ftg-397 ♦ ZS. �ahraomg Ausgabe A Nr. 201 Morgen Attsgabe Bezugspreis: ktertryildrl. 30,— Sit, monatt 19.— SR. frei ms Haus, voraus zahlbar. PoR- bezog: Monatlich 1»,— M., einscht Zu- !: ellungsgebühr Unter Rreuzband rar . Sleuischlanü, Danzig, Bas Saar- and Memelgediel. sowie die eheinal» Beut- fchen Wediele Polen» Oesterreich, Ungarn»nB Sujcmburo 20,- M, für Ba» übrige AuslanB 27.— M. Post- beftellungon nehwen an Oesterreich, Ungarn. Tscheche» Slowalei, Diine- warf. Holland, Luienidurg. EchweBen unB Bie Schweiz, 5>ce„Sonnätts* mit der Sonntagsbeilage.Boll und keit�, der Unter- h-ilungsbeilage �cimwelr' und der Beilage.Siedlung und RIetngarterr' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montag» climuU. Telegramm-Adresse: .SojialBraotcal Sctlf«* ( 1 W OroB» Berlin 30 PI auswürts 40 Pfennig DnzetgeuvreiS, S>tf ttehtgetpalten» AonparrtQqteüt toUet 5i*) M.ftlrlac AnHoigea" ba« fcttgebnicftf Wort 1�0 Äortbps Erzählungen. Budapest, 22. August.(MTB.) Wie dos Ungarische Korr«. spondenzbureau meldet, sind die Truppen des Generals von Toos heute in Fünfkirchen«ingezogen. Die Truppen seien von der Bevölkerung mit unbeschreiblicher Begeisterung empfangen worden. In der Stadt herrsche vollkommene Ruh« und Ordnung. Das englisch« volkszählungsergebnl». Die amtlichen Zah- l« n über die letzt« Volkszählung vom 19. Mai d. I. ergeben für England mit Wales und Schottland eine Bevölkerung von 42 767 530 Seelen, dovon 20 430 828 männlichen Geschlechts. die Zascisten rüsten nicht ab. O. L. Die Hoffnungen, die man auf den sog.„Pakt von Rom", der die gewaltsame Fehde zwischen Sozialisten und Fascisten beenden sollte, gesetzt hatte, haben sich nicht erfüllt. Und zwar nicht nur aus den von verschiedenen Seiten voraus- gesagten Gründen: der Nichtbeteiligung der Kommunisten an dem Bertrag oder der Schwierigkeit, einer chaotischen Massen- bemegung mit einem Schlage Halt zu gebieten, sondern vor allem aus offen ausgesprochener Opposition eines beträcht- lichen Bruchteils der fascistischen Organisationen. Die Verbände der Emilia und der Nomagna, gerade der am meisten heimgesuchten Regionen, haben aus einem Kongreß erklärt, dem Friedensschluß nicht beitreten zu wollen. Diese Haltung hat eine größere politische Tragweite, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Der„Palt von Rom" bedeutete keineswegs für die Fascisten einen Rücktritt aus dem politischen Kampf. In chm wurde nur von den unterzeichneten Organisationen— dem sozialistischen Partei- vorstand, der Konföderation der Arbeit und dem Zentral- komitee der Fasci— die Verantwortung für Gewalttaten gegen Personen und Sachen abgelehnt, die gegenseitige Ach- tung der Symbole der beiden Parteien versprochen, die gegen- seitige Anerkennung der wirtschaftlichen Organisationen und die Rückgabe der den Körperschaften und den einzelnen ab- genommenen Gegenstände. Don einer Abschwächung des Gegensatzes zwischen Sozialisten und Fascisten war also nicht die Rede: nur die Aeußcrung dieses Gegensatzes mit Hand- grannten und Revolvern sollte wegfallen. Was aber blieb den Fascisten, wenn diese Aeußerung wegfiel? Gar nichts. Der Fascismus als solcher hat keinen Gehalt und keinen Umriß. Er war und ist nichts als eine Der- neinung des Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Nicht als Kritik oder moralische Ablehnung, sondern als gewaltsame Eindämmung und Vernichtung. Man nehme dem Fascismus seinen gewaltsamen Ausdruck, und man nimmt ihm Wesen und Sein. Das haben die fascistischen Organisationen der Emilia und Romagna klar erkannt: Wenn wir keine Handgranaten mehr werfen dürfen, keine Arbeiterkammern mehr'in Vrand stecken, keine Konsumvereine mehr plündern, was tun wir dann'l' Und vor allem: was hast uns dann noch zusammen, wenn wir unseren Leuten keine Strafexpeditionen mehr bieten können, mit den aufregenden sonntäglichen Autofahrten, bei denen e:. Zu wagen galt, aber auch hübsch zu gewinnen gab? Mussolini, der einer der hauptsächlichsten Verfechter des Friedensschlusses von fascistifcher Seite mar. ist noch dem Votum der Organisationen der Romagna und Emilia von dem Zentralkomitee der Fascisten zurückgetreten. In dem von ihm geleiteten„Popolo d'Jtalia" schreibt er. daß das Ab- kommen von Rom den Fascisten Gelegenheit bot,„außer ihrer Ueberlegenheit im Prügeln und Bombenwerfen ihre geist-ge und sittliche Ueberlegenheit zu zeigen". Da aber ein Schelm mehr gibt als er hat, so haben eben die Fascisten die Gelegen- beit zu diesem Beweis verpaßt. Sie bestehen auf weiterem Prügeln und weiterem Bombenwerfen. Sieht man von den Humanitären Erwägungen ab, die jeden normalen Menschen das Ende der wüsten sinnlosen Ge- walttat herbeiwünschen lassen, so ist zu bemerken, daß unsere Partei als solche vom Fascismus nur insofern geschädigt wird, als seine Roheit auf die Unseren verrohend wirkt. Politisch er- schüttert der Fascismus nicht die sozialistische Partei, sondern die Regierung und die Ordnungsparteien. Für die Regierung ist fein Fortwüten ein Beweis der Ohnmacht, fiir die Orb- nungsparteien untergräbt es in der Legalität ihre eigen? Grundlage. Trotzdem dürste die verweigerte Abrüstung der Fascisten auf die„innere Politik" unserer Partei eine Wirkung haben. die wir für unheilvoll halten. Das Fortdauern der Gewalttat drängt unsere Partei nach links, stärkt ihre morimalistUchen Elemente, überbrückt die Kluft, die uns von den Kommunisten trennt. Jene pbantasicbegahten Menschen, die überall Mos- kauer Gold wittern, brauchten den Moskauern gar kein? Dummheit zuzutrauen, wenn sie ihnen andichteten, die Fas- eisten zu besolden. Partei und Arbeiterhewegimg orientieren sich heute in- stinktiv gegen jede gewaltsame Taktik. Das Land steht mitten in einer schweren wirffchastsichen Krise Auf sie hätten die Arbeitermasten vielleicht mit einer Butschpolitik reagiert, wenn sie die völlige ilnfruchtharkeit dieser Politik nicht schon zur Reit der der Kriie vorhergehenden Hochkoustmktur erprobt hätten. Zwei der stärksten itaiienüchen Zentraloerbände. der der Metallarbeiter und der der Textilarbeiter, haben bereits ge- zeigt, daß die Arbeiter nicht med? den Standpunkt einnehmen, durch Derschärstmg der„bürgerlichen Krile" die Revolution zu beschleunigen. Anaestckits der ungünstigen Lage beider In- dustrien haben sie in eine Revision der Tarifverträge vor der Ablauf.zeit gewilligt. Um die Stillegung der Betriebe zu ver- hindern, hat der Zentralverband der Textilarbeiter eine Lobn- reduktion von 20 Proz. zugestanden, hat somit seine Einwist'- jjrntg zu dem unvermeidlichen Abbau der Löhne gegeben. Auch die Pcirtei, die im Oktober in M a i l a n d zu einem orßcrordentlichen Parteitag zusammentritt, hat während der letzten Ministerkrise mit der auf den Kongressen von B o- l o g n a und L i v o r n o festgesetzten absoluten Intransigenz gebrochen. Hat doch der aus dem Parteitage von Livorno her- vorgegangene Porteivorstand damals ein Votum angenommen. das die Fraktion auffordert, auf die Lösung der Krise Einfluß zu gewinnen. ?.is Rückschlag auf die absolut negative Politik unserer Partei während der ersten Friedensfahre vollzog sich also der Ilebcrgang zu einer Taktik, die nicht auf ein Sabotieren der Wirtschaft des Landes hinausläuft, die aber von der Bour- geofie politische und wirtschaftliche Zugestündnisse' fordert als Gegenwert der Opfer, die auch die Arbeiterschaft bereit ist, zum Ucberwinden der heutigen Notlage zu bringen. Auf diese geistige Verfassung der Massen muß nun die von den Fascinisten beschlossene Fortdauer des Bürgerkrieges ungünstig wirken. Die beständigen Putsche, das Aufhetzen des Haffes und der Gewalttat, die durch die Umstände gebotene Solidarität mit den Kommunisien, treiben das Proletariat zur Seelenverfassung der vergangenen Jahre zurück. Daher tut der Fascismus, ohne es zu wollen, dem radikalen Flügel un- serer Partei Botengänge. Auf dem Parteitag in Mailand werden wir genau so da- stehen wie auf dem Parteitag von Livorno. Wieder werden die Moskauer Forderungen den Kongreß beherrschen:„Schließt die Neformisten aus und die dritte Internationale steht euch offen." Das haben die drei italienisrben Delegierten aus Moskau heimgebracht. Seit Livorno hätte die Erfahrung uns manches lehren können. Die Kampagne des Geifers' und Hasses, die die Kommunisten gegen die Partei geführt haben, konnte nutzlich sein. Aber in Zeiten fascistischcn Bürgerkrieges lernt man wenig. Da ist die Gewalt Trumpf, da bildet sich eine unnatürliche Solidarität der Verfolgten. Es sind Perioden halbe? Barbarei, in denen Selbstkritik und innere Entwicklung zurücktreten. In diesem Sinne schädigt der Fascismus die Arbeiter- bewsgung Italiens: er verlangsamt den natürlichen Prozeß der geistigen Ueberwindung des Bolschewismus. Der Nichtungsftreit unter üen finqeftellten. Die bevorstehende Wahl der Gehilfenbeisitzer zum Berliner Kaufmannsgericht verdient das Interesse der ge- samten Oeffentlichkcit, denn es handelt sich dabei nicht nur um einen Konkurrenzkampf der Angestelltenverbände, sondern hier wird ein tiefgehender grundsätzlicher Richtungsstreit aus- gefochtcn. Es wird darum gekämpft, ob die verschiedenen Gruppen der Angestellten, Handlungsgehilfen, Burcauange- stellte, technische Angestellte, selbst untereinander einig sein und gemeinsamen Zielen zustreben wollen, ob sie in der Arbeiterschaft ihre Klassen- und Kampfgenossen er- blicken oder der Ideenwelt des Unternehmer- tu m s unterworfen fein wollen und schließlich, ob sie die bc- stehende kapitalistische Wirtschaftsordnung grundsätzlich vcr- teidigen oder die sozialistische Wirtschaftsordnung als eine höhere Form anerkennen wollen. Es stehen sich als Kämpfer gegenüber der die überlebte Vergangenheit repräsentierende Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband lDHV.), der verbündet ist mit dem Deutschen Bankbeamten-Verbond lDBV.) und dem Verband der weiblichen Handels- und Bu- reauangestellten(VwA.). Sein Gegner ist der, die Gegenwart und Zukunft vertretende Zentralverband der An- g e st e l l t e n. Zwischen beiden, aber durchaus auf dem Boden der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, steht der Ge- werkichaftsbund der Angestellten(GdA.). der sich nach dem Kriege aus verschiedenen Organisationen gebildet hat, die bis dahin die Anwendung gewerkschaftlicher Machtmittel und die -Tarifverträge immer abgelehnt hatten, weil sie immer noch an ein„Vertrauensverhältnis" init dem Unternehmertum glaubten. Nach«dem Kriege haben sie, ohne sich in ihrem Heblenöete Zenster. Von Alfons Petzold. Wie ein« Ncihs rotp Riesenschachteln stehen auf der Straße Wagen an Wagen der Straßenbahn. Verkehrsstockung! Ein überschwer mit Ziegeln belastetes Fuhrwert versperrt die Fahrbahn. Das oft durch einen saftigen Fluch auseinandergerissene„Hübot" des aufgeregten Kutschers, das allesbesierwissende Schreien und Rufen der Wagenführer, Schaffner und Wachleute reißt meine lesen- den Augen von der Zeitung auf und läßt sie durch das Wagenfenster über die mit Menschen und Vehikeln aller Art erfüllte Riesenstein-- ader des Großstadtlebens gleiten. Ein Bild hält sie fest: An der Front des mächtigen, Himmel- aufstrebenden Häuserwallcs wird eines der greisen Gebäude nieder- gerissen. Die Spitzhacken wetzen schon ihre gefräßigen Stahlzähne an den gewaltigen Kellergewölben. Nur hier und da ragt noch eine Mauerrippe des morschen Stein- leides pittoresk in die Hohe. llnd etwas Seltsames erschaue ich: Hunderte Hoffenster der ande- ren Häuser eines Straßenquadrates, noch halb blind von dem schweren Schalten, den viele, viele Jahre lang das niedergebrochene Haus ihnen arckzwang, bis es zum Falle kam und den licht- und luft- entwöhnten Hoffenstern im Nachbarkreise freie Luft und Helle geben mußte. Nun kommen mir diese zahlreichen holznmspannten Glas- stächen vor wie die kummeroerfchütteten Augen viele Jahre einge- kerkert gewesener Menschen. Bisher die dunkeln, verräucherten Wände vor sich, im Höchst- falle der Einblick in eine sargdumpfe Dienstbotenstube, öllampen- lichtdurchdämmerte enge Wcrkstätte oder in das große Düster eines Ganges oder eines Stieqenfchachtes. Und jetzt diese Fülle von Sonnengcleuchte, dieses urplötzliche Schauen des farbenreichen Ge- wirres der Großstadt. Zugluft machte eine Reihe der staunenden Glasaugen erklirren — mir klingt's wie sin zarter Iubelfchrei. Die rote Wagenschlange setzt sich in Bewegung und ich werde diesem Bilde entführt. Aber die Seele sinnt weiter: In wenigen Wochen wird sich an der Stelle des alten ein neues Gebäude auftürmen. Wieder werden festvcrquadcrte Mauern, noch viel himmelnäher, als die niedergobrochenen es waren, die Hoffenster umspannen und ihr gläsernes Schauen um Licht und Weite und Farbe bestehlen. Oder— werden die Dienstbotenstuben und Werkstötten des neuen Hauses soviel Himmelshelle und Menschenfreude bergen, daß sie den Fenstern der Hintergebäude den Blick auf die Straße ersetzen können, die jrohe Schau in den Sonnentoumcl der Dinge? Wesen geändert zu haben, sich den Namen„Gewerkschafts- bund" zugelegt, weil sie der Meinung sind, daß sich damit unter j)en veränderten Verhältnissen bessere Geschäfte machen lassen.- Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband will nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine rechtliche und geistige Einigung der verschiedenen Angestelltengruppen verhindern: er fühlt sich lediglich als Vertreter der„Kauf- mannsgehilfen", ein Ausdruck, der in der Gesetzgebung und auch im geschäftlichen Umgang ganz ungewohnt ist, den der DHV. aber erfunden hat, um seine Sonderbestrebungen nach außen hin zu dokumentieren. Der Zentralverband der Angestellten fordert ein in den Grundzügen einheitliches Arbeitsrecht und den Ausbau der Kanfmannsgerichte zu Arbeitsgerichten für alle Lohnarbeiter, wobei besondere Kammern für An- gestellte zu bilden wären. Die technischen Angestellten, die hauptsächlich durch den freigewerkschaftlichen Bund der tech- nischen Angestellten und Beamten vertreten werden, fordern gleichfalls diese Arbeitsgerichte und ein einheitliche» soziales Arbeitsrecht. Bisher hat die Gesetzgebung arbeitsrechtlich die technischen und kaufmännischen Angestell- ten getrennt und die Techniker, soweit sie eine bestimmte Gehaltsgrenze nicht überstiegen, den Gewerbegerichten der Arbeiter zugeteilt. Zum ersten Male dürfen sich an der Berliner Kauf- mannsgerichtswahl auch die Handlungsgehilfin- n e n, also Frauen und Mädchen, als Wähler beteiligen, wo- gegen bisher das Wahlrecht nur den männlichen Handlung?- gehilfen zustand. Der DHV. hat das Wahlrecht der Frau bisher prinzipiell bekämpft. Noch im Jahre 1917 unter- zeichnete er Eingaben an den deutschen Reichstag und an den Preußischen Landtag, in denen er verlangte, daß den Frauen das Wahlrecht zu den Gemeinden und den parlamentarischen Körperschaften unter allen Umständen versagt bleiben müsse. Da der DHV. sonst so gern betont, daß er politisch neutral sei, hätte man annehmen müssen, daß ihm die Frage des politischen Wahlrechts für Frauen gleichgültig sei. Die von ihm bisher ausgesprochene Ablehnung des politischen Frauen- Wahlrechts entspricht aber ganz seiner politischen Richtung. Mit diesem DHV. hat nun der Verband der weiblichen Handels- und Bureauangestelltcn(BwA) vor einiger Zeit ein Bündnis geschlossen und bei der bevorstehenden Berliner Koufmannsgerichtswahl wird dieser VwA. versuchen, seine weiblichen Mitglieder dem DHV. als Wähler zuzuführen: denn die Handlungsgehilfinnen sind wohl, aktiv wahlberech- tigt, können aber nach den bisherigen Vorschriften al» Kaufmann sgerichtsbeisitzerinnen nicht ge- wählt werden. Diese Verbindung des DHV. und de» VwA. erklärt sich daraus, daß beide den gleichen politischen Tendenzen huldigen. Wenn der VwA. wirklich eine Organi- sation zur besonderen Wahrnehmung der Interessen der er- werbstätigcn Frauen im Handclsgcwerbe wäre, könnte er sich unmöglich zu einem solchen Bündnis mit dem DHV. her- geben. Von dem was der Zentralverband der Angestellten ieit Jahrzehnten fordert und in der letzten Zeit, nachdem sich feine Mitgliederzahl immer mehr verstärkt,, zum Teil prak-: tisch durchgeführt hat, haben ihm der DHV. und der GdA. einige Aeußerlichkeiten abgeguckt. Tatsächlich denken jedoch die dem Zeutralverband der Angestellten bei der bevorstehen- den Wahl als Konkurrenten gegenüberstehenden Verbände gar nicht daran, sich innerlich und ihrem Wesen nach in der- selben Richtung wie der ZdA. zu entwickeln: im Gegenteil, sie versuchen, die Entwickelung, die die Angcstelltenbewcgnng in den letzten Iahren genommen hat, nach rückwärts zu treten. Der DHV. entlarvt sich dabei insofern, als er in einem Flugblatte erklärt bat:„Infolge des R e v o l u t i o n s- k o l l e r s seien dem ZdA. große Mitgliedermassen zu- geflossen." Der unverkennbare Fortschritt der Angestellten- bewegung der letzten Jahre ist dem D5iV. also nicht etwas Begrüßenswertes, sondern etwas, was er als verächtlich ab- lehnen und bekämpfen muß. Für die Berliner Handlungsgehilfen- und-gehilfinnen Skrindberg im Residcnzkheater. Die Dramen wanden: in Berlin von einer Bühne zur anderen— wie die Schauspieler. Die Rotier, die olles spielen, was ihnen Erfolg verspricht, haben sich jetzt Strind- berg, Strindberg in stärkster Konzentrierung zugelegt. Sein „Totentanz" soll jetzt den Tribut empfangen, der zuvor Suder- mann und anderen Göttern gespendet wurde. Bedeutet das einen Aufstieg von der Brunst zur erschütternden, qualvollsten Ehebeichte? Oder wittert man auch in diesem menschlichen Dokument Sensa- tionelles, das die kleineren Ehetonflikte der zahlungsfähigen Bour- geoilie würzt? Oder sollten einfach zwei der besten Darsteller dieses Passionsweges, die beide vom Residenztheater geworben sind, ge- koppelt werden? Bei Reinhardt hatten Weqener und die Eysoidt das Märtyrer- paar gespielt, bei Meinauer Hartau und die Triesch und schließlich in der„Tribüne" Steinrück und die Durieur. Das Residenztheater gab die neue Kombination: Wegen er und die Triesch. Der brutale, fast ungeschlachte Vampir Wegeners, der� in seinem Zu- sammenbruch fast rührend-kindliche Züge annimmt, ist die alte Kern- figur voll Größe und Kraft. Aber die düstere, unheimliche Stim- mung des Turmgelängnisies bleibt uns der Regisseur Wegener schul- dig. Prachtvoll gibt Wegener die lange stumme Szene, da er mit der Vergangenheit aufräumt— aber ist das nicht ein wenig Kino? Frau Triesch ist in der Königgrätzer Straße die klassische Dar- stellerin des Strindbergschen Weibtypus geworden. Wie sie mit katzenhafter Geschmeidigkeil dos Manntisr umschleicht und im rechten Augenblick seiner Schwäche die Orgie hysterischer Rachgier entfacht, ist prachtvoll. Aber dann und wann merkt man doch die Routine. Der gute Kerl in dem infernalischen Dreieck war B i e n s f e l d t, beinahe hilflos in seiner Menschlichkeit. Strindberg fand ein ergriffenes Publikum. Falls es öfter wiederkehrt, wird es der künstlerischen und menschlichen Mängel dieser Hvllenbeichte bewußt werden und nicht mehr sein willenloses Opfer bleiWn, aber gleichwohl Respekt vor dem großen Monomanen wahren.— r. Darmkronkheilen im Sommer. Die ungewöhnlich starke Hitze dieses Sommers bedingt auch eine Häufung von Darmerkrankungen. Don der Milch wissen wir, daß sie in der Hitze leicht sauer wird und gerinnt. Dos führt dann bei den damit ernährten Säuglingen zu dem sogenannten Brechdurchfall, der gar schnell die Kräfte des Km- des verzehrt und dadurch zur häufigsten Todesart des Säuglings- asters wird: nicht mit Unrecht führt diese Krankheit den Namen Kindercholera. Mcr auch dem Erwachsenen ist das rasche Verderben der Speisen im Sommer infolge des unnehcmmten Baktericnwachstums oft verhängnisvoll. Der gesunde Magen kann durch die in dem- selben vorhandene Salzsäure die mit der Speise einverleibten Bäk- terien abtöten, also die Nahrung selbst gewissermaßen desinfizieren. Wenn nun aber durch irgendeinen Diäifehler die Salzsäurebildung gestört ist und zersetzt, also besonders bakterienreiche Speisen indes- infiziert in den Darm gelangen, so werden dort die Bakterien weiter- wachsen, die ursprüngliche Bakterienslora des Darmes wird über- wuchert, und binnen kurzem ist das Bild des Brechdurchfalles in seiner ganzen Schwere zu sehe,:: Hektige Leibschmerzen, große Mat- tiqkeit, Erbrechen, Durchfälle mit Abgang von Schleim, ja oft auch Blut. Am schwersten treten diese Erscheinungen auf, wenn zersetzte Eiwcißnahrung, Fleisch. Wurst. Pilze genossen wurden. Man kann geht es nunmehr um die Entscheidung, ob sie derr führenden Platz, den sie bisher in der Angestelltenbewegung: eingenommen haben, auch in Zukunft behaupten wollen. Von Berlin aus ist der Gedanke der fteigewerkschaftlichen Angestelltenbewegung zuerst in das Reich hinausgegangen: m Berlin sind zuerst gewerkschaftliche Kämpfe geführt worden: Berlin hat den Angestellten draußen im Reiäze mestach als Muster gedient. Diesen Platz, den die Berliner Ange- stellten sich unter der Führung des ZdA. erobert haben, wer- den sie auch in Zukunft einnehmen. Der DHV., der in einem Flugblatt sagt, es handele sich jetzt um einen Endkampf und die Vorherrschaft im Hand- lungsgehilfenberufe wird sich überzeugen müssen, daß sich da� Rad der Zeit nicht wieder rückwärts drehen läßt, daß feine mittelständlerische, kapitalistische Ideenwelt endgültig dem Untergange geweiht ist und daß der Sieg dem ZdA. zufällt, der die Zlngestellten aus der bisherigen Lohnsklaverei befreien und sie einer Wirtschaftsordnung zuführen will, in der nicht das Kapital regiert, sondern in der der arbeitende Mensch über dem toten Kapital steht. Alle männlichen und weiblichen, die proletarisch denken und fühlen, wählen am Sonntag die Liste Zentralverband der Angestellten(Afa). Gejlnöelmanieren. lieber den Ton der nationalistischen Presse viel Worte zu ver» lieren, lohnt im allgemeinen nicht. Mitunter lreiben es die 5)erreu aber so, daß man doch gezwungen wird— nicht dagegen zu kämp- sen, denn wer Dreck ansäht, besudelt sich—, ober doch der Mitwelt zu zeigen, von welch schmutziger Gesinnung dies Gesindel erfüllt ist, das auf seinem„stolzen Ahnenstammbaum", seine„flecken. lose Offiziersehre" usw. pocht. In der„Kreuzzeitung"(Nr. 392 vom 23. August) wird zur Resolution unseres Brandenburger Bezirks- tages folgendes geschrieben: Sollte die auf dem Brandenburger Bezirkstage durch eine Resolution ausgesprochene Drohung gegen das Kabinett Wstth noch nichts nutzen, so wird man nach der im Kriege und später bewährten Methode den Feindbund zu Hilfe rufen. Hat man doch jetzt schon den Eindruck, als würden der„Temps" und andere französische Hetzblätter in der.Vorwärks"-Redaktion oder von anderer maßgebender sozialistischer Seile inspiriert. Am Schluß des gleichen Artikels heißt es: Wir werden dem Volke klarzumachen verstehen, daß die Wahlporole nicht lautet, hie Besitz, hie Arbeiter. Es handelt sich um weit mehr: Um den Befreiungskampf gegen die mit dem Feindbund verbündete Sozialdemokratie. Wollte� man sachlich hierauf erwidern, so brauchte man nur darauf hinzuweisen, wie in der Ultimatumskrise unsere Nationalisten den französischen Chauvinisten direkt in die Hände gearbeitet habe::. Aber wi.-: hnen das afr Wir beschränken uns auf den Hinweis, daß der schmutzige Bursche, der den Artikel verfaßt hat, G. F. zeichnet. Als Hauptschriftleiter zeichnet die„Kreuzzeitung": GeorgFörtsch,( Major a. D.— Wir haben seit jeher gewußt, daß es unter den Offizieren der alten Armee auch Leute mit niedriger Charakterbildung gegeben hat. Schreckliches Unglück. In helle Verzweiflung ist das Abend- blatt des Herrn Wulle geraten. Der Lyffhäuserbund der Krieger- vereine hat eine Beteiligung an dem„Fronttämpfertag" obge- lehnt, weil dieser von extrem- nationali st ischen Vereini- gungen veranstaltet wird. Herr Wulle kündigt nunmehr den Kampf gegen die Kriegervereine an.— Um das Unglück voll zu machen, hat der Reichswehrmkriifter auch die Beteiligung der Reichswehr an der Veranstaltung verboten, weil die veranstaltenden Verbände in der Reichswehr nicht gestattet sind. Darüber tobt die ganze Rechtspresse und verweist Sarauf, daß Hindenburg das Pro- tektorat über die Veranstalrung übernommen habe.— Da wir nicht annehmen wollen, daß Hindenburg sich mit den Reckitsbolschewisten vom„Nationalverband deutscher Offiziere" und„Verband national- gesinnter Soldaten" schlechthin solidarisck: suhlt, so beweist die Tat- fache seines Protektorats wieder einmal, mit welcher Naivität er sich zum Vorspann dieser extremen Bestrebungen machen läßt. dann von einer direkten Vergiftung sprechen, die nicht selten zum Tode führt. Der Kranke verkennt gar oft im Anfang die Gefahr der Erkrankung und glaubt, mit einigen der opiumhaltigen sogenannten Choleratropfen sei alles wieder gut. Dadurch stellt er zwar den Darm ruhig, der Durchfall hört auf, aber die Giftbakterien wuchern im Darm nur desto ungestörter weiter und das von ihnen abgesonderte Gift geht ins Blut über. Nun hat der endlich doch gerufene Arzt viel größere Mühe, dem Kranken die Gesundheit zu- rückzuerobern, und noch wochenlang wird der Kranke zubringen, bis er die frühere Körperfrifche wiedergewonnen hat. Der RepubNk-Dogest Wenigen Voqelfreunden nur dürfte es bekannt fein, meint Dr. C. Floericke in den„Mitteilungen über die Vogelwelt", daß es einen pröchtigen Paradiesvogel gibt, der der französischen Republik zu Ehren benannt wurde, und merkwürdig ist es, daß der Benennet kein anderer war. als Prinz Charles Lucion Bonaparte, der Sohn von Napoleons I. begabtestem Bruder Lucian. Dieser Prinz war ein hervorragender ornithologischer Systematiter und seiner palitischeu Gesinnung nach sehr radikal und ausgefproche- ner Republikaner. Er begründete die Benennung des Oipst�llocies respudliea 1850 etwa folgendermaßen: Da andere die schönsten Vagelarten mit Fürstennamen belegten, mir aber von allen Auwri- täten die Fürsten am wenigsten dehooen, so will ich den schönsten Paradiesvogel mit dem Namen der Republik schmücken, einer Re- publik, die ein Paradies fein könnte, wenn sie nicht durch das böse Streben solcher, die sich anmaßend Republikaner nennen, zur Hölle würde. Da es also eine Kespustlica paradisca nicht geben kann, so {pll wenigstens eine Paradisca Respublica existieren! Die Dereinigten Staaten von Dlittelamerika. Die Derhand- lungen zwischen den fünf mittelamerikanischen Republiken Guate- mala, San Salvador, Honduras, Nicaragua, Cofta-Rica über den Zusammenschluß zu einem selbständigen Bundesstaat werden jetzt zum Ziele gelangen, da Nicaragua als letzter Staat sich bereit er- klärt hat, dem Bunde beizutreten. Die Regierung der Vereinigte:: Staaten, die besondere(Kanal- und Flotten-) Interessen in Ni- caragua haben, waren mit dem Anschluß Nicaraguas einverston- den. Die fünf Staaten werden also in Zukunft nur einen Präsiden- ten, einen Senat, eine Volksvertretung, ein Heer und eine Marine, sowie eine gemeinsame diplomatische Vertretung haben: die zwischen ihnen begehenden Zollgrenzen werden verschwinden, und die Zahl der Mitgliederstaaten des Völkerbundes wird sich damit um vier vermindern. Eine neue Nordpolerpeditlon hat künlitb die Vereinigten Staalen Verlasien. Ihr Ziel ist der magnetiiche Nordpol. Die Be- obackitiinaen. öie adit oder»chn Monate lang iortlanlend durck- gk'ührt weiden'ollen, werden sicb nicht nur onf Erdmagnetismus, sondern auch auf die elekirischen und meleorologischen Verhältnisse der Atmosphäre und das Polarlicht erstrecken. Kein Mastsplel de?„Deutschen DbeaterS- in Wien. Da« von Wiener steilunaen anaeklmdlgte Galnpiel dc«.Deulicken ZbeaterS- in Wien wird von der Leitung des Tbeale,« kategorisch dementiert.(Seit einigen Iablcn wird eine iolchc Hetzjagd von Reinhaidt-Ankülidigunzea losgelassen, daß sich niemand wehr darin auskennt.) Goethe. Abend. Friedrich Morst liest Sonnabend VI, Uhr. siasanen- Pratze 36, aus des Dichters Werlea. STc. 3�7 ♦ 38. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 2». August l�2? was bedeutet den Irauen das Stadtparlament! Ein Mahnwort an die Gemeindewählerinnen« Am IC. Oktober sollen die Frauen Groß-Berltnz wieder an die Wahlurne treten Sie sollen tre neue Stadtverordnetenversamm» fung der Stadtgcmeinde Berlin und die Bezirksverordnctenoersamm- lungen der 20 Derwaltunyebezirke wählen. Das bedeutet, daß sie die Politik, die in den nächsten vier Jahren in der Berliner Gemeinde- Verwaltung betrieben werden soll, selbst zu bestimmen haben. Die Wählerinnen tragen also eine außerordentlich große Verantwortung iur das, was in den nächsten vier Iahren auf kommunalpolitischem Gsbiet geschehen soll. 1 Die polllisch geschulten Frauen, die die Arbeiten der Stadtver- ortmetenoersammlung, die am 20. Juni 1920 unter den denkbar un. günstigsten Verhältnissen gewählt worden war, oerfolgt haben, wer- den nicht im Zweifel sein, welcher Partei sie ihr« Stimme geben, sie -uerden sozialdemokratisch wählen. Sie wissen, daß noch kein Stadt. Parlament jemals vor fo schwierige Aufgaben gestellt war wie das im vorigen Jahre gswählt«, daß auch noch keinem so große Schwie- rigkellen in seiner Tätigkeit bereitet wurden wie diesem von den rechts und ganz links stehenden Parteien. Jede praktische Arbeit wurde durch das Verhallen der Reaktionäre verhindert oder er- schwert, denn die äußerste Rechte wie die äußerste Linke machen die SPD. für Dinge verantwortlich, die sie selbst verschuldeten. Sie glauben damit die Aufmerksamkeit von sich abzulenken, wenn sie nicht die durch den verlorenen Weltkrieg verursachten Verhältnisse in Rechnung stellen, sondern ganz einfach uns die Schuld an den be- stehenden Verhältnisien zuschieben. Das ist so bequem wie es falsch ist und nur darauf berechnet, ungeschulle Wähler, wozu ja von jenen Leuten immer noch die Frauen gerechnet werden, für die Wahl ein» zufangen. Wie liegen die Dinge in Wirtlichkeit? Die Stadtgemeinde Berlin, eins der größten kommunalen Gebilde der Welt, ist nach langen kämpfen unter Mitwirkung der Sozialdemokratie zustande gekom- men. Die für dieses Gemeinwesen getätigte Wahl im Juni 1920 Halle den reaktionären Parteien bestätigt, was die Wahl im Fe- bruar 1919 schon gezeigt Halle: die bürgerliche Macht im Berliner Rathaus war gebrochen, die sozialistischen Parteien bildeten die Mehrhell in der Gemeindevertretung wie auch gegen das einheitlich« Äroß-Berlin, das sie gar zu gern wieder zersprengen möchten. Diesem �aß entsprang auch der von der Deutschen Volkspartei unternom» m?ne Schlag gegen das Stadtparlament, dessen Ungültigkeitserklärung ,i« durchsetzt«. Der chaß findet auch seine Entladung in Lügen und -chmähungen, die aus die Sozialdemokratte und ihre Arbeit losze- lassen werden, um sie im Vertrauen der Wählerschaft herabzusetzen. Sie werden in noch nie dagewesener Weise die Frauen umschwärmen, sich oolkefreundlich aufspielen und so oersuchen, sich in die Gunst der Frauen einzuschmeicheln. Wer die Arbell im Rathaus mitgemacht hat, kennt die Taktik der Leute, wer sie von draußen beobachtet hat, weiß ihre Lügen richtig einzuschätzen. Fest steht, daß unsere Fraktion mll dem festen Willen, alle» zu tun, was unter den gegebenen Verhältnissen für die arbei- tende Bevölkerung getan werden konnte, aber auch gellagen von dem hohen Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Allgemeinheit, an die Arbell ging. Daß nicht alle Aufgaben erfüllt werden tonnten und daß wir auch solchen Anllägen unsere Zustimmung geben muß- ten, die die mlnderbemlttelle Bevölkerung belasten mußten, haben wir schmerzlich genug empfunden. Doch jene Parteien, die jetzt gegen die sozialdemokratisch« Mehrheit, die in Wirklichkeit keine mehr ist, ankämpfen, hätten auch nicht anders handeln können, denn wir be» finden uns in völlig unnormalen Verhältnissen. Jede Hausfrau weiß, daß man Ausgaben nur dann machen kann, wenn man die Millel hat. Deshalb hat auch unsere Fraktion nie mehr versprochen, als sie zu erfüllen für möglich hielt. Der 16. Oktober wird nun dar- über entscheiden, ob im Berliner Rathaus eine Mehrhell einziehen soll, die den Forderungen der minderbemittelten Bevölkerung, soweit es möglich ist, Rechnung trägt, oder ob Parteien ausschlaggebend sein werden, die dem Volk« seine mühsam erworbenen Rechte nehmen und die Anfänge zu einer Besserung wieder oerschütten werden. Berlin braucht nicht nur ein« sozialistische Mehrheit, sondern auch die Erhallung des einheitlichen Groß-Berlin. Das müssen sich die Frauen klar vor Augen hallen: zur Erfüllungder sozial. politischen Forderungen brauchen wir auch Vertreter im Stadtparlament, die diese Forderungen ihrer Erfüllung näher bringen wollen. Darum muß auch das Interesse der Frauen an den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen ein äußerst lebendiges fein. Sticht Gleichgültigkeit oder Verärgerung über dies und jenes, was unerfüllt blieb, darf die Aufklärungsarbeit hindern, sondern der Glaube an unsere Zukunft, das Vertrauen zu uns selbst, zu unserer Sache muh uns befähigen, diesenigen für diese für die weiter« Entwicklung Groß-Berllng so wichtige Wahl zu interessieren, die uns noch fern stehen. Den Wählerinnen muß klar gemacht werden, daß sie viel unmittelbarer als in Staat und Reich von der Politik der Gemeinde berührt werden. Deshalb ist es wichtig, daß Frauen und Männer den Haushalt der Gemeinde gemeinsam leiten, wie auch der Familienhaus- halt durch die Gemeinschaft von Mann und Frau geführt wird. Auch im Haushall der Gemeinde wie im Fa- milienhaushalt fällt der Frau die Aufgabe zu, für Behaglichkeit zu sorgen, sich um das Wohl und die Erziehung der Kinder, um die Pflege und Unterbringung der Kranken und Schwachen, um die Fürsorge der Unmündigen und Entgleisten zu kümmern. Die W o h- nungs- und Erziehungsfragen und ihre Lösung erfor- dern nicht nur das Interesse der Frauen, nein, auch ihre warmherzige, tatkräftige Mitarbeit im Rathaus und in den Verwaltungsbezirken. Das große Gebiet der Wohlfahrts- und Jugendpflege erfordert noch gründlichen Ausbau. Verhe'ßende Anfänge dazu sind vorhanden, sie zu vollenden war der 1920 gewählten Vertreterschaft der Ber- liner Bürgerschaft nicht möglich. Von der Zusammensetzung des neuen Parlaments wird es abhängen, ob auf dem betretenen Wege vorwärts geschritten wird oder ob man bei Lösung der sozialen Auf» gaben auf halbem Wege stehen bleibt. Die bürgerlichen Rechtsparteien sind Feinde jedes sozialen Fort- schritt?. Sie haben dem um seine Freihell schwer ringenden Volke Schwierigkellen übergenug bereitet, um es nicht hochkommen zu lassen, sie werden auch jetzt den Anlauf nehmen, um in Groß- Berlin wieder zur, Herrschaft zu gelangen. Das muß durch die Frauen verellell werden. Berlin mll seiner starken Arbeiterbevöl» kerung braucht zur Erfüllung der Aufgaben der Kommune eine so» zlalisttsche Mehrhell im Rathau», es braucht die Mitwirkung weller Beoölkerungstrrise an der Lerwallung, aber keine Bevormundung durch jene Volkskreise, die immer noch meinen, das Volk müsse von ihnen beherrscht werden. Das Volk steht aber nicht hinter jenen bürgerlichen Parteien,, die in S Fraktionen 100 Mandate haben, auch nicht hinter jener Gruppe kommunistischer Weltrevolutionäre mit 23 Mandaten, die Masse des werktätigen Volkes steht hinter der Sozialdemokratie, welch« keine Demonstrationspolltik betreibt, son- dern in organischem Aufbau den Interessen der gesamten werttätt- gen Bevölkerung dient. Der Wille der Mehrheit des Voltes nach einer sozialistischen Mehrheit im Rathaus und In den Verwaltungsbezirken muß am 16. Oktober klar zum Ausdruck kommen. Deshalb gill es, die Zeit bis zur Wahl zu nützen, um die politisch ungeschulten Frauen zu bewußten Wählerinnen zu machen, die Verärgerten und Gleichgültigen aufzurütteln, sie zu überzeugen. daß Abseits stehen unsere Sache nicht fördert. Jede Frau, die eine freiheitliche kommunale Vorwärtsentwicklung in Groß-Berlin will, muß am 16. Oktober sozialdemokratisch wählen! Martha Hoppe. Die neue polizeistunöe. Derila 1 Uhr. Der preußische Minister des Innern Dominius hat. wie den PPN. von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, nunmehr an die Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten zu Berlin den folgenden Erlaß vom 19. August gerichtet: Der Reichsmrnister des Innern hat den ß Z der Bekannt- machung, betr. die Ersparnis von Brennstoffen und Beleuchtungs- mllteln vom 11. Dezember 1916— RGB.<5. 1335— mit Ablauf des 31. August d. I. außer Kraft gesetzt. Ich ersuch« nunmehr, nachdem damll die Wirtschaftsschluß- stunde in Fortfall gekommen ist, die in der Folge ollein maß- gebende Polizeistunde entsprechend dem eingangs erwähnten Erlaß neu festzusetzen und hierbei nach folgenden Grundsätzen zu ver» fahren: 1. Vergnügungsparks, sogenannte Rummel- plätze, sind mll Embruch der Dunkelheit zu schließen. Es bleibt den Ortspolizeibehörden jedoch überlassen, eine Verlängerung bis lOMt Uhr eintreten zu lassen. 2. Für Theatervorstellungen und oll« Darbietun- gen, welche bei gewerbsmäßiger Veranstaltung einer Erlaubnis aus§ 33 a der Reichsgewerbeordnung bedürfen, sowie für alle Lichtspielvorführungen ist die Polizeistunde spätestens auf �12 Uhr festzusetzen. 3. Kaffees, Gast-, Speise- und Schankwirtschaften sind spätestens um 12 Uhr, Sonnabends um 1 Uhr zu schließen. Die Ortspolizeibehörden in größeren Städten und Bode- orten sind berechtigt, bei nachgewiesenem dringlichen Bedürfnis die Polizeistunde auch für die übrigen Tage bis 1 Uhr auszudehnen. In diesem Nahmen sind gleichartige Betriebe grundsätzlich«in» helllich zu behandeln. Erweist sich jedoch der Unternehmer oder der Wirt eines der in den Aisfern 2 und 3 bezeichneten Betrieb« in der Ausübung seines Gewerbes als unzuverlässig oder ergeben sich aus seiner Geschäftsführung Unzuträglichkeuen für di« öfferntiche Ruhe und Sicherheit sowie Ordnung, so kann die Polizeistunde für feinen Betrieb durch Vorfügung der Ortspolizeibehörde bis auf 10 Uhr abends herabaefeßt werden. In besonders georteten Einzelfällen, die einer besonderen Rege- lung dringend bedürfen, z. B.'ür Wohltilligkellsveranstattungen. können Ausnahmen, in keinem Falle aber über 8 Uhr hinaus, gestattet werden. Als Wohltätigkellsveranftaltungen in diesem Sinne sind nur diejenigen anzusehen, zu denen gemäß der Bekanntmachung über WohlfahrtZpfleg« während des Krieges vom 15. Februar 1917 (.Neichsgesetzblatt' S. 143) die Erlaubnis eingeholt ist. Der durch diesen Erlaß gezogene Rahmen darf unter keinen Um- ständen überschritten werden. Ueberhauvt ist dafür Sorg« zu tragen. daß die neuen Bestimmungen nur dem bkrecktiatsn Bedürfnis der Allgemeinheit entsprechen, nickit jedoch der Vergnügung?- und Der» schwendungssucht gewisser Kreise Vorschub leisten. Es bedarf kaum einer Betonung, daß der Ernst der Zeit zur äußersten Zurückhaltung auf dem hier zur Erörterung stehenden Gebiet zwingt. Ich ersuche, die Durchführung der Reuregelung so zu beschleu» nigen, daß st« mll dem 1. September 1921 in Kraft tritt. * Der preußische Minister des Innern hat sich außerdem in einem Rundschreiben an die Länder gewandt mll der Bitte, im Sinne der im Reichsrat ftattgefundenen Aussprache auf eine möglichst«in- heitlich« Ausgestaltung der Polizeistunde durch sämtliche Länder hinwirken zu wollen.— Im übrigen werden allo nunmehr die Ortspolizeibehörden und der Polizeipräsident von Berlin nicht mehr wie bisher in Einzelfällen, gegen die sich die Kritik gewandt hat, weitgehende Erlaubnisse zum Abweichen von der Polizeistunde geben können, sondern werden sich Im Rahmen der neuaegebcnen Richtlinien halten. Die einzig möglichen.Ausnahmen, die für Wohltätigkeitsoor- anftoltungen, sind dadurch auf den richtigen Umfang reduziert, daß von Fall zu Fall, wie oben erwähnt, die Berständiguna mit den für die Beaufsichtigung der Wohlsahrtseinrichtungen zuständigen In» ston-en herbeigeführt sein muß. ehe die Erlaubnis zur Verlängerung der Polizeistunde erteilt werden kann. Staat und Wettkonzerne. Zu der Meldung,' daß eine allgemeine Schließung der Wellkonzerne bevorstehe, wird van zuständiger Stelle erktärt, daß in Preußen keine gesetzliche Handhabe vorhanden sei, um allgemein gegen die Wellkonzerne vorgehen, sie aufläsen und verbieten zu können. GS] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. �Fch tonnte Ihnen helfen, ich allein. Aber ich tue es nicht. Dah ich es nicht tue, ist meine Rache." „Lieber stürbe ich, als daß ich Ihre Hilfe annähme!" sagte Reisner. „Falsch! Sie gäben sogar die Frau an mich zurück, die Sie mir gestohlen haben, wenn ich mich entschlösse, Ihnen zu helfen!" Reisner gab es einen Ruck. Hatte er recht gehört? Eine eiserne Hand griff nach seinem Herzen und preßte es zu- sammen. Seltsam, daß er in diesen Stunden noch gar nicht an seine Frau gedacht hatte, die er, wie er mll einem Male mit herber Süße fühlte, unermeßlich liebte. Und dieser Mensch--- „Wie?!" würgte er. „Ja." sagte Behrens.„Sie träten mir sogar gern Ihre Frau ab, wenn ich es verlangte." Reisner sprang auf und" machte eine hilflose Bewegung mit den Armen.„Sie Schuft!" schrie er, von der Ahnung eines Furchtbaren gepackt, erstickt aus. Behrens aber fragte ihn kalt:„Wer ist ein größerer Schurke? Der, der einem Wehrlosen eine Frau nimmt, oder der. der das einem antut, der sich wehren kann?" „Sie ist mir freiwillig gefolgt," sagte Reisner schatten- hast. „Sie wird auch mir freiwillig folgen." „Nie, nie.. »Noch mehr: Sie selbst werden sie auffordern, mir zu folgen!" „Gehen Sic." ächzte Reisner,„gehen Sie..." Jedoch der andere war ohne Mitleid. Spöttisch malte er die Sstuation aus, in der sich Reisner befand. Reisner schauderte. Dieser Mestsch kannte alle Einzel- Helten, nur der letzte Wurf, den Reisner zu machen gedachte. war ihm unbekannt. „Sie find arm." sagte Behrens trocken,„bettelarm. Don alledem, was Sie umgibt, wird in einigen Tagen nichts mehr Ihnen gehören. Was wollen Sie tun? Kommis werden? Ihre Gefängnisstrafe wird Ihnen sehr hinderlich sein. Wollen Sie Lebensversicherungen abschließen oder Vertreter von Wein- und Zigarrenbausern werden? Sie sind schon recht £ ei*, olt und verbraucht. Biel Elend erwartet Sie. Und nicht nur Sie. Auch Ihr Kind, auch Ihre Fratt. Haben Sie nicht- auch deren Vermögen gestohlen, wie das so vieler anderer? Welche Namen soll ich Ihnen nennen? Es gibt so viele. Alle verwünschen Sie. Alle sind bereft, sich an Ihnen zu rächen. Erinnern Sie sich noch eines Mannes namens Gutzett? Er hat sich erhängt. Und feine Frau ist schwindsüchtig geworden, während seine Kinder irgendwo dem Laster zutreiben. Sehen Sie nachts nicht die Gesichter dieser Leute? Und können Sie noch schlafen? Werden Sie überhaupt je wieder ruhig schlafen können?" Reisner hörte die Anklage und schwieg. Ja. es war die Wahrhell. Und doch war es wieder nicht die Wahrheit. Alles war verkehrt, verdreht. War er der Angreifer gewesen? Nein, neinl Ihn hatte man ange- griffen, ins Gefängnis geworfen, well er irrsinnig gewesen war, und ihn hatte man, als er aus dem Gefängnis kam. verachtet. Nur daß er diese Verachtung nicht erst abgewartet. sondern sich sogleich im vorhinein gegen sie zur Wehr gesetzt hatte. Durfte er sich etwa nicht wehren? Es war sein Recht, sich zu wehren! Und er tat es, tat es, bis zur letzten Minute: „Schweigen Sie," brüllte er,„alles ist falsch!" „Beweisen Sie dos," sagte Behrens ruhig. „Ich werde es beweisen,— Ihnen, allen! Sie glauben, daß ich tot bin! Ich werde lebendig werden, lebendiger als je! Schon morgen!... Ich verachte Sie!" „Ich verlache Sie!" höhnte Behrens.„Morgen werden Sie am Boden liegen und winseln. Ich habe Zell." „Gehen Siel" schrie Reisner ihn an. „Ja. ich gebe. Und Sie werden mich betteln, zurückzu- kommen... Denn ich habe Sie in der Hand." Reisner sprang in die Höbe, um sich auf ihn zu stürzen. Doch seine Hände griffen ins Leere. Behrens war fort. Die Tür knackte leise hinter ihm ins Schloß. Reisner wartete eine Welle, lauschte und verriegelte so- dann sein Zimmer. Er ging zum Schreibtisch und machte Licht. Die plötz- Uche Helle tat ihm weh. und er griff sich an die Augen. Tue ich es? fragte er sich mechanisch. Es bedurfte keines weiteren Kampfes, es gab für ihn nur die Möglichkell, es zu tun. Er hatte fängst gewählt. Jetzt galt es nur noch, die Sacbe gut zu machen. Er stöberte in alten Dokumenten herum, bis er eines mit der Unterschrift der Frau von Marisch fand. Er betrachtete es genau. Es war nicht schwer, die Sache war zu machen. Und es blieb ihm wirklich keine Wahl. Er verbrachte zwei volle Stunden damll. Er versuchte so lange, bis er sicher zu fein glaubte. Dann setzte er an. Es ging. Es war geschehen. �-■- Er hielt die Unterschrift eine Armlänge von sich ab und prüfte sie. Sie war gut. Ein Verdacht konnte nicht auf- kommen. Und wenn,-- für ihn gab es jetzt kein Zurück mehr! Ob ich zu Lucie hinübergehe, dachte er, oder zu Lu? Nein, er tonnte es nicht. Cr war so entsetzlich müde. Wie. gebrochen war er. Und er schleppte sich bis zur Chaiselongue hin. Er streckte sich aus und schloß die Augen. Er schlief. Fünfter Teil. Die Stunde kommt. 24 Reisner schloß die Unterredung, die er mit dem Ebcf- Ingenieur gehabt hatte, indem er aufstand und sagte:„Die Sache ist also hoffnungslos?" „Ganz," antwortete der Ingenieur trocken und nickte. „Ich begreife nicht, daß Sie sich nicht schon früher ein sachge- mäße? Urteil über das Terrain verschafft haben." „Das ist geschehen," sagte Reisner apathisch,„es lagen Gutachten vor." „Welche?" „Ausländische. Die Gesellschaft war von Ausländern ge- gründet." Der Ingenieur pfiff durch die Zähne.„Aber, aber." sagte er. Und er sah Reisner scharf an:„Sie haben dach alles sehr, sehr billig erworben?" Reisner lächelte bitter.„Oh ja, aber trotzdem..." „Gott." meinte der Ingenieur,„wenn alles sehr, sehr billig war, dann... Ich meine: ganz verloren ist Ihr Geld dann noch nicht... Als Baugrund kommen die Terrains natürlich nicht in Frage, das ist ausgeschlossen, völlig... Das heißt: es müßten in diesem Falle Unsummen in sie hineingesteckt werden. Millionen, und dazu liegt, solange andere billigere Gründe vorhanden sind, natürlich keine Veranlassung vor,— ja, es wäre geradezu ein Wahnsinn, eine Lerrücktbell... Aber--" „Was?" „-- aber einen bescheidenen Nutzen wirft das Terrain immerhin ab, wenn man es versucht, es, das jahrelang brach gelegen ist. zu bepflanzen...Nach Iahren würde es schon etwas bringen." „Nach Iahren... etwas.. murmelte Reisner. „Aber als Baugrund—: ein glatter Betrug!" „Ich werde sehen." sagte Reisner, indem er mit halb abe gewendetem Gesicht dem Ingenieur die Hand reichte,„jeden» fall» danke ich Ihnen.,(Forts, folgt.) vl'e armen Großagrarker. Eine Verhandlung vor dem Wuchergerichk. Gegen den Rittergutsbesitzer K i e p e r t-Marienselde und dessen Administrator Falkenberg richtete sich eine Anklag« wegen Breisüberhebung, die das Wuchergericht am Landge- richt II mehrere Stunden beschäftigte. Kiepert besitzt das etwa 1800 Morgen große Rittergut Marienfelde bei Berlin, von dem etwa 1450 Morgen unterm Pflug stehen. Die Verwaltung liegt fast ausschließlich in den Händen des Angeklagten Falkenberg, der seit 19 Jahren dort wirkt und dem die Verwaltung völlig selbständig übertragen worden war. Die Anklage beschuldigte die Angeklagten, bei der Abgabe von Ger st e Roggen und 5)afer in kleineren Posten an Viehhalter und in größeren Posten an die Gemeinde d i e vorgeschriebenen Preise zum Teil in bedeuten- der Höhe überschritten zu haben. Ein solcher der Gemeinde gelieferter Posten war zur Kenntnis der Reichsgetreide stelle gekommen, die die Angeklagten aufforderte, das zuviel gezahlte Geld zurückzuerstatten. Das wurde rundweg abgelehnt und dadurch kam der Stein ins Rollen Die Angelegenheit ging on die Staats- onwaltschaft. Diese ließ die Bücher des Ritterguts beschlagnahmen und durch den gerichtlichen Bücherrevisor Michaelis und einen landwirtschaftlichen Sachverständigen eine ganze Anzahl von Fällen feststellen, in denen aus den Buchungen sich U eberpreise er- gaben. Beide Angeklagten bestritten im Tennin, sich strafbar ze- macht zu haben, insbesondere lehnte Kiepert eine persönliche Ver- antwortung fiir die Verkäufe und deren Preisstellung ab. da sein lange Jahre bewährter Administrator darin ganz selbständig ge- handelt habe. Im übrigen behauptete der Angeklagte Falkenberg, daß in Anbetracht der damaligen Sachlage und auch unter Vernunft- gemäßer Auslegung der bestehenden Verordnungen die Preise von ihm so gestellt werden durften, wie es geschehen sei. Er berief sich auf Zeugen darüber, daß diesen von anderen Gütern weit höhere Preise abverlangt worden und sie„heilfroh* gewesen seien, in der damaligen Zeit der Futterknappheit überhaupt Futter oder Saatgetreide geliefert zu erhalten. Der Staatsanwalt beantragte das Schuldig gegen beide Angeklagte und die Berurtei- lung des Angeklagten Kiepert zu 15 000 M., des Angeklagten Falkenberg zu 5000 M. Geldstrafe, außerdem Ein- Ziehung der erzielten ll eberpreise in Höhe von 40 000 M. Der Verteidiger beantragte dagegen aus persönlichen, tatsächlichen und juristischen Gründen die Freisprechung der beiden Angeklagten.— Da es sich um recht komplizierte Rechts- und Tat- fragen handelt, fetzt« das Gericht Termin zur Urteilsverkündung auf Mittwoch mittag an. Der Meisterüetektiv. In der Rolle eines freiwilligen Detektivs soll der Lagerver- walter Otto Zank« eine Reihe von Straftaten begangen haben, die ihn jetzt unter der Anklage der Amtsanmaßung, der versuchten Erpressung und des Betrugs vor die Z. Ferienstrafkammcr des Landgerichts II führte. Der bisher völlig unbescholtene Angeklagte hatte in Erfahrung gebracht, daß auf dem Görlitzer Güterbahnhof umfangreiche Dieb- stähle verübt würden. Sein« Vorliebe für Detektiofilme hatte in ihm das Verlangen wachgerufen, es selbst zu einem Meisterdetektiv zu bringen. Er stellte auf eigene Faust Beobachtungen an und es gelang ihm auch schließlich, die Diebe, eine Kolonne von 17 Mann, auf frischer Tat abzufassen. Er erstattete jedoch keine Anzeige bei der Polizei, sondern richtete in der Rolle eine» Beschützers der Allgemeinheit an die Diebe ein schriftliches Ultimatum, binnen drei Tagen die Arbeit auf dem Bahnhof nieder- zulegen, widrigenfalls sofort Anzeige erstattet würde. Als einer der Diebe hierauf nicht reagierte, erstattete I. Anzeige und die Diebe wurden verhaftet und später zu längeren Gefängnisstrafen ver- urteilt. Während dieses Verfahren schwebte, erschienen eines Mor- gens bei einem der Diebe, einem Eisenbahnarbeiter Mertens, zwei Männer, die sich als Kriminalbeamte ausgaben und unter Drohungen 5500 M. Bargeld, mehrere Kisten Zigarren und mehrere Flascben Kognak„beschlagnahmten*. Die Ehefrau des M. will nu» in dem Angeklagten einen der beiden falschen Kriminalbeamten wiedererkennen. Das Schöffengericht verurteilte I. auf diese Aus- sag« hin zu 6 Monaten Gefängnis und Verlust der Ehren- rechte auf ein Jahr Vor der Strafkammer bekundete der gerichtliche Schreibsachverständige Rechnungsrat D r o g o l i n, daß der Brief zweifellos von der Hand des Angeklagten herrühre. Don Rechtsanwalts Dr. Harry P i n c u s wurde darauf hingewiesen, daß die Aussage der Frau Mertens offenbar unter dem Einflüsse einer durch Schreck bedingten autosuggestiven Erinnerungstäuschung entstanden sei. Das Gericht kam auch bezüglich dieses Falles zu einer Freisprechung und oerurteilt« den Angeklagten nur wegen des„im Interesse der Allgemeinheit* begangenen Erpreflungs- Versuchs zu 1 Monat Gefängnis bei bedingter Begnadigung. »hintenrum� gibt's nichts beim Wohnungsamt. Eine Verwahrung der Angestellten des Wohnungsamt» Lichtenberg. Von den Angestellten des Bczirks-Wohnungsamts 17(Lichten- berg) erhalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffent- lichung: „Es mehren sich in letzter Zeit die Fälle, in denen Wohnung- suchende dem Lichtenberger Wohnungsamt zur Anzeige bringen, daß, wenn jemand eine Wohnung haben will, er sich nur on An- ge st eilte de» Wohnungsamts„außeramtlich* zu wenden braucht, um außer der Reihe berücksichtigt zu werden. Daß diese Angaben nicht den Tatsachen entsprechen, braucht wohl nicht erst betont zu werden. Wahr ist lediglich der ein« Punkt, daß es tatsächlich ein Ange- stcllter gegen Bestechung versucht hat, einem Wohnungsuchenden außer der Dringsichkeitsreihe„hintenherum" zu einer Wohnung zu verhelfen. Dieses ist ihm nicht gelungen. Im Gegenteil, der Be- treffende mußte aus diesem Grunde' entlassen werden. Er teilte damit das gleiche Schicksal mit einem anderen Angestellten, der ähnlich liegende Vergehen ausführen wollte. Die Angestellten des Lichtenberaer Wohnungsamts sind leider genötigt, diese traurigen Vorkommnisse bekanntzugeben, um ein für alle Mal Verdächtigungen und Versuchungen zur Bestechung die Spitze abzubrechen. Sie erklären gleichzeitig, daß, wenn der eine oder andere ent- lassene Angestellte nochmals oersuchen sollte, auf Grund seiner frühe» ren Tätigkeit den Wohnungsuchenden Versprechungen und Vor- spiegelungen zu machen, sie dann genötigt sind, seinen Namen mit Wohnungsangabe der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Bei dieser Gelegenheit weisen die Angestellten immer wieder daraus hin, daß nicht sie es sind, die die Wohnungen zu oerteilen und vergeben haben, sondern, daß dieses lediglich die Aufgabe des Wohnungsoergebungs-Äusschusses ist. Dieser setzt sich zusammen aus hierzu gewählten Vertretern der Lichtenberger Einwohnerschaft und trägt letzten Endes die Entscheidung und Verantwortung hierfür*_ SPD-Anträge im Rathhans. Die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordneten- Versammlung hat folgenden Dringlichkeitsantrag für die Donnerstagsitzung der Stadtverordnetenversammlung gestellt:„Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, alsbald Maß- nahmen zu treffen, um den von der Stadt Berlin beschäftigten Gutsarbeitern und Schnittern ein einwandfrei« Unterkunft zu beschaffen* Weiterhin hat die Fraktion folgenden Antrag in Sachen des Berliner Oberstadtschulrats gestellt:„Durch die Schaffung der drei Dezernentenstellen für dos Volksschulwesen, dos höhere Schulwesen und Fachschulwesen ist eine besonder« Amtsbezeichnung für den leitend« Stadtschulrot von Berlin unumgänglich geworden. Wir beantragen daher, dem Inhaber dieser Stelle die bereits tn der Oeffentlichkeit gebräuchliche Amtsbezeinchung.Oberstadtschul- rat* und den drei Dezernenten für die einzelnen Teilgebiete des städtischen Schulwesens die Amtsbezeichnung.Stadtschulrat* zu geben."_ Steuerschmerzen. Die Finanz- und Steuerdeputation des Magistrats hat sich mit Anträgen verschiedener Jnteressenverbände auf Abänderung der Lustbarkeitssteuervrdnung beschäftigt. Ein Antrag ging dahin, die Besteuerung der Lichtspiel-Theater so zu ändern, daß an Stelle der jetzigen gestaffelten starren Steuersätze eine Be- steucrung in Prozentsätzen des auf die Eintrittskarten gedruckten Kassenpreises tritt und gleichzeitig auch die Steuer selbst herabgesetzt wird. Die Deputation beschloß, die Einführung der Prozentual- besteuerung bei der Neubearbeitung der Lustbarkeitssteuerordnung, die wegen der Reichsratsbestimmungen in den nächsten Monaten erfolgen muß, zu berücksichtigen, lehnte jedoch eine sofortige Aendc- rung der Steuerordnung ab. Auf einen Antrag des Bereins der Saalbesitzer nahm die Deputation ferner in Aussicht, bei der dem- nächstigen Neuordnung der Lustbarkeitssteuer fiir Tanzlustbarkeiten, bei denen nicht ausschließlich oder vornehmlich Wein verabfolgt wird, die Bestimmung zu beseitigen, daß die Pauschalsteuer erhoben werden muß, wenn sie höher ist als die Kartensteuer. Eine toNe Geburtstagsfeier. In der vergangenen Nacht kontrollierte eine Streife der Schutz- polizei die Gastwirtschaften wegen der Jnnehaltung der Polizei- stunde. Dabei bemerkten die Beamten in einer Schankwirtschaft in der Sonnenburger Straße 10 gegen 1 Uhr nachts noch Licht und trafen die im Rebenhauie Rr. 9 wohnenden Gebrüder Andreas und Eduard Iungkunst an, von denen der erstere seinen 42. Geburtstag feierte. Die Beamten ließen die späten Gäste durch den Wirt auffordern, noch Hause zu gehen, und als diese sich weiger- ten, das Lokal zu verlassen, brachte der Wirt beide gewaltsam hin- aus. Aus Wut darüber zertrümmerten die beiden die Glasscheibe der Ausgangstür. Um weitere Sachbeschädigungen zu verhindern, for- derten die Schutzpolizisten die Ruhestörer auf, mit ihnen zur Wache zu gehen. Als Antwort daraus griff Andreas I.«inen der Beamten an, würgte ihn am Halse und warf ihn zu Boden, während sein Bruder Eduard sich auf den andern Schutzpolizisten stürzte. Dieser feuerte nun einen Schliß auf Andreas I. ab, der ihn am rechten Oberschenkel verletzte und ihn kampfunfähig machte. Man brachte den Verletzten nach der nächsten Rettungistelle und dann nach dem Lazarus-Krankenhauie. Die täglichen Raubüberfälle. Gestern abend gegen 814 Uhr wurde der 45 Jahre alte Packer Max M ü h l e, als er nichtsahnend durch die Ralhausftraße in Martendorf ging, von einem Manne an- gehalten und unter Bedrohung mit einem Revolver aufgefordert, ihm leine Wertsachen auszuliefern. Mühle aber packte blitzschnell seinen Gegner und kielt ihn so lange fest, bis Hilfe kam und der Straßen- räuber zur Wache geführt werden konnte. Hier wurde der Täter als der 45jShrige Buchbinder Wladislaus B o f n i a aus Tempelhof festgestellt. Als gestern abend gegen lO Uhr die im Haufe Ziethenstraße 19 wohnende Frau Helene S ö h r i n g von eine« Ausgange heim- kehrte und ihre Korridortür aufschließen wollte, trat ihr plötzlich auf der Treppe ein Mann entgegen und entriß der völlig Ueberrafchten eine Handtasche mit 13 000 M. Inhalt. Ehe sich Frau S. von ihrem Schreck erholen konnte, war der Täter ver- s ch w u n d« n. Immer wieder Waldbrände. Gestern nachmittag kam i n d e n Müggelbergen am Fuße der Bismarckwarte ein Brand aus, der infolge des herrschenden Windes schnell um sich grilf und etwa 2 Quadratkilometer wertvollen Baumbestand ver- n i ch t e t e. Die Köpenicker Feuerwehr hatte etwa zwei Stunden zu tun, ehe sie des Feuers Herr werden konnte. Der Schaden ist bedeutend. Gegen 4 Uhr nachmittags entstand im Jagen 39 in, Grunewald Feuer, das etwa 50QuadratmeterWald- bäume zerstörte. In beiden Fällen ist noch unaufgeklärt, wie die Brände ent- standen sind. Schwer bestrafter Leichtsinn. Als gestern abend der 17jShrige Arbeiter Albert Schwarz seine Wohnung in der Prinz-Heinrich- Straße in Karlshorst aussuchen wollt«, fand er in der Nähe seiner Wohyung eine Sprengkapsel. Die Gefahr nicht kennend. trat er mit dem rechten Fuß auf die Sprengkapsel, so daß diese explodierte. Dem jungen Mann wurde das rechte Bein schrecklich zugerichtet. Nachdem man dem Schwerverletzten auf der Karlshorster Wache der Schutzpolizei einen Notverband an- gelegt hatte, wurde er nach dem Elisabeth-Krankenhause transportiert. Die leidigen Obstreste. Der harmlose Passant Ist täglich und stündlich in den Straßen Berlins mit Straucheln bedroht, wenn rück- sichtslose Mitmenschen Ob st kerne und sonstig« Reste eines sommerlichen Frühstückes, wie Schalen und Stengel, auf die Straße werfen. Eine Reihe von Unfällen der letzten Zeit — sogar Beinbrüche sind zu oerzeichnen— läßt sich aus diese Ursachen zurückführen. Esist daher dringend st e Pflicht des Publikums, die Polizeiorgane durch Selbst- Hilfe und Selbsterziehung in weitestgehendem Maße zu unter st ützen. verbotene Geldsommlungen. Dem Deutschen Bürgerblock, der sich auch„Dosiga"(Deutsch-Oberschlesische Sicherheitsorganisaiion) nennt, ist jede öffentliche Sammel- und Werbetätig- keit verboten. Räch den bisherigen Feststellungen zielt das Unternehmen lediglich auf eine Bereicherung seiner Gründer bzw. Leiter ab. Das Unternehmen ist deshalb durch Erlaß des Staats- komniissars für die Regelung der Kriegswohlfahrtspflege in Preußen unter Verwaltung gestellt worden. Ein schwarz-weiß-rokes Sonntagsvergnügen fand am 21. August in Friedrichsfelde statt, und zwar in dem schönen Schloß- park, der sonst allen offensteht. Veranstaltet wurde das Fest vom Kreiskriegerverband Lichtenberg, Fahnen in schwarz-weiß-rot und in schworz-weiß wehten über dem Festplatz, eine ehemalige Militär- kapelle spielte„nationale* Weisen, ein Turnverein„Wanderlust* aus Hohenschönhausen beteiligte sich mit turnerischen Darbietungen. Erst am Sonntag selber kamen die Veranstalter mit kleinen Plakaten heraus, die vom„Königlichen Landrat a. D. von Tres- k o w* unterzeichnet waren. Die Treskows sind Eigentümer von Schloß Friedrichsfelde und hatten als solche den Part für den Sonn- tag freigegeben. Am Eingang des Partes, der so der Oeffentlichkeit entzogen war, kehrten viele Spaziergänger und Ausflügler ent- täuscht um. Andere opferten, gewiß nicht wenige aus bloßer Dumm- helt, 2 M. Eintrittsgeld und wurden so zu Mitläufern der Reaktiv". Viele Festteilnehmer stolzierten umher, gekennzeichnet durch Haken- kreuze und ähnlichen„Schmuck*. Das Fest soll zu einem Wohl- tätigkeitszweck veranstaltet worden sein. Unser Gewährsmann fragt, ob aus dem Ueberschuß die Orgesch oder der arme Mann in Doorn unterstützt werden soll. Zugendpslegewoche in Neukölln. Das Bezirkssugendamt Neu- kölln veranstaltet vom12. biseinschließlich19. Dezember d. I. eine Iugendpslegewoche, verbunden mit einer Messe in der „Reuen Welt". Bücher, Bilder, Sport- und Wanderqeräte sollen dort zur Ausstellung und zum Verkauf gelangen. Einschlägige Ge- schäfte erhalten jede gewünscht« Auskunft im Rathaus Reukölln, Zimmer 278. Wechsel in der Leitung de» Verliner Milchamtes. Wie die B.-K.- Korrespondenz.erfährt, ist der bisherige Leiter des Berliner Milch- amtes, Magistrmsra* Dr. Berkel, aus dem Dienst der Stadt Berlin ausgeschieden und hat eine leitende Stellung bei der Kon» Milchg»s«llschalt übernommen,__ � Ein Arbeitersängerfest des 11. Bezirks(Spcmdmft des Deuts schen Arbeiter-Söngcr-Bundes findet am Sonntag, den 28. August, in Karlshof am Bahnhof Iungfernheide statt. Von Spandau mit der Straßenbahn 35 zu erreichen. Um 2 Uhr Festzug von über 1000 Sängern und Säugerinnen der oem Bezirk angehörenden Vereine von Moabit, Ehorlottenburg, Siemensstadt, Spandau, Staaken, Seegefeld, Nauen, unter Mit- Wirkung von Radsahlvereiuen, Turnern und Schwimmern, nach dem über 30 000 Personen fassenden Festlokal. Abmarsch vom Kleinen Tiergarten, Moabit. Der Eintrittspreis ist so niedrig ge- setzt, daß es auch dem Minderbemittelten möglich ist, dieses Sänger- fest zu besuchen. Es kommen Volks- und Freiheitslieder zum Vortrag. Der Massengesong steht unter der Leitung des Ehormeisters und Komponisten H. S ch u l k e n. Außerdem sind 2 Musikkapellen vorhanden. Für Kinder belustigung ist gesorgt. ver Männerchor„Lerche*. Mitglied des DASB., gab am Sonn- tag ein Konzert im Siechenhaus in der Fröbelstraße. Die dankbaren Zuhörer hatten dadurch in ihrem täglichen Einerlei ein sorgenloses und krohes Stündlein, die Sänger aber die Genugtuung, durch ihren Gesang Mcnschenherzen erfreut zu haben.— Zum Besten der„Russen- Hilfe" sei schon jetzt bekanntgegeben, daß der 4. Bezirk des DASB. (12 Verein« mit 1000 Sängern) am Sonntag, den 11. September. nnchmittags 4 Uhr, auf der Spielwies« in, Humboldthain ein öffertt- lichcs Konzert veranstaltet. Der Ertrag für das Hilfswerk soll durch freiwillige Sammlungen aufgebrocht werden. Eine große deutsche Brauerei- und Kellerelmaschinen-Ausstellung. veranstaltet von der Versuchs- und Lehrbrauerei in Berlin(VLB.) in Gemeinschaft mit dem Kellereimaschinenverband und dem Verband deusscher Maschinensabrikartten fiir die Brauindustrie, wird vom 8. bis 16. Oktober in den Ausstellungsräumen des Instituts für Gärung? qewerbe(Seestr. 13) stattfinden. Die zur Beifügung stehenden Räume sind voll belegt, und es wird die Beranstaltung, die nach dem Kriege zum ersten Mal« wieder aufgenommen wird, für das Braugewerbe und seinen Wiederaufbau von höchster Bedeutung sein. Der zehnprozenllge Lohnabzug wird in einer Broschüre von E. W i ch m a n n, die im Verlage für bargeldlosen Zahlungsverkehr in Berlin erschienen ist, behandelt.(Preis 5,50 M.), Neben der Wiedergabe und Erläuterung des Lohnfteuergesetzes und der darauf Bezug nehmenden Verfügungen des Reichsfinanzministeriums wird die Technik des Lohnabzug« in sehr klarer Weise behandelt und da- bei aus wohlerwogenen Gründen für die Anwendung des Ueber- Weisungsverfahrens eingetreten. Insbesondere den Betriebsräten dürfte das Studium dieser Schrift zu empfehlen sein. Hroß-öerliner partelnachrichtea. heute. Mittwoch, den 24. August: 21.«»t. 7U Uhr Zahl-b-nde In solg-nd-n Lok-lrn- Bezirk« Morl» Fried- rich bei Kiiske, Ebertostr. 8; Bezirk«utter bei Wrubbel. H-id-nseldstr. 30; Bezirk Händler bei Beetz, Thaerür. N. 47.«bt. 7>4 Uhr Zdhlddejil)« in folgenden Sokelen: Illmer, Buchstr. 8; Stab. Zdt), Briifseler Str. 43 und bei Senkel. Utrechter Str. 10. 4».»bt. SchwerhöeigengruPpe. 7'.? Uhr Miltzliedervers-unmU-ns bei N-tmer. Üommdnddntenftr. 46._.. 135.«St.*«»■. 7 Uhr bei Berndt.«orsstratze,«orstand». und FunktianSr- sitzung. Um 8 Uhr dort Miiglirderoersdmmlung. Erscheinen aller drängend notwendig. �_.___ Britz. 7 Uhr S.andz�telverbreitung Lmd�PIakatNeben. Die Genossen treffen sich 1"*" Inn, UJUllCV ÜITill jTlIlUllflUUH/f oui- Eddl der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. Z,«ltzung. Arauenveranstaltungen am Mittwoch, den 24. August: Buchbolz. 7H Uhr bei gähn«. Berliner Str. 8». Ziefereut«enoffe Di«®em«tnfchaft«fchule'. Morgen, Donnerstag, de« 25. August: 7.»res« Tharlottenburg. TVt Uhr Konferenz der Elternbeiräte de« 133.«bt Ziechert: Referent Send sie Katzenstein! stfaurten ule und «reise» im Rathau», Saal U, Politik"..,. ».«rei, Wilmer»b»es. IM Uhr«rrisdeleglerteu-ersiuninluns tei Blki-rid- oorten, kleiner Sddl, Wilhelmsou« 114/110. 13.»rei, Zempelhof. 7 Uhr«rei-oerireteruerfdmmlung in der»ula des Lyzeums am Bahnhof in Mariendorf. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Etodt. und Bezirksverordneienwohlen. Z. Aufstellung der Kondlddien- listen. 17. Keei» der'stodt- und Bezirksverordiieten.£' Wahl der Kandidaten zu den Etad;- und Bezirksverordnetenwahlen. 33.«bt. 7 Uhr flunktionärkonferen, be, Berger. Levetzow-, Eck« iä.«bt. Eharlottenburg. 7'z Uhr«bt-ilungsoersammluiig bei Jakob �ugenüveranftaltunyen. Berei»«rbeUer-Zug-nd.««kretaeiat- SW. 88,»Indenstr. 3, 3. Kos ltuk», 3 Treppen recht». Telephon: Mpl. 121 08— t«. Mittwoch, den 24. August, abends y2S Uhr: Baumschnlcnwegi Jugendheim Ernststr. 18, Diskufsion:„Wandern'.— Bohnsdorf! Zugendheim Schule Dahmestraße, Lefeabendi„Siijn».— frld«! Iuaendheim Schule RiilMnelsbiirger Straß«, Bartrag:„Heinrich Heine. — Friedrichshage»! Jugendheim Scharnwederstr. 105«, Diskufiion:„Iugendlchutz» forderungen'.—»esnndbrnnue»! Ingcndheim Schule Gothendurger«tr. 2, Diskusflon:.Letzt« Rümmer der Arbeilcr-Iugend'.— Lichtenberg: Jugendheim Darkaue 10, Vortrag:„Unsere Stellung in der deutschen ZugenddeW-gung.— Prenzlauer«orstadt: Schule e-»-s-,'d-rstr. 5/7, Lese- und Rezltat:on»abend o. Gizisti:„Buch de, Frieden»'.- Bedding! Jugendheim Müller. Ecke �r,,.- strafte. Bort rag:„Gegnerische Jugendbewegung'.— 5.»rei» HaUesche» Nor. Eine Krrtsmilgiiederuersammlung findet um l;j8 Uhr im 3entraliugendheim. Lindenstr. 8. statt. Bortrag de, ibeiiofseil Herbert Heiland:„Der Rcichoiuzend- tag w Bielefeld".__ fius aller Welt. Eiu Passagierdampfer gescheitert. Paris, 20. August.(WTD.) Nach einer„Matin"-Meldung aus London ist der Dampfer King O r r y mit 1500 Passagieren au Bord auf der Höhe von New-Drighwn gescheitert. Die Passa- giere wurden gerettet._ BaUommgiulk in Bitterfeld: vier Tote. Sonnabend nacht hat sicb in Bitterfeld ein schweres Ballonunglück ereignet. Es waren zwei Freiballons autge- stiegen, die beide gut vom Start abkamen, und von denen der eiiie auch glücklich wieder landet«. Der andere Ballon unier Führung de« Lehrers Ulrich flog alsbald gegen einen Fabrik fchorn» stein, in desien Steigeisen und Blitzableiter sich das Netzwerk der Ballonhülle verfing. Hierdurch wurde die Hülle aufgerissen, und der Ballon stürzte etwa 50 Meter ab. Drei der Insassen, Bau- Unternehmer Sommer, Elektriker Hesse und Gastwirt S o n n» tag, sämtlicki au? Holzweißig bei Bitterfeld, wurden getötet. Der Ballonführer Ulricb. dessen Tatkraft und Umsicht bereits dur-b über 40 Freiballonfabrlen erprobt war, ist am Sonntag in einer Halleschen Klirtik seinen Verletzungen erlegen. RhaM» aestorbe«. Der frühere griechische Ministerpräsident R h a l l i s ist gestorben. Er war während des Krieges Anhänger der Neutralitätspolitik und wurde nach der Abdankung Konstantins von Venizelos verfolgt. Vorträge, vereine unü Versammlungen. «itznng der«ebeitigemelnschast für die weltlich« Schule, Zerliu-Kumboldt. stadt, am Freitag, den 38.«uauft, nachmittag 4 Uhr, im Lehrerzimmer der 8. Semeindefchul«, Halliinder Eiraße in Berliii-Relnickendors. Tagcsardnung: Neuzeitlicher Geschichtsunterrl»:: Echulentlalfung-seieru. SSste stets will- kommen.— Oelfeutliche Bersamwlung de,«nndc» cutichiebeuer tajulreferrnet Wetterbericht bis Donnersta» mittag: ZxaiLat, leitet usd wann td»ätzige» Spich« BiaMa. 73. Sunöesaussthußfttzung öes /ldGS. vom I«. bis 18. August 1SS1. Der Geschäftsbericht des Vorstandes(veräffent- licht im Korrespondenzblatt Nr. 28) wurde vom Vorsitzenden Leipart in längeren Ausführungen mündlich ergänzt. Nach längerer Aus- spräche wurden die Mahnahmen des Bundesvorstandes auf dem Gebiete der Arbeitslosigteits frage, insbesondere die Ein- stellung eines weiteren Sekretärs zu diesem Zweck, gutgeheißen. Die früheren Beschlüsse des Bundesausschusses, betreffs Aufbringung eines Hausbaufonds, wurden bestätigt und der Vorstand er- mächtigt, ein Mitteilungsblatt zur Information der Orts- ausschüsse herauszugeben. An zweiter Stelle berichtete S p l i e d t im besonderen über die Arbeiksloseufrage. Er hob hervor, daß der Umfang der Arbeitslosigkeit gegenwärtig im Zurückgehen begriffen sei und daß in anderen Ländern zum Teil eine noch weit größere Arbeitslosigkeit vorhanden sei. Be- sonders stark werde in Deutschland noch immer Berlin betroffen, das allein 30 Proz. aller unterstützten Arbeitslosen im Reich und 8t Proz. von Preußen beherberge. Die Arbeitsbeschaffung in Berlin sei rückständig, was sich aus der ungünstigen Finanzlage der Reichshauptstadt erkläre. Neuerdings seien für die Fortsetzung der Nord-Südbahnarbeiten 180 Millionen Mark Reichszuschuß zur Verfügung gestellt worden. Redner schildert die großen Schwierig- ketten, die die Arbeitgeberverbände den Gewerkschaftsvertretern bei der Kontrolle der sür produktive Erwerbslosenfürsorge ausgegebenen Aufträge bereiten. Auch die Arbeitsstreckung stoßt verschiedentlich auf Widerstände, selbst bei den Arbeitnehmern, vor allem in den Eisenbahnwerk- stätten. Im Baugewerbe macht sich zurzeit mancherorts ein Mangel an gelernten Bauarbeitern, insbesondere Maurern, bemerkbar. Die Debatte war fast ausschließlich von diesen Erscheinungen im Baugewerbe beherrscht, wobei die Vertreter des Baugewerbes ihre Mitarbeit zur Behebung dieser Mängel zusagten. Der Tätigkeit des Bundesvorstandes wurde zugestimmt. Sodann nahm der Bundesvorstand nach einem ausführlichen Referat von Leipart Stellung zu den neuen Preis st«ige- r u n g e n und zu den vom Bundesvorstand vorgelegten Kund» gedungen. Der Redner erinnerte an die Verhandlungen in der Zentral-Arbeitsgemeinschaft, bei welcher die Vertreter der Arbeit- geber bereits zugesagt hätten» für einen Lohnausgleich, falls nicht durch Senkung anderer Lebensmittelpreise ein Ausgleich von selbst einträte, einzutreten. Die letztere Erwartung habe sich nicht erfüllt. denn die Indexziffer der Lebensmittelpreise sei von 924 im Januar d. I. auf 983 im Juli gestiegen. Auch zu den ganz erheb» lichen E t e u e r v e r m e h r u n g e n, die den Haushall des Ar- beiters belasten, müsse dabei zugleich Stellung genommen werden. Im weiteren könnten sich die Gewerkschaften der Aufgabe nicht länger entziehen, an einer Umstellung der DirkschafkspollM mitzuwirken, denn mit der gegenwärtigen Wirtschastsverfassung würde das deutsche Volk niemals aus der Not und Verelendung herauskommen. Ein fertiges Wirtschaftsprogramm könne heute noch nicht vorgelegt werden. Vielleicht empfehle sich die Einsetzung eines besonderen Sachverständigenausschusses zur Vorbereitung eine« solchen Programms. In der Aussprache wurde verschiedentlich Kritik an dem Verhalten mancher Arbeitnehmervertreter in Ge- meinwirtschaftskörpern und sonstigen Verttetungen geübt, die ihre Berufsintcressen über die allgemeinen Volksinteressen stellten und geneigt wären, Preiserhöhungen zuzustimmen, falls damit ihre Ähnbewegungen erleichtert, oder dem Beruf mehr Leschäfttgung zugeführt werden könne. Der Bundesausschuh stimmte den vor- gelegten Resolutionen zu, die bereits im.Vorwärts"' veröffentlicht wurden. Außerdem wurde ein Protest gegen die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände beschlossen. Danach nahm der Bundesausschuß Stellung zu den Gesetz- entwürfen einer Schlichtungsordnung, eines Arbeits- nachweis-Gesetzes und eines T a r i f v er tr a g»- G e- setz es.' Der Referent Um breit berichtete zunächst über die leitenden Prinzipien des in Ausarbeitung befindlichen einheitlichen Arbeitsrechtes. dos vor allem den wirtschaftlichen Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen weitgehenden Einfluß auf die Weiterent- wicklung und Verwaltung des Arbeitsrechtes Übertragen soll. Daraus ergibt sich nicht nur die Pflicht zu posittver Mitarbeit, sondern auch ein höheres Maß von Verantwortung und Selbstbeschränkung, um die Selbstverwaltung möglichst reibungslos durchzuführen. Er behandelte dann die wichtigsten Bestimmungen der Schlich- tungsordnung. Der Verhandlungszwang sei in Ge- werkschaftskreisen kaum jemals bekämpft worden, um so mehr mußte man sich gegen die Ausnahmestellung wenden, die der Entwurf den Arbeitnehmern in gemeinnötigen Betrieben zuerkannte. Auch die siebentägige Schutzfrist vor Streiks und Aussverrungen war für die Gewerkschaften von Nachteil.� Es sei ge- lungcn, die Ausnahmestellung der Arbeiter gemeinnöttger Unter- nehmungen und die siebentägige Schutzfrist auf drei Tage zu verringern. Dagegen soll die im Entwurf für gemeinnottge Be» triebe geforderte Abstimmung vor Streiks und Aussperrungen ver- allgemeinert werden. Die Berbindlicherklärung von Schiedssprüchen dagegen sei ein wirklicher Eingriff in die Koalitionsfreiheit, sobald sie gegen den Willen einer der streitenden Barteien erfolge. Man habe daher im Reichswirtschaftsrat größere Sicherungen dafür verlangt, daß auf jeder Seite wenigstens die Hälfte der Vertreter einer Berbindlicherklärung zustimmt. Beim Arbeitsnachweisgeseß beklagte der Redner, daß der Gedanke der Selbstverwaltung gegen die Herrschaftsansprüche der Gemeindeverwaltungen fast völlig zu» rückgetteten sei und daß weder die Meldepflicht, noch die Be nutzungspflicht allgemein eingeführt worden fei. Der Tarif Vertrags- Gesetzentwurf stelle sich auf den von Prof. Sinzheimer vertretenen Standpunkt, daß nicht künstlich zu schaffende Gebilde von eBrufsgemeisnchaften, sondern nur Berufsvereine der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer t a r i f f ä h i g und geeignete Träger des Tarifwesens sein könnten. Er macht die Tarifverträge unabdingbar für die Mitglieder der Tarifpartoien und die. welche sich ihnen freiwillig unterstellt haben, darüber hinaus auch für unorganisierte Außenseiter, sobald alle tonffähigen Vereine Innerhalb ihres sachlichen und räumlichen Geltungsbereiches an einem Tarif beteiligt sind. Die Allgemein- verbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen schließt sich an die gegenwärtige gesetzliche Regelung an. Endlich ver- tritt der Entwurf den Grundsatz, daß die Durchführung der Tarif- vertrage nicht durch Strafen und unbegrenzte Schadenersatzpflicht, sondern höchstens durch abdingbare begrenzteGeldbußenge- sichert werden dürfe, da die Gewerkschaften gesellschaftliche Verwal- tungskörper und notwendige Faktoren des sozialen Lebens geworden seien, deren Bestand man nicht dem Zufall eines Tarifprozesses über die Höhe eines Tarifschadens aussetzen dürfe. Der Redner unterbreitet zwei Resolutionen zur Schlichtung?- ordnung und zum Arbeitsnachweis-Gesetzentwurf. während eine abschließende Stellungnahme zum Tarifverttagsgesetz noch nicht beabsichtigt war. In der Debatte wurden vielfach schwere Bedenken gegen die einschränkenden Bestimmungen der Schlichtungsordnung geltend gemacht und an deren Stellungnahme der Gewerkschafts- oertteter im Reichswirtschaftsrat Kritik geübt. Es wurde denn auch von einer endgültigen Stellungnahme des Bundesausschusses zur Scblichtungsordnung noch abgesehen und«in Ausschuß von sieben Vertretern zur weiteren Durchprüfung dieses Gefetzemwunes eine gesetzt, dem auch zugleich der Tarifvcrtrags-Gesetzentwurf zur näher« Prüfung überwies» wurde. Die vorgelegte Entfchltetzung zum Arbeitsnachwelsgefetz wurde einstimmig onge-' nommen. Der Bundesausschuß bedauert, daß in dem vorliegenden Eni- wurf der Grundsatz der Selbstoerwaltung der Arbeitsnachweise gegenüber den Herrschaftsansprüchen der Gemeindeverwaltungen so wenig Anerkennung gefunden hat. Um so mehr, als die Inter- essenten der Arbeitsvermittlung zwei Drittel der gesamten Kosten im Wege der Arbeitslosenversicherung aufbringen sollen. Er warnt dringend vor jeder Bureaukratisierung der Ar- beitsvermittlung, weil sie die letztere ihrer eigentlichen Aufgabe entfremdet und schwere Mißstimmung in allen Kreisen des Wirtschaftslebens schafft. Er bedauert ferner die Nichtaufnahme der allgemeinen Melde- Pflicht und des Benutzungszwanges und verurteilt es entschieden, daß wiederum die Vertreter der Minderheitsgewerkschaften gegen diese Grundbedingungen jeder öffentlich-rechtlichen Arbeitsvermitt- lung aufgetteten sind. Der Bundesausschuß ersucht die Gewerkschaftsvertreter im Reichswirtschaftsrat in ihrem Bestreben, den Entwurf gewerkschaft- lichen Forderungen entsprenchend umzugestalten, nicht zu erlahmen, und erwartet schließlich von den Arbeiterparteien des Reichstages, daß auch sie jeder Bureaukratisierung des Arbeitsnachweis- Wesens energisch Widerstand leisten." Eine sehr energische Erörterung widmete der Bundesausschuß den Organisattonsbeziehungen zum Deutschen Beamten- bund, über deren Stand Leipart referierte. Infolge der jüngsten gemeinsamen Lohnbewegung der Arbeiter, Angestellten und Be- amten öffentlicher Unternehmungen sei eine Uneinigkeit eingetreten, welche nicht nur das Zusammengehen bei dieser Lohnbewegung ver- hinderte, sondern auch den Abschluß des Kartellvertrages mit dem Deuffchen Beamtenbuad verzögert habe. Wenn im Deutschen Ver- kehrsbund Bestrebungen zutage treten, die diesem Abkommen ent- gegemvirken möchten, so dürfe sich der Allgemeine Deutsche Ge- werkschastsbund nicht beirren lassen, da eine Einheilsftout der Arbeiter, Angestellten und Beamten Im Interesse der gesamten deutschen Arbeiterschaft läge. In der Aussprache hierüber zeigte es sich, daß die Vertreter der am Deutschen Verkehrsbund beteiligten Gewerkschaften mit ihrer gegen den Beamtenbund gerichteten Auffassung völlig allein standen und daß der Bundesausschuß an seiner ftüheren Stellung in dieser Frage festhielt. Es wurde denn auch die bereits in Nr. 391 des„Vorwärts" am Sonnabend veröffentlichte Resolutton gegen zwei Stimmen angenommen. Die Satzung des Allgemeinen Deuffchen Gewerkschaftsbundes steht zwischen dem Bundesvorstand und den Ortsausschüssen keine Zwifcheninstanzen vor. Solche haben sich aber in den letzten Iahren in steigendem Maße notwendig gemacht. Der Vorstand unter» breuete daher dem Bundesausschuß eine Reihe von Vorschlägen über die Errichtung und Aufgaben von Bezirks- a u s s ch ü f f e n, die in die Satzung des ADGB. aufgenommen werden sollen, zu weiterer Prüfung. Eine Beschlußfassung über diese Vorschläge wird erst auf dem nächsten Gewerkschaftskongreß stattfinden. Namens der für die Prüfung der Frankfurter Akade- m i e eingesetzten Swdienkommission berichtete Graßmann und ernpfahl die weitere Auftechterhaltung und Beschickung der Arbeiter- akademie und eine einheitliche Regelung der Bezüge der Hörer. Der Ausschuß stimmte diesen Vorschlägen zu. Zum'» Znlernaklonalen Gewerkschaftskongreß, der am 28. November d. I. in Mailand stattfinden soll, wurden 7 Vertreter des Bundesausschusses gewählt. Weitere Vertreter wähtt der Bundesvorstand und der Afa-Bund. Mit Rücksicht auf den niederen Valutastand wurde beschlossen, den Beitrag der deutschen Gewerkschaften für das laufende Jahr zu verdreifachen, also ein» doppelten Extrabeitrag nachzuzahlen. Die Kosten von Schiedsgerichten in Grenzstreitigketten sollen in allen Fällen durch die streitenden Parteien, ,und zwar jede für ihren Schiedsrichter und je zur Hälfte für den Vorsitzenden gettagen werden. Nepper und Geneppte. „Wie werde ich fett im allgemeinen Elend?", das ist noch immer der Leitspruch vieler, die sich nicht daran gewöhnen können, daß die Zeit des„glorreichen Krieges" und der ungeheuren Wucherpreise vorüber ist. Ihr erfinderischer Keift— freie Bahn dem Tüchtigen— kommt auf alle möglichen Gründungen und die Geneppten sind stets — die kleinen Leute. Das ist eine traurige, aber auf keinen Fall wegzuleugnende Tatsache. Neugründungen auf Neugründungen folgten in letzter Zeit auf dem Gebiet der Wcttleidenschasten. Auf der Rennbahn ist das schon insofern möglich, weil die Unkenntnis der großen Masse, der glänzende äußere Rahmen und die in letzter Zeit nahezu krankhaft gesteigerte Wettlust die denkbar besten Zu- treibe? sind Schon nach der Hamburger Derbywoche schrie man tz, laut in alle Welt:„Die Sportbanken konsolidieren sich", und dann schassen die Wettkonzerne wie Pilze aus der Erde. Ganz- und halb- seitige Inserate erschienen in den bürgerlichen Zeitungen, hauptsäch- lich den Scherlschen, der„Borwärts" lehnte von vornherein eine jede derartige Ankündigung ab. Prospekte wurden verschickt und die un- glaublichsten Versprechungen gemacht und„garantiert". In ein- geweihten Kreisen sagte man, ach, die kleinen Einzahler werden die Konzerne befticdigen können, denn der Briefträger trägt denen fürs erste ja soviel Geld ins Haus, daß er sich bald einen Bruch daran schleppt. Die großen Wetter halten reinen Mund, weil sie meistens kein« sauberen Gründe haben und die ganz großen Kanonen, na, die kneifen aus, wenn der Kitt schief geht. Sagte man aber öffent- lich etwas, dann drohten die Inhaber der Wettkonzerne mit dem Kadi, und dieses geschah wiederum in den Anzeigen der bürgerlichen Zeitungen. Als das Finanzamt dazwischenkam, wurde die Sache wackelig und es erfolgten die genügjam bekannten Krachs. Inter- essant ist es zwar, sich mit den Inhabern der einzelnen Konzerve zu beschäftigen. Eorl Köhn ist. wie eine demokrattsche Korrespondenz erklärt, ein ehemal-ger Roßschlächter und Herausgeber der„Allgemeinen Roßschlächterzeitnng". Köhn, der wiederhrtt nach den„Mitteilungen zur Abwehr des Antisemitismus" wegen Betruges, Unterschlagungen, Diebstahls und Vergehens gegen Kriegsverordnungen mit Geld- strafen, vieljährigem Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlust vor- besttaft ist, hat seine Rqßschlächterzeittmg politisch im antisemitischen Sinne ausgenutzt und in ihr eindringlich zum Eintritt In den„Deutsch- völkischen Bund" in Hamburg geworben. In der Nummer vom 20. Juni 1919 hat er die Völker der Erde zum Kampf gegen die Welt- Herrschaft des Judentums und zu dessen Vernichtting aufgefordert. Es heißt in dem Artikel, daß man einen neuen Völkerbund gründen solle, einen Bund, in dem sich Bolschewismus, Pazifismus, Ehristen- tum, Sozialismus m.d Spartakismus und bestes deutsches und mensch- liches Wesen vereinigen.„Ich bin bereit," so ruft er aus,„das Fundament zu legen! Wer hilft mir bauen? Ich habe gewählt!" Köhn unterhält, als Rennstallbesitzsr gebraucht er ja nur Kapital und keine Lizenz, fett V/z Monaten einen Rennstall. Er kaufte den Stall Federmann auf(Herr Federmann selbst ist auch eine Kriegs- erscheinung auf dem Turf) und später so gute Pferde wie Wackerbart. Der gleichfalls zusammengebrochene Artur Müller ist der Sohn des Rennstailbesitzers Reinhold Müller, der schon seit etlichen Iahren einen Rennstall in geringem Ausmaße besitzt. Seit diesem Jahre wurde der Stall auf eine breitere Grundlage gestellt. Neinhold Müller, der mit seinem Sohne in keinerlei Verbindung stehen will, besitzt zurzeit Obulus, Gnörök, Gyere velem, Gallipoli Ii, Saaras usw. Die Ungarn, die Klassepferde sind, wurden für klotziges Geld getauft. Sie haben sich als Wettanlagen verdient gemacht, da sie ihre ersten Rennen in Deutschland sogleich gewannen. Klonte, der sich einstweilen noch Hütt(wenn er inzwischen nicht schon„innerlich" zusammengebrochen ist), sinn im Spätherbst vorigen Jahres mit Mardonius an.„Hurra, Klante Max ist da," hieß es feit- den, oft bei einem Siege, ob es aber in Zukunft noch oft so heißen wird, mag dahmgesteltt bleiben. Biedermann hält sich seit 8 Tagen Rennpferde. Rufssc war fein erster Ankauf. Vor Biedermanns Tür, er wohnt am Belleatliance- platz, trafen sich gestern morgen wehklagend schon viele Jammer- gestalten. Sportbonk auf Sportbank wird jetzt zusammenbrechen und ge- schädigt werden viele, namentlich kleine Leute werden, die immer und immer wieder alle Mahnungen in den Wind schlagen, wenn man ihnen rät, doch ein sür allemal die Finger vom Wettgeschäft zu lassen. Wirtschaft produktive Erwerbslosensiirsorge. Ebenso wie das Reichssiedlungs- und Heimstättengesetz Halb- heilen sind, so sind die Bestimmungen über die produktive E r- werbslosenfürsorge nicht viel besser. Auch die Bekannt- gab: des Herrn Reichsarbeitsministers vom Februar d. I., der die Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge für den Bau von Siedlungshäusern, zur Hebung des gemeinnützigen Woh- nungswesens zusagte und die Hoffnungen der Bauarbeiter auf Arbeit durch die Bereitstellung der Mittel gestiegen war, so ver- sagte die Praxis auf dem Gebiete dieser Fürsorge. Verschiedene Berliner Baugenossenschaften waren so optimistisch, diesen papier- nen Zusagen restlos zu vertrauen und fingen an zu bauen. Mit den Einlagen der Genossen dieser Siedlungsvereine wurde nun frisch ans Werk gegangen, und die einzelnen Häuser hochgeführt. Man erwartete immer noch die Zuschüsse, bis die Genossenschafts. lassen allmählich erschöpft waren und die so munter begonnene reg« Bauarbeit zum Stillstand kam. Die vielen Verhandlungen mit den in Frage kommenden Stellen, die zahlreichen Hinweise auf die Dringlichkeit der Angelegenheit, haben dazu geführt, daß bis heute noch kein Pfennig an eine der Berliner Siedlungsgenossen- schaften gezahlt worden fft. Abgesehen davon, daß vom Beschluß bis zur praktischen Ausführung bei den Behörden schon immer viel ungenützte Zeit verstrich, wirkt eine derartige„Zurückhaltung" weder auf die Schaffensfteude der Bauarbeiter, noch auf die Förderung der Arbeitsmöglichkeiten günstig. Beile von den angefangenen Bauten harren noch ihrer Vollendung. Da der Winter auch nicht mehr so fern ist, droht den noch nicht ganz fertiggestellten Häusern große Gefahr. Es ist nunmehr höchste Zeit, daß der schwerfällig« Behördenapparat mit Volldampf an die Auszahlung der seit Februar bewilligten Zuschüsse geht. H. B o l l e n t i n. Bleh- und Aleischpreise. Während der Zwangswirffchaft klagten die Landwirte, daß der Behärdcnapparat die Waren unangemessen verteuere. Heute ist die Zwangswirtschaft für Fleisch längst aufgehoben. Aber die er- hebliche Spanne zwischen Erzeuger- und Handelspreis besteht weiter. Obwohl die Landwirte infolge Futtermangels durch anhaltende Trockenheit gezwungen waren, ihr Vieh sehr billig zu verkaufen, hat sich weder aus den Viehmärkten noch bei den Fleischern ein nennenswerter Preisrückgang bemerkbar gemacht. Vielmehr haben die Preise für Schweine durchweg weiter angezogen und erreichen auf einzelnen Märkten nahezu wieder ihren höchsten� Stand seit Aufhebung der Zwangswirtschaft. Notierten die Preise auf den Hauptmärkten in den einzelnen Pro- vinzen bisher ziemlich einheitlich, so ist jetzt wieder der Preisunter. schied von Markt zu Markt recht erheblich und außerhalb der Pro- vinzen noch weit größer. So zahlte auf den letzten nachstehenden Märkten für 100 Pfund Lebendgewicht. Rinder Kälber Scbafe Schweine in Mark BerNn.... 250—722 200—1100 800—050 1100—1420 München... 120—040 200— 700 450—850 900—1250 Zwickau... 220—025 400— 050 300—020 1200—1400 Chemnitz... 200— 680 450— 700 250—650 1050—1400 Frankfurt a. M. 180—700 400— 750 300—500 1072—1422 Köln.... 222—800 270— 920 250—420 1200—1400 und in München bei Schafen je 100 Pfund Schlachtgewicht. Ver- gleicht man nun die Fleisch preise im Großhandel, Köln: Rinder 800—1400 M., Kälber 1000—1400 M., Schafe 1000—110'! M.. Schweine 1050— 1700 M.: München: Rinder 400— 1000 M., Kälber 700—900 M.. Schafe 450—850 M., Schweine 1050—1400 M., so ergibt sich ein ganz außerordentlicher Unterschied zwischen Lebend- und Schlachtgewicht. Für den Durchschnittspreis im Kleinhandel darf aber der höchste erzielte Preis auf den Märkt:n nicht maß- gebend fein, da sich dieser höchste Preis nur auf eine geringe Anzahl Vieh bezieht. Der Hauptauftrieb zu den Märkten noiurt wesentlich geringer. Vergleicht man diese Preise mit den äugen- blicklichen Fleischhandelspreisen, so sieht man, was der Vieh- und Fleischhandel verdient, ohne daß eine Behörde dagegen eiaschreiiet. Der Verbraucher kann's ja zahlen. Es ist schlimm genug, daß die Landwirtschaft ihrerseits sich nicht entschiedener gegen diese Verteuerung eines der wichtigsten Volksnahrungsmittel durch den Zwischenhandel wehrt. Die Pro- teste der Verbraucher werden solange auf dem Papier stehen, als die Agrarier selbst nicht einsehen, daß ihnen der freie Handel wenig hilft und daß durch eine unmittelbare Verbindung von Erzeuger und Verbraucher durch die Genossenschaften anch in der Landwirffchaft beiden Teilen gedient wird. vas Anwachsen der Sohlenförderung Rordscankreichs. Der Wiederaufbau der nordfranzösischen Kohlengruben schreitet lebhaft fort. Die soeben veröffentlichten Zahlen über die Förderung der Kohlenzechen. Nordftankreichs während des ersten Hahlbjahrrs 1921 zeigen eine gewaltige Steigerung im Vergleich zu derselben Zeit des Vorjahres. Cd förderten die Gruben des Nardbezirks und die des Bezirkes Pas de Calais in den ersten sechs Monaten dieses Jahre» 7 344 000 Tonnen gegen 3 810 000 Tonnen im Vorjahre, das sind 3 534 000 Tonnen mehr. Die Vorkriegsproduktion dieser Be- zirke im Jahre 1913, d. h. in den ersten sechs Monaten, 14 948 000 Tonnen, mithin ist die Hälfte dieser Förderung bereits jetzt wieder erreicht. Die unrentablen Sanktion». Im Verhältnis zu dem ungeheuren Schaden, de« die künstliche Zollgrenze am Rhein der deutschen ZahlunaSkraft zugefügt hat. find die Zolleinnabmen der Enlente- kommisfion gering. Das Ein- und AnSfubramt hat, nacv der .Kölnischen Zeitung", durch die Emnabmen für Ein« und Ausfuhr- bewilligungen einen Neberfchuß von 40 Millionen Mark zu ver- zeichnen. Die Zollerträge au der Rheingrenze haben 420 Millt- onen Mark betragen, von denen aber noch einige Millionen Mark Unkosten abzuziehen sind.__ Griefkasten der Redaktion. Briefliche Auskunft wird«ich» erteilt. M. it. Rudolfplatz. Ja. Trotzdem empfehlen wir, Berufung einzulegen, und zwar zur Begründung auf§ 20 des Preußischen Einkommensteuergesetzes Bezug zu nehmen. Dieser Paragraph besagt, daß besondere, die Ltistungssähigkcit der Steuerpflichtigen wesentliche, beeintriichtigende wirtschaftliche Berhiiltnisse, z. B. außergewöhnliche Belastung durch Unterhalt und Erziehung der Kinder, au» dauernde Sraniheit, Verschuldung u. a. zu berückstchtigen sind. Beantragen Sie Ermäßigung des Eteuers-tz-, um drei Stusen.—«. Jf. Buckow. 1. Tragen Sie bei der Hauptauskunft-stell« des Reichswanderungsanits, Berlin, Luise». straße 31», an. 2. Wenden Et« sich an eine Buchhandlung.— Wolsaang. Der Abzug kann erst vorgenommen werden, nachdem die beziiglichee Bestimmung i»«rast getreten ist.— V. 3». Ersuchen Sie die Kasse um AufklSruilg. Evtl. wenden Sie sich beschwerdeführend an das Bersichcrungsaml.—. S. S. 199. 1. Pein. 2. Niemand. 8. Nichtet sich nach dem Wert des Nachlasses und dem Erad der Verwandtschaft. 4. Nein, tzuschlagssähig sind nur Aeparaturkosten innerhalb des letzten Jahres. S. Wir empfehlen, den„Schlußsatz" zu ftreiche». «.«.». M- sich i» Buer»ri»tk-jten»Oti4»acht»«uitworpe». fucpcnji tirWKwi*«jijrjii»a �Theater, lichtspieie etc. p/.uhr DerOpernbal] Deatsches Theater Volksbühne Heute z. I.Male 7U: Kean 3 Uhr: DI© Fledermaus Donnerstag 7 Uhr: Kean Karamerspiele TVjUhr Potüsch u Pcrlmulter vo?>/,- Potascli u. Perlmutter Kr. Schanspieihaus {Karlstraße) 8: Die Weber(6. Abt 6. Ab.) Do 8 DIeWeber;7.Abt,6 A.) Theater I. d. KQnigprätzer Str. Täglich 7.30 Unn Notruf Drama von Herrn. Sudermann Berliner Theater Allabendlich V Uhr: DOS Komhdieahans 7J3ö Uhr: Der blonde Bngel Central'Theater 8 Uhr;«llOnk© D«ut«cta.Opcrnhana » lohcngrin Frledr. Wllheiiimt.TI», � Die Kleine ans der Hölle JKi. l*lcik Annplclhaiifi tv, uhn Reigen Metpop« I-Thcntcp Jh? Die hisse Maznr Sronea Opcrctteutheat. �■/.uhr AmericaH-Kirl Nehlller-Tlie.r.diinri. 73eineFriD-disFrhlein SchloBpark. Tb. Steglitz 7>7, U.: Laune des Verliebien Die Mltschuldtgen Thalla'Tkencor 7'/, uhr- Mascottchen Th.nniNollondorfplnf r. uhr Der Vettep ans Dingsda T&vl.d.Kommandantcnstr. 7v,uhr:Die Dielenhexe Theater de« Weatena 4 Uhr: Minna von Bamtidm. i/br' Morgen wieder instlk! Preltag, 26, 7 UM c.]. Male: D. Braut ILncnllns Wailncr-Tiieatcr !\0Xn Nixchen Walhalla-Theatep D. Die ScliEidungsrtise Neues Theater a.Zoo Sonnabend, 27. Aug., 7V, Uhr ErSllnaaKa.V.ist.llaag Lessing-Theater Allanenalich 71/, Uhr. Die DalleriDa Des Königs (Leopoldine Konttantin) Oecisebes Künstler-Theater 8 Uhr: Valetti, Waßmann, tierrroann Foiies Caprice Llnienstr.132.amOranienbg.T. Taglich 8 Uhr: D. Geliebte a. Teilung Fiebertaumel Bentnchen.Heserlts mit Perd. Qrünecker CASINO-THEITCR Lothringer Sir. Z?— Tägl. V,8 Das neue Eröfinungt- Progr. mit der Spilzbubenpostc 8xzeUenz iYiaxe. Vorher: Das laktige Sinespiel Und wem eg Just pauileret Sonnlag 3V,: MHtclarregt. Reichshallen-Ibeat, STETTINER SXNCER Anr 7V, Uhr u Stg nehm. 3 U Varletd,»Sah.- Drettl Saal u. Garten Haas» Meya» Ballett sowie oer grol'e — Varlet6>SpIelplan— Rauchen gestaaetl» ucbrenstiäue 54 TV, Uhr: Das sensationelle Saison-Eröllnnngs- Pro�rAi�nTn LiSM«SSM Ein Spiel von Rud. Eger. Kleines Theater Täglich 8 Uhr: Hansi Arnstadt m Der Dieb(Letoleor) Emil Mamelok, Richard Elvenack, Adele Hartwig, Heinrich Marlow THanon-Theater Täglich 8 Uhr: Ida Wüst m Die große Leidenschaft Willy Callwlu, Emil Stutimann Residenz-Theater Täglich V/t Uhr Totentanz Paul Wcgener Irene Trl.tck Paul Blensfeldt Kastanien-Allee 7—7 Internationale Ringkampfs Konkurrenz Variete Diel liiure§elung| des Steuerabzugs vom Arbeitslohn ist In der 3. Auf I tage von Rudolf WlsaclliJ Führer durch das� Reichseiokommen- Steuergesetzj berflcksichtigt.. rrtUWk. Htu.tff'/.Xuirtl. Buchhdlg. Vorwärts] Undenstr. 2 Admirala Talaai 7>/, Uhr: Die roten Schuhe Theater a. KottbuierTor Tel.: Morltzpl. 16077 Taglich 7'/, Uhr Elite-SRnner ,— 10 Herren!— Witz I Komik I Urkom. Typen I GröBicr Lachclolg! � Vvkl.ll l'/au.t-tUhr tader Art bei kleiner Anzahloni und | bequemer Abzahlung{ Möbelhaus Andreasstr. 28'■ Strengste Diskretion. 5mm igleit neroöfe Umun«, tzo I rrgungen u. Hrrzdeschwerb. I wird btbob. durch volbru. I ment.Pflanzrnprobutte.die I natllrL M dtjtn» Berudi» 1 aunn btt Nerven. FI. 10,50. 1 Olto Reichel TZerlin 43,1 «Jiffnbadnftrnfifl voMülksskrehevde unö Wum Gute ÜrrDTcninnrclichtfltfn Oluftlärung und Anregung .redende Proichür»: Ein neuer tSelftT(endet prott«' Z. Erbrnonn 5>(To., '»rlin Rdmoardnrr Str. 71. -Ä-tä. eignet sich für alle Kitclieiigerate besonders ciiich für Öfen, Badewannen, Klosetts.Marmor, Steinböden. 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Die gemeinsame Versammlung der Dertrauensmünne c mit den oftloen Detrled»rat»mitaiicdrrn findet einige Tage später statt und wirb in der«onstrenz detanntgegeben. 96/4_ Cte OeteoecmaltanB. Am 20. August perschieb plötzlich der in unserem � Betrieb beschäftigt gewesene Zimmerer «Joseph Boehnlgk | im Alter von 60 Jahren. Wir werden dem Dahingeschiedenen fiel» ein treue«[ Andeuten dewahren. 30/Sa| Heiltnann& Litfmann Hoch- und Tiefbau. Bezirksverband Berlin S.P. D. Ä. Kreis(Tiergarten) Am 21. August wurde unerwartet durch einen Herzschlag unser treuer und eifriger Mitkämpfer, der Landtagsabgeordnete Gustav Heiler aus unserer Mitte gerissen. Wer sein unermfldlichcs| iVItken für den Sozialismus kannte, wird mit uns die j Schwere des Verlustes lühlen. Er war uns allen ein 1 Vorbild strenger und eifriger Plllchtertül ung. W.r 1 [ werden sein Andenken stets In Ehren halten. Die Einäscherung findet am Freitag, den 26. August, 1 nachmittags 3 Uhr, Im Krematorium Genchtstr statt. Rege Beteiligung erwartet Der K» 341/16| stand. wwwwwwwwwwwwwwws | Soeben erschienen! Nr. 8/9 ■WWWWW. Soeben erschienen!| 99 Unser Weg (Sowjet) Zeltschrift für kommunlstfsche Politik. Heran- geder Dr. Paul Levl. I Aus dem Inhalt; Paul Levl: Der Parteitag der V.K P D 1 Kurt Geyer: Zur Vorgeschichte des drttten Weltkon- i > gre-ses. Beruh. Düwell: Zur Stcuerpo itik der V.K.P.D i l Waldemar: Hinter den Kulissen der Märzaktion.— Die Ausführung der Kongreübeschlüsse. Preis der Einzelnummer 2 M Quartalsabonnem. II M.] Zu beziehen durch alle Pos anstalten und durch die! I Internationale Verlagsanstalt G.m.b.H. » Berlin SO. 36, Blsengtr. 75.— Telephon: Mpl. 13315 J Nicheisen jeder Art: :l!und-, svlach-, Oundrat- u. Bandeisen, Gas-Siede-illohre, T-Trägeru.ll.Eisen, Feldschmicdcn und Ambosse sofort ab Lager lieferbar kellx Kohls, Beriloüs, Dlrcksenstr. 12,! | Jloctgploa 12072(Erfe stolloirettrofif Moritzplae 12076.< Am Soni lag, den 21. August, verstarb infolge. Herzschlag plötzlich und unerwartet unser Kollege| und Sekretär, der Abgeordnete Gustat? Heller1 Der Verstorbene hat in rastlosem FlelS und mit| [ unermüdlichem Eifer die Geschälte der Fraktion geführt und seine Aufgaben jederzeit mit unendnchei| Liebe und Geduld gelöst. Die Fraktion hat durch[ seinen Tod einen recht schmerzliehen Verlust erlitten sie wird seiner stets als ein leuchtendes Vorbiic{ treuesiei Pflichterfüllung gedenken und wird sein| | Andenken in Ehren halten. Die Einäscherung findet am Freitag, 26. August nachmittags 3 Uhr, Im Krematorium der Stadt Berlin, [ Oerie tstr. 37/38, statt Die Beteiligung aller Mitglieder der Fraktion wird erwaitet 191/7 g Die aoElaldemobratfache Fraktion des PreuBischen l-andtass. Der Vorstand. :& Unfetm Genossen Aron Segall.. ,: die her, f. chlückwunsche zu fr slfntn:70.Deburt«tag» am jd> « heutigen Tage. 87766 M H®;o®tnb.®(ä.2S4B � Achtung I Achtung I Ueüerzeugen Sie sich selbst, wo man die höchsten Preise erzielt lür Bruch-Gold, Silber, Platin Ich garantieie zu Jederzeit fast für die höchsten Preist| Brillanten, Uhren, Ketten, alte Zahngebisse u..Münzensammlungen| kaufen zu reellen Preisen €. Maulhardt 2 Co., Schwedlerstr. 12 und Kocbstr. 19 Im Laden. Geschäftszeit von 9—7 Münzen Snmnilnnficr kautt Boll, Berlin, Wilhelmstraße«6.47 ü n ze n WA«IM i Desond.Zelssu.tioert werden ständig angekauft Photoh aus Steckelmann i Berlin W 9, Potsdamer Str. I3S Dstilsolier Heta liriLlternrti. Berwaftangsstelle Sertin. Den Kollegen zur Nach» richt, batz unser Kollege, der Mechanifer 96, KustavHkllvr Elsholzstr. 19 am 2L August gefiarbeu ist Ehre seinem Andenken! Di« Einäscherung findet am Freitag, den 26. August, nachm. 3 Uhr. im«rrma- tariurn Gtrichlftrotz« stau. Rege Seteiiigung erwartet Dl« vrteoerwaUung. ZaaZkiäsIw Dt. Ewald Fabian Zahnarzt Uttlondstc. 52 80/1« KLEINE ANZEIGEN ieäes Wort 1 M., lässig zw.! fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schiafsto lenanaelg�n das erste Wort(fott- a3druckt) 1 M., jedes weitere Wop» 60 Pf. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zäMen für zwei Worte| £&«&****■ am am die für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis um 5 Uhr nachmittags in der Haupt-Exaeditlon des Vorwärts, Berlin SW. 69, Llndenstrasse Nr. 3, abgegeben werden. Olesefbe ist von morgens ! 9 Uhr bis abends 5 Uhr ununterbrochen geöffnet BWWriB iqus Friedrichstratz« 2 es Tor), perlauft Hrrren-Anzllge, Tutawaifs, Ulfler, Schlüpfer, Hofen. Kreuzfüchse, Silber. fuchse. Afaslafiichse. Keine Lombardware.____• »reezfüchse, SitbcrfUchlf, Aiasia'uchse. Spottbilliger Setlauf. Gefegenhtitekäuf« von Iderrengarberode. Keine Lomdarbwart. Leihhaus �riedrichstraße 2. Hallesches Srausnch- 209.—, selten Idnes Exemplar, außerdem „airischer«reu, suche 659.—. 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Wenn man in der Hohenzollernfrage schon von„Schuld" spricht, dann sollte man nicht vergessen, daß auch die u n a b- h ä n g i g e n Minister nichts dagegen hatten, daß schon im November 1918 KävtKX) M. nach Amerongen gingen. Sie konnten auch gar nichts dagegen haben, denn sogar Adolf Hoffmann unterschrieb am 13. November 1918 eine Ver- Ordnung, die dahin lautete, daß das Privateigentum von der Beschlagnahme frei bleibe, Und vergißt die„Freiheit", daß es ein u n a b h ä n g i- g e r Minister war, der Noske und seine Reichswehr a n- iU e h t e, damit sie die Matrosen mit Waffengewalt aus dem Schlosse hinauswürfen? Also, wenn man schon von Schuld redet, dann soll man doch aus der Ehrlichkeit des Buches„Hohenzollern" nicht eine agitatorische Unehrlichkeit machen, die die anderen ver- leumdet und die eigene Partei unter Verschweigung schwerer Schuld ins hellste Licht setzt. »Was wir nicht zu faaen wagen.. Die„Note Fahne" zitiert ein Stück aus dem bekannten Artikel des englischen Professors K e y n e s und bemerkt dazu in ihrer schwülstigen Weise: Was die Bechtssozislisten und Unabhängigen den Arbeitern -nicht zu sagen wagten, um sie von der notwendigen Empörung zurückzuhalten, eröffnet ihnen der englische bürgerliche Keynes. Der Biedermann der„Roten Fahne" hat diesmal besonderes Pech. Durch fein Zitat aus dem Keynes-Artikel beweist er nämlich klipp und klar, daß er diesen gar nicht im Original gelesen hat, son- dern nur durch den Auszug kennt, den— der„Vorwärts" in seiner letzten Sonnlagsausgabe verösfentlichte. Denn nicht nur stimmt sein Zitat auf den Millimeter mit dem unsrigen überein, in gewohnter Flüchtigkeit hat der Mann der„Roten Fahne" bei Ausschneiden des Zitats aus dem„Vorwärts" auch eine von uns herrührende re- daktionelle Erläuterung mitübernommen. Wir hatten nämlich zur Orientierung unserer Leser einmal hinter die Keynessche Geldwert» angabe„7 Schilling" in Klammern beigefügt 7 Goldmark. In Keynes' Originaltexr steht das nicht, wohl aber steht es jetzt— im Zitat der„Roten Fahne"! Damit hat die„Rote Fahne" den Ursprung ihres Zitats unwider- leglich gekennzeichnet. Während sie behauptet, wir wagten die Kcynesschsn Ausführungen nicht den Arbeitern bekanntzugeben, steht die Sache in Wirklichkeit so, daß ohne unsere Bekanntgabe die„Rote Fahne" und ihre Leser bis heute noch nicht« davon wüßten. Glückliche Sesitzer. In unserem Artikel am Sonntag schrieben wir über die neue Vermögenssteuer und deren Zuschlag von 300 Proz.:„Ob mit diesen lSteucr-)Sätzen der noch ausstehende Teil des Reichsnotopfers, zu- züglich der Zinsen, die in den zwischenliegenden Iahren hätten bezahlt werden müssen, tatsächlich voll ersetzt wird, darüber bringt die Vor- läge keine Berechnung." Unsere Annahme, daß das Reichsnotopfer tatsächlich durch die neue Steuer gemildert wird, bestätigt sich nun, wenigstens für die höheren Steuerklassen. Herr Franz Beyer schreibt uns dazu: In dem Gesetzentwurf heißt es, daß zunächst der beschleunigt zu entrichtende Teil des Rotopscrs zu erheben ist, und daß der Rest des Notopfers durch den Zuschlag von 300 Proz. zur Vermögenssteuer ersetzt wird, welcher IS Jahre lang erhoben wird. In der bei- gefügten Tabelle ist nun für Vermögen von 50 000 M. bis 100 Millionen Mark der an Stelle des Nowpferrestes 15 Jahre lang zu zahlende Zuschlag von 300 Proz. zur Vermögenssteuer im Gesamt- betrag für 15 Jahre ausgerechnet: ferner der Rest des Notopfers, der hierdurch ersetzt werden soll, und der Betrag, welcher hierdurch mehr oder weniger erzielt wird, soweit es sich um gleichbleibende Vermögen handelt. Dadurch ergibt sich die merkwürdige Tatsache, daß kleinere Vermögen unter 300 000 M. eine wesentlich höhere Abgabe zu leisten haben als früher, während die Abgabe bei Vermögen zwischen' 300 000 M. und 100 Millionen Mark wesentlich niedriger ist als der Rest des Notopfers. Bei 200 000 M. ist die Abgabe in 15 Jahren 1,50m al so hoch, bei 100 000 M. 3,37mal und bei 51 000 M. sogar 7V0mal so hoch wie der Notopserrest: dagegen beträgt die Abgabe bei 500 000 M. nur 0,82. bei 1 Million Mark 0,65, bei IX Millionen Mark sogar nur 0,63 des Restes, bei 3 Millionen Mark 0,73, bei 10 Millionen Mark 0.83 des Notopferrestes, und erst bei Vermögen über 100 MU- llonen Mark ist die Abgabe in 15 Jahren so groß, daß dadurch der Rest des Notopfers ausgeglichen wird. Zinsen sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt! Wenn man diese noch in Rechnung stellt, so ergeben sich noch wesentlich niedrigere Abgaben! Es unterliegt keinem Zweifel, daß durch diese sogenannte Veredlung des Notopfers von den Ab- gabepflichtigen, deren Vermögen in den 15 Iahren sich nicht vermehrt hat, eine bedeutende Mindereinnahme erzielt würde, daß nur die kleineren Vermögen unter 300 000 M. wesentlich mehr bezahlen müßten, und daß die Vermögen von 300 000 M. bis 100 Millionen Mark viel niedriger« Abgaben zu leisten hätten als nach dem Not- opfergesetz. Wen» auch die neu gebildeten Vermögen das Bild, etwas ändern, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß die Sätze des Vermögenssteuergesetzes einer gründlichen Aenderung bedürfen, da sonst von einer Veredlung des Reichsnotapfers keine Red« sein kann.— Auch wir sind der Auffassung, daß von einer„Veredelung" des Reichsnotopfers bei diesem Gesetzentwurf nur für das Groß- kapital gesprochen werden kann. Streit um öen fiusnahmezuftanü in München Der Münchener Stadtrat beschäftigte sich Dienstag abermals ein- gehend mit dem Antrag der USPD., der an den Reichspräsidenten und an den Reichstag das Ersuchen stellt, von der bayerischen Re- gierung die Aufhebung der einstweiligen Maßnahmen aus Grund des Artikels 48 der Rcichsverfassung zu verlangen. Der USPD.- Stadtrat Schmöger vertrat den Standpunkt seiner Partei und rich- tele seine Angriffe gegen die Regierung und die bürgerlichen Par- teien, indem er auch die letzteren warnte, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben, denn letzten Endes könnten die Bürgerlichen selbst unter die Räder kommen. Der demokratische Stadtrat Hübsch erinnerte an die Gewalttaten der Rätezeit und erklärte, daß seine Fraktion an dem im Landtag eingenommenen Standpunkt festhalte. Die bürgerlichen Parteien würden deshalb den Sitzungssaal verlassen. Der Stadtrat Scharnagel(Bayer. Volksp.) betonte, daß seine Partei es ebenfalls ablehne, an den Beratungen teilzunehmen. Nach diesen Erklärungen verließen die Bürgerlichen den Sitzungssaal. Der mehrheitssozialistische Stadtrat Hoffmann erklärte, seine Fraktion werde dem Antrag zustimmen, weil sie gegen jeden Ausnahmezustand sei. Auch er wiederholle die Vorwürfe, daß die Regierung dem Preiswucher untätig zusehe und jede Freiheit unterdrücke. Es sähe fast so aus, als ob der Regierung Hungerrevolten er- wünscht wären. Man müsse die Reichsrcgierung auf das Der- halten der bayerischen Regierung aufmerksam machen. Der Kam- munist Weigl erging sich dann in Drohungen gegen die Bürgerlichen. Nach weiteren Ausführungen des Unabhängigen Simon, der sich dar- über beschwerte, daß auch das Mitteilungsblatt seiner Partei unter- drückt worden sei, stellte der Erste Bürgermeister Schmied fest, daß das Haus tatsächlich beschlußunfähig sei. Der Antrag der USPD. geht daher als Meinungsäußerung der sozialistischen Parteien an den Reichspräsidenten und den Reichstag. Matznahmen gegen den Preiswucher. Die sozialdemokratische Stadtratsfraktion hat beim Stadtrat den Antrag eingereicht, es solle unverzüglich mit den Regierungen be- raten werden, wie weitere Preissteigerungen hintanzuhalten seien. Gegen die zunehmende Fälschung und Verschlechterung der Lebens- mittel sei durch eine strenge Kontrolle vorzugehen. Für die minder- bemittelte Bevölkerung seien auf Kosten der Stadt Nahrungsmittel zu beschaffen und zu verbilligten Preisen abzugeben. Ferner wurde beantragt, mit den anderen größeren Städten in Verhandlungen zu treten zur Hintanhaltung eines gegenseitigen Ueberbietens auf dem Lebensmittelmarkt. Kommunistischer Parteitag. (2. Tag. Dormillagssitzung.) Zeno. 23. August.(Eigener Drohtbericht des„Vorwärts".) K r e i b i f ch- Reichenberg begrüßt den Parteitag namens der in Dil- dung begriffenen KPD. der Tschechoslowakei und erklärt, daß die deutsch-böhmischen Kommunisten die Brücke schlagen sollen, von den Reichsdeutschen zu den Tschechen. Die Italiener schickten ein Begrllßungstelegramm. Für das Exekutivkomitee der Moskauer Internationale hält K o l a p o f f eine Rede in russischer Sprache. Er ist beglückt über die gestrige Ausschließung der drei„Renegaten". Ein oppositionelles Flugblatt. Di« Levi-Gruppe hat in der Nacht ein« Flugschrift herstellen lassen mit dem Titel„Einigungs-Reinigungs-Parteitag". In der Einleitung beezichnet Levi das Game als Tohuwabohu innerhalb der Dritten Internationale. Er wiederholt, dag die Märzoffensioe ein katastrophaler Febler gewesen s:i, den man jetzt in einen Fortschritt umlügen wolle. Die anarchistisch-bakunistische Leitung in der BKPD. sei nur in kleinem Grade schuldig. Schuld sei die Abenteurer- Politik des kleinen Bureaus der Exekutive. Der Name Levi sei der Exponent der alten kommunistischen Ideologie. Statt der reini- genden Hinauswerferei sollte man aussprechen, was ist, aber das zu sagen sei Disziplinbruch. In einer Erklärung der gestern Hinausgeworsenen, Kurt Geyer und Bernhard Düwell, wird die Stöckeriche Begründung der Aus- schiießung bestritten und die Ablehnung oder Verschleppung von Ar- tikeln der beiden festgestellt. Ferner legen die Leviten dem Parteitag eine Resolution vor, die den schweren Rückschlaa infolge der März- aktion feststellt, und beantragt, die für die Märzaktion verantwortlichen Mitglieder der Zentral« aus ihren Aemtern zu entfernen und vom Exekutivkomitee der Dritten Internationale zu fordern, daß es erklärt, welche Garantien es zu geben gewillt ist, daß der vom 3. Kongreß oorgezeichnete Weg nicht oerlassen werde. In dem Verhalten des Exekutivkomitees zur italienischen Partei nach dem Kongreß sehe man neuerdings die Gefahr eines solchen Abweichens. Die Flugschrist enthält noch die Artikel„Schuldige als Richter" von Kurt Geyer und„Rädel als Steuerfachmann" von Bernhard Düwell. Referent Ernst Meyer verliest den schriftlichen Bericht der Zentrale und ergäntt ifrn dahin, daß es größtent>?ils gelungen sei. die Arbei'slosen der KAPD. zu entziehen. Der„Osfene Brief" sei nicht durch genügende Propaganda vorbereitet worden, so daß er als ein Trick wirken konnte, um rasch breit« Massen zu sammeln. Die Partei hatte wieder- holt zu kurzen Atem bei der Vorbereitung ihrer Losungen bewiesen. Auch sei der„Offene Brief" kein Mindestprogramm der Partei. Die Bombenattentate und Eilenbahnfreoel im März der Partei zur Last zu legen, sei Verleumdung. Der antiputschittische Geist hatte den Spartakusbund wiederholt lahmgelegt, so in der Kapp- Woche und beim russisch-polnistben Krieg. Den illegalen Appa- rat der USB. babm wir größtenteils übernommen. Er war aber in wertlose Spielerei ausgeartet. Auch bei uns ist das ..revolutionäre Mittel" überschätzt, vielfach als Generalstreik ver- standen worden usw. Auch überschätzen wir unsere Kraft und unterschätzen die der Geoner. Osfensioe bedeutet nicht immer Generalstreik, sondern«ine orößere Lebendiokeit in der Tagesarbeit. Gegenüber der Straflosigkeit der Kapp-Rebellen und der Mörder deiusctzer Arbeiterführer und Arbeiter rufen wir: Heraus mit den nolltjfchen G-iangen-n. Wir anerkennen den revolutionären Mut von Hölz. Wir verurteilen es, daß er stch abseits gestellt hat und allen unler-n Derb'ch-n. mit ihm Verbindung zu bekommen, ausgewichen ist. Seine Mo'iv« stnd nicht die unseren, aber damit rücken mir nicht von ibm ab. Die Verständiaimo mit dem verhafteten Brondler war erschwert. Gegenüber dem Gericht hätte er aggressiver austreten müssen. Manches>n leinen Reden entspricht nicht der Auf- kaslung der V KV D. In der Diskussion betont� S ch m i d t- Lsannover. Tratzkis Moskauer Konareßrede sei rein ibeotoeisch aemesen. Ans dm debnbaren Moskauer Tl?e'en müsse die VKVD. den Wink entnehmen, sich als Massenpartei an die Spitze des Proletariats zu stellen. B e ck e r- Hombura kritisiert aleichsolls Trobki und die Tbesen. Der nächste Redner ist der blind« Dichter Schönlant- Halle, der auf die Tribüne geführt wtkd. Er warnt vor Vppvrtuin-inu» und KAPD.-Einstellung. Der erste ist gestern erledigt worden.(Oho!- Rufe.) Je schärfer wir die Rcchtstendcnzen ausmerzen, desto weniger wird es eine KAPD. geben. Die Fehlerquelle in Mitteldeutschland war. daß man glaubte, ohne Waffenanwendung die Macht erringen zu können und daß man zwar den schönsten Organisations- apparat, aber nicht den revolutionären Geist hatte. F r i e s l a n d- Berlin wendet sich gegen die Kritik des Mos- kauer Exekutivkomitees an den Berlinern. Cr weist den Vorwurf zurück, daß„Schreihälse" in Berlin führen. Berlin habe zuerst B e- denken gegen die Märzaktion erhoben. M a l t z a h n(Eewersschaftszentrale) erklärt namens der oppo- sitionellen Delegation in Moskau, daß durch die von ihm gebilligten Kongreßbcschlüsse die Parkelkrise noch nicht beendet sei. lUnruhe.s Dazu gebärt eine geistige Umstellung von der falsitzen Olfensivtaktik weg, die zur Märzaktion geführt hat und die der Kongreß verurteilt hat Zu dieser Umstellung e- hört guter Wille und Selbstvrüfung. Ob dieser Wille auf dem Partei- tag vorhanden ist, b e z e! f l e ich.(Obo-Rufe.) Das beweist die Re- soluiion der sogenannten Linken zum Weltkongreß, die die Kongreß- belcklüsse anerkennt, ober die Offensivtaktik wieder ein- schmunqeln will. Die Ueberradikalen(Odo!) lassen Trotzki saoen: Wir müssen bis 1924 warten. Das wäre ganz gut. da find wir etwas älter und vernünftiger.(Heiterkeit u. Unruhe.) Thesen- b a u e r brauckien wir nicht mebr. Da wäre es besser, wir«singen wieder mit Paß und Visum nach Moskau.(Große Heiterkeit.) Lenin und Trotzki saaten, daß wir mindestens die Mehrbeit des Industrie- Proletariats und die Masse des ländlichen Proletariats haben müssen. (Lebhaste Rufe.) Jedenfalls bekommen' wir die nicht durch das verrückte Geschrei der„Roten Tahne" vor der Märzoktion. das die Arbeiter ranpeitscht an lhre Siblächter, sondern durch die Gewerksctzaftsarbeit, die manche Genossen abwürgen wollen(Große Unrube) und die allein uns das Der- trauen oewinnen �ann.(Teilweiser Beifall.) S t 3 ck e r verliest die bereits erwähnte Erklärung Kurt Geners und Bernbnrd Düwells, die ssch gegen Stöckers Begründung der Ausschließimg richtet. Stöcker sagt dazu, daß Gevers Erklärung leine— Stöckers— Angaben bestätige(?). Aus tecknischcn Gründen konnten Artikel von Gener, aber auch von Tbalheimer in die Parteitaasnummer der„Internationale" nicht aufaenommen werden. Diese Nummer ist überhaupt noch nicht erschienen. Auch Düwell? Beschwerde sei unberechtigt. Die Mitarbeit an„Unser Weg" sei ein unerhörter Disziplinbruch und man werde sich nicht länger mit Er- klärvnqen abgeben. Die Niederschönenfelder Festunasgefangenen Ichickten ein Be- grüßungsschreiben. Nach dessen Verlesung tritt Mittagspause ein. Nochmittagssitzung. In der weiteren Diskussion wiederbolt sich die Kritik an TrohNs Moskauer Referat. N e u m a n n- Berlin(Gewerkschastszentrale) spricht im Sinne Malzahns aegen die Ofstnlivtaltik. Es ist nicht wahr, daß die Partei die Lehre aus der Märzaktiau gezogen hat, und es ist eine Geschichtsklitterung, wenn die Zentrale sagt, daß das Auftreten der Levigruppe verhindert babe, diese Lehre zu zieben. Es kann jeder austreten und rufen:„Heraus aus den Gewerkfchasten, wir können sie nicht erobern!"(Widerspruch.) Der Weltkongreß hat uns nervflichtet, in den Gewerkschaften zu bleiben. Die Zentrale darf solche Treibereien nicht dulden. Die Parteikrise ist noch nicht überwunden. In Zukunft darf nicht mehr die Parole des bewaffnete« Ausstcmdes an die Spitze der Aktion gestellt werden. Der Gesundungsprozeß muß durchgeführt werden. Si ew ert-Ehemnitz: Wenn uns die Moskauer Ttzesen wirb- tiger erscheinen als die Kritik der BKPD.-Zentrale, so darf sie darum nicht glauben, daß die Mitglieder mit ihr vollauf zufrieden sind., Bei uns fürchten sich viel zu viele vor dem Wort„Opportunismus". — Des Redners Mitteilung, daß eine Artikelserie im Cbem- nitzer Parteiblatt, die im Sinne des„Opportunismus" gehalten ist, Vrandler zum Verfasser hätte, erregt lebhafte Unruhe. T hä Im ann-Hamburg: Wir Arbeiter konnten in Moskau mit den Tbeoretikern nicht Schritt balten. Aber die Offensiv- t h e o r i e gewisser Mitglieder der Zentrale machen wir nicht mit. Ich freue mich über die Kritik an dem ideologischen Referat Tratzkis, an dem Theoretiker nichts auszusetzen hatten. Nicht verstehen werden es die Massen, daß von Moskau drei Briefe mit ganz verschiedenen Auffassungen— E. St., Lenin und Nadek— an uns gerichtet werden. Wen soll man denn da verprügeln? Also weniger Theorie und mehr praktischen Kamvf.(Beifall.) Klara Zetkin: Nein, nicht weniger, sondern besser theoretisieren. In der entscheidenden Zentralausschußsitzung sagte ein Befürworter der Offensivtheorie: Wir wollen uns das Gesetz des Handelns nicht von den Gegnern vorschreiben lassen. Diese selbstbewußte Partei soll ssch einmütig fühlen gegenüber der Kritik an der Märzaktion? Diese Kritik galt nicht der Partei, son- dern ihrer Zentrale. Diese revolutionäre Offensivtheorie kam am Beginn der Märzaktion, und um sie zu unterbinden, hat die Zentrale ihre Macht gebraucht und sogar mißbraucht und ihre heutige Resolution behindert die volle Ausnutzung der Maskauer Ergebnisse. Trotz ollem ist die Märzaklion ein Fortschritt gewesen, soweit sie ein Aufbäumen der Arbeiter gegen die Passioi- tat, gegen den alten sozialdemokratischen Drill zum Verzicht au? „ungesetzliche" Mittel war. Man kann nicht sofort aus dem Bor- zimmer der Propaganda in die gute Stube der revolutionären Aktion treten. Organisation und Aktivisserung gehören gleicher- maßen dazu. Die Parteileitung ober erklärte als Gesetz dieser Partei, die Märzaktion sei nur der Anfang der Offensive, die bereits in ihren Grundzügen vor der Provokation hörssngs flx und fertig war. Die Masse und die Verhältnisse müssen reif fein für die Re- volution. Die Massen fühlen, daß die Masse der deutschen Arbeiter die Revolution n o ch n i ch t w i 11, wir müssen sie d azu bringen. Wir wollen den Kapitalismus nicht wieder aufrichten. C a n t o r- Oberschlesien(Pole) begründet eine dritte Resolution neben denen der Zentrale und der Linken. Müller- Braunschweig weist gleichfalls auf die drei ver- slhicdenen Meinungen der Briefe von Moskau hin. Da sei es freilich schwer, sich eine Meinung zu bilden: Frau Wagner: Die Fehler der Märzaktion hätte man früher aufdecken sollen. Es ist falsch, aus der Krise einen JJall Levi zu machen, diese beruht auf prinzipiellen Gegensätzen.(Sehr richtig!)» Braß- Remscheid: Zur Beurteilung der„Ofsensivtaktik" mußte eine geschlossene Partei auch schon vor dem Wellkongreß kommen und durfte nicht durch Unterdrückunasmaßnahmen der Zentrale sich daran hindern lassen. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wer das Vertrauen der Masse bat. Weiterberatung Mittwoch 9 Uhr. Zusammentritt des Preußischen Landtags am 28. September. Wie die„PPN." an zuständiger Stelle hören, wird der Preußische Landtag, dessen Hauptausschuß bereits am Dienstag feine erste Sitzung nach den Ferien wieder abgehalten hat, am Mittwoch, den 28. September zusammentreten. Die Russen auf dem Internationalen Genossenschaftskongreß. Der Internationale Genosscnschastskongreß hat in der Frage der Zu- lassung der russisltzcn Deleoierie» mit 733 gegen 474 Stimmen ein« Resolution abgelehnt, die die Entscheidung über die Frage der Zu- lasiung binausschieben wollte. Dementsprechend wurden die russischen Mandate als zu Recht bestehend anerkannt. GsVerLschostsbeWegung An die freigewerkschaftlich organisierte« Arbeiter! Au? dsr Gewerkschofiskommission wird uns geschried««: Die Eewerbegcrichtswahlsn'ur die Arbeitnehmerbeisißer sind vorüber.?n den sosiolisiischen Ta�es�eiiungen haben Gewerk- lcbaftskonnnisston und Afa»Bund(Ortskartell Vrosi-Berlin) wiederholt mr Wahl der List« der sreien Gewerkschaften aufaeriisen. Die Ein- rtcktuna der Gewerbeaerlchte ist für die Gesamtheit des Prole- tariats von aroster Wichtiateit, werden sie doch als Einiflunqsinston� onasrulsn und sollen sie bei gewerblichen Streitigkeiten schnell und sachverständig entscheiden. Es muhte also alles getan werden, um die Liste der Vertreter dar freien Gewcrllcha'ten zum S>eg zu führen, denn nur die freien Gewerkschaften sind Gegner der kapitalistischen Wirtschastspokitit und führen den Kamns asoen das Kapital. N?i der einschneidenden Bedeutung de? Gewerbegerichte für dos pewert''cl>astliche Leben muhte die kreigewerktchastlich organisierte Ar- beitsrichaft olles daranlshen, auch hierfür ihren Einiluh gestend zu machen. Mit zäher Energie muß sie überall eindringen und alle Airivoost>?n besehen. Da führt ein Beniner Blatt, das. es muß leider festgestellt werden, in freipewerkschg'tlichen Arbeitertreisen noch«ine reichliche Leserichast hat, aegen diese Bestrebungen einen derben Schlag. In der Morgennummer der„M o r g e n p o st" vom Sonnabend ist ein halbseitiges Inserat des Nationalen Gewerkschaftskartells aufae- nommen, in dem für die List« der..Gelben" Stimmen geworben werden. Ein Blatt, das sich stets den Anschein der„Arbeiterfreund- lichkeit" zu neben versucht, schädint hier die Interessen der freigewerk- fchastlichen Arbeiter aus das gröbste. Es-eint sich, wie schon so oft, daß bürgerliche Blätter, welchen Schein sie auch immer vortäulchen, für!»i« Interessen der f r« i qew e r k s cha f tl i ch en Arbeiter nicht das ge> ring st e Berständnis haben. Durch die Aufnahm« von Infe- wsten der gelben Organiiationen, die den Betl-eiungskompf des Prole- tariats b-mmen. demaskieren sich solche Blätter und enthüllen ihren wahrm Charakter. Diese Blätter müssen daher samt und sonders aus dem proletarischen chaushalt verschwinden: für sie darf kein freigewerkschcftlich oraanisi-rter Arbeiter Geld übrig hoben. Wir fordern untere Mltasteder auf, nur die Presse zu lesen, die ihre Interessen wahrnimmt, die Press«, in der sie alles finden, was sie mit ihrer Klasse und mit dem g e w e r k» fchaftllchen Leben aufs engste verknüpft. Hierkür kommt nur die Presse der sozialistischen Parteien in Frage. heraus mil ollen anderen �eitnvgen! Lest die sozialistische Presse! Achtung, Kanfmannsgerichtswahfen! Am Sonntag, den S8. August, in der Zeit von st— 5 Uhr, finden kn der Stadtgemeinde Berlin di« Mablcn der Beisiher zum Kauf- mannsqericht aus dem Kreise der Handlunosgcbilsen statt. Wohl- berechtiat ist seder männlich« und weiblich« hondlungzaehiss«. der in Grofi-Berlin beschöftiat ist bzw. wobnt und am Tag« der Wahl des 20. Lebensiahr vossendet bzw. überschritten bot. Für die Ausübunq des Stimmrechts ist die Beibringung einer Bescheinigung des Prinzipals oder der Posizeibsbörds erforderlich, aus der hervorgeht, daß und wo der Betreffende als Handlungsgehilfe beschästiqt ist. Erwerbslose handlungsaehllsen müssen etne Bescheinipung der Polizeibehörde beibringen und einen Ausweis darüber, daß st« zisseßt als handlungsaehllsen tätig waren. Sie sind stimmberechtigt, sofern sie am 18. Juli d. I. nickt länger als(5 Monate erwerbslos waren. Alle handlnngsgehissen. denen an einer sozialen Rechtsprechung ge- legen ist, geben am 28. August ihre Stimme der Liste Zenkralverbaud der Avzeslellken sAfas. Die Wahlen dar Arbeitgeberbeisißer finden am Freitag, den 28. Auoust, in der Zeit von 0—5 Uhr, statt. Sozialistische Arbeitgeber geben ihre Stimme am Wahltag« der Liste Freie Ardeitgeber. Die Lohnforderungen der Hochbahner. Da« Verkehrs- und technische Personal der Berliner Hochbahn nahm in einer sehr stark besuchten Bollversammlung im großen Saale der Bockbrouerei Stellung zu der erneut einsetzenden ungeheuren Steigerung der gesamten Lebenshaltung. Genosse Alexander Stein dielt als Einleitung ein Referat Über die Verelendung der deutschen Arbeiterklosse. Er fand aufmerksame Zuhörer und nach Beendigung seines Referats großen Beifall. Dann gab der Vorsitzende des Betriebsrotes unter besonderer Berücksichtigimg der niedrigen Löhne, die im Jahre 1016 56,0 Pf., 1917 79,6 Pf., 1918 120,5 Pf und bis in die heutig« Zeit laut Ge- schästsbcricht gezahlt wurden, als die Industrie schon drei- bis fünf- mal höhere Löhne zahlte, und die somit zur allmählichen Derelen- dung der gesamten Angestellten und Arbeiter der Hochbahn führten, die Forderungen bekannt. Das Verkehrspersonal fordert für Zugfahrer, Weichensteller, Zugbegleiter, Blockwärter monatlich 1550—1600 M., für Schaffner 1530— 1580 M.. für Fahrkartenverkäuserinnen 1270—1320 M.. für sonstige weibliche Kräfte pro Stunde 6,00— 6,30 M. An sonstigen Zulagen wird monatlich verlangt: für Zugfahrer, Weichensteller, Begleiter. Blockwörter 52 M., Fimttionszuloge 26 M., Älejdergeld für alle Derkehrsangestcllten 50 M. und Kindergeld pro Kind 90 M. Das technische Personal fordert für Handwerker 8,20 M. pro Stunde, für Angelernte 8,00 M.. für Ungelernte 7,90 M. und für Nachtarbeit einen Zuschkaq von 60 Pf. pro Stunde. Nach einsühriger Beschäftigung erhöhen sich die vorerwähnten Löhne um 10 Pf. pro Stunde. Außerdem eine Kindcrzulage von 90 M. monatlich. Nach reger Aussprache, in der das Wohlleben und der über- bandnehmende Luxus der besitzenden Klassen kritisiert und die ein- seitigen Maßnahmen der Regierung für die Besitzenden und gegen die Arbeiter aus? schärfste gegeißelt wurden, beauftragten di« Ver- sammelten die Gewerkschaften und Betriebsräte, ihre Forderungen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu vertreten. Um nicht der gänzlichen Verelendung onheim zu fallen, soll auch vor dem letzten Mittel nickt zurückgeschreckt werden. Eine stürmische Tachdeckerversammlnng. In der Versammlung am 21. Nugust berichtete A I t h a n S ützer den V-rlaut de? GauiageS. Zu einer lebhaften Slu-einandersetzung mit den Aiihängern der Kommunisten kam ti o«(b in dieser Ber- saminlung, weil sie wiedeium versuibten» die Tatsaäden aus den Koos zu stellen und sie muhten sich gefallen lassen, daß ibnen von Görnitz. Altbau» und Stolz cnbain die Wahrheit gesagt wurde. Bei der Stellungnahme zur BeitragSkestsetzung wurde beschlossen, den Berbandebeilrog auf S M. zu etböften Der erhöhte Beitrag ist von der 36. Beitragswoche ab zu bezahlen. Ebenfalls würbe aurti die Aufssellung der Kandidaten zum BerbandSlage vorgenommen. Aufgestellt wurde«Ithau«, Stolzenhain. Trümper, B i f ch o t f, S ü ck. K u S k e. Furt,«. Die Wahl der Delegierten fall am 10. September in den Zahlstellen erfolgen. Auf Antrag Görnitz wurde auch beiiblossen, den Bovkott über den .Borwärt«" aufzubeben und diesen wieder kür Bekanntmaöbungen aller Art zu benutzen. Recht bezeichnend war hierbei die Haltung der Kommunisten, sie traten ziemlich einmütig diesem Beschluß bei. Auch KuSle hafte als Koinmunist für diesen Antrag gesprochen. Stolzenhain forderte zu reger Beteilsgung an den Sammlungen für die Rnhlandbeihilfe auf und ersuchte, zu diesem Zweck nur die Listen zu benutzen. die von der Gewerk ichastSkommiskion heraus- gegeben wurden. Ebenfalls iorderte er die Kollegen auf, sich recht rege an den BortragSlurfen von der BelriebSrätezentrale zu beteiligen. Leider kam e« am Schluß dieser Bersanrm- lung wieder zu einer kleinen Radauszene. Von den Kommunisten wurde in recht provozierender Weiie die GeichäftStührunq de» Vorsitzenden Stolzenhain bemängelt. Der Vorsitzende fragte nach den bekanntaegebeneu Mitteilungen, ob noch ftmand etwas anzuführen habe. ES meldete sich niemand. Ais der Vorsitzende darauf die Beriammlung für geschlossen erklärte, entstand großer Lärm. Es gewinnt den Anschein als ob die Kommunisten mit Bedacht darauf hinarbeiten, den Vorsitzenden Stol-enbain von seinem Vosten zu verdrängen. Wollen sich die Dachdecker Berlin» aegen unliebsame Zwischenfälle schützen, dann haben sie di« Pflicht, in allen Ver- iammlungen immer vollzählig zur Stelle zu sein und in ent- schiedener Weile gegen daS anmaßende Auftreten der Kommunisten Front zu machen._ � Noch keine Einigung! Die am Montag zwischen der Reglerung und den Spißenorgani. sationen unter dem Vorst!, des Reichskanzlers Dr. Wirth gepflogenen Verhandlungen, über d,e Erhöhung der Beomtengehälter und der Arbeiterlöhne wurden am Dienstag fortgefetzt, führ- ten aber noch nicht zum Ziel. Zwischen den Auffassungen der Der- treter der Beamten und der A-chefter einerseits und den Vertretern der Regierung andererseits bestanden wesentlich« Differenzen. D>e Verhandlungen wurden daher unterbrochen, um sowohl der Reichs- regierung Gelegenheit zu geben mit den Parteiführern Fühlung zu nehmen, als auch um es den Vertretern der Organisationen möq- iich zu machen, weitere Orgonisationsvertreter heranzuziehen, heute soll zunächst ein Kabinettsrat stattfinden, worauf weitere Vorhand- lunaen enolaen werden. Die Regierung ist bemüht, eine Einigung herbeizuführen._ Generalstreik in Kiel. Die Verhandlungen zwischen dem Ortsausschuß de? Allgemeinen Deutschen GewerkschaftSbuvbe« und dem Bund der Arbeitgeber über die Bemesiuna der DeueriinoS,»logen lstr d>« in den Kleinbe. Angestellte der ttunst- und Bauschlessereten: Freitag 7 Übt in den Sovhien-LSlen, Sondturslr. 17:19 sHochzeit-soall, Lersavlmlllng siimUickxr Angrilellten der obigen Branche, die in Afa-Berdänden organifiert find. Di« kitindigung des Tarisuertragri. Transvortardeitcroerbnud. Elevrodrokchkeufllhrer: Niiiwoch nachmiitos» 5H Uhr und Donncreiaq morgen,« Uhr Im Lokal von Lemke(tzich. Breitach, vessifchl Str. 12. Ecke Hannoversch« Sirahe, 2 groß« Versammlungen. Togeo- ardnung: Stellungnahme zum neuen Lohniaris.— Rollkuischer: Donnerstag * Uh: bei Borker. Weberstr. 17, Versammlung. Bericht Uber uns«« Tarifver- Handlung.— Holzpladarbeiter, Brottertriiger und tlutscher: Donnerstag 7 Uhr im englischen Hof, Alr-andcrllr. 27«, Branchenoersammlung. Stellungnahme zur Torifkundlaung. Z-utralverdand der Maschinisten und Heizer, Seschösizsielle Sroh-Verltn. Sonniaa, den 28. August, vormittag» 9 Uhr, l>«i Schutz, Am SSnig, graben I, Vallver/ammlung aller Maschinisten, Heizer und Bernfagenossen der Metall. industrie. Tagesordnung:..Do» neue Angebot der Meiallindustrie". Wir ver- langen, daß jeder ttollege anwesend ist, da wichtig« BeschlLss« gefaßt werden.— Die Branche nleiiung. Deutscher Holzarielterverband. Holzrahm rn- und Goldletsten-Vranchet» le in obiger Branche BeschSsiigien sind vi sammlung zu erscheinen. Als L-aiiimailon gelten die "" d der Särtuee und SSrtnereiarveiter. ss faffung. Alle �erban� der Särtuee und chZrtnereiariielter. Freitag, abend» 7 Uhr, in Schulz' Festsillen, Berlin, Am stSnigsgroben 2, Gruppe Ä« sind oerpslichiet, in dieser Ver- '' Milgli-dobllcher. tag, den 28. August, meindearbeiier: Branchenoersammlung für Graß-Berlin. Die wichtige Tage», ordnung erfordert pünktliche, und vollzähliges Erscheinen. Beranimorillch für den redakt. Teil:«Iktae«chiff. Berlln; für«»zögen: XU.«I» SS Schachtel M.S.-. In Apothckrn». Drogerien erhältlich. Kaufe ständig zu höchsten Preisen Gold- fiatin- Silber- M Jlünzen f Meuhaus, RoBstr. 8~■e Einkauf aar Im Laden, nicht Im Ho) BedsuteRdster Crem markt des Gütern Gültigste Ci RkaufsgelcgeRheit Kriegsanleihe wird zu 84% in Zahlung genommen. Während der Renovierung Sonderverkänfe nur Tormittags von yO-tö Ohr Sportjacken 1�; 40.- Beine Wolle n. Ennstseid. 143.- Covercoatmäntel 176.- Seidengl.-Popellnenmäntel 148.- Schwarze Ennstseid. 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