Nr.ZSH■» Z8. Jahrgang Ausgabe A Nr. 1S2 Bezugspreis» S'ikriegShrl. 30,— 331., monatL 10,— M. frei ins Saus, voraus zahlbar. Poll- iozug: Monatlich 10,— M. einschl. Au- fiellungsgebühr. Unier Kreuzband für Deutichland, Danjlig, das Saar- und Memelaebiet, sonne die ehemalz beul- Ichen Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— PP, sill das"übrige Ausland 27,— M. Poll- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Elowalet. Däne» mark, Sostand, Luxemburg. Schweden und die Schweiz, Der„Vorwärts"' mit der Sonntags» beilage„Poll und■feit", der Unterhaltungsbeilage.Keimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Sozialdemottal verlin" Morgen Ausgabe c ) Verlinev VolksbleM Anzeigenpreis, Dt« achtgespalten, NonparelNezeN« tostet ViO M..ftleln« Vnzelgen" da, lettgedruckte Wort ILO M.(zu- lässig zwei fettgedruckte Dortel, jede» weitere Wort 1,— M. Stellengesuch« und Schlasslellenanzelgei, da« erst, Wort U— Dl,, jede» wettere Wort SO Dsg. Worte über» Buchstaben zählen lllr zwei Worte. samllien-An. zeigen für Abonnenten Feile 1�—-DJ. vl« Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschl,». «nzelgen für dle nächste Mumme, müsien dl«» Ahr nachmittag» UN bauptgeschäft, Berlin EW 68, Linden» Itraße S, abgegeben werden. Geöffnet «an 9 Uhr früh dl» 5 Uhr abend». Zcntralorgan der fozialdemohrati fehen Partei Deutfcblands Reüaktion und Expedition: SW öS, eindenstc.Z Redaktion Morihplatz ISIAS— 97 ,ßcrn,prer»)rr. Moripplah I17SZ-sz Dienstag, den Ä. August ISÄI Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SV öS, Lindenftr. Z Äkernttirrrker« Verlag, Expedition and Inseraten. " sprcaicr' Abteilung Moritzplatz 117SS-S4 Internationale Tagung in Kopenhagen Anläßlich des Jubiläums der Dänischen Sozialdemokratie sind in der letzten Woche in Kopenhagen die Delegierten der sozialdemo- kratischen Partei von 11 Ländern versammelt gewesen. Anwesend waren außer den Vertretern der Skandinavischen Länder einschließ- lich Finnlands und des fernen Island die Delegierten von Belgien, Deutschland, England, Georgien, cholland und der Tschechoslowakei. Es wurde allseitig bedauert, daß die D e u t s ch- O e st e r- reicher und die anderen der Wiener Arbeitsgemein- s ch a f t angeschlossenen Parteien diesem Festtage der tapferen däni- schen Bruderpartei serngeblieben waren. Seit dem GenfK Kongreß waren die Parteien der zweiten Internationale nicht so vollzählig vertreten gewesen; deshalb nahm man inmitten der erhebenden Veranstaltungen des dänischen Festes die Gelegenheit wahr, zu einem internationalen Meinungsaustausch zusammenzukommen. ' In Versolg eines Beschlusses des Parteitages der Labour Party und der letzten Exekutiositzung der Internationale wurde beschlossen, im November eine internationale Zusammen- k u n f t einzuberufen, zu der auch mit der Teilnahme der Vertreter der Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft gerechnet wird. T s ch e i d s e sprach als Vertreter der georgischen Sozial- demokratie. Die Versammlung erklärte sich mit dem Londoner Be- schluß einverstanden, wonach sich die 2. Internationale zur Teilnahme an einer paritätischen Kommission bei einer Volksabstimmung über das Schicksal des georgischen Volkes erklärt. Das Wort hat jetzt die Sowjetregierung. Mit einer Ablehnung dieses Angebotes würde sie der Welt beweisen, wie wenig ihr an Wunsch und An- spruch des arbeitenden Volkes gelegen ist, und daß ihre sog. Diktatur des Proletariats auch nicht besser ist als die Knutenherrschaft zaristi- scher Generäle. Es wurde ferner die Herausgabe eines regelmäßigen Bulletins der 2. Internationale durch das Sekretariat in London beschlossen. Soeben ist die 1. Nummer dieses Bulletins in 3. Sprachen, deutsch, französisch und englisch, oer- sandt worden: sie enthält eine Zusammenstellung sämtlicher Be- schlüsse der 2. Internationale seit ihrer Neugründung in Genf. Die Wirkungen der Sanktionen. Unser belgischer Genosse de B r o u ck e r e, der auf der Rück- kehr vom dänischen Parteifest sich kurze Zeit in Berlin und in Viele- feld aufhielt, bereist gegenwärtig das besetzte Gebiet, um an Ort und Stelle die Wirkungen der Sanktionen zu studieren. Kautskp für Einigung. London, 1. August(Reuter.) In einem auf der heute in Stratford abgehaltenen Iahreskonferenz des sozialdemokratischen Verbandes verlesenen Briefe zollt Karl Kautsky tsem Kampf gegen den Bol- schewismus Anerkennung und erklärt,' eine Einigung des Sozia- lismus sei unerläßlich, besonders im gegenwärtigen Zeitpunkt, da die britische Arbeiterschaft der Vorkämpfer(prirekigbter) des inter- nationalen Pryletariats geworden sei. Die britische Arbeiterschaft sei schon allein stark genug, um' dem Imperialismus der herrschenden Staaten Widerstand zu leisten. Gberfter Ententerat einberufen. Paris, 1. August. Die Einladungen zur Sitzung des Obersten Rates, welche auf Montag, den S. August, feslgeseh? worden ist, wer- den heut abend an die beteiligten Mächte abgesandt werden. London, 1. August.(MTV.) Die Blätter veröffentlichen ausführliche Pariser Telegramme über das zwischen England und Frankreich in der obcrschlcsischen Frage erzielte Uebereinkom- m en.„Daily Chronicle" zufolge wird Lloyd George bei den Sitzungen des Obersten Rates zugegen sein.„Times" erklärt, daß die oberfchlejische Krise vorüber sei. Die gefundene Lösung sei der persönlichen Initiative B r i a n d s zu danken. Die Kommission der technischen Sachverständigen befasse sich bereits mit den Haupt- schwierigkeiten ihrer Ausgabe, und die vorgeschlageneu Grenzlinien Oberschlesiens werden in schwarz, rot und blau aus den Karten ver- zeichnet.— Auch Bonomi und Torretla werden erwartet. London, 1. August.(Reuter.) Im Unterhause erklärte Lloyd George auf eine Anfrage, die britische Regierung sei im Verlaufe der jüngsten Auseinandersetzung mit Frankreich lediglich von dem Wunsche geleitet gewesen, eine gerechte Lösung der oberschlcsischen Frage in Gemäßheit des Abstimmungsergebnisses und der Bestim- mungen des Friedensvertrages zu sichern. In Beantwortung von Zwischenrufen erklärte Lloyd George, es sei die Aufgabe der britischen Regierung, darüber zu wachen, daß Polen und Deutschen in gleicher Weise völlig rechtmäßige Behandlung zuteil werde. Lloyd George erklärte noch, er glaube, daß das deutsche Verfahren gegen die Kriegsbeschuldigten auf der Tagung des Obersten Rates Gegenstand der Erörterung sein werde. Der kollektivschritt noch nicht erfolgt. Der in Ausführung des englisch-französischen Kompromisses zu erwartende K o l l e k ti v s ch r i t t der drei Botschafter Frankreichs, Englands und Italiens in Berlin in der Frage der Erleichterung eines etwaigen Truppentransportes nach Oberschlesien ist, wie wir hören, bis zum gestrigen Abend noch nicht erfolgt. öanöenterror in Gberfchlesten. veuthen, 31. I- si(WTB.) Der Straßenbahnvertehr über Go- dullahütte steht ne.erdings vollständig unter der Kontrolle und dem Terror einer Bande. Fast jeder Wagen wird angehalten und die Insassen müssen sich eine peinliche Untersuchung durch die Banditen gefallen lassen. Heute wurden mehrere dcutschgestnnte Bürger aus Beuthen aus einem Wagen herausgeholt, abgeführt und mißhandelt. Die Straßenbahnschaffner und Wagenführer erklären, sie würden den Dienst einstellen, wenn nicht sofort für die nötige Sicherheit gesorgt werde. Anführer der Banditen, die fast alle Halleruniform tragen, ist ein bekannter Raubmörder, namens Muschiol. Hilfstag in Wien. Men, 31. Juli.(WTB.) Heute fand hier der Oberschlcsier-Hilfs- tag statt. Um 10 Uhr vormittags fand in der Volkshalle des Rat- Hauses eine überaus zahlreich besuchte Festversammlung statt. Daran schloß sich ein Konzerl der Kapelle der Wehrmachtbriqade. Nach- mittags und abends fanden in vielen Bezirken Wiens Veranstaltun- gen für das Oberschlesier-Hilfswerk statt. Die führenden Sym- phonieorchester der Stadt Wien stellten sich in den Dienst des Ober- schlesier-Hilfstages. In allen Straßen wurden Blumen in den Farben Oberschlesiens verkaust. Rene Ausweisungen aus Elsah-Lolhrlngen. Die amtliche„Corre- spondence de Strasbourg" gibt in ihrer jüngsten Nummer 72 Aus- Weisungen bekannt, darunter 40 Deutsche, 10 Italiener und 8 Luxem- burger, Rusilstb-polnisiber Konfliktstoff. Warschau, 31. Juli.(OE.) Die sowjetrussische Flagge � über dem Eingang zum Geschästslokal der russisch-utrainischen ! Sowjetmission in Warschau ist von unbekannten Tätern zer- rissen worden: Eine andere Sowjetflagge, die hoch über dem Gebäude angebracht war, ist gänzlich verschwunden. Dem Vorfall gingen Notizen in einigen Zeitungen voraus, in denen der auf- fallende doppelte Flaggenschmuck als provokatorische De- monstration bezeichnet wurde. Der Chef der Sowjetmission, Jgna- tosf, erklärt im sowjetoffiziösen Warschauer„Warschawski Golos", ! daß die Sowjetregierung Feststellung und entsprechende Bestrafung der Schuldigen erwartet. Da die Untersuchungsschwierigteiten, von deren Erledigung Tschitscherin die Ankunft des russischen Gesandten für Warschau ab- hängig gemacht hatte, eine Lösung gefunden haben, trifft die russische Sowjetvertretung nunmehr am 3. A u g u st in Warschau ein; sie wird im Hotel de Rome untergebracht werden. Verschwörung aufgedeckt. Terloki, I.August.(OE.) Die Sowjetpresse veröffentlicht einen einen ausführlichen Bericht Außerordentlichen Kommission(Tscheka) über eine in Petersburg aufgedeckte V�rswörung gegen die Sowjetregierung. Danach soll das Haupt der Verschwörung in Petersburg i Prof. Taganzew gewesen sein, ein ehemaliger hoher Justiz- beamter und Sohn des bekannten Reichsratsmitgliedes und Rechts- lehrers Taganzew: auch der Name des Fürsten Dimitri Sachow- s t o i wird genannt. An der Spitze der Auslandsorganisationen hatten der frühere zarische Premierminister K o k o w z e w und der Außenminister der Wrangel-Regierung S t r u v e gestanden, die für die Finanzierung des Unternehmens gesorgt hätten. Den Ver- schwörern hätten große Kapitalien, hauptsächlich französischen Ur- sprungs, zur Verfügung gestanden: sie seien mit S s a w i n k o f f, den polnischen Militärbehörden und der französischen Gesandtschaft in Warschau in Verbindung gewesen. Mehrere hundert Agenten und das Petersburger Vezirkskomitee der Verschwörer sind oerhaftet worden. Die Verschwörer hätten sich zum Ziel gesetzt, durch Terror ■ Demoralisation in die. Reihen der Kommunisten zu tragen und den Wirtschaftsapparat entgültig zu untergraben. Zu diesem Zweck j sollten verschiedene führende Kommunisten ermordet und u. a. ein Ueberfall aus den Sondcrzug Krassins verübt werden. Nach dem s Bericht der Außerordentlichen Kommission sollen die Aussagen der Verhafteten auch die Beteiligung ausländischen Kapitals am Krön- , st ä d t e r Aufstand ergeben haben. Der neue Aufstand sollte Peters- bürg und den Nordwesten Rußlands umfassen. Rußlanös Elenü. Der llnkerstllhungsaufruf der deutsch-Sslerreichischen Sozialdemo- kralie Halle bis zum Sonnabend in Wien allein zweieinhalb Rti lli o n en Kronen eingebracht. Aus Riga meldet der„Osb-Expreß": Die Zahl der unmittelbar von der Hungersnot' betroffenen deutschen Wolga- Kolonisten beträgt etwa 300 000. Das Moskauer Hilfskomitee hat für das Kolonistcngebiet l�f Milliarden Rubel zu sofortiger Hilfeleistung angewiesen. Die„Rigasche Rundschau" richtet einen Aufruf an die Deutschen der ganzen Welt, im Rahmen der Hilfs- aktion für Rußland die deutschen Wolga-Kolonisten zu unter- stützen, i Tragödie und Zarce. Die enthüllte KPD.-Zentrale. Von allen Worten des Meisters Karl Marx verdiente keines mehr, von unseren Kommunisten sorgfältig überlegt zu werden, als jenes aus dem„18. Brumaire", in dem gesagt wird, alle Dinge der Weltgeschichte ereigneten sich zweimal: einmal als Tragödie und einmal als Farce. Es scheint in der Tat das Schicksal der kommunistischen Bewegung zu sein, alle Irrtümer der Arbeiterbewegung mit wirbelnder Ge- schwindigkeit und mit grotesken Verzerrungen wiederholen zu müssen. Noch vor einem Jahr hielt man bei Blanqui und Baku- nin; jetzt aber hält man schon beim Jahre 1903; man hat seinen Revisionismus und seine„Sozialistischen Monatshefte*. die heißen jetzt„Unser Weg" und sind von Paul Le»! herausgegeben, dem in Acht und Bann getanen Opportunisten. „Unser Weg" richtet jetzt, angesichts des bevorstehenden Kom- munistentags von Jena, an die Parteileitung die Frage:„Will sie einen Parteitag oder eine Mameluckenversammlung?" Uns klingen diese Töne bekannt, aber freilich, die Beschwerde ist diesmal noch ganz anders begründet. Sagt doch„Unser Weg" selbst, die einstige Kampfmethode der Sozialdemokratie gegen ihre Opposition sei„die vollendetste Art der Demokratie innerhalb der Partei verglichen mit dem„H u l i g a n e n- t u m der Zentrale der VKPD.". Levi ist in Acht und Bann getan: es ist verboten, für seine Zeitschrift zu schreiben. Seine Mitarbeiter sind trotzdem ge- blieben, aber sie verbergen sich vor der Zentrale in Ä n o n y- m i t ä t l Sie haben alle Ursache dazu, denn wie die Inquisi- toren der Zentrale gegen das eigene Fleisch und Blut wüten, zeigt folgende Aufstellung der rechtskommunistischen Zeit- fchrift: Die Genossen Richard Müller, Heinrich Malz ahn und Bernhard D ü w e l l haben der Parteipresse polemische Artikel zur Parteidisküssion eingereicht Diese Artikel wurden zu- rückgewiesen.' Bei Beginn der Parteidisküssion nahm der Redakteur der„Süd- w e st d e u t s ch e n Arbeiterzeitung" in Frankfurt Stellung gegen die Zentrale. Er wurde aus der Redaktion entfernt, um in der Presse keine Opposition treten zu lassen. Die„Sozialistische Republik", unser Parteiorgan in Köln, erhob Einspruch gegen die Maßnahmen der Zentrale gegen die Opposition. Die Folge war eine Säuberung der Redaktion, die mit zuverlässigen Zentraleanhängern besetzt wurde. Der Genosse Schlösser, Redakteur der„Bergischen Volks- stimme", des Parteiorgans in Remscheid, polemisierte gegen den be- rüchtigten„Dynamit"-Artikel der„Roten Fahne". Die Zentrale verfügte daraufhin seine Entlassung. Angesichts dieser Verfolgungen holen die Rechtskommuni- sten zu einem schweren(Segenschlag aus. Sie veröffentlichen in ihrem Organ einen Brief, den Heinrich B r a n d l e r, der Vorsitzende der radikalifierten KPD.-Zentrale, der Ehrenvor- sitzende des„Moskauer Weltkongresses", am 17. Juni d. I. — nach feiner Verurteilung zu fünf Jahren Festung— an feine Kollegen von dxr Zentrale gerichtet hat. Sie enthüllen damit diesen anerkannten Heiligen der alleinseligmachenden Kirche als einen argen Sünder. Sie zeigen damit, wie öffent- lich ein hundertprozentiger Radikalismus gepredigt wird, während man heimlich einem ganz verkniffenen Opportunis- mus huldigt, man kann hier schon sagen: Opportunismus bis zum Erbrechen. B r a n d l e r schreibt: Werte Genossen! Ich habe acht Tage Urlaub bekommen. Ich nehme an. daß die Regierung meine Flucht wünscht. Ein Grund für mich, jetzt nicht zu fliehen. Ich benütze die Gelegenheit, Euch über die Art meiner Prozeßführung meine Gründe mitzuteilen. Ich wollte ursprünglich den Prozeß rein agitatorisch mit der Wir- kung allein nach außen führen. Ich bin davon abgekommen, weil sich im Verlaufe der Voruntersuchung herausstellte, daß die INög- lichkelt besteht, eventuell Festung statt Zuchlhauastrafe zu bekommen. Ich brauche Euch nicht zu versichern, daß nicht persönliche Gründe, wie größere Bequemlichkeit bei Festungsstrafe, für mich ausschlag- gebend waren. Als sich im Verlause der Voruntersuchung die Mög- lichkeit einer eventuellen Festungsstrafe herausstellte, habe ich meinerseits alles getan, um mich mit der Zentrale zu verständigen. Ich tat das durch mein« Frau, durch meinen Rechtsanwalt. Es wurde Mir von Rechtsanwalt Weinberg, von meiner Frau und von S t ö ck e r, der mich einmal im Gefängnis besuchte, mitgeteilt, daß die Zentrale mit der von mir vorgeschlagenen Prozeßführung, die darauf abzielte, Fcstungsslrafe zu erwirk-n, einverstanden sei. Eben- so ließ ich anfragen, ob Bedenken beständen, die Leumunds- zeugen aus Chemnitz zu vernehmen, um den Zweck zu er- reichen. Auch damit erklärte sich Stöcker und, wie Weinberg mir mitteilt«, auch Pieck und August einverstanden. Das Zeugnis Levis habe ich von vornherein abgelehnt, obgleich Weinberg immer wieder versuchte, ihn heranzuholen. Jetzt hinterdrein ist Meyer, Walcher und Eberlein der Meinung, daß dies falsch war. Die alte Komödie der Irrungen.... Die Möglichkeit, Fcstungsstrafe herauszuholen, ergab sich aus zwei Umständen. Der Staatsanwalt Polzer hatte zum erstenmal einen politischen Prozeß, und versteht»ou der Politik so- ff viel, wie die Kuh vom Seiltanzen. Er war der Meinung, daß jeder Lommunift und gar der Vorsitzende der Partei eine Art veroiel- fältigtcr Verbrecher ist. Als er merkte, daß ich ihn bei der ersten Aernehmung, wo ich jede Aussage verweigerte, nicht auffraß, war seine Auffcefsung von den Kommunisten erschütteret. Wir hatten dann noch stundenlang politisiert. Ich konnte mich ihm gegenüber nur verständlich machen, wenn ich ihn vc-n der nalionalbolschewisti- schen Seile bearbeitete. Das gelang mir. Ich erfuhr, daß «nein Gericht von zwei Leitgedanken getragen wird: Kommu- nistenoerfolgung und die»schlappe Regierung" ärgern. Wenn die Möglichkeit bestand, denOrgeschrichternzusuggerieren, daß es die Regierung ärgern würde, wenn sie mich zu Festung oerurteilten, war Ausficht, Festungs- strafe zu erzielen. Das waren die Voraussetzungen» die er- füllt werden mußten bei der Art meiner Verteidigung. Brandler redet sich dann weiter darauf hinaus, daß feine Verurteilung nur zu Festung für die anderen Verurteilten günstig sei. Man werde dann sagen, wenn der Anstifter nur Festung habe, dann könne man die Verführten nicht im Zuchthaus sitzen lassen. In Wirklichkeit macht der Brief klar, daß es Brandler nur darauf ankam, koste es was es wolle, seine eigene edle Haut so weit wie möglich in Sicherheit zu bringen. Zu diesem Zweck bediente er sich einer äußerst verschlagenen, mehr als„opportu- nistifchen" Taktik, zu der er zunächst auch den Segen der Zentrale bekam. Erst nachträglich stiegen einigen gewisse Bedenken auf. Der Staatsanwalt wird nationalbolschewistisch geködert, die reaktionären Richter werden in den Glauben ver- setzt, sie könnten die Regierung ärgern, wenn sie ihn nur zur Festung verurteilen— aber was Brandler den Rich- tern einredet, glaubt er selber nicht, nimmt er doch an. die Regierung habe ihm Urlaub erteilt, um ihn entwischen zu lassen. Man bekommt seltsame Einblicke in das Ineinander- arbeiten vonKommunismusundJustiz, und Brand- lers Richter haben alle Ursachen, sich zu den Beschuldigungen, die der von ihnen gnädig Verurteilte gegen sie erhebt, zu äußern. Bleibt ihr Bild aber noch einigermaßen im Dunkeln, so ist jenes Drandlers klar und vollständig. Worte der mensch- lichen Wertschätzung, die wir für ihn früher an dieser Stelle geäußert haben, muffen wir nach dieser Entlarvung mit De- dauern zurücknehmen. Man könnte sagen, wenn Brandker sich wie e i n Schwindler benommen habe, so seien es doch eben nur die Richter gewesen» die er, der Angeklagte, beschwindelt habe. Daß aber der Mann bereit ist, die Arbeiter mit der gleichen Eleganz hineinzulegen, zeigt eine «eitere Stelle seines Briefes, in der er sein Programm ent- wickelt. Da heißt es: I»ir dürfen keine Angst haben, zu wenig radikal z n fein. Wir müssen konkrete Vorschläge für das wieder- gukmachungsprogramm machen, die von der Regierung nalür- lich nicht durchgeführt werden können, von denen aber die nichlsoziallslischen Arbeilerm ästen den Eindruck haben müssen, daß sie bei gutem Willen und bei ihrem Glauben an die bürgerliche Demokratie im Rahmen dieser Demokratie durch- zuführen wären. Also, den Arbeitern soll eingeredet werden, daß Forde- rungen durchführbar wären, von denen man weiß, daß sie u n durchführbar sind! Die Politik des Massenbetrugs, die von der KPD.-Zentrale täglich praktiziert wird, wird von dem Ehrenvorsitzenden des„Moskauer Weltkongresses" zur Höh« eines kommunistischen Prinzips erhoben. Der Mut, nicht radikal zu sein, will sich doch hinter dem Vorhang eines glitzernden Schein radikalismus verbergen, den hungernden Mosten sollen leere Schaugerichte aufgetragen werden. Uner- fiillbare Forderungen sollen gestellt werden, um dann, wenn sie naturgemäß unerfüllt bleiben, mit der Miene der Ent- rüstirng kreischen zu können:„Die Regierung hat Schuld! Die Sozialdemokraten haben schuld, die Unabhängi- gen haben schuld!" Man kann den Rechtskommunisten den Triumph nach- fühlen, den sie empfinden, da sie den kanonisierten Heiligen des kommunistischen.Radikalismus in solcher Art und Weise enthüllen können. Die„Rote Fahne" aber tobt: Eine neue Nummere des„Sowjet", jetzt„Unser Weg", d. h. Levis Weg genannt, erscheint. Die früheren Mitarbeiter Geyer, Düwell, Marcu ufro, sind zu feige, ihre Produkte mit Namen zu zeichnen.... Im übrigen scheuen sich die Herren nicht, einen gestoh- lenen Brief zu veröffentlichen, und dazu nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob Heinrich B r a n d l e r sich zum Mit- arbeiter des„Unser Weg" erniedrigt habe. Der gemeine Lump, der die Gelegenheit seines Aufenthaltes in den Räumen der Zentrale benutzt, um zu stehlen, muß auf dem schnellsten Wege mit Schimpf und Schande aus der Partei gestoßen werden. Es wird hoch st e Zeit. In Frankreich sagt man, alles endet mit einem Liedchen, einem Chanson. Vei den Kommunisten ist es ebenso, nur ist das Liedchen recht eintönig. Zuletzt heißt es immer: „Schmeißt ihn hinaus!"_ Die gestrige Kabinettositzung. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, beendete das Reichskabinett auch in seiner gestrigen Sitzung noch nicht die Beratung der Steuervorlagen. Die Besprechungen werden durch eine Reise des Reichskanzlers W i r t h nach Bremen eine Unterbrechung erfahren: die Beratungen werden am Mittwoch fortgesetzt werden. Wie wir weiter hören, ist das Kabinett zu der Ueberzeu- gung gekommen, daß die Vorschläge des R e i ch s w i r t- schaftsmini st ers bezüglich der Erfassung der Goldwerte einen Weg in der Erfüllung unserer Leistungsverbindlichkeiten der Entente gegenüber bedeuten. Tendenzmeldungen einiger Berliner Blätter, die von einer Zwiespältigkeit im Ka- binett und einer Gegnerschaft zwischen Finanzminister und Wirtschaftsminister wissen wollten, beruhen auf freier Erfin- dung._ Stresemann erklärt. Der„Vorwärts" brachte am 20. Juli eine Veröffentlichung aus dem„New Dork Herald", die aktenmäßig die Verhandlungen Strefemanns mit der englischen Regierung schilderte, die er während der letzten Tage vor dem Ablauf des Ultimatums geführt hat. Die Dokumente gaben ein einwandfreies, klares Bild von dem Willen Stresemanns und damit der Deutschen Volkspartei, unter bestimmten Vor- aussegungen, deren nian sich durch die englische Regierung inoffiziell zu versichern bemüht war, für die Annahme des Ultimatums zu stimmen. Es kam nicht dazu, wenigstens nicht bei der Mehrheit der Deutschen Volksparteiler, weil die Zusicherungen der englischen Regierung einen Tag zu spät eintrafen. Zum anderen schwenkte die Deutsche Volkspartei aus parteipolitischen Gründen in die Opposition ab, weil sie inzwischen gesehen hatte, daß nicht nur das Zentrum für die Annahme stixnmen wollte, sondern auch die Sozialdemokraten bereit waren, in der Stunde der Not in die Bresche zu springen. Die Veröffentlichung des„New Dork Herald" bedeutete bei der Spannung zwischen Frankreich und England für die englische Regierung die Notwendigkeit, sich zu dementieren. Sie tat das in so unklarer Form, daß jeder daraus lesen mochte, was er Lust hatte. Jetzt meldet sich nun der Hauptbeteiligte. Stresemann, M der„Deutschen Allgemeinen Zeitung". Die Länge seiner Er- klärungen steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Klarheit. Parteipolitisch geschickt beginnt Stresemann seine Verteidigung damit, daß er einen Hieb gegen das Zentrum führt, von dem er betont, daß es am 8. Mai geschlossen und bedingungslos für die Annahme gewesen sei. Er, der große Stresemann, habe versucht, dos Zentrum dafür zu gewinnen, nur dann Das Surgenlanö. Bis zum 27. August hat Ungarn das Burgenlaud, das Land der Heidebauern und der Heinzen, Deutschösterreich zu über- geben, und wenn dieses Stück Deutschland auch durch ein Machtgebot von uns noch getrennt ist, so dürfen wir uns doch freuen, daß wenigstens diese» deutsche Land heimkehrt zum Dolksganzen, dem soviel andere» abgerissen ward. Reicht Deutschösterreich wieder bis über den Neusiedlersee und ist Oedenburg seine Grenzstadt, so bleibt von den früheren iX Millionen Deutscher nur noch eine halbe Mil- Non unter ungarischer Herrschaft, nachdem der Rest von der Tschecho- flowakei und Südslawien und Rumänien„ekngemeindet" worden ist. Al» Karl der Trohe dem Frankenreiche die Ostmark gegen die Riiubervölker der Donau-Theiß-Ebene schuf, reichte sie schon bis an die Raab, und bereit» die Denkschrift von ,872 über„des Erzbistum» Salzburg Siedlung», und Berchristllchungsarbeit' erwähnt zahlreiche Orte und Romen aus dem Heinzenlande. Erst die Bedrängnis des Z« jährige» Kriege» und die Hilfsbedürftigkeit des Kaisers gegen Schweden und Böhm«, ließ ihn» n d g ü l t i g das Land den Ungarn überweisen. Da im«urgenland bte krifiallstetnigen Kämme der steirischen Zentralalpen unter die Niederungsebene sinken, trifft man dort oll die Mineralien wie in den Alpen selbst: neben einem aufgelasienen Eisenerzbau wird Stein- und Braunkohle, besonders jedoch das wertvolle Antimon neben Kalken und Formsand gefunden, und wo Basaltbrüche auf alte Dulkantätigkeit hinweisen, fließen heute noch Sauerbrunnen und Badequellen. Wie Nieder- österreich ist auch das Burgenland ein Weinbaugechiet. Nach der langen ungarischen Gewaltherrschaft werden Deutsch- österreich besonders im Schul« und Bildungswesen größere Aufgaben erwachsen: an Lehrern wird es ihm nicht fehlen, da ihrer genug aus den Nachfolgestaaten vertrieben worden sind. Vom Geistesleben der Heinzen ist neben einer Reihe nicht allzu beträchtlicher Dichter aus älterer und neuerer Zeit der lebende Hut- macher Josef Reich! wegen seiner Dialektpoesi« zu nennen. IasephHaydns langjähriger Aufenthalt, Schloß Eisenstadt, liegt im Burgenland, Franz L i s z t aber ist in Oedenburg selbst geboren und auch der große Schauspieler Josef Kainz entstammte dem westungarischen Wieselburg: der Bayreuther MeisterdirigentvH ans Richter war au» Raab und der Anatom I o f« f H i r t l au» Esten- ftadt. Bezöge man erst noch da»„tschechoslowakische Bratislava" ein. jenes Preßburg. wo niemals Tschechen und nur wenige Slowaken gelebt haben, so könnte man die Liste deutschwestungarijcher Künstler und Gelehrten noch bedeutend erweitern. Die uralte Tätigkeit der katholischen Kirche in dem Lande läßt erraten, daß zahlreiche gotische Gotteshäuser mit vielem künstlerischen Inhall neben den Schlöffer» »md Burgen des Lande» stehen. Richard Lernstein. Der neue Rektor der Berliner llnioersiläl für das Amtsjahr 1921/22 wurde gestern abend gewählt. Die Wahl fiel auf den Chemiker Prof. Dr. Walter N e r n st. Rernst, der vor wenigen Tagen fein S7. Lebensjahr vollendete, ist in weiten Kreisen besonders als Erfinder der„Nernst-Lampe", einer elektrischen Glühlampe und durch andere praktische Berwer- tungen seiner Forschungen für Beleuchtungszwecke bekanntgeworden. Deutsche TNeeresunlersuchungea in nordischen Gewässern. Der deutsche Forschung-dampfer Poseidon hat mit Genehmigung des Ministeriums im Hoegs- und Lysesjord Untersuchungen über Beschaffenheit, Temperatur und Salzgehalt des Mccreswaffers anqe- stellt. Die Poseidon-Expedition wird vier Wochen in den Ge- wässern bleiben. Dwartige- Untersuchungen sind für die Fischerei von großem praktischen Wert, da die Ausbreitung und Man- derung der Nutzfische im hohen Grade von der Beschaffen- heit de. Waffer» abhängig ist. Lehmbau od« Ziegelbau? Dieser Taqe fand in Sarau, der Hochburg des Lehmbaue», unter großer Beteiligung der Beoölte- rung eine öffentliche Versammlung statt, in der die Frage„Lehm- bau oder Ziegelbau" behandelt wurde. Trotzdem der Lehmbau von Stadtüaurat Faul verteidigt wurde, sprach sich die allgemeine Stimmung gegen ihn aus. Die Anhänger und auch Stadtbaurat Faut geben zu, daß der Lehmbau dem Ziegel- bau in keiner Weife ebenbürtig ist. Ob kleine Ersparnisse gegenüber dem Ziegelbau erzielt werden, konnte mit Bestimmtheit nicht festgestellt werden, es schien aber erwiesen, daß etwaige Er- sparnisse durch Kosten für Sicherungsarbeiten wieder wettgemacht werden. Gegenüber der Behauptung, daß der Lehmbau der Ar- beitslosigkeit abhelfe, wies ein Vertreter der.Arbeitnehmer darauf hin, daß etwa drei- bis viermal soviel Arbeiter beschäftigt werden könnten, wenn man den Rohstoff zu Ziegeln brenne. Man werde dann auch Dauerbauten erhallen und der Wohnungsnot durch- greifend abhelfen. Am Schluß der Versammlung wurde ein Schiedsgericht von vier unparteiischen Fachleuten gewählt, das die Frage Lehm- oder Ziegelbau eingehend untersuchen s»ll. flunslgewerbeschau in Palästina. Seit Jahrhunderten und Jahr- taufenden ist zum erstenmal wieder in Palästina ein Aufschwung der Kunstübung zu spüren, und ein Zeichen dieser Bewegung ist die Kun st ge werbeschau in Jerusalem, die von der„Pro Ierusalem-vereinigung" veranstaltet und durch den englischen Ober- kommiffar Sir Herbert Samuel feierlich eröffnet wurde. Das Gebäude, in dem sie stattfindet, liegt inmitten der Ruiqcn der Zitadell« und der alten Davidstore, stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert und setzt sich aus einer Gruppe von Türmen zusammen, deren Gemächer von Grund aus wiederhergestellt wur- den und dauernd zu Ausstellungszwecken dienen sollen. Samuel wie» in seiner Eröffnungsrede darauf hin, daß die Kunst in Palästina neben Landwirtschaft und Industrie eine Zukunft haben müsse, unv zwar solle sie nicht nur für den Bedarf des Inlandes, sondern auch für den Außenhandel arbeiten. Die Ausstellung besteht aus drei Abteilungen:„Kirnst und Handwerk der Bereinigung jüdischer Künstler".„Mohammedanische Kunst" und der Abteilung des Stadtbauwesen». Di« oielselligst« dem Ultimatum zuzustimmen, wenn die Entente und im be- sonderen England Entgegenkommen in der Angelegenheit der Aufhebung der Sanktionen und der oberschlesischen Frage zeige. Es sei ihm dann, weil sein Vorschlag leider nicht all- meine Zustimmung, fand,„nichts anderes übrig geblieben", als persönlich eine Stellungnahme der eng- tischen Regierung herbeizuführen. Da im all- gemeinen nicht üblich ist, daß Führer einer großen Partei auf eigene Faust mit fremden Regierungen verhandeln, wenn sie nicht inoffiziell als zukünftige Männer, als kommende- Ka- binettschefs oder ähnliches auftreten, so scheint uns die von ihm geschilderte Methode des Herrn Stresemann, persönlich aus Freude an der reinen Wissenschaft mit England zu ver- handeln» ganz originell. Damit wird aber seine Erklärung noch deutlicher eine Entschuldigung, eine Umdeutung des T a t b e st a n d e s, als sie es ohnedies schon gewesen wäre. Stresemann bestätigt, daß die Antwort Englands an ihn um einen Tag zu spät, 24 Stunden nach der Annahme des Ultimatums durch die heutigen Regierungsparteien, ihm zu- gegangen sei.. Das ist wieder eine Feststellung negativer Art. Was wollte denn Herr Stresemann mit der Antwort an- fangen, wenn sie zur rechten Zeit gekommen wäre? Darüber gibt er leider keine Auskunft, ob er sie dann still in seine Tasche gesteckt hätte oder ob er sie zu einer politischen Aktion als Führer der Deutschen Volkspartei auszunutzen geneigr gewesen sei. Alle Verständigen werden mit uns einer Meinung. darm bleiben, daß die Erklärungen des Herrn Stresemannn in dem, was er nicht erläutert/den Beweis dafür bringen, daß er als Führer der Deutschen Volkspartei geneigt gewesen ist, dem Ultimatum zuzustimmen. Das hätte aber in jenen Tagen logischerweise bedeutet, daß die Deutsche Bolkspartei in die Regierung eingetreten wäre, damit wurde Stresemannn mög- licherweise Reichskanzler. Jetzt die Ding« auszudeuten und die Tatbestände umzubiegen, ist ein Beweis für die Richtig» keit unserer seinerzeit geäußerten Auffassung. Es wird der Deutschen Volkspartei nicht glücken, bei den Arbeiten für die Erfüllung des Ultimatums in den nächsten Monaten das Wohlleben der reinen Opposition zu führen. Sie ist, wie die Stresemannschen Erklärungen erneut beweisen, gewillt ge- wesen, das Ultimatum anzunehmen, sie ist in die Opposition gegangen, well sie sah, daß auch ohne sie eine Mehrheit für die Annahme vorhanden war. Wir geben zu, daß diese Stellung parteipolitisch und wahltaktisch nicht ungeschickt ist, das ändert nichts an ihrer Verurteilung vor der Geschichte. Christentum. Wir haben in Verlin auch eine Zeitung des sogenannten evangelischen Christentums. Es ist„Der Reichsbote". Er be- richtet in fünfzehn Zeilen über den„Pazifistenrummel" und meint damit die gewaltige Friedensdemonstration vom Sonn- tag. Er spricht von einer kindischen Parole.„Nie wieder Krieg!", das ist dem Blatt der evangelischen Christen kindlich! Besonders entrüstet sich die Zeitung der protestantischen Pfarrer darüber, daß alle Redner betont haben, der Kriegs» gedanke müsse nicht nur im öffentlichen Leben, sondern vor allem in der Schule. Kirche und in der Familie be- kämpft werden. Der Wille der Kriegsgegner, sich auch persön- lich gegen den Revanchegeist einzusetzen, nennt diese Frömmig- keit eine Demonstration für planmäßigen Dater- landsverrat. Was würde Christus wohl sagen, wenn er diese perversen Apostel seiner Idee mit anhören müßte? Ueber die sozlalpoli tische Gesetzgebung des Reich« feit 9. Ro- vember 1918 orientiert das im Verlag Reimar Hobbing, Berlin erschienene, 467 Seiten starke Wert„Arbeitsrecht und Ar» beiterschutz, einschließlich der Versorgung und Fürsorge für die Kriegsopfer", das die Denkschrift des Reichsarbeitsministers Dauer für die Nationaloersammlung fortführt. Der Preis des Werkes ist 40 Mark. und bedeutendste Gruppe ist die jüdische, In der vortreffliche Schmuck- gegenstände, Kameen, Büchereinbände, Kupfergeräte usw. auffallen. Besonders Dortresfliches bietet die Ausstellung in Handarbelten. Da sieht man wundervolle Spitzen und Gardinen, prächtige Tapeten, alles in Palästina von dort eingerichteten Schulen und Fabriken ver- fertigt. Ferner sah man eine neue Art Keramik, hie von Arabern herrührt und stark an italienische Majolika erinnert, Erzeugnisse Jerusalemer Webereien und auch alte mohammedanische Kunst- gegenstände. Ein Tier, das nicht trinkt. Die Strauße im Londoner Zoo« logischen Garten haben einen Rekord aufgestellt: sie haben seit einem Jahre nicht getrunken. Früher hatten die Strauße einen stets reich- lich gefüllten Wasserbehälter in ihrem Käfig, bis der Straußensach- verständige der südafrikanischen Negierung Prof. I. E. Duerden den Zoo besuchte. Er riet, man solle das Wasser ruhig aus dem Käfig herausnehmen, denn diese Vögel brauchten nicht zu trinken und be- fänden sich dabei sehr wohl. Nun hqben die Strauße schon ein ganzes Jahr lang keinen Tropfen Flüssigkeit zu sich genommen. Der Wasser- gehalt des grünen Gemüses, das sie erhalten, genügt ihnen äugen- scheinlich vallsiin big. Gegen den lendenflösen Geschichtsunterricht in unseren Schulen wendet sich das 2. Heft der Verhandlungen des Dresdener Kultur- tages, das unter dem Titel„Der neue Geschichts unter- r i ch t" soeben in der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 63, er- schienen ist.(Preis 6 M.) Prof. Ludo Hartmann- Wien behandelt das Thema: „Geschichtsauffassung und Gcschichtsdarstellung" und Nikolaus Hcnnigsen- Hamburg zieht die Folgerungen daraus für die Neugestaltung des Geschichtsunterrichts an unseren Schulen. Das Heft gehört In die Hand eines jeden sozialistischen L e h- r e r s, es sollte aber auch von allen denen gelesen werden, die ein Interesse an der Erziehung unserer Jugend im neuen Geiste, ein Interesse auch an den Problemen der sozialistischen Geschichtsauf- fassung haben. Besser als manches dickleibige Werk werden die hier zusammengefaßten Vorträge in kurzem, knappem Abriß zur Auf» klärung über diese Fragen geeignet sein. Sie zeigen, an welchen Stellen der Hebel auf diesem wichtigen Gebiete anzusetzen ist, wenn das neue Geschlecht nicht im Banne der alten, obrigkeitlichen Ge- schichtsaussassung heranwachsen soll. Sie werden den Eltern und besonders den Elternbeiräten ein Rüstzeug in die Hand geben, um den Kampf gegen den tendenziösen Geschichtsunterricht aufzunehmen, durch den unsere Jugend auch heute noch im dritten Jahre der Republik an der überwiegenden Mehrzahl aller deutschen Schulen vergiftet wird._ Professor Friedrich Czapek, der Direktor deS Leidziger Botanischen Garlcn«, der erst im vorigen Semester von Prag an dt« Universität Leipzig berufen wurde, ist im 54. Lebensjahr plötzlich einem Herzschlag erlegen. Zum Intendanten des Dresdener Ztnatstbcaters W der bis- berige Diieltor des Sladtthcatcr» in Zürich, Dr. Alsred Reucker, berufen worden. Edmond Perrier, Mitglied des Instituts und ehemaliger Letter det Museum» für Naturgeschichte, ist in Paris gestorben. Kr. 359■> 38. Jahrgang steae öes vsrWärts D!2nstag, 2. Mgusi 192? Kampf,» o« Hsrlmer Holzindustrie JBcn M. Käufer. Möbelfabrikation und Tischlergewerbe spielen im Berliner Wirtschaftsleben eine erhebliche Rolle; das Interesse, das wei- tere Kreisender Bevölkerung dem sich entwickelnden Kampfe in diesem Berufszweig entgegenbringen, ist schon allein deshalb wohlbcgründet. Es kommt aber hinzu, daß es sich nicht um einen gewöhnlichen Lohnkampf handelt; in erster Linie for- dern die Arbeiter dieZlnerkennungdesReichsman- telvertrages für das deutsche Holzgewerbe, ein Dertragswerk, das überhaupt keine Lohnsätze enthält, son- dern nur die Voraussetzungen schafft, unter denen die Löhne in den einzelnen Bezirken geregelt werden sollen. Groß-Berlin soll einen der 17 Bezirke bilden, in die das Deutsche Reich zum Zwecke der Schaffung von Landeetarifverträgen gegliedert ist. Boraussetzung für die Schaffung des Landestarifvertrages, in dem in der Hauptsache nur der Lohn iwrmiert wird, ist die Anerkennung des Reichsmantelvertrages, die von den Ber- einigten Verbänden der Berliner Holzindustrie verweigert wird. Das Berliner Tischlergewerbe umfaßt neben einigen Groß- betrieben eine sehr beträchtliche Zahl von mittle- renund kleinen Unternehmungen. Das macht es erklärlich, daß Differenzen und Lohnstreitigkeiten kleineren Umfanges nicht gerade zu den Seltenheiten gehören. Es ist ober schon recht lange her, daß Berlin einen großen, um- fassenden Kampf im Tischlergewerbe gesehen hat. Zu Beginn dieses Jahrhunderts haben sich solche Kämpfe in kurzen Zwischenräumen wiederholt. Damals wurde von Berlin aus die Gründung des Arbeitgeber-Schutz- Verbandes für das deutsche Holzgewerbe be- trieben. Der damalige Führer der Berliner Tischlerinnung und Leiter des Bundes deutscher Tischlcrinnungen, der energische Obermeister R a h a r d t, hat diese Gründung hauptsächlich ge- fördert. Sie sollte ein Mittel sein, dem aufblühenden Deutschen Holzarbeiterverband das Rückgrat zu brechen. In den Be- trieben der Holzindustrie sollte ein Regime eingeführt werden, ähnlich dem in der Großindustrie, in der das damals mächtige Scharfmachertum mit aller Macht den Standpunkt des Herrn im Haufe zu wahren trachtete. Den Höhspunkt der sich damals in schneller Folge wieder- bolenden Lohnkämpfe war die große Aussperrung im Frühjahr 19V 7. Sie wurde inszeniert, um den Berliner Tischlern einen unannehmbaren Vertrag aufzuzwingen. Der junge Arbeitgeber-Schutzverband sollte bei. dieser Gelegenheit seine Feuerprobe bestehen; deshalb wurde die Aussperrung auf zahlreiche weitere Städte im Reich ausgedehnt. Das Ergebnis des 17 Wochen währenden Ringens war eine eklatante Nieder- läge des Arbeitgeber-Schutzverbandes. Seine Leiter mußten erkennen, daß sich die 5)olzarbeiter nicht nieder- zwingen lassen, und daß mit Scharfmachereien bei ihnen nicht anzukommen ist. Das Ende jener Aussperrung war zu- gleich der Beginn des planmäßigen Ausbaues der Tarifvertragsidee im deutschen Holzgewerbe, dessen letztes Ergebnis der soeben abgeschlossene Reichsmantel- vertrag ist. Der Arbeitgeber-Schutzverband für das deutsche Holzge- werbe hat in den letzten Iahren manche Wandlung erfahren. Neben ihm haben sich eine Reihe anderer Arbeitgeberverbände in der Holzindustrie gebildet, zum Teil durch den Abfall ganzer Bezirke von der Mutterorganisation- Zu diesen abgefallenen Bezirken gehört auch Berlin. Hier hat man inzwischen den Obermeister Rahardt abgehalftert: als Präsident der Hand- werkskammer ist er kaltgestellt. Rahardt hat im Laufe der Jahre die Erfahrung gemacht, daß die von ihm früher verfoch- , tene Scharfmacherei nicht zum Ziele führt, und daß es z w e ck- mäßiger ist, sich friedlich mit den Arbeitern zu verständigen. Sein Nachfolger in der Führung der Tischlerinnung und der Leitung der Vereinigten Verbände der Verliner Holzindustrie wurde der Obermeister P a e t h. Dieser Mann ist von einem krankheiten Ehrgeiz besessen; er möchte gern der Führer der Unternehmer des ganzen deutschen Holz- gewerbcs werden, obwohl er nicht über weitere Eigenschaften verfügt, als über eine starke Aufgeblasenheit, die ihn dazu ver- führt, die Bedeutung seiner Person weit zu überschätzen. Unter der Führung von Paeth sind die Berliner Unterneh- mer aus dem Arbeitgeber-Schutzverband ausgetreten. Er will sie auf den gleichen Weg leiten, den lie vor zwanzig Jahren gegangen find, und der ihnen damals gar nicht gut bekommen ist. An den jetzt abgeschlossenen Vertragsverhand- l u n g e n waren allsnamhaftenArbeitgeberver- bände des deutschen Holzgewerbes beteiligt, auch die Berliner Verbände, die sich in der Verhandlungskom- miffion durch Paeth vertreten ließen. Hier war er sichtlich bemüht, die Führung der Unternehmer an sich zu reißen. Man hatte aber bald erkannt, wes Geistes Kind er ist, und so kam es, daß er bald nur die Rolle derkomischenFigur spielte und von keiner Seite ernst genommen wurde. Immerhin bleibt ihm das Verdienst, daß er wesentlich zur Verlängerung der Verhandlungen beigetragen hat, die sich fast sieben Monate lang hingezogen höben. Als sie zu Ende waren, erklärte Paeth. daß die Berliner Verbände den Vertrag ablehnen. Was Herr Paeth mit dieser Eigenbrötelei letzten Endes bezweckt, weiß er wohl schließlich selbst nicht. Einen sachlichen Grund zur Ablehnung des Reichsmantelvertrages hat er nicht. Es ist auch schwer ersichtlich, weshalb ein Vertrag, dem d i e Unternehmer im ganzen Deutschen Reich zu- gestimmt haben, für die Berliner Unternehmer unannehm- bar sein soll. Dafür gibt es keine andere Erklärung, als daß der Scharfmacher Paeth den Verllner Holzarbeitern seinen Willen aufzwingen will. Er will den Unternehmern in ganz Deutschland zeigen, daß seine Gewalt Methoden das bessere Mittel sind, um mit den Arbeitern fertig zu werden. Herr Paeth unternimmt ein Experiment, dessen KostendieBerlinerTischlermeisterundHolz- industriellen zu bezahlen haben werden, gleichviel wie der beginnende Kampf ausgehen mag. Die Berliner Unternehmer hätten für ihren Kampf keinen ungeeigneteren Zeitpunkt wählen können als den jetzigen. Lange Monate war der Geschäftegang im Berliner Holzge- werbe schlecht. Das kam dem Paeth für seine Scharfmachereien sehr gelegen und hat ihm den aKmm so schwellen lassen. Jetzt beginnt die Konjunktur sich zu heben. Um den Absatz ihrer Erzeugnisse zu fördern, veranstalten die Berliner Tischlermeister und Holzindustriellen gerade jetzt eine Möbel- messe, die in der nächsten Woche eröffnet werden soll. Die Großhändler aus dem ganzen Reich find eingeladen, di�aus- gestellten Muster zu prüfen, und die Berliner Möbel- i n d u st r i e hofft auf diese Weise einen Teil des verloren gegangenen Absatzgebietes wieder zu erobern. Ob der Konflikt im Berliner Holzgewerbe die Neigung der Kund- schaft zur Aufgabe von Bestellungen steigern wird, darf man billig bezweifeln. Das darf man um so mehr, als die Ber- liner Tischler entschlossen sind, ihren Kampf um die An- erkennung des Reichsmantelvertrages mit aller Energie und allen geeigneten Mitteln zu führen. Berlin ist bereits für den Zuzug von Tischlern und Holzarbeitern gesperrt. Daneben wird die Abwan- dcrung von Arbeitskräften gefördert werden. Die famose Paethsche Lohnpolitik, durch welche die Löhne der Ber- liner Tischler auf ein Niveau herabgedrückt sind, das weit unter dem vieler klein er Provinzorte steht, macht es gerade den besten Arbeitskräften leicht, den Berliner Staub von den Füßen zu schütteln und sich dort eine Arbeitsstätte zu suchen, wo man ihre Leistungsfähigkeit besser zu schätzen weiß. Der bevorstehende Kampf im Berliner Holzgewerbe wird damit zu einer Angelegenheit, die nicht nur die unmittelbar Beteiligten angeht, sondern weit darüber hinaus die Int er- essen der Berliner Bevölkerung berührt. Auch das Kampfobjekt muß unter einem höheren Gesichtspunkt ge- wertet werden. Die Berliner Holzarbeiter führen gewisser- maßen einen Kampf für die Reichseinheit gegen den Partikularismus. Man mag im ersten Augen- blick über solch einen Vergleich lächeln, man soll aber nicht ver- gessen, daß der Zusammenhalt des Reichs nicht nur durch die Künste der hohen Politik, sondern vielmehr in weit höherem Maße durch gemeinsame wirtschaftliche Jnter- essen gewäbrleistet wird. Zu diesen gemeinsamen Wirtschaft- lichen Interessen gehört nicht an letzter Stelle die Vereinba- rung ei nheitlicherArbeitsbedingun gen füralle Teile des Reiches, wie das durch den Reichsmanteloer- trag für das deutsche 5)olzgewerbe geschehen ist. Die Paethsche Taktik findet bei den Berliner Unterneh- mern des Holzgewerbes keineswegs allgemeine Anerkennung: feine Exzentrizitäten haben schon starken Widerspruch geweckt. Man darf bezweifeln, daß die Neigung besonders groß ist, einer obermeisterlichen Marotte zuliebe das Geschäft vollends auf den Hund zu bringen. Aber das müssen die Berliner Tischlermeister und Holzindustriellen unter sich abmachen. Soviel steht fest, daß die Berliner Holzarbeiter bei ihrem Kampf um den Reichsmantelvertrag nicht nur die Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft finden, sie finden auch die Sympathie weiterer Kreise des Bürgertums. Besteht doch bei diesem Kampf die interessante Tatsache, daß die Unternehmer des gesamten deutschen Holzgewerbes den Erfolg der Berliner Holz- arbeiter mit Genugtuung begrüßen werden. Greß�erün! De? Verkehr öer Zukunft. Stadtrat Dr. Adler über die Entwicklung des Berliner Verkehrs. Eine recht eingehende und intcosfante Besprechung über allge- meine Verkehrsfragen Eroß-Berlins, zu der die Vertreter der Presse eingeladen waren, fand am Montag im Rathause statt. Referent war Stadtbaurat Dr. ing. Adler. Der Vortragende leitete seine Ausführungen mit depi Wunsch ein, daß in allen wichtigen Verkehrssragen ein Zusammenarbeiten zwischen Verwaltung, Presse und Publikum plaßgreifen möge. Alle Ratschläge würden von der Verkehrsver- waltung gern entgegengenommen werden. Dann wandte sich der Redner den Fragen der Ausg-sstaltung des Berliner Verkehrs, insbesondere zunächst bei den Straßenbahnen zu. Die Fahrpreise mußten erhöht werden, um das ungeheure De- fizit zu beseitigen. Ferner mußten Verkehrsbeschräntungcn zur inne»en Gesundung des Unternehmens erfolgen. Durch«ine um- fangreiche Statistik und Kontrolle wurde geprüft, für welche Linien eine Einschränkung notwendig war und ohne schädigende Folgen für den Berkehr durchgeführt werden kennte. Durch neuzeitliche Aus- bildung und dauernde Ueberwachung des Fahrpersonais wurde c.ne wesentliche Einschränkung des Stromverbrauchs erreicht. Ferner /; wurde durch eine Verminderung der Abnutzung von Gleisen und Wagen auch eine Verminderung der Betriebskosten erzielt. Durch alle diese und andere damit verbundenen technischen und Wirtschaft---" lichen Maßnahmen sind die Zt Millionen Mark herausgeholt worden, die zum Gleisbau und zur Erhaltung der Wagen ersorder- lich sind. Die Instandhaltung der Wagen hat eine bebrütende Ver- Minderung der Motorschäden bewirkt, deren Zahl im vorigen Jahre noch 150 betrug. Allein in Spandau konnten durch die erwähnten Maßnahmen 3 Millionen Mark mehr bcrausgewinschaftct werden. Durch die technischen Arbeiten für die Verringerung des Stromver. brauch? und die Verhinderung des Stromverlustes durch lange Leitungen find 12 Millionen Mark an Strom erspart morden. Um den Sonntagsoerkehr nickt zu belasten, ist von einer Er- höhung der Fahrpreise für den Sonntag abgesehen worden, obgleich die genaue Kontrolle die Unrentabiiität mancher Strecken am Sonn- tag ergeben l>at. U] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. „Wenn das Fesseln find, dann binden sie beide Teile, den Mann und die Frau," entgegnete Reisner,„sie binden beide so fest zusammen, daß sie unlöslich werden." „Das wäre richtig, wenn der Frau dann noch etwas bliebe außer ihrem Kind. Aber das Kind ist dann ihr Alles, ihr Leben, denn sie ist Mutter, während der Mann neben dem Kind noch recht viel hat, woran er hängt... Für die Mutter ist das Kind das Ausschließliche und Große." „Das, wovon wir einmal sprachen?" fragte er. Sie wurde rot und sah versonnen vor sich hin:„Biel- leicht.. Gegen Ende Mai trat dann das Ereignis ein, das er- wartet wurde, und gegen Abend schrie die Stimme eines win- zigen Kindleins durch das Haus. Die Mutter ruhte- erschöpft auf ihrem Lager, aber ihre Wangen glühten, y 4 eine ruhige Freude verklärte ihr Gesicht. Reisner beuch.- sich über sie und küßte sie auf die Stirn, die feucht vom Schweiß war. Die Hebamme bemühte sich um das Kind. Erst jetzt wandte sich Reisner auch diesem zu. Es lag in den Betten wie verloren, ein Nichts, das schon wieder schlief, kaum daß es den Tag gesehen hatte. Es hatte die dunkelgelbe Farbe eines Chinesen, und sein Haar war wie unendlich zarte Seide. Reisner fuhr über das Gesicht des Kindes hin und er- schrak vor dem Seidigen und Weichen, das er fühlte. Ein armes Tierchen, dachte er. Und er steckte den Kopf in die Betten und versuchte, das Geschöpfchen zu küssen. Aber die Hebamme sagte mißbilligend:„Nicht wecken!" Da trat er wieder zu seiner Frau und setzte sich auf den■ Nand ihres Bettes. Er nahm ihre Hand, die fast durchsichtig war.„War es sehr schlimm?" fragte er zärtlich. „Ich weiß nicht,... es war wie im Traum.. „Du bist erschöpft, du mußt schlafen!" „Ja. schlafen und sie schloß schon die Augen, während er auf den Fußspitzen zurücktrat und lautlos die Tür hinter sich zufallen ließ. Sie nährte ihr Töchterchen selbst, und soviel Schönes lag Vr dieser Handlung, daß Reisner erschauerte. Das Kind schlief, trank und schlief wieder. Manchmal schlug es in dem Bettchen die Augen auf, die schönen Augen seiner Mutter, und sein Blick schien verwundert zu suchen, was es nicht fand. Zuweilen schrie es auch, mit einer kräs- tigen Stimme, die krähte, anhaltend und eigensinnig, so daß die 5)cbamme lachte und sagte:„Ja, die Lunge,— die ist gut!" Neisner sah das Kind in der Wanne, wenn es gebadet wurde, er sah es im Steckkissen liegen, sah, kaum daß es er- wacht war, sein unablässig suchendes Sich-wenden des Köpf- chens und die triebhaften Saugbewegungen des kleinen Mundes, der immer bereit war, Nahrung zu fordern. „Bist du glücklich?" fragte er seine Frau. „Ich bin anders," antwortete sie,„und ich glaube wohl, daß es das Glück ist.. Lucie durfte das Bett verlassen und hatte bei den ersten Schritten eine sonderbare Empfindung. Sie war einer Bürde ledig, die süß gewesen war, und sie nahm nun eine neue Bürde auf sich, die noch süßer war, weil sie Leben hatte,— ihr eigenes Leben, dessen Bewußtsein sich in ihr unendlich ge- steigert hatte. Sie trug das Kind und sang leise Lieder dabei, sie be- trachtete es in sich versunken, wenn es schlief, und ertrug die Unruhe ihrer Nächte mit geduldiger Freude. „Nie hätte ich das gedacht," sagte ihr Mann zu ihr. „Immer sah ich dich als reife Frau, aber nie hätte ich eine Mutter in dir vermutet!" „Ich bin es," entgegnete sie stolz,„ich bin nur Mutter." „Und ich? Bist du nicht mehr auch meine Geliebte?" „Ich bin die Mutter deines Kindes.. Und sie blickte zur Seite, während sie das sagte. Nachdem einige Wochen vorüber waren, verlor sich all- mählich das Neuartige des Ereignisses und der Alltag kehrte wieder in das Haus zurück. Der Hzausstand war um ein Kindermädchen erhöht worden. Reisner war wieder den vollen Tag über in der Fabrik, um abends todmüde und ab- gehetzt heimzukehren. Das Kind wuroe ihm zu einem gelegentlichen Spielzeug. Er kitzelte es gern am Kinn, und es macht- ihm großen Spaß, wenn er börte, wie es krähte.„Es lacht schon!" rief er aus, um sich darauf-sogleich wieder anderen Dingen zuzuwenden. Das Kind erhielt bei der Taufe den Namen„Lucie", Reisner hatte darauf bestanden. Es gab auch diesmal keine Feier, außer bei den Dienstboten, die Geschenke erhalten hatten. „Du," rief Reisner eines Tages aus,„wo bleibt unsere Reise?" „Ja, wo bleibt unsere Reise..." sagte auch Lucie, aber während in seiner Stimme bei allem Scherz ein gewisser Mißmut durchdrang, empfand sie selbst eine große Zufrieden- heit darüber, daß sie nicht reifen mußte. „Du selbst mußt fort," sagte sie ehrlich zu ihm,„du brauchst sehr nötig einige Wochen Erholung." „Wo denkst du hin!" widersprach er ihr empört. Allein es kam doch dahin, daß er sich die Sache überlegte und schließlich geneigt war, eine Reife zu machen.„Eine ganz kleine Reise, etwa ins Niefcngebirge." Er hatte sich diese Reise verdient, denn das, was er in seiner Fabrik geleistet hatte, ging hart bis an die Grenze dessen, hinter der dann ein jeder Mensch versagt. Trotz der ungeheuren Ausgaben, die besonders zu An- fang hatten gemacht werden müssen und die viele Hundert- taufende betrugen, mußte das laufende Geschäftsjahr schon, wie aus den Büchern zu ersehen war, mit einem ansehnlichen Gewinn abschließen Selbst Leute, die Reisner feind waren,— und alle waren ihm feind,— bewunderten die Zähigkeit, mit der er sich durchgesetzt hatte. Sein Betrieb war nehe daran, sich in die Reihe der ersten der Branche zu stellen. Was das hieß, tonnte nur der ermessen� der die Schwierigkeiten kannte, die sich jedem, der Neuling war auf diesem Gebiete, entgegen- stellten. Von mancher Seite war ihm ein Fehlschlagen pro- phezeit worden. Jetzt glaubte ein jeder an den Erfolg. „Ich kann mich jetzt entlasten," sagte Reisner ohne jede Ueberhebung,„der Karren läuft allein. Das, was zu machen ist, machen meine Leute, vor allem mein tüchtiger Direktor." Das Letztere sagte er nicht ohne Hobn, denn es war ibm eine Genugtuung, daß er auch diesem Mann gezeigt hatte, wer er war. Das Venehmen des Direktors ihm gegenüber hatte sich völlig gewandelt, dieser verhehlte die Bewunderung nicht, die er seinem Ebef zollte. Er war nicht mehr reserviert, sondern auch seine Höflichkeit hatte den Zwang erhalten, die Lucie an den Angestellten Reisners vor Jahr und Tag aufgefallen war, nur daß dieser Zwang hier nicht von außen, sondern von innen kam, denn es war etwas in der Persönlichkeit Reisners, das es liebte, sich gegen Widerstände durchzusetzen. (Forts. sol«t.) Für den Herbst sind bereits wesentliche Verbesserungen des S trastenbahnverkehrs in Aussicht genommen worden. Für den Ausbau der Meise hat sich die Pflasterung zwischen und an den Seiten der Schienen haltbarer erwiesen als ihre Einbettung in Asphaltmasse. Die Unterhaltungs- kosten sind bei der Pflasterung um den dritten Teil geringer. Die älteren Wagen, sogenannte Schaukelwagen, deren Achsen nicht weit genug voneinander angebracht sind, werden umgebaut und damit verkehrstauglich gemacht. In Amerika sind schaffnerlose Wagen bereUs gang und gäbe. Auch hier werden wir zu Versuchen mit solchen Wagen schreiten müssen. Die Fahrgäste müssen vorn«in- steigen und die Zahlung wird vom Fahrer durch einen Druck auf den angebrachten Hebel registriert. Die Fahrer erhalten für ihre Tätigkeit höhere Löhne. Ferner sind Versuche mit gleislosen Straßenbahnwagen in Aussicht genommen. Der Anschluß dieser Linien ist an das be- stehende Strastenbahnnest gedacht. In Amerika sind mit solchen Linien glänzende Ergebnisse erreicht worden. Beim heutigen Gleis- bau stellen sich die Kosten auf etwa eine halbe Million für das Kilometer, sie würden für die gleiche Strecke ungefähr ILO 000 M. bei gleislosem Wagenverkehr betragen. Der Umsteigeverkehr soll eine Erleichterung für das Publikum sein. Die für ihn gegebenen Anordnungen sind aber noch nicht genügend verstanden worden. Es sollen auch hier nach Möglichkeit sür die Fahrgäste noch Erleichterungen geschasfen werden. Die zur- zeit geltenden Bestimmungen sollen demnächst in leichtverständlicher Lesart auf den Fahrscheinen bekanntgemacht werden. Die Reklame in und an den Wogen sowie auf den Fahrscheinen ist als eine gute Einnahmequelle anzusehen. Man sollte jedoch— so meinte der Redner— mehr Gewicht auf eine geschmackvoll ausgeführte Reklame legen, die sicher noch mehr Beachtung finden würde. Hinsichtlich einer guten Reklame an den Haltestellen sei zu bemerken, baß man hierbei noch verschiedme Schwierigkeiten zu überwinden habe. Die auf zustellenden Säulen oder Dreiecke sind vornehmlich bestimmt, die Linien und Fahrzeiten anzugeben. Die Gü terbeförderung bringe heut« schon eine be- deutend« Einnahm«, und« müsse alles geschehen, was zur Ver- mehrung der Einnahmen dienen könne. Namentlich sei auf den An- schluß d«r Fabriken hinzuwirken. Auch der Omnibusverkehr müsse wieder neu belebt werden. Für die Erweiterung bzw. Wieder- autnahme dieses Bcrkehrs komme nur der Autoomnibus in Frage Als nächste dürfte die ichon bestandene Moabiter Linie wieder auf- genommen werden. Die Erwirkung der Konzession bereite viel Schwierigkeiten, weil die Behörde für den Potsdamer Platz kein weiteres Verkehrsmittel zulasien wolle. Es dürfte sich aber wohl ein« Ablenkung ermöglichen lasten. Verhandlungen zur Erwerbung der Schnellbahnen haben zwar stattgefunden, sind aber nicht fortgesetzt worden. Hoffent- sich werde die Vollendung der Rord-Südbahn, wenigstens die«ines Teiles dieser Schnellbahn, nicht mehr lange auf sich warten lasten. Die Linie Gesund brunnen— Neukölln werde von der Gesellschaft vorläufig nicht weiter ausgebaut. Schließlich bemerkte Stadtbaurat Dr. Adler noch, daß eine Interessengemeinschaft zwischen den verschiedenen B-ev- kehrsunternehmungcn angeregt worden fei, um die Ausführung schwebender Verkehrsprokekt« in die Wege zu leiten. Auch mit der Frage einer Einfügung der Schnellbahnen in die Stadtbahn habe man sich schon beschäftigt. Durch die verschie- denen Gleisweften gestalte sich die Lösung dieser Frage zu einer sehr schwierigen. Zweifellos müsse man aber zur Hebung des Ver- kehrs dahin streben, daß endlich auch die Möglichkeit geschaffen werde, schnell und bequem von einer Bahn in die andere überzusteigen. Nach dem Vortrag wurden vom Referenten noch verschiedene auf den Verkehr bezügliche.Fragen beantwortet. Der Unfall ües Serliner �erienzuges. Der Unfall des D-Zuges Saßnitz— Berlin, über den wir kurz im gestrigen Abendblatt berichteten, ist zurzeit noch nicht aufgeklärt. Die Entgleisung geschah kurz hinter dem Bahnhof Angermünde, wo aus noch nicht ermittelter Ursache ein Wagen aus den Schienen sprang, die nachfolgenden Wagen mit sich riß und zum Umstürzen brachte. Wie es heißt, soll der Lokomotivführer die vorschriftsmäßige Geschwindigkeit überschritten haben, doch wird auch die Möglichkeit eines Achsenbruches nicht von der Hand gewiesen. Die Verletzten sind fast ausnahmslos Berliner, dl« sich auf der Heimfahrt vom Sammeraufenthalt in den Ostseebädern befan- den? Einem glücklichen Umstände ist es zu oerdanken, daß die Ver- letzungen nicht allzu schwerer Natur sind. Es handelt sich in sechs Fällen um Arm- und Beinbrüche, während der weitaus größte Teil der Verletzten mit leichteren Kontusionen davonkam. Die im Angermünder Krankenhause liegenden Verletzten sind: Heinrich Mehner, Berlin, Werneuchen«: Straße 15; Stadtrevisor Emil Hoppe, Berlin-Schöneberg, Schulrat Dr. Lorenz, Berlin-Lichter- felde; Dr. C o n e r t s, Greifswald und S u ck r o w, Berlin- Char- lottenburg. Die Verunglückten haben größtenteils Arm- und Kopf- wunden davongetragen. Ihr Befinden gibt jedoch zu Bedenken keinen Anlaß. Nach den Aussagen zahlreicher Fahrgäste des ent- gleisten Zuges hatte die außerordentlich hohe Ge- s ch w i n d i g k e i t, die der Lokomotivführer wegen Verspätung seines Zuges angeschlagen hatte, unter den Insassen große Auf- r e g u n g hervorgerufen. Die sofort eingeleitete Untersuchung dürste näheres über die Ursache der Entgleisung ergeben. Zum Leichenfunü in Suchholz. Unter der Spitzmarte„Erschlagen und verbrannck' berichteten wir am Freitag von einem Mord in Buchholz bei Fürstenwalde; dort habe man in einer abgebrannten Scheune die Leiche einer weiblichen Person gefunden. Man vermutete in der Toten eine gewisse Berta Thomm aus Schöneberg und nahm an, daß sie von ihrem Gesiebten, einem Schauspieler, ermordet worden sei. Das Verschwinden des jungen Mädchens hat jetzt eine andere Aufklärung gefunden. Fräulein Thomm hat sich gestern selbst bei der Kriminalpolizei gemeldet und dort mitgeteilt, daß sie ihrem Geliebten freiwillig gefolgt sei. Sie habe, als ihre Eltern sie mit nach Briefen genommen hatten, geschrieben, daß sie sich dort auf- halte. Daraufhin sei dann Fuchs zu ihr gekommen. An dem frag- lichen Abend Habs sie das Haus verlassen, um sich mit ihm wieder zu vereinen. Beide hätten dann den Weg nach Frankfurt a. d. Oder eingeschlagen und schließlich bei einem Gastwirt in Bosen Unterkunft gc-undcn. Dort sei sie geblieben, während Fuchs nach Frankfurt a. d. Oder gegangen sei und dort Beschäftigung angenommen habe. Dort las er dann die Nachricht, daß er verdächtigt würde, seine Braut umgebracht zu haben. Er überbrachte ihr diese Meldung, und sie machte sich sofort auf den Weg nach Berlin. Wer die Tote, die in der abgebrannten Scheune in Buchholz gefunden wurde, jetzt ist, steht noch nicht fest. Es besteht aber die Vermutung, daß es sich um die Leiche der seit dem 17. d. M. unter verdächtigen Umständen verschwundenen Ehefrau Anna Jacoby aus- der Fennstraße 55 handelt, deren Ehemann bereits unter dem drin- gendcn Verdacht, seine Frau ermordet zu haben, von der Kriminal- xolizei festgenommen worden ist. Rennbahnnepp in öee Irieörichjlraße. Wettbewerb der Kurbeldreher. Ob Glücksspiel.oder Geschicklichkeitsspiel? das war die Frag», die die Ferienstraftammer des Landgerichts I mehrere Stunden hindurch beschäftigte. Der Kaufmann Karl Lewandowski hatte seinerzeit im Cafä Kerkau eine Wettstätte für Sportinteressenten eingerichtet, die Gelegenheit fanden, ein Pferderennen im begrenzten Raum zu genießen und ihrer Wettlust zu fröhnen. Dieses„Siegwart"-Wett- rennen spielte sich auf einer großen, mit verschiedenen numerierten Jockey-Figuren aus Pferdchen besetzten Tafel ab. Für jedes Pferd steht ein Mann in Iockeyoreß zur Verfügung und die zahlreichen „Tribünen"besucher suchen sich dann einen Jockey aus, dem sie ihr Vertrauen glauben schenken zu dürfen und dem sie zumcißt auch das Drehen der Kurbel überlasten. Es ist aber auch jedermann freigestellt, das Drehen selbst zu übernehmen. Das Geschäft blühte sehr, die Polizei machte aber diesem Pferdchenrennen ein Ende, indem sie die Sache als Glücksspiel ansah und deshalb den ganzen Apparat beschlagnahmte. Es erfolgte aber bald wieder die Freigabe, und nun eröffnete der Angeklagte in der Friedrichstraße eine neue ,N e n n b a b n", auf der sich wieder täglich die„Tribünen"besucher drängten und große Wettsummen zu verzeichnen waren. Die Po- lizei trat aber wiederum als Störenfried dazwischen, und es wurde nun die Anklage wegen Glücksspiels erhoben. Der Staatsanwalt hielt ein solches für vorliegend, da nach dem Gutachten des Kriminalinspektors von Manteuffel und des Kriminalkommistars K o e p p e n ein Geschicklichkeitssplel vorliegen würde, wenn das Drehen der Kurbel von dem Wettenden selbst ausgeführt würde, während tatsächlich fast stets nur die bedienenden Jockeys in Aktion traten. Da der Angeklagte Riesengewinne aus dem Spiel bezogen haben müsse, da er allein täglich 400 Mk. Miete zahlte, beantragte der Staatsanwalt 1 Monat Gefängnis und 50 000 Mk. Geldstrafe. Der Verteidiger führte dagegen die Aussage mehrerer Zeugen ins Feld, die bekundeten, daß es bei dem Drehen der Kurbeln aus- schließlich apf Geschicklichkeit und Nervenfestigkeit ankomme, und er beantragte daher die Freisprechung des Ange- klagten. Der Gerichtshof sprach denn auch den Angeklagten frei. Ob Geschicklichkeitsspiel oder nicht, auf jeden Fall sind die Geneppten die zum großen Teil noch sehr jugendlichen Wetter, zu deren Schutz dergleichen höchst überflüssige Unterhaltungsstätten schleunigst oerboten werden müßten. ISOOOO Liter Äiilch pro Tag weniger. Der Rückgang der Milchzufuhr nach Kroß- Berlin in den letzten drei Wochen beträgt nach der Mitteilung bei MilchamteZ Berlin annähernd 150000 Liter pro Tag. Die Dürre und der starke Milchverbrauch auk dem Lande während der Ernte hat diesen Absturz gebracht. Aus der anderen Seite sind die Butter- preise derartig gestiegen, daß die Molkereien und sonstigen Lieferanten zum Teil von der Frischmilchbelieferung zur Ver- butterung übergehen. ES wirft äußerst befremdend, baß eine Korrespondenz ange« stchtS dieser elementaren Vorgänge eine Mitschuld dcS MilchamteS konstatiert. Zwar wird das Mitckamt nicht für die Dürre selbst und die Steigerung der Bntterpreise verantwortlich gemacht. Aber es wird behauptet, da« Milchamt habe vor Neulieserungen vor dem 1. August d. I. gewarnt. Daran ist nichts weiter wahr, als daß auf Aufforderung maßgebender landwirtschaftlicher Vertreter i» einer Verhandlung Ende Juni da« Milchamt angesichts der damals sehr starken Milchzufuhr Veranlassung nahm, die Händler zu er- suchen, zwar Abschlüsse zu tätigen, aber Neulieferungen nicht vor dem l.»Augnst zur Durchführung zu bringen, eine Hemmung, die schon nach 14 Tagen wieder aufgehoben wurde. Erste Sitzung sder Ersatz-Stadtverordnetenversam»>lung. Die Notverordnung zur Sicherung der Geschäfte der Berliner Stadverordnetenversammlung und der Bezirksversammlungen ist gestern(Montag) in der Preußischen Gesetzsammlung amtlich ver- öffentlicht worden und hat damit Rechtskraft erlangt. Infolgedessen sind gestern sofort von Bürgermeister Ritter in Vertretung des beur- laudten Oberbürgermeisters die Einladungen zur ersten Sitzung der einstweiligen Stadtverordnetenversammlung am nächsten Donners- tag, den 4. d. M., nachmittags 5 Uhr, ergangen. Die Sitzung wird mit einer Erklärung des Bürgermeisters Ritter eröffnet werden. An der Spifje der umfangreichen, etwa 60 Punkte zählenden Tagesord- nung steht die Neuwahl des Vorstandes und der Beisitzer. Hierzu werden die Fraktionen noch Stellung nehmen; doch ist es. wie wir hören, wahrscheinlich, daß der bisherige Vorstand der Versammlung wiedergewählt wird. Don den weiter zu erledigenden Angelegen- Helten ist die Zustimmung zu den Lohnerhöhungen für die st ä d t i s ch e n Gutsarbeiter, die der Magistrat beantragt, von besonderer Bedeutung. Die NotstandStarife für Zeitkarte«. Wie im Fernverkehr treten auch im Berliner Stadt-, Ring- und Vorortverkehr vom 1. September ab neue ermäßigte Preise bis auf weiteres in Kraft. Nachdem nunmehr der Reichsverkehrsminister die neuen Sätze genehmigt hat, werden sich im Vorortverkehr die Preise der Monatskarten um 20 Proz. ermäßigen. Der Mindestfahrprels für die Monatskarte 3. Klasse wird sich danach auf 20 M. stellen; die Monatskarte 2. Klasse, die heute 40 M. kostet, wird ab 1. September 32 M. kosten. Eine wesentlich höhere Ermäßigung wird in bezug auf die Preise der W o ch e n- karten eintreten. Bisher ergab sich der Preis für die Wochenkarte dadurch, daß der Preis für die Monatskarte durch 3 geteilt wurde. Der Notstandstarif, der zum 1. September eingeführt werden soll, sieht für die Berechnung des Preises«ine andere Grundlage vor. Der neue, um 20 Proz. ermäßigte Satz der Monatskarte der ent- sprechenden Streck« wird durch 4 geteilt und ergibt den neuen Preis der Wochenkarte. Die Wochenkarte für die Mindestentfcrnung, die bisher 8,50 M. kostete, wird vom 1. k. M. ab also nur noch 5 M. kosten. Ebenso wie die Monate- und Wochenkarten werden auch die Schülermonatskarten um 20 Proz. im Preise heruntergesetzt. Die Schülermonatstarte 2. Klasse für die Mindestentfernung wird 16 M., in der 3. Klasse 10 M. kosten. Die Eisenbahn führt in Anerkennung der wirtschaftlichen Not besondere Notstandstarife ein, d. h. der Staat entzieht sich seiner Pflicht nicht. Wie lange aber soll es dauern, daß Agrarier, Industrielle und Großhändler ungestraft' das Recht haben sollen, dem Volk Wucherpreise zu diktieren? vom Fecicnfernverkehr. In den Hauptreisetagen(7. bis 13. Juli) wurden auf allen Berliner Fernbahnhöfen einschließlich des Verkaufs von Fahrkarten in den Reisebureaus zusammen verkauft 431 535 Fahrkarten des Fernverkehrs(gegen 460 781 Fahrkarten im Vorjahr.) Gegen das Vorjahr ist also eine Abnahme um 29 246 Fahr- karten eingetreten, die etwa 0,5 vom Hundert beträgt. Zu berück- sichtigen ist bei dieser Zahl allerdings, daß die Fahrkarten zu er- mähigten Preisen, die für die Ferienftrnderzüge auf den einzelnen Bahnhöfen verkauft worden sind, in diese Zabl nicht eingerechnet sind. Den größten Fahrkartenverkauf hatte in diesem Jahre nicht wie sonst der Stettiner Bahnhof, sondern der Schlesische Bahnhof, der mit 86 762 Fahrkarten(gegen 51299 i. V.) an der Spitze steht. Auf dem Stettiner Babnof wurden verkauft 78 975(gegen 131 582) Fahrkarten, dann folgen Anhalter Bahnhof mit 58 049(gegen 57 444) Fahrkarten, Lehrter Bahnhof mit 43 840 gegen 40 518 Fahrkarten, Potsdamer Dahnhof mit 24 000 und Görlitzer Bahnhof mit 22 457 Fahrkarten. Die Hauptbesörderung von Reisenden-fällt in diesem Jahre nicht auf allen Bahnhöfen gleichmäßig auf den Tag»ach Schulschluß, sondern sie verteilt sich, so war der Hauptandrang auf dem Schlesische» Bahn- hos am 11. Juli 20 856 Reisende), als zweitstärkster Retfetag der 10. Juli mit 19 137 Reisenden, während auf dem Stettiner Bahnhof am 9. 14 345 Reisende, wurden. am 8. Just 12 990 Reisende abgeferügt Falsche Gerüchte über Deamtenbestechungen bildeten die Grund- läge eines Beleidigungsprozesses, der gestern'' das Schöffengericht beschäftigte. Angeklagt war der Kellner Hermann Langner.— Seit einiger Zeit kursieren in den Kreisen der Gasthausangestellten allerlei dunkle Gerüchte, daß man nur dann eine Stellung durch den Arbeitsnachweis bekommen könne, wenn man dort etwas „nachhelfe". Hierbei wurde die bekannte reibende Bewegung zwischen Zeigefinger und Daumen gemacht. Diese an sich unkon- trollierbarcn Gerüchte nahmen schlicßstch eine festere Gestalt an, in- dem der jetzige Angeklagte die Aeugerung fallen ließ, der Kellner Franz Töllner habe die Stellung in der Hobe-Bar nur erhalten, weil'« 1000 Mark an die Beamten des Arbeitsnachweises gezahlt habe. Auf Wunsch der Beamten des Arbeitsnachweises erstattete T. Anzeige wegen Beleidigung, da er durch jene Aeußerung einer unlauteren Handlungsweise, der Beamtenbestechung, beschuldigt wurde. Zu der gestrigen Verhandlung waren die Beamten des Arbeitsnachweises geladen zum Beweise dafür, daß es sich um völlig aus der Luft gegriffene Behauptungen handle, die leder Grundlage entbehren. Die in Frage kommenden Beamten erklärten auch unter ihrem Eide, daß keinerlei Gelder bezahlt worden seien. Das Gericht bemah die Geldstrafe deshalb auf nur 200 Mark, da der Angeklagte zurzeit arbeitslos ist und auch durch diesen geringen Betrag schon empfmdlich getroffen wird. Au der beabsichtigten Verlegung der lungenkranken Frauen in die alte Männerhcilstätte Buch teilt das Gesundheitsamt ergänzend folgendes mit: Die dort befindlichen schwerkranken Insassen werden in die städtischen Krankenhäuser verlegt. Diejenigen lungenkranken Männer, deren Kur einer längeren Fortsetzung bedarf, werden in Privatanstaltcn untergebracht. Die Verschickung lungenkranker Männer in Heilstätten wird durch die erwähnten Maßnahmen nicht unterbrochen werden. Auf alle Fälle wird dafür gesorgt, daß die Kur der bisher in der Männerheilstätte Buch untergebrachten Kranken in sachgemäßer Weise fortgesetzt wird. Lmienumleitungen bei der Straßenbahn. Wegen Gleisbauarbeiten in der Andreasstraße, Ecke Breslauer Straße, werden am 1.» 2., 8. und 9. August abends folgende Umleitungen vorgenommen: Die Wagen der Linien 1. S. 3 und 6 verkehren am I.August nach 11 Uhr abends und am 8. August nach 10 Uhr abend« in beiden Richtungen über Brückenstraße. Holzmarktstrohe. MarkuSstraße. Grüner Weg. Die Wagen der Linien 1. 2 und 3 verkehren am 2. und 9. August nach 11 Uhr abend« über Bnickenstraße, Holzmarklstraße, Breslauer Straße. Die Wagen der Linien 22 und 46 verkehren am 1., 2. und 9 August nach 11 Ubr abend«, am 8. August nach 10 Uhr abend« in beiden Richtungen über Cöpenicker Straße. Brückenstroße, Alexander- straße Die Wagen der Linie 3t verkehren am I.August nach 11 Uhr abend«, am 8. August nach 10 Uhr abend« nur zwischen Schlesischer Bahnhof und Cöpenick. Ein Kinderfest. Das Bezirksamt IV(Prenzlauer Berg) ver- anstaltet vom Donnerstag, den 4., bis Sonntag, den 7 d M., an jedem Nachmittag ein Kinderfest auf dem Exerzierplatz Schönhchiser Allee. Abmarsch mit Musik an jedem Tage um 2\k Uhr nachmittags von der Brauerei Pfefferberg. Schönhauser Allee. Ein äffen kliche» Konzert im Kleistpark(alter Botanischer Garten in der Potsdamer Straße) veranstaltet der Männergesangoerein Liedertafel Berlin West(Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sänqer- Bunde», Chormeister Fritz Stempel) heute(Dienstag) abend 7 Uhr. Der 13. Esperanto-welkkongreß wurde in Prag unter starker Beteiligung eröffnet. Nach Begrüßungsreden von Vertretern der Tschechisch-slowatischen Republik und der Stadt Prag sprachen Ber- treter verschiedener Regierungen und Nationen und auch der Generalsekretär des Bölkerbundes._ Hroß-öerliner parteinacbrichten. heule. Dienstag, den 2. August: 74. A»t. tzihleaderf. Ad-nt>» 8 Uhr bei MiNeq, Potsdamer Str. 23, Funk- tioriärflzunz. Morgen, Mittwoch, den Z. August: 2. greis Wedding. 7 Uhr bei Nerfin, Pankstr.«0, Sitzung sitmtNcher Stle- 1«. Äbt!"'7�'uhr"b°i' Stuckert, Ritder-dorf-r Str. Z. Funktionärsitzung mit Betriebs, und Beaintcnoertrauensleuten. Die Mitglieder der geitunga- kornmilsion eine balbe Stunde früher daselbst.»„»,. 2g.«bt. 7 Uhr bei A. Carl, Wichertstr. eg, Abtellungsvorsiand, Bezlrksführer nebst Helfer, Kreisdelegierte, Betriebsvertrauensleute, Sitzung: Stellung- nähme zu den Stadtverordnetenwahlen, Aufstellung der Kanordateu. Er- scheinen aller Funktionäre unbedingt erforderlich..... 78. Abt. Dshlem. 8 Uhr Zusammenkunft bei Schilling,«SnigiN-Lulse-Str.«2. Wickitige Tagesordnung. Rege Teilnahme notwendig..._, 93.«bt.«eukölln. Iahlabend in folgenden Lokalen: so. und 37. Bez. bei Belger, Trrvlower Str. 22.— S8. Dez. bei Riippelt, Kaifer.Friedrlch.Str. 171.— b8.. 81., 82. Be,. bei Hoffmann, Herzbergftr. 28.— 82. Bez. bei«uttner, Kaiser-Friedrich-Str. 142.— 22. und 27. Be,. bei Amelungfen, Schwarze. straße.— 84. Dcz. bei Estnzel, Mareschstr. 1.— 85. Bez. bei Buhle, Schön. weiderstr. 3.- 88. und 82. Bez. bei Schmidt, Saalestr. 20.— 88. Bez. bei Warnstedt, Thüringer Str. 22. Stellungnahme zu den Stadtverordneten. wählen.— 85.«bt. 7fh Uhr bei Grieger, Lessingstr. 8, Ecke Kopfstiahe. wichtige Funktionärkonferenz. Erscheinen aller Funktionäre, Bezirlsführer, Gruppenführer, Vertrauensleute und der weiblichen FunkUonae unbedingt notwendig. Frauenveranstaltungen: 8l. Bbt. Friedenau. Frauenausfluz mit Kindern nach dem Wald« bei Dahlem fnahe dem Rest. Waldfrieden). Abmarsch 2 Uhr vom Friedrich.Wtlhelm. Plag vor dem Haupteingang der Kirche. Gäste willkommen. Jugenöveranstaltungen. Dienstag, den 2. August: Riederschönhansen. Schul« Blankenburg. er Str. 69/70,»otitag:„Di, B«. deutung der magnetischen Kraft für die Seefischfahrt.— Nafenthaler varstadt. Schule, Strelitzer Str. 42/43, Mitgltederversammlung.— Sch, neberg L Jugend. heim. Rubens, Ecke Haupisrraße,»ortrag:„»er Internationale Iugenbtag m Bielefeld."__ Zilmschan. Ver Sporlpal«st hat in seinen Spielplan„Die Jagd nach dem Glück", ein symbolisches Filmspiel, aufgenommen, das in an- sprechenden Bildern den Auf- und Abstieg eines begabten Ingenieurs zum Vorwurf hat. Die Katastrophenszene,, die dem auf der Höhe seines Strebens angelangten Erfinder ein jähes, tragisches End« macht, erinnert lebhaft an Björnsons 2. Teil von„Ueber unsere Kraft". Außerdem bot der Spielplan ein an komischen Szenen reiches Lustspiel:.Ein kleiner Irrtum." Sport. Kopenhagen. 8t. Juli. Bei dem heutigen Kampf um die R a d- W e l i ni e i st e r s ch a f t für Amateure auf einer Strecke von einem Kilometer siegte Brasi Andersen(Dänemark) und wurde somit Weltmeister sür 1921. Zweiter und Dritter wurden gleich» falls Dänen. Vorträge, Vereine unü Versammlungen. „Fr. Schwimmer" Eharlottenbarg, Dienstag, den 2. August, abend, 7 Uhr, ausiervrdentltche Generalversammlung bei Böhne, Schlotzstr. 45. Wegen noch. maliger Verhandlung der Beitragsfage ist da, 3 scheinen eines jeden unbedingt erforderlich. Ardejirr. Esperantisten. Bund. Monatsverfammlung, Dienstag, den 2. August, im Ssphien-Lyzeum, Weinmeisterstraße. Reichsbund de: Kriegsbeschädigten, vetogrupue I. R.V. Dienstag, den 2. August, Bersammlung, Unions-Festsäle, Greijswalder Str. 222, abend« IM Uhr.__ Sriefkasten üer Reüaktion. W. R. 208. Wenden Sie stch an das Städt. Berufsarnt, Orsnlenbnrgst Straße SS. Wirtfichorft Verkehr mit landw'.rlschastlichen Grundstücken über 5 Hektar. Durch die Bundesratsverzrdnung vom 1Z. März 1918 ist jede Uebereignung eines Grundstücks von über S Hektar Größe der be. hördlichen Genehmigung unterwcrst.in Genehmigungsbehörden sind in Preußen die Landräte(in Stadtkreisen die Bürgermeister), lieber den Verkehr>nit landwirtschaftlichen Grundstücken über 5 Hektar Größe in der Zeit vom 1 Oktober �919 bis 30. September 1920,' soweit er zur Kenntnis der Grnchmigungsbshorden gelangt ist. hat das Landwirtschastsministerium soeben eine Uebersicht auf Grund} der ihm von den Regierungspräsidenten eingereichten Nachweisun« j gen veröffentlicht. Aus dieser Uebersicht ergibt sich, daß in der Pro- vinz O st preußen, insbesondere im Regierungsbezirk Atlenstein, die Zahl der Gcnehmigungsanträge am größten i st, nämlich S287, die sich auf eine Gesamtfläche von über 145 000 Hektar erstrecken. Aus Güter von über 100 Hektar entfallen 308 Antrage. Von der Gesamtfläche der Provinz haben dem Genehmi- gungsverfahren etwa 4,3 Proz. unterlegen. In Mittel- und Westdeutschland sind nach der Nachweisung die Genehmigungsbehörden viel weniger In Anspruch genommen worden. So in der Provinz Sachsen nur mit 703 Anträgen, 23 000 Hektar Fläche umfassend und in 47 Fällen Güter über 100 Hektar betrelfsnd: dem Genhmigungsverfahren hat in dieser Provinz nur 2,4 Proz. der Gesamtfläche unterlegen. In der Provinz Hannover sind nur 948 Genehmigungsanträge, 25 000 Hektar Fläche umfassend, mit nur 0,72 Proz. der Gesamt- fläch« der Provinz, gesiellt worden. In der R h e i n p r o v i n z, allcrdinc-s ohne die Regierungsbezirke Trier und Koblenz, wurden nur 177 Antrage für eine Gesamtfläche von weniger als 3000 Hektar, nur 0,13 Proz. der Gcsamtfliiche der Provinz umfassend gestellt, wobei nur in zwo» Fällen Besitzungen in Größe von mehr als 100 Hektar vorkamen. Die Hausfrauen und ihre Hausmarke. Die moisten Hausfrauen denken immer noch zu wenig daran, daß die Eroßciu.kauss-Kcicllschaft Deutscher Konsumverein« in Hamburg eine Reih? von Waren in c'genen Fabriken herstellt, um die Mitglieder der Konsumvereine preiswert und gut beliefern zu können. Je mehr nun aber all« Mitglieder der Konsumvereine dafür sorgen, daß in ihrem Haushalt nur Waren Verwendung fin- den, die von der Großeinkaufsgesellschaft stammen, um so mehr nutzen sie sich selbst. Sie sorgen durch ihren Verbrauch für eine erhöhte Produktion und steigern damit die Leistungsfähigkeit und Konkurrenzfähigkeit der genossenschaftlichen Eigenbetriebe. Haus- frauen, denkt daran, daß die Großslnkaufsgefellschaft Teigwaren, Schokoladen und Zuckerware», Bürstenwaren, Zündhölzer, Konfet- tionsmo.ren, Seifen und Walchpuloer in eigenen Fabriken nur für die Mitglieder der Vereine herstellt. Erinnert eure Männer immer daran, daß die Grotzeinkaufsgelelischoft auch Zigarren-. Zigaretten-, Kautabak- und Rauchtabakfabriken Hit. die mit ihren Fabrikaten ollen Ansprüchen genügen können. Macht euch frei von allen un- begründeten Vorurteilen. Seid bewußte, zielbewußte Genossen- schafter! Sorgt für die Weiterentwicklung'" eigener genossenschafi- licher Betriebe. Verlangt in eurem Verein immer nur Waren mit der Mark« GEGl Rund 10 Millionen vollen Baumwolle die» Zahr unverkäuflich. lF. P. S.) Die Wellprobultion an Baumwolle wird vom Marlianii der Bereiniglen Staaten für baS laufende Jahr auf 19 595 000 Ballen ,u je 500 Pfund geschätzt. Davon entfallen aus die verschiedenen Länder: Vcr. Staaten.. 13 350 000 Brasilien..... 100000 Indien.... 2 070 000 Mexiko..... 165000 Aegypten.... 125t 000 Per»...... 167 000 Ehina..... 1000 000 Uebrige Länder.. 400 000 Nußland;.,. 180 000 Diesem Gesamterirägnis von rund 20 Mill. Ballen steht fllr da» Vorjahr die Zahl von 17 964 000 gegenüber, für 1919 die von 16 962 000 und iiir 1918 die von 16 786 000 Ballen, Seit Krieg?bcginn ist der Konsum wesentlich stärker gefallen al» die Piodntlion,»nb diese Erscheinung ist natürlich in erster Linie veranüoorliich für das unaufhörliche Sinken de» Preise», der für dieie» Erniejabr pro Pfund über 20 Cent» weniger beträgt al» im Vorjahr. Für da» laufende Jahr wird der voraussichtliche Welt- bedarf an Baumwolle von den Handclsautoritäten ans 16 Millionen Ballen geschätzr— eine wahrscheinlich noch zu optimistische Ziffer. Mit den unverkauften Vorräten beS Vorjahres ergibt das für 1921 einen Ueberschuß von rund 10 Millionen Ballen. Während die amerikanische ÄmrmwollauSfuhr dieses Jahr im ganzen hinter der des Vorjahres zurückbleibt, ist die Baumwoll- eririubr des kontinentalen Europas heuer UNI rund 25 Proz. höher ats 1920._ Erfolgreiche Braunkohlenbohrungen im Kreise Calbe. Di- im Kreise Calbe seit Dezember des Vorjahres durchgcführ- ten Bohrungen haben dem„Stadt- und Landboten", Calbe, zu- folge, ein Kohlenflöz in gleichmäßiger Mächtigkeit von lO'A Metern ergeben. Das Fchz erstreckt sich nach dem Ergebnis der bisherigen Bohrungen über eine Fläche von vier Ouadrat-Kilometern. Die Kohle ist von bester Beschaffenheit. Da das Deckgebirge gut und das Flöz ganz horizontal gelagert ist, dürfte der Abbau keine Schwierigkeiten bereiten. Der Kreis gedenkt die Ausbeutung des Kohlenfeides selbst in die Hand zu nehmen. Reben der Verwertung der Kohle für Hausbrand und industrielle Zwecke schweben bereits Verhandlungen über die Errichtung eines großen Kraftwerkes. Die Schachtanlagen können dicht am Bahnhof Calbe errichtet werden. Saarkohlen für die Pfalz. Zwecks Belieferung der durch den Ausfall des oberschlesischen Imports sowie der Ruhr-HeberschichKm in Bedrängnis geratenen pfälzischen Industrie verhandelt die Zweigstelle Ludwigshafen der bayerischen Landeskohlenstelle zurzeit mit der französischen Regierung. Es fall mit 40 Proz. deutschem und 60 Proz. französischem Kapital eine Gesellschaft gegründet werden, welche die Einfuhr ber Saartohlen ins Werk setzt. Auf solche bequem» Weise erlangen die Franzosen einen ständig wachsen- den Einfluß aus die Saar-Jndustrie, womit der Zweck der� Sanktionen und sonstigen Bedrückungen immer mehr erreicht wird. Aufhebung der Handelserlaubnis Wie der„Neue Politische Tagesdienst" au» zuverlässiger Quelle erfährt, dürften alle Berord- nungen, durch die der Handel mit Lebens- und Futtermitteln sowie mit Tabakwaren tinter Konzessionszwang gestellt ist, in Kürze auf- gehoben werden. Dogcgen wird noch erwogen, ob man für den Handel mit Wein und Spirituosen gewisse Beschränkungen bestehen lasse» soll. Bei der Bedeutung, die dieser Meldung innewohnt, geben wir sie unter allem Borbebalt wieder Es ist aber lu hofsen, daß es sich die zuständigen Stellen doch s�br wohl überlegen werden, ehe sie sich durch eine so schwerwiegende Maßnahme selbst der Möglichkeit be- rauben, das im Kriege großgezüchtcte Schieber- und Wuchererwm wenigstens einigermaßen zu überwachen. Ein neuer Dampfer der Hamburg— Amerika-LInte.(TU.) Der neue 12 OOO-Tonnen-Dampfer„Württemberg" der Hamburg— Amerika-Linie wird am Freitag in Vegesack bei Bremen vom Stapel laufen. Aus diesem Anlaß hat der wllrttembergische Staatspräsident an die Hamburg— Amerika-Linie ein Telegramm gesandt, in dem er dem Wunsche Ausdruck gibt, daß der neue Dampfer auf dem Ozean Zeugnis ablegen möge für die untren»- bare Verbindung von Nord und Süd. Der Vurbocher Hütkenkonzern im Ausland. Zwecks Schafsung einer überseeischen Verkaufsorganisation entsandte der Burbacher Hüttenkonzern den Londoner Filialleiter Clasen nach Indien; dem- nächst folgt eine Reise des Luxemburger Direktors Arend nach China. /tos öer Partei. Achkung, parleiredaklionen! Eine Konferenz von Redakteuren und Ge» schäftsführern der Parteipresse beschloß am Sonntag in Blelefeld Im Sinne einer jüngst an die Parteizeitungen versandten Denkschrift, den Ausbau des Sozialdemokratischen Par- lamentsdienstes zu einem genossenschaftlichen Unternehmen, das möglichst bald die gesamte sozialdemokratische Presse informieren soll. Da der größte Teil der sozialdemokratischen Zeitungen be- relts den Anschluß vollzogen oder erklärt hat, so ist die Entwicklung diese« sozialdemokratischen Telegraphen- und Korrespondenzbureaus gesichert. Zur schnelleren Organisation und Erledigung der in Biete- feld gefaßten Beschlüsse werden die Redaktionen nochmals ersucht, die In ihrem Besitz befindlichen Fragebogen ge- wissenhaft ausgefüllt an den Parteioorstand zurückzuschicken. Die einzelnen Blätter, die sich bisher trotz der Rücksendung des Frage- Hägens noch nicht entschieden haben, werden gleichfalls um bal- dige Entscheidung gebeten. Soziales. Die Heilstätten der Landesversicherungsanstall Berlin. Nachdem der Reichstag das Gesetz betreffend die Erhöhung der Beiträge zur Invalidenversicherung angenommen hat, werden den Landesversicherungsanstalten vcm 1. Oktober 1921 ab genügende Geldmittel zustießen, um das vorbeugende Heilverfahren in vollem- Umfange durchzuführen. Die Londesversicherungsansialt Berlin hat infolge der Bergrößcrung ihres Bezirks für die d o p p e l t e A n- zahl Versicherter zu sorgen: dazu konMtt der überaus große Andrang der weiblichen Bersicherten zuden Heilstätten. Des weiteren steht im Vordergründe die Wiederaufnahnre und der Ausbau der Kinderfürsorge, deren Notwendigkeit, namentlich bei Bekämpfung der Tuberkulose, von allen Seiten anerkannt ist. Für alle diese Anforderungen reichen die Heilstätten bei Beelitz bei weitem nicht aus, und da der Neubau von Heilstätten bei den jetzigen enormen Bautosten ausgeschlossen ist, js muß die Unterbringung der Versicherten in auswärtigen Heilstätten und Kurorten ins Äuge gesaßt werden. Um damit gleichzeitig eine völlige Trennung der Geschlechter herbeizuführen, haben die Organs der Landesversicherungsanstalt Verlin einstimmig den Peschluß gefaßt, die- Beelitzer Heilstätten in Zukunft nur mit weiblichen Versicherten und Kindern zu belegen und die männlichen Versicherten in auswärtigen Kurorten unterzubringen. Für T u b e r k u l ö s e sind in Aussicht genommen die Heilstätten: in Görbersdorf, Lippspringe, Bodenweiler, Schömberg, Waasag, Sülzhayn, H ermann swerder u. a. Für Rheumatiker: Polzin, Nenndorf, Rothenfeldt, Warmbrunn: für H e r z l e i ö e n d e: Alt» Heide und Orb; für Magenleidende: Mergentheim, Kissingen, Salzbrunn: für Nerve»leidende und Blutarme: Ostsee- bäder und Geblrgsorte. Für Leichttuberkulöse soll außer- dem im Anschluß an die Fürsorgestellcn ein Llmbulatorium geschossen werden, in welchem die Versicherten ohne Störung ihrer Berufe- tätigkeit einer spezifischen Behandlung unterzogen werden sollen. * In letzter Zeit sind bei uns wiederholt Berichte über Mangel- hafte Verpflegung und unhygie»ische4Lörhältnisse in einzelnen Heilstätten eingegangen. Hier wäre es Pflicht der Landes» Versicherungsanstalten, an die derartige Klagen gerichtet werden sollten, sorgsam zu prüfen und bei Mißständen energisch durch- zugreifen, auch wenn die finanziellen Verhältnisse schwierig sind. Heilstättenbehandlung bei mangelhafter Pflege und Verpflegung sind Geldvergeudung und frevelhaftes Spiel mit der Arbeiterschaft. Lichlspiesthealer und Lustbarkellssteuern. Der ReichsoerbandDeutscherLichtspieltheater« besitz er hat an seine Unterverbände einen Aufruf gerichtet, in dem er die Lichtspieltheaterbesitzer auffordert, tn ihren Gemeinden Ein» gaben in der Lustbarkeitssteuerfrage zu machen. Es solle jedesmal der Antrag gestellt werden, eine? Kommission von Lichtspieltheater- besitzern Gelegenheit, zu geben, mit dem städtischen Dezernenten für die Lustbarkeitssteuern die zurzeit bestehende Lustbarkeitsstcuer- Ordnung eingehend durchzusprechen, bevor sie ern-ut beroten und der Aussichtsbehörde zur Genehmigung vorgelegt wird. Der Reichsverband selbst hat die Aufgabe gestellt, bei den zuständigen Ministerien zu erreichen, daß die Aufsichisbehörden— in Preußen die Oberpräsidenten— mit Anweisung der Richtimg vor- sehen werden, offenbar unbillig hohen Steuersätzen die Genehmigung zu versagen. « Wir halten diese Forderung des Reichsverbandes Deutscher Lichtspieltheaterbesitzer nicht für unbillig. Wir leben in einer parla» mentarischen Republik, in der jeder absolutistische Einschlag vermieden werden sollte. Es ist nötig, auch den Standpunkt der in die'em Fall leidenden Gegenseite kennenzulernen, um Härten zu vermeiden, die weder im Interesse der Lichtspieltheaterbesitzer noch im Interesse der Kommunen sind._____ /tos aller Welt. Holzbrand im Regensburger Hafen. In dem gewaltigen Bretter»« lager von Eottmann-Lugano im Hafengelände Regcnsburg brach ein Feuer aus, das nach Bulgarien verkauftes Holz im Werte von 4 Millionen vernichtete. Dank der Windstille wurden eine Reihe Petroleumtanks und die große Lagerhalle des Nordbayerischen Lloyds vor Vernichtung bewahrt. k�sdrilc Lsriin 14 37'. Tslsption: Nord.10709 Oentsclier HitararbeHerrerb. Scrwaltringsstelle Berlin.| Den Kollegen zur Nach- richt. dag unser Kollege, I der Rohrleger Friedrich Millcrsdielil Lledeuioaldrr Str. 7 am 29. Jull gestorben ist. Die Beerdigung stndel am Dicnslag, den 2. August. nachmittag» d Uhr, von der Leichenhall» de» Eedastian. Kirchhose, In Reinirtendor!, Humdoidtstrahe, au» statt. Rege Beteiligung wird erwartet.___ Kachruf. Den Kollegen zur Nach» H richt. dah unser Kollege, der Schioster Kadett Kkeil PeltentoferNr.»7 am 2 t. Juli beim Baden crtrunlen ist. 94/19 Lhre Ihrem �.denken! Die Ort-verwalinog. Seltenes Hobel-Angebot I besond. Zciss u. Qoerz werden ständig angekauft Photohaus Steckoirnann Berlin W9» Potsdamer Str. 155 I Schnellzekhen- Apparat IPoiyPapti&. J Unentbchri!ur /«dcrmann t« nu. franko Nachnahme.■ Ii. Honiac. UUlii _Vlc!orlBtir. 12• Metali aDkautsstelle Outen. ürüner Wc/tSS zahlt Tage. preise für Kupfer, Messing, Biei, Zink etc. Nach beendeter Renovierung meiner AussleUungs- ' ime verkante ich bis 7. August mein reichhaltige» MObellager zu SuBerst Dledrlgea Preisen: Sciilafzimmer ZW.-. 4800,-. 8900.-, 18000.- kompl. Eiche, N'uBb., Mahag., Birke Speisezimmer 3400.-, 41110.-, 8800.-. 22000,- Eiche kompl. m. 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Wir Deutschen dürften nicht davor zurückschrecken auszusprechen: „Es ist nur zu bejammern, daß es unserer Seite nicht gegeben gewesen ist, zu bestrafen, wer bestraft sein muhte, zu erschießen, wer erschossen— im Interesse der heldenmütigen Armee und des darben- den Volkes— erschossen werden mußte." Uns erscheint dieser Blutdurst, wenn auch berechtigt, so doch reichlich spät zu kommen. Man ist versucht, zu ftagen. warum Herr Reinhold Wulle und seine deutschnationalen Freunde diesen Vorschlag zur Abschreckung des Etappenbe- truges, zur Bekämpfung betrügerischer Armeelieferanten und ähnlicher Freunde des Vaterlandes nicht schon 1914 ge- macht haben. Der Grund, weshalb der Vorschlag damals nicht gemacht worden ist, liegt an der Oberfläche. Waren doch die in der Heimat sitzenden, durch betrügerische Geschäfte reich werdenden Armeelieferanten und die im Woblleben versinken- den„Etappeschweine" die Kerntruppe der Vergel- tungs-und Croberungsschreier. Gerade in jenen Kreisen konnte doch der Krieg nicht lange genug dauern, die Ausbeutung der Notlage des deutschen Voltes, des Elends der besetzten Gebiete, nicht gründlich genug sein. Wenn man in jenen Kreisen nach friderizianischem oder gar nach napoleoni- schem Rezhvt aufgeräumt hätte, das wären Lücken in der„Be- geisterungsfront der Daheimgebliebenen" geworden! Wäh- rend des Krieges forderten die Deutschnationalen, daß solche Männer wie Scheidemann, die einen Verständigungsfrieden predigten, auf den Sandhaufen gestellt würden. Und diejeni- gen, die Herr Wulle heute damals so gern erschossen gesehen hätte, haben in jener Zeit kräftig für das Erschießen der Ver- nünftigen geschrien. Wenn das„Deutsche Tageblatt" versehentlich schon einmal eine vernünftige Idee hat, dann kommt es damit sieben Jahre zu spät. Der Kampf gegen tzSrsing. Zur Untersuchung über den mitteldeutschen Aufstand. Unter Stentaler Parteiblatt schreibt: Noch während des mitteldeutschen Aufstande» begann bekanntlich die verlogen» Preßhetze gegen den Oberpräsidenien H ö r s i n g. Die deutschnationalen Abgg. Graes und v. Dryander beteten im Landtage Zeitungsartikel herunter, mußten sich aber belehren lasten, daß sie weiter nichts als Unwahrhelten verzapft hatten. Di« ganze Deutschnationale Partei stand vor dem Schicksal, als eine Partei der Lüge gebrandmarkt zu werden. Um die Partei zu retten, wurde im Landtage der Untersuchungsausschuß eingesetzt und Herr v. Dryander hineindelegiert. Mehr als tomisch Ist nun ober die Haltung dieses Untersuchungs- «msschustez. Es sieht fast so aus, als ob er die Wahrheit nicht er- fahren will, denn sonst wäre e» doch undenkbar, daß man Leute hineindelegiert wie Dr. Liebknecht, der haupstächlich nach Spitzeln, und v. Dryander, der nur nach kommunistischen Bombenschmeißern usw. sucht, die sich aber beide mit dem Aufstand als solchen sehr wenig oder gar nicht beschäftigen. Während nun Dr. Liebknecht als anständiger Charakter außerhalb des Pa» laments und der Kommission schweigt, hat v. Dryander seinen schrift- lichen Bericht fertiggestellt und schüttet nun sein«„Weißheit" in der deutschnationalen Press« aus. Das Material beginnt mit einer Unwhrheit.„Die alten Amts- und Gcnnindeoorsteher wurden entlasten", heißt es! Niemand ist entlasten worden, nur sind di«« deutschnationalen Herren nicht miedergewählt worden, als das Dreiklassenwahlrecht zu den Gemeinde- und Kreisvertretungen oerschwand. Also die erste Unwahrheit! Weiter:„Die seinerzeit neugewählten Ehrenbeamten(Amts- und Gemeindevorsteher), die öfters wegen Diebstahls, Meineides, Körperverletzungen, Notzucht, öffentlicher Beleidigung, Hausfriedens- bruchs, Wahlsälschung, Fruchtabtreibungsversuchen und Hehlerei vor- bestraft sind, waren unerfahren«, unoorgebildet«, uneingearbeitete Persönlichkeiten." Solch wirres Zeug schreibt der„gelehrte" Dr. v. Dryander und will damit bei seinem Publikum den Eindruck erwecken, als ob unter den heutigen Amtsvorstehern der Provinz Sachsen Personen wären, die derartige ehrenrührige Strafen er- litten hättrn. Warum sagt Dryander nicht die Wahrheit, daß Ober- Präsident Hörsing all«gewählten Amtsvorsteher, die ehrenrührig be- straft waren, nicht bestätigt hat, auch nicht die deutsch- nationalen Schwarzschlächter und Getreide- s ch i e b e r? Dann läuft Dryander Sturm gegen die Meldestelle beim Ober- Präsidenten. Dies« vom Staatskommissar im Au'trage der Regie- rung geschaffene Eimichtung nennt«r eine Spitzelzentrale. Jeder, der die Einrichtung der Meldestelle kennt und weiß, daß ihr Leiter der politische Referat beim Oberpräsidenten ist, muh in der Behauptung Dryandcrs, die Meldestelle sei eine Spitzelzentrale, nur eine infame Verdächtigung sehen. Herrn v. Dryander ist die Magde- burger Meldestelle als einzige von den elf in Preußen bestehenden nur deshalb nicht.einwaudfrei", weil er entdeckt hat, daß sie nicht nur die Kommunisten, sondern auch die Rcchtsbolschewisten, die D e u t s ch n a t I o n a l e n, die die Gesetz« noch schlimmer al- die Kommunisten verletzen, scharf beobachtet und darüber Pflicht- gemäß weitermeldet. � Dl« Behauptun«-'. und Folgerungen, die Dryander im weiteren aus dieser(Spitzels.ntrale"(Meldestelle) zieht, beweisen, daß er kein« Ahnung von der Verwaltung hat. Er stellt daher olles auf den Kopf. So wie m seiner früheren Dienststelle, dem Zivil- k ab i nett Wilhelms des Letzten, Gewalt vor Recht ging, so will v. Dryander heute die Beamtenschaft einseitig beeinstussen. Er will keine unparteiischen, sondern deutschnationale Beamten, mit deren Tätigkeit wir uns nächstens einmal belasten werden. Der Zweck des Dryanderfchen Vorgehens ist der, dem Ober- Präsidenten Härsing auszuschalten und an seine Stelle die deuffch- nationalen Polizeioffizirr« beim Regierungspräsidenten zu setzen. Ist dies erst erreicht, dann ist dl«„Staatsautori tät" Im deutschnationalen Sinn« hergestellt. Bis dahin aber dürfte noch der Landtag einige Worte über die ganze Angelegenheit und insbesondere über den Fall Dryander sprechen. So wie die Dinge liegen, dürften dabei dm„Wahrheitsapostel" und„Etats rächler" Geh. Oberregle- rungsrat a. v. Dr. Dryander recht unangenehme Wahr- h e i t e n gesagt werden. Er ist in den Augen oller objektiv Den- kenden gerichtet._ TU. ver neue llandkag von Thüringen tritt am 8. Ottober zusammen. Der ZNcmeler Oberbürgermeister Altenbera ist von der Stell« eines Präsidenten des Landesdirektoriums zurückgetreten. Aufgaben und Ziele Bielefeld, 1. August.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts"). �ie zweite Reichskonferenz des Verbandes der Arbeiterjugcndvereine Deutschlands wurde heute morgen 9 Uhr eröffnet. A l b r e ch t und Olle»Hauer erstatteten die Berichte des Hauptvorstandes. Sie gaben ein erfreuliches Bild von der Aufwärtsentwicklung des Der- bandes, der heute 1200 Vereine zählt. Das sind 400— övo mehr als vor dem Kriege. Der Mitgliederbestand beläuft sich auf 80—90 000. i,ie„Arbeiterjugend" wird in 75 000 Exemplaren und der„Führer" in 3000 Exemplaren vertrieben. Der Schriftenvertrieb soll zcntra- lisiert werden. Außerdem beschäftigt man sich mit der Gründung emer Jugendkorrespondenz, die die Parteipresse mi't Artikeln über die Jugendbewegung versorgen soll. Zu diesem Tages- ordnungspunkt lagen 10 Anträge vor. die in der Hauptsache Gegen- stand einer sehr kurzen Diskussion waren. Ein Antrag, daß alle Orlsvereine den Namen„Arbeiterjugendverein" führen sollen, wird angenommen. Alle anderen Antrüge gehen an den Hauptoorstand. W e st p h a l- Hamburg referierte über die wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben de» Borstande» und führte aus, daß es sich hier um keinen Gelegenhcitsvsrein, son- dein um eine Bewegung handle, die aus der Zeit geboren sei und von ihr ihre Aufgaben erwarte. Das Geschehen unserer Zeit be- deute eine Umwälzung in der ganzen Menschheit. Das Neue, das durch diese Umwälzung hervorgebracht wird, muß von der Ar- b e i t e r s ch a f t getragen werden. Stolz erhebt sich unser Bewußt- fem, daß wir zu dieser Arbeiterschaft gehören. Wir Arbeiterjungcn sind Angehörige einer unterdrückten Volksschicht, in der unsere Kraft ivarzelt. Unsere Eltern waren notgedrungen gezwunqen, uns zu sagen: Siehe zu, wie du mit dem Leben fertig wirst! Fast als Kind noch wurden wir ins Erwerbsleben geworfen. Was uns die Schule als Hilfswerk mit auf den Weg gab, wer recht unzulänglich. Wir mästen unsere Arbeit cinstellen auf die Er- ringung eines Lebensinhaltes, der uns fähig macht, r e v o l u- tionär zu handeln. Unser Lebensziel umschließt zugleich die Arbeit für das wohl der Allgemeinheit. Dieser soziale Gedanke in unserer Arbeit führt un» zur Politik. Wir lasten uns eine niedere Bildung und eine Einschränkung unserer Lebensführung nicht mehr gefallen und werden alle Hindernisse, die sich uns entgegenstellen, niederringen. Da» Werk der Selbst- Hilfe, die Kurse für unsere Jugend, werden wir auszubauen ver- suchen zu einer Arbeiterjugendhochschule. Wcstphal stattete dann den parteigenössischen Lehrern den Dank der Ar- beiterjugend für die Dienste ab, die sie der Bewegung zur Erreichung dieses Zieles geleistet Häven. Wir wollen keine Faulenzer erziehen, wir wollen, daß jeder Werte schafft. Aber wir wollen auch, daß für den jungen Arbeiter die Arbeit eine F r e u d e ist. Die junge Kraft, die stch freimachen will von der Ausbeutung, zu erziehen, ist unsere Aufgabe. Die Z l e l e, die wir uns mit unserer Beziehung zu Jugendschutzforderungen gestellt haben, tonnen wir mit unferem Berband allein nicht erreichen. Wir müsten immer darauf achten, daß die ganze Arbeiterschaft hinter un» steht. Der Redner zeigt dann kurz die Erfolge, die der Verband aus dem Gebiete des Lehrlingswesens erzielt hat und sagt weiter: Da» alles zeigt uns, wie eng wir an das Schicksal der Arbeiterbewegung gekettet Snd. Im Kreise der alten Streiter wollen wir heranwachsen zu ämpfern für die Umwandlung der bestehenden Gefellfchafts- Ordnung. Trotz dieses engen Verhältnistes zu den Arbeiterorgani- fationen bewahren wir uns unsere Selbständigkeit und unsere Freiheit. Wir wehren un» gegen die Begrenzung unleres Lebens- weges. Uns erfüllt der Geist der sozialistischen Arbeiterschaft, deren dritte Generation wir sind. Wer mit un» ernstlich bestrebt Ist, an der Steigerung der Erfüllung unserer Aufgaben zu arbeiten, den bitte ich, mit mir unsere Organisation und alle Kräfte zu grüßen mit einem„Frei Heil"(Lebhafter Beifall.) Ohne Diskustion nimmt der Kongreß diese Rede zur Kenntnis und beschließt, sie al» Broschüre herausgeben zu lasten. Im Anschluß daran wird eine Entschließung angenommen, die den Haupt- vorstand beauftragt, mit unverminderter Kraft für die Forderungen des Jugendschutz- und Erziehungsprogrammes zu wirken, und mit allen Mitteln die Angriffe auf den A ch t st u n d e n t a g abzuwehren. In der Nachmittagssitzung referiert R ü d i g c r-Derlin über: „Die Internationale und wir". Er schildert die Entstehung der ersten Arbeiters ugend-Jnternationale in Stuttgart und umreißt die Aufgaben derselben silgendermaßen: Kampf gegen Militaris- m u s und Imperialismus, kulturelle Aufgaben der Jugend und Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Diese erste Jugend- internationale von Stuttgart starb am Kriege, aber unsere deutsche Bewegung erhielt sich aufrecht und wuchs. Rüdiger schildert dann den unfern Lesern bekannten Berlaus der Verhandlungen, die zur Gründung der jetzigen Jugendinternationale führten. Ausführlich be- handelt er dann die Gegensähe zwischen der Amsterdamer und der Moskauer Zugend- internattonale. Für die Arbeiteriugend gibt es nur eins: die 2. I u g e n d» i n t e r n a t i o n° l e. die Pfingsten 1021 in A m st e r d am be- gründet wurde. An uns wird es liegen, daß das Wort zur Wahrheit wird, das wir in diesen Taaen so oft gehört haben: D l e In t e r- nationale wird die Menschheit sein. Ohne D.stusston wird die Resolution angenommen, die es als die heiligste Aufgabe des Arbciterjugendoerbandes bezeichnet: den Gedanken der Volker- Versöhnung und des Weltfriedens in die Kopfe und in die Herzen der Jugend zu pflanzen. Dann schreitet der Kongreß zur Beratung der vielen Anträge. Der größte Teil wird dem Hauptoorstand zur Beratung über- wiesen. Ein Antrag der Hamburger protestiert dagegen, daß die Rupprecht will König werüen! Wie uns aus München gedrahtet wird, wurden in einer Agi- tationsvcrsammlung der bayerische» Königspartei fol- gende Richtlinien für die Propaganda bekanntgegeben: Unsere einzige Rettung ist: Los von Preußen und An- fchluß an Frankreich! Wir können von Frankreich alles verlangen. Kohle und Geld, wenn wir es fertig bringen, mit unserem neuen Königreich einen Keil in die preußische Politik zu treiben. Der zukünftige König. Prinz Rupprecht von Bayern, steht mit seiner Person für alles ein. Kohr, Escherich und Roth haben un, an die Preußen verraten. Unser z u k ü n s t i g e s Königreich wird kein Sklave des Kapital» sein, sondern ein Voltstönigreich. Unser Prinz Rupprecht macht sich schon auf dem Lande populär, indem er jedem Holzknecht die Hand drückt und sich mit ihm unterhält.(I!) Sobald wir einen König haben, werden die Lebensmittel um 50 Proz., die Kohlen um 30 Proz. billiger werden. Kohr erntet für seine Bestrebungen, es seinen nationa« listischen Freunden recht zu machen, bitteren Undank Erwerbslose unö Hberschleßen. Am I. August erschien der Jäger Paul Hamann(geboren den 24. Mai 1809 zu Schöneberg) von der 3. Brandenburgischen Jäger- abteilung(von Heydebreck) vor dem Arbeitsnachweisen der Wuster- hauscner Straße und versuchte dort Anwerbungen für Oberschlesien zu machen. Nach seinem Erscheinen wurde er von den Erwerbs- losen des Nachweises festgestelll. Die Durchsicht seiner Papiere er- gab, daß er von vier Zigaretten- und zwei Schokoladenfirmen Adresten hatte. Gleichfalls hotte er die Adreste des Verein« natlonalaefinnter Soldoten, Schilliuastr. 10, sowie von Mitgliedern d-s Deulsilmölkilch?» Schuß- und Trutzbundes und der Deutlchen Volkspartei. Bei all diesen Adresten war er berechtigt(laut Aus» öer Mbeiterjugenö. „Arbeiterjugend" den Kommunisten wiederholt„zu scharf" entgegen- getreten ist. Nachdem ein Delegierter vom Niederrhein die Ham- burger eingeladen hat. einmal dort oder in Mitteldeutschland oder in Berlin zu arbeiten, wird dieser Hamburger Antrag gegen vier Stim- men und unter stürmischem Beifall der Versammlung abgelehnt. Werter wird beschlossen, eine Sammlung zur �Errichtung eines Ferienheimes zu veranstalten. Allen Ortsvereinen wird zur Verpflichtung gemacht, jede Zusammenarbeit mit den„Juqendringen" abzulehnen. Ein Antrag Hannover, nicht alle Jahre einen Reichkjugendtag abzuhalten, wird ebenfalls unter lebhaftem Verfall abgelehnt. Einstimmige Annahme fand eine Resolution, die die Arbeiterjugend verpflichtet, keinen bürgerlichen Trrrn- oder Sp or tv e r ein en anzuge?)ören. Die Wahl des Vorstandes atte folgendes Ergebnis: Besoldeter Vorsitzender W e st p h a I-Ham» urg, Sekretäre: Fritz B a r t h e l s-Berlin, Heinrich Schulz, Marie I u ch a c z, Johannes Sassenbach, sämtlich Berlin, Georg S p i e g e l-Stuttgart und H a f m a n n-Dortmund, Hilde Ollen- haue r-Magdeburg, Walter Rüdiger und Hans Schädel- Berlin. Nach einem kräftigen Schlußwort Heinrich Schulz', nach einem Dank W e st p h a l s an den scheidenden Vorsitzenden Schulz, sang die Versammlung stehend das Lied:„Die neue Zeit" und stimmte begeistert in ein dreimaliges„Frei Hell" ein. Damit hatte die zweite Reichskcnferenz dos Verbandes der Arbeiterjugendvereine Deutsch» lands und der zweite Reichsjugendtag sein Ende erreicht. De Broucköre über Bielefeld. Ein Redaktlonsmitglied des„Soz. Parlamentsdienstes" in Berlin hatte anläßlich der Iugendtagung in Bielefeld mit dem Führer der belgischen Sozialdemokratie, Genossen oe Brouckere, eine Unterredung. Auch über die deutsche Jugendbewegung äußerte sich Genosse de Brouckere, und es wird unsere jugendlichen Ge- nosten besonders interessieren, mit welchem Eindruck und mit wel- che» Wünschen der Führer der Sozialdemokratie Belgiens am Mon- tag von Bielefeld abgereist ist. Ueber seine Auffassung befragt, äußerte de Brouckere u. a.: „Ich war tief ergriffen bei dem Anblick dieser tapferen und frohen Jugend und hatte den Eindruck, daß diejenigen, die Ihre Arbeiterjugend organisiert haben, eine große Idee verwirklichten, voll von Hoffnungen für die Zukunft. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte ich die Debatten der Viele. felder Tagung, wo die jungen Leute wie die jungen Mädchen leb» hast ihre Ideen verteidigten. Erwarten Sie nicht von mir— so fuhr de Brouckere fort—, daß ich im Anschluß daran über die Verdienste der Hamburger Bewegung oder derjenigen des Genossen Müller mich irgendwie äußert. Ich hatte zwar zuweilen den Ein» druck, daß man sich zu sehr um die Frage stritt, ob das erste Ei vom Huhn abstammte oder das Huhn vom ersten Ei, aber das macht nichts aus, denn schließlich stimmten sie alle in der Haupt- fache überein: in dem gemeinsamen Zweck praktisch an der mo» dernen Arbeiterbewegung sich zu beteiligen und durch Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ein nützliches Glied im Sozialismus und der Republik z» werden, kurz gesagt, um neue Frauen und Männer zu werden, sozialistische Frauen und Männer oder wie Iauräs sagen würden, menschliche Frauen und Männer. Man braucht nur die jungen Männer und die jungen Mädchen zu sehen, um zugleich zu merken, daß dieser Gedanke bereits in einigen Punkten erfüllt ist. Sie arbeiten Tag für Tag, um die Zu- tunft für den Sozialismus und den Frieden vorzubereiten. Welch schönere» Versprechen könnten sie auch ihren Voreltern bieten? Man kann es nur bedauern, daß die eigene Jugend anders war. Unwil!» kürlich drängt sich jetzt der Vergleich dieser Jugendbewegung mit den Leuten auf, welche früher in den Kasernen des Kaisers abgcrichtel wurden. Andere Mienen, andere Bewegungen, anderes Wesen. Nicht» als dieser Gegensatz von früher und heute kann besser beweisen, daß die Moraenröte einer neuen Zukunft beginnt. Ja die Morgenröte einer neuen Zukunft! Trotz aller gegen- wärtigen Schwierigkeiten, trotz diplomatischer und militärischer Ver- Wickelungen, die uns sortqesetzt bedrohen, tonn man diese Zuversicht haben. Der alte Krieg lastet noch ans uns, wir können ihn nur lang- sam in Mühe und Ausdauer liquidieren, aber er ist zu liquidleren, und diejenigen, welche die Ereigniste aufmerksam beobachten, müsten feststellen, daß sich alimählich ein Wechsel der Dinge vollzieht. Zunächst weiß heute jedermann, daß der Krieg durch die Fort- kchrllt' dcr Wfls-n cho't gesördert, immer etwa» Schlichtes ist, scho' deshalb, weil In den wirtschaftlichen Verhältnissen verschiedener Nationen Verwirnmqen hineingetragen wurden, unter die die ganze Welt jetzt zu leiden hat. Schließlich, und das ist das Schönste, sind insofern Acnderungen eingetreten, als die Macht des Proletariats zu einer mächtigen Größe angewachsen ist, und endlich, was ganz beson- ders hervorzuheben ist, weil die Jugend nichts mehr vom Kriege wissen will., Und wer könnte gegen den Willen und den Eifer der deutschen jungen Männer und Mädchen handeln, wo ein ähnlicher Wille in der Jugend aller Länder vorhanden ist? Friedrich 11. glaube ich, war es, der gesagt hat. daß, wenn einmal die Bajonette anfangen zu den- ken, die Zeit der Generäle vorbei iei. Wie ich die wunderbaren Reihen ihrer Jugend in den Siräßen Bielefelds beobachtete, hatte ich den Eindruck.' daß die Zeit schon gekommen sei. Grüßen Sie also— so schloß de Brouckere seine Ausführunaen über die Eindrücke von der Bielefelder Tagung— die deutsche Arbeiterjugend. Möge sie immer eine starke Stütze sein für die Zukunft der deutschen Republik, da» ist der Wunsch aller belgischen Sozia. listen, und Sie sehen hierin die Gewähr für einen endgültigen Frieden.__ weis seines Vorgesetzten Leutnant Elster), Liebesgaben zu empfan- gen. Die Adressen, so wurde von ihm erklärt, habe er zum Teil von seinem Vorgesetzten Leutnant Elster sowie in einem Amts- zimmer des Schönebergsr Rathauses erhalten. Cr erklärte zu seiner Rechtfertigung, gerade deshalb unter den Arbeitslosen zu werben, damit in seiner Formaiion durch Zutritt von Proletariern ein besseres Verhältnis der Kameraden untereinander eintrete, denn bisher sei sein« Formation zum größten Teil nur aus Studenten zusammengesetzt.. Nach Feststellung seiner Person wurde er nochmals(besondere? Umstände wegen) durch einen Kriminalbeamten festgenommen und nach der Polizeiwache Holzmarktstraße gebracht, von wo aus seine Freilassung nach Feststellung seiner Personalien erfolgen sollte. Er bat aber, solange aus der Wache bleiben zu dürfen, bis er gefahrlos (eine große Anzahl Erwerbsloser war ihm bei seiner Feststellung zur Wache gefolgt) wieder die Wache verlassen könnte. Der Aus- weis, der ihm von feiten der Erwerbslosen abgenommen wurde, lautete folgendermaßen: „BefehlsempfSnger Hamann Stempel: 3. Brandenburgische Iägerobt. A. B. Frhr. v. Vietinghoff, von Heydebreck._ Lt. und Adjt. Proteststreik in DanZig. vonzlg, 1. August.(WTB.) Da die von der Sozialdemokratischen Partei für Donnerstag beabsichtigte Demonstration auf dem Heu- markt verboten wurde, rufen der Allgemeine Gewerkschaftsbund für die freie Stadt Danzig, der Allgemeine freie Angestelltcnbund, die Afa, die Sozialdemokratische Partei in Danzig, die Unabhängigen und die Kommunisten zu einem Donnerstag einsetzenden 24stün. digen Generalstreik der Arbeiter, Angestellten und Beamten auf. Es soll protestiert werden gegen die unerhörte Belastung durch direkte und indirekte Steuern, gegen die Erhöhung dcr Wohnuugs- miete, gegen die gewaltige Verteuerung der Lebensmittel und gegen die bcabfichtizte Erhöhung des Brotpreises. GelverMostsbewegung Die Wahlen im Metallarbeiterverbanö. Bis jeht: 270 SPD.. 151 BSP.. 92 KPD. Das Abendblatt der„Freiheit" brachte eine Notiz über das Ergebnis der Wahlen im Metallarbeiterverband. Ein Gesamt- ergebnis mit genauer Angabs der Stärke der einzelnen Fraktionen kann bis jetzt noch nicht vorliegen. Nach der„Freiheit" sind bts jetzt 200 SPD.,- 208 USP.- und 73 KPD.-Delegicrte gewählt. Das Ergebnis, das uns bis jetzt aus völlig einwandfreier Quelle vorliegt, sieht wesentlich anders aus. Statt in 408 ist uns in SI3 Fällen die Parteizugehörigkeit gewählter Dele- gierten bekannt. Davon gehören der SPD. 270, der USP. 151 und der SPD. 92 Delegierte an. Die noch ausstehenden 267 Mandats werden hoffentlich an dem Verhältnis dieser Zahlen nicht mehr viel ändern. Auf jeden Fall aber werden die Moskau-Gegner auf dem Verbandstage in Jena die überwiegende Mehrheit besitzen und die Einheit des Metall- arbeiterverbandes wird erhalten bleiben. Gaukonferenz öe? Textilarbdter. Der Gau Mittel- und Norddcutschland des Deutschen Texkilar- beitervcrbandes hielt am 30. und 31. Juli eine Gaukonferenz in A s ch e r s l e b e n ab, die von rund 100 Vertretern besucht war. Nach Begrüßungen durch den Gauvcrfitzendeu Raas ch- Berlin und Bürgermeister K 1e e i s-Ascherslcben, erstattete der Gauleiter K o tz k e-Berlin den Geschäftsbericht. In 46 Ortsoerwaltunqcn sind 32 000 männliche und 16 000 weibliche Textilarbeiter organisiert: das sind durchschnittlich 80 bis 90 v. ch. aller vorhandenen. In manchen Orten gehören restlos sämtliche Arbeitnehmer dem Verbände an. In dem Bezirke werde die Textilindustrie noch in den verschiedensten Formen betrieben. Neben modernsten Fabriken treffe man noch alte Webstühle an, die ins Museum gehören. Die Aufgaben der Gewerk- schasten seien heute viel größere als früher. Das Tarif-Schlichtungs- und Betriebsrätewesen beanspruche eingehende Pflege. Die Auf- Hebung der Zwangswirtschaft habe zu Preistreibereien gc- führt und die Textilindustriellen erzielen märchenhafte Gewinne. Divi- denden von 100 Prozent seien nicht die höchsten. Die Textilarbeiter wollen die Profite nicht allein den Unternehmern lassen. In der Textilindustrie des Bezirks bestehe zwischen den Unternehmern und den Arbeitern keine Arbeitsgemeinschaft. Die Löhne seien meist nur örtlich denen der anderen Arbeiter angepaßt. Redner wünscht, daß die Löhne für ganz Mittel- und Norddeutschland einheitlich geregelt werden. Die näcbste Zeit stelle die Gewerkschaften vor neue Pro- bleme. In ausgiebiger Aussprache erklärt man sich mit den Maß- nahmen der Gauleitung einverstanden und erteilte Entlastung. So- dann wurde beschlossen, in eine Lohnbewegung ein- u treten und die Tarife zu kündigen. Begründet wurde das mit er eingetretenen und noch in Aussicht stehenden Verteuerung der Lebensmittel. Ein Antrag der Bezirks-Tarifkommifsion, Vertreter der Betriebsräte beizugeben, fand Ablehnung. Einige von„unabhängi- gen" Ortsvereinen gestellten Anträge: Die Betriebsräte aus der Textilindustrie innerhalb des Bettrks zusammenzufassen, für eine ein- heitliche Bearbeitung von Tariffraaen des Bezirks durch Schaffung eines Bezirketarifamts zu sorgen, Richtlinien für die Organisierung der Bezirkswirtschaftsräte aufzustellen, weil man mit den Ansichten des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes hierüber nicht einverstanden sei uiw., wurden der Gaulcitung als Material überwiesen. Gewünscht wurde, in Pommern und Wcstpreuhen eine bessere Agitation zu entfalten. Ein Antrag, die Eaukonfcrenz immer am Orte des Sitzes der Gauleitung stattfinden zu lassen, wurde abgelehnt. Die bisherigen Gauleiter wurden wieder gewählt: Berlin bleibt weiter ihr Sitz. Hierauf wurde in langer Aussprache Stellung ge- nommen zu den Beschlüssen der letzten Generalversammlung des Ver- bandes in Breslau. Erörtert wurde dabei besonders die Arbeitslosen- ferenz soll in Stettin sein. Zum internationalen Gewerkschaftskon- ferenz soll in Stettin sein. Zum internationalen Gewertschafts-Kon- greß in Paris wurden Kotzke und Dörr vorgeschlagen. Lohnberatnngen der Berliner städtischen Arbeiter. Am Freitag abend haben die Betriebsräte und Funktionäre der städtischen Betriebe zu den am 31. August erfolgenden Ablauf des Lohntarifs Stellung genommen. Nach längerer Diskussion wurde mit großer Stimmenmehrheit die sofortige Kündi- gung des jetzigen Lohntarifs beschlossen. Wie das Lohnkartell mitteilt, ist die Kündigung auf Grund dieses Beschlusses bereits erfolgt. Die Betriebe werden im Laufe dieser Woche zu den neuen Forderungen Stellung nehmen. Achtung! Städtische Arbeiter und Angestellte. In den Betrieben der Stadt wird ein Flugblatt verbreitet, das zu einer Versammlung der städtischen Arbeiter und Angestellten für Dienstagabend einladet. In dieser Versammlung soll unter an- derem Stellung genommen werden zur Kündigung des Lohntarifs. Als Einberufer der Versammlung zeichnet der Verband der Kopf- und Handarbeiter. Da der„Verband der Kopf- und Handarbeiter" keine sreigewerkschaftliche Organisation ist und auch von den drei sozialistischen Parteien als gewerkschaftliche Organisation abgelehnt wird, ersuchen wir die Mitglieder der freigewerkschaftlichen Organi- sationen, dieser Einladung keine Folge zu leisten. 'd. Beendigung des Streiks im 5?artossel-Grosthandes. Am Montagnachmittag fand eine nochmalige Verhandlung mit den Unternehmern statt. Es erfolgte eine Einigung auf folgender Basis: Der Lohn von 325 M. pro Woche gilt vorläufig, und zwar rückwirkend ab 1. Juli. Zur endgültigen Regelung des Lohnes wird der Schlichtungsausschuß angerufen, dessen Spruch für beide Parteien bindend ist. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks dürfen nicht stattfinden. Am Dienstag, den 2. August, wird die Arbeit in allen Betrieben restlos aufgenommen. Zurück- Weisung einzelner Arbeiter darf nicht erfolgen. Montagabend be- schloß eine Versammlung der Streikenden, unter den angeführten Bedingungen heute früh in allen Betrieben die Arbeit Wiederaus- zunehmen._ Produktive Ertverbsloscnfürsorge in GJrost-Berlin. Die Aktion, Arbeitslose unter Zuschuß aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge mit Wohnungsreparaturen zu beschäf- tigen, zeigt in Berlin erfreuliche Fortschritte. Anfänglich bestand in Handwerkerkreisen eine starke Abneigung gegen diese Aktion über- Haupt. Erst als das Landesarbeitsamt dazu überging, auch dann Reparaturarbeiten zu bezuschussen, die von Arbeitslosen unmittelbar, also unter Umgehung des Handwerksmeisters, übernommen waren, gaben die Unternehmer den Widerstand auf und bemühten sich in steigendem Maße um die Zuschüsse. Während in den Monaten November 1920 bis Januar 1921 die Summe der gearbeiteten Werktage unter 10 000 im Monat blieb, nämlich 5300, 6866 und 8396, stiegen die Monatszahlen von da recht schnell. Der Februar 1921 brachte 11 568 Tage, dann 20 617, 28 361, 37 007 Tage und erreichte im Juni 1921 bereits 42 992 Arbeitstage. Im ganzen wurden bis Ende Juni 161 782 Ar- beitstoae bezulchußt. Dieses bedeutet für rund 6500 Arbeitslose Besckäftigung für je ein halbes Jahr. Den stärksten Anteil zeigen naturgemäß die Maler mit über 57 000 Tagen. Das engere Baugewerbe(Maurer, Hilfsarbeiter, Putzer und Zimmerer) weisen zusammen fast 73 000 Tage auf. Dach- decker 8500 Tage, Gerüstbauer 5100 Tage, Klempner 5400 Tage, Töpfer 2962 Tage. Dagegen erscheinen die auf Tischler und Tape- zierer entkallenden Tage mit 1954 und 1823 Tagen recht gering. Der Zuschuß beträgt für Tag und Arbeiter rund 32 M. Nach den neuerlichen Bestimmungen wird.für langfristige Arbeitslose ein höherer Zuschuß ausgeworfen. Es ist nur zu wünschen, daß all- gemein von dieser Aktion ein noch viel weiterer Gebrauch gemacht würde. Die Arbeitslosen könnten zum eigenen Vorteil noch sehr viel zur Propagierung der Wohnungsreparatur mit Mitteln der pro- duktiven Erwerbslosenfürsorge tun. Das Harburger System der Erwerbslosenhilfe. In Harburg(Elbe) waren seit je die Bestrebungen zur Be- Hebung der Arbeitslosigkeit besonders rege. Im Herbst 1920 wurde dann auf Betreiben des dortigen Ortsausschusses des ADGB. eine produktive Erwerbslosenfürsorge unter Anspannung der gesamten Bürgerschaft der Stadt ins Leben gerufen. Der Ge- danke war, die zur Durchführung der Aufgabe notwendiaen Mittel nickt aus gelegentlichen Spenden und Sammlungen fließen zu lassen, sondern auf festnormierte laufende Leistungen aller Bevölke- runpslchichten zu basieren. Dazu mußten natürlich Mittel aus der stoatlicken und gemeinlichen Erwerbslosenfürsorge treten. Die in- dusiriellen Arbeitgeber und selbständigen Handwerker leisteten einen freiwilligen Beitrag von 1 M. wöchentlich für jeden beschäftigten Arbeiter, der Großhandel 1 v. H. der verausgabten Gehaltssumme, der Kleinhandel je nack Umfang 20 bis 100 M. monatlich, die Ar- beitcr zahlten bis 300 M. Verdienst Vt v. H.. über 300 M. 1 v. H. der Lohnsumme, die Angestellten, Lehrer, Beamten und übrigen Kreise gleichfalls Vi bis 1 v. H. ihres Einkommen. Dazu traten frei- willige Beiträge. Weiter die durch Beschäftigung der Arbeitslosen ersparte Unterstützungssumme und ein Anteil der Stadt von 10 000. Mark wöchentlich. In der Zeit vom 15. September 1920 bis Ende April 1921, also in 71, Monaten, rund 1 700 000 M. Davon kamen an Beiträgen von den industriellen Arbeitgebern 462 600 M.. Groß- Handel 43 000 M., Kleinhandel 62 700 M., Handwerker 18 200 M., Arbeiter und Arbeiterinnen 455 000 M., Angestellte 116 700 M., Er- werbslosenfiirsorae 160 500 Mt., von der Stadt 320 000 Mk., sonstige Beiträge 53 500 M Die Einrichtung selbst bewährt sich außerordentlich gut. Bis Ende März war bereits 2150 Personen Gelegenheit zum Erwerb geboten worden. Neuerdings ist die Anlegung eines Staubeckens in Angriff genommen worden. Gearbeitet wird täglich vier Stun- den, um möglichst viele Arbeitslose beschäftigen zu können. Der Lohn variiert je nach dem Alter und beträgt für über 20 Iabre alte Arbeiter 5 M die Stunde. Durch Akkordarbeit erhöht sich dieser um 2.20 M. die Stunde. Das Harburger System verdient die ernsteste Beachtung aller Kreise, die sich mit dem Problem der Erwerbsloscnfürsorge be- schäftigen. Was in Harburg(rund 70 000 Einwohner) geleistet ist, sollte auch an anderen Orten Ansporn sein, um durch Gemeinschafts- Hilfe den Erwerbslosen beizustehen. Rechtsverbindlicher Tarifvertrag. Die zwischen dem Zentralverband der Angestellten, Gewerk- lchaftsbund kaufmännischer Angestelltenverbände, Gewerkschaftsbund der Angestellten, Verein kaufmännischer Angestellten der Leder-, Lederwaren-, Häute- und Schuhbranche Deutschlands e. V. und dem Groß-Berlincr Arbeitgeberverband des Großhandels unterm 27. Mai 1921 abgeschlossene Vereinbarung ist auf Verfügung des Reich« arbeitsministeriums unter dem 21. Juli 1921 auf Blatt 2022 lfd. Nr. 4 und Blatt 2641 des Tarifregisters zum allgemein verbind, lichen Tarifvertrag vom 12. Februar 1920 für die kaufmännischen Angestellten der Ledcrwirtschaft für das Gebiet der Stadtgemeinve Berlin für allgemein verbindlich erklärt worden. Die allgemeine Verbindlichkeit beginnt mit Wirkung vom 27. Mai 1921. Kollegen, welche in dieser Branche tätig sind und noch nicht das tarifliche Gehalt beziehen, werden ersucht, sich an den Zentralverband der Angestellten, Fachgruppe Textil, Bekleidung, Leder, Berlin SW. 68, Belle-Alliance-Stt. 7/10, zu wenden. fiüß üer Hetriebsräte-Praxis. § 84 Absah 1 Ziffer 4 VRG.§§ 12, 13 der Verordnung vom 12. 2. 20. Verzicht aus gesetzliche Rechte. Von dem Schlichtungsaus- schuß Düsseldorf wurden am 21. April 1921 eine Anzahl gekündigter Arbeitnehmer niit ihren Ansprüchen abgewiesen. Die betreffende Firma hatte sich in einer Bekanntmachung bereiterklärt, für den Fall, daß die gekündigten Abeitnehmer geschlossen zu arbeiten auf- hören, denselben Lohn von 8 Tagen auszuzahlen. VondemVor- sitzenden des Betriebsrates waren die Arbeit- nehmer auf die sich hieraus ergebenden Folgen hingewiesen worden. Der Schlichtungsausschuß stellte fest, daß weder die Fristen aus dem BRG., noch aus der Verordnung vom 12. 2. 20 bei der Anrufung gewahrt worden sind, außerdem jedoch auch ein Verstoß gegen die guten Sitten deshalb nicht vorliege, da die gekündigten Arbeitnehmer Zeit genug gehabt haben, sich zu über- legen, ob sie den Vorschlag der Firma annehmen oder nicht. Sie seien über die Folgen ihres Tuns durch den Betrisbsratsvorsitzenden eingehend aufgeklärt worden und hätten sich durch Annahme des Lohnes von 8 Tagen ihrer weiteren Rechte begeben. Derselbe Schlichtungsausschuß hat am 13. April 1921 einen ge- kündigten Arbeitnehmer mit seinem Anspruch ebenfalls abgewiesen. Von der beklagten Firma wurde ausgeführt, der Kläger sei zur vor- übergehenden Beschäftigung eingestellt. Diesen Einspruch wies der Schlichtungsausschuß zurück, da nicht nachgewiesen werden konnte, daß es sich tatsächlich nur um vorübergehende Einstellung gehandelt habe, daß eine dauernde Besckäftigung vorliegt. Dagegen habe der Kläger bei seiner Kündigung sich für einen ihm noch nicht zustehenden Urlaub von 3 Tagen, Lohn auszahlen lassen mit der stillschweigen- den Erklärung, keinen Einspruch gegen die Kündigung zu erheben und sofort auszutretsa. Der Kläger müsse gewußt haben, welche Bedeutung für ihn die Auszahlung dieses Geldes habe, da in einer Betriebs ver- sammlung ausdrücklich mitgeteilt worden sei, daß die Auszahlung von Urlaubs geld für noch nicht zu- stehenden Urlaub nur an diejenigen erfolge, die zum Austritt bereit seien. Aus beiden vorangeführten Streitfällen geht hervor, daß sich die beteiligten Arbeitnehmer über die Bedeutung ihres Tuns trotz Hin- weises der Betriebsvertretugg nicht klar sein wollte». Es ist bei der heutigen Wirtschaftslage zu verstehen, daß Arbeitnehmer ein In- teresse daran haben, die Möglichkeit, etwas Geld sofort in die Hand zu bekommen, auszunutzen. Wichtiger jedoch als alles andere ist für uns, mit allen Mitteln zu versuchen, unter allen Umständen an der Arbeitsstelle zu verbleiben und nicht aus dem Produktionsprozeß auszuscheiden: denn selbst die Möglichkeit, verkürzt zu arbeiten, ist trotz aller finanzieller Einbuße für die Betroffenen immer noch höher einzuschätzen- als arbeitslos zu sein und täglich nutzlose Gänge nach dem Arbeitsnachweis zu unternehmen. Deshalb dürfen sich Arbeitnehmer durch derartige Anreizmittel der Unternehmer ihrer gesetzlichen Rechte nicht begeben, sondern müssen in allen Fällen selbst oder durch ihre Betriebsoertretungen bzw. Gewerkschaften fristgerecht den Schlichtungsausschuß aV rufen, um wieder an ihrer Arbeitsstelle weiter beschäftigt zu werden. Dcutschir T«a>>»p»rtarl>«iter»erband Donncrstog, den 4. Aiigus«, abends 7 Ulir, zentral-Feftsale, Alte I-kodstr. 32, Allgemeine Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bcrickit vom intern.� Transvott» arbeiterkougreß in Genf. Referent: Kollege O. Ortmann. 2. Tiitigkeitsbericht der Scktionsleiwng fllr das 2. Quartal 1S21. s. Disfusston. i. Verschiedenes und Ecktionsangelegenheiten. Branche 3K(Glas und Keramik). Am Donnerstag, den i August, abends 6 Uhr. bei Fejfara, Melchiorstrage 15, Dolloersammlung: Bericht der Lohn» kommission. �. Deutscher Kutarbeiteroerdand. Donnerstag, den 4. August, im Gewerkschaftshaus,(Saal 5, Versammlung aller Strohhutnäherinnen. Am streitag, den 5. August, abends 5 Uhr, Saal 3, Gcwerkschaftshaus, Versammlung der Betriebsräte aller Branchen. (Zentraloerband der Fleischer. Auhcrordentliche Generaloersammlung am Dienstag, den 2. August, abends 7 Uhr, in Bäckers Festsälen, Weberstr. 17. Wetter bis Mittwoch mittag: Fortdauernd Keiler, trocken und sehr toarm bei schwachen, überwiegend nordwestlichen Winden. Deranlw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Pcilrr, Charlottenbura: für Anzeigen: Th. Glocke. Verlin Verlag: Vorwärls-Perlag G. m. b. H., Verlin. Druck: Vor- wärts-Buchdruckcrei u. Verlagsanltall Vaui Singer u. Co., Berlin. Lindensw. 3. Hierzu 1 Bellage. Zur Körperpflege für Kinder nur die seit X/f„ r�U C über 25 Jahren bewährte nyrmOlin-oeiie. verwende man bei zarter, empfindlicher Haut und Stoffe Ifir Kerren- v. Damen-Bekleidung „Aparte Neuheiten" Verkauf meterweise Koch& Seeland b. H. Gertraudtenstraße 20—21 AmefctAM&ebofc � mmmmmmmmmmm Soweit Vorrai: Edifes Köln. Wasser Damen-Schnur- u.Spangensdiuhe R.-Chevreaux 89 00 Herren- Schnürstiefel R.-Chcvresux Marke„Hassia" 212 00 Joh. Maria Carl Farlaa....... Floidie 17� Hodis. Parfüm?25 in Probejlaschen.......... Z. 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