Nr.380 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 188 Bezugspreis: Bierteljährl. 30,-, monatl. 10,-2 frei ins Haus, voraus zahlbar. Poft bezug: Monatlich 10,- einschl. 8u ftellungsgebühr. Unter Kreuzband file Deutschland, Danzig, das Gaar- und Memelgebiet, fowie bie ehemals deut fchen Gebiete Bolens, Desterreich, Ungarn und Luxemburg 20,- 2 fir das übrige Ausland 27, M. Boft beftellungen nehmen an Defterreich, Ungarn, Tschecho Glowatet, Däne mart, Holland, Buremburg, Schweden und die Schweiz Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbellage Heimwelt" und der Beilage„ Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 20 Pfennig Anzeigenprets: Die achtgespaltene Ronpareillezetle foftet 5,50 Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 150 M.( au läffig zwet fettgedruckte Worte), jebes weitere Bort L- M Stellengefuche und Schlafftellenanzeigen bas erfte Wort M. jebes wettere Bort 60 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Familien- An zeigen für Abonnenten Beile 8,- M Die Preise verstehen fich einschließlic Teuerungszuschlag Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 8 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin 6B 68, Sinden ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Morikblak 15195-97 Expedition Morikplan 11753-54 Sonnabend, den 13. August 1921 Das Völkerbundproblem. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Expedition und Inferaten Abteilung Morisplay 11753-54 Kleinbauerntum und Sozialdemokratie. Bon Peter Trimborn Köln. Die Artikel 15 der Völkerbundsfahung. tag durchaus verfahren, da sowohl Italien wie auch Japan sich zu dem englischen Grenzentwurf befannten, während Frankreich Zur Klarstellung der Rechtslage und des anzuwendenden allein seine Gegnerschaft aufrecht erhielt, weil eine solche GrenzDie Beröffentlichung des Entwurfs zu einem neuen Berfahrens bringen wir die in Betracht kommenden Bestim führung für Bolen ein wahrer Hohn auf jede Gerechtigkeit ge- Parteiprogramm in der Parteipreffe hat die Diskussion über mungen des einschlägigen Artikels 15 der Völkerbundsfagung wesen wäre, trotz aller Gründe, die ihm seine Haltung zu einer ge- eine Frage aufleben lassen, die mit mehr oder minder großer zum Abdruck: biertischen Pflicht machten, konnte Frankreich sich doch nicht dem Heftigkeit in der deutschen Sozialdemokratie seit Jahrzehnten Entsteht zwischen Bundesmitgliedern eine Streit Borwurf aussehen, nur durch seine hartnädigkeit das Wert umstritten wird: die Agrarfrage! Weite Kreise der frage, die zu einem Bruche führen könnte, und wird diese Streitfrage des Obersten Rates zum Scheitern gebracht zu haben. Briand war Partei fühlen instinktiv, daß, wenn der Sozialismus nicht nur nicht, wie im Artikel 13 vorgesehen, der Schiedsgerichts barber Ueberzeugung, man müsse aus der Sadgasse herauskommen, Theorie bleiben, sondern auch Praris, Wirklichkeit werden soll, Beit unterbreitet( Hier nicht der Fall, da kein Gutachten ein in die der Oberste Rat sich verfahren hatte, um zu vermeiden, daß dann auch jene bäuerlichen Schichten für den sozialistischen gefordert! Red.), so tommen die Bundesmitglieder überein, fie por den Rat zu bringen. Zu diesem Zwecke genügt es, wenn eine der daß Frankreich ganz allein dastehe. Daraufhin erklärte er sich mit Befreiungskampf gewonnen werden müssen, die, trotzdem sie Parteien den Generalsekretär von dieser Streitfrage benachrich einem Schiedsspruch des Völkerbundsrates einverstanden. ihrer Klassenlage nach unzweifelhaft zur Sozialdemokratie getigt; dieser veranlaßt alles Nötige zu erschöpfender Prüfung und Zur Aufrechterhaltung der Ordnung bis zur Entscheidung und fo- hören, noch immer Gewehr bei Fuß stehen. Aus dieser ErUntersuchung. dann zur Durchführung der Entscheidung werden Frankreich, Eng- fenntnis heraus sind ja auch die vielfachen Anregungen und Die Parteien haben ihm so schnell wie möglich eine Darle land und Italien Berstärkungen entsenden, dabei auf den Stand- Wünsche geboren, die zu dem Teil des Programmentwurfs gung ihres Falles mit allen einschlägigen Tatsachen und Beleg punkt zurückgreifend, den bereits vor dem Zusammentritt des laut geworden sind, der die Stellung der Sozialdemokratie zur stüden mitzuteilen; ber Rat tann deren sofortige Veröffentlichung Obersten Rates die französische Diplomatie vertreten hatte, mit an- Landwirtschaft regelt. Es ist zu begrüßen, daß endlich in der Der Rat bemüht sich, die Schlichtung der Streitfrage herbeigu beren Worten, die Inmarschsetzung neuer Truppen noch vor jeder führen. Gelingt es, jo veröffentlicht er, soweit er es für Lösung. Um die ganze Lösung nochmals zusammenzufassen, tann zweddienlich hält, eine Darstellung des Tatbestandes mit den gesagt werden, daß das vom Obersten Rat angenommene Verfahren zugehörigen Erläuterungen und den Wortlaut der Entscheidung. zu einer Entscheidung führen wird, die durchaus unparteiisch ist und von feiner Seite angefochten werden kann. anordnen. Kann die Streitfrage nicht ausgeschlichtet werden, so erstattet und veröffentlicht der Nat einen auf einstimmigen Beschluß oder Mehrheitsbeschluß beruhenden Bericht, der die Einzelheiten der Streitfrage und die Borschläge wiedergibt, die er zur Löfung der Frage als die gerechteften und geeignetsten empfiehlt. Jedes im Rate vertretene Bundesmitglied fann gleichfalls eine Darstellung des Tatbestandes der Streitfrage und feine eigene Stellungnahme bazu veröffentlichen, Der Der Rat fann in allen in diesem Artikel vorgesehenen Fällen die Streiffrage vor die Bundesversammlung bringen. Die Bundes versammlung hat sich auch auf Antrag einer der Parteien mit der Streitfrage zu befaffen; der Antrag ist binnen 14 Tagen zu stellen, nachdem die Streitfrage vor den Rat gebracht worden ist. Partei die Debatten über diese Frage, die für die Entwicklung unserer Partei von außerordentlicher Wichtigkeit ist, in Fluß tommt; der flärende Wert dieser Debatten wird auch nicht dadurch getrübt, daß gelegentlich in der Parteipresse bei Be sprechung der Agrarfrage Meinungen laut werden, denen nicht Die Absichten des Völkerbundes. zugestimmt werden darf, wenn die Partei sich bei ihrer Werbe. Paris, 13. Auguft.( EE.) Ueber die Absichten des Bölkerbun- arbeit draußen auf dem Lande zukünftig nicht selbst aus schalten will. des erfährt man bisher folgendes: Briand lud den Präsidenten des Bölferbundsrates, den: japanischen Botschafter Ishii ein, den Bölkerbundsrat einzuberufen. Ishii hat die Absicht. dies am 20. August zu tun. Man glaubt, daß der Oberste Rat zunächst einen Berichterstatter ernennen wird. Eine Woche später werde sich dann der Völkerbund mit der Angelegenheit beschäftigen können. Es gibt jedoch Zeitungen, die befürchten, daß sich die Verhandlungen des Völkerbundsrates über 6 Wochen hinziehen könnten. Auch Lloyd George scheint der Ansicht gewesen zu sein, daß der Völkerbund eine Entscheidung nicht rasch fällen könne; daraus erklärt sich auch der Umstand, daß er dem französischen Standpunkt Rechnung trug und der Entsendung von Truppen zustimmte. darf, weil sie Anlaß zu einer parteischädigenden Legendenbil Eine solche Meinung, die nicht unwidersprochen bleiben dung geben könnte, ist der Artikel 3 um Agrarpro. gramm" vom Genossen Otto Albrecht in Nr. 378 des Borwärts" vom Dienstag, den 2. August. Es ist nicht meine Absicht, mich hier zum Programmentwurf des Parteivorstan des kritisch zu äußern; was zu diesem verunglückten Entwurf zu sagen ist, ist entweder schon in der Parteipreffe zum AusDer Wortlaut dieses Artikels läßt also die Möglichkeit drud gekommen oder wird in Görlitz nachgeholt werden. Für ausdrücklich offen, daß der Rat des Bölkerbundes die Streit notwendig erachte ich es aber aus den vorstehend dargelegten frage der Bölfer bundversammlung überträgt. Diese Gründen, falschen Auffassungen entgegenzutreten, die in dem Möglichkeit verdient schon deshalb Erwähnung, weil die Bei der Sigung des Völkerbundsrates werden je ein deutscher schreiber ist durchaus im Unrecht, wenn er glaubt, daß sich Artikel des Genossen Albrecht geäußert werden. Der Artikel Böllerbundversammlung zufällig für den 1. September d. J. bereits einberufen ist. Nun wird bereits allenthalben davon und ein polnischer Vertreter anwesend sein können. Polen ist dieses sozialdemokratische Bauernpolitt erst dann mit Erfolg begesprochen, daß Bolen und Deutschland die Aufforde- Recht in den Bestimmungen der Bölkerbundakte ausdrücklich zugetreiben lasse, wenn einmal die Bodenvergesellschaftung eine rung erhalten sollen, Vertreter zur Tagung des Bölferbund standen, da es Mitglied des Bölkerbundes ist; Deutschland kann rates zu entfenden. U. a. teilt der„ Matin" mit, daß Polen dieses Recht beanspruchen, weil es in Oberschlesien interes als Mitglied des Völkerbundes bei der Tagung des Rates fiert ist. jedenfalls mit beratender Stimme zugelaffen werden Kabinettssitzung über Oberschlesien. foll und daß auch die Heranziehung eines de utschen Dele Heute mittag um 12 Uhr ist, wie die Ppr. hören, die Reichsgierten wahrscheinlich ist. Wir würden einen derartigen Beregierung zu einer& abinettssigung zusammengetreten, in der schluß selbstverständlich wärmstens begrüßen. Indessen geht fie fich neben der Behandlung anderer Fragen vor allem auch mit aus dem Wortlaut der Bölkerbundstagung nicht flar hervor, der durch den vorläufigen Ausgang der Pariser Berhandob eine solche Hinzuziehung der Vertreter Bolens und Deutsch- lungen geschaffenen Lage für Oberschlesien befaffen wird. lands auf alle Fälle erfolgen muß. Eine Londoner Meldung der Bossischen Zeitung" behauptet: „ Die Statuten des Bundes bestimmen, daß in einem Falle wie dem vorliegenden, wo die Angelegenheit eines Nichtmit gliedes dem Schiedsspruch des Bölkerbundes zur Entscheidung überlassen wird, der betreffende Staat aufgefordert werden muß, sich für den aktuellen Fall den Pflichten der Mitgliedschaft zu unterwerfen. Dieser Fall liegt für Deutschland vor." Dies ist aber nicht ganz richtig. Die Bestimmungen, auf die hier angespielt wird, betreffen den Fall, wo eine Streit frage zwischen einem Mitgliede und einem Nichtmitgliede des Bundes entstanden ist. Und hier liegt doch bekanntlich nur eine Streitfrage zwischen Frankreich und den übrigen Hauptmächten vor 2282 Amtlich ist übrigens die deutsche Regierung bis jetzt noch nicht in Kenntnis gefeht über den Gang und die Ergebnisse der Pariser Verhandlungen. Es bleibt auch zweifelhaft, ob der Oberste Rat überhaupt der deutschen Regierung offiziell Mitteilung zu kommen läßt über die jüngste Wendung der oberschlesischen Frage. Die Pleß- Rybnik- Bewegung. Condon, 13. August.( WTB.) Der Berichterstatter der Daily Mail" erklärt in einem Bericht aus Oppeln, da Rybnik und Pleß durch die franzöfifche Besetzung und die polnische Vorherrschaft von Deutschland abgeschnitten und ohne Beeinflussung von deutscher Seite seien, scheine die Bewegung gegen eine Zuteilung dieser Kreise an Polen aufrichtig zu sein. Es scheine wegen der schlechten Finanzlage Polens eine wirtschaftliche Unerfräglich teit zu sein, die beiden Bezirke unter polnische Herrschaft zu stellen. Hindenburg, 13. Auguft.( TU.) Die von Kattowitz kommenden Züge bringen eine Menge früherer Insurgenten und Haller foldaten mit, die, mit großen Paketen beladen, auf den einzelnen Stationen aussteigen und sich auf die Ortschaften verteilen. Auch durch Kattowitz famen von Schoppinig am Donnerstag abend Hallersoldaten mit der Straßenbahn, die in Richtung Zalenze weiter fuhren. vollzogene Tatsache" sein werde. Wenn wir die in dem Artikel geforderte ausnahmslose Vergesellschaftung des Grund und Bodens eine Forderung, die in dieser allgemeinen Fassung nicht nur unflar, sondern auch unsozialistisch ist wirklich einmal in der Praxis verwirklicht wäre, dann brauchten wir uns über die Frage, wie wir die Kleinbauern für den Sozialismus gewinnen fönnen, feine grauen Haare mehr wachsen zu lassen. Mit mir werden viele Genossen in der Partei der Meinung sein, daß wir sozialistische Bauernpolitik nicht erst in einer fernen Zukunft, sondern schon in der Gegenwart treiben können, wenn die Sozialdemokratische Partei durch ein fluges, praktisch brauchbares Agrarprogramm und durch eine praktisch- agitatorische neue Einstellung den wirt lichen. Bedürfnissen und Verhältnissen in der Landwirtschaft Rechnung zu tragen versucht. Bevor der Programmentwurf des Parteivorstandes in der Parteipresse erschien, habe ich in der Parteipreffe schon darauf hingewiesen, daß die Partei angesichts der sich in verschiedensten Teilen Deutschlands bemertbar machenden gegen den Großgrundbefiß gerichteten organi fatorischen Selbständigkeitsbestrebungen der Kleinbauern die Pflicht hat, das Erwachen der Kleinbauernschaft zum Klaffenbewußtsein, zum politisch- ökonomischen Denten nach Möglichfeit zu fördern. Diese gesunde Entwicklung, die ich besonders im Rheinlande in den letzten Monaten persönlich beobachten und verfolgen konnte, würde totsicher in dem Augenblick gänz lich unterbunden werden, wo die Partei den Fehler begehen würde und die in dem Artikel des Genossen Albrecht ausgesprochenen Gedankengänge fich programmatisch zu eigen machte! Deutschland im Völkerbundrat? Paris, 13. Auguft.( WIB.) wie„ Matin" mitteilt, wird Polen als Mitglied des Bölkerbundes bei der Beratung über die oberschlesische Frage jedenfalls mit beratender Stimme zugeZu einem brauchbaren Agrarprogramm brauchen wir laffen werden, auch die Zulassung eines deutschen Delegierten durchaus nicht die von Albrecht erhobene Forderung auf ,, auswahrscheinlich bestimmt werden. Das Blatt sagt, es sei nicht nahmslose Bergesellschaftung des Grund und Bodens". ficher, daß der Völkerbundsrat es übernehmen werde, die Grenz- Rafibor, 13. Auguft.( TU.) Am Donnerstag nachmittag fetzten Die Kleinbauern, die neben den Landarbeitern für die Sozial finie selbst festzusehen, was er bereits in der albanischen Frage ver- in der Umgegend schwere handgranatenbetonationen demokratie draußen auf dem Lande gewonnen werden können, weigert habe. Man erwarte von ihm aber, daß er in ethno- ein, die die ganze Nacht anhielten. Die Intaliener in der Umgegend unterscheiden sich vom modernen Proletarier wirtschaftlich nur graphischer und wirtschaftlicher Beziehung ein begründetes Gutachten von Ratibor standen infolgedessen in höchfter Alarmbereitschaft und dadurch, daß sie sich noch im Besize ihres Arbeitsabgeben werde, nach dem sich die oberschlesische Grenzlinie von selbst rückten nachts mehreremal in Lastautomobilen aus. mittels befinden. Der selbst erarbeitete Besitz" dieser ergeben werde. Einen Augenblid jei daran gedacht worden, die Oppeln, 12. Auguft.( BS.) Der Kommandeur der 91. franzö- Kleinbauern ist wesentlich verschieden von der fapitalistischen Frage den Bereinigten Staaten zum Schiedsspruch zu überweisen, fifchen Brigade, General Le Comte Denis, versammelte als Eigentumsform, die auf der Ausbeutung fremder Arbeit beaber die Haltung von Amerifa, das eine Einmischung in diefe euro- Kreistontrolleur des Kreises Hindenburg( also nur von Beuthen ruht. Das Erfurter Parteiprogramm, auf das sich der Genosse pälsche Frage ablehne, habe dazu geführt, daß dieser Plan fallen- nach Hindenburg versezt! Red.) die in seinem Bezirk befindlichen Albrecht beruft, ist zwar nicht der Weisheit letzter Schluß; daß gelaffen wurde. Infurgentenführer und warnte sie angesichts der in Paris an diesem Programm manches brüchig und überlebt ist, gibt Paris, 12. Auguft.( Havas.) Die Verweisung der Frage der entstehenden Schwierigkeiten vor unüberlegten Handlungen. Bevor ja eben Anlaß zu einer umfaffenden Programmrevision. DenTeilung Oberschlesiens an den Bölkerbundsrat wurde der Oberste Rat noch keine flare Entscheidung getroffen habe, dürfe noch ist die Behauptung unzutreffend, daß in diesem Parteiinden franzöfifchen Konferenztreifen günftig aufgenommen, an einen neuen polnischen Aufstand nicht gedacht werden. Nur im programm die Bergesellschaftung des Grund und Bodens" welche eine wirkliche Befriedigung zum Ausdruck bringen, engsten Einvernehmen mit den Franzosen dürften die Polen vor- ganz allgemein, also auch für die Landwirtschaft, gefordert daß diese heille und vermideste Frage damit aus dem Be- gehen und von diesen würde schon rechtzeitig die Weijung tommen, werde. Im ersten Teile des Erfurter Parteiprogramms, der reich ihrer Befoegniffe ontweicht. Die Lage erften am Donners- I wann ein Losschlagen der Polen erwünscht sei. Prinzipienerklärung, ist immer nur von einer Berwandlung " 27 des kapitalistischen Privateigentums an Produktion?- Mitteln die Rede— das Eigentupr der auf eigener Scholle hart frondenden Kleinbauern aber als„kapitalistisches" Privateigentum zu bezeichnen, würde denn doch ein wenig zu gewagt sein! „Wir sollten alles darauf anlegen, die Landarbeiterschaft restlos unserer Partei zuzuführen; damit ganz allein kann schon die Mehrheit der Landeoölkerung für sozialistische Zwecke und Ziele dienstbar gemachten werden." Auch diese Auffassung des Genossen Albrecht geht von irrigen Voraussetzungen aus. Es ist nicht richtig, daß die Mehrheit der Landeoölkerung zur Landarbeiterschaft zu rechnen ist. Die sorgfältigen Bevölke- rungsstatistiken der letzten Jahre beweisen geradezu das Gegen- teil. In großen Teilen Deutschlands, vor allein im Süden und im Westen, ist die Zahl jener Landarbeiter, die„nicht an dem Privateigentum in der Landwirtschaft interessiert sind", so oerschwindend gering, daß mit einer sozialistischen Er- kenntnis dieser Schichten für die allgemeine sozialistische Be- wegung auf dem Äande so gut wie nichts gewonnen wäre. Scharf muß auch der Auffassung widersprochen werden, daß eine Vergesellschaftung des Gnind und Bodens im I n t e r- esse pnserer Er'nährungswirtschaft ljige. Auch hier beweisen einwandfreie statistische Feststellungen der letzten Jahre das genaue Gegenteil. Aus eigener Beobachtung habe ich feststellen können, daß der Kleinbetrieb in der Landwirt- schaft infolge einer Reihe Umstände bedeutend ergiebiger wirt- schaften kann als der Großgrundbetrieb— eine Feststellung übrigens, die auch von amtlicher Seite in den letzten Iahren wiederholt bestätigt und statistisch einwandfrei belegt wurde. Was wir Sozialdemokraten zur Gewinnung der klein- bäuerlichen Schichten brauchen, ist neben einem klugen, den realen Wirklichkeiten Rechnung tragenden, jede Jllusionspolitik verurteilenden Agrar- Programm eine neue, auf die wirklichen Verhältnisse in der Landwirtschaft eingestellte Agitationstaktik und Agitations- praktik. Daran fehlt es: an der geistigen Umstellung der großen Masse unserer Parteisekretäre, Parteiredakteure und Ägitationsbeamten. Sie haben ein Menschenalter lang die Rekruten für den Sozialismus aus dem großen Reservoir den Industrie gewonnen und dabei leider versäumt, sich jener pro- letarischen Schichten anzunehmen, die ihrer politischen und öko- nomischen Lage nach ohne weiteres zum Proletariat zählen. Wenn neben dem zu schaffenden Agrarprogramm die Agitato- ren unserer Partei die notwendige geistige Elastizität besitzen, die zu einer derartigen Umstellung erforderlich ist, dann werden wir unzweifelhaft damit die Voraussetzungen schaffen, dv zu einer wirksamen, realpolitischen sozialistischen Bauern- Politik erforderlich sind._ Zeitungsverbot und Reicbsverfafsung. Das Organ der bayerischen Unabhängigen, die„Münchs- ner Morgenpost", ist auf eine unbestimmte Zeit verboten worden. Die Münchener Unabhängigen haben, weil der baye- rifche Landtag gegenwärtig nicht versammelt ist, an den Reichspräsidenten ein Telegramm mit der Mitteilung gerichtet, daß Polizeipräsident Poehner im Wider- s p r u ch zu Artikel 118 der Reichsverfassung das Ver- bot ausgesprochen habe. Es werde, so heißt es in der Mit- teilung an den Reichspräsidenten, der Vorwurf landesverräte- rischer Schreibweise erhoben; die Münchener Unabhängigen stellen daher die bis jetzt erschienenen 48 Nummern zur Prü- fung durch unparteiische Reichsbeamte zur Verfügung und er- warten die Sicherung der verfassungsmäßigen Rechte. Auch uns will scheinen, daß die Münchener Polizeidirek- tion nicht die geeignete Behörde ist, den Artikel 118 der Reichs- Verfassung richtig auszulegen. Dieser Artikel, der einer der wichtigsten des zweiten Hauptteils der Verfassung ist und unter den„Grundrechten und Grundpflichten der Deutschen" an führender Stelle steht, gibt jedem Deutschen das Recht, innerhalb der Schranken der allgemeinen Gesetze seine Mei- nung durch Wort, Schrift, Druck, Bild oder in sonstiger Weise frei zu äußern; er betont ausdrücklich, daß eine Zensur nicht stattfinde. Wenn man die bayerischen Organe der bürgerlichen Süöamerita in Serlin. Unser Völkerkunde-Museum beginnt jetzt die Forde- rung, seinen reichen Besitz in eine�5 ch a u- und eine Studien- s a m m l u n g zu gliedern, in seinem alten Hause(Königgrätzer Ecke Prinz-Albrecht-Stroße) durchzuführen. Die Aussicht, nach dem Kunstgewerbemuseum und nach Dahlem hin Ausdehnungsmöglichteit in absehbarer Zeit zu erhalten, gab den Anlaß zur Probeaufstellung einer Schaustellung in.der südamerikanischen Abteilung. Diese bisher in einem der großen Säle des 1. Stockes durch- geführte Aufstellung ist vorzüglich gelungen. Die Schausammlung, deren ganze Vorzüge gerade der recht ermißt, der aus den über- füllten, noch kunterbunt angeordneten übrigen Sälen dort hinauf- kommt, empfängt den Besucher höchst eindrucksvoll mit einer großen Vitrine von Mumien der Inka-Zeit, die an Ausdruckskraft, in Hal- tung und Bekleidung ihre ägyptischen Gegenstücke weit zu überbieten scheinen. Der große Saal gliedert die Schausammlung einmal nach örtlichen, das andere Mal nach vergleichendsachlichen Gesichtspunkten. Die letztere Abteilung, an der Fensterseite, von der materiellen über die soziale zur g e i st i g e n Kultur fortschreitend, stellt— und das gibt einen ganz besonderen Reiz— den großartigen Berliner Besitz an südamerikanischen Werken für die Naturvölker und für die sogenannten Halbkulturoölker nebenein- ander. Von den Flechtarbeiten, deren Technik für die Oma- mentik in ihrer geometrischen Gestali bestimmend geworden Ist, kommt man da zu den Transportmitteln(geflochtenen Tragkörben und Booten) zu den Verständigungsmitteln. Eine Schrift oder auch nur eine Bilderschrift hatte das höchstentwickelte südamerikanische Kulturvolk zur Zeit vor Kolumbus nicht, dafür findet man hier die K n o t e n f ch n ü r e, die als Hilfsmittel für das Gedächtnis und zur Ileberlieferung statistischen Materials wie der Steuerregister, der Ergebnisse von Volks- und Viehzählungen usw. besonders ausgebildet wurden. Der Schmuck, besonders der farbig köstliche aus Vogelfedern, kommt hier auf dunklem Grunde zum erstenmal zu voller Wirkung. Kinderspiele, wie das Ballspiel der Parnssi-Kabisi, ihr Hockey, dann die Glücksspiele, hie nur bei den Völkern höherer Kultur bekannt sind, bieten ein amüsantes Bild. Kampf und Krieg kommen an besonders schön ge- schmückten Gegenständen aller Stämme zur Darstellung, z. B. an den peruanischen Vasen mit ihren Kampfbildern. Am eindrücklichsten wirkt die eigentliche Kunst: die O r n a- mentik ist da auf der einen Seite vorgeführt, wie sie von der Flechtarbeit auf die Keramik übertragen wird und dann ins Figür- lich-Naturalistifche übergeht. Auf der anderen Seite steht in impo- sanier, dabei sehr gewählter Anordnung die eigentüche Bild- k u n st: vor allem die Plastik in Ton, Holz und Stein, die Edelmetall- Presie, von den scheindemokratischen„Münchener Neuesten Nachrichten" an, liest, so bekommt man recht häufig den Ein- druck einer recht anfechtbaren Schreibweise, ohne daß bisher der Münchener Polizeigewaltige Poehner ein Vorgehen für notwendig befand. Es ist ferner eine bekannte Tatsache, daß K a h r in provozierender Weise mit dem berüchtigten„Mies- bacher Anzeiger", der kürzlich unter der Anklage der Auf- forderung zum Morde stand, durch die Räume des Landtages geht. Die beste Verfassung ist zwecklos, wenn sie nicht in völliger Unabhängigkeit nach allen Seiten hin gerecht angewandt wird. Hoffentlich legt man diesen Maßstab auch bei der„Münchener Morgenpost" an, die ihrer- seits selbst ein Ersatzorgan für den vor einiger Zeit verbotenen unabhängigen„Kampf" ist. Die erste �rbeiterkammer. In Ausführung der neuen Bremischen Verfassung vom 18. Mai 1920 hat die Bürgerschaft nunmehr unter dem 17. Juli d. I. das Arbeiterkammergesetz erlassen, das als erstes seiner Art im Hinblick auf den künftigen Ausbau der Bezirkswirt. fchaftsräte von größtem Jnteresie ist. In der Verfasiung ist eine Vertretung der Arbeitnehmer in zwei getrennten Kammern, nämlich in einer Angestelltenkammer und einer Arbeiter. kämm er, vorgesehen: die viel umstrittene Frage, wie die Ver- braucherorganisationen in diesen Aufbau eingefügt wer- den sollen, hat die Verfassung leider nicht entschieden. Die Arbeiter- und Angestelllenkammer kann nur auf Grund ihrer Zusammen- setzung und ihres Aufgabenkreises nicht als Ersatz hierfür ange- sprachen werden. Außer der Arbeiter- und Angestelltenkammer sieht die Bremische Verfassung neben der Handelskammer eine Keinhandelskammer vor. Eine Zusammenfassung dieser Wirtschaftsvertretungen in einen Bremischen Wi r t s ch a f t s r a t ist bedauerlicherweise nicht erfolgt. Als Aufgabe der Arbeiterkammer selber ist die Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Jnteresien der bremischen A r- beitersch aft bezeichnet unter ausdrücklicher A u s s ch a l t u n g der politischen Angelegenheiten. Ebenso ist ihr zweckmäßiger- weise die Zuständigkeit für solche Fragen, deren Behandlung gesetz- lich den Schlichtungsausschüssen und den Betriebs- r ä t e n übertragen ist, entzogen. Di« aus 30 Mitgliedern bestehende Kammer wird von den bremischen Arbeitern in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und ge- heimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl ge- wählt. Maßgebend für die Wahlberechtigung ist die Arbeits- stelle, nicht der Wohnort. Das Wahtalter ist auf 18 Jahre, die Wählbarkeit auf 24 Jahre festgelegt. Als Arbeiter gelten auch die Gemeinde-, Staats- und Reichsarbeiter und die Hausgewerbetreiben- den, die selber kein« Arbeiter beschäftigen. Vertreter bremischer Ar- beiterberufsvereinigungen und ihrer Verbände sind mit der Ein- schränkung wählbar, daß 20 Mitglieder der Kammer Arbeiter sein müssen. Die Geschäfte der Kammer, die Rechtsfähigkeit besitzt. vzerden von einem Vorsitzenden, dem ein Stellvertreter und ein Rech- nungsführer beigeordnet sind, mit Hilfe eines beamteten Syndikus geführt. Der Syndikus wie auch die Beamten der Kammer sind in ihrer Besoldung und in ihrer Ruhegehalts- und Hinterbliebenen- Versorgung den Bremer Beamten gleichgestellt. Alle Angelegenheiten, die eine Berufsgruppe ausschließlich oder vorwiegend berühren, sind zunächst dem Fachausschuß zur Be- gutachtung und alsdann der Vollversammlung der Kammer zur Be- schlußfassung vorzulegen, Sowohl in den Fachausjchüsien wie auch in der Vollversammlung steht der überstimmten Minderheit das Recht auf Erstattung eines Sondergutachtens zu. Den Mitgliedern der Kammer wie auch den etwa weiterhin be- rufenen Mitgliedern der Fachausschüsse wird der ihnen entstehende Erwerbsausfall nach den für die Mitglieder der Bürgerschaft geltenden Vorschriften ersetzt. Die K o st e n der Kammer werden in einem Pauschalbetrage in den Staatshaushalt eingestellt. Insoweit dieser Betrag nicht ausreicht, darf die Kammer die bremi- schen Arbeiterberufsvereinigungen gleichmäßig nach dem Verhältnis der Anzahl ihrer Mitglieder zur Zahlung von Beiträgen heran- ziehen. arbeiten der Jntas, ihre figürlichen Töpfereien— alles Dinge, deren Bedeutsamkeit sich hier stark und bleibend einprägt. Die Darstellung der Musik— wieder von den Naturvölkern zu den Inkas auf- steigend, wo ein herrliches Gewebe mst dem Bilde einer Kapelle im Mittelpunkt steht— dann die Körperbehandlung und der T a n z, sein Schmuck und vor allem seine Masken bilden die Schlußgruppen. Bei der regionalen Abteilung, in der man vorläufig vor allem die Gebiete von Guayana, vom Rio Negro, aus Bolivien und Peru, dann die Parassi geordnet findet, prägen sich die Stammesunter- schiede in lehrreichen Gegenüberstellungen schon dadurch ein, daß wichtige Dinge bei jedem Stamm immer an derselben Stelle des Schrankes angeordnet sind und daß die Gegenstände sich ihrem Zweck entsprechend gruppieren. Alles in allem eine Neuordnung, von der man wünschen kann, daß sie so weiter durchgeführt werden möchte. Falls das heute einsetzende Regenwetter auch morgen andauern und Ausflüge in die Umgebung unmöglich machen sollte, werden die Berliner ihren Sonntagvormittag nicht besser oerwerten können als durch eine kleine Reife nach Südamerika— Ecke König- grätzer und Prinz-Albrecht- Straße. Der Flug durch den Kometenschweif. Nach den Beobachtungen der Sternwarte auf dem Königsstuhl bei Heidelberg ist. wie wir mit- teilten, in der Nacht vom 8. zum 9. August die Erde durch den Schweif eines Kometen gegangen. Ein ganz neuer Weltenbummler ist es, den die Erde auf seiner Bahn gekreuzt hat, und von deffen Erscheinen die Welt überhaupt erst 24 Stunden zuvor Kenntnis erhielt. Man wird sich erinnern, daß vor 11 Iahren ein wahrer Humbug mit dem Kometcndurchgang getrieben worden ist. Vielleicht wäre es diesmal nicht anders gewesen, wenn die Menschheit von dem bevor- stehenden Ereignis eine Ahnung gehabt hätte. Aber da die Begeg- nung der beiden Himmelskörper sozusagen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgt ist, so hat es weder einen„W e l t u n t e r- g a n g" noch andere grausige Dinge gegeben, und man darf vielleicht hoffen, daß die Menschen des 20. Jahrhunderts nunmehr für eine Weile von ihrer Kometenfurcht geheilt sind. Gibt es doch im Weltall überhaupt keine feinere Materie, als es die Ko- metenschweife sind. Ihre Maske ist so locker, daß sie das Licht der schwächsten Sterne ungehindert hindurchscheinen läßt, und es scheint nur so viel festzustehen, daß die unvorstellbare dünne Schweifmaterie durch den von der Sonne ausgehenden Lichtdruck aus dem Kometenkern hinausgeschleudert wird, woher es auch- kommt, daß der Schweif stets von der Sonne abgewandt ist. Jeden- falls ist unser Wisien von den Kometenschweifen noch höchst probte-! matisch, und jede neue Hypothese stellt uns vor neue Fragezeichen.] Ob die gegenwärtige Naturerscheinung unsere Erkenntnis vom Wesen der Kometen und ihrer Materie, namentlich der des Schweifes, erweitern oder aber uns neue Rätsel aufgeben wird, müsse« wir| abwarten. Der vorstehend kurz skizzierte Inhalt des Gesetzes stellt eine recht glückliche vorläufige Lösung dar, Sache der Peteiligten wird es sein, dieser Form nunmehr auch den Inhalt zu geben. Man wird der Tätigkeit dieser ersten Arbeiterkammer allerseits mit be- sonderem Interesse entgegensehen. Ihre Arbeit wird wertvolles Material für die künftige Gestaltung der Bezirkswirtschaftsräte und ihres Unterbaues liefern. Dr. Gädke. Die Not üer verflcherungsangeftellten. Aus Kreisen der Versicherungsangestellten wird uns geschrieben: In der zweiten Hälfte dieses Monates sollen die Verhandlungen über die Neuregelung der Gehaltsbezüge der Versicherungsangestell- ten beginnen, da der vollkommen unzulängliche Reichstarifvertrag von den vier beteiligten Angestelltengewerkschaften in seinen geld- lichen Bestimmungen zum 1. 9. 21 gekündigt worden ist. Der über- wiegend größte Teil der Versicherungsangestellten erhall eine Ent- lohnung, die nur einem Bruchteile des Einkommens eines anderen Arbeiters gleichkommt. Der z. Zt. gültige Reichstarifv er- trag enthält unhaltbare Entlohnungsbestimmungen. Es erhält danach z. B. ein 30 jähriger Versicherungsangestelller im Vollgenusse sämtlicher Dienstalterszulagen in der Gehaltsklasie 1 eine Monats- besoldung on rund 1216,80 Mk.; in der Gehaltsklasie 2 1079,00 Mk.; in der Gehaltsklasie 3 983,50 Mk.; in der Gehaltsklasie 4 912,50 Mk. Hiervon gehen zunächst die Abzüge für Steuern und für die Sozial- Versicherungen ab, so daß der Beamte bar ausgezahlt erhält rund 775, 850, 925, 1050 Mk., wenn nicht außerdem noch Ortsklassen- a b schlüge von 5 bis 20 Proz. zu berücksichtigen sind! An eine Sicher- stellung des Alters bzw. der Angehörigen oder aber an die An-� schaffung oder Ergänzung von Wäsche und Kleidung darf der Ver- sicherungsangestellte schon seit Jahr und Tag nicht mehr denken, von der Befriedigung geistiger Bedürfnisse ganz zu schweigen. Die Angestellten sind jetzt am Ende ihrer Kraft! So darf es nicht weitergehen, wenn nicht etn ganzer Berufsstand ins Elend getrieben werden soll! Die Arbeitgeber müssen sich darüber klar werden, daß sie mit ihrer verfehlten Tarispolitik ein ge- rütteltes Maß Schuld daran tragen, wenn schon jetzt die besten Kräfte der Versicherungsbeamtenschaft in andere Handels- und In- dustriezweige hinüberwechseln. Die Arbeitgeber sollten weiter die Zeichen richtig werten, die in der bedauerlichen Tatsache hervor- treten, daß in letzter Zeit die Fälle sich mehren, daß Versicherungs- angestellte vom rechten Wege abwichen. In manchem der zu verzeichnenden Fülle mag die Verzweiflung ülier die hoff- nungslose Lage diesen Unglücklichen den letzten Hall genommen haben! Zur besieren Bewertung der oben angeführten Zahlen sei noch darauf hingewiesen, daß nur ungefähr 8 o. H. aller deutschen Der- sicherungsangestellten(deren Zahl sich auf rund 100 000 belaufen mag), der Gehaltsklasie 1 angehören und ungefähr 25 v. H. den Ge- haltsklasien 1 und 2 nebst Zwischenstufen. Die Versicherungsgesell- schaften, die einen erheblichen Teil des deutschen V o l k s v e r- mögens verwalten, und die gerade darum dem Volksganzen gegenüber zur Erfüllung edler Aufgaben berufen erscheinen, lassen ihre Pflichten völlig außer acht. Wie sollen die durch den Krieg dem Volkskörper geschlagenen Wunden geheilt werden, wenn in allen Gewerben die Arbeitgeber als eins ihrer vornehmsten Ziele den Kampf gegen die Bestrebungen ihrer eigenen Angestellten um die Hebung ihrer wirtschaftlichen Lage betrachten, wie dies im Ver- sicherungsgewerbe der Fall ist. Daß verheiratete Beamte zu den obigen Familienzulagen von monatlich 166,65 M. und für jedes Kind eine Zulage von 62,50 M.(wovon noch 10 v. H. Steuern abgehen!) erhalten, dient wirklich nicht dazu, die so dringend im Interesse des Volksganzen liegende Gründung von Fa- mitten zu fördern. Auch in dieser Hinsicht muß von den Arbeit- gebern im Versicherungsgewerbe verlangt werden, daß sie ihre Auf- gäbe ernstlich zu erfüllen streben. Ihrem Gewerbe und vor allen Dingen dem deutschen Volke dienen sie damit mehr, als durch wochen- langes Feilschen um ein Viertelstündchen Verlängerung der täglichen Arbeitszeit, Verkürzung der Mittagspause, des Urlaubs und der- gleichen mehr! Die in den letzten Wochen schon bekannt gewordenen Jahresabschlüsse der Versicherungsgesellschaften beweisen, daß die Mittel bei den einzelnen Gesellschaften dazu vorhanden sind, ihren Angestellten eine dem Gewerbe würdige Lebenshaltung zu«rmög- lichen! Gefährdung des Frankfurter Doms. Einer der größten und schönsten Dome des deutschen Ostens, die Marienkirche in Frankfurt a. d. Oder, ist so baufällig, daß einigen Teilen in ab- sehrbarer Zeit der Einsturz droht, wenn nicht bald helfend oorge- beugt wird. Mit dem Bau der Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen, 1325 fand die Einweihung statt. Der Frankfurter Dom übertrifft an Breite den Wiener Stephansdom, den Dom zu Speyer und den Dom zu Köln. Das Chordach ist 38,5 Meter hoch, also höher als die hohen Chore des Domes von Florenz. Den erhabensten Eindruck gewährt die Marienkirche dem durch die Turmtür Eintretenden. Am Aufgang zum hohen Chor strahlt der berühmte siebenarmige vergoldete Leuch- t e r. Derartige kolossale Leuchter fanden sich nur in den ältesten christlichen Kirchen, so in den Domen zu Speyer, Magdeburg, Augs- bürg, Prag usw. Der Leuchter ist 4,7 Meter hoch, sein Schaft 0,31 Meter stark. Hochgeschätzt wird von Kunswerständigen auch der geschnitzte Hochaltar, ein mit reichen Gemälden versehener Flügelaltar von hervorragender Schönheit, ferner gehören der 1376 vom Meister Arnold aus Metall gefertigte große Taufstein und ein« ganze Anzahl kunstvoller alter Gemäve zu den Sehenswürdigkeiten von St. Marien. Es ist in hohem Grade zu wünschen, daß dieser alte, schöne Bau vor dem Verfall bewahrt bleibt: Provinz und Staat haben sich bereit erklärt, zu den Baukosten, die auf 114 bis 2 Millionen kommen dürften, je ein Drittel zuzuschießen. Den Rest wird man in Frankfurt aufbringen müssen. Feindliche Pathologen. Der TT. Internationale Kon- greß für vergleichende Pathologie zu Rom, der von dem vorbereitenden italienischen Komitee wegen der Weigerung der Franzosen, sich mit den Deutschen an dem Kongreß zu beteiligen, verschoben worden war, ist nun auf den 2 0. S e p t e m b e r 1 9 2 2 festgefetzt worden. Offenbar hat das italienische Komitee die Hoff- nung, daß bis dahin die Geistesverfassung der französischen Patho- logen sich genügend gebessert haben wird, um eine wirklich inter- nationale Beteiligung am Kongreß zu ermöglichen. Daß sich bei den Franzosen in letzter Zeit Anzeichen von Besserung einstellen, soll nicht verkannt werden. Erstaufführungen der Woche. Dienst. FokicZ Tadriee:.Fieber taumel",.H e n t che n M e s e r i tz-,.D i e beliebte auf T ei- l u n g*.— Tonn. Theater in der Königgrätzer Straße: ,N o t r u st. Städtische Ztolkskouzerte des Philbarmoni'chen Orchesters finden w der nächsten Woche statt: am IS. und IS. in der Philharmonie Bernburger Straße LS/23; am 18. in der Brauerei König st adt', Schönhauser Allee 11/12, und am 19. und 22. in der Brauerei S a p p o l d t, Halenbeide 32—3«. Beginn der Konzerte 8 Uhr.— Der Vorverkauf ist bei A. Wertheim, Leipziger Straße, in der Berliner Selverk- lchastskommission. Engelicker 15, im Ztgarrengelchift von Harsch und in den betreffenden Konzertsälen. Die im Vorverkauf nicht unterqebrachten Karten werden abcndS an der Kaste verknust. Der EinInttSpreis beträgt 1,50 M. und das Programm 25 Ps. Kasteneröffnung 7 Uhr. Ter„VoltSkrakt-Bund* /Vorsitzender Bruno Wille) wird vom Okiober ab eigen« SonntagSna/bmittagSvorstellunaen im ft e u t r a l» Theater unter»cgie vou Martin Zickel perauftalren. Ein fauler Burgfriede. Die Getreideumlage. Zwischen den Deutschnationalen und der Deutschen Volks- Eine halbamtliche Auslaffung mahnt die Landwirte, ihre Umpartei fommt es trotz aller Bemühungen, den Karren ge= lage so schnell, als möglich zu erfüllen. Im eigenen Intereffe. Denn meinsam in den Dreck zu ziehen, immer wieder zu Reibe- nach dem Geseze habe der Landwirt bei Nichterfüllung der Umlage reien. Hatte man vor den Reichstagswahlen noch einiger- den Unterschied zwischen dem limlagepreis für Weizen zuzüglich eines maßen Rücksicht aufeinander genommen, so ist inzwischen Buschlags von einem Viertel dieses Unterschiedes als Haftfumme au jede mildere Tonart geschwunden. Die bevorstehenden zahlen. Der Landwirt erleide so einen Berlust von mindestens 340 Steuerberatungen im Reichstag, die zu Kämpfen von bzw. 740 m. je Tonne nicht abgeliefertes Umlagegetreide. wahrscheinlich noch nicht dagewesener Heftigkeit führen werden, haben den Führer der Deutschnationalen Hergt auf den Gedanken gebracht, plöglich und unerwartet das Wort„ Burgfrieden" in die Debatte zu schleudern. Er bittet in einem Auffaz seine Parteifreunde, ausschließlich den Standpunkt zu vertreten, daß die Deutschnationale Volkspartei bis zum letzten Augenblic Burgfrieden zu halten gewillt ist und deshalb auf jede Auseinandersehung auf den Vorstoß der anderen Seite verzichtet". Interessant ist die Antwort, die die Nationalliberale Korrespondenz", das offizielle Organ der Deutschen Volkspartei, auf diese Friedensschalmei erteilt. Sie denkt nicht daran, in die geöffneten Arme des Herrn Hergt zu sinken, und bezeichnet die Haltung der Deutschen Volkspartei als einen Aft der Notwehr. Besonders fann sie den Deutschnationalen die Schrift ihres Hauptgeschäftsführers v. Lindeiner nicht vergessen, die sogar im Jahre 1921 vier neue Auflagen erlebt habe! Sehr schlecht kommt der Chefredakteur der Deutschen Zeitung", Mar Maurenbrecher, Verfasser der Hohenzollernlegende ruhmreichen Angedenkens, fort. Schmeichelhaft heißt es über diesen: Devaleras Brief an Lloyd George. Lafe die feltene Gelegenheit hat zu sehen, wie es im Innern des Ofens aussieht und wodurch seine Heizwirkung beeinflußt wird. Sparsame Heizsysteme für Siedlungsbauten und Kleinhäuser werden besonders ausführlich behandelt. In allen Abteilungen werden den Besuchern Auskünfte und Erflärungen gegeben. Sehr reges Interesse werden jedenfalls die in rungen finden. Hier wird durch geschulte, im Benehmen mit den einem besonderen Raume stottfindenden praktischen Vorfüh hauswirtschaftlichen Frauenorganisationen angestellte weibliche Kräfte im praktischen Betriebe gezeigt werden, wie man die verschiedenen Koch- und Heizeinrichtungen mit einem Mindestverbrauch an Brenn. stoff betreiben fann. es ein aus London, 13. Auguft.( EE.) Es bestätigt sich, daß der an Lloyd Der„ Generalvertreter als Masterschwindler. Auf wertvolle Mustersammlungen hat George gerichtete Brief Devaleras von größter Wichtigkeit sei und die darin aufgeworfenen Fragen von der englischen Regierung eine Schwindler abgesehen, der in Berlin und in der Provinz sein Unrasche Lösung fordern. Nach Angaben aus gut informierten Kreisen wesen treibt und bisher von den Kriminalbehörden vergeblich gefann erflärt werden, daß der Brief eine Ablehnung der von sucht wird. Der Mann nennt sich Wladimir A. Rendeli Lloyd George gemachten Vorschläge nicht enthält. Er läßt viel Sagreb in Jugoslawien und stellt sich Fabrikanten mit dem Angebot mehr deren Annahme voraussehen, doch wird die Erfüllung gewisser bor, fie in Jugoslawien zu vertreten und ihre Erzeugnisse zu vertreiben. Weil er einen vertrauenswürdigen Eindruck macht, so Bedingungen gefordert, worüber sich die englische Regierung tragen viele Fabrikanten fein Bedenken, ihm ihre Vertretung zu noch var Zusammentritt des irischen Parlaments am 16. August übertragen und ihm Musterkollektionen ihrer Baren, die oft von aussprechen möge. Man erfährt, daß Devalera namentlich die Frei- hohem Werte sind, anzuvertrauen. Auf Grund dieser Aufträge läßt lassung der verhafteten Sinnfeiner, etwa 6500 an der Zahl, fordert, sich dann der Generalvertreter" Geschäftskarten drucken. Diese bevon denen 3500 in Interniertenlagern, die anderen 3000 in irischen nutzt er wieder, fich bei deutschen Firmen in Berlin und in der Pround anderen Gefängnissen sind. Devalera bereist jegt in der Graf- Dinz einzuführen und ihnen Geld abzuschwindeln. Der angebliche schaft Cork einige Lager, um sich über die Situation der Gefangenen Rendeli spricht nur gebrochen Deutsch. Trotzdem ist er wahrscheinlich kein Jugoslawe oder sonst ein Ausländer, sondern ein ein Bild machen zu können. Deutscher, der mit Erfolg darauf baut, daß ein Ausländer bei vielen Deutschen eher Entgegenkommen findet, als ein Landsmann. Der Schwindler steht etwa im Anfang der zwanziger Jahre, ist kaum mittelgroß und dunkelblond und hat ein frisches, gesundes Gesicht mit einem Anflug von Bart. London, 13. August.( WTB.) Die Morningpost" meint, es herrsche der Eindruck, daß unter den Bedingungen Devaleras die Bezahlung aller Entschädigungsansprüche für Morde, Verwundungen und Zerstörungen durch die Agenten in Irland gefordert werde. Das würde etwa 7 Millionen Pfund Sterling ausmachen.„ Daily Chronicle" meldet sogar, Lloyd George sehe die Antwort der Sinnfeiner als eine Verwerfung seiner Friedensbedingungen an. Frankreichs Besatzungskosten gedeckt. " Wieder entwichen. Es wird weiter von Herrn Hergt übersehen, daß die Lindeinersche Schrift nicht allein Anlaß zur Abwehr gab, sondern ebensosehr die Kampfesweise der Deutschnationalen während und nach den Preußenwahlen, bei denen die Deutschnationale Aus dem Gefängnis entwichen ist ein gefährlicher Verbrecher, Bolkspartei durch Verbreitung der berüchtigten Lügenmel ber erst nach jahrelangen Bemühungen von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht und vor kurzem zu einer langen Gefängnisstrafe dung des Herrn Maurenbrecher den Gipfel gehäffiverurteilt worden war. Es ist der 35 Jahre alte Monteur Baul ger Kampfesweise gegen die Deutsche Boltspartei erreicht Wichmann, der seit Jahr und Tag besonders im Westen der hat. Zu unserem größten Bedauern haben wir erst vor wenigen Paris, 13. August.( EE.) Die drei gestrigen Konferenzen Stadt als Klingelleitungs- und Beleuchtungsrevisor die herrschaftlichen Lagen feststellen müssen, daß jene Lüge von deutschnationaler der Entente- Finanzminister betrafen namentlich die Besatzungs- Wohnungen unsicher machte. Großes Aufsehen erregte seinerzeit als Seite nach wie vor im Lande weiter folportiert wird, und zwar foften, die belgische Priorität und die Hilfeleistung für Defterreich, dieser Revisor" bei einer Geheimrätin im Westen ein Perlenwiederum unter ausdrücklicher Berufung auf die Hauptge wofür eine dreigliedrige Kommiffion eingefeht wurde. Beschloj- tollier im Werte von über einer Million erbeutete. Das kost schäftsstelle der Deutschnationalen Boltspartei sen wurde, daß die Saarbergwerte nicht auf das Repara- bare Schmuckstück wurde in furzer Zeit nach Paris verschoben, dort Falls Herr Hergt davon nichts wissen sollte, dann wird ihm dies die fionskonto gebucht werden sollen, sondern ausdrücklich ihre Verwen- mann gelang es gestern aus dem Gefängnis in Tegel, wo er noch aber als gestohlen ermittelt und nach kurzer Zeit zurückgeholt. Wichdeutschnationale Hauptgeschäftsstelle bestätigen fönnen, die sei dung zur Dedung der Bejagungstoften Frankreichs vier Jahre zu verbüßen hatte, zu entweichen. Er wird tens der Deutschen Boltspartei auf diese Tatsache hingewiesen wor- finden sollen, womit diese gededt zu sein scheinen. So ist die Re- ohne Zweifel seinen Trid wieder aufnehmen. Die Wohnungsinhaber den ist. parationskommiffion in der Lage, die in ihren Händen befindlichen und ihre Angehörige sowie das Dienstpersonal werden deshalb gut Diese Aeußerungen flingen recht bedrohlich, und man Gelder zur Befriedigung der englischen Ansprüche aus den Be- tun, auf der Hut zu sein, wenn ein„ Revisor" erscheint. fönnte der Deutschen Volkspartei in ihrem Verlangen nach fatzungskosten zu verwenden, weil England den weitestgehenden AnSäuberung der politischen Atmosphäre nur zu sehr beistimmen, spruch darauf hat. Dadurch wird die belgische Priorität auf die wenn sie selbst nicht alles unterließe, was diese Säuberung deutschen Reparationszahlungen in zweite Reihe, Frankreichs Anherbeizuführen geeignet wäre. Gibt es doch immer noch volts- fprüche in dritte Reihe gerüdt. parteiliche Blätter, die sicher nicht ohne Wissen der Leitung Der Deutschen Bolspartei auf Grund mehr als eigentümSpaniens Niederlage in Marokko. ficher organisatorischer Vereinbarungen zu 50 Proz. volfsparteiliche, zum 50 Proz. deutsch nationale Bo- Madrid, 13. Auguft.( EE.) General Navarro mußte Ittit machen. Das erscheint uns allerdings der Gipfel poli- fich dem Eingeborenenheer ergeben und ist in seiner Gefangenschaft. tischer Reinlichkeit!" Eine Weile noch werden sich also beide Die Stadt Melilla hat Trauer angelegt. Spanische Flieger, die den Parteien ein wenig feindlich gegenüberstehen; wer aber Berg Arruit überflogen, berichteten, daß die Mauren die ganze möchte zweifeln, daß sie sich brüderlich zusammenfinden, wenn es im Herbst darauf ankommen wird, möglichst viel Besitz steuern abzulaften und in Verbrauchssteuern zur Belastung der nichtbefizenden Kreise zu verwandeln? Eine je einigere Arbeiterschaft die Rechtsparteien dann vorfinden werden, um so erfolgloser wird ihr geminsamer Ansturm sein. Der Wirtschaftskampf in Oberschlesien. Zur sozialen Bewegung in Oberschlesien, über deren Anfang, die Aufstellung und Ablehnung der Forderungen der Arbeitnehmerschaft im Berg und Hüttenbetrieb, wir bereits berichtet haben, schreibt der Berichterstatter der ,, Dena": Ohne zu den einzelnen Forderungen der oberschlesischen Arbeiter und Angestellten Stellung zu nehmen, muß man doch ganz allgemein sagen: Nach mehr als zweijähriger Dauer reifen voraussichtlich in = Gegend unter begeistertem Freudengeschrei ausplündern. Es gelang einigen spanischen Soldaten. Melilla zu erreichen und von dem heldenhaften Kampfe des Generals Navarro zu berichten. 500 Zeitungen vertlagt haben der belgische Baron Coppée und fein Sohn, überdies den sozialistischen Deputierten Colleaug, weil diese behauptet hätten, Coppée und Sohn hätten die Deutschen während des Krieges mit Rohle versorgt. Groß- Berlin Samstagabend. Der mittlere Kofspreis. Der Magistrat gibt bekannt: Der für den Heizungskostenvorschuß der Mieter für das Bierteljahr JuliSeptember 1921 zugrunde zu legende mittlere Rotspreis wird mie für das vorangegangene Bierteljahr für Schmelzfobs auf 29 m., für Gastots auf 25,85 m. je Zentner festgeseßt. Mutter und Sohn gemeinsam in den Tod. Eine Tragödie hat sich in der vergangenen Nacht in dem Hause Borsigstr. 24 abgespielt. Dort wurden gestern vormittag die 43 Jahre alte Witwe Anna Baul mit ihrem 23 Jahre alten Sohn, dem Eisenbahnarbeiter Hermann Paul, besinnungslos im Bett vorgefunden. Mutter und Sohn hatten sich, wie der Befund erkennen ließ, abfichtlich mit Leuchtgas vergiftet. Was fie dazu veranlaßt hat, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, steht noch nicht fest. Beide Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhaufe gebracht. Zur Leipziger Mustermesse werden außer den bereits mitgeteilten Sonderzügen zwischen Berlin und Leipzig auch zwischen Ostpreußen und Leipzig 3 mei Sonderzüge gefahren werden. Der eine dieser beiden Züge verläßt Königsberg um 724 abends am 26. d. M. und trifft am 27. vorm. um 10,26 in Leipzig ein. In der Gegenrichtung fährt der Sonderzug am 2. September um 4,45 nach mittags ab und trifft am folgenden Tage um 8,13 vorm. in Königsberg ein. Zur Heranführung der Züge nach und von Königsberg werden zwischen Berlin und Königsberg nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirektion Osten zwischen Berlin und Königsberg für den öffentlichen Berkehr zwei Schnellzüge gefahren und zwar am 25. d. M. ab Friedrichstraße 8,59 abends über Schneidemühl( 1,54 nachts Marienburg( 5,51 früh), an Rönigsberg 8,13 vorm. Für die Gegenrichtung wird in der Nacht vom 3. zum 4. September ein Schnellzug ab Königsberg 7,24 abends, an Berlin( Friedrichstraße) 6,10 vorm. vorgesehen. Errichtung eines Telegraphenzentralamfs. Eine Art von Telegra- henzentralamt, in ihrer äußeren Gestalt eine neue Oberpostdirektion ist das Telegraphentechnische Reichsamt, das jetzt das Reichspostministerium eingerichtet hat. Zu dessen Aufgaben gehört, wie beim Eisenbahnzentralamt, die Beschaffung von Appa raten und dessen Bauzeuges. Die neue höhere Reichsbehörde foll aber auch bei den wichtigen Entwicklungsaufgaben des Betriebs und des Baues der Linien und Apparate mitwirken und die Oberpostdirektionen technisch beraten. Sie überwacht auch die Ausbildung der Telegraphenbeamten. Zu ihren Aufgaben gehören ferner: Patente, Lehrbücher, Lehrmittel, wissenschaftliche Versuche und Untersuchungen, Berbefferungen des Betriebes, Bauwesen usw. Die neue Behörde untersteht einem Präsidenten und zwei Abteilungsdirektoren. Sechs weitere Abteilungen sind Oberposträten unterstellt. Die Genoffen des Wahlvereins Königswusterhausen feiern ibr diesjähriges Sommerfest am Sonntag, den 28. August in Neue Mühle" im Restaurant Zur Schleuse"( W. Thormann), wozu hiermit die auswärtigen Parteigenossen nebst Angehörigen freundlichst eingeladen sind. Da„ Neue Mühle" ein vielbesuchter Ausflugsort und vom Bahnhof Königs. wusterhausen in 15 Minuten bequem zu erreichen ist, ladet das Komitee recht viele Parteigenossen zum Besuch ein. Von allen Arbeitstagen in der Woche ist der Sonnabend der diesen Tagen Entscheidungen, welche für die Zukunft der oberschleft- schönste. Für die Mehrzahl der Arbeitenden gilt er als ein Abschluß schen Arbeitgeber wie Arbeitnehmer von der weitestgehenden Be- mühseliger Fron. In ihm liegt die Vorahnung des kommenden beutung sind. In dieser Zeit der politischen Hochspannung, Fest- und Feiertages, an dem die Menschen frei von der Fabriten die durch das lange Warten auf die Entscheidung noch verstärkt wird, Enge und der Bureaus Dumpfheit sind. Er bringt ihnen ein Geist die paritätische Verhandlung über so wichtige und befühl der Erlösung und läßt sie Kräfte saugen für die kommenden deutungsvolle Angelegenheiten, wie sie in den Forderungen der Ar- Arbeitstage. beitnehmer vom 5. August angeschnitten sind, unzwed mäßig Aber am Sonnabend zittert die Unruhe vom frühen Morgen bis und direkt unausführbar. Die Verantwortung für die zum Feierabend durch die Schaffenden. Bielen von ihnen öffnet sich Unruhe, die nach allgemeiner Ueberzeugung dadurch hervorgerufen an diesem Tage eine Stunde früher das Tor, hinter dem das Grau wird, daß unerfüllbare Forderungen aufgestellt, in Wort und des Alltags hockt. Sie schreiten hinaus in den Frühnachmittag. Die Schrift ständig wiederholt werden, trifft in vollem Umfange die Jungen, die Alten. Die Mädchen, die Frauen; die Burschen, die jenigen, welche in mangelnder Ertenntnis oder ab Männer. Freunde finden sich, Frauen haben ihre Männer abges sichtlicher Verkennung der gegenwärtigen poholt und der Pärchen sind nicht wenige. Meist wohnt das Lachen in litischen und wirtschaftlichen Lage derartige For- ihren Reihen und wenn sie auch etwas müde in der Straßenbahn berungen propagiert haben. Wer im Augenblick höchster politischer oder Stadtbahn fißen, liegt doch eine stille Freude in ihren GesichSpannung derartige Forderungen aufstellt, muß die Folgen dieser tern. Die einen fahren nach Hause, die anderen zu einem Bad, um Handlungsweise seinem Vorgehen zuschreiben. Sobald die politische den Arbeitsstaub von ihren Körpern zu spülen und viele gehen geKrise überstanden und wieder Ruhe im Revier eingetreten ist, wird mächlich durch die Straßen, um Einkäufe zu machen. allerdings der Arbeitgeberverband über die Fragen, deren paritätische Und so find Straßen und Plätze Sonnabend abends mehr denn Behandlung notwendig ist, sich zu einer Sigung mit der Ange- je von Menschenmassen durchflutet. Das gilt hauptsächlich für das öffnen stelltentariffommission herbeilassen müssen. Der Erfolg der For- Stadtinnere. Und wenn die Geschäfte geschlossen haben, derungen wird wesentlich von der Bewahrung von Ruhe und Ord- Ballfäle ihre Pforten. Der eine Berein feiert sein zehnjähriges nung im Revier abhängen, da nur dann den Werten die Mittel zur Bestehen", der andere sein Sommerfest". An der Spreebrüde Berfügung stehen, den Wünschen der Arbeitnehmerschaft Rechnung zu schaufelt ein Dampfer und drüben nimmt ein Theater die HarrenAuf den Bahnden auf. Man fann ja„ morgen ausschlafen". tragen. Aus dieser ganz offensichtlich vom oberschlesischen Industrie- höfen aber teilen sich die Wandervögel ihre Pläge mit den Reisentapital inspirierten Notiz der Dena" spricht in hohem Maße den. Das sind die Bernünftigsten. Der Sonntag findet sie in Luft ,, mangelnde Erkenntnis oder absichtliche Ber- und Licht, in Feldern und Wäldern, an Seen und Flüssen. Herz und fennung der gegenwärtigen politischen und wirt Hirn empfangen dort ihre beste Stärkung. Vom 14. bis 21. Auguft. schaftlichen Lage" in Oberschlesien. In dem Augenblic, da Boltsbühne: Der Opernball. Opernhaus: Geschlossen. Schauspielhaus: das ganze deutsche Volt nur von dem einen heißen Wunsche erfüllt Geschlossen. Großes Schauspielhaus: Die Weber. Deutsches Theater: ist, daß dieses Gebiet bei Deutschland bleibt, bringen es die oberKammerspiele: Der Herr, der Maulschellen triegt. Der Ausfall bedeutender Kohlenlieferungen aus Oberschlesien Botasch u. Perlmutter. Theater in der Königgräßer Leffing- Theater: Die Ballerina des Königs. Schlesischen Industriefapitäne und ihre journalistischen Handlanger Deutsches Opernhaus: 14. Tannhäuser. 15. Car. fertig, der deutschen Sache neuen Schaden zuzufügen. Die ober- infolge der politischen Verhältnisse läßt für den kommenden Winter Straße: Ab 18. Notruf. 20. Lohengrin. 21. Carmen. Schiller- Theater: Meine Frau, das Fräulein. schlesische Arbeiterschaft hat in den Tagen des Aufstandes ihr Bestes wiederum eine fühlbare Kohlennot erwarten. Knappheit und hoher men. 16. Margarete( Faust). 17. Tiefland. 18. Der Freischütz. 19. Martha. Schloßpark- Theater Steglig: 15. u. 16., 18.- 20. Laune des Verliebten. Die Die Tribüne: Bunburn. zur Rettung der Heimat hergegeben, zu der sie sich am 20. März Preis der Brennstoffe sollten jeden veranlassen, sich darüber zu unterKomödienhaus: Der Deutsches Künstler- Theater: Der Herr Verteidiger. fo mutig bekannte. Jegt bekommt sie den Dank dafür. richten, wie man am sparsamsten heizen und kochen kann. Um der Mitschuldigen. 17. u. 21. Hans Huckebein. Berliner Theater: Das Milliardensouper. Kleines Schau. Ist es da ein Wunder, wenn diese enttäuschten Menschen zu zweifeln Bevölkerung eine wirkliche Belehrung auf diesem Gebiete zu ermög- blonde Engel. Residenz Trianon- Theater: Die große Leidenschaft. Theater: Traumulus. Bentral Theater: Monta. Theater in der Kombeginnen an den großen Vorteilen, die wir ihnen auf fozialem lichen, veranstaltet die preußische Landestohlenstelle in Ge- Spielhaus: Reigen. Friedrich Wilhelmstädtisches Theater: Gebiet versprochen haben? Wissen die Schlotbarone Oberschlesiens, meinschaft mit der Stadt Berlin eine Ausstellung, die am mandantenstraße: Die Dielenhere. Romische Oper: Der fidele Bauer. Metropol. die schon wieder um ihren Profit bangen, nicht, daß sie durch eine 20. August im alten Stadtschloß zu Charlottenburg Die Kleine aus der Hölle. Neues Operetten- Theater: American- Girl. Theater: Die blaue Mazur. Thalia- Theater: Mascottchen. Theater am Nollendorfplag: Der Better Kleines derartige Behandlung ihre Arbeiterschaft in die Hände der Polen eröffnet witd; die technische Leitung hat die Hauptstelle für Wärmeaus Dingsda. Theater des Westens: Morgen wieder luftit! RoseTheater: Der Dieb. Walhalla- Theater: Die Scheidungsreise. treiben, weil sie sich sagen, daß sie nichts mehr zu verlieren haben? wirtschaft. Die Ausstellung wird außerordentlich viel Belehrung bieten: in heater: Jugend. Rafino- Theater: Exzellenz Mare. Luisen- Theater: Bis Das deutsche Volt kann sich nur dazu gratulieren, daß es eine ArFolies Caprice: 14. beiterschaft hat, die fester zu ihrem Lande steht als die Kapitalisten, der Abteilung Brennstofffunde ist der Heizwert der verschiedenen 20. Klärchen Bietide. 21. Tagebuch einer Berlorenen. u. 15. Prinzessin vom Nil. 16.- 21. Fiebertaumel. Sentchen Meserit. Die sonst wäre Deutschland vielleicht noch viel kleiner geworden, als es Brennstoffe finnfällig dargestellt, in einer weiteren Abteilung wird Geliebte auf Teilung. – Admiralspalaft: 16., 18., 20., 21. Abrafababra. 15., ber Friedensvertrag gemacht hat. Die Industriellen aber mögen fich gezeigt, wie die richtige Anlage der Schornsteine, das Funktionieren 17., 19. Die zoten Gajuhe. der Defen und Herde beeinflußt, wie der Heizbedarf der Räume von Nachmittagsvorstellungen. Boltsbühne: 17., 20. u. 21. Die Trianon- Theater: gesagt sein lassen, daß sich die Arbeiter nicht einschüchtern lassen der Art und Stärke der Mauern abhängt und durch Isolierung ver- Fledermaus. Schiller- Theater: 14. Das Prachtmädel. 14. Lady Windermeres Fächer. Theater bes Weftens: 14. u. 21. Die Pfarrwerden. Sie haben die Kraft und die Macht, ihre berechtigten ringert werden kann. Kachel- und Eisenöfen von schlechter und guter hausfomöbie. Rose- Theater: Gartenbühne: Wenn ich Dich nur hab'. Forderungen auch in Oberschlesien durchzusehen Bauart merden in Naturgröße im Durchschnitt gezeigt, so daß der Zuisenheater: 21. Genoveva. Wie heize ich sparsam? Das Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zunächst größtenteils trübe und ziemlich fühl mit leichten Regenfällen und mäßigen nordwestlichen Winden. Später zeitweise etwas aufklarend. Theater der Woche. Gewerkschaftsbewegung Die Unternehmer für Verelendung der Arbeiterklasse.. Das durch die neue Teuerungswelle veranlaßte Borgehen der Gewerkschaften sowie auch die Erklärung des ADGB. ist den Unternehmern schwer auf die Nerven gefallen. Die TU. verbreitet folgende, für naivé Gemüter bestimmte Meldung: Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hat in der Bresse eine Erklärung veröffentlicht, die sich mit der allgemeinen Lohnin dieser Erklärung zu, daß Lehnerhöhungen aufs neue preis. bewegung aus Anlaß der Brotpreiserhöhung beschäftigt. Er gibt steigernd wirken müssen, fucht aber bie Berantwortung für die mit erneutem Angiehen der Lohnfchraube zwangsläufig eintretende allgemeine Preiserhöhung mit dem Hinweis barauf abzutun, daß ber Arbeiter doch leben müsse, um arbeiten zu können". Ibazu die Tarif- und Lohnpolitik von allen probuftionshemmenden"| wendungen in Geldwert zahlen, find verpflichtet, den gewerblichen Bestimmungen freigemacht werden müßte. Es sollen also schran Arbeitnehmern ihres Betriebes die gleiche Summe zu zahlen." Durch tenlose Ausbeutungsmöglichkeiten geschaffen wer- Aushilfsarbeiter sollen pro Stunde 10 Mart bekommen. den, etwa im Sinne des bekannten Bauerndoktors Heim, der ein- zahlreiche Bestimmungen werden die Fragen der Arbeitszeit und ihrer Einteilung, der Ueberzeit- und Sonntagsarbeit, des Urlaubs, mal erklärte, daß man Streifarbeit, Affordarbeit, Zehnstundentag der Auslegung des§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches ufw. ge und daneben die Peitsche für die Streifenden" verlangen müßte, regelt. Als Dauer des Manteltarifs wird die Zeit vom sonst, so fügte er hinzu, werden wir zum Dreckhaufen. Wir dürfen 1. September 1921 bis zum 31. August 1922 bestimmt. Dagegen soll annehmen, daß er mit dem„ wir", die zum Dreckhaufen werden das ohnabkommen nur vom 1. September bis zum 1. Defönnen, sich und seine Geistesverwandten meint. zember 1921 gelten und sich auf ein Bierteljahr verlängern, wenn Es bleibt noch übrig, daran zu erinnern, daß der bekannte Bro- nicht einen Monat vorher gekündigt wird. In der lebhaften Aus. feffor Baihinger sich nicht entblödete, während der Berhandlun- sprache wurden die Forderungen von allen Seiten gutgeheißen. gen in Spa an Lloyd George folgendes Telegramm zu richten: Einstimmig machte dann die Versammlung den Tarifentwurf der Fassung dem Lokalverein der Berliner Spediteure zu unterbreiten arbeit". Die versteckten Reserven und die Verwässerung des Attien sei. Ferner wurde der Antrag angenommen, den Tarifentwurf auch Berlangen Sie von Deutschland erhöhte Arbeitszeit und Atford- Kommission zu dem ihren und beschloß, daß er in der vorliegenden fapitals zur scheinbaren Verminderung der Prozente der zur Aus der Verladervereinigung zu unterbreiten. schüttung gelangenden überreichlichen Dividenden mögen hier nur nebenbei erwähnt werden. In der Schlußfihung des Internationalen Metallarbeiterkon Alle diese Dinge wird die Arbeiterschaft bei den jetzigen Rämpfen greffes wurde eine Resolution von Buozzi( Italien), über Berweiges Auf Grund eingehender Berhandlungen im Großen Ausschuß nicht vergessen. Hier tun fich zwei Welten auf, die nicht überbrüdt rung der Munitions herstellung und stufenweisen Abbau der Mord der Bereinigung ber Deutschen Arbeitgeberver werden fönnen. Die Marrsche Idee vom Klaffenkampf erhält neue instrumenterzeugung, angenommen, ferner eine Resolution der bände am 10. b. M. hat der Tarifausschuß der Bereinigung sich Bestätigung und die bürgerliche Gesellschaft möge sich gesagt sein amerikanischen Maschinenbauer, betreffend Einleitung einer Attion mit dieser Erklärung und mit den Forderungen der Arbeitnehmer verträge von Bersailles und St. Germain, die Reparationsbedingun auf Lohn- und Gehaltserhöhung beschäftigt und die mit unverant- laffen, daß jeder sozialistische Arbeiter diesen Klaffentampf mit gegen zufünftige Kriege. In dieser Resolution werden die Friedens wortlicher Uebertreibung der Dinge in der Deffentlichteit geführte Ueberzeugung und Hingebung führen wird. Das Unternehgen, die Bollgrenze und andere wirtschaftliche Erschwerungen, die Agitation fowie bie barin zum Ausbrud gebrachten Forberungen mertum wünscht den Kampf: es soll ihn haben! als durch die Verhältnisse mit gerechtfertigt erflärt. Der Streik in der Holzindustrie. Wie wir in der Morgenausgabe des Borwärts" schon berichten fonnten, ist der Streit in der Holzindustrie gestern in später Stunde beschlossen worden. Die Versammlung füllte den großen Saal der Böhow- Brauerei bis auf den letzten Play. Bergewaltigung des Selbstbestimmungsrechtes der Bölker bei dem angestrebten Anschluß Desterreichs an Deutschland verworfen u.. alle dem Internationalen Metallarbeiterbund angeschlossenen Organi fationen aufgefordert, in engfter Gemeinschaft mit dem Intere nationalen Gewerkschaftsbund zu wirken. Diese Refolution wurde unter stürmischem Beifall einstimmig angenommen. Der Borsigende stellte fest, daß der Bund 3% Millionen Mitglieder zähle. Zum Bundesst wurde neuerdings die Schweiz und zum internationalen Sekretär Konrad II g- Bern gewählt. Es ist nicht richtig, daß bie bevorstehende Brotpreiserhöhung eine solche Berteuerung der Lebenshaltung bringt, daß bestehende Lohnvereinbarungen gebrochen werden müßten, zumal die Arbeit geber ihrerseits barauf verzichtet haben, in Zeiten finfender Lebensbaltungsfoften eine Herablehnung der Löhne zu verlangen und die bestehenden Lohniartfe zum erheblichen Teil unter Berücksichtigung noch höherer Lebenshaltungskosten( Januar 1921) vereinbart find. Böse erftattete den Bericht über die mit den Arbeitgebern Es ist auch nicht richtig, daß das Anziehen ber fonftigen geführten Berhandlungen. Er hob hervor, daß eine erwünschte VerDer Cohnausgleich im Bergban. Die Bertreter der vier Bergs Kosten der Lebenshaltung ein folches Ausmaß angenommen hat, tändigung an dem Starrsinn der Arbeitgeber gearbeiterorganisationen haben in zweitägigen Verhandlungen mit dent baß fich die fofortige Ründigung ber Tarife und die neuen Forde scheitert set. Sie lehnten die Anerkennung des Reichsmantel Reichswirtschaftsrat bezw. Arbeitsministerium die Frage des Lohn wurde and rungen auf Lohn- und Gehaltserhöhung damit rechtfertigen faffen. tarifs ab und wollten nur eine Lohnzulage von 75 Pf. im ausgleiches Allgemein Bergbau beraten. Eine lediglich auf die Kosten der Lebenshaltung abgeftellte bewilligen, also einen Stundenlohn von 6,75 M. Darauf erfannt, daß ber hinsichtlich eingetretenen Lohnpolitik tamn die beutsche Boltswirtschaft nach Annahme des tonnten wir nicht eingehen, am allerwenigsten find wir Teuerung Maßnahmen Don ber Regie Ultimatums nicht mehr verantworten. Menn bei Erneuerung von geneigt, auf den für uns so wichtigen Manteltarif beschlossen werden müßten, um den Tarifverträgen Me Berhältnisse eine Revision der Lohnfäge recht zu verzichten. Redner machte ferner die Mitteilung, daß fich Arbeitern einen Ausgleich für die Berteuerung der Lebensmittel ufw. fertigen follen, muß vor allem auch die ernfte Bage unserer irt annähernd 2000 Kollegen heute schon im Streit befänden. Es zu gewähren. Eine gleichmäßige Zulage für das ganze Deutsche chaft, wie fie fi unter dem Druck des Ultimatums gestattet hat werbe jetzt der Kampf auf der ganzen Linie beginnen, denn ein Reich wurde verlangt. Der Ausschuß der Reichsarbeitsgemeinschaft und noch weiter gefallen wird, berüdsichtigt werden. Dabei be Burü fet nicht mehr möglich. tritt am 19. Auguft zusammen, um über die Lohnerhöhungsfrage zu barf es der in ben weiten Rrelfen der Deffentlichteft und nicht beraten. Der Borstand der Zentral- Arbeitsgemeinschaft hat sich mit zuletzt der Arbeiterschaft noch fehlenden Einsicht, baß der durch das dieser Frage schon beschäftigt. Ultimatum ber Entende auf ber deutschen Wirtschaft lastende Drud auch die vor dem Kriege möglich gewefene allgemeine Lebens baltung bes beuthen Boltes herabbrudt, und daß ohne eine Steige rung der Arbeitsleistung eine Hebung der heutigen Lebenshaltung für ben eingeinen web für bie Gesamtheit nicht zu erwarten ist. In der folgenden Aussprache erfiärten sich alle Redner für den Streit; ner über einige taftische Fragen bestanden Meinungsverschiebenheiten, so darüber, ob auch in den Betrieben mit Kurzarbeit gestreift werden solle. rung Gilben und Gewerkschaften in England. Eine von 300 Dele gierten besuchte Gewerkschaftstonferenz Nordwest- Englands, die am Als Forderungen wurden aufgestellt: Anerkennung des mit der 11. Juni in Manchester tagte, beschloß, zur Förderung der Gilden Reichsberufsfachgruppe, Möbelindustrie und Tischlergewerbe abge bewegung einen besonderen Gewertschaftsausschuß einzusetzen. Dieser schloffenen Reichsmanteltarifvertrages. Anerkennung der Lohn foll insbesondere dahin wirken, daß die Gilden feitens der Gewerks Die beuffthe Boltswirtschaft wird deshalb in Zukunft höhere forderung von 1 Mart Zulage ftündlich auf alle bestehenden Löhne schaften die nötige moralische und finanzielle Unterstützung finden, Aufwendungen für bfe Entlohnung mur bana machen tönnen, wenn für sämtliche Arbeitnehmer. Anerkennung folgender Tariflöhne: für wie auch ihnen bei der Beschaffung von Rohstoffen behilflich sein. gleichzeitig eine Steigerung der Arbeitsleifhmg erfolgt und zu Facharbeiter über 22 Jahre 7,50 M. Durchschittslohn, Mindestlohn Hobson, der Begründer der Bauarbeitergilden, berichtete, biefem Zwed auch die Tarif- und Lohnpolitit von allen pro- 7 Mart. Die Anerkennung foll schriftlich erfolgen. Die Arbeit daß diese bisher Arbeiten im Werte von 250 000 Pfund Sterling aus duftionshemmenden Bestimmungen freigemacht wird. barf mur dann fortgesetzt werden, wenn eine Nachprüfung der Streit führten und noch Aufträge für über zwei Millionen haben, ohne Wenn der ADEB. sagt, daß der Arbeiter leben müsse, um ar- leitumg die Richtigkeit der Anerkennung festgestellt und die Geneh- bas feitens der Behörden irgendeine Klage gegen sie lautbar ges betten zu fönnen, so ist das etwas fo Selbstverständliches, daß man migung dazu erteilt hat. Etwaige Anträge zur Arbeit sind grund- worden sei. Dagegen habe die Bewegung schon sehr erhebliche Er arwarten dürfte, baß es auch von den Unterehmern verftanden fäglich an die Streifleitung zu ftellen. Alle nichtbewilligten Anträge sparnisse für die Allgemeinheit erwirft. Die Bewegung firebe dahin, wird. Schlechthin eine unverschämtheit ist es jedoch, die Gewert fowie Arbeiten innerhalb der Betriebe find als Streitbruch anzubie Rontrolle über die Bauinduftrie des ganzen Landes zu erlangen, schaften für die Preissteigerungen verantwortlich machen zu wollen, fehen. natfirfich in engster Berbindung mit den Gewerkschaften und unter Der Streit foll fich auf alle Betriebe der Berliner Holzinduftrie Bermeidung von allem, bas fte in händlerische Unternehmen umzu die infolge der allgemeinen Lohnerhöhung" eintreten müßten. Die Lohnerhöhungen find bisher noch immer der Preissteigerung Iang- erftreten, soweit von den Inhabern der Firma die Forderungen wandeln geeignet wäre. Daher werde auch die Berteilung von Divis I am gefolgt, fie fnb bas Gefundare. Es soll aber nicht geleugnet nicht anerkannt werden. An der Abstimmung beteiligten fich 1559 Anwesende. Bon werden, daß die organisierten Unternehmer noch jede Lohnerhöhung diefen stimmten 1346 für den Streit, 168 dagegen und 45 Stimmen bazu benutten, thre Brofite übermäßig zu steigern, waren ungültig. Danach ist der Streit mit übergroßer Mehrheit um dann unter frommem Augenaufschlag auf die hohen" Löhne erklärt werden. hinzuweisen, worauf bann die ganze arbeiterfeindliche Gesellschaft bas nur zu gut befannte Lieb von der Begehrlichkeit der Arbeiter. fchaft zu singen beginnt. Eine lediglich auf Roften ber Lebenshaltung eingestellte Bohn politik tann die beutsche Boltswirtschaft nach Annahme des ultimatums nicht mehr verantworten" bedeutet in flares Deutsch über fest: The Arbeiter müßt verhungern, wenn unser Profit wachsen und unsere Dividenden steigen sollen. Das ist dasselbe, was die ,, rbeitgeberzeitung" vor einiger Zeit trocken und nüchtern erflärte: Hier müssen Menschen gewagt werden, damit ein Bolt wird. Das ist der Rern aller tapitalistischen Aufbaube ftrebungen. Wenn wir erklärten, daß Arbelt uns retten fönnte, so meinten wir ganz etwas anderes als die Unternehmer. Sie verstehen bar unter: Die Abschaffung des Achtstundentages( von ihrem Kollegen Ford in Amerita laffen fie fich grundsäglich nicht belehren) und den Abbau der Löhne, denn es müssen ja Menschen gewagt werden, da mit ein Bolt werde. Proletarier follen zugrunde gehen, damit die Rapitaliften leben fönnen! Unterstrichen wird diese Auffassung durch den lehten Absatz der oben wiedergegebenen Meldung, in dem es heißt, daß höhere Auf wendungen für Entlohnung dann gemacht werden tönnten, wenn etne gleichzeitige Steigerung der Arbeitsleistung erfolgt, und daß Nuteisen jeder Art: Rund, Flach, Omadrats u. Bandeisen, Gas- Siebe- Rohre, T- Trägeru. U- Eisen, Feldschmieden und Amboffe fofort ab Lager lieferbar Felix Kohls, Berlin C. 25, Dircksenstr. 12, Dorigplay 12072. te Boltaireftraße. Morigplat 12078. denden abgelehnt. punft. Aus diesem Grunde wandten fich die Baugilden in Manchester und Bondon fürzlich durch eine Delegation beim Gesundheitsministe rium gegen deffen neue Bestimmungen, nach denen jetzt auch mit den Gilden Berträge nur auf Grund des Submiffionsverfahrens abge Tarifforderungen der Rollkutscher und Speditionsarbeiter. Ichloffen werben. Der Minister jedoch beharrte auf seinen Stand Eine vom Deutschen Transportarbeiterverband einberufene Errichtung eines Arbeitssekretariats Im Jndischen Amte in Bellversammlung der Speditionsbranche tagte Freitag in Böters Condon. Der Staatsfetreiår für Indien hat beim Indischen Umte eftfälen. Zur Beratung und Beschlußfaffung ftand die von der( India Office) in London ein besonderes Setretariat für Arbeiter damit betrauten Kommission ausgearbeitete neue Tarifoor angelegenheiten errichtet unter Leitung des Herrn 2. Kershaw, lage. Pischel berichtete eingehend darüber. Der Tarif soll um- der als Vertreter der indischen Regierung an den internationalen fassen: Rollt utfer, Wagenbegleiter, Bodenarbei- Arbeitskonferenzen in Washington und Genua teilnahm. Das neue ter, Stalleute, Chauffeure und Wächter, sowie neu Gefretariat soll auch als Bindeglied mit den Einrichtungen des aufgenommen in den Tarif- die affenboten und Kontor- Böllerbundes und mit anderen Ländern dienen. boten. Die Lohnforderungen betragen für Rofltutscher, Die Arbeitslofigfelt in Belgien nimmt ab. Ende Juft betrug ble Chauffeure, Bodenarbeiter, Stallente und Wächter 450 tart pro Bahl der Arbeitslosen 153 231 gegen 204 110 Ende Mat Woche. Wagenbegleiter unter 17 Jahren follen 180 Mart und Wagenbegleiter über 17 Jahre follen 210 Mart pro Woche erhalten. Für Wagenbegleiter, die das 19. Lebensjahr vollendet haben, ist der volle Lohn von 450 Mart pro Woche für den Fall vorgesehen, daß nach Hebereinkunft mit dem Betriebsrat der Betreffende als voll- Ein bisher unerreichtes Schwimmerziel ist es, den Mermettanal wertiger Arbeiter anzusehen ist. Wird die Bollwertigkeit nicht an zwischen Calais and Dover zu fiberqueren. Der italienische Schwim erkannt, so darf aber bei Feststellung des Lohnes auf teinen mer Tiraboschi hat jetzt den schon wiederholt gemachten Ver all unter 70 Prozent des vollen Tariflohnes fuch aufgeben müffen. Er war nur noch acht Meilen von der fran herabgegangen werben. Raffenboten sollen zu ihrem bis aöfifchen Rüfte entfernt. Er beabsichtigt, feinen Berfuch am 10. Sep herigen Bohne eine Zulage von 50 Prozent erhalten. Für Kontor- ember zu wiederholen. boten wird derselbe Lohn gefordert, wie ihn Absatz 2 für die Wagenbegleiter vorsteht. Eine der neuen Bestimmungen der Tarifvorlage befagt:" Diejenigen Firmen, welche an ihre faufmännischen Angestellten Gratifitationen, Tantiemen oder überhaupt irgendwelche zu Die Graphologie son F. Beder. Breis 7,50 M., Berte 1,80 M. Ausführliche An Tettungen zur Beurteilung ber Handschrift, um aus derfelben Charatter, feelische Zustände, Temperament, Fähigkeiten usw. gu ertennen, mit 127 Schrift proben und Geffärungen. Seber Ränt. d. Bush. erhält auf Wunsch b. unser Inftitut eine genaue Beurtellung seiner Handschrift Entfettungs- Tabletten Marte Sibaja". bas erfolgreichste und unschädlichste Mittel gegen Fettfucht. Ohne Diätzwang. Gewichtsabnahme bei ausgezeichnetem Wohlbefinden. an der Charlottenstr. 1.3,50- Or. Rerfat. gratis Pelikan- Apotheke, Berlin, Celpziger Str. 93 Afbreekt Deneth, Verley Lafzig 42. Bentrum 2755 Aus aller Welt. eranto. für ben rebatt. Tell: Dr. Werner Weifer, Charlottenburg; für anzeigen: . Glode, Berlin. Berlag: Borwärts- Bering G. m. b. G., Berlin. 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Mblershof, Alt- Oliente: Frl. Walter, Ablershof. Ge. noffenschaftsstr. 6, parterre. Baumschulenweg: Frau Röpte, Riefholaftr. 180, Saben. Bernau, Röntgental, Repernid. Ginbrid, Rarow und Bub: Seinri Brofe. Bernau, Mühlenir. 5. Biesborf: W. Dannebera, Bittoriaftr. 11. Bohusborf: Soclemans, Genossenschaftshaus Ba radies". Straße 1. Riebers neweibe: Sartrampf Britdenſtr. 10 II. Rieberföubanfex. Rorbzab: G. Gliebener, Tres texftr. 14. Trebbin: Göring, Bahnhofftr. 62. Treptow: Gramena. Miefholaftr. 412, born 1 Er. Weißenfee: Berliner Allee 54. Biban- Sohenlehme: Rud. Bettow. Wilhelmshagen, Seffenwintel: Schulze, Wilhelmshagen Wilhelmstr. 81. Wilmersdorf: Holsteinische Str. 10, Raiferplag 15. Boltersdorf: Schurbaum, Cichendamm 22. Zeblenbori, Schlachtenfee. Ritolasfee: Wegner. Behlens borf, Teltower Str. 3. Rowawes: Rari Rrohnberg. Eisenbahnftr. 10. Oranienburg: Seint. 2oenhardt, Stralsunder Str. 6. Bittenau: ilh. 8immermann, Rofenthaler Str. 4 Oberfaneweibe: Robert auI. Mathildenftr. 5. 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