Nr.ZS0 ♦ 3S. Jahrgang Busgabe B Nr. 17$ Bezugspreis» Biertegährl. 30,— M.. monatL Wl— 9t frei ins Saus, voraus zahlbar. Poll- dezug: Monatlich 10,— M. einschl-Zu- ftellunasgebühr, Umer Kreuzband für Deulschland, D-nzig, das Saar- und M-m-Iaebiel. sowie die ehemals beul- scheu Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Pollbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowaket, Dane- niarl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts" mit der Somitags» beilag e.Volt und Fett", der Unter- -----' �elmwelt" und der Abend-Ansgabe Seilage„Siedlung und Klelnaarten- »richeint wochentäglich zweimal, Sonn. tags und Montags einmal. Telegramm»Adresse: «Sozialdemokrat BetUo" wv Devlinev Volksblatt (aOPfeiiBig� Anzeig enprelS, SU«tchtgespalten» Nonparelllezetle tastet bchO M»kleine Unzeigen" da« settgedruckt, Wort ILO M. s zulässig zwei fettgedruckte Wortes, jedes wettere Wort l.— 931 Stellengesuche und Schlafstell, nanzelgen das erste Wort Vy— M, jedes wettere Wort «0 Vfg. Wort» über lZ«uchltaden zählen für zwet Won«. gamilien-An- «elgen für Abonnenten geile i.- M Di« Preif» o erstehen sich einschließlich Teuerung o-u schlag. Anzeigen für die nächst» Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags im Hauptgelchält. Beritn SW W, Linden- straße ch abgegeben werden. G-ossnei »oa 9 Uhr früh bis 6 Übt abends. Zcntralorgan der rozialdem okrati fdien parte» Deutrchlands Redaktion unü Expedition: SW SS, Änöenstr. 3 Redaktion Morihplatz IS1US— S7 ,>ern,preryer. Spedition Moritzvlah 1I7SZ— S4 Dienstag, den Ä. August 1921 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW 08, Linösnstr. 3 SP«»r«ilir�rf»<»i»• Verlag. Exveditio» uttd Jnscrateii- �rrufprcryrr. Uhtetluttg Morittplach»»763-3» Rußland in hungerauftuhr. Sechs Millionen marschieren auf Moskau! Kopenhagen. L August.(IDXB.) Nach einer Aleldung des Moskauer Volschewistenblatkes.ZswesttZa" beiäust sich die Zahl der hungernden Bewohner in Ostruhland, die aus Moskau zu marschieren, ans über S Millionen. Sie über- schwemmen die Gouvernemenis Tambow.? e n s a und Mo- r o n e s ch und bewegen sich ohne Aufenthalt vorwärts. Am 20. 3uli erreichten sie die Stadt Tambow, nachdem sie die ihnen entgegen- gesandten Truppen tu die Aiucht geschlagen hatten. Sie plünderten alle Borräte und töteten sämtliche Pferde der Kavallerie, der Feuerwehr und der Droschken. Die Untersuchung ergab, dah die Truppen, denen der Schuh der Stadt anvertraut war. sich ge- weigert hatten, auf die Menge zn schießen. Alle Macht— dem Hilfskomitee! Kopenhagen, 1. August.(MTB.).Politiken" veröffentlicht eine Petersburger Meldung, wonach dort Gerüchte verbreitet wurden, daß die Sowjetregierung gegenüber den Menschewiki die Erklärung abgegeben habe, daß sie der Lage in Rußland nicht gewachsen sei. Sie sei bereit, mit allen Parteien das Schicksal Rußlands zu bestimmen. Sie verlange, daß das ein- gesetzte Hilfskomitee, in dem die Bolfchewisten nur schwach vertreten seien, die Macht übernehmen solle. Die Cholera wütet. Kopenhagen, 1. August.(MTB.)„Politiken" wird aus Riga telegraphiert: Amtlich wird mitgeteilt, daß die Cholera im Gouvernement Samara furchtbar wüte. Allein in der Stadt Samar kommen täglich»OOneueFälle vor. Eine ungeheure An. zahl flüchtender Eltern hat ihre Kinder zurückgelassen. Im Gouoerne- ment Samara gibt es bereits über 4l>l)<1<1 solcher verlassener Kinder. Trotzki erklärte in einer Unterredung, daß das verbreitete Gerücht von einer Mobilisierung Sowjet» Rußlands gegen Polen, Rumänien und Lettland ein« freche, imperialistische Lüge sei, da die Rote Armee zurzeit drei bis vier mal geringer sei als vor Z Monaten. Dagegen würden viele �eue Offiziersschulen errichtet, um die Schlagfertigkeit des Heeres zu verbessern. Amerika hilfsbereit. London, 2. August.(MTB.) H o o v e r hat dem in London weilenden Leiter des amerikanischen Hilfswerkes für Europa den Auftrag erteilt, sich sofort nach Riga zu begeben, um mit den russischen Sowjetbehörden über die Einleitung des amerikanischen Lebensmitteltransportes für Rußland zu verhandeln. Hoover teilt mit, daß die Lebensmittelsendungen über Danzig im Einvernehmen mit Rußland sofort beginnen können. Er schätzt die Aufwendungen, die das amerikanische Hilfswerk in Ruß» land erfordert, auf IM— IVs Milliarden Dollar monatlich. Die erst« Lebensmittelsendung wird wahrscheinlich nach Petersburg gehen. Außer Lebensmittel würden auch Arzneien gesandt werden. flrbeiteroppositl'on in Rußland. Die bekannte russische Bolschewistin, Alexandra Kol- l o n t a i, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rußlands, hat eine Broschüre über die„Arbeiter- opposition in Sowjetrußland" geschrieben, der vom Zentral- komitee die Druckerlaubnis verweigert wurde. Frau Kollontai ließ die Broschüre illegal drucken und auf dem Parteitag der russischen Kommunisten verbreiten: eine weitere Verbreitung, über den Kreis der Delegierten hinaus, wurde jedoch verboten. Jetzt beginnt die Berliner„Komm. Arbeiterzeitung" mit dem Abdruck dieser Schrift, die sich mit großer Wärme für die Arbeiter im Gegensatz zur Sowjetbureaukratie einsetzt. Sie rühmt jene gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, die sich an dem„Wettlauf um die Sowjetkarriere" nicht beteiligten und sagt von ihnen: In dem Augenblick, als die Situation an der Kriegsfront ruhiger geworden ist, und als der Schwerpunkt des Lebens mehr auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau übergegangen ist, haben sich diese typischen, unbestechlichen, die begeisterten und standhaftesten Vertreter der proletarischen Klasse beeilt, ihren Militärrock abzulegen, ihre Mappen voller bureaukratischen Papiere beiseite zu legen, um den füllen Ruf ihrer klasienbrüder, der Fabrikarbeiier, der Rlillionen russischen Proletarier zu beaniworken, die selbst in der sowjelistischen Arbeitsrepublik ein geschändetes, elendes Zuchlhäuslerdasein führen. ... Mit ihrem Klasseninstinkt haben diese Genossen, die an der Spitze der Arbeiteropposition stehen, verstanden, daß etwas faul ist im Staate Dänemark. Wer hätte zu Beginn der Revolution von „unteren und oberen" Schichten gesprochen. Die Masten, die Arbeitermassen, und die leitenden Parteiinstanzen waren eins. Die Hoffnungen, die in den unteren Schichten das Leben und den Kampf geboren haben, fanden ihren klarsten Widerhall, ihre klarste und wissenschaftliche Formulierung in den leitenden Parteiinstanzen. Ein Gegensatz zwischen oberen und unteren Schichten war undenkbar. Heute be st eht dieser Gegensatz: mit keiner Agitation, mit keinen terroristischen Methoden wird ans dem Bewußtsein der breiten Masten die Entstehung einer charakteristischen neuen„sozialen Schicht" der sowjetistischen Parteispttzen hinweggeleugnet werden. Auf dem russischen Kommunistentag hat Trotzki die Be- wegung der Arbeiteropposition für„gefährlich" erklärt. Es steht nicht gut um die russischen Machthaber, wenn ihnen d i e Wahrheit gefährlich ist. Sanktionen und Kabinett UHrth. Hamburg, 2. August.(MTB.) Die„Reue Hamburger Zeitung" verössentlicht eine Zuschrift von führender parlamentarischer Seite, worin zu der Frage eines Rücktritts des Kabinetts Wirth Stellung genommen wird. Unier Berufung auf die bekannten Aeußerungen des Reichskanzlers Dr. Wirlh und des Rsichsiustizmimsters Dr. Schiffer stellt die Zuschrift fest, daß stch das Ministerium vollständig klar über die Notwendigkeit seines Rücktritts fei, falls es in der oberschlesischen und in der Angelegenheit der„Sanktionen" keinen Erfolg' erziell. Es wird hinzugefügt, das Parlament teile in seiner übergroßen Mehrheit den Standpunkt der Regierung und werde nichts tun. um die Konsequenzen hintan- zuhalten, dt« die Regierung selbst zu ziehen entschlossen sei. Wörtlich heißt es dann:„Bon der Entscheidung über Oberschlesien und über die Sanktionen hänat also das Schicksal des Kabinetts Wirth. das Schicksal Deutschla«� und darüber hinaus das Schicksal eines großen Teiles der Welt an. Diese Entscheidung würde ihr« vernichtende Wirkung aber nicht bloß dann ausüben, wenn sie zu Ungunsten Deutschlands und der Gerechtigkeit erginge, sondern auch dann, wenn sie ganz oder zu einem wesentlichen Teil hinausgezögert würde. Eine weitere Verschleppung, sei es durch eine Verschiebung der Konferenz, sei es auch durch«ine internationale Verwaltung des In- dustriegebietes unter Aussetzung der endgültigen Zuteilung, wäre ebenso unerträglich, wie eine positiv ungünstige Entscheidung." NeuerMoskau-Sl'eg:Wl'eser emeSpaltung? Paris, 2. August(EP.) Die Minderheit der EGT. hat sofort nach dem Liller Kongreß in einer Dersammlung beschlosten, in jeder Stadt, in jedem Departement, in jeder Region r e v o l u t i o> när-syndikalistische Komitees(ESR.) zu bilden. Ein Zentralkomitee wird in Paris seinen Sitz haben mit Herrn Quint on als Generalsekretär. Die Minderheit sucht auf diese Weise einen wirksamen B'wd der E.GT. gegewiber»u grfmden, um für den Fall der Spaltung bereit zu sein. Es wurde beschlossen, auf die erste Ausschließung einer Minderheit der Gewerkschaften die Spaltung folgen zu lasten. �arüing unü Versailles. London, 2. August.(MTB.)„Morning Post" zufolge will Harding den Gedanken, den Senat zur Annahine des Versailler Friedensvertrages zu bewegen, endgültig aufgeben. London, 2. August.(MTB.) Wie aus Plymouth(Massachusetts) gemeldet wird, drückte Präsident Harding auf der Dreihundert- jahrfeier der Landung der Pilgrimfothers die Hoffnung aus, daß die kommende Abrüstungskonferenz der Welt eine neue Aera des Friedens und der Freiheit bringen würde. Harding sagte, die internationale Lage sei sehr hoffnungsvoll, London, 2. August.„Morning Post" zufolge ist mit der Tatsache zu rechnen, daß alle Premiermini st er der Dominions sich für die Heimreise in diesem Monat vorbereiten und jede Absicht aufgeben, on der Washingtoner Konferenz im November teilzunehmen. Vertrauensvotum für Sonomi im Senat. Rom, 2. August.(WTB.) Der Senat hat eine Tagesordnung mit 14S gegen 17 Stimmen bei 21 Stimmenthallungen angenommen, worin der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird. Richtung Mgora. Athen, 2. August.(WTB.) Gut unterrichtete Abendblätter teilen mit, daß beschlossen worden sei, die militärische Aktion mit großem Nachdruck gegen Angora anzusetzen. Die Legionärplage in Deutschböhmen. Wien, 2. August.(WTB. Die Blätter melden aus Aussig: Im Verlaufe einer von 1S00 tschechischen Legionären ver- anstalteten Protestversammlung kam es zu Ausschreitungen gegen deutsche Passanten, die von den Tschechen ver- prügelt wurden, ohne daß die Polizei eingriff. kapp. Aus zuverlässiger Quelle wird uns mitgeteilt, daß Kapp sich noch in Schweden, Pension Dals Ed in Dalsland, befindet. ZUM /lgrarprogramm. Bon Otto Albrecht. Im Erfurter Programm wird die Bergesellschaftung des Grund und Bodens noch an e r st e r S t e l l e, ganz allgemein, also auch für die Landwirtschaft gefordert. Ich bin erstaunt, wie der Genosse David in Nr. 336 des„Vorwärts" dazu kommt, unter Berufung auf K a u t s k y zu beweisen. daß das Erfurter Programm solche Forderung nicht cnt- halte, und zu erklären, eine solche Forderung„müsse sowohl vom Standpunkte der Theorie des wissenschaftlichen Sozia- lismus wie von dem der praktischen Wirtschaft aus scharf ab- gewiesen werden". Gewiß, einer„Konfiskation der kleinen Bauerngüter" kann kein nüchtern Denkender das Wort reden. Die vorhandenen Betriebe mögen und sollen bestehen blei- den, bis sie von innen heraus selbst den Drang bekommen, sich so oder anders umzuformen. Der sozialistische Genossen- schaftsbetrieb kann und darf sich nur in wirtschaftlicher und technischer Ueberlegenheit wettbewerbend durchsetzen, und auch der alte Streit, welche Betriebs- g r ö ß e n den Vorzug verdienen, kann und darf jeweils nur auf demselben Wege entschieden werden. Ebenso wäre es be- denklich, ganz allgemein von einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel, beispielsweise der Gerätschaften und beweg- lichen anderen Inventarien der landwirtschaftlichen Betriebe (nicht bloß der Kleinbetriebe!) zu reden. Aber mit dem Grund und Boden, als Produktionsmittel, hat es denn doch eine ganz andere Bewandtnis. Dieser kann ohne jedwede Schädigung der Volkswirtschaft ausnahmslos vergesellschaftet werden, und er sollte es sogar zum Nutzen und zur Hebung unserer Ern ä h run g s w ir t s ch a st— auch hinsichtlich der Kleinbetriebe. Es ist nicht wahr, daß nur das Privateigentum am Grund und Boden im Kleinbetriebe die höchste Ergiebig- keitgewährleistet. Die vielen Erbpachtgüter und sogar die Zeitpachtäcker und Wirtschaften(besonders die staatlichen Domänen beweisen in ihrem Zustande und in ihren Erträg- nisten, daß es nicht das private Eigentum an sich ist, sondern ein mehr oder weniger gesicherter Besitz, der die zu erstre- bende größere Ergiebigkeit zeitigt. Oft genug ist das Privat- eigentum am Grund und Boden im Gegenteil die Hauptur- fache der Zurückgebliebenheit und der Nichtausnutzung vor- handener Wirtschaftsmöglichkeiten— auch im Kleinbetriebe, und in diesem vielleicht sogar am allermeisten. Das sagen isnd bestätigen uns hervorragende praktische Landwirte! Grund und Boden sollte sowohl grundsätzlich wie auch aus praktischen Erwägungen nur in der Form des Nutz- n i e ß u n g s r e ch t, das mit der B e w i r t s ch a f t u n g s- Pflicht in unlöslichen Zusammenhang zu bringen ist, ver- geben werden, so daß notorisch Untüchtige den Tüchtigsten zu weichen haben, indem die Untüchtigkeit und die gröbliche; Vernachlässigung der Bewirtschaftungspflicht einen hauptsäch- lichen wichtigen Grund zur Auflösung des Pachtvertrages her- gibt. Die Vergesellschaftung des gesamten Grund und Bodens sollte im Agrarprogramm al sein zu erstrebendes Zielklar und bestimmt ausgesprochen werden, ohne Rücksicht auf politisch-agitatorische Bedenken! Ebenso klar und bestimmt aber auch die Absicht, daß das Besitz-, das heißt das B e- wirtschaftungsrecht vom Eigentumsrecht zu lösen und daß durch die Aufhebung des Privateigentums an Boden kein einziger in seinem rechtmäßigen Bestände ,'.u be- helligen ist. Worauf es hier im Zweck und Ziel zu allererst ankommt, ist dieses: die Grundrente künftighin restlos der Allgemeinheit zuzuführen! Wenn die K o m m u n i st i s ch e P a r t e i in ihrem Pro- gramm das Privateigentum des Kleinbauern als unantastbar bezeichnet, so darf man sich damit nicht verblüffen lassen. Denn das ist ein ganz echter kommunistischer Kniff, der nur auf den Bauernfang berechnet ist. Solche Mätzchen dürfen wir nicht machen. Sozialdemokratische Bauernpolitik mit der Hoffnuno, die Bauern, also die landwirtschaftlichen Kleinbesitzer bau- e r n d an unsere Fahnen zu fesseln, läßt sich erst dann init Er- folg betreiben, wenn einmal die Vodenvergesellschaftung eine vollzogene Tatsache sein wird. Bis dahin wird man aus den Bauernschichten nur gelegentliche Parlamentswähler heraus- holen. Wir sollten lieber alles darauf anlegen, die Land- arbeiterschaft restlos unserer Partei zuzuführen; d a- m i t ganz allein kann schon dieMehrheitderLandbe- völkerung den sozialistischen Zwecken und Zielen dienstbar gemacht werden. Die Landarbeiterschaft ist nicht an dem Privateigentum interessiert, und es kann nicht so fürchterlich schwer fallen, ihr das begreiflich zu machen, sobald sie sich über- Haupt erst einmal an selbständiges politisches Denken gewöhnt haben wird. Was die Punkte 1 bis 3 und 5 anoedt, so sind darin Ge- danken und Forderungen ausgesprochen, die unsere Partei von bürgerlichen Sozialreformern um nichts mehr unterscheiden, i Gegen die gesarderten Z V. a n g s g e n o j j e g j ch as t q u Mei ich indessen dieselben Einwendungen zu erheben, die Genosse David dagegen vorbringt Zu Punkt 4 sowie zum letzten Ab- satz des Punktes 5 verweise ich auf dos schon weiter oben ganz allgemein Gesagte: Die genossenschaftlichen Betriebsformen dürfen nicht künstlich herbeigeführt und unter Umständen mit allerhand unrentierlichen Zuschüssen aufgepäppelt und erhalten werden; sie haben sich vielmehr im Wettbewerb mit den Privatbetrieben durchzusetzen, oder sie sind nicht daseins- berechtigt. Punkt 6 hätte schon längst erledigt sein sollen: durch Schaffung eines Reichsnotgesetzes, das die Ueberführung von Grund und Loden, der sich bereits in der öffentlichen Hand befindet, in Privateigentum verbietet. Punkt 7 offenbart eine gewisse Aengstlichkeit und Zaghaftigkeit. Dem dort so schüch- tern Vorgetragenen gegenüber erscheint beispielsweise der bür- gcrliche Bodenreformer Adolf Damaschke mit seinem Bodenreformgesetzentwurf(betreffend Bodenoorratswirtschaft) als ein ganz radikaler roter Revolutionär. Allerdings, wenn man dem Genossen David folgen will, dann kann man sich als sozialdemokratischer Bodenreformer überhaupt begraben lassen! Nach dessen Bekenntnis ist ja die„Bodenreform" des (in dieser Hinsicht vom sozialdemokratischen Standpunkt aus überhaupt nicht haltbaren) Reich s fi edlungsgesetzes aller Weisheit letzter Schluß. Sein(Davids) Hinweis auf die „Siedlungsverordnung der sechs Volksbeauftragten" impo- niert mir ganz und gar nicht. Weil diese schon nicht weitergegangen sind, bzw. weil diese dem Privateigentums- gedanken unsozialistische Zugeständnisse höchst bedenklicher Art gemacht haben, deshalb soll auch unser Parteiprogramm und unsere Partei nicht weitergehen und sich ebenfalls dem Privateigentumsgedanken verschreiben? Das fehlte bloß noch: einem bürgerlich-sozialiftischen Resormprogramm noch das U n- fehlbarkeitsdogma einer parteipäpstlichen Führer- schaft hinzuzufügen oder zu unterlegen! Eine glattere Ban- kerottcrklärung der sozialdemokratischen Gedanken- und Ideenwelt wäre kaum denkbar. Hierzu liegt, schätze ich, nicht die geringste Veranlassung vor. Die Partei kann und wird sich den Willen auf eigene Urteils- und Wegefindung nicht be- schränken und beschneiden lassen. Sie muß also Zumutungen, wie David solche stellt, entschieden ablehnen. Daß wir in der Bodenvergesellschastungsfrage nur etappenweise zum Ziele gelangen werden, ist möglich, viel- leicht sogar wahrscheinlich, nachdem der beste Zeitpunkt dafür (die Novembertage 1918) zunächst einmal unausgenutzt oer- strichen ist. Wer aber kann uns denn sagen, ob nicht in a b- sehbarer Zeit wieder einmal sich solche Gelegenheit bieten kann? Die sehr günstigen Novemdertage 1918 smd nur dadurch nicht ausgenutzt worden, weil wir damals in unserer Gedankenwelt für solche Umwälzung einfach nicht vorbereitet waren. Hätten wir(im Besitz der politischen Macht wohlge- merkt!) damals durch ein Revvlutionsgesetz klar und bestimmt verfügt:„Grund und Boden ist fortab unveräußerliches Eigen- tum der Volksgesamtheit"", so wäre heute die Boden» frage dem Grunde nach gelöst. Auch die früheren Privat- eigentümer, besonders die kleinen, würden inzwischen längst zu der Erkenntnis gekommen sein, daß dieses die beste Lö- sung, und sie würden heute schon gute und überzeugte Sozial- demotraten sein, jedenfalls sichere Wählertruppen der Sozial- demokratie. Es geht also nickt an, das Bodenvergesellschaftungsziel im Programm zu verschleiern, oder es gar, wie David das ver- langt, aufzugeben, und das bereits vorhandene Allgemein- eigentum abzubauen. Es muß im Gegenteil mit aller Deutlich- keit und Schärfe als Ziel hervorgehoben werden, damit es gc- gebenenfalls auch— ich betone dos nochmals— auf revolutionärem Wege verwirklicht werden kann. Im übrigen wollen und müssen wir uns allerdings auch auf das allmähliche „Hineinwachsen in den Bodensozialismus" einrichten, weil wir nicht im voraus wissen können, wie die vor uns liegende Eni- Wicklung laufen wird. In einem Punkte stimme ich mit David überein: Min- destens der Inhalt desAgrarprogrammsist noch nicht reif, auf dem nächsten Parteitage schon verabschiedet zu wer- den. In Wirklichkeit befinden wir uns nämlich erst am An- /Im ZerienAUg. Von T h. Thomas. In der großen Bahnhofshalle steht die lange Wagenreihe. Dorn, gleich hinter dem Eignalhäuschen, drei Wagen, die mit Hunderten von Kindern besetzt sind. Draußen auf dem Bahnsteig aber drängt sich eine dichte Schar, meist Frauen, nur hier und da ein männliches Wesen. An die zweihundert Mädchen fahren irgend wohin, von wo sie mit roten Backen wiederkommen sollen. Sie haben es auch nötig, alle zusammen. „Mutti, wenn's»ehrt, ich winke mit dein grünen Tuch, wo du da» grüne Tuch siehst, dos bin ich." „Schön. Trudchen, ober w nur den Arm nicht zu weit raus." .stach, so weit kann man doch rauslangen, guck, so..." „Mutter, ich winke bis hinter der Brücke." „Siehst du auch da noch?" fragt eine ander«. „Ja. natürlich, winke nur solange du willst, immerzu, ich seh' es schon." „Mama, vergiß nicht, der Mi zu sagen, daß ich ihr schreib'." „Aber sicher sag' ich ihr das, erhol' dich gut. nicht wahr?" -Ich erhol' mich feste, damit ich dir helfen kann. Aber wer hilft dir nun bei der Wäsche?" „Sei nur ohne Sorgen." Jetzt ist der Lehrer gekommen, er steht mit am Wogen: „Wenn ihr spazieren geht, immer tief atmen, am besten den Stock über den Rücken unter die Arme stecken, Brust heraus, so!" Der Lehrer marschiert aus dem Bahnsteig hin— alles lacht. Cr ist fast beleidigt. „Trink' nur viel Milch, Rest, wir müssen doch jeden Tag was zahlen: sag' nur, wenn es jemand nicht gefällt, wir müssen ja auch blechen, jawohl, du fährst nicht frei." „stast du denn auch ein Taschentuch, Mi?" „Ich brauch' keins. die find alle im Koffer." „Doch, du brauchst eins. Und wisch' doch die stand nicht an das frisch gebügelte Kleid, du hast doch nichts Alles an, ich hau' dich.. „Mntti, noch einen Kuß!" Eine junge Frau versucht es. Sie biegt sich hinauf, das Mädel hinab, aber„sie können zusammen nicht kommen".— Schade, daß man nicht bei der Technischen Nothilfe ist... „Gib ja auf dein» Pakete acht. Drei müssen es immer fein." „Ich holt sie fest, immer halt ich sie fest, guck, hier sind sie noch." „Du. welchen: P-'-t ist h-nn die Schokolade?" , Fahren nur bald* Ach, erst tu drei Minuten...* „Mutti, du weinst doch!" „Ja. Kind, eben denk ich. wenn dir nur nichts vassiertl» iL doch Wwijö oft ch«» v-rsttomm«.'. fange der notwendigen Erörterungen praktischer Agrarfragen, die programmatisch zu formulieren sind. Lassen wir uns noch mindestens ein Jahr Zeit,. und machen wir inzwischen alle Kreise und Kräfte mobil, die uns hierüber wich- tiges zu sagen wissen. Und versuchen wir dann abermals, pro- grammatische Formeln aufzustellen. Versäumt kann in dieser Zeit nichts werden, wohl aber besteht Aussicht, manches und vieles zu gewinnen._ Nittelschleststher Sezirtstag. Breslau, 1. August.(Eigener Drahtbericht des„vorwärts".) Eine Parteikonferenz der Sozialdemokratischen Partei für Mittel- deutschland, die gestern in Breslau stattfand, wurde mi: einem Re- ferat des Genossen Landtagsabgeordneter S ch o l i ch über die poli- tische Lage eröffnet. Die Entscheidung über Oberjchlefien, die olle unsere Wünsche sehr wahrscheinlich nicht erfüllen werde, wird eine �.eue Regierungskrile bringen, zumal die Demokraten angesichts der Steuervorlage die Mit- Verantwortung für die Pflichten der Reichspolitik gern los fein wollen. Durch die Möglichkeiten, die sich au» einem Sturz der Re- gierung ergeben könnten, sei die Fortsetzung der heutigen Koalitivns- Politik unter stärkerer steranziehung der Unabhängig:.-! infolge der staltung gewisser unabhängiger Führer nicht gesichert. Die Erwei- terung der Koalition durch die Deutsche Voltspartei sei gegenwärtig infolge ihres monarchistischen Charakters nach der Stimmung der Arbeiterschaft aussichtslos. Eine bürgerliche Reichsregierung würde, wie das Vorbild der preußischen Regierung zeigt, sofort ins deutsch- nationale Fahrwasser geraten. Insbesondere die Personalpoliäk des Innenministers Dominicus mit ihrer Erneuerung des Iuristenprioi- legiums für höhere Verwoltungsposten und der Privilegien wohl- habender Anwärter durch künstliche- Niedrighaltung oer Gehälter für Landräte lassen hier das Böseste erwarten. Nun müsse die Arbeiter- schaft sich auch den vierten Ausweg durch Neuwahlen im Reiche auf jeden Fall sichern. Dazu käme möglicherweise infolge des Drängens des Reichspräsidenten demnächst die Reichspräsidentenwahl, wie auch in Preußen im nächsten Frühjahr Neuwahlen auf kam- munalem Gebiet zu erwarten seien. Die Wiederbeteiligung an der preußischen Regierung würden wir erst begrüßen können, wenn die Verhältnisse im Reich sich wieder geklärt haben. Der Referent sprach dann über die oberschlesische Frage, deren Entscheidung durch den Obersten Rat wir abwarten und hinnehmen müssen. In der Selbst- schutzfrage wären entgegengesetzte Meinungen der oberschlesischen Parteigenossen auszugleichen, nachdem der reaktionäre Charakter des Selbstschutzes offensichtlich geworden sei. Wegen eines vierten Polen- putsche? ist nach allgemeiner Ueberzeugung der oberschlesischen und der übrigen schlesischen Parteigenossen der Selbstschutz kein geeignetes Mittel, während alle innerpolitisch nicht Reifen des Selbstschutzes besonders in den Arbeitsgemeinschaften sich zu einer immer ernsteren Gefahr auswüchsen. Auch die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberfchlesier würdett leider neuerdings In ein reaktionäres Fahrwasser geführt. Anschließend an diese Aussprache betonte der Bezirksvorsstzende der oberschlesischen Sozialdemokratie, Genosse staute- Kattowitz, feine Uebereinsiimmunq mit den Ausführungen Scholichs über den Selbstschutz und die steimattreuen. Die größte Gefahr für Oberschlesien wäre eine Dreiteilung aus längere Zeit, bei der das Industriegebiet aber unter alliierte Verwaltung käme. Nichts könne die nationalistische stetze sicherer konservieren, als diese un- glückliche Schei'ilösung. Die Bezirkskonferenz nahm dann einstimmig ein« Entschließung an, in der die unverzügliche Auslösung aller Arbeits- grmeinschaften nach Art der Arbeitsgemeinschaft Roßbach verlangt wurde, da deren militärischer Charakter in Schlesien sich immer deutlicher offenbare.» Anschließend wurden Organisationsfragen besprochen, wobei be- richtet werden konnte, daß der mittelschlesische Bezirk gegenwärtig an Mitgliederzahl an erster Stelle unter allen reichsdeutsch»n Re- zirken steht._ Versammlungslügen. Der Landtagsabgeordnete Gondorfer veröffentlicht folgendes: Unter dieser Ueberschrift erschien kürzlich in den Dolkspartei- Zeitungen ein Artikel von Dr. Helm, der sich mit meiner Person be- schäftigt, weil ich in einer Versammlung in Freilassing behauptet habe, daß ich am Telephon stand und das Gespräch mitanhörte, „Das laß man sein, denk nicht daran, ich nehm' mich schon in acht." „Ja, ich bin so unruhig. h«st du auch noch das eine Paar Strümpfe?" Jetzt höre ich:„Mine, drei staarbänder haste, wenn du sie nicht mitbringst, alle drei, schlag ich dich kaputt, merk' dir'«!" „Aber wenn ich nichts dafür kann?" „So siehst? aus! Komm mir nicht mit Ausreden, du... ver- stehste!" Dem Kinde, denk' ich, sind die ersten Tage verdorben. Es wird immer hinter sicki greifen, ob... Und wenn eins verloren ging? Ich bin froh, daß ich kein« staarschleifen trage. „Mutter, kann ich schon von meinem Brot abbeißen?" „Na, warte doch, bis der Zug fährt, du hast doch vorhin erst ge- gessen." „Ja, aber Reisen macht Appetit, sagt Vater." „Ra ja, erst reise mal etwas." „Bitte Platz nehmen!" schreit der Mann mit der roten Mütze. Das geht wie ein Sturm durch die Wagen. „Er fährt gleich!"„Es geht los!"„Mutti, auf Wiedersehen!" „Grüß Dater noch mal?"„Schreibt auch gleich!"„Bergeßt nicht, einen schönen Aufsatz mitzubringen, Kinder!" ruft der Lehrer. „Füttere die Mimi gutl" „Keine Sarge, die wird verpflegt," ruft es zurück. Wer mag Mimi wohl sein? „Ade!"„Am besten, du bindest gar keine staarschleifen um, hörst du!" Das meine ich auch. Ich würde sicher keine umbinden, wenn ich so eine Mutter hätte. „Also, nicht wahr, das grüne Tuch.. Jetzt ein Lärmen, ein einziger Schrei der Freude, der Bohnsteig kommt in Bewegung, die Wagen gleiten wie auf Samt dahin, als ob der Bahnkörper von Gummi wäre. Ich wette, die Tochter des Maschinisten ist auch dabei, sonst ginge es nicht gar so wunderschön sanft... Ach, dies Bild! Zweihundert weiße Tücher winken Freuden- schreie— ein grünes Tuch ist auch dabei. Drei Köpfe übereinander am Fenster.„Leb wohl!"„Wiedersehen!"„Maust, lieb? Mausi, komm gut an!" Das wedelt, das flottert, dos winkt.�das jubelt. O, wer gäbe nicht alles drum, mit jvng srn zu dürfen, mit s-sts Wocken hinouszuzichen, i-'cht zu k.-nken an Tarifverträze, Bröl- teuerung, schiichtungsausschuß, dahin, dahin... Fort ist der Zug— um die Ecke. Selbst do» grün« Tuch ist »lcht mehr zu sehe» als Dr. steim kurz nach dem Umsturz 1918 den damaligen Minister- Präsidenten Eisner antelephonierte und sich und feine Organisation der Revolutionsregierung zur Verfügung stellte. Dr. steim will selbstverständlich von jenen Geschehnissen heute nichts mehr wissen und versucht, durch stereinziehen von Gesprächen, die er mit dem sozialdemokratischen Abgeordneten Auer führte, welcher damals Minister des Innern war. sich wieder einmal als unschuldiges Lämmlein hinzustellen. Was ich in Freilassing gesagt habe, ist nackte Wahrheit und wiederhole ich dieselbe wiederum: sterr Dr. steim hat kurz nach dem Umsturz 1918 den Minister- Präsidenten Eisner telephonisch angerufen und sich und seine Se- nossenfchast der Revolutionsregierung zur Verfügung stellen wollen. Weiter halte ich meine Behauptung aufrecht, daß wenig« Tage später Dr. steim persönlich bei Eisner erschien und diesem mündlich wiederum erklärte, daß er sich und seine Genossenschaft zur Mit- arbeit zur Verfügung stelle.. Daß Dr. steim von seiner damaligen staltung heute nichts mehr wissen will, finde ich begreiflich. Das gibt ihm aber noch lange nicht das Recht, der Wahrheit Gewalt anzutun und zu oer- fuchen, andere zum Lügner zu stempeln. Denn es ist und bleibt Tatsache, daß Dr. steim bei Eisner sich nicht nur telephonisch anbot, sondern auch persönlich erschien, sterr Dr. steim darf sich ja nur bei Meyer-stellkofen erkundigen, dieser wird ihm dann das Gedächtnis. das ihn hinsichtlich der Revolutionsvorgänge merkwürdig oft verläßt, schon etwas auffrischen und ihn cm das im Bayerischen stof in München geführte Gespräch erinnern. Meyer-stellkofen war nämlich mit mir bei Ministerpräsident Eisner und hörte es mit an. wie Eisner mir erzählte, daß Dr. steint soeben persönlich bei ihm war, um das telephonisch gemach?« An- gebot mündlich zu wiederholen. Gelöftrafe oöer Freiheitsstrafe. Don zuständiger Stelle geht uns eine ausführliche Zuschrift zu, die nochmals den kürzlich veröffentlichten Gesetzentwurf über die Geldstrafen und die kurzen Freiheitsstrafen zu verteidigen sucht. Das Schreiben wendet sich gegen die von uns vertretene Auffassung, der Arbeiterschaft komme der Entwurf schon deshalb nicht zugute, weil sie die erhöhten Geldstrafen doch nicht zahlen könne. Es wird darauf hingewiesen, daß gegen eine Anpassung der Geld- strafen an den gesunkenen Geldwert nichts eingewendet werden könne und daß gerade von Rechtslehrern, die besonders die soziale Seite des Verbrechens betont hätten, wie von Liszt, der Ausbau der Geldstrafe gefordert worden sei. Auch wir begrüßen grundsätzlich jede Erleichterung der bestehenden Gesetze und betonten schon neulich, daß gerade d:? Möglichkeit, an Stelle der bisher ausschließlich geltenden G e f 2 n g- n i s st r a f e für D i e b st a h l die Ersetzung durch Geldstrafe sehr erfreulich ist. In dieser stinsicht stimmen wir also mit der Zuschritt der zuständigen Stelle völlig überein. Wovon uns diese jedoch nicht zu überzeugen vermag, ist die Tatsache, daß die Geldstrafe von den Angehörigen der nichtbesitzenden Klasse nicht wird entrichte: werden können. Wenn den Gerichten auch die Befugnis gegeben werden wird, Fristen und Teilzahlungen zu bewilligen und die Tilggungsmöglichteit durch fteie Arbeit geschaffen wird, so müßte doch stand in stand mit diesen Vorschriften eine Stoffe- lung der Geldstrafen vorgesehen werden, die für den Un- bemittelten die Ableistung der Strafe in Geld nicht zur Illusion macht. Wie wir erfahren, ist vorgesehen, daß von der Dollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe dann abgesehen werden kann, wenn den Verurteilte ohne sein Verschulden außerstande ist, die Geld- strafe zu zahlen oder durch frei« Arbeit zu tilgen, stto ist unseres Erachtens der Weg, der zu einer Verständigung füh- ren kann. Es muß das Prinzip jeder künftigen Gesetzgebung wer- den, die Strafe nicht nur nach der Schwere des Derbrechens, also nach den objektiven Gesichtspunkten, sondern ebenso nach der sozialen Lage des Verbrechers, also nach den subjektiven Gc» stchtspunkten, zu bemessen. Macht das Gesetz in der Bemessung von Geldstrafen zwischen arm und reich einen gründlichen Tren- nungsstrich, so werden hierdurch keine Klassenunterschied« geschaffen, sondern bestehende Unte-schiede werden beseitigt. Und dies in mög- lichst vollkommenem Umfange zu erreichen, sollte das Z i e l j e d e r t Gesetzgebung sein. Der Golfstrom ist schuld. Ueber die Ursache der gegenwärtigen ungewöhnlichen stitze zerbrechen sich die Gelehrten andauernd den Kopf. Zu den vielen vermeintlichen Gründen, die man bereits aus- findig gemacht hat. gesellt sich jetzt ein neuer. Die diesjährig« er- höhte Temperatur des G o l f st r o m e s, der von Amerika kommend. an Norwegen vorbeigeht und sich im nördlichen Eismeer verliert. soll die Schuld tragen. Als Ursache für die anormale Wärm« des Golsstromes aber gibt«in schwedischer Forscher die Eisverhält- nisse an. Im vorigen Jahr hatte sich nämlich die Eiskante höher gegen Norden zurückgezogen, als dies seit Jahrzehnten der Fall gewesen ist. Von diesem starken Schmelzen haben sich die Eismassen des nördlichen Eismeeres auch im letzten Winter noch nicht wieder erholen können, so daß der Golsstrom eine ungewöhnliche Möglichkeit hatte. nordwärts vorzudringen. Darum tonnt« sich dessen Wärme in diesem Jahr schon seit dem Winter in außerordentlichem Grade im Atlantischen Ozean geltend machen. Eine Srzkllche kapuzinerpredigt. Die Professoren Gaupp (Tübingen), Kraepelin(München), Abderhalden(stalle a. d. S.) und Strümpell(Leipzig) wenden sich in einem Aufruf gegen Alkohol und Tabak an die deutsche Aerzteschaft, der mit den Worten schließt:„Tretet dem Irrtum von der kraftspendenden Be- deutung des Alkohols, der Unentbehrlichkeit des Tabaks sowie dem trägen und frivolen Leichtsinn der breiten Massen unseres Volkes entgegen, damit uns Aerzten der- «inst der Vorwurf erspart bleibe, daß wir in den schwersten Jahren unseres Volkes unsere Pflicht'gröblich verletzt haben! Es ist gewiß sehr löblich, daß dies« vier Aerzte ihr« Pflichten gegenüber dem deutschen Volke ernst nehmen, aber sie brauchten des- halb nicht aleich so grob zu werden. Außerdem verbieten heut« die enormen Getränke- und Tabokoress« den„breiten Massen" den Alkohol- und Nikotinmißbrauch schon von selber. Di« sterren töten daher besser, sich mit ihrer medizinischen Bußpredigt an andere Kreise zu wenden. Die erste Inkernaklonale Tagung für Sexualreform findet vom 15.— 19. September in Berlin im Virchow-Langenbeck-stause und im Institut für Sexualwissenschaft statt. Aus dem Programm feien hervorgehoben die Vorträge über „Dtt Bedeutung der inneren Sekretion für die menschlickie Sexualität" und Referate ans eem Gebiet der Sexualpädagogik. Ferner werden behandelt werden die Themata: �.Geschlecht im Recht", „Die Liebe im Lickt der experimentellen Biologie",„Ehereform". „Entstehung des Stcrchmärchens".„Sexuelle Zeremonien der Naturvölker",„Prostitution und Sexualreform" und„Geburten- regelung". Die einleitenden Vorträge über„Sexualreform auf fextiolmissenfchaftlicher Grundtage" halten San.-Rat Dr. M. stirsch. feld'?"'tn und Pros. Mkli-Rvm. C-gltich« Auiju-nturrm in Trll cl Amarna. An d-r St»''? der berühmten Ausgrabungen der Deutschen Orientgesellschafl, in der Residenz des Königs Amenophis IV„ deren herrliche Fundstücke im Be�yuk* Neue» agujeum ou>g>p«llt sind, veranstaltet jetzt Arbeitgeber als Straßenrauberl Dom Deutschen Landarbeiterverband wird uns geschrieben: Ein ungewöhnlich frecher Raubüberfall auf einen G e w e r k- schaftsange st eilten spielte sich am Freitag nachmittag voriger Woche auf der Landstraß« von Distelrath(Kr. Düren) nach Golzheim ab. Ein Angestellter des Deutschen Landarbeiter- verbände? hatte in Distelrath ein Dersammlungsplatat angebracht und nahm dabei die Gelegenheit wahr, die Landarbeiter auf die statt- findende Versammlung aufmerksam zu machen. Er ging in den Hof der Gebr. S t r e p p in Distelrath und sprach dort mit einigen Arbeitern, zuletzt in Gegenwart des Verwalters. Gleich- zeitig hatte er mit einem Mitglieds des Deutschen Landarbeiter- Verbandes eine kurze Unterredung über eine schwebende Lohn- streitfrage des betreffenden Arbeiters. Danach fuhr er mit einem Fahrrad nach Golzheim zu. Mitten im Felde auf der Land- straßs wurde er plötzlich von drei mit dem Fahrrad herankommen- den Männern gestellt und gezwungen, vom Rade abzusteigen. Der Betroffene erkannte sofort die Landwirte S t r e p p und ihren sauberen Verwalter wieder, die nun in widerlicher Weise unseren Kollegen beschimpften wie: Du Sauaas, Du Lump, Du Bolschewik. Du Leute- rerhctzer usw., ihn ergriffen und zu Boden schlugen, so daß der Angestellte am ganzen Oberkörper blutunterlaufene Stellen aufweist, und der Hals dick angeschwollen ist.— Die ärztliche Untersuchung b e st ä t i g t e die ungewöhnliche Mißhandlung. Nachdem sie so ihr Opfer zu Schanden geschlagen, schnitten die Herren die Akten- mappe vom Rade weg, in der sich erhebliches Wertmaterial befand. Ferner sind dem Angestellten 3S0 M. in bar abhanden gekommen. Wir fragen nun, wie ist diese Flegelhaftigkeit dieser tollwütigen Bauern zu verstehen? Antwort: Die Bauern des Kreises Düren haben es bisher verstanden, sich jeden Einflusies ihrer Arbeiter auf die Gestaltung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erwehren und freuen sich ihres Erfolges, denn nach wie vor werden H u n- gerlöhne gezahlt und.es wird den Arbeitern zugemutet, von früh morgens bis spät abends zu schuften; da sind denn dies« Sorte Ehristenmenschen besonders wachsam, daß jeder Versuch der gewerk- fchaftlichey Regsamkeit ihrer Arbeiter mit allen Mitteln unter- drückt werden muß, sei es auch mittels Totschläger, wenn er nur gut geführt wird. Wie oft hatten wir Gelegenheit von dieser Sorte Menschen schwülstige Reden über Christentum und christliche Lehren zu hören. Wie wenig sie selbst danach l-ben, beweist nicht allein dieser Fall, ganz allgemein hört man heute noch Klagen, dah sie besonders ihre in Kost und Logis lebende Ar- beiter nach Willkür verprügeln. Herr Staatsanwalt, Sie haben das Wort! Der desuch wirths in dretnen. Bremen, 2. August.(TU.) Der Reichskanzler Dr. Wirth weilt heute ivie bereits gemeldet, in Bremen, um sich über allgemein-wirt- Ichaftlich« und Schiffahrtsfrngen zu unterrichten. Dabei wird er am Abend in der Börse einen öffentlichen Vortrag über die Einwirkung der Politik aus die Wirtschaft halten. Eingestelltes verfahren. Das im Mai d. I. gegen den früheren Landrat in Songerhausen Kaspareck eingeleitete Strafverfahren wegen Hochverrats ist durch den Staatsanwalt e i n- gestellt worden. Ehrhardt und die Marineflagge. Zu unserer Schilderung in der iängsten Sonntogsnummer über Ehrhardt im Königlichen Schloß zu Berlin schreibt uns Genosse Noske, daß seinerzeit Ehrhardt auf seine Veranlassung die Fahne eingezogen habe. Deutschland als Treuhänder zwischen Bußland und Ungarn. Wie die Dena aus Riga meldet, ist gestern Zwilchen Rußland und Ungarn ein Vertrag über den Kriegsgefangenenaus- tausch abgeschlossen worden. Der Vertrag sieht bei dem Aus- tausch 400 ungarischer Kommunisten gegen unga- rische Kriegsgefangene die Vermittlung eine» dritten Staates als Treuhänder vor. Nach zuverlässigen Informationen wird Deutschland gebeten werden, als Treuhänder zu fun- gieren. die englische Gesellschaft zur Erforschung Aegypten» neue Unter- suchungen. In dem Bericht, den einer der Vizepräsidenten der Gesellschaft, Lord Carnarvon, jetzt bei Gelegenheit einer Ausstellung der Funde in London erstattet hat, betonte er, auf welcher hohen Stufe die früheren deutschen Arbeiten dort gestanden haben. Er fügte hinzu, paß trotzdem die letztjährigen englischen Untersuchungen die deut- scheu an Sorgfalt noch überträfen. Unter den Fundstücken stehen an Seltenheit zwei Flaschen aus vielfarbigem Glas obenan. Auch ein neues Bildhauermodell nach Art der in Berlin befindlichen wurde ausgegraben, mit menschlichen Figuren auf der einen, mit einem sehr schönen Kopf auf der anderen Seite. Lord Carnarvon hob hervor, daß der richtige Name für die um tZ7S vor Christi geschaffene Stadt des Pharao„A k h e t a t o n" ist. Ergebnisse der amerikanischen Volkszählung. Die Volkszählung von 1920 in den Vereinigten Staaten, die nunmehr statistisch aus- gearbeitet ist, hat ergeben, daß von der Bevölkerung 94 822 431 Per- sonen der weißen, 10 403 013 der schwarzen Rasse angehören, außer- dem zählte man 242 9ö9 Indianer, III 02S Japaner und 61 686 Chinesen. Das japanisch« Element— hauptsächlich an der Küste des Stillen Ozeans ansäisig— hat in dem Jahrzehnt von 1910 bis 1920 eine Zunahme um 58,9 P r o z. erfahren. Die weiß« Raff« hat nur um 10 P r o z. zugenommen, die schwarze um'6,5 Prozent, die Indianer um 8,6 Proz. und die Chmefen um 18V Proz. Im vorhergehenden Jahrzehnt hatte sich die weiße Bevölkerung um 2?V Broz. erhöht. Die Verminderung der Zunahme ist. wie der offizielle Berichs feststellt, der Verringerung der Einwanderung infolge des Krieges zuzuschreiben. „Zu diesem Restaurant fehlt es an Reinlichkeit.' Die Polizei von Athen scheint sich die Strenge ihres Ahnherrn Drako zum Muster genommen zu haben und wendet sie augenblicklich im Kampf gegen die Lebensmittelhändler und Gastwirtschaften an. die in bezug aus Reinlichkeit zu wünschen übrin lassen. Man hat ein« Inspektion der Läden und Gasthäuser angeordnet, und die Berichte über ihre Erqeb- nisse werden in den Zeitungen veröffentlicht. Die Gastwirtschaften erhalten hier Noten über ihr Betragen in diesem kitzligen Punkt. die je nachdem auf sauber, sehr sauber oder schmutzig lauten. Die Polizei traut aber offenbar der Wirkung dieser Ber- öffentlichungen noch nicht; denn sie macht jetzt bekannt, daß jedes Lokal, das die letzte Note erhalten hat und nach dreimaliger Er- mabmmq keine Besieruna zeigt, dazu verurteilt werden solle, an seiner Eingangstür ein Schild anzubringen mit der Inschrift:„In diesem Lokal fehlt es an Reinlichkeit.' Natürlich hat dagegen ein heftiger Zeitunqskampf eingesetzt, und es bleibt obzmvarten, ob die Polizei fest bleiben oder tapfer zurückweichen wird. „Tn? Reck,« der dentkiben Nevvluliou- Imrtet der Titel eme? Zaulli df4 Weronen Dr moltn? a!N p l die im SViime von K. (Ben. in Han.dueg->!ch even> Ali' rociöcn d- umäckl, t.e!vt ,!««»» Aö- lanraulgeu»DlcÄeuo.ul.oninGros- Hamburg" und»D i e «vod»Ha»burgiich« Revolutionsrecht' jotgca. Unterfthlagung vo Mark verschwanden Folgendes Schriftstück geht uns mit der Bitte um Derösfent- lichung zu: Das große Werk der Hilfe, das unsägliches Leid gellndert, das den ärmsten unserer Genossen, den Familien der Inhaftierten, in schwer bedrängter Zeit, vor und nach dxr Revolution, die einzige Hilfe darbot: Die Unter st ützungskommission der Ber- liner Arbeiterschaft ist be stöhlen und betrogen. Wir stellten heute fest, daß die nach der Abrechnung vom 15. April 1921 angeblich auf der Bank sein sollenden 345 329,50 VI. bereits am IS., 10., 20. November 1920 von den beiden kommunistischen Treuhändern Paul Eckert und Karl Hagen abgehoben wurden und verschwunden sind. Der Kassenbericht, der in der Generalversammlung der Betriebs- räte Berlins am 6. Mai 1921 gegeben worden ist, war Lug und Trug. Die als Kassierer und Revisoren tätigen Adolf B a e?, Paul Eckert, Otto Mendt, Korl Hagen und Hermann Walter haben frech und unverantwortlich die gesamte Arbeiterschaft be. logen und sie haben mit diesem lügenhaften Kassenbericht auch den dritten Treuhänder hintergangen, der alten Freunden und Kampfgenossen glaubte restloses Vertrauen entgegenbringen zu müssen. Der Genosse Emil Borth, der von der Generalversammlung der Betriebsräte Berlins beauftragt war, dafür zu sorgen, daß die Unterstützungskommission paritätisch zusammengesetzt werden soll, hat dies zu vollbringen versucht. Die BKPD. sträubte sich in mehreren Sitzungen, dem Beschluß der General- Versammlung zu entsprechen. Am 1. August 1921 fand die konstituierende Sitzung der neugewählten Unterstützungskommis- sion statt, die den Genossen Emil Barth zum Vorsitzenden und Adolf B a e r, trotzdem er nicht anwesend war, zum Kassierer bestimmte. Diese Sitzung beauftragte den Genossen Barth, Gelder der Unterstützungskommission insoweit zu sperren, daß sie nur mit der Unterschrift aller drei Treuhänder abgehoben werden können. GrofrBerMl Die Frauenarbeit im Rathaus. „Arbeit und Kampf im Berliner Rathaus' lautete die Tages- ordnung einer Funktionärinnenversammlung, die gestern in der Schulaula, Steinstraße, tagte. Als erste Rednerin sprach die Stadt- verordnete Genossin Martha Hoppe, die einen Rückblick auf die Kämpfe gab, die seit 1919 in der Stadtoertretung geführt worden sind. Mit festen Borsätzen sei die SPD.-Frakiion an die Arbeit ge- gangen, um möglichst viel für die werktätige Bevölkerung zu leisten, doch sei eine umfangreiche fruchtbare Arbeit einerseits an der Un- «inigkest der sozialistischen Parteien, anderseits an dem Widerstand der bürgerlichen Stadtoertreter gescheitert. In den Ausschüssen zur Beratung der Vorlagen sei die SPD. nur schwach vertreten gewesen und habe sich deshalb darin nicht auswirken können. Manchmal habe sich die Situation in der Stadtvertretüng so gestaltet, als ob man sich in einem Tollhause befind«. Die Unabhängigen und Kommunisten hätten zwar für jede Lohnerhöhung der städtischen Arbester gestimmt, aber nicht für die Deckung der Ausgaben Sorg« getragen, wie auch die Ablehnung des letzten Etats beweise. Die Forderungen der Arbeiter habe die SPD. als gerechte gern an- erkannt, indes habe man auch berücksichtigen müssen, daß für sie die nötige Deckung erforderlich war. Nun stehe man wieder, und zwar zum drsttemnol feit der Revolution vor den Etadwerordnetenwahlen. Wie diese aber auch ausfallen mögen, eine gewie Gewähr fei doch dafür gegeben, daß die Demokratisierung der Stadtverwaltung weitere Fortschritte machen werde. Auch für die Durchsetzung der Frau müsse weiter gekämpft werden.(Lebhafter Beifall.) Frau K u l i ck e gehört der Wohlfahrtsdeputation an. Sie konnte der Versammlung die erfreuliche Mitteilung machen, daß es ihr möglich gewesen ist, eine besondere Unterstützung der Almoseaempsänger zu bewirken, was der Stadt allerdings etwa 3,5 Millionen Mark gekostet habe. Auch Bekleidungsgeqenstände habe die Deputation auf ihren Rat an die Armen bewilligt, ebenso sei das Los der Blinden durch mehr Fürsorge erleichtert worden. Genosse Stadtrat D i t t m e r berichtete au« dem Jugendamt, daß hier dos Best« aus allen Gebieten geleistet werden konnte. Di« Berufsvormundschaft habe einen bedeutenden Umfang angenommen. Es bereite ihm groß« Freude, konstatieren zu können, daß sich in weiten Kreisen der Bevölkerung ein lebhaftes Interesse für die Jugendpflege bekunde. Dr. Blum Hab« sich als ein guter Leiter der Fürforgezögllnge auf„Lindcnhof" erwiesen. Nicht weniger als 65 000 Kinder zu verschicken, sei eine gewaltige Aufgabe für das Jugendamt, doch fei zu hoffen, daß diele bestens gelöst werden könne und daß hierzu die vorhandenen Mittel sich als ausreichend erweisen.(Beifall.) Genossin Schmidt schilderte in ihren Ausführungen die Tätig- keit der Ernährungsdeputation und das Wirken der Sparkassen. Dem Aufhören der Zwangswirffchaft fef leider eine empfindliche Steigerung der notwendigsten Lebensmittel gefolgt. Obgleich auch die Kartoffeln freigegeben worden feien, habe die Deputatisn doch dahin gewirkt, daß der Magistrat ein größeres Quantum Kartoffeln auf Lager nehmen werde, um so etwas in Reserve zu hoben und den Preis regulieren zu können. Gerode die Ernährungsdeputation habe einen schweren Stand und werde obendrein noch mit ganz ungerechten Vorwürfen überhäuft. So sei auch der Vorwurf, daß die Milch durch die Stadt verteuert werde, völlig unbegründet. Leider sei eine erhebliche Erhöhung des Broipreifes. zu befürchten. Wenn irgend möglich, werde die Stadt einen Höchstpreis festhalten müssen. Hierauf sprachen noch mehrere Redner und Rednerinnen. Auch Genossin Todenhagen nahm vor Schluß der Bersammlung noch das Wort, um auf einige in der Aussprache vorgebrachten Tat- sachen näher einzugehen. Sie rief zu reger Werbung auf, damit die bevorstehenden Wahlen zur Stadtoertretung einen günstigen Der- lauf nehmen und die Partei stärker an der städtischen Berwaltung teilnehmen könne. Wie aus den heute vorgebrachten Mittellungcn über die Tätigkeit der Genossinnen m der Verwaltung bekannt- geworden sei, erscheine die Mitwirkung der Frauen in verschiedenen Deputatiocken als unentbehrlich, um so mehr müsse dahin gestrebt werden, daß der ihnen zu überweisende Wirkungskreis durch die Neuwahlen eine wünschenswerets Erweiterung erfahre. Neuerungen im Fernsprechverkehr. Querverbindungen widerruflich erlaubt. Di« Reichstelegraphenverwallung beabsichtigt, den Fernsprech- teilnehmern größere Freiheit in der Herstellung und dem weiteren Ausbau ihrer Rebenftellenrnlaaen zu-"-bei: Hchrn immer wurde es von den Trilnrhnan ein Maansl empfunden, daß die Haupt � stellen nichwelchseizencr'.tebeustellenanlageu nicht durch unmittelbare n Mbeitergelöem. — K.P.D.-Führer die Täter. Als Genosse Barth heute früh nach der Vank kam, um dies dort mitzuteilen, erklärte ihm der Filiallester, daß dies, da nur noch 250,50 Mark als Bankguthaben vorhanden feien, doch nicht mehr zweckmäßig fei. Da nach obengenannter Abrechnung vom 16. April 345 329,50 M. vorhanden fein sollten, stellte Barth fest, daß rund 345 000 Al. outer- schlagen sind. Wir warnen die Berliner Arbeiterschaft dringend, noch einen ein« zigen Pfennig an B a e r abzurechnen. Wir bitten ebenso dringend. alle noch vorhandenen Listen möglichst umgehend mit den gezeichneten Beträgen bei dem Genossen Richard Herbst, Berlin, Breite Straße 9, abzurechnen, ebenso leere Listen dort abzuliefern. Diese Einlieferung aller Listen ist dringend notwendig, um nunmehr von Anfang bis heute eine eingehende Nachprüfung aller vereinnahmten und veraus- gabten Gelder vorzunehmen. Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale für den Wirtfchaftsbezirt Groß-Berlin, i. A.: G u i a r d. Berliner Gewerkschaftskommission, i. A.: Carl Vollmerhaus. Unterftützungskommifsion der Berliner Arbeiterschaft, i. A.: Emil Barth. « Die Unterstützungskommission wurde nach den großen Januar» streiks im Jahre 1918 gebildet. Ihr Zweck war, die wegen ihrer poli» tischen Ueberzeugung Verfolgten und Inhaftierten sowie deren An- gehörige zu unterstützen. Sie hat in der Zeit ihres Be- stehenszweifellossehrfegensreichgewirkt. Auf die Einzelheiten dieser ungeheuerlichen Skandal g e s ch i ch t e, die den moralischen Zusammenbruch der KPD. voll» endet, kommen wir noch zurück. Leitungen(Querverbindungen) miteinander verbunden werden kann» ten. Dos fall künftig gestattet fein, und zwar nicht nur zwischen Houptstellen im Anschlußbereick» desselben Ortsnetzes, sondern in Aus- nahmefällen auch z w i f ch en H o u p t st el l e n in den A n f ch l u ß- bereichenverfchiedenerOrtsnetze, soweit diese nicht über 25 Kilometer von einander entfernt find. Die Obcr-Postdirektionen sind vom Reichspostminister ermächtigt worden, Anträgen auf Her- stellung von Querverbindungen dieser Arten fortan, zunächst wider- r u f l i ch, z u entsprechen. Weitere Maßnahmen, durch die dem Fernsprechteilnehmer die Möglichkeit gegeben werden soll, gegen Zahlung oon� Sondergebühren seinen Anschluß zur Steigerung der Benutzungsmöglichkeit weiter auszunützen, sind in Vorbereitung. Jagd hinter einem Einbrecherauto. In der letzte» Zett waren in vielen großen Konfektions- ge f chiä{ten Einbrüche ausgeführt worden, bei denen den Dieben große Werte an Seiden- und anderen Stoffen in die Hände gefallen waren. Die Nachforschungen hatten ergeben, daß jedesmal in der Nähe der Einbruchsstelle ein Automobil gesehen worden war. Auf dieses Automobil machten nun Beamte der Dienststelle 8 I, 4 Jagd. Es gelang ihnen auch jetzt endlich, dem geheimnisvollen Automobil nach einem Einbruch in ein großes Geschäft auf die Spur zu kommen und die dort gestohlene, wiederum mit dem Kraftwagen fortgeschaffte Beute im Werte von 150 000 M. zu be- schlaanahmen. Das Auw fuhr nach der Somariterftraße 18, wo die Fohrgäste mit Ballen und Säcken in dem kleinen Zigarrenloden von Eduard H u b er oerschwanden. Dort wurde dann bald darauf die ganz« Beute gefunden und beschlagnahmt und der Ladenbefitzer Huber festgenommen. Er gab nun an, daß er mit dem Embruch nichts zu tun habe, die Sachen ihm vielmehr von einem Unbekannten gebracht worden feien. Am Tatort aber hatten unterdessen die Beamten Fingerabdrücke gefunden, und der Erkennungsdienst konnte einwandfrei feststellen, daß sie von den Händen des Huber herrührten, der so der Beteiligung am Einbruch überführt werden konnte. UnnufgeNcirter Waffenfund. Ein geheimnisvoller Waffenfund, der noch der Aufklärung b«. darf, ist. wie uns mitgeteilt wird, heute auf den: Güterbahnhof Magerviehhof gemacht worden. Ein irrtümlich dorthin ge- langter Waggon mit Eisenschrot enthielt, als man ihn durchsuchte, 150— 200 neue Gewehr- und Korabinerläufe belgischen Modells und 5 Kisten dazugehöriger Munition. Die Waffen waren geschickt unter dem darüber geschichteten Eijonschrot versteckt. Das Berliner Polizeipräsidium wurde von dem Fund benachrichtigt und die Nachforschung nach dem Eigentümer sofort eingeleitet. Wohnlauben und Heimalschutz. Der Regierungspräsident in Potsdam hat mit Zufttmmung des Bezirksausschusses sür den Regierungsbezirk Potsdam die zur Förderung des Wohnlaubenbraes erlassene Sonderpolizeiverordnung vom 11. April 1919 für die la n d. sch a f t l i ch hervorragenden Gegenden, die unter besonderen Schutz gestellt sind und noch gestellt werden, aufgehoben. Für diese Gegenden bedürfen also Wohnlauben der allgemeinen baupoli- zeilichen Erlaubnis. Das Stiefkind Lichtenrade. Auf der Dorfaue in Lichtenrade fand am Sonntag, den 31. Juli, ein« Proteftverfammlung gegen die un- zulänglichen Berkehrsverhältnifle von Lichtenrade nach Berlin statt. Alle Redner traten energisch sür die Weiterführung der Linie 73 von Mariendorf und der Linie 28 von Buckow nach Lichtenrade«in. Es wurde eine Resolutton beschlossen, die Protest erhebt gegen die vollständig ungenügenden Berkchrsoerhältnisie zwischen der Stadt Berlin bzw. den Orten des Bezirks XIII und des Ortsteils Lichtenrade und sofortige Inangriffnahme der Verlängerung der Straßenbahnlinien 73 und 28 bis Lichtenrade fordert. Die Einwendung einer Unrentabilität dieser Linien sei nicht stichhaltig, da die Waoen an den Endhaltestellen bereits jetzt immer voll besetzt sind und die Bautätigkeit bei einer Weiterführung der Straßenbahn ganz be, deutend aufleben würde. Im Berliner Aquarium hoben sich in Glasbehältern des Tropen- ravmes im Insektartnm eine Anzahl der hier gezüchteten Larven der indifch-malarifchen Riefenftabheufchreck« zu Volltieren verwandelt. Di« Weibchen sind wohl die größten Infetten, die es überhaupt gUit und wirken in ihrer grür chen, zweigähnlichen Gewandung beinahe ungeheuerlich, während die auffallend kleinen und schlanken Mann- chen mit etwa 1 Gramm nur ff» ihrer Frauen wiegen. Die in kurzem erscheinenden Eier liefern erst nach Halbjahresfrist die Larven, die wieder ungefähr 4 Monate brauchen, um heranzureifen. „Ter Nrbeitrr-NotizkalendcrIOLL' gelangt SInwng Teptencker fi.-X bei der Buchhandlung SlormSdS, Berlin SD. 68, zur Auegabe. Wäb'cvl» er iin Vorjahr au? PreiSiücknchten nur mit einem kaschierten Karton» umschlug»ersehen«var. präsentiert er sich diesmal wieder in einem sdlen schöne» Einband mit künblerischer Vignette. Der Textteil hat eine neu« und umfangreichere BuSgeftaitung erfahren. Der Nrbe>ttr-No!izt«Ic»d« ist von jeder Parteibuchhandlung zu beziehen. Das Wetter für morgen. .Zunächst iebr wo:m und schwSI, überwiegend heiter, ziemlich lebhaft« südliche Dmde, nachher zunehmende Bewöiümg, EewUterueigung und etiva» kühler. GewerVsthsfisbeVegung Der verband der Gemeinde- und Staatsarbelter im Jahre 1920. An dem ungeheuren Aufschwung, den das Jahr ISIS den fvelen Gewerbschaften brachte, hatte auch der Verband der Ge- meinde. und Staatsarbeiter seinen redlichen Anteil. Ganze Ar- beitergruppen, die vor der Novemberrevolution nur schwer oder gar nicht zu organisieren waren, strömten jetzt dem Verbände zu. Es seien nur erwähnt: das Personal in den Kranken-, Irren- und sonstigen chetlanstalten, die Arbeiter in den Staatsbetrieben und staatlichen Verwaltungen, die Landstraßenwärter usw. Die Folge dieses Zustroms war, daß die Zahl der Mitglieder von 00 705 in 219 Filialen am Jahresschluß 1918 auf 279 886 in 567 Filialen am Jahresschluß 1919 stieg. Das Verbandsnermögen wuchs im gleichen Zeitraum von 1 167 649 M. auf 4 553 549 M. Weniger stürmisch war der Mitgliederzuwachs im Jahre 1929. Die Zahl der Verbandszugehörigen stieg auf 299 891, die der Filialen auf 795. Dagegen wuchs das Verbandsoermögen in- folge mehrfacher Beitrogserhöhungen auf 11289 477 M. oder von 18,96 M. auf 43,93 M. auf das einzelne Mitglied. So ausgerüstet konnte der Verband auch tatkräftig und erfolg- reich für seine Mitglieder wirken. In 1462 Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung, die sich auf 3965 Betriebe erstreckten, erreichte er für 317 313 Beteiligte eine wöchentliche Lohnerhöhung von 32 597 892,12 M. oder 194,52 M. für den einzelnen. Das ist ein außerordentlicher Erfolg, denn die wöchentlichen Lohnsteigerungen betrugen 1919 nur 21,75 M. Weiter wurde erreicht eine Verkürzung der Arbeitszeit von durchschnittlich 9,99 Stunden für 4392 Personen— 39 115 Stunden, die über dem Achtstundentag lag und fast ausschließlich dem Per- sonal in den Heil- und Pslegeanstalten und den Landstraßen- Wärtern zugute kam. Neben dielen friedlichen Lohnbewegungen hatte der Verband noch 33 Streiks zu führen, von denen einige erheblichen Umfang annahmen. 29 von diesen 33 Streiks endeten mit Erfolg, während die anderen 4 erfolglos ausgingen. Erreicht wurde durch diese 29 erfolgreich geführten Streiks für 39 876 Personen eine wöchentliche Lohnsteigerung von 622 8??,18 M. Während diese Streits geführt wurden, machte sich die „Technische Nothilfe" recht unangenehm bemerkbar, da sie auch zu Streikbruchzwecken benutzt wurde. Ihr galt der Kampf des Ber- bandes im besonderen. Vor der Revolution hatten die Gemeinde» und Staatsarbeiter viele schwerer um die Anerkennung des Koalitionsrschts zu ringen, als die Arbeiter in der Privatindustr.e, und noch weniger waren die Verwaltungen de? Gemeinde- und Stacusbetriebe zu Tarifverträgen bereit. Nur ganz wenige Stadwerverwaltungen machten Aus- nahmen. Di« Revolution machte auch hier d«n Weg frei. Bereits am 5. Februar 1919 wurden vom Vorstand des Gemeindearbeiterver bandes und dem Vorstand des Deutschen Städtetages„Richtlinien für Tarifverträge zwischen Stadtgemeinden und städtischen Arbeitern" unterzeichnet, die später auch vom Reichsstädtebund anerkannt wurden. Statistisch ersaßt wurden vom Bcrbandsoorstand für das Jahr 1919 159 Tarifverträge, bei deren Abschluß in den allermeisten Fällen die Richtlinien als Unterlage dienten. Sie erstreckten sich auf 1137 Betrieb« in 299 Orten mit 93 527 Beschäftigten. Im Jahr« 1929 gelang es, die„Richtlinien" in einen Reichs manteltorif�umzu- wandeln, der die Schaffung von Bezirkstarifen stark begünstigte. Solcher Bezirkstarife kamen 1929 13 zustande. Für die Verwoltungsarbeiter bei den Reichs- und preußischen Staatsbehörden galt der Reichstarifvenraq vom 7. November 1919 nebst den später getroffenen Ergänzungsabkommen. Für die Be- triebsarbeiter bei den Reichsbehörden galt der Tarifvertrag vom 4. März 1929, der mit Ausnahme der Lohntabelle inhaltlich sich mit dem Tarifvertrage vom 7. Nooember 1919 deckt. Für die Staats- arbeiter in den einzelnen Ländern, mit Ausnahme von Preußen, bestehen für die verschiedenen Detriebsarbeiten besondere örtliche und auch zentrale Tarifverträge. Erwähnt möge noch werden der Lbwehrkampf. den die Reichs- fektion Gefundheitswe!«» zu führen hatte gegen die Bestrebungen, dyn Achtfhmdentag in den Heilanstalten aller Art wieder zu be- seitiqen. Die Achtstundentagoerordnung vom 23. No> v e m b e r 1918 wurde nur in den Anstalten anerkannt, wo das Personal von vornherein genügend stark organisiert war. In anderen mußte der Achtstundentag.erst erkämpft werden. Bon Arbeitgeberleit« versuchte man ober immer wieder abzubauen. Schließlich kam dieser Reaktion noch das Reichs- arbeitsminifterium mit einem Gesetzentwurf zu Hilfe, der zwar den Kronkenpslegcpersonen den Achtstundentag zugestand, dem übrigen Personal aber ein« länger« Arbeitszeit zumutete. Wiederholte Ber« hcmdlungn im Reichsarbeitsministerium, an denen alle Kranken- pflegeorganisationsn beteiligt waren, führten dazu, daß sich die ver- handelnde Kommission auf die 69-Stunden-Woche für das gesamte Personal in den Heilonftallen festlegte. Schuld an diesem Ergebnis war. daß die Bertreter der religiösen Orden und die Vertreterin der (bürgerlichen)„Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen" mit den Arbeitgebern stimmten. Infolge der Auslösung der Nationalversammlung blieb die An- gekegenheit unerledigt. Die Reichsregierung scheint der preußischen Staatsregierung entsprochen zu haben, die die Reichsregierung am 23. Dezember 1929 ersuchte,„die gesetzlich« Regelung der Arbeitszeit der Krankenpfleqeperfonen noch hinauszuschieben, bis nach einer weiteren Prüfung der äußerst schwierigen Angelegenheit ein« ent- sprechende Klärung und ein Ausgleich der zwischen den einzelnen Gruppen des Kronkenpflegepersonals noch bestehenden tiefgreifenden Gegensätze stattgefunden hat". Dafür hatte die Reichsregierunq in dem allgemeinen Geletzent- wurf zur Regelung der Arbeitszeit das Krankenpfleoepersonal „liebenswürdioermeise" in die Gruppe dersenigen Arbeiter mit einge- reiht, deren Tätigkeit zum erheblichen Teil nur aus Arbeitsbereit- schaft besteht und deren Arbeitszeit bis auf täglich 11 Stunden aus- gedehnt«erden kann. Der Gesetzentwurf ist infolge des Einspruchs der Gewerkschaftsvertreter glücklicherweise wieder zurückgezogen worden, wäre er aber Gesetz geworden, so hätte er einen Zustand geschaffen, der sich von dem miserablen der Vornooemberzeit wenig unterschieden hätte. So hat der Lerband der Gemeinde- und Staatsarbeiter umfang- reiche zähe Kämpfe zu führen gehabt, die erfreulich groß« Erfolge zettigten, und die zeigen, wie naiv jene„klugen" Leute waren, die m der Revolutionszeit meinten, die Gewerkschaften feien nun überflüssig. Kellner und Trinkgeldfrage. Mit der Abschaffung des Trinkgeldes beschäftigte sich eine außer- ordenttich stark besuchte Nachtoersammlung der Gast- wirtsgehilfen und Zimmermädchen, die in der Nacht vom Montag zum Dienstag in den Germaniasälen tagte. Redner des Abends war Saar, der sich in seinem Referat mit aller Schärfe gegen das Trinkgeld aussprach. Die Frage, ob Trinkgeld oder nicht, sei keine neu«, und auch die Abschaffung sei früher schon beschlossen worden. Die Gastwirts- gehilfen waren aber zur gründlichen Durchführung des Beschlusses nicht in der Lage, weil ihre Organisation nicht kräftig genug war, die Forderung durchzusetzen. Heute wolle man seitens der Hotel- und Restaurantbesitzer das Trinkgeld nicht nur nicht abschaffen, sondern neu wieder ein- führen. Die Revolution hat den Achtstundentag gebracht. In den acht Stunden kann der Gastwirtsgehilfe nicht soviel Trinkgeld, als zur Existenz nötig ist, erwerben. Es würde sich fragen, ob wir uns gegen den Achtstundentag oder gegen dos Trinkgeld wenden wollen. Gegen den Achtstundentag können wir uns nicht wenden, folglich wenden wir uns gegen das Trinkgeld und ver- langen für unsere Arbeit einen anständigen Lohn. Wie schon die Profesioren Roscher und Schmoller erklärt haben, steht das Trinkgeld zwischen Arbeitslohn und Almosen. Auch Professor Dr. Oldenburg hat das Trinkgeld als eine Entlohnung bezeichnet, die das Ehrgefühl bricht, die Sameradschafi- llchkeit gefährdet, zum Lakaiensinn erzieht und das Gefühl der sozialen Zurücksetzung reizt.— So urteilen unparteiische Gelehrte. Würden wir weiter für Trinkgeld arbeiten, hätten wir euch nicht zu erwarten, daß die Arbeitgeber sich fernerhin zum Abschluß eines Lohntarifs bersiffinden lassen. Wenn wir keine Bettelpfennige, keine Almosen wollen, muffen wir mit dem Trinkgeld endlich reinen Tisch machen.(Stürmischer Beifall.) In der anschließenden Aussprache kam es zu lärmenden Auf- iritten. Richter(Komm.) erklärte, daß man erst höhere Löhne, dann Abschaffung des Trinkgeldes fordern müffe. Das Trinkgeld werde man nicht eher beseitigen, bis die ganze kapttalistische Gesell- schaft beseittgt sei.(Beifall und Widerspruch.) Bon einem nach- folgenden Redner wurde darauf hingewiesen, daß die Gehilfenschaft in der„Gesellschaft für soziale Reform" einen guten Bundesgenossen habe. Im weiteren Verlauf der Tagesordnung steigerte sich der Lärm derartig, daß der Vorsitzende die Ruhe nicht wiederherstellen tonnte und deshalb die Versammlung vertagte. Die Ausführungen des kommunistischen Redners werben von den Freunden des Trinkgeldwesens mtt tiefinnerer Freude begrüßt werden, denn sie können sich bei ihren reaktionären und arbeiter- feindlichen Zielen wirklich keine besseren Helfer wünschen, als diese radikalen Rückschrittler.(D. Red.) Handels übllch ist, daß all« Verträge durch den Syndikus, Dr. Engel. unterzeichnet werden- hat man diesmal den Borsitzendeu der Fach, gruppe, Herrn Heilbronner, unterschreiben lassen. Der Zweck dieser Maßnahme ist allerdings recht durchsichtig. Herr Dr. Engel vertritt das Prinzip, daß die Tarife des Großhandels 399 M. nicht erreichen dürfen. Der Tarif im Metallhandel erreicht, ja überschrettet teilweise diesen Satz. Nun will man den anderen Fachgruppen sagen können: ,-Ja der Vertrag im Metallhandel ist nicht mit uns, sondern mit der Fachgruppe geschlossen worden." Um dieses Argument von vornherein hinfällig zu machen, stellen wir fest: 1. Die Berhandlungen im Metallhandel sind auf Arbeitgeber- seite von Herrn Dr. Engel, Syndikus des Groß-Berliner Ar� beitgeberverbandes des Großhandels geführt worden. 2. Der Vertrag trägt folgende Unterschrift: „Groß-Berliner Arbcitgeberoerband des Großhandels, Gruppe Metallhandel Der Borsitzende der Fachgruppe Hugo Heilbronner." Damit ist der Beweis erbracht, daß der Arbeitgeber» verband des Großhandels diesen Vertrag abgeschlossen hat. Wir empfehlen allen Gewerkschaftsgenossen diese Fesfftellung zur besonderen Beachtung. Alle näheren Auskünfte erteilt Kollege Kohlschmidt, Engelufer 14/15, vorn II� Zimmer 32. Generalversammlung der Berliner Buchdrucker. Der Berein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer hielt am Montag im Gewerkschaftshaus eine außerordentliche General- oersammluug ab. lieber die Verhandlungen im B u ch- druckgewerbe und ihr schlleßliches Ergebnis, über die der„Bor- wärts" bereits eingehend berichtet hat, referierte M a s s i n i.. Er kam zu dem Schluß: Was uns die Siebener-Kommission als Resultat der Schlußverhandlung vor dem Reichsarbeitsministerium heute vor acht Tagen brachte, sei zwar materiell nicht sehr erheblich, es habe aber eine größere moralische Bedeutung. Im übrigen betreffe die Regelung nur die Monate August und September und bereits im September fänden neue Verhandlungen statt, bei denen auch die neuen Lebensmitteloerteuerungen zu berücksichtigen sind. Wenn vor- her die Gehilfenschaft ihren Vertretern für die neuen Tarifverhand- lungen die Wege weist, die zu gehen sind, und wenn sie selber ge- schlössen zusammensteht, dann werde es gelingen, die wirtschaftliche Lage der Gehilfenschaft so zu gestallen, wie es notwendig ist.(Beifall.) Nach einer lebhaften und eingehenden Debatte, an der sich auch der Verbandsvorsitzende Seitz beteiligte, erklärte sich die Versamm- lung mit den Abmachungen unter der Voraussetzung einverstanden, daß der Tarifausschuß in seiner Sitzung im September den berechtig- ten Wünschen der Gehilfen unumwunden Rechnung, trägt. Zu dem Streit der Buchbinder hl der Kontobuchbranche teille M a s s i n i mit, daß in der Angelegenheit Dienstag mittag vor dem Reichsarbeitsministerium oerhandelt wird.'Für den Fall, daß kein« Beilegung des Konflikts erfolge, habe er im Auftrage des Gau- Vorstandes zu erklären, daß in Druckereien, die Streikarbeit der Buchbinder leisten wollen, von den Buchdruckern strikte jede Streikarbeit abzulehnen sei, was ja auch schon bisher beachtet worden wäre. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung. durch die der Allgemeine Deutsche Gewerkschoftsbund aufgefordert wird, eine allgemeine Hilfsattion für die hun- gernde und notleidende Bevölkerung Rußlands einzuleiten. � Beendigung der Lohnbewegung im Metallhandel. Ein Beispiel dafür, daß der Arbeitgebcrverband des Großhandels auch einmal schnell arbeiten kann, ist die Bewegung im Metallhandel. Am 8. Juli wurde eine 29proz. Lohnforderung eingereicht. In den Berhandlungen ist dann«ine Einigung auf der Basis des Tarifes im Eisenhandel zustande gekommen mit der Maßgabe, daß eine Um- gruppicrung der Sortierer und der qualifizierten Arbeiter von Gruppe III nach Gruppe II stattfand. Die Gruppenversammlung nahiy diese» Angebot gegen eine größer« Anzahl Stimmen an. Etwas Merkwürdiges ereignete sich dann allerdings bei der Unterzeichnung des Beitrages. Während es sonst im Arbeitgeberverband des Groß- Der Bauarbeiterstreik im Saargebiel. Der Konflltt im Bau« gewerbe dauert in schärfster Form an. Di« Arbeiter der Klempner-, Jnstallotions-, Elektroinstollottons- und Zentralheizungsgewsrbe haben sich dem Ausstand angeschlossen. Die Arbeitgeber im Maler- gewerbe des gesamten Saargebiets haben die bei ihnen Beschös- tigten ausgesperrt. Der Arbeitgeberverband bedroht zwei arbeitende Baugeschäfte mit Repressalien. Durch Verhandlungen mit der Polizeidireknon hat er erreicht, daß Pässe nach Frankreich an streitende Arbeiter nicht mehr ausgestellt werden. Streik der holländischen Bergarbeiter. Sonntagnachmittag sind die Delegierten der holländischen Bergarbeiter zu einer Konferenz zusammengetreten, aus der die Dorschläge der Bergwerksdirektionen besprochen worden sind. Danach fand eine allgemeine Bersamm- lung der Bergarbeiter statt, auf der mit. sämllichen Stimmen der Streit proklamiert wurde. Streik in den Krankenanstalten Ztteder-Oest erreich». Die Aerzte und das Pflegepersonal sämtlicher Krankenanstalten in Wien und ganz Nieder-Oesterreich treten heute in den Ausstand, weil sich zwischen den Landesbeamten und der Landesregierung Meinung?- verschiedenhetten über die Anwendung der staatlichen Lesoldungs- ordnung auf die Landesbeamten ergeben haben. Lohnbewegung au den Wiener Theatern. Anläßlich der neuen Spielzeit an den Theatern haben alle Staatsangestellten eine 39proz. Erhöhung ihrer Monatsbezüge verlangt. Schlechte Aussichten für deutsche Facharbeiter tu Griechenland. Roch einer Meldung der„Deno" ist ein« nicht unbeträchtliche Zahl deutscher Arbeiter, die im Laufe des vorigen Jahres aus Grund von besonders verlockend erscheinenden Angeboten nach Griechenland zu- rückgekehrt. Es handelt sich besonder» um Glasarbeiter, ferner auch um Mechaniker, Dreher, Monteure, denen neben freier Wohnung 599— 699 Drachmen Lohn monatlich zugesichert worden war. D'-s« Löhne sind aber, insbesondere infolge des Fallen» des Drachmen- kurses und der damit verbundenen Teuerung, in letzter Zeit völlig unzureichend geworden. Da die betreffenden Fabritleitungen sich auf eine Erhöhung de» Barlohnes nicht einließen, oder den berech- tigten Wünschen der Arbeiter aus Aufbesserung in nur ganz gering- fügigem Umfang nachkamen, ist bei den noch in Griechenland b'- sindlichen Auswanderern der Wunsch lebendig, sobald wie mögl�i nach Deutschland zurückzukehren. gentraloerbead der Maichwistea und Ketzer,»rschilstesteUe«r»ß.«erltn. Am Mitlmoch, 3. Augukt, abend» 5 Uhr, bei Schulj, Am Königraeaben 2, im Nelnen Saai. Versammlung der Maschinisten und Keiner in der Metallindustrie. Tage». ordnung: Unsere Lohnsorderung. Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend, ist es Pflicht eines reden Vertrauensmannes, pünktlich zu erscheinen, cpeutucll Bor» tretung zu entsenden. Zentrgloerbaad der«ugrstrlltr». Papier. Graphische««emerbe. Mstglieder- Versammlung 3. August, 7>/, Uhr, Englischen Hof, Alexanderstr. 27 c. Deutscher Transportarbeiter. verband s Bezirk«roh. Berlins, Sektion II. Donnerstag, den 4 August, abend» 7 Uhr, tzrntral.Feftsiile, Alte Iokobsirnhe 32, allgemetueMitgltederversammlung. Tagesordnung: I. Bericht vom intern. Transportarbeiterkongreh in Genf. Referent: gollege O- Crtipcnin. 2. Tiitigkritsbericht der Sektionsleitung fiir da» II. Quartal>921. 3 Disku ssion. 4 Verschiedene» und Sektlonsangciegenheiten.— Branche N d(Glas und steramik). Am Donnerstag, den 4 August, abends 6 Uhr bei Fayfara. Reichwrstroh» 15, Vollversammlung. Bericht der Lohukommission. Mus öer Partei- ver Führer der australischen Arbelkerparlei gestorben. London, 2. August.(EE.) T. I. Ryan, der Führer der australischen Arbeiterpartei, der von 1915— 1919 M i• nisterprösident war, starb im Alter von 43 Jahren an Lungenentzündung nach nur zweitägiger Erkrankung. Mus aller Welt. Der Waldbrand bei Nürnberg. Der gestern gemeldete große Waldbrand bei Nürnberg ist noch immer nicht gelöscht. Gestern sind weitere 29 Hektar Waldbestand, im ganzen also zirka 459 Hektar. vernichtet worden. Neben der Feuerwehr sind Landespolizei und Reichswehr mtt Löschungsarbeiten beschäftigt. Ein serbische« Munilionslager explodiert. In der Röhe von Kragujevac ist ein Munitionslager in die Luft geflogen. Es gab einig« Tot«. Acht Badegäste l» der Donau ertrunken. Gestern find in der Nähe von Budapest acht Badegäste tot au» der Donau gezogen worden. Vorantw. für den ctbatt. Teil: Dr.»etnrt Vcilcr, Charlottenkmrg: für Anzeigen: TS. mode, Berlin. Verlag: BorioSriS-V erlag».m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wärtS-Buchdruckerei u. VerlagSanNalt Paul Singer u. Ho.. Berlin. Lindcnstr. 3. Nutzeisen Stabdisen, Bleche, T-Träger, U lliesn, Rohre, Ketten, LagerbSeke. Riemenscheiben, FuSstanzen usw. In verschied. Dimensionen haben abzugeben Notzeisenabteilune, Bln.-Neuköiln Wosepstr. 35:30— Tel. NeuU. 4170 COHN&®ORCI4&RDT Zentrale: Lichtenborg, Rlttergutstr. 47/48 Telegr.-Adresse„Erzcobor". Tel. l-ichiendg.� 4d«47 Wanzen»"™ Brut vertilgt restlos nur Kammerjäger Bergas Nicodaal. Brfolr verblüffend. 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