Nr.37S�ZS.�ahrgattg Msgabe A Nr. 190 Bezugspreis» «iertellShrl-ZU,- M. monatt.>0.— M. frei ins Haus, voraus zahlbar. Pakt- bezug: Monatlich 10.— M. einichi-gu- ftellungsaebLhr Unter Kreuzband illr Deulschländ. Danzig. das Eaar- und Mcmeiqebiet, sowie die ehemals beut- schcn Gebiete Polens Oesierreich, Ungarn und Luxemburg 20,- ZllU. fiir das übrige Ausland 27.— M. Poit» bestrllungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho- Slowake». Dane» Marl. Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beiiage„Toll und fteif, der Unterhaltungsbeilage„Hcimtoelf und der Beilage»Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. . Telegramm»Adressen �Sozialdemokrat verNa� Morgen-Ausgabe Vevlinev VolksblAtt (30 Pfennig) MnzetgenpretS, Di, Ichlgelpallen« RonoemtScheil, tolter dSd M»Uletn« tlazetgeo� da» teugebruckt» Wort l» M. lzo» lässig iwe, fittgedMtkt, MUrteZ sede» »eitere Wort l—«. Gt«»en«elu-tw und vchlalllelle»»»»»>»,-rlt, So« U— OL. sede,»Htm W-u» 6(1 Big. Dort, fikn I««uchliabe» jählen für zwei Wsrie. Gamiltrn-An- zelgen für Abonnenten geile i-- M. Sit Deels' oerstehen sich einschltehltch Teueruniszuschi«» «nz eigen wr die nächste Mlmmer mllssen dl» d Ahr nachmlnag» l» Hauptgeschäft. Berlin ED kti. Linden- Kratze Z. abgegeben werden,»eiissaet von S Uhr frUh dt» b Uhr abend». Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfcblands Ueüaktion und Expedition: SM 68, Lindenstr.Z Soi-nfttrcrfictv Redaktion Moritzplatz 151«5— 97 �ernfpreliier. �xpxi,ttion Moriyplah 11753— 5t Donnerstag, den 11» August 1921 vorwärts-verlag G.m.b.H., Sw öS, Lindenstr. Z Äkernivredier' Berlag. Expedition und Inserate». Moritzplah 11753-54 Die Steuerwege öer Reichsregierung. Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst schreibt uns: Scheinbar zur Beruhigung der Oeffentlichkeit, die an den neuen Steuerplänen scharfe Kritik geübt hat, wird jetzt halbamtlich mit- geteilt, daß im Anschluß an die Körperschaftssteuer eine Beteiligung des Reiches an der Industrie durchgeführt werden soll. Die ein- mütige Ablehnung des bisherigen Steuerbuketts des Reichsfinanz- Ministers bis weit in die Kreise der bürgerlichen Parteien hinein scheint also allmählich den längst erforderlichen Gesinnungswechsel bei den leitenden Persönlichkeiten vorzubereiten. Man wird die weitere Ausgestaltung der angedeuteten Pläne abwarten müssen, ehe abschließend zur Form der Sachbelastung Stellung genommen wer- den kann. Schon jetzt aber muß mit aller Entschiedenheit ausge- sprachen werden, daß sich eine Goldwertbelastung, die sich auf die Industrie beschränkt, den ländlichen Grundbesitz aber völlig unan- getastet läßt, von der Sozialdemokratie auf keinen Fall Hingenom- men werden kann. Auch läuft es auf eine Irreführung der Oeffent- lichkeit hinaus, wenn dort von einer Goldwerterfaffung geredet wird, wo man durch Preisgabe einer schon bestehenden Steuer, und zwar der Körperschaftssteuer, jede finanzielle Mehrbelastung des Kapitals umgeht. Die Sozialdemokratie fordert eine Goldwertsteuer des ganzen agrarischen und industriellen Kapitalbesitzes nicht a n Stelle, sondern neben den bestehenden und neu geplanten direkten Steuern. Es scheint, als ob die Mehrheit der Reichsregierung der Auffassung sei, es bestünde keine Macht, auch nicht bei den vereinigten breiten Massen des Volkes, um die Erfassung der Goldwerte durchzuführen. Aus wesentlich anderen Gründen kann das Kabinett bisher nicht darauf verzichtet haben, ernst- Haft an die Lösung des Problems zu gehen. Mit technischen Schwierigkeiten ist das Nichtbegehm dieses Pfades kaum zu entschuldigen. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Dazu kommt, daß nach unserem Wissen das Volk bisher noch nicht gefragt worden ist, ob es zu seinem Teile die Macht aufzu- bringen geneigt sei, die uns rettende Erfassung der Goldwerte durchzuführen. Man fürchtet wohl auch, daß eine rasche Kapi- talisierung der in die chände des Reiches kommenden Sach- werte gerade in jenen Kreisen, die sie herzugeben haben, zu tiefe politische Erbitterung erzeugen könnte. Wir sind anderer Meinung, schon deshalb, weil jene rasche Entäußerung durch das Reich gar nicht nötig wäre. Wir sind auch anderer Mei- nung darin, daß die bisher bekanntgewordenen Vermögens- steuern, in ihren Einzelheiten geheimnisvoll versteckt, einen tatsachlichen Eingriff in die Substanz darstellten. Die jüngst vergangenen zwei Jahre haben zu deutlich bewiesen, und es ist oft genug ungeniert von beteiligten Kreisen ausgesprochen worden, daß alle bisher beschlossenen Besitzsteuern die Sud- stanz nicht angegriffen haben. Die neuen � Steuerentwürfe zeigen aber kein anderes Gesicht als die alten Gesetze. Erst kürzlich noch hat die„Deutsche Allgemeine Zeitung" offen zu- gegeben, daß bisher die Steuerlasten von der deutschen In- dustrie glatt aus dem Ertrage geleistet worden sind. Der Reichshaushaltsetat für das Jahr 1921 schließt bis heute mit einem ungedeckten Betrage von rund 59 Milliarden Mark. Darin stecken aber noch lange nicht alle Auswirkungen des Ultimatums. Wir wollen nicht, dem Beispiele vieler Kri- tiker der Reichsregierung folgend, mit Zahlen jonglieren und zum Schluß beweisen, daß sie zu optimistisch gerechnet hat. Das würde nicht den' Kern der Sache treffen. Er ist doch der, daß das Reich Wiedergutmachungen in Gold- werten zu leisten hat. Man hört von durchaus mit den Verhältnissen vertrauten Personen immer wieder, wie unge- heuerlich schwer es der Reichsregierung von allen groß- kapitalistischen Kreisen gemacht wird, ihre Goldverpflichtungen zu erfüllen. Will das Kabinett Wirth diesen je länger um so mehr aussichtslosen Kampf weiter auf die Art fortsetzen, daß es durch stets komplizierter werdende Steuern Papiermilliarden auf Papiermilliarden häuft, um dafür Goldwerte zu kaufen? Und wenn wir ihr auch unterstellen wollen, daß sie in diesen Fragen von größerem Optimismus beeinflußt wird, als poli- tisch berechtigt ist: wir können nicht ernsthaft glauben, daß sie dieser Meinung ist. Es gibt nur einen Weg der Wiedergut- machung und der inneren finanziellen Gesundung Deutsch- lands. Er führt an die Quelle des Besitzes, er schafft Gold- werte, die nicht erst auf dem immergefährlicherwer- denden Umwege der Einwechselung aus Papiergeld ent- stehen. Wir legen bei der praktischen Durchbildung dieses Ge- oankens wenig Wert auf den Namen und die Art. Es kommt uns nur auf die Sache an. Da bleibt uns auch jetzt, nach den neuen von uns schon erwähnten Plänen der Reichsregierung nur zu sagen übrig, daß sie sich selbst täuscht, wenn sie glaubt, daß mit der„Veredelung" der Körperschaftssteuer, mit Zwangsanleihen vom Produktionstapital und mit ähnlichen Notbehelfen ernsthaft etwas zum Wiederaufbau geleistet wer- den kann. Wir fürchten Immer mehr, daß hinter dem Opti- mismus der Mehrheit des Reichskabinetts der Glaube steckt, daß die sogenannten indirekten Steuern erheblich höhere Er- träge abwerfen werden, als bis jetzt errechnet worden ist. Solche Wege kann die Sozialdemokratie»«.cht mitgehen, jvenn sie sich nicht selbst aufgeben will, Deutschlanö erfüllt fein versprechen. Von guwnterrichteter Seite erfahren wir, daß die Er- füllung der Zahlung der einen Milliarde Goldmark am 39. August der Regierung zwar schwere Sorge bereitet hat, daß aber begründete Hoffnung besteht, die Zahlung einhalten iU können. Um das Ziel zu erreichen, sind außerordentliche nstrengungen nötig gewesen, die durchaus nicht immer die Unterstützung der in Frage kommenden kapitalkräftigen Kreise gefunden haben. Das Ziel wäre leichter zu erreichen gewesen, wenn eine Lösung der oberschlesischen Frage, und zwar zu gunsten Deutschlands schon etwa im Juni vorgelegen hätte. Große Markspekulationen sind auf die Zahlungsverpflichtung Deutschlands hin gemacht worden und haben deren Einhal- tung nicht unwesentlich erschwert. Auch die übrigen aus dem Ultimatum von London ent- springenden Verpflichtungen sind, wie aus der gleichen Quelle verlautet, in ihrer Erfüllung sehr weit fortgeschritten. Der Rest des oberschlesischen Selbstschutzes dürfte im Laufe der nächsten zwei Wochen ganz verschwinden. Das ganze Repa- rationsproblem hat in den letzten Monaten eine wesentliche Förderung erfahren, hängt aber naturgemäß von dem Er- trägnis der neuen Steuern ab. Die Kohlenverpflichtungen. Die Garantiekommisston der Alliierten hat anerkannt, daß Deutschland seinen Verpflichtungen zum 1. August nachgekommen ist, daß lediglich die Kohtenlicferungen während der jüngsten drei Monate nicht eingehalten worden sind. Die Einhaltung der Kohlenlieferungen ist nicht möglich gewesen, weil du übergroße Hitze die Wasserstraßen für die schweren Kohlenkähne un- passierbar gemacht hat. Besonders der Rhein hatte einen so niedrigen Wasserstand, daß an eine Kohlenbeförderung auf tiefem Wege nicht zu denken war.— Die Franzosen werten den Wasser- stand des Rheins von Amts wegen„wiedergutmachen" müssen. Im Interefle öer Sevö'lkerung. Bekanntlich ist die Rheinlandkommission bei all ihren Zivilmaßnahmen an das Interesse der Bevölkerung gebunden. Es kann daher kein Zweifel fein, daß auch ihre neueste Ent- scheidung im Interesse der Bevölkerung getroffen ist! sie hat nämlich beschlossen, nicht mehr zuzulassen, daß die deutschen Gerichte über Bater schaftsklagen gegen Personen entscheiden, die zu den alliierten Armeen oder zur Interalliierten Rheinlandkommission gehören. Die Rheinland- kommission ist der Ansicht, daß der Kläger seine Klage vor dem nationalen Gericht des Beklagten einbringen muß— also vielleicht beim Zivilgericht in Dahomey oder Tonking. Für die von französischen Truppen besetzten Gebiete sind für den Uebergang über die Zollgrenze bestimmte Zollstraßen angeordnet worden. Der Wagenverkehr über die Grenze ist von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends gesperrt. Jeder Verkehr auf anderen Straßen oder zu anderen Zeiten ist verboten und wird als Schmuggel bestraft. Oberstein an der Rahe bei Mainz ist als Garnison für ein französisches Regiment bestimmt. Mit dem Bau von Häusern und Kasernen muß sofort begonnen werden. Der Bau für die Kasernen und für 36 Offizicrswohnungen kostet 40 bis 59 Millionen Mark, die die Stadt zu bezahlen hat. Fremkfurl a. M.. 9. August.(BS.) In ber Gegend von Trier ist eS beim Abtransport einer marokkanischen Division an den Rhein zu schweren INeuterclen und Gehorsamsverweigerungen gekommen, bei denen auch ein französischer Kapitän gelötet worden sein soll. Die Meutereien sind auf die Angst der Marokkaner vor einem neuen Krieg zurückzuführen, da da« Gerüche unter ihnen verbreitet war, sie sollten zum Vormarsch nach Deutschland ver- wandt werden. Von Metz aus wurde ein ganze? Regiment weiße Franzosen nach Trier befördert, daS die Ruhe wiederherstellte. Der seinerzeit zu SanktionSzwecken an den Rhein geschickte französische Jahrgang 1919 soll vollständig entlassen und durch den Jahrgang 1929 ersetzt worden sein. vrohenöer Kampf in öer Holzindustrie. Die gestrigen. Veratungen zwischen der Verhandlungs- kommission der Berliner Holzarbeiter und den Vereinigten Ver- bänden der Berliner Holzindustrie sind ergebnislos verlaufen. Die Unternehmer weigern stch noch wie vor, den Reichsmanlellaris auch für Berlin anzuerkennen. Die Verhandlungen sind als ge- s ch e i k e r k zu betrachten. Am Freitag werden die Funktionäre der Holzarbeiter über die weiteren Maßnahmen entscheiden. Fall» die Unternehmer nicht doch noch den Reichsmanlellaris anerkennen, ist mik einem schweren Kampf in der Berliner holz- induslric zu rechnen. Tin aussührkcher Bericht ist in» gvvvckfchastllchen Zeil«ochtzU- lesen. Verfassung und Recht. Hellte vor zwei Jahren trat die Verfassung der deutschen Republik in Krast. Damit wurde ein Mißverhältnis zwischen den tatsächlichen Volkskräften und dem Staatsgrundgesetz be- seitigt. dessen innerer Widerspruch sich in einem Menschenalter politischer Kämpfe ausgewirkt hat. Mit dem Zusammen- bruch wurden nicht nur die bis dahin durch eine verbohrte Re- gierungspolitik niedergehaltenen Kräfte breiter Bolksmassen frei, seit jenem Tage ist auch den Freunden des Alten und der Vergangenheit eine Schimpffreiheit verbürgt worden, die unter früherem Regime in einer Flut von Zuchthausstrafen erstickt worden märe. In diesenl Zusammenhang verdient darein erinnert zu werden, daß bei den Verfassungsberatungen in Weimar der Sprecher der Deutsch nationalen, Dr. v. Delbrück. ausdrücklich forderte, daß seinen Freunden in der Republik Gedankenfreiheit, wie er sie auffasse, bewilligt werde. Er meinte, daß wir mit der Annahine der Verfassung der beut- schen Republik„in einem Zustande unbeschränkter Freiheit, in einem Zustande der Freiheit der Gedanken, der Gefühle, der Aeußerungen in Wort und Bild leben". Er hoffe, daß die im Amte befindliche und auch spätere Reichsregierungen ihm und seinen Freunden das Recht, sich im Lande zu äußern und zu lehren, was ihnen passe, nicht verkümmern werde. Er erwarte im Gegenteil, daß er und seine Ge- sinnungsfreunde in dieser Freiheit geschützt würden. Der Reichsminister des Innern, Dr. David, antwortete, daß die Frage des Herrn v. Delbrück, ob denn auch für seine Partei d i e Freiheit gelten solle, von der in der Verfassung die Rede sei, selbstverständlich zu bejahen wäre. Ganz gewiß solle sie auch für seine Partei gelten.„DaS zeichnet eben die Ver- fassung aus, daß der K a m p f mit g e i st i g e n Waffen für jede pSlitische Anschauung freigegeben ist. Niemand hat es noch nötig, zu den Mitteln der Gewalt zu greifen, um feine Auffassung zum Siege zu führen. Die freie Bahn für jede freie Kampfesbetätigung ist eröffnet. Das ist eine große Errungenschaft der neuen Verfassung im Gegensatz zum alten System." Aus dem Kampf der Meinungen mit geistigen Waffen ist nicht zuletzt von rechts her seitdem ein Guerillakrieg ge- morden, der mit Schmutz in Wort und Bild, mit persönlicher Verunglimpfung jedes Gegners, kurz mit allen nur ausdenk- baren unanständigen Mitteln geführt wird. Wir bereuen es dennoch nicht, daß die Weimarer Verfassung auch ihren Gegnern iede Freibeit der Betätigung gegeben hat. Sind wir uns doch klar darüber, daß das Grundgesetz eines Staates nur den Rahmen für die politiscke Tätigkeit des in ihm lebenden Volkes abgeben kann. Erfüllt werden muß die Reichsver» fassung mit dem lebendigen, tätiaen Willen, sie überall und bei feder Gelegenbeit in die Wirklichkeit umzusetzen. Das ist die Aufgabe der Vorkämpfer der Republik, der Sozialdemo- kratie. Sie erwartet bei dieler Slrbeit die aufrichtige Unterstützung all derjenigen, die sich zum demokratisch-republika- Nischen Gedanken bekennen. Daran ist ja das alte System gescheitert, daß es glaubt«, durch Paragraphen und Artikel die Weltgeschichte in ein für allemal feststehende Formen bringen zu können. Die alte preußische Verfassung verstieg sich deswegen sogar soweit, daß sie festlegte, daß die Tbronsolgeberechtigung für die Hohen- zollern ein selbst durch eine Verfassungsänderung nicht zu ent- ziehendes angeborenes Recht fei. Roch heute gibt es Juristen, die auf Grund dieser naiven Verfassnngsbestimmung sich nachzuweisen bemühen, daß die Revolution, dos Grundgesetz der deutschen Republik, daß die ganze Entwicklung Deutsch- lands seit 1918 ungültig sei. Der Sturm der Entwicklung kümmert sich nicht um dle Meinung politisckier Hanswürste. Sie werden immer am Ufer des lebendigen Stromes der Entwicklung sieben und darüber greinen, daß die Zeit nicht rückwärts geht. Und wenn ihnen gar nichts anderes mehr durchscksiagend erscheint, dann ver- weisen sie auf den lieben Gott. Als Wilhelm l. sich 1861 in Königsberg krönen ließ, antwortete er einer Deputation des preußischen Landtages:„Die Herrfcher Preußens empfangen Ihre Krane von G o t t. Ich werde deshalb morgen die Krone vom Tisch des Herrn nehmen und auf mein Haupt setzen. Dies ist die Bedeutung des Königtums von Gottesgnaden, und darin liegt die Heiligkeit der Krone, welche unantastbar ist." Sein Enkel, Wilhelm 17., kam im August 1919 darauf zurück, es mar wieder in Königsberg, er meinte:„Und hier. setzte sich mein Großvater wiederum aus eigenem Recht, die preußische Königskrone aufs Haupt, noch einmal bestimmt hervorhebend, daß sie von Gottesgnaden allein ihm verliehen sei und nicht von Parlamenten, Volks ver- sammlungen und Volksbeschlüssen...." Dann kam er vom Großvater auf sich selbst und verkündete feierlichst: „Als Instrument des Herrn mich betrachtend, ohne Rücksicht ans Tagesansichten und Tagesiminungen gehe ich meinen Weg." Die Weltgeschichte hat nicht nur früher, sondern auch seit- 8« bewiesen, daß sie sich um„angeborene" und„göttliche" Recht« nicht kümmert, schon d«lveg«n nicht» weil göttlich und uns angeboren doch nur der Verlauf der Geschichte selbst sein lann. Deswegen wurden im November 1918 fünf- undzwanzig Kronen und Zepter mit Recht auf den Keh- richlhaufen der Geschichte gespült. Ueberdies ist die Königsberger Krönungsrede Wilhelm I. iyl Jahre 1861 mit die intellektuelle Ursache zu ein«TV Vor- .trag geworden, den Ferdinand L a s s a l l e über V e r- fassungswesen hielt. Seine Feststellungen sind noch heute so lebendig, wie in jenen Tagen, da er sie aussprach. Lassalle fragte: Gibt es denn etwas in einem Lande, eine bestimmende tätige Kraft, welche auf alle Ge- setze, die in diesem Lande erlassen werden, derart einwirkt, dag sie in einem gewissen Umfange notwendig so und nicht an d e r s werden, wie sie eben sind? Ei freilich, meine Herren, gibt es so etwas, und dies Etwas ist nichts anderes als— die t a t s ä ch l i ch e n M a ch t- Verhältnisse, die in einer gegebenen Gesellschaft be- stehen. Die tatsächlichen Machtverhältnisse, die in einer jeden Ge- sellschaft bestehen, sind jene tätig wirkende Kraft, welche alle Gesetze und rechtlichen Einrichtungen dieser Gesellschaft so b e- st i m m t, daß sie im wesentlichen gar nicht anders sein können, als sie eben sind. Die tatsächlichen Machtverhältnisse waren es. die am 11. August 1919 in Weimar die Verfassung der deutschen Republik mr Wirklichkeit werden ließen. Darin liegt auch für uns das Mittel der Kritik, wenn wir verstehen lernen wollen, warum� die Reichsverfassung nicht alle unsere Wünsche erfüllte. Es reichte unsere Macht dazu nicht aus. Schaffen wir uns die Macht, ändern wir die MachtverhäU- nisie! Geben wir vor allem der Jugend die Möglichkeit, aus ihrer allzu leicht auf das rein Kritische eingestellten Erkenntnis die rperktätige Mitarbeit an der Zukunft der deutschen Repu- blik zu gewinnen. Unser war die Zukunft, so wird sie es auch bleiben!.Vergessen wir nie: Wenn im Zusammen- bruch und in der Nooembernot des deutschen Volkes auch nicht alle Blütenträume reiften, wir haben heute dennoch gegen die alten Gewalten, die rückwärts wollen, viel Erreichtes zu verteidigen. Und dazu gehört an erster Stelle d i e Verfassung der deutschen Republik! D!e abgelaufene Sperrfrist. Am heutigen Tage läuft die Sperrfrist für den Artikel 18 der R e i ch s v e r f a s s u n g ab, wonach eine Abstimmung über die Neubildung und Loslösung staatlicher Gebilde inner- halb der bisherigen Gliedstaaten vor Ablauf, von zwei Jahren nach Inkrafttreten der Reichsverfassung nicht möglich ist lArtikel 167 RV.). Bei den Beratungen über die Reichsver- fassung bildeten die Bestimmungen des Artikels 18 Gegen- stand besonderer Kämpfe mit den Deutschnationalen, die ein Auseinanderfallen des Reiches befürchteten und heute beschämt zugeben müssen, die einigende Kraft der Republik unterschätzt zu haben. Am stärksten machten sich eine Zeitlang die Absplitte- rungstendenzen in der Rheinprovinz bemerkbar, wo der berüchtigte Staatsanwalt D o r t e n bekanntlich eine„rhei- nische Republik" begründen wollte. Der gesunde Sinn der rheinländischen Bevölkerung erkannte das Wahnsinnige dieses Planes, der ebenso wirtschaftlich undurchführbar wie politisch Unmöglich war und— selbst wenn die franzLsischerseits zart �angedeutete Unterstützung erfolgt wäre von vornherein zum ' Scheitern verurteilt war. Insbesondere hat sich die rhemische Arbeiterschaft durch ihr entschlossenes Festhalten am Einheitsgedanken ein unvergängliches Verdienst erworben. Kann die Absplitterungsgefahr in den Rheinlanden s?mit HZute als überwunden betrachtet werden, so verdient doch eine andere Bewegung, die eine Zeitlang wenigstens gleichen Zielen zustrebte, sorgsame Beachtung: die Welfenbewe- g u n g nämlich. Die parlamentarischen Vertreter der Welsen Methusalems von heute. Zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die die von den Psalmisten gesetzte Lebensgrenze von 80 Iahren überschritten, und die geschäftige Phantasie hat uns sogar von Wundern der Langlebig- keit berichtet, wie von dem biblischen Methusalem mit seinen 969 Iahren. Wenn auch solche Angaben natürlich in das Bereich der Fabel zu verweisen sind, so haben wir doch vertrauenswürdige Be> richte von Menschen, die ein Alter von 150 Iahren und sogar darüber erreicht haben. Dahin gehört der ungarisch« Bauer Peter Zvrtay mit 185 Iahren, der englische Bauer Thomas Parr mit 152 Iahren, verschiedene Neger, die bis zu 160 Iahren erreichten. So alte Menschen leben heute wohl kaum, aber„Methusalems" gibt es doch noch immer, und von ihnen erzählt Dr. Adolf chcilborn in einem Aufsatz von„Rerlams Universum". Da Frauen im allgemeinen langlebiger sind als Männer, so stehen auch Frauen an erster Stelle. Die älteste Frau Deutsch- lands ist wohl die 119 Jahre alte Iosephi Edcr aus der lim- gegend von Pasiau, die noch recht rüstig ist. Die„älteste Frau Eng» lands", Mrs. Lister, feierte letzten Winter in Lincoln ihren 105. Ge- burtstog und legte an diesem Tage bei Schneewetter eine halb« Stunde Wegs zurück, nahm auch ohne Ermüdung alle Ehrungen upd Besuche entgegen. Die älteste Berlinerin, die bereits das 101. Jahr überschritten hat, ist die am 20. Januar 1820 geborene Frau Marie stoberg: mit ihrem Manne zusammen ist sie 191 Jahr« alt: sie ver- sorgt noch vollständig den Haushalt, während ihr Mann des Lebens Notdurft du�ch Flickschneidecei verdient. Außerdem gibt es noch zwei 100 jährige Frauen in Berlin. Zweifellos spielt bei der Langlebigkeit die Bererbung eine große Rolle. Fast immer haben auch die Ellern der modernen Methusalems schon ein sehr hohes Alter erreicht. Es läßt sich aber andererseits nicht bestreiten, daß häufig genug Eheleute, die miteinander nicht blutsverwandt sind, gemeinsam zu einem hohen Alter gelangen, und das laßt auf die Wirkung gleicher äußerer Lebensbedingungen schließen. So starb z. B. Anna Barak mit 125 Iahren in Raismanitz in Mähren: ihr Mann war 118 Jahre alt ge- worden. Ein Ehepaar Gallot, das innerhalb zwei Togen starb, hatte das gleiche Alter von 105 Jahren erreicht. Merkwürdigerweise befinden sich unter den Methusalems auch kränkliche und sogar! anormale Menschen. Von einer 110 Jahre alt gewordenen Frau,' Nicoline Mare, wird berichtet, daß sie bucklig und ihr linker Arm! verkrüppelt war Auch Enthaltsamkeit scheinr die Lebens- dauer nicht besonders zu befördern, denn verhältnismäßig viele dieser uralten Leute.haben sich dem Genuß von Alkohol, Kaffee und Tabak unbedenklich hingegeben. Das Dorf Chailby in Frankreich, in dem der meist« Alkohol verbraucht wird, zählle doch unter seinen 523 Einwohnern nicht weniger als 20. die über 80 Jahre alt waren. Der Chirurg« Politimen, der ei» Alter»«n 116 Iahren erreichte, war ein gr«ßer Trinker, der Franzose Ratz, der 1836 sei»« 102. Gemachten aus ihrer Neigung, sich zu verselbständigen, kein Hehl, und einzig die Tatsache des Verlustes von AO 000 Stimmen bei den letzten Wahlen dürfte ein wenig beruhigendes Oel aus die brausenden Wogen gegossen haben. Mit dem heutigen Tage beginnt also, wie gesagt, die theo- retische Möglichkeit zur Einigung zusammenstrebender und zur Lösung auseinanderstrebender Länder. Der Weg, der hierbei einzuschlagen ist,' ist der folgende: Ein e i n f a ch e s R e i ch s- g e s e tz genügt einmal, wenn beide beteiligten Länder ein- oerstanden sind, sodann, wenn zwar eines der beteiligten Länder seine Zustimmung versagt, die Gebietsänderung jedoch durch den Willen der Bevölkerung oder ein über- wiegendes Reichsinteresse gefordert wird. Fordert ein Drittel der zum Reichstag wahlberechtigten Einwohner des abzutrennenden Gebietes die Abstimmung, so hat die Reichs- regierung sie anzuordnen; für den Beschluß sind drei Fünftel der abgegebenen Stimmen, mindestens aber die Stimmen- Mehrheit der Wahlberechtigten erforderlich. Besteht zwischen dem abzutrennenden Gebiet und dem Gesamtbezirk kein räum- licher Zusammenhang, so kann der Wille der Bevölkerung des abzutrennenden Gebietes auf Grund eines besonderen Reichsgesetz es als ausreichend erklärt werden. Ist die Zustimmung der Bevölkerung einwandfrei festgestellt, so hat die Reichsregierung dem Reichstag ein entsprechendes Gesetz zur Beschlußfassung vorzulegen. Entstehen bei der Ver- einigung oder Abtrennung Streitigkeiten über die Vermögens- auseinanderfetzung so entscheidet hierüber auf Antrag einer Partei der S t a a t s g e r i ch t s h o f. Auf diesen nicht ganz unkomplizierten Wegen würde sich also eine künftige Umgestaltung der Territorialverhältnisse im Rahmen der deutschen Gebietshoheit abspielen. Es ist nicht angängig, den Gedanken etwa aus Furcht vor einer Gefähr- dung der Reichseinheit grundsätzlich abzulehnen; ebenso wenig angängig ist es natürlich, auf Grund der Möglichkeit, neue Territorialverhältnisse zu schaffen, nun' bemmungslos zu- einander zu streben oder von bannen zu eilen. Der oberste Gesichtspunkt bei der Anwendung der Gestaltungsmöglich- leiten des Artikels 18 muß der sein, der an der Spitze dieser Zeilen steht und eine ernste Mahnung für alle in Frage kommenden Gemeinwesen und Einzelpersonen ist:„Die Glie- derung des Reiches in Länder soll unter möglichster Berück- sichtigung des Willens der beteiligten Bevölke.» rung der wirtschaftlichen und kulturellen H ö ch st l e i st u n g des Dolkes dienen." m Die westpreußischen Heimatvereine, die sich zu einem Verbände Mit dem Sitz in Marienburg zusammengeschlossen haben, verlangen, wie der„Deutsche Schnelldienst" Meldet, in einer Eingabe an den Preußischen Landtag die Vereinigung der Kreise Marienburg, Marienwerder, Stuhm, Rosenberg und Elbing zu einem Regie- rungsbezirk„Westpreußen�._ Lob der deutschen Verfassung. Der Warschauer„Kurier Poranny" lobte vor einiger Zeit die Borzüglichteit der neuen deutschen Verfassung. Dazu bemerkte die deutschnationale„Ostdeutsche Morgenpost':„Das sagt eine polnische Zeitung. Man erkennt an, weil man anerkennen muß. Die neue deutsche Verfasiung ist tatsächlich die vorzüglichste der Welt. Dem Deutschen Reiche fehlt es auch nicht an M ä n n e r n, um die Verfassung in die Tat umzusetzen und produktiv für das allgemeine Dolkswohl zu gestalten. Dem hohen Lied«, das der neuen deutschen Verfassung von dieser polnischen Zeitung ge- stingen wird, brauchen wir nicht», aber auch nichts hinzuzu- fügen." Im innerpolitischen Kampf kann man in den deutschnationalan Zeitungen in der Regel das Gegenteil lesen. Mrkh Natt yieber. Der württembergisch« Staatspräsident Dr. H i e b e r ist erkrankt und hat deshalb auf die Reise nach Berlin, wo er bei der V e r s a s s u n g s f e i e r im Opernhause eine Ansprache halten sollte, verzichten müssen. An seiner Stelle wird nunmehr Reichskanzler Dr. W i r t h eine Ansprache halten. burtstag feierte, ein„eingefleischter Raucher". Die Savoyerin Elisa. beth Durieux, die 115 Jahre alt wurde, lebte hauptsächlich von Kaffee, von dem sie täglich bis zu 40 Tassen trank. Spiritus und Rauch find erprobte„Konservierungsmittel", aber trotzdem möchten wir doch niemanden zu dem Versuch raten, etwa durch Rauchen und Schnapsen sein Leben verlängern zu wollen. Er könnte leicht eine schmerzliche Enttäuschung erfahren. Mißbrauch des Alkohols und des Nikotins ist ein« der häufigsten Ursachen der typischen Alterserkrankung, der Arteriosklerose, lind wenn die Frauen im allgemeinen langlebiger sind als die Männer, so mag das nicht zuletzt seinen Grund darin haben, daß sie dem Tabak und dem Trünke weniger frönen als diese. Der Berliner Volkschor versendet seinen 17. Jahresbericht, in dem er mit Genugtuung feststellt, daß die Ziele, denen er nachstrebt, von einer großen Zahl der im Arbeiter-Sängerbund zusammen- geschlossenen Chöre als richtig empfunden werden. Der gemischte Chorgesang beginnt sich in der Arbeiterschaft durchzusetzen. Freilich stellen sich der Aufwärtsentwicklung auch verschiedene störend« Umstände in den Weg. Die Verteuerung der Säle und der O r ch e st e r, die der gemischte Chor weniger entbehren kann als der Männerchor, macht die Veranstaltung von Konzerten äußerst mühsam, wenn die Eintrittspreise für die Arbeiterschaft er- schwmglich bleibm sollen, und in Berlin wird besonders das Fehlen eines genügend großen Konzertsaales von Jahr zu Jahr schmerzlicher empfunden. Um das Niveau der einzelnen Beranstaltungen zu heben, ist die Konzerttätigkeit etwas eingeschränkt worden. Auch erwögt man den Gedanken, eine Ausnahmcklasse einzurichten und die schlechten oder schwachen Stimmen auszuscheiden. Di« fortgeschrittenen Sänger haben Gelegenheit, sick in dem �.capella-Ehar weiter zu schulen, der zurzeit 45 Mitglieder zählt. Im abgelaufenen Vercinsjahr veranstaltete der Chor, der nach wie vor unter der Leitung von Dr. E r n st Zander steht, einen Nichard-Sttauß-Abend, eine Ausführung von fjaydns„Jahreszeiten", zwei Weihnachtskonzerte und einen Peter-Cornelius-Abend. Für das kommende Jahr werden Wiederhalungen von Berlioz' „Faust. Verdammung" sowie mehrere Aufführungen von Handels „Iephta" und Bachs„Matthäus-Passion" geplant. Von Solisten- konzerten soll ein Weber-Abend und ein Beethoven-Abend stattfinden. Heimatmuseen als Rolwohnungen. Die durch die Wohnungs- not bedingte Beschlagnahme von Wohnungen ist leider auch aus ver- schieden« Heimatmuseen ausgedehnt worden. Wie in„Niedersachsen" mitgeteilt wird, ist das.Bauernhausmuseum in Scheeßel schon seit Jahren mit Zwongsmieiern belegt: das Museum in Nienburg an der Weser wurde in wenige Räume zusammengedrängt, während die anderen Zimmer zu Wohnzwecken verwendet wurden; dem Ober- harzer Museum droht die gleiche Gefahr, und aus anderen Orten wird Aehnliches berichtet. Diese Mahnahmen der Wohnungskommissare können nicht gut- geheißen werden, da dadurch wichtige Kulturstätten der Heimat- pflege dem Untergang überliefert werden. Bei einigem guten Willen hätten sich»»ohl andere Ausweg« gur Abhilfe der Wohnungsnot find« lagen. Ein interessanter Prozeß. Im Zusammenhang mit einem gegenwärtig laufenden Zivil- Prozeßverfahren wird in den nächsten Wochen einer der interessan, testen internatjonalen Strafprozesse wieder zur Aufrollung gelangen. Es handelt sich um den bekannten Bestechungsprozeß, der im Jahre 1913 gegen die Vertreter der deutschen Siemens- Halske-Gcfellschaft in Japan und gegen verschiedene hohe japanische Beattite und Admiräle vor japanischen Gerichten zur Durchführung kam. Er endete mit einer Reihe von Verurteilungen. In dem Prozeß war nachgewiesen worden, daß diese japanischen Würdenträger für die Vergebung von Staatslieferungen von der genannten deutschen Gesellschaft hohe Schmiergelder bezogen hatten. Der Prozeß war symptomatisch dafür, wie schon vor dem Kriege bei der Vergebung von Rüstungslieferungen skrupellos ver- dient wurde. Ein großer Teil der in Frage kommenden Aufträge bestand in der Lieferung von elekttischen Schiffsausrüstunzen für die japanische Marine. Im Kriege hat dieses deutsche Materiol vermutlich den Japanern gute Dienste gegen Deutschland geleistet. Bemerkenswert ist übrigens, daß im Zusammenhange mit die- fem Prozeß auch der damalige„Time s"-Vertreter in Japan von dem japanischen Gericht wegen Erpressung verurteilt wurde, weil er versuchte, die. kompromittierenden Briefe, die ein Angestellter der Siemens-Aktien-Gesellschaft dieser gestohlen, gegen eine sehr hohe Summe der Gesellschaft wieder zu verkaufen. Wenn schon der Bestechungsprozeß auf die Praktiken der betr. Gesellschaft kein gutes Licht wirst, so zeigt der kleinliche Anlaß, der die ganze Angelegenheit wieder zum Aufleben bringt, diesen großen deutschen Elektrizitäts» Trust von einer noch weniger guten Seite. Notschrei der Landjäger. Aus den Kreisen der Landjäger schreibt man uns: „Was dem einen recht ist, das ist dem anderen billig!" sagt ein bekanntes Sprichwort! Die maßgebenden Stellen, welche als Träger der Staatsgewalt in Preußen in Frage kommen, wie auch die untergeordneten Bezirks-Regierungen sollten dies in erster Linie bedenken. Aber dennoch scheint es, als ob diese Worte von den maßgebenden Stellen nicht immer beachtet würden. Daß dem tatsächlich so ist, das sieht man zur Genüge zurzeit daran, wie lange man die Beamten, besonders aber die Landjäger- beamten im Ruhrkohlengebiet, mit der Auszah- lung des erhöhten Ortszuschlages hinhält. Seit dem 12. Mai 1921 sind die Orte des Ruhrkohlengebiets durch Gesetz mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1920 in Orts- klaffe A eingereiht. Aber auch seit vielem Tage warten die Landjägerbeamten auf die Auszahlung der Ausgleichsgelder. Eine große Reihe anderer Beamten, wie die der Eisenbahn, Post u. a., wie auch die Lehrer, sind schon seit langer Zeit in den Genuß dieser Gelder gekommen. Nur die Beamten der preußischen Landjägerei, welche alle mit der Auszahlung schon lange gerechnet hatten, behandelt man in dieser Beziehung wie kleine Kinder, denen man schon zu Neujahr etwas zu Weihnachten verspricht. Sind sich die maßgebenden Stellen denn nicht bewußt, daß die Beamten hierdurch ihres schweren Dienstes überdrüssig werden müssen und denselben nicht mehr so wie stüher, und wie es die Regierung wünscht, versehen? Wer trägt die Schuld an dem Hin- schleppen der Auszahlung des Ausgleichszuschlages? Haben nicht die preußischen Landjägerbeamten, welche einen der schwersten und gefährlichsten Berufe haben, nicht dieselben Rechte wie die erwähn- ten anderen Beamtenkategorien? Wir Landjägerbeamte des Ruhrkohlenbeckens verlangen gleiches Recht für alle und ersuchen die maßgebenden Stellen, auf eine baldige Auszahlung des Ortsklassenausgleichszuschlages hinzuwirken.— Auch unsere Frauen und Kinder leiden Not unter der immer fortschreiten- den und stetig steigenden Teuerung. Da Gesuche und Beschwerden an die Regierung bisher ftuchtlrs waren, so nehmen wir die Flucht in die Oeffentlichkeit. Ein verlorenes Eiland im Aliantischen Ozean, die F e l s i n s e l R o ck a l l, 310 Meilen westlich von den Hebriden und 260 Meilen von der Nordtüste Irlands entfernt, hat jetzt der französische Ant- arktikforscher Dr. Charcot erreichen können. Die Mitglieder seiner Expedition haben dabei intercffante geologische Forschungen an- gestellt. Die ganz kleine Insel, fast nichts mehr als ein Felsen, der sich auf gefährlich breiter Basis bis zu 75 Fuß über dem Wasserspiegel erhebt, sieht fast wie ein Schiff aus und ist wegen der Gefahren, die mit einer Landung verbunden sind, noch nicht oft besucht worden. 1862 landeten ein paar Leute, kamen aber nicht bis zu dem Felsen, denn die Gegend ist sehr stürmisch und fünf Seemeilen im Umkreise liegt alles voller Felstrümmer, die 1904 einem dänischen Dampfer auf der Fahrt von Kopenhagen nach New Park gefährlich wurden: er sank bei nebligem Wetter in wenigen Minuten und von den 800 Pasiaaieren kamen 600 um. Die geologischen Untersuchungen, die die Mitglieder der neuen Expedition anstellten, bestätigten angeblich die Vermutung, daß hier der einzige über Wasser verbliebene Teil der legendären„verlorenen Länder" des Atlantischen Ozeans vorliegt. Es wäre dann der höchste Punkt eines weiten Plateaus, das etwa 100 Seemeilen lang und 50 breit ist und das sich unter See zum Teil bis zu einer Tiefe von etwa 500 Faden herab- gesenkt hat. Sie begraben das Kriegsbeil. Während es den sogenannten Kulturvölkern noch immer nicht gelungen ist, das seit sieben Iahren wütende Kriegsbeil vollständig zu begraben, haben zwei berühmte Indianerstämme des wildesten Wildwest aar kurzem diesen Schritt, wie aus Montreal berichtet wird, für sich definitiv und wortwörtlich zur Ausführung gebracht. Nicht weniger als 271 Jahre sind die beiden uns aus unserer Kindcrzeit wohlbekannten Jndianerstämme der H u r o n e n und Irokesen gegeneinander auf dem Kriegspfade gewesen. Jetzt er- folgte der Friedensschluß. Der historische Akt vollzog sich in der herkömmlichen feierlichen Zeremonie an den Gestaden der G e o r- g i a n- B a y, wo malerische Gruppen kriegerisch angetaner Indianer sich versammelt hatten. Plötzlich erschien ein großes Kanu, das den Häuptling der Huronen ans Land brachte. Einen Augenblick später erschien der Obcrhäuptling der Irokesen, und die beiden roten Männer schritten nun würdevoll zu dem Wigwam, das für sie er- richtet worden war. Der Irokese tat zuerst einen langen Zug aus der Friedenspfeife und reichte sie dann dem Huronen. Nach- dem auch dieser geraucht hatte, sagte der Irokese:„Nun ist Frieden zwischen unfern Völkern!" und der Hurone bestätigte es mit den Worten:„Es ist Friede" Nachdem alle anwesenden Indianer ab- wechselnd einen Zug aus der Friedenspfeife getan hatten, legten die beiden Häuptlinge ihre Hände dicht nebeneinander auf einen Krieastamahawk. Dann wurde ein großer blutroter Steinblock von einem Kran herniedergelassen und senkte sich langsam auf ein Bei l, bis er es bedeckte. Nachdem so dos Kriegsbeil begraben war, wandte sich der Hurone zu seinem neuen Freund und sagte:„Nun wollen wir wieder zusammen Elchtiere jagen." Eine Intereiinnte Geschichte des Zionismus von Na&rnn Sokolow Et weben in deutscher Neberietzung im Renaissance- Verlag Wien-New-Dork erschienen. Sie schildert besonders die zsonislische Arbeit im Kriege, die Ichließlich das englische Protektorat und die Festlegung ihres Zieles in dem Verjailler Text erreicht hat. Heilageöes preußisch« Ministerium des Innern, dahin erttürt, daß sie unbedingt die Notwendigkeit einer Polizei st undenverlänge- rung anerkennen. Das preußische Ministerium hat auch einen dahingehenden Antrag beim Reichsrat gestellt. Man hat sich in dieser Frage auch an den R e i ch s k o h l e n k o m m i s s a r, der das entscheidende Wort zu sprechen hat, gewandt. Dieser erklärt«, daß er einer Poiizeistundenverlängerung nur dann zustimmen könne, wenn eine uns günstig« Entscheidung in der oberschle- sischen Frage gefällt worden sei. Dann würde auch die Bundes- ratsverordnung vom 11. Dezember« 1916 aufgehoben werden können. Das„gefährliche' Slumengkeßen. Einer, der sich über das planischen ärgerte. Der Blumenschmuck auf dem Balkon ist bekanntlich die einzig« Sommerfreude, die sich ungezählte Tausende Einwohner der großen Steinwüste Berlin leisten können. Die sorgsame Behandlung der Balkonpflanzen ist daher auch eine Aufgabe, der sich die Hausfrauen mit besonderem Eifer unterziehen. Nun ist es im allgemeinen ver- breitete Annahme, daß man abends nach 10 Uhr und morgens vor 6 Uhr das den Pflanzen unentbehrliche Naß diesen in ausgiebigem Maße zuführen darf, ohne ängstlich darüber zu wachen, daß nicht einige Tropfen auf die Straße hinabrieseln. Don gewisser prin- zipieller Bedeutung war ein Straffall, der gestern das Schöffengericht Tempelhof beschäftigte. Das Hausmädchen einer in Berlin- T e m p e l h o f, Hohen- zollern-Zkorso IZa, wohnenden Familie M. hatte das Begießen der Blumen auf dem Balkon unter sich und widmete sich dieser Aufgabe des morgens zwischen und 6 Uhr. An dieser Pflege der Pflanzen hatte der in demselben Hause wohnende Oberregierungsrat Schmidt Anstoß genommen, da es vorkam, daß bei ungünstigem Winde auch kleine Spritzer nach seinem Balkon getrieben wurden. Der Ober- regierungsrot, der aus gleichem Anlaß auch schon mit anderen Haus- bewohnern in Konflikt gekommen ist, schrieb dann an die Dienst- herrsckoft des Dienstmädchens einen Brief, in dem er verlangt«, daß beim Begießen.der Blumen vorsichtiger zu Werke gegangen werden müsse. Trotzdem will er bemerkt haben, daß ohne jede Vorsicht weiter gegossen wurde, und er hat sich 6 Fälle notiert, in denen zwischen 6 und 6 Uhr morgens beim Blumengießen so.geplanscht" worden sein soll, daß die gefährlichen Tropfen auf die Straße hüpften. Daß irgendein Passant.getroffen" worden sei, kann der Oberregierungsrat nicht bekunden. Er macht« nun ober Anzeige bei der Polizei und diese beglückt« das Mädchen mit einem Strafmandat über 3 9 M. Aus prinzipiellen Gründen beantragte der Hausherr des Mädchens gerichtliche Entscheidung. Er ging dabei von dem Gesichtspunkt« aus, daß ein« solche Bestrafung die Kons«- quenz haben würde, daß niemand mehr Blumen auf seinem Balkon halten könnte, denn er würde sich stet» der Gefahr aussetzen, von einem U ebelwollenden angezeigt zu werden, wenn wirklich ein paar Wassertropfen auf die Straße fallen. Der Amtsanwolt glaubte, daß man über die beeidete Aussag« des Zeugen Schmidt nicht hinwegkomme, und beantragte SSM. Geldstrafe. Das Gericht glaubte dem Mädchen, daß es auf seine Erkundigung den Descheid bekommen habe, solch« Baltonblumen dürften vor 6 Uhr früh und noch 10 Uhr abends unbehindert be- gössen werden. Nach dem Zeugnis des Oberregierungsrats müsse aber als festgestellt angesehen werden, daß das Gießen ohne die er- forderliche Norsicht stattgefunden habe, und es rechtfertige sich daher das auf 3 M. Geldstraf« lautende Urteil. Die Strafsache soll nunmehr die Instanzen durchlaufen. Sichert Euer Wahlrecht zum IG. Oktober! Ptllle diejenigen in der Altstadt«erlin wohnenden Personen, welche durch den Mogistrat der Stadtgemeinde Berlin, Zentralwablamt, 0 2, Stralau«? Straße 44/46, I. Hof Part, rechts, aufgefordert worden find, den Nachweis zu erbringen, daß sie be- reits feit dem 16. Oktober 1920 in der Stadtgemeinde Berlin wohnen, haben entsprechende Zuschriften an vorgenanntes Amt zu richten, oder sich dort mit ihren Beweismitteln einzufinden. Die in den Außenbezirken wohnenden Personen müssen sich an die Wahlämter ihrer Bezirke wenden. Die Schutzpolizei in Khaki. Als wir in den Tagen der fürchterlichen Hitze einmal darauf hinwiesen, daß die Schutzpolizeibeamten gezwungen' feien, ihren Außendienst in den dicken schweren Uniformen mit geschlossenem Donnerstag, 11. steifen Halskragen, mit schwerem Helm und schwerer Ausrüstung zu versehen— eigentlich also genau so wie die Soldaten der alten Zeit—, da erhielten wir«in« ganze Reihe von zustimmenden Aeuhe- rungen, teils aus den Kreisen der Schutzpolizeibeamten selbst, teils aber auch aus dem Publikum. Gerade diese letzteren Zuschriften be- wiesen, wie stark es bereit» ausgefallen ist, daß diese Beamten drei Jahr« noch der Umwälzung noch in einer Uniform Dienst tun müssen, die doch für die blaue Polizei vor dem Krieg' schon abgebaut wurde und einer leichteren Litewka mit niedrigem Kragm und be- quemerer Mütze Platz mochte. Der heutig« Zustand bedeutet zweifick» los«inen unerfreulichen Rückschritt. Aus Deamt.mkreisen wurde» wir auch daraus hingewiesen, daß 60 Proz. der Schutzpolizei- beamten über ein« Khatiuniform verfügten, so daß es in der Tat kein« Schwierigkeit verursachen würde, die leichtere Bekleidung allgemein durchzuführen. Die Oessentlichkeit aber hat «in bedeutendes Interesse daran, zu erfahren, welche Stell« denn wieder einmal so großen Wert darauf legt, daß die Beamten sich heut« schlechter stehen als im Jahr« 1914 und warum angesichts der großen Hitze die schon aus rein menschlichen Gründen notwendige Äenderung nicht sofort eingeführt worden ist. ver Einreisesschkvermerk nach Danzig. Gegenüber der Gepflogen den mancher polnischer Konsulate ist für die Einreise vo» Teulichland nach Danzig nur ein poln, scher Durchreiscsichtvermerk, nicht aber ein Einreisesichtveimeik durch die polnischen Behörde» erforderlich. Das ist, wie die.PPN." schreiben,«in wesentlicher Unterschied für den deutschen Geldbeutel, da der Durchreiseficht- vermerk nur 10 M. kostet, der Einreisesichtvermerk eineS Passes jedoch 200 M. Mehlsegen aus der Straße. Gestern vormittag spielte sich in der Alexanderstraße im Angesicht des Polizeipräsidiums«ine Szene ab, die bei den Beteiligten die verschiedenartigsten Gefühl« erzeugt. Als ein mit Mehlsäcken hochbeladmer Wagen die Straßenbahnschienen kreuzte, geriet er derart ins Schleudern, daß eine Anzahl Mehl» säcke aufs Straßenpflaster fiel und ein Teil ihres In- Halts unter Entwicklung einer lveißen Wolke den Weg ins Frei« nahm. Während der Kutscher mit einem heiteren und einem nassen Auge sein« Säcke beiseite schaffte, um den starten Wagenoertehr nicht zu behindern, stürzte sich die Jugend, aber auch manche Haus- frau auf die kostbare Beut«, und es war ergötzlich zu sehen, wie Not erfinderisch macht. Mit beiden Händen scharrte man das Mehl zu- sammen und füllte es in Handtaschen, Kopftücher und Zeitung»- papier. Sogar«in« Dertehrsstockung hatte dieses Intermezzo zur Folg«, da die eifrigen Mehltratzer weder die„Elektrischen" noch die sonstigen Fuhrwerke auch nur im geringsten beachteten und diese gezwungen waren, zu halten. Nachdem das Schlachtfeld endlich ge- räumt war, beseitigt««in Sprengwagen durch eine gründliche Dusche die Reste des schönen weißen Kuchenmehls. Zu dem tclchenfund tm Engelbeckeu wird noch mitgeteilt, daß weitere Leichenteile gestern gesunden worden sind. Leider ließ sich die Persönlichkeit der Toten noch nickt feststellen. Der zusammen- gesetzte Kopf ist im Leichensckauhause zur Nnflckt für das Publikum ausgestellt, nickt, wie zuerst mitgeteilt, im Poli-ei- Präsidium. Zweckdienliche Angaben sind an Kriminalkommissar Dr. Riemann, Zimmer 36, des Berliner Polizeipräsidiums zu richten. Die Allgemeine Deutsche S«If»irt»messe sagt für die Zeit vom 21. bis 23. September ihre seckfle große Tagung in der„Neuen Welt" an. Da die alten massiv gebauten Räume mit ihren fünf Hauptsälen und 12 Nebenräumen sckon lange nickt mehr genügen, wächst zu den Meßtagen eine zweite Messe in Form einer Interims« halle aus der Erde, die aus elegant eingerichteten Kojen bestecht.i�ll. Rückgang der Ehejchließuugeo in Reuköllu. Nach dem neueste» standesamtlichen Ergebnis kann in Neukölln unter Gegenüberstellung der im Jahre 1920 und der während des ersten Halbjahres 1921 beurkundeten EheickließunPN ein nicht unweseritlickcr Rückgang be- obacktet worden. Eingegangen wurden vor den Standesämtern I— HI Neukölln im Jahre 1920 insgesamt 8420 Eben, bei gleichmäßiger Berteiluna auf da« Halbjahr mitbin 1710. Demgegenüber beträgt die erste HalbjahrSziffcr für 1921: 1339. bleibt also um 371 hinter derjenigen deS VorbalbjahreS zurück. Hieraus ergibt sich erstmalig die hemmende Beeinflussung de« normalen Fortgangs der Ehe- sckließungSziffer durch die bestehende Unmöglichkeit zur Beschaffung ausreichender Wohngclegenheit. weizenmehlverkeilung. Auf Abschnitt 9 der Groß- Berliner LebenSmitlelkarte entfallen 600 Gramm amerikanisches Weizenmehl zum Preiie von 6,80 M.(7,25 M. je Kilogramm). Die Ausgabe erfolgt odne Boranmeldung tn der Zeit vom 12. August bis ein- schließlich 27. August a) in den durch blaue Aushängeschilder kennt« Nr. 375 �38. Jahrgang Gro&berMl Lei den Spitzenkünstlern. Im Staatlichen Kunstgewerbemuseum, Prinz- Albrecht-Str. 7, ist die Ausstellung„Spitzen und Pelz- mode" eröffnet worden. Sie wird vom Verband der beut- scheu Modeindustrie e. V., Berlin, veranstaltet, ist tag- lich von 10— 6 Uhr geöffnet und dauert bis zum 21. August. Im Lichthof des Kunstgewerbemuseums sind Fabrikate der Einzelaussteller verschiedener Firmen aus der Pelz-, Kleider-, Hut-, Wäsche« und Stickereibranche zur Schau gestellt; hier fallen indessen auch die ausgestopften Tiere auf, die für Belehrungszwecke vom Zoologischen Museum in Berlin entliehen worden sind und die den Besuchern zeigen sollen, wie die beliebtesten Pelztiere im lebenden Zustand aussehen, und die den Beschauer über Form, Farbe und Größe der echten Felle aufklären dürften. Im ersten Saal, im V i t r i n e n r a u m, hat die V o g t l ä n d i s ch e S p i tz e n- i n d u st r i e in Wandschränken und Glaskästen ihre Maschinen- st i ck e r e i e n untergebracht, im Saal 2, im Pyramidenraum, werden hauptsächlich Kleider untergebracht, die mit P l a u e n e r Spitzen oerarbeitet sind. Kissen und Zierdecken vervoll- ständigen diese reiche Spitzenschau.„Lebensgemeinschaft" ist der dritte Raum genannt, in dem besonders die P l a u e n e r Spitze zur Geltung kommt. Hier sind drei Zimmer eingerichtet worden, ein Schlaf-, ein A n t l e i d e z i m m e r-, ein Kleinkinderzimmer, sämtlich mit sehr viel Spitze, mit Stickereien in Weiß, ausgestattet. Der vierte Saal ist„S t r a ß e n r a u m" ge- nannt worden, auf zwei Podien sind die Stickereicrzeug- nisse der Gruppen Auerbach und E i b e n st o ck ausgestellt. Die deutschen Spitzenschulen und die k u n st g e w e r b- l i ch e n Erzeugnisse einiger Einzelaussteller sind im Raum 6 unter- gebracht. Ganz besonders interessant ist der große Saal 6, der Maschinensaal. Hier führt die Dogtländische Maschinenfabrik zwei Stickereimaschinen im vollen Betriebe vor, eine Pantograph- und eine Automatmaschine. Es handelt sich hier um zwei besonders kleine, für die Ausstellung konstruierte Maschinen. Bei den original- großen Maschinen beträgt die Länge 9,20 und 13,60 Meter. Die Maschinen liefern 40 000 bis 60 000 Stiche pro Tag und können jedes Muster in jedem Material ein- und mehrfarbig sticken. Beim Pantographen arbeitet ein Sticker, bei der Automatmaschine ein Kartenmuster. Die Automatmaschine wird hauptsächlich für Wäsche- stickereien verwendet, die Pantographmaschine kommt ausschließlich zur Herstellung von Spitzen in Betracht. In diesem Saal werden mit Hilfe von Bildern die Herstellungsart und der Werdegang der Dogtländischen Spitze in den einzelnen Phasen vom Rohmaterial bis' zum fertigen Stück gezeigt. Die Ausstellung ist sehr reich be- schickt worden, die Plauener Spitzen- und Stickereiindustrie sowie die Gruppen Auerbach und Eibenstock, zwei typische Spitzenstädt«, der Verband der Spitzen- und Tüllgroßhändler, bekannte Mitglieder der Kürschnerinnung haben ausgezeichnete Stücke vorgeführt. Be- sonders beachtenswert sind die Erzeugnisse der einzelnen Spitzen- schulen, in denen vorzugsweise Heimarbeit von Frauen und Mäd- chen geleistet wird. Auch Tülle und Stickereien sind reichlich ver- treten, manche Technik erinert an die prunkvolle Aeußerlichkeit der siebziger Jahre, zuviel Farbe, überhaupt zuviel... Fast olle Wäsche- stücke sind mit Hand- und Maschinenspitzen versehen, die Handweiß- stickerei wird für diese Arbeiten vielfach gern verwendet. Diese Ausstellung hat ihre eigene Note, sie kommt für deutsche Käufer kaum in Frage, sie soll indessen das Ausland von der Ar- beitswilligkeit, von der geschmackvollen Arbeit, die bei uns geleistet wird, überzeugen und kaufkräftige Ausländer für diese Industrien interessieren. Der deutsche Arbeiter zeigt auf dieser Ausstellung sein ausgezeichnetes Können, seine gediegene Leistung, sein« ausge» fprochene Qualitätsarbeit. Die Ausstellung bedeutet einen unver- tennbaren Fortschritt der deuffchen Industrie, ganz gleich, ob es sich um Hand- oder Maschinenarbeit handelt: der Mechaniker, der Zeichner, der Sticker, der Schneider, der Kürschner, ein Heer von Männern und Frauen, gibt auf dieser Ausstellung seinen uner- schütterlichen Arbeitswillen kund. Die neue polizeistunöe. Verfängervng bei uns günstiger Oberschlesienenkschesdung. Zu den Verhandlungen des Gastwirtsgewerbes und der zu» ständigen Stellen über«in« weitere Verlängerung der Polizeistunde wird vom Deuffchen Gastwirtsverband mitgeteilt: In den Beratungen haben sich die Ministerien aller Länder, und insbesondere auch das Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. 20. Behrens bezog ein Zimmer in der Nähe der König- grätzer Straße, in einer schmalen Seitengasse, die nur wenig Licht bekam und die deshalb düster, müde, stumm und ver» braucht aussah. Etwas Unerklärliches zog ihn gerade zu solchen Gassen hin, deren Leben gestorben schien oder in der Agonie lag, zu Gassen, deren Bewohner kaum zu sehen waren, die hin und her huschten wie Schatten und die für einander kein Wort. kaum einen Blick hatten. Sie glichen einer großen Gruft, in die man sich freiwillig legte, um in Ruhe nachdenken zu können, wenn man alt war. Denn wenn auch die Fäden des Lebens auf tausendfache Art verwirrt schienen, so wurde es einer ruhigen Hand am Ende doch nicht schwer, sie zu entwirren. Man mußte nur das eine Prinzip erfaßt haben, nach dem alles gewirkt war, um den Weg durch die Irrgänge der Vergangenheit zu finden. Er hatte an einer der schmutzigen Türen ein Plakat ge- sehen:„Möbliertes Zimmer zu vermieten, III. Stock, bei Piesecke." Er stieg die abgetretene Treppe hinauf, und es öffnete ihm eine weißhaarige Frau, eine Frau, mit eingefalle- nen Wangen und stumpfen Augen, die eine Weile die Segel- tuchtafche musterte, die er selber trug, und die dann«inen grausam abschätzenden Blick auch auf seine Person warf, um ihn schließlich einzulassen und das Zimmer zu zeigen. „Es hat einen separaten Eingang und ist ungeniert/' sagte sie,„aber die Miete ist im voraus zu bezahlen." „Wieviel?" fragte er. „Zwanzig Mark." Behrens entschloß sich sofort, das Zimmer M nehmen, vor allem wegen der Frau, deren abschreckende Häßlichkeit und bösartige Unzugänglichkeit ihn reizten. Er versuchte es, sie nach ihren Verhältnissen auszufragen, doch sie antwortete nur widerwillig und einsilbig, mit einer Stimme, denn Feindseligkeit keine Grenzen hatte. Sie war ohne Mann, und aus dem Wenigen, das sie sagte, schien her- vorzugehen, daß ihr ihr Mann, ein Arbeiter, davongelaufen war und mit einer anderen lebte. Auch Kinder hatte sie, indes verschwieg sie, wo und wie sie lebten. l In diesem Zimmer richtete sich Behrens, so gut es ging, ein. Und es ging vortrefflich, so daß er sich nach einigen Tagen wahrhaft glücklich fühlte. Alles, was in dem Zimmer war, roch nach Moder, und dieser Moder strömte einen suggestiven Zauber aus, dem sich Behrens mit Liebe hingab. Welche Abscheulichkeiten mochte jenes Sofa schon erlebt haben? Sein Plüsch war abgenützt und glänzte an vielen Stellen schon schwarz und speckig. Schadhafte Stellen waren darin, aus denen Roßhaar hungrig herausweinte. Bisionen einer erbarmungswürdigen Häßlichkeit und er- schütternden Vertiertheit stiegen vor Behrens auf. Auch ein brauner Schrank war da, der knarrte und stöhnte, wenn man ihn öffnete. Waren das nicht Töne eines Mißmuts, der sich verachtungsvoll von den Menschen ab- kehrte? Er knarrte auch des Nachts, und es war dann, als ob die Geister des bösen Gewissens in ihm rumorten. Eine dürftige Decke war über den Tisch gebreitet, das Bett war schmal und sein Holz faulte, und unter den Stühlen war keiner, dessen Beine nicht gewackelt hätten. Das ganze Zimmer war«in Bild verkommenen, eriösungsbedürstigen Lebens. Es gab zwei Fenster, die beide auf die Gasse hinaus- gingen, auf die dunkle, müde, stumme, verbrauchte Gasse. Die Scheiben waren blind, man hatte den Eindruck, daß sie jahrelang nicht mehr geputzt worden waren. Die verblichenen Tapeten waren an vielen Stellen zer- fetzt, die Mauern sahen nackt heraus, und der Teppich war eigentlich nur ein Hader. Doch:-in« ewige Ruhe war in dem Zimmer, deren sich Behrens nur um so intensiver bewußt wurde, wenn er nebenan in der Küche die schlürfenden Schritte der feindseligen Frau Piesecke hörte. Er verbrachte viele Stunden am Fenster. Die Scheiben schauten ihn traurig an, baten ihn gleichsam um Verzeihung, daß sie sich aus Schmerz über das Elend alles Daseins blind geweint hatten. Sie verstanden wohl die zitternde Erwartung, mit der er auf die Gasse hinunterspähte, gleichsam fordernd, daß ein Wunder sich unten ereigne, welches doch den schönen Sinn, den edlen Kern, die tief« Bedeutung des unzulänglichen Daseins dartue,— aber sie selbst erwarteten das Wunder nicht mehr, denn sie waren all geworden bei ihrem Warten. Oft während des Tages durchstreifte Behrens die Straßen. Er kreuzte den Potsdamer Platz, dessen brodelnder Wirrwarr ihn umstricke» und zu Bode« werfen wollte. Er ging die i Leipziger Straße hinauf und sah das tadellos und sauber funttionierende Getriebe der Warenhäuser. Er ließ sich traumverloren durch das Gedränge der Men» chen gleiten, der Männer, die ein Ziel hatten, der Frauen, die ein Ziel suchten, betrachtete den Reichtum, der seine Un- ruchtbarkeit hinter äußerem Glanz verbarg, die Armut, die ehnsüchtig oder neidisch oder verbissen nach einem glitzernden Strahl dieses Glanzes haschte, hörte das ungeduldige Läuten vieler Elektrischen die sich stauten, das Getute der AutoHupen, die Mücke der Kutscher, sah Mädchen, deren Tugend schon wurmstichig geworden war, kaum daß sie ihre ersten Knospen getrieben hatte, Jünglinge, denen niemand mehr etwas weis. machen konnte, alte Herren und Mntronen, deren schmerzliche Erkenntnis die eiserne Maske der Gleichgültigkeit aufgesetzt hatte... Oh, es waren wohl viele Menschen hier, doch redeten all« diese Menschen aneinander vorhei! Behrens unternahm oft Gänge, von denen er befriedigt heimkehrte. Er war einer, der sammelte und das Gewonnene emsig, wie eine Biene, in sein Haus trug, um es dort noch einmal eingehend zu prüfen und zu ordnen. Er erfuhr vielerlei und notierte es. Einer wies ihn zu einem Zweiten, der Zweite zu zwei anderen, und aus den ersten vier wurde bald ein Dutzend. Leder konnte ihm etwas sagen, und jeden hörte er an. Eines Morgens ging er in ein Haus und pochte an ein« Tür. auf der ein Schild angebracht war, das nur den Name» enthielt: W. Mannheimer. Das war recht wenig, und doch wüßte jeder, der mit de» geschäftlichen Verhältnissen der Stadt einigermaßen vertraut war, was dieser lapidare Name bedeutete. Er bedeutete Reichtum und Macht. Denn seinem Träger war es innerhalb eines Jahrzehntes gelungen, sich vom simplen Kommissionär zu einem der reichsten und geriebensten Wucherer empor- zuschwingen. Indes, wer in einem Wucherer noch den alte» Man» de? noch älteren Zeiten erwartet, den Shnlock mit habgierigem und leidenschastdurchwühltem Gesicht, dem würde« W. Mannheimer eine angenehme Enttäuschung bereitet worden sein. Behrens fand in diesem Menschen einen konzilianten Weltmann, der liebenswürdig lächeln und noch liebenswür» diger plaudern konnte, einen Mann gedämpfter Gesten und ange»ehmer Worte.(Forts, folgt.) lich gemachten VerkailfZstellen, d) in den Verkaufsstellen der Meierei C. Bolle, c) in den Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft und des BemntenwirtschaflSvereins nur für deren Mitglieder. TaS Soinmcrfest deö dritten Kreises findet am Sonn-zbend, den tll. Auauit. in den iSe.-, für Aind.M 7.5t)(Altersangab.>. Echt und wirlsam nur mst Marke„Medlco". Wo nicht erhältltch, wende man sich an Otto Reichel» Berlin 43,. <50, Eisenbahnstr. 4, Metall ankaulsstelle Osten, 1 Grüner Weg 80 zahlt Tagespreise für Kupfer, Messing, Blei, Zink etc. Deutscher Metailarbeitervcrb. Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Roch- richt, daß unser Kollege, der Klempner Wildelm Michels Neuk., Schlllerpromenade 7, am 30. ZuU gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwallung. Ankauf Juwelen MraMCo,. Kanomerstr. 9. Betliner tMWV SmffMsft ,—. Gehpelze. Ferner: Herren- anzüge, Ulster. Tutaways, Kostüme, Mäntel, Teppiche, Gardine», � Wäsche vertaust Leihhaus Moritzplatz 58:». Keine Lombardwarc. l3lK" «r-nzfüchie 85,—. Sämiliche Petzarten Hälfie herabgesetzte Sommerpreise. Keine Low» dardwarc. Leihhaus Rose». thalertor. Linicustrasie 203/4, Ecke Roscnthalcrsiraffe. 1S7K" Anzüoe, 250,-�, Covercoat 875,—. Gun:mimä»>el 275,—. Hosen 45.- Friedenssiofse. Keine Lombardware. Leihhaus Rosenthalerior. Linienstraffe 203/4, Ecke Rosenthalerstraffc. Krenzfüchse 200, Silber» fllchse, Zobelfüchse, Grau- süchse, Prachtexemplare. Rie- senouswahl zu bedeutend herabgesetzten, spottbilligen «ommerpreisen. Weinstein, Libauerstraffe 5, Fahrtverbin- dring Hoch-, Stadtbahn War. schauerbrücke__ 124K* Herrenhosen, gestreifte, bil- lig. 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Bewerbungen sind bis zum 25. August an Ferd. Grabsin, Flensburg, Alter Kupfermühlenweg 75, zu richten. 191/2 Sättgnngsfürsorgeschwester für unsere Säuglings» und Kleintinderilirsargeftelle zum baldigste» Antritt gesucht. Erfordernis: Staatliche Anerkennung als Kranken» und als Säuglingsschwester, soziale Borbiiduna. Gehalt 8 400—11000 M. in 16 Dienstjahren, hierzu Ausgleichs» zuichiag nach staatlichen Sätzen. Ein Prodesahr; während des» leiden 75 Proz. des Aniangsgehaits; alsdann bei Bewährung Anstellung auf Privatdienftoerlrag mit Rechtsanspruch auf Ruhegeld und Hinterbitebenenversorgung. Gestiche mit Ledenslaus und beglaubigten Zeugnis- abschritten sind uns bis zum 25. b. M. einzureichen. Neukölln, den 8. August 1921., 105/1 Bezirksamt 14. Politiscber Redakteur langjähriger Erfahrung auf politischem und gewerKschaitlichem Gebie'e als leitender Redakteur für Parteizeitung im Westen ——» gesucht__ Off. unt. ,L 25" an dieHauptexp i", Lindenstraße des„Vorwärts" ied. ie 3. 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In seiner heutigen Vormittagssitzung setzte der Oberste Rot die Besprechung der im Orient zu beobachtenden Neutralität fort und nahm einstimmig folgende Entschließung an: »Die Verbandsmächte beschließen, ihre hallung strengster Neulraliläi im griechisch-türkischen Krieg beizubehalten, d. h. di.e Vcrbandsregie- rungen find sich darüber einig, mit keiner Hilfeleistung irgendwelcher Art in den Kampf einzugreifen, ob es sich nun um Truppen- oder Waffensendungen handelt oder um Gewährung von Krediten." Dazu bemerkt havas: Diese Entschließungen sind selbstverständ- lich nicht so aufzufassen, daß sie irgendwie die Freiheit des pri- v a t e n Handels beeinträchtigen können, wie sie nach d.er derzeitigen Gesetzgebung besteht. Es geht vielmehr aus pem Wortlaut der Eni- schließung hervor, daß allerdings die Verbandsregierungen keinen der Kriegführenden in ihrer Eigenschaft als Regierung unter- stützen können, daß ober die Privatleute nach wie vor das Recht haben, auch fernerhin den Griechen wie den Türken Kriegs- Material zu liefern. Der Oberste Rat erörterte sodann die Frage der Freiheit der Meerengen. Man beschwerte sich von englischer Seite darüber, daß die Türken im Bosporus von den Bolschewisten mit Waffen versorgt werden. Es wurde daher verlangt, daß auch die Griechen ihrerseits- den Bosporus für ihre Operationen benutzen dürften. Im Gegensatz zu dieser Auffassung erklärte der französische Ver- tretcr, es sei sehr wichtig, daß keinerlei Kriegshandlung im Bosporus zur Ausführung komme. Es wird ein gemeinsamer Schritt der Verbandsregierungen bei den beiden Kriegführenden unternommen werden, um die Freiheit der Meerengen zu sichern. Zur Frage einer Vermittlung wurde folgende Entschließung angenommen: Die Verbandsregierungen behalten sich jede Möglichkeit vor, ihre guten Dienste als Vermittler anzubieten, sind aber der Ansicht, daß die Stunde noch nicht gekommen ist, um mit einem günsti- gen Erfolg eines derartigen Schrittes zu rechnen. Die griechische Offensive. eondon, 10. August.(TU.)„Times" vernimmt aus Smyrna, daß die zweite Phase der griechischen Offensive eingesetzt hat. Der Angriff begann fünfzehn Meilen nördlich von Bilejik. Die Türken ziehen sich zurück. Paris, 9. August, havas meldet aus Angora, daß nach einer Debatte über die militärische Lage die Militärbehörden im Einver- nehmen mit der Nationalversammlung beschlossen haben, Angora zu räumen und sich nach C ä s a r e a zurückzuziehen. National- Versammlung und Verwaltung würden nach Cäsarea verlegt. Um Sie öesatzungskoften. Paris. 10. August.(EE.) Die Konferenz der alliierten Ainanzminister beschäftigte sich heule mit der Frage der Unter- Haltungskosten für die Besahungsarmee. Visher waren die deutschen Zahlungen ungleich verteilt worden, wenn mau den wert der Saarbrrgwerke nicht(1) in diese miteinbezieht, hat Frankreich für seine Lesahungskaslen noch mehrere ZRillionen Goldmark zu beanspruchen. England hat eine Forderung von 500—700 Millionen Goldmark, dagegen scheinen die Velgien zuertcillen Summen seine Ansprüche bereits überschritten zu haben. Die Reparalions- kommifsion.hatte unlängst entschieden, daß 124 Millionen Goldmark. die sich in ihrem Vesihe befanden. England zu überweisen seien, das bisher von den deutschen Reparationszahlungen am wenigsten er- halten hatte. Aber die Forderung Englands wird weder durch diese Summe noch durch die von Velgien zu leistenden Rückzahlungen gedeckt sein, wenn jedoch di� von Deutschland abgelieferten Schisse zu einem höheren Preise als dem bei der Berechnung festgelegten verkaust würden, nämlich dem werte, den sie am Tage nach Abschluß des wassenslillftandes besaßen, so würde England nur noch sehr wenig zu fordern haben. Zn der gestrigen Finanzmivislersihung halte Robert Harnes erklärt, daß England die Rückzahlung der verauslagten Vekräge für die Vesahungskosten verlange, besonders angesichts des Umstandes, daß infolge der Währungsverluste die Auegaben Englands für die Vefatzungsarmee höher sind als diejenigen Frankreichs. Aus der Konferenz von hythe hatte Lloyd George vorgeschlagen, die Unterhaltungskosten der einzelnen Staaten gleichzusehen. Dieser Plan war jedoch von der Zustimmung Amerikas abhängig. Da diese nicht erfolgte, zog auch England seinen Antrag zurück, wenn man England die von ihm geforderten Rechte zuerkenne, so erhält es eine Priorität von V? Milliarde Goldmark. wodurch die belgische Priorität aus die deutschen Zahlungen in die zweite Reihe gedrängt würde und Frankreichs Forderungen erst in dritter Linie berücksichtig! würden. Andererseits hat Frankreich aber auch noch militärische Ausgaben, die noch nicht bezahlt sind, jedoch nur für den Fall, daß der Wert der Saarbergwerke nicht(!) in die Vesahungskosten einberechnet wird, wird dieser jedoch in Veiracht gezogen, so sind die militärischen Ausgaben Frankreich» gedeckt. Es wird sich also um die Frage handeln, wie der wert der Saarberg. werke oeranschlagt werden soll. Sachverstänöiger �oucheur. Paris, 10. August,(havas.) Minister Loucheur nimmt an den V e r a t u n g e n des Sachverständigen-Ausschusses über die oberschlesische Frage keil. Der Sachverständigen-Ausschuß ist heute nachmittag um Z Uhr erneut zusammengetreten, wahrscheinlich werden die Sachverständigen noch heute ihre Arbeiten beenden. Paris. 10. August,(havas.) Die Sachverständigen, die die oberschlesische Frage prüfen, kountem ihre Arbeil heule abend noch nicht beendigen. Der Oberste Rat wird deshalb die oberschlesische Frage erst morgen nachmittag aufs neue behandeln. Leobfchütz. Ein Telegramin des Deusschen Ausschusses in Leobfchütz an den Obersten Ententerat weist darauf hin, daß der Kreis Leobfchütz sich bei der Abstimmung mit 99,63 Proz. der abgegebenen Stimmen für Deutschland erklärt hat. Die Bevölkerung erwartet deshalb, daß er ungeteilt bei Deutschland bleibt, da die Bersailler Vor- aussegungen gegeben sind, nämlich der Zusammenhang mit Deutschland durch die für Deutschland günstige Abstimmung der Bezirke Oberglogau, Kasel und Oppeln gewährleistet ist. Sie wider- spricht auf das entschiedenste, daß auch nur eine einzige Ortschaft tschechoslowakischen Wünschen geopfert wird, wie dies in den jüngsten Tagen im Prager Parlament angedeutet worden ist.— Das Telegramm betont weiter, daß viele tausende Arbeiter aus den landwirtschaftlichen Gegenden Oberschlesiens, die auf ver heimatlichen Scholle keinen Unterhalt finden, im Industrie- bezirk ihr Brot suchen, was auch für die U n t e i l b a r k e i t Ober- fchlesiens spricht._ Deutsch-polnisches Wirtschaftsabkommen l Paris. 10. August.(EE.) Das„Giornale d'Italia" weiß von einem Wirtschaftsabkommen zu berichten, über das angeblich zwischen Berlin und Warschau bereits Verhandlungen schweben sollen. Diese zielen daraus hin. in der oberschlesischen Frage eine für beide Staaten befriedigende Lösung zu finden. Einflußreichere Kreise, als man anzunehmen geeignet sei, sollen in Polen die Auffassung unter. stützen, daß ein schnelles Einvernehmen mit Deutschland vonnöten sei. An der Spitze dieser Bewegung sollen Marschall Pilsudski and Außenminister S k i r m u n t stehen. Legerer würde einem Wirtschaftsabkommen mit Deutschland und einer militärischen Allianz mit Frankreich zustimmen. französischer Terror. Kasel, 10. August.(WTB.) Französische Patrouillen erscheinen fortgesetzt in den Ortschaften der Kreise Kofel und Großstrehlitz und nehmen ZNassenverhaflungen von deutschen vor, die sie dann nach Gleiwitz schaffen. Ejo wurden heute nacht Groschowitz, Kleinalt. Hammer und Slawentzitz von solchen Patrouillen heimgesucht und eine Anzahl von Deutschen verschleppt. Die polnischgesinnte Bevölkerung ergeht sich in Drohungen gegen die deutschen, die vielfach flüchten. — Die TU. meldet, es fei einwandfrei beobachtet worden, daß bei diesen Patrouillen polnische Insurgenten in französischer Uniform be- teiligt waren. Gleiwih. 10. August.(WTB.) General de Brantes richtete an den Oberbürgermeister ein Schreiben, in dem er ihn aufforderte, Zwangsmaßnahmen zur Einstellung der Tätigkeit der deutschen Ausschüsse für Oberschlesien in Kleiwitz zu treffen. Der Oberbürger. Meister antwortete, es sei dazu, nicht imstande, weil das deutsche Gesetz keine solchen Zwangsmaßnahmen gegen Institutionen, die im Interesse und zum Wohle des Voltes wirken, kenne. Von ähnlichen Maßnahmen gegen die polnische Volksvertretung in Oberschlesien, den Obersten polnischen Voltsrat, Hab« die Oeffent- lichkeit bisher nichts gehört. Mr Äufstandsflüchtige zur Beachtung! Auf eine Anfrage, ob diejenigen Personen, die infolge des Auf- standes geflüchtet sind, berechtigt seien, ohne besondere Ermächtigung nach Oberschlesien zurückzukehren, hat die Interalliiert« Re- gierungskommisston entschieden, daß diejenigen Flüchtlinge, die den Wunsch haben, nach Oberschlesien zurückzukehren, zu diesem Zuzeck ein Gesuch an den Kreiskontrolleur ihres Wohnsitzes zu richten haben. Die Luftfahrtvorschristen. Paris, 10. August.(WTB.) Dex Oberste Rat hat heute nach- mittag die Luftschiffahrtsabrüstungsbedingungen von Versailles geprüft. Als militärische Sachverständige wohnen der Sitzung bei: Marschall Foch, General Weygand, der italienische General Marietti, der englische General Sackville-West, der britische und der japanische Militärattache in Paris, General Watanabe. Paris, 10. August.(EE.) Die Fragen der Lufffahrt und ob die militärischen Kontrollkommissionen weiterbestehen sollen, wurden an das interalliierte Militärkomitee von Versailles, dessen Vorsitzender Foch ist, zurückverwiesen. Darauf beschloß die Konferenz die Ein- setzung einer interalliierten Kommission, die die Möglichkeiten der Ernährung Rußlands prüfen soll. Morgen soll dieser Gegen- stand weiterbesprochen werden. Die morgige Vormittagssitzung wurde abgesagt. leisteten und ihn so direkt förderten. Mehr als kiefgrtindig« Abhandlungen sind die knappen Zeitungsberichte, die in der Broschüre zusammengefaßt wurden, geeignet, den Weg zum wahren Völker- frieden zu weisen und die nationalistische Hetze hüben und drüben zu unterhöhlen, indem sie ohne parteiliche Boreingenommenhcit die Kullurichande des dritten Polenauistandes und ihrer Hintermänner beim Namen nennen. Ein besonderes Kapitel sind die FeslsteLungen über die wirtschaftlichen Folgen des Auistandes, die Ilar und ein» deutig beweisen, wie eng das zentrale Jndustrierevier mit Deun'ch- land verknüpft ist. Sie sind eine Mahnung, die in Paris nicht nngehört bleiben darf, wenn dort eine gerechte Entscheidung über Obcrichlesieii getroffen werden soll. Man will nicht erinnert sein. Anläßlich der am 6. August be- gangenen siebenjährigen Gedenkfeier des Einmarsches der Ersten Pilsudski-Legion über die damallge russisch-österrcichische Grenze ist in Przemyfl ein Denkmal enthüllt worden. Die pilsudski- feindliche„Rzeczpospolita" beanstandet die Feier, die an die Zusammenarbeit mit der österreichisch-deuffchen Heeresleitung er- Sowjetüisziplin. Revol, 10. August.(OE.) Die vor einiger Zeit in Moskau an- geordnete„Mobilisation" von 500 Kommunisten, die nach der Provinz entsandt werden sollten, um dort leitende Posten zu übernehmen, konnte bisher nicht zu Ende geführt werden. Von den 566 Kommunisten, die von den lokalen Parteiorganisationen vorgeschlagen worden waren, sind, wie die„I s w e st i j a" mitteilen, nur 375 von dem zentralen Mobilisationsausschuß" angenommen worden. Von diesen sind 92 wieder entlassen worden und 50 vor dem Ausschuß überhaupt nicht erschienen, darunter 35 ohne Angabe eines Grundes. Freiwillig haben sich nur 8 zur Mobil!- fation gemeldet. Die bis zur Zahl von 500 noch fehlenden sollen mobilisiert werden, sobald die bereits begonnene Registrierung der in Moskau wirkenden leitenden kommunistischen Beamten durch- geführt sein wird. Das Moskauer Bezirkskomitee der russischen kommunistischen Partei hat beschlossen, die kommunistische Fraktion aufzulösen, die sich unter den Insassen des B u t y r k i- G e f ä n g n i s se s(das Moskauer Zentralgefängnis, wo auch die Opfer der Tschcka unter- gebracht werden) gebildet hatte: ihr war eine besondere Abteilung des Gefängnisgebäudes eingeräumt worden, wo sie Vergünstigungen der kommunistischen Gefängnisoerwaltung genoß. Gegen öen Tannenbergrummel. Für den kommenden Sonntag ist unter Leitung der„staats- bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft" in Königsberg eine Tannenbergfeier geplant. Gegen diese Feier haben, wie eine Berliner Korrespondenz mitteilt, die drei sozialistischen Parteien in Gemeinschaft mit der Gewerkschaft»- kommifsion Stellung genommen und wollen eine Gegen- demonstrotion ins Werk setzen. In der sozialistischen Presse der oftpreußischen Hauptstadt wird ein Aufruf zu einer Protest- demonstration gegen den imperialistischen Kriegswahn- sinn veröffentlicht, die auf demselben Platze wie die Tannenberg- feier und zu derselben Zeit stattfinden soll. Der Aufruf ruft zum Kampfe gegen den Kapitalismus, Militarismus und Imperialismus auf, zur einmütigen Demonstration gegen alle reaktionären Kriegs- gelüste, gegen monarchistische Treibereien, für die sozialistische Rcpu- blit, gegen die Klassenjustiz, für die Freiheit der politischen Ge- fangenen, für die Aufhebung des Belagerungszustandes und für den wahren Weltfrieden. Ein Engländer über Oberschlesien. Die unter diesem Titel im Verlag für Sozialwisiensckiaft erschienene Broslbüre, die von unS in anderem Zusammenhang bereits erwähnt wurde, ist. zugleich ein wertvolles Kulturdokument und ein vernndtendes Urteil über die Friedensvertragspolitik der Franzosen in Obcrichlesien. Ter Ver- fasser, der Berliner Korrespondent des liberalen„Manchester Guardian", ist selbst im Ausstandsgebiet gewesen und hat aus nächster Nähe da? Treiben der Besatzungstruppen beobachtet. Wie- wohl er die Rolle der zur Untätigkeit verurteilten Engländer und die Demütigung seiner Landsleute durch die polenfreundlichen Franzosen mit eigenen Aupen sah, versuchte er auch den Ansständischen gegen- über gereckt zu bleiben. Der Versuch ist ihm geglückt, wenn auch dabei iür die Deutschen manche harte Wahrheit abfällt. Vernicktnd aber sind die Berichte, wo sie die Leiden der deutschen Bevölkerung ichrldern und die Untätigkeit der Franzosen, die mit ihrer offenen Sympathie für Polen der Ausbreitung des Aufstandes Vorschub innere. Die braunschweigischen Polizeibeamten protestierten am Diens- tag in einer Versammlung gegen die Verfügung des Slaatsministe- riums, nach der alle„Stahlhelmpolizisten" zu entlassen seien. Der Protest wurde dem Reichsntznisterium des Innern weitergesandt. Aus der Wolff-Meldung geht nicht hervor, ob diese Entschließung Willensausdruck der braunschweigischen Polizei oder, was uns wahr- scheinlicher dünkt, lediglich der Gesinnungsfreunde der Stahlhelmler war. Es wäre zu begrüßen, wenn das braunschweizische Staats- Ministerium baldigst eine Darstellung der Angelegenheit geben würde. Wirtschaft Das Preisdiktak der Sarkelle. In der Textilindustrie wird über das Preisdiktat der Konventionen und Kartelle besonders Klage geführt, weil nack dem Konjunkturumschlag um die Mitte des vorigen Jahres auch der Einzelhandel davon schwer Oetroffen wurde— solange der Verbraucher bei der steigenden Preiskurve allein die Zeche zu zahlen hatte, nahm man die Sache weniger genau. Interessante Fälle berichtet jetzt die Pressekorrespondenz des Konfektionseinzel- bandeis, die u. a. schreibt: Bei der Frage de« Preisabbaues ist die erste Notwendigkeit zur Lösung des Problems ganz zweifellos die, daß man allen künstlichen Widerständen, die einem Preisabbau ent- gegenstehen, energisch zu Leibe rückt. Eine nickt zu unlerschätzende Rolle spielen die sogenannten Preiskonventionen. Interessen- verbände der Industrie oder des Großhandels, die es ihren Mir- gliedern unter VerWirkung einer hohen Konventionalstrafe verbieten, die inLieferungsverträgen festgesetzten Preisennachzulassen, sclbstwenn die wirtschaftlichen Verhältnisie, welche für die ursprüngliche Preis« Vereinbarung bestimmend waren, sich vollständig geändert hoben. AuS der großen Menge derartiger, volkswirlfchafilich ungemein schädlicher Fälle sei hier ein besonders schwerwiegender heraus« gegriffen. Eine Herrenkleiderfabrik in Berlin nahm vor geraumer Zeit größere Aufträge zur späteren Lieferung entgegen, und zwar zu den damaligen Tagespreisen. ES gelang ihr aber insbesondere die Futterstoffe billiger als vorgesehen einzukaufen. Die Firma berücksichtigte da« auch in ihrer Kalkulation und forderte bei Lieferung der Ware naturgemäß einen niedrigeren Preis als den ursprünglich vereinbarten. Durch eine Konkurrenzfirma wurde dieser konventionswidrige Preisnachlaß dem Verband der Konseklions- industrie, welchem beide Firmen angehörlen, mitgeteilt. Dieser hatte nichts eiligere» zu tun, als die Firma, die, weil sie nickt wuchern wollte, gegen die Konventionsbcstimmungen des Verbandes verstoßen hat, vor daS VerbandSfchiedsgerichl zu laden, um zur Zahlung einer beträchtlichen Konventionalstrafe verurteilt zu werden. So fördert der Jndustrieverband den Preisabbau! Einen ähnlichen Weg schlagen eine Reihe von Tuch» fabrtkanten ein, die dem Tuchgrossisten den BerkaufsMis fborschreiben utzd sie schriftlich verpflichten, den betreffenden ArKel nicht billiger aus den Markt zu bringen, obgleich nach deren Ansicht der erzielte Gewinn viel zu hoch ist. Hier ist es wirklich angebracht und an der Ordnung, daß die Behörden regelnd in das Wirtschaftsleben eingreifen, um derartige Auswüchse wirk- sam zu bekämpfen. Man darf daS Gebabren der Preiskonventionen nicht au« dem Auge verlieren, zumal sich diese heute stärker denn je fühlen. Sie gehen heute sogar so weit, daß sie Nicktmitglieder, die also nicht an die Konventionsbestimmungen gebunden sind, durch Materialsperre unter ihren Einfluß zu bringen tiackten, weil sie dann in der Lage sind, ohne jede Gefährdung seitens irgend- eines Außenseiters der Presie zu diktieren. Derartige Monopol- bestrebungen bedingen nur eine Steigerung der Gewinne eiiuger weniger Fabrikanten auf Kosten der Allgemeinheit. Der baldige Erlaß eines diese Auswüchse beseitigenden Kartellgesetzes ist eine dringende Notwendigkeit. Produklionsslalislik der Vereinigken Skaakcn. Heber den Stand der Produktion der Bereinigten Staaten vor und nach dem Kriege geben einige vorläufige Angaben über die Ergebniffe der letzten Betriebszählung Auslunft, die 1919 stattfand. Diese Zählung erfaßt nur solche Betriebe, bei denen der Wert der Jahresproduktion den Betrag von mindestens 500 Dollars erreicht. Einen Vergleich mit den vorherigen Zählungen ergibt nachstehendes Bild:.. ZählÄng Zahl Zahl Wert der des der der Jahresproduktion JahreS Betriebe Befchäfligien(in Mill. Doll.) 1904 268 491 6 SIS 046 20 672 1914 275 791 7 036 337 24 246 1919 288 376*) 62 589 •) Noch nicht veröffentlicht.,, Die bedeutende Steigerung des Wertes der Jahresproduktion ist zu einem Teil auf die Preissteigerung zurückzuführen, die im Jahre 1919 ihren Höhenpunkt erreichte. Ueberall da» Gleiche. Aehnlich wie in anderen Ländern find auch in Japan die Großhandelspreise bedeutend zurück- gegangen, die Kleinhandelspreise dagegen viel weniger. Nach den Erhebungen der Bant von Japan stieg die Moßziffer der Kleinhandelspreise von der Grundzahl 100 im Jabre 1000 auf 125 kurz vor dem Kriege und dann auf 425, um später auf 267 zurückzugehen. Die Meßziffer der Kleinhandelspreise stieg von T00 im Jahre 1904 auf 100 unmiitelbor vor Kriegsausbruch Ulid auf 417 zur Zeit der größten Teuerung, um seitdem nur bis auf 307 zurückzugehen. Teilweise wird der große Unterschied zwischen Groß- und Kleinhandelspreisen auf den Unistand zurnckgesührt, daß die Waren durch die Hände vieler Zwischenhändler gehen. Eine Organisation der Verbraucher fehlt vollständig. Verschiedenrlich haben pie Orisbehörden öffentliche Märkte er- richtet, doch bestehen sie noch zu kurze Zeit, um richtig organisiert zu sein. DaS zu ihrer Finanzierung verfügbare Kupiial ist lehr gering, es beträgt zum Beispiel für die Gemeinde Tokio 170000 Den. Mit Schuld an der Teuerung ist auch die große Zahl der Kleiiibändler, die hohe Preise fordern müssen, um bei der ge« ringen Anzahl ihrer Knuden ein Auskommen zu finden. In der Stadl Tokio allein gibt es 57 324 kleine VcrkanfSläden: es lnffl im Durchschnitt einer auf je acht Familien. Die Vereine der Händler, deren eS in der Hauptstadt 102 gibt, streben überdies dahin, den Verkauf der Waren zu niedrigen Preisen zu verhüten. Gute Mkkelernle in Mecklenburgs In einer Presicbesprechung zu Rostock teilte der Vorsitzende des LandeSgetreideamtes mit, daß man entgegen den schlechteren Meldungen auS dem Reich in Mecklenburg mit einer guten Mittelernte rechnen kann, namentlich in Roggen. GeVerkschastsbewegung Kampf in üer Serliner �olzinüuftrie! Tie Verhandlungen gescheitert! Unsere Leser sind davon unterrichtet, in wie hartnäckiger Weise die Berliner Holzindustriellsn die Forderungen ihrer Arbeiter a b- gelehnt haben. Im Reiche ist ein R e i ch s m a n t e l t a r i f ab» geschlossen worden, den aber die Dereinigten Verbände der Berliner Holzindustriellen nicht anerkennen. Am 4. August hat nun die Ortsverwaltung Berlin des Deusschen Holzarbeiteroerbandes den Berliner Industriellen erneut die Forde- rung vorgelegt, den Reichsmanteltarif anzuerkennen mit der Maß- gäbe, daß die in ihm vorgesehene bezirksweise Lohnrege- l u n g sofort in Angriff genommen wird. Zu diesem Zwecke wurde gleichzeitig die Unterlage eines Lohntarifes«ingereicht, in der«ine Z u l a g e v o n 1 M. auf die bestehenden Stundenlöhne ab 1. August gefordert wird. Die tariflichen Lohnsätze der Facharbeiter über 22 Jahre sind auf 7 M. bzw. 7,3» M. festgesetzt. In dieser VerHand- lung lehnten die Arbeitgeber ab, den Rxichsmanteltarif als Grundlage der Verhandlungen anzuerkennen. Bei den erstmaligen Verhandlungen konnten die Vertreter der Holzarbeiter eine bindende Erklärung nicht abgeben. Die Arbeitgeber sagten, daß sie in dieser Frage erst die Instruktion ihres Ausschusses «inholen müßten. Daraufhin wurden die Verhandlungen auf Mitt- «och, den 10. d. M., vertagt. Bei Beginn der gestrigen Verhandlungen gaben die Arbeitgeber eine recht lendenlahme Erklärung ab, in der mitgeteilt wurde, daß ihr Ausschuß den Beschluß der Generalversammlung nicht umstoßen könne und daß eine neue Versammlung einberufen werden müsse. Sie seien aber bereit, ab 8. August eine Zulage von 75 Pf. pro Stunde zu bewilligen. Auch w der Ferienfrage würden sie bereit sein, die Sätze des alten Reichstabifs anzuerkennen. Die Der- handlungskommissson der Arbeiter wies diesen Vorschlag mit Eni- schiedenheit zurück und forderte erneut als Grundlage der VerHand- lungen die Anerkennung des Reichsmanteltarifs, da sich aus seinem Inhalt nur allein die Lohnregelung herbeiführen läßt. Das Angebot einer Zulage von 75 Pf. muß schon wegen seines niedrigen Satzes zurückgewiesen werden. Danach würde der Durch- schnittslohn eines Facharbeiters über 22 Jahre nur 6.75 M. betragen. Die Arbeitgeber werden jetzt versuchen, die Arbeiter in den Be- trieben gegen die Verhandlungskommissson zu Hetzen, weil diese ohne jede Verhandlung den Vorschlag der Unternehmer zurückgewiesen hat. Demgegenüber betonen die Unterhändler der Arbeiter, daß sie unter allen Umständen jedes Angebot zurückweisen werden, wenn nicht vorerst der Reichsmanteltaris auch von den Berliner Holz- industriellen anerkannt worden ist. Die Verhandlungskommission hat die Absicht der Unternehmer durchkreuzt, die darauf hinauslief, die Rot der Berliner Holzarbeiter weiter auszu- nutzen. Sie hat den Fehdehandschuh aufgenommen und die Der- liner Holzarbeiter werden trotz der schwierigen Situation den Kampf zu führen wissen, nicht um des Kampfes, sondern um der Er- Haltung ihrer Existenz willen. In allen Betrieben, in denen der Manteltarif noch nicht unter- schrieben ist und die geforderten Lohnsätze nicht gezahlt werden, haben die Arbeiter sofort dem Verbandsbureau Mitteilung zu machen. Von dort aus werden die nötigen Anweisungen ergehen. Holzarbeiter Berlins, seid Euch de» Ernstes der Situation be- wüßt! Tretet ein für die Forderungen Eurer Organisation zur Verbesserung Eurer Lebenslage. Hebt Disziplin und Solidarität! Tie Erfassungs« und Ermittlungsbeamten aus dem ganzen Reich hatten Vertreter zu einer Konferenz entsandt, die am Mittwoch in Berlin tagte, um Stellung zu dem geplanten A b- bau dieser Organisation des Reiches zu nehmen. Als Vertreter der Reichsregierung waren die Geheimräte F e i k und Damm, sowie Oberregierungsrat G ö b« l anwesend. Ferner hatten der Zentral- verband der Angestellten und der Deutsche Gcwerkschaftsbund Vor- treter entsandt. Don der sozialdemokratischen Fraktion des Reichs- tags war der Genosse Stückten erschienen. K r e u s ch- Berlin führte in seiner Rede aus, daß die Erwitte- lungs- und Erfassungsabteilung des Reichsschatzministeriums auf- gelöst und eine Fahndungspolizei mit der Aufgab« betraut werden solle, Vermögensscbiebungen, Steuerhinterziehungen und sonstige Schiebungen aufzuoecken. Die bisher im Ermittelungs- und Er- faffungsdienst Beschäftigten fordern nun, geschlossen in die neue Polizeiorganisation übernommen zu werden. Sie wenden sich ent- schieden dagegen, daß nur solche Personen übernommen werden sollen, die den oberen Behörden genehm sind. Wenn für die Ein- stellung in die neue Organisation eine großangelegte Prüfung vor- gesehen werde, die Kenntnis eines ganzen Bündels von Gesetzen ver- langte, so müsse dem doch entgegengehalten werden, daß diese Kenntnis noch keine Gewähr für praktische Erfolge bieten würde, wie sie die Ermittlungs- und Erfassungsangestellten erreicht haben. Eine besondere Härte liege für sie deswegen in der Ent- lassung, daß es ihnen jchwer, wenn nicht ganz unmöglich sein würde, ein, andere Stell« zu finden weil sie sich bei allen Schiebern und Staatsbetrügern, sowie ihren durch Kriegsgewinn reichgewordenen Freunden verhaßt gemacht haben. Rur durch eine geschlossene Inter- essenvertretung können wir, so schloß der Redner, erreichen, daß wir insgesamt übernommen werden. Zu diesem Zweck haben wir uns mit den Gewerkschaften in Verbindung gesetzt. Geheimrat Damm bestätigt«, daß der bisherige Außendienst erfolgreich gewesen sei. Aber es ständen für die Zukunft nur be- MMie Oes«Weil SolMvellerMMes Freitag 7 Uhr lu der Lötzow-Brauerei, Prenzlauer Berg: öesthloßfassung über evtl. Streik Verbandsbuch und eegitimationskarle sind vorzuzeigen t Ohne dieselben leinen Eintritt! Die Ortsverwaltung. schränkte Mittel zur Verfügung. Auch werde von dek> Ländern darauf gedrängt, die Erfassungsabteilung nicht länger als nötig be- stehen zu lassen. Es sei nun der Vorschlag gemacht worden, einen Fahndungsdienst einzurichten und bei Einreihung in diesen auf die bisher im Erfassungsdienst tätigen Kräfte Rücksicht nehmen. Genosse Stücklen erklärte, daß die sozialdemokratische Frak- tion des Reichstages sich bemühen werde, dahin zu wirken, daß man die im Erfassungsdienst Beschäftigten nicht einfach auf die Straße setz«. Oberregierungsrat G ö b e! wies darauf hin, daß die Sache noch im weiten Felde liege. Eine Uebernahme int ganzen sei bei den bisherigen Beratungen nicht erreicht worden. Einzelne Landes- regierungen haben sich zur Uebernahme bereit erklärt, andere haben Schwierigkeiten gemacht. Der Gedanke einer Prüfung wird nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen sein. Regierungsrat F« i k: Es sei die Frage aufgeworfen worden, die Gewerkschaften zur Lösung der Aufgabe mit heranzuziehen. Wenn es auch nicht gesetzlichen Grundlagen entspreche, würde hier- durch doch die Möglichkeit gegeben sein, in geeigneter Weise zu ver- handeln. Man möge deshalb Vertreter dazu beauftragen. Die Vertreter der Gewerkschaften sprachen sich dafür aus, den hier angeregten Weg zu beschreiten. Sie schlugen vor, unverzüglich zur Wahl von Vertretern zu schreiten. Nach einer regen Aussprache wurden als Vertreter K r e u s ch und L e u t h o l d, als Ersatzmann B e r am a n n gewählt. Ein- stimmig angenommen wurde neben einer Resolution im Sinne des Referates ein Antrag beim Reichsschatzministerium um Zurück- nahm« der Kündigungen bis zur Uebernahme durch das Reichsschatzministerium vorstellig zu werden. Angestellte der Reichstreuhandgesellschast! Wie uns der Zentralverband der Angestellten mitteilt, versendet die Leitung der Reichstreuhandgesellschast im Einvernehmen mit dem Angestclltenrat ein Schreiben, nach welchem die Angestellten ausge- fordert werden, wegen Abbau selb st zu kündigen, in welchem Falle ein halbes Monatseinkommen und bei Stellenlostg- kcit ein weiteres halbes Monatseinkommen zugesichert wird. Wir warnen die Angestellten vor diesem Angebot. Es wird Sache der Organisation sein, im Auftrage der Kollegenschaft bei be- obsichtigten Massenentlassungen eine Abbauentschädigung für alle Kollegen zu erwirken. Auf jeden Fall muß aber bei der Auswahl der zu Entlassenden die Reihenfolge des Paragraphen 13 der Ver- ordnung vom 12. Februar 1920 nach sozialen Gesichtspunkten inne- gehalten werden, was sich nicht ermöglichen läßt, wenn durch Unter- schriftsleistung der vorgenannten Schreiben Selbstkündigungen unter unzulässigem Druck herbeigeführt werden. Eine demnächst einzuberufende Versammlung wird diesen Be» strebungen hoffentlich ein Ende machen. Forderungen der oberschlesischeu vergorbeiler. Die Arbeit«- gemeinschasl der Berga: beiierverbände, der Metallarbeiterberbände und der Angestelltenverbände Oberschlesiens haben nach der Ten« bei dem Arbeitgeberverband der oberschlesischen Berg- und Hütten- industrie in Kattowitz den Antrag gestellt, die Arbeitnehmerschast am Erträgnis der K o h le n p r e i« e r h ö h u ng zu be- teiligen. Außerdem ist die Forderung einer.Aufstand S- zulage" an die Arbeitgeber gestellt worden. Die Lohnbewegungen im befehlen Gebiet. Der Buchdrucker» st r e i k hat eine weitere Ausdehnung erfahren. In Ingelheim werden sämtliche Zeitungen bestreikt. In Alzey, Bingen und R ü s s e l s h e i m wurden die Forderungen der Buchdrucker be- willigt. In M a i n z ist die Lage eher verschärft.— Von K o b l« n tz bis Kleve reichten die Tischler wegen Nichtbewilligung ihrer Lohnforderungen gemeinsam die Kündigung ein. Deutscher Holzarbeiterverbaad. Ab heute erfolgt die S u«- zahlung der Sonderbeihilfen an alle länger als 26 Wochen erwerbslosen Mitglieder unserer Organisation im MarinehauS, Ecke Brandenburger Ufer. Im Behinderungsfall de« Unterstützungsempfänger« kann eine Vertretung geschickt werden, die aber mit ausreichender Legitimation verseben sein mutz. Erwerbslose, welche zum Bezug der Unterstützung die Vor- auSsetzungen nicht erfüllen, jedoch glauben, Ansprüche erheben zu können, haben diesbezügliche Anträge bis spätestens Sonnabend, den 20. August, im MarinehauS, zu stellen. Die OrtSverwaltung. Arbeitslose Fabrikarbeiter. Die Auszahlung der Erwerbs- losen-Sonderbeihilfe für die Mitglieder de« FabrikarbeiterverbandeS findet vom Montag bis zum 20. August im Verbandsbureau statt. Erwerbslose, die inzwischen in Arbeit getreten find, können die Sonderunterstützung am Donnerstag, den 18. resp. Freitag, den 19. August, bis abends 6 Uhr, abholen. Diejenigen Arbeiter, die weniger als 26 Wochen arbeitslos gewesen find, müssen einen schriftlichen Antrag bei dem FürsorgeauSschuß bis zum 20. August stellen. Später eingehende Anträge können nicht be« rücksichtigt werden. SPD.-Bertrmunelente, SthitButSt« und CMtuit der M®. Freitag 6 Uhr im Sophien-Rcalgymnasium, Weinmeistersir. 15, Versammlung. Betrieberäte und Obleute Reulälla». Material zur EewerbegerichtZmahl ist ab 15., abends 5—7 Uhr, bei ttassuhn. Reulölln, Erlstr. 8, abzuholen. Mus öer Partei. Zum Görlitzer Parteitag delegiert der Sozialdemokratische Ver- ein Frankfurt a. M. die Genossen Konrad B r o ß w i tz, Walter L o e b und HanS Marckwald. Delegierte zur Frauenkonferenz ist Genossin Dr. Ouarck. Verantw. für den redakt. Teil: Dr.»rrner Peiser, Tharlottenbura: für«irzeiae»! Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vormärts-Berlag G.m.b.H., Berlin. Truck: vor» wärtS-Buchdruckerei u. BerlaaSanltall Paul Singer«t. Co.. Berlin. Linbenstr. i. Hierzu«in« Beilag« und Unterhaltungsbrilag«„Hrinnoelt". BilWe UlHnnel | Rindertalg..„.i..«........... PiumiS00! Kaninchen.................... pmS90! Rindfleisch ■50 Im eigenen Saft...... Dose mt Kochäpfel..................... �750». Kochbirnen..................piund i25 Pflaumen...................... p�d 300 Tafelbirnen.................. PNd 200 Tafeläpfel...................... Piund 1eo Semiise Neue Kartoffeln........ Piund 85»p Kohlrabi..................... M.ndei75pi. Einlegegurken............»wd I35 Wirsingkohl............... PNd 65pi. _ Frisches Fleisch. Schmorfleisch ahn*............ Pimni Supoenf leischphmd 8S0 Roastbeef'"" KneX.d 900 GehacktesRnd,<*p,"h1 0 00 12* Schabefleisch ph 1 200 Kalbskamm. P!� 9S0 Kalbskeulen pund II00 Wurst Rotwurst....................... p�nd II50 Grobe Mettwurst......»wad 1650 Bauchspeck gerBuchert, attslBndisch. P|und 17» WM-Betmet Suppenhühner.........„...piund 1400 junge Hühner.......... 8� Tauben...... 8 7 Rehblätter..................... Piund 1250 fische-Mutherwarett Bücklinge........................ PiUnd520 Schellfisch piund 8 Bund-Aale...................Bund 520 Kabliau koptlovln ganzen Flühen..... Pfund 3� KarbonadenspecklÄ* 1750 Schinkenspeck 1850 Mse- fette Margarine Bratfett.... Tifsiterkäse. Briekäse 850 gso .pm. 12°° 75° 8° , Pfand Corned beef 780 ausgewogen. . Pfund Marmelade ca. d0#/8 Zucker.... Pfund l40) Gebr. Kaffee aus eigener R&sterei Pfund Küchen Ttelllg, lackiert und lasiert von Me 450 an Aul Wunsch Zablunsserleichtcrnnx Stolzmann& Co. Belle-Alliance-Str, 100 Zinn u. Blei sowie alle Altmetalle kaufen zu Tagespieisen Metallschmslzwerke Wfldemaratr. 74 Telephon: Moritzplatz 9453 Geschlechtsleiden Harnröhrenleiden, frisch und speziell veraltet, Syphilis behandelt ohne Berufsstflrune Dr. med. Dammann* Heilanstalt Berlin MS, Potsdamer Straße 123 B. Sprechstunden: 9 bis II, 3 bis 6, Sonntags 10 bis II. Beiehr. Brosch. mit zahlr. Danksch r u. 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