Nr.ZHS» ZS. Jahrgang Ausgabe 83 Nr. 197 Bezugspreis, WertellährUZo.— M.. mona».«>,— M. frei ms!?!IUS. ooraus zahldar Polt. bezug! Monatlich 10.— M. einfchl. Zu- ftcllungsqebüiir Unter Kreuzband nir Deutschland. Danzig. das Saar» und Memelaediet, sowie die ehemals deut- fchen Gebiete Polen» Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 2V,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tscheche- Slowalei. Däne» Marl, Holland. Luremburg. Schwedeu und die Schweig. Der„Porwarls" mit der Sonntagsbeilage„Voll und Zeir'. der Unter» Hallungsbeilage„Heimweit* und der Beilage„Siedlung und Kletngarteir' erscheint wochentäglich zweimal. Eon» tag» und Montag» einmal. Tel egramm» Adresse i .SojialOcinottal BetUn" Abend Ansgabo Derlinev Volksblstt ( 20pfsnniz� Anzeigenpreis, Dt» achtgespalteni NonpareUlezril, lostet dchv M �Kletno Anzeiger»— da, fettgedruckt» Wort Ichv M. lzo- lässig zwei fettgedruckt« WoNes, fede» weiter,«ort l,- M. 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Es wurde zugegeben, daß die Verhandlungen aus Ersudjen der Vereinigten Staaten geHelm geführt werden, und hinzugefügt, dah die Regierung der Vereinigten Staaten nicht der Ansicht sei, dah solche Verhandlungen öffentlich In vorleilhafler Weise geführt werden könnten. Eine endgültige Verlautbarung könne, so wurde mitgeteilt, vor dem Wochen- ende erwartet werden. Nach einer Pariser Meldung von„Est Eurvpe" wurde der„Chicago Tribüne" aus Washington telegraphiert: Nach einer Kabinetls- iitzung wurde gestern die erste autoritative Erklärung bezüglich der Natur der Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland abgegeben. Es wird bekannt, daß ein vollständiger Arle- densvertrag zu erwarten sei, der alle Maßnahmen für die Wieder- aufnähme normaler Beziehungen zwischen den beiden Völkern voraussehe. Die amerikanische Negierung ist nicht g e« n e i g t, sich um die Kritiken zu bekümmern, die erhoben wurden, weil die Verhandlungen mit Deutschland geheim geführt worden seien. ttach öer spanischen Ablehnung. Paris, 23. August. swTB.) Die Agence haoas vcröfsenl- licht folgende Erklärung: Welches auch die Beweggründe gc- resen sind, die Qulnones de Leon veranlaßt haben, die Bericht- evstallung über die oberschlesische Frage abzulehnen, sie können in keiner Weise die Prüfung der Slreiifragc irgendwie v e r- z.Sgern. Es Ist überflüssig zu erklären, daß noch keinerlei Entscheidung über die Wahl eines Nachfolgers getroffen widen ist. Jeder Name, der im Augenblick hierfür genannt werden i?!e, kann nur reine Erfindung sein. In diplomatischen Kreisen i.'iärt man, daß Vicomte Jshii die Ablehnung von Qulnones de Leon nicht als endgültig betrachtet. Paris. 24. August. fWTB.) Wie der„Petit Parisien" mit- teilt, ist noch mehreren Besprechungen zwischen den in Paris an- wcscnden Mitgliedern des Völkerbundes ein Schritt bei Quinones de Leon unternommen worden, um ihn zur Zurücknahme seiner Ablehnung zu veranlassen. Ueberraschung in Paris. Paris, 24. August.(WTB.) Wie der„Matin" meldet, hat die Ablehnung des Berichterstatteramtes durch den spanischen Botschafter eine große Uebcrraschung hervorgerufen. Es scheint sicher, daß die neue spanische Regierung ihrem Botschafter den k a t e g o r i- schen Rat gegeben Hot, sich nicht allzu aktiv in die Rege- lung des oberschlesischen Problems zu mischen. Der„Matin" be» furchtet, daß diese Ablehnung das Programm der Genfer Sitzung stören könnte. Ein neuer Berichterstatter fei amtlich noch nicht in Aussicht genommen. London, 24. August.(WTB.) Der diplomatische Berichterstatter dcs„Daily Telegraph" schreibt: Die auf Beranlossung der spanischen Regierung erfolgte Weigerung des Senators Quinones de Leon, das Amt eines Berichterstatters für den Völkerbund in der ober- scdi'esischen Frage zu übernehmen, ist außerordentlich be- dauerlich. Die Ablehnung ist wohl auf die üblen A n d e u- tun gen zurückzuführen, die in der deutschen Presse(?) be- züglich der mutmaßlichen Haltung des spanischen Diplomaten er- schienen sind und die die französische Presse zu scharfen Aeußerungen veranlaßt haben. Die spanische Regierung be- fürchtet anscheinend, daß sie sich durch eine Beteiligung an der ober» schlestschen Grenzziehungsfrage Feindschaft zuzieht. Der Bericht- erstatter des„Daily Telegraph" weist darauf hin, daß infolge der Weigerung des spanischen Vertreters im Völkcrbundrat nur noch zwei Mitglieder vorhanden seien, die in der Lage seien, die unparteiische Stellung eines Berichterstatters zu übernehmen, nämlich der belgische(I) Vertreter und der Brasilianer da E u n h a. Wir haben in unserer heutigen Morgenausgab« die Ansicht ausgesprochen und begründet, daß der belgische Ver- treter diese unparteiische Rolle nicht spielen kann. Von „üblen Andeutungen" in der deutschen Presse über den Bot- schgfter Quinones de Leon ist uns nichts bekannt. Indessen ist es klar, daß der Pariser Botschafter einer fremden Macht — gleichviel welcher Macht— als Berichterstatter des Vötkerbundrates in eine recht heikle Situation geraten wäre, zumal die französische Presse sehr leicht dazu neigt, jeden Menschen, der nicht den französischen Standpunkt vertritt, zu beschimpfen und zu„verdächtigen". Und das dürfte eben der Grund sein, weshalb sich Quinones de Leon„krank ge- meldet" hat. � Lturti Jshii will den Vorsitz niederlegen? London. 24. Auaust.(TU.) Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" zweifelt daran, daß der japanische Dele- gierte beim Völkerbundrat, Graf Jshii, als Vorsitzender bei der Be- Handlung der oberschlesischen Frage auftreten wird. Er meint, daß die Rolle des Präsidenten dem jungen begabten chinesischen Gesandten in London, Wellington Koo, zufallen wird. Um öi'e Sanktionen. Köln, 24. August.(WTB.) Der Wirtschaftsausschuh des besetzten Gebietes hat in seiner heutigen Bollversamm- lung, die von Bcrtretern der Industrie, des Handels, der Landwirt- schaft und des Handwerks vollzählig besucht war, zu der Note des Obersten Rates über die Aufhebung Ver Sanktionen wie folgt einstimmig Stellung genommen: Der Wirtschaftsausschuß legt aufs schärfste dagegen Verwahrung ein, daß der Oberste Rat in seiner Sitzung vom 13. August nicht völlige Aufhebung der mit dem Friedens- vertrag und der Annahme des Londoner Ultimatums u n v e r e i n- baren Sanktionen beschlossen hat, sondern nur die Wirtschaft- l i ch e n Sanktionen und diese nur unter neuen schweren Be- dingungen aufheben soll. Das besetzte Gebiet mutz eine r e st- lose Aufhebung aller, auch der drückeudeu militärischen Sank- tionen fordern. Mit den an die teilweise Aufhebung geknüpften B e- dingungen kann sich der Wirtschaftsausschuß unter keinen Umständen einverstanden erklären. So schwer alle Wirt- schaftskreise, Unternehmer wie Arbeiter, im besetzten und im freien Deutschland unter der Zollgrenze am Rhein leiden, so er- fordert doch das Gesamlinteresse der deutschen Volkswirtschaft, daß wir nicht zu Maßregeln unsere Zustimmung.geben, wie sie in der Note des Obersten Rates enthalten sind. Die dort geforderte i n t e r- alliierte Kontrolle der Ein- und Ausfuhr und die Gut- h e i h u n g aller auf Grund der Sanktionen im besetzten Gebiet ge- i schehenen wirtschaftlichen Maßnahmen räumt den Alliierten dau- � crnde Einflüsie auf die deutsche Wirtschaftspolitik ein, die im Frie- ! densvertrag keine Grundlage finden und zu unerträglichen und mit ! der Selbständigkeit des Deutschen Reiches unvereinbaren Eingriffen ! führen werden. Der Wirtschaftsausschuh richtet daher an die Reichs- regierung das dringende Ersuchen, die geforderten Bedingungen a b- z u l e h n e n und Verhandlungen nur im Sinne völliger Besei- tigung der Sanktwnen zu führen. « Der betreffende Wirtschaftsausschuß ist lediglich eine Zu- sammenfassung der Unternehmer organisationen.- Dies festzustellen ist notwendig in Anbetracht der aufgeregten Ton- art dieser Kundgebung und weil durch eine Stelle der Re- solution der Anschein erweckt werden könnte, als wären auch die Interessen und Ansichten der Arbeiterschaft in diesem „Wirtschaftsausschuß" vertreten. Ueber den vertagswidrigen Charakter der Sankttonen be- stehen im deutschen Volke ebensowenig Meinungsverschieden- heiten, wie über deren folgenschwere Nachteile für das Wirt- fchaftsleben der besetzten und unbesetzten Gebiete. Deshalb sind auch wir Sozialdemokraten für die r e st l o s e Aufhebung aller Sanktionen. Das gestern noch verl>ängte Verbot un- seres Duisburger Parteiorgans, der„Volksstimme", durch die dortige französische Besatzungsbehörde— das übrigens gerade wegen des Abdruckes eines Artikels über die Frage der Sank- tionen erfolgte— ist ein neuer Beweis dafür, daß die sozial- demokratische Arbeiterschaft in der Verurteilung der Sank- tionen hinter keiner anderen Richtung zurücksteht. Indessen muß man sich sehr überlegen, ob der vom Wirt- schaftsausschuß geforderte Weg der schroffen Ableh- n u n g der in Briands Begleitschreiben mitgeteilten neuen Bedingungen der richtigste und- zweckmäßigste ist. In den gegenwärtigen Zeiten muß sich die deutsche Außenpolitik in den meisten Fragen auf den Grundsatz des„kleineren Hebels" einstellen. Und darüber besteht wohl kein Zweifel, daß die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen selbst unter den durch den Obersten Rat formulierten Bedingungen das kleinere Uebel im Vergleich zu der weiteren Aufrechterhaltung der drückenden Zollinie am Rhein bedeuten würde. Dies auszusprechen halten wir um so mehr für unsere Pflicht, als wir in der„unentwegten" Kölner Kundgebung einen Versuch reaktionärer Unternehmerorganisationen erblicken, eine„Nie- mals!"-Strömung künstlich zu erzeugen und damit im Inter- esse der Agitation der Rechtsparteien, die hinter den Unter- nehmerorganifationen zu stecken pflegen, der Reichsregierung Schwierigkeiten zu bereiten. Serrati gegen Moskau. Rom, 23. August. In Beantwortung eines Aufrufes der Mos- kauer Exekutive, der das italienische Proletariat vor das Dllemma Moskau oder Amsterdam stellt, veröffentlicht Serrati eine Erklärung, die nach ihm von allen Mitgliedern der Partei- leitung gebilligt worden ist. In dieser greift er die Kommunisten an und sagt, in Moskau gebe es nur Russen und ganz geringe Minderheiten von N a t i o n e n z w e i t e n R a n g e s, die vnn ihren eigenen Organisationen verleugnet würden. Die italienischen Sozialisten seien der Ueberzeugung, daß man den Arbeitern die volle Wahrheit sagen müsse. Serrati erinnert an die oon Myskau gegebenen unerfüllbaren Versprechen, darunter an dasjenige, daß Ruhland das revolutionäre Italien mit Lebensmitteln versorgen würde. X Sowjetkapitalismus. Von Paulus Frey. Eigentlich müßte die Ueberschrift lauten:„Wiederaufleben des Handels mit Rußland", denn zurzeit wird sehr wenig von dort exportiert, während der Import, besonders durch aus- ländische Bestellungen der Sowjetregierung sichtlich wächst. Lenin hat zum Eingang seiner Pläne zurückkehren und den Handel wieder freigeben müssen. Das bolschewistische Ge- wallexperiment hat nicht Segen und Ruhe, nicht die Befreiung des Proletariats, sondern Niedergang und Ruin in Rußland gezeitigt. Krassin trägt sich mit dem' Gedanken, eine Sowjet- dank in London zu gründen und durch dieses Institut eine internationale Anleihe für Rußland von, wie es heißt, nicht weniger als 300 Millionen Pfund Sterling auszuschreiben. Schon heute hoffen deutsche Großindustrielle, daß ein gut Teil dieses Geldes später für russische Aufträge in ihre Taschen fließen wird. Man kann heute wohl feststellen, daß unser mit Rußland getroffenes Handelsabkommen noch keine großen Beränderun- gen in dem gegenseitigen politischen Verhältnis hervorgerufen hat. Vielleicht wird die nunmehr unternommene Hilfsaktion zu einer besseren Berständigung führen. Das wäre wohl zu wünschen, denn unser Uebeisseehandel wird durch fremde Zoll- maßregeln und immer noch andauernde Abneigung und Schwierigkeiten des Auslandes stark behindert. In einer Unterredung mit einem Vertreter des„Petit Parisien" erklärte Krassin noch vor wenigen Wochen, daß der Wiederaufbau des russischen Innen- und Außenhandels sehr rasch vor sich gehen werde, denn der Hunger des Großkapitals nach den Bodenschätzen Rußlands, die teilweise durch Kom Zessionen an das Ausland vergeben werden sollen, sei groß» Bis Ende Juni machte nach Krassins Angaben die Sowjet- regierung im Auslande folgende Bestellungen: in Groß- britannien für S Millionen Pfund Sterling, in Schweden für S0 Millionen Kronen, in Deutschland für 3 Milliarden Papier- mark, in den Vereinigten Staaten von Amerika für 10 Millio- nsn Dollar. Er wies aber darauf hin, daß die Bestände der russischen Goldreserve natürlich nicht über ein gewisses Maß hinaus in Anspruch genommen werden könnten. Rur wenige der in Aussicht gestellten Konzessionen sind bislang vertraglich festgelegt, aber eine ganze Reihe oon Ver- trägen wird wohl demnächst durch gegenseitige Unterzeichnung rechtskräftig werden. „Bald," so fuhr Krassin fort,„wird sich ein großes, inter» nationales Konsortium bilden, um die Bodenschätze Rußlands auszubeuten und dadurch der Sowjetregierung die Möglichkeit zu geben, die gegenwärtigen großen Schwierigkeiten zu über- winden und Ruhe und Zufriedenheit in den Hütten einkehren zu lassen. Die Kapitalisten können der Sowjetregierung volles Vertrauen entgegenbringen, denn noch niemals hat unsere Re- gierung denjenigen Menschen Unrecht getan, die Verträge mit ihr abschlössen." Krassin gibt zu, daß die nächste Zukunft Rußlands vor- nehmlich von dem Ausfall der Ernte abhängt. Ein Vorteil Sowjetrußlands sei, daß es keine Staatsschulden und keine finanziellen Verpflichtungen dem Auslande gegenüber habe. Lenin habe niemals geglaubt, daß Rußland, auf sich selbst an- gewiesen, existieren könne. Lenins Hoffnung fei eine allge- meine Weltrevolution gewesen, an die ja aber leider im der nächsten Zukunft nicht mehr zu denken sei. Run braucht man ja die Worte des handelspolltifchen Vertreters Rußlands nicht durchweg für bare Münze zu nehmen, denn man soll sich dabei immer vor Augen halten, daß die Machthaber in Moskau bei dieser Liebäugelei mit dem westeuropäischen und amerikanischen Großkapitalismus viel- leicht nach der Devise handeln:„Der Zweck heiligt die Mittel!" Zweifellos läßt sich aber die Totsache registrieren, daß in Rußland, besonders in den letzten Monaten, ein ganz bedeuten- der Umschwung eingetreten ist, und man dort heute geneigt ist, dem Großkapital Tür und Tor zu öffnen. Welche Wendung durch Lenins Fügung! In der„Revue de Eendve" beschäftigt sicb der tschecho- slowakische Staatspräsident Mafaryk mit dem Bolschewismus und sagt unter anderem: „Die Bolschewisten sind für eine Revolution um jeden Preis„ aber die Sozialisten der westlichen Länder und insbe- londere die Sozialdemokraten widersetzten sicb den revolutionären Methoden der Russen. Es ist wahr, daß Marx und Engels an eine unmittelbar bevorstebende, endgültige Revolution und an den dadurch bedingten Zusammenbruch des Ka- pitalismus glaubten. Im Kommunistischen Manifest wurde erklärt, daß Deutschland sich am Vorabend einer Bourgeois» revolution befände, die alsbald eine proletarische Revolution zur Folge haben würde. Später aber sahen sie ein. daß'hre Auffassung der damaligen Weltlage nickt zutreffend war. Do- her vertagten sie von Zeit zu �eit ibre vorausgesagte Revo- lution. bis sie schließlich die Idee zunächst aufgaben." Masary! bezeichnet dann Marx und Engels als politische Moniere, die vom wissenschaftlichen, evolutionären Geiste be» seelt waren. Die Bolschewisten dagegen bezeichnet er als Ab- fotttHften« der 33� od« und«f« wisi« uschastsich Bf der Grundlage einer wahren Demokratie zu ermöglichen. Kommuniftifther Parteitag. Z. Tag. Borwittagssttzung. Jena. 84. August.(Eigener Drahtbericht de»„vorwärts".) vor- stftcnder F r i e s l a n d gibt Vegrügungslelegramwe von der bri- tischen und den beiden belgischen kommunistischen Parteien bekannt. Es wird eine Resolution für Lösung der Fünfkirchcner Fragen durch die Weltrevolution oerlesen. Börner weist nach, doh die Parteilei- tung einschließlich Zetkin und Levi für die scharfe Offen- fivtaktik eingetreten ist. Klara Zetkin im Zentralausschußbericht gleich zwanzigmal auf zwei Seiten shörtl Hort!) und auch noch nach der Märzaktion in ihrer Resolution ebenso. Ausgerechnet Kurt l>j e y e r und L e 0 i fanden die Moskauer Thesen— zu opportu» niftifch und zu weich, da darin eine Offenstvtheorie preisgegeben war, gegen die sich Kurt Beyer und Levi gewandt hatten, die ober gar nicht die der VKPD. war. Im März sab Thälmann in der Marzakvon einen Fortschritt, heute hält er sie für falsch und blöd- sinnig, für was er sie morgen halten wird, weiß ich nicht. Jetzt aber Schluß mit der Kritik der Vergangenheit.(Beifall.) Ur ba n- Hamburg schließt sich der Kritik Trotzki, an. Damit. daß die Zentrale jede Woche einen Aufruf erläßt, fördern wir die Reoolulion nicht. Daß wichtigste ist die praktische Arbeit, mag Moskau uns auch als„linke Dummköpfe" bezeichnen. Levi tritt setzt schon für eine Nationaiversnmmlimg in Rußland ein. Sein Aus- fchluß ist also auch aus politischen Gründen gerechtfertigt. Wir sind noch keine einheitliche Partei. Bei der Lösung der praktischen Aufgaben werden die Richtungen wieder auftreten. Die widersprechenden Ratschläge oon Moskau dienen weder der Klärung nach dem Ansehen der VKPD und der Moskauer Exekutioe. Wir müssen die russischen Genossen schon bitten, solche Briefe nur auf Grund zuverlässiger Informationen über Deutschland zu schreiben, sonst müssen wir solche Rat. schlage ablehnen. Herai'S aus den bloßen Demonstrationen und Aufrufen und hinein in die praktisch« Angrifk-arbeit. die aber nicht» zu tun bat mit dem Ton der Offensivthesen in Moskau, die da» Entsetzen der ganzen Welt erregten.(Beifall.) Urban-Hall?: Rur nicht einen Opportunismus aufkommen lassenl Trotzki und Moskau gehen zu wenig«in auf die Wirtschaft. lichcn Verhältnisse Deutschlands und den beoorstehenden Zusammen- bruch de» deutschen Kapitalismus. Dem Protest der Berliner schließen sich Halle und Merseburg an. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Seeklima unö Seelenleben. Sm Seeklima unserer Nord- und Ostseeküsten steht gegenwärtig als klimatische» Heilmittel an erster Stelle. Aber von der segenv- reichen Wirkung de» Meeresstrandes wußte man lange Zeit nur durch die Erfahrung, und wirklich wissenschaftlich begründete Kennt- niss« sind erst in allerletzter Zeit darüber gewonnen worden. Ueber den eigenartigen Einfluß des Seeklima» auf das Seelenleben de- richtet Dr. B. Berliner in der„Umschau". Die ersten Levbchachtun- gen, die über die Wirkung des Seeklimas auf den Körper angestellt wurden, bezogen sich auf den Stoffwechsel. Die erwartete Anregung wurde aber experimentell nur in ganz geringem Maße festgestellt. Man erkannte dann, daß der Stoswechfei durch das Seeklima aller- dings stark gesteigert wird, aber nicht unmittelbar, sondern erst als Begleiterscheinung von Beeinflussungen des Nerven- und Muskel- system». Die daran anschließenden Untersuchungen Berliner» zeigten nun, daß die körperliche Arbeit sich sehr steigerte und die Muskelkraft an der See außerordentlich stark zunahm, ebenso da» Körpergewicht. Da» Seeklima reizt den Bewegungsnervenapparat an und bewirkt «in„unbewußtes Training" der Muskeln: der Seewind veranlaßt die Muskeln zur Anspannung und Erstrasfung. Auch die geistige Arbeit wurde dadurch beeinflußt, und es er. gab sich, daß z. B. Kinder an der See wesentlich schneller und leichter rechnen als daheim. Diese Beobachtung steht im Wider» spruch zu der sonst allgemein am Strande beobachteten„holden Trägheit de» Geistes", die uns so behaglich den ganzen Tag herum» faulenzen läßt. Ader der Widerspruch ist nur scheinbar. Nur Leistungen, die eine angeborene oder eingeübte Geschicklichkeit ver» anlassen, wie z. B. die Betätigung des Augenmaßes, werden durch das Seeklima gesteigert, die Leistungen der Aufmerksamkeit werden j herabgesetzt. Ueberhaupt ist die Bewußtseinshöhe an der See ver- - ringert, und das seelische Bild der Wirkung des Seeklimas zeigt ein Nebeneinander von Hcrabftimmung, Hemmungsfortfall und Er- ■ regung. das dem der Alkoholwirtung nicht unähnlich ist. Berliner hat den Einfluß der einzelnen Jahreszeiten auf das Seelenleben ebenfalls untersucht und kommt dabei zu dem inter» «ssantcn Ergebnis, daß die Wirkung des Seeklimas fast vollkommen der de« Frühlings gleicht. Im Vorfrühling ist eine starke körperliche Kräftigung mit Herabstimmung der geistigen Leistungsfähigkeit, im Hochfrühling muskuläre Erschlaffung, aber höhere geistig« Leistung zu beobachten. Bei der Dirkimg des Seeklima» erscheinen die Wirkungen von Dorsrühling und Hochfrühling zusammengedrängt. Au» dieser Tatsache ergibt sich, daß die Reize, die im Frühling an der See ausgeübt werden, am stärksten sind, mährend fweMommer bis Frübberbst an der See milder wirken. Deshalb muß nervöfen und schwächlichen Personen widerraten wer- ten, in früher Jahreszeit an die See zu gehen. Vollblütige, kräftig« Neuzeitttche Kriminalistik. vor einigen Tagen hatte sich ein Lehrer aus dem Erzgebirge vor dem Schwurgericht zu Chemnitz zu verantworten, der unter An- Nage stand, seinen Bruder erschossen zu haben. Wie zwei Chemnitzer bürgerliche Zeitungen übereinstimmend berichten, fragt« am vierten Berhandtungstag vir Eintritt in die Verhandlungen der Vorsitzende den Angeklagten, welche Stellung«r zur Erteilung des Reli- gionsunterrichts in der Volksschule eingenommen habe. Der Gefragte erwiderte darauf, er halte den Kitt« nunterri cht für ange- brach!«, habe aber den Religionsunterricht erteilt. Aus der Fragestellung de» Berichtsvorsitzenden muß man folgern. daß er einen Lehrer, der freireligiösen Anschauungen huldigt, eher eines Verbrechens für fähig hält als einen, der am alten Kirchen- glauben festhält. Der Herr scheint nicht zu wissen, dag nach der amt- lichen Kriminalstatistik die Kriminalität im allgemeinen und die Per- brechen gegen Leib unb Leben im desonderen nirgends stärker hervor- treten als in den schwärzesten Gegenden Deutschlands, wo die Bevölkerung ganz unter klerikalem Einfluß steht. Trotzdem würden wir es für gänzlich unzulässig erachten, etwa die religiöse Ge- sinnung eines Angeklagten als Indizium für seine Täterschaft heran- zuziehen. Ein Richter, der zur Erforschung einer gemeinen Straftat glaubt auf die politisch« oder religiöse Ueberzcugung des Angeklagien zurückgreifen zu müssen, beweist nur, baß er sein Amt unter anderen als rechtlichen Gesichtspunkten auffaßt. Die preußische Wohlfahrtspflege. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags erörterte am Dienstag zunächst allgemeine Fragen des Haushalts des Ministeriums für volkswohlfahrt. Es liegen bereits 40 Anträge zu diesem Ttat vor. Abg. Dr. W e y l(U. Soz.) begründete die Anträge seiner Partei auf E o z i a l i s i e r u n g des gesamten A e r z t e- wesens und auf A u f h e b u n g der ärztlichen Ehrengerichts- b a r k e i t.— Die K a m m u n i st e n verlangien die V« r e i n h e i t- l i ch un g de, gesamten Gejundheit»- und sozialen Fürsorgewesens in einem gemeinsamen Selbstverwaltungskörper. Die soziale Äer- sichenmg soll auf alle Volkskreis« ausgedehnt werden. Die Beitrags- höhe soll sich nach der Leistungsfähigkeit richten die Rechte der Ver- sicherten fallen aber gleich sein.— Minister Stegerwald ver- teidigte sich gegen den Borwurf, er habe bisher zu wenig getan. Er wies darauf hin, daß er vom preußischen Finanzminister und dieser wieder vom Reichsfinanzminister abhängig fei und daß alle seine Pläne bisher an den geringen zur Verfügung stehenden Eeldmiteln g e f eitert seien.(Eine ziemlich bequeme Auerede! „Red. d.„V.".)— Für die Sozialdemokraten erklärte Abg. Frau E g e, daß sie dem Etat nur dann zustimmen könnten, wenn ihre wichtigsten Anträge angenommen und die dazu nötigen Geldmittel bcrciig'cstellt würden.— Aus den zahlreichen An- trägen sind die wichtigsten der auf Erhöhung der Mittel zur Vekämpsung der Tuberkulose oon einer auf S Millionen. Anträge auf bessere Psychopathenfürsorge, auf Errichtung einer Aufsichtsstelle für die Fürsorgeerziehungsanstal- ten, Abschaffung der Reglementierung der Prostituier- t e n und Errichtung von Grubensicherheitskommis. sionen. In diese sollen neben den Beamtenvertretcrn Parlamen. tarier und Vertrauensleute der Bergarbeiter hineinkommen. — Die Kommunisten stellten noch ein« Anzahl weiterer Anträge, unter anderem verlangen sie, daß die Baupolizei sofort den Ge- meinden übertragen werden soll. Als Zuschüsse für Arbeiterwohnun- gen fordern sie Ausschüttung von 300 Millionen Mark an Kommunen und gemeinnützige Baugenossenschaften sowie entschädigungslose Ent. eignung des nötigen Grund und Bodens. Welter verlangen sie eine Verdoppelung der Sätze der Erwerbslosenunterstützung und ö Millionen Mark für die Hungernden in Rußland. Die DVP. wünscht u. a. die Einführung sezialpflegerischer Grundsätze in der Sittenpolizei und Vermehrung der weiblichen Polizeibeamten. Zur Linderung der Rot der Kleinrentner wird die Schaffung von Heimen vorgeschlagen. Ferner wird baldige Verabschiedung des Reichsmietengesetzes gefordert und in der Zwischenzeit eine solch« Bemessung der Höchstmietengrenze, die den Hausbesitzern keine Zu- büßen mehr zumutet.(I) WeitcrberatuNg Mittwoch. Die hohen spanischen Verluste in Marokko. Nach„Esteurope" hat die spanische Regierung die ersten offiziellen Berichte über die Kämpfe um Melilla erhalten. Im ganzen wurden 14 712 Soldaten getötet. 29 540 Bewehre, 139 Feldkanonen und 392 Ma- schinengewehre verloren. Personen dagegen, die eines energischen Anreizes für Nerven und Muskeln bedürfen, werden von einer Seekur im Frühling und Früh- sommcr den stärksten Erfolg haben. Die Wirkungen des Seeklimas werden durch den Seewind, die starke Sonnenstrahlung und die feuchte Wärme hervorgerufen. Der Seewind entzieht dem Körper Wärme und zwingt ihn zur Wärmebildung, die durch eine erhöhte Tätigkeit der Muskeln erfolgt. Bei dieser Muskeltätigkeit entstehen Ermüdungsstoffe, die cuf die höchststchenden Gehirnzellen lähmend, auf niedere erregend wirken. Der durch den Seewind hervorgerufene Hautreiz hat eine stärkere Durchblutung der Haut zur Folge, und auch die vermehrte Muskeltätigkeit bringt einen Mehrbedarf an Blut mit sich. Dadurch wird dem Gehirn Blut entzogen und die höhere geistige Tätigkeit verringert. Die Uebereinstimmung mit der Früh- lingswirkung erfolgt dadurch, daß beim Seeklima wie im Frühling die jogenonnten«Drüsen mit innerer Sekretion", besonders die Keim- driisen, infolge der zunehmenden Lichtstärke und Wärme eine ge- steigerte Tätigkeit entwickeln. Diese Keimdrüsentätigteit ist von großer Bedeutung für den Muskelapparat und für das Affektleben. Die ciebessprache. Maupassant schildert in einer Novell« die tragikomische Verzweiflung ein«» Liebhabers, der von der Ang«. beteten seines Herzen» mit den seltsamsten Kosenamen bedacht wird, die ihn au» der schwärmerischen Stimmung seiner Leidenschaft in eine platte Alltäglichkeit herniederstürzen lassen. Es ist ja nicht jedermanns Sache, wenn ihm aus dem Munde des holden Wesens, das Ihm sein ein und alles ist, Zärtlichkeiten entgegentönen, wie „mein süßes Mauseschwänzchen oder auch„du goldener alter Gockel" und ähnliche Redeblüten, wie sie die Heldin der Maupassantschcn Erzählung verwendet. Aber der Liebende soll sich an dieser Sprache der Liebe nicht stoßen, denn sie kommt aus einem tieien Gefühl. „Liebende suchen immer nach neuen Worten, um die Neuheit und Einzigartigkeit ihrer Liebe auszudrücken," erklärt eine Engländerin Anna Blovt in einer Plauderei, die sie dem Slang der Liebe widmet. „Sie können sich nicht genug tun im Erfinden von Superlativen. Wohl gibt es Frauen, die sich in originellen Anreden und Ver- gleichen selbst übertreffen, aber im allgemeinen sind doch die Männer erfindungsreicher. Alle männliche Lirbesdichtung beweist dies, in der es nur so wimmelt von„Göttinnen",„Königinnen",„Engeln" und„Zauberinnen"". Zwei-elivs ist die Sprache der Liebe im Lauf? der Geschichte von ihrem kostbaren Thron herabgestiegen in die Nie- derungen des menscblichcn Staube». Man denke an jene unendlich wcitichwejfigen, im blühendsten Stil gehaltenen Anreden der vrien- talischen Poesie. Heute würde sich ein Liebender lächerlich machen, der seine Deine als„aufgehender Vollmond reiner Nächte" oder „Lotosblüte der heiligen wtröme" begrüßen wollte. Zu Werthers Zeiten sprach der Jüngling noch von. seiner Lotte als einem„gött- lichen Geschöpf", als seinem„herrlichen Mädchen" Heute bedenkt er sie mit Namen ans dem Tierreich, wie Maus. Höschen, Kätzchen usw. Das alte schöne Wort„Geliebte" ist in seiner Bedeutung arg geschädiat, und da» Mädchen von heute läßt sich iiedcr„Atter Str:! oder„süßes Scheusal" nennen. ffauptverbanö öe? Grtskraakenkaffen. Der Verbandsvorsitzende F r ä ß d o r f» Dresden eröffnete die Verhandlungen unter Hinweis auf die Bedeutung der Ortskranten- lassen in der Sozialpolitik und im Wirtschaftsleben. Die Teil- nehmerzahl sei noch nie so groß gewesen wie diesmal. Von den Gästen hiellen Begrüßungsansprachen Oberbürgermeister Leinert für die Stadt Hannover, Oberpräsident N o s k e für die P r o o i n z Hannooer, Oberrcgicrungsrat Trautner vom Reichsversiche- r u n g s a m t und"Eeheiinrat L i e b r e ch t oon der Landesver- sicherungsanstalt Hannover. Der Jahresbericht für 1920/21 wird sodann vom Geschäfts- führer Lehmann- Dresden erstattet. Er liegt auch gedruckt vor. Der Hauptvsrband der Ortskranken.kassen umfaßt rund 1400 Sassen mit ca. 8/- Millionen Versicherten. «ein Vermögen beträgt etwa 354 000 M. Der DerbandsoorstanS hatte im abgelaufenen Jahre eine umsangreiche Tätigkeit zu ent- ialten. Redner kommt auch auf die neuesten Aenderungen der Reichsversicherunasordnung. besonders der Ausgestaltung der Wochenhilfe und�Wochenfürsorge zu sprechen. Er hält es acs aus- geschlossen, daß im Rahmen der teilweisen Aenderung der Reichs- versicherungsordnung eine großzügige Reform der sozialen Versuy?' rung durchgeführt wird. Der Verbandsvorstond wird beauftragt, dahin zu wirken, daß die Eehaltsgrenze für die B e r s i ch e r u n g s p f l i ch t der Angestellten über IS 000 M. erhöht wird. daß der Grundlohn zur Bercchnunq des Krankengeldes nicht nur bis auf 30, sondern bis aus 4 0M. von den Kassen erhebt werden kann und daß die freiwillige Versicherung der kleinen selbständigen Handwerker ausgestaltet wird. Es s�rven noch zwei Resolutionen angenommen, von denen die eine sich gegen die Vrolverteuerung richtet und die andere die Krankenversicherung in Oberschlesien betrifft. Es wird dann über die Ausgestaltung der Kaisen- leistunqen verhandelt, worüber zimächst Derbandsvorsitzender F r ä ß d o r f- Dresden und Direktor Cohn- Berlin referieren. Sie berühren insbesondere die Mahnahmen, welche von den Kassen innerhalb des Rabmens des Gesetzes ergrissen werden können hm- sichtlich der Verbesserung der Fürsorge. Wenn nötig, sollen die Der- sicherungsbeiträge, soweit es zulässig ist, gesteigert werden. Bei- spielsweise soll die Krankenhauspslege überall da. wo sie geboten ist. gewährt werden. Die Hauspslege, namentlich für Wöchnerinnen, in unter der Mitwirkung der Gemeinden auszubauen. Nach kurzer Aussprache, in der insbesondere auf die allgemeinen Maßnahme.i zur Verhütung und Bekämpfung der Krankheiten hingewiesen wrrd, gelangt ein- Entschließung im Sinne der Ausführungen der Rc- ferenten zur Annahme. Es wird sodann über die Ärztfrag« oerhandelt, zu der L e h m a n n- Dresden spricht. Es sei an der grundsätzlicher, fassung festzuhalten, daß die Arztfrage nur durch Eingliedc- rung des ärztlichen Dien st es in dieSozialver- s ich er un g befriedigend gelöst werden kann. Em zwischen Krankenkassen und Aerzten kann die gesetzlichen Borschrlsten nur ergänzen, nicht ersetzen. Das Schiedswesen müsse ausgestaltet und ein Zwang zu? Anrufung der Schiedsstellen festgelegt werden. Di- Ausgaben der Kassen für die Aerzte seien so gestiegen, daß es die Kassen nicht länger ertragen können. Die Zahl der Aerzte nehme immer mehr zu und lte suchten bei den Kassen Beschäftigung.— Eine Entschließung in diesem Sinne wird angenommen. Der zweite Berhandlunqstag begann mit einer kleinen „Nachlese" zur Arztfrage. Der Verwaltungsdirektor Gamer au, Sti'ttgart bespricht die Vereinbarungen mit den Aerzten in Württem- berg. Sie seien vielfach besser wie im Reich. Gleichwohl seien die württembergischen Kassen mit dem Vorgehen des Hauptverbandes der Ortskrankenkassen einverstanden. Le hm an n- Dresden ve- streitet, daß die Kaisen in Württemberg irgendwelche besondere Per- gi'uistifluiigen hätten. Hierauf spricht Julius K o h n. Gelchäftsführer der Allgemeinen Ortskrankentasse Berlin, über die H e i l f ü r s o r g e f u r K r i e g s- beschädigt?, die neuerdings auf Grund des Rcichsversorgungs- gcsetze» den Krankenlassen übertragen worden ist. Dieses Gesetz enthält noch viele Mängel, die Redner eingehend schildert. Besondere Schwienpteiten ergeben sich daraus, daß die Kassen auch für solche Kriegsbeschädigten aufzukommen haben, die gar nicht Kassenmit» glieder sind. Allerdings bekommen die Kassen diese Auslagen er- stattet. Redner fordert eine baldige Aenderung des Reichsoersorgungsgesetzes._ Erinnerungen an Ernst Haeckel. Im Ernst-Haeckel-Museum zu Jena sind jetzt zahlreiche neue Gegenstände ausgestellt, die die Per- sönlichke.t, die Arbeit und die Wirkung Ernst Haeckels vielfach in neues Licht stellen. Es befinden sich darunter, wie die„Köln. Ztg. berichtet, auch mehrere neuausgelegte Bildnisse und Selbstbildnisse, ferner einige Zerrbilder aus Witzblättern. Auf einem dieser Zerr- bilder rennt der„kleine Berliner"(Kultusminister Studt) dem „großen Ienenser" mühsom bintennach und ruft ihm mit geballter Faust zu:„Das. Herr Haeckel. werde ich meinem Vorgänger im Kultusministerium nie verzeihen, daß man Sie nicht nach Preußen gezogen hat, wie schön hätte ich Sie dann an die Lust setzen können. Ein Gedicht vom Jahre'1501 zeigt Haeckel auch als Dichter, der sich für die jenaische Freiheit begeistert: Hier darf vech springen ohn' alle Scheu Aus der Brust der freie Gedanke, Nicht sogenannt«„Sitte" zieht, Nicht Rücksicht hier eine Schranke. Don den zahlreichen Schmähbriefen, die Ernst Haeckel, der „Affenprosessor", von überallher empfing, gibt der von Haeckel selbst als„Affenbries" bezeichnete aus Cambridge Mch. vom August 1905 ein Beispiel. Er beginnt mit den Worten: jJch hohe in einem Blatt gelesen von dem Vortrag in Berlin. Es darf Dich deshalb nicht wundern, wenn ich Dich mit Du anrede, denn mit einem Affen hat noch niemand per Sie gesprochen. Bedenke, wenn Du einst mit Deiner Afsenschar vor Gottes Gericht erscheinst, wie das Urteil lauten wird. Da wird cs heißen: Weichet von mir, ihr Affen, ihr seid nicht mein Ebenbild" usw. So groß wie der Haß war aber auch die Verehrung, die.Haeckel entgegengebracht wurde. „Wem gehört Helene?" Diese heikle Frage scheint immer noch nicht gelöst z» sein. Denn die so benannte Komödie von Eberhard Büchner, die vor dem Krieg ihren Einzug in Berlin hielt, ist vom„Deutschen Künstlertheater" neu equipiert worden. Denn mit der hervorragenden Leistung von Rosa V a l e t t i, die wieder wie bei der Ura»fsiihrung das Frauchen rührend spielt, und dem sprudelnden Humor oon W a ß m a n n und Julius C. Herrmann kommt eine flotte Fahrt zustande. Man kann dabei beinah ver- gessen, daß uns jetzt wichtigere Irrungen und Wirrungen bcschöf. tigen, als sie in diesem Genre üblich sind. Theaterchrontk.?Il» nächste Neileinstudierungen im Staatlichen Schauipiclbanli geben in Szene: am g. Sept. Raimund» ,(S e- {eiiclte Phniitasie' mit Erlmberl» Musik In der Bcaibeüunq von Moill, am M. Sept..�igaroZ Hochzeit" von Beaumarchais, am 21. Okt.„Othello" mit Fritz Kortncr. PaisionSsPielc aus dem Katliolitcntage. Der Req!erimn?prZ>ident in Franlsurt a. W hat die sein Kaiholikeiilag geplanien Passionsspiele gencl'nü�t. STi; waren vom Fcanssurier Magistrat verbalen worden. :"3 iüu'>ci de für eine» tfche tttschen Dichter. Die Präger r--'>•'?«« Dichter Jtraiek anläßlich leine» i.. i.- 1' e» d e im Beirage von ei nee •«i."'Uv., fi« von den hervor: azeiioste» «aalen und �,.pc.r.u..ini uu'gedracht worden ist. T�r Versamn'lung liegt eine Resolution vor, in der die notwen» dizen Neuerungen festgelegt nstd. Die Aarleistunzen für die nicht versicherten Zugeteilten sollen vom Versorgungsamt, dahingegen die Krankenpflege und Krankenhauspflege von den Krankenkassen gdeistet werden. Die Versicherten dürfen nicht schlechter gestellt werden als die Zugeteilten. Di« Kassen haben auch zu klagen über den militärischen Geist, der oft von den Nersorzungsämtern getätigt werde. Man suche oft nach alter preustischer Art die Sassen zu bevormunden. Die Entschließung kommt zur ein- stimmigen Annahme. Es spricht sodann Landtagsabgeordneter S ch o li ch- Breslau über die Regelung der Anstellungsbedingungen der Krossenange stellten. Mit dem Zentralverbcmd der Ange- stellten ist ein Tarifvertrag abgeschlosten worden. Eein Zweck war die Vereinheitlichung der einschlägigen Einrichtungen. Diele Kassen hoben sich aber nicht nach den zentralen Abmachungen gerichtet. Es fei deshalb schon gefordert worden, den Tarifvertrag aufzuheben. Dos fei nun nicht angängig. Man müsse vielmehr auf strengere Einhaltung der Deremvarungen hinwirken. Redner bespricht dann die vom preußischen Wohlfahrtsminister verfügte Anwendung des bekannten Eperrgesctzes auf die Krankenkassen. Man habe hiergegen angekämpft, bisher aber whne Erfolg. Die Oberversicherungsämter sehen daher streng darauf, daß die Kassen keine Austellungsbedin- gungen in Dienstordnungen aufnehmen, die über die Reichsbesol- dungsordnung hinausgehen. Redner bespricht auch die Stellung de? Letrieb-räke in den Arankcnkasienvecmallur.gen. Hier und da glauben diese, gewistcrmaßen eine Oberinstanz über den Kassenvorstand zu sein. Die Kassen seien aber auf dem Selbst- rerwaltungsrecht der Versicherten aufgebaut. In der Aussprache wird nochmals die Frage des Weiterbestehens des Tarifs erörtert. Reichstage abgeordneter Giebel tritt für Fortführung der Ar- beitsgemcinichaft ein. Es fei aber auch Ehrensache jeder Kasse, den Vertrag abzuhalten Weitere Redner wenden sich gegen die Be- schränkung der Selbstverwaltung der Kassen, die in der verlangten Anwendung des Sperrgesetzes liegt. Gegen eine ziemliche Minder- heit wird die Aufrechterhaltung des Tarif» beschlossen. Heber die Neuregelung des chebammenwesen» berichtet Landtagsabgeordnetcr Mayer- Solingen: Mit der Ein- führung der Reichswochenhilfs sei die Beseitigung großer Mißstände angebahnt worden. Bis dahin mußten viele Frauen ihr« schwere Stunde ohne den Beistand einer Hebamme überstehen. Wir halten eine noch weitergehende Mukierschaftfür�orge als sie setzt besteht, aus sozialen Gründen für eine dringende Not- loeudigkeit. Die dafür notwendigen gesetzlichen Bestimmungen sind, um eine Einheitlichkeit zu erreichen, auf reichgesetzlicher Grundlage zu erlassen. Solang« das Reich dieser Verslichtung nicht nach- kommt, ist sie von den Gliedstaaten zu verlangen. Die Hebammen rniffen über das ganze Land glcichm.äßiz verteilt werden, und es ist dafür zu sorgen, daß sie eine auskömmliche Existenz haben. Es sei ihnen ein Grundgehalt und für jeden Entbindungsfall ein Zuschlag zu zahlen. Ihre Ausbildung müsse vcrbssiert werden. Nach weiterer Aussprache, in der sich besonders Hebamme Fischer aus Neukölln für die Neugestaltung einsetzt, wird die Entschließung angenommen. Der dritte und letzte Tag der Verhandlungen bringt als wichtig- s'en Beratungsgegenstand die Arznei» und Heilmittelver- sorgung der Kassen. Der Referent, Vcrbandsgeschäftsführer Lehmann- Dresden, weist insbesondere auf die gewaltige Vcr- teuerung der Heilmittel seit dem Kriege hin. Es bestehe zweifellos ein Arzneiwucher. Alle Maßnahmen, die geeignet sind, die Riesen- Unkosten der Kassen für Heilmittel zu vermindern, müssen unterstützt werden. Viele Kranke wollen immer vom Arzt etwas..verschrieben" haben. Dem muh entgegengearbeitet werden. Einzuführen ist auch cine Nachprüfung der Veroranungen und ihrer Berechnung van den Apotheken. Vor allem muß die Selbstabaabe der Heil- mittel von den Kassen organisiert werden. Am zweckmäßigsten - t es, wenn die Kassen die'Heilmittel im großen einkaufen. Der Hauptoerband der Oetskrankenkassin besitzt eine solche hcilmikteiverkcicbsgesellschafl. !Tic muß in seder Weise gefördert werden. Di« Kassen eines Ortes können gemeinsam eine Äbgabestelle einrichten. Ohne die Kranken- Versicherung wfwe der Konsum an Heilmitteln nicht halb so groß. Trotz aller Beschränk' ng des Verbrauchs von Heilmitteln durch die Kassenverwailurigen sind deren Ausgaben für diese Heilmittel auf j'fjr 23 M. pro Mitglied und Lahr gestiegen. Man braucht heute für Heilmittel fast soviel wie für die ärztliche Behandlung. Die Aerzte müssen veranlaßt werden, billigere Heilmittel zu verordnen, inscf-rn solche dieselben Wirkungen haben wie unnütz teuere. Die Selbstobgabc der im freien Verkehr vorhandenen Heilmittel durch die Kassen ist zur Notwendigkeit geworden, nachdem die Apotheker nicht imstande waren, die Krankenkassen vor Ueberteuerung zu schützen. Eine vorgelegte Entschließung im Sinne der Ausführungen des Referenten fordert noch eine Reibe von Maßnahmen von der Gesetzgebung, wie Erweiterung der Zahl der Handverkaufsartikel. Fräßdorf weist nochmals auf die als gemeinnütziges Unternehmen nstt dem Hauptverband der Ortskrankenkassen geschossene Heilmittel- vertriebsgesellschaft hin. Ein Redner aus Bayern teilt mit, daß dort bereics eine Einkanszqenoisenschaft der Strantekassen besteht, die gut mnkiioulcre. Die Entschließung wird angenommen. Anwesend sind Löh Kassenoertreter von 500 Kasten mit 6� Millionen Versicherten, und zwar Igt Arbciigcber. ZS5 Versicherte und ZZ5 Angestellke. Da die Ausgaben des Verbandes gestiegen sind, wird der Bei- trag auf 7 Pf. pro Jahr uud Kassenmitglied erhöht. Die Verbundsoorstandswahl wird im nächsten Jahre vor- aenommen, da bei den meisten Kasten noch keine Neuwahl der �astcnvrgane erfolgt ist. Als Ort der nächsten Tagung wird Karls- ruhe und München vorgeschlagen und die Entscheidung dem Haupt- v o r st a n d überlasten. Damit war die Tagung beendet. 0 Merkwürdige Geldsabrikanlen. Zu Weser>n Nr. SSI(erste Seite) gebrachten Notiz erhalten wir folgende Zuschrift:„Es ist nicht der einzig« Fall, wonach Popicrnotzcld von Privathänden heraus- gegeben wird. Ko hat u. a. erst kürzlich die Firma Wolf u. Ruthe in Magdeburg Einmarkscheine, die Firma Wichmann, Universalpostkartenzentrale in Hamburg, Steindamm 110, Schein» zu 20 und 72 Pf. herausgebracht. Man versucht aurschließlich die,« Scheine unter die Sammler zu bringen und erhofft dadurch ein schönes Stück Geld zu verdienen. Alle dies« hcrauszegeb-nen Scheine sind nicht einmal numeriert, so daß der Umfang der �heraus�abe gegebcnensolls nicht einmal festgestellt werden kann. Da di-ser tinfug anfängt Schule zu machen und bereits aus allen Teilen Deutschlands die Herausgabe solchen Papiergeldes gemeldet wird, wäre ein baldiges Verbot der Reichsregierung am Platze.(Unseres Wissens ist die unbefugte Ausgabe von Schuldver- schreibungen auf den Inhaber schon nach den heutigen Gesetzen st r a s b a r, lo daß ahn- weiteres eingeschritten werden kann. Red. d.„V.".) Was sagt übrigens die Steuerbehörde zu diesem mühelos erworbenen Einkommen?" wenigstens nicht in Uniform.... Ein Erlaß des Reichswehr. Ministers verbietet den aktiven Offizieren der Reichswehr, an dem vom..Nativnalverband deutscher Vsfiziere" und dem„Bund national- gesinnter Soldaten" veranstalteten„Frontkämpfertag" teilzunehmen, — wenigstens in Uniform. Alto ohne Uniform ist die Teilnahme an der Feier den beiden Korporationen gestattet, die in der Reiche- wehr— wenigstens formell— verboten sind und ganz okten natio- nali- i'ch-monarchistifche Propaganda betreibe«. Herr Gehler sorgt daiür, baß s'.i-i berühmter Neutraiitälserlaß nach rechts nicht zur Auswirkung kommt. Die Marseillaise. Gleich vielen andcren will ich dem Drehorgelspieler dankbar sew, der dieses Lied spielte: die Marseillaise. Schon in der Ferne ließen mich die Töne aufhorchen. Ich hatte mich nicht getäuscht: wuchtig baute sich der Rhythmus des Liedes in mir auf und ließ den ganzen Menschen singen: Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet. Zu unsrer Fahne steh' zuhauf..." Und das sprang aus einer Drehorgel in den Abend hinein, über die Menschen hinweg, und griff hier und da in ihre Herzen und ließ sie aufjubeln in ihrer Freude. Dankbar ließ es die Menschen sein und sie gingen heran an den Drehorgelspieler und warfen ihre Münzen in den Bleck». opf. Es war ein Soldat. Wohlgemerkt: es war ein Soldat, wie sie uns heute so ost gegenüberstehen. Lang, blaß, hager, in seiner feldgrauen Uniform, cine abgenutzte blaue Militärmütze auf dem Kopf, unter deren zerbrochenem Schirm zwei leidvolle Augen hervorblicken. In ihnen liegt und leuchtet seltsam das Weh, das aus einer verborgenen Wunde herausbrennt. So war auch dieser Mensch. Und dennoch: eine Verkündung lag in ihm. Unablässig drehte er die Kurbel und das Lied der Republik schwang sich empor, mit vollen, dunklen Schwingen. Arbeiter hörten es und in ihnen entzündete sich das Feuer der Begeisterung, aus deren Flammen heiß und groß die Gewißheit weht: wir werden es.schon schaffen, trotz alledem! Hinter der Drehorgel aber stand der Mensch, der von der alten Welt gleich ungezählten Tausenden seine Wunden empfangen hatte und der seine Rot bis an die Schwelle der neuen Zeit trug, um den Jungen auf seine Art ein unablässiger Mahner zu sein. Der Moaditer park in Hefahr! Der groß« Park in der Berliner Straß« Alt-Moa- b l t, gegenüber dem Kriminalgericht, der sich tief in den Häuser- block zwischen Spener-, Melanchthon- und Paulstraße hineinschiebt, soll, wie berichtet wurde, mit einem Paketpostamt bebaut werden. Es handelt sich hier um einen schönen alten Park, besten Herr- sicher Baumbestand von Eicbe», Buchen, roten Kastanien schon mehr als 100 Jahre steht. Vielleicht ist noch in letzter Stunde die Mög- lichkeit vorhanden, die zuständigen Stellen davon zu überzeugen, daß es notwendig ist, solche Parks inmitten einer Großstadt zu er- halten. Es liegt gar kein Grund vor, gerade hier ein Paketpostamt hineinzubaucn; in unmittelbarster Röhe, an der Rathenower Straße, liegen die großen Grundstück« der früheren Kasernen des 4. Gardcregiments und des Ulanenregiments. Zu beiden Kasernen gehören sehr große Ererziervlätze, und hier wäre ohne weiteres Platz für jeden gewünschten Postbau. Auf dem Parkgrundstück in der Straße Alt-Moabit, das ftüher Sitz des Generalkommandos des Gordekorps war, steht ein« alte schöne Villa mit Nebengebäuden aus der Zeit nach Schinkel: sie soll angeblich zur Wohnung eines höheren Postbeamten ausgebaut werden. Selbst wenn man diese Verwendung des schönen Baus guthieße, brauchte das Paketpostamt noch nicht in unmittelbarer Nachbarschaft«rrichtet zu werden. Der alte Park gibt den umliegenden Grundstücken in aus- giebiger Weise Licht und Luft, er ist in jeder Beziehung eine seltene Schönheit seiner Art, und es wäre nicht scharf genug zu verurteilen, wenn man ihn beseitigte._ Der Lustmöröer aus öer Longe Straße. weitere Demehmungen. aber keine Pestendnisse. Di« weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei verstärken den Verdacht, daß der verhaftete Händler Karl Großmann auch die anderen Frauenmorde, die durch die Fund« im Engelbecken und im Luisen städtischen Kanal ans Licht gekommen sind, verübt hat. Deweismaterial, das zur Ueberführung des Verdächtigen ausreichte, haben alle Nachforschungen und Ermittlungen noch nicht beigebracht. Auch eine Durchsuchung des Laubengrund st ücks, das Großmann ftüher in der Kolonie an der Landsberger Allee besesten hat, lieferte bisher kein neues Belastungsmaterial. Großmann wurde gestern nachmittag trotz heftigen Sträuben» mit einem Kraftwagen dorthin geführt. Nachdem die Besichtigung gestern erlebnislos verlaufen ist, wird das Laubengrundstück auf Veranlassung der Kriminalpolizei heute umgegraben werden, well es immerhin möglich ist, daß Großmann dort irgendwelche Gegenstände oder Leichenteile vergraben haben kann. Von der Laubenkolonie wurde der Verhaftete mit dem Kraftwagen gleich noch dem Schauhause gebracht, wo die Leiche der ermordeten Nitsche obduziert wurde. Auch die Gegenüberstellung mit der Leiche, an der er deren Fesselung demonstrieren mußt«, brachte ihn zu keinem Geständnis weiterer Verbrechen. Wie die Obduktion ergab, ist der Tod durch die Knebelung eingetreten. Schwere Verletzungen an vielen Körperteilen zeigen, daß der Mörder aus sadistischen Bewegungen sein Opier barbarisch zugerichtet Hot. Wie schon mitgeteilt wurde, haben sich nacheinander mebrere Mädchen kürzere oder längere Zeit bei Großmann aufgeholten, um bei ihm zu wirtschaften. Es ist noch nicht gelungen, eines dieser Mädchen zu i ermitteln und-» hat sich auch noch keine? gemeldet. Die Namen der Mädchen will Großmann nicht wissen. Den einer Else Baumann ersah man aus einem Buch, da» in der Behausung gefunden wurde. Bon diesem Mädchen behauptet Großmann, daß es mit zwei Koffern aus Mecklenburg hierher gekommen sei. Verlängerte Polizeistunde und Strastenbahuverkehr. Die Verlängerung der Polizeistunde für Groß-Berlin erfordert naturgemäß auch ein« Ausdehnung des Straßenbahnverkehrs über das jetzt übliche Maß hinaus. Man wird versuchen, entsprechend der Ausdehnung der Polizeistunde auch den Verkehr den Bedürs- nisten des Publikums anzupassen. Allerdings sind dabei gewiste Schwierigkeiten im Betrieb zu überwinden, um ein erträgliches Ver- häitni» zwischen Derkehrsbedürfnis und Rentabilität herzustellen. Di« Direktion der Straßenbahn beabsichtigt, zunächst auf den Haupt- verkehrsstrecken zu prüfen, in welchem Umfange die Bahnen benutzt werden, um danach einen festen Fahrplan einzurichten. Man will zunächst versuchsweise die Zahl der Züge nicht verstärken, sondern den Verkehr von 10 Uhr abends ab strecken. Die Spätzüge sollen eventuell zunächst aus Gründen der Ersparnis ohne An- Hänger fahren. Sollte es sich herausstellen, daß die eingesetzten Wagen dem Verkebrsbedürfnis nicht entsprechen, wird sofort eiice Verstärkung durch Einleger und Anhänger durchgeführt. Unterwerk Bellenlliance-Plast. Neben dem bereits s-it längerer Zeit in Angriff genommenen Tunnelbau der Nord-Südbohi, entsteht aus der östlichen Hälfte des Velle-Alliance-Platz jetzt ein weiteres großes unter- irdische« Bauwerk, dos zur Äufnabme einer Unterstation für den Betrieb der Nord-Südbahn erforderlich wird. In der gleichen Ebene liegend, wie die Sohle des Tunneis, wurden gleichzeitig mit dem Bau der Maschinenhalle auch die Fundamente iür die zur Aufstellung gelangenden Maschinen hergestellt. Hierzu sind umfangreiche Ausschachtungen erforderlich, die bis zu einer Tieie von rund 10 Metern hinabgeführt werden wüsten. Jnsaesamt werden für die Herstellung der Umformerstotion rund 8000 Kubik- meter Boden ausgehoben werden wüsten. Die Schachtarbeiten sind bereit» vor einiger Zeit in Angriff genommen worden und werden voraussichtlich in der Mitte des nächsten Monats beendet sein kön- nen, so daß noch in diesem Jahr« mit der Fertigstellung des Unter- werke» gerechnet werden kann. Gott mit der Schnpo. Warum haben Berliner Schutzpolizisten am Koppel noch ein Abzeichen aus monarchistischer Zeit? Auf dem Koppelschloß sieht man eine Königskrone, umgeben von der Inschrift:„G o t i mit uns". Dem ehemaligen Träger der preußischen Krone hat sein„Gott mit uns" nichts geholfen. Soll die Beibehaltung des Spruches am Koppel des Schutzpolizisten bedeutend, daß Gott mit der Schupo sei? Das werden wohl bei der Schupo selber nicht vir' glauben. Der Schutzpolizist verlätzt sich lieber auf Revolver' Karabiner, auf Handgranaten und Maschinengewehre. GartenbauanSstcftnug. Der Gauverband Groß-Berlin des Reichsverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands, ftüher Verband der Laubenkolonislen, veranstaltet den 4. bis DienSiag, den S. Sept., seine diesjährige IL. Ausstellung der i» den Laubenkolonien und Kleingärten gewonnenen Produkte. In die'em Jahr ist durch das bereitwillige Entgegenkommen deS Berliner Magistrats die große GlaSrinderhalle des Z e n t r a Iv r e h h o s e S für die Ausstellung gewonnen. Zugelassen zur Ausstellung sind sämtliche Kleingärliier Groß-Bcrlins, selbst wenn sie der veranstaltenden Orgonckation nicht angehören. Ehrenpreise sind zugesagt worden: vom Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirtschast. Wohlfahrt*- Ministerium, Eiodt Berlin uiw. Auch der Magistrat Wien, der in hervorragendem Maße daS Kleingartenwesen ganz besonders fördert. hat gleichsallS Ehrenpreise zur Ausstellung gespendet. Eine neue Gchiffahrtsliuie biS Kienbanm. Gutem Vernehmen nach soll schon im nächsten Jahre eine schiffbare Verbindung der hinter Alt-Buchhorst bei Grünbeide belegenen märkischen Seen hergestellt werden. Es würde dann für Motor- und Ruderboote möglich sein, von Berlin auS über die Müggel durch acht weitere Seen zu fahren. Die ersten Vorarbeiten� zur Verbreiterung der nur meterbreiten Gräben zwischen Möllen-, Elien», Baberow». Bauern- und Liebenberger See sind bereits im Gange. Ein Konsortium will an den einzelnen Seen größere Restaurationslokale anlegen, deren völliger Mangel aus weiter Strecke bisher die Ausflügler von diesem schönen Wald- reichen Gebiet fernhielt. Nur die Wandervögel scheuten den Weg nicht. Bon Alt-Buchhorfl bis Liebenberger Mühle soll eine besondere Motorbootlinie eingerichtet werden.— Leider ist auch von einer neuen Naturverschandelung in jener Gegend zu berichten. Die Kieslager rechts vom Möllensee, die vor acht Jahren zur Ab- Holzung weiter Forstbeständ« und zur Anlage mehrerer Stichkonäle führten, baben den Erwartungen nicht«ntspröcden, da der Kies erst 8 bis 0 Meter unter dem Niveau liegt und wenig ergiebig ist. ES ist daher die AbHolzung weiterer Waldgebiete der RiiderSdorier Far'! in Aussicht genommen. Obstblüte im Spätsommer. Der zweite Trieb, der in heiße". Jahren um die Zeit des Spätsommers bei manchen Bäumen auf- tritt, ist diesmal auch an Obstbäumen zu beobachten. Apfelbäume und Pflaumenbäume beginnen zum zweiten Male zu blühen. Ja Niederschönhousen steht auf einem Gartengrundstück der Bismarck- straße ein stattlicher Apfelbaum, der sich bis zum Wipfel hinauf mit Blüten bedeckt hat. Im Frühjahr hatte er diesmal nur spärlich ge- blüht und Früchte setzte er dann gar nicht an. Jetzt will er nack- holen, was er versäumt Hot. Bielleicht könnten die Bersiner noch das Vergnügen haben, Herbstblütenfahrten nach Werder zu machen Am Ende ernten wir dann im Oktober nockmal K'��n und— um Weihnachten frische Aepiel. Der Derllner Generaldirektor für Släbtebau. Die städtische Sledlunqsdeputation hat dem Berliner Magistrat sür die Besetzung des Postens eines Generaldirektors sür Städtebau und Siedlungs- wesen an erster Stelle den Stadtbaurat Dr. In. Heinrich H o e h l e in Harburg a. d. Elbe und den Stadtbaurat Friedrich Z o l l i n g e r in Merseburg vorgeschlagen. Der Magistrat Berlin beabsichtigt die Wahl in einer seiner nächsten Sitzungen vorzunehmen. Dachstuhlbrand tu der Kameruner Skraße. Die Berliner Feuerwehr hatte heute abermals mehrere gefährliche Brände zu löschen. U. a. ein größeres Feuer in der Kameruner Straße SS, wo der Dachstuhl des Miethauses heute früh um ü Uhr in Flammen stand. Die S. Kompagnie war schnell zur Stelle. Es gelang ihr durch kräftiges Löschen den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken.— Am Bahnhof Putlitzbrücke brannte nachts ein Eissnlagerplatz der Firma Gustav Holzapfel in solcher Ausdehnung, daß die 4. und 6. Kompagnie viermal alarmiert wurden. Die Entstellung beider Brände war noch nicht aufzuklären.— Der Schaden, der bei dem Brande auf dem Holzlagerplatz von E. Joumetz, Doeckhstr. 22/23, entstanden Ist, übersteigt 00 000 M., wovon indes nur 3000 M. durch Versicherung gedeckt sind. Die Berliner und die Vorortwehren hatten gestern und heute noch eine größere Zahl kleinerer Brände zu löschen. Gefälschte Eintrittskarten zum„Philharmonischen Orchester", welche nach Ansicht des Gericht» nur durch«in« Beteiligung der in der„Philharmonie" tätigen Angestellten ermöglicht werden konnten, ! führten den Privatlehrer Felix Müller gestern vor die Ferien- straftammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hatte ge'�ändlich aus alten entwerteten Eintrittskarten durch Zusammenkleben, Ra- suren und Fälschungen des neuen Datums Eintrittskarten hergestellt und verkauft.— Das Gericht brachte in dem Urteil zum Ausdruck, daß die Hauptschuldigen offenbar unter den Angestellten der„Phil- Harmonie" zu suchen seien und verurteilte den Angeklagten, der sich in Not befunden hatte, nur zu 3 Monaten Gefängnis be' bedingter Begnadigung. Die Reichs-Zentral« für Seidenkanin-Wirtschaft(Leipzig Uferstr. IS) weist auf die volkswirtschaftlich« Bedeutung der An. g o r a z u ch t hin, die besonders darin liegt, daß sie erstens dem Züchter außer dem Erlös an Fleisch und Fett durch die Woll- gewinnung eine sehr fühlbare Nebeneinnahme verschafft, zweitens der Industrie in absehbarer Zeit regelmäßig größere Mengen Wolle zuführt, un» dadurch in der Wolleinfuhr unabhängiger vom Aus- land macht, dritten» die Allgemeinheit mit Fleisch und Beklndungs- stücken verschen kann, denn es steht fest, daß das Angorahaar in- folge seiner Weichheit und Feinheit, seiner Leichtigkeit und schnee- weißen Farbe für die Textilindustrie besonders wertvoll ist. Für Angorakcminwolle zahsi dt« Reichc-Zentrale für Eeidenkaciin-Wirt- jchaft die höchsten Preise und tauscht außerdem reinweiße Ware gegen Strickwolle bester Qualität, schwarz und grau, oder gegen hochwertige Domenkleiderstoff« in modernsten Farben um. Diese Vergünstigungen werden jedoch nur an Züchter gewährt, welche di? bei ihnen anfallende Wolle regelmäßig an die Reichs-Zentrale Seidenkanin-WIrtschaft abliefern DaS Wetter für morgen. Verlitt«ttd Umgegend. Trocken, überwiegend heiter: am Tage warm bei mägigcn östlichen Winden. Grofi-Herliner parteinachrtchiken. 2. Jireto TceraarteU.»ie tttr Mit ,»ch. dm 21.«uguti leftgesegte Rtt U»f rtreU.- Versammlung stadet«ist am Zt. August, abend» 7 Uhr, w der Dorstheeuschutcu Mildeim-Haomer Str. 2, statt lntchl Wil»nae ist. Die'e Uebe, stunde» werden oft bis obenas 19 Uhr ausgedehnt. Andere Betriebe find zur Schichtarbeit übergegangen und wird teilweis« in drei Schickten gearveilel. Auch in den Ateliers ist die Beichältigung gut! fast alle Ateliers sind an die Firmen ans längere Zeit vermietet. Dem- qzgeiuibcr ertlärcii aber die Albeitgeber:»Die überaus schwierige Lage der Andustrie lärt keine, auch nickt die gering st e Lohnerböhung zu. Speziell in unierer Industrie zeigt sich der ganze Jammer des Proleten. Während der Masten- darsteller oft eine TngeSgage von 35 M. erhält und im Monat oiel'ach nur zwei bis drei Tage Beschäftigung bat, zahlt man den .Filmstaren'Tagesgaqen bis zu in Betrage von t999 9 Mark uns noch darüber. Anstatt nun hier zu sparen, zieht man«S vor, spottschlechte Löhne in der Filmindustrie zu zahlen. Am 16, August war wiederum eine vei Handlung vor dem SchlichluiigSaiiSiajiiß, in dieser wurde den Arbeilgebern anfgegeben, bis zum 27. August mit den Arbeunehi«erorg<»>. mtione» in direkte Berhandlunge» zu treten.— Die Arbeitnehmer sind nun nicht mehr gewillt, sich länger an der Nase herum. führen zu lassen,— In einer Versammlung am Sonnabend, übei die ja bereits berichtet wurde, tam der lebhafte Unwille über die provozierende Haltung der Arbeitgeber zum Ausdruck.— Die Periainmelten erklärten sich bereit, mit allen Mitteln für eine Lohn- erböhung einzutreten, und warten darauf, daß sie zum Kamps ge- rufen werden. Die Lage ist kritischl Um den Arbeitgebern den Willen klar zu machen, daif ieu Montag keine einzige Ueberstunds in der gesamten Filmindustrie gemacht loerden.— Kollege», achtet streng auf die Durchfübning Meies Beschlusses! Im übtigen halte» sich die Kollegen bereit, dem Rufe der Organiialion unverzüglich Folge zu leisten! Auch in den Kinolheatern spitzt sich die Lage immer mebr und mehr zu. Die Vorführer, deren Tarif Ende dieses Monats abläuft, stehen mit den Arbeitgebern in Ver- Handlungen In der ersten Verhandlung mit dem»Verein der Ltchlbildlheateroesitzer' boien diese den Vorführern in der ersten Sraffel einen Wo chenlohn von sage und schreibe— 299 Mark. Daß dies für»nS vollkommen undiskutabel war, braucht wohl nicht hervorgehoben zu iveiden. Auch die zweite Ver- Handlung, in der schon 250 M. geboten wurden, verlief ergebnislos. Bei den V-rhanSlu»gen mit dent„Wirt'chgftkbiind der Kinolheatcr- besitzer', diese Organiialion umsaßt die größeren Theater sKonzer» U'a. Dekla. Bioslop. Vereinigte— Neutölln». a.) wollten uns die Arbeitgeber weiß machen, daß im ganzen verflossenen Jahre auch nicht der geringste Nutzen bei den Theatern sich ergeben hätte. Auch hier sind die Verbandlungen noch nicht abgeichlosten. Die Theaterangestellten, deren Tarif ebenfalls ab« läuft, nahmen an, Sonnabend Stellung zum neuen Tarif, der den Theaterbefitzern sofort eingereicht wurde. kann den wahren Wert dieser Arbeitgeb« auffastung würdigen. Als Motivierung für die Nichtwiedereinstellung wurden auch„D«» triebsei nschräntungen' ms Feld geführt, die totsicher m 8 bis 11 Tagen restlos behoben sind. Leider stellte sich der Schlichtungsausschuß nicht auf den Stand- punkt, daß die Aussperrungen fast ausnahmslos als Maßregelungen zu betrachten sind. Es mag das wohl darin begründet fein, daß der Vorsitzende in Beegbausragen Laie und über die einschlägigen Fragen zu wenjg unterrichtet ist. Das hat ihn veranlaßt, in zirka 59 Proz. aller Fäll« sich auf die Arbeit« geberseite zu schlagen und die N i ch t w i e d e r« i n st e n u n g als berechtigt anzuerkennen. Wenn es nicht gelingt, für die nächsten Verhandlungen«inen Vorsitzenden zu bestellen, der Bergfachmann und sich der Tatsache bewußt ist. daß durch das Diktat der Arbeftgeber hier eine große Zahl von Existenzen ruiniert werden soll, so wird damit zu rechnen sein, daß 199 und noch mehr Bergbau- angestellte nicht wieder eingestellt werden. Die Ar- beitgeber haben dazu noch in„loyalster Weise' dafür gesorgt, daß im nahen limburgischen Kohlenrevier und vielleicht auch im Ruhr- revier keiner von ihnen unterkommt. Was sagen dazu die Behördeu und die Regierungsstellen?__ Der Herr Demobilmachungskommissar. In letzt« Zeit mehren sich die Fälle, in denen sich Arbeitgeb«, insbesondere staalliche, an den Demobilmachungskommistar wenden, um sich üb««gangene Entscheidungen des Schlichtungsausschustes Groß-Berlin zu beschweren. Obwohl heute überall bekannt sein müßte, daß Entscheidungen auf Grund des§ 87 des BRG. endgül- titze sind, und es keine Stelle in Deutschland gibt, die� hieran etwas zu ändern vermag, scheint diese Kunde bis in die Räume des De- mobilmachunzskommissars noch nicht gedrungen zu sein. Der Herr Demobilmachungskommissar weist nach§ 87 BRG. ergangene Eni- scheidungen zur Entscheidung an den Schlichtungsausschuß zurück. Erst wieder am 16. August 1921 hatte sich die Spruch- kommer 199 des Schlichtungsausschustes Groß-Berlin mit«in« zu» rückoerwiesenen Entscheidung zu befassen, ohne daß die Kammer für die Auffassung des Demobilmachungskommistars das«forderliche Verständnis aufbrachte. Unter unparteiischem Vorsitz des Herrn Landrichters Dr. Loewenthal lehnte die Kammer das Ansinnen als gesetzwidrig ab. Ein Beisitzer des Afa-Bundes hatte sich geweigert, an dieser Dcrhandlung üb«haupt mitzuwirken, wofür er vom Vorsitzenden in eine Ordnungsstrafe von einer Mark genom- mcn wurde. Nach dem Strofbeschluß ist diese„Summe' als aus- reichend erachtet worden, weil das von dem Beisitzer als rechtswidrig bezeichnete L«langen des Demobilmachungskommistars ein solches darstellt. Gegen die Sttaffestfetzung wird der Rechtsweg beschritten werden. Ist die Frage gestattet, wie lange noch der Herr Minist« für Handel und Gew«be diesem Verfahren des Herrn Demobilmachungs- kommistars untätig zusehen wird? Billigt es der Herr Minister, daß Organe der deutschen Republik öffentlich zu gesetzwidrigen Hand- lungen auffordern und d«jenige bestraft wird, welcher die Teilnahme hieran ablehnt? Um Antwort wird gebeten. ZurüSizewiesene MoSkauere:. Was suchen die Moskau« auf Amsterdam« Kongresten? Diese Frage ergibt sich unwillkürlich ans den Bemühungen der Moskau«, ~, �...._ i sich 3" den gegenwärtig in Innsbruck tagenden internatlo- ®"»t er ersuchte m se.nem Schlußwort d,e.«nzemen Beruss.„aie,, Kongressen der Steinarbeiter und der Bau- gruppen fkausmannlsche Angestellte, Techniker und Wer me,ster). ihre Arbeiter Einlaß zu verschaffen. Was die Moskauer mit solchen Antrage für d.e aufzustellenden Forderungen den Tan kommusionen M�ooern bezwecken, ist freilich längst bekannt, so daß in beiden ihn« Verbände zu unterbr-lwn D-efe w«den geme.n-am d.« Vor- 55Ü£n beschloflen wurde, ihre Zulastung abzulehnen. Die italieni- chlage prüfen und zu ein« Vorlage zu'ammcnstellen, dl« dann einer, Delegierten zum Lauarbeiterkongreß fühlten sich durch die neu«, gemeinsamen Versammlung unterbrett-t mmen wird. Da die Weisung der Moskau« getroffen und verließen deshalb den Saal. Unternehmer auch den Manleltar.k aekundigt lncken. werden zu«st W„nn erst die G e w e r k s ch a f t e n i n R u ß l a n d ihr- Ver- die Verhandlungen darüber zum Abschluß gebracht w«.,en müssen, trauensmänn« wieder selber wählen können, dann werden diese aus allen Arbeiterkongresten kam«adschaftlich aufgenommen. So- 1 lange sie jedoch gezwungen sind,„Moskauer' zu delegieren, müssen die Kongreste sich vor unnütz« Behinderung ihrer Arbeiten schützen, Tarifkündigung in der chemischen Industrie. Ein« sehr gut besuchte Afa°Mitgliederv«sammlung der Ange- stellten der chemischen Industrie tagte am Montag in Havellands Fest- säle. Nach den Beschlüssen ein« Funktionäroersammlung sollt« die Versammlung eigentlich zur Frage, wann die Gehaltssätze des Tarifs zu kündigen seien, Stellung nehmell. Die Situation hat sich aber, wie I u n g b l u t vom ZdA. in seinem Referat ausführte, seitdem erheblich»«ändert. Das Kartell der christlich-natianalen Angestelllen- verbönd« kündigt« in der ersten Hälfte des August die Gehaltsstasfel zum 39. September. Als Antwort darauf hat der Arbeitgeberverband am 15. August sämtlichen am Tarif beteiligten Ange- stelltenorganisationen nicht nur das Gehaltsobkommen, sondern den ganzen Tarif gekündigt. Zweifellos, meinte Redner, werde da- durch der Kampf ein schärf««, als wenn die Angestellten nur das Gehaltsobkommen gekündigt hätten. Heb« die Notwendigkeit, angesichts der Zunahme von Teuerung und Steuerlasten die Gehaltsbezüge zu steigern, brauche kein Wort mehr verloren werden. Auf die Schlichtunq-ausschüsie könne man sich hierbei nach allen Ersahrungen nicht verlassen. Nur durch das geschlossene Zusammenstehen in den Gerverkschasten könne man etwas«reichen. Es sei zu unterstreichen, was der ADEB. in der Beziehung in Aufrufen an die Arb-eiterschast heroorgeboben habe. Die Tarifkommission habe bisher davon abge- sehen, bestimmte Vorschläge für die Forderungen zu moche»; sie erwarte von den Versammelten Anregungen dazu. Wenn die Kollegen- schalt einig und geschlosten hinter ihren Organisationen stehen, werde sie siegreich bleiben.(Lebhafte Zustimmung.) Günter, Techniker, behandelte das Wesen des Tarif- Vertrags. Er betont«, daß auf keinen Fall bsi der Tarifrevision auf eine Trennung der Betrieb« in Kleinbetrieb« und Großbetrieb« «ingegangen werden könne. Nachdem noch Keller als Vertreter des Werkmeisteroerbandes den Ernst und die Bedeutung der Lage gewürdigt hatte, entspann sich eine lebhafte Diskussion. In den Ausführungen oller Redner kam energisch der Wille zum Ausdruck, den Kampf um die Verbesserung der Lebenslage aufzunehmen und alle Versuch« der Unternehmer, die sozialen Bestimmungen des Tarifs zu verschlechtern, abzuwehren, Der Vorsitzende konnte feststellen, daß die Ausführungen für di- Tarftkommission wertvolle Anregungen ergeben hätten. Gemastregelte Bcrgbau-Llngestesite. Vor dem Schlichtungsausschuß in Aachen wurden am 19. August die ersten StreftfAle der aus Anlaß des Streiks massenhaft gemäß- regelten Bergbau angestellten verhandelt. Was wir von vornherein vorausgesetzt hatten, daß die Arbeitgeber die dem Herrn Geheimrat Tiburtius versprochene Loyalität und die Ver- meidung von Maßregelungen und Härten in einer Form auslegten,„wie ich sie auffasse", haben wir in dieser Derhand- lung zur Evidenz«fahren. Wer es mit angehört hat, mit welch haarsträubenden Verdrehungen die Arbeitgeber die Berechtigung zur Nichtwiedereinstellung motivierten, konnte sick des Ein- drucks nicht«rwebren, daß diese Herren in einer Lesuitenschule groß- gezogen sind. Für seden ehrlich den'enden Bergbausachverständigen — für welche dies« Herren allerdings nur sich seibst ansehen— lag es auf der Hand, daß die Besetzung der verschiedensten Posten mit Ar- beftern od« frisch von der Bergschule entlassenen jungen Leuten voll- ständig unzureichend und nur zu dem Zweck und Ende vorgenommen war, den Ausgesperrten ihre Ueberflüssiakeit nach-uweisen. Von Mit- gliedern der Betriebsräte wurde in m-.chl«en Fällen auf die sehr große Berantworttichkeit einzelner Posten hingewie'en urch betont, daß bei der jetzigen Besetzung dieser Posten-ine genügende Sicher- beit nicht gewährleistet sei. Was schert das ab« die Berg- berren? Für sie sind Betrisbsratsmiiolieder, wie Herr Direktor Albrecht ousführle, keine kompetenten Faktoren, um über Betriebs- o«höltnisse, Betriebsichwierigkeiten und Betriebsgcfahren«in Urteil abgeben zu können: sogar die Fähigkeit. Schlagwetteransammlungen konstatieren zu können, wurde einem Betriebsratsmitglied bestritten, das üb« zwanzig Iabre den Hauerberuf ausgeübt hat. Für den Herrn Achrecht ist zur Beurteilung derartiger Fragen neben ihm nur die Bergbehörde maßgebend und sonst niemand. Wer aber beachtet, daß Betriebsratsmitglieder täglich Grubenfahrten machen, die Herren von der Bergbehörde dagegen meist nur alle Jubeljahre, der Wilmersdorf. Die Gewerkschaftsunterkommission legt Wert darauf mitzuteilen, daß entgegen der am Sonntag erschie» nenen Notiz zur Gewerbegerichtswahl, wonach aus zwei Bezirken das Resultat fehlte, dah die Unterkommission nach beendeter Wahl das Gcsomttesuttat an die Berlin« Gew«kschaftstommission wett«- geleitet hat. Aus d« Soling« Industrie wird gemeldet, daß jetzt auch die im Deutschen Metallarbeitervcrband, im Christlichen Meiollarbeiter- oerband und Soling« Industricarbeiterverband organisierte Ar- beit«schaft zu d« durch die gegenwärtige Teuerung entstandenen Ver. schlcchterung der Lebenslage Stellung genommen hat. In getrenn- len Versammlungen tagten die Vorstände der Hcimarbcitergruppen. Die gestellten Anträge sollen in gemeinsamen Verhandlungen zwischeu Unternehm«» und Arbeitern beraten werden. Sla»arbciter»erda»d. Margen nachm. 5", Uhr Mitalledervertmnmlnng kr Een>?rkschai>»ha>,a, Cngelufrr IS, großer Saal, Bortrag der Senossen Vachmann und Abrämawilsch, gcatrakerband der«nvesteLten. Export, Mitgliederoertammlung am ?on»er»iag 7><, Uhr im Englischen Hof, Reue Rahftr. S.— Privalvergcherung. Oeffenilickie Versammlung am Donnerstag 7 Uhr in de» Musikersälen, Kaiser- Wiihelm-Sir. Sl. Deutscher Aotzardcitern�Mad. Dcrmaltunasstelle Berlin. Die Berteauen»- leute und V.urtedsräte der»Well- und sZadrittischler au» den Metalldetrieben und Dtodell'abrilen oerlamnieln sich am Mil'.moch, den 24 d. M, adeno» 7 Uhr, im Desangs'cal de» Eophien-Kqmnasium», Weinmeiiieestrahe 15. Tagesordnung: Bcttchl ron den Verhandlungen mit den Metallindustriellen. Jeder Betried muß vertreten sein. den redakt. Teil: viltar Lchiss, Berlin; für Anzeigen: Verlag: i-orioörls-Verlag S, m, v. H.. Berlin. XcuJ Bar» Bcrantriortlich für m.«lote. Bernn, Verlag:________»»W>. W»>WW> «Sris-Vuchdeuckerei u. Berl-iasonilait Baut ginget«. Co, Berlin Lmtnitu 2, Valks-Rsfee- Verband Geschäftsstelle: Neukölln Münchcncr Straße 53 vom 3 bis 10. September: Durch den Odenwald zum Neckar bis Heidelberg Wiederhotung der o. 18.— 25. Juni veranstaltet Ferientahrt Tetlnehmerlane einschl. Fahrt u. 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