!Tr,356>ZS.�ahrga«g Ausgabe B Hr. 176 Bezugspreis: SierteliäftrLSO,— 3)1., monalL 10.— St frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug! Monatlich 10,— M. einschl. gu- stellunftsgebllhr. Unter Kreuzbund tue Deutschland, Dan�ig, das Eaa» und Memelaebiet. sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polen«. Oesterreich, Ungarn und Lurembura 20,—-SSL, für das Übrige Ausland 27,— 9R. Pos«* bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho» Slowalet. Däne- mark, Holland, Luxemburg. Schwede» und die Schweiz. Der.Vorwärts"' mit der Sonntags- beilage.Volk und ZZeiN. der Unter- dallungsbnlage.Heimweit" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal. Soiu» tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Sozialdemorral verll»- Abend-Ausgabe Devliuev VolksblsN � 20p?«nnl») SinzetgenpretS, Dt» achtgespalten» Vonvaretlleze», tollet WO M ,. Nietn» Anzeigen" da» settgedruckte Wort Üb» an. szU' lässig zwei leitgediuckt» Worte», sed«, «eiler» Wori l.— M. Stellengeluch« und SchlaslteUenanzetgen da» erll, Wort u— Vi. jede» welker» Wort SO Dsg. Worte flbet Id»uchllade» »ählen sllr zwei Won«. ffamtlien-An- »eigen sllr Abonnenten Jett» 3,— an. Die Preis» verstehen sich einschliehltch Teuerungszuschlag. tinzeigen fllr die n ich st« Zlummei müssen dt»» Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW W. Linden- itrab« S. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr lrllh dl» b Uhr abend». Zentralorgzn der rozialdemohratifcbcn partei Deutfchlands Reöaktion nnd Expedition: SW 68, Linöenstr. Z Redaktion Morihplah lSlilS— S7 tzPernsprt-aicr. Expedition Morihplatz 1I7SZ—»4 Sounabend, den 3l). Juli 1921 vorwärtS'verlag G.m.b.H., SW 68, Linöenftr. 3 - Verlag. Expedition u»d Inseraten- »yrriisprertier. Zuteilung Morihplah 1t7SZ-S4 Lösung der Truppentransportfrage Nach ewer amtlichen Meldung der Agence havas ist nunmehr ein Einvernehmen zwischen den Alliierten über die Schritte, die man in der oberschlesischen Frage zu unternehmen gedenkt, erzielt worden. Zunächst wird man die deutsche Re» gierung davon unterrichten, daß sie sich auf Truppen» transporte nach Oberschlesien vorzubereiten habe. Dann tritt der Oberste Rat zusammen, um sich über die Frage der Truppenverstärkungen klar zu werden, und dann endlich will man an die eigentliche Aufgabe, die Lösung des oberschlesischen Problems gehen. Deutsch- land kann der Aufforderung der Alliierten mit Ruhe entgegen- sehen. Die Reichsregierung hat von vornherein erklärt, daß sie in dieser Frage Beschlüsie der Gesamtentente als bindend be» trachte. Sie hat ihren Willen zur friedlichen Lösung des von Frankreich etwas voreilig heraufbeschworenen Konflikts aus- drücklich noch einmal der französischen Botschaft in Berlin versichern lassen. Schwierigkeiten von deutscher Seite sinv also nicht im entferntesten zu befürchten wie ja überhaupt Deutschland gar kein Interesse daran hat, die oberschlesische Frage noch mehr zu komplizieren und weiter zu verschleppen. Die Schwierigkeiten beginnen erst auf der Tagung des Ober st en Rates bei Besprechung der zu entsenden» den Berstärkungen. Hier haben sich die Vertragsmächte im voraus festgelegt. England macht kein Hehl daraus, daß es eine Verdichtung des oberschlesischen Besatzungskontingenl» für eine Torheit hält, und die Erklärung des italienischen Außenministers über die französische Forderung läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Während also Eng- land und Italien von der Notwendigkeit der Verstärkungen sich nicht überzeugen können, hält Frankreich mit der seiner Nachkriegspolitik eigenen Unbeweglichkeit an der Berstärkungs- division fest. Der nach der Donnerstagsitzung des französischen Ministerrats veröffentlichte Lagebericht mit seiner offenen Drohung, der Allianz gegebenenfalls den Rücken zu kehren, war eine schwere Belastungsprobe für die Entente. Aber es scheint, daß nachträglich doch noch ein Einvernehmen hergestellt werden tonnte. Bielleicht greift man auf der ersten Sitzung des Obersten Rates auf den K 0 m p r 0 m i ß v 0 r sch l a g der englischen und italienischen Kommission zurück, der die ober» schlesischen Außendistrikte vorläufig Deutschland und Polen überläßt, während die im Industriebezirk zusammengezogenen Besatzungstruppen eine Verstärkung erübrigen. Nochmalige �lZerzögerungsversuche von französischer Seite � müßten ge- ziebenenfalls den denkbar schlechtesten Einfluß auf die an und für sich sehr gespannte Lage ausüben. Während für Deutschland alles darauf ankommt, die Nerven zu behalten, hat die„Deutsche Tageszeitung", der außenpolitisch im übrigen kein größeres Gewicht beizulegen ist, nichts Eiligeres zu tun, als sie zu verlieren. In einer auf» geregten Morgennummer glaubt dieses frühere Organ der Geheimdiplomaten Sturm gegen die angebliche Geheim- politik derReichsregierung laufen zu müssen weil sie den oben erwähnten Schritt bei der französischen Botschaft, der Eulen nach Athen trug, nicht gleich in alle Welt hinaus» posaunte, während der„Temps" von dem deutschen Entgegen» kommen bereits Kenntnis erhalten hat. Weiter greift die „Deutsche Tageszeitung" den Aufruf der. deutschen Regierung, ruhig Blut zu bewahren, in gehässigster Weise an und glaubt daraus eine Bankerotterklarung der deutschen Regierung in der oberschlesischen Frage herleiten zu können. Wenn das Blatt Frankreich Handlangerdienste leisten wollte, es hätte das nicht geschickter anstellen können. Frankreich droht. Paris, 30. Juli.(MTB.) Wie„Petit Parisien" mitteill, hat der französische Ministerrat am Donnerstag vormittag unter Vorsitz des Präsidenten Millerand den Entschluß der französt- schen Regierung in bezug auf Entsendung von Truppcnverstärkungen nach Oberschlesien bestätigt. Frankreich vertrete den Standpunkt, daß es in dieser Frage um so weniger nachgeben könne, als es sich durch zwei diplomatische Schritte bei der deutschen Regierung gebunden habe. Ehe die französische Regierung auf eine Matz- nähme verzichte, die sie für unerlählich halte, scheine sie, wenn mög- lich, unter ihrer eigenen Verantwortung handeln zu wollen. Amerika neutral. Paris, 3». Iull.(WTB.)„Chicago Tribüne" meldet aus Washington, es fei endgültig bekannt geworden, daß Amerika nichtden Wunsch geäußert habe, die Schiedsrichterrolle in der oberschlesischen Frage zu übernehmen. Botschafter Harve� werde der Sitzung des Obersten Rat«» nur als Beobachter beiwohnen. �nf öem Wege zur Einigung. Paris, 30. llnli.(IDIB.) havas meldet: priand hatte gestern abend eine Besprechung mit Lord har dinge und teilte ihm den Standpunkt der französischen Regierung nach Empfang der englischen Antwort mit. Briand wird heute Lord hardinge eine Rote überreichen, in der die verschiedenen Stufen der llnterhand- lungen über die oberschlesische Frage nochmals zusammenfassend wiedergegeben werden und worin eine Antwort auf die Hauptfach- lichsien Aussührungeu der britischen Denkschrift gegeben wird. Dieser Rückblick aus die bisherigen Ereignisse erscheint jedoch ziem- lich nebensächlich. Die Hauptsache ist die Frage: welche pollkik werden Frankreich und Großbritannien in der oberschlesischen Frage nunmehr ein- schlagen? Das eine ist wohl sicher, daß sie beide von der Rotwendig- keit überzeugt sind, die Solidarität der Berbandsmächte aufs engste zu wahren. Deutschland erklärt, nach dem Wortlaut de» Friedensvertrages könne die Entsendung von Berstärkungen nicht erfolgen, wenn sich die Verbandsmächte vorher nicht verständigt haben. Frankreich kann, so erklärt havas weiter, nicht zugeben, daß die deutsche Reichsregterung den versuch macht, es auf diesem Wege von seinen Verbündeten zu i s o l i e r e n. Es ist das eine Frage der nalionalen würde. Es ist daher unbedingt geboten, Deutschland einen neuen Beweis von der Einheit der franzöflsch-engiischen Hai- tung zu geben. Der vernünftigste Weg würde darin bestehen, daß noch vor Iusammcnlritt des Obersten Rates ein gemeinsamer Schritt in Berlin erfolgen würde, durch den die Rcichsregie- rung aufgefordert würde, jetzt schon die Maßnahmen zur Be- förderung der französischen oder sonstigen Verbandstrnppen ak» Verstärkungen für Oberschleflen zu ergreifen. Sodann würde der Oberste Rat in seiner Sitzung diese Frage der Verstärkungen erörtern, und erst nach Abschluß dieser Frage würde man an die eigentlichen sachlichen Besprechungen über die Teilung Oberschlcsiens herangehen. Dieses Verfahren ist an- scheinend aus beiden Seiten des Kanals angenommen worden. England warnt. Paris, 29. Juli.(WTB.) havas meldet aus London: Das Reutcrsch« Bureau erfährt, daß die Note, die gestern abend von der britischen Regierung an Frankreich gesandt wurde, ein in o e r- s ö h n l i ch e m, aber gleichzeitig energischem Ton gehaltenes Schriftstück von ungefähr 12 Seiten Ztanzleisortnat. Der erste Teil ist einer Prüfung der Tatsachen gewidmet, die von der französischen Regierung vorgebracht wurden, und wieder- holt in Narer Form die Ereignisse, die seit der Ueberreichung der französischen Note an Deutschland am IS. Juli ohne vorher- gehende Verständigung mit den Alliierten sich abgespielt haben. Das sei das erste Anzeichen eines Auseinander- g e h e n s der Politik der Zusammenarbeit gewesen, die bisher be- folgt wurde. Die Note bringt sodann das Erstaunen zum Ausdruck, das die britische Regierung bei der Aenderung der Haltung der franzö- sischen Regierung empfand, die in den ersten Tagen der Wach« sich von dem Grundsatz der Zusammenarbeit entfernte, auf den Lord Curzon und der französische Botschafter dringend hingewiesen und worüber sie sich verständigt hatten. Die Note erinnert die fran- zöstsche Regierung daran, daß nach dem Frankfurter Zwi» s ch e n f a l l im April letzten Jahres Millcrand die endgültige Zu- sicherung gab, daß die französische Regierung keine selbständigen Maßnahmen über Fragen ergreifen würde, die die gemeinsamen Jnteress.-n der Alliierten berühren. Di« Note drückt dann die Eni- täuschung aus, die nicht nur durch die offenbare Absicht der französischen Regierung, von dem damals angenommenen Grundsatz abzuweichen, hervorgerufen wurde, sondern auch durch den offensichtlich unfreundlichen Ion der Mitteilung der französischen Regierung vom letzten Mittwoch. Es widerstrebt der britischen Regierung zu glauben, daß«in solcher Ton auch unfreundliche Absichten seitens der französischen Regierung einschließt. Alles, was Großbritannien verlangt, ist eine Allianz, die durch die schrecklichen Opfer der Alliierten zusammengekittet wurde und die auf der gleichen Grundlage gegenseitigen Vertrauens weiter be> stehen bleibt. Die Note fügt hinzu, daß Großbritannien, um zu diesem Ziele zu kommen, der französischen Regierung schon viele Zugeständnisse gemacht habe und berell sei, solche auch weiterhin zu machen. Was aber den Grundsatz der gemeinsamen Verantwortung bti Alliierten in Oberschlesien und andere Fragen, die die Friedensverträge berühren, anbetrifft, so ist* es Groß. britannien durchaus unmöglich, Maßnahmen gutzuheißen, die unver- weidlich die Grundlage der Allianz erschüttern können. Die britische Regierung fühlt sich verpflichtet anzufragen, welche Erklärung die französische Regierung für ihr Verhalten ihr geben will, denn so- lange die Frage nicht geklärt ist, sei es schwierig zu sehen, auf welcher Grundlage die Zusammenarbeit der Alliierten fortgesetzt werde» könne. Italien gegen Verstärkung. Rom, 39. Juli.(EP.) Im Kammerausschuß für ouswärtilze Angelegenheiten erklärte am Freitag der Minister des Aeußeren d e l l a T o r e t t a auf die Frage eines Abgeordneten, ob Italien zur Entsendung neuer italienischer Truppen nach Ober- schlesten seine Zustimmung gebe: er habe gegenüber einem ver- kündeten Staat die Entsendung italienischer Truppen bereits ab- gelehnt und widersetze sich auch der Entsendung neuer französt- scher Truppen. Italien wünsche, daß ein so ernster Beschluß im Einvernehmen mit allen anderen Alliierten im Ober st en Rat gefaßt werde. Schon jetzt nähmen die französischen Truppen in Oberschlesten eine Vorzugs st ellung ein, da Frankreich in Oberchlesien über mehr Truppen verfüge als Italien und England zusammen. Marchese dclla Toretta versicherte der Kommission, die italienische Regierung interessiere sich lebhaft für die oberschlesische Frage im besonderen und die politische Neugestaltung Zentral- curopas überhaupt. Es laste sich dabei von realistischen Grundsätzen 'eiten und sei entschlossen, vor allem die eigenen Interessen zu wahren. Kommuniftengesetz in Jugoslawien. Belgrad. 30. ZuN.(WTB.) Der Geschaueschuß der Ratio- naiversammlung hat mit größerer Mehrheit den Gesetzentwurf betreffend den Schuh des Staates angenommen. �Segen die Annahme stimmten die Kommunisten, die Republikaner und ein Teil der Agrarier. Die Sozialisten(?) entfernten sich bei der Abstimmung aus dem Saale.(?) Der Gesetzentwurf sieht u. a. die Aus- Hebung der Kommunistischen Partei vor. Jede kam- munistische, anarchistische oder terroristische Propaganda sowie jede Aktion, die eine gewallsame Aenderung der Staalssorm beabsichtigt oder eine Mlrtwirkung bei einem solchen Umsturz versucht, wird mit dem Tode, die weniger schweren Fülle werden mit' 20 Jahren schwerem Kerker bestraft. Graz, 30. Zosi.(WTB.) Die..Grazer Tagespost" meldet aus Belgrad: Nachdem alle 58 Mandate der kommunisti- schen Abgeordneten für nichtig erklärt worden sind. werden bereits die Vorbereitungen für die Ersatzwahlen getroffen. Die Kommunisten werden von allen öffentlichen Aemkern und den Gemcinderälen ausgeschlossen. Alle Beamten, die in der Kommunistischen Partei organisiert sind, werden ans dem Staats- dienst entlassen. » Das fast ganz agrarische Jugoslawien hat eine noch junge Ar» beiterbewegung, die sich in recht stürmischen Formen äußert. Es ist eine allgemeine Erfahrung, daß solche Bewegungen desto radikaler auftreten, je weiter sie von ihrem Ziele entfernt sind und je weniger von der Ausnutzung gegebener gesetzlicher Möglichkeiten für ihren Fortschritt zunächst zu erwarten ist. Dies und die Enge der pan- slawistischen Beziehungen zu Rußland wurde die Ursache davon, daß die jugoslawische Arbeiterbewegung ins kommunistische Fahrwasser geriet. Es ist ein weiteres Zeichen der inneren Schwäche jener Vewe- gung, daß sie in der letzten Zeit in Akte des individuellen Terrors ausartete. Das mißlungene Attentat auf den Prinz- rezenten, die Ermordung des Ministers Draskowitsch, und der noch in Dunkel gehüllte Anschlag auf Paschitsch gehören zu ihnen. Da aber die kommunistische Internationale den individuellen Terror miß- billigt, ist es unwahrscheinlich, daß die Kommunistische Partei Ser- biens als Ganzes hinter jenen Attentaten steht. Sicher ist, daß das soeben beschlossene Gesetz nicht nur die Anhänger des individuellen Terrors, sondern auch besten Gegner im kommunistischen Lager trifft. Welch große, unheilvolle Rolle der politische Mord in der � Geschichte des jugoslawischen Stammstaates Serbien spielt, weiß jedermann. Durch die Abschlachtung des Königs Alexander und seiner Gattin kam die gegenwärtige Dynastie auf den Thron. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Frau am 29. Juni 1914 in Sarajewo wurde zum Ausgangspunkt des Welt- kriegs. Jene Kommunisten, die den politischen Mord zu ihrem Mittel erkoren haben, können sich also auf berühmte Vorbilder ihrer vaterländischen Geschichte berufen. Jetzt steilich, wo der politische Mord nicht mehr für sie, sondern zegen sie wirkt, sind die jugoslawischen Machthaber so sehr seine leiden- schaftlichen Gegner geworden, daß sie sich nicht mehr mit der gesetz- lichen Abwehr des Verbrechens selbst begnügen, sie haben seinetwegen eine ganze Partei außer Gesetz und Recht gestellt und gegen die An- Hänger einer Ueberzeugung ein barbarisches E>.wal!regiment aufgerichtet, das ihnen selbst zur tiefsten Schande gereicht. Ein Staat, in dem selche Gesetze beschlossen und ausgeführt werden, hat auf den Name» eines Kulturstaats keine» Ansprach. Der Ksnflikt in Tbüringen. Die Lage, die in Thüringen infolge des Rücktritts der Landesregierung entstanden ist, ist noch immer nicht völltg geklärt. Unsere Genossen im Landlag stehen dem Gedanken einer Auflösung mit großer Sympathie gegenüber, während die Rechte unter Assistenz der D e m o k r a t e n, wie schon kurz gemeldet, für Weiterberatung und Verabschiedung des Veamtenbesoldungsgesetzes eintrat. Der Abgeordnete H ö f e r vom Landbund forderte mit besonderem Nachdruck die Durchberatung der Besoldungsordnung: die Linke, die diesen de- mogogischen Kniff sofort erkannte, deckte durch Zwischenrufe die wahren Absichten der Rückschrittler auf. Die Krise ist nicht unerwartet gekommen, da die bisherige sozialiftisch-demokratische Koalitionsregierung nur selten mit einer festen Majorität rechnen konnte. Die Rechtsparteien haben 22 Stimmen, denen 10 Sozialdemokraten, 11 Unab- hängige, 4 Kommunisten und 4 Demokraten gegenüberstehen. Bei der Sympathie, die die Rechts- und Linksbolschewisten schon wiederholt für einander bekundeten, war es naheliegend, daß sie sich eines Tages zum gemeinsamen Vorgehen gegen die verhaßte demokratisch-sozialistische Regierung zusammen- finden würden. Wenn der Thüringische L a n d b u n d, der die reaktiv- nären Gruppen unter besonderer Berücksichtigung des G r o ß- agrariertums in sich vereint, in einer Zuschrift an die „Deutsche.Zeitung" schon jetzt davon spricht, man dürfe aus der Ablehnung der Grundsteuer durch die Rechtsparteien nicht auf ihre Steuerscheu schließen, so spricht hieraus mit un» gewollter Deutlichkeit das böse Gewissen, da dieses allerdings nur zu berechtigte Argument bisher noch mit keinem Worte von einem Vertreter der Linksparteien ins Feld geführt wurde. Der Landbund betont weiter, er habe sich— wenn auch nur schweren Herzens— der Notwendigkeit einer Grundsteuer nicht verschlossen, jedoch habe er sich der Auffassung der Staats- regierung auf Ansetzung des gemeinen Wertes als Veranlagungsmaßstabes bei der Grundsteuer nicht anschließen können, vielmehr hätte seiner Auffassung nach der E r t r a g s- wert zugrunde gelegt werden müsien. In Wirklichkeit ist diese Begründung eine nur zu durchsichtige Ausrede, um die Tatsache zu bemänteln, daß die Rechtsparteien eine Steuer ablehnten, die den Besitz in kräftiger Weise erfaßt hätte. Die bisherige chüringifche sozialiftisch-demokratische Koali- tionsregierung hat sich unter ihren leitenden Ministern, dem Genossen Fröhlich, dem Minister v. Branden st ein— der aus Anlaß des Falles Müller-Brandenburg seine Demission für Oktober erklärt hat— und dem Demokraten Dr. P a u l s s e n, große Verdienste um die Ausgestal» tung Thüringens im Sinne eines ftecheitlich republikanischen Landes erworben. Daß sie sich unter diesen Umständen den Haß der Rechtsparteien zuzog, ist nicht verwuyderlich: daß aber auch die Kontmunisten sich dem Kesseltreiben der Steuer- scheuen anschlössen, kennzeichnet sie aufs neue als Schritt» macher der Reaktion. » Ufte uns kurz vor Redakkionsschluh au« Weimar gedrahtet wird, kam in der hculigen Sitzung, nachdem am Donnersiag die Thüringer Linksregierung zurückgetreten war. der Antrag der llu- abhängigen auf Auflösung des Landtage» zur Abstim- muug. Noch mehrstündigen Verhandlungen wurde der Antrag einstimmig angenommen. Zur allergrSßteu Ueber- raschnng und unter Hohngelächter der Linken stimmte die gesamte Rechte dem Antrage zu. Der Untersuchungsausschuh in Sachen Riüller-vraudenburg tagt ebenfalls nicht mehr. Die Opfer des Weltkrieges weifen nach der Angabe des Zentral- nachwei-SvwteS Spandau bis zum 31. Dezember 1920 folgende Zahlen aus: Tote: Preußen 1397 326, Bayern 168 718, Sachsen 123 708, Wiirtiernberg 74 227; dazu die Verluste der Marine mit 34 256 und der Schutztruppen mit 1 133, insgesamt 1 7gg ZSS Tote. Verwundet wurden im ganzen 4 246 874 nachgewiesen. Dies« Zahlen sind noch nicht endgültig, da die Feststellung der Verluste noch nickt abgeschlossen ist. Die Zahl der Vermißten wird augenblicklich auf ungefähr 200000 geschätzt. Sie ändert sich dauernd im Verlauf der Nachforschungsarbeiten und wird erst nach deren Abschluß endgültig und genau angegeben werden tonnen. fim vorabenö öes Schanögefetzes. Erinnerung eines alten Parteigenossen. Als heute vor 23 Jahren Bismarck aus dem Leben schied, machten einige Zeiten darauf aufmerksam, daß sein Sterbetag gerade der sechzigste Geburtstag seines alten Gegners Eugen Richter war, der am 36. Juli 1838 in Düsseldorf das Licht der Welt erblickt hatte. Der 36. Juli hat abe rauch für uns historische Bedeutung. Bei Bismarcks Ableben waren gerade zwanzig Jahre verflossen, seit der Reichstagswahl, mit der Bismarck einst die Sozialdemokratie zu vernichten trachtete, eine für uns alte Genossen hochbedeutsame Er» innerung. Nach den Attentaten auf Wilhelm I., im Sommer 1878, wurde der Reichstag aufgelöst, die Neuwahl auf den 36. Juli angesetzt und eine wütende Hetze gegen die Sozialdemokratie eröffnet, der man bekanntlich mit Unrecht d!tz Schuld an den Verbrechen zuschrieb. Unter den Verfolgungen hatten auch wir jungen Studenten zu leiden. die wir uns mit Begeisterung der Arbeiterbewegung angeschlossen hatten. Wir hielten aber meist tapeft aus und nahmen wahr, daß chie Genossen mutig in den Wahlkampf gingen, trotzdem ihnen die Agitation fast völlig unterbunden war. In Leipzig, wo ich damals studierte, fand das sozialdemo» kratische„Wahlfest", da uns alle größeren Lokale oersagt waren, im Bellevue in der Kreuzstraße statt. Zeitig gingen wir dorthin, er» füllten schnell den nicht sehr großen Raum und sahen bei musikali- schen Vorträgen dem Eintreffen der Wahlnachrichten entgegen. Die ersten las der bisherige Reichstagsabgeordnete Julius Motteler von der Tribüne aus vor. Sie lauteten ziemlich günstig, namentlich die aus dem Leipziger Landkreise, den bisher der alte Genosse D e m m l e r vertreten hatte, und wo jetzt von unserer Seite her- mann R a m-m gegen den Nationalliberalen Dietze kandidierte. Wir hofften mit Bestimmtheit, diese und andere Kreise zu behaupten, wäh- rend wir auf den Leipziger Stadttrels, wo Au g u st Bebel gegen den Bürgermeister Stephan! aufgestellt war, wenig Hoffnung setzten. Freude erregte es, daß bekannte Genossen von auswärts eintrafen, so Jgnaz Auer aus Berlin und Wilhelm Blas aus Stull- gart. Unsere Siegeszuversicht sank, als die Nachrichten ernster lau- teten, und manche Niederlage, auch in Kreisen, auf die wir stark gerechnet hatten, wahrscheinlich gemacht wurde. In vorgerückter Stunde aber ging plötzlich eine freudige Bewegung durch den Saal — Bebel war gekommen! Alle Blicke richteten sich auf den kleinen, mageren Mann, mit dem blassen, ausdrucksvollen Gesichet, den lichtblauen Augen und dem hellbraunen Rundbarte.„Tusch!" riefen viele, und so ließ die Musik einen solchen ertönen. Bebel trat an den Rand der Tribüne, ver- neigte sich und hielt mit seiner hellen, klaren Stimm«, b«i der«ich Söhne öes Volkes. Don einem Angehörigen der Reichswehr geht uns folgendes beherzigenswertes Schreiben zu: Der blutige Zusammenstoß zwischen Reichswehr und Polizei- beamten in Stettin macht es aufs neue notwendig, die noch immer nicht erfteulichen Beziehungen zwischen den Vertretern der Reichswehr und der Zivilbevölkerung zu untersuchen bzw. eine Klärung über dsn„latenten Kriegszustand" herbeizuführen. Noch immer fühlt sich ein Teil der Reichswehr— Und leider nicht nur die Offiziere— als eine Organisation, der von vornherein der zivilen Bevölkerung gegenüber eine Sonderstellung einzuräumen sei, während die Zivilbevölkerung ihrerseits die Reichswehr mit einer stillen Abneigung betrachtet. Selbstverständlich darf diese Auffassung nicht verallgemeinert werden, daß sie aber für große Teile der Reichs- wehr wie der Zivilbevölkerung gilt, wird von niemanden bestritten werden. Und doch sollte es heute ganz anders sein! Unter der wilhel- minischen Aera hatten wir zwar dem Worte nach ein„Volks- Heer", in Wirklichkeit aber wurde die Truppe im Dienst ein- seitig reaktionärer Bestrebungen oerwandt, um sie nötigenfalls gegen den„inneren Feind" zu verwenden. In diesem Zusammenhang wird sich jeder an das„berühmt" gewordene Wort Wilhelms II. erinnern, wonach der Soldat auf Befehl auf Vater und Mutter schießen müsse. Im Krieg wie im Frieden hatte der Soldat nur Pflichten, denen jedoch keine Rechte gegen- überstanden. Der Drill von oben sorgte dafür, die Mitglieder des Volksheeres zu einer willenlosen, in den Händen ihrer Führer ge- fügigen Masse zu machen. Wie liegen heute die Dinge? Niemand wird behaupten, daß die unter G e ß l e r s— oder sagen wir ehrlicher unter S e e ck t s— Leitung stehende Reichswehr das Ideal einer V o l k s m i l i z bildet, wie sie insbesondere der Sozialdemokratie seit jeher vorge- schwebt hat. Noch immer macht sich unter dem Offizierkorps jener unheilvolle Geist bemerkbar, der den eigentlichen Dolchstoß gegen das Heer führte und den Zusammenbruch cm der Front oeranlaßte; noch immer befinden sich unter den Soldaten der Reichswehr Leute, die glauben, hier am besten ihren Hakenkreuzgeist betätigen zu können. Und doch ist— dank der revolutionären Umwälzung— vieles besser geworden. Das Beschwerderecht der Soldaten steht heute nicht mehr auf dem Papier. Jedes Regiment hat feine Vertrauensleute, die Klagen weitergeben, Mißstände abzuschaffen und Ausgleiche herbeizuführen haben. Wenn trotzdem die Reichswehr noch immer als ein Herd der Reaktion gilt, so ist es deshalb um so heillgere Pflicht aller republikanischen Reichswehrangehörigen, sich hiergegen zusammenzuschließen und eine Mehrheit zu bilden, gegen die auch die großschnäuzigste Minderhett nichts ausrichten kann. Doch auch für die Z i v i l b e v ö l k e r u n g entstehen der Reichs. wehr gegenüber Pflichten. Sie darf sich durch den Hinweis, daß wir „nur noch ein Söldnerheer haben, nicht in eine einseitige Kampf- stellung gegen die Reichswehr treiben lassen, sondern sie muß ihrer- seits darauf hinwirken, den demokratisch- republikani- schen Geist der Truppe zu stärken und verfasiungsfeindliche Ele- mente zu befeittgen. Dies kann sie um so leichter, da sich ja das Heer nicht mehr aus dem allqemeinen Dienstzwang rekrutiert, sondern durch freiwilligen Beitritt gebildet wird. Je mehr die Reichswehr aus Leuten gebildet wird, die ehrlich entschlossen sind, eine Wehr für das Reich zu bilden, um so schneller werden die Mißstände beseitigt werden, die noch heute zwischen Trupp« und Be- völkerung ein« unübersteigbare Schranke zu bilden scheinen. Unablässige, scharfe Kritik an Mißständen in der Reichswehr Ist notwendig: sie darf jedoch nicht einseitig geführt werden, da dies zu einer Verbitterung statt zu einer Klärung führt. Die Reichs- wehr selbst sorge aber dafür, daß die Anlässe zur Kritik mehr und mehr aus ihr verschwinden; sie sei stets der Tatsache eingedenk, daß sie selbst in ihrer großen Mehrheit sich aus den breiten Massen des werktätigen Volkes rekrutiert, und sie helfe die allgemeine Ueber- zeugung stärken, daß auch die Soldaten der Reichswehr Söhne de» Volkes sind. Frassaki, der italienische Botschafter in Berlln, ist in Rom ein- getroffen. Er hatte eine lange Unterredung mtt dem Minister des Aeußcrn, Deila Torretta. die damals noch ziemlich starke Dialektführung nicht störend wirkte, eine kurze, kernige Ansprache, der wir atemlos lauschten. Er kenn- zeichnete die Sachlage in ihrer ganzen Tiefe, hob hervor, mtt wie unzähligen Schwierigkeiten und Gefahren unsere Partei im Wahl- kämpf zu tun hatte, lobte ihre tapfere Haltung und ihren Opfermut und sprach die Zuversicht aus, dieselbe würde sich weiter bewähren In den schweren Tagen, denen wir jetzt offenbar entgegen gingen. Er gab dabei zu verstehen, da ßer mit dem Zustandekommen eines S o- zialistengesetzes rechnete. Mit stürmischem Beifall nahmen wir seine Worte auf. Als die Musik die Marseillaise spielte, sangen wir begeistert Audorfs Dich- tung. Bald kam die Nachricht, der LeLipziger Landkreis sei tat- sächlich verloren gegangen, und wenig konnte es uns trösten, daß dort unsere Sttmmenzahl gewachsen war. Motteler ergriff dazu das Wort, wies auf die niederträchtigen Wahlbeeinflussungen hin und erklärte, Vietzes Wahl würde unbedingt angefochten werden. Auch Berlin Vl und andere wertvolle Kreise waren verloren ge- gangen. Nur zwei Siege wurden gemeldet, nämlich Liebknecht in Stolberg-Schneeberg und Bracke in Glauchau-Meerane. Als die Polizeistunde nahte, brachten wir noch ein Hoch auf die Sozialdemokratie aus und verließen das Lokal ernst und schweigend, mit dem Gefühle, daß uns viel Schweres bevorstand, aber auch mit dem Vorsatze, der großen Sache, der wir uns geweiht hatten, un- erschütterlich treu zu bleiben. Und wahrlich— wirhabenWort gehalten l Zu Warfftz' Tode. Mit Ferdinand v. Mörtitz, der dieser Tage im Alter von 83 Jahren in Berlin starb, ist der Senior der deutschen Völkerschaftswissenschaft dahingegangen. Mörtitz kam im Jahre 1898 nach Berlin und aalt besonders als Ratgeber der wilhelminischen Regierung. Vor 15 Jahren gab er in der„Kultur der Gegenwart" eine knapp zusammenfassende Darstellung des gegenwärtigen Völkerrechts: sein Hauptwerk ist die„Internatio- nale Rechtshilfe in Strafsachen". Mörtitz war der ty- pische Vertreter der konservativen Richtung in der deutschen Völker- rechtswissenschoft, die durch ihre Ablehnung jeglicher pazifistischen Gedankengänge wesentlich dazu beigetragen hat, den deutschen Mi- litarismus und seinen Expansionsdrang im Ausland verhaßt zu machen. Als Vertreter auf den Haager Konferenzen arbeitete er völlig in diesem Geiste und schadete durch schroffe Ablehnung des internationalen Schiedsgedankcns der deutschen Sache außerordent- lich. Seiiv Schüler rühmen die große Lehrgabe de» Verstorbenen und die L?bendigkeit seines Vortrages. Da» Paradies der Hnndskage, die größte Eishöhle der Welt, ist leider ziemlich weit vom schwitzenden Berlin entfernt. Sie liegt in der Nähe Salzburgs im Tannengebirge. Erst in jüngster Zeit von einigen Mitgliedern des Vereins für Höhlenkunde in Salzburg erforscht, ist sie bereits dem Besuche zugänglich gemacht. Schon der 26 Meter große Eingang der Eisriesenwelt, in 1666 Meter Seehöhe, läßt den Besucher die Mächtigkeit des einstigen unter- irdischen Fluhlaufe, ahnen, der die Höhlengänge zur Ter- Die Ernährungslage. Keine Gefährdung der Ernte. Berlln, 36. Juli.(WTB.) Im Reichsministerium für Ernäh- runa und Landwirffchaft fanden unter Vorsitz des Staatssekretärs DrUHuber Beratungen über Mahnahmen zur Bekämpfung der in- folge der Dürre entstandenen Futtermittelnot statt. Der Vorsitzende betonte einleitend, daß nach den aus den verschiedenen Reichsstellen vorliegenden Nachrichten von einer Gefährdung der Ernte im allgemeinen nicht gesprochen werden könne, daß aber in einzelnen Gebieten des Reichs die Rauhfutter- und Futterpflanzenernte unter der Dürre außerordentlich gelitten habe. Die Sorge für Abhilfemaßnahmen gegen örtliche Notstände der Landwirffchaft falle zunächst in die Zuständigkeit der Länder. Immerhin bestehe aber auch für das Reich nach seinen Zuständig- leiten die Möglichkeit, aus bestimmten Gebieten, so durch Maß- nahmen der Ein- und Ausfuhr und die Frachttarifpolitik helfend einzugreifen. Im einzelnen ist aus dem Ergebnis der Beratung folgendes hervorzuheben: Sowohl von den Vertretern der Landes- regierungen als auch von den Vertretern der landwirffchaftlichen Organisationen wurde besonderes Gewicht darauf gelegt, daß jene Nofftandsgebiete, die ganz besonders unter der Dürre zu leiden haben, bei der Belieferung mit Tauschmais zeitlich vorzugsweise berücksichtigt würden. Die geringen Bestände an Krafffuttermitteln, die sich noch im Besitz des Reiches befinden, namentlich Kleie und Gerftenfuttermehl, sollen nach Maßgabe des Rindoiehbestandes, je- doch unter Berücksichtigung der besonderen Notlage einzelner Reichs- teile, den Ländern zur Verfügung gestellt werden. Die Vertreter der Landesregierungen und die Vertreter der Land- Wirtschaft gaben einstimmig dem Wunsche Ausdruck, daß die im Juni zugelassene teilweise Ausfuhr von Oelkuchen aus ausländ!- schen Staaten im Hinblick auf die in den letzten Wochen eingettetene Futternot baldigst gesperrt werde. Zum mindesten müsse diese Regelung einer sofortigen Nachprüfung unterzogen werden, um wie bisher den Viehhaltern zu ermöglichen, sich die Futter- und Streuvorräte der öffentlichen und privaten Waldungen wie in den Kriegsjahren zunutze zu machen. Weiter soll die Bekanntmachung über Streu-, Heide- und Weidenutzung vom 13. 4. 1916 ausrecht erhalten bleiben, wonach die Besitzer von Forsten und anderen nicht land- wirffchaftlich genutzten Grundstücken auf Anordnung der höheren Der- waltungsbehörde verpflichtet sind, die Bergung von Futter- und Streumaterial jeder Art und das Weiden von Vieh zu gestatten. Als besonders wirksames Mittel zu einer baldigen besseren Futter- Versorgung der Viehhaltungen der gefährdeten Gebiete wurde von den Verttetern der Landesregierungen in voller Uebcreinstim- mung mit der Landwirffchaft und dem Futtermittelhandel die Ein- führung von Notstandstarifen für Futter- und Streu- mittel bezeichnet. Von der Regierung wurde die unverzügllche Enffcheidung über die einzelnen Anträge und Wünsche zugesagt. Von enffcheidender Wichtigkeit scheint uns zu sein, da nicht nur die Ausfuhr von Futtermitteln, sondern jede Ausfuhr von Brotgetreide verhindert wird. Es machen sich schon wieder sehr eifrige Bestrebungen bemerkbar, deuffches Brotgetreide nach dem Ausland gewinnbringend zu verkaufen. verbotener Pazifismus. Von mehreren völlig zuverlässigen Gewährsleuten wird uns der 'olgende Fall, der sich soeben in einer dem Reichsministerium des Innern unterstellten Behörde abspielte, mitgeteilt: Einer unserer Genossen hing in den Räumen der Pensionsab- teilung des ehemaligen Heeres ein Plakat„Nie wieder Krieg" auf, das zu den pazifistischen Kundgebungen für morgen auffordert. So- 'ort bildete sich um das Plakat eine Gruppe erregt diskutterender Offiziere, und nach wenigen Minuten wurde unseren Gewähr»- leuten mitgeteilt, daß das Plakat abgerissen sei. Er konnte sofort estgestellt werden, daß dies der Geheime Kanzleidiener W ü l l e r getan hatte. Zur Rede gestellt, erklärte dieser, er habe a u f B e f e h l gehandelt. Einer unserer Genossen begab sich nunmehr in die Dienst- teile, um bei Oberstleutnant v. Müllner Beschwerde einzulegen. Nach Rücksprache mit dem Geh. Kriegsgerichtsrat Groll bemerkte dieser, das Ankleben von Plakaten fei grundsätzllch nicht zu billigen. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß hetzerische Plakate unreifer Hakentreuzjünglinge von der Dienststelle tiärzeit bildet«. Jetzt deckt ewiges Eis, mehrere Meter stark, den Boden der Höhle und reicht als der größte bekannte Unterwelts- gletscher ohne Unterbrechung bis 1666 Meter weit in das Berg- innere. Eisfiguren, wie die Riesen der nordffchen Eddasage starren au» dem ewigen Dunkel dem Besucher entgegen, und ganz einzigartig und abwechslungsreich ist die lange Wanderung über herabslutende Eiswälle. Vorbei an dem rätselhaften Sturmsee mit seinen über das Eis brausenden Wellen geht es längs hohen Eismauern, die ei�-' Eistor krönt, zum Abstieg in den Mörkdom. Dunkel gähnen hier die seitlichen Eingänge in das Eislabyrinth, wetteifernd mit der märchenhaften Schönheit des anschließenden Eispalastes, eines Eis- sees von 86 Meter Länge, der von zur Decke emporstrebenden Eis- tcrassen flankiert wird. Im Scheine der Azetylenlampen und des Magnesiumlichtes glaubt man in einem Zauberreich zu wandeln. Am Ende des geschlossenen Eises kehrt der Tourist gewöhnlich um, doch führt ein ungeheures Labyrinth meist eisfreier Gänge, von denen bis jetzt 21 Kilometer Länge erforscht sind, noch viel, viel weiter. Der verleumdete Vielfraß. Man schreibt uns: Zu den sprach- lichen Mißverständnissen, von denen in Nr. 36 der.Helmwelt" und in Nr. 179 des„Vorwärts" die Rede war, gehört auch die Bezeich- nung„Vielfraß". Das so benannte marderartige Raubtier mit dem schönen Pelzwerke Ist im Norden heimisch und heißt in Schweden F j e l f r ä ß, d. h. F e l s e n t i e r. Alte dcuffche Naturforscher ver- standen dfts nicht, brachten es mit„Fressen" in Verbindung und gaben dem Tiere den lateinischen Namen Gulo(„Schlemmer"), wußten auch ungeheuerliches über seine Freß- und Mordlust, vor der weder Tiere noch Menschen sicher sein sollten, zu berichten. Dem ent- sprachen denn auch die grausen Abbildungen in alten Naturgeschichten. Noch in unseren Tagen las man in Kinderbüchern den schönen Reim: „Vielfraß nennt man dieses Tier, Wegen seiner Freßbegier." Nun, einen gesunden Appetit pflegt der Vieffraß tatsächlich zu entwickeln, er ist aber doch viel besser als fein Ruf. Erftanflüvrunge« der Woche. Mitttv. Refldenz-Theater „Traumuluz-. Ton». Freie Voltbützne:„Liebelei". Leo Stein, der Veriasscr zahlreicher Opereltentexte, ist letzte Nacht nach längcrem, schwerem Leiden im 59. Lebensjahre gestorben. Boltshochichnle Groh-Berlin. Professor Dr. Diel«, Professor für Botanik an der Uniocrsiiät Berlin, tritt zum Herbn al« Abteilungsvorsteher in die Leitung der Volkshochschule ein. Er wird die wissenfchäst- lichc Organisation der biologischen Fachgruppe übernehmen und sich daneben auch als Dozent betätigen. TaS„Handwörterbuch der Staatswissenschaften�, da» von den Professoren Elster- Jena. W e b e r- München und Wies er- Wien im Berlage von Gustav Fischer in Jena herausgegeben wird, erscheint jetzt in vierter, gänzlich umgearbeiteter Auslage. DaS Wert wird wieder in 8 Bünde eingetellt. Die Ausgabe ersolgt zunächst in Lieserungeu zum Preise von je M. 15,—. Mit etwa 166 Lieserungen wird eS cinfchlieh- lich Register vollständig sein. Ende de» Jahre» 1923 soll die 4. Ilufiag, {eilig vorliegen. Die 1. Lieferung ist soeben herausgekommen. glicht«mtN*. llibtthcmpt ip bos Lei Huven Wff« Nrnv»' stelle äußerst eigentümlich: während fie die Ankündigung pazifisti- scher Demvnstrutivnen untersagt, beurlaubte Oberst Lange am Becrdigungstage der Kaiserin, der sich bekanntlich zu einer großen nationalistischen Demonstration auswuchs, vier Fünftel der gesamten Beamten, so daß die Belegschaft in einer den Dienstgang gefährden- den Weise schwach belegt war. Reichsminister des Innern ist Ge- nofle Dr. Tradnauer: wir erwarten, daß er die ihm unterstellten widerspenstigen Offiziere mit dem nötigen Nachdruck auf ihre Be- fugnisie hinweist. Der Schloffergeselle als Lanürat. Eine ungewollte Selbstkarikatur des deutschen Spießer' tums liefert der„Verl. Lokalanzeiger", indem er die totale Unmöglichkeit„roter LandrSte" folgendermaßen beweist: Wer unsere Bauern kennt, weiß, daß sicheinsolcherLand- rat nie bei ihnen in Respekt zu setzen vermag, und die braven Gendarmen werden oft genug hinter ihrem hohen Chef herlaufen. Noch abwehrender steht dem roten Landrat die eigentliche bürgerliche Gesellschaft in den Städten gegenüber, und gar erst die sog. honorationen im kreise, die anderenStaats- beamten, Richter, Geistliche usw. Gesellschaftliche Füh- lung mit ihnen zu erlangen wird ihm unmöglich sein. Gesellschaft- lich ist er ausschließlich auf seine eigentlichen Genosien angewiesen, mit denen er auch früher nur verkehrt hat. Kurz, es wird ihm an der schon bemerkten unerläßlichen Vorbedingung für eine ge- sicherte Position, an dem nötigen Ansehen im Kreise durch- aus fehlen. Auch die�vemokraten fl) wollen mit derartigen Landräten nichts zu tun haben. Als unlängst von ihnen in einem mir sehr wohl bekannten Kreise, welcher heute die Ehre hat, von einem S ch l o s s e r g e s e ll e n regiert zu werden, eine Parteiversammlung abehallen wurde und in dieser ein Redner den L a n d r a t S. erwähnte, wurde er von dem Vor- sitzenden mit der Bemerkung unterbrochen, für sie sei ein Land- r a t S. nicht vorhanden, sondern höchstens ein H e r r S..... Der Geschäftsumfang der Landratsämter hatte sich allmählich so erweitert, daß man sie nur mit fachmännisch gebildeten Beamten besetzen konnte. Und da sollte jetzt ein simpler Handwerker genügen, der „seine ganze Bildung der Lektüre des vorwärts" oder ähn- ticher Parteiblätter oerdankt?" Diese Schilderung ist glänzend, sie Nest sich geradezu wie ein Kapitel aus einem klassischen deutschen Kleinstadtroman. Es fehlt nur die Gegenfigur: z. B. ein anderer Schlossergeselle der sich weniger um das öffentliche Wohl bekümmert, sondern erfolgreich unter die Schieber gegangen wäre. Wie schnell würde sich dieser Herr den Respekt der Richter, Geist- lichen und sogar der„Demokraten" erwerben, alsbald wäre er„unser hochgeschätzter Mitbürger" und wenn er etwas Geld für die deutschnationale Parteikasie spendierte,„unser Reichs- tagskandidat, ein schlichter Mann aus der Werkstatt, der sich durch eigene Kraft emporgearbeitet hat".— Aber freilich, ein Schlosiergeselle, der es nicht einmal zu Geld gebracht hat, und obendrein ein Sozialdemokrat, da heißt es verächtlich: i n simpler Handwerker!" Er ist gesellschaftlich un- mö— öglich, und damit abgetan, erledigt, tot! Man sieht sie förmlich vorüberziehen, den Herrn Richter, den Herrn Geistlichen, den Herrn Vorsitzenden der demo- kratischen Versammlung, sleischgewordene Witzblattfiguren— Symbole der Dummheit, an der das alte Deutschland zu- grundegegangen ist, auf die das alte Deutschland aber immer noch hofft, weil sie unsterblich ist. Man sieht sie in ihrer Honoratiorenstube sitzen, in die der rote Landrat nicht hin- «Indarf und an deren Wand schwarz und rot auf weißem Grunde der Spruch prangt:„Einstens wird am deutschen Wesen noch die ganze Welt genesen."— Wo es doch viel richtige" heißen müßte:„Einstens könnt an d e n Chinesen noch die ganze Welt verwesen!" Der gefälschte Geck-Srief. Das Mannheimer Schöffengericht unter dem Vorsitz des Herrn Oberamtsrichter Schmitt hat am Mittwoch den verleumde- rischen Machinationen ein Ziel gesetzt, denen unser Reichstagsabge- ordneter Genofle Oskar Geck seit etwa einem halben Jahre durch den Herausgeber des„Revolutionär", Moritz L e d e r e r, ausgesetzt war. Die Privatbeleidigungsklage, die Geck, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hirschler, vor zirka drei Monaten gegen Lederer angestrengt hatte wegen Veröffentlichung eines g e f ä l s ch- t e n Briefes mit der Unterschrift Gccks, führte zur Verurteilung Lederers zu drei Wochen Gefängnis und zur T r a g u n g sämtlicher Kosten, einschließlich der des Privatklägers. Das Gericht stellte in der Begründung dieses Urteils ausdrück- lich fest, daß Geck mit dem Brief des„Revolutionär" nicht da» mindeste zu tun hatte, und ließ durchblicken, daß mit großer Wahrscheinlichkeit Lederer selbst als der Verüber der Fälschung angesehen werden könne. Das Vorgehen Lederers gegen Geck wurde als ein hinterhältiger, niedriger und ge- wissenloser Angriff eines jungen Mannes gegen die Ehre eines im Kampfe ergrauten, geachteten P o l it i k e r» bezeichnet und ausdrücklich festgestellt, daß der„Salon- Kommunist" Lederer dabei wider besseres Wissen, also b e- wüßt verleumderisch gehandelt habe. Nur dem Umstände, daß Lederer dabei unter dem Einfluß einer durch krankhaften Ehr- geiz verursachten„Verblendung" gestanden, habe er es zu ver- danken, daß die Freiheitsstrafe nicht noch höher ausfiel. Die mündliche Urteilsbegründung, die zirka eine Viertelstunde dauerte, war eine einzige vernichtende Anklage gegen das gewisien- und schamlose Treiben Lederers. Herr Dr. Paul L e v i, der be- kannte Kommunistcnführer, war aus Frankfurt a. M. vergeblich zur Rettung der Ehre seines Gesinnungsfreundes herbeigeeilt. Die Entstbeiöung über tveft-Ungarn. Wien, 80. Juli.(WTB.) Die Botschafter-Konferenz hat der österreichischen Regierung mitgeteilt, daß die erste Verhandlung wegen der Uebergabe Westungarns am ö. August in Oldenburg stattfindet. Schwedische Schiffsverkäufe an Veuifchland.„Europa-Preß" meldet aus Stockholm, daß ungefähr 10 Proz. der ganzen fchwe- dischen Handelsflotte an Deutschland verkauft worden sind. England und die Neuwahlen. Im englischen Oberhaus erregt« die Erklärung des Lordkanzlers, man denke an Neuwahlen, wenn sich im Unterhaus Schwierigkeiten in der inneren Frage ergeben sollten, großes Aufsehen. Die nächste Zusammenkunft der valsischen Staaken wird, wie der finnische Außenminister erklärt, in Warschau stattfinden. Das Verhältnis zwischen Polen und dem Baltenstaat war bisher nicht ohne Reibungen. In Warschau werden aber wahrscheinlich die Streitsragen besprochen werden. GVOßSZetta �Wettkonzerne" und„Sportbanken". Die unbekannke Hapikalerlragsteuer. Bei den gestrigen Durchsuchungen in den Geschäftsräumen der� neugegründeten„Sportbanken" und„Wettkonzsrne", die, wie wir mitteilten, von Beamten des Finanzamtes mit Unterstützung v«: Beamten der Wucherabteilung des Polizeipräsidiums vorgenommen wurden, sind, wie wir weiter erfahren, nicht nur Bücher und Schriftstücke, sondern auch erhebliche Barbeträge beschlagnahmt worden, die sich auf zirka zwölf Millionen Mark belaufen sollen. Die beschlagnahm- ten Gelder sind zunächst zur Deckung der bisher nicht gezahlten Kapitalertragssteuern sichergestellt. Ueber die Vorgänge bei dem Sportkonzern Max K l a n t e u. Co., G. m. b. H. in der Großen Frankfurter Straße Nr. 121 erfahren wir noch folgende Einzelheiten. Die Geschäfts- räume der„Sportbank" liegen, wie mitgeteilt, im ersten Stockwerk über dem„Cafe des Klante-Sportkonzerns". Sie sind über eine neben dem Kaffee liegende Treppe zu erreichen. Die Tür hat an der Außenseite eine Klinke, so daß sie jeder öffnen kann. Hat er diese dann aber hinter sich zugeschlagen, so kann er denselben Rück- weg nicht wieder antreten, da diese Tür an der Zimmerseite keinen Griff haj, also von innen nicht zu öffnen ist. Wenn nun der Be- iucher seinen Gewinn eingestrichen hat, so verläßt er die„Bant" durch eine große Freitreppe, die in das darunterliegende Cafe führt. Dort aber herrscht ständig Hochbetrieb und„Stimmung". Es ist selten unter den„angehenden Kapitalisten", die so schnell und mühe- los ihr Geld„verdienen" einer, der nicht an der allgemeinen Lustig- keit teilnimmt und zunächst einen Teil des Gewinnes dort in Alokohol umsetzt. Die Besucher der Bank und auch des Cafes setzen sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammen. Für all« diese leicht- gläubigen Leute, die sich durch die bisherigen Auszahlungen sicher fühlen, ist natürlich Herr Klonte der Abgott. Wenn er im Auto mmm\ Weg;«m Uns ruft der Tag zum Vekeuutais eines heiligen Willens: Nie wieder Krieg! Unmenschliches hat die Menschheit durch den Krieg gesttken; tausendmal haben wir ihn und unsere Ohnmacht verflucht. Nun laßt un» zeigen, daß aus all dem furchtbaren Erleben der klare Wllle zum Frieden erwachsen ist. Auf uns kommt es an, deuu was wir wollen, wird in unseren Kindern zur Tat. „Mutter!" schrien die Knaben in der Hölle von Jpern in ihrer letzten Not. Ihr Mütter. Ihr Frauen. Ihr Mädchen, denen ein letztes verzweifeltes Sehnen galt, nehmt es als das letzte Vermächtnis: Nie wieder Krieg! Habt Zeit! Stellt das große Ziel über die Arbeil der Stunde. Denkt daran, daß der Krieg uns fast 4V, Fohre unsere» Lebens zerschlug. Dient dem Frieden; arbeilet an der völkerversöhnung. Zeigt, daß die Frauen eine Macht gegen den Krieg sind, wenn sie es wollen. vorfährt und in das Cafe tritt, wird er von allen, die ihn kennen, mit Jubel empfangen. Die Hauskapelle bläst einen Tusch und stimmt dann die Melodie„Schiebermax ist da" an, in die die Kaffeehausbesucher mit der Variation:„Alles schreit hurra, Klonte- Max ilt da!" einstimmen. Eine ebenso bekannte Erscheinung ist Herr Klante auf den Rennbahnen. Wenn er im Automobil nach Karlshorst oder der Grunewaldbahn hinausfährt, so wird er stets von zwei Detektiven zu seiner eigenen Sicherheit begleitet, da er doch über ungeheure Geldmittel' verfügt, die er infolge seiner tot- sicheren Tips dort für leine Kundschaft anlegt.— Herr Klante, der über die Entrichtung oer Kapitalertragsstcuer vernommen wurde, gab dabei zu, bereits 30 Millionen Mark Gewinne ausgezahlt zu haben, ohne von diesen Beträgen die Steuer abzuziehen und abzu- führen. Wie er angibt, hat er nicht gewußt, daß diese Abzüge zu machen sind. Zur Deckung dieser Steuerforderung hat er sein Post- scheckkonto, das sich auf über 10 Millionen Mark beläuft, zur Ver- fügung gestellt._ Nie wieder Krieg. Zur großen Friedensdemonstration im Lustgarten. Für. die am kommenden Sonntag stattfindende Friedenskund- gebung„Nie wieder Krieg!" hat sich die Zahl der einberufen- d'en Organisationen auf 26 erhöht, so daß mit einem Massenaufgebot von Teilnehmern zu rechnen ist. Von der Aktions- leitung ist zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein umfangreicher Apparat aufgeboten worden. Auf 14 an der Peripherie Berlins gelegenen Hauptsammelplätzen werden sich die zum Lustgarten mar- schierenden Züge formieren. Im Lustgarten, auf dem Schlohplaatz und vor dem Morftall werden die Redner des Tages von 15 Stellen aus sprechen. Professor E i n st e i n, der zur Teilnahme an der Kundgebung eingeladen war, wegen seiner Abwesenheit von Berlin ober am Erscheinen verhindert ist, sandte ein Sympathiet-legramm. Die Gattin des Gelehrten hat sich im Interesse der Sache bereit er- klärt, die Leitung des Verkaufs der fiir die Kundgebung heraus- gegebenen pazifistischen Propagandaschrift auf dem Demonstrations- platz zu übernehmen. Das Interesse des Auslandes an der Friedenskundgebung wird durch die Tatsache dokumentiert, daß fast alle Vertreter ausländischer Blätter sich bei der Leitung der Veranstaltung angemeldet haben. Das Londoner Friedenskomitee und das„National Pcace Council" haben telegraphisch ihre Sym- pathie ausgedrückt. Das Telegramm des letzteren schließt mit den Worten:„Wir sind Kameraden in der Aufgabe, den Krieg zu überwinden und eine Welt von Freiheit, Verständigung undZusammenarbeitzu errichten." Wie wir hören, hat sich Wilhelm D i e t e r l e vom Deutschen Theater und Ernst Friedrich, der Leiter der Arbeiterkunstausstellung, bereit erklärt, im Verlauf der Kundgebung pazifistische Verse zu sprechen. Dicterle spielt bekanntlich in Hauptmanns„Webern" im Großen Schauspielhaus den Moritz Jäger und reißt durch die Kraft seiner Darstellung allabendlich Tausende zu brausendem Beifall hin. Zu den SPD.-Rednern gehört auch Genosse Barsanti, der für die Reichsvereiniung ehemaliger Kriegsgefangener sprechen wird. « Bon Karl Letter ist zu Ehren des Tages ein einseitige» Blatt: „Nie wieder Krieg" herausgegeben worden, das dem Andenken Al- frcds H. Fried, des bekannten großen Friedensvorkämpfers, ge- widmet ist und eine Anzahl beachenswertcr Beiträge von Hans G a t h m a n n, Armin T. W e g n e r, Hennig Duder st edt, Karl von Offietzky, Karl Vetter u. a. enthält. Von Henri Barbusse stammt ein Beitrag: Die Idee des Vaterlandes. Wuhuuugsekuknecher rnafitcn w der Leibnizstrahe zu Char- lottenburg reiche Beute. Sie stahlen dort bei dem Kaufmann Baer im Haufe Nr. 45 einen Herren-Nerzpelz. einen Damen-Persianerpelz, Bett-, Tisch- und Leibwäsche und Bekleidungsstücke im Werte von 120 000 M. Zweckdienliche Mitteilungen zur Aufklärung dieses Ein- bruchs sind an die Dienststelle L l, 1 des Berliner Po- lizeipräsidiums zu richten« Eine Schlägerei mit tödlichem Ausgange entspann sich gestern nachmittag um 5 Uhr vor dem Hause Wilhelmstraße 9. Dort ge- rieten der 40 Jahre alte Schriftsetzer Otto Koblenz und der Gal- vanoplastiker Meierding in einen Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Koblenz starb bald darauf auf dem Belle-Alliance-Platz, wohin er sich begeben hatte. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein Maqistratsbrieskasken für die Bevölkerung des Nordens ist auf Beschluß des Bezirksamtes Wcdding im Hause des Ledigen- heims, Schönstedfftr. 1, angebracht. Briefe, die an den Magistrat gerichtet sind, können hier eingeworfen werden. Das Bezirksamt wird diese Briefe umgel)end befördern. Die Bevölkerung spart durch diese Einrichtung das kostsxiclege Porto. Die städtische Walderholungestäkke Sönigsheide wird, wie im Vorjahr«, gegen Ende September für den Besuch geschlossen. Allen erholungsbedürftigen weiblichen Personen bietet sich daher jetzt noch Gelegenheit, durch einen mehrwöchigen Besuch hie erschlafften Nerven wieder aufzufrischen und neu« Kräfte zu sammeln, Aufnahme finden außerdem flinder beiderlei Geschlechts vis zu 13 Iah- ren zu einem täglichen Berpslegungssatz von 4 M. Erwachsene zahlen 5,50 M. Von Bahnhof Baum schulen weg, der auch mit den Straßenbabnlinien 85 und 84 zu erreichen ist, führt ein Fußweg in 20 Minuten zur Erholungsstätte, Das Bureau Neukölln, Richardstr. 116, Ouergebäude I, nimmt Anmeldungen werktäglich vcn 9— 1 Uhr entgegen. Der Ausschuß für heimfläkken hat m seiner letzten Sitzung beschlossen, die beiden Häuser des Hospitals Buch, m welchen seit Anfang 1918 120 lungenkranke Frauen verpflegt wurden, für un- ausschiebbar« Bedürfnisse der Hospitalverwaltung freizugeben, die für zahlreiche sehr aufnahmebedürftige Anwärter keine Unterkunft mehr hat. Zur Durchführung dieses Beschlusses ist angeordnet worden, daß die Frauen in die Männerheimstätte in Buch verlegt werden, deren Insassen gleichzeitig in geeigneten Privatanstalten Unterkunft finden und weiterhin finden werden. Es ist beabsichtigt, so schnell wie möglich wieder eine Gemeindeanstalt lun» gentranker Männer zu schaffen. Die geeigneten Schritt« zu diesem Ziel sind bereits geschehen. Das Wetter für morge«. Nacht? ktlvler, um Mittag wieder etwa? wärmer, vielsach veiter. aber veränderlich, mit leichten Negensällen und ziemlich lebhaften, fadwestlichr» Winden. Groß-öerlkner parteinachrichten. Treffpunkte zur Demonstralioa tJlie wieder Krieg!". 4.«bt. VA Uhr cm Dennewitzrlatz, Lutherkirche. 21.«St. S'i Uhr Hausburastr. 2., 33. Abt. 9'A Uhr Humboldthain. 93. Abt. Neuköll». Sgj Uhr am Herhberaplatz. 9. flrei» Wilmersdorf. VA llhr in den dekannten gahlcbendlokate». Die®e- nofsen de« ganzen Nreises treffen sich um 8 Uhr in der Wilhelmaau«, von dort Abmarsch nach dem Diktoria-Lnife-Platz. 121. Abt. Sarlohorsi. Ab Uhr am Bahnhof. Fahrt bis Schleftfcher Bahnhof. Potsdam. Grohe Friebensdemonfirotionsversammlung am Eonnta», den 31. Juli, oormitwgs 10 Uhr, im Konzerthauz in der Kaiser �Lilhelm-Steahe. Thema: ,3!ir mtcdtt JUiefll" Referent: TewcrkschaftsserretSr Urich. �ugenöveranstaltungen. Treffpunkte zur Demostralion am ZI. Juli 1921. Kreh-Lichterfeld«. 7 Uhr HSndelvlatz. Schöneberg IL M Uhr Kaiser-Wilhelm-Plah. Wcdding. zh9 llhr Seiler» Ecke MlINcrslrahe. S-sundbrunneu. 9 Uhr Svthenbnrger Straße. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Der Bob religiöser Soziclisfe», Abteilung Neukölln beteiligt Rch»m kommenden Sonntag an der Friedensdemonstration in Berlin. Die Mitglieder treffen sich bis 10 Uhr vormittags am Zirkus Busch und sammeln sich w> Lust- garten um ihren Redner Pfarrer Bleier. »___ Sport. Trabrennen gn Rublebcn. Freilag, den 29. Juki. 1 Rennen. 1. Frechheit(H, Grube), L. Matador I iE. Treuherz), 3. Balkan I(Ignatz Lich tcrrfeld). Tot.: 16: 10, Platz: 10, 10, 11- 10. Feruer liefen: Dr !iolerveS 14), Kronbrwz I, Erster Odderader, Erste Mantendorferin, Povux — 2. Rennen. 1. Toni H.(6. Eveer), 2. Refpekl 1H. Stemnagel), 3. Hof- lakai(B. Heckerl). Tot.: 69: 10, Platz: 20, 17, 29: 10. Ferner liefen! OdysseuS(4.), U. 9, vobh, Friedensbote I, Doppelacmger.— 3. Rennen. If.'Aurel 1H. Gteinnagel), Itz. Hufchabcll IN. GrUtzmann), 3. Ludmill 1 (G. Lautcnberger). Sybiv(Rlsr. ÄillS),(4). Tot.: Alle»! 37:10. Pt. 13:10 Hulchabell 9: 10. PI, 11: 10, Ludmill I PI. 11: IN, Ferner liefen: Edel- wcitz, Gouvernante, Kopcrnita, Hcidemann, Heiderote 13, ImriS Onward,— 4. Nennen, 1. Hcldcprinz 1(H, Grube), 2, Angriff ITIeinimgel), 8, Amoiett» IL. Jncobi), 4. Barde«Hm, Schl-usncr), Tot.: 16: 10, W, 11, 13. 13: 10. Ferner liefen: Eduard I, Mocuna, Flora Bingen, Handfest.— 5. Rennen, 1. Slnfa Dillon(Hi. Bande), 2. Durchbruch IG. Lautenbcrger), Peter k 1R. Grotzmann), 4. Arche(Facobt). Tot.: 18: 10. PI, 13, 24. 13:10, Ferner liefen: Long Carl, Hidalgo II, Jupiter Hl, Crocus, Clara Bingen, Araber.— 6. Rennen. Heir Ncapcr(R. Grotzmann), 2. Gerard A(F. Schmidt), 3. Bell(W. Freundt), 4. Dornröschen It(M. NingiuS). Tot.: 49:10. PI. 18, 14, 38: 10. Ferner liefen: Prekufa. Karla, Ehrengabe, Kulcrtrud, Manteuffei,— 7. Rennen. 1, Prachimädet IN. Grotzmann). 2, Quecksilber I (Steinnagel), 3. Maurice(Zt. Freundt), 4. Fiskus(I. Lichtenscld). Tot.: 46:10, PI, 20, 129, 19:10.' Ferner liefen: Hwdenburg II, Wilbelmina, Urdenbach, Jockele, Ationär, Albairos, Mackensen, Auktionator.— 8 Rennen. 1. Xaver(«. Fall), 2. Topinambur(ffi. Ketzrich). 3. Holiteincrin II fFröm- ming), 4. Volislied(Höhne), Tat.: 135:10, Pl, 20. 13, 13:10, Ferner liefen: Goldflern, Fault II, Brabant i keine Wetten), Direktor, Film, Mitrowica, Korfar, Cybina, Sphinx Va'ce I.' Arbeitersport. Freie Tnrnerschoft Charlottenburg, Fustball-Abtetinng. Am morgigen Sonnlag, abends 6 Uhr, stehen sich die 1, Mannschaft obiger Ab- teilung und die der Freien Turncrjchast Wilmersdorf gegenüber, beides fpielstarke Gegner, die alles daran setzen werden, den Sieg an ihre Farben zu Keflen und zu beweisen, datz auch in Arbcilcrsportoercinen guter Sport getrieben wird. Der Besuch des' Spiels ist scbr zu empfehlen. Vorher liehen sich die beiderjeitigen 2, Mannichasten gegenüber. Der Spielplatz hcsindct sich Kcplertzr, 29, nahe Bahnhos Jungiernheide. Theater öer Woche. vom 31. Juli bis 7. August. Bvlksblhae: 31. Der Ztaiferjöger. 1. Die Fledermaus. 2.«. I. Tcvcllerta rukiicana, Bajazzo. 4.-7. Liebelei.- vpernb»»»: Die Strohivit«e.— Sroße» Sch-ufPielh»»-: 31. bis 4. u. 0. Die Weber. 2. Danton. 7. Florian»eyer.— Der.fiycs Lheater: Votosch und Perlmutter.— fiamnierfaielc; Der Herr, der die Aiaulfchelle» kriegt.— Lessing. Zheoter: Die Ballerina de» klonig». Schillc-.Thcater! Meine Frau, das Fräulein.— Deutsch«, lillustler» Sheattt! Der Herr Verteidiger.— Kamödienha»»! Der blond« Engel.— Berliuer Theater! Das Milliarden-Eouper.—»lein«, Schauspielhaus! Reigen.— Trianon-Thealer: La», Windermere» Fächer.— Residenz. Theater: 31., 1. u. 2. 1919«Wer»lichen Arbeiter und Arbeiterinnen vom<. Mai 1921 heißt es unter AU Arbeitszeit: „ffür Ueberftunden und gelegentliche Arbeiten an Sonn- und Feiertagen bedarf es einer Vereinbarung mit dem Arbeiterrat, jedoch können Ueberftunden sowie Arbeiten an Sonn- und Feiertagen angeordnet werden, wenn sie ausnahm-- weife zur Aufrechterhaltung des regelmäßigen Betriebe» odgr zur Verhinderung der Unterbrechung eines Arbeitspozeffes notwendig sind." Leider können manche Kollegen diesen Absatz trotz seiner Klar- heit nicht sinngemäß auslegen. Deshalb muß deutlicher gesagt wer- den: Organisierte Kollegen sollen namentlich in dieser Zeit der großen Arbeitslosigkeit keine Ueberftunden machen oder gelegent- liche Arbeiten an Sonn- und Feiertagen verrichten; sie sollen sich stet» darauf berufen, daß sie dazu nicht verpflichtet sind, weil dazu eine Vereinbarung mit dem Arbeiterrat gehört. Daß die Arbeiterräte einer derartigen Vereinbarung in der jetzigen Zeit nicht zustimmen dürfen, ist wohl selbstverständlich. Aber auch wenn es sich ausnahmsweise nicht umgehen laßt, zur Aufrechterhal- tung des regelmäßigen Betriebes, kann nichtderUnternehmer allein bestimmen, daß eine Ausnahme vorliegt, sondern auch in diesem Falle muß darüber Uebereinstimmung bestehen zwischen Be- triebsleitung und Arbeitervertretung, daß wirklich eine Ausnahm« vorliegt. Aus diesem Grunde sind alle Kollegen verpflicht et, fall» sie von der Betriebsleitung angehalten werden, Ueberftunden zu machen, darauf aufmerksam zu machen, daß sie erst m i k i h r e m Arbeiterrat Rücksprache nehmen müssen. Als geradezu , verwerflich ist es zu bezeichnen, wenn es auch in dieser Zeit noch Arbeiter gibt, die sich freiwillig dazu bereit erklären, Ueberftunden zu leisten, eventuell sogar noch dem Arbeiterrat davon keine Mittel- lung machen. Aber nicht nur in den Betrieben, die unter den Tarifvertrag fallen, sondern auch in anderen Betrieben, die anderen Tarifverträgen unterliegen, kommt e» in der letzten Zeit vor, daß Ueberftunden geleistet werden, ohne daß dazu die Arbeiter nach dem Tarifvertrag verpflickitct sind, sondern auf Grund freiwiMger An- bietung gibt es noch Kollegen, die diese Ueberstundeb machen wollen. Das ist allerdings nicht zu verstehen und als Schädigung des Gesamt- interesses der Arbeiterschaft zu verurteilen. Wir bitten daher, daß alle Kollegen diesem Ueber- stunden-Unwesen auf das schärfste entgegen- treten und alle.diejenigen energisch zurückweisen, die nachweisen wollen, daß sie ja„leider nach dem Tarifvertrag zu den Ueberftunden verpflichtet" seien. Sagt allen den- jenigen, die sich darauf berufen, daß da» faule Ans- reden sind und kein einziger dazu verpflichtet ist." ' �um Streik im Kartoffel�rokihandel. Die Verhandlungen am Freitag abend, Zwilchen dem Arbeitgeber- Verband de« Kartoffel-Großbandcls und den Vertretern der streiken- den Kartoffelkutscher und Arbeiter, find ergebnislos verlaufen, da die Streikenden auf einem Mindestwochenlohn von 360 Mark beharrten, während die Arbeitgeber nur 325 Mark zahlen wollen. Eine end- oültiqe Klärung dürft« voraussichtlich erst zu Beginn der nächsten Woche erzielt werden, da beide Parteien bis dahin Beschlüsle über die gestrigen Angebote fassen werden. Fulton lVerewigte Staaten), Paris und Pontarkier(Frankreich) und London. Diese Gesellschaft macht Gewinne, die jährlich Mil- lionen betragen. Hinter ihr steht eine noch mächtigere kapitalistische Firma, die dlestlä Anglo Swiss Condensed Milk A.-G. Die Schokolade Restle wird in der Fabrik von Peter, Cailler, Kohler in Orb« hergestellt. Die enormen Gewinne dieser Firma resultieren aus der raffi- nierten Ausbeutung sowohl der Arbeiter als der Konsumenten. Die Arbeiterschaft der Firma Peter, Cailler, Kohler versuchte wiederholt, sich zu organisieren, um in diesen Fabriken demokra- tischere Betriebsmethoden«inzuführen und einen etwas größeren Anteil am Ertrag ihrer Arbeit zu erreichen. Durch List oder durch Gewalt gelang es der Firma immer wieder, die Organisation zu zerstören. Anfang 1920 traten über 300 Arbeiter und Arbeiterinnen dem Berband der Handels-, Transport- und Lebensmittelarbeiter bei. Di« Firma Peter, Cailler und Kohler versprach absolut« Neu- tralitöt zu wahren. Doch unter dem Vorwand des schlechten Ge- schäftsgonge» entließ sie im Januar 1921 innerhalb 24 Stunden die tätigsten Mitglieder der Gewerkschaft, die schon viele Jahre in ihrem Dienste standen. Den Entlassenen wurde für zwei Monate der Lohn ausbezahlt. Di« Entlassenen protestierten energisch gegen die Entlassungen. Der Schweizer Gewerkschaftsbund verlangte wiederholt die Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter und Arbeiterinnen. Ein« Delegation der Gemeindebehörden von Orbe begab sich nach Veven(Sitz der Firma), auch das Schweizerische Arbeitsamt intervenierte, aber olles war umsonst. Die Firma verweigerte kategorisch die Wiedereinstellung der Eni- lassenen, was übrigens in einem Betrieb mit nahezu 1000 Beschäf- tigten leicht gewesen wäre. Der Schweizer Gewerkschaftsbund stellte hierauf folgende Begehren: Wiedereinstellung der Entlassenen auf späteren Termin, Gewährleistung der Koalitionsfreiheit, keine Maßregelungen wegen Zugehörigkeit zn der Organisation und ein« Erklärung, daß die Firma zu Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeiterschaft bereit sei. Auch hier weigerte sich die Firma, diese Forderungen anzu- nehmen. S i e will weder die Organisation aner- kennen, noch will sie mit ihr unterhandeln. Die Alleinherrschaft soll auch zukünftig in ihren Betrieben herrschen, ist sie doch das einzige Mittel, die Ausbeutung zu sichern, die die schönen Millionen einträgt. Organisierte Arbeiter und Konsumenten! Auf den Boykott dieser Firma gegen die organi- sierten Arbeier antwortet mit dem internatio- nalen Boykott gegen ihre Produkte! Der Schweizer Gewerkschaftsbund und die Gewerkschasts- internationale von Amsterdam haben sich davon überzeugen müssen, daß nur durch einen rücksichtslosen Loykotttampf der Starrsinn der Firma gebrochen werden kann. Diese Verbände zählen auf eure Solidarität!- Heute sollen nicht mehr ein paar Kapitalisten über Tmisende von Arbeitern gebieten können. Der Machtvollkommen- heit der Kapitalisten stellt die Macht eurer Solidarität entgegen! Hoch lebe die internationale Solidarität der organisierten Arbeiter und Konsumenten! Mit Genossengruß!/ D i e Internationale Union der Organisationen der Arbeiter und Arbeiterinnen der Lebens- und Genußmittelindustrie. zu entsprechen, wenn die Liebesgaben vor dem 1. Juki WM' aus dem Auslande abgeschickt worden sind. Die Klagen in einigen Zeitungen richten sich nun dagegen, daß ein Zollbeamter gesagt haben soll, der Tabak, dessen Annahme der Empfänger ablehne, werde entweder ins Ausland zurückgeschickt oder verbrannt. Die Postzollordnung schreibt vor, daß die Poststücke im Falle der Annahmeverweigerung durch den Warenempfänger an die Postverwaltung zur weiteren Verfügung(Rücksendung usw.) zurückzugeben sind. Die Zollver- waltung hat kein Recht, über die Ware zu verfügen; sie könnte also auch eine Vernichtung der Ware nur vornehmen, wenn der Ber- fügungsberechtigte etwa einen solchen Antrag stellen sollte. Der Verfügungsberechtigte kann auch z. V. den Antrag stellen zur Ueber- Weisung der Ware an Wohltätigkeitsanstalten, wenn er auf sein Eigentumsrecht zugunsten der Zollverwaltung bedingungslos ver- zichtet. Die Klagen in der Presse erkennen vollständig die Rechtslage sowie die Gründe, die zur Aufhebung der Abgabefreiheit für ge» dachte Waren geführt haben.___ Bank für Saar- und Rheinland. Die dieser Tage in Saarbrücken abgehalten« Generalversammlung der Bank für Saar- und Rhein- land(Banque de la Sarre et des Pays Rhenans)— einer Gründung der Straßburger Bankfirma Staehling, Valentin u. Cie., Banque d'Alsace-Lorraine sowie der Banque de Mulhouse— genehmigte den Abschluß und beschloß, aus dem Reingewinn in Höhe von 622 923 M. 8 Proz. Dividende zu verteilen. Interessengemeinschaft Skoda-Werke— Poldihütte. An der Prager Börse verlautet, daß die Interessengemeinschaft zwischen den Skoda- Werken und der Poldihütte einen weiteren Ausbau erfahren werde. Diese Ausgestaltung richtet sich namentlich auf die Beteiligung beider Unternehmungen an der Wiederaufbauarbeit in Rußland unter Hin- Zuziehung französischen Kapitals. Danzigs Außenhandel. Das Statistische Amt der Freistadt Danzig veröffentlicht zum ersten Male Angaben über den Außen- Handel der Freistadt. Sie beziehen sich auf die ersten drei Monate des Jahres 1921 und nur auf den Seeverkehr, während der ziemlich bedeutende Handel auf dem Landwege unberücksichtigt geblieben ist. Danach betrug die Wareneinfuhr nach Danzig in den ersten drei Monaten dieses Jahres 269 238 Tonnen, also durchschnittlich 84 418 Tonnen im Monat. Demgegenüber steht eine Ausfuhr von insge- samt 81 621 Tonnen für den gleichen Zeitraum. Die Einfuhr war asso dem Gewicht nach mehr als achtmal so groß wie die Ausfuhr, was besonders für die nach Danzig fahrenden Schiffe von großer Tragweite ist. Die Einfuhr zur See der ersten drei Monate von 1921 umfaßt an erster Stelle Kohlen. Reis, Roggen, Mehl, Weizen und Speisebohnen. Die demgegenüber bescheidene Ausfuhrmenge kam überwiegend ans Polen und verteilt sich in der Hm'ptfach« auf Holz, Zucker und Zement. Soziales. es Die Kkavierarbeiter zur Lohnfrage. Eine stark besucht? Versammlung der Kkavierorbeiter tagte am Freitag im„Reichenbcroer Hof", um zur scbwebenden Lohnfrage Stellung zu nebmen. Der Branchenleitrr Dorn berichtete über die bisher mit den Unternehmern gepflogenen Verhandlungen da- hin, daß die Forderung einer mindestens ISprozen- tigen Lohnerhöhung von diesen schriftlich a b g�e l e h n t worden ist. Als Begründung wird in dem Schreiben angeführt, daß die Berhältnisse in der Lebenshaltung zurzeit eine Lohnerhöhung nicht rechtfertigen könnten. Die Unternehmervereinigung sei aber be- reit, in ein« Verlängerung de? bestehenden Lohntarifs auf eineif Monat zu willigen.— Hierauf habe der Vorstand schriftlich eine Verlängerung des Lohntarifs abgelehnt und anderseits um eine noch- Mlige Prüfung der geforderten Lohnerhöhung ersucht. Die Ant- ■stfft stehe noch au«. Es frage sich nun, welche Stellung die Kollegenfchast hierzu -�»nehmen wolle. Soweit sich die Situation übersehen lasse, machen sich Zeichen einer Besserung in der Klovierindustri« bemerkbar, in einzelnen Betrieben herrsche aber noch Kurzarbeit. Der Hauptvor- stand habe einem eventuellen Streit zugestimmt. In der sich dem Bericht anschließenden Aussprache war die Stimmung entschieden dafür, nötigenfalls den Kampf für die drin- gend erforderliche Lohnerhöhung mit allen Mitteln aufzunehmen. Man hoftt aber noch, daß sich bei den Unternehmern die Erkenntnis durchringe, es liege auch in ihrem Interesse, durch die Gewährung der bescheidenen Zulage dem Kampf vorzubeugen.— Der Borschlag, bei allen Unternehmern, die sich ablehnend verhalten, sofort den Streik zu erklären, fand allgemeine Billigung. Doch dürfe nicht planlos und ohne vorherig« Zustimmung der Betriebskollegen zur Anwendung des letzten Mittels geschritten werden. Bor Eintritt in den Streik müsse die Meldung im Verbandsbureau erfolgen. Wenn in dieser Weise vorgegangen werde, dürfte der Erfolg nicht aus- bleiben._ Boykottierte Schokolade! Die Aktiengesellschaft Peter, Cailler, Kohler, schweize- rische Schokoladen in V e» e y, ist«in großes kapitalistisches Unter- nehmen mit einem Betriebskapital von ungefähr 30 Millionen Franken. Sie besitzt Fabriken in Droc, Hochdorf und Orbe(Schweiz), Entschädigung für die Angestellten der Reichs-Getreidestellc. Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle, daß das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschast beabsichtigt, für die, durch Einfüh- rung des Umlageocrfahrsns in Getreide, in kurzen Zwischenräumen zur Entlastung kommenden 3000?lngestsllten der Retchs-Getreide- stelle eine Abfindung zu erwirken und daß hierüber bereits Ver- Handlungen mit dem Finanzministerium schweben. Wir halten es nur für recht und billig, daß es diesen Angestellten ermöglicht wird, ihren Lebensunterhalt auch über einige Monate der durch wirtschastspolitische Maßnahmen herbeigeführten Stel- l'.mgslosigkcit hinaus zu fristen. Wie wir hören, wird demnächst eine Kabinettssttzung über diese soziale Fragen entscheiden, bei welcher auch die Resolution des Sozial- politischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrats, die im gleichen Sinne lautet, ausschlaggebend sein dürste. ver Landarbeiterstreik in der Amtshauptmannschaft Leipzig geht weiter. Die vom Demobilmachungskommissar einberufenen Einigungsoerhandlungen wurden als ergebnislos abgebrochen, da die Ar- beiter auf ihrer Forderung von 1,50 Mark Zuschlag pro Stunde ver- harrten, der Arbeitgeberverband aber nach wie vor die Forderungen der Arbeiter ablehnt. In Hamborg streiken die Gasarbcitcr. Gestern haben die Schmiede und die Gasarbeiter beim Gaswerk Barmbeck die Arbeit eingestellt. Die Arbeiter der Werke T i e s st a k und Gras- b r o o k schlössen ssch ihnen an. Das Elektrizitätswerk in Bremen ruht, weil die Heizer die Ar- beit niederlegten._ WLrtsiHcrft Aufhebung der Abgabeufreihell für Liebesgaben. Die Aufhebung der Abgabenfreiheit für Liebesgaben(Tabak- erzeugnisse, Wein, Schaumwein, Spirituosen) vom 1. Juli 1921 ab ist im Jnlande und besonders auch im Auslande in großem Umfang bekannt gemacht. Daß trotz alledem hier und da noch ein Paket ohne Kenntnis der Aufhebung der Abgabenfreiheit abgeschickt werden kann, ist selbstverständlich. Zur Vermeidung von Härten hat der Reichsminister der Finanzen die Landesfinanzämter durch Verfügung vom 21. Juli 1921 ermächtigt, berechtigten Wünschen aus Abgabe- freiheit, z.B. bei außergewöhnlicher Verzögerung des Transportes Praktische Selbsthilfe. Den PPN. wird geschrieben: In Neu Münster i.H. hatten die Industriellen ermöglicht, daß, wie die„Kommunale Praxis" berichtet, im April dieses Jahres mit dem Bau von 212 Klein- Wohnungen sofort begonnen werden konnte. Pünktlich mtt dem 1. August werden, wie vorgesehen, die Häuser schlüsselfertig sein. Infolge der Kosten, und weil die staatlichen Ueberteuerungszuschüsse nicht in erwünschter Höhe hereingekommen sind, war es leider nicht möglich, in den Wohnungen Gasanlagen einzurichten. Diesen Mangel haben die im Gewerkschaftskartell vereinigten Vertreter der organisierten Arbeiter durch folgenden Beschluß ab- geholfen:„Um zu ermöglichen, daß in den Kleinwohnungsbauten in jeder Wohnung Kochga» und«ine Leuchtgasflamme eingerichtet werden kann, erklären wir uns namens der von uns vertretenen Arbeiterschaft bereit, in den ersten vier Wochen des Monats Juli jede Woche einen vollen Stundenlohn zur Verfügung zu stellen. Der Abzug dieses Betrages vom Lohne soll durch die Arbeitgeber geschehen, der Betrag dem Gewerkschaflskartell aus- gehändigt und von diesem vom Magistrat ä fonds perdu überwiesen werden." Diesem vorbildlichen Beispiel sind sofort die Beamten und Angestelltenorganisationen gefolgt und dadurch die erforderlichen Kosten im Betrage von 343 000 M. ohne weiteres gesichert. p.ue aller Welt. Banditenkampf bei Breslau. Donnerstag mieteten der„Schlesischen Zeitung" zufolge Am fünf Männer in Breslau ein Automobil für eine Landfahrr. Auf der Rückfahrt nach Breslau verlor einer der Männer seinen Hut. Als der Chauffeur diesen geholt hatte, wurde er n I ch t m e h r in das Auto hineingelassen und zur Herausgabe seiner Papiere gezwungen. Die Insassen wollten nun die Fahrt ohne Ihn fortsetzen. Das Auto oersagte aber. Hierauf wurde der Chauffeur unter Geldoersprechungen aufgefordert, sich an einem gr- planten Raubzuge zu beteiligen. Der Chauffeur ging zum tzchein darauf ein, erklärte aber, er müsse zunächst sein Reparatur- Werkzeug aus der Stadt holen. Unterwegs begegnete er Polizei- b e a m t e n, mit denen er zu den Banditen zurückkehrte. Diese schössen auf die herankommenden Beamten, die das Feuer er- widerten, einen Mann töteten und einen anderen ve»» wundeten. Zwei Männer ergaben sich der Polizei, der fünfte entkam. Zuqüberfall In England. Eine Truppe bewaffneter Männer hat in B i s h o p t o w n einen Zug zum Stehen gebrackit und beraubt. Es fiel ihnen eine größere Summe Geldes in die Hände. Derant»». für den redalt. Teil: Dr. Werner Petler, Charlotten dura: fllr Anzeigen: TH. Glocke, Berlin. Berlas: Vorwärts-Verlaa G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor- wärts-Buchdruckerci u. BerlagSanltalt Paul Einacr u. So.. Berlin. Llndenftr. 3. Zur 2. Klass» am 5. u. O. Aug. Ziehung der Staats-Lottorie habe noch Kauflese ToriStlf - SO H. 1•(,— Sp»f. 'l.= 4« H. I>ß- H» H. Toll-t.eee ftr»N« Ifteee-m y,— MX. •U= IM M. »«MX. y,-- 4»,«. Cm X-4t.4Ha—— Berlin W. Bö, a• B BVÜUllWBg 9 Uerdenehei Markt 10. rostxeticck-Ktn. S1 15». Zähne m Brstkl. AusfOhrans:.» Jahre M. Garantie* Umarbeitg. alt. Gebisse. an Reparaturen sofort. Galdkronaa- Irucken. Teilzahl.<>-7, Sonnt. 9-1. Hempel, Dentist, Linieastr. 220, Entfettungs-Tabletten tfuaschSdl'.chst« mittel Jefffndjl., Ghne viätzrvang. cLewichtsabnahme bei ausgezeichnetem Wohlbefinden. pelikan-fipotheke, Marke daa•trfoloceiMtt* unl gcace |jja" M Obel zu niedrigsten Bretsen »irelt an Private. Niesenausuxthl. «ckdUf,. 1»88— 10765 Ä. Speise,. 1710— 18670®. aertenj.1753— 178459t. iestnz. 875-5880«. XÄchea 445- M«». Siefttung frto. Lagerung dostrnl. l»i&hr. Garantie. MOiel-llaa» Rejewste Sevlia, Saktr.•» IraMiiircellen zur Sewlrtflckaftuag.Kaf itals- anlage und Bebauung*or- zQflich geeignet, sehrbegaeei erreichbar, von 86 M. an die nR. 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