Nr. 5YH ♦?s. �ahrgaag --— Ausgabe B Nr. 193 Abend Ansgabe Bezugspreis t McrteljLhrl. S0,— M., monakl. 10,— M. fr«i ws L>aus, voraus zahldau Pott» bezug: Monatlich 10.— M. einschl. Ku- stellunasgedlthr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danz'.g. das Saar» und Memelaebiet, sowie die ehemals deut- scheu Gebiete Polen». Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Poft- bestellunge» nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Elowalet. Däne»- wart Holland, Luxemburg, EchwedeM und die Schweiz. Der.Borwarts� mit der Sonntags» beilage.Poll und ZeiN. der Unter- halwngsbeilage �eimwelN and der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal, Sonn. tag» und Montags einuial. Telegramm- Adresse: »Sozialftcmofral Berits* Vevlinev Volksblatt ( 20 Pfennig� AuzeigeupretS, Dil achtgespalten, NonvareMezeN« lostet dchv M»kleine Anzeigen* da»»ettgedruckte Wort Ich» M.(zu» lässig zwei fettgedruckte Wortes, sede, weiter, Wort 1.— M. 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In der heutigen Bollver- fammlung der Interparlamentarischen Konferenz verlas der Präst- dent«inen vom Interparlamentarischen Rat genehmigten Beschluß» antrag, der oon Thomas L o u g h- England gestellt war und worin der Wunsch geäußert wurde, daß der Paßvisierungszwang auf das Notwendigste eingeschränkt und die Gebühren aus ein Minimum herabgesetzt werden. Hierauf wurden die Verhandlungen über die Stellung der Union zum Internationalen Arbeitsamt fortgesetzt. wobei P r o c o p e- Finnland, eine weniger streng« Fassung der Resolution hinsichtlich der Verpflichtung der einzelnen Gruppen, in den betreffenden Parlamenten für den Anschluß an die Washingtoner Beschlüsse zu wirken, wünschte. L u i g i- Italien betonte die Verschiedenheit der Verhältniste auf dem Ar- beitsmarkt in den einzelnen Ländern. Enzberg» Schweden brachte einen Resolutionsantrag ein, nach dem die Union ihre Mit- Wirkung in den Parlamenten für die Annahme der Konventionen der Internationalen Arbeitslonfernz in möglichst großem Umfange fortsetzen sollte. Dr. T u u b- Holland warnte davor, eine Reso- lution anzunehmen, die die Parlamente allzu stark binden würde und trat für Procopös Abänderungsvorschlag ein. Münch- Dänemark befürchtete, daß die Konferenz leicht den Anschein be- kommen könnte, als ob sie mit der Tendenz einverstanden wäre, die Konventionen nicht zu ratifizieren und legte einen Aenderungs- Vorschlag vor, wonach die Gruppen aufgefordert werden sollten, die Grundsätze der Konventionen zu unterstützen. Reichstagspräsident Löbe-Deutschland betonte, daß Procopes Lorschlag allzu sehr die Tragweite der Resolutionen abschwäche. In den ehemals kriegführenden Ländern habe mqn oft behauptet, daß Arbeiterschutz aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich sei. In Deutschland dagegen sei man ganz anderer Meinung. Jetzt, wo der Krieg die heutige Generation so geschwächt habe, sei es wichtiger als je, daß dieser Schutz verwirklicht werde. Die Interparlamentarische Union köne hier ein internationales Werk ausführen und zeigen, daß eine derartige Gesetzgebung ausführbar sei. Deutschland werde in jeder Weise dafür wir- kcn, daß die Washingtoner Vorschläge angenommen werden und werde mit Befriedigung die Veröffentlichung der Resolution in deutscher, italienischer und spanischer Sprache begrüßen. Di« deutsche Delegation sähe am liebsten, wenn der Antrag van Kol angenommen würde, könne aber, wenn sich dies als notwendig her- ausstelle, dem von Engberg und Münch vorgeschlagenen Abände- rungsantrag beistimmen. S. Roberts- England widersprach im Namen der konservativen Gruppenmitglieder dem gan- zen Resolutionsantrag und erklärte, daß der Staat sich nicht in die wirtschaftlichen Verhältnisse einmischen solle. Hermann Müller und Köster zur Schuldfrage. Stockholm, IS. August. sBJTB.) Der frühere Reichskanzler Hermann Müller äußerte in einem Interview, es sei z w e ck» los, ständig an der' Schuldfrage zu rühren. Wenn auch be- dauerlicherweise Franzosen und Belgier dem diesjährigen Kongreß der Interparlamentarischen Union fernbleiben, bestünde doch kein Zweifel, daß sie bald wieder an der Arbeit teilnehmen würden, zumal deutsche und französische Sozialisten bereits im März in Amsterdam zusammengetrofseu seien. Der frühere Reichsminister Dr. K S st e r lehnte ebenfalls das Ansinnen eine» neuen deutschen kriegsschuldbeienntnisics ah. Diese Frage gehöre nicht ans einen internationalen Kongreß. Die Deut- scheu seien gern zur Debatte mit den Franzosen breit, aber nur als Gleichberechtigte, die auch gewisse Fragen zu stellen haben. Entscheiöung nicht vor Oktober! Paris, IS. August.(BIB.) wie havas mitteilt, konnte Vi- comle Ischii. wie mau in dem Völkerbund nahestehenden Kreisen erNSrt, den Rat nicht vor dem 23. August zusammenberufen, 1. weil die ordentliche�SIHung de» Rates auf den 1. September fest» geseht war und eine möglichst große Annäherung der beiden Sitzungen großen vorteil bot; 2. weil verschiedene Mitglieder des Rates ziemlich weit entfernt sind, und schließlich, weil es den Traditionen und Arbeltsmethoden des Völkerbundes entspricht, jede dieser Sitzungen durch persönliches Studium seiner Mitglieder und vorherige Besprechungen vorzubereiten. Dazu würden die Tage bis zum 23. August ausgenützt werden, und man könne ohne llebertreibung erklären, daß die prü- fung der oberschiesischen Frage im Schöße des Völkerbundes tatsächlich bereits begonnen habe. So hatte z. B. Leon Bourgeois Gelegenheit. Balfonr in St. Gervais zu treffen. In Paris fanden dann weitere Be- sprechuugen der Mitglieder des Rates zwischen vicomle Zschil, Quinone» de Leon, da Euuha und ln letzter Zeit Leon Bourgeois statt, was die Wahl Genfs anbetreffe, so sei sie niemals zwclfelhaft gewesen. Die materiellen Vorbereitungen der Vollversammlung in Genf hätten die Wahl dieses Orte» zur gebiete- rischen Pflicht gemacht. Ileber die Art der Veranstaltung zu sprechen, wäre zweifellos verfrüht. Mau glaube, daß diese äußerst wichtige Frage, über die vor allem eine Einigung zwischen den Delegierten Frankreich» und Englands wünschenswert sei, ln der ersten Zu- sammenkunst am 23. August verhandelt werden wird. Es sei aber, so fügt man hinzu, nicht weniger wünschenswert, daß keine Pressepolemik diese so delikate Frage noch verwickelter mache. Das Urkundenmaterial sei bisher dem Völterbondrat noch nicht über- mitleU worden. Man sei der Ansicht, daß er auch noch nicht im Laufe de« September sein Gutachten über die oberschlesische Frage werde abgeben können. Paris, 19. August.(EE.)„Petit Parisien" glaubt, daß der spanische Botschafter in Paris, Ouinones de Leon, mit der Abfassung des Berichtes des Völkerbundrates betraut werde. Amerika unö die Sowjets einig. Paris, 13. August.(MTB.) Räch einem Telegramm aus Washington erklärt Hoover, daß die Amerikaner mtt den Sowjets über die Bedingungen für die Ernährung der hungernden russischen Bevölkerung einig geworden sind und daß infolge- dessen die Hilfsarbeiteu sofort ihren Ansang nehmen werden.* Die neue Griechen-Offensive. Athen, 18. August.(EP.) Nach dem amtlichen Heeres- bericht haben die griechischen Truppen schon am ersten Tage der neuen Offensive gegen A n g o r a und Konja große Fortschritte gemacht, indem sie stellenweise bis 80 Kilometer vordrangen. Die Kemalisten räumten die Stadt Ismed. Llopö George über üie britische Weltpolitik. London, 18. August.(WTV.) Lloyd George erklärte in seiner heutigen Unterhausrede außer dem bereits Gemeldeten noch, die Frage, die abgesehen oon der auswärtigen Politik, England am meisten beschäftige, sei das englisch. japanische Vünd- n i s und die Pazifik-Frage, auch die ägyptische Frage sei auf der Reichskonfer'enz erörtert worden, desgleichen die Frage der Ver- teidigung des Reiches. Alle seien darüber einig gewesen, daß das britische Reich eine F l o t t e n m a ch t haben müßte, die der jeder anderen Macht in der Welt gewachsen sein müsie. Lloyd George sagte weiter, das englisch-japanische Bündnis fei da und be st e h e weiter, bis es gekündigt werde. Wenn man die Frage der Erneuerung des Bündnisses erwäge, so müsie man in Betracht ziehen, wie es bisher gewirkt habe- Der letzte Krieg sei eine wahre Probe dafür gewesen, und jedermann müsie zu dem Schluß kommen, daß das Bündnis von dem japanischen Verbündeten loyal und treu ausgelegt und durchgeführt wurde. Lloyd George erklärte, man könne den Japanern jetzt nicht einfach sagen:„wir danken Euch. Ihr habt uns in unseren Schwierig- keiten beigestanden, wir brauchen Euch jedoch nicht mehr, gehabt Euch wohl!" Das brikstche Reich müsie sich wie ein Genileman benehmen. Das bedeute jedoch keineswegs, daß das britische Reich ein Bündnis dieser Art aufrechterhalte mit irgendeiner Spitze gegen eine andere Nation, jedenfalls sicher nicht gegen die vereinigten Staaten. Es sei ein Kardinalgrundsatz der britischen Politik und müsie es bleiben, daß das britische Reich in möglich st vollkommenem Ein- vernehmen mit den Vereinigten Staaten handle.(Beifall.) Es gebe kein anderes Land in der Welt, mit dem es wichtiger sei im Einvernehmen zu handeln als die Bereinigten Staaten. Wenn ein Bündnis mit Japan in einem größeren Einvernehmen mit Japan und den Vereinigten Staaten in allen Problemen des Stillen Ozeans aufgehen könne, so werde das ein großes Er- eignis sein und eine Gewähr für den Weltfrieden. Die an dem Frieden des Stillen Ozeans am meisten interessierten Mächte seien die Vereinigten Staaten. Japan und das britische Reich.(Zurufe einiger Abgeordneter: Und China!) Lloyd George erwiderte: Ratürlich auch China! und fuhr fort, diese vier großen Länder seien in erster Linie daran interessiert, ein vollständiges Ein- oernehmen bezüglich des Stillen Ozeans zu haben. Der sicherste Weg, um irgendeiner Abrüstungskonferenz zu einem Erfolg zu verhelfen, sei der, �zu allererst ein Einvernehmen in der Frage des Stillen Ozeans zu erzielen. Die Abrüstung werde viel leichter sein, wenn zuerst ein klares Einvernehmen ge- schaffen werde. Lloyd George sagte, er hoffe immer noch, daß diese Ansicht durchdringen werde. Das britische Reich als Ganzes hege einmütig den Wunsch, in vollständiger Freundschaft mit den Ver- einigten Staaten zu leben und Borkehrungen zu treffen, um jedes etwaige Hindernis gegen eine solch« Freundschaft zu beseitigen. Andere Freundschaften würden noch hinzu- kommen. Zum Schluß seiner Ausführungen sagte Lloyd George unter Beifall, das britische Reich sei„der erste erfolgreiche Völker- bund und der erste erfolgreiche Bund freier Völker". Saarabische Justiz-.Reform". Bon W i l h. K i m m r i ß. In dem Amtsblatt Nr. 11 der Regierungskommission des Saargebiets wird soeben ein� umfangreiche Verordnung über eine Abänderung der Iustizgesetze veröffentlicht. Das ganze Abänderungswerk mutet als eine dummpfiffige und weit- fremde auf politische Verhältnisse zugeschnittene Bureau- kratenarbeit an. Der Z 23 in der Anlage zum Friedensvertrag lautet: „Die Gesetz« und Verordnungen, die im Saarbeckengebiet am 11. November 1918 in Kraft waren(mit Ausnahme der für den Kriegszustand getroffenen Bestimmungen) bleiben in Kraft. Wenn aus Gründen der allgemeinen Ordnung oder um diese Ge- setze und Verckrdnungen mit den' Bestimmungen des vorliegen- den Vertrags in Einklang zu bringen, Aenderungcn an ihm vorgenommen werden müßten, so sollen diese von der Re- gierungskommission nach Anhörung der gewählten Ver- t r e t e r der Einwohner beschlossen und ausgeführt werden." Die vorgenommenen Aenderungen zeigen, daß mit dieser Bestimmilng Mißbrauch getrieben wurde. Um es gleich vorweg zu sagen, sie zaubern aus dem deut- scheu laut Friedensvertrag auf IS Jahre abgetretenen Saargebiet ein neues selbständiges Staats- g e b i l d e, das u. a. ausländische Konsuls erhalten und im Ausland durch eigene Gesandte vertreten werden soll. Durch die Konstruierung des Begriffs„Saareinwohner" werden Deutsche zu Ausländern gestempelt und wird deutsches Recht in ausländisches Recht umgewandelt. Aus dem Artikel 2 in der Einleitung der Verordnung, die da lautet: „Die Gerichte haben bei der Anwendung gesetzlicher Vorschrif- ten nicht am Wortlaut zu haften, sondern die Vorschriften in freier Weise nach den Grundsätzen auszulegen, die dem Rechts. system zugrunde liegen und der Billigkeit in weitestem Maße Rücksicht zu tragen. Insbesondere sind alle nicht in zwin« gender Weise gegebenen Vorschriften nur soweit anzuwenden, als dem nicht im einzelnen Fall ein Grund der Zweck8Näßig- k e tt oder Billigkeit entgegensteht," geht hervor, daß die Väter dieser„Reform" drauf und dran sind, das Vertrauen zu der Rechtspflege— einfach weg zu reformieren. Mit peinlicher Gewissenhaftigkeit werden in sämtlichen Gesetzen die Worte„deutscher",„Deutsches Reich" oder„deutsche Bundesstaaten" gestrichen und durch die Be- Zeichnungen„Saareinwohncr" und„Saargebiet" ersetzt. Die Bestimmung im Einführungsgesetz zum Gerichts» verfasfungsgesetz, in dem die Landesherren nebst ihren Familienmitgliedern außerhalb des Gesetzes gestellt wer- den, wurde nicht geändert, demnach scheint der Völker- bund anzunehmen, daß das Saargebiet demnächst wieder einen Landesherrn haben wird— oder diese„Kleinigkeit" wurde übersehen. Von der Hinzuziehung von gewählten Volksrichtern, von der Zulassung von Laienrichtern zur Rechtsprechung und von Arbeitern und Frauen zum Richter-' bzw. Schössen- und Ge- schworenenamt usw. scheinen die beauftragten„Reformer" des demokratischen Völkerbundes noch nichts gehört zu haben. In der Zivilprozeßordnung wird als wefent- liche Neuerung eingesührt, daß Urteile„nicht saarländischer Garichte" im Saargebiet ohne weiteres nicht v o l l st r e ck t werden können. Also auch Urteile deutscher Gerichte können im Saargebiet nur vollstreckt werden, wenn der„Oberste Gerichtshof" sie zuläßt. Von einer Reform des Zwangsvoll st reck ungs- wefens, einer Regelung der Rechtsvertretung, unter besonderer Berücksichtigung der Zulassung von Arbeiter- sekretären und von einer Verbesserung des Klagcrechts Unbemittelter enthält die„Reform" keine Silbe. In* der Konkursordnung, Grundbuchordnung und in dem Gesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit fällt besonders die Streichung der Worte„in einer der Landeswährungen" auf. Die Wahrungskalamität wird demnach als dauernder Zu- stand betrachtet. Weiter vermißt man hier hauptsächlich die Neuregelung des Familienrechts im Sinne einer Gleich- st e l l u n g von Mann und Frau, Bestimmungen zur Er- leichterung der Ehescheidung, die G l e i ch st e l l u n g unehe- licher Kinder, Verbefferung des Fürsorgewesens, ein Miets- und Wohnungsrecht, eines Arbeits- rechts usw. Im Strafgesetzbuch sind zunächst sämtliche Geld- strafen um das fünffache erhöht. Unter den sonstigen Aende- rungen befinden sich einige ganz besonders gelungene. Im§ 4 wird zunächst gesagt, daß wegen der außerhalb des Saargebiets begangenen Verbrechen und Vergehen i n der Regel keine Verfolgung stattfindet. Dann aber heißt es weiter:„Es kann verfolgt werden, wer außerhalb des � Saargebiets hochverräterische Handlungen und I Münzverbrechen begeht, oder wegen Handlungen, die auch im Saargebiet als Verbrechen oder Vergehen angesehen werden." 1 Der Willkür der Richter wird hiermit Tür und Tor geöffnet. Cim§ 9 wirb die Ausliefe? U N g von„S a a r e i n- w o h n e r n"(die Bezeichnung ist, nebenbei bemerkt, sprach- sicher Unsinn) in den Fällen, in'denen die Gegenseitigkeit ver- bürgt ist und wenn er ein Staatsangehöriger der betreffenden Regiening ist, festgelegt. In einer Verordnung der Re- gicrungskommisswn vom Iusi d. I. wurde der Begriff„Saar- einwohncr" und„Nichtsaareinwohner" neu konstruiert. Man schied damit die Saargebietsbevölkerung in In- und Aus- iändcr. Der Z Ii des StGB., der die Immunität der Volksver- treter garantierte, wurde ganz gestrichen. Man wollte absichtlich jedwede Hoffnung auf eine Bolksvertretung zertreten. Die Regierung vertritt aber dessen ungeachtet den Standpunkt, daß die gewählten Stadt- und Kreisvertretungen die„Volksvertretung" fein sollen, denn sie hat diesen ja auch den vorliegenden Entwurf zur Begutachtung(!) zugehen lassen. Man muß demnach an- nehmen, daß der Saarregierung nur die Immunität dieser Vertreter ein Dorn im Auge war. Die in gleicher Weise erfolgte restlose Streichung des§ 12, der die Presse-schützte bei wahrheitsgemäßer Bericht- erstattung über Parlamentsberichte, bestärkt diesen Eindruck. Der Z 39 gibt der Obersten Polizeibehörde das Recht, „Nichtsaareinwohner" auszuweisen. Da Deutschland nach Schaffung des Begriffs„Saareinwohner" ebenfalls „außerhalb des Saargebiets" liegt, riskiert ein Deutscher aus einem Gebietsteil seines Vaterlandes ausgewiesen zu werden. In dem Z 81 des StGB, ist folgender wunderliche Satz enthalten: „Wer es unternimmt, 1. die Verfassung des Saargebiets gewaltsam zu ändern oder., 2. das Saargebiet ganz oder teilweise einem fremden Staat gewaltsam einzuverleiben oder-einen Tell desselben vom Ganzen loszureißen, wird wegen Hochoerrats mit lebens- länglichem Zuchthaus oder lebenslänglicher Festungshaft bestraft." Der in diesem Paragrah entwickelte Scharfsinn der juristi- schen Gesetzesmacher'ist einfach phänomenal.„Wer es unter- nimmt, 1. die V e r f a �s u n g des Saargebiets gewaltsam zu ändern—" Bisher exstiert nämlich eine„Verfassung des Saargebiets", die ein selbständigss Staatswesen zur Voraus- setzung hat, nur in den Köpfen einiger westlicher Annexionisten. Wegen Hochverrat wird serner mit lebenslänglichem Zucht- haus bestraft, wer das Saargebiet einem fremden Staat einverleiben, oder ein Teil von feinem Gebiet losreißen will. Wir nehmen zur Ehre der Gesetzgeber an, daß sie den Friedens- vertrag nicht wie einen beliebigen Fetzen Papier betrachten und deshalb Deutschland nicht zu den„fremden Staaten" rechnen werden.(Die Ummodelung des Begriffs„Ausland"" in„außerhalb des Saargebiets" läßt jedoch einen' anderen Schluß zu.) In,§ 195 verfchäfft sich die Regierungskommission selbst den Schutz, den sie in den 88 11 und 12, wie bereits er- wähnt, den„gewählten Vertretern" und der Presse nahm. Sie droht Zuchthaus- oder Festungsstrafen nicht unter fünf Iahren demjenigen an,„der es unternimmt, die Regierung?- kommiffion des Saargebiets auseinanderzusprengen, zur Fassung oder Unterlassung von Beschlüssen zu nötigen oder Mitglieder aus ihr gewaltsam zu. entfernen." Nach einer Auslassung des„Manchester Guardian" soll dex Präsident Rault vor dem.Völke-rburidrat in Genf erklär: haben, er brauche eine starke, zuverlässige, d. h. französische Polizeitruppe, um Str e i k s zu unterdrücken. Die englische Zeitung bemerkt, daß dieses Recht den Arbeitern heute in allen zivilisierten Staaten zuerkannt sei. Der demnach eines zivilisierten Staates unwürdige Zustand soll scheinbar ver- ewigt werdeßi. Der 8 141 lautet: „Wer im Saargebiet jemanden zum Militärdienst In einem anderen als dessen heimatlichen Heere anwirbt oder den Suöermanns„Notruf*. Theater in der Königgrätzer Straße. Es ist Hermann Sudermanns aufrichtigster Wille, nicht ein Prophet für unsere Zeit zu sein, sondern eine Unke. Er gibt sich also als Anschwärzer und Dramatiker, trotzdem strauchelt seine berechtig- keit ein wenig. Er schielt. Er sieht mit einem Auge nur die guten Menschen unserer Tage, mit dem anderen nur die bösen. Und sein zweiter, nicht unbeträchtlicher Sehsehler besteht darin, daß er überall, wo aus der alten Kriegszeit noch dreckige Uniform aufgetragen wird, nur Schufte, Großmäuler und Schieber erblickt. Wird dagegen Leut- nants- oder Oberleutnantsuniform aus der wilhelminischen Zeit hin- übergenommen, so schleppen die Träger des grauen Tuches zum min- besten einige Ueberdofen von Edelmut mit sich. Man irrt, wenn man dem Herold dieses patriotischen Notrufes Borniertheit vorwirft. Ein Mann, der so schlau auf der Bühne um die Politik spekuliert, ldie uns alle brennt, ist eher gerissen. Trotzdem wird Sudermann sagen, daß er objektiv und unparteiisch gewesen sei. Hat er nicht die Schäbigkeit der Drückeberger von 1914— 1918 entlarvt? Hat er nicht die Knabenhaftigkeit des Spartakisten mit altbiblischer Heftigkeit gestraft? Läßt er nicht die Hoffnung auf die Zuuknft der Republik aussprechen von einem Mann, der im Schauspiel die höchste Offizierscharge be- kleidet? t Es handelt sich also um ein politisches Stück. Nein, es handelt sich um etwas anderes. Gleich zu Anfang wird auf der Bühne das Wort Kolportage ausgesprochen. Es handelt sich eben um Kolportage in allen Ausmaßen. Der„Notruf" ist nichts Besseres und nichts Schlechteres als eine Kolportage-Tragödie. Sie ist bewunderungs- würdig durch die Geschicktheit des Bühnentechnikers, der drei Akte lang seine nicht gar saubere Hand auf die Brust des Zuschauers legt und ihn einschüchtert, als wenn es einzig« Pflicht des Dramatikers wäre, den Zuschauer derart zu hypnotisieren, daß er atemlos und hilflos wird wie«in schwaches Hühnchen. Dann kommen noch zwei Akte in tragischer Lösung und der sonst übergeschickte Techniker der Folterkammer versagt und langweilt schließlich. Die Leute im Parkett feierten und verlangten ohne Widerstand ihren Dichter. Sudermann . bewies, daß er kein steinernes Herz hat und er hörte nicht auf, sich zu verbeugen. Den Notruf schreien der Oberstleutnant v. Hecklingen, fem« Gattin, sein Sohn und sein Adjutant. Der Chef des ehemaligen Kaiserregi- ments kennt nur Amt und Arbeit. Er dient der Republik so leiden- schaftlich, daß er die Leidenschast zur Gattin vergißt, die schon 5 Jahre allein gelitten und an stillen Abenden auch dem zur rechten Zeit ein- treffenden Hausfreund, dem eleganten H'eimkrieger, gehört hat. Der Adjutant lebt nur im Gewesenen, und mit Begeisterung zöge er den Revolver gegen Spartakus, wenn seine Begeisterung nicht in Todes- tust verwandelt würde durch die schlimme» Erfahrungen mit seiner Werbern eines solchen zuführt, wird mit Gefängnis von 3 Mo» naten bis zu 3 Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar." Da laut 8 39 der Anlage zum Friedensvertrag im Saar- gebiet kein Militärdienst stattfindet und für die deutsche 100 000 Mann starke Armee wahrhaftig kein Werbefeldzug im Saargebiet veranstaltet werden braucht, ist diese Bestimmung wahrscheinlich nur geschaffen worden, um den Werbern für die französische Fremdenlegion das Handwerk zu legen. Noch eine„Reform" sei erwähnt: „Laut 8 485 bedürfen Todesurteile zu ihrer Voll- streckung keiner Bestätigung. Die Vollstreckung ist vielmehr zulässig, wenn die Regierungskommission von ihrem Begnadigungsrecht keinen Gebraucht macht. Diese Beispiele dürften schon Qualität und Tendenz dieser Gesetzgebungsarbeit zur Genüge kennzeichnen. Von wirklichen Reformen, wie beispielsweise die Ent- schädigung unschuldig Verurteiller und Verhafteter, das Be- rufungsrecht in allen Strafsachen, die Einschränkung der Unter- suchungshaft, der Aufbau des Strafrechts auf die Prinzipien des Schutzes und der Erziehung an Stelle des bisherigen Prinzips der Vergeltung, die Abschaffung der Todesstrafe und der lebenslänglichen Freiheitsstrafen usw. enthält diese Arbeit ebenfalls ckeine Spur. Es ist eine von Juristen, d. h. von be- ruflichen Gesetzesauslegern und Fachleuten und nicht etwa eine von nichtfachmännischen Parteileuten geschaffene„Qualitäts- arbeit". Simple Volksvertreter und Parteileute hätten wahr- scheinlich die Reform nach dem plebejischen Grundsatz„Was Recht ist, soll Recht bleiben" aufgebaut, aber solche Arbeit ist in Saarabien nicht zu gebrauchen. Und doch! Als dem Mephistopheles am Ende die Seele des Faust entschlüpft, ruft er, sich selbst anklagend, aus: „Ein großer Aufwand, schmählich! ist vertan-- -—-rr— Zeuge CS'cherich. In dem Leitartikel des gestrigen Abendblattes war auf Ausführungen einer Escherich-Broschüre über die Ursachen der Revolution Bezug genommen worden. Auf einige an uns gerichtete Anfragen geben wir diese Ausführungen nachstehend im Wortlaut, da sie gegenüber den gewohnten all- deutschen Agitationslügen nicht ohne Bedeutung sind. Sie sind enthalten in Nr. 1 der„Escherich-Heste"(Herausgegeben vom Forstrat Dr. Escherich). Das erste Heft, das die Borge- schichte der Münchener Revolution darstellen will, beginnt gleich mit folgenden Sätzen: Die Länge des Krieges mit seinen großen Opfern an Gut und Blut, mit seinen ungeheuren Entbehrungen infolge der englischen Hungerblockade, mit den riesigen Kriegsgewinnen, der mit diesen verbundenen Genußsuchi, dem abnehmenden Ehr- und Pflichtgefühl, trugen dazu bei, die im Volte aufgespeicherte Unzufriedenheit noch weiter zu steigern. ZNammonismus und rücksichtslose Gewinnsucht, Bestechlichkeit und wüstes Genußlebeu machten sich in der Heimat um so breiter, je mehr die Entbehrungen an der Front und bei den Massen m der Heimat zunahmen. Auch im Rückengebiete des Heeres wurzelten sich die erwähnten krankhaften Erscheinungen ein. Nach der alldeutschen Theorie sollen Schiebertum, Genuß- sucht, Mammonismus, nicht zuletzt Bestechlichkeit sowie abneh- mendes Ehr- und Pflichtgefühl, alles Folgeerscheinungen der Revolution sein. Herr Escherich— sicher kein Freund der Revolution— erkennt an, daß diese Untugenden d u r ch d e n Krieg emporgeschossen sind. Er muß es freilich wissen, denn auch er„wurzelte" ja„im Rückengebiet des Heeres", führte ein beschauliches Dasein als Verwalter der riesigen Wälder von Bialowicze und erfreute sich des steten Besuches der Fürstlichkeiten, Generäle, Hoffchranzen usw., die den Hauptzweck der Okkupation dieses Urwaldforstes darin sahen, daß sie der Jagd auf seltenes Wild, namentlich auf den Wisent, frönen konnten. Ja, wir glauben gern, daß Herr Escherich über die„krankhaften Erscheinungen" in der Etappe Bescheid weiß. Auf Seite 7 der Schrift wird dann über die besonderen Ursachen der Revolution in Bayern folgendes ausgeführt: ehemaligen Krankenpflegerin, die natürlich unverhofft m die Ereignisse des Dramas eingreift. Der Leutnant will sterben,' die Gattin des Obersten, die durch ihren Hausfreund enttäuscht wird, will ebenfalls sterben, und sie beschließen, den Tod zu suchen und erinnern sich an den Doppesselbstmord, den Heinrich v. Kleist und Frau Vogel be- gingen. Nur dient anstatt der Kugel ein neues Teufelsgas. So deutet Sudermann den Geist unserer modernen Zeit. Es kommt aber so, daß der Leutnant allein den Tod«inatmet. Endlich wird die komplizierte Frau von ihrem Stiefsohn geliebt, der nattirlich aus der väterlichen Zucht ins Spartakiftenlager hineinstürzt und dort die Todeswunde empfängt. Auf der Bühne wird einen Akt lang Blut- schände gespielt. Sudermanns letztes Stück ließ die lesbische Liebe spielen. Welche Steigerung wird fein Genie noch finden? Herr Sternburg, Mathilde Brandt, Heinz S t i« d a können sich ihrer Bombenrollen mit Erfolg freuen, Herr v. Twar- d o w s k i charakterisiert ungeübt und ohne daß er mehr als ein fesselndes Aeußere oerriete. Max Hochdorf. „Der Neandertaler." Ein Leser schreibt uns: In dem Aussatz in Nr. 33 der„Heimwelt" wird auch über die Skelettfunde be- richtet, die der Schweizer Archäologe Dr. Otto Häuser 1908 in ße Moustier und 1909 in Combe Capelle gemacht hat. Ich möchte, unsere Leser darauf aufmerksam machen, daß beide Funde sich in Berlin befinden. Lange waren sie im Mu seum für Völ- k e r kun d e an der Ecke der Prinz-Albrecht- und Königgrätzer Straße, in der Sammlung aus der Steinzeit zu sehen, sind jetzt separiert und sollen in nächster Zeit in das benachbarte Museum für Kunstgewerbe übergeführt werden. Der Fund von Le Moustier, dem Hauser ein Aller von mehr als 100 000 Iahren zuschreibt, zeigt die Reste eines Menschen von knabenhafter Figur, dessen asfenähnlicher Schädel den echten Typus der Neandertalrasse auf- weist. Daß schon zu seiner Zeit die Kultur Fortschritte gemacht hatte, bekunden die bei ihm gefundenen Geräte aus Feuerstein, ein Schaber und«in Faustkeil, beide einfach, aber handlich ge- arbeitet. Der Kopf des weit späteren Menschen von Combe Capelle mit dem ungleich edleren Typus der Rasse von Aurignac ist mit einem Kranze von Seemuscheln umgeben und auch hier finden sich Feuersteinfabrikate. Wenn diese kostbaren Schätze wieder zur Besichtigung ausge- stellt sind, werden unsere Leser ihnen sicher die«erdiente Beachtung widmen. Englands Kampf um den amerikanischen Filmmarkl. Die eng- lisch« Filmindustrie betrachtet es zurzeit als ihr Ziel, das amerikanische Kino zu erobern. Einen Begriff von der Größe dieser Aufgab« erhält man, wenn die englischen Blätter berichten, daß den 3000 Licht- bildtheatern des Vereinigten Königreichs mehr als 22000 in der Union gegenüberstehen. Neben den geschäftlichen Gesichtspunkten wird auch der ideale Zweck dabei in den Vordergrund geschoben: die ungeheure Unwissen- heit der Amerikaner über englische Verhältnisse, die der englisch-ameri- konischen Freundschaft und dem gegenfettigen Verständnis der beiden Während des Krieges steigerte sich die allgemeine Unzufrieden� heit gewisser Kreise durch den weiwerbreijeten Glauben, daß Bayern zu den landwirtschaftlichen Kriegslieferungen(vor allem von Vieh) vom Reiche stärker herangezogen wurde als die übrigen Bundesstaaten. Der Bayer empfand die Verringerung der Bier- ration und die Verschlechterung der Qualität dieses Rationalgetränks besonders schwer, und den Südbayern, als ausgesprochenen Fleisch- esser und Gemüseverächter, traf die Einschränkung des Fleischoerbrauches viel härter als die Norddeutschen. Auch der Bayer empfand viel schwerer als dieser die Unmenge bureaukra- tischer Verordnungen, welche die Kriegswirtschaft notwendigerweise mit sich brachte. Der Gegensatz zwischen Süd und Rord hatte sich, je länger der Krieg dauerte, um so Wehr verschärft. War doch auch die kämpfende Front keineswegs davon ganz freigebliebem Die allgemeine Unzufriedenheit erfaßte unter diesen Verhält- nissen auch den Bauern, der bekanntlich 65 Prozent des bayerischen Volkes ausmacht. Obwohl es ihm finanziell ausgezeichnet ging, so überwog doch auch bei ihm allmählich der Unwille die Gunst der wirt- schaftlichen Lage, und das Wort„Revolutton" war feit dem Sommer 1918 ein Begriff, der selbst überall aus dem Lande immer mchr Au- klang fand. . Die deutsche Revolution des Jahres 1918 ist im wesentlichen die Folge des verloreneu Krieges, besser gesagt der erschöpften Kraft. Die Revolution F o l g e des verlorenen Krieges— damit vergleiche man die jüngst in Pommern durch den deuffchnatio- nalen Herrn Graes neu aufgelegte Geschichtslüge, daß wir im November 1918„dicht vor dem Endsieg" gestanden hätten, der nur durch die Revolution vereitelt worden sei! Und der baye- rische Partikularist, der bayerische B i e r p ht l i st e r. der bayerische Bauer als Träger des revolutionären Ge- dankens— wie reimt sich das zu der von den Sozialisten„ge- machten" Revolution?! Gewiß sind es geschichtliche Binsen- Wahrheiten, die in der Escherich-Broschüre stehen. Aber es ist bezeichnend für die Verlogenheit der reaktionären Propa- ganda, daß man diese Binsenwahrheiten gegenüber der unge- heuerlichen deutschnationalen Geschichtsfälschung immer wieder hervorheben muß. « Die„Deussche Tageszeitung" geht auf die ihr sehr unangeneh- men Feststellungen unseres Artikels„Der anständige Friede" noch einmal ein. Da sie ihren Lesern die Hauptpunkte unterschlägt, und statt einer Wiedergabe eine Entstellung unserer Gedankengänge ver- sucht, ist längere Auseinandersetzung zwecklos. Wir stellen nur kurz fest: Das agrarische Blatt äußert sich nicht dazu, warum derselbe Verständigungsfriede ohne Eroberungen jetzt in feinen Augen ein „anständiger Frieden" ist, während fein langjähriger Leit- arttkler, Graf Reventlow, von dem Verständigungsfrieden wohl hundertmal als„hungerfriedeu" gesprochen hat. Doch ohne es zu wissen, bringt die„Deussche Tageszeitung" selber die Erklärung. Sie gesteht zu, daß die alldeussche Politik g r u n d- f ä tz l i ch auf der L ü g e aufgebaut ist. Denn sse schreibt zu unserer Feststellung, daß die Alldeutschen, solange der a n st ä n d i g e Frieden möglich war, nicht diesen, sondern den Eroberungssrieden wollten, wörtlich folgendes: Es war unvermeidlich, daß der kämpfenden Front Ziele gezeigt wurden, selbst wenn diese letzten Endes nicht alle Unlösbar waren. Die Alldeutschen haben also das deutsche Volk systematisch belogen und betrogen. Sie haben ihm Ziele vorgegaukelt, deren Uner- süllbarkeit sie selber ganz genau kannten und auf der Jagd nach diesen Zielen ist die Möglichkeit des anständigen Verständigungs- friedens verpaßt worden. Das ist die Tragödie des deutschen Volkes, hervorgerufen durch alldeussche Verlogenheit. Noch kein tzorthp- Einmarsch in Saranpa. Budapest, 19. August.(MTB.) Da die serbischen Militär- behörden bisher keinerlei Befehl zur Räumung der laut Friedensvertrag zurückzugebenden Gebiete ausgegeben haben, stimmte der Kommandant der ungarischen Truppen, General S o o s, auf Ersuchen des Bevollmächttgten der Ententetonttoll- kommisston, Oberst Gösset, zu, daß die mit der Uebernohme zu- sammenhängenden militärischen Operationen, die heute hätten be- Schwesternationcn so hinderlich sei, könne vor allem durch das Kino(!) behoben werden, das die Anschauungen vom englischen Leben in die breitesten Volksschichten zu tragen geeignet sei. Der erste Film, von dem man glaubt, daß er einer solchen Auf- gäbe gewachsen sei, hat jetzt das Licht der Welt erblickt. Es ist„Der Bigamist", der im letzten Winter in Nizza hergestellt worden ist. und dessen Vorbereitung 50 000 Pfund Sterling verschlungen haben soll. Die englischen Zeitungen sind voll von dem Stück, das gegen- wärtia in London abgerollt wird, und dessen Erfolg durch eine bereits auf mnerikamsche VerhälMisse zugeschnittene Reklame vorbereitet worden ist. Ein sittenstrenges Warenhaus. In den Spuren der Landes- väter der„guten alten Zeit", die ihren Untertanen unter strengen Strafandrohungen vorschrieben, wie sie sich zu kleiden hätten, man- delt die Verwaltung der amerikanischen.Marshall Field-Company", eine der größten Warenhausfirmen der Union, die schon kürzlich ihren weiblichen Angestellten,, die das Haar kurz geschnitten tragen, die sofortige Entlassung ange- kündigt hatte. Jetzt hat die Direktion einen neuen Ukas erlassen, der im In- teresse der„Erhaltung der Zucht, Sitte und Ordnung" das Folgende verfügt:„Das Tragen von Kleidern mit kurzen Aermeln, ausge- schnitten«» Blusen, kurzen Röcken und Wadenstrümpfen ist in der Arbeitszeit streng untersagt. Ebenso sind auffällige Frisuren und Kleider mit Bändern oder Spitzenbesatz zu vermeiden." Wie aus zahlreichen Zuschriften hervorgeht, nahmen die An- gestellten besonderen Anstoß an dem Verbot, kurz geschnittene Haare zu tragen. Sie weisen darauf hin, daß Frauen ihre Haare nicht in gefallsüchtiger Absicht kurz abschneiden, sondern daß dies in der Hauptsache zu dem Zwei� geschieht, den Kopf ftisch und küht zu erhalten, weil das der Gesundheit zuttäglich ist. Dem Münzkabinett deS Kaiser-Friedrich. Museums ist ein große» Vermächtnis zugesallen, die Münzensammlung seines verstorbenen Direktors Drefsel. Es sind an 2000 zumeist antike, vorwiegend römische Münzen, Bleimarken u. dergl. Gleichzeitig tonnte da» Kabinett eine größere Anzahl antiker mittelallerlicher und neuzeitlicher Münzen lausen. Deutsche tvewerbescha« München 1DSS. DaS rege Interesse an der Deutschen Gewerbeschau und der Wille zur Mitarbeit sand einen starken Ausdruck auf der 25. Delegiertentagung des Verbandes Deutscher Kun st gewerbevereine, die kürzlich in Coburg statssand. Der Delegicrtentag embiahl„den Vereinen dringend die vollwertigste Beschickung der Gewcrbeschau München, um im Auslande den Ruf deutscher Arbeit neu zu sichern und im Inland den Antrieb zur Werlarbeit nachhaltig zu steigern'., Kürschners Sechs- Zprachen. Lexikon(Deuttch. Englisch. FranMsch- Jtali enisch« Sp anisch-Lateinisch) ist soeben in 4. vermehrter und verbesserter Auslage(Berlin. Hermann Hillger Verlags erschienen. Außer dem Wörter- buch der sechs Sprachen, enthält das Buch ein sechssprachiges Lexikon geographischer Benennungen und Personennamen, eine Sammlung geflügelter Worte, Sentenzen u. dergl. in süns Sprachen, sotvie eine Ab- Handlung über Geschichte und Eigenart der fremden Sprachen nebst Verzeichnis der gebräuchlichsten Abkürzungen.(Preis: Gebunden m Halb- uinenband bö R., in Sanzleinenband 70 R. Um die letzten Kriegsgefangenen. BetUn, 19. August.(WTB.) Im Auswärtigen Amt fand am 17. August auf Veranlassung des Reichskanzlers unter Hinzu- Ziehung der R e i chs z en t r a Ist« lle für Kriegs- und Zivil- gefangene«in« Sitzung statt, in der mit Vertretern der Kriegs- gefangenenorganifationen verschiedene, die Heim- schoffung der noch immer nicht in die Heimat zurückgekehrten deutschen Kriegsgefangenen betreffend« Fragen besprochen wurden. Die Aus- spräche erstreckte sich insbesondere auf die Heimschaffung der in Eis- k a u k a f i e n befindlichen Gefangenen sowie auf die in A v i g n o n zurückgehaltenen Kriegsgefangenen. Hierbei wurde an der Hand der neuesten Nachrichten, welche die teilweise Freilassung der Aoignon- Gefangenen melden, auch die Frag» der weiteren Haltung der Organi- sationen und der mit den Kriegsgefangenen befaßten amtlichen Stellen in dieser anscheinend zunächst auf gutem Wege befindlichen An- gelegenheit erörtert. An der Sitzung nahmen von feiten der Kriegs- gefangenenorganifationen teil: Barsanti vom Bundesvorstand der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener, Frau von K u» n o w s t i und Pfarrer Siems von der Ortsgruppe Charlotten- bürg der Kriegsgefangenenheimkehr, Professor Kessel und Heinrich Cohn vom Vorstand der Vereinigung von Familien deutscher.Kriegs- und Zivilgefangener in Breslau und Rektor Blaß aus Barmen, 1. Vorsitzender des Volksbundes zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen, Ortsgruppe Barmen. GroMerlln Soxkämpfe. Da der„Vorwärts* nur über einen einzigen Berichterstatter für den Faustkampf- und Ringsport verfügt, so können wir über die wichtigen Veranstaltungen des gestrigen Tages, die zeitlich zum Teil zusammenfielen, unsern Lesern leider nur einen lückenhaften Bericht geben. Im Vordergrunde des Interesies standen die Boxkämpfeim Berliner Rathaus«, die von Dr. Weyl musterhaft arrangiert und mit der bekannten virtuosen und umsichtigen Gewandtheit ge- leitet wurden. Der deutschnationale Schwergewichtsboxer Kimbel (165 Pfund) und der Kommunist G o l d b a ch(153 Pfund) von derselben Klasie eröffneten das Programm. Beide von hervorragenden physischen Qualitäten und vortrefflich in der Form. Namentlich bei Kimbel fiel es angenehm auf, daß er die bei den deutschnationalen Meistern häufig störenden Fettablagerungen in den Bauch- und Ge- säßteilen durch ein energisches Training überwunden hatte. Nachdem Kimbel dreimal zu Boden gegangen war, beendete Goldbach den Kampf in der fünften Runde stegreich durch Brustschlag. Weniger interessant gestaltete sich der Kampf Fab'an-Mankowski, der in technischer Beziehung einseitig verlief, da eine vollkommene kom- munalpolitisch-sportliche Durchbildung der beiden Kämpfer nicht fest- gestellt werden konnte. Einige prachtvolle Kopfhiebe, die der Kom- munist seinem deutschnationalen Gegner verabfolgte, blieben dank der phänomenalen Schädelhärte Fabians wirkungslos. Erst als die empfindlichste Stelle aller nationalistischen Kämpfer, der Magen, durch einen sicheren Schlag von Mankowskis Faust getroffen wurde, entschied sich das Ringen zugunsten des kommunistischen Boxers. Uebcr die weiteren Nummern des Rathaus-Programms kann ich leider nicht berichten, da es inzwischen höchste Zeit geworden war, in den F l o r a- G a r t e n(Kanfftraße 9) zu eilen, wo der Kanadier Harold Rolf gegen den deutschen Schwergewichtsmeister Hans Breiten st räter boxte. Beide waren einander ziemlich eben- bürtig und so gestaltete sich der Kampf ungemein spannend. Als Rolf in der 19. Runde völlig erschöpft und blutend zusammenge- brachen war, bedauerte wohl keiner der zu Tausenden versammelte' Freunde dieses edlen Sports, das ungewöhnlich hohe Eintrittsgeld (bis 199 M. für bessere Plätze) gezahlt zu haben. Im Interesse einer lückenlosen Berichterstattung ist es aber dringend zu wünschen, daß die Berliner Stadtverordnetenversamm- lung in Zukunft ihre Sitzungen zeitlich so anberaumt, daß sie nicht mtt anderen wichtigen sportlichen Deranstallungen kollidieren. Schigolch. Und öas will im Rathaus regieren! Ueber die Keilerei in der gestrigen Stadtver- ordnetensitzung, bei der ein Kommunist auf einen Deutschnationalen einhieb, bringen die Blätter der rechts- stehenden Parteien enttüstete Bettachtungen. Man muß ihnen darin recht geben, daß durch solche widerwärtigen Auftritte das Stadt- Parlament geschändet wird. Aber wir bitten, hierbei doch nicht zu übersehen, daß auch den Redner der Deutschnationalen ein nicht geringer Teil der Schuld trifft. Wae er über die Kommunistenwirt- schaft in Rußlcmd sagte, ist im wesentlichen richtig. Nur lag kein ttistiqer Grund vor, den Kommunisten des Berliner Rathauses in der Beratung über den Beitrag zum Oberschlesier-Hilfswerk diese An- würfe ins Gesicht zu schleudern. Wenn der deutschnationale Redner von seiner Frak- tton ausdrücklich beaustragt worden wäre, einen Skandal zu provozieren, so hätte er die Sache nicht geschickter anfangen können. Daß auf solche Provokationen die Kommunisten immer hineinfallen werden, steht ja im voraus fest: denn bei ihren Schreiern ist leider das Mundwerk sehr viel kräftiger entwickelt als das Hirn. Mit Skandalen, die zu einem vorzeitigen Schluß der Sitzung zwin- gen, werden nur die Geschäfte der rechtsstehenden Fraktionen besorgt. Denen ist es offensichtlich darum»u tun, die„einstweilige* Stadtverordnetenversammlung möglichst nicht mehr zu einer rechten Arbeit kommen zu lassen, was übrigens auch in der„ordentlichen* Stadwerordnetenoerfammlung ihr Wunsch war. In diesem Punkt berühren die Deuffchnalionalen und Konsotten sich mit den Kommunisten, die ja stets bemüht waren, die Arbeit des Stadtparlaments zu erschweren oder ganz zu verhindern. Wenn die bevorstehenden Stadtverord- netenwahlen so aussielen, wie dke Gegner der Sozialdemo- kratie auf der rechten und auf der linken Seite es sich denken, dann gäbe es in dem neuen Stadtparlament hauptsächlich die Deutsch- nationalen und Deutschvolksparte iler auf der Rechten und die Kommunisten auf der Linken. Man stelle sich vor, welche„Arbeit* dann in der Berliner Stadtver- waltung geleistet würde! Im Rathaus würde man dann wohl jeden Donnerstag den Genuß einer Keilerei haben können. Gemeindewähler, laßt Euch das zur Warnung dienen! Stimmt am 16. Oktober bei den Stadt» und Be- zirksverordnetenwahlen nur für die Listen der Sozialdemokratie! Sie allein fft berett zu ernster Arbeit am Aufbau des neuen Berliner Gemeinwesens. Der 5rauenmorö in öer potsüamer Straße. Die Inhaberin eines Aianikuresalons erdrosselt aufgefunden. Seine Spur des Täters. Ein neues Derbrechen ttef, wie bereits im heuttgen Morgenblatt bettchtet, gestern abend die Mordkommission der Berliner Kriminalpolizei nach dem Grundstück Potsdamer Straße 199, wo die dott im ersten Stockwerk alleinwohnende Krankenpflegettn Minna Meiners erdrosselt, an Händen und Füßen gefesselt und. wie aus dem großen Durcheinander in den Zimmern zu schließen ist, beraubt aufgefunden wurde. Ueber dieses neue Verbrechen, das nach seiner Entdeckung«ine große Menschenansammlung in der Potsdamer Sttaße hervorrief, erfahren mir folgende Einzelheiten: / Ueber das Moskauer Hilfskomitee berichtete in einem Vorttage Herr B i r j u k o w, Mitglied des allrussischen Hilfskomitees, der Moskau erst am 4. August verlassen hat. Die Initiative der privaten Hilfsaktion ging nicht von der Sowjetregierung, sondern von nichtbolschewistischen Polittkern aus, die aufgeregt durch erschütternde Berichte aus den Hungergebieten, sich an leitende Männer der Sowjet- regierung wandten mit dem Vorschlage, ihnen die M ö g l i ch k e i t(!) zu geben, ein Hilfswerk ins Leben zu rufen. Die Sowjctregierung willigte ein, und so kam die private Organisation zustande. Die Organisation ist vollständig unpolitisch und oerfolgt lediglich humani- täre Zwecke. Die Sowjetregierung hat sich das Recht ausbedungen, den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter zu ernennen, so daß das Präsidium aus zwei Bolfchewiki und drei Nichtbolfchewiki zusammen- gesetzt ist. Die Entsendung einer Auslandsdelegation wurde be- schlössen. Herr Birjukow zeichnete, sich auf Schilderungen von Augen- zeugen stützend, ein Bild des Elends in den Nosstandsgebieten. Die Sterblichkeit infolge von Seuchen, insbesondere aber infolge von Vergiftungserscheinungen, Skorbut u. dgl., ist unge- heuer groß. Besonders leiden unter der Hungersnot die deutschen Kolonisten und die tatarische Bevölkerung der mittleren Wolga. In einem zweiten Vorttag sprach Professor Dr. S. Frank- f u r t über die Dimensionen der Hungersnot, der leidenden Be- oölkerunq, Schätzungen, die beweisen, daß man es in Rußland mit einer unbeschreiblichen, nie dagewesenen Satastrophe zu tun hat. Das von der Mißernte bettoffen« Gebiet wird auf 799 999 Quadratkilometer geschätzt. Es dehnt sich vom Kaspischen Meer bis zum Dnjepr, zieht sich nach dem Norden, der Wolga ent- lang, in einer Breite von ungefähr 1999 Kilometer auf der östlichen und S99 Kilometer auf der westlichen Seite, überschreitet bei Kasan den Fluß und reicht im Norden bis Wjatka und Perm. Auf diesem Territorium, das ungefähr eineinhalbmal so groß ist als Deutschland. wohnen 21 Millionen Menschen» die landwirtschaftlich bestellte Fläche bettägt ungefähr 23 Millionen Hektar. Diese Fläche lieferte vor der Revolution normal 1 Milliarde Pud Getteide, in diesem Jahre wird die Ernte etwa auf 159 Millionen Pud geschätzt, was nicht einmal für die Saat ausreicht, wenn man auch davon absieht, daß bei einer solchen Mißernte das Korn sich überhaupt für Aussaat nicht eignet. Dieses Territorium hatte in den letzten wer Iahren die ganze Last der Verpflegung von Zentralrußland und seines industttellen Gebietes zu tragen, kürzte etwa um �9 Pro,, seine Anbaufläche, überstand schon im vorigen Jahre eine starke Mißernte, so daß es jetzt vollständig erschöpft ist und keine Vorräte hat. Getteidezufubr ans anderen Gebieten Rußlands kann nur in ganz gettngem Maße stattsinden. Ebenso fehlen alle anderen Gebrauchs�»genstände und Medikamente. Bis setzt übernahm die Sowjetregierung die Verpflegung der Stadtbevölkerung, der Fabrik-, Transpott- und Bergarbeiter usw. Die Aufbringung der Nahrungsmittel gefah bis setzt durch Zwangs- umlage, wobei unt.'r Kollektivverantwottung der Bauernschaft samt- liche Ueberschüsse an Lebensmitteln abzuliefern waren. Dieses Der- fahren führte zu schweren Mißständen, nähtte die Unzufttedenheit der Bauern, war auch teilweise die Ursache des Rückganges der Anbaufläche, so daß die Sowjettegierung zum System der personalen N a t u r a l- st euer überging, wobei den Bauern das Vcrfügungsrecht üben ihre Ueberschüsse überlassen wurde. Damit sie diese Ueberschüsse ab- setzen konnten, ist auch der freie Handel zugelassen worden. So wird es der Sowjettegierung möglich, einen Teil des Bedarfs durch In dem im alten Westen, zwischen Bülow- und der Kurfürst Vervielfältigungen übernimmt Adler, Frobcnstr. 2t, Nollend. 1640. MM'Md'Mtten „ab Waisenbrücke !eum ivwnfsr'''-....... Dampfer sind an Tel. 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