Nr.ZöS» Z8. Jahrgang Musgabe A Nr. 1S5 Bezugspreis, Bicctcliäl)cl.30,— M.. monolL 10,— M. Irti ins Haus, ooraus zahlbar. Poft- bfzug: Manailich 10,— M. einschl. Zu» siellungsgebUhr. Unter Kreuzband sür Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiel, sowie die ehemgls deui- schen Gebiet« Polen».�Sisterreich, Ungarn und Luxemburg Ä>.— ZllU, siir das übrige Ausland 27.— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowalct, Dane- mari, Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der.Vorwärts' mit der Sonntagsbeilage„Poll und Reit*, der Untre- baltungsbeilag«„Hennwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adrelse- «Sozialdemokrat SerNa« Morgen Ausgabe Oevliner Volksblstt ( S0 Pfennig) AnzetgenpretSi Du achtgespallen»«»nvurellleje»» loüei i&j M._ftlcln> Vnjpla'N* Our tetlgednMl, Wort 1» Ji.(zu- tässig zwei tellgedruckle Wortes, sede« weiter, Wort l.— M. Stellengesuch» und Echlaistellenanzelgen da» erst» Won U— M. lebe« weiter» Won 10 Dlg. Wort, übet 15 Buchstaben zählen Hit zwei Worte. zanntten-An- zeigen sllr Abonnenten Reil, M Die Preise»erstehen üch einschließlich Teuerungszuschlag Anzeigen für die nächste Nummei müssen di,» Ahe oachmUlag» iw bauvlgeschäst, Berlin SW 0». Linden- itrage ä. abgegeben werden Geöffnet von 9 Übe jrllh di» 5 Uhr abend». Zcntralorgan der rozialdcmokratfrcben parte» Deutfehtands Neöaktion und Expedition: SN) öS, tindenstr. Z Redaktion Moritsplah lSlt»»—»7 ,ycr»i, streu, er. �p��jon Morihplatz ll7SZ— 84 Freitag, den 3. August ISÄt vorwärts-verlag G.m.b.H., SV) öS, Lindsnstr.3 - Verlag,«xpeditio» und Inseraten. »yrritspre-nir-r. Abteilung Morihplatz»l7La-ä4 Uneinigkeit öer Sachverftänöigen.! ruMe Hungersnot. Paris, 4. August.(BIB.) Der„Xemps" stellt im heutigen Leitartikel fest, dah die alliierten Sachverständigen, die den Aufirog haben, die Teilung Schlesiens vorzubereiten, bis jetzt, wie öffentlich bekannt fei, noch zu keiner Einigung gelangt feien. Die Zileinungsverfchiedenheiken blieben f e h r groß und man be- merke noch kein Mittel, sie zu überbrücken. „Temps" verlangt von der britischen Regierung, dafür zn for- gen, daß die Arbeilen der Sachverständigen sich nicht in eine Sack- gaffe verlaufen. Frankreich könne ebensowenig im Obersten Rat ivie in der Sachverstündigenkonfcrenz einer Lösung zustimmen, die line Ungerechtigkeit für die Polen fei. Frankreich Hobe nicht die vorgefaßte Absicht, Polen zu begünstigen, wie es immer behauptet werde, aber es habe die Pflicht und den Millen, sich keiner Ungerechtigkeit anzuschließen und den Polen eine Grenze im Verhältnis zu den von ihnen verlangten Stimmen zu verweigern. Der„Temps" erklärt, man wolle die oberfchlefifche Frage offen und damit eine klaffende Wunde in dem kranken Europa lassen. Das könne nicht die Absicht der französischen Freunde sein. * London. 4. August.(££.) Die englische Regierung erklärt in einer offiziellen Rote, daß die Bestimmungen des Friedens- Vertrages eine Teilnahme Belgiens an den Erörterungen des Obersten Rates über Oberfchlefien nicht gestatten. Die Frage, ob die belgische Regierung zu anderen Beratungen eingeladen werden soll oder nicht, hänge von den Gegenständen ab, die auf der nächsten Session des Oberfteo Rates erörtert werden feilen. London. 4. August.(TU.) Foreign Office erklärt, daß für den größten Teil von Oberfchlefien bereit» definitive Befchlüsie vor- liegen und daß nur noch das Schicksal der zentralen Zone zu regeln bleibe, in der die Abstimmung ergeben hat, daß die Devöl- kcrung zur Hälfte deutsch und zur Hälft« polnisch ist. Polen drohen England. „Dziennik Berlinski" meldet aus Beuthen: Im Hinblick auf die nahe Sitzung des Obersten Rates veröffentlicht der Verbund che- maliger polnischer Ausstgndischen eine Reihe von Forderungen. Darin heißt es u. a.: Lloyd George hat in I r l a n d wohl noch nicht die Lehre erhalten, daß nationale und wirtschaftliche Bestrebungen nicht durch Bajonette entschieden werden können. Wir wollen glauben, daß die Vertreter von Frankreich, Italien und Amerika dem englischen Projekt nicht beistimmen. Wir erklären, daß wir eine vergewal- tigung unserer Forderungen durch den Obersten Rat für eine Kampf- ansage ansehen, Gewalt wird gegen eine einheitliche Front stoßen. Bajonette fürchten wir nicht. Plest und Rtibnik ist zu wenig. Warschau, 4. August.(DA.) Wegen der Meldungen, daß vor- läufig Polen nur die Kreis« Pleß und Rybnit erhalten, der Industrie- bezirk dagegen unter der Verwaltung der Entente bleiben solle, hat die polnische Regierung an den Botschafterrat eine Rote gerichtet, in der sie unterstreicht, daß eine solche Entscheidung mit den Versailler Bestimmungen unvereinbar wäre und die polnischen Interessen schädigen würde. Italiener nach Gberschleften. Oppeln, 4. Aiwust.(DA.) Auf Ersuchen des Generals de Marin« sollen zwei weitete Bataillone italienischer Truppen nächst« Woche nach Oberschlesien geschickt werden. Der angebliche Mörder Montatögres. Oppeln. 4. August.(DA.) Die Presseabteilung der Interalli- ierten Kommission teilt mit: Am 31. Juli haben die interalliierten Behörden den Mörder des Majors Montalcgre, Leo Iofke aus Kreuzburg, der von deutschen Eltern in Ruda abstammt, ver- baftet. Joste ist Mitglied einer Geheimorganisation in Beuthen. Er gibt zu. den Major Montalegre am 4. Juli er- mordet zu haben und dann nach Breslau geflohen zu sein. Warten wir ab, ob's stimmt! 5kcine Ruhe. Sasel, 4. August.(WTB.) Gestern abend griffen SV bis 70 bewaffnete Insurgenten aus Tatischau die Stadt II j e st an. Lands. Icute und Polizei vertrieben Yie Angreifer. Beuthen. 4. August.(WTB.) In der Stadt hat erneut ein starker Flüchtlingszustrom, besonders aus den Landgemeinden Frie- denshütte, Hubcrtushlltte und Hohenlinde. eingesetzt. Auch von G l e i w> tz wird starkes.Anwachsen des Flüchtlingszustromes ge- meldet. Aus dem Kreise Tornowitz mehren sich die Klagen der deutschen Bevölkerung über Uebergriffe der polnischen Oriswchr. Der rnssiiche Gelandle sn Warschau, Kar a'cki« n, ist d»rt ein- wffen und hat im Hotel de Rome Wohnung genommen. Für volle Arbeilssreihett der Rusien. die notb zwangsweise in rtschland leben müssen, tritl ein«ufrut«breS neugegründeten itraiverbandeS an da? Internationale Arbeitsamt er», der üch rf gegen all die Unsreiheit in den Lagern und auch in der zenarbeit wendet. Die Nheinlanöbefetzung. Washington, 4. August.(WTB.) Bei Besprechung mehrerer Ent- schließungen über die Zurückziehung der amerikanischen Truppen aus Deutschland erklärte Porter, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, nach seiner Ansicht würden die ameri- konischen Truppen bis zur Regelung der Verhältnisse zwischen Deutschland und Amerika bleiben, also noch etwa zwei bis drei Monate. Düsseldorf, 4. August.(VS.) Die schon außerordentlich stark« Gornison ist vor einigen Tagen noch durch das fron- zösische Infanterieregiment 178 verstärkt'worden, dessen Unterkunft die Stadt sicherzustellen hat. Oberschlesienmeldungen verdächtig! Mainz, 4- August..(BS.) Das Oberkommando der französischen Rheinarmee hat angeordnet, daß sämtliche Zeitungen Abhandlungen oder Nachrichten, die auf Oberschlesien Bezug haben, vor ihrer Ver- öffentlichung der militärischen Zensur vorzulegen haben. Ferner wird ein für allemal verboten, irgendwelche Nachrichten über inter- alliierte Truppenbewegungen und Verschiebungen, sowie über den Transport der für Oberschlesien bestimmten Verstärkungen zu ver- öffentlichen. Ebenso wurden olle Kundgebungen oder Sammlungen für Oberschlesien bei hohen Geldbußen und Verbot der Zeitungen verboten. Mrsorgestellen. 'Eine in Heidelberg abgeholten« Konferenz von Regierungsver- tretern Bayerns, Hessens und Preußms hat folgende Richtlinien für die schon seit längerer Zeit in Heidelberg bestehenden Fürsorgestellen für die besetzten Gebiete aufgestellt: 1. Die Fürsorgestellen für das besetzte Gebiet in Heidelberg haben allen aus dem besetzten Rheinland ausgewiesenen Per- sonen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, insbesondere sind sie beauftragt, Protokolle über die Vorgänge, die zur Ausweisung führten, aufzunehmen, zu prüfen und auf dem Dienstweg weiter- zuleiten. 2. Sie haben bei allen Entschädigungsangelegenheiten, die eine beschleunigte Vorbescheidung nötig machen, die Vorarbeiten zu leisten. Außerdem sind jedoch in ihren Wirkungskreis einbezogen fol- gende Aufgaben: ») Prüfung aller Meldungen aus dem besetzten Rheinland und Aufklärung, resp. Richtigstellung irriger Meldungen auf Grund amtlichen Materials, um jede unnötige Beunruhi- gung der Bevölkerung zu verhindern. b) Gewissenhafte Durchsicht der wichtigsten ausländischen, politi- schen und kulturellen Literatur, soweit sie sich mit dem Rhein- land befaßt, um sie der deutschen Oeffentlichkeit in wort- getreuer Uebersetzung zugänglich zu machen. c) Beobachtung und sachliche Abwehr aller Loslösungsbestrebun. gen, die der deutschen Reichsverfasiung zuwiderlaufen. ä) Auskunfterteilung an das Ausland über das besetzte rhei- nische Gebiet, insofern Informationen gewünscht werden. Die Errichtung der Fllrsorgestellen in Heidelberg entsprach einem Bedürfnis des besetzten Rheinlandcs/ Sie sind Einrichtungen der beteiligten Länderregierungen, deren Anordnungen sie vollziehen. Die Luxembltrger Ärmee. Luxemburg, 4. August.(DA.) Das Großhcrzogtum Luxemburg, das den Zollverein mit Deutschland gekündigt und sich jetzt völlig Belgien wirtschafllich unterstellt hat, läßt Offiziere für seine Söldner- truppe, zu deren Modernisierung und Erhöhung es sich der Entente gegenüber verpflichtet hat, in Frankreich, an der Militärakademie von Saint-Cyr, ausbilden. Entlassung von GffiAieren. In Erfüllung der Londoner Entwaffnungsnote der Entente- mächte sind mit dem gestrigen Tage wiederum IVO Offiziere zwangs- «eise aus der Reichswehr entlassen worden. Es handelt sich dabei um diejenige Verringerung der Offiziersstellen, wie sie General Rollet zwecks Einreihung der höheren Verwaltungsmilitär- beamten wie der Zahlmeister in die im Friedensvertroge erlaubte Zahl von 4lXK1 Offizieren nachträglich gefordert hatte. Ihr ist nunmehr Genüge geschehen._ Süüflawiens Schande. Prag, 4. August.(DA) Wie aus Belgrod gemeldet wird, wurden nach der gestrigeü Sitzung der Skuptschina auf Verlangen der obersten Gerichtsbehörde alle kommunistischen Abgeordneten ver- hastet. Laibach. 4. August.(WTB.)..S'owensti norodni" meldet aus Belgrad, daß auf Grund des neuen Gesetzes zum Schutze des Staates alle Gemeindevertretungen kommunistischer Mehrheit aufgelöst und in diesen Gemeinden Neuwahlen angeordnet werden._ Der Rachfolger Müller- Brandenburgs. Das Kommando über die thüringische Landespolizei wurde dem Staatsrat B o e h M e- Altenbw-g Übertrag eu. Boehm« ist Sozialdemokrat. Von A. Grigorjanz. Aus den Zeitungsmeldungen kann der Leser nur einen schwachen Begriff von dem erhalten, was sich in Rußland ab- spielt, wie ungeheuer groß die Hungerkatastrophe ist, und was sie bedeutet. Um es kurz zu sagen, ohne Uebertreibuna, ohne mehr zum Ausdruck bringen zu wollen, als die erbarmu lose Wirklichkeit: Millionen und aber Millionen von Menschen sind dem Hungertode geweiht, müssen sterben, Rettung ist nur zum Teil müglich. Das ist die nackte Wahrheit. In dieser Situation um Hilfe zu flehen, warme, ans Herz gehende Aufrufe zu erlassen und um Spenden für die Hungernden und Sterbenden zu bitten, erscheint wie eine Blasphemie. Die ganze Welt, das Gewissen der Welt muß sich erheben, ein Schrei des Entsetzens muß durch die Völker gehen, sie aufrütteln, sie in einem elementaren Schwung ver- einen, alles daranzusetzen, daß das Möglichste zur Rettung eines großen Volkes getan werde. Gewiß, die Welt, Europa und ganz besonders Mittel- europa erleben die Zeit schwerster politischer Verwickelungen. Die wirtschaftliche Krise, die Arbeitslosigkeit, das Schandwerk von Versailles, Oberschlesien... Wer glaubt aber, daß die Entscheidungen, die von den Siegern getroffen und diktiert werden, Endgültiges, Dauerndes, Bleibendes darstellen? Schwer fällt es, das alles jetzt zu ertragen, aber was ge- schieht, ist nicht das letzte Wort der Geschichte, davon ist alle Welt überzeugt. Anders aber sind die Vorgänge in Rußland vom objektiven Standpunkte aus zu beurteilen. Der Bestand eines großen Volkes hat absoluten, ewigen Wert. Soll das russische Volk seinem Schicksal überlassen bleiben, so wird mit ihm oder einem großen Teil der in furchtbarem Chaos zugrunde gehenden Bevölkerung Rußlands auch die Hoffnung auf die Befriedung Europas in absehbarer Zeit, auf die Gesundung der politischen Verhältnisse zwischen den Staaten, auf die Wiederaufrichtung des Wohlstandes der Völker schwinden müssen. Daher ist die Hungersnot in Ruß- land jetzt und in den kommenden Monaten das zentrale politische und wirtschaftliche Problem der ganzen Welt. Es wird gefragt: Und der Bolschewisimis, wird er nicht aus der ganzen Aktion nur Kapital für sich schlagen? In dieser großen Rot können wir nicht daran denken. Es handelt sich um Millionen v o n M e n sch e n, die in den Künsten der Po- litik gar nicht bewandert sind, die buchstäblich Hungers sterilen, vor Hungerqualen in Wahnsinn verfallen, von Epidemien. Cholenr, Typhus usw. niedergemäht werden. Wenn angesichts dieser Situation vereinzelte Stimmen laut werden, die, aus die Boschwiki hinweisend, jede Hilfeleistung ablehnen oder poli- tische Zugeständnisse von ihnen abhandeln wollerA so können wir sie damit entschuldigen, daß sie wahrlich nicht Woissen, was sie tun. Für uns sind andere Gesichtspunkte maßgbend: in der Stunde dieser elementaren Not muß geholfen wer- den, da fragt kein anständiger Mensch danach, o b geholfen werden soll oder nicht. Treiben die Volschewiki mit der Hilfe- leistung in irgendeiner Weise Mißbrauch, so fällt die Verant- wortung auf sie. Aber auf die soeben aufgeworfene Frage muß, unab- hängig von alledem, grundsätzlich geantwortet werden. Der Bolschewismus in Rußland wird überwunden werden, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse gesünder werden. Nicht: je schlimmer, desto besser, desto schneller das Ende des unerträglichen Regimes, sondern: je schneller die Wiederher- stellung mehr oder weniger erträglicher wirtschaftlicher Zu- stände, desto leichter und schmerzloser wird die Ablösung ein- treten, dann verschwindet von selbst dieses unfähige, nur durch Anwendung roher Gewalt sich haltende Regime, wie der Schnee unter der Einwirkung der Frühlingsjonne. Als Politiker dürfen wir uns selbstverständlich den Blick nicht trüben lassen. Wir müssen, rqenn auch die Hilfsaktion mit voller Aufrichtigkeit, ohne politische Hintergedanken und Re- benzwecke, geführt werden soll, uns über die Lage, ihre Ur- fachen und Bedeutung klar sein. Das ist für jeden denkenden Menschen eine Notwendigkeit, um so weniger darf die So- zialdemokratie.die Zusammenhänge außer acht lassen. Brach unter dem Zarenregiment eine Hungers- not aus— und das geschah während der letzten Jahrzehnte in mehr oder weniger großem Umfange beinahe jedes dritte bis vierte Jahr—, so gab es damals über die Ursache nur eine Meinung. Mochte die Negierung— wie auch die gegenwär- tige Regierung dies tut— in ihren Manifesten die Tücke der Natur als die Ursache des Unglücks anführen, niemand glaubte es ihr. Mit imponierender Uebereinstimmung urteilte die ge- samte Oeffentlichkeit anders als die Regierung. Man wußte. daß die Grundursache gerade darin lag, daß das politische Re- gime jeden Fortschritt in der Landwirtschast, der unmittel- baren Erwerbsquelle von mindestens vier Fünfteln der Be- völkerung niederhielt, daß sich die menschliche Tatkraft nicht entfalten konnte. Das war der Fluch dieses Regimes, daß es � im Zeitalter der fortgeschrittenen landwirtschaftichen Kultur 'die Bevölkerung dazu verdammte, ihr Wohlergehen nicht jo. sehr von der eigenen Hände Arbeit, als hauptsächlich von der Einwirkung atmosphärischer Ereignisse zu erwarten. Das Re- gierungssystem, das dem Bauern den Gebrauch des eisernen Pfluges nicht beibringen tonnt«, sorgte stets peinlichst dafür, daß es einen Popen gab. damit er, unter Vorantragung des Kreuzes, an der Spitze einer Prozession, durch die Felder wan- derte und Gott um Regen anflehte. Es ist eine furchtbare, nicht zu widerlegende Tatsache: auf dem Lande hat sich seitdem nichts zum Besseren geändert. Im Gegenteil: die Verwahr- losung der Landwirtschaft ist ungeheuerlich. Die Anbaufläche ist bis auf die Hälfte zusammengeschrumpft, der Viehbestand dezimiert, also keine Arbeitshilfe, kein natürlicher Dünger, keine einigermaßen rationelle Bewirtschaftung, kein(Saatgut, keine Maschinen, nichts! Willkür, Unsicherheit und öffentliche Lasten tun das übrige, um jeden Anreiz zur Besserung zu nehmen. Und dann das Fehlen der Anweisung, des Anspornes! Wäre das gegenwärtige Regime, wie es vorgibt, eine Herrschaft „d e r A r b e i t e r u n d B a u e r n", so würde es— trotz der durch den Bürgerkrieg bedingten Erschwernisse— die schlummernden Kräfte des Volkes derart entfesselt haben, daß unge- ahnte Erfolge eintraten. Daß aber alles so gekommen ist, wie wir es heute sehen, darin liegt das historische Urteil über das bolschewistische Regime genau so, wie die Hungerkatastrophen in der Zarenzeit, von denen, nebenbei bemerkt, keine an die gegenwärtige heranreicht, die innere Fäulnis und Hohlheit des Systems offenbarten. Und doch gibt es jetzt nur eine Losung: Helfen! NuPsche yilfsgesanAte. Riga, 4. August.(OE.) Das Moskauer Hilfskomitee hat be» schloffen, folgende Delegierte Ins Ausland zu entsenden: den früheren Reichsdumapräsidenten Solowin, den früheren Minister der Kerenski-Regierung Prokopowitsch und dessen Frau, die be. kannte Journalistin Kuskoa-a, die Tochter Tolstois Alexandra Tolst'oi, den Bakteriologen Prof. Tara ssewitsch und den ehemaligen Vorsitzenden der Moskauer Genossenschaftsbank A w- fartifsow. Maxim Gorki reist in besonderem Auftrage in» Ausland. Der Genossenschafter und Kommunist Ch i n t s chu k wird von der Zentralhilfskommission des Allrussischen Zentralexetutiv- komitees ins Aueland entsandt. Varl». 4. August.(OG.) B r i a n d hat in Sachen der Hilfsattion K e r« n s k i empfangen. ftrbeitersthost und Rechtspflege. Wie wir gestern mitteilten, hat der Reichsjustizminister an die Länder ein Rundschreiben gerichtet des Inhalts, daß künftighin in weit größerem Umfange als bisher Arbeiter in die L a i e n j u st i z(Schöffen- und Geschworenengerichte) entsandt werden sollen. Wir begrüßten diesen Erlaß als einen Schritt auf dem Wege zur Demokratisierung der Rechtspflege und äußerten die Ueberzeugung, daß die Arbeiterschaft selbst der gleichen Ansicht sein werde. Anderer Meinung ist natürlich die„Rote Fahne". Wie sie konsequent alles ablehnt, was zum Ausbau der demokratisch-sozialen Re- publik dient und damit die kapitalistische Gesellschaftsform überwinden hilft, so auch die Entsendung von Arbeitern in _ die Rechtspflege. Sie ist der Meinung, daß nach wie vor revolutionäre Arbeiter ins Zuchthaus wandern werden, auch wenn die Arbeiter als Geschworene fungieren. Im Gegensatz zu diesem merkwürdigen„Arbeiterblatt" sind wir der Ansicht, daß das Rechtsoerständnis der Arbeiter- fchaft nicht so gering anzuschlagen ist. wie es von der„Roten Fahne' geschieht. Wir sind vielmehr der festen Ueberzeugung, daß durch die Hineintragung des sozialen Gedankens in die Rechtspflege dieser nach und nach ein Teil ihres Klassencharakters genommen werden wird, den sie heute in erschreckendem Maße zeigt. Richtig ist. daß durch die I Eine Schädigung unseres Kunftbefltzes. Aon Dr. L. Thormaehlen, wissenschaftlichem Hilfsarbeiter an der Nationalgalerie. Im obersten Stockwerk der Nationalgalerie befindet sich die Sammlung Wasmannscher Gemälde,«in« Leihgab« des in Le»l!n lebenden Norwegers Bernt Grönvold. Was- manns KuKst war seit Jahrzehnten vergessen, b!» dieser Auslänber, der zufällig in einem Tiroler Bürgerhaus« vor wundervollen Bild- nisten in Entzücken geriet, den Meister wieder entdeckt«, seinen Epu- ren nachging und da» Gesammelt« hochherzig der größten modernen < Galerie des Landes, au» dem der Künstler stammte, al» Leihgabi zur Verfügung stellte. Diese Bilder Friedrich Wasmanne(es befinden sich in der Sammlung Grönvold noch ander« ältere Meister: namentlich Land- fchaften de« Malers Martin Rohden und»in paar Stück« von der Hand Leibi») sind so ziemlich das deutscheste, wo» man sich denken kann. Tief, schwerblütig, ergründend und von einer un- gemeinen Zartheit, Schlichtheit, Anspruchslosigkeit und Gefülltheit in der Malweise. Ss handelt sich fast.ausschließlich um Dildniste, aber diese Bildniste sind mehr al» nur Komerfeie, sie sind welthaltig und in ihrer Typit umfassend wie die Bilder Holdeins. Wer die Dar- gestellten sind, wissen wir kaum mehr, aber das ganz« Zeitalter Goethescher und romantischer Welt von dem Reoolutionebürger über den Hinterweltler bis zu dem modernen Kaufmann»- und Neuzeit» lichen Frauentyp. Die Kunst entstand an der Wende de» Nazarener- tum» zum bürgerlichen Genre in den lOZOer Iahren, aber in welcher Berantwortung der Prägung, bei welch scheinbarer Bedeutungslosig- keit des Gegenstande»! Und diese Sammlung soll nun wieder zurückgenommen werden, und der Oeffentlichteit, jedenfalls der Berliner, verloren gehen! Der Grund ist„Abfällige Kritik in Kunstzeitschrlften" oder, sagen wir es deutlicher: oeralbernde und abschätzige Bemerkun- gen des Professors C u r t Glaser in einem bereit» einige Jahre zurückliegenden Artikel wurden die Ursache de» tiefen Grolls und der Verstimmung de» Besitzers, denen letzterer nicht sogleich nachgab. Nach«cht deutscher Art kam, nachdem mit Dank und Freude die Sammlung von maßgebender Stelle angenommen war, von nicht- maßgebender, aber doch nicht ganz unverantwortlicher Seit«(denn Herr Professor Glaser gehört als Beamter der Berwaltung der Berliner Museen an) eine Taktlosig- keit und ein» Kritik, die weniger sachlich als witzelnd ist und jeden- falls unwürdig in der Gest«, denn sie nimmt, abgesehen von dem Versuch, Waemanns Kunst in» Komische zu ziehen, ein Objekt, an dem die Oeffentlichteit da» sorgsamste Interesse hoben sollte, zum Gegenstand, um«ine Parteimeinung daran au»zufechten. Da» gleiche geschah von Karl Schefsler Ansang 1914, nachdem Hinzuziehung von Arbeitern zu Schöffen- und Geschworenen- gerichten eine Aenderung der bestehenden Gesetze, in diesem Falle des Strafrechts und des Sirafprozesies, nicht erfolgt: es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß die Bestrebungen aus eine Reform der Justiz an Haupt und Gliedern, die sich schon heute allerorten bemerkbar machen, durch die praktische Mit- Wirkung der Arbeiterschaft eme wesentliche Unter st ützung finden werden. Manchem„gelehrten" Richter wird es nicht angenehm fein, sich von einem rechtsunkundigen Arbeiter hineinreden zu lassen: doch gerade von diesem Gesichtspunkte aus muß es lebhaft begrüßt werden, wenn der gesunde Menschenverstand die fachmäßige Schulung ergänzt und unterstützt. Der Ar- beiterschaft, der durch den Erlaß des Reichsjustizministers ein an sich selbstverständliches Recht ausdrücklich verbrieft wird, erwächst die Pflicht, ihrerseits alles Erforderliche zu tun, um sich in die nicht immer einfache Materie hineinzuarbeiten und durch ständige Mitarbeit schließlich den Willen des Vol- k« s zum Ausdruck zu bringen. Man darf ohne übertriebenen Optimismus annehmen, daß die Arbeiterrichter die große Aus- gäbe, die ihnen zugefallen, in ihrer vollen Bedeutung erkennen und hierdurch die Gefahr vermeiden werden, durch gewandte Fachrichter irregeführt oder in die Dahnen der Klassen- j u st i z gelenkt zu werden._ der Schrei nach dem Fachmann". Aus Beamtenkreisen wird un« geschrieben: Jedesmal, wenn eine nicht aus der Beamtenloufbahn hervor- gegangene Persönlichkeit in ein« leitende Staatsstellung berufen wird, pflegt die„Dtsch. Tztg." und mit ihr der ganze reaktionäre Blätter- wald den bekannten Schrei nach dem Fachmann auszustoßen. Den letzten Anlaß hierzu bot bekanntlich die Ernennung des USP- Reichstagsobgeordneien Ryssel zum Amtshauptmcmn von Leipzig. Daß dieses Treiben eitel Lüg« inch Heuchelei ist, weiß jeder, der die deutschnationalen und oolksparleiüchen Ideengäng« kennt. Nicht den „Leuten vom F a ch", sondern den„Leuten von der Farbe" gilt der Ruf. Dabei ist es vollständig gleichgültig, ob dies«„Fachleute" etwas� wissen und können. Hauptsache ist und bleibt, daß sie reaktionär gesinnt und bereit sind, als Eidbrecher im Wirkungskreis Ihrer amtlichen Stellen an dem Sturz der verhaßten Republik mltzu- arbeiten. Als Beweis hierfür diene folgende Notiz aus Nr. 174 der „Deutschen Tageszeitung": Demokratische Liebeshärigkeil. Bezeichnend für die unbedingte Unterordnung, die die bürgerlich« Demokratie freiwillig unter vi« Sozialdemokratie vornimmt, ist ein Borgang, der sich kürzlich in Insterburg abgespielt hat. Dort stand die Wahl de» Landratz cm. Für den Posten waren zwei Kandidaten vor- banden: der bisherige tommistarische Landrat, Regierungsostestor Grimpe, der von der S o z i a l d e m o k r a t i« auf den Schild erhoben war(G. ist selbst nicht Sozialdemokrat. Red. des„V.") und ein demokraüfcher Anwärter Jansen(also kein Beruf»- beamter oder„Fachmann". Red. des„D."), für den auch die übrigen bürgerlichen Kreistagsabgeordneten eintraten. Die demokratischen Kreietagsmitglieder wählten bezeichnenderweis« nicht ihren eigenen Parteifreund, sondern den Kandidaten der Sozialdemokratie und führten diesen damit zum Siege. Sie taten das auf Grund eines Abkommens zwischen der demokratischen und sozialdemokratischen Parteileitung, zum Teil gegen ihre eigene Auffassung. Soweit also geht bereits das traulich« Liebes» spiel zwischen Demokraten und Sozialdemokraten, daß die ersteren sich fede» eigenen Willen» begeben, nur um die„höheren Jnter- essen", die in dem Wohlwollen der Sozialdemokratie bestehen, nicht zu schädigen. Aus Selbstbewußisein und Selbst- achtung scheint die Demokratisch« Parte! keinen Anspruch mehr zu erheben." Was hier der Demotratischen Partei gesagt wird, interessiert uns nicht. Ausschlaggebend ist für un», was ein aufmerksamer Leser au» der Notiz entnehmen muß. Mit der ganzen Unvorsichtigkeit eine» Menschen, der den Zusammenhang und die Tragweite seiner nach allen Windrichtungen ausgestreuten eigenen Lügen nicht mehr zu übersehen vermag und dadurch der Wahrheit ungewollt zum Siege verhilfi, wird in der Notiz, daß es der Reaktion nicht auf die Tüchtigkeit im Fach, sondern nur aus die Tüchtigkeit der G e- s! n n u n g ankommt, einwandfrei bewiesen. Der„Fachmann" ist da. Doch was heißt hier„Fachmann"? Er wird von dem reaktionären Klüngel bekämpft, weil er„von der Sozialdemokratie auf den Schild erhoben", also der Sympathie mit sozialistischen Ge. danken verdächtig erscheint. Ungefährlicher als ein derart „Verseuchter" erscheint schon der rechtsgerichtet« Demokrat. auch wenn er kein Fachmann ist. Folglich wird seine Kandi» dotur gestützt. Und anstatt der Demokratischen Partei Anerkennung dafür zu zollen, daß sie den angeblichen Prinzipien der Rechts- Parteien gemäß in selbstlosester Weis« ihre Stimm« nicht ihrem „Parteimann", sondern dem„Fachmann" gab. pöbelt man sie aus Wut über den Sieg des„Verdächtigen" an und übersieht dabei, daß man sich selbst stark kompromittiert. Kann das wahre Gesicht deutschnotio- naler Verlogenheit noch bester enthüllt werden? Sie hat sich durch die Notiz ein Verdienst erworben, das hoffentlich feine Früchte tragen wird.__ Die kommuniflifchen �Treuhänders Der Verteidiger von Eckert u. Gen.. Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d. schreibt uns zur Erwiderung auf die Ausführun- gen Emil Barths folgendes: Nach dem mir vorliegenden Kontoauszug der Dresdner Bant vom 3. August 1921 für die Herren Emil Barth, Karl Hagen und Paul Eckert, Unterstützungskomitee der Berliner Arbeiter» schaft, sind von dem Konto am 18., 19. und 20. November 1920 ins- gesamt 373 000 M.— i. W. Drelhunderlsünsundsiebzigtausend Mark — abgehoben worden. Nach dem mir ebenfalls vorliegenden Konto- auszug einer anderen hiesigen Großbank vom 3. August 1921 für die Herren Eckert, Walter und Hagen, Unterstützungsfonds der Groß-Berliner Arbeiterschaft, sind dort am 30. November 1920 375 000 M.— in Buchstaben dreihundertfünfundsiebzigtausend Mark — eingezahlt worden. Den Namen der Großbank verschweige Ich der Oeffentlichteit aus Gründen, die auch Herrn Emil Barth verständlich sein sollten. Dieser Kontoauszug ergibt ferner einen Kreditsaldo von 247 675 M am 3. August 1921. Für Unterstützungen sind also vom 30. November 1920 bis 3. August 1921 127 323 M. von der Bynk erhoben worden, zuzüglich der seitdem für die Unterstützungskom» Mission eingegangenen, bei der Bank eingezahlten und wieder ab- gehobenen Beträge. Es ist unwahr, daß auch nur ein Pfennig der Gelder des Unter- stützungsfonds der Berliner Arbeiterschaft an die„Rote Hilfe" überwiesen worden ist. Aus die Beschimpfungen und entehrenden Unterstellungen de» Herrn Barth zu antworten, ist unter meiner Würde. Die Würde Dr. H e r z f e l d s berührt uns ebensowenig wie das Temperament Emil Barths. Wir sind lediglich an der Aufklärung des Sachverhalts interessiert. Und da steht auch nach den Erklärungen Dr. Herzfelds fest, daß zwei Treu- händer hinter dem Rücken des dritten Treuhänders Gelder beiseite gebracht haben. Dr. Herzfeld kommt es natur- gemäß darauf an. feine Klienten vor juristischen Unannehm- lichkeiten zu bewahren: das darf man ihm nicht verübeln, das ist fein Geschäft. Aber außerdem hat die Sache doch für Leute, denen Treu und Glauben noch etwas bedeuten, auch eine moralische Seite, und in dieser Beziehung bleiben alle Wiederbelebungsversuche, die Dr. Herzfeld an seinen Schutz- befohlenen unternimmt, erfolglos. Säuberung auf Sorkum. Wegen der kürzlich gemeldeten Vorgänge auf Borkum hat der Retchswehrminister«ine Untersuchung einleiten lasten, die in der Hauptsache abgeschlossen ist. Auf Grund des Ergebnistes hat der Reichspräsident die sofortige Entlassung des Komman- d e u r s der Küstenwehrabteilung. Korvettenkapitän Abendroth, verfügt. An die Stell« des entlassenen Kommandeurs ist bereit, «in anderer Seeoffizier getreten. Es werden außerdem zwei weiter« Offiziere und der Oberwachtmeister Triebet verabschiedet. Gegen den Heizer Gridke schwebt das Derfahrzn noch.__ noch zwei Jahre zuvor ihm kein Name(Ingres, Clouet, Leibi, Hol« dein) hoch genug war, um den Wert Wasmannscher Kunst darzutun. Die genanten Herren sind die, auf die«in Teil der Berliner in Kunstdingen am meisten hört. Ein Mann wie Grönvold muß an» gewidert«erden von dem Mangel an Haltung und dem völligen vergessen der Würde in unserem offiziellen Berliner Kunstschrifttum. Denn daß diese Herren Wasmonnsch« Kunst für entbehrlich hielten in einer Schaustellung deutscher Kunst, glaubt ihnen kein Mensch, glauben sie selbst am wenigsten oder sie würden sich lächer- lich machen. Um so bedauerlicher, daß sie, um andere Absichten zu verfolgen, diese billige Art von Mitteln angewandt haben. Denn t, ist bekannt, daß die Kunst Wasmann» einem von jenen Herren vertretenen Ideal von„gepflegter" Malerei— was die Franzosen „peinrures" nennen— aufs äußerste widerspricht. Wosmanns Kunst ist aber mehr als nur gute Malereil Der Verlust— wenn Kunst durch Zahlen überhaupt ausgedrückt werben darf— eine» Millionenobjektes durch die gedruckten Wortwitz» zweier Herren, kommt der veffentlichkeit sehr teuer zu stehen. • Diesen Aueführungen eine» Mitarbeiter» der Galeriedirektion möchten wir im Namen der Berliner Kunstfreund» folgende» hinzufügen: Bieleicht ist es möglich, Herrn Grönvold durch die Der- I sicherung, daß da» kunstliebend« Deutschland und da» tunsUiebend« Berlin sich die Auslastungen der Herren Glaser und Schefsler keineswegs zu«igen gemacht hat, noch in letzter Stund« zur Aufgab« seiner Absichten zu bewegen. Dies« Ber- sicherung kann mit gutem Gewisten jeder geben, der Gelegenheit hat, das ständig wachsende Interest« der Galeriebesucher an den Schätzen der Sammlung Grönvold zu beobachten— ein Interest«, das jetzt besonders lebhaft zutage tritt, wo die Nachricht von dem drohenden Verlust in der Oeffenilichkeit bekannt geworden Ist. Da« Schicksal de« Niederländischen Palais. Dem Wolff-Dureau wird„von beteiligter Seite" mitgeteilt: Die Meldungen über das Schicksal des Niederländischen Palais sind dahin richtigzustellen, daß das Hausministerium nur einen Vorschlag der Disccrntogesellschast auf zeitweis« Vermietung des Niederländischen Palais unter voller Erhaltung des Bauwerks entgeqenoenommen hat, daß aber über diesen Vorschlag Verhandlungen poch nicht geführt worden sind und daß es sich bei dem Vorschlag um einen verkauf oder gar um Nieder- legung des Gebäudes überhaupt nicht handeln kann. Bevor man nicht weiß, wer die„beteiligte Seite" ist, wird man dieser Nachricht etwa» steptisch geaenüberstehen dürfen. Es wäre doch wohl da« einfachste, daß da»„Hausministerium"(gibt es denn so etwas noch?) höchstselber zum Volte herabstiege und sich zu der Sache unzweideutig äußert«. Da» Theater al» Kühlraum. Selbst der opferwilligst« Kunst- freund hat in heißen Tagen eine Abneigung gegen den Tbeater- besuch. Daß diese Abneigung auf einem irrtümlichen Vorurteil beruht, versichert der verband Berliner Bühnenleiter. Nach leiner Behauptung ist«4 ivährend der letzten Hitzeperiode i» den Zuschauerräumen der Berliner Theater um ß biä 6 Grad t ü b l e r gewesen al» in den Berliner Resiaurations- und Wohn- räumen. Verspät,«« Rettung der SittNchkeli. Di« Berliner Staatsanwalt- schaft bat den vor anderthalb Jahren erschienenen Roman .Bordell" von Curt Corrinth jeyt beschlagnahmt. Da da? Werk bereit« in vielen raufend Exemplaren verbreitet ist, so hatte eS diese obrigkeitliche Reklame eigentlich nicht mehr nötig. Otto Gärltz. der Begründer und langjährige Verwalter einer wertvollen Büchersammlung, die er au« eigölren Mitteln zusammengebracht und dann der Stadt Berlin oeschenkt batte, ist im Alter von 8« Jahren gestorben. Die Göritziche Bibliothek, die zahlreiche seltene Erstdrucke enthält und besonders für die Berliner Lokalgeschicht« von Wichtigkeit ist. war zuletzt im Mär- tischen Museum untergebracht, mutzte aber, seitdem Göritz sie wegen seine« bohen Alters nicht mehr persönlich verwalten konine, leider der öffentlichen Benutzung entzogen werden. Hoffentlich findet die Berliner Stadtverwaltung jetzt Mittel und Wege, um sie der Forschung wieder zugänglich zu machen. Die Vutzeninstlkute der Technischen Hochschulen werden am 1. Oktober ins Leben treten. Zur stärkeren Verbindung der Hochschulen mit den Aufgaben des praktischen Lebens hat der preuhische Kultusminister bestimmt, daß zunächst versuchsweise an jeder Technischen Hochschule eine freie Vereinigung gebildet wird, welche insbesondere Fortbildung s- k u r I e n für Männer der Praxis ihre Pflege widmet. Diesem „Außeninstitut" können grundsätzlich sämtlich« an einer Hochschule tätigen ordentlichen, außerordentlichen und Honorarprofestoren, so- wie die Dozenten und Privatdozenten angehören: die Beteiligung ist freiwillig. Das Außeninstitut hat da» Recht, daneben Personen, die außerhalb der Hochschule stehen, mit Einzeworträgen oder in längerer Mitarbeit zu beteiligen. Das Außeninstitut muß seine Ausgaben durch eigene Einnahmen decken. Die Staatskaste darf durch feine Tätiakeit nicht belastet werden. Die Durchführung der Aufgaben des Instituts kann, wenn es die Umstände als zweckmäßig erscheinen lasten, auch außerhalb des Ortes der Hochschule erfolgen. Wenn diese Neuerung richtig angewandt wird, so kann sie den Technischen Hochschulen Geleoenheit geben, in einer wirksameren Weis« al» bisher in die praktische Arbeit des Wirtschaftslebens ein- zugreifen. Ansbreilung und Bekämpfunq dn Tuberkulo'e. Di« zwei'« ver- sammlung der Internationalen Bere-inigung gegen Tuberkulose hat vor kurzem in W« st m! n st e r in England stattgefunden. Der englische Ge'undheiteminister gab einen Ueber- blick über die Fortschritte der Tuberkulosebekämpsung in Groß- b r i t a n n i e n.'England besitzt gegenwärtig 412 Armenapotheken, 341 Beamte zur Bekämpfung der Tuberkulose und 18 030 Betten zur Aufnahme von Kranken, die in den nächsten zwei Iahren um 3300 Betten vermehrt werden. Es waren im Jahre 1920 23 000 Tubcr- kulosekällt und 7700 Todesfälle durch Tuberkulose weniger als 1914. Nach Mitteilungen anderer Delegierter ist die Todesziffer durch Tuberkulose in Frankreich sehr groß. Allem im Kriege starben Nr. ZH5>Z8. Jahrgang % Heilage öes vorwärts Freltag, S. August 1921 Das„einstweilige" Staötparlament. Zusammentritt der früheren Stadtbersrdneten.— Die rechte Seite sabotiert die Arbeit. Die aufgelöste Stadtverordnetenversammlung trat auf! Grund der Notoerordnung gestern wieder zusammen, um bis zu den Neuwahlen als„einstweilige" Stadtverordnetenoer- sammlung zu fungieren. Den rechtsstehenden Fraktionen ge- nügte nicht der Erfolg, den sie vor dem Oberverwaltungsge- richt gehabt haben. Sie waren in Krakeelstimmung und zeig- ten das Bestreben, die„e i n st w e i l i g e" S t a d t v e r o r d- netenversammlung möglich st überhaupt nicht zur Arbeit kommen zu lassen. Ein paar kleine Vorstöße mißlangen, aber in den Verhandlungen über die vom Magistrat jetzt mit 7� Prozent beantragt« Lohn- erhöhung für die Gutsarbeiter setzten sie ihren Willen durch. Sie beantragten namentliche Abstimmung, verließen dann den Saal und erieich.en so, daß wegen festge- stellter B e j ch l u ß u n f a h i g* s! t die Sitzung abgebrochen werden mußte. Ein vielversprechender Ansang! Eitzoogobericht. Um 5.20 Uhr erklärt Bürgermeister Ritter, den Sitz des Dor- stehers einnehmend, die erste Sitzung der einstweiligen Stadtverord. netenversammlung für eröffnet und verliest den Wortlaut der am I. August veröffentlichten mit Gesetzeskraft ausgestatteten Rotverord- nung, die die bisherigen Mitglieder der aufgelösten Versammlung bis zum Zusammentritt der neugewählten zur Fortführung der regel- mäßigen und der keinen Aufschub duldenden Geschäfte verpflichtet. Zunächst hat die Sersammlung sich zu konstituieren. Auf Dor- schlag Frank(Soz.) wird der bisherige Vorstand wiedergewählt. Dr. W e y l übernimmt den Vorsitz und spricht im Namen des Vorstandes der Versammlung den aufrichtigen Dank für das durch diese Wiederwahl bekundete vertrauen aus. Weiterkeit.) Auch bittet er um die nachdrücklichst« Unterstützung aller Parteien bei der Geschäftsführung, damit die einstweilige Stadtverordnetenoersamm. lung während der etwa drei Monate währenden Galgenfrist be- stehen könne. Auf Vorschlag E o s p a r i lDVP.) wird auch die alt» Ge- schäftsordnung wieder in Kraft gesetzt. Eingereicht sind mehrer« Anfragen. Die Stadtvv. G S b e l u. Gen.(Komm.) verlangen Auskunft vom Magistrat über die Scbließuvg der Männerheimstätte Buch, sowie darüber, ob durch die Schließung die Bekämpfung der Tuberkulose etwa eine Einschränkung erfährt.— Stadtmedizinalrat Dr. R a- b e n o w erklärt, die Schließung sei notwendig geworden; die Patienten würden, soweit sie der cheimstättenbehandlung bedürfen. in anderen Heimstätten, sonst in Krankenhäusern untergebracht. 5> e i m o n n(Soz.) bemängelt, daß der Vorsteher, indem er die sofortige Beantwortung der Anfrage zuließ, von der eben erst sür maßgebend erklärten Geschäftsordnung schon im ersten Augenblicke abgewichen sei, deren Vorschriften durch sein Verfahren oerletzt seien.— Dr. Wey! glaubt, bei seinem Verfahren vollkom- men aus dem Loden des Rechts gestanden zu haben, beruft sich zu- dem auf die frühere Praxis.— D o v«(Dem.) hält diese Berufung für unzulässig. Eine zweite Anfrag«, die von der DVP. eingereicht ist, betrifft die Zeitungsmeldungen, wonach der Haupt stelle für Kriegs- beschädigte, insbesondere den Stadttäten Weise und Stolt, grobe Mißbrauche zum Vorwurf gemacht werden. Stadttat Stolt erklärt, er würde für die Beantwortung min« bestens 114 Stunden gebrauchen, und ersucht im Einverständnis mit dem Bürgermeister, dies« Sache um«ine Woche zu vertagen; dann werde die Neugier der Lnfrager beftiedigt werden.(Lebhafte Zwi- schenruf« rechts: Oberfaul! Es muß etwas vertuscht werden!) Eine dritte Anfrage, durch die die Demokraten Auskunft über die Entlastung des Dr. Rudolph fordern, wandert ebenfalls auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung. In Erledigung der 60 Gegenstände, die die Tagesordnung um« faßt, wird zunächst die Abänderung der Wertzuwachs- steuerordnung angenommen, die Vorlage betr. die Steuer auf Kraftdroschken usw. dem Ausschuß zurückgegeben und so- dann in die Beratung der Ausschußvorschläge betr. Genehmigung verschiedener Reklameunternehmunsen eingetreten. Der Auffastung von Hallensleben(DVP.), daß diese Borlag« nicht dringlich und somit der Kompetenz dieser Versammlung entzogen sei, widerspricht sehr entschieden der Kammerer Dr. K a r d i n g.— Nach weiterer Erörterung gelangen die Ausschußantäge gegen die Bürger- lichen zur Annahme. Eine große Anzahl von vorlagen von minderer Bedeutung wird größtenteils ohne jede Erörterung verabschiedet. Bei der Be- ratung der Vorlagen betr. die Satzung und die Bildung der Depu- tation sür Arbeit und Gewerbe entwickell sich eine ausgedehnte De- batte über die Frage, ob die heutige Sitzung eine Feriensitzung der alten Versammlung oder eine ordentliche Sitzung der kommissarischen Versammlung sei. Neben Dr. Easpari verficht auch Dr. S t e i n i- ge r(Dnat.) die erftere Auffassung. Schließlich wird mit Mehrheit die Feststellung getroffen, daß es sich heute um kein« Feriensitzung handelt.— Die beiden erwähnten Vorlagen werden an den Aus- schuß zurückverwiesen. Hierauf wendet sich die Versammlung der Angelegenheit des Gutsarbeiterstreiks bzw. dem Antrage Weyl wegen Gewährung einer Lohnzulage an die städtischen Guts, und Landarbeiter und der Mogisttatsvorlage wegen Bewilligung von TH Proz. Zuschlag zu dem Barlohn mit Wirkung von i. April 1921 zu. Deutsche Volkspartei gegen die SPD. und den..Vorwärts". Dr. N e u m a n n(D. vp.) � spitzt seine Argumentation über den Ausgang der Bewegung auf eine scharfe Polemik gegen die SPD. und gegen den„Vorwärts" zu. Einen sachlichen Grund für die Lohnerhöhung habe auch der„vorwärts" nicht anführen können, er habe lediglich die Vermeidung des Generalstreiks betont. Letzterer aber habe gar kein< Aussicht und auch die Mehrheit der Arbeiterschaft nicht sür sich gehabt. Die SPD. sei vor der Wähler. schaft oder vor der Straße zurückgewichen, ihrem Umfoll sei das jetzige Ergebnis zu danken. Die Borchardtsche Erklärung, daß hin- fort nur Ausgaben bewilligt werden dürften, für die Deckung da sei, habe nunmehr allen We.t verloren. Auch diese Episode mach« es zur Notwendigkeit, die sozialistische Mehrheit bei den nächsten Wahlen zu brechen.(Lachen links.) Zimmermann(U. Soz.) hält der Deutschen Volkspartei ihr Sündenregister vor; mit ihr sei ein Treu- und Glaubensverhältnis kaum möglich. Redner beanttagt, den Gutsarbeitern statt 7� Proz. Zuschlag 10 Proz. und ein Mitbestimmungsrecht nach Maßgabe des Tarifvertrags der städtischen Arbeiter sowie bei Abschluß und Er- Neuerung von Pachwerträgen zuzubilligen, evtl. 7H Proz. Zuschlag zum Dahrlohn und zum Deputat.— Sehr abfällig äußert er sich über den Zustand der Wohnungen der Gutsarbeiter und über die Unterbringung der Schnitter. Dr. Steiniger(Dnat.): Elend wäre der Generalstreik zu- gründe gegangen. Jetzt muß der Magistrat eine solche Vorlage machen, die einen kläglichen Umfall bedeutet! Stadttat Koblenzer: Der Magistrat hat nachgegeben, well auch in Magistratskreisen ein Mitfühlen mit der Lage der Guksarbeiter vorhanden war und kein Magisttatsmitglied meint, daß es den Gutsarbeitern rosig geht. Der Magisttat muß auch die Stimmung in den Arbeiterkrcisen und in den Frakttonen beachten; die Mehr- heit der Versammlung hatte schon lange vor dem drohenden General- streik Entgegenkommen für die Güterarbeiter gefordert. Der Ma- gistrat zieht einen Vergleich vor; er braucht auch in der versamm- lung eine Stütze, sonst verliert er den Boden unter den Füßen.— Nachdem der Magistratsoertreter noch auf die Wohnungszuständ« eingegangen ist, bittet er dringend, die Vorlage nicht durch weiter- gehende Forderungen zu gefährden. Dörr(Komm.) geht nach einer Schilderung der mangelhaften Wohn- und Unterbringungsverhältnisse näher auf die Ursachen ein, die die Stimmung in der Arbeiterschaft dem Solidaritätsstreit günstig gestalteten. Merten(Dem.) tritt dem Vorredner scharf entgegen, läßt den „sehr klugen" Ausführungen des Stadttats Koblenzer alle Gerechtig- keit widerfahren, erklärt sich dann aber auch gegen die Magistrats- vorlag«, da dieser Entwickelung endlich Halt geboten werden müsse. Heitmann(Soz.): Wenn man Rücksichtnahme auf notleidende Arbeiter Umfall nennen will, so nehmen wir den Vorwurf gern auf uns. Den Mißständen im Wohnungswesen usw. nachzugehen, ist selbstverständliche Aufgabe des Magistrats. Die große Mehrheit der Versammlung hat doch s. Z. beschlossen, abermals einen Ausschuß einzusetzen, der auf einen Ausgleich hinarbeiten sollte. Nachdem er da zu keinem positiven Ergebnis gekommen ist, hat sich der Magistrat schließlich zu seiner Vorlage verstanden, die wir annehmen und Ihrer Zustimmung empfehlen. Damit schließt die Beratung. In persönlicher Bemerkung weist Dr. B o r ch o r d t die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Insbesondere könne ihm kein Dor- wurf daraus erwachsen, daß er die endlos sich ausdehnende Aus- schnßsttzung vor der Abstimmung oerlasien und dadurch die Annahme von 10 Prozent Zuschlag verhindert hätte; ein Definitivum hätte ja der Ausschußbeschluß ohnehin nicht bedeutet. Von der Rechten wird über die Anträge Zimmermann namentliche Abstimmung beantragt, vor der Abstimmung verläßt ein großer Teil der Rechten den Saal. Die kommunistischen Anträge zum Mitbestimmungsrecht werden abgelehnt; die Abstimmung über die Anträge ergiebt B e- !schlußunfähigkeit. Es haben 89 Mitglieder mit Ja, 8 mit Nein gestimmt, Summa 97, während zur Beschlußfähigkeit 113 ge- hären. Schluß 9 Uhr S Min._ �muljlonsmilch statt Frischmilch. Eine Folge der Dürre. Das Milchamt der Stadt Berlin ttilt mit: Die Dürre und der sich daraus ergebende Futtermangel haben dte Milchzufuhr noch Berlin binnen vier Wochen bereits um 170 000 Liter täglich herabgemindert, so daß der Milchkleinhändler nur noch zwei Drittel der Milchmeng« geliefert werden können, die von ihnen ver- langt wird, und nicht mehr soviel Milch zur Verfügung steht, als zur Zeit der Rationierung für Kinder und Kranke beansprucht wurde. Der Magistrat Berlin hat dalier einstimmig einem A b- schluß über Milchpulver zugestimmt, der es für die nächsten Monat« ermöglicht, durch Emulsionsmilch der schlimmsten Not zu steuern. Daß es sich hierbei um ausländisches Pulver handeln muß, ist selbstverständlich: denn kein.: deutsche Milchtracknungsanlage kann bei den gegenwärtigen Produktionsverhältnissen in Deuisch-- land Milch in solchem Umfange trocknen, daß die Versorgung Berlins damit gedeckt werden könnte. Aus den Kreisen der deutschen Trocken- milchinteresienten ist sogar selbst hervorgehoben worden, daß die Weitertrocknung im größten deutschen Werk wahrscheinlich demnächst gänzlich eingestellt werden muß, weil die zur Trocknung gelangende Milch von Hamburg oder Lübeck als Frischmilch in Anspruch genommen werden könnt«. Die Emulsionsmilch ist teurer als die Frischmilch. Der Milch« Handel hat die Ausgabe von Emulsionsmilch in besonderen Geschäften abgelehnt, er hat auch die Gefahren für den Konsumenten beim freien verkauf von Frischmilch und Emulsionsmilch zu verschiedenen Preisen in demselben Geschäft anerkannt und sich daher für den Ber- tauf zu einem Einheitspreis« ausgesprochen. Der Durchschnittspreis, zu dem also ab 8. August d. I. die freie Frischmilch und die Emul- sionsmilch abgegeben werden wird, beträgt bis aus weiteres 3,80 M. für das Liter. Die Kartenmilch für die Kinder bis zu vier Iahren und die schwangeren Frauen wird nach wie vor zum ver- billigten Preise von 3 M. sür das Liter abgegeben. ver Revolver in öer Liebesstunöe. Das Drama eines Neunzehnjährigen. Diese Tragödie verwüsteter Jugend, wie sie gestern in grauen» vollen Einzelheiten das Schöffengericht Verlin-Wcdding beschäftigte, zählt selbst in der Millionenstadt zu den Seltenheiten. Wegen fahr- lässiger Tötung war dort die IKjährige Kontoristin Maria F. angeklagt. Di« Haupttolle in diesem modernen Iugenddrama spielte der 19jährige Handlungsgehilfe Kurt W. Dieser junge Mensch, dos Produkt einer verfehllen Erziehungsmethode vermögender Eltern, war trotz seiner Jugend bereits„alle Schulen durch" und hatte sich durch seinen Lebenswandel eine Krankheit zugezogen. Obwohl ihm seine Eltern durch Kauf eines Zigarrengeschäfts eine Existenzmög- lichkeit gegeben hatten und ihn auch sonst reichlich unterstützten, hatte der blasierte Jüngling die Lust am Leben verloren und trug sich ständig mit Selbstmordgedanken. In dem abnormen Hirn des jungen Menschen reifte schließlich ein höchst sonderbarer Plan, den er auch am zweiten Osterfeiertage d. I. seinem 19. Geburtstage, zur Ausführung brachte. Am Pormittage dieses Tages war merkwürdigerweis« der Mutter des W. von einer Kartenlegerin „prophezeit" worden, daß ihr Sohn„über den kurzen Weg" durch ein Mädchen großes Unheil erleiden würde und ihr Sohn zur Der- hütung dieses Unglücks an diesem Tag« unbedingt zu Hause bleiben müsse. Inzwischen hatte das Unheil aber schon seinen Lauf ge- nommen. Kurt W. hatte die Angeklagte abgeholt und ihr gesagt, er *7] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. Sie lebte still und gleichförmig dahin, nur der Pflege ihres Töchterchens hingegeben, das nun zusehends wuchs und dessen Wangen sich rundeten. Sein Gesicht war ausdrucksvoller geworden, und es machte der jungen Mutter eine tiefe Freude, wenn sie sah, wie es all- mählich für mancherlei Interesse offenbarte. Es griff schon zögernd nach einem seidenen Band, das man ihm etwa hin- hielt, oder lachte«m richtiges lautes Lachen, wenn man über seinem Gesicht in die Hände klatschte. Es schien auch schon verschiedene Personen zu unter- scheiden und schrie, wenn es allein gelassen wurde.„Lucie ist verwöhnt," sagte das blonde Äindemädchen,„sie will nicht allein fem!" Reisner opferte dem Kind« nur wenige Minuten im Tage, was er damit entschuldigte, daß er allzusehr gehetzt sei. Aber er liebte es und küßte gern den süßen Mund, der sich weinend verziehen wollte, wenn er den Bart des Paters spürt«. Zuweilen trug er es auch oder setzte sich mit ihm in eine Ecke, um zu warten, bis es eingeschlafen war. Dann legte er es behutsam und zärtlich in das Bett. Das Verhältnis zu seiner Frau war wieder das alte ge- worden und hatte doch etwas Neues, das sich nickt mehr ver- lor. Es ist das Kind, dachte er und beruhigte sich damit. Er hatte auch keine inneren Hemmungen mehr zu über- winden, wenn er an Frau von Mansch dachte. Was bedeutete diese Frau für ihn? Ein duftiges Nichts, das verwehen würde, wie es gekommen war. Aber er gestand es sich nun doch ein. daß ihn ihre Küsse reizten, und er sehnte sich sehr nach zärtlichen Stunden, die er mit ihr verleben könnte. Es sollte ein halbwacher dünner Traum sein, nach langer, schwerer und erfolgreicher Arbeit. dacht« er. au» dem er ftssch und gesund wieder erwachen würde, um dann alles lachend zu vergessen. Er traf sie und sprach ihr davon, daß er einig« Wochen vereisen wolle, nickt weit, etwa in de» Harz oder in den Taunus oder ins Riesengebirge, und daß doch auck sie das Verlangen haben müsse, dem stickigen Dunst der Stadt für einige Zeit zu entweichen. Er sagte:„Ließe e« sich nicht machen, daß wir einander irgendwo träfen, wie zufällig,— so, daß es niemanden auffiele?" Sie verstand ihn, und sie verhehlte es sich nicht, daß er nur ihrem eigenen Wunsch entgegenkam.„Ich bin dabei," sagte sie,„aber ich schlage den Böhmerwald vor. Das ist ein Winkel, den niemand aufsucht." Sie verabredeten sich und schieden dann beide mit einem Händedruck, der ein stummes Versprechen war. Zu Hause aber erklärte Reisner„Ich gehe in den Böhmer- wald, dort bin ich allein und habe die Ruhe, die ich brauche." Er verabschiedete sich zärtlich von Lucie und hob sein Kind zu sick empor, um es zu küssen. Prokop blieb diesmal daheim. P i e r te r Teil. 18. Auf dem Bahnsteig der kleinen Stadt Tiefurt ging ein Mann auf und ab, mit langsamen, schüchernen ausholenden Schritten, die sich anscheinend nicht genug darin tun konnten, zu zeigen, daß sie gehen konnten, als ob dieses simple Auf- und Abgehen eine Art Genuß wäre oder doch ein langent- behrtes Vergnügen,— ein Mann, der allen, die ihn sahen, sofort auffiel, nicht durch äußere Merkmale, die jedem in die Augen springen mußten, im Gegenteil eben dadurch, daß er seine Person so diskret in den Rahmen des Ganzen einfügte, gleichsam in diesen Rahmen schüchtern hineinschlüpfte, wie be- sorgt, jemand könnte dies sehen oder gar übel vermerken. Man konnte diesem Mann ein Alter von etwa sechzig Iahren geben, denn sein Rücken war leicht gekrümmt, seine Haare schimmerten in einem schmutzigen Silber, und insbe- sondere sein Antlitz, in dem zwei klare, heitere Augen tief nach innen lagen, war von einer Unzahl von Runzeln durchackert, schmal und blaß und durchsichtig, wie man es zuweilen bei alten Leuten findet, die soeben von einem langen Krankenlager aufgestanden sind. Der Alte hatte ostenbor die Absicht, den Personenzug nach Hamburg zu benutzen, denn er mischte sich in. das Häuflein Menschen, das soeben die Bahnsperre passiert hatte und nun dem Zug. der eben einfuhr, entgegendrängte. Als der Zug sich fünf Minuten später wieder in Dewe- gung setzte, hatte der Alte seinen B!"tz in einem Wagen dritter Klasse eingenommen, einem Kleinstädter gegenüber, der gleich- falls nach Hamburg fuhr, und zwar um Einkäufe zu machen. „Das Gefängnis!" sagte erklärend dieser Mann, als der Zug an einem großen kasernenartigen Gebäude vorüberfuhr, und er sagte es, teils weil er in dem Alten einen Fremden vermutete, teils weil das immerhin ein Punkt war, an dem sich ein Gespräch anknüpfen ließ. Der Alte nickte nur und sagte freundlich:„Ja, das Ge» fängnis." Daraus ersah der Kleinstädter, daß der andere keineswegs einer von jenen Finsterlingen war, die ein Coup6gespräch grundsätzlich durch ein dumpfes Knurren ablehnen, und er zögerte deshalb nicht länger und stellte sich vor:„Mein Name ist Granich. Ich fahre geschäftehalber nach Haniburg." Wieder nickte der Alte.„Ich heiße Behrens," sagte er in einem Ton, der zeigte, daß es ihm eine Lust war, zu reden. „und ich reise auch nach Hamburg, aber nur zu meinem Ber- gnügen." Granich seufzte.„Ach ja, vergnügen! Die'Zeiten sind schwer..." „Sind sie das?" fragte wie erstaunt Behrens. Sogleich begann der Mann namens Granich von seinen Verhältnissen zu reden, und obgleich diese sicher nicht inter- essant, ja recht alltäglich und banal waren, hörte ihm Behrens mit sichtlicher Aufmerksamkeit zu, mit einer Aufmerksamkeit. an der sich der andere wärmte, in solchem Maße, daß es dahin kam, daß Behrens nach und nach über das Wohl und Wehe der gesamten Familie Granich nebst Anhang erschöpfend auf- geklärt war. Aber Granich war nicht unhöflich und auch kein Egoist. der nur an sich dachte, sondern er fragte:„Sie sind sicher em Fremder?" „Ja, ich war lange in der Fremde." bejaht? Behrens „Sie sind recht alt? Wohl an die sechzig?" „Drswndfünfzig," sagt' Behrens. Granich war zwar höflich, aber kein Diplomat. Er sagte: „Donnerwetter, da haben Sie sich nicht gut gehalten— ich hätte Sie mindestens zehn Jahre älter geschätzt!" Behrens lächelte:„Nein, ich habe mich nicht gut ge- halten..." Es war etwas Eigenes um dieses Lächeln, Granich jeden- falls hatte noch nie jemanden so lächeln sehen: Der tut nie- mand-'m etwas zu Leide, dachte er. � „Bitte, wollen Sie nicht noch etwas erzählen?" fragt« Behrens.(Fortsetzung folgt.) möchte einen recht grauenvolken Film sehen. Beide pinyen zunächst in ein Kino in der Müllerstraße, wo sie sich den Film„Das Floß des Todes* ansahen. Nachdem sich SB. durch den phantastischen Inhalt dieses Films in die nötige Stimmung versetzt hatte, lud er dos junge Mädchen zu einem Stilldichetn in seinem Zigarrengeschäft ein. Plötzlich zog der Neunzehnjährige die Pistole und bat die Angeklagte, ihm die SBafse an die Schläfe zu setzen, weil es ihm so„besser gefalle*. Die Sechzehnjährige, die gar nicht wußte, daß es sich hier um eine ganz eigenartige Triebrichtung eines gehirn- kranken Menschen handelte, entsprach diesem Wunsche in der An- nähme, daß die Waffe ungeladen sei. Der Schuß ging los und der junge Mensch sank in dieSchläfegetroffentotzuDoden. Das junge Mädchen lief sofort zu ihren Eltern und erzählte den gan- zen chergang. Der Staatsanwalt erblickte in der Handlungsweise der Ange- klagten ein« fahrlässige Töwng und beantragte gegen sie Z Monat« Gefängnis, vom Verteidiger wurde die Freisprechung beantragt, da ein« Tat im Rechtssinne überhaupt nicht vorlieg«, weil die Angeklagte von W. als blindes Werkzeug zu dem von ihm beab- sichtigten Selbstmorde benutzt worden sei. Das Gericht schloß sich dem an und erkannte auf Freisprechung. »Nie wieüer imperialististher Kriegs. Die SZKPD., die sich der Kundgebung am Zl. Juli im Lustgarten demonstratio ferngehalten hotte, veranstaltete am Donnerstag noch- mittag ein« Anzahl von Kundgebungen, in denen gegen den„i m- periolistischen Krieg* demonstriert wurde. Die veranstal- tung verlief im allgemeinen recht träge. In den einzelnen Sälen hatten sich nur wenig« Zuhörer versammelt und selbst auf dem Bülowplatz, wo man auf einen Massenbesuch gerechnet hatte, scharten sich um sechs kleine rote Danner nur etwa 2SlV— 300 Personen, noch zum großen Teil Neugierige, die offenbar nicht wußten, um was es sich eigenllich handelte. Die Kommunisten hatten zudem fast aus- nahmslos Redner 3. und 4. Garnituren herausgestellt. Im allge» meinen protestierten die Sprecher nicht gegen den Krieg, sondern gegen die„imperial! st ischen Ziele* im bevorstebetiden Streit der Dölker gegeneinander. Ein sehr jugendlicher Redner, der für die kommunistisch« Iugendinternational« sprach, empfahl densof ortigen Sturz derRegierung.die schuld an dem Elenjd der arbeitenden Bevölkerung sei. Nach Beseitigung des kapitaliftsschen Systems werde di« Kommunistisch« Partei da» Ar- beitslosenproblem spielend lösen. Es bildete sich dann ein Demon- strationsgrüppchen von ca. löst Personen, di« zum Alexanderplatz zogen und sich dort unter Hochrufen auf die Kommunistische Inter- nationale auflösten._ „Untergruudbahnßos Belle-Aklianee-Platz". Die Tunnelstrecke unter dem Landwehrkanal ist in ihrer ganzen Läng« nunmehr soweit fertiggestellt, daß jede Gefahr für den Bau ausgeschlossen erscheint. Jetzt ist auch die unter dem Halleschen Torgebäude liegende Strecke in Angriff genommen worden, nach- dem die alten Fundament« unterfangen und de? Bau auf völlig neue Grundmauern gestellt worden ist, die außerhalb des zwei- gleisigen Tunnel« liegen, ohne daß das Gebäude selbst irgend» welchen Schaden erlitten hat. D«r Abbruch der alten Fundamente ist jetzt vollendet, und an der Beseitigung des Bodens wird jetzt eifrig gearbeitet. Bold hinter der Unterfahrung de» Halleschen Tor» verbreitert sich der Tunnel zu der Untergrundbahn-Holtestelle Belle- Alliance-Platz, deren Bau soweit vorgeschritten ist, daß nur noch die Decke eingebaut zu werden braucht. In der Mitte de» Platzes sind rechts und links des Tunnelbaues die Fundamente für die Friedenssäul« hergestellt worden, während jetzt an der auf der Ost- hälft« des Platzes liegenden Unterftation, die fast ein viertel des ganzen Platze« unterkellern wird, gearbeitet wird. Auch in der Moorstrecke, südliche Friedrichstraß«, sind die Ar- besten an der Herstellung des Tunnels gut vorwärtsgegangen. Ein Teil des Tunnels ist soweit vollendet, daß die Uebcrfüllung der Decke zwischen Apollo-Theater und Markthalle IT vorgenommen werden konnte. Im übrigen Teste der Moorstrecke sind die Tunnel- fohle und-seitenwände bereits hochgeführt worden� Wohlfahrtspflege km öezirk. Nirgends ist ein« geordnete Wohlfahrtspflege so dringend not- wendlg wie in den Bezirken mit starker Arbesterbevölterung. Das hat die ehemalig« Stadt Lichtenberg wohl erkannt und sich rechtzeitig, also schon vor der Bildung von Groß-Berlin,«in« auf feine besonderen Bedürfnisse zugeschnittene Wohlfahrtsordnung zu- gelegt. Nachdem um Lichtenberg herum der XVII. Bezirk gebildet worden war, mußte auch die Wohlfahrtpflege weiter ausholen und so bat man jetzt die gesamt« Wohlfahrtspflege in 4 Abteilungen ge- gliedert: 1. Allgemeines Fürsorgeamt! 2. Jugendamt: 3. Gesund» hettsomt: 4. Kriegsfürsorgeamt. Das Allgemeine Fürsoraeamt gliedert sich in 2 Unter- abteilungen: Allgemeine Abteilung(die frühere Hauptabteilung) und Unter st ützungsamt. Beim Jugendamt sind 3 Unter- abteilungen vorgesehen: Iuqendpflegeamt, Iugendfürsorgeomt und Dormundschoftsamt. Es bat sich gegenüber früher als notwendig erwiesen, für die Jugendfürsorge und die Berufsoormundschaft je «in Amt zu bilden. Für die Gesundheitspflege und die Kriegsfürforg« ist wie bisher je«in Amt errichtet. Da» Geschäftsgebiet des Wohlfahrtsamtes ist bei der Jugend» pflege und dem Gesundheitswesen erweitert worden. In den De» reich der Jugendpflege sind die Angelegenheiten der Leibes» Übungen und die Verwaltung der Jugendheime einbezogen worden. Dem Gesundheitsamt ist neben seinem bisherigen Wir- kungs kreis noch di« Verwaltung de» Städtischen Kranken- hause» übertragen worden. Al, Träaer der gesamten Wohlfahrtspflege ist»In« gemischt« Deputation sWohlfahrtsdeputationI einaesetzt. Sie wählt flir jede» einzelne Amt verwaltunasauslchüss«(Fachausschüsse). Neu ist die Bestimmung, daß auch für jede» besonder« GeschSftsgebiet«Ine» Amtes, das einer besonderen Pflege bedarf,«in Verwaltungsaus- schuß gebildet werden kann. So ist z. B. für die Leibesübungen und die Verwaltung der Jugendheime ein besonderer Fachausschuß neben dem Verwaltungsausschuß für das Jugendamt gewählt. Die Ueberleitung der Amtsgesckäste der Einzelgemeinden auf das Bezirkswohlfahrtsamt ist Inzwischen fast ausnahmslos erfolgt. Es soll erreicht werden, daß Angelegenheiten der Wohlfahrtspflege Im Bezirk zentral bearbeitet werden. In Fällen dringender Not sind di? Amtsstellen in den früheren Außenorten jedoch verpflichtet, vorläustg selbständig einzuschreiten. Im übrigen nehmen die Amts« stellen Anträge auf Gewährung von Unterstützung entaeoen>md er- teilen Rat und Auskunft In ollen Wohlfabrtsangelegenheiten. Ein« zmeckentlvrechende Wohlfahrtspflea» in einem größeren Gem-i-dewelen ist odne di« Einsetzung von Bezirtsoroanen nahezu unmöglich. Aus diestm Grund» waren bereits in Lichtenberg De» »iuaeleH Me dos Wobtfoh't-'omt örtlich unterstützen. Die Be'irkeorgane heißen Fürforgekommifstonen und bestehen aus einem Bezirksvarsteher, einem Stellvertreter und einer dem De- d'""llnis entsnrechenden A-zobl von Plleoern und vsteaeriunen. Lichtenbero P in 3tz Fürloroebezirk» eineeteist Für i»d«t Bezirk b'�'b? ei»-. Fürsor-ekommstston. Das System hat stch gp bewähr» Dl»'- E'nrichstma wird m'nmeh» auf den«an*«" B-zirk sind für dl« AuSenorte 13 n«"« Bezirke mit i»->ner Fürlarae?omm!ssion. Die entwrechenden Wahlen hat dr a bereits vorgenommen. in allem betrochl«t, muß anerkannt merden. daß In ver- hä".u»m.ößig kurzer Zeit eine Einri-Mung geschaffen worden ist. die durchaus oeetgnet erscheint, auf dem sa wichtigen Gebiet der Wohl- fahrtspflege ersprießliche Arbeit zu leisten. (Segen die Teuerung. In seiner gestrigen Sitzung hat der Potsdamer Wahlverein der SPD. folgende Entschließung einstimmig angenommen, die sowohl dem Potsdamer Magistrat und Polizeipräsidenten, wie auq dem Unterbezirkstag unterbreitet werden soll. Sie lautet: „Der Wohlverein der Sozialdemokratischen Partei Potsdams hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der immer ernster auftretenden Teuerung aller Lebensmittel und Bedarfsgegenstände beschäftigt. Er ist zu der übereinstimmenden Ansicht gelangt, daß die Teuerung nicht nur auf die Kostenteuerung tm Produktionsprozeß zurückzusühren ist, sondern in der Hauptfache mit der Profitgier und dem Wucher aller am Güterumlauf beteiligten Kreise oerknüpft ist. Erzeuger und Kaufleute begnügen sich nicht mebr mit den in Friedenszeiten nor- malen Gewinnanteilen, sondern slyrauben ihre Preisbildung zu einer Höhe empor, die dem wahren Kegenstandswert nicht mehr entspricht. In dieser Tatsache erblickt der Wohloercin, der es für seine besondere Pflicht hält, für das Wohl der Minderbemittelten einzutreten, eine ernste Gefahr, die beizeiten gebannt werden muß. Bei dem überall zutage tretenden Bestreben, Löhn« und Gehälter auf gleicher Höhe zu erhalten oder sogar abzubauen, ist es für den werktätigen Teil der Bevölkerung unerträglich, die wachsenden Preissteigerungen mit an- zusehen, mit denen das Existenzminimum im Einkommen keineswegs mehr Schritt hält. Der Wahlverein erhebt deshalb seine warnende Stimme beizeiten und bemüht stch, den verantwortlichen Stellen die Notwendigkeit einer sofortigen Revision der Preise oller Bedarfs- gegenstände vor Augen zu führen. Er erbietet sich dabei zur Mit- Wirkung in den dazu erlassenen Instanzen und schlägt die Bildung einer Teuerunqsprüfungskommission vor. an der alle Stände und Parteien beteiligt sein mögen. Um so dringlicher erbebt der Wahl- verein schon jetzt sein« Stimme, als die kommenden Wochen noch ge- steigerte Wirtschastsnöte zu bergen scheinen, denen man nicht mit Worten, sondern nur mit Taten entgegentreten kann, um«ine Ge- sundung zu erreichen.*_ »Die Privatwohnung des Sorp» Teulo-DaMa." Im„Borwörts" vom 9. Juni war unter dieler Spitzmarke di« Verwendung einer Woh- nung zu anderen als Wohnzwecken bemängelt werden. Der Aus- lchuß für das Wobnungsivesen beim Magistrat sendet uns jetzt dazu folgende Erklärung: „Die au» zwei Stuben, Kochraum und Flur bestehend« Woh» nung im Hause Klein« Hamburger Straße 20 wird von einem Fliegeringeniour D a v i tz mit Frau bewohnt. Davitz ist im Besitz eines am 18. Januar 1020 vom Wohnungsamt ge- stempeven Mietvertrage». Als Alter Herr der„Teuto-Baltia* stellt er zweimal wöchentlich eimen Raum seiner Wohnung dieser. Verbindung zu Kneip- und Versammlungszwecken zur Verfügung, sonst wird die Wohnung nur zu Wohnzwecken benutzt. Das Woh- nungssmt hat daher keine Veranlassung und keine Möglichkeit zum Einschreiten.* Uns war damals im Hause Klein« Hamburger Straße 20 au Anfrage versichert worden, daß die Wobnung nur zu den Zusammen- künften und Kneipereien der Korpsbrüder benutzt werde. Auffällig Ist, daß auch im Adreßbuch für 1921 unter den Mietern des Hauses Kleine Hamburger Str. 20 kein Ingenieur Davitz. ober das Corps Teuto-Dalsia aufgeführt wird. Wir haben aber keinen Grund, an der Richtigkeit der obigen Darstellung des Wohnungsausschusses zu zweifeln. Dl« Anwohner würden es jedoch zweifellos begrüßen, wenn di« nächtlichen Ruhestörungen, von denen in der Roti» vom 9. Juni gesprochen wurde, unter. blieben. Der find tsie Tolen? vu« dem Etölpschen See bei Wannsee wurde di« Leiche eine» unbekannten, etwa 2S Jahre alten Mannes gelandet. Der Unbekannt«, wahrscheinlich ein Berliner, der dorthin einen Radousflug gemacht hat, hatte am 28. v. M. in der dortiaen Badeanstalt seine sämtlichen Sachen abgegeben, war in den See hinausgeschwommen und ist dabei wahrscheinlich ertrunken. Der Tote, bellen Leiche nach der Friedhofshalle in Wannsee gebracht worden ist, ist l.SS Meter groß. Hot blondes, nach hinten zurück- gekämmtes Haar und ein bartlose« Gesicht.— Am 22. Juli wurde aus dem Iungfernse« in Potsdam die Leiche einer bisher nicht fest- gestellten Person gelandet, di« schon länger« Zeit im Wasser gelegen hatte. Bei der Leiche wurde«ine braungerippte Handtasche aus Leder gefunden, in welcher 3 Taschentücher, ein Seifenlappen, ein Spitzenkragen und ein Kamm, sowie ein leinenener Lappen enthalten waren. Es liegt offenbar Selbstmord vor, da in dem Kostümrock mehrer« Mauersteine«ingewickelt und die so entstandene Hülle mit mehreren Sicherheitsnadeln zugesteckt war. kin Musenmediebstshl. Aus dem Museum für Volkskunde in der Klosterstraß« sind in den letzten Tagen wiederum verschiedene Kunst- gegenständ« gestohlen worden. Es fehlen verschiedene Zinkkannen, darunter eine aus Schleswig-Holftein, 84,4 Zentimeter hoch, mit einer Deckelgrovierung, ein« ander« aus Schleswig-Holstein, 31,2 Zenti» meter hoch, und ein« dritte, 28, B Zentimeter hoch, ebenfalls dort her, die da« Hamburger Wappen träat und die Inschrift„Hamburger Entgelt*. Letzter« Kanne hat ein Blumenmuster und trägt die Jahres- zahl 1797. Außerdem wurden gestohlen ein Zinnbecher aus dem Spreewald mit eingravierter Inschrift und der Abbildung von drei Weberschiffchen und einen Kranz sowie der Jahreszahl 1800, ein ähn- licher Becher derselben Herkunft ebenfalls mit drei Weberschiffchen und einer Krone darüber, der Iahreszabl 1908 und der Zinnmarke Dresden. Weiter haben die Diebe zwei Leinentücher unbekannter Herkunft, etwa 1 Meter im Quadrat, mitgehen lassen, die zur Aus- stattung eine, Himmelbettes in einer Spreewaldstube benutzt wurden. vor Ankauf dieser Sachen wird gewarnt. Mitteilungen, die zur Ermittelung des Verbleib» der Kunstschätze führen können, sind an Kriminalkommissar Treftin, Dienststelle B. 1. 7 des Berliner Polizei« Präsidiums zu richten. Endgültige Erledigung de» Falle» vurg. Di« bekannte An« aelegenbeit de» Direktors Burg von der Fürstin-vismarck-Schule in Eharlottenburg hat jetzt für die Gckulverwaltung ihre endgültige Erledigung gefunden. Direktor Burg bleibt, wie wir erfabren. in seiner Stellung al» Direktor dieser S-bule. Die Studienrätin von Möller«vird mit ihrem Mnverständni« an da» Lyzeum Y verletzt, die Studienrätin Alexander gleichfalls mit ihrem Ein- Verständnis an die Königin-Luisen-Schule. Di« Studienrätin Dr. Ebben st«in wird an die Fürstin-BiSmarck-Schule zurückversetzt. Di« Studienräte Kawerau und Reintje» gehen an das Berliner Sophien-Lvzenm. Ob der Fall Burg noch den Landtag be'chästigen wird, in dem drei Anfragen verschiedener Fraktionen vorliegen, steht dahin. Sein krankenbral ab Ii. August. Die Deputation für das Er- nöbrungSwekeit teilt mit: Da vom 15 August ab Weißbrot in den Bäckereien frei hergestellt und abgegeben werden daif, wird die Krankenbrother st«llung mit dem 14. d. Mi», eingeteilt. Ebenso hört mit diesem Zeitpunkt di« KrankenmehlaiiSuabe auf. Die für einen späteren Zeitraum noch im Verkehr befindlichen Krankenbrotkarten und Krankenmehlbezugscheine berechtigen vom ld. August ab nicht mehr zur Entnahm« von Krankenbrot oder Krankenmehl. Doppelte Zuckereatlo». Die guckerversoranngSllell« de? Ma- qistrat« verlin gibt bekannt: Aul Ablchnitt 88 und 80 der Deliiner Zuckerkarte find in der Zeit vam IS. bis 31. Augnst und 1 bis 15 September 192) anstatt je Piund je 1'/. Pfund V e r- drauchSzucker zum Inlands zuck- rpreife abzugeben. Snlkne? varktss. D»? Dlu'-rgeir�e? zeigt im tT-jtift-in erstAassi»»» Proaramm. Das Haas-Hey«. Ballet laßt dl« Zuschauer einen Abend in Kaira erleben:«uf dem Duchgprlen tet si-ttls Kosmcpe.lis werden Tanze von pvfiesrijtft Eke-o�z W P-ichtigkH in denen sich Sch5r',«t und Rhy'bmus paart. euflPPP Die F an z fp i e le des S e- r-rus Schoeffer si"b iv-O'iJfftah. di« Schattenspiele jA w e l o s entzücken, und auch El ort.Der Trunkenbold* '»igt viel Ueberlegung und G-wandtheit. viel Leiterkeit erregte A. R o b I n u» in seiner Roll« als wandelnderMusiklad e n. Gleich dem Teufel in Chamissos„Peter Echlemihl* scheinen seine Taschen unergründlich zu sein und jede» nur denkbare Mustkinstru- ment und auch andere Dinge, von der Kaffeetasse bis zum Noten- stände? zu«ntbalten. Daß er den Klang der einzelnen Instrumente markiert erhöht den Reiz seiner Leistungen. DieRollschuhläuf« aus der Tischplatt«, di« die beiden S p l e n d i t s ausführen, sind sehr präzis« und gut durchgearbeitet, und di« Szene der M a ck w e y» Comp.„Alles in Trümmern* zeigt das vollendete Chaos. Alles in allem sind es Höchstleistungen, hinter denen scharfes Denken und viel Arbeit zu suchen ist Apollo-Theater. Ein ebenfalls ganz hervorragend zusammen- gestelltes Repertoire erfreut in diesem Monat die Besucher des Apollo-Theaters. Die 3 S h e f f i e l o s in ihrer„Szene in der Bo- dega" leisteten sehr tüchtiges. Gewandtheit, Grazie und Tollkühn- heit kennzeichnet die Leistungen der Atrobatenfamilie Bern- hard. Selbst die kleinen Vierfüßler, die Hunde und Affen des Clowns Peppo überboten sich gegenseitig, um ihren Herren nicht nachzustehen. Fritz Steide! könnte ruhig, wenn er auf den Humo- ristentitel Wert legt, lustige Sachen bringen. In schwindelnder Höhe, auf schwankendem Mast,„arbeitete* Jack P e r r y. Warum die Ballett-Pantomime gerade„O p i u m t r ä u m e" heißt, ergibt sich nicht aus der Handlung. Frauen in orientalischen Gewändern, oder vielmehr keinen Gewändern, tanzen un» den schon bis zum Ueberdruß oft geiebenen Bauchtanz mehr oder weniger geschickt vor. Sonst bot das Ballett nichts Neues. In einem waghalsigen Trick produzierten sich die 5 Merkels: Spazierengehen mittels Saug- apparaten an der Decke. Den wirklich lustigen Schluß bildeten L o- r o s tote und lebende Zinnsoldaten, die toten, indem sie dem drolli- gen Bild eine wirkungsvolle Staffage gaben, und die lebenden durch gutes musikalisches Können neben ihrer Urkomit. Hroß-Serliner Parteinackrichten- heute, Freitag, den 5. August. 79,«bt. eckilnei«rg. H-utl«bind, pünktlich 8 Uhr, bei Rosenau, Hohenfried. berg-, Sck« Nolonnenstrahe,«krineitirti vorstandogtzung. Sehr wichtige Tagesordnung. Dos Erscheinen aller Funktionäre und Funktionärinnen ist unbedingt notirendig. Ardeit-gruppe Pankow. Abend» T'/, Uhr Porstandslitzunz hei Heinz«, Per- liner Strohe 78. 1!l. Abt.«arlshoest. TA Uhr«rsl« Turnzusammenkunft he» Arbeiterturnver- ein, in der Turnhalle des Lg,«um», Treskow-Allee 44. Jungsozialistea. Seit»?» Norden: 7H Uhr Semeindeschule Putkbuserstr. 9, Tis. tussionsabend.— Schineberg: 7>4 Uhr bei Riese, Akazienstr. 14, Leseabend. — Lichterselb«: 7!4 Uhr bei Ouanedt, Hindenhurgdamm, Elke Moltkestrah«, Portraa.— K«»«»b»rs: 714 Uhr im Jugendheim, Moltkestrah«, Vortrag über „August Debel". Reserent Eenolse Dr. Schütte. Vingeech»«»er SPP. I«m»elHos(®l. d. A. 6.«.).» Uhr Scneralver. sammlung im Sängerbrim mit sehr wichtiger Togesordrmn». Erscheinen aller passiven und aktioen Mitglieder erforderlich. Morgen. Sonnabend, den 6. August. vahlkrel,«erlln.»itt«. Sommertest in den Sesamträumen der Brauerei NSnigstadl. unter Mitwirkung ve» Berliner Tonkünsiler-Orchesters, Napell- meisler Franz Hollfelder, der Gesangverein« Berlin-MItte und Prenzlauer Tor, Dirigent Julius Trade. Feuerwerk usw. NaffeekUch«. Beginn 314 Uhr. 13. Abt. 7 Uhr Sitzung der Ahteilungsleitung, BezirkMhrer und Betriebe vertraueneleute bei Thiedtk«, Littauer Ltrah«, Eck« Traudenzer Straße. 33.»bt. Trohes Sommerfell im Paradie�arten, Landsberger All«, 154. Konzert, Evezialitätenvorstellung. Eintritt 1,13 Ä. Anfang i Uhr. Der Reinertrag ist für die Kinberweidnochtsdefcherung benimmt. 4«.«bt. 7'4 Uhr FunktionSrützung bei Schmidt, Wicleffstr. 17. 51. Abt. wünschte Wirkung ausgeübt haben. Tas Orchester löste seine Ausgabe meisterhast. »Ztzranc». die de» Ernst deö LebenS nicht verstelle».« Der Film mit diesem reichlich langen Titel, der in der Neuen Philharmonie gezeigt wurde, behandelt das reichlich bekannte Thema der sich vernachlässigt fühlenden jungen Frau, die von der Weit der Arbeit nichts versteht, Autzcr- dem wurde eine auf das geistige Niveau dcS Durchichnittsbacksisches zugeschnittenes Lustspiel»Die LiebeSwage" gegeben. Der Keiang der Frau H i n g st kann als der Glanzpunkt des Abends bezeichnet werden und der VeifaU, den sie erhielt, war reichlich verdient. Vau Goliath Armstrong, dem amerikanischen Riefenfilm, verletzt man dem Berliner Zlinobefuchrr jetzt den fünften Teil fl»i U, T, Kurslirsleu- dämm). Er Keitzt»Der Tod im Nacken", und der arme Goliath wird darin allerdings so jämmerlich geplagt, das! ihm auS Gründe» der Menschlichkeit ein rascher Tod zu wünschen wäre. Ganz sicher von feiten der Krno- befucher, lste sich trotz der Hetze auf der Leknewand von ntemat« ermüden- den galoppierenden Pferden redlich mit der Langeweile herumschlagen, Dag viele Bilder lehr hübsch sind, sindcrt nichts an der Tatsache, das; das Uebcrmatz von unmotivierter Bewegung ermüdend wirkt.— Als Eni- fchädiguna können sehr gelungene Aufnahmen auS dem Leben eines Wasser- räubeiS, des Golbrandkäfers gelten, die an Sensationellem die Gesamt. leistung Goliath Armstrongs bei weitem übertressen. In den Richard-OSwald-LichtiPielen rollt zurzeit der Film Tom Murger, der Bankräuber Solange das Publikum Zdiiminal- und Detektiv- silme verlangt, wird es Filme dieses Genres geben, lieber Tom Murger, der aus München zu uns kommt, ist weder Gutes noch allzuviel Schlechtes zu lagen. Das Manuskript(versatzt von Lloses Berger) schul für lFoses und Anni Berger dankbare Rollen, Dem Teptdeutsch, daS aus der Leinwand erscheint, um den Zuschauer dir Vorgänge verständlich zu machen, könnle eine gründliche Korreltur wn stich nicht» schaden. vortrage, vereine unö Versammlungen. Toueiflen-Veeel»„Die Ztatnrseeunde" Sonntag, den 7, August. Abt.~ Ortsgruppe Berlin. Fahrten am ______ adrt nach fletzcn a, d. H. Abfahrt Sonnabend S.iB Bahnhos Steglitz. Abt. Moabit: Kdniaswusterbausen— Wal- ger See, Trefsp, Sonnabend 5,30' EScJifcer Bahnhof! Furftenwaldt— Dehmse«. refsp. Sonnabend 5,30 Ba�nhas Bell»nt, Abt. Wedding: �otsdam�Lienewiz. N, Sonntag 6,00. Abt. Neukölln: Mädclofahrt Rüdnitz— Langrönner F7ieß. Abs. Sonnabend Bahnhof Sesundbeunuen(Fernbahnhof);(Bunter) Bcnwu— Langrönner Fließ. Abf. 5,46 Gesundbrunnen(Fernbahnhof).— Ortsgruppe Köpenick, Abt. Ostbahnvororte. 7. August Werder, Plessow-see, Phöben, Grube, Potsdam. Abf. 1. Potsdamer Fernbahnhof 6,00, 2. Alexander Platz 5,41. Briefkasten üer Redaktion. Brieflich« Auskunft wird nicht erteilt.— Jeder für den Brief. kästen bestimmten Anfrage sllge man einen Buchstaben und eine Rümmer bei. Eilig« Anfragen trag« man in der Junstische» Sprechstunde, Lindenskr. 3, 1. Hof pari, link», vor. EchriststUcke und Verträge sind mitzubringen. >. L. U. Bom 1. August ab sind die Beiträge vom Arbeitslohn nicht mehr abzusetzen. Dafllr kommen aber von dem Betrag von 70 Proz. bei lvdchcnt» lichen Lohnzahlungen 2,30 M. und, wenn die Abzüge»ach si 13 des Einkommen- fteuergefetzes bis zum 31. Jull 1S21 nicht berücksichtigt sind, für die Zeit vom l. August bis 31. Oktober 1931: 8,40 M, in Abzug.—«. 95. Rg. 1. Ja. 2. Di- Jahlen sind wiederholt oeröstentlicht worden.— A. ft. 3. Selbst wenn ein fchristlicher Bertrag nicht besteht, mutz der Hauswirt, bevor er die crhohis Miete fordern kann, kündigen. Die Kündigung bedarf ebenfalls der gusiim» rnung des MIet«inigungsamtes. Di« Kündigung ist i» Ihrem Falle nur für den Schluß eines Kalendcrmonats zulässig und muß am 15. des Monats er- folgen. 3. Ja, sofern eine, ordnungsmäßige Kündigung nicht vorliegt.— F. T. 15. Bon den 21,50 M. gehen die 3 40 M, ab, so daß der für Steuern einzubehaltende Betrag 13,10 M. beträgt,— 8. L. J. Setzen Sic zunächst die Dostdehörde von dem Vorfall in.Kenntnis, die dann das weitere veranlaßt.— S, 1. An die Städttfch« Schuldepulation in Berlin, Rathaus.— F. R. 1903. Dl« Sliddeulfchen nannte» in de» fünfziger und sechziger Iahren die Nord- deutschen, besonder» die Berliner, Lehmann: so kam diese Bezeichnung bcsan- d-rs für den alten Wilhelm in Scbrauch. Oesundheit ist Reichtum! Soeben erschienen: Hygiene des Geschlechtslebens. Bon Prof. vr. Rl. V.«e-ndei-, ts bis 47. Auflage. 235. bis 234. Taufend. ———— Mit 4 forbtgea lafaln. � Preis 6 M.(Porto und Nachnahme 1,35 M). In keinem S-uie darf diese» Buch fehlen, da behandelt nicht nur die Geschtechtstrankhetten, sondern da» ganze Geschlechtsleben. Für Mann und Frau, für Jüngling und Jung- trau ist das Werk van größtem Wert. SV Soeben erschienen:"Mg Geschlechtsleben«Geschlechtsleiden Bon Prof. Dp. E. nieekc. mit 2«»»stdrneNasel».• Preis 5 M.(Porto und Nachnahme 1,33 31). Erschütternde Bilder au« dem täglichen Leben sind'», die da- Werk an un« vordeiziehen läßt: Au» dem Kino, au» dem Kasseehau«, da» Tagebuch eines Studenten, der Lebensgang einer Dirne u( abweichnnaen der Gebärmutter, dt« Wechsetsahre, Debännuttertreb« ulw, der Aussiuß au» dem weibllchen Geschlechtakanal. künstliche Ber» süngung ulw. usw. Bestellzettel. Ich erbitte unter Nachnahme: iZradee' i ,.. Cjp,. Hygiene fles Gesehiecliisleliens Preis 6 M. Riecke: ... Gjpi.GeschleelifslebeDii.GesElileelils- lelilen preis s m. Nassauer t ...«xpl. Vez beides l-e!ii um!'peilen preis geb. 22 M. 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Die Wahl der Dersicherten findet Natt am Sonntag, den 23. September lS2t, In der Zelt von S Uhr morgens bis 2 Ahr nachmittag» Im ktastentotal, Hinienstr. S, bi« Wahl der Arbeitgeber am Ztlontag. den 20. Sep- tember 1021. In der Zeit 00N 4 bt» 7 Ahr nachmittag!» im Safsenlotat, LtnIensSr. S. Jeder Wähler, welcher an der Wahl teilnehmen will, er- hält auf sein Verlangen an den dem Wahltage vorangehenden 14 Tagen im»assentokat eine Wahltarle ausgehändigt. Fre.» willig» Mitglieder tönne» sich durd, iäre Milglicdskarle dzw ihr Mitgliedsbuch legilimicren. Die Wähler tonnen die Ar» beltgeder- und Mllntiedervcrzeichnisse während der Zeit vom 15. August bis 27. Anglist, nachmittags von 1 bis 3 Uhr. im Kassenlokal einsehen. Einsprüche gegen die Nichtigkeit der si.h au» dem Ardettgeber-»nd Miigliederverzeidini» ergebenden Wahl» und Stimmberechtiguvg stnd spätestens bis vier Wochen vor der Wahl unier Beitügung von Beweismitteln bei dem Kassenvorstand elnzulegen. Air sordern nunmehr die Wähler(Versilberte und Arbeit- geber) aus, bl» spdtest«»» von 22. August Wahtoorschläge bel dem Kaflenvorstand getrennt tür Versicherte und Arbeit- aeder, einzureichen. Dl» Stimmabande ist an diese Wahloor- schläg» gebunden. Die Wahlvorlchlage müssen von mindesten, je 10 Wahlderech'igten der betreffenden Gruppe mit zusammen mindestens 30 Silmmrn unterzeichnet sei». Die einzelnen Bewerber sind unter fortlaufender Nummer aulzuftihren, welche die Reihensolae ihrer Benennung ausdrückt, '~ and Vor-(Rnflnamen, Beruf und Woh- Be! Versicherten ist auch der Ardeitgeber, nserate� imVorwartö bringen Ig! Spezcial-�.i'-et ,Ir. Sconi. Koscnüiaicnt. 39-70 tür alle Qeschiechts-, Haut-, Harn-, Frauenleid Syphilis-, 1 Salvarsan-Kuren Blutunlers. ! Damen separat. 10— I 5—7. Seit 703ahren S.VÄBaBSsall«! v. 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Ist dies ttnterblieden, so gilt der erste Unterzeichnete als Vertreter und, lowest eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als Stellver. tretet. Der Wahlvarschlagsvcttrctcr ist berechtigt und vcr- pflichtet, dem Vorstand zur Beseitigung etwaiger Anstände etsorderlich» Erklärungen abzugeben. Die Wahlvorschtäge sind ungültig, wenn sie oerspälei eingereicht werden. Die zu- aelasseuen Wahlvarschläg« liegen 14 Tage vor der Wahl im Kasienlokal aus und können van den Wählern in der Zeit von >— 3 Uhr nachmltloa» eingesehen werden. 7/13 Berlin, den 5. August tS2I. vor Vorstand. «. Pol, In, Vorsitzender. Rod. Krüger, Schriftführer. rillanten.JuweSen |fg>l|C& audi ganze NadilSsse SVfiBMlS besonders große Posten gute Ware, zum höchsten Kurs, imsierdamer Diantsiilensebleirerel Oegr 1892 160 Frledrlchstr. 160 feinste dlanle welße War» liefert an Arbeiter- Wh ZA otganisatia!>cnz.ganz t esonderrn Vorzugsvretsen gtzBOB vHaF■« �3 III Beltiebsrät». 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Die„Deutsche Zeitung", die täglich zweimal sehnsuchtsvolle Rufe nach einer Rückkehr der Hohenzollern ausstößt, brachte gestern abend«inen längeren Artikel, der sich mit Bismarcks Buch beschäftigte und folgen- den Satz enthielt: Der dritte Band des Bismarckschen Nachlaßwerkes stellt«ine Geschichtsquelle allerersten Ranges dar für den- jenigen, der zu lernen und Geschichte zu verstehen den Willen hat, was freilich nicht einmal bei Geschichtsgelehrten von Beruf allgemein der Fall ist. Der fürstliche Verfasser konnte für den dritten Band seiner Denkwürdigkeiten eigenhändige, Tag für Tag gemachte Aufzeickmungen benutzen. Gerade hierin und dann in dem verhältnismäßig mehr zuverlässigen Erinnern an die Be- gebnisse eines nicht sehr langen und nicht lehr weit zurückreichenden Zeitraumes hebt sich der dr i t t e Band des Bismarckschen Buches von den beiden ersten Bänden ab. Wenn schon die Deutschnationalen als die patentierten Freunde Wilhelms des Letzten die geschichlliche Bedeutung der Bismärckischcn Erinnerungen anerkennen, so sollten Wilhelm und seine Ratgeber cnd- lich einsehen, daß kein haltbarer Grund für die Verheimlichung des Buches spricht. Ganz abgesehen davon, daß der Inhalt der Auf» Zeichnungen durch Deröfsentlichungen in der holländischen und amen- konischen Presse bereits zum größten Teil bekannt geworden ist, braucht Wilhelm kaum zu fürchten, daß er von seinem guten Ruf durch die Veröffentlichung etwas verlieren könnte. sschlagen haben, in Anspruch. Zn der Dämmerung sehe ich' Die Redner sparten nicht mit den schärfsten Worten. ! Bajonelle. die gegen den Erdboden gestoßen werden, sehe ich flehende schloß seine Ansprache: Arme, fühle ich erfolglose Litten. Ich habe begriffen... Ctn Redner Zwei �neköoten. Unter dieser Ueberschrift schildert in der„HumaniU" vom 2. August der kommunistische Abgeordnete des Departements Lot et Garonne, Renaud Jean, zwei eigene Erlebnisse aus der ersten Kriegszeit als Beitrag zum Kapitel der Kriegsoerbrechen. Es han- dslt sich zuerst um die Plünderung eines Lebensmittel» g e s ch ä f t e s im französischen Dorfe Somme-Suippes durch f r a n» z ö s i s ch e Truppen, die sich auf dem Rückzug befanden: „Der große Raum ist voll von blauen Uniformen. Hinter dem Kontor bedienen zwei Frauen die zuerst Angekommenen. Ich höre die Preise: sie haben es mit der Flucht eilig, und da sie nicht ihre Waren dem Feind überlassen wollen, verkaufen sie zweifellos mit Verlust. Aber die, die dahinter stehen, werden ungeduldig und drängen. Plötzlich werde ich bis zur ersten Reih« gestoßen. Ich reiche ein Geldstück und zeige auf eine Flasche spanischen Wein. Ach! vom Kaufen ist keine Rede mehr. Ein gewaltsamer Druck, K o l o- nialsoldaten springen auf den Derkaufsstond, die Frauen schreien, man packt sie bei den Schultern, sperrt sie im Rebenzimmer ein. Die Plünderung beginnt. Nun bin ich wieder auf der Straße, starr und... mit leeren Händen. Die Sieger in dem glorreichen Kampf trinken gierig und ohne Gewisiensbisse. Indessen erhält die Moral insofern eine ge- wisse Genugtuung, als einzelne unter den Plünderern, durch die gelbe Farbe getäuscht, Essig gestohlen haben. Die Säure ver- brennt ihnen den Mund.... Ich kenne in Somme-Suippes ein Lebensmittelgeschäft, das die„Boche s" nicht ausgeplündert haben...." Das zweite Erlebnis von Renaud Jean ist bedeutend ernste- rer Natur. Es handelt sich um einen wechselvollen Nah- kämpf, in dessen Verlauf der Verfasser einem großen deutschen Soldaten gegenüber stand, beide mit gefälltem Bajonett: „Plötzlich fühle ich mich aus dieser Lage befreit. Ein starker Stoß, meine Beine geben nach, ich falle, von einem Geschoß ge- troffen, vor meinen sprachlosen„Feind" zu Boden. Er hat mir ober nicht mit seinem Kolben den Schädel eingeschlagen. Unsere Truppen fluten zurück: wir sind gefangen. Die französischen Feld- geschütze schießen jetzt auf uns und auf„die anderen". Die Männer in grauer Uniform räumen die Stellung. Wir bleiben nun da. deutsche und französische Verwundete mit einigen Toten. Und es beginnt das Höllenkonzert von Wehklagen und Röcheln.... Rote Hosen rücken ober heran. Ein Reserveregiment — warum seine Nummer nennen? Gerettet! Noch nicht. Ein« wichtigere Aufgabe nimmt dies« Männer, die sich nicht ge- daran<58 000 französische Soldaten. B-zsonders furchtbar wütet die Tuberkulose in Spanien und Rußland. Eine der schwersten Gefahren wird durch die überall herrschende Wohnungsnot heraufbeschworen, da man festgestellt bat, daß die Todes-iffer durch Tuberkulose in demselben Maße wächst, wie sich d:r Luftraum ver- ringert, der in den Wohnungen auf den einzelnen kommt. Erzenlrische Genies. Der Tod Carusos, über dessen privat« Ge- nflogenheiten früher mancherlei seltsame Gerüchte kursierten, lenk» die Aufmerksamkeit auf eine Grupve längst verstorbener deutscher Dichter, die nicht nur durch ihre künstlerischen Leistungen berühmt wurden. sondern ebensosehr durch genialische Lebensgewohnheitcn von sich reden machten. Wir meinen die deutschen Romantiker, die um die Wende des 18. und 10. Jahrhunderts unsere Literatur und Kunst beherrschten. Im neuesten 5zeft des..Grundnelcheuten Antiouarius", der im Horst-Stobbe-Verlag in München erscheint, werden«iniae un» bekannte, sehr bezeichnende Anekdoten von berühmten romantischen Dichtern ersjählt. So erfahren wir über einen Besuch des exzentrischen Z a ch a- rias Werner in der Kunstkommer des Berliner Schlosses, daß er vor einem Heiligenbild stehenblieb, während die anderen Besucher weiergingen. Er konnte sich davon gor nicht trennen und kehrte immer wieder zu diesem Gemälde zurück. ,.Das dauerte", so erzählt eine zeitgenössische Quelle,„bis man das Schloß verlassen wollte. Da rief plötzlich Werner auf der Schloßtreppe:„Mein Hut! Mein Hut!" Man mußte umkehren, den Kastellan ansprechen, daß er noch -icn■ u s erst am nächsten Abend aufgelesen. Auf dem Berg Moret, fünf Kilometer von Vitry-le-Franqois entfernt, w— �"'•<•'««4 e]HrK zgy deulsche Kriegs. gefangene auf diese Art niedergemacht." Frankreich hat wirklich allen Anlaß, zu beantragen, daß die Frage der Leipziger Urteile auf die Tagesordnung des Obersten Rates gesetzt werde.... §rieöensengel Dreaönought. London, 4. August. tWTB) Der Finanzsekretär der Admiralität Amery erklärte im Unterhause bei der Forderung von 11 87ö<500 Pfund Sterling zum Bau von 4 Schiffen der Hood-Klasse, die bri- tische Hochseeslotte sei so gut wie veraltet. Augenblicklich werde eine Flotte von Schlachtschiffen gebaut von einem Typ, der sich bei der Schlacht von Jütland den anderen Typs unvergleichlich über- legen gezeigt habe. Japan habe 8 solcher Schiffe im Bau und plane den Bau von 8 weiteren. 1S2ö werde Amerika 12 dieser Kriegsschiff« besitzen.— Dellaire meint«, das japanische Programm sei die Ursach« des heutigen Wettrüstens. Churchill warnte vor einer Schwächung der britischen Flotte. England werde dadurch zu einer Macht dritten Ranges herabsinken. England hoffe aufrichtig, daß die WashingtonertziAonferenz ein glückliches Ergebnis haben werde, es werde jedoch nicht«in« Stellung sicherer und dauernder Unterlegenheit zur See übernehmen.(Großer Beifall.) England hoffe auf einen längeren Frieden, der, wenn die äugen- blickliche Periode der Erschöpfung vorüber sei, was in einigen Iah- ren der Fall sein werde, zu einer Periode des Gedeihens führen werde. England müsse jedoch auf eigenen Füßen stehen. Rur auf diese Weis« werde es auf der Washingtoner Konferenz im- stände sein, die Rolle eines glücklichen Friedensstifters zu spielen und Hand in Hand mit den Vereinigten Staaten zu gehen, nicht als Schutzbittender, sondern als ebenbürtiger Partner in seinem Inter- esse und in dem der Zukunft der Welt.* Das Unterhaus genehmigte die Deträge. Erregte Szenen im Danziger Volkstage. Danzlg.<. August.(WTB.) Im Danziger Bolkstage kam es heute nachmittag zu schweren Zusammenstößen zwischen den Linksparteien und dem Senat. Die Verhandlung be- gann mit einer sehr erregten Anklage de» Führers der unab- hängige» Sozialdemokraten, des Abg. Mau, der die Senatsmit- glieder mit schweren Schimpfworten beleidigte. Die Er- regung wurde dadurch sehr gesteigert und die Sitzung mußte unter- brechen werden. In der Hauptsache hatten die Angriffe ihren Grund in der Anwesenheit eines Kommandos der Sipo im Volkstagsgeböude, unmittelbar neben dem Plenarsitzungs- �aal. Die Sipo war schwer bewaffnet und u. a. auch mit Handgranaten. Di« Linksparteien verlangten den Abzug der Sipo und verhinderten durch andauernden Lärm die verhand- lungen des Parlaments. Als nach wiederholler Vertagung der tom- munistifche Abg. Schmidt gegen einen deutschnationalen Redner tätlich wurde, erschien ein Kommando der Sipo in Stärke von einem Offizier und 14 Mann im Saal und verhaftete ouf Ver- anlassung des Senators des Innern Schümmer die beiden Bbgg. Schmidt und R a h n von der KP., Bezirk Danzig. Die Links- Parteien begleiteten die Derhafrung mit u n g e h e u r e m L ä r m und und verhinderten jeden weiteren Versuch der bürgerlichen Parteien, in«ine sachlich« Beratung einzutreten. Unter großer Erregung wurde um<5 Uhr abends die Sitzung endgültig geschlossen, nachdem die Oppositionsparteien auch den Senatspräsidenten, der«ine Erklärung abgeben sollte, daran gehindert hatten. Das Volkstagsge- bäude und das Regierungsviertel sind durch die Sipo a b g e- sperrt. « Der Danziger Generalstreik scheint durch die EntlassungS» und sonstigen Drohungen des Senat® so ziemlich verhindert worden zu sein. Hölle man die friedliche Teuerungedemonstralion nicht ver« boten, so wäre oll die Aufregung er'part geblieben. Polni'che Truppen sollen zum Einrücken bereitgestanden haben. .Nichts für diesen Staat, alles für das Volk!" Dies ist nur ein kleines Beispiel bewußter und systematischer Arbeit gewisser deutscher Kreise, handelt es sich nun um die Nicht- abführung von Steuern, den Nichtantritt von Militärdiensten oder den bewaffneten Widerstand gegen die Republik. Daß dies nicht eine platonische Aufforderung ist, dafür diene zum Beweis, daß in den Grenzorten 125 deutsche Mausergewehre mit 10000 scharfen Patronen gefunden wurden. Die Regierung hat genügend Mittel zur Hand, um eine solche Tätigkeit im Keime zu er» sticken und wird nicht dulden, daß unberufene Faktoren eingreifen. Als Vergeltung für den 18. Juli berief die tschecho-slowakische Legionärsgemeinde eine Versammlung für den 31. Juli ein. Es kam zu einigen Zusammenstößen mit der deutschen Bevölkerung, die größtenteils durch das provokakive Venehmen der Deutschen veranlaßt wurde und zu unbesonnenen Taten führten. Die Regie» runq hat sofort eine strenge Untersuchung eingeleitet. Der Minister- Präsident sprach mit größtem Schmerz das Bedauern über die Er- eignisse aus, welche nicht geeignet wären, zum ruhigen Zusammen- leben der Nation beizutragen. Diese Erklärung wurde nach kurzer Debatte zur Kenntnis genom- men. Dafür stimmten alle tschechischen bürgerlichen Parteien, da- gegen die tschechischen Kommunisten. Die deutschen bürgerlichen und sozialdemokrgtischen Sena- toren waren nicht erschienen. Deutsche DarsteNung. Prag. 4. August.(WTB.) Das„Prager Tageblatt" stellt ent- gegen den amtlichen Meldungen fest, daß eine fünftausendköpfige Menge die Rede des Abg. Kaibl anhören wollte, als plötzlich 200 bewaffnete Legionäre und Zivilisten mit Browningpistolen, Schlag- ringen und Gummiknüppeln auf die Menge einstürmten, zuerst in die Lust, dann in die Menge Hineinschossen und Frauen und Kinder niederschlugen. Ein Arbeiter wurde durch einen Bajonettstich ge- tötet, mebrere Perlonen wurden schwer verletzt. Die wilde Laad auf die Deutschen dauerte bis 10 Uhr abends. Dann durchzogen die Le- gionäre singend und schreiend die Stadt. vor einem Landarbeiterstreit in Mecklenburg. Die„Rostocker Zeitung" meldet aus Schwerin, daß nach Abbruch der Berhand- lungen im Ministerium in einer Versammlung der Vertreter der Landavbeiterschaft, der Kreis- und Orisgruppensührer, mit überwältigender Mehrheit beschlossen wurde, beim Zentralvorstand die Zustimmung zum Streik zu beantragen. Wirtschaft preise und Valuta. In der bürgerlichen Presse kann man immer wieder die De- hauptung lesen, daß die unerträgliche Teuerung hauptiäch!:ch«ine Folge der Lohnsteigerungen oder auch des A ch t st u n d e n- t a g e s fei. Solche Feststellungen beruhen auf einer böswilligen Verkennung volkswirtschaftlicher Zusammenhänge. Wir wissen sehr genau, daß die Preishöhe auf das engste verbunden ist mit dem Geldwert, und daß das V a l u t a p r 0 g r a m m die Kernfrage ist, die untersucht werden muß. Auf diese Tatsache macht auch das Internationale Arbeitsamt im ersten Band seiner „Erhebung über die Produktion" aufmerksam. Folgend« Zahlen zeige» scyr deutlich die gegenläufige Bewegung von Preisen und Valuta. L a n d Sturm im prager Parlament. Anläßlich der Erörterung der antideutschen Aueschreitungen in Außig und Postelberg im Prager Abgeordnetenhaus kam es zu tät- lichen Angriffen und stürmischen Auftritten. Vier deutsch« Abge- ordnete wurden von den Sitzungen ausgeschlossen, und da wtiuwvit.- uni-n sie sich nicht freiwillig entfernten, wurden 24 Polizisten herbeigeholt, ijj Am Dünstigsten stehen oie Vereinigten Staaten, �die um sie aus dem Hause zu bringen. Es kam zu einem yaadgemenge, stabilem Geldwert nur«ine relativ geringe Preissteigerung das zwanzig Minuten dauert«.! aufzuweisen habem Was die europäischen Nationen angeht, so In der nächsten Sitzung, zu der von den deutschen Parteien nur lassen sich drei Klassen unterscheiden: eine valutaschwache Unter- die Sozialdemokraten erschienen waren, gab Genosse Czermak klasse, zu der Deutschlands und die in der Tabelle nicht Deutschland... Bereinigte Staaten Frankreich.... Italien.... Großbritannien und Irland.. Für das Jahr 1013 ist also als Normalzisfee 100 angenommen. Es laßt sich nun trefflich beooachten, wie in den folgenden Iahren der Geldwert gesunken und da» P r e i s n i v�e a u g e> eine Erklärung ab, in der es heißt: genannten osteuropäischen Staaten gehören: eine Mittel- Der Klub der Abgeordneten der deutschen sozialdemokratischen Na ss.. die durch den Kurs- und Preisstand F r 0 nk reich-und « l. 11......... r....... Italiens gekennznchnel wird: envl'ch«me O b e r k l a s s e, v n n»? rcif�0*'nb*!!........... Hl____-.......... Es lebe die funden, kann aber nicht glauben, daß es der dieses Herrn fei."„Es sozialdemokratischen Arbeiterpartei erheben gegen diese Anwendung freie Wirtschaftl Sie hat damit begonnen, daß die Preise nicht ist meiner!" rief lebhaft Werner, empfing einen sehr abaenutzte» brutaler Gewalt entschiedensten Protest. gefallen sind, im Gegenteil, in gewissen stiapp versorgten Teilen des Kind er Hut und fvrach nun weiter..Meine Mutter schenkt« ibn mir an meinem 8. Geburtstage, und ick Hab' ibn mir mssbewohrt. Da nun beute wieder mein Geburtstag ist, sah ich ihn mir an und konnte mick nickt davon trennen." Was öie faat. Prag, 4. August.(Senat.) Ministerpräsident E z e r n y sagt Die Schilderung eines feuchtfröhlichen Gefpen'fter- über die T�rfai» in A u f' i g u 0- Nack der Rebe ein«' Aboeon)» abends bei E. T. A. H 0 f f m a n n Ist nns durch den dänischen neten zerstreute sich die etwa 2000 Personen zählende Menge. In Dichter Oehlenscklöger überliefert. Der Däne war ziitomwen mit diesem Moment fielen plötzlich 5 oder 8 Schüsse aus den Reihen F 0 u q u e einaeladen.„Hoffmann stand mit einer weißen Schürze der Legionäre, welche herangekommen waren. Die Sache ist noch als Koch da, einen Cardinal von Rbeinwein und Ebamvogner be- nickt völlm geklärt und muß»n'er'uckt werden. D-« Legionäre enl- reitend. Der Pokol wandelte unablässig herum, mährend mir uns fernten sich ouf die Aufforderung der Gendarmerie, welche den geaenfeitig Keine Geschichten und abenteuerlicke Beaebenheiten er- Marktplatz abgesperrt hatte. Auch an einer anderen Stell« sielen zählten, welche entweder w'k oder andere erlebten. Gerade als mir kiniae Scküsse, an einer dritten Stelle kam es zu Zusammenstößen bei salcken gräßlicken Erzähstmaen waren, drebte ich meinen ff-nss zmsscken dem Pubfik"M und den demobilisier'cn(!) Legionären. zur Seite und erblickte, denke dir meinen Sckrecken. einen K-lnen schwarzen Teufel, der sich, mit Hörnern vor der Stirn und roter ous dem Halse heraushängender Zunge, über meine Schuster neigte. Das war nämlich eine Marionette, die Hastmonn gekauft hatte,— er hat einen ganzen Schrank voll von dergleichen— und mit der er nun manövrierte, um mich mitten in einer schauerlichen Sage zu erschrecken!"_ Dir. Tadakbraache. Bersammlung sämtlicher Kolleginnen und Kollegen aus den Zigarettenfabriken» sowohl der ausgesperrten als der in Arbeit stehenden, am Freitag, den b. August, nachmittags< Uhr, im Schultheis), Neue stakobstr. 24/25. Deutscher Transportarbeiterverband iKöpeniit und Umgegend). Sonnabend, 7 Uhr, bei Etlppeiohl, Köpenick, Schönerlinder Str. 5, Allgemeine Bersamm- lung. Mllglisdsbuch legitimiert.''._ Deutscher Retallarbeiteruerband. Erwerbslose Delegierte und Bertrauens- leute! Sonnabend, vormittag» 10 Uhr, Linicnstr. 8Z/SS, äußerst wichtig- �Deutscher Werkmeister»eeband, Berlin 11. Freitag, den 5. August, abend» 7 Uhr, im Kindl-Ausschank, Frankfurter Alle- Z1Z. Mitgli-derv-rsammlung. Ientraluerban» der«naestelten. Wahlbescheinigungsformulare zur Kauf. Mannsgerichtswahl am 28. Augitst find ab Sonnabend im Ortsbureau, Belle- Allianee-Straß« 7—1«, und in der Zweiggefchäftsstelle, Kommandantenstr, 85/54. erhältlich. Einzeln« Formulare werden in den Zahlstellen des Zentralverbande» der Angestellten ab Montag, den 8, d. M., äusgegebe». Wir empfehlen den Anqestelltenvertretungen, die Wahlformulare für die Betriebsbelcgschaft von uns direkt abzufordern.... Scwerkschastskartell Na««»«». Montag, 7)4 Uhr, Kartellsitzung bei Hienke. Netterbcricht biS Sonnabend mittag: Zeitweise heiter bei wenig geänderter Tcmveratur. im Küstengebiet leichte, ostwärts fortschreitende Regeiisälle, im Binnenlande meist trocken. Berantw, kllr den redalt, Teil: Dr. Werner Bclser, Eharloltenburg: für Anzeigen: Th, Glocke, Berlin, Derlag: BorwärtS-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor» WSrlS-Buchdruckerei u. BerlagSanitall Bau! Singer u. Co.. Berlin. Liiidenstr. s. Hierzu 1 Beilage, __-JConfekt C Ärztlich empfohlen bei �Darmtragheitjiän�� Stoffe jür Herren- n. Damen-Bekleidung „Aparte Neuheiten" Verkauf meterweise Koch& Seeland° GertraudtenstraOe 20— 21 besonders günstiges Angebot für 0om[* Qüttig einige Gagel ana aolidem, foetrelflem Buekakin..... M. BS, l» ichänea Kamragarnatreifeo..., FriedenaquuliUt,«ehr kaltbar, Streifen.................. .... II. a Ödemen .... it. au« Kammgarn und CheTlOt, In aparten geachmack- vollen Streifen......... U. 200, ISO, 120, Herren-Hosen Herren-Hosen Herren-Hosen Herren-Hosen Herren-Hosen Sport-Hosen ManCheSter-HOSen Ian»»ä-r Breeeheaform..,. it. I7S, Herren-Hosen Trikotgewebe................... iL Mlhtär-Hosen'«Idgran, baltbare Qualität...... 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