flg. 392 ♦ ZS. �ahrgaag Ausgabe B Nr. 194 Bezugspreis» SifrttllShcLSO,— M.. moruML Kl— St frei ins f-aus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 10,— M. einschl. gu- steUiingsgebühr. Unter Kreuzband für Deulfchland, Danzig. das Saar- und Wemelgebiet, sonne die ehemal» dem» schen Gebiete Polen» Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20.- M. für kos übrige Ausland 27,— M. Poft- beftellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn. Tschecho> Slowaiet, Däne- «ach Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts' mit der Sonntags- beilage„Pol! und Zeit', der Unter- haltungsbcilage„Heiniwelt" und der Peilage»Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal, Eon»- tags und Montags einmal. Telegramm- Abreise: „Soziuldrmolra« Secttn" Abend-Ansgabe Devlinev Volkslrlatt (Lvpksnnsg) AuzetgenpretSl Di« achtgespalten« Nonparetllezell» lostet ijio M.»klein» Anzeigen" da» settgedruckte Wort 1�0 M. lzu- liilstg zwei fettgedruckte Worte», sede, weitere Wort I.— M. Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen das erst, Wort ll— M. jede» wettere Wort »0 Psg. Wort» über U> Buchstabe» zählen für zwei Wo«». ffainilien-An- zeigen für Abonnenten Zeile 3/— M. Di« Preise verstehen stch«inschiiehlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer wüsten bt» 5 Uhr nachmittag« im Hauptgeschäft. Berlin SW Sit. Linde». itraste 8, abgegeben werden. Geöffnet oou 9 Uhr früh vi» ä Uhr abend». Zentralorgan der rozialdcmohratifchcn Partei Deutfchlands moa Reüaktion und Cxpeüition: EM H8, Liyöenftr. 3 Redaktion Ntorihplatz ISIvS— S7 �ernspre-Nser. Spedition Moritzplatz 11753— 54 Sonnabend, den 20. August 1921 Vorwärts-verlag G.m.b.H., SW 68, Linöenstr. 3 StouMtlif i-rfior• Verlag, Expedition und Jnseraten- »Perieiyrrnier. Abteilung Moritzplatz 1175.3-34 Einstimmigkeit öes Rates erforderlich! Jfhiis Antwort an öen Obersten Rat. Pari», 20. August.(WTV.) wie der.Petit Parisien" zu wissen glaubt, hat der Präsident des Völkerbundes(I s H i) in seiner Antwort an Vriand den Text der vom Obersten Rat aage- nommenen Entschließung wiederHoll. Er erklärt dann weiter, daß der Völkerbundsrat den ihm erteilten Auftrag annehme,„eine Lösung bezüglich der Grenzbeslimmuug der oberschlesischen Frage zu fällen". Er erkenne an, daß dieses einstimmig geschehen müsse und füge hinzu, daß der Rat vollständig Herr de» einzuschlagenden Versahrens bleibe. Er gibt schließlich der lleberzengung Ausdruck, daß die Re- gierungen ihren Vertretern vollkommen freie Hand lassen müßten, und spricht die Hoffnung au», daß der Völkerbundrat in einer Frist, die so kurz wie möglich sein solle, zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werde.* Gerechtigkeit oder Mvokatenkniffe! Sollte diese Meldung des„Petit Parisien" den Tatsachen entsprechen und Jshii sich wirklich auf den Standpunkt stellen, daß E i n st i m m i g k e i t für die Beschlüsse des Völkerbund- rates erforderlich sei, dann ist die ganze Aktion des Rates gefährdet. Frankreichs Vertreter ist nämlich dann in der Lage, sozusagen durch Obstruktion einen Beschluß des Rates zu verhindern oder zumindest durch seine Hart- näckigkeit ein Kompromiß herbeizuführen, das der inneren Ueberzeugung sämtlicher anderen Mitglieder und damit auch der Gerechtigkeit widerspricht. Es hat sogar immer mehr den Anschein, als ob die Zustimmung Briands und Loucheurs zum englischen Vorschlage der Ueberweisung an den Völkerbund diesen heimtückischen Vorbehall enthielt: wir werden Beschluß- einstimmigkeit verlangen und wir werden schon durch unseren Vertreter dafür sorgen, daß diese Einstimmigkeit entweder überhaupt nicht oder nur auf einer uns genehmen Grund- löge erzielt wird. Das Verlangen nach Einstimmigkeit stützt sich auf den ersten Absatz des Artikels 5 der Völkerbundssatzung: Beschlüsse der Bundesversammlung oder des Rates erfordern Einstimmigkeit der in der Tagung vertretenen Bundesmit- glieder. es sei denn, daß in den Vorschriften dieser Sahung oder den Veslimmungen de» gegenwärtigen Vertrag» ausdrücklich ein anderes vorgesehen ist. Die Frage entsteht nun, ob die in den letzten Worten her- vorgehobenen Ausnahmen auch auf d i e f e n Fall Anwendung finden. Soweit die Fragen des Verfahrens in Betracht kommen, werden schon durch den zweiten Absatz desselben Artikels ö Mehrheitsbeschlüsse zugelassen: Alle Verfahrensfragen, die sich im Laufe der Tagung der Bimdesversammlung oder des Rates ergeben, einschließlich der Ernennung von Ausschüssen zur Untersuchung besonderer Punkte, werden durch die Bundesversammlung oder den Rat gevegelt und durch die Mehrheit der anwesenden Bundesmitglieder ent- schieden. Nun gibt es aber im Völkerbundsstatut auch einen A r t i k e l 15, der sich ohne weiteres auf den vorliegenden Fall anwenden lassen müßte und dessen 4. Absatz lautet: Kann die Streitsrage nicht ausgeschlichtet werden, so erstattet und veröffentlicht der Rat«inen auf einstimmigen Beschluß oder Mehrheitsbeschluß beruhenden Bericht, der die Einzelheiten der Streit- frage und die Vorschläge wiedergibt, die er zur Lösung der Frage als die gerechtesten und geeignetsten empfiehlt. Nun hat allerdings der Oberste Rat in jenem Beschluß, durch den er die Regelung der oberschlesischen Grenzfrage dem Rat des Völkerbundes überwies, sich auf eine andere Stelle des Statutes berufen, nämlich auf Artikel 11, Absatz 2: Es wird weiter festgestellt, daß jedes Bundesmitglied das Recht hat, in freundschaftlicher Weise die Aufmerksamkeit der Bundcsver- sammlung oder des Rates auf jeden Umstand zu lenken, der von Ein- fluß auf die internationalen Beziehungen sein kann und daher den Frieden oder das gute Einvernehmen zwischen den Nationen, von dem der Friede abhängt, zu stören droht. Indem nun Baron Jshii— immer vorbehaltlich der Richtigkeit der Meldung des„Petit Parisien"— in feiner Antwort an Briand den Text dieser Resolution wiederholt hat, wollte er offenbar zum Ausdruck geben, daß die Annahme des erteilten Auftrages sich lediglich auf die Ausführung des Ar- tikels 11, Absatz 22, b e s ch r ä n k e, und daß daher an die An- Wendung eines anderen Artikels, die des Artikels 15, der Mehr- heitsbeschlüsie offen läßt, nicht gedacht werden. Damit wäre er allerdings den Wünschen der französischen Regierung rest- los entgegengekommen. Wir müssen allerdings gestehen, daß eine solche Aus- legung des ihm erteilten Auftrages durch den Völkerbundsrat von einer Engherzigkeit zeugt, die uns nichts Gutes ahnen läßt. Indem sich der Rat die Tür zu Mehrheit?- befchlüssen ohne zureichende Notwendigkeit freiwillig ver- sperrt, oersperrt er sich auch die Möglichkeit einer gerechten Lösung, oder gar einer Lösung überhaupt. Jetzt wird Herr Leou Bourgeois' Aufgabe außerordentlich erleichtert, Sie lautes: Obstruktion bis zum äußersten! Mögen indessen die Mitglieder des Rates nicht vergessen, daß die ganze Zukunft des Völkerbundgedankens auf dem Spiele steht. Die Lösung der ihnen jetzt gestellten Aufgabe wird in den Augen der meisten Völker der Prüfstein des Völkerbundes fein. Sollte dabei der Rat des Völkerbundes W i n k e l a d v o- katenkniffe höher werten als die internationale G e- re ch t i g k e i t, dann wird er allerdings für alle anständigen Menschen endgültig erledigt sein! fair Plax nach Pariser Auffassung. Pari», 20. August.(MTB.)„Echo de Paris" glaubt aus gut unterrichteten Kreisen mitteilen zu können, daß der Völkerbundrat, im Gegensatz zu in der Presse erschienenen Meldungen, in der ober» schlesischen Frag« nicht nur zwischen zwei Thesen zu wählen haben wird. Er sei in seiner Arbeit unbeschränkt, abgesehen vom Friedensvertrag von Versailles und von der Volksabstimmung. Es stehe dem Völkerbundrat frei, wenn er es für notwendig halte, zu prüfen, ob die Volksabstimmung unter den vom Vertrag vorgeschrie. benen Bedingungen vor stch gegangen sei. Nach Regelung dieser Frage könne er die Ergebnisse der Abstimmung, wie er es für nötig halte, auslegen. Auch könne er ergänzende Untersuchung anordnen. Cr könne ganz Oberschlesien Deutsch- land oder Polen zuteilen, er könne die Teilung anraten, er könne das Grubengebiet teilen oder einer Macht ganz zuweisen. Nach Erledigung der Untersuchungen werde der Völkerbund ein Gutachten abgeben, aber ein schiedsrichterliches Gutachten. Frank- reich habe sich moralisch verpflichtet, es anzunehmen. Es sei indessen selbstverständlich, daß Frankreich, wenn da» Gutachten gegen die Lebensinleressen de» Landes verstoße, die Mögliihkelt habe, seine Durchführung zu verhindern, indem es etwa aus dem Völkerbund austrete, wie es im vorigen Jahre die arge n- tinische Republik gemacht habe. Es sei aber anzunehmen, daß das Gutachten des Rats von den Beteiligten angenommen werde. Paris, 20. August.rjahre auf den sozialen Wohlfahrtsschulen könnten' mancher Ar- beiterin ermöglicht werden durch halbtägige Berufsarbeit in kommunalen Wohlfahrtsämtern oder einer Anstalt der Wohl- fahrtspflege, in der als Entgelt für mehrstündige Arbeits- leistung mindestens Wohnung und Beköstigung gegeben wer- den kann. Die Halbtags- und Anstaltsarbeit hätte dann na- türlich als praktische Ausbildung, die ohnehin nicht zu ent- behren ist, zu gelten. In dieser berufsmäßigen Form bedeutet sie allerdings eine Belastung der Lehrzeit, die mit der Not der Zeit entschuldigt werden kann. Ein anderer. Weg der Ausbildung könnte die jungen Mädchen bald nach der Schulentlassung einige Jahre durch Anstalten der Wohlfahrtspflege führen, in denen sie eine Art Lehrlingsausbildung durchmachen. Nach etwa dreijähriger Ausbildung könnten sie dann sofort das letzte Lehrjahr der Wohlfahrtsschule besuchen. Das gleiche wäre für solche Müd- chen vorzuschlagen, die ohne Vorbildung eine vielleicht fünf- jährige Berufsarbeit hinter sich haben. Sie brauchen dann nur für ein Jahr ein Stipendium in Anspruch zu nehmen, voenv fie Vicht vorziehen, zu threr theoretischen Ausbildung die die Grundlage zum Aufstieg für keitende Stellungen geben soll, entsprechend organisierte Lehrgänge neben der Berufs- arbeit zu besuchen. Die Durchführung dieser Vorschläge wird nur möglich sein, wenn unsere Genossen in den Selbstverwaltungskörpern, die heute die wichtigsten Träger der Wohlfahrtspflege sind, sich ihrer annehmen. Dazu gehört nicht nur die schon erwähnte Bewilligung kommunaler Stipendien, und die selbstverständ- lich in Verbindung mit den Gewerkschaften durchzuführende Unterbringung der Schülerinnen in Halbtagsstellungen, dazu gehört, dag sie ihre Verwaltung nicht nur durch die Einstellung von also Ausgebildeten demokratisieren, sondern, dag sie auch den unteren Angestellten den Aufstieg zu leitenden Stellungen ermöglichen. Wenn irgendwo, so ist das in der Wohlfahrts- pflege, die noch im Beginn der Entwicklung steht, und deren Ausführung so stark in die Praxis des Alltags hineinreicht, möglich. Auch die Einrichtung von Lehrgängen zur theo- retischcn Schulung, die diesen Kräften den Aufstieg ermög- lichen, ist ihre Aufgabe. Derartige Lehrgänge können durch Heranziehung der Ehrenbeamten und durch Oberkurse für Vor- gebildete tragfähig gemacht werden. Es wäre ferner dafür zu sorgen, daß nicht, wie das durch den preußischen Erlaß zur Prüfung von Wohlfahrtspfleger geschieht, zweierlei Gruppen von Wohlfahrtspflegen geschaffen werden, geprüfte und unge- prüfte. Denn die Mehrzahl der Volksschülerinnen wird immer zu den letzteren gehören und damit zu zweitklassigen degradiert werden, wird doch die Ausbildung besonders für die Haupt- fächer, Gesundheitsfürsorge und Jugendwohlfahrtspflege, bei ihnen immer an der Unmöglichkeit der Aufbringung der Mittel scheitern. Deshalb ist der preußische Erlaß eine starke Be- Hinderung der Demokratisierung der Verwaltung und abzu- bauen. Wo die Gemeinden Wohlfahrtsschulen unterstützen, fiele unseren Genossen in der Gemeindeverwaltung die Aufgabe zu, dafür zu sorgen, daß die Schule so gestaltet ist, daß alle ihre Schüler, nicht nur die aus der Arbeiterschaft hervor- gegangenen, mit Verständnis für die Lebensweise des Arbeiters und die Arbeiterbewegung die Schule verlassen. Am 15. und 16� September werden in Görlitz nicht nur die Vertreter der Bezirksausschüsse für Arbeiterwohlfahrt, sondern auch mancher Leiter einer kommunalen Wohlfahrts- behörde die Ausgestaltung der Wohlfahrtspflege gemeinsam besprechen� An der Demokratisierung ihrer Verwaltung darf die Besprechung nicht vorbeigehen. Die baperisthe Getreiüefrage. Durch Wolfs wird eine yiemlich gewundene amtliche Münchener Darstellung über die Erledigung der bayerischen Forderung eines Landesausfuhrverbotes veröffentlicht.- Es wird lang und breit berichtet, daß inzwischen die Reichsregierung die Einfuhr von Auslandgetreide freigegeben habe und daß damit auch bayerische Wünsche erfüllt worden seien. Es heißt dann weiter:.Ferner hat der Reichsernährungsmmister zwar dem Antrage Bayerns, die Ge- treideausfuhr aus Bayern einer Kontrolle zu unterwerfen, in dieser Form nicht entsprochen, aber doch zugestimmt, daß die Verkehrs- Verwaltung den Getreideversand auf den Bahnen erfaßt und der Landeszentralbehörde regelmäßig darüber Mitteilungen zukommen läßt. Damit ist die Möglichkeit zum Eingreifen gegeben, falls künf- tig eine übermäßige Ausfuhr von Getreide aus Bayern festgestellt werden sollte. Gleichzeitig war von Bayern bei der Reichsregierung die Konzessionierung des Getreidehandels beantragt morden, um preistreibcnde Elemente davon fernzuhalten. Dieser Antrag hat die Zustimmung der Reichsregierung nicht gefunden, wird aber weiter verfolg: werden." Aus dieser Darstellung geht hervor, daß die unvernünftigen Forderungen der reaktionären bayerischen Regierung, die mehr auf die Wähler als auf das Wohl des Landes zugeschnitten waren, be- rechtigterweise vom Reich abgelehnt worden sind. Die.Gefahr über- niäßiger Getreideausfuhr aus Bayern" ist ja doch, wie die jüngsten Feststellungen erwiesen haben, im wesentlichen ein Agitationsgespenst gewesen, um vor dem Reich fürchten zu machen. Besonders beachtenswert erscheint an der Münchener amtlichen Auslassung, was sie über die Ursachen der Getreidepreisbildung sagt. Sie meint:„Reben der Besorgnis wegen übermäßiger Ausfuhr war Nachtstück. Von Hans Bauer. Es ist gegen 10 Uhr abends. Ich warte in einer unbelebten Vorstadtstraße auf die Elektrische. Wolken halten Mond und Sterne verhängt. Die nächste Laterne ist etwa 50 Schritte entfernt. In einiger Entfernung von mir warten noch drei Menschen, zwei Männer und eine Frau, mehr kann ich in der Dunkelheit nicht er- kennen. Ach, was es doch lange dauert, bis sich die Elektrische sehen läßt. Meine 18 kommt und kommt nicht. Ich schlmdere sinnend vom Trottoir und bleibe zufällig in der Nähe jener drei stehen. „Ausnehmend hat es mir gefallen, Herr Doktor," hörte ich' eine dunkle Männerstimme sagen,„ich würde mich wirklich freuen, wenn öfter so ein Vergnügen zustande käme." „Am Dienstag müssen Sie auch dabei sein, lieber Herr Doktor," mischt sich nun die Frauenstimme ein,„Sie werden nicht fehlen, uns zu Gefallen? Nicht?" „Ich will sehen, was sich möglich machen läßt, gnädige Frau, versprechen kann ich freilich Arichts," erwidert der mit Doktor Ange- redete. Ich nehme meinen Rundgang wieder auf. Die Unterhaltung ertrinkt im Dunkel. Immer kommt die 18 noch nicht. Nun taucht an der Straßenbiegung ein Licht auf. Die Elektrische. Aber nicht meine Elektrische, nicht die 18, sondern die 21, wie es scheint, die Elektrische der drei. Oder vielmehr nicht der drei, sondern die des Herrn Doktors, denn die zwei anderen verabschieden sich von ihm, scheinen also nicht mit ihm einsteigen zu wollen und nur dem Dotkor die Wartezeit verkürzt zu haben. Eben hält der Herr mit der dunklen Stimme die Hand des Doktors in seiner Rechten und hat die Linke an die Hutkrempe ge- legt.„Also dann wohl nach Haufe, Herr Doktor, und nicht wahr, denken Sie an uns am Dienstag." „Wird gemacht, Herr Schulz, auf Wiedersehen." Herr Schulz läßt des Doktors Rechte los, lüftet den Hut und geht auf eine Querstraße zu. Inzwischen ist die Frau an den Doktor herangetreten, reicht ihm die Hand und sagt:„Auf Wiedersehn, Herr Doktor, gut nach Hause." „Auf Wiedersehn, Frau Schulz," grüßt der Doktor zurück. Und dann... dann stipst Frau Schulz den Doktor leicht auf die Wange und flüstert:„Also Mittwoch, Hugo, nicht wahr?" Er lächelt:„Natürlich Kind..." Soll ich jetzt Schicksal spielen, soll ich Herrn Schulz nachlaufen? Soll ich in die Dunkelheit rufen: Sie werden betrogen...! Ich. der Fremde, der nicht einmal die Gesichter der drei kennt, könnte jetzt in das Leben dieser drei einkreisen. Kon mir, dem Fremden, es besonders die starte Steigerung der Preise auf dem Getreidemarkt, was die Oefsentlichkeit in hohem Maße beunruhigte. Inzwischen ist auch in dieser Beziehung ein« Wendung zum Besseren insofern«inge- treten, als der bayerische Getreidepreis unter den gegenwärtigen Weltmarktpreis gesunken ist. Daß der Preis wesentlich höher ist als im Vorjahr, ist eine notwendige Folge des durch den Reichstag be- schlössen«« Ueberganges zur freien Wirffchaft und des Aufgebens der Zwangswirtschaft." Das ist auch unsere Auffaffung. Sie ist aber im Reichstag gerade von den Volksvertretern aus Siiddeutschland ebenso wenig beachtet worden, wie im Reichsrat und Reichswirtschafts. rat. Wir werden uns dieses Eingeständnis zu merken wissen. Lohnverhanölungen. Wie uns mitgeteilt wird, hat das R e i ch s f i n a n z m i n i st e- r i u m die Vertreter der Großorganisation der Beamten, Angestellten und Arbeiter zu einer Verhandlung über die Vorschläge zur Aus- besserung der Bezüge auf Montag, den 22. August, vorm. 10 Uhr, eingeladen. Hoffentlich gelingt es, die jetzt beginnenden Verhand- lungen von großer Bedeutung zu einem Ergebnis zu führen, das den Arbeitern, Angestellten und Beamten eine der Verteuerung der Haushaltskosten entsprechende Ausgleichszulage bringt. 5mmer noch Doktor Luöenöorff. Kassel, 20. August.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Das „Kasseler Bolksblatt veröffentlicht im Anschluß an die Ernennung des Generals Ludendorff zum Ehrendoktor der medizinischen Fakul- tät in Königsberg ein Dokument aus dem März 1918, in dem Ludendorff zum'Ehrcrdoktor der medizinischen Fakultät der Universität Freiburg i. Br ernannt wird. Das Dokument hat folgenden Wortlaut:„Die medizinische Fakultät der Universität Frei- bürg ernennt den General der Infanterie Ludendorff, Erster General- quartiermeister, in dessen Wesen die hoch st en ärztlichen Eigenschaften: Wirklichkeitsblick, weise Schätzung des Erreich- baren, Fähigkeit zum Abwarten des richtigen Augenblicks und durch- greifende Entschlossenheit in glücklichster Weise verbunden sind, in verehrungsvoller Würdigung seiner Verdienste bei Wiedergewinnung der durch ihre allverdiente medizinische Fakultät hochberühmten Uni- versität Dorpat für das deutsche Geistesleben zum Doktor der Medizin." Dieses kullurhistorifche Dokument wurde am 5. März 1918 über- reicht. Man muß die darin zum Ausdruck kommende Kriecherei und politische Beschränktheit entschuldigen, es waren ja Professoren. Bei ihnen hat politischer Verstand und Rückgraffestigkeit einen gewissen Seltenheitswert._ Darf man fragen? Von der Wasserkante wird uns geschrieben: In Lübeck ist Reichskriegerwoche und in Scharen haben sich die Kriegeroereins- Präsidenten eingefunden, mit Orden und Regenschirmen geschmückt. Aus dem Munde abgetakelter Generäle klingts von„großen Auf- gaben, Treue zum angestammten Herrscherhaus", Bier, Wein und Schlagsahne fließen, und auf den Straßen wird inzwischen für die notleidenden Krieger gesammelt. Dazu wehen in den Seestädten die schwarz-weiß-roten Fahnen und die Kriegsgewinnler, Schieber und Wucherer schreien Hurra, rufen Revanche und schimpfen auf die Republik, die ihnen durch neue Steuern den Geldbeutel er- leichtern will. Pferderennen, bei denen die Offiziere in Friedens- uniform Parade reiten. Nachtklubs, Autcmoblle und tägliche Un- summen für Vergnügungen und Spiel sollen in den Seebädern den anwesenden Ausländern zeigen, daß Deuffchland im Elend steckt und sich den Kopf zerbricht, wie es feine Auslandsschulden bezahlen kann. Daß im dritten Jahre der Republik die Arbeiter und die Säug- finge reihenweise durch Tuberkulose und Unterernährung hinge- mäht werden, während die Urheber des deuffchen Elends rau- schende Feste feiern, ist nun einmal Tatsache. Daß aber der bankrotte Staat und die Steuergrofchen der Armen helfen müssen, den monarchistischen Rummel zu unter- st ü tz e n, darüber sollte man einmal auf den Tisch des Reichstags schlagen. Man sollte die Regierung fragen, wer den st a a t l i ch e n Bahnhof in Lübeck mit Hunderten von monarchistischen Fahnen geschmückt hat? Wer der Reichswehr erlaubt hat, eine Rcgi- mentsmustk vom Reichswehrregiment 6 auf einen Vergnügungs- der noch nicht einmal die verschwommenen Nebelgestalten der drei auch nur eine halbe Minute ununterbrochen gesehen hat, hängen jetzt deren Beziehungen zueinander, möglicherweife für immer, bis an ihres Lebens Ende ab. Ein Taumel erfaßt mich bei diesen Gedanken. Soll ich nachlaufen, soll ich? Soll ich, der Fremde, Geschick und Verhängnis, Gerechtigkeit und Rache werden? Da kommt mir das alles so plump und dumm vor. An einem so blinden Zufall soll das hängen, ob Menschen einander lleben und achten und sich vertrauen und glücklich sind? Daran, ob ich in der Dunkelheit und Nebel mit halbem Ohr auf zwei Worte hörte oder nicht. An so etwas soll das Schicksal der Menschen möglicherweise hängen? Nein, nein, an so etwas nicht. Der Hall der Tritte des Ehepaares klingt nur noch dumpf und verebbt immer mehr. Aber nun könnte sie schon kommen, die 18! Herrschaften, Herrschaften, wie lange das dauert. Alpenglühen im Riesengebirge. Aus Schreiberhau wird uns geschrieben: Das Riesengebirge zeigt vielfach Naturerscheinungen, die wir sonst nur in den Alpen zu beobachten gewöhnt sind. Im Winter sind Lawinenstürze nichts Seltenes, besonders in den gewaltigen Felskesseln der Schncegruben, der Teiche,'des Riesen- grundes und der Kesselgrube. Es bilden sich nicht sellen Gletscher, wie im Winter 1919/20 am Westrand« des Kleinen Teiches: es gibt nicht nur in den Schneegruben, sondern auch an anderen schwer der Sonne zugänglichen Stellen des Gebirges Firnschnee, der, wenn er auch nicht ewig ist, doch nur in wenigen Iahren völlig abschmilzt. Man trifft ferner noch u r w a l d a r t i g e B e st ä n d e an, wie z. B. das sogenannte Hirschbad in den Czerinschen Forsten am Löwen- graben. Dazu kommen gelegentlich Wolkenphänomene, wie man sie in den Hochalpen zuweilen wahrnimmt und wie sie im Harz als Brockengespenst bekannt sind. Der Versuch, die Gemse im Riesen- gebirge anzusiedeln, ist allerdings gescheitert, dafür kann man Mufflons auf freier Wildbahn sehen. Die Pflanzenwell und die niedere Tierwelt zeigt mannigfach alpinen Charakter. Daß im Riesengebirge aber auch das Alpenglühen be- obachtet werden kann, hat sich wieder in der letzten Woche gezeigt. Von Schreiberhau aus war dies prächtige Naturschauspiel um etwa 7,40 Uhr abends auf einige Minuten zu sehen. Alle Hochgebirgs- gipfel des westtichen Kammflügels erglühten, gleichsam wie von innen heraus in intensiv rosafarbenem Lichte, während ihre Körper schon in Dämmerung gehüllt waren. Die Schneegrubenbaude er- schien wie eine flammende Gralsburg. Daß es sich um das echte Alpenglühen gehandelt hat, war zweifellos, denn die wundervolle Erscheinung zeigte sich erst nach Sonnenuntergang. Das Glühen der Berggipfel war der Widerschein einer leuchtenden Schicht, die über dem Kamme lag. Auch im letzten März konnte man an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei Sonnenuntergang herrliches Alpenglühen bewundern, das den Kamm in seiner ganzen Länge vi« mit zartem Rosenrot übergoß. Kämpfer zu stellen, aus dem der General o. Heeringen mit dem Kriegerverein die Küste abfährt, um monarchistische Demon- strationen zu veranstallen? Wer den Soldaten der Republik schwarz-weiß-role Bänder angeheftet und wer ihnen befohlen hat, „Heil Dir im Siegerkranz" zu spielen? Man sollte ferner fragen: Wer dem Schiff„Panther" von der Reichsmarine gestattet hat, den Veranstaltern und Leitern der monarchistischen Demon- stration im Hasen von Travemünde Ehrenbezeugungen und offizielle Begrüßungen zu erweisen, wer den Kapitänleutnant und Kommandant des„Panther" ermächtigt hat, die Monarchisten und den alten General offiziell und in Galauniform willkommen zu heißen und von wessen Geld das Ostseeflottenkommando die „D e u t s ch e Z e i t u n g" bezahlt, die in den Lejeräumeu der Schisse den Matrosen aufgezwungen wird, während man vergebens nach einem bürgerlich-demokratischen, geschweige nach einem sozialdemokratischen Blatt sucht? Die Not öer?nvaliöen. Ein Invalide schreibt uns: Es ist ja kein Geheimnis, daß man diese Angehörigen des„fünf- ten Standes", die Invaliden-, Unfall-, Altersrentenempfänger nicht als Menschen ansieht, und es ist eine bittere Wahrheit, daß die Slerblichkctt in den Reihen dieser bedauernswerten Geschöpfe durch Unterernährung erschreckend zunimmt: aber das alles scheint die Re- gierung nicht zu interessieren, denn sonst hätte sie schon längst, min- bestens aber jetzt, für die„Aermsten der Armen" einigermaßen gesorgt. Es ist ja bedauerlich, daß der frühere alte Staat, der doch finanziell sehr gut fundiert, nach den heutigen Begriffen außer- ordentlich reich war, in so ungenügender Weise für die Invaliden gesorgt hat. Der jetzige Staat aber sollte diese Aermsten nicht immer damit abspeisen, daß er aus finanziellen Gründen keine wesentliche Hilfe leisten kann. Nein, solange noch ein Inoalidenherz schlägt, hat der Staat die moralische Pflicht, auch für diese Menschen, die ihre ganze Kraft und Gesundheit geopfert und auch zu der einstigen Blüte des Staates beigetragen haben und nun erwerbsunfähig geworden sind, in erster Linie zu sorgen. Wo sind die vielen Millionen, die durch die Beiträge der In- validen zusammengekommen sind? Haben die Sozialrentner es ge- wollt, daß' für ihre Beiträge Kanonen gebaut und Handgranaten gedreht werden sollten? Nein, gewiß nicht! Heraus mit den Kriegsanleihen! Helfet den Invaliden, damit sie„bis ins hohe Alter" versorgt und nicht m unbeschreiblicher Weise darben und entbehren müssen. Erfreulicherweise zahlt man den Erwerbslosen zurzeit eine Beihilfe von 300— 800 Mk., obwohl deren ilnterstützungs- sätze im allgemeinen in der Woche soviel lind mehr ausmachen, als die Invaliden im Mo n a t an Rente beziehen. Die Organisationen der arbeitenden Bevölkerung werden sich durch Lohnerhöhungen durchhelfen, die Holzarbeiter befinden sich be- reits im Streik. Wer sorgt aber für die Invaliden? Sollen sie weiter hungern und darben? Sollen sie verhungern? Soll es erst zur Katastrophe kommen wie in Rußland? Und kann es dem heute noch arbeitenden und doch mit Not kämpfenden Proletarier nicht morgen passieren, auch Invalide zu werden und dann der bitter, sten Not und dem grenzenlosesten Elend ausgesetzt zu werden? Darum, Hilfe sofort den Invaliden! Gebt ihnen Brot, ehe es zu spät ist!_ Kriegsschiebungen? Wie die„Dena" erfährt, hat der Rittmeister von Lustig, gegen den die Wiener Zeitung„Die Börse" den Vorwurf der Korruinpie- rung von Beamten des preußischen Kriegsministeriums und anderer staatlichen Stellen erhoben hatte, bei der Staatsanwaltschaft in Berlin eine Untersuchung gegen sich selbst beantragt, um festzustellen, daß die Beschuldigung unrichtig ist. Wenn wir uns recht erinnern, sollten doch die Mitteilungen über Bestechung hoher Beamten des preußischen Kriegsministeriums aus einer Denkschrift stammen, die— von Lustig selbst geschrieben hat. Merkwürdig erschien uns, daß von Lustig in seiner auch uns mitgeteilten Berichtigung, die er dem„Berliner Tagblatt" zusandte, betont, daß er nicht mehr sagen könne, was er während seiner Straf- oerfolguna in Oesterreich alles geschrieben habe. Die Tschechoflowakische Handelsgesellschaft teilt uns zu dieser Sache mit, daß sie weder direkt noch indirekt eine Interessengemein« schaft mit Herrn v. Lustig habe. Die ersten Sowjetmarken. Nach zwei Iahren freien Postverkehrs sieht sich die Sowjetregierung gezwungen, zum Gebrauch von Briefmarken zurückzukehren, infolge der Wiedereröffnung der Handelsbe- Ziehungen mit dem Ausland. Die Postbestellung im Inland« ist auch weiter frei und erfolgt ohne Marken. Es sollen Serien von Brief- marken ausgegeben werden, deren niedrigste entsprechend der Eni- wertung der russischen Valuta«in Rubel ist. Als Bilder werden auf den Marken Lenin, Trotzki, Karl Marx und andere Sozia- listenführer erscheinen, in dieselbe Umrahmung eingefügt, die schon die Marken der zaristischen Regierungen hatten. Für die 100-Rubel- Marke wird ein allegorischer Entwurf vorbereitet, im großen Breit- format die klassische Figur eines Jünglings, mit ausgestreckten Armen, auf weißem Pferde, der eine Schar von Arbeitern führt. Haie an der norwegischen Küste. Aus Norwegen wird gemeldet, daß vor einiger Zeit ein Mann aus Moß am Eingang des Christian.iafjords, als er auf dem Makrelenfang war, von einem Hai angegriffen wurde. Er war beim Ordnen feiner Angel- schnüre, als ein Ungeheuer von etwa 3 Meter Länge aus dem Wasser schoß und nach seinem Arm schnappte. Er mußte flüchten, um weiteren Angriffen zu entgehen, und der Hai verschwand. Mehrer« Fischer erzählen, daß sie in der letzten Zeit viel« Gerätschaften, wahrschein- lich durch Haie, verloren haben. Im Dröbaksund wurde ebenfalls dieser Tage ein Patrouillenboot der Seepolizei von einem großen Fisch verfolgt, von dem man annimmt, daß es ein Hai geweien ist. Es ist nur gut, daß sich die Haie nicht in den Stockholmer Schären gezeigt haben. Wir hätten sonst sicher wieder die schönsten Geschichten von der S e e s ch l a n g e zu hören bekommen! Der amerirnnische Filmeinfuhrzoll. Durch den im Ausschuß des amerikanischen Senats angenommenen Einfuhrzoll auf Films wird nach SachverftLndiqenberechnung ein Film, dessen Herstellungskosten in Deuffchland 2 Millionen Mark betragen, 10 Millionen Mark Zoll kosten. Dementsprechend wird der neue May-Film„Das indische Grabmal", dessen Herstellung, wie wir neulich berichteten, über 15 Millionen Mark verschlang, mit nicht weniger als 7 5 Milli- onen Mark Zoll belastet werden. Solange unsere Filmindustrie den richtigen Monstre-Kltsch fa- briziert, wird sie trotz aller Zölle nicht zugrunde gehen. Erstoufsiibrungen der Woche. Mont. Reiidettz-Th:„Toten- tanz."— Mitiw. Tkutiches Tbeater:„K ean."— Tonn. Wallncr- Theater:„N ir cke n.- Cchillcr-Zheater:„Nor a."— Fr. Tbeater dcS WeltenZ:„Die Braut d c S L u c u I l u S.-— Sonnad. Schlojzparl- Theater in Steglitz:„Maria Magdalena.- Urania(T a u b e n st r a h e). Montag, Dienstag. Mittwoch. Freitag, Sonnabend:„Unser schönes Riesengebirge-(mit farbigen Bildern). Donnerstag:„D e r H a r z-. Sonntag(21), abends:„D i e I n s e l R ü g e n-, nachm. 4'/,:„D e r H a r z«. Die Technische Hochschule in Danzig ist durch Entscheidung der Interalliierten VerteilungStommisiion der Freien Stadt Danzig unein- geschränkt zugesprochen worden..Die bieran�qekniipsten Bedingungen, die Einführung eines LeltorateS für polnische Sprache, einer Vorlesung über polnische WirtschastSgeographie und die paritätische Behandlung polnischer Der Dolchstoß in öer Kantine. Da es ihnen auf ernsthafte Weise nicht gelingen will, die Dolchstoh-Legende zu beweisen, versuchen die deutschnationalen Hinterfronthelden es mft Mätzchen. Graf Reventlow, der große Heimstratege, veröffentlicht Dinge, die ihm andere von der Front erzählt haben. Wir bescheinigen ihm dabei gern, daß er seine mühsam zusammengesuchten 5 Berichts alle schon früher je drei bis viermal veröffentlicht hat. Sie find durch die Wiederholung nicht wertvoller geworden. Wie schön ist es z. V., wenn Graf Reventlow einen Studien- rat auffährt, der selber gar nichts weiß, dem aber sein kranker Sohn dies und das erzählt haben soll. Das heißt, der Brief stammt aus dem Jahre 1919. Inzwischen müßte doch nun der Sohn gesund geworden sein und selber als Zeuge an- treten können. Aber all diese Beweisstücke sind eben nichts, als was der Soldat draußen„Kantinen" und„Latrinen" nannte. Welche Bären sich dabei die deutschnationalen Heim- krieger aufbinden lassen, dafür nur eine Zuschrift eines an- geblichen Unteroffiziers: „In einer Sitzung der U n t e r r i ch t s o f f i z i e r e der vierten Armee in Roubaix erfuhren wir von dem vortraghaltenden Oberst- leutnant am 29. September 1918, daß bereits am 15. September die Generalprobe zu einem militärischen Generalstreik an der Westfront stattgefunden habe, aber gescheitert sei, daß man aber sichere Unter- lagen dafür habe, daß für die Nacht zum 1. November ein militärischer Generalstreik an der ganzen Font erwartet sei:„Jeder Mann nimmt Gepäck und Gewehr und zieht heimwärts. Offizieren, die sich anschließen, ist Gehorsam zu erweisen, solche, die sich in den Weg stellen, sind zu entwaffnen usw." Wenn man bedenkt, wieviel Vorbe- reitungen zu einem solchen Unternehmen gehören, vor allem, wieviel Zeit, so wird man den Beginn zu den Vorbereitungen des mißglückten Versuchs am 15. September zurückdatieren müssen." Dieser„Gewährsmann" kennzeichnet sich ja selbst zur Genüge als„Etappenhengst", sonst würde er wohl sich selber schämen, solch? Kan�inenmärchen zu verbreiten. Da die Herren Becker, Chefredakteur der„Deutschen Zeitung", W u l l e, Cheftedakteur des„Deutschen Abendblattes", Graf Reventlow, Leitartikler beider Blätter, auch nicht ein- mal bis zur Etappe vorgedrungen sind, so kann man ihnen nicht übel nehmen, daß sie solchen blühenden Blödsinn als ernstes Beweismaterial ansehen. Speziell an die„Kreuz-Zeitung", die uns höhnisch ftagt, was wir nun hierzu meinen, richten wir die öffentliche Auf- forderung, uns irgendwelches authentische Ma- t e r i a l über die angeblichen militärischen Generalstreiks vom 13. September und 1. November zu erbringen. Sie möge uns einmal nachweisen, an welcher Stelle, bei wel- chem Truppenteil der militärische Generalstreik am 15. September stattgefunden hat oder auch nur v e r- sucht worden ist. Und wenn ihr das gelingt, dann wollen wir weiter mit ihr reden, vorher aber nicht. Also, wir ersuchen um den Nachweis. « Den Schauerlegenden der Rechtspresie stellen wir fol- gendes authentische Dokument gegenüber: Am 1. Oktober 1 Uhr 20 Min. drahtete Hindenburg an den Bize- kanzler v. P a y e r:. Wenn bis heule abend 7 bis S Uhr Sicherheit vorhanden ist, daß Prinz Max von Baden die Regierung bildei, so bin ich mit dem Aufschub bis morgen einverstanden. Sollte dagegen die Bildung der Re- gierung irgendwie zweifelhaft ftin, so halte ich die Ausgabe der Erklärung an die fremden Regierungen heule nacht für geboten. Am selben Tage war Ludendorff nach dem Bericht des Grafen Hertling zun. unangemeldet zum Kaiser hereingestürmt und hatte ihn angeranzt, weil die Re- gimmg noch nicht fertig sei. Dabei erklärte er, das Waffen- stillstandsangebot müßte in 24 Stunden heraus, sonst wäre alles verloren. Als dann Max von Baden die Kanzler- schaft übernahm, drängten Hindenburg und Ludendorff auf ihn ein, sofort den Waffenstillstand herbeizuführen. Die Bedenken des neuen Kanzlers gegen eine so völlige Kapitulation, wie Hindenburg und Ludendorff sie verlangten, wurden von diesen mit den Hinweisen auf die verzweifelte militärische Lage niedergeschlagen. S o also war die Situation. Die Generäle drängten un- unterbrochen. Ihre Nervosität und Kopflosigkeit teilte sich naturgemäß den unteren Stellen mit und verbreitete sich von da aus über das ganze Volk. Die ohnehin gedrückte Stimmung wuchs zur Panik, und diese Panik ist von niemand anders erzeugt worden als von Hindenburg und Ludendorff. Sie haben mit ihrem Verhalten am 1. Oktober dem letzten Soldaten tm Schützengraben den Glauben beigebracht, daß alles verloren sei und sie haben damit den weiteren Widerstand unmöglich gemacht, da, wie die„Deutsche Tageszeitung" ganz richtig bemerkt, ohne Glauben an den Erfolg kein Heer, kein Soldat sich schlagen kann. Nicht revolutionäre Zermür- bung, sondern die von Hindenburg und Luden- dorff erzeugte Panik haben Front und Heimat völlig zusammenbrechen lassen. Und wenn heute die„Deutsche Tageszeitung" so ganz nebenbei bemerkt, daß die Kampfkraft des Heeres sich als stärker herausstellte,„als es der Obersten Heeresleitung eine kurze Zeit hindurch schien", so haben vor zwei Iahren die Deutschnotionalen selber die Sache mit anderen Augen angesehen. Am 18. November 1918 schrieb die deutschnationale„P o st", als die Einzelheiten in der Oeffentlichkeit bekannt wurden: Danach hat General Ludendorff am 1. Oktober d. I. unser« mili- tärische Lay? für verzweifelt gehalten und sofortiges Waffenstillstands- angebot gefordert. Acht Tage darauf geswnd er ein, sich in der Be- wertung der Kriegslage geirrt zu haben. Einen folgeschwereren Irrtum hat es nie gegeben. Er hat ein ganzes Volk dem Unglück und der Schande überliefert. Damit dürste die Frage, wer den Anstoß zum letzten Zusammenbruch gegeben hat, genügend geklärt sein. Weitgehende Milderung von Zuchlhausurleilen. Bon 42 Zuchthausstrafen, die vom Sondergerichi Naumburg gegen Teilnehmer am mitteldeutschen Auftuhr verhängt worden waren, wurden der „Saalezeitung" zufolge vom Reichspräsidenten 40 in Gefängnis um- gewandelt und die Strafdauer auf die Hälfte bis ein Orillel herab- gesetzt. Defreie daheimi Wie„Nation Belg«" aus Brügge meldet, haben in R o u l e r s am letzten Sonntag flämische Kund- gedungen stattgefunden. Ein Redner behauptete, daß die Flamen in Belgien wie Senegalesen behandelt würden. Ein Zug von Manifestanten begab sich dann nach Brügge, wo um 19 Uhr abends neue Kundgebungen stoUfande«, wobei stürmische Rufe nach Autonomie laut wurden. GrofrBerlw Nachtarbeit. Eine Lampe brennt. Weiß und rot. Gestalten huschen m ihrem Schein. Nein, stehen fest. Arbeiter. Heben und senken schwere Hämmer. Die Schläge hallen in die Nacht hinein, zittern an die Fenster vorbei, die schwarz auf die Straße sehen. Dahinter schlafen Menschen, die am Tage werken. Und diese hier? Sie schaffen und arbeiten in einsamen Straßen, von der kühlen Nachtluft umweht. Rastlos. Allein im Schein einer Laterne. Wischen sich den Schweiß von der Stirn und blicken zum Himmel. Der ist dunkel und be- sternt. Einer zieht eine Uhr. Vorwärts— Mitternacht ist vorbei, der Morgen naht, die Stunden rinnen in die beginnende Helle: die Arbeit muß fertig werden. Die Wagen müssen am Morgen unbe- hindert über die Stelle donnern und rasseln können, die jetzt noch offen und klaffend daliegt: Die Schläge pochen, ein Bohrer kreischt und fährt splitternd in das Eisen. Diese gleißenden Schienen, die aus der Dunkelheit kommen und in die Dunkelheit gehen. Nur ein Stück liegt hell und breit den Arbeitern zu Füßen. Und sie packen es und arbeiten daran, wie ihre Brüder am Tage. Am hellen Tage. So schaffen die hier nicht. Ihr Atem fährt sichtbar in die Nachlluft. Ihre Hände ragen aus undurchdringlichem Dunkel hervor— ihre Leiber sind in die Nacht gehüllt. Sie sind so unsichtbar wie die der Brüder, die am Tage arbeiten. Nur das Werk ist sichtbar— der Mensch nie. Am wenigsten der Proletarier. Hier stehen sie einsam in der Nacht und kein Mensch fragt um sie. Aber auch ihre Münder sind geschlosien— und stumm flutet das Licht der Laterne über ihre Glieder. Eine Droschke klappert vorbei, ein trunkenes Lachen fliegt heraus und klingt zu den einsamen Arbeitern. Die heben und schlagen ihre Hämmer auf die Granitstcine, daß sie ächzend in die Erde fahren. Der Zipfel einer roten Fahne— der Warnuntzsfahne— flattert im Licht der Laterne. Das Dunkel der Nacht lichtet sich. Groß wachsen die Arbeiter in das aufsteigende Morgenrot hinein... Die LeichenfunSe am Engelbecken. Verbrechen eines Massenmörders? Die neuen Leichenteilfunde, die gestern wiederum am Engel- becken gemacht wurden, bestärken die bereits von uns mitgeteilte Vermutung, daß ein Massenmörder in der Gegend des Schlesischen Bahnhofs fein Unwesen treibt. Die Art der Zerstückelung der Leichen ist in allen bisher noch unaufgeklärten Fällen gleich, und soweit die Toten bisher festgestellt werden konnten, handelt es sich immer um Mädchen, in dem Falle Frieda Schubert um ein Straßenmädchen, die einem Lu st Mörder in die Hände, gefallen sind. Auf sein Konto kommen wahrscheinlich alle die Verbrechen, die durch das Auffinden einzelner Leichen- teile entdeckt worden sind. Die ersten Leichenteile wurden im Grunewald und b e i Grünau vergraben aufgefunden. Sie zeigten, daß der Täter zmiächst oersucht hatte, sie durch Verbrennung vollständig zu oer- Nichten. Später hat er dann die einzelnen Leichenteile einfach in der Nähe des Engelbeckens in den Kanal geworfen. Dort wurden zu- erst die Leichenteile angeschwemmt, die, wie die Nachforschungen der Kriminalpolizei ergaben, von der vermißten Frieda Schubert her- rührten. Bis auf den Kopf und die Füße wurden seinerzeit alle zu der Leiche gehörenden Teile aufgefunden. Bor einigen Tagen kamen nun ganz in der Nähe wieder Teile eines menschlichen Körpers zum Dorschein, die ebenfalls wieder als von einem Mädchen oder, einer Frau herrührten. Leider aber ist es nicht möglich gewesen, die Per- sönlichkcit dieser Toten festzustellen. Abgesehen van den Leichenteil- funden in Nikolassee und Grünau, zwei Verbrechen, die ebenfalls noch der Aufklärung bedürfen und, wie die Funde im Wasier, wahr- scheinlich aus das Konto ein und desselben Lustmörders zu setzen sind, sind nun weitere vier mutmaßliche Verbrechen Gegenstand der Er- mittlungen der Kriminalpolizei In allen Fällen handelt es sick um eine gleichartige Zerstücke- lung, die zwar mit einer gewissen Sachkenntnis ausgeführt ist, nicht aber von einem Fachmann oder Arzt berrühren kann. Die Ber- mutung, daß es sick, um anatomMe Präparate handelt, die ein Student oder Heilgehülfe in das Wasser geworfen hat, ist also von der Hand zu weisen. Unter Hinweis auf die habe Belohnung werden nochmals alle Personen, die irgendwelche Mitteilungen über das unheimliche Treiben des Mörders machen können, da dieser die Ermordung seiner Opfer doch nur in irgendeinem ge- schloffenen Raum vornehmen kann, ebenso die Zerstückelung, ersucht, sich umgehend bei den Kriminalkommissaren Dr. Rie- mann und Werneburg im Zimmer 34 des Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Spare mit Srennstoff! Eröffnung der Ausstellung für Wännewirkschaft. Die im Auftrage der Preußischen Landeskohlenstelle, des Reichs- kohlenrates und der Stadt Berlin durch die Hauptstelle für Wärme- Wirtschaft veranstaltete Ausstellung„Die Wärme in Haus- halt und Kleingewerbe" wurde heute im Schloß Ehar- lottcnburg eröffnet. An der schlichten Eröffnungsfeier nahmen Vertreter von Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, von wissen- schaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Körperschaften und von Hausfrauenorganisationen teil. In einer Ansprache wies der preußische Handelsminister Fisch- b e ck darauf hin, wie sehr unter dem Mangel der Kriegsjahre wir alle die Wärme und den Brennstoff schätzen gelernt haben. Wissen- schast, Technik und Industrie haben sich bemüht, weite st geh ende Ausnutzung der Brenn st offe zu erreichen und das Mög- lichste zur Brennstoffersparung zu tun. Diese Ausstellung, die eine Wanderausstellung ist und nach einander in verschiedenen Städten gezeigt werden soll, verdankt ihre Entstehung nicht dem Reklame- bedürfnis des Unternehmertums. Sie ist das Werk fach- und fach- kundiger Männer und Frauen, die in dieser Zeit fortdauernder Brenn st offknappheit und Brenn st ofsteuerung nicht nur dem Kleingewerbe, sondern auch den Verbrauchern im Haushalt die notwendige Belehrung geben wollen Nachdem der Minister die Ausstellung für eröffnet erklärt hatte, übernahm sie Oberbürgermeister B o e ß mit Worten des Dankes als ein Zeichen der Förderung Berlins, die allerdings in letzter Zeit etwas selten geworden sei. In Berlin habe die Not des Krieges sich besonders schwer geltend ge- macht, und welchen Schaden Berlin dabei erlitten habe, werde man erst in künftigen Iahren voll erkennen. Boeß kündigte an, daß die Stadt, abgesehen von der finanziellen Unterstützung der Aus- stellung aus Gemeindemitteln, auch alles tun werde, daß die hier gebotene Belehrung weitesten Kreisen der Be- völterung zuteil werden könne. Sie werde dafür sorgen, daß ihre Arbeiter, Angestellten und Beamten, ihre Lehrerschaft und ihre Schuljugend und besonders die Jugendlichen der Fortbildungs- schulen in Scharen kommen, um die Ausstellung zu sehen und aus ihr zu lernen. Nach Dackkesworten des Geheimen Bergrats R ö h r i g von der preußischen Landestohlenstelle machten die Festteilnehmer einen kurzen Rundgang durch die Ausstellung. Sie bietet nichts,«os zur Befriedigung eines bloßen Unterhaltungs- bedürfnisies dienen könnte. Sie ist aber reich an belehrenden Auf- klärungen über Gewinnung und Heizwert der verschiedenen Brenn- stoffe, über ihre vorteilhafteste Verwertung, über die Einrichtung der Stubenöfen und Kochherde, über die Abhängigkeit des Wärme- schütze» der Räume von Material und Stärk« der Hauswand. Alle Brennstoffe sind berücksichtigt, nicht nur Kohle und Koks, sondern auch Holz und Torf und selbstverständlich auch Gas. Den Besuch der Ausstellung können wir besonders den Haus- krauen und solchen, die es werden wollen, dringend empfehlen. Auch die tüchtigste Hausfrau, die alles' längst zu wissen glaubt, dürfte hier noch Ueberraschungen erleben und sehen, daß man immer noch etwas dazulernen kann. Während der auf sechs Wochen festgesetzten Dauer der Ausstellung werden in ihr zahlreiche Vorträge und Vorführungen stattfinden, die das Ver- ständnis fördern sollen. Die Ausstellung ist täglich von 19 bis 7 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 2 Mk., für Schulkinder die Hälfte._ Ein Nest der Grost-Berliner Zersplitterung. Ein übles Moment des Beamienbefoldungsgesetzes vom 1. April 1929, das gegenwärtig einen Teil der Beamtenschaft Groß-Berlins in begreifliche Erregung versetzt, ist die leidige Ortsklassenfrage. Man hat mit gutem Recht die kleinen Jndustrieorte Westfalens ohne wei- teres in Klasse A eingestuft, sofern sie mit großen Städten eine Ein- heit bilden. Die Vororte Berlins, die mit der Zentralgemeinde und unter sich zu einem unzertrennlichen Wirtschaftsgebiet verschmolzen sind, stuft man ganz nach Willkür ein. Wie ist es möglich, daß Orte wie Weißcnsee, Britz, Reinickendorf, die 7 Kilometer und weniger vom Neuen Markt entfernt sind, deren Straßen unmittelbar in die der größeren Bororte bzw. Alt-Berlins übergehen, noch immer in Klasse B eingestuft sind! Wer die Hermannstraße ahnungslos entlang geht, dem wird es kaum zum Bewußtsein kommen, wo das Weichbild Neuköllns aufhört� und wo Britz seinen Anfang nimmt. Trotzdem hat man Neukölln in Klasse A, Britz in B eingruppiert. Nicht, daß sich die Ein- wohner beider Orte gegenseitig in die Fenster gucken; nicht, daß Neu» köllner Kinder massenweise nach Britz zur Schule gehen; nicht, daß eine qroße Zahl von Britzer Beamten in Berlin oder in Bororten der Ortsklasse A mit ihrem verhältnismäßig geringen Gehalt ihr Dasein fristen müssen, noch ein Dutzend anderer Gründe sind aus- schlaggebend dafür, daß es seinem Nachbarorte Neukölln in der Be- urteilung der Teuerungsverhöltnisse gleichgestellt wird: man macht Statistiken und dividiert endlos und kommt zu Ergebnissen, die die Tatsachen auf den Kopf stellen, Der gesunde Menschenverstand müßte einem sogen, daß man in Groß-Berlin nicht billiger lebt, wenn man von einem Hause der Hermann st raße 199 Schritt weiter nach außen zieht. Man sollte vor allem einmal daran denken, wie mancher Groschen den armen Vorortbeamten durch ko st spielige Fahrten verloren geht, die sie mit ihrer Familie, die ihre Kinder im Interesse ihrer beruslichen Ausbildung jahrelang tagaus tagein machen müssen. Wann wird es anders werden! Der Raubmord in der Potsdamer Straße hat noch keine Auf» klörung gefunden. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei, die nach einer bestimmten Richtung weisen, haben vorerst noch nicht zum Ziel geführt. Die vielen Zeugenvernehmungen lassen erkennen, daß die Ermordete ihre Räume zu allen möglichen Zwecken zur Ver- füqung gestellt hat. Sie kam dadurch mit vielen Personen in Be- rührung, denen sie, da sie auch Geldgeschäfte gemacht hat, bares Geld lieh, wegen der Rückerstattung aber später Auseinandersetzun- gen hatte. Wer zur Aufklärung dieses Mordes noch zweckdienliche Angaben machen kann, wolle sich bei den Kriminalkommissaren Kunze und Dr. Schuppe melden. Die vielseitige Feuerwehr. Wegen einer Schlägerei mußt« die Feuerwehr in der Rheinsberger Straße 52 eingreifen. Eine Frau, die blutig geschlagen worden war, brachte die Feuerwehr schleunigst nach dem Lazarus-Kran kenhaus, wo sie verbunden und ärztlich behandelt wurde. An der Ecke der P r i n- zen- und Morißstraße überfuhr die Straßenbahn einen jungen Mann. Die Feuerwehr schaffte ihn nach dem Krankenhaus am Urban. Vor dem Hause Stralau er Str. 33 am Molkenmarkt brannte ein Automobil. Jn der Fehr» belliner Straße 52 kam auf dem Boden ein Feuer aus, das auf den Boden beschränkt werden konnte und in-be* Mittenwalder Straße 38 brannte das Dach. Durch Funken aus einem Schornstein war dieser Brand entstanden. Der Inhaber des weklkonzerns Söhn ist heute auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft III verhaftet worden. Die Schutzver- einiqung deutscher Sport- und Wettbanken hat durch ihren Rechts- beistand den Antrag auf sofortige Hastentlassung gestellt. Der Stadtbahnhof Warschauer Straße wird zurzeit durch d i e Neuanlage eines zweiten Borortbahnsteiges zu einem wichtigen Umsteigebahnhof ausgebaut. In Warschauer Straße werden von der Inbetriebnahme des neuen Bahnsteiges an fämt- liche Vorortzüge halten, die über die Stadtbahn verkehren. Damit wird der Bahnhof Warschauer Straße eine erhöhte Bedeu- tung für den Umsteigeverkehr erlangen und den Reisen- den der Züge, die dort bisher nicht hielten, die Möglichkeit eines Ueberganges auf die Hochbahn ebenfalls geboten. Die Bauarbeiten, die umfangreichen Gleisverlegungen, die Schaffung einer neuen Treppe usw. erfordern, sollen in möglichst kurzer Zeit durchgeführt werden. Iungsozialistea. Montag, abends 7� Uhr, im Zentraljugcnd» heim. Lindcnstr. 3. Mitgliederversammlungen aller Ortsgruppen der Vereinigung, Tagesordnung: 1. Der Bericht der Bielefelder Dele- gation. Referent Keller. 2. Aussprache. Alle Ortsgruppen sind zum vollzähligen Erscheinen verpflichtet. Der Arbeitsausschuß. Arbciter-Nadfahrcrverein„Groft-Berlin". Sonnabend, abends 7 llhr, SommcrnachtSbnll Treptow. Konkordiosäw,— Sonntag, nach- miltagZ, l'l, Uhr, Katerbummel nach Kiekcmal(Heidclrug). Das Wetter für morgen. Berti« und llniaegend. Zunächst wärmer, trocken und vielfach heiter bei mäjjigen südöstlichen Winden, später Gewitterneigung. Theater öer Woche. Vom 21. bis 28. August. DoUsbilhne: Der O?ernb»ll.— Opernhav«! 25. Lobenßrin. 26. Freischütz. 27. Boheme. 26. Nosenlavalier. 29. Carmen.— Echanspiclhan»! 23. Peer Eynt. 26. Kronprinz. 27. Rauber. 28. Torquato Tasso.— Srotzea Schauspiel- hau«: 21. bis 26. Die Weder. 27. u. 28. Der Kaufmann von Venedig.— Deut- schcs Theater: 21. bis 28. Potasch und Perlmutter. Ab 24. Kean.— Kammer. spiele: 21. bis 28. Der Herr, der die Maulschelle kriegt. Ab 24. Potasch und Perlmutter.— Lesstng»Thcater: Die Ballerina des Kbnigs.— Theater in der Königgrätzcr Straße: Notruf.— Deutsches Operuhaus: 21. u. 23. Carmen. 22. Die Fledermaus. 28. Mignon. 24. Lohengrin. 26. Tannhiiuser. 27. Soff» mauns Erzählungen. 28. Der Troubadour.— Schtller-Theater: 2l.— 24, Meine Frau— das Fräulein. 25, u 27. Nora, 26. Raub der Sabinerinnen, 28 Alt» Heidelberg,— Schioftpark. Theater. Steglitz: 2l. Hans Huctebeln. 22, bis 21. u. 28. Die Laune des Verliebten. Die Mitschuldigen. 27. Maria Magdalena.— Die Tribüne: Bunburn.— Deutsche, Künstier-Xheater: Wem gehört Helene?— Komödieuha»»: Der blonde Engel.— Berliner Theater: Das Milliarden» Souper,— Kleine» Schaufpielha«»: Reigen.— Triauan-Theater: Die große Leidenschaft.— Restdenz-Tbeater: 21. Traumulus. Ab 22. Totentanz.— gen- trak-Theatcr: Ilonka.— Theater in der Kommandautenstraße: Die Diclenbere. — Friedrich-Wilhelmstädtische, Theater: Die Kleine aus der Hölle.— Komisch« Oper: Der fidele Bauer.— Merropol-Theater: Die blaue Mazur.— Reue, vpcrcttcn-Thcatcr: American-Eirl.— Thalia-Thcater: Mascvttchen.— Theater am Rollendorfplatz: Der Vetter aus Dingsda.— Theater des Westens: 21. bis 24. Morgen wieder lustikl 23. Geschlossen. Ab 26. Die Braut des Lucullus.— Kleine, Theatee: Der Dieb.— Wallnei. Theater: Ab 25. Nixchen.— Walhalla- Theater: Die Echeidungsreife.— Rosc-Theatcr: Jugend.— Kasino-Theater: Exzellenz Maxe.— Luisen-Theater: 22. bis 27. Klärchen Piesicke. 28. Tagebuch einer Verlorenen.— Folie« Caprie«: Die Geliebte aus Teilung. Fiebertaumel. Bcntschen-Meseritz. Rachmittag, Vorstellungen: Volksbühne: 21., 24., 27. u. 26. Die Fledermaus.— Deutsches Opcruhau,: 28. Tiefland.— Theatrr am Nolleu» dorfplaft: 21. u. 28. Wenn Liebe erwacht.— Refideuz-Theater: 21. Lady Winder- mere, Fächer. 24. u. 27. Mai und Moritz.— Kleiue» Theater: 21. Casanova» Sohn. 24. u. 27. Schneewittchen.— Trianon-Theater: 21. Die große Leiden» rft. 27. Rotkäppchen.— Theater de, Westen»: 21. Morgen wieder lustikl Minna von Barnbelm. 26. Der Revisor.— Rose-Zheaterierteii und 21 Gästen verireten. Keinen Delegierten hatten entsandt die Filialen Bernau. Teltow, Pritzwalk, Teinplin, Wandlitz und Jahna. Der gedruckte Tätigkeilsbericht, welcher der Aaukonferenz borlag, wurde von dem Kollegen Kühne noch in einigen Punkten ergänzt. Die Diskussion ergab, daß die Filialen an der Tätigkeit der Gauleitung nichts auszusetzen hatten. Unter Punkt 2 der Tagesordnung referierte Kollege Müntner Über Reichs-Manteltarife der Gemeinde- und Staats- arbeiter. Kollege Hinze-Wittenöerge forderte die Befeiti- gung sämtlicher Unterstützungen, weil die Gewerkschaften keine Unter- siützungSvereine, sondern Kampforganisalioncn sein sollen. Die Einführung deS AchtstundenlageS wurde von ihm als keine Er- der den Gewerbegerichtswähler in den Banken! Der Berliner Sektionsvorstand des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten teilt mit, daß er sein« Liste zu den Ge- werbegerichtswahlen auf Veranlassung des Zentralvorstandes der Organisation zurückgezogen hat. Der Allgemeine Verband Deutschen Bankangestellten weist seine Mitglieder, soweit sie Kreisen der gewerblichen Kassenboten angehören, an, die Liste der freien Gewerkschaften zu wählen. Die gewerbliche Liste des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten ist dadurch zustande gekommen, daß der Sektionsoorstand der gewerblichen Angestellten bei der Aufstellung der allgemeinen Liste der freien Gewerkschaften zu den Gewcrbegcrichts- wählen nicht zugezogen worden war. Ahm Lohnkampf der Kraftdroschkenführer. Eine äußerst stark besuchte Pranchenverfammlung der Kraft- droschtenführer nahm am Mittwoch den Bericht über die Tarifoer- Handlungen entgegen, welchen der Branchenleiter L a ch m u n d er- stattete. Nachdem die Besitzer bei den früheren Derhandlungen es abgelehnt haben, unter Berufung auf die schwebenden Steuerfragen, den vom Transportarberteroerband vorgelegten Tarif anzuerkennen und nur eine Aufbesserung von 2 Proz., also von 16 Proz. auf 17 Proz. bewilligen wollten, ein Vorschlag, den wir als eine Ver- höhnung unserer gerechten Forderung betrachten müssen, haben wir im Auftrag der letzten Branchenoersammlungen den Schlichtungs- ausfchuß angerufen. Am 12. August tagte eine Sonderkammer des Schlichtungsaus- schusies und fällte folgenden Spruch: „Der Grundlohn beträgt 3 M. pro Schicht und 18 Proz. der Gesamt- einnahm«. Die Kosten des Wagenwaschens trägt der Unternehmer, der Fahrer darf nicht dazu herangezogen werden. An Urlaub wird gewährt: nach einer Beschäftigungszeit von 6 Monaten bis 1 Jahr drei Tage, 1— 2 Jahre fünf Tage, 2— 4 Jahre sieben Tage unter Fortzahlung des Grundlohns. Bei Erkrankung wird nach einjähriger Bcschäftigungszeit der Grundlohn bis zu drei Wochen weitergezahlt. Arbeitskräfte sind vom paritätischen Zlrbeitsnach- weis der Stadt Berlin, Rückerstr. 9, zu bezichen, soweit nicht Ver- wandte in Frage kommen. In Kraft tritt der Tarif am 16. August und endet am 31. Dezember 1921." Die Besitzer lehnten auch vor dem Schlichtungsausschuß die Uebernahme der Wagenwaschkosten ab und erklärten es als eine Pflicht des Fahrers, für Reinigung des Wagens Sorge zu tragen; ebenso sträubten sie sich, den Arbeitsnachweis zu benutzen und wollten mit aller Gewalt das Wort„möglichst" hinzugesetzt haben. so daß der Satz also lauten soll:«IrbeitstrSste sind möglichst vom Arbeitsnachweis zu beziehen" Den Urlaub wollten sie gewähren. aber ohne Zahlung des Grundlohnes. Nach Fällung des Schieds- spruches erklärten die Besitzer diesen Schiedsspruch nicht annehmen zu können. Als bei den Verhandlungen auf die lange Arbeitszeit der Fahrer hingewiesen wurde, erklärte der Unternehmer B e t h g e folgendes:„Wohl ist der Fahrer 12—16 Stunden auf dem Damm, die meiste Zeit jedoch steht er am Halteplatz und hat so Gelegenheit zum Schlafen und Ausruhen. Na, und bekommt er dann mal eine Fuhre, so ist dieses doch weiter nichts als eine Erholungsfahrt für den Fahrer." Die Bekanntgabe dieser Aeußerung rief einen Sturm der Ent- rüstung unter den Versammelten hervor. Die Verhandlungskomm'ssion empfahl der Versammlung den Schiedsspruch anzunehmen und beim Demobilmachungskommissar die Rechtsverbindlichkeit zu erwirken. Nach eingehend-r Diskussion«rklärte sich die Bersammlung mit dem Vorschlag der Tarifkommission einverstanden. Die Berliner Maschinisten und Heizer hörten in ihrer Mitglieder» Versammlung am Mittwoch im Gewerbschaftshaus ein Referat des Kollegen Reiferscheidt- Köln über„Die wirtschaftlich« Lage im ollgemeinen und im Beruf im besonderen". Der Referent kam zu dem Ergebnis, daß, wenn die Maschinisten, Heizer und B-rufsgenossen überall einheiilich zusammenstehen, sie einen Machtfakwr im Wirt- schaftsleben darstellen. In der Diskussion wurde dem Referenten von allen Rednern zugestimmt und folgende von Reinefeld vorgeschlagene Entschließung einstimmig angenommen: „Die am 16. August tagende Versammlung der Geschäftsstelle Groß-Berlin des Zentraioerbandes der Maschinisten und Heizer sowie Bcrufsgenossen Deutschlands bedauert, daß der Beirat der Betriebs- rätezentrale des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes dem auf dem Betriebsrätekongreß vom 6.— 7. Oktober 1920 von unserem Verbände gestellten und dem Beirat überwiesenen Eintrag auf Schaffung einer 16. Jndustriegruppe der krafterzeugenden und verteilenden In- dustrie bisher nicht entsprochen hat. Die Versammlung erblickt in der Verzögerung des Antrages durch den Beirat der Betriebsrätezentrale eine Geringschätzung und Zurücksetzung unserer Organisasion und er- wartet, daß der�ADGB. der Forderung unseres Derbandes in oller- nächster Zeit Rechnung trägt und zu der Schaffung der 16. Industrie- gruppe seine Zustimmung erteilt. Die Organisation der Maschinisten und Heizer ist heute ein maß- gebender Faktor bei allen wirtschaftlichen und politischen Kämpfen der Arbeiterschaft und darf vom ADGB. die Erfüllung ihrer Forderung erwarten." Der Staffenbericht vom 2. Quartal 1921 wurde vom Kollegen Holz gegeben und lag gedruckt vor. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Außerdem wurde noch auf die am 16. Ottober dieses Jahres statt- findende Bestchtigung der Großfunkenstelle Nauen hingewiesen. Eine intersyndikalistische vereinlguna wollen die französischen Syndikats der Schnhfabrikation/der Bekleidungsindustrie, der Me- tallindustrie, der chemischen Industrie und aller Kriegsindustrien ins Leben rufen. Sie soll eine großzügige Propaganda gegen die Fa- brikotion aller für einen neuen Krieg bestimmten Dinge, vor allein von Munition, unternehmen. Anschläge, Broschürenoerteilung und Versammlungen im ganzen Lande sind in Aussicht genommen. Die streikenden Texlllarbeiker in Frankreich haben— nach einer Meldung aus Lille— eine Besprechung mit den Arbeitgebern durch Vermittlung des Arbeitsinspektors nachgesucht. Wiederaufnahme der Arbeit auf den Hansa-Lloyd-Werken. Die Betriebsleitung und der Arbeiterrat der Hansa- Lloyd- Werke in Bremen aeben bekannt, daß die Arbeit auf dem Werken gestern nachmittag in vollepr Umfange wieder aufgenommen worden ist. Deutsch»! Mctallarbelter.Verbiwd. Sonntag, 6tn 21. Aiigull, 9 Uhr vorm., Versammlung oller in den Groii-Berliner Stahlwerken Beschäftigten, die an Stahl- öfen arbeiten. Tagesordnung: Unsere Betriebiverhältnisse und Verschiedenes. flu* der Betriebsräte-Praxis. § 84 Absah 1 Ziffer 4 und Absah 2. Wahrung berechstgker Interessen ist keine Beleidigung und kein wichtiger Grund zur Ent- lassung. Von dem Schlichtungsausschuß Düsseldorf wurde am 2. Mai 1921 die Firma Leonhard Tietz Akt.- Ges., Düssel- dors, zur Wiedereinstellung bzw. Entschädigung eines entlassenen Arbeitnehmers oerurteilt Die Kündigung war erfolgt, weil der Kläger sich bei dem Rentenausschuß des Reichsoerficherungsamtes in Berlin darüber beschwert hatte, daß seine Firma ihn nicht weiter oersichern wollte. Der Schlichtungsausschuß konnte hierin einen wichtigen Grund zur Entlassung nicht erblicken, auch die Form der Beschwerde an das Reichsvcrsichcrungsamt fei nicht beleidigend, so daß kein wichtiger Grund zur fristlosen Entlassung, sondern vielmehr eine unbillige Härte vorläge. Berantw. für den redalt. Teil: Dr. ZSeeuer Leiser, Charlotten bnrg: lür ilnz eigen: Td. Gleite. Berlin. Verlag: LorwärlS-Aeriaa«. m. b. H.. Berlin. Druck: Vor- wäris-Buchdrulterei u. VeriagSanftalt vaul Singer«e. Co.. Berlin. Lindenstr. S. SeMerMelMNSMwMM venwltung, stelle Berlin X II. 51, Cinienftr, 85-85. Geschäftszeit von norm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 1SZ. 1239, 1987. 9714 Zonittag. de« 21. August, vormittags 9 Uhr, im tSesellschaftshauS, Xriftstr.: MW- Versammlung"WV aller in Gr.-Berliner Stahlwerken beschäft. Kollegen, die an Stahlöfen arbeiten. Tagesordnung: l. Aasere Betriebs Verhältnisse. 2. Verschiedenes. 5,1» Ot« Ocfsoectvallaag. Zeil TÖüahrenl I). 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