieberlricks. Die Finanzämter beschäftigen sich, einer DHD.-Meldung aus Frankfurt a. M. zufolge, soeben mit einer neuen Art von Millionenverschiebungen nach dem Auslande. Man hat die Beobachtung gemacht, daß große Geschäfte ihren Auslandeagenten ungeheure Provisionen ausgezahlt haben, wenigstens tonnten sie bei der Steuerveranlagung die Provisionsquittungen über derartige Mil- Nonenbeträge beibringen. Die Finanzämter find davon überzeugt, daß es sich hier um nichts anderes handelt als um Vcrmögensver- chiebungen nach dem Auslande, durch die dem Reich riesige Steuer- annahmen verloren gehen. Die Untersuchungen sind dadurch er- chwert, daß es kaum möglich ist, die betreffenden Äuslandsagenten zur Aufklärung der Schiebungen heranzubekommen. Man erwägt gesetzgeberische Maßnahmen, um diesem Treiben entgegenzuwirken. Der siebzigjährige Benno Orcnsteln. Eine Berliner Handels- korrespondenz verbreitet die Mitteilung, daß Geheimer Kommerzien- rat Penno Orenstein demnächst seinen 70. Geburtstag„fern von Berlin" feiert(d. h. um in angeborener Bescheidenheit allen etwa beabsichtigten Ovationen zu entgehen). Man darf annehmen, daß. auch wenn Orenstein in Berlin anwesend wäre, die ihm von seinen Angestellten und Arbettern zugedachten„Huldigungen" sich in sehr mäßigen Grenzen halten würden. Denn gerade dieser Mann gilt als einer der rücksichtslosesten Unternehmer. Soziales. Außerordentliche Beihilfe für langfristig Erwerbslose. Der Reichstag hat im Einvernehmen mit der Reichsregierung am 2. Juni d. I. folgende Entschließung angenommen: „Für die langfristig Erwerbslosen, diemehrals26Wochen erwerbslos ist, ist den Gemeinden eine besondere geldliche Beihilfe zu gewähren, die es ihnen ermöglicht, die nötigen An- schaffungen an Kleidung und Schuhwerk für die Erwerbslosen und ihre Angehörigen vorzunehmen." Der Reichsarbeitsminister hat in einem Erlaß vom 10. Juni d.J. Richtlinien gegeben, zu deren Ausführung der preußische Bolls- wohlfahrtsminister im Einverständnis mit dem preußischen Finanz- minister folgendes angeordnet hat: 1. Stichtag ist der 15. Juli 1921. 2. Die Beihilfe kann an diejenigen Erwerbslosen gezahlt werden, welche am Stichtage länger als 26 Wochen hindurch un- unterbrochen Erwerbslosemmterftützung bezogen haben. Als Er- werbslnsenunterstiitzung gilt nicht diejenige Beihilfe, welche den Kurzarbeitern gemäß Z 9 Abs. 2 der Verordnung über Er- werbslosenfürsorge gezahlt wird. Als Unterbrechung der Frist von 26 Wochen sind Zeiträume von geringer Dauer, innerhalb deren Voll- oder Kurzarbeit geleistet wurde, nicht anzusehen. Solche Zeit- räum« dürfen im Einzelfalle eine Periode von 24 Arbeitstagen nicht überfchretten. 3. Die G e m« i n d e n errechnen nach vorstehenden Grundsätzen die in ihnen zur Verteilung gelangende Summe und teilen diese, sowie die Zahl der bezugsberechtigten Erwerbslosen den zuständigen Regierungspräsidenten(für Berlin mit Ausnahme von Spandau dem Oberpräsidenten) unverzüglich mit. 4. Die Regie- rungspräsidenten(für Perlin der Oberpräsident) geben Anweisung über die Staffelung nach dem Familienstande, den persönlichen und örtlichen Verschiedenheiten. Hiernach kann innerhalb der auf die Gemeinde entfallenden Gesamtsumme im Einzelfalle der Wert der Beihilfe auch 600 M. überschreiten oder hinter dieser Summe zurückbleiben. Wo die Gewährung von Sachleistungen, wozu auch Heizmaterial zu rechnen ist, untunlich er- scheint, kann die Beihilfe in Geld ausgezahlt werden, so z. B., wenn der Erwerbslose glaubhaft macht, daß er damit Schulden bezahlen oder verpfändete notwendige Gegenstände einlösen will. Mus aller Welt. Srandkataftrophe» und kein Ende. Der bei Neustadt im Schwarzwald gelegene Ort Löfflugen steht feit gestern mittag in Flammen. Sin Drittel de» ganzen Städtchen» ist den Flammen bereit» zum Opfer gefallen. Sechs Millionen Sprengkapseln und Zündhüte explodierten Dienstag nachmittag auf der Infel W u st e r a u im Plauer See. Die Insel gehört zu der Eisenbahnwerkstätte Brandenburg-West. früher Plauer Pulverfabrik. Von der Treuhandgesellschaft werde» oort jeden Tag 800 000 Sprengkapseln und Zündhüte abgeliefert und vernichtet. In einem Lagerhaus lagerten die sechs Millionen Sprengkapseln. Wodurch die Explosion herbeigeführt wurde, wird erst von der Untersuchung festgestellt werden. Ein Vorarbeiter wurde getötet, drei Arbeiter wurden verletzt. Durch die Expto- sion wurde ein Waldbrand verursacht, der weit in die Nach: hinein dauerte._ Sport. Rennen z« Erunewatd. TonncrStag, 28. Juli. Dai über 2000 Meter führend«, mit COOOO M. ausgestattete Lekndorff- Rennen Holle sich nach Kampi OrdenSjäger sicher mit zwei Längen vor Ziniier, dem nach einer halben Länge Perllchnur solgte. l. Preis von T r a k e h n e n. 24 000 HB. 1800 Meter. 1. Abendstu'.-m(Bleuler). 2. Primadonna(W. Kohl), 8. Oecana(Danek). Tot.: 10t: 10, Platz: 23, 21, 15: 10, Ferner tiefen: Livia(4), Sem, Thunichtgut, Malachit, FriedenSritter, Violelta.— 2. Preis von Georgenburg. ISOOO M. 1400 Meter. 1. Erbschleicher(Senkpeil), 2. Quälgeist/, L'hr Deutsches Theater T/j Uhr; Potascli o, Perlnnitter So.Tk: Potascb u.Perimulter KarameTsplele TVs Uhr: Der Herr, der die Maulschellen kriegt So. 71/2 Uhr; Oer llerr, der die Maulschellen kriegt Gr. Schauspielhaus (Karistrafie) 8: Die Weber(Auß. Abonn.) So 8: DleWcber(AuB»Abon.) Berliner Theater Allebendlich 7*0 lÄif: Theater i. d. Könipgratzer Str. Nnr noch 3 Vorfkellnngenl 7JWIL: Der G* wissenswarm So.: Die Kreuzeisphreiber Sonntag: Weibsteufel Komödienhans 7.30 Uhr: Der blonde Engel Centrai-Theater 8 Uhr; Jlonka Frledr. Wilhelm st.T1ia uL Die Kleine ans der HSUe Ki. htcliunHjrlelhau« 7'/, uhr: Reigen KJelue» Theater 8 uhr; Casanovas Sohn 71 etropol-Theater Jh�Die blaue Maznr üfenes Cpercttentheat. p/tUhr American-Girl Reaidenz-Theater 8 Uhr: Mnx Adalbert in 1919(Ab dafür!) Sclilller-TkoAt.Cliarla �Öpert-Uenspielzeit u�KeineFran- das Fräulein ThaUa-Thenter vv.uhr: Mascottchen Th.anik'olloiidorfplata u'�Jer Tsfter m Bingsda Theater de» tTenten# VolksfCmliche Preise! vZ2: Morgen wieder lustlk! Trlanon-Thcater u8: Lad? WiKtemisp. Fächer Th.i.d.Koa>niaod fiasisp, der Original- TeipzlEer-pru« Wtber m Singer Vorwerk. 11— l1/« u. 4—6 Uhr Am 1. 8.: WlesJrrauftretcn der Elite• Sßnger jldmirals Palast Vi, Uhr; Die roten Sebah« Volksbühne Theater am Bölowplatz. Der Kaiserjäger 7'/, Uhr: lessing-Theater Allabendlich 7'/, Uhr; Die vZllLiW. des Kc'iiigs (Leopoldine Konstantin) Deutsches Künstler-Theater 8 Uhr: Der Herr Verteidiger. Hell, Gebühr, Kaiser-Titz SerHaerfratef Kastanien-Allee 7—9 Heute Großer Boxkampf PfBSZEl- SpezialrArzt Dr. Scotti, Rosenthalerst. 69-70 für alle Oeschiechts-, Haut-, Harn-, Frauenleid. Syphilis-, Salvarsan*Kuren. Blutunters. Damen separat. 10— 1. 5—7. MgeMte. 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Die Verhandlungen sind in der Zwischenzeit ununterbrochen gefördert worden, sie wurden zum größten Teil in Paris, zum kleinsten Teil in Berlin geführt. Einen ziemlich breiten Raum nahm die erste Gruppe von Ver- Handlungen ein, die ich als die Gruppe der Ttcbenftagen bezeichnen möchte. Hier handelt es sich darum, Reparationen und Restitutionen, die durch den Versailler Vertrag uns vor- geschrieben sind, durch einmalige Lieferungen endgültig auszugleichen. Der Zweck ist ein volkswirtschaftlicher. Es wird nugestrebt, die dauernde Beunruhigung des Landes durch Nach- forfchungen zu vermeiden, und Schädigungen zu verhindern, die zum Beispiel auf dem Gebiet der Maschinenrücklieferun- gen dadurch entstehen können, daß besonders in kleineren Be» r-ieben Werkzeuge, Maschinen und Einrichtungen zurückgeführt wer- den, die den Besitzer für seinen Betrieb unentbehrlich sind. Abgesehen von diesen Nebcnfragen, die erheblichen Zeitaufwand in den Verhandlungen erforderten und nach vielen Richtungen Schwierigkeiten brachten, hatten wir uns mit denjenigen Hauptfragen zu befassen, die ich als Sernpunkt der grundsätzlichen Verhandlungen bezeichnet habe. Die eine dieser Fragen ist die Frage der Finanzierung. Für den Fall, daß die jährlichen Sachleistungen, die wir an Frankreich zu machen haben, denjenigen Betrag überschreiten, den Frankreich berest oder in der Lage ist, sich aus R e p a r a t i o n s» k o n t o anrechnen zu lassen, müssen Wege gefunden werden, um Stundungen zu ermöglichen, die dahin zielen, daß solche über- schießenden Beträge auf spätere Annuitätsleistungen angerechnet werden. Die zweite Frage ist die Frage der Preise. Es wird nötig fein, eine Preisgrundlage zu finden, die so geschaffen ist, daß man für einen bestimmten Zeitraum genau übersehen kann, welches der Wert einer Ware ist, die geliefert und angerechnet werden soll. Dabei ist da» Grundprinzip einzuhalten, daß Frankreich nicht Waren von uns empfangen wird, die teurer sind, als sie in Frank- reich selbst hergestellt werden können. Es wird sich also darum handeln, eine Methode zu finden, um den Preis für gewisse Waren- kategorien so zu fixieren, daß man für einen bestimmten Zeitraum genau übersehen kann, wie die Preisstellung sich gestaltet und zwar in Uebereinstimmung mit der Preislage in Frankreich. Der Weg, der hierfür eingeschlagen wird, wird vermutlich der sein, daß eine gemischte Zndexkommisflon an die Arbeit gesetzt wird und daß diese Kommission, ausgehend von den Vorkriegspreisen, für den Zeitraum, sogen wir eines Viertel- jahres, diejenigen Jndexzuschläge ermittelt, die während dieser Veriode in Geltung sind, so daß also durch Multiplikation des In- dexes mit dem Grundpreis der jeweilig geltende Wert sich ergibt. Ich bemerke hierzu von vornherein zweierlei: erstens, daß mit diesem französischen Preise nicht unbedingt der deutsche Liefe- rant gebunden ist, fernerhin, daß dieser französische Preis sich nicht auf den f r e i« n h a n d e l bezieht, sondern auf den gebundenen. Wir haben sodann in den Verhandlungen gesprochen über die Frage der Errichtung einer s r a n z ö s i s ch- d e u t s ch e n O r- g a n i s a t i o n zur Aufnahme von Lieferungen überhaupt. Vor- ausschickend möchte ich wiederholen, daß, wenn ich hier von Organi- fation, von Preisen, von Indexzahlen spreche, ich dann nicht von demjenigen Gebiete des Handels und der Lieferungen rede, dos sich im sogenannten»commerce libre" vollziehen wird, d. h. im freien Handel von Land zu Land. Wir haben die entschiedene Absicht, diesen freien Handel gewähren zu lasten, ja, ihn zu unter- stützen,, denn wir sind der Meinung, daß es die naturgemäße Form des Güteraustausches zwischen zwei Ländern ist. Wir wün- schen, daß dieser freie Handel einen großen Umfang annimmt. Mit anderen Worten, ich denke mir, daß die Lieferungen von M a- schinen, von Fabrikeinrichtungen, von Gütern der- jenigen Art, bei der es auf die Frage des H e r st e l l e r» und der Konstruktion ganz besonders ankommt, soweit wie möglich dem freien Handel gehören müssen, daß dagegen dem Kol- lektivhandel, wenn ich es so ausdrücken darf. Güter gehören werden, wie z. B. Baumaterialien, wenn sie in größerem Umfange verlangt werden, Bodenbelag, Türen, Fenster- rahmen, kurz das, was zum Aufbau eines einzelnen Hauses ge- hört. Für diesen Güterverkehr wird es sich darum handeln, einfache Aufsaugungsformen in Frankreich zu finden. Es ist daran gedacht worden, daß man nach Art von Zollstationen Nieder- lastungen an verschiedenen Stellen etablieren wird, bei denen der Sinistrierte auf der einen Seite seinen Bau der eigenen französischen Behörde präsentiert, ihn abgestempelt bekommt und dann auf die deutsche Seite übertritt und dort seine Bestellungen aufgibt, die von da aus an die Zentralstelle in Deutschltznd weitergeleitet und effektuiert werden. Zurückgetreten ist während dieser Verhandlung da» Gebiet der Arbeitsleistung an Ort und Stelle. Ich habe erwähnt, daß erhebliche soziale Lohnschwierig- leiten, Unterbringungsschwierigkeiten hinsichtlich der Entsendung deutscher Arbeiter nach Frankreich geltend gemacht worden sind. Ich hoffe, daß, sobald zwischen Frankreich und uns ein gewistes Han- delsoerhältnis etabliert ist, auch diese Art der Zusammen- arbeit sich ermöglichen läßt. Ob es in sehr erheblichem Umfange stattfinden wird, möchte ich schon deswegen bezweifeln, weil aus den französischen Berichten an Kammer und Senat hervorgeht, daß die Gesamtzahl der fremden Arbeiter, die Frankreich aus verschiede- neu Nationen zusammengerufen und auf seinen beschädigten Territorien versammelt hat, nicht größer ist als 2? 000. Die Verhandlungen gehen naturgemäß nicht mit großer Ge- schwindigkeit vorwärts. Es steht aber zu hoffen, daß wir in nicht allzuferner Zeit zu einer grundlegenden Verständigung kommen. Inzwischen ist das Prinzip der Verhandlungen in der deutschen Oeffentlichteit vielfach erörtert worden, und es sind mehrere Ein- Wendungen gegen unsere Art des Vorgehens erhoben worden. In erster Linie hat man geltend gemacht, daß es sich doch wohl nur um ganz geringfügig« Lieferungen handeln wird; denn man hat festgestellt, daß aus den großen Listenanforderungen der alliierten Länder, die kurz nach Friedensschluß bei uns ein- liefen und die etwa 18 000 Posten umfaßten, verhältnismäßig wenig Material von Deutschland aus geliefert worden ist. Das Materiol war durch den Zufall zusammengeweht worden. Es war kaum möglich, es hier in Deutschland zu sichten und fest- zustellen, was eigenllich verlangt wurde. Vor allem scheint es mir deswegen nicht bedauerlich, daß auf diesem Gebiet nur mähige Lieferungen erfolgt sind, weil diese Leistungen unausbleiblich in das große Loch der Vorlieferungen gefallen wären, die ja, wie Sie wissen, uns in dem Londoner Ultimatum außerordentlich schwach angerechnet worden sind. Ich rechne nicht damit, daß man etwa aus besonderer Rücksicht für uns oder unsere Wirtschaftslage die Absicht hat, uns enorme Lieferungen zu übergeben. Ich glaube aber, daß die Sinistrierten selbst eine beschleunigte Lieferung wünschen. Das Wiederaufbaugeschäft in Frankreich ist mit großen staatlichen Mitteln und entschiedener Energie geför- dert worden. Aber zweifellos ist es auf vielen Gebieten noch nicht so weit vorgeschritten, wie es den Wünschen der Sinistrierten ent- spricht. Insbesondere von den 600 000 Häusern, von denen 300 000 beschädigt und 300 000 vernichtet sind, ist nur ein Verhältnis- mäßig kleiner Teil wieder aufgebaut worden. Ich möchte mich entschieden eines jeden Optimismus ent- halten. Aber ich glaube, daß dieses ganze Verhandlungsgeschäft, das wir betreiben, für die deutsche Volkswirkschaft von enischeidender vedeukung ist. Denn einmal ist es zweifellos, daß die Umwandlung von Gold- leiftungen in Sachleistungen für uns unentbehrlich ist. Auf der anderen Seite ist es für uns von Bedeutung, wenn wir neben den schweren Lasten, die wir in den nächsten Iahren zu tragen haben werden, nicht mit Beschästigungslosigkeit zu kämpfen haben. Ich komme dabei auf diejenigen grundsätzlichen Auf- f a s s u n g e n, die sich hinsichtlich des ganzen Reparationsgeschäftes gegenüberstehen und die sich im wesentlichen um den Begriff der Er- füllung bewegen. Die eine Auffassung geht davon aus, die Liefe- rungen, die Vertragsbestimmungen feien etwas absolut Unabänder- liches und etwas absolut Unerfüllbares. Sie stellt sich auf diesen Standpunkt, noch bevor der versuch entschieden ist, Abänderungen vorzunehmen, die un» die Last tragbar machen, und noch bevor der Anfang gemacht ist, an das eigentliche Wiederausbauwesen heran- zutreten. Und doch ist im Ultimatum selbst ausdrücklich aus- gesprochen, daß die Bestimmungen eine Unabänderlichkeit nicht in sich tragen: denn es ist uns freigestellt worden, Abänderungs- vorschlage zu machen. Was den dunkelsten Punkt der ganzen Bestimmungen betrifft, nämlich den Index, so liegt es heute schon so, daß fast überall, wo volkswirtschaftliche Kräfte sich regen, auch die Einsicht durchgedrungen ist, daß mit diesem Index und mit den Sons provisiores, die auf ihm beruhen, außerordentlich wenig anzufangen ist. Im Gegensatz zu der Auffasiung, die unsere Leistungen als gänz- lich unabänderlich und damit gänzlich unerfüllbar ansieht, vertrete ich den Standpunkt, daß man seden versuch machen muß, die Leisiungen. die uns auferleg! worden sind, tragbar zu machen, und ich bin weiterhin der Meinung, daß die wachsende Erkenntnis auf der Gegenseite uns diese Arbeit erleichtern wird. Ich bin ferner der Ansicht, daß wir dann den entschiedenen Anspruch haben, die jtfb- änderungen durchzusetzen, die möglich sind, wenn wir auch unserer- seits mit einem Unerfüllbar nicht etwa einen Mangel an gutem Willen entschuldigen, sondern wenn wir davon aus- gehen, daß ein fester Wille in diesen Fragen ein ganz außer- ordentliches A k t i v u m ist, nicht nur bei uns, sondern vor ollem im Verhältnis zur Gegenseite. Ich glaube also, daß man die Gegen- säße hier im Lande nicht so hoch zu spannen brauchte, daß es nicht wünschenswert ist, wenn es so geschieht, wie es in der Oeffentlichkeit bisher der Fall war. Ich glaube, daß man den Versuch mit großer Nachhaltigkeit machen sollte, die Leistungen dadurch tragbar zu machen, daß man sie in verständige Formen bringt, daß man ferner nicht von vornherein daran verzweifelt, etwas Erheb- liches leisten zu können: denn aernde diese Leistung wird uns wieder zu Hilfe kommen, wenn es lich darum handelt, unerträgliche Bestimmungen in erträgliche zu verwandeln. Nehmen wir also jetzt einmal an, daß unsere Sachleistungen zwar nicht phantastisch hoch sein, sich aber doch in sehr erheblichen Grenzen bewegen werden, nämlich in solchen Grenzen, die der Größe de» Aufbauproblems in Frankreich entsprechen, so wird, wie ich schon erwähnt habe, ein Strom von W a r e n aus D e u t s ch l a n d nach F r a n kr e i ch. ein Strom von Bestellungen von Frankreich nach Deutschland ge- leitet und aufgenommen werden müssen.■ Wenn wir uns nun dieses Verteilungsproblem klar zu machen versuchen, so stellt sich heraus, daß d r e i H a u p ta uf g a b en von uns erfüllt sein müsien. Die erste Aufgabe ist die der Garantie, der Sicherheit der Erfüllung. Das, was wir ubernehmen, ist eine VerpflichtungvonLandzuLond. Es ist eine Ver- pflichtung. die nur übernommen werden kann, wenn sie durch den Willen und die Kraft des Landes, das sich zu Leistungen verpflichtet, gewährleistet ist.. �......... Der Träger dieser Verpflichtungen in Deutschland ist �»er Wiederaufbaukommissar. Er kann bindende Geschäfte nicht abschließen und kann seine an sich schwere Aufgabe nicht er- füllen, wenn er nicht weiß noch beweisen kann, daß er durch die Ein- richtungen des Landes so gedeckt ist. daß er unter allen Umstanden e r f ü l l« n kann, was er übernimmt.. Das Arbeiten des Reichskommisiars war früher ein Arbeiten ohne Rückgarantie. Das ließ sich einigermaßen, aber schlecht er- tragen, solange es sich um die sehr geringfügigen Listenlieferungen handelte. Es würde sich unter keinen Umständen ertragen losten, wenn es stef) um große Lieferungen von Sand zu Land handelt..... Das zweite Prinzip ist das Prinzip einer gerechten und ver- ständigen Verteilung. Wir dürfen niemals vergessen, daß die Leistungen, zu denen wir uns verpflichten, nicht freiwillige Leistungen des einzelnen sind, sondern Leistungen, die aus einem schweren Friedensdikiat herrühren, daß jede dieser Leistungen aus den Einkünften des deutschen Reiche» gezahlt wird, die es von seinen Steuerzahlern empfängt. Wir haben also nicht das Recht, diese Aufträge als privatwirt- s ch a f t l i ch e zu betrachten, sondern wir haben den Gedanken anzu- erkennen, daß eine Leistung, die von der A l lg e m e i n h e i t bezahlt wird, auch bei ihrer Durchführung von der Allgemeinheit g e- trogen werden muh. Wir könnten es nicht verantworten, anders vorzugehen, als daß eine möglichst gleichmäßige. Verteilung der Lei- stungen nach Ländern sowohl wie auch nach Berussständen erfolgt. Der dritte Grundsatz ist der der unbedingt prompten, geschäfts- kundigen und raschen Durchführung eines jeden Auftrages. Es wird kaum möglich sein, eine solche Aufgabe durch einen b e- hördlichen Apparat zu lösen. Wenn sie durch einen behörd- lichen Apparat gelöst werden müßte, so würden die Schwierigkeiten sich derartig häufen, daß dieser Apparat vermutlich über kurz oder lang in die Brüche gehen müßte. Das Submisstonsversahren auf unser Problem angewandt, würde dazu führen, das eine verhältnismäßig kleine Zahl von sehr kräftigen Stellen sich jeweils diejenigen Lieferungen sichern würden und daß eine Verteilung nach wirtschaftlich nicht übermäßig be- günstigten Landesgebieten unmöglich wäre.— Kriegsgesellschaften oder Gebilde, die einer Krlegsgesellschast ähnlich sehen, dürfen nicht in Frage kommen. Um Organisationen aber werden wir nicht herumkommen: denn Hunderte und Tausende von Millionen durch ein Bureau von drei Mann kanalisieren und dann nach allen Landesteilen und Berufsständen zu verteilen, ist schlechter- dings unmöglich.— Die Garantien, die der Reichstommistar braucht, um überhauvt als verantwortlicher Unterhändler und Liefe- rant aufzutreten, sind dadurch zu schaffen versucht worden, daß die bekannte, im Juli d. I. vom Reichstag genehmigte Verordnung zustande kam, die die Errichtung von Leistungsverbänden regelt. Der Gedanke ist der, daß Leistungsverbände geschaffen wer- den, sowohl aus der Industrie heraus, als dadurch, daß den Ländern der Charakter des Leistungsverbandes zugebilligt wird. Für die Umwandlung eines Fachverbandes in einen Lei- stungsverband ist nur nötig, daß der Fochoerband als j u r i» st i s cb e Person in die Lage gesetzt wird, durch Persönlichkeiten und Statuten Leistungen verbindlich zu übernehmen und zu ver- geben. Die Länder selbst sind in den Landesauftragsstellen schon in ähnlichem Sinne organisiert.—- Eine Reihe von Einwendungen wurden erhoben. Die eine ist die, die sich mit dem grundsätzlichen Widerstand gegen jede Möglichkeit eines Zwanges befaßt. Es ist bis jetzt kein Dorfchfag gemacht worden, der gezeigt hätte, daß man auf der Grundlage der vollen Freiwilligkeit Leistungen einem anderen Lande in großem Umfange garantieren kann. Der Fabrikant, der Hersteller, der Handwerker braucht wegen der Preis- frag e nicht besorgt sein, denn ein angemessener Preis ist ihm unter allen Umständen zugesichert, wobei es freilich unter Umständen ein- treten kann, daß das Reich auf diesen Preis zulegt. Bezüglich der Verteilung nach den Landesteilen und nach den Berufsständen ist mit großen Schwierigkeiten zu rechnen. Es genügt deshalb nicht, die Leistungsoerbände gesondert nebeneinander. stehend dem Reichskommissar gegenüberzustellen, sondern es wird nötig sein, sie zu einem Selbstoerwaltungskörper zusammenzu- schließen. Also ein Verband der Verbände, der alle Leistungsver- bände, sowohl Länder wie gewerbliche Verbände, zusammenschließt. Damit sind die Verhandlungen der letzten Wochen umschrieben. soweit sie sich nämlich auf Frankreich erstrecken. Gegenüber Be- sorgnissen, die in der letzten Zeit in der englischen Presse ausge- taucht sind, es möchten die Scnderverhandlungen, die zwischen Frank- reich und Deutschland geführt werden, die englischen Znkeresien oder die anderer alliierter Nationen schädigen, kann versichert werden, daß die Rechte irgendeiner Nation nicht zu kurz gekommen sind. Deutschland hat das wesenliche Interesse an der ollgemeinen Um- Wandlung von Goldlei st ungen in Sachleistungen, und zwar nicht nur Frankreich gegenüber: vielmehr wollen wir auch mit den übrigen Ländern zu analogen Abmachungen kommen. Dabei dürfen jedoch die gesamten Märkte der Welt nicht mit einer krank- hasten Ueberproduktion an deutschen Produkten überschwemmt wer- den. so daß letzten Endes jedes Land von Deutschland genau soviel Tribut bekommen hätte, um seine eigenen Arbeitslosen damit zu ernähren. Das ist kein Ziel volkswirtschaftlicher Art. Diese Er- kenntnis bricht sich Bahn. Deutsih- französische �anüelsbeziehungen. Nach der Rede Rathenaus gab Staatssekretär im Reichswirt- fchaftsministerium Dr. Hirsch im Zusammenhang mit den Aus- fiihrungen des Wiederoufbauministers einen kurzen allgemeinen Ueberblick über die Erörterungen bezüglich des sogenannten Lochs im Westen und die Gestaltung der deutsch-franzöfischen Handelsbeziehungen. Seit dem Friedensschluß sind ständig Verhandlungen geführt worden, bei denen immer wieder der Wunsch Frankreichs zum Ausdruck kam. man möchte sich über Kontin- gente für den französischen Absatz verständigen. Anfang 1920 wcrr es gelungen, und zwar unter ausschlaggebender Mithilfe der rheinischen Wirtschastskreisc, die Handhabung der deutschen Ein- und Ausfuhrbestimmungen, auch im besetzten Gebiet durchzusetzen. Allerdings damals schon gegen erhebliche Kon- Zessionen, nämlich insbesondere gegen die Zusage, daß dasjenige, was auf Grund langfristiger Verträge gekaust war, noch herein- gelassen werden mußte. Trotzdem kamen erneut von Frankreich Beschwerden, die nach der Richtung gingen, daß die französische Industriev.diskriminiert" werde. Wir sind durch den Friedensver- trag verpflichtet, den gesamten Unterzeichnern alle Rechte einer meisibegünstlglen Jlaflon ZU geben. Französische Handelskreise glauben, daß dem gerode ihnen gegenüber von deutschen Regierungsstellen nicht entsprochen werde, obwohl solche Beschwerden im einzelnen immer widerlegt werden. Durch Eintritt der S a n k t i o n e n riß auch das L o ch im Westen wieder auf. Die Entente nahm im Rheinland die Handels- regulierung an sich, sie zwang uns, die Stelle, die wir im Rhein- land als Zweigstelle des Reichskommisiars für Aus- und Einfuhr- bewilliaunq eingerichtet hatten, nach Ems zu oerlegen und ganz ihrer Weisung zu unterstellen. Dort hat sie dann ein eigenes Ein- und Ausfuhr-Regime herbeigeführt, das gleichermaßen nach dem unbesetzten Deutschland wie nach dem Ausland wirkt. Die Folge sind unerwünschte Einsuhren in bedenklichen Beträgen, Störungen der deutschen Wirtschaftseinheit, die in ihrer Wirkuna die Durchführung der Reparationsleistungen unmöglich machen. Auch dem Verlangen der Garantiekommission kann nicht ent- sprachen� werden, auf dem Wege über Ausfuhrgenehmigungen Devi- fen hereinzuholen, weil die Emser Stelle unseren hierzu erforderlichen einheitlichen Weisungen nicht untersteht. Die innere Berechtigung der meisten dieser Beschwerden wird auch von der Gegenseite nicht verkannt. Unserem dringenden Verlangen auf Wiederherstellung der deutschen Wirkschafksesnheik steht auf der anderen Seite das Verlangen nach einer neuen Gesamt- regelung der Einfuhr nach Deutschland gegenüber. Es be- steht von deutscher Seite kein grundsätzliches Bedenken, auf allge- meine Kontingentsverhandlungen, die sich im Rahmen der jetzigen deutschen Wirtschaftslage bewegen, einzugehen, natürlick unter der Vor- aussetzung, daß die wirtschaftliche Einheit hergestellt und damit überhaupt eine Wirtschaftsreaelung für Deutschland wieder möglich wird. Ueber diese Frage soll demnächst weiter ver- handelt werden. Eine Mebreinfuhr kann stets nur bezahlt werden durch mehr Devisen. Mehr Devisen können von Deutschland stets nur durch Mehrausfuhr erlangt werden. Jede Mehrausfuhr ist aber vorläufig durch das Londoner Ultimatum mit 26 Proz. be- steuert, also kostet sede Mehreinfuhr Deutschland für diese De- visen mindestens 26 Proz. Es ergibt sich der Eindruck, daß diese handelshemmende Wirkung der 26 prozentigen Ausfuhrauslage von Handelskreisen der ganzen Welt immer deutlicher erkannt wird. Es genügt aber nicht die platonische Erkenntnis, sondern, wenn über- Haupt normale Handelsbeziehungen wieder eintreten sollen, muß baldige Abänderung im Interesse gerade auch derjenigen Länder erfolgen, die nach Deutschland Waren einführen wollen. Im übrigen wies der Staatssekretär darauf hin, daß das System der Kontingente, wie man es jetzt allge- mein einführen will, auch nur vorübergehend ge- dacht fei. weil auch dieses System seine Mängel habe. Denn da, wo die Gesamtmenge der Einfuhr unter dem Zwange unserer schweren Wirtschaftsverhältniffe niedrig gehalten werden müßte, seien Kon- ttngente stets ein Grund zu Beschwerden, nicht nur von feiten des Auslande», sondern besonders auch von feiten derjenigen Inländer, die nach Verteilung des Kontingents nicht mehr berücksichtigt werden könnten. Es sei daher auf die Dvuer anzustreben, daß die nötige Einfuhrbeschränkung weniger mit dem Mittel des Einfuhrverbots und der beschränkten Zulassung gegen Einzelbewilligung, als mit den normalen Mitteln der Wirtschaftspolitik, nämlich mit Zoll- erhöhungen und nötigenfalls mit innerer Belastung des nicht notwendigen Verbrauchs durchgeführt werde. Dies sei auch der sicherste Schutz gegen alle Schwieriokeiten, die aus dem Friedens- vertrage kommen könnten. Bei denjenigen Waren allerdings, bei denen wir ffir die nächsten 1� Jahre durch den Friedensvertrag noch auf die jetzigen Zölle gebunden seien, müsse wenigstens so lange das System beibehalten werden.| vonoml will Ordnung schaffe«. In der italienischen Kammer erklärte Ministerpräsident B o n o m i, daß, wenn die Frieden»- Verhandlungen zwischen Fascisten und Sozialisten ergebnislos abgebrochen würden und daraus ein folgen- schwerer Bürgerkrieg sich entwickle, die Regierung entschlossen sei, mii allen ihr zu Gebote slehendcn vlachimitteln die Ordnung im Lande austechtzucrhalken. GeweeMajwbewegung Wer regiert eigentlich! Nach einem Erlaß des preußischen Ministers für Valkswohlfahrt vom 3. Juli 1S20 ist die Landesbchörde ermächtigt worden, zu be- stimmen, welcher Lohn bei Notstands- oder anderen Arbeiten, die mit Mitteln der Erwcrbslosenfürsorge unterstützt werden, als ange- inessener ortsüblicher Lohn zu gelten hat. Diese Befugnis wurde dew Regierungspräsidenten und für den Bezirk des damaligen Zweck- Verbandes(Broß-Berlm— mit Ausnahme des Stadtkreises Spandau — dem Oberpräsidenten übertragen. Die Bezirksleitung des Deutschen Bauarbeiterverbandes ersuchte daraufhin den Regierungspräsidenten im Regierungsbezirk Magde- bürg, die Stundenlöhne für die Arbeiter festzusetzen, die im Auftrage der Stadt Burg an der Wendestelle des Jhlekanals beschäftigt waren. Daraufhin fand am 18. Juni d. I. eine Verhandlung statt, an der als Vertreter des Regierungspräsidenten Regierung?- und Baurat Staeding teilnahm, außcidem je 3 Arbeitgeber- und Arbeit- nchmeroertreter. Am 27. Juni erhielt der Deutsche Bauarbeiterver- band die Entschließung des Regierungspräsidenten, in der folgendes mitgeteilt wurde: 1. Die Entlohnung erfolgt nach einem Prämiensystem. 2. Es wird ein Grundlohn von 4,40 M. für die Stunde gezahlt. Den Tariferhöhungen im Tiefbaugcwerbe in Burg entsprechend tritt von der Wiederaufnahme der Arbeiten am 0. Juni 1321 eine Erhöhung des Grundlohnes um 60 Pf. für die Stunde ein, wenn bis zum 9. Juni die in Ziffer 3 vorgesehene Grundleistung erreicht worden ist. Ist dies nicht der Fall, so tritt die Lohnerhöhung erst von dem Tag, an dem die Grundleistung erzielt wurde, ein. 3. Die Grundleistung wird in den Handfchichten auf 30 Züge für den achtstündigen Arbeitstag festgesetzt. Für die Förderung jedes weiteren Zuges erhalten alle im Schachte beschäftigten Personen eine Prämie von 50 Ps. für jeden Tag. Die in Ziffer 3 vorgesehene Grundleistung ist von den Arbeitern seit dem 6. Juni täglich überschritten, der ihnen durch den Regierungspräsidenten zugesicherte Stundenlohn wurde aber nicht ausgezahlt. Der Tiefbauunternehmer Waldmann darf auf Veranlassung des Kanalbauamts(Neubauamt) Burg den Lohn nicht zur Auszahlung bringen, weil der Regierungspräsident in Magde- bürg es unterlassen hatte, den Chef der märkischen Wasserstraßen, das ist der Regierungspräsident von Potsdam, bei Festsetzung des Lohnes mit zu Rate zu ziehen. Diese Tatsache erscheint unglaublich, sie wurde aber dem Bezirksleiter des Deutschen Bauarbeiterverbandcs durch Herrn Re- gierungsbaurat Päse mß n n in Potsdam bestätigt, der jedoch ver- sprach, alles zu tun, um die Angelegenheit cvent. auch durch einen Entscheid des Ministers zum Abschluß zu bringen. Woche auf Woche ist seitdem vergangen und dit Arbeiter warten immer noch veraeblich auf den Lohn, den der Magdeburger Regie- rungspräsident für angemessen erklärt hat. Will man dem Bezirks- lciter des Deutschen Bouarbeiterverbandes weiter zumuten, von Pontius nach Pilatus zu laufen?'Soll die Empörung der Arbeiter erst wieder so hohe Wogen schlagen, daß alles, drunter und drüber geht, oder wird man endlich mitteilen, daß der Magdeburger Re- gierungspräsident in seinem Bezirk nicht berufen ist, Bestimmungen über die Lohnhöhe der bei Notstandsarbeiten beschäftigten Arbeiter zu treffen, sondern daß er da erst den neuernannten Wasserbau- direktor mit dem Sitz in Potsdam und den Chef der märkischen Wasserstraßen zu fragen hat? Ist das richtig, haben diese Herren zu bestimmen, müssen wir darum bitten, daß der Minister dann seine Bekanntmachungen im„Reichs- und Staatsanzeiger" so u n z w e i- d e u t i g erläßt, daß sie nicht nur ein simpler Maurergeselle, sondern auch ein leibhaftiger Regierungspräsident richtig zu lesen vermag. An die Ortsausschüsse und Betriebsräte. Unsere Gewerkschaflsgenossen in Oberschlesien find wegen ihrer deutschen Gesinnung neun Wochen lang täglich und stündlich von Schrecken und Tod umgeben. Ihre Not ist groß. Mehr als 200 000 Arbeiter sind sechs bis neun Wochen ohne Arbeitseinkommen, viele Tauiende sind ihrer Habseligkeiten beraubt, liegen zerschlagen in den Lazaretten, tauiende Kinder leiden bittere Not. Hier reichen die staatlichen Mittel nicht aus, die private Hilfe muß einsetzen. Unsere obeischlesischeu GewerkschaitSkollegen erwarten aber besonders von den Arbeitern im ganzen Reiche rege Anteilnahme an der ein- geleitete» Hilfsaktion„O b e r s ch l e s i e r« H i l f S w e r k". Der Unterzeichnete ist vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund als Beirat in die Verteilungsstelle des Oberschlesier-HilfSwerks delegiert. Die Verteilung ist so organisiert, daß die Betreuung der Gewerk- ich sttsmitglieder in den Händen der o b e r sch l e s i sch c n Gewerk- schatten liegt. Die Feststellung der Notlage unter den Gewerk- schastsmitgliedern und die Anweisungen der Unterstützungen erfolgen durch die Vertrauensleute der freien, christlichen und Hirsch-Duncker- scheu Gewerkschaften. Arbeitskollegen! Veranstaltet überall in den Betrieben Sammlungen auf Sammel- listen. Die Sammelliste» sind von den Ortsausschüssen und OrtS- karteilen auszugeben und haben nur solche mit Stempel Gültigkeit. Alle eingehenden Beträge bitten wir umgehend bei der nächsten Bank auf das Konto„Oberschlesier-Hilsswerk" einzuzahlen. Arbeiter. Angestellte und Beamte! Steht bei dem Hilfswerk nicht hinter anderen Kreisen zurück. Stärkt unseren deutschen Gewerkschaftskollegen in Oberschlesien die Zuversicht, daß sie auf ihrem schweren Posten von ihren Arbeits- brüdern im Reich nicht vergesien und verlassen sind. Im Auftrage d e s Z en t r a l k o m i t e e S der freien Gewerkschaften Schlesiens. Taver Kohl, Breslau, Margaretenstratze 17, Hl. Betriebsräte der städtischen Betriebe. Die Betriebsräte der städtischen Betriebe, die in den im Tarif« kartest zusammengeschlossenen freien Gewerkschaften organisiert sind, werden durch eine Anzeige in der„Roten Fahne" zu einer Ver- sammlung in der Bockbrauerei eingeladen. Wir weisen darauf bin, daß unsere Organisation mit dieser Versammlung nicht« zu tun hat. Es findet, wie bekannt- gegeben, eine Funkiionärveriammlung der Sektion:„Gemeinde- verwaltungS-Angestsllte" a in Freitag abend 6Hz Uhr in Haver- lands Festsälen, Neue Friedrichstr. 35, statt. Zentralverband der Ange st eilten. Zur Streikbewegung in Aachen. Seit Anfang des Jahres schweben Verhandlungen über die Forderung der Angestellten im Aachener Steinkohlenbergbau auf Gleichstellung ihrer Bezüge mit denen des Rvhrreviers. An Hinderungsgründen zur Erfüllung dieser Forderungen werden amtlich genannt: eine schlechtere Ausbildung der Flöze, die sehr unregel- mäßig gelagert, einige sogar des Abbaues nicht mehr wert seien. Infolgedessen sei die Hauerleistung geringer. Durch die Unreinheit der Flöze seien die Waschverluste größer: ebenso die Wasserzuflüsse. Die leistungsfähigsten Huuer hätten mit Beendigung des Krieges in Holland Arbeit genommen, wodurch das Aachener Revier großen Schaden erlitten habe, zumal die über der Grenze arbeitenden Hauer ihre Werkswohnungen beibehielten, so daß gelernte Bergarbeiter von auswärts nicht herangezogen werden könnten. Im April habe sich der Schlichtungsausschuß in sechs Sitzungen vergeblich um eine Einigung bemüht und schließlich eine Erhöhung des Kindergeldes und der Tcuerungszuschläge vorgeschlagen, was beiderseits nicht angenommen wurde. Die Interalliierte Kommission habe auf Anrufung der Angestellten einen Vergleichsoorschlag ge- macht und sei zu einer Erhöhung gekommen, welche für den Arbeit- geberverband unannehmbar gewesen sei wegen ihrer Höhe, die sich auf den Mindeftbedarf für eine Familie mit zwei Kindern bezog. Die Vertreter der Angestellten hielten an, ihrer Forderung fest und kündigten zum 14. Juli den Streik an. Nunmehr beauftragte das Reichsarbeitsministerium den Reichs- und Staatskommissar für ge- werbliche Fragen in Dortmund, Vergleichsverhandlungen zu führen. Die Arbeitgeber wollten hierauf den von den Angestellten ab- gelehnten, von ihnen mit Vorbehalt angenommenen Schiedsspruch vom April vorbehaltlich zustimmen: außerdem aber eine Gehalts- erhöhung von 10 Prozent zugestehen für den Fall, daß eine Er- Mäßigung der Kohlenstever für das Aachener Revier herbeigeführt werden könne. Die Angestellten lehnten diesen Einigungsvorschlag am 12. Juli ab, weil die Gehaltserhöhung nicht mit rückwirkender Kraft gezahlt werden soll. Die Angestellten forderten erneut die Gleichstellung mit den Angestellten im Ruhrrevier. Am 14. Juli traten sie in den Streik. Damit streiken auch die Fördermaschinisten, wodurch die Unterirdische Belegschaft am Einfahren behindert und zum Feiern gezwungen ist. Der Streit der 1000 Ange- stellten zieht 18 000 Bergleute in Mitleidenschaft. Für den Fall, daß die Steuerermäßigung eintritt, fordern auch die Bergarbeiter eine Lohnerhöhung. Bis dahin haben sie ihre Forde» rung zurückgestellt und halten sich zur Arbeit bereit.— Die Metallarbeiter in den Betrieben„Rate Erde" stehen eben- falls im Streik. Zahlreiche Streikenden feien in geschlossenen Zügen durch die Stadt gezogen und gewaltsam in die Werkstätten ein- gedrungen, um die Arbeitenden zur Niedsrlegung der Arbeit zu zwingen. An einer Kundgebung vor dem Rathaus seien sie von der bewaffneten Macht gehindert worden.(Weshalb?) Für fünf Tage wurden alle Versammlungen und Kundgebungen untersagt. Diese Maßnahme wird damit begründet, es seien beunruhigende Gerüchte im Umlauf und die Freiheit der Arbeit erscheine gefährdet. Man scheint also in Aachen sehr— vorsichtig zu sein. Hotelbesitzer und Trinkgeld. Der„Verband Rheinischer Hotels, RestaurarnS und verwandter Betriebe" hat in seiner Hauptversammlung am 11. und 12, Juli in Godesberg erklärt: er halte alle Versuche, das Trinkgeld abzuschaffen, für undurchführbar und sei überzeugt, daß bei dem sogenannten abgeschafften Trinkgeld der Gast eine doppelte Be- lastung erfährt. Es ist wirklich rührend, wie die Hotelbesitzer auf das„Wohl- ergehen" ihrer Gäste bedacht sind,— das heißt, wenn sie dieselben für ihre Zwecks gebrauchen können, wie in dem Kampf der An- gestellten für die Abschaffung resp. gegen die Wiedereinführung de« Trinkgeldes. Wir balten eS für unsere Pflicht, das Publikum dahingehend aufzukläien, daß nicht die„Abschaffung", sondern die„Wiedereinführung" des Trink- geldes eine doppelte Belastung für die Gäste e d e ii t e n würde. Bei einer Wiedereinführung des Trinkgeldes hätten die GAt- dann neben der Entlohnung des Bedienungspersonals auch die erhöhten Preise für Logis, Speisen und Getränke zu zahlen. An einen Abbau der Preise durch die Hotelbesitzer ist nicht zu denken. Wir führen als Beispiel nur die Städte Köln und D ü s s e l d o r f an, wo trotz der Wiedereinführung de? Trinkgeldes und Reduzierung der Löhne, die Preise nicht um das geringste herabgesetzt worden sind._ Zur Lage in Polen. Vom Streik der Textilarbeiter in Lodz werden erst jetzt nähere Einzelheiten bekannt über die schweren Zujammenstöße zwischen den Streikenden und der Polizei. Nachdem den streikenden Textilarbeitern bekannt geworden war, daß 8 ihrer Hauptführer erschossen seien, fand eine große Demonstration gegen die Regierung statt, an der sich etwa 50 000 Arbeiter beteiligten. Die Menge versuchte, die Gefäng- nisse zu stürmen und die politischen Gefangenen zu befreien. Der Stadtkommandant von Lodz setzte Militär ein, es kam zu einem regelrechten Strahenkampf, bei dem es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Schließlich gewann das Militär die Oberhand und trieb die Menge auseinander. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaf- tungen vor. Die Gründe für den Textilarbeiterstreik liegen einmal in der Nichtbezahlung der den Arbeitern versprochenen Löhne durch die Fabrikanten, sodann in der seit dem 15. d. M. ganz besonders fühlbaren maßlosen Teuerung. Die Führer der streikenden Textilarbeiter in Lodz erklären, daß die Arbeiterschaft nicht länger gesonnen sei, sich von der Regierung mit Redensarten hinhalten zu lassen. Zu Strcikunruhen kam es auch in Graudenz, Brom- bera, Thorn und Posen, namentlich aber in Neustadt. In Neustadt wurde am 16. Juli der Generalstreik erklärt. Große Kundaebungcn und Umzüge fanden statt, bei denen Lebensmittel- geschäfte geplündert wurden. Ueber die Vorgänge in P o s e n ist bereits des näheren berichtet worden. Sehr beachtlich für die weitere Entwicklung der sozialen Bewegung ist aber der Umstand, daß bei den am 18. und 20. Juli in Posen und Bromberg ab- gehaltenen Eisenbahnerversammlungen unzweideutig zum Ausdruck kam, daß die gesamten Eisenbahner zum Mittel des Streiks greifen wollen. Die Regierung in Warschau befürchtet daher, daß in den nächsten Tagen der' gesamte Eisenbahnverkehr in Polen zum Stillstand kommen wird. Die Aeußerungen führender Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung mehren sich immer mehr, daß der Sturz der Regieung durch die Arbeiter bevorstehe._ Eisenbahner!„Nie wieder Krieg!" Auf zur Demonstration am Sonntag um 10� Uhr nach dem Lustgarten. Kollegen! Wir fordern alle dienstfreien Eisenbahner auf, sich .recht zahlreich zu beteiligen. Wo es möglich ist, sich zahlstellenweise zu versammeln und in geschlossenen Zügen sich den nächstliegenden Sammelplätzen anzuschließen. Ortsverwaltung Berlin des D. E. V. Friseurgehilfenstreik in Lübeck. Seit dem 7. Juli befinden sich die Gehilfen und Gehilfinnen sämtlicher Friseurgeschäfte im Streik. Sic ersuchen ihre Kollegen und Kolleginnen dringend, ihnen nicht in den Rücken zu fallen, indem sie sich verleiten lassen, nach Lübeck in Stellung zu gehen, zumal lediglich die ungünstigen Lohn- und Arbeitsbedingungen zum Streik geführt haben. Transportalbeitcriicrbaiid. Freita« 7 Ul>r im Englilchen Hof, Alexandir- straßc 27o> Verfommlung der Truppe Rohprodukte. Bericht der Lohnkommission. — Branche: Reichs- und Staatsverwaltunosbehdrden: itreitag L Uhr im Schult. heiß. Reue Iokodftr. 23124. Vollversammlung. Bericht über den Stand der Lrhnbemegung. Ersatzwahlen zur Vranchenleitung. gentralverband der Angestellten. Demeindeverwaltuuavanqeitellte: gunk- tionärversammlung Freitag 6!4 Uhr In Haverlands Festsälen, Neue Friedrich- streßc 25. Veranllv. sür den redalt. Teil: Dr. Werner Pclser, Charlottcndurg: für Anzeigen: Tll. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Vcrlag G.m.b.H., Berlin.'Druck: Vor- wärtS-Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Vau! Singer n. Co., Berlin. Lindenstr. 2. 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