tft.S7i ♦ S$, �ahrgaüg Musgabe B Nr. 1S4 Bezugspreis» SStrtWiülitLSO,— 901, monotL Kl— A. frei ins Saus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich Ist,— M. einschl. Zu» stellungsgebllhr. Unier lkreuzdand für Deuischland, Danzig, das Soor- und Memelgebiet. sowie die ehemals beut» scheu Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Post- destellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Slowakei, Däne- wart, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts� mit der Sanntags- deilage„Volt und Reit*, der Unier- haliungsbeilage„Heim.welt* und der Beilage„Siedlung und Kleingarten* erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal, Telegramm-Adress«: *, Serlw» »Sozlaldemotr«!' Abend-Ausgabe Devliner Volksblatt ( 20 Pfennig) Slnzetgenprrt», Di» achtgelpalirn, Nonvareillezeile kostet bL0 M»Klein» Unzolg«,* das fetigedrucktr Won US« ist.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), lede» weitere Werl L— 3JL Stellengesuch« und SchlasftellenanzNge» da» erst« WoN U— M, jedes weiter« Wo« 50 Pfg. Watt« Über 15 Buchstade» zählen für zw« Wons Aarnilien-Aiv zeigen für Abonnenten steil, 8,— 901 Dl» Dreis« verliehen ftch einschliehlnt Teuerungszuschlag «Inzeigen svr die nächste Rnmmei müssen bis» Ahr nachmittags in Hauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden straße 3. abgegeben werden. Geöffne von 8 Uhr früh bis 5 Uhr abends Zentratorgan der rozialdemokratifdien parte» Deutfcblands Reüaktion und Cxpeüition: 6tt) 68, LinSenstr. Z SSofttilirfrliof* Redaktion Morihplah 15196—97 ,�ern,preryer. zxxpxdition Moritzvlatz 1176Z— 6t Dienstag, den 9. August 19 ZI vorwärts-verlag G.m.b.H., SW 68, Llnüenstr. 3 Kernsvredier ♦®erlö6' Expedition und Inseraten. " ♦ Nhtetlung Morihplah 11753-54 Srianös Taktik. Ein Kompromiß, üas keines ist! Der �lew Dort herald" glaubt angeben zu tönneu, daß man In Frankreich aus dem ernsten und versöhnlichen Ton, der aus der gestrigeu Konferenz herrschte, den Schluß ziehe, es werde eine freund- jchaflliche Lösung der oberschlesijchen Grenzfrage möglich sein. Trotz der zutage tretenden Differenzen in den Vorträgen der alliierten Sachverständigen siehe ein Kompromiß bevor. Vriand sei eben dar- an. folgende Anregung bezüglich der Grenze zu machen: t. Einen beträchtlichen Teil des Gebietes südlich von Rosenberg Polen zu geben. 2. Als Ersah dafür solle Deutschland die Hälfte von Groß- Skrehllh und Tost erhalten. Z. Deutschland würde die Hälfte von Sladt und Land Gleiwih erhalten mit den bedeutendsten Eisenbahn- stalionen und anderen wichtigen Konzessionen wirtschaftlicher Art in anderen Teilen des Industriegebietes, wo die deutschen Städte eine Reihe von mächtigen llnruhepunkten in einem wesentlich polnischen Gebiete bilden würden. Es sei gewiß, daß die Franzosen van den Engländern außer der milltärischen auch deren moralische Unter- stühung für jede Linie erhalten würden, die von der gegenwärtigen Konferenz festgelegt würde. Weiter behauptet der»Rew Dort Herald", daß die Engländer geneigt seien, als Grundlage der Zuweisung der einzelnen Teile des Industriegebietes die Abgrenzung nach Gemeinden hinzunehmen unter der Bedingung, daß wirtschaftliche und geographische Rück- sichten nicht außer acht gelasim würden. Damit hüllen die Eng- länder ihre Theorie aufgegeben, daß g a u z Obcrschlesien an Deutsch- land fallen müsse(haben die Engländer nie gesagt! Red.). Der ganze Streitfall zwischen Frankreich und England drehe sich nur um das schmale Industriedreicck, in dem die Deutschen eine Mehrheit von 100 00 Stimmen haben. Die Engländer wünschten, den Haupt- teil dieses Gebietes Deutschland zu geben, womit sie veulschland in den Besitz der meisten Bergwerk« und industriellen Uoteruchwun- gen bringen würden. Gegentellige Melsungen. Pari«, g. August.(EL.) Der Pariser Korrespondent der Zentralnew» telegraphierte nach London: Lloyd George befragte Lord Eurzou und die englischen Sachverständigen nach der Konse- renz am Quai d'Orsay. Die Haltung der Italiener trage dem englischen Standpunkt Rechnung. Da» oberschlesische Problem zeige wachsende Schwierigkeiten, weil die Franzosen ent- schlössen sind. Deutschland nicht zu gestallen, das oberschlesische In- dustriegebiet zu besitzen. Sie fürchten, wenn die Deutschen das Kohlenbecken von Oberschlesien erhielten, daß diese ihnen bald ernste Konkurrenten in geschäftlichen Angelegenheiten sein würdeu. Lloyd George zeigte sich zurückhaltend, erklärte jedoch, er hoffe aus eine Lösung des Problems. Er glapbe kaum, daß in der oberschlesischen Frage eine Meinungsverschiedenheit zwischen England und Frank- reich entspringen könnte. Jedenfalls werde die oberschlesische Frage die Konferenz noch einige Tage beschästigen, so daß mit einer län- geren Dauer zu rechnen ist, al» man ursprünglich angenommeu hatte. London. 8. August.(WTV.)„Pall Mall and Globe" meldet au» Paris, daß die Lage heikel sel; zwischen der Ansicht der Eng- länder und derjenigen der Franzosen bestehe eine weile Slnfi. Lloyd George erwarte nicht eine soforttge Lösung der oberschlesischen Schwierigkeiten: er sei entschlossen, auf der Erfüllung des Friedens- vertrage» von Versailles nach Geist und Buchstaben durch Frank- reich und alle anderen Unterzeichner zu bestehen. Ein Mitglied der Regierung erklärte heute laut„Pall Mall", augenblicklich erschienen die Standpunkte der britischen und der französischen Regierung u n- vereinbar miteinander; wenn Vriand nicht die Korrektheit des britischen Standpunktes anerkennen wolle, so müsse die bedauerns- werte Möglichkeit In Betracht gezogen werden, daß Frankreich die von ihm für notwendig gehaltene Aktion ohne Unterstützung der Alliierten unternehme. Wie angenommen wird, hat Lloyd George bereits auf die sehr große Verantwortung hingewiesen, die die französische Regierung durch eine solche Aktion übernehmen würde. Der erste Konferenztag. Paris.. 8. August.(Havas.) Ministerpräsident Briand als Bor« sitzender appellierte an die Einigkeit aller, um die ernsten und schwierigen Probleme zu lösen, die der Konferenz gestellt seien, und erklärte, wenn der Geist der Einigkeit und der Solidarität, der bis jetzt die vorausgegangenen Zusammenkünfte beherrscht habe, sie auch weiter leite, dann könne die Aufgabe zu einem guten Ende geführt werden. In dem aufrichtigen Wunsche nach Zusammenarbeit gehe Frankreich an die Arbeiten dieser Konferenz heran. Lloyd George dankte Briand und bemerkte, daß das oberschlesische Pro- blem vielleicht das s ch w i e r i g st e von denen sei, was der Oberste Rat bisher zu lösen gehabt habe. Das Problem sei an sich vielleicht weniger schwierig, wenn es nicht durch äußer« Umstände so ver- wickelt geworden sei. Er sei jedoch überzeugt, daß, wenn die' Mit- glieder des Obersten Rates das ProblemDnit dem ernsten Willen, zu einer Einigung zu gelangen, in Angriff nähmen, die Lösung möglich sei. Uebergehend zu der Verhandlungsmethode, der man folgen solle, erklärte der englische Preminerminister, daß es sich vielleicht empfehle, zuerst die Auseinandersetzungen der Sachverständigen zu hören, um alsdovn.«vis man überemgekommea sei, di« Frage der Lerstär, tung für Oberschlesien zu erledigen. Ministerpräsident Bonomi 'wies auf die Bedeutung der zu fastenden Beschlüsse und auf ihren Einfluß auf den Weltfrieden hin. Ministerpräsident Briand be- grüßte alsdann den Vertreter der Vereinigten Staaten, der seinerseits Briand dankte und ihm versicherte, daß er Präsident Har- ding die herzlichen Worte übermitteln werde, die Briand gesprochen habe. Schließlich gab der japanische Vertreter Baron Hayashi seine Zustimmung zu der vorgeschlagenen Verhandlungzmethod« und drückte seine feste Ueberzeugung aus, daß die Konferenz«ine Lösung finden werde. Paris, 8. August.(Havas.) Fromageot hob am Schluß setner Ausführungen hervor, daß von den vorgebrachten Lösungen zwei festgehalten wurden, die von Frankreich und die von England, die beide nicht die Einstimmigkeit der Sachverständigen gesunden hätten. Es besteh« jedoch ein Punkt, über den sich die Delegierten der Mächte geeinigt hätten, nämlich über die fast vollständige llnlellbarkeit des Zudustriegebieks. Aber während der französische Vorschlag die Tendenz habe, dieses Gebiet fast vollkommen Polen zuzuteilen, wolle der andere Vorschlag es zum größten Teil Deutschland zusprechen. Nach ihm kennzeichnete Sir Eecil Hurst, der juristische Beirat des Foreign Office, das Ergebnis der Volksabstimmung wie folgt: 678 Kommunen hätten sich für Polen ausgesprochen, 844 für Deutsch- land, 479 l)00 Stimmen seien für Polen, 767 ODO für Deutschland abgegeben worden. Er faßte di« englische Meinung wie folgt zu- sammen: 1. Da Frankreich die gemeindeweife Abstimmung als Basis für die Regelung annehme, und da jede Gemeinde dem Lande zugetilt werde, für das sie gestimmt habe, solle eine Ausnahme nur zugelassen werden, wenn gut« Gründe dagegen sprechen. 2. En- k l a v e n müßten als unpraktisch und ungerecht für beide Teile ver- mieden werden. Di« ökonomisch untrennbaren Kommunen könnten nicht voneinander getrennt werden. 3. Das Zentrum des Industriegebiets müsse an veulschland übertragen werden. Was den Rest der zu ziehenden Grenze an» lange, so bestanden wenig Differenzen zwischen dem französischen und dem englischen Vorschlag. Der englische Sachverständige warf dem französischen Vorschlag vor, daß er die Verhältniste der Ab- stimmung in ihrer Zusprechung der strittigen Gebiete u m st o ß e. Der französische Vorschlag würde Neben Elstel der Stimmen, die für Deutschland abgegeben wurden, den Polen, und nur vier Elstel der Stimmen, die für Polen abgegeben wurden, Deutschland zusprechen. während dsefe Stimmen wie folgt vertettt feien: 60 Proz. für Deutsch- land und 46 Proz. für Polen. Ministerialdirektor Laroche setzte alsdann die französische These auseinander, nach der den beiden Parteien die Kommunen nach dem Ergebnis der Abstimmung zugeteilt'werden sollen. Wenn Enklaven notwendig seien, so müstc man, um sie zu vermeiden, auf die geographischen und wirtschaftkichen Bedingungen Rücksicht nehmen und die Zusprechung der interessierten Kommune nach den Verbindungen regeln, die sie mit den benachbarten Gebieten habe. Deshalb müsse die Gesamtheit des Kohlenbeckens nach der französischen Meinung Polen zugesprochen werden. Laroche kritisierte alsdann den englischen Vorschlag und machte ihm insbesondere den Vorwurf, daß er neun Elfte! der für Polen ohgegebencn Stimmen Deutschland zuspreche, und nur zwei Elfte! der für Polen abgegebenen Stimmen Polen. Er bekämpft« alsdann die britische These über das unteilbare Industrie- dreieck, indem er beispielsweise zeigte, daß eine seiner Hauptstädte, Kattowitz, nach der Ansicht der Deutschen selbst die Hauptstadt des Bezirks Pleß sei(?), und trotzdem einmutig Polen zugesprochen würde. Der italienische Delegierte Torre Franca erklärte, die eng- lische Linie, die nicht vollkommen sei, nähere sich mehr dem Ergeb- nis der Volksabstimmung, als di« von den französischen Vertretern vorgeschlagene Grenzlinie. Diese weise insbesondere nicht ein einzige» Bergwerk Deutschland zu. Jedoch sprach sich der italienische Delegierte nicht für eine der beiden Linien aus. Der Havas-Verichterstatter fügt hinzu, vielleicht sei diese Haltung schon von dem Wunsche der italienischen Delegation eingegeben gewesen, die Rolle der Vermittlung zu spielen, die Graf Sforza vorher mehrmals im Obersten Rate mit Erfolg gespielt habe. Von den beiden sich gegenüberstehenden Vorschlägen spricht der französische 86 Prozent der für Polen abgegebenen Stimmen Polen, dagegen öS Prozent der für Deutschland ahgegebenen Stim- men Deutschland zu: der englische Vorschlag gibt aber den Deutschen 88 Prozent der für Deutschland abgegebenen Stimmen, während er nur 36 Prozent der für Polen abgegebenen Stimmen Polen zu- spricht. Es scheine also tatsächlich, meint der Havas-Verichterstatter, daß hier Raum sei für eine vermittelnde, gerechte und vernünftige Lösung. Der amtliche Bericht. Pari». 8. August. Der Oberste Rat ist um 3 Uhr nachmittag« im Ministerium des Auswärtigen zusammengetreten. Briand be- willkommnete die Delegierten und gab in ihrem Namen seiner Be- friedigung Ausdruck über die Rückkehr des Vertreters der Vereinig- ten Staaten in den Rat der Alliierten. Der Sachrerständigenaus- schuh wurde alsdann ersucht, das Ergebnis seiner Arbeiten zur Kenntnis zu bringen. Der Präsident dieser Kommission setzte die juristischen Grundsätze auseinander, über die sich die Sachverstän- digen einstimmig geeinigt haben. Sir Cecil Hurst entwickelte im einzelnen den englischen Standpunkt, darauf setzte Laroche die fron- zäsische These auseinander und Torre Franca die Bemerkungen der italienischen Delegation. Der Oberste Rat wird morgen vormittag die alliierten Oherkommistore in Oppeln über die verschiedenen Fragen hören, die sich auf die augenblickliche Lage in Oberschlesien und insbesondere auf die Frage der Sicherheit beziehen. �lnschlußpolitik. Aus österreichischen Parteikrelsen wird un6 geschrieben: Der Anschlußgedanke beherrscht die Politik, die Parteien und alle Gesellschaftskreise bis tief in die breitesten Volks- massen hinein. Er hat in den letzten Monaten sichtlich Fort- schritte gemacht und ist, wenn auch manche Ungeschicklichkeiten passieren, die seiner Popularität wenig förderlich waren, zweifelsohne Allgemeingut des deutschösterreichischen Volkes geworden. Wenn in Kreisen der österreichischen Sozial- demokratie, deren Anschlußfreudigkeit über alle Zweifel erhaben ist, hie und da Kritiker erwachsen, so gilt diese Kritik nicht dem Gedanken, sondern der Form in der er proklamiert wird. Die rein kulturellen und wirtschaftlichen Erwägungen sind vielfach in eine Hetzptopaganda umgemünzt worden, mit der sich die deutschösterreichische Sozialdemokratie nicht identi- sizieren kann und will. Klar und scharf hat in der letzten Zeit den Anschlußgedanken der Deutsche Schutzbund heraus- gearbeitet, der in Klagen furt feine Tagung abhielt und dabei als feine Hauptzukunftsarbeit die Proapganda für diesen politischen Gedanken hinstellte, was in zahlreichen Reden namentlich seines Generalsekretärs, Dr. v. Lösch, zum Aus- druck kam. Wenn freilich dabei zum Ausdruck kam, daß Grenz- deutscher jeder sei, der den Wunsch habe, zum Reiche zu ge- hören, so wird hier der Anfckilußgedanke zweifelsohne über die rein deutschösterreichische Angelegenheit hinaus zu einer allgemeinen Irredentaangelegenheit umgeformt. mit der sich die deutschösterreichische Sozialdemokratie keines- wegs einverstanden erklären kann. Denn Grenzdeutfche sind dann auch die Deutschen in der Tschechoslowakei, im Banat und sonstwo. An den staatlichen Verhältnissen dieser neuen Nationalstaaten aber rütteln zu. wollen, wäre Wahnsinn. Zwar kam auf der Schutzbundtagung nach einem rein„völki- schen", um nicht zu sagen„nationalistischen" Referat des Wiener Unioersitätdprofessors Spann über„Volkstum und Volkswirtschaft" als deutscher Sozialist und Vertreter der Berliner Gewerkschaften. Sekretär K n o l l zu Wort, ober man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß er hier ein total verlassener Schwimmer in der nationalistischen Welle war und daß feine Gedankengänge von dem Schutzbund einmütig ab- gelehnt wurden. Auch wenn die Herren behaupten, daß sse unpolitisch seien, und daß alle Parteien sich unter ihrem Szepter vereinigen könnten, so sind sie und bleiben sie— das beweist der Zusammenstoß Spann-Knoll ganz deutlich— „völkische Deutschnationale", die nur ein anderes Segel auf- gezogen haben. Nicht viel anders liegt die Sache mit einer anderen Ta» gung auf österreichischem Boden, die der B e r e i n für das Deutschtum im Ausland zusammen mit dem All- gemeinen deutschen Schutzverein in Wien abhielt. Politisch geschickt sind die Herren ja nie gewesen. Bezeichnend dafür ist ja wohl, daß der Vorsitzende des deutschen Vereins, Exzellenz v. D i r k f e n, in dem österreichischen Salzburg, wo man so viel von Anschlußfreudigkeit redete und wo es nachts eine ganze Menge lustiger, halb oder ganz bezechte? Nachtwandler gab, sich, da er Schlaflosigkeit nickst schätzt, aus einem Hotel- fenster beugen konnte, um den Sängern zuzurufen:„Ruhe bitte, es find Reichsdeutsche da!" Und zu dieser Frechheit nun noch die Naivität, diese ganze Geschichte abends bei einem Bierabend als großes Heldenstück in Gegenwart von zahlreichen Oesterreichern zu erzählen! Wir Deutsch- österreicher ertragen schon an sich die Methoden unserer eigenen Hetzapostel schlecht, die Wege ihre.r deutschen Freunde, mit denen sie sich nun zu einem Verband vereinigt haben, scheinen aber nicht weniger nationalistisch zu sein. Der österreichische Berein hat noch kurz, ehe man sich ver- einigte, einen Antrag, keine Juden aufzunehmen, seinen Ortsgruppen zur Berücksichtigung empfohlen. Ganz bedingungslos annehmen wollte man den Antrag doch nicht, eben im Hinblick auf den reichsdeutschen Berein für da» Deutschtum im Ausland, der so offen Antisemitismus doch nicht predigen darf, weil er ja doch auch das Geld jüdischer Industrieller und Kriegsgewinnler ganz gerne einsteckt. Wenn aber auch in der Taktik die beiden Freunde verschiedene Wege gehen, in der Praxis sind sie doch einig, und deshalb mag ein Zusammenschluß, wenn er auch eine politisch wenig geschickte und überdies noch törichterweise in Salzburg stark betonte Vorwegnahme des politischen Anschlußqedankens bedeutet, doch eine innere Notwendigkeit gewesen sein. Herr o. Dirks«» schmetterte es ja mit großem Pathos in seiner Festrede in den Saal:„War der Zusammenschluß dieser beiden Dereine gut? Was wird die heilige Entente dazu sagen? Wir werden un- politisch sein, soweit dies möglich ist. Wir sind aber eminent politisch, indem wir nachholen, was im Reiche politisch ver- säumt wurde!" Und den stärksten, dröhnendsten und aus tief- stem Herzen kommenden Beifall fand die Exzellenz, als sie — von den Franzosen sprechend— mit voller Wucht in den Saal rief:„Ich will Ihnen keine Namen nennen, aber diese« Volt, mit dem wir uns nochmal» wiedersehe» werde«.—*— Dieses alldeutsche Säbelgerassel gibt den Grundton der Salz- burger Tagung, die dem Anschlußgedanken und der Sache des Deutschtums zweisellos mehr geschadet als genützt bat. Wenn die Herren aus dem Reiche glauben, in breiten Schichten des Volkes nüt solchen Dingen in Oesterreich Ein- druck zu machen, so täuschen sie sich. Im übrigen werden dem deutschen Herrn Reichswehrminister wohl die Ohren geklungen haben, als der Landesverbands-Wanderred- ner von Bayern, ein Herr Hlawna, dem staunenden, klatschen- den und beifalltrampelnden Publikum in Salzburg erklärte, wie er in Bayern bei der Reichswehr Ortsgruppen gründete. Dort sei der Eintritt in den Verein für das Deutschtum im Ausland militärisch besohlen, seine Versammlungen würden im Tagesbefehl angekündigt, die Leute würden von ihren Unteroffizieren geschloffen in die Versammlungen geführt, dann halte er seine begeisternde Rede-„die Betreffenden er- heben die Hand zum Schwur, die Unteroffiziere nehmen das Gelöbnis entgegen, die Reichswehrortsgruppe ist fertig!" Und auch die grüne Polizei in Bayern, die Einwohnerwehr, das Ministerium des Innern, alle arbeiteten in ihren Tagesbefehlen und Verordnungen in dieser Weise vor und derge- stalt gewinne man in Bayern Tausende von Leuten für die gute Sache. Das find Methoden, die klarer als alles Gerede zeigen, wohin die Reise geht. Man kann den Anschlußgedanken aber nicht mehr gefährden als durch derartige nationalistische Kindereien, die sich eines schönen Tages doch rächen werden. Nachschrift der Redaktion: Wir haben dieser Zuschrift um so lieber Raum gewährt, als das nationalistische Treiben gewisser Grenz- und Auslandsdeutschenorganisatio- nen allmählich anfängt, gemeingefährlich zu werden. Schon vor einigen Wochen sind uns aus Kärnten geradezu haar- sträubende Dinge mitgeteilt worden, an denen unter anderem auch der in der Zuschrift erwähnte Deutsche Schutzbund mit- beteiligt ist. Daß diese Organisationen, in denen abgehalf- terte Offiziere und Admiräle die Hauptrolle spielen, vor de» blödsinnigsten politischen Extravaganzen nicht zurückschrecken. nimmt nicht wunder. Aber was sagt das Reichsministerium des Innern, was sagt das Auswärtige Amt dazu? In beiden Slemtern sitzen, wie wir wissen, Herren, die diesen Organisa- tionen, besonders dem urreaktionären Verein für das Deutsch- tum im Ausland, den Rücken stärken. Uns liegen ferner Mitteilungen vor, nach denen diese Organisationen, die hier in Deutschland als über den Parteien stehend auftreten und jenseits der Grenzen unverfälschte Schwarz-weiß-rot-Politik machen, bis in die letzte Zeit vom Reiche, von den Ländern und Gemeinden unterstützt worden sind. Wir halten das für ganz unmöglich, aber Aufklärung tut not. Wir richten an das Parlament das dringende Ersuchen, sich um.diese. Dinge und ihre Kontrolle zu kümmern, ehe es zu spät ist, und eine Eiterbeule aufgestochen wird, die, soweit wir sehen, jetzt erst im Entstehen begriffen ist. Unpolitifthe Justiz. Wir veröffentlichten heute den Protest der Halleschen Richter gegen die Nachprüfung ihrer Zuchthausurteile. Diese reaktionär-politische Stellungnahme ist durchaus keine Selten- heit. Bei einiger Aufmerksamkeit kann man täglich die Hahne- büchensten politischen Eskapaden deutscher Richter feststellen, die sämtlich unter der Firma:„Im Namen des Volkes" laufen. In L y ck ist jetzt der sogenannte Iohannisburger Prozeß zu Ende gegangen. Angehörige der Iohannisbur- ger Bevölkerung waren angeklagt, weil sie s. Zt. während des llebertrittes bolschewistischer Formationen über die oft- preußische Grenze eine in Johannisburg eintreffende Entente- kommission belästigt hatten. Den Herren der Kommission waren die Vorgänge in Oberschlesien vorgehalten worden, sie wurden ersucht, bis zu einer bestimmten Stunde die Stadt zu verlassen. Der Vertreter der Anklage ging bei der ersten Ver- Handlung davon aus, daß die Vorgänge sich nicht aus patriotischem Empfinden heraus entwickelt hätten. Es seien Die Geißel öer Kulturvölker. Die im Gefolge des Krieges aufgetretene allgemeine Schädigung der Volksgesundheit hat auch die Erkrankungen und die Todesfälle an Tuberkulose aufs neue außerordentlich stark hinaufschnellen lassen. Das gilt nicht allein für die durch die Blockade besonders geschädigten Länder der Mittelmächte, sondern auch für die der Entente angehörenden Nationen. Ein großer Teil der vor dem Kriege im Kampf gegen die Tuberkulose erzielten Erfolge ist wieder verloren gegangen, und Mediziner wie Hygieniker müssen heute vielfach in diesem Kampf wieder von vorn beginnen. Don besonderer Bedeutung sind die Verhandlungen auf dem zurzeit in L o n d o n stattfindenden Internationalen Tuber. kulose-Kongreß. Der bekannte Forscher, Professor A. C a l- mette vom Institut Pasteur in Paris, hat hier dieser Tage einen Bortrag über die bedeutsame Frage gehalten, inwieweit eine Ver- breitung der Tuberkulose durch anscheinend gesunde Bazillenträger erfolgt. Der Redner ging von der Impfung mit Tuber- kulin aus, die man anwendet, um eine, wenn auch latente(ver- borgene), tuberkulöse Infektion im menschlichen Körper festzustellen. Zl�it ihrer Hilfe ist es möglilh, den Prozentsatz von bazillenfreien und infizierten Individuen in irgendeiner Familie, einer Stadt oder einem Dorf, einer größeren oder kleineren sozialen Schicht zu be- stimmen. Die Statistik der Tuberkulin-Impfungen weist nach, daß in großen Städten wie Paris, Wien oder Prag 20 Proz. der Kinder bereits im Alter von 2 Jahren angegriffen sind, S5 Proz. mit 5 Jahren, im Alter über 13 Jahre 90 Proz., und daß von allen Er- wachsenen 97 Proz. positiv auf die Impfung reagieren. Man kann daher als feststehend annehmen, daß in den großen, übervölkerten Zentren Europas, und das nämliche gilt von den Vereinigten Staaten, niemand einer tuberkulösen Infektion entgeht, mag auch di« Aussicht, an Tuberkulose zu sterben, nicht viel größer sein als 1: 8. Nun ist es eine anerkannte Tatsache, daß Menschen, die aus irgendeinem Grunde vom allgemeinen Weltverkehr abgeschnitten waren, sich als ganz besonders empfänglich erwiesen. Die Verbrei- tung der menschlichen Tuberkulose vollzieht sich aber durch Bakterien, und die Uebertragung dieser Bakterien geschieht in der Regel durch an Lungenschwindsucht leidende Personen. Neuerliche Unter- suchungen haben jedoch ergeben, daß als Krankheitsoerbreiter solche Personen nicht allein in Betracht kommen. E» gibt«ine große An- zahl anscheinend gesunder Individuen, die dennoch von einer allerdings nur durch Tuberkulinimpfung festgestellten In- fektion ergriffen werden, die bisweilen Bazillen ausscheiden und so ihre Umgebung anstecken können. Wenn sich daher Tuberkulose da zeigte, wo bisher kein Fall bekannt geworden war, so geht daraus hervor, daß die Krankheit sich durch einen sogenannten.Bazillen- kommunistische Arbeiter gewesen, die sich darüber erregt hätten, daß die bolschewistischen Brüder draußen im Schmutz liegen mußten, während Ententeoffiziere im weichen Bett lagen! Es wurde festgestellt, daß diese politischen Äe- hauptungen des öffentlichen Anklägers aus der Luft gegriffen waren. Die Angeklagten wurden überdies von ein§m Rechts- anwalt verteidigt, der es für notwendig hielt, einen Vergleich mit den Leipziger Prozessen zu ziehen. Sie wurden freige- sprochen. Die„Freiheit" veröffentlicht aus dem Schriftsatz eines Urteiles. das das Landgericht I zu Berlin gefällt hat. Aus- züge. Es handelt sich um einen Rechtsstreit zwischen einem Herausgeber kommunistischer Broschüren und seinem Druckereibesitzer. Das Urteil besagt dazu: „Aus den Aufträgen über die Drucklegung der beiden der bolschewistischen Propaganda dienenden Broschüren können beide Teile vertragliche Ansprüche nicht herleiten. Die hierüber ge- schlossenen Verträge verstoßen gegen das Staatsinteresse und hiermit gegen die gute Sitte und sind nichtig.... Es ist mehr als naiv von den Parteien, für Verträge, welche indirekt die Zerstörung des Staates fördern sollen, die Rechtsschutzmittel eben dieses Staates in Anspruch zu nehmen. Sie müssen im Interesse des bedrohten Staates versagt werden." Des weiteren führt die schriftliche Begründung aus, daß der Beklagte Vermögensvorteile gewonnen habe, da durch die ihm gelieferten Broschüren für ihn ein Gewinn entstanden sei. Dieser ergebe sich daraus, daß„die Lehren des Bolschewismus auch in Deutschland noch willige Gläubige finden und seine Propaganda-Broschüren gekauft werden". Lyck, Halle und Berlin, das ist die flüchtige Auswahl zweier Tage aus der Tätigkeit deutscher Richter. Jeder Ver- ständige wird mit uns einer Meinung darin fein, daß das Mißtrauen der großen Mehrheit des Volkes gegen die heutige „unpolitische" Rechtsprechung eher zu bescheiden als zu weit- gehend ist._ Reichsprugelwehr? Die„TU." meldet aus Münster einen blutigen Zufam- menstoß zwischen Reichswehr und Zivilisten. Er fei in einer Wirtschaft erfolgt. Mehrere der Zivilisten wurden durch Seitengewehrhiebe verletzt. Als städtische Polizeibeamte ein- griffen, wandten sich die Reichswehrsoldaten auch gegen diese. Ein Polizeibeamter machte von seiner Schußwaffe Gebrauch und verletzte einen Reichswehrsoldaten schwer. Es ist unerhört, daß schon wieder blutige Konflikte zwt- schen der Reichswehr und der Polizei möglich geworden find. Die Säuberung der Reichswehr von allen unzuverlässigen und sonstigen skandallustigen Elementen müßte doch möglich sein. Aber die Pflege des Kraftmeier- und Maulheldentums, wie sie gerade in der Reichswehr an verschiedenen Stellen noch ge- fördert wird, muß ja stets erneut zu blutigen Exzessen führen. Aahlabenö öer Eöelleute. Tieferschüttert lesen wir in der„Kreuz-Zeitung", daß„der durch- lauchtigste Herrenmeister des Iohanniterordens, seine Königliche Ho- heit Prinz Eitel Friedrich von Preußen" zehn Dutzend Ehrenrittern des Iohanniterordens den Ritterschlag und die Investitur erteilt hat, und daß er zwanzig Dutzend Edelleute„auf ihr Ansuchen nach Prü- fung durch das Ordenskapitel als Ehrenriller des Iohanniterordens angenommen hat". Unter den neuen Mitgliedern des Iohanniterordens finden wir eine Menge gute, alte Bekannte, so den Generalleutnant o. Watter, den General zu Jena und eine ganze Anzahl andere adlige Herren der Reichswehr, des Auswärtigen Amtes und anderer öffentlicher Behörden. Die Schutzpolizei ist ebenso vertreten wie die Geschütz- firma Ehrhardt, der Nationaloerband deutscher Offiziere und der sehr bekannte Major v. Pabst. Selbstverständlich legt man auch auf gute Bantverbindungen Wert; sie reichen bis weit in das Ausland. Bankier Gruisier haben wir in der Liste aber nicht gefunden. Angeblich ist die Johanniter-Organisation eine protestantische mildtätige Stiftung. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Adelsklub, der außerordenllich hohen Wert auf Brimborium legt. Di« Theaterschneider werden deswegen nach der diesjährigen Fülle träger" verbreitet hat, der dem Anschein nach ganz gesund war. Es ist danach zu verstehen, daß die Krankheit durch Reisende, See- fahrer und Handelsleute allmählich auch nach denjenigen Teilen der Welt vordrang, die in ihrer Isolierung den wirksamsten Schutz gegen die Ansteckung besaßen, und die auch keine der Tuberkulose unter- worfenen Tiere beherbergten. So war es z. V. mit den malaischen und polynesischen Inseln, sowie mit Grönland und Lappland. In solchen noch nicht lange von der Tuberkulose ergriffenen Ländern sind aber die schweren und rasch verlaufenen Fälle die Regel, eine Erscheinung, die man in unseren Gegenden bei kleinen Kindern be- obachtet. Die neugewonnene Erkenntnis macht nun frellich den Kampf gegen die Tuberkulose schwieriger, als wenn er sich vor allem dar- auf einzurichten hätte, die Lebensweise und die nötige Absperrung der offensichtlich Erkrankten zu regeln. Die sich daraus ergebende Aufgabe besteht darin, das System des Nachweises der Krank- heit aufs genaueste auszubilden. Es ist klar, daß wir nicht haran denken können, verdächtige Personen davon abhalten zu wollen, ge- wisse Berufe zu ergreifen, und daß wir sie nicht hindern wollen, zu reisen oder in Gemeinschaft mit Gesunden zu leben. Aber wir müssen sie durch Beobachtung und Belehrung möglichst unschädlich machen. Danach müssen alle Organisationen, die sich den Kampf gegen diese Geißel der Menschheit zum Ziel gesetzt haben, und die Gesundheits- behörden aller Länder streben. Zuhaut Aho. der auch in Deutschland bekannte finnische No- vellist, ist gestern in Helsingfors gestorben. Sein eigentlicher Name war Johann Brofeldt. Er wurde 1861 geboren, studierte in Helsingfors und war dann einige Zeit journalistisch tätig. Seine ersten Novellen erschienen 1883. Sie zeigen bereits das Gepräge jener Eigenart, die ihren Berfasser bald populär machte: den breiten, etwas drastischen und oft ironischen Humor, die liebevolle Vertiefung in das Volksleben und eine absonderliche Mischung von natura- liftischer Darstellung und stimmungsvoller Poesie. Ahes Patriotis- mus wandte sich gegen die Russifizierungstendenzen der Zaren- regierung, seine Prosa hat der finnischen Literatursprache neue Wege gewiesen. Diele seiner Arbeiten sind ins Deutsche übersetzt worden, unter anderem die meisterhafte Novelle„Geächtet", die in Reclams Unirerjalbibliothek erschien. Neues Thealer am Ivo. Wi« di« Direktion mitteilt, soll die Er- öffnung gegen Ende August erfolgen. Das Theater befindet sich im Landwehrkostno, dicht am Bahnhof Zoo. Es wird das moderne Lust» spiel, di« Komödie und das Schauspiel pflegen. Klassiker werden soweit aufgeführt, als d>e Größe der Bühne und der Charakter des Hauses es gestatten Oberregisseur Hans Fischer wird' zusammen mit Direktor Gustav Charte die Regie führen. Auch Dr. Fritz Ießner ist als Spielleiter verpflichtet. Bon Künstlern sind engagiert: die Damen Meta Lünger, Rita Burg, Ilka Grünina, Ida Roland und die Herren Alfred Abel, Hanns Fischer, Otto Treßler vom Burgtheater in Wien und Otto Wallburg. • von Aufnahmen reichlich zu tun haben. Haben doch die Johanniter ihre eigene Ordenskleidung. Sie besteht nach einer„allerhöchsten" Kabinettsorder aus einem scharlachroten Waffenrock mit zwei Reihen Johanniterknöpfen, vorn mit weißem Passepoil, oben aufgeschlagen. Kragen, Aermelausschläge, Rabatten und Taschenbesatz weiß mit gol- dener Stickerei. Die Beinkleider sind weiß-, hohe Stulpenstiefel mit goldenen Anschnallsporen. Schwarzer Filzhut mit goldener Schnur, weißer und schwarzer Straußenfeder und schwarzer Schleife mit weißem Johanniterkreuz: goldener Schwertgut. Daneben gibt es noch sogenannte kleine Uniformen und besondere Uniformen für die höheren Ordensritter. Wir empfehlen den Herren Iohanniterrittern, bei dem Tragen ihrer Kostüme vorsichtig zu sein. Einmal könnte es ihnen sonst passieren, daß sie für die nächste Filmaufnahme weg- gefangen werden, es könnten sich aber auch vernünftige Leute finden, die meinen, daß die christliche Mildtätigkeit sich nicht in Theater- spielerei, sondern darin ausdrückt, daß die linke Hand nicht weiß. was die rechte tut. Frauen als Geschworene. Der Entwurf eines Gesetzes über die Heran- ziehung der Frauen zum Schöffen- und Ge- fchworenenamte ist seitens der Regierung dem Reichstage vor- gelegt worden, obwohl' der Reichsrat den Entwurf abgelehnt hatte. Nach der Regierungsvorlage können Frauen zu Schöffen und Ge- schworenen gewählt werden, doch wird ihnen das Recht gegeben, diese Berufung abzulehnen. Die Regierung will mit dem Entwurf ein gegebenes Versprechen einlösen. Senatsüiktatur in Danzig. Aus Danzig wird uns geschrieben: Die politische Entwicklung des kleinen Danziger Freistaats hat in den letzten Wochen eine Richtung eingeschlagen» die den Eindruck erwecken muß, als beabsichtige die hiesige Regierung, das Vorbild von Kahr-Bayern noch zu übertrumpfen. Dabei haben die jüngsten Vorgänge, die in der Durchführung eines vierundzwanzig- stündigen Demonstrationsgeneralstreits durch die freien Gewerk- schaften und alle drei sozialistischen Parteien und in der Verhaftung zweier Abgeordneten aus dem Volkstage heraus gipfelten, durch Wolfis Bureau und andere Nachrichtenagenturen und durch die ge- samte bürgerliche Presse eine derart wahrheitswidrige Dar- stdllung erfahren, daß eine zuverlässige Schilderung der aufs äußerste zugespitzten politischen Krise im Freistaat Danzig wünschenswert erscheint. Die Wahlen zur„Verfassunggebenden Versammlung" am 16. Mai 1929 hatten unter dem Eindruck der Lostrennung Danzigs vom Deutschen Reiche eine stark rechts gerichtete natio- nalistische Mehrheit ergeben. Der Bürgerblock hat es An- fang Dezember, nachdem die neue Verfassung verabschiedet war. durchgesetzt, daß die Verfassunggebende Versammlung ohne Neu- wählen zum Volkstag erklärt und die Bildung des Senats, also der Regierung, nach dem Stärkeverhältnis der deufichen bürger- lichen Parteien vorgenommen wurde. Im Danziger Dolkstag, der 129 Abgeordnete umfaßt, besteht die Opposition aus 49 Vertretern der drei sozialistischen Parteien(darunter 19 Sozialdemokraten) und 7 Polen. Der Bürgerblock besteht aus Deutschnationalen, die an- dere Hälfte aus Zentrum und„Deutscher Partei für Forfichritt und Wirtschaft", die man etwa dem rechten Flügel, der Deutschen Volks- partei vergleichen kann. Eine bürgerlich demokratische Partei gibt es in Danzig überhaupt nicht. Bei dieser Zusammensetzung von Volkstag und Senat ist es selbstverständlich, daß von einer s o z i a.l e n Gesetzgebung über- Haupt keine Rede sein konnte, und daß die Danziger Wirtschafts- und Finanzpolitik mit einer Einseitigkeit von unerhörter Rücksichts- losigkeit ausschließlich den kapitalistischen Interessen dienstbar ge- macht wird. Aus der Verwaltung wurde sorgfältig jedes fort- 'schrittliche Element, beispielsweise der noch aus der Revolutions- -zeit her im Amte befindliche sozialdemokratische Polizeipräsident Früngel, entfernt und in„Schupo" und Einwohnerwehr eine S e- natsgarde geschaffen, deren Dienstauffassung viel B a l t i- k u m e r Geist verrät. Die Steuergesetzgebung vermied natürlich eine dem deufichen Reichsnotopfer analoge Vermögensabgabe und belastete um so stärker die werktätige Bevölkerung. Die Ernäh- Schützt die Nahrungsmittel vor der hlhet Di« Hitze trägt oft zur raschen Verderbnis unserer Nahrungsmittel bei. Unterschiede von nur wenigen Temperaturgraden können hier von wesenllichem Ein- fluß sein; hängt doch die Entwicklung der Fäulnisbazillen wesentlich von der Temperatur ab. Niedrigere Temperatur wirkt entwicklungs- hemmend, ein Ansteigen bewirkt rasche Vermehrung. Während in dem einen Zimmer Nahrungsmittel noch gut bleiben, verderben sie— insbesondere Fische und auch Pilz� sowie Fleisch— in einem anderen, dessen Temperatur nur um einige Grade höher ist, innerhalb sehr kurzer Zeit, oft in nur ein bis zwei Stunden. Es bilden sich dann jene schweren, zur Klasse der Alkaloide gehörenden Gifte, die man als„Ptomaine" bezeichnet. Da sie vollkommen g e- ruch- und geschmacklos find, so kann ihre Anwesenheit durch keins unserer Sinnesorgane festgestellt werden. Darum auch ihre große Gefahr. Die Nahrungsmittel sehen noch vollkommen gut und unverdorben aus und enthalten doch bereits das durch eine geringe Erhöhung der Temperatur enfitandene Gift. Um sich zu schützen, kann man das Abkochen und sonstige Verfahren zur Verhütung des Verderbens nicht entbehren. Die Kühle der Aufbewahrungsräume wirkt hier nur als kräftige Unter- � stützung der übrigen uns zu Gebot« stehenden Hilfsmittel. Man vernachlässige auch in der kühleren Wohnung deshalb keine der sonst üblichen Vorsichtsmaßregeln. A. W. I. K. Zu Otto Lilienthals Gedächtnis. Am 9. August 1896 verun- glückte der Ingenieur Otto Lilienchal bei feinen Flugoersuchen in den Rhinomer Bergen im Westhavelland dadurch, daß er mit dem Flugzeuge aus beträchtlicher Höhe abstürzt«. Mit ihm ging einer der Wegebahner der heutigen Fliegerkunst dahin. Noch war sein Flugzeug nicht das, wozu es die Erfinderkunst in den 23 Jahren seit jenem Todessturz gemacht hat; aber Lilienthal hat doch die Grundgedanken erkannt, nach denen man die Luft mit den„Flügeln" meistern kann. Einfache Flügel waren sein« Maschine, nur Tracfilächen, die ihm den Gleifilug von der Spitze eines Hügels ermöglichten. Diese Gleitflüge wiederholte er unermüdliich, und ständig sann er aus die Verbesserung der Fittiche, stets"den Zweck des wirklichen Fluges im Auge behaltend. Der erste Fortschritt, den er erreichte, war der, zwei Segelflächen übereinander zu verwenden: der Doppeldecker ist seinem Geist« enfiprungen. Und w-iter ist die Verbindung des Propellers mit den Segelflächen sein Ge- danke gewesen. Er baute einen ganz leichten Kohlensäuremotor, durch den er Gruppen von„Schwungfedern" an den Flügeln in aus- und niedergehend« Bewegung setzte— es sollte dadurch der Vogel- flug nachgeahmt werden. Zum weiteren Ausbau der Erfindung kam der begabte und kühne Mann nicht. Seinen rastlosen Bemühungen setzt« der Tod ein plötzliches Ziel. Aber seine Gedanken lebten und fanden För- derer, die sie schnell zu ungeahnten Erfolgen führten. In Ehren sei heute des unerschrockenen Vorkämpfers in der Schar der„Eroberer der Luft" gedacht. In der Arbeiter-Kunstaudstellung, Peter»«,«» Straß«», lßetchk am Donnerstag, den 11. Lugult, abend« Tfi, llßr, Gruft Hvtebrtch Dichtungen deS KlavierarbeitrrS Walter Lehmann. rungspolitik zielte auf ekne wucherische Bereicherung der Agrarier hm, und die Bereuerungen des Senats, für einen Ausgleich der Einkünfte der Bevölkerung sorgen zu wollen, erwiesen sich immer mehr als verlogene Phrasen. Als schließlich der Senat dazu über-- ging, ohne Befragung des Volkstages die Vrotpreise, die ohnehin bisher schon mehr als das Anderthalbfache der in Deutschland üblichen betrugen, auf das Doppelte zu erhöhen, war die Geduld der Arbeiterschaft am Ende, und die scharfmacheri- schen und provokatorischen Kundgebungen der Regierung trugen das Ihrige dazu bei, um die Stimmung bis zum Siedegrade zu erhitzen. Diese Entwicklung hat denn in Danzig eine Art p r o l e t a r i- scher Einheitsfront zuwege gebracht. Zunächst wurde von den drei sozialistischen Parteien beim Senat die Genehmigung für eine Demonstrationsversammlunz unter freiem Himmel nachgesucht, die am 4. August, am gleichen Tage, an dem die Getreidebewirt- schaftung im Volkstag zur Debatte stand, veranstaltet werden sollte. Nachdem der Senat diese Demonstration verboten hatte, wurde für den gleichen Tag unter Beteiligung des Allgemeinen Gewerk- schaftsbundes ein vierundzwanzigstündiger Generalstreik prokla- miert. Für den Senat ist es bezeichnend, daß er in einem Aufruf an die Danziger Bevölkerung den Führern der verschiedenen Ar- beiterorganisationen(also auch uns) den Vorwurf machte, mit pol- nischem Geld« zur Herbeiführung eines politischen Umsturzes be- slochen zu sein. Der Generalstreik selbst ist in sehr erheblichem Um- fange durchgeführt worden. Selbst die christlichen Arbeiter haben zu einem nicht geringen Teile mitgetan, aber seltsamerweise ist gerade bei vorwiegend k o m m u n i st i s ch orientierten Gruppen, wie z. B. dm Straßenbahnern, sonst die lautesten Rufer im Streite, die Streikdisziplin am wenigsten gewahrt worden. Danzig selbst gleicht in diesen Tagen einem Heerlager. Größere und klei- nere Schupo- und Einwohnerwehrpatrouillen, die die Straßen durchziehen, Lastwagen mit Bewaffneten und fahrbare Feldküchen demonstrieren den Bewohnern recht eindringlich, für was für Zwecke ihre sauer verdienten Steuergroschen aufgewendet werden. Alle Maßnahmen deuteten darauf hin, daß der Smat einen Kon- flikt provozieren wollte. Diese Wahrnehmung hat sich denn auch in der Bolkstagssitzung am 4. August bestätigt. Der sonst nur den Abgeordneten vorbe- halten« Erfrischungsraum und Lesesaal des Dolkstagsgebäudes war mit einer stark bewaffneten Schupo- Besatzung belegt. Durch dke Weigerung der sozialistischen Parteien, unter diesen Waffen zu tagen, kam es zu einer hitzigen Geschäftsordnungsdebatte. Schließ- lich hatten die hetzerischen Ausführungen eines Deutschnationalen einen solchen Entrüstungssturm auf der Linken zur Folge, daß der Präsident die Sitzung vorübergehend schließen mußte. Die nun ein- getretene Derhandlungspause benutzte der Senator des Innern, Schümm er, um einen Leutnant mit einigen Schupomannschaften in dm Saal kommen und zwei kommunistische Abgeordnete verhaften und abführen zu lasim. Gewiß muß die kommunistische Radautaktik gerade unseren allerschärfsten Widerspruch erfahren. Das hindert uns aber nicht, dm glatten Rechts- und Verfassungsbruch und die brutale Verge- waltigung der Freiheit des Parlaments durch den Danziger Senat aufs entschiedmste zu verurteilm. Juristische Sachverständige aus den verschiedensten, auch bürgerlichen, Lagern haben die Unhaltbar- keit des Schümmerschen Vorgehens unumwunden zugegeben. Der vom Senat angezogme Z 105 des Strafgesetzbuches kann nimmer- mehr zur Rechtfertigung feiner Maßnahme dimm, da diese Bestim- mung sich nur auf außenstehende Störer von Parlammtsoer- Handlungen, aber unmöglich auf Abgeordnete beziehen kann, zumal da ein tätlicher Uebergriff, wie er vom Senat vorgeschützt wird, von dm beiden Kommunisten gar nicht begangen worden ist. Wohl aber ist nunmehr eine rechtliche Handhabe gegeben, um den Senator S ch ü m m e r vor einen parlamentarischen Untersuchungs- ausschuß zu zitieren und wegen seines Uebergriffs gegen die Frei- heit des Parlaments in den Anklagezustand mit dem Ziele einer Zuchthaus st rase zu versetzm. Der(deutschnationale) Volks- tagspräsident, auf dessen angebliche Ermächtigung zu der Verhaftung sich der Senat beruft, hat die Tragikomik seiner Stellung erkannt und sein Amt niedergelegt. Der Danziger Senat hat sich durch sein diktatorisches Vorgehm in eine Sackgasse verrannt, aus der es für ihn nur zwei gleich gefähr- liche Auswege gab. Welcher gewählt werden mürde, mußte sich bei der Beratung des Dringlichkeitsantrages unserer Fraktion auf Haft- entlassung der beiden kommunistischen Abgeordneten am«. August entscheiden. Die Annahme dieses Antrages mußte naturnotwendig den Rücktritt des gesamten Senats und die strafrechtliche Verfolgung des Senators Schümmer nach sich ziehen. Aber dieser Antrag ist im Volkstag abgelehnt worden. Verfassungsbruch und Senatsdiktatur sind dadurch nachträglich sanktioniert worden. Für die sozialistische Partei ergibt sich daraus die Notwendigkeit der schärfften Opposition mit allen nur irgend zulässigen parlamentari- schm Mitteln, mit dem Endziel von Neuwahlen zum Volkstag und Beseitigung dieses Senats. Die ursprünglich rein wirtschaftliche Bewegung ist damit zu einer politischenKrisevon einstweilen noch unabsehbarer Tragweite verschärft worden. Aber die Sozial- demokratie wird ihre äußersten Kräfte entfalten, um die endlich errungene politische Demokratie nicht zu einer Farce herabwürdigen zu lassen! Norüamerikas Haltung. Washington, S. August.(CJJ.) Die amerikanische Regierung hat ihren Vertreter im Obersten Rat angewiesen, mit allen Kräften eine Lösung zu suchen, die alle Teile befriedigen würde. Doch würde die amerikanische Regierung e» mißbilligen, wenn Harvey die Rolle als Schiedsrichter zwischen England und Frankreich spiele. Polen öroht niemals. Warschau, S. August.(BZ.) Die polnische Regierung ver- öftentlicht eine Rote, die sie gestern dem Obersten Rat in Paris über- reichen ließ. Darin wird erklärt, die polnische Regierung habe die Beilegung des letzten oberschlesischen Aufslandes durch die Alliierten durch ihre morallsche Unterstützung gefördert. Sie könne den Alliierten ober nur dann eine gleiche moralische Unterstützung bei der Durchführung der Entscheidung leihen, wenn diese Entschei- dung desiniliv und den gerechten Ansprüchen Polens entsprechend sei. Andernfalls werde das oberschlesische Volk nicht zur Ruhe oer- halten werden können. Ter Papst für Rustland. Rom, 8. August.(WTB.) Der Papst richtete an den Kardinal- Staatssekretär ein Schreiben, In dem er alle Christen und zivilisier- ten Völker auffordert, edelmütig der hungernden ruffischen Bcvölke- rung zu helfen. Washington. 9. August.(EP.) Samstag ist in Washington ein Telegramm von Kamenew eingegangen. Danach sollen die Ameri- kaner, die in Rußland gefangen waren, die russische Grenze am Montag überschreiten.(Ihre Freilassung ist von Amerika als Be- dingung für die Hilfsaktion gefordert worden.) GroßGerEto Erntefest. Noch hat die Laubenkolonie den festlichen bunten Schmuck nicht angelegt, denn man ist bemüht, mit dem Wettergott ein Abkommen zu treffen. Da es scheinbar nicht gelingen will, reißt auch unserem „Grundbesitzer" die Geduld und er fängt an seine Aecker auszuputzen. Basta! Ob es regnet oder nicht! Die Schenke wird aufgebaut, das Glücksrad tritt bald in Tätigkeit und immer wieder„Auf ein Neues" rasselt es fort. Wer Unglück in der Liebs hat, gewinnt hier eine Tafel Schokolade. Nachmittags flattcrts zeitig über dem Gärtchen- zauber: schwarz-rot-gold. Der Festplatz füllt sich langsam. Frauen, Männer und Kinder haben Erntetracht angelegt. Die Musik setzt ein. Erst schüchtern, dann immer freier finden sich die Paare. Der Ernteumzug soll jetzt stattfinden. Das Orchester wird nur noch er- wartet, denn es ist beauftragt, den Amtmann nebst Frau abzuholen. Einmal vollendet sich alles Warten. Die beiden Großbauern(bei- nahe wie echt) führen den wichtigen Zug. Herr und Frau Amt- mann grüßen gravitätisch nach allen Seiten. Die Erntekönigin im duftigen Kleid ist begleitet von sechs konkurrierenden Erntejungfern. Das ganze stellt sich auf, der Wachtmeister sorgt für Ordnung und der Zug setzt sich in Bewegung.„In Rixdorf ist Musike, Musike, Musike......* Und dann noch ein unvergeßliches Bild. Vater Hürdler mit einer gepumpten Frau erscheint als wirklich echter nach- gemachter Lauer. Den Rucksack auf dem Buckel(hinaus guckt das Nuckelfläschchen), mit der einen Hand schiebt er den Kinderwagen, worin seine beiden„Feldracker" Platz gesunden haben und an der anderen Hand führt er einen Ziegenbock. Seine teuere Hälfte gibt ihm nichts nach. Der Erntezug ist wieder auf dem Festplatz gelandet. Der Vor- sitzende redet Prosa, die Erntekönigin Originalpoesie aus den„Ge- dichten für alle Gelegenheiten"(siehe Ernteprolog). Dann weist der Amtmann pflichtschuldigst darauf hin, daß man nicht mit Bierseideln und Stuhlbeinen seinen Zorn austragen solle, höchstens— mit den Fäusten, worauf das Fest programmäßig seinen Anfang nimmt, bis unprogrammäßig der Regen einsetzt. Neue Fernsprechämter. steine Bevorzugung bei neuen Anschlußzuteilungen. Außer der Eröffnung des neuen Amtes Dönhoff im Herbst steht, wie das Rcichspostministcrium mitteilt, die Errichtung eines weiteren neuen Amtes in dem Gebäude des Amts Zen- t r u m im Frühjahr 1922 bevor. In kurzem wird serner mit der Erweiterung der Vermittlungsämter Nollendorf, Alexander, Königstadt, Hansa, Humboldt und Stephan sowie mehrerer kleinerer Aemter in den Außenbezirken vorgegangen werden. In Dorbersi- tnng ist außerdem die Einrichtung neuer Aemter in Berlin (Schleiermacherstraße), Westend(Soorstraße), Wilmersdorf (Emser Straße), Friedenau, Pankow und Spandau, für die neue Häuser gebaut werden. Ungünstig liegen die Verhältnisse gegenwärtig nur noch bei den Aemtern 5(Zentrum), 6(Kursürst, Lützow, Nollendorf) und 7(Alexander, Königstadt), deren Anschluß- bereiche die Hauptgeschäftsgegend umfassen. Bis zur endgültigen Be- seitigung der Schwierigkeiten lassen sich bei diesen drei Aemtern längere Wartezeiten für die Bewerber um Neuanschlüsse leider nicht vermeiden. Um jede unberechtigte Bevorzugung in der Zuteilung von Fernsprechanschlüssen zu verhindern, hat die Telegraphen- Verwaltung Maßnahmen ergreifen müssen, die insbesondere dem minderbemittelten und geduldig wartenden Anschlußbewerber zu seinem Rechte oerhelfen sollen. So werden grundsätzlich Anträge auf Herstellung von Neuanschlüssen nur in der Reihenfolge ihres Eingangs erledigt. Uebertragungs- und Berlegungs- antrüge werden stets daraufhin geprüft, ob ihre Ausführung nicht andere Anschlußbesucher benachteiligt. Wegen der bei den Aemtern 5, ö und 7 noch herrschenden Anschlußnot werden Anträge auf Ver- mehrung der bei einem Teilnehmer in denselben Räumen bereits vorhandenen Anschlüsse vor der Hand so lange zurückgestellt, bis diejenigen, die überhaupt noch keine Sprechgelegenheit besitzen, ange- schloffen worden sind. Alle diese Beschränkungen werden wiedm fallen, sobald es irgend durchführbar ist. Jedenfalls ist vom Früh- jähr 1922 ab mit einer wesentlichen Besserung der Fernsprechoerhält- nisse in Berlin zu rechnen. �_ Wucher mit kohle. Abfallkohle mit 80 proz. Schiebergewinn. Schiebungen mit Abfallkohle, bei denen er einige hunderttausend Mark oerdient hatte, führten den Kaufmann Alfred Müller aus Eharlottenburg vor das Wuchergericht des Landgerichts II. Mit- angeklagt waren der Kaufmann Julius Neustadt, der Kaufmann Gustav R i t s ch e l und der Kaufmann Hermann P r e n i ck e. Neustadt war wegen Krankheit nicht erschienen. Der Angeklagte, dc? wegen dieser Vorkommnisse entlassen worden war, war früher bei der Kohlensirma Schilling als Ge- schäftsführer tätig gewesen. Bei der Steinkohlenaufbereitung ebenso wie bei der Brikettfabrikation entstehen große Mengen minder- wertiger Abfallkohlen, Lehmbergkohlen und Klärteichkohlen, die in Friedenszeiten überhaupt nicht verwendet, sondern auf Halden ge- bracht wurden. Infolge der Kohlenki.appheit machte man mit diesen in vielen Millionen von Tonnen vorhandenen Abfallkohlen Versuch- und fand, daß diese, in Verbindung mtt anderer guter Kohle noch sehr gut brannten und deshalb ein brauchbares Streckmittel darstellten. Der Angeklagte Müller bezog nun ohne Erlaubnis der Kohlenstelle diese Abfallkohlen in Posten von je 30 000 Tonnen, und zwar zahlte er 27 bis 30 M. pro Tonn«, d. i. 20 Zentner. Unter Mitwirkung der Mitangeklagten verkaufte er diese Kohlen mit 62 bis 90 M. pro Tonne, d. h. mit etwa 80 P r o z. V e r d i e n st. Staatsanwaltschaftsrat G e n tz hielt die Angeklagten des Wuchers und des Kettenhandels für überführt und beantragte gegen Müller 20 000 M. Geldstrafe und Einziehung von 100 000 M., gegen die übrigen Geldstrafen bis zu 500 M. Das Gericht erkannte gegen Müller auf zwei Wochen Gefängnis, 10 000 M. Geld st rase und Beschlagnahm« von 100 000 M. U e b e r- gewinn, gegen die übrigen auf G e l d st r a f e n bis zu 500 M. Gegen Neustadt wurde das Verfahren abgetrennt.— Gegen die Lieferanten der Kohlen schwebt ein besonderes Verfahren. Gefährliche Gutskaufvermittler. Einem geplanten Anschlag entgangen ist ein Berliner Chauffeur, der ein kleines' Gut zu kaufen beabsichtigte. Auf seine Anzeige empfahl ihm ein Schlächter P ä s ch k e ein Landgut in Falenwerder bei Landsberg. Nach fchrift- licher Verständigung kam Päschke nach Berlin und suchte den Chauffeur zu veranlassen, das Kaufgeld gleich mitzu- nehmen. Dieser war jedoch vorsichttg genug, das nicht zu tun. von Landsberg aus gingen die beiden Männer auf den Dorschlag Päschkes durch den Wald nach Falcnwerder, statt die Kleinbahn zu benutzen. Am Ziel erfühl man dann, daß das Landgut, das einer Tante Päschke» gehört, nicht zu verkaufen war. Dem Chauffeur kam die Sache so verdächtig vor, daß er die Kriminalpolizei auf- merksam machte. Man rechnete damit, daß Päschke der Mörder sein könnte, der den Landwirt Gröschke bei Zossen mit einem Gutskauf kn den Wald lockte und erschoß und beraubte. Dies« Annahme erwies sich bei der Verhaftung Päschkes als irrig. Der Verhaftete bestreitet auch die Absicht, den Chauffeur zu ermorden; gibt aber zu, daß er geplant habe ihn bei der Besichtigung eines angeblich zum verkauf stehenden Gutes betrunken zu machen und auszuplündern. Pläfchke wurde von' der Kriminalpolizei dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Das Fräulein, das nicht„nachbleiben" wouiu. Eine jugendliche gewerbliche Arbeiterin im Alt« von siebzehn Jahren— im bürgerlichen Sinn also eine unge Dame— bekam vcm Polizejxevier Berlin N. 24, Monbijouplatz, folgende Zu- schrift:„Sie haben am 2. Juli heimlich die Klassenräume der städti- schen Pflichtfortbildungsschut« im Schulhaus Große Hamburger Straße 13 19 verlassen, obgleich von der Zeugin ausdrücklich be- stimmt war, daß Sie wegen Ihrer Nachlässigkeit nach dem Unter? richt zurückbleiben sollten. Es wird gegen Sie eine G e l d st r a f e von 10 Mark zuzüglich 1,30 Mark Portokosten festgesetzt."— Zeugin ist die Lehrerin Pabst, die an jener Schule amtftrt und in dem Ruf steht, sehr gern derartige Strafen zu vcr- hängen, die dann von der Polizei m dieser äußerlich recht kränken- den Form'zum Einzug gebracht werden. Bekanntlich ist eins der wichtigsten pädagogischen Gebiete auch die Psychologie, aber die scheint die schwächste Seit« der Lehrerin Pabst zu sein, denn sonst müßte sie wissen, daß man Mädchen, die bereits heiratsfähig find, nicht mehr in einer geraoezu kindisch anmutenden Weise„bestraft". Das Ehrgefühl eines jungen Menschen ist bekanntlich sehr empfind- lich und der Lehrer, der sich da nicht sehr vorsieht kann manchmal ein ganzes Leben durch feine Tolpatschigteit verpfuschen. von dem Arbeitgeber des jungen Mädchens wird uns zu diesem Fall erklärend mitgeteilt, daß am 2. Juli einige Mädcken nach- bleiben mußten, weil ihnen die Mütter keine Plattwäsche und Schürzen mitgegeben hatten. Einige junge Mädchen, die sich zu Unrecht bestraft sahen, also auch das hier in Rede stehende junge Mädchen, verließen trotzdem pünktlich und mit gutem Gewissen die Schule. Wenn der Lehrerin Pabst auch formell das Recht zusteht, in besonderen Fällen Geldstrafen zu verhängen, so soll sie sich ge- fälligst diese besonderen Fälle vorbehalten und auch da noch recht sparsam mit den Geldstrafen, di� ja doch die Eltern treffen, um- gehen. Auf keinen Fall aber darf sie, wie in diesem Fall, junge Menschen zur Strafe heranziehen, die sich gar nicht straffällig ge- macht haben. Oranienburg und Birkcnwerder. Eine postalische Merkwürdigkeit besteht im Fernsprechverkehr zwischen Berlin und Birkenwerder bzw. Oranienburg. Beide Orte liegen an der Nordbahn, und zwar Birtenwerder um 10 Kilo- meter näher nach Berlin als Oranienburg Die Post scheint aber umgekehrter Auffassung zu sein. Der Fernsprechverkehr nach Oranienburg ist Nachbarortsverkehr mit Berlin. Don jedem Ber- liner Fernsprechamt kann Oranienburg erreicht werden, ohne jede Schwierigkeit, ohne besondere Taxe und ohne besondere Gebühr. Will man aber einen an das Teilnehmernetz von B i r k e n w e r- der angeschlossenen Telephoninhaber anrufen, so bedarf es, trotz- dem dieser Ort noch 10 Kilometer näher nach Berlin zu liegt als Oranienburg, der Vermittlung des F e r n a m t e», das diese Ge- spräche genau wie all« anderen meist erst nach stundenlangem Warten erledigt. Nun ist aber Birkenwerder mit der Vor- ortbahn in 40 Minuten Fahrzeit zu erreichen, man hat hier also den überraschenden Fall, daß man tatsächlich häufig eine Beste!- lung schneller ausrichtet, wenn man persönlich nach Birkenwerder fährt, als sich des Fernsprechers bedient. Während die Fernsprech- teilnehmcr in Frohnau an das Teilnehmernetz von Hermshorf, also Berlin, angeschlossen sind und auch die Oranienburger Fern- sprechinhaber direkten Verkehr mit Berlin haben, müssen die Be- wohner von Hohenneuendorf bis Borgsdorf erst den Umweg über das Fernamt nehmen, um einen Berliner Teilnehmer zu erreichen. Ob dies sich nicht ändern läßt?__ Persönliche Haftung für Etatsüberschreitungen. Der Berliner Magistrat hat s ämtliche Verwaltungsbezirke daaruf hingewiesen, daß er in Zukunft nach Lage des Einzelfalles leitende und sonstige in Betracht kommend« städtische Beamte für eigenmächtig bewirkte Etatsüberschrei- tungen persönlich haftbar machen werde. Anlaß dazu gab unliebsame Geldcrwirtschaft in westlichen vorortgemein- den, während die östlichen sich streng nach dem Etat r ich t e t e n. Dielfach sind allerdings die Etatsmittel so knapp bemessen, daß es an Beamten oder Hilfskräften zur Leistung not- wendiger Arbeiten fehlt. Die Dereinigunq EStoßsläbfischer Zeilungsverleger ersucht uns um Lerössentlichung nachstehender Mitteilung: Der Verein Ber- liner vorortpresse, in dem, wie der Name besagt, d>- Vor- ortblätter vereinigt sind, hat seinen Namen laut Mitteilung des „Zeitungsverlages" vom 5. August d. I. umgewandelt in„Verein Berliner Zeitungsverleger e. V." Diese Namensgebung ist g e- eignet, Irrtümer hervorzurufen, denn die großen poli. tischen in Berlin erscheinenden Tageszeitungen sind in der Verein!- gung Großstädtischer Zeitungsverleger zusammengeschlossen. Der Vereinigung Großstädtischer Zeitungsoerleger gehören unter anderen an: 8-UhrüllbendbIatt, Berliner Tageblatt, Berliner Abendvost, Berliner Lot«I-Anzeigcr, Berlin« Morgeupost, Berliner Allgemeine Zeitung, Berlmer Morgenzeitung, Berliner Volkszeitung, Berlin« Börsenkurier, Berliner Börstnzeitung, B, Z. am Mittag, Deutsche Tageszeitung, Kreuzzeitung, Der Montag, Montagspost, National- zsitung, Neue Berliner(12ocndct wurde, den Wider st and der englischen Berg- arbeiter zu brechen. Indem es gegen dies Verfahren Protest erhebt, stellt es fest, daß für die Lahmlegung von Handel und Industrie einzig und allein der internationale Kapitalismus de» Unternehmer- tun.s verantwortlich ist. Da» Internationale Komitee der Bergarbeiter wendet sich energisch gegen diese Tatsache und gegen die imperialistischen Ab- sichten de? Unternehmertums aller Länder. Angesichts dessen, daß das gesamte Proletariat der Welt unter diesen anormalen Zuständen leidet, und in Gemäßheit der auf dem Internationalen Dergarbeiterkongreß in Gens angenommenen Resolution beschließt es, daß da« Internationale Bergarbeitersekrs- tnriat im Einvernehmen mit der Amsterdamer Gewerkschaftsinter- nationale in die Prüfung und Borbereitung der praktischen Anwendung der Mittel und Weg« einer Aktion eintreten soll, durch die die organisiert« Arbeiterschaft gegebenenfalls den Unterdrückung»- und Au»b«vtungsabsichlen de» kapiwvstlschen Unternehmertum» begegnen kann, um sobald wie möglich für die ganze Welt die Rückkehr zu einer normalen Wirtschaftslage und die Verwirk- l i ch u n g der gewerkschaftlichen Ziele zu erreichen. Beschlosien wurde weiter, den Internationalen Bergarbeiter- kongreß auf das nächste Jahr zu verschieben und dafür das Komitee des öfteren zufammenzuberufen. Sein« nächste Sitzung soll spä- testens im Oktober diese» Jahres staUfinden. Zum Allgemeinen Internationalen Gewerkschaftskongreß, der im November in Paris stattfindet, wurden H u e- Deutschland, H o d g e s- England' und B a r t u e l- Frankreich delegiert. Tic Lohnbewegung der Gemeindearbeitep. Di« SPD.- und UEPD-Gemeindearbeiter tagten am Montag gemeinschaftlich im Lokal„Königsbank"', um zur Frage der Loh n- erhöhung Stellung zu nehmen. Zu dieser Versammlung waren auch die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung eingeladen. Der Referent erklärte, daß die Kündigung des Lohn- t a r i f» erfolgt sei. Die Tcrifkommission habe bereits getagt und ihr« Beschlüsse sollen Dienstag(heute) in einer Funktionärversamm- lung bekanntgegeben werden. Auch die städtischen Beamten haben Forderungen erhoben. Wenn von gewisier Seite gesagt werd«, daß es ganz gleichgültig für die Arbeiter sei, wie sich die Stadt- Vertretung zusammensetze, so müsse dieser Ansicht als einer schäd- lichen entschieden entgegengetreten werden. Wie die bürgerlichen Parteien sich zu den Bestrebungen der Arbeiter stellen, dürfte doch genügend bekannt sein. Dringend notwendig sei vielmehr, für die Erhaltung einer sozial! st ischen Mehrheit mit aller Energie einzutreten. Es frage sich nun:„Wie ist die gegenwärtige Lohnerhöhung durchzuführen?" Hätten wir, so führte der Redner aus, bei den früheren Lohnbewegungen einen anderen Weg einge- schlagen, so würden wir jedenfalls leichter zum Ziele gekommen sein. Es würde sich wohl empfehlen, für dieses Mal den anderen Weg zu wählen, nämlich sich mit den sozialdemokratischen Fraktionen in Verbindung zu setzen, um so ohne schwere Wirtschaft- liche Kampsmittel zu einer Verständigung zu gelangen und das Maß des Erreichbaren zu erhalten. Wenn wir in gedeihlicher Weis« gemeinschaftlich zusammenarbeiten, dürfte uns dieses gewiß gelingen.(Lebhafter Beifall.) Hochschild gab hierauf als Vertreter der Magistrats-Hilfs- kräfte folgende Erklärung ab: „Trotzdem der Zentrolverband der Angestellten unter dem 3(1. Juli 1321 dem Maglstrot mitgeteilt hat, daß von einer Kündi- gung des zweiten Dergütungstarifes für die nicht ständig Angestellten vorläufig abgesehen wird, haben das Tarifkartell und die Tarifkommissionen der dem Kartell angeschlossenen Verbände beschlossen, auf Grund des Magistratsbeschlusses vom 27. Juli 1321 gemeinsame Forderungen für Arbeiter und An- g e st e l l t e einzureichen und zu vertreten." Dieser Beschluß ist der Tarifdeputation des Magistrats über- mittelt worden. Der Redner bemerkte noch, daß die von einer bestimmten Seite aufgestellte Behauptung von der Zerschlagung des Lohnkartells hiernach völlig unbegründet sei. Die folgende Aussprache, an der sich etwa 13 Redner beteiligten, ließ den ernsten Willen einer Verständigung beider sozialdemokra- tischen Parteien erkennen. Es sprachen von der USPD. Reu- bert, Deitmer, Aubert und Schön bier; von der SPD. Brückner, Berger, Brolat, Krumm, Polensle und Kammermeier. Aus allen Reden klang der Wunsch heraus, daß aus dieser ersten gemeinschaftlichen Tagung beider sozialdemo. kratischen Parteien sich«in weiterer Weg zu gemeinsamem Handeln, wenn auch vorläufig nur in wirtschaftlichen Fragen, ergeben und daß hierauf eine Verständigung auch in politischen erfolgen möge. Kammermeier bat. eine recht rege Agitation zwecks inniger Zusammenfassung beider Fraktionen zu entfalten. Ein Antrag von Hochschild', die Tarifforderungen der Fest- ange st eilten in den Gas- und Elektrizitätswerken zu unter- stützen, wurde widerspruchslos angenommen. Am Schluß registrierte P o l e n s k e als Ergebnis der Ver- sammlung, daß beide Parteien darin einig sind, die jetzige Lohn- bewegung zu einem befriedigenden End« zu bringen. Erzählungeu eineS Lehrlings. Zu der Notiz über die Lehrlingsausbildung beim Fleischermeister Has e l o ff, Teltow, Breite Str. 7, in Nr. 348 geht uns folgende Erklärung zu: Wie wir uns überzeugen mußten, warm die Ar.goben in der genannten Notiz übertrieben. Es ist in einzelnen Fällen, hauptsächlich des Sonnabends, vorgekommen, daß länger, auch bis in die späten Abendstunden hinein gearbeitet wurde, und zwar aus der Notwendigkeit heraus, um Fleischwaren vor dem Ver» derbenzuschützen. Die Wohnungen liegen im Parterregeschoß. Es sind zwei wohnlich«ingerichtet« Räume, welche drei Personen zur Verfügung stehen. Eine Vergitterung der Fenster ist wegen Einbruchsgesahr notwendig. Da Herr Haseloff sehr viel unterwegs sein muß und die eigenartige Lage des Grundstücks es ermöglicht, daß fremde Personen dasselbe betreten können, muß ganz besonders darauf geachtet werden, daß es immer gut verschlossen ist. Schlüssel werden den Beschästigten nicht ausgehändigt, doch ist Vorsorge ge- troffen, daß dieselben jederzeit aus- und eingehen können. Im Beisein de» Organisationsvertreters, sowie des Daters und des Vormundes d4» Lehrlings versichert derselbe, stark über- trieben zu haben und nicht alles Angegeben« aufrechterhalten zu können. Zwischen Herrn Haseloff und der Organisation wurde eine Vereinbarung getrossen, daß für die Zukunft sowest als möglich die achtstündige Arbeitszeit innegehalten wird. Nach Mög- lichkeit wird von einer Arbeit in den Abendstunden abgesehen. Da» mit fallen alle an die vorige Notiz geknüpften Folgerungen. Zentralverband der Fleischer. Build der technische!, Angestellten und Beamten. Heute 7 Uhr, Sitzung aller FaSigruppenausichiisfe im Nordischen Hof, Jnvalidenstratze 126.— Mittwoch: Mit- aliedervcrsammlung, Norden II, 7'/, Uhr im Restaurant Lampert» Festsäle, Schönhauser Allee 123.— Donnerstag: Mitgliederversammlung, Charioltenburg II. TVi Uhr im Restaurant Ruhland, Eavignyplatz ö.— Friedenau, 7'/, Uhr im Rest. Hohenzollern, Handjerystratze.— Lichtenberg, 7'/, Uhr im Rest, hur Hülle, Franl- fnrter Allee 226.— Norden I, 7,/j Uhr im Rest. O. Berliner, Brnnnenstraße 140.— Osten I, 77, Uhr im Hochbahnreslaurant. Slralauer Allee 48.— Südwest, 7>/, Uhr im Restaurant Döbel, Tcmvelhofer Ufer 6.— Sitzung der Reunerlommisston der Asa Fachgruppe Gesundheitsmdustrie, 7 Uhr im Empsangsraum de» Butab, Werft» stratze 7. Deutscher Bauarbeiterverband, Sektion Tresbau. Donnerstag, 7 Uhr, bei Boeker, Wederslratze 17, Milgiiedcrversammiung. Jede» Mitglied muß erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch lein Znlrltt. Deutscher Portiervcrdand. Miitwoch, morgens 3 Uhr, bei Schirm, Charlotten- stratze 7/8. Versammlung aller auf Bauten, Holz- und Lagerplätzen. Fabrilen und Industriehäusern beschätt-gten Wächter.— Donnerstag, im„Schweizergarten", Am Friedrichshain 23/22: Großes Eommcrfest. Einlrittspreis 2 Mark. Villeltswt Bureau Bayreuth«: Str. ZI und Engclufer 14/15, gimmrr 4». Virtschaft Das Clearing house. Unter dem englischen Ausdruck„C l e a r l n g- H 0 u s e" ver- steht man ein Ausgleichs- und Abrechnungshaus, eine Anstalt, in welcher Schulden und Forderungen der Banken und Bonkiers untereinander durch gegenseitige Abrechnung ausgeglichen werden. Das erste wurde 177S in London von einer Anzahl Bankiers als Privatunternehmen gegründet. In der Folgezeit bildeten sie sich in fast allen Ländern. Das Bedürfnis nach dem Clearing-House (sprich: Klihring-Haus) wuchs in dem Maße, in dem der Scheck- verkehr sich ausbreitete. Heute, wo der Scheckverkehr allgemein geworden ist, ist das Elearing-House. w dem diese Schecks gegen- seitig abgerechnet und verrechnet werden, der Mittelpunkt des Geldverkehrs. Das hat die Verfeinerung der Zahlungssttten und die treditwirtfchaftliche Verfilzung bewirkt. In Deutschland wird das Clearingverfahren durch die Abrechnungsstellen der Reichsbank bewältigt. Die Steigerung und Ausdehnung des Scheckverkehrs über die Abrechnungsstellen der verschiedenen Länder war in den letzten Jahren außerordentlich hoch. Der Betrag der Einlieferungen be- trug bei 1917 1990 19 123 303 333 89 023 333 333 Pfd. 93 120 330 303 695 783 030 033 M. 43 880 030 003 263 800 033 033 Fr. 177 400 300 330 243 143 333 333 Doli. in Der ZeitungSstreik im besetzte» Gebiet. Infolge d:s schon gemeldeten Streiks der Buchdrucker Mainz sind dort heut« die bürgerlichen Zeitungen nicht er- schienen. Mit Hilfe von Streikbrechern geben sie ein gemein- sames Nachrichtenblatt heraus. Auch in Worms haben die Buchdrucker die Arbeit nieder. gelegt. Dort find seit Montag keine Zeitungen erschienen. Man rechnet damit, daß auch di« kleinen rheinisch-hessischen Städte in den Streik einbezogen werden. Z« Jlflmbcrg-Jfirfher Baugewerbe haben die Unternehmer wegen des Streiks der Zimmerleute die Aussperrung der Bauarbeiter beschlossen. Die Bielefelder Zrlsenrgehilsen befinden sich wegen Tarif- differenzen im Kampf und bitten alle Berufsangehörigen, Zuzug nach dort fernzuhalten. Gewerkschaftliche Zugendkonferenz. Der Ortsausschuß Cassel richtet an all« zur gewerkschaftlichen Iugendkonferenz delegierten Vertreter die Aufforderung, sich wegen der Beschaffung von Logis bis spätesten» zum 12. August an den Gewerkschaftsbund Cassel, Spohrftraße 6, zu wenden, da anderenfalls bei dem großen An- drang zu den Hotels keine Ouartierbefchoffung mehr möglich ist. Die Bergarbeiter in Wales werden nach der TU. von einer großen Arbeitslosigkeit bedroht, da angeblich die Kohlen- preise tief gesunken sein sollen. Bankers Clearing-House in London...... Abrechnungsstellen d. deutsch. Reichsbank..... Chambre de Eompensation, Paris....... New Dork Clearing-House Die stärkste Entwickelung ist in D e u t s ch l a n d zu beobachten. Die abgerechneten Summen haben sich in den drei Iahren mehr als versiebenfacht. Das hängt natürlich in der Hauptsache von der Entwertung des deutschen Geldes ab. Anderer- feits ist aber die Ausbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ein starker Antrieb. Im Jahre 1913 wurden durch die Abrech- nungsstellen der Reichsbank 15% Mill. Schecks verrechnet. Im Jahre 1923 stieg die Zahl der Einlieferungen aber auf über 23 Millionen Schecks. Neben dem Bankobrechnungsverkehr muß noch auf den bar- geldlosen Zahlungsverkehr durch die Post scheckämier verwiesen werden. Im Juni 1921 betrug der Umsatz im Postscheckverkehr 83% Milliarden Mark, davon entfallen 82 Proz. auf den bargeld- losen Zahlungsverkehr: also auf die Verrechnung von Eonto zu Conto. Man kann für dieses Jahr einen Umfang des Postscheck- verkehr? in Deutschland von weit über 1333 Milliarden Mark und einen bargeldlosen Verrechnungsverkehr bei der Post von über 933 Milliarden Mark annehmen. Wenn man sich vergegenwärtigt, welch ungeheure Massen von Zahlungsmitteln wir bereithalten müßten, wenn die im Abrechnungswge übertragenen Iahressummen von fast 733 Milliar- den Mark bei der Reichsbank und von rund 333 Milliarden Mark bei den Postscheckämtern in barem Gelde hätte gezahlt werden müssen, so kann man die Dorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs leicht ermessen._ N. Z. „weil der Weizen im Znlcmd teurer ist." Zu der Notiz in! unserm heutigen Morgenblott unter diesem Titel wird uns von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß es sich nicht um einen Antrag handelt, die Ausfuhr von Weizen freizugeben, sondern die Ein- fuhr. Dadurch wird auch die von uns daran geknüpfte Vemer- kung hinfällig._ Mus aller Welt. Sühne für Schandtaten Farbiger im Rheinland. Die beiden schwarzen Soldaten, die in der Nähe des Krematoriums in Mainz einen Deutschen überfallen und durch Messerstiche in den Kopf schwer verletzt haben, sind inzwischen ermittelt worden und sehen ihrer Aburteilung durch das französische Kriegsgericht entgegen. Raobansall im Eisenbahnwagen. In einem Personenzug Frank- furt— Mainz wurde ein junge» Mädchen, da« zur Zahlung eine« größeren Betrage? nach Mainz fuhr, während der Fahrt hinter Mainz-Süd von drei jungen Burschen überfallen. Die Täter, die au» dem langsam fahrenden Zug sprangen, haben 3033 M. n* beutet. Zwei wurden verhaftet. Der Typhus in Elsoß-Lothrlngen. Aus der südlichsten Ecke deZ Landes, dem Kanton Hüningen und vom Nordosten, aus Forbach, wird der Ausbruch bedenklicher TyphuSepidemien gemeldet. Zm Unterhans gestorben. Der liberale Abgeordnet« Wintringham ist Montag nachmittag im Unterhause gestorben. Die Sitzung wurde unterbrochen. «crannv. für den redalt. Till: Dr. Werner Petser, Charlotten dura: für Zlnzeiaen: Th. Glocke, Berlin. Berlag: Vorwärts-Veriag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wärlS-Buchdruckerei a. Verlansanstalt Paul Sinner n. Co.. Berlin. Ltndenftr. S. ölutisissn Stadsi»»», vleelie, T-Trfiger, U-Else», Rehre, Ketten, LngerbSeke, Riemenscheiben, Fatstenzen usw. In«srschled. Dimensionen heben abzugeben Notzeisenabteilong, Bln.-Menkölln WewerBtr. 35/8B— Tel Neuk. 4no COHN& BORCHARDT Zentrale: Lichtenberg, Rlttergutstr. 47/43 Telegr.-Adresse„Erzcobor*. Tel. Uchtenbg. 646/547 ZähnemS Hempel, Dentist, linlenstf. 220, Brstkl. AostOhrunc. 9 Jahre ». Qaraatle. Umarbeitg. all Oebisse- an Reparaturen sofort. Oeldkronen. — Brücken. Teilzahl. 9-7, Sonn». 9-1. * nahe Schönhauser Tor Metall-Bettstellen Kinderwagen, Bettfedern, Korbmöbel Fürst, Neukölln HcrmannatraBe 31 Ecke Mahlower Str.• Fabrik(.Rabebetten, Jhcbetten�Auttege- l>rnt�r I 1 vicket. Ättefler, Bitten »erfchninben sehr schnell. trenn man abend« ben Schaum». Zickar's Pataat- Mcdlzlnai-Saifa eintrocknen läßt. 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