Nr. 403» ZS. Jahrgang flusgabe M Nr. 204 BczugSvrctS: VierteljähiUM,— M. monail. 10,— M, f�ei ins onus, norau» zahlbar. Pah» bezug: Monatlich 10,— M. einschl. i)u- ftellunaszedllhr Unier Zlreuzdand für Deulichland. Danzig. das Saar- und Memelqediel. sowie die ehemals deul- schen Gebiet- Polen» Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20.- M. für da» übrige Ausland 27.— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tschecho» Elowalei. Dane» uiark, Holland. Luremdurg. Schweden und die Schweiz Der„Dorwam" mit der Sonntagsbeilage»Voll und Jseit* der Unter. Kaltungsdeilag» �eimmelr" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� «rlcheint wochenläglich zweimal. Sonn» tag» und Montag» einmal. Telegramm» Adresse t aSozialOemafcal Berlin" Morgen Ansgabe c CroB» Berlin 30 PI- auswärts 40 Pfennig D Berliner Oolksblntt ölnzctzenprrl», Die achtgespaltene«-»»»»reillez-il» tostet h.li0 M.Stet»» Hlnzetgen" da» lettgedruckt- n»rl lchd M.(zu. lassig zwei tettgedruckl,»»r,e>. sede» weitere Wort l.— M. 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Zwei Burschen traten ihm plötzlich in den Weg und gaben ihm zwölf Kugeln in den Kopf. Erzberger ist tot. Die Täter sind bisher unbekannt. Der Abgeordnete Dietz-Rndolszett, der Erzberger begleitete, wurde verwundet, lebt aber noch. (Bereits am gestrigen Spätnachmittag als Extrablatt des„Vorwärts" in Verlin verbreitet.) Als wir vor?>ehn Wochen die Ermordung des unabhän- gigen Führers Gareis in München melden mußten, da schrieben wir:„Ein neuer Mord— und wahrscheinlich nicht der letzte— in der nicht abreißenden Kette reaktionärer Eewalttaten." Furchtbar schnell hat sich die Voraussage erfüllt: ein poli- tischer Führer, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, liegt von Mörderhand erschossen. Abermals sind die Täter entkommen, wenn wir auch diesinal hoffentlich sagen können: zunächst. Denn bei den Begleitumständen der Tat, bei dem Ueberleben eines Augenzeugen, sollte es eigentlich einer halbwegs findigen Polizei nicht schwer sein, die Mord- buben zu ermitteln. Wenn wir aber auch über die Person der Täter in diesem Augenblick noch nicht unterrichtet sind, über ihre Art und ihre Beweggründe kann kein Zweifel herrschen. Sie entstammen jenen politischen Kreisen, die in Worten von Beteuerung ihres„Deutschtums" triefen und die es in Taten durch systematischen hinterlistigen Meuchel- m o r d beweisen. Sie sind aus der Schar jener Rechtsbolsche- wisten, deren Politik in der Beseitigung des politischen Geg- ners gipfelt, sie sind Fleisch vom Fleisch und Blut vom Blut der Mörder Liebknechts, Rosa Luxemburgs, Kurt Eisners, Landauers, Paasches und Gareis'! Wir erkennen auch die moralischen Mitschul- digen der Tat: das sind die Rechtsparteien, die Deutsch- nationalen und die Deutsche Volk spartet in ihrer Allgemeinheit, wobei besonders ihre Presse Erwähnung verdient. Gegen keinen Mann in Deutschland ist eine schamlosere und gemeinere Rietze entfaltet worden als gegen den ermordeten Erzberger. Man hat mit Hilfe korrum- pierter Beamter seine Steuerakten gestohlen, man hat ihn grundlos des Meineids verdächtigt, man hat die niederträch- tigsten Lügen über seine Person kolportiert, man hat ihm jedes Schlechte nachgesagt, man hat ihm persönlich die Verantwor- tung für jedes Unheil, für jeden Mißstand in die Schuhe ge- schoben. Und der Grund dieses Kesseltreibens war kein anderer, als daß Erzberger den Mut hatte, die Konsequenzen aus der Niederlage zu ziehen, in die ganz an- dere Männer und Kreise Deutschland hineingeführt hatten. Die wirklich Verantwortlichen drückten sich feige vor den Folgen ihrer Politik, Wilhelm entfloh nach Holland, Ludendorff kniff nach Schweden aus. Als die größenwahnsinnigen Militärs das deutsche Volk in den Ab- grund gestoßen hatten, da wandten sie ihm den Rücken und sagten:„Seht zu, wie ihr herauskommt". Damals war es wirklich nicht leicht, als Unschuldiger und Unbelasteter die fluchbeladen« Erbschaft anzutreten, die Deutschlands Ver- derber hinterlassen hatten. Erzberger hat den Mut gehabt und das wird sein unvergängliches ge- schichtliches Verdien st bleiben. Er schloß den Waffen- stillstand als Deutschlands Unterhändler ab, um den Hinden» bürg und Ludendorff auf den Knien gefleht hatten, worüber wir erst jüngst unwiderlegliches Aktenmaterial veröffentlicht haben. Was vorauszusehen war, geschah: die wirklich Schuldi- gen stempelten i h n zum Sündenbock. Sie handelten unge- führ wie jetzt die Wettschieber Koehn. Bieder- mann und Genasien. Wie Herr Klonte sich jetzt noch von denen, die nicht alle werden, Lorbeerkränze überreichen und als Volksbeglücker feiern läßt, so fanden auch die deutschen Militaristen ihr Publikum, das sie weiter mit gläubiger Ver- ehrung beklatschte. Wie die Wettkonzernbelden ihren betröge- nen Schäflein einreden, daß alles gut gegangen wäre, wenn man sie nur hätte weiter wirtschaften lassen, so finden heute noch Lrdendorff und Genossen Gläubige tür ihre Gerichts- sälschung, daß im November 1918 der Sieg„zum Greifen nahe" gewesen sei, wenn man ihnen nur weiter die Führung überlassen hätte. Der böse Konkursverwalter wurde zum Sllndenbock: statt Ludendorff und seine Eliqne z u ä ch t e n, umheulte das benebelte deutsche Bürgertum Erz. berger als den„Verräter". Aber dieses Geschrei wäre wohl mit der Zeit verstummt, wenn nicht Erzberger ein in den Augen jener Kreise noch viel größere, ganz unsühnbare Verbrechen began- gen hätte; wenn Erzberger nicht gewagt hätte, das geheiligte Portemonnaie der Besitzenden anzutasten. Er hatte nicht nur den Mut, die politische, sondern auch die finanzielle Folgerung aus dem verlorenen Wellkrieg zu ziehen. Er schuf das neue Steuersystem mit gewaltiger Staffelung nach oben hin, das dem Besitz die Hauptlasten aufbürden sollte. Das war viel schlimmer als die Friedensreso- lution von 1917, das war viel schlimmer als der Waffenstill- stand von 1918. In ihren heiligsten Gefühlen getroffen, er- hoben sich Geldsack und Grundbesitz gegen den Mann, der es wagte, als bürgerlicher Politiker ihre Rechte auf Dividenden so schnöde zu kürzen. Das gekränkte Portemonnaie fand seinen würdigen Fechter, dessen Name nicht vergessen werden soll, wenn von den moralisch Mitschuldigen an der Ermordung Erzbergers die Rede ist: Herrn H e l f f e r i ch. Indem er in seiner be- kannten bedenkenlosen Art einen Feldzug gegen Erzberger eröffnete, wuchs der in allen Sätteln gerechte Bankdirektor zum Heros der Deutschnotionalen. Die Früchte seines Tuns sollten ihm schon klar wreden, als während der Verhandlung des Prozesses Erzberger- Helfferich die Schüsse des Fahnenjunkers Oltwig v. Hirschfeld auf Erz- berger krachten. Das war die erste Frucht der Hetze. Die deutschnationale Presse suchte in gewohnter moralischer Verkommenheit die Sache ins Lächerliche zu ziehen. Noch mehr: der feige Atten- täter wurde als Blüte edel st en Deutschtums von ihr gefeiert. In einer Art geschah dies, die unverhohlen zur Wiederholung der Tat aufreizte. Diese„christlich,!" und„nationale" Presie wird die Verantwortung für das neue erfolgreichere Attentat nicht von sich abschütteln! Was etwa noch die deutsthnational« und volksparteiliche Presse versäumten, das besorgten deutsche Richter. Für das lebensgefährliche Attentat auf einen deutschen Reichs- minister verhängten sie die Strafe von— einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis! Das war im Fe- bruar 1929. Die Strafzeit Ostwigs v. Hirschfeld muß also gerade vor ein paar Tagen abgelaufen sein. Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, daß er mit dem neuen Attentat etwas zu tun hat. Aber die Tatsache, daß er bereits wieder der Attentäter fein könnte, stellt dieses Urteil an den Pranger der Welt. Wir finden in den Urteilsgründen, daß die Richter im Hirfchfeld-Prozeß dem Täter seine„ideale Gesinnung" als besonders strafmildernd angerechnet haben. Diese Richter, die in feiger Mordtat ideale Gesinnung er- blicken, stehen an vorderster Stelle unter den moralischen Mitschuldigen der neuen Mordtat. Ihr Urteil mußte nach außen hin nicht als Bestrafung des Attentats wirken, sondern als Aufreizung zu einem neuen Attentat— und es h a t so gewirkt. Moralisch ebenso schuldig wie diese Richter sind jene anderen Richter, die eipen Lebius für zweimalige nachdrückliche Auffor- d e r u n g zum Mord an Männern wie Professor Einstein, Hello v. Gcrlach usw. zu ganzen 1900 M. Geldstrafe verurteilten. Diese Richter, die im Banne politischer Borein- genommenheit sich nicht überwinden konnten, Mordversuch »nd Mordaufforderung gebührend zu bestrafen, weil die Täter ihnen politisch nahestanden, die Opfer ihre politischen Gegner waren, sie sind— mögen sie auch nur instinktiven Vorurteilen erlegen sein— die Hauptschuldigen an der Erscheinung, daß in Deutschland sich eine reaktionäre Mordtat an die andere reiht. In unserem gestrigen Abendblatt wiesen wir warnend darauf bin, daß die Hetztätigkeit der Rechtsparteien uns fascistischen Zuständen in Deutschland zutreibe. Als diese Zeilen in Druck gingen, krachten, wie zur Bestätigung, die Schüsse auf Enberger. In keiner Ansprache an die Partei- führer sagte der Reichstogspräsident L o e b e:„Die Revolver- kugeln, die Erzberger niederstreckten, haben nicht nur ihn. sondern die Rühe und den Frieden unseres Landes getroffen" Das ist nur allzu wahr. Aber die Urheber solcher Taten mögen sich nickt täuschen. Die deutsche Arbeiterschasi wird sich gegen diesen Fascismus mt Wehr zu setzen wisien. Die fortgesetzten reaktionären Mordtaten werden Wirkungen auslösen, die sich ihre Urheber nicht haben träumen lassen. Freilich wird sich die Arbeiter- schaft nicht auf den Kampfboden der feigen Mordtat und des Schießens aus dem Hinterhalt locken lasien, der das Lebens- elcment der Reaktion ist. Sie wird im Äuge behalten, daß diese Mordtaten erwachsen sind auf dem Baden der von den gesamten Rechtsparteien betriebenen Agitation. Sie wird im Auge behalten, daß die Mörder von diesen bis- her noch immer physisch und moralisch gedeckt worden sind. Gegen diese Parteien, die wohl öffentlich den Mörder verleugnen, aber gerne seinen Dolch arbeiten lassen, wird sich der Kampf der Arbeiterschaft richten, der s ch o n u n g s- loseste, erbittert st e Kampf. Er wird sich richten gegen die Gesamtheit jener, die Regimentsappelle ver- anstalten, im Stadion Kontrollversammlungen abhalten und das Volk Tag für Tag provozieren. Erst wenn jenes ganze Gefchmeiß von Monokelträgern, Wichsftudenten und Haken- kreuzlern mit dem Revolver in der Hosentasche und Hurra- schreiern von der politischen Arena hinweggefegt ist, erst dann wird die Luft in Deutschland moralisch gereinigt sein. Wie öas verbrechen geschah. V a d G r i e g b a ch. ZS. Aug.(MTV.) Zur Ermordung des Reichs- tagsabgeordnetcn Erzberger erfahren wir folgende Einzes« Heiken: Erzberger befand sich heuke vormikkag gegen S Uhr aus dem Wege von Rad Griesbach zur Alexanderschanze beim Kniebis. In seiner Regieilung befand sich der Reichstagsabgeordnele Diez. Es sollen zwei Burschen im Alter von 2S Jahren als Täter in Betracht kommen, die die beiden Abgeordneten voneinander t r e n n- ten und aus der Verfolgung den Abgeordneten Erzberger durch mehrere Schüsse in die Brust und den Kops nieder- streckten. Der Abgeordnete Dich wurde verwundet und befindet sich im Spilal in Opprnau. Eine Gerichtskommls- s i o n hat sich mit Polizeihunden an den lalort begeben. Der Vorgang spielte sich in der zehnten Morgenstunde ab. Mit Sicherheit konnte bereits festgestellt werden, daß kein Raub- m o r d vorliegt. « Weitere Einzelheiten über die Mordtat meldet die Telegraphen- union aus Oberkirch: Die beiden Reichstagsabgeordneten Diez und Erzberger gingen in der Zeit zwischen 10 und 11 Uhr vormittags auf der von Gries- dach nach Freudenstadt führenden Landstraße spazieren. In naher Entfernung folgten ihnen zwei Männer. Den beiden Abgeordneten wurde die Cache ungemütlich, sie machten kehrt und gingen auf der Landstraße nach Griesbach zurück. Auch die beiden Frem- den wandten sich um und gingen nahe an Erzberger und Diez heran. Ohne irgendein Wort zu sagen, zog einer der Fremden schließlich eine Schußwaffe und drückte los. Durch den Schuß wurde der Abgeordnete Diez an der Schulter verletzt und stürzte zu Dodcn. Erzberger sprang nun über die Böschung der Straße, um sich den beiden Unbekannten zu ent- ziehen. Diese eilten ihm nach und feuerten mehrere Schüsse auf ihn ab. Bei der Verfolgung brach Erzberger zu- s a m m e n, was die beiden Täter aber nicht abhielt, unausgesetzt aus den am Boden liegenden Mann zu feuern, der von 12 Äugeln durchbohrt alsbald verstarb. Inzwischen war Diez wieder aufge- standen und hatte sich zu Erzberger begeben, der bereits ver- schieden war. Di« beiden Töter standen in nicht allzu großer Entfernung, wahrscheinlich, um sich zu überzeugen, daß Erzberger tot war. Den Abgeordneten Diez liehen sie unangefochten. Sie verschwanden, als Diez sich vom Platze wegbegob, um Hilfe zu holen. Di« Leiche Erzbergers blieb den ganzen Nachmiltag a n dem Tatorte liegen, der in weitem Umkreis ab- gesperrt i st. Die D e r f o l g u n g der Täter wurde sofort aufgenommen. Di« Ermordung wurde in Oberkirch um 12 Uhr bekannt. Die sofort benachrichtigte Gendarmerie be- gab sich in Kraftwagen zum Tatort. Abgeordneter D i�e z konnte sofort eine eingehende Schilderung über die Porgänge geben, die sich am Tatort abgespielt hoben. Seine Schilderung stimmt mit unserer Darstellung überein. Ein Raub an der Leiche Erzbergers wurde nicht ausgeführt. In einer ergänzenden WTB.-Meldung heißt es: Bon den Tätern, die mit großer Kaltblütigkeit zu Werke gingen und sich kurz vorher mit einem Straßenwärter unter- hielten, liegen genaue Beschreibungen vor, doch tonnten sie bis jetzt nicht festgenommen werden. Gegen Abend wurde die Leiche Erzbergers, nachdem die Gerichtsbehörden den Tatbestand aufgenommen hatten, nach Griesbach geführt und hier aufgebahrt. Matthias Crzberger. Ein Mann ist den Kugeln der Meuchelmörder erlegen, angc- feindet wie kaum ein zweier in Deutschland, der aber gleichwohl eine der markante st en politischen Erscheinungen der Gegenwart darstellt. In Erzberger verkörpert sich eine politische Energie, wie sie seit Jahrzehnten in Deutschland zu den ganz großen Seltenheiten gehört. Eben deshalb aber trug ihm seine Tätigkeit viele Gegner ein. Man belauerte jeden seiner Schritte und Handlungen. Und da es Erzberger immer weit mehr aus das Ziel als auf die Mittel ankam, so hat er seinen Gegnern wohl auch manche Blöße gegeben, die dann allerdings von einer gehässigen Slgitation ins Maßlose vergrößert wurde. Der Schuft, zu dem ihm seine Gegner stempeln wollten, ist er nie und nimmer gewesen. Fehler und Schwächen hat er wohl gehabt und viel darum leiden müssen. Aber sie waren nicht größer als die Fehler, die man bei vielen ener- gischen Charakteren als Kehrseite findet, nur daß ihm eben keine byzantinische Geschichtsschreibung wie anderen zur Seite stand, um den Mantel über seine Blößen zu breiten,— im Gegenteill Der Kern seines Wollens war auf jeden Fall lauter. Erzberger wurde am 20. September 1875 zu Buttenhausen ge- boren. Er war dem Stamme nach Schwabe(an der Judenlegende seiner Gegner ist auch nicht das kleinste Körnchen Wahrheit), dem Glauben nach Katholik. Beides wurde für seine polltische Tätig- keit bestimmend. Sein Glaube führt« ihn der Z e n t r u m s p a r t e i zu, seine Schwabennatur aber erfüllte ihn mit gesunden d e m o- kro tischen Instinkten. Er entstammte einer Gegend, in der sich länger als in vielen Teilen Deutschlands ein starker Bauern, und Handwerkerstand erhalten hat, der die Traditionen der urwüchsigen Demokratie durch Generationen vererbte. Wie stark Erzberger in seiner Heimat wurzelte, beweist der Umstand, daß seine heimische Wählerschaft ihn immer wieder ins Parlament entsandte und un- erschütterlich zu ihm hielt, auch als die Flut der Anfeindungen am höchsten ging. Als Erzberger seine Tätigkeit in der Zentrumspartei begann, trug diese noch einen uasgesprochen reaktionären Charakter. Sie hatte ihren Frieden mit dem alten System gemocht und unterstützte es gegen gelegentliche Konzessionen. Der jung«, kaum 28jährige Mann, der als jüngstes Mitglied des Reichstages im Jahre 1903 dort austauchte, wurde bald das Schreckenskind seiner Fraktion. Sein demokratischer Instinkt brachte ihn in natürliche Gegnerschaft zu dem starren preußischen System, das auch das Reich beherrschte. Mit einer Schonungslosigkeit, die manchen alten Zentrumsherren erschauern machte, deckte er die Mängel dieses Systems auf. Namentlich hatte er sich auf die K o l o n i a l f r a g e verlogt. Seine Enthüllungen verschiedener Kolonialskandale trugen ihm schon lange vor dem Kriege die wütende Gegnerschaft der All- deutschen ein. Man wollte ihn zwingen, seine Gewährsmänner preis» preiszugeben, sein Abgeordnetcnpult sollte polizeilich erbrochen werden, in einem der sich anschließenden Prozesse gegen den Beamten Wistuba wurde er wegen Zeugnisverweigcrung in Strafe genommen. In den Kämpfen gegen den Kolonialsekretär Dernburg, die im Jahre 1906 zur Auflösung des Reichstages führten, spielte er die Rolle des Hauptangreifers. Trotzdem darf man den Erzberger dieser Zeit nicht als auege- sprachen demokratischen Politiker ansprechen. Die Art, wie«r damals die Sozialdemokratie bekämpfte, unterschied sich in nichts von der der übrigen Parteien. Aber er gehörte wohl zu jenen Leuten im Zentrum, die nach der Sprengung des Bülow-Blocks im Jahre 1S0S die Koalition des Zentrum» mit den Konservativen im schwarz-blauen Block als schweren Fehler erkannten. Dies« Koalition trug dem „ Zeytrum seine einzig« Wahlniederlage im alten Deutschland(bei den Wahlen.von 1912) ein. Der Zentrumskurs wurde wieder mehr nach links gerichtet, und im neuen Reichstag stand das Zentrum mehrfach in heftigster Opposition gegen die Regierung, es sei nur erinnert an die Zabern-Afsär«. Schon damals zeichnete sich jener Regierung?- block von Zentrum, Fortschritt und Sozialdemokratie in den Umrissen ab, der im neuen Deutschland die einzig lebensfähige Koalition«erden sollte. Bei dieser Konstellation stieg Erzbergers Einfluß im Zentrum natürlich bedeutend. Trotz der Opposition der konservativen Elemente im Zentrum, die ihn zum Teil persönlich bitter haßten, wie der alt« ' Spahn, wurde er immer mehr der ausgesprochene Führer der Partei. Der Weltkrieg kam. Es kann nicht geleugnet werden, daß Erz- berger sich in den ersten Monaten von der nationalistischen Well» hat fortreißen lassen und im Anfangsstadium de» Krieges Annexions- forderungen aufgestellt hat, die er später sicher bereuen mußte. Doch es ist kein Fehler, sondern ein Verdienst, daß er entschieden mit dieser Politik brach, sobald sein Blick sich geklärt hatte. Er er- kannte rechtzeitig, daß Deutschland gegen die ungeheure Ueber- macht der Gegner den zerschmetternden Sieg, der die Voraussetzung der Annexionspolitik war, nicht erringen konnte. So wurde er ein entschiedener Vorkämpfer des Verständlgungsfriedens. Nichts hat ihm mehr den Haß der Alldeutschen eingetragen, und doch war diese Verständigungspolitik das größte Verdien st seine» polltischen Wirtens. Sie allein hätte Deutschland vor der Katastrophe retten können, wenn sie gegenüber den Gewalten des alten Militarismus durchzusetzen gewestn wäre. Hier traf sich denn auch Erzberger mit der S o z t a l d c m o k r a t i e. In der Erkennt- nis, daß die Sozialdemokratie die beste und zuverlässigste Kern- truppe einer vernünftigen Außenpolitik sei, legte Erzberger aner- zogene Scheu und Vorurteile gründlich ab. Die Einzelheiten dieser Periode sind so bekannt, daß sie hier nicht ausführlich geschildert zu werden brauchen. In der berühmten Sitzung des Haupt- ausschusses vom 6. Juli 1917 legte Erzberger schonungslos dar, daß der U-Boot-Krieg ein Fehlschlag und an Sieg nicht mehr zu denken sei. Niemals in seinem Leben hat er mehr recht gehabt als damals. Tatsächlich überzeugte er auch die Mehrheit des Reichs- tage-. Es kam der Sturz des ewig unentschlossenen Kanzler» Beth- mann Hollweg, es kam die F r i e d e n sr e s o l u t i o n des Reichs- tages, deren Wirkungen aber von der Militärpartei und ihrem Kanzler Michaelis sabotiert wurden. Es kam die Hcrtling-Periode, das Zentrum gelangte in die Regierung, aber der demokratisch verdächtige Erzberger wurde über- gangen. Mit ihm und der Sozialdemokratie blieb auch weiter eine energische Verständigungspolitik au» der Reichsregierung verbannt. Erst als es z u s p ä t, als der Z u s a m m« n b r u ch da war, wurde Erzberger Staatssekretär in dem kurzlebigen Ministerium Max von Baden. Ihm siel die undankbarste aller undankbaren Aufgaben zu, den W a f s e n st i l l st a n d zu unterzeichnen. Er tat es auf aus- drückliche Forderung Hindenburgs. Räch der Revolution— und das ist sein zweites bleibendes Ber- dienst— stellte er sich mit innerer Warme und ohne jeden Vorbehalt auf den Boden der Republik und Demokratie. Man sah in ihm kaum noch den Zentrumsmann, sondern fast nur den demokratisch gesinnten Schwaben. Solange Erzberger da» Zentrum führte, blieb es in demokratischen und republikanischen Fragen zuver- lässig. Mit Hilfe des Arbeitersiügel» gelang es Erzberger immer wieder, der konservativen Gegenströmungen in seiner Partei Herr zu werden. An der Schöpfung der Weimarer Verfassung hott» er al» Vizekanzler hervorragenden Anteil. Als Finanzminister der Republik schuf er dann sene demokratische Steuergesetz» gebung, die heute noch seinen Namen trägt. Es ist gewiß kein schlechtes Denkmal, das er sich hier gesetzt hat. Aber die hohe Be- steuerung des Kapitals verdoppelte und verdreifachte den Haß der durch die Revolution gestürzten Klassen gegen ihn. Bon allen Seiten wurde geKZN ihn miniert» und gebohrt, mit allen Mitteln gearbeitet und schließlich trug der Heros der Steuerscheusn, Herr Helfferich, vor einem alldeutschen befangenen Gerichtshof den Sieg über ihn davon. Zur gleichen Zeit erfolgte das erste Attentat. In der Folge des Prozesses maßte sich Erzberger vom politischen Leben zurückziehen. Trotzdem wählten ihn seine engeren Landsleute im Juni 1920 wieder in den Reichstag. Die Deutschnationalen aber fürchteten sein Wiederauferstehen, sie arbeiteten unermüdlich weiter gegen ihn, doch ihre Anklagen dos Meineids, der Steuerdesraudation usw. erwiesen sich als gänzlich haltlos. Der Ausschuß der Zentruwspartei beschloß vor wenigen Monaten, Erzberger die poli- tische Tätigkeit wieder freizugeben. Vielleicht hat dieser Um- stand die Meuchelmörder zur Tat getrieben. Vielleicht hat sie noch der weitere Umstand bestärkt, daß das Zentrum in der Person der Abgeordneten Trimborn und Burlage eben erst seine beiden Fraktionsvorsitzenden im Reichstag« verloren ha!i>?, wodurch die Möglichkeit einer erneuten Führerschaft Erzbergers wieder in greifbar« Nähe gerückt wurde. Dies sind die wichtigsten Daten aus dem Leben eines Mannes, dessen erschöpfende Darstellung nur in einer politischen Ge- schichte der letzten 20 Jahre gegeben werden könnte. Im besten Mannesalter hat ihn der Mord gefällt. Für das republikanische und demokratische Deutschland ist der Verlust groß. Erzberger war kein Repräsentant der Arbeiterschaft, sondern des demokratischen Klein- bürgertum». Aber einer von denen, die erkannt hatten, daß demo- kratische Politik sich nur m i t d e r A r b e i t e r s ch a f t z u s a m m e n treiben lasse. Er war kein Sozialist, aber seine praktische Politik hat zweifellos für den Sozialismus fördernd gewirkt. Er hat als bürgerlicher Politiker vom ersten Tage der Revolution an ehrlich und entschieden zur Republik gestanden. Die Treue. mit der er für Völkerverständigung, für Republik und Demokratie, für soziale Gesetzgebung gekämpft hat, hat er durch den Märtyrer- t o d besiegeln müssen. Das sichert ihm, mag er uns in seiner Welt- anschauung auch sonst fern gestanden haben, für alle Zeiten ein ehrendes Andenken. Genosse Loebe über üen Norö. Die von uns an anderer Stelle schon erwähnte Aus- spräche der Parteiführer mit dem Reichskanzler, die am Frei- tag nachmittag in der Reichskanzlei stattfand, wurde auch mit der deutschnationalen Ermordundg Erzbergers befaßt. Der Reichstagspräsident, Genosse L o e b e, führte dazu folgendes aus: Wir stehen alle unter dem erschütternden Eindruck der Nachricht über den grausamen Mord an dem Reichstags- kollegen Erzberger, die uns soeben erreicht. Mir fehlen Worte, das Verbrechen zu kennzeichnen, an dessen politischem Ur- sprnng kaum ein Zweifel möglich ist. Aber ich werde den Eindruck nicht los, die Rcvolverkugeln, die unseren Kollegen niederstreckten, haben nicht nur ihn, sondern die Ruhe und den Frieden unseres Landes getroffen. Sie werden unberechenbare Folgen für unser unglückliches Volk und Vaterland haben. An dieser Stelle kann ich nur den Parteifreunden des Ermorde- ten meine tiefste Teilnahme aussprechen. Während der Ansprache unseres Genosten Loebe hatten sich alle Teilnehmer der Sitzung von ihren Plätzen erhoben. Es ist wahrscheinlich daß die Re i ch s r e g i e r u n g zu dem politischen Mord an Erzberger durch eine K u n d g e- b u n g Stellung nehmen wird. Grfte Geileiüskunügebungen. Berlin. 26. August.(MTB.) Im Namen der Reichs r«. g i e r u n g hat der Reichskanzler Dr. W i r t h an die Witwe des früheren Reichsfinanzministerz Erzerger nachstehendes Telegramm gerichtet:«Auf die Kunde von dem feigen Meuchelmord, der an ihrem Gatten oerübt wurde, gedenkt die Reichsregierung ehrend des ehemaligen Kollegen. In ihrem Namen spreche ich Ihnen die auf- richtig« Teilnahme an dem schweren und grausamen Verlust« aus, den Sie erlitten haben, und gebe zugleich dem ti«f«n Abscheu Ausdruck, den die Mordtat in ganz Deutschland erwecken muß." Ferner hat der Reichskanzler Dr. Wirth folgend«? Telegramm an Frau Paula Erzberger gerichtet:„Erfahre soeben in tiefstem Schmerz den gewaltsamen Tod ihres Herrn Gemahls. Zu dem grausam harten Schicksalsschlog. der sie und Ihre Familie in dem verabscheuung-. würdigen, feigen Meuchelmord an Ihrem Gatten betrosten hat, unter- breit« ich Ihnen meine innigste Teilnahm«. Gott möge Ihnen die Kraft geben, diesen schweren Schlag zu überwinden, der einem ar- beitsreichen, dem Dienste der Allgemeinheit un«r- müdlich gewidmeten Leben ein jähes Ende bereitete." An den Abgeordneten Diez, Oppenau, telegraphiert« der Reichs- tanzler:„Die furchtbare Nachricht von dem fluchwürdigen Verbrechen. das ein feiger Meuchlcr an unserm Parteikollegen beganzen, hat mich tief erschüttert. Daß nicht auch Sie ein Opfer des Mordbuben wurden, dazu beglückwünsche Ich Sie und wünsche baldige Genesung." Berlin. 26. August.(MTB.) Der R e i ch s p r S s i d e n t hat an die Frau des ermordeten Reichsministers a. D. Erzberger sol- gendes Beileidstelegramm gerichtet:„Tief erschüttert durch die Nachricht von dem Verbrechen, dem Ihr Gatt« zum Opfer siel, spreche ich Ihnen meine herzliche Teilnahme aus. Möge Sie das Bewußtsein trösten, daß in lebhafter Entrüstung über die abscheuliche Bluttat weit« Kreise des beut» scheu Volke» an Ihrer Trauer aufrichtigen Anteil nehmen.__ Die Parteiführer beim Reichskanzler. Die Aussprache der Parteiführer beim Reichskanzler, die gestern stattfand, trug vertraulichen Charakter. Sie be- schSstigte sich mit der Entscheidung über Oberschlesien, dem deutsch-amerlkanischen Friedensvertrag, der Einbringung der Steuervorlagen und der neuen Lohn- und Sehaltsregelung für die Arbeiter und Beamten. Eine frühere Einberufung des Reichstages wurde zu- nächst nicht ins Auge gefaßt. Des weiteren wurde im allge- meinen Einverständnis beschlosten, auch von einer Ein- berufung des Auswärtigen Ausschustes vorläufig noch Ab- stand zu nehmen. Es ist dagegen vereinbart worden, dem- nächst wieder eine Besprechung der Führer der houptsäch- lichen Parteien beim Reichskanzler'stattfinden zu lasten. Empfang des mexikanischen Gesandken. Der R e i ch s p r ä s i. dent hat heute den mexikanischen Gesandten Bolblno Davalos. zur Entgegennahme feines Beglanbigungs- schreiben? empfangen Bei dem Empfange war der Reich,- minister des Auswärtigen Rosen zugegen. Die baperische Regierung provoziert! In Bayern spitzen sich die politischen Gegensätze immer mehr zu. Die Ursache liegt nicht bei denArbeitern. Die Auseinandersetzungen hatten sich notwendig aus der Stel- lung der Regierung Kohr und ihres Propheten, des Münche- ner Polizeipräsidenten P o e h n e r, entwickelt. In Zu- sammenwirkung mit der zunehmenden Teuerung, der unehr- lichen Eetreidcpolitik der bayerischen Regierung und der Un- oerfrorenheit der bayerischen Monarchisten ist vie Empörung der Arbeiter immer höher gelodert. Für gestern abend hatten die Betriebsräte und die Ge- werkschaften in München eine große Teuer ungs- demonstration angesagt. Mit ihr iollte die Richtung d».s politischen Willens der Münchener Arbeiterschaft klaren Ausdruck finden. Unser Parteiblatt hat offen ausgesprochen, daß in den derzeitigen Zuständen eine Konfliktsgefahr liege, daß die Arbeiterschaft sich deswegen hüten müsse, durch Spitzel und andere unsaubere Elemente zu unnützen und zu unklugen Handlungen verleitet zu werden. Dennoch ist alles, was rechts von der Republik steht, in München und weit darüber hinaus in heller Aufregung. Beachtenswert ist, daß die großen De- pefchenbureaus wie die„Dena" und die„Telunion" d'.e hahne- buchensten Alarmnachrichten verbreiten. Die TUi meldet z. D., daß die Lage in München als sehr ernst angesehen werde. Die Regierung werde„mit allen Mitteln" ent- schlössen sein, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Truppen sei.-n aus Grafenwöhr zurückberufen und würden vollständig aus- gerüstet durch die Stadt marschieren. Die„Dena" wagt es sogar, folgenden Satz zu verbreiten:„Wenn es nach dem Willen der Führer geht, müssen diese Demonstratio- nen, die einen rein politischen Charakter tragen sollen, zu ernsten Zwischenfällen führen". Es sei auch der Befehl ge- geben, daß jeder Arbeiter Frauund Kinder zur Demon» stration mitnehme, ängstliche sollten zu Hause bleiben und ähnliches mehr! Die bayerische Regierung hat in einer Erklä- rung die Bevölkerung dringend gewarnt, sie werde„mit allen Mitteln Ruhe, Ordnung und Sicherheit aufrecht erhalten". In Auswirkung dieses reaktionären Uebermutas hat der Polizeipräsident Poehner eine Bekanntmachung an den Straßenecken und Plakatsäulen ankleben lassen, die besagt: „Die Gewerkschaftsvereine und Betriebsräte Münchens ver- anstalten eine Kundgebung gegen die Teuerung. Sicherem Bemehmen nach sind im Anschluß an diese Versammlungen Straßenkundgebungen zum Zwecke einer politischen Umwälzung geplant. Kundgebungen der Straße sind verboten. Ich werde sie m i t a l l e n M a ch t- Mitteln rücksichtslos unterdrücken. Wer sich vor Schaden bewahren will, meide die Straße." Wer die von uns zusammengestellten Tatsachen ruhig überprüft, wird darüber klar sein, daß die bayerische Reaktion zu einem entscheidenden Schlage gegen die Republik ausholt. In München, wo man sich am sichersten fühlt, wo man glaubt, sich alles leisten zu können, will man es daraus ankommen lasten. Wie weit das geht, zeigt der nac'/'olgende Drahtbericht unseres Spezialkorrespondenten über die— � Königsgeburtstagsfeier in München: In der Hofkirche wurde aus Anlaß des Namenstae«s des ehe- maligen König» Ludwig von Bayern eine Meste gelesen, zu der sich die Familienangehörigen des Königshauses in beträchtlicher Zahl eingefunden hatten. Die Kirchcnbänke waren fast ausschließ- lich von früheren Hofbeamten, verabschiedeten und„v e r- fassungstreuen" aktiven Staatsbeamten, besetzt. Die Bayerische Königspartei war mit ihrer Fahne am Platze er- schienen. Auch in anderen Kirchen feierte man den Tag. Das Ludwigsdenkmal an der Isar zeigte Blumenschmuck. Schon am Abend vorher hatte die Bayerische Mittelpartei eine Versammlung im Hofbräuhaus einberufen, die unter der Leitung des Obersten v. Tylander in eine offene monarchistische Kundgebung ausartete. Tylander pries mit beredten Worten die Taten der bayerischen Löwen im Weltkriege und setzte den bayerischen Füh- rern einen frischen Lorbeerkranz aufs unsterbliche Haupt. Nach einem Hoch aus den ehemaligen König und das Haus Wittelsbach sang die Versammlung stehend die Königshymne und„Deustchland über alles". Das geschah alles unter den Augen des Herrn P o e h n er I Die reaktionäre Hetze wird in Bayern durch die kleine monarchistische Landpresse ausgebaut, ihr Häuptling ist der „Miesbacher Anzeiger", der feine Hauptaufgabe in der Pflege der niedrigsten Instinkte und gefährlichsten politischen Leidenschaften sieht. Alle Republikaner ohne Unter- schied der Partei niüssen sich darüber klar werden, daß es so, wie es jetzt von Bayern aus unter dem Echo der immer frecher werdenden Schuldigen an Deutschlands Zusammen- bruch getrieben wird, nicht mehrweitergehenkann. Wir wollen und werden uns und die Republik zu verteidigen wisten. Der schärfste Kampf muß allem angesagt werden, was Deutschland, das sich eben mühsam aus dem Elend des Er- oberungskrieges der Ludendonfe zu erheben beginnt, erneut in das Chaos zurückstoßen will. Wenn es noch nie gegolten hat, jetzt gilt es. Seien wir bereit! Ebert an die Republikaner in Münche«. Reichspräsident Ebert hat folgendes Danktelegramm an die Leitung des republikanischen Reichsbundes gesandt: Ueber die an mich gerichtete Kundgebung des republikanischen Reichsbundes aus Anlaß der Verfassungsfeier und die Bekundung treuen Festhaltens an der Verfassung der deutschen Republik habe ich mich sehr gefreut. Für die mir gewidmeten freundlichen Grüße danke Ich Ihnen, indem ich sie herzlich erwidere. Dem Bund und der Bundesleitung wünsche ich für weitere? Wirken für den Reichsgedanken und die demokratische Derfastung des Reiches guten Erfolg. München. 26. August.(Eigener Drahtbericht des„Dorwärts".) Die von den Münchcner Gewerkschaften und Betriebsräten einbe- rufenen Moffenp rote st Versammlungen h�en an Ducht Eindruckes alle, bisher Dagewesene weit übertroffcn. Di« Zahl der Teilnehmer aus dem werktätigen Volk ist mit 50 000 nicht zu hoch gegriffen. Alle öffentlichen Säle waren gefüllt, in den Bier- gärten und selbst auch auf den Straßen standen die Genossen zu unübersichtbaren Massen Schulter an Schulter gedrängt. Im Kindt- Keller sprach vor zirka 8— 9000 Zuhörern der Münchcner Betriebsrat Freimerker. Er wies auf das ungeheure Elend hin, das der Krieg über uns gebracht hat. Seine Ausführungen gipfelten In den Forde- rungen: 1. Anerkennung der 10'Punkte des allgemeinen Gewerk- fchaftsbundes: 2. Die Errichtung einer Zentrale aus den Kreisen der Betriebsräte, die die Löhne nach der jeweiligen Indexziffer festsetzt: S. EinführungverfassungsmäßigerZu stände i n B a y e r n und 4. die Planwirtschaft. Die Versammlung stimmte auch dem Redner in feiner Behauptung, dj« politisch- Selbständig. > machung Bayern» sei gleichbedeutend mit dem wirt- Nr. 403 ❖ 38. Fahrgang Oeilage des Vorwärts SonnabenS, 27. Die„reaktionäre Maffe� im Roten Haufe» Nur eiue Politik sozialistischer Zuverlässigkeit ist möglich. Der„ViirgerlSloik' für die kommenden Ttodiverordneienlnahlen sckeint auf Situoieriqkeilen flohen, io sehr man sich auch aus Seilen der NechlSparteien um sein Austandekommen geniüht hat. Er wird also im Wahlkourpse vermullich äußerlich nicht in die Erscheinung treten. Um so nachdrücklicher muh darauf hingewiesen »Verden, daß er innerlich längst besteht, daß eine Ideen- und Interessengemeinschaft ziim Schutze der heiligsten Güter der besitzenden und bevorrechtigten Kreise in Groh-Berlin längst ge- schlössen worden ist. Der K o m m u n a l f r e i s i n n unter Merten- scher Führung hat sich selbst in kulturellen Fragen als so reaktionär erwiesen, dah er den Wettbewerb mit den Teutschnationalen getrost aufnehmen konnte. Kern Wunder also, dah er erst recht in allen Fragen, die Nrbeilerinteressen oder die Interessen der ärmeren Bevölkerung an- gingen, in erster Linie in Lohn« und Steucrfrazen Arm in Arm »nil der Reaktion gegangen ist. Ter Kampf geht also in Groh-Vcrlin in der Tat gegen eine einheitliche,.reaktionäre Masse", die sich mit Händen und Fützen, »nit allen ihren reichen Macht- und Geldmitteln gegen eine forlschritl« lick«: und arbeiterfreuiidliche Kommunalpolitik sträubt. Ter Kampf lväre schon während der kurzen Lebensdauer der bisherigen Stadt« verordnetenvcrsammlung leicht gewesen, er wäre auch in Zukunft leicht, Ivenn diesem„Biirgerblock" eine Einheitsfront der Berliner Arbeiterschaft entgegenslünde. wenn e>ne vom BerantivortungSbewiihisein getragene, geschlossene iosialistische Mehrheit eine zielsichere Realpolitik im Rahmen deS zurzeit Erreichbaren zu betreiben bereit wäre. Wir wisien, dah daS leider bisher nicht der Fall war, dah die kommunistische Fraktion alles darauf angelegt hat, um durch rein agitatorische Anträge und Forderungen, an deren Erfüllbarkeit sie selber am allerwenigsten glaubte, die sogenannte sozia« lrktische Mehrheil zu sprengen. Wir haben eS mil Beschämen er« leben müssen, wie ihre Mitglieder da» Stadtparlament zurSchwatz- und Radaubude und zuletzt aar zum Ranfboden gemacht und dadurch sener reaktionären Masse da? willkommene Wosier auf ihre Mühlen geleitet haben. Die Kommunisten haben sich ein billige» Vergnügen daraus gemacht, in Fällen, wo unsere Fraktion im Interesse der arbeilenden Bevölkerung einmal rait den bürgerlichen Parteien stimmte, den höhnenden Ruf von der.reaktionären Masse" zu erheben.' Sie haben von uns die Ouittung dafür erhalten, als sie so manchesmal— namentlich in Sleuerfragen— gegen die wirklich sozialistischen Parteien mir den Teutschnationalen zusammen gestimmt haben. Wo eS ihrem Agitationsbedürfnis entsprach, babcn sie skrupellos die augenblickliche Not der Arbeiterschaft beiseite geschoben»ind sind Arm in Arin mit der Reaktion gegangen. Wir werden eS der Berliner Arbeiterschaft in aller Deutlichkeit zu sagen haben, dah die Kommunisten im Roten Hause nicht nur Schrittmacher der Reaktion gewesen sind, sondern dah ihre AgitationSpolitit s e l b st im letzten Grunde s o r e a k l i o n ä r w i e m ö g l i ch ge- lvesen ist. Denn wer bei seinen politischen Forderungen und Anträgen die bestehenden Gesetze mit demselben Saltomorlale überspringt wie die wiriichafilichen Möglichkeiten, der hindert gerade dadurch eine wirkäche Realpolitik im Interesse der minderbemittelten Be- vblkerung. Tie AlleS-oder-nichtS-Politik der Kommunisten fand ihre selbstverständliche Krönung in der Ablehnung des Etats, über deren geradezu verheerende Folgen für die Arbeiter- und Beamtenschaft Groh-BerliuS und für die Selbständigkeit und Entschluhfreiheit der Einheitsgemeinde sie sich keine grauen Haare wachsen liehen. Leider haben sie sa hierbei die unabhängige Fraktion on� ihrer Seite gesebeu. Auch sie hat nicht erkannt, welchen B ä r e n.d i e n st sie mit diesem sinnlosen Beschluß ihrem sozialistischen Magistrat, der sozialistischen Mehrheit im Ratbause und zuletzt dem Sozialismus überhanpt leisten würde. Sie hat e? trotz linscrerWarnilngnichteinschen wollen oder können, dah geradeda- durch die Stellung der Reallion ganz aiihcrordentlich gestärkt werden muhte. Wir sind gern und freudig ein große« Slück des Dornenweges, der vom Trümmerhaufen der verantwortungslosen Kriegs- wirlichast in der Berliner Kommunalpolitik bergan lührt, mit den Unabhängigen zusammen gewandert. Wir baben oft genuq eigene berechtigte Interessen hintangesetzt, oft mit ihnen gemeinsam sozialistische Gcmeindepolitik im Roten Hause getrieben. Um so mehr sind wir aber zetzt be« rechligt und verrslichtet, ihnen zu sagen, daß es s o nicht angeben kann, daß der eine Weggenosse sein Bündel einfach zur Erde wirft, wenn eZ ihm ein bißchen schwer auf den Schultern drückt, und dem anderen zuruft: Trag du'S gefälligst allein! Eine solche Politil sozialistischer Unzuverlässigkeit in u ß den Einfluß der Reaktion stärken. Der Bürgerblock geht in diesem Kampf aus'S Ganze. Gelingt es der reakiioiiären Masse jetzt trn Rathause die Mehrheit zu er- lange», so ist eS mit dem begonnenen neuen Kurs in der Berliner Kommunalpolitik vorbei. Wir haben jetzt schon in der Steuerpolitik wie ui der Schulpolitik gesehen, wie die allen.Verbindungen" und der alte Eiiislnh der kommunalen Reallion bei den geisteS- verwandten Stellen in der preußischen StaatSregierung »och ungeschivächi forlbesteheil, wie die vereinigten Real- tionäre alles daran setzen, um der sozialistiichen Kommunal- polilik Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Rur eine Partei, die diese Schwierigkeiten und Mlhsiände klar erkennt, ivird sie besiegen. Dazu trägt aber weder komm»- ii istische Weitsichtigkeit, die vor lauter ZuluitfiS- Hoffnung nicht die Not des Augenblicks siebt, noch.unab« h ä n g i g e" K u r z i i ch t i g k e i I. die die Wirkungen der eigenen Schaukelpolitik nicht zu erkennen vermag, sondern nur der klare Blick tür daS Dkögliche und Erreichbare, der dabei das Ziel nicht aus den Augen läßt. Die.reaktionäre Masie" kann nur niedergerimgen werden durch eine wirklich sozio- liitliche Mehrheit, in der die Sozialdemokralüche Partei nach ihrer Zahl und ihrem politischen Einfluß den entscheidenden Ausschlag gibt. _ Richard Lohmann. Die Wahl öer Serliner Schulleiter. Ein Versuch zur Sabolierutig der Einheilsgeme.nde. Das BezirksamtT iergarten h a t g e g e n die Wahl der Direktoren der höheren Schulen durch den Magistrat Einspruch erhoben und für sich � das Recht beansprucht, die Wahl für die in seinem Bezirk liegenden Schulen vor- zunehmen. Wird dieser Einspruch als berechtigt anerkannt, so müssen sämtliche Schulleiter und Lehrpersemen, welche in der bis- herigen Stadt Berlin angestellt werden sollen(den Berwaltungs- bezirken 1— 6), durch die Bezirksämter gewühlt werden. Denn das Gesetz kennt in dieser Beziehung keinen Unterschied zwischen höheren Schulen und Volksschulen, zwischen Lehrern, Lehrerinnen und Schul- leitern. Das Provinzial-Schulkollegium teilk diese Anficht des Be- zirksamtes Tiergarten und will sich wegen der Wahl von 3g Rektoren an die b Bezirksämter wenden. Der Wagistrat hat sich dagegen für zuständig erklärt, die Wahl selbst vorzunehmen. Dazu ist folgendes zu sagen. Bekanntlich ist auf e! n st i m m! g« n Beschluß der Stadtverordnetenversammlung der bisherigen Stadt Berlin in dem Gesetz vom 27. April 1320 bestimmt worden, daß für diese ein einheitlicher Bezirksschulausschuß für. die höheren Schulen und eine einheitliche Bezirksschuldeputation für die Boiksschulen und die Mittelschulen gebildet werden soll. Da diese Körperschaften aber für die Wahl von Lehrpersonen und Schulleiler nur Borschläge machen können, ist nicht klar im Gesetz zum Ausdruck gebracht worden, wer die eigentliche Wahl vorzunehmen hat. Die Bezirksämter kommen für die Wahl nicht in Frage. Denn weder der Oberstadt- schulrat noch seine Dezernenten haben in ihnen Sitz und Stimme. Wer soll dann aber die Anträge des Bezirksschulausschusses und der Schuldeputation begründen? Die- Dezirksamtsmitglieder sind über die vorgeschlagenen Persönlichkeiten nicht unterrichtet und können sie nicht wählen. Da die Bezirksämter politisch ganz verschieden zu- sammengesetzt sind, so würden sie auch oft die vorgeschlagenen Lehrer ablehnen. Die einheitliche SchulverwaliuNg in der bisherigen Stadt Berlin wird also aus diese Weis« unmöglich' gemacht. Ich kenne auch keinen Fall, wo eine Angelegenheit von einer Deputation vor- beraten und dann von mehreren Kö»pcrschaften beschlossen wird Das ist direkt widersinnig. Da das Fach- und Fortbildungsschul- mesen in der ganzen Stadtgemeinde Berlin einheitlich bleiben soll, ist die Wahl der Lehrpersonen f'ir dies« Schulen auch im Gesetz den Bezirksämtern, nicht aber dem Magistrat zugesprochen worden. Die ganzen Bestrebungen, die einheitliche Schulverwallung in der bisherigen Stadt Berlin zu beseitigen, sind nur daraus zu er- klären, daß man die Einheitsgemeinde Berlin be- kämpfen will. Eigenartig ist es, daß gerade das Bezirksamt Tiergarten, in dem die Deutsche Demokratische Partei das Zünglein an der Waae bildet, den Anlaß zum Kampf gegen die einheitliche Schulverwaltung in der bisherigen Stadt Berlin gegeben hat. Denn der in dem Verwaltungsbezirk wohnende Eassel hat sich sowohl in der Stadtverordnetenversammlung als auch in der Preußischen Landesoersammlung entschieden gegen die Zerschlagung der einheit» lichen Schulvcrwaltung ausgesprochen. Am besten wäre es, wenn aus den Bezirksämtern 1— 6 durch ein Ortsgefetz eine besondere Körperschaft gebildet würde, welche in Alt- Berlin die Lehrer und Schulleiter wählt und für die Schulen die Be- fugnisse hat, welche in den ädrigen Verwaltungsbezirken(17—20) den Bezirksämtern übertragen sind Es würde genügen, wenn sedes Bezirksamt 3 Mitglieder in diese Körperschaft entsenden würde, so daß sie dann aus 18 Personen bestände. Dann wäre die einheitliche Schulverwaltung gewährleistet. Der Oberstadtschulrat oder die beiden Dezernenten für die höheren Schulen und für die Volksschulen könnten dann die Anträge des Schulausschusies und der Schuldepu- tation selbst begründen.__ Erich Witte. wo öie Reiher horsten. Einer unserer Genossen, der vor einiger Zeit mit dem Boot bei der langgestreckten zauberstillen Smölde zwischen den dichtbelaubten chochwalduscrn der herrlichen Dubrowforst hinter Königswusterhausen anlegte, hatte das zweifelhafte Glück, einen halbverhungerten jungen Fischreiher, der immerhin schon die respektable Größe eines Huhnes hatte, zu finden. Das ist in Gegenden, wo der Reiher horstet, nichts so Seltenss, da die alten Reiher richtige Rabenelt-rn find und ein aus dem Neste gefallenes oder auch gestoßenes, noch nicht flügges Junges einfach seinem Schicksal überlassen. Gern holen sich Füchse oder Marder die Beute. Sie sind keine Kostverächter, wenn ihnen auch der fischige Geschmack des Reiherfieisches nicht als Delikatesse gilt. Der Finder nahm das junge Tier mit auf sein Boot und ver- sorgte es reichlich mit schnell gefangenen Fischen. Dann machte„Wik- Helm", da er ja noch nicht die Fähigkeit zum Auskncifen besaß, wachen- lang die ganze Ferienreise im Boot über märkische Flüsse und Seen mit, überall von Wanderern, Ruderern und Seglern nicht schlecht angestaunt. Munter hockte er meist auf dem äußersten Bootsrand und äugte nach seiner im Wafler schwimmenden Lieblingsspcife, die ihm noch so unerreichbar war. Bald aber zeigte sich, daß es doch nicht so ganz harmlos ist, sich so einen angehenden Seeräuber als Hausfreund zu halten. Als die Bootsrcise zu Ende gegangen war und die Fische nicht mehr so reichlich wie bisher auf der Reihertafel prankten, hackte„Wilhelm" mit s-incsri schon recht ansehnlichen scharfen Schnabel nach jedem in sein« Nähe kommenden nackten Mcnschlein und brachte einmal einem Kinde eine starkblutende Wunde im Gesicht bei. Wegen dieser allzusicischlichen Gelüste fand„Wilhelm" einen unrühmlichen Tod. Er wurde geschlachtet und wanderte zum Aus- stopfer. Wer bei einer Wanderung durch die Dubrow hinter Prieros und vor dem nach den Forsthäusern Dubrow und Sauberg führenden breiten Woldfahrweg die unweit vom U-er gelegenen berühmten Reiherhorste aufsucht, ist stark enttäuscht. So ein Horst von hundert und mehr Reihern auf beschränkter Fläche ist ein großer Abort mitten im Walde. Der ganze Boden ist gedüngt mit faulenden Fischresten, und auch an zahlreichen Baumstämmen sieht man unter den Nestern, was von den geräuberten Fischen nach natürlichem chemischen Um- wandlungzprozeß übrigblieb. Das hat früher die anderen Wilhelm« und ihre Nachkommen nicht gehindcrk, hier alljährlich einmal im Dreck zu waten und Dutzende der stolzen Luftsegler herunterzuknaklen. Heute besorgen den Abschuß nur die Förster in notwendigen Grenzen, da die einstigen Herren der Wälder weit vom Schuß sind. Ein lieb--. wuchern des überaus gefräßigen Fischreiher könnte die Nutzfischecer in den Wusterhausen-Teupitzer Gewässern empfindlich schädigen. Einträglkcher»Wshnungstaustk�. Wie man die Wohnungsnok geschöstlicki ausbeukei.- w- Die Praktiken gewisser Winkelbureaus, die sich mit dem„Woh- niingstausch" beschäftigen, wurden m einer Berhandlung vor der Ferienstrafknmmer des Landgerichts schonnngslcs enthüllt. Der Agent Ernst R e m p e l und der Kaufmann Willi Grün waren des Betrugs in mehreren Fällen beschuldigt. Rempel hatte im Juli 1920 in der Nürnberger Straße ein Bureau unter der Bezeichnung„Z em r a i n n ch w e i s für Wohnungstausch" eröffnet, ohne der Behörde hiervon Anzeige zu machen. Im großen und ganzen soll seine Tätiakeit darin bestanden haben, die Meldungen von Interessenten des Wohnungstauschs, die sich auf Grund seiner Anzeigen an den Anschlagsäulen bzw. auf seine Zeitungsinscrate hin an ihn gewandt hatten, aus einem Formular entgegenzunehmen. Die Interessenten hatten dann eine Schreibge» bühr van 15 M. für das Zimmer zu erlegen und erhielten dafür die tröstliche Zusage, daß durch seine Vermittlung bald ein passender Wohnungstausch zustande kommen würde. Rempel stellte dann die Lös Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. Neisner winkte müde mit der Hand.„Gut, ich gönne es Ihnen. Und denken Sie nicht allzu schlecht von mir." � „Ich werde gar nicht über Sie nachdenken, ich wüßte nicht, weshalb ich das tun sollte. Ich werde leben und für den Rest meiner Tage Herr sein... Leben Sie so gut, als Sie es können.— mir ist es gleich! Adieu!" Reisner öffnete ein Fenster. Ein warmer Angustabend wehte ihm entgegen. Die Straß« hinauf und hinab eilten vereinzelte Fußgänger, zwischendurch auch Kinder, vornehm angezogen, sauber und gesund, mit Vonnen, die sie behüteten. Eine heitere Sicherheit lag auf allen ihren Gesichtern, und «s gab nichts, das diese trüben konnte, denn man war in dieser Gegend sehr reich. Reisner schloß das Fenster wieder und zog alle Vor- hange zu. In diesem Halbdunkel saß er dann und brütete vor sich hin. Rein/ es wor ausgemacht: sein Kind sollte es gut habest und auch feine Frau sollte es gut haben! Ein Gefühl der Freude durchströmte ihn. Er hätte nicht geglaubt, daß es so leicht war, sich selbst zu vergessen und nur an andere zu denken. Und er seufzte lang auf. Denn machte er Licht und setzte sich an den Schreibtisch. Roch viel war in Ordnung zu bringen. Vor allem wollte er an Behrens schreiben, der seine Adresse auf dem Schreibtisch zurückgelassen hatte. Und dann wollte er mit Lucie reden. Es war joi alles so einfach... 25. Wieviel« Ehen gibt es, von denen man vorbehaltlos be- yaupten kann, sie seien glücklich? Und wenn sie es sind, wo- durcb sind sie es? Durch Harmonie? Durch die Liebe? Durch die Kinder? Durch Resignation? Durch die Betätigung des Willens, die Pflicht zu hm? Durch jenes Bedürfnis, das nach Rube verlangt und das Fügsamkeit und Unterwerfung ermöglicht? Und liegt dem Glück völlige Bewußtheit zu- gründe? Oder schwebt da« Glück nur unbestimmt im Untei.- bewußtsein, dämmernd, kaum wahrnehmbar? Jauchzt das Glück und tritt es stolz lind breit auf? Oder ist es ein in sich versunkenes Schweigen, das scheu vor jedem Tageslicht zittert? Wer die Ehe kennt, zuckt schmerzlich auf, wenn er hört, daß man von ihrem Glück spricht. Wer darf überhaupt vom Glück der Eh? sprechen? Ein Junger? Er kennt nur einen Teil jenes Weges zu Zweien, der ein langsames Kriechen auf eine Höhe hinauf und dann wieder ein mühsamer Abstieg ins Tal hinunter ist. Vielleicht ein Reifer? In ihm erstickt der Vollbesitz aller Kräfte den leis und zaghaft schweifenden Gedanken. Ein Alter? Er ist müde und liebt es nicht, zu reden, denn er will vergesten. Ein Ehemann? Er ist be- fangen. Ein Junggeselle? Er ist ahnungslos... Aber vielleicht ein Dichter? Er sieht die Zusammenhäng« zwar nicht, doch er fühlt sie. Durch die Wirrnisse der Welt und der Seele führt ihn, der äußerlich blinder ist als alle anderen zu- lammen, der sichere Instinkt des Unaussprechlichen und Ewigen, des Geistes. Und der Dichter sieht auch das Glück der Ehe nur als eine Sehnsucht, die blau und froh hinausflattert und die doch eines Tages wiederkehrt und weiß, daß sie nie ge- stillt wird. Die blau und kroh hinausslattert und resigniert zurück- kehrt, um einen geborgenen Winkel aufzusuchen und dort zu warten... Woraus? Sie weiß es nicht. Vielleicht auf das Vergessen.» Viel zu überschwänglich hat sie gehofft, als daß es mög- lich wäre, daß ihre Hoffnung sich erfülle. Enttäuschungen aber will man vergessen. Die Zeit hat ein großes, graues Tuch, das alle Enttäuschungen sanft bedeckt. Niemand stirbt unter dieser sanften, grauen Decke. Nur dämpft sie das helle Licht seiner Zuversicht und Wünsche. Die Einsicht kommt, sie ist schon ein halbes Vergesten, Und doch bringt sie sofort eine neue Sehnsucht mit, denn es lebt kein Mensch, dessen Niederlagen so groß wären, daß er nicht immer wieder von neuem hoffte. Indem man das Gestern vergißt, glaubt man an das Morgest. Und wer dem einen kalt oder mit Haß gegenüber steht, hat den Wunsch, den anderen lieben zu können. Der Mensch, der einsam ist, friert. Der Mensch will und braucht Wärme, Das Glück unzähliger Ehen ist an der Kälte der Ein» somkeit gestorben, unzählige Frauen frieren,— auch die. von denen man sagt, daß sie glücklich seiest? Die Liebe ist eine Dlüte, aber eine jede Blüte entfaltet sich, prangt eine Zeitlang, um dann zu sterben. Blumen sind für die Feste da, aber Feste feiert man nur einmal, der Rest ist Alltag. Der Zllltag trennt die Gatten, treibt sie voneinander weg, weist jedem seinen Weg, den sie oft gehen, ohne sich wieder zu begegnen. Und doch fesselt beide ein Band, an dem si« um so stärker zerren, sc weiter sie voneinander abkommen. Sie sind allein, einsam und müssen doch zu Zweien gehen. Das ist ihr Fluch. Die Liebe, die an Enttäuschungen erfriert, erstarrt, und die starre Kälte ist der Loden, auf dem langsam und hart der Haß aufwächst. Und in der Ehe ist selbst der Haß gebunden, ist von tau» send Fesseln umschlungen, die ihm den Atem nehmen, so daß er keucht und stöhnt und doch keine Möglichkeit findet, sich zu entladen. Er wird scheu und schielend und leis und hämisch, er lernt die' Kunst der Nadelstiche, von denen tausend sicherer töten als ein Hieb, die halben Worte und verhaltenen Gesten. die den anderen erzittern machen, den stummen, passiven Widerstand, an dem jede Vemühung scheitert. Eine solche Ehe ist eine Gruft. Moder umwebt-sie. Allein es kann ein Tag kommen, an dem das Band, das die Konvention geschmiedet hat, zerreißt. Alles Gift, das sich durch Jahre angesammelt hat, spritzt dann empor, der Haß glüht nicht mehr, er flammt auf, wird groß und übermächtig und befreit sich selbst. Es ist der Tag der Abrechnung. Schulden werden zu Schulden gesetzt, die Soll-Seite schwillt an und wird schwarz, während die Haben-Seite leer bleibt, ein dürftiges Vlättchen. das der Sturm blinden Zornes hinwegfegt. Es ist ein Kampf, in dem es keine Gnade gibt und in dem dennoch keines siegt, weil beide von vornherein schon verloren waren. Man trennt sich und bleibt einander trotzdeqz nah«. Nur der Tod löst den Pakt Zweier, die sich einmal dem Zwang gebeugt hatte», der Ehe heißt.(Fortsetzung folgt.) eingegangenen Meldungen ln efttem von ihm herausgegebenen „N a ch r i ch t e n b l a t t" zusammen, das er den Interessenten regel- müßig zusandte mit dem Anheimgeben, sich eine für sie passende Wohnung auszusuchen, Rempel würde ihnen dann die näheren Adressen mitteilen und sie könnten auf diese Weise miteinander in Verbindung treten. Beim Zustandekommen eines Wohnungsaus. tausch? sollte dann wieder ein Betrag von IS M. für das Zimmer gezahlt werden. Wie lukrativ dieses..Wohnungsnotgeschäft" war, geht daraus hervor, daß er schon nach acht Wochen den Betrieb für einen Betrag von 46 000 M. an Grün verkaufen konnte. Es sollen bis zu diesem Tage 150 Anmeldungen oorge legen haben, aber nach den Behauptungen der Anklagebehörde nicht ein einziger Wohnungsaustausch zu stände ge kommen sein.— Der Angeklagte Grün führte das Geschäft im Hause Große Frankfurter Str. 73 fort. Nachdem er etwa 280 An Meldungen entgegengenommen, von denen ihm nur in acht Fällen eine Vermittlung gelang, tonnte er das„Nochrichtenblatt* anfangs Oktober 1920 infolge des Buckdruckerftreiks vorübergehend nicht er- scheinen lassen, die Ausgabe desselben wurde dann gänzlich einge- stellt, ohne daß die Interessenten Nachricht davon erhielten und das Geschäft mar zu Ende.— Der Staatsamval hielt beide Angeklagten des Betrugs für schuldig, da es ihnen gar nicht darauf angekommen fei, den Interessenten Wohnungen zu verschaffen— wozu sie gar nicht in der Lage gewesen seien—, sondern nur darauf, von den Interessenten, denen falsche Vorspiegelungen gemacht seien, die vor» schüsse zu erhalten. Der Verteidiger bestritt dagegen, daß irgendein Tatbeftandsmerkmol des Betrugs vorliege. Es handle sich bei dem Unternehmen Nempels um eine ganz gesunde Idee, der heutigen Wohnungsnot abzuhelfen. Naturgemäß würde es stets längere Zeit dauern, um die verschiedenen Interessenten einander näherzubringen und einen Erfolg zu erzielen. Wenn dies nur in wenigen Fällen gelungen sei, so sei dies nicht Schuld der Ange. klagten, die durch persönliche Nücksprachen, Herausgabe des„Nach. richtenblattes" usw. alles getan hätten, was sie überhaupt tun konn« ten.— Das Gericht hielt einen Betrug nicht für nachgewiesen und erkannte auf Freisprechung. Ersenbahn und Polizeistunde. Wie die Hochbahn, Straßenbahn und Omnibusgefellschast, so werten auch die Berliner Stadt-, Ning- und Vorortbahnen sich der neuen l-Uhr-Bolizeistunde in Berlin anpassen. Die Maßnohmen der Eisenbahndirektion Berlin laufen in der Hauptsache darauf hinaus, den abendlichen Berufsverkehr auf der Stadt- bahn und besonders auf den einzelnen V o r o rt st r e tk e n den tatsächlichen Dedürsnissen entsprechend auszugestalten. So wird auf der Stadtbahn die Späterlegung einiger Züge geplant, die gleichzeitig mit der Neueinlegung von Zügen den Ber- kehr in beiden Richtungen verlängern soll. Entsprechend diesen Maßnahmen werden auch auf den Dorortstrecken die Fahrpläne des Spätverkehrs ausgestaltet und in der Hauptsache durch die Der- legung der Spätzüge. Vergrößerung der Zugabstände eine Streckung des Fahrplans erzielt, da eine Vermehrung der Züge in vielen Fällen nicht möglich ist. Bei allen diesen Maßnahmen soll jedoch auf den Berufs verkehr weitgehendst Rücksicht genommen werden, um auch den Angestellien des Gastwirtsgewerbes in den Abendstunden die Möglichkeit einer bequemen Rückkehr in die Vororte zu bieten. benutzt werden. Der Fahrpreis beträgt für jedes Kind über 10 Jahre 1,2S M. und unter 10 Jahren die Hälfte für die Hin- und Rückfahrt. Die Eltern werden gebeten, ihren Kindern Fahrgeld und Verpflegung mitzugeben. Unbemittelte Kinder haben freie Fahrt. Musikinftru mente und Badezeug sind mitzubringen. Im Walde wird das städtische Kasperletheater svielen. Die Rückkehr erfolgt vor Einbruch der Dunkelheit.— Das Städtische Marionettentheater des 20. Bezirks — Reinickendorf— spielt am.Montag, den 29. d. M., nachmittags 4 Uhr, in der Iugendhalle, hier, Residenzstr 49(Seebad). Zur Aufführung gelangt ein Märchendrama in 4 Aufzügen von Franz Pocci: „Kalasiris, die Lotosblume, oder Kasperl in Aegypten". Der Ein- trittspreis beträgt für Kinder 7S Pf., für Erwachsene 1,30 M. Für die Zlngehöriaen der Berliner Schutzpolizei findet in der Bbilhormonie«m l. September ein Konzert slatt. K-immeriSnger Walter Kirchboff bat seine Kjtwirlunq zugelagt. ES kommen Melange von Wagner mit Orchester und Lieder mit Klavierbegleitung»um Vortrag. Der Zoologiseve«arten ist siir Sesticher am beutigen Sonnabend nur bis 2 Uhr wie üblich geöffnet. Von 2 Ubr ab ist der Zutritt nur mit den Zestkarten»um Sommerseit deZ Vereins Berliner Preise zu 50 M. ge- staltet. Die Aktionäre selbst beb-lten freien Eintritt. Nicht zugelassen sind beute Aktiennebenkarten. Freikarten und Abonnement».— Das Aquarium ist davon unberührt und den ganzen Tag besuchbar. Srofi-öerliner parteinachrichten. Heule, Sonnabend, den 27. August: Charlotteiiturg-Spaadau. Sie Juristische Sprech stunde findet seden Sonnabend von 5— S Uhr im Jugendheim, Ehirlottenbura, Rofinenstr.«, statt, gel- tungaauittungen, Partei- oder Eewerlschaftibuch legitimiert. "4.«bt. Zchlendorf. 8 Uhr außerordentliche Porst-nd-sißung beim Senosien Mi-Nen. Potodamer Str.!ö. Pflicht ist es, daß jeder Funktionär erscheint. gg. Abt. M-riendorf. 8 Uhr Zusammenkunft der Mitglieder des 2. Bezirks iBezirksfllhrer Bogen) bei Hoch, Chouffeestr. 44. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwartet die Abteilungslkitung. 108. Abt.'V, Uhr bei Esbin, erweiterte Porstand-sitzung. Erscheinen aller Funktion(irc dringend erwünscht. � 42,«it.®ie»elealertenkarten zur«rrisnarstnndsstßnn, sind in«mvsang ,u nehmen beim Genossen Behrens, Tegeler Str. 22..,., Die Taub stummen. Abteilung ber SP®, veranstaltet zugunsten ber arbeitslosen Mitgliedee einen Eommeenachtsball am Sonnabend, den 27. August, fti Franz»ifchlrs Viktoria. Garten. Treptow, Am Treptower Park 25;;«, verbunden mit Dorfiibrungen, Pretskegeln, Boll und Ueberraschungen. Billette Z,60 M. inkl. Steuer im Lundesbureau, Engelufer 15, Hosgebauoe (Scwerkschaftshaus), Zimmer 11 und an der Abendkasse. In einer weiteren Resolution wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Partei angesichts der reaktionären Propaganda mit der schwarz- weiß-raten Fahne die bisher geübte Zurückhaltung aufgeben und un- beschadet des Eintretens für unsere rate Fahne auch für dia schwarz- r�t-galdene Fahne de? Republik energisch eintreten möge._ Takenliste der Partei. Ein Parteiveteran, der seit 30 Iahren der Partei treu gedient hat, ist am Dienstag in Kiel zur letzten Ruhe bestattet. Der Genosse Heinrich M a h l k e in Flensburg, der vom Jahre 1903 bis 1907 den zweiten schleswig-halsteinischen Wahlkreis Flensburg-Lpenrade oertrat, ist an den Folgen einer Operation, Jier er sich infolge einer langjährigen Krankheit von Magenkrebs unterziehen mußte, dort gestorben. Genasie Mahlke verkörpert ein gut Stück Partei geschichte in sich. Er war am 9. Mai 1831 in Dankensen(Thüringen) gebaren. Als Zlsähriger junger Mann trat er am 3. September 1872 in Hamburg dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein bei. 1874 wurde er nach Flensburg als Soldat eingezogen und blieb dann während all der Jahrzehnte dort hängen. Unermüdlich hat er in dieser Zeit für die Arbeiterbewegung und auch für das schleswig-holsteinische Parteiblatt, die„Volkszeitung", zu deren Verwalter er als Firmen- träger gehörte, gewirkt. Ddn Beruf war Heinrich Mahlke Schneider- meiste?. Später übernahm er die Leitung der Krankenkasse„Vorwärts" in Flensburg. Der Wahlkreis Flensburg, der vorher van dem Antisemiten Raab vertreten wurde, ging später wieder an die Gegner verloren, bis unsere Parteigenosten ihn bei den Reichs- tagswahlen van 1912 wieder eroberten. Genosse Mahlke hatte sich in den letzten Iahren aus der öffentlichen Parteiarbeit zurück» gezagen, aber blieb deshalb den Idealen der Arbeiterbewegung nicht weniger verbunden. Unter starker Beteiligung haben die Flensburger Arbeiter ihn am Montag vormittag zur letzten Ruhe begleitet: am Dienstag nachmittag wurde er im Kieler Krematarlum seinem Wunsche gemäß eingeäschert. Soziales. ?ugenüveransta!tunyen. Berel» Aetellee.Znge»».««kretoriat-««.«8, Jindenftr. I, 2. Hof link», g Treppe» recht», tele»»»»: M»l. in«S—K., Wanderungen am Sonnabend, den 27. August: heim Berliner Straße kFinanzamt). � ech»n»«»lee B»rst«»t I: Melcho« Schwär, ekee—Nonnenfließ, Trekkpunkt%8 Uhr Bhf. Schönhauser Alle,(Eingang Hochhahnhos Äsrdring).— Wil»iee«*»rs: Tiesenfee, Treffpunkt I Uhr Rathaus. Wanderungen am Sonntag, den 2S. August: AMershas: Hebet Land, Tresspunkt S Uhr Marktplaß.— Suchhol): Bernau, Treslpuukt>48 Uhr am Bhf. Blankenburg.— Töpeuick: Nachmiltagswanderung —' resspuntt W Uhr Lchlaßplatz.— Friedrichshagra!«chöw Erkner— L Schnitz,.... mulpa, Treffpunkt 8 Uhr an der z»7 Uhr Jugendheim.— Moabit: Turmstraße.— Rieberfchöneweide! ähre.— Hermsdorf: Lehnitzsee, Treffpunkt iichelsberge, Treffpunkt 5 Uhr Strom-, Ecke __________________ Schlaubelal, Treffpunkt H« Uhr Jugend- ei».— ZIlebeeschi»h»use»l Seegefeld— Finkenkrug— Nauen, Treffpunkt« Uhr Friedensplatz.— R»rbe»: Nauen— Brieselang, Treffpunkt« Uhr Bhf. Gesund» brunnen.— Prenzlauer Borstatt: Wildparf— Lienewitzfee, Treffpunkt>48 Uhr Aleranderplatz(Beralina),— Seintckeadoef-Vst: Nüdersdarfrr«alkberge. Treff. ikt>4« Uhr Bhf. SchSnhalz.«Spenicker viertel: Strausberg— Büders- mpelhof: Dubraw, Treff- punkt>4« Uhr Bhf. Tempelyof.— o-"->->g: tfuhtung durch Alt-Berlin-stölln, Treffpunkt 7 Uhr Müller-, Echo Sellmf.raße. Unverkäuflicher R»b-«k«ffee. rwe»in Interesse der früheren Gemeinde Panto«»org«.__ uommene Zuckerschiebung lag einer Anklage wegen Vergehens gegen dsrf—«rkner. Treffpunkt'« W' Rariannenvwtz.- Sei die Berardnung der Reichszuckerstelle zugrunde, die die 1. Ferien-»unkt>4« Uhr Bhf. Tempechof. Führung strafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Angeklagt waren der* y""'c"" Plakatmaler und Gemeindeschöfse Paul Schindler und der Ober» bürgermeister Wilhelm Kubig, beide aus Lerlin-Pankow. Schindler war in Pankow Gemeindeschöffe und gleichzeitig Leiter der Lebensmittelabteilung, von diesem zweiten Amt wurde er später von dem Angeklagten Kubig abgelöst, der später in da» Bürgermeisteramt berufen wurde. Eine Revision der Lebensmittel- bestände im Jahre 1919 ergab das Darhandensein van Riesen- mengen überflüssiger Dinge, so z. B. von 600 Zent- nern Kaffeeersatz, welcher unverkäuflich war. Man faßte deshalb den Entschluß, um diesen Rübenkaffeeersatz loszuwerden, gleichzeitig Zucker zu oertaufen, den di« Gemeinde kurz vor der Rationierung in großen Mengen eingetauft hatte. Durch Per- mittlung der beiden Angeklagten wurden nun neben dem Kaffee- ersatz an die Beamten des Amtsgerichts Derlin-Mitte 46 Zentner Zucker, an die Beamten des Postamts 20 13 Zentner, an die De- amten des Güterbahnhofs Pankow 23 Zentner und eine gleich große Menge an die Bereinigten Isalierwerke verkauft.— Das Schöffengericht Berlin-Pankow hate beide Angeklagten freigesprochen, da es annahm, daß beide in gutem Glauben gehandelt hatten. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein mit der Begründung, daß sich auch eine Gemeinde nicht über feststehende gesetzliche Bestimmungen hinwegsetzen könne und die Angeklagten sich deshalb strafbar gemacht hätten. Die Strafkammer erkannte an daß die Angeklagten lediglich die Gemeinde vor Schaden bewahren wollten, sah aber als festgestellt an. daß die Angeklagten gegen die Gesetze verstoßen hatten. Das Urteil lautete deshalb gegen Schind- l e r auf 500 M. und gegen Kubig auf 200 M. Geldstrafe. Paplerfchnihek stqll Vollarnoken. Für 400 000 M. Dollarnoten wurden einer Berliner Großbank auf bisher noch unaufgeklärte Weife gestohlen. Der Diebstahl ist wahrscheinlich in der Zeit •o«15- bis 18. d M. verübt worden. Es handelt sich um 5000 Stück amerikanische Dollarnoten die au» einem sogenannten S o r- tenbrief entwendet worden sind. An Stelle des Geldes bat dn Dieb den Brief mit P a p i e r f ch n i tz e l n gefüllt. Auf die Aufklarung des Diebstahl» und die Wiederbefchaffunq des Geldes fetzt die geschädigte Bank eine Belohnung von 23 000 M. aus. 3n de» nächsten Woche keine 5kadtverardnetevsthung. Fn der kommende» Woche findet infolge Mangel« an Beralunggstoff keine Eitzung der Stadlverordnelenversammlung statt. Rene Fahrpreise für Pferde-»nd krafldroschken. Nach einer neuen Pahzeiverardnung. die soeben in Kraft getrelen ist. beträgt bie Grundgebühr für Pferde- und Kraftdroschken 70 Pf. Do« Gangwerk de« Fahrprei«anzeiger» wird aui Siufe 8 geschaltet. Die sich hiernach ergebende Summe wird bei Pferde- droschken verfünffacht, bei elektrischen undBenzin- Krafldroschken verachtfacht. Diese Vervielfachung gilt aurii für die von dem Fahrpreisanzeiger mitangegebene Wartezeit, so daß die Gebühr— auf volle Stunden berechnet— sich bei Pfeide- droschken auf 7.30 M., bei den Kraftdraschken auf 24 M. stellt. Die Zu'chläge für Gepäck usw. werden nur einfach entrichtet. Ein achstährigee Lebensretter. Gestern nachmittag spielten zwei kleine Mädcven. Vera Goldbach und Gertrud Eiche, mit anderen Kindern em Hafenpin tz. Plötzlich verloren beide den Halt»nd rollten die steile Böschung hinab in« Wasser. Während die Spiel- getährten oavanlieien. sprang ihnen der achtjährige Walter © dl u l z au« der Luckenwalder Straße nach, holte beide Mädchen wieder heraus und rettete sie lo vom Tode des ErlrinlenS. Eine vemonstralionsverfammlung gegen dl« Tannenbergfeier beeantlaitel am Sonnta 1 in Potsdam das GewerkschgitSlarlcll und die Wahtvereine SPD. und USP aui dem Baisinvlatz nachmittag« ilt2 Ubr. Referent: Genaste Eugen B ü ck n e r. Keiner dar? kehlen.— Die Arbeiteriamariter versammeln sich'�2 Uhr auf dem Bassinplatz. fllnberoctanffaHuni« In 20. Berwattungibestrk. Das Bokfs. bstdunasamt veranstaltet am kommenden Sonntag, den 28. d. M. einen AMflug mit Kindern von Reinickendorf-Ost. Das Ziel ist der Lehnitzfee bei Oranienburg. Die Kinder treffen sich um 8 Uhr am Bahnhof Schönholz, von dort au» soll bi« Birkenwerder die Bahn Mus See Partei. vezlrksparkeltag der pommerschen Sozlaldemokrakle. In Stettin tagte am Sonntag und Montag der von 66 Dele- gierten und 26 Vertretern der Parieiinstitutionrn und der pommer» schen Reichstags- und Landtagsabgeordneten besuchte 17. Bezirk»- tag der Sozialdemokratie Pommern». Als Vertreter des Partei- vorstände» wohnte Genosse Krüge r-Lerlin den Verhandlungen bei. Bezirkssekretär Gen. Hartwig erläuterte den gedruckt vor- liegenden Geschäftsbericht des Bezirksvorstandes. Au» dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Parteiorganifatian sich� allgemein gefestigt hat. Der durch die Weimarer Parteitagsbeschlüste veran- laßte Umbau der Organisation ist glatt durchgeführt worden. Reben dem Wirtschaftsbezirk Grah-Stettin bestehen vier Unterbezirke, deren Gesamtmitgliederbestand am 31. März 1921 sich auf 26 882 Männer und Frauen belief. Während sich die Zahl der männlichen Mit- glieder seit Mär, 1920 um etwa 2000 vermehrt hat. haben sich die weiblichen Mitglieder in etwa gleichem Maße von 6300 aus 4200 verringert. Die Frauenagitation ist nicht in wünschenswerter Weise ersprießlich gewesen, auch die Bildung»arbeit litt unter dem Andränge der politischen und organisatorischen Anforde- rungen an die Organisationen und die Funktionäre, dagegen zeigt die Jugendbewegung eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung. Auch die Parteipresse hat eine Entwicklung genommen, die uns mit Genugtuung erfüllt. Zurzeit bestehen in Pommern drei selbständige Berlagsunternehmungen, und zwar in Stettin, Giralsund und Käsiin Die drei Parteizeitungen haben eine Reihe van Kapfblättern. Die letzten Wahlen haben gezeigt, daß unsere Partei auch in Pommern das vertrauen der Massen genießt und die weitaus stärkste Arbeiterpartei ist. In den kommunalen und pro- vinziellen Körperschaften, sowie in den Kreistage» nimmt unsere Partei eine achtunggebietende Stellung ein. Zum Parteitag in Görlitz wurden als Delegierte gewählt: als Vertreter von Groß-Stettin Ballack und Genz. für den Unterbezirk Stettin P a s s e h l, für den Unterbezirt Franzburg G e h r k e- Stralsund, für den Unterbezirk Köslin O st w a l d» Kalberg. für den Unterbezirk Stalp Gegner-Stalp. Mit der Vertretung der pommerschen Partei auf der Frauenkonserenz wurden die Genasten Hartwig und Frau Höf» beauftragt. Im Mittelpunkte der Beratungen standen da» Referat de» 2»- zirkvoorsitzenden Gen. Schumann- Stettin über den deutschen Parteitag und das Referat de» Gen. Krüger» Berlin llber die palttifchen'und parlamentarischen Aufgaben der Partei. Di« Diskusston bewegte sich überwiegend im Sinne der Ausführungen der Referenten. Mit aller Entschiedenheit wurde oerlangt, daß der Besitz zu? Aufbringung der gewalti- gen Lasten kräftig herangezogen werden müsse. Sollte der Reichstag und die Regierung in dieser Hinsicht versagen, müsse es unsere Partei auf eine Kraftprobe ankommen lasten. Eine Erweiterung der Koalition zwecks Einflusses der Deutschen Bolkspartei wurde entschieden abgelehnt, solange diese Partei ihre Haltung nicht wesentlich revidiere. Der Entwurf des neuen Parteiprogramms wurde als unzulänglich betrachtet und ein« Neubearbeitung als notwendig erklärt. Die Meinung des Bezirksparteitages zu diesen Fragen wurde in einmütig gefaßten Entschließungen zum Ausdruck gebracht. Weiter wurde noch die Zusammensetzung des deutschen Partei- tazes einer Lesprechu-ig unterzagen, die ihren Niederschlag in sol- gender Entschließung fand: In Erwägung dessen, daß die allgemeinen deutschen Parteitage nicht mehr ziffernmäßig stark besucht werden brauchen, damit sie demonstrativ wirken sollen: in weiterer Erwägung, daß die Parteitage infolge ihres ,u großen Umfange» arbeit»unfähig zu werden drohen; und schließlich mit Rücksicht auf die enorm hohen Kosten, dt« den Parteiorganisationen au» der Delegation erwachsen, fordert der Görlitzer Parteitag den Parteloorstand aus, In Cs- meinschaft mit dem Porteiausschuß Vorschläge zu machen über eine ander« Zusammensetzung de, allgemeinen Deutschen Parteitages(Z 8 des Organifatiansstatuts). Die Gesamtzahl aller gewählten und sonstigen Delegierten soll 200 nicht ubersteigen. Beschleunigke Durchführung des Reichsversorgungsgesehes. Um den berechtigten Klagen der Kriegsbeschädigten über zu langsames Fortschreiten der Durchführung des Reichsversargungs- gefetzes abzuhelfen, will das Reichsarbeitsministerium die Uman- erkennung der Deschädigten nicht mehr van den Hauptoersargungs- ämtern, sondern von den versargungsämtern vornehmen lasten. Während bisher die versargungsämter nur bei der vor- bereitung der erstmaligen Neufeststellung der nach früheren Militär- versargungsgesetzen berechneten Beschädigtenrenten mitwirken kann- ten, die Feststellung selber aber den Haupwersorgungsamtern vor- behalten war, soll diese Arbeit in Zukunft grundsätzlich von den versargungsämtern selbständig ausgeführt«erden. Durch den Wegfall der Tätigkeit de» Hauptversorgungsamts dürfte eine große Beschleunigung in der Durchführung der De- schödigtenversorgung nach dem Reichsoersorgungsgesetz erreicht werden. Die bei den Hauptoersorgungsämtern sreiwerdenden Arl-itskräfte sollen einerseits der Beschleunigung der Umanerken- nung der Hinterbliebenen, die nach wie vor bei den Haupwersor- gungsämtern erfolgt, zugute kommen, andererseits sollen sie zum Teil den Bersorgungsämtern zur Verfügung gestellt werden. Die vom Reich, arbeiteministerium erlassene Verordnung wird im Laufe der nächsten Monat» in der Weise durchgeführt werden. daß bis zum 1. Januar 1922 im allgemeinen alle versargungs- ämter mit der selbständigen Bearbeitung beauftragt werden. Bis dahin sollen die Versargungsämter, die noch nicht selbständig ent- scheiden, doch die Lorbereitung weiter als bisher durchführen, so daß die Akten nur noch einer Ueberprüfung durch das Hauptversvr- gunzsamt bedürfen. Für den Vereich der Hauptversargungsämter Berlin und Stuttgart, bei denen die DerhSltniste besonders geartet sind. ist der Zeitpunkt für die Durchführung dieser Regelung nicht bindend. In Verlin sind bereits sämtlich« versarzunzsämter mit der selbständigen Bearbeitung beauftragt worden, während im Bereich des Haupwersorgunqsamt» Stuttgart zunächst nur die in Stuttgart selbst befindlichen versargungsämter dazu ausersehen sind. Die wahlfahrkskagung. Der Hauptausschuß für Lrbeiterwahlsahrt veranstaltet am Donnerstag, den 13. September, in Görlitz im Restaurant Tivoli, vormittag» 10 Uhr, seine erste öffentliche Wohlfahrt, tagung. Tagesordnung: ' 1. Aufgaben und Ziele der modernen Wahlfahrtspflege. Red- nenn: Genasiin Helene Simon, Schwelm. 2. Die gesetzlichen Grundlagen und der organisatorische Auf- bau der Wohlfahrtspflege. Redner: Bürgermeister Dr. Caspari, Brandenburg. 3. Aussprache. Daran anschtießend findet am nächsten Tag, Freitag, den 16. September, im gleichen Lokal, die erste beschließende Jahrcsver- sammlung statt, in der Genasiin Marie Iuchacz über„Die Ersah- rungen der Vergangenheit in der Wahlfahrtsarbeit und ihre Rutz- anwendung" spricht. Teilnehmer sind Delegierte au, den»ezirksorganisatianen für Arbeiterwahlfahrt. Säste au» den Kreisen der organisierten Ar- beiterschaft. die in den verschiedenen Zweigen der»ahlfahrt-arbeit tätig sind, sind zur Teilnahme eingeladen. Anmeldungen werden bis zum 1. September unter der Adresse: Marie Iuchacz, Berlin SM. 68, Lindenstr. 3, erbeten. Teilnehmerkarte wird zugesandt. Wegen Wahnungsbeschaffung wende man sich möglichst safart, spätestens jedoch bis 31. August, nur an den Vorsitzenden der Wah- nungskommisiian: Adresse: Gatthald Lißke, Görlitz. Luijenstr. tz. Vorträg», vereine unü verfammlunnen. D»» Sur») dS das'«' »rilSansd,»» W* UTiaastrU*«»«*»(»nirtw«tSo*| e*M- It«m Rontag, int J8. August, citnbs I U»r, i» Stift.„Milhil»»- mu«iu muuiug, um S,.««n»-/ im jicji.„atmipcuKR« nftaltstr. 12(om«nd-Itir Solnhaf),«>»!»»toftm«ffiNtlichi» Äoi*»- ------<__»fe_. �____?_ A X A«TM X ♦ T-XMIM_ 1.--■-...... Sil ______ � ig, oirmtltag«|_______ NSnigstraß«,"Vortrag di» Herrn Dr. A. Siostnbirg:„Dil ftirchV i» SngldnS" ng Dllderstndt stder„striigsairdrichir un» i»ti» __________ ,, che» wirb, eintritt frei. Ojfti hirzlich»ist- kommen.— Friiriligilfi Semei»»«�. Sonntag, vOrmitta�O 11 Uhr, tm Nathans, radenabenh ah, an dem Henninu � �-------.. nationaler Rllitsrismus sprechen wirb. Eintritt frei. _—-.~. Cpmiiai Harmonium:«us„Afrikanerin"(Meyerbeer). Gast, willkommen.—». L.-B. s. R«tu>kuUb«. Sonntag, den 28. August,«onbenmg im MUggelgebiet. Treff- punkt W Uhr Bhf. Friedrichshaaen.— Der Urhrtter-lUr». uu» siee!,::? a „Freiheit�, Lichtenherz, M. d. A..T. u. Sp.-B., hegrht heute in sterns Fest. salin, Türrschmibtstr. 45, fein 18.»rUndunzsfest. Anfang 8 Uhr. Eintritt inkl. Tanz und Steuer 8,8V M. Turnerilche Borfithrungen aller«bttitengen unb reichhaltiges Prsgram»«erde» gebste». Vriefkaften üer Redaktion. St. S. «itzuhringe». —— 1. Sie gehören ber eoangelischen Landeskirche an und müssen sthren Austritt erklären. 2. Auf laufende Mielsoerträge findet bie Bekannimachuna keine Anwendung. Barn l. Oktober b. I. ab müssen Sie aber die erhöhte Miete zahlen.-». v. 57.' 1. Ja. 2. 5-, Finanzamt Berlin. Abteilung für Gewerbe- neuer,«losterstr. 8«.—«.». 555 Der Betreffenbe muh sich cn die zuständiae Behörde seines Heimatlandes wenden, stssten sind uns nicht bekannt B«. 11. Venn ein««ündigung des Atjeitsoerhältnisses nicht erfolgt ist steht Ihnen nach unserer Ansicht ein Anspruch auf den Lohn»hzüglich bu Äiante». «elbe«|U.—».». l». 1. Di» Zahlung k-iin erst erfolae»,»enn di. Fest. st.llung Ihrer«-Mrniff, nach»««»'»«» Aofch mfeigi Ist.». ftSkmm mi mtt«Nim Arzt«»«sprachx_ »etterbericht Ii««»mit««»!«««- ZunZchst»i«st»ch un» etwa» wärmer, später neue Trübung und befander««»-r•üfts ob«.« ».ge« bei«Sstig«.»srherrsche»« westliche»»i»»«. � internationaler Steinarbeiterkongreß. Innsbruck, den 21. August 1SZ1. Gestern abend 7 Uhr trat hier der Internationale Kongreß der Steinarbciter im Lrbeiterheim zusammen. Anwesend sind sechs Delegierte aus Deutschland, drei aus Holland, zwei aus Belgien, je einer aus Italien, aus Ungarn, für das deutsche und tschechoslowakische Gebiet der Tschechoslowakei, und einer aus O e st e r r e i ch Aus Deutsch-Tirol und aus L t a l i e n i f ch- S ü d t i r o l ist je ein Gast anwesend. Die französischen Delegierten konnten nicht abkommen und ent- schuldigten ihr Fernbleiben. Die nordischen Länder sind nicht vcr- treten. Die Schweiz vertritt der Sekretär des internationalen Steinarbeitervsrbandes, Genosse K o l b, den internationalen Bau- arbeiterverband dessen Sekretär Genosse K L p p l e r. Sekretär Kolb eröffnet den Kongreß, indem er auf die schwere Ddt des Krieges hinweist, die die Arbeiterschaft über sich ergehen lassen mußte. Trotz der Unbill dieser Zeiten seien die Organi- sationen nicht schwächer, sondern nur stärker geworden. Schwere Zeiten liegen hinter uns, schwere Kämpfe stehen uns bevor, die wir nur bestehen werden, wenn wir alle Kräfte zusammen» fassen und in engster Klassensolidarität zusammenarbeiten werden. In diesem'Sinne begrüßt« der Sekretär die erschienenen Delegierten und erklärte den Kongreß für eröffnet. Nach einer Begrüßung der Delegierten durch den Vertreter des österreichisches Bau- und Steinarbeitcrvcrbandes wird das Bureau gebildet aus W i n k l e r(Deutschland) und Mörtel(Belgien) als Vorsitzende und Hausmann(Tschechoslowakei) als Schriftführer. Der Vorsitzende Winklcr führte in seiner Eröffnungsrede u. a. aus:„Der den Weltfrieden allzeit bedrohende Militarismus hat nur «ine Sitzoeränderung vorgenommen. Ob bei der neuen Macht- konstcllation der Friede besser gewahrt ist, muß erst die Zukunft be- weisen. Die Internationale war im Jahre 1914 zu schwach, den Krieg zu verhindern, sie war trotz aller Anstrengungen auch nicht im- stände, die entsetzlichen Folgen des Krieges zu mildern. Auch für die nächsten Jahre dürfen wir uns keinen allzu großen Illusionen hingeben. Ilm den Kampf zu bestehen, ist vor allem eine geschlossene Arbeiterschaft notwendig, deren Macht der vereinigten Internationale des Kapitalismus und Militarismus entgegengestellt werden muß. Die Einigung des Proletariats in eine einzige International« ist«ine Vorbedingung zum siegreichen Bestehen des großen Kampfes der Arbeiterschaft. Die Verhandlungen am Sonntag begannen mit dem Tätig- keit»b»r>cht des Sekretärs Kolb. Sofort nach Ausbruch des Kriege» bemühten wir uns, die bisherigen internationalen Verbindungen in ollen T»ilen aufrechtzuerhalten. Zum Glück war die Schweiz In diesen Weltkrieg nicht verwickelt und so konnten die Schwierigkeiten um so«her überwunden werden. Es gelang durchweg, dies« V e r- bindungen fortlaufend aufrechtzuerhalten, und zwar während der ganzen Kriegszeit. Im Gegenteil, die Korrespondenz mar zwischen Sekretariat und den einzelnen Län- dern während de? Krieges reger als vorher. Dazu gesellte sich ein weitverzweigter Austausch der Zeitungen und Korrespondenzen zwischen den Organisationen der am Kriege beteiligten Länder, die alle einzig durch die neutrale Schweiz vermittelt werden konnten. Ebenfalls oerwandten wir uns viel für die Auffindung und Ueber- mittlung der Korrespondenzen von Kriegsgefangenen. lieber die Stärke der dem Internationalen Sekretariat ange- fchloffenen Verbände ist zu sagen, daß dieselben im Jahre ISIS die Zahl von 17 655 Mitgliedern erreichten, heule aber 162 050 IMtglieder zählen: darunter ikt Deutschland mit 45 000, Belgien mit 50 000 und der amerikanische Gronitarbeitervcrband mit zirka 45 000 Mitgliedern. Anschließend erstattete der Sekretär den Kassenbericht, «elcher genehmigt wurde. Mit der Tätiokeit des Sekretärs erklärten stch die Delegfertm unter besonderer Hervorbebunn der bestandenen Schwierigkeiten einverstanden, wenn auch das Fehlen statistischer Grundlagen bedauert und besser« internationale Verbindungen und ein regerer Austausch über soziale und gewerkschaftliche Fragen ge- wünscht wurden. Allseits kam dos Verlangen stach einer breiteren Grundlag« de» Verbandes und der Ptleqe innnigerer internationaler Beziehungen zum Ausdruck. An der Debatte beteiligten sich die Dele- gierten Siebold. Martel, Lahota und Müller. Die Frag« der Verschmelzung mlk dem vanarbeitersekrelariat hatte eine lange Debatte zur Folge. Sekretär Kolb berichtete, daß auf Antrag des franzosischen Delegierten am Kongreß in Brüssel die bereit» damals ausgeworfene Fusionsfrage auf dem geplanten Wiener Kongreß hätte zur DeHandlung kommen sollen. Damals waren die verbände bereits in Frankreich, Italien und Ungarn ver- einigt. Inzwischen sind Holland. Oesterreich und die Schweiz nach. gefolgt. Der Gedanke der Industrieverbände wird immer mächtiger, die kleinen Verufsgruppen treten allmählich in den Hintergrund. Durch«in« Verschmelzung beider Sekretariate würde die Selb- ftändigkelt de» Steinarbeiterverbandes nicht tangiert, da eine gewisse Autonomie in verufsfragen unbedingt gewahrt bleiben würde, ander- feit» würde aber die Stoßkraft des Verbandes durch ein« Der- fchmelzung mit der Bauorbeitcrinternational« sehr gewinnen. Da bereits in allen Ländern Fühlungnahmen in dieser Richtung statt- ! gefunden hätten, sei der Punkt zur Erzielung einer gründlichen Aus- prache auf die Tagesordnung gekommen. Der italienische Delegierte Q u a g l i n o tritt für die«er- fchmelzung ein, ebenso der tschechische Delegiert« Lahota, wäbrend der belgische Delegierte M a r t e l sich dagegen wendete. Auch Müller (Oesterreich) Hütt die Zeit für ein einheitliches Sekretariat reif. Sie- bvld(Deutschland) teilt mit. daß diedeutschen Delegi« rten dkesen Zeitpunkt noch nicht für reif erachten, obgleich sie im Prinzip wurde das allgemein so aufgefaßt, daß das für di« Hapag ein lahmer der Verschmelzung zustimmen. Es müsse zuerst die Fusion in den einzelnen Ländern durch- geführt werden. Bei der Entwicklung im Baugewerbe(Bau- genossenfchaften und Gilden) laufen die Steinarbeiter Gefahr, durch eine Verschmelzung mit der Bauarbciterinternationale das fünfte Rad am Wagen zu werden. Das lehnen die deutschen Verbände ab. Auch die skandinavischen Länder stehen auf diesem Standpunkt und es sei wohl deshalb kein Vertreter von dort erschienen, weil dieser Punkt auf die Tagesordnung kam. Wir halten die Frage der Verschmelzung al» noch nicht spruchreif und lehnen sie deshalb ab, würden aber sehr dafür sein, die Sache im Auge z» behalten und weiter zu prüfen. Die Steinarbciterindustrie ist selbst Industrie und unsere Organi- sation ist selbst ein Industrieverband. In der Nachmittagssitzung sprach auch der ungarische Delegierte R i e s z für die Verschmelzung. Es sei zu spät, von den Arbeit- gebern lernen zu wollen. Früher haben diese von uns gelernt. Heute sehen wir überall die fortschreitende Konzentration des Kapitals und wir können diesen Bestrebungen gegenüber nicht gleichlültig bleiben. ■ Die Fusion ist notwendig. In Ungarn ist vom letzten Ziegelschläger bis zum befkbezahlten Archikckte« alles schon im Bauarbeiterverband vereinigt, es fehlen nur noch die Maler ui� Anstreicher, aber auch diese verhandeln bereits. i Durch die Zugehörigkeit der Steinarbcitervcrbände zu mehreren internationalen Sekretariaten entstehen Schwierigkeiten. Die Der- , fchmelzung ist daher notwendig. Hausmann(Reichenberg) sogt, es handle sich weniger um � die Verschmelzung der einzelnen Verbände in den Ländern, als um ! die Notwendigkeit der Vereinigung des Steinarbeiter» sekretariats mit dem Dauarbeitersekretariat. Die . Befürchtungen, daß, wenn einmal der Kopf beisammen ist, auch die � Verschmelzung der Glieder kommen müsse, sei nicht ganz gerecht- i fertigt. Das Sekretariat könnte durch die Verschmelzung nur ge- ! Winnen. Man könne nickt aus Not, sondern aus Ueberzeugung für die Vereinigung beider Sekretariate sein. In der weiteren Diskussion ergibt sich das gleiche Bild. Nur d i e deutschen und die belgischen Delegierten sind gegen die Verschmelzung. Der Sekretär Käppler des internationalen Vauarbeiterfckre- tariat» hält die Verschmelzung aller zu einer Industrie gehörigen Be- rufsgruppen für notwendig und praktisch. Eine gewisse Autonomie bleibe doch gewahrt. Der Kongreß solle die Angelegen- heit zwar nicht übers Knie brechen, aber sie auch nicht zu lange hinauszuschieben, weil es sonst den bereits angeschlossenen Verbänden zu lange dauern könnte. Der Antrag O u a g l i n o, di« Fusion zu vollziehen, wurde in der länderweisen Abstimmung mit 58 gegen 14 Stimmen b�l einer Stimmenthaltung abgelekmt und im gleichen Verhältnis einer Ent- schließungSieboldtsangenommen, wonach der 5. internationale Steinarbeiterkongreß"den Zeitpunkt zu einer Verschmelzung noch nicht aetommen hält, weil die Frage in den einzelnen Ländern noch nicht aeklärt sei. Unterdessen sollen die beiden Deruisinternattonalen der Lau- und Steinarbeiter Hand in Hand arbeiten. Deutschland hatte 22, Belgien 15 und Holland 1 Stimm-, alle jchzftnches übriaen Deleaierten zusammen 14 Stimmen. In der Sitzung am Montag teilte Winkler mit, daß ein Der- treter der Kammuniltischen Partei Deiisschlands und der Moskauer Internationale al» Gast dem Kongreß beizuwohnen wünschen. Nach längerer Debatte wird beschlossen, den kommunistischen Delegierten nicht Zuzulassen, «eil weder dl« zweite, dritte oder die Wiener Internationale ein- geladen sei. Die Veschlußfassuna des Kongresses oeranlaßt die italienische Delegation, den Saal zu verlassen. Zur Beitragsregelung liegt ein deutscher Antrag vor, den Bei- tragaufSProz desWochenbeitragesjedesLandes (pro Jahr und Mitglied) fest zusetzen, vanderwall (Holland) schlagt vcr, den internationalen Beitrag jeweils den Stimdenlöhnen der verschiedenen Länder anzupassen. Martel(Belgien) schließt sich dem deutschen Antrag an. Dieser wird« i n st i m m i g angenommen. vom internationalen Sekretariat liegen drei Anträge vor, die mit einigen Abänderungen angenommen werden und die sich mit den Fragen der Akkordarbeit, der dauernden ärztlichen Ulntersuchung der juoendlichen Steinarbeiter, internationalen Unterstützungen usw. beschäftigen. Das Internationale Sekretariat wird beauftragt, das nötige einschlägige Material zu sammeln, damit am nächsten Kon- greß die Frag« der Sozialisierung der Steinindustrie behandelt werden kann. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten konnte der Kongreß geschlossen werden. Friede sei, den man einem scharfen Konkurrenzkampf vorgezogen habe. Biel« sahen den bedeutendsten deutschen Schifsahrtskonzern der Borkriegszeit damit in den Machtbereich der größten Kapitalhelden der Nachkriegszeit eingehen. Dieser Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, daß Stinnes fein optimistisches Bauprogramm für Uebersee- Handelsdampfer, das noch aus der Kriegs- und Siegestaumelzeit stammte, resolut weiterführte, allen Warnungen und Widerständen zum Trotz. Ausschlaggebend wurden diese Meinungen aber dadurch gestützt, daß Stinnes. sogar eine eigen« Uebersee-Schissahrts- und 5>andelsgelellschast gründete. Er baut« sie als rein« Familienange- legenheit auf. Es kam aber der Tag, da sich die blinden Etinnesoerehrer ver- wundert die Augen rieben. Di« Hamburg-Amerika-Lini« warf Stinnes aus ihrem Konzern so ungeniert hinaus, wie es nur jemand tun kann, der sich im Bollbesitz seiner Kräfte suhlt. Seither ist die Trennung eine grundsätzlich« und allgemeine geworden. Stinnes ist auch aus den Schifsahrts-Tochdergesellschasten der Hapaz ausgeschieden, sie ist aus seinen Bertehrsinteressen(Hotel- und Fremdenverkehrsbetrieben) herausgegangen. Di« Gründe dazu liegen letzten Ende» in der heut« entscheidend veränderten Stellung der deutschen Schisfahrt gegenüber der Zeit von vor dem Krieg«. Die Hapag hatte mit der amerikanischen Harrimangruppe einen zwanzigjährigen Vertrag geschlossen. So ist sie wieder in die international« Großschifsahrt hineingekommen. Stinnes mit seiner eigenen südamerikanischen Konkurrenzorbeit wurde ausgeschifft. Auch der Norddeutsche Lloyd ist seilher mit einer amerikanischen Schiffahrtsmacht in Verbindung gekommen. Er schloß «inen fünfjährigen Vertrag mit der United States Mail Steamship Co. Dies« Gesellschaft hat von der amerikanisch-:» Regierung ein« Anzahl Dampfer pachtweise übernommen, di« infolge des Krieges dem Norddeutschen Lloyd weggenommen worden sind. Augenblicklich sind in der Kombination Lloyd- und St. Mail Steam- ship Co. Schwierigkeiten«ingetreten, die nicht ausschließen, daß dies amerikanilche Unternehmen von der— Harrimangruppe verschluckt wird. Es ist auch möglich, daß es sich mit Geld von Armour, Schwab oder Morgan wieder konsolidiert. Die Tatbestände selbst zeigen, ganz abgesehen davon, wie di« derzeitigen Schwierigkeiten behoben werden, daß das Schicksal der deutschen Ueberseeschiffahrt von amerikanischen Inter- essen abhängt. Vor dem Krieg war der amerikanische Uebersee- dienst in erster Linie in englischen Händen, und die deutschen Gesell- schaften spielten dabei ein« so bedeutend« Roll«, daß man zu eiisem englisch-deutschen Pool kam. Amerika hatte überhaupt keinen nennenswerten eigenen Ueberseedienst. Heute ist die große deutsche Seeschiffahrt«in Anhängsel der neu gewachsenen riesenhaften ameri- kanischen Schifsahrts-, Handels» und Geldinteressen, England rechnet als amerikanische Konkurrenz. Die Welt hat sich in den jüngst ver- gangenen sieben Iahren ziemlich gründlich gedreht. Ihr weliwirt- Schwergewicht liegt in Amerika, das zeigt auch die Schiffahrt._ Swk. Spekulaklon in Sowjekrußland. Trotz des reinen Kommunismus blübt auch in Rußland die Valnlaipefulation im gebeimen. Slut den sogenannten„grünen Börsen" werden fremde Geldsorten und auch Effekten schwung, baft gehandelt. Diese Börsen werden hauptsächlich in Petersburg und i Moskau abgehalten. Diese Kurse hallen sich iniolge der gleichen ! Wertlosigkeit des SowjetgeldeZ fester als in Teutschland. Hier die f-tzten Kurie für ausländische Geldsorte»: und Besonder» bezeichnend ist. daß da« Papiergeld de« Zaren der alten iiersprenpteii Duma 00 bzw. 22 mal höber bewertet wird.'alS der Sowjetrubel. Auf dem Effektenmarkt siebt«S ähnlich auS. Auch hier bemerkt man, daß Papiere der alten russischen Negierung und der sozialistischen Unternehmungen, die doch eigentlich gar keinen Wert nrebr darstellen, viel böber bewertet werden, als da» offizielle Geld de» Sowjet- siaatcs. So wird für die 4proz. ruififche Staatsanleihe von, Jahre 1902 der 8Sfache Bettag in Sowjetrubeln bezahlt, für die Aktien der internationalen Petersburger HandeUbank der Svvfache Betrag. französische llebcrfrcmdungsvcrsuche in der Textilindustrie. In Wirtsdrnft , Die deutsche Schiffahrt. Der Wiederaufbau Deutschlands ist nicht zuletzt an der Neuge- staltung der deutschen U-berseefchisfahrt zu studieren. In ihr spiegeln-„ v* t. v M w,»'»f«»«"1->°-«dw-------»--»--->» Jahr« nach jeder Richtung hin deutlich wider. Nach dem Zusammenbruch schien es, als wollien auch im deuischen Ueberseeverkehr die während des Weltkrieges ins riesenhaft« ge- wachsen« Schwerindustri-:- und Großhändlerinteressen die alten«Inge- wähnten Mächt« an di« Wand drücken. Als die Hamburg- Amerika-Linie Herrn Stinnes in ihren Kreis aufnahm, Textiiindustrie einzunisten. Eine große Fabrik in der Chemnitzer Gegend ist, wie der„Konfektionär" erfährt, bereits unter sranzösi- schen Einfluß geraten. Dieselben Franzosen beabsichtigten auch, sich der Aktienmehrheit der Leipziger Wollkämmerei in Leipzig zu be- mächtigen. Sie baten Zwickauer Textilgroßindusiriellen um ihre Unterstützung, was aber abgelehnt wurde. Der Versuch ist infolge- dessen mißglückt.' Diul«lier liiti lirb'Htnerk. ®en»flUunfl»(t«nf«erlin. DenMitgtiedern jiitStaci). eicht, dah unter»vllege. der Rechaniler 80 Ii Geora Korenjack am X.«uflurt 8«st»ll>rn ist. «le«eerdtguna stndrt heulekonnabend�rSlusuli, nachmittaq» 0 Uhr. von der Let-Nr-nhatte de» ZIeinilken. dorser»emeinde-Fiiedhose» in Reinickendorf. Humboldt. ftraße, au» Natt. «ferner starb unseestorleze, der Dreher Nid. Gettkorn PappeIaIIe«4?.am2«.August Die Beerb iaunz stndet beute Lennadcnd, vorm. IlV, Uhr, von der«eichen- balle de» Friedeicheselder Zriedhote» au» statt. The« ihrem«ndenteu! Rege Bei eUiftunq er»artet Die Ottrvermaliung. last prsktieiere wieder Dr. Fritz M. Meyer Ruch« Hilf» bei qualvollem, de,»Uder» nacht» Mlerträstichem � de»,• d»,«*.. •"Ä kende.0rII,»»h,l»i»>. /f d. auch in harlniickie.sten U Ztillen dewähr, tst.M.i;,- " Odo»eichet Berti»«, CC. Sisenbahnstr. 4. —I Soeben cpschien: Soeben erschien: Nr. 52 der Kleinen Bibliothek der Bussischen Korrespondenz A. WINOKUROW: Inhal,: Bis rur Oktoberrevolution. I Nach der Oktoberrevolution: Die soz ale Fürsorae für die Werktitigen und die Mliitirpersonen.— Die soziaie Fürsorge für die Farnilienrnitclieder.— Die übrigen Arten sozialer Fürsorge. Dia Organe für aoziale PUrtorge.— Auf dem Wege tum Kommunismus. SO Selten Prelo 0,50 H. Zd beziehen dnreh Frankes Verlag 0. m. b. Leipzig Jatkott-Änziige, Cutaways, Ulster teils auf Seide. Jetzt 350-500 M. Cummlmanlel 30ü M. 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Sie nennt in der Hauptsache mitschuldig an dem Elend die Ordnungsregie» rung Saht— Poehner, die Verbrechen gegen das werktätige Volk fördere und unterstütze und jeden freiheitlichen Gedanken in Wort und Schrift mit Kürassierstiefeln niederrrampele. Die Ver» sammelten gelobten, nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis ihren ge- rechten Forderungen Rechnung getragen ist. Die Massen vereinigten sich auf der Straße und nahmen in einem großen Zug unter Hochrufen auf das Proletariat und unter Absingen der Arbeitermarscillaise den Weg in die Stadt ein, u n- bekümmert um die Parole der bayerischen Regie- r u n g, die mit rücksichtsloser Unterbrechung jeder öffentlichen Kund- gebung gedroht hatte. Kurz vor Redaktionsschluß teilt uns unser Münchener Ver- treter noch mit, baß es an mehreren Stellen der inneren Stadt zu Zusammen st äßen zwischen den Demonstranten und der Reichswehr gekommen ist. Totenfeier für Gustav Detter. Im Krematorium in der Gericht st raße wurden Freitag nachmittag um 3 Uhr die sterblichen Reste van Gustav Heller der Flamme übergeben. Eine große Zahl von Berliner Partei- genossen hatte sich zu der Beisetzung«ingefunden, der Berliner B e- zirksvorstand und die Preußische Landtagsfraktion, soweit in Berlin zurzeit anwesend, waren vollzählig erschienen, außer- dem Vertreter des„Vorwärts", zahlreiche Vertreter der Gewerk- lchaften, namentlich des Metallarbciterverbandes, dem der Der- storbene mehrere Lahrzehnte als Mitglied angehört hat Die Gedenkrede hielt namens des Parteivorstandcs Ge- nasse Franz Krüger. Er schilderte den Werdegang und das Wirken des Verstorbenen. Ein Sohn des Volkes war Gustav Heller, in de» Worte» tiefstem Sinne. Als es nckch gefährlich war, sich zur Sozialdemokratie zu bekennen, trieb es!bm schon mit jungen Jahren in die Arbeiterbewegung. Seine politische Haupttgtiakeit lag In der Zeit der Revolution. Mit ficherem proletarischen Instinkt hat Gustav Heller damals die Situation verstanden und unschätzbare Dienste nickt nur für die Partei, sondern für das ganze deutsche Volk ge- leistet Seinem Wirken im Berliner Dollzugsrat und im Zentralrat ist es zum großen Teil zu verdanken, daß In der Zeit allgemeiner Neberreizitzeit und Nervosität große Arbeitermossen stck einer Kata- ltronbenpalitik entgegenstemmten und kür den organischen Aufbau der Revnblik eintraten. Einen unermüdlichen Komps führte Gustav Heller für eine aelnnde Volkspolitik. Wenn auch fein Name nickt lo häufig in der Oeffentlickkcit genannt wurde, so wird er dock stets unter den Ramen der Männer genannt werden müssen, die ein be- fondcrcs Verdienst um den Wiederaufbau Deutfcklande fick erworben haben. Als an Stelle der Revalutionskörperlckasten die Parlamente traten, entsandten die Berliner Genossen Gustav Heller in den Preußischen Landtaa. Für lein dorttaeg Wirken aibt es kein besseres Lob, als seine Aulltellung bei den Neuwahlen durch den ausdrück- ljchen Willen der Berliner Arbeiterlckost an einem besonders aünsts- n»n Matze. Bei all'n Leistunaen ist Gustav Heller, ein besckeidener Menlck, ein eckter Arbeiter geblieben. Wie zu seiner Familie, der er bester und treuester Vater mar, so hatte er auck ein Ideales Ver- dällnis zur Partei. Man dork von idm odn« Uebertreibung saaen, daß er keinen Feind hatte. Aber er ließ sich auch imm-r nur van gemeinnütziaen, nie von perfönlicken Motiven� leiten.� Leider sollte ez ihm nickt vergönnt fein, ein Zses zu erreichen, kür da» er be- landers tatkrlistin gearbeitet bot. die Wiedervereinimma der Arbeiter- schaft. Die Snostung der Partei hat ihn mit ti-kstem Schmerz er- füllt. Es mar fein Bestreben, diesen unhsilnollen Riß Vt überwinden Er hat mahl n-u« Holknnngen erdllibsn sehen, da» Ziel hat er nickt mehr erlebt. Gustav Heller hat sich durck leine Leistunaen und lein Wirken ein mivernänqlickes Denkmal gesetzt. Wie er sein» Kraft in den Dienst des Volke, gestellt bat, das soll uns ollen vorbildlich lein. Deshalb ziemt es uns nicht, sich an dieser Bahre In Sckmerz aufzu- losen, sondern wir werden dem Streben des Verstorbenen oerecht durck das Gesöbnis. daß wir alles tun wollen, das Werk zu vollenden, an dem er so tatkräftig mitgewirkt bat. Für die nreuhssche Landtag-sraktlon svrack Otto Braun: Mir nerl!-ien in Gustav Heller, der so überraschend von uns aemmgcn ist, nickt nur eln-n Kollegen, sondern einen Freund. Bock vor weniaen Wochen schrieb er. er wolle sich emer kleinen Operation ..vt-rll-ben'md bafke nach böchllen« zehn Tagen mmder nn die Arheit zu aeden. E? ist anders gekommen. Die ssraktionskollk'-en t-ilen dos tief» Leid der Dinterbliebenen. Die nlte� Kanivfaemein- schaft verdindet uns So»ialdemokraten enger als die Angehörigen anderer Rartei-n, desbg'h ist unser Scktnen um feden einmlnen auch um so tiefer. D-r Perstoebrne mar o5s Sekre'är die Serh. her {?rrMon, van seiner Tückfiakeif dina se''r vK ab. Pio�'M"""-'me traten an den viesaennnnten Sekretär heran. Es war ihm Nickt nur �ssickt. sondern fi'rxene'ock», seinen Kollegen mit Pat und Tat znr irrste*u''eben. Sein Tod hintersäüt ein« emvfivdlsche Nlicke. Wohl ist iei'er Mensch*'> ersetzen, ober in diestr bewegten Z-It, wo i-che �rnft not tut. wird der Verlust d-« einzelnen davveit ickwer«rnp- fundw. Dreuer Freund, wackerer Mitkämvfer, seb« mobf! ?V'"'r den zweiten Berliner Kreis, d-m d-r V-rstorhen» als Mstay-d angedärt bat, widmet» dessen Varsti'o''der B e t h k e -narw» Worte de? G-d-n?ens. Er rührte". a aus: Wir standen dem g,„?s»„rdenen näher als andere. W'r>nill«n. mit mesckew Eifer er trab Ileberarh-iiimg?iu seder"nser-r Sidungen kam Er freufe ück bereits auf die kommenden Käwnfe. nieis er in ibnen kommende soh Wir werden Gustav.Leller nie veraesten. Ein Vertreter des Deutschen Me»gsfarh»iterv»r> Hände« dankt« dem Verstorbenen n-.-re-,-, de» Gro�-Berüns für all das. was er in jahrzehntelanger Vsrbandsarbeit für st' aeieEtet hat. Jen Ramen her llnohbänaigen Fraktian de« Pre"b!- sch-n Landtags sprach der Abo. Meier marme Worte de, Ge- denkens. Er erinnerte an die lebte gomeinlawe Demonstration d»» Helden Parteien„Vi« mi»der Krieg!" Gu�an.lieller ist nickt n»» einer Partei en'rillen morden, sand-rn er gehörte der aeioniien Be. r�.e.mg d»r Arbeiterschaft, die an seinem Grab« voll Ehrfurcht die Fahnen ienft. Itpte» feierlichen Draelksänaen versank her Sarg. Man sah niese se'>-s>te Auaep. Der Bowe G;'r,no Hellers wird in der Berliner Arbeiterschaft unvergessen bleiben. Ehemnib.?a. August. sWTB.s Die. Maemeine Zeitung' be- richtet: Bei einer Hundertschaft der Ehemnitzer Lande,. v a l i z mi»st vor einigen Tagen eine Meuterei ausgebrochen. Ms von der Dundertfckast verlangt murde. zn einer angesetzten llebimg außerbath her Stadt den Stahlhelm auszusetzen, trat ste mit dem Ezako an. General R e l ch er t- Dresden, der der Isoh"Ng beio'vhnen wollt», erstattete Meldung an den Minister- nrästdens»», 53i,-f ,!nd dieser verlüote die sv f vrti a e En t- ' a s s u n a der Leute. Inzwischen sind an d»" zuständigen Stellen Verhandlungen eingeleitet, um die W i e d t r i N d i e n st- stellung der Entlassenen herbeizuführen. « Die Angelegenheit scheint aus politischen Gründen stark«mfqe- bauscht zu sein. Auch ist e» bezeichnend, daß dies-r„sensationelle" Vorfall von einem rechtsstehenden Vlott in die Oeffentlichkeit ge- bracht wird. Als die Berliner Hundertschaft„Zu besonderen Verwendungen" dem Obersten Kauvlsch den Zutritt in ihre Kaserne ver- 1 wehrte, ist über diese wirkliche Meuterei nichts bekannt geworden. Aus einer später eingelaufenen WTB.-Meldung geht überdies hervor, daß die Beweggründe der Schupo-Hundertschast außer- ordentlich vernünftig und durchaus zu billigen waren: in der Erkenntnis, daß die Stahlhelme lediglich provozierend auf weite Teile der Arbeiicrschaft wirken, wollten sie nicht, zumal in der jetzigen gespannten Situation, zu einem solchen provozieren, den Auftreten gezwungen werden. Die Chemnitzer Polizei- beamtenschaft hat sich in einer Versammlung fast einstimmig mit der von einer Maßregelung bedachten Hundertschaft solidarisch erklärt. Das gleiche tun wir auch! De? Pspchopach Wilhelm H. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages richtete am Frei- tag bei der Weiterberatung des Wohlsahrtsetats Abg. Krüger (Soz.) heftige Angriffe gegen die ganze Politik des Kabinetts Stegerwald. Auf feine Anfrage, ob die Verwendung der durch Sammlungen zusammengekommenen Summen kontrolliert werde, erwiderte ihm der Minister, daß eine genaue Kontrolle über die Verwendung dieser Gelder zu den Aufgaben des Ministeriums gehöre. Zu den Angriffen über die Politik keines Kabinetts führte der Minister aus, daß er eine breitere Regierungsbasis von rechts bis in die Kreise der äußersten Linken seinerseits für durchaus erforderlich halte.— Abg. Dr. Ouaet. Fgslem lDnat.), selbst beamteter Arzt, forderte für die Amtsärzte eine allgemeine Er- höhung ihrer Bezüge und wünschte eine bessere Ausbildung der Amtsärzte.— Aba. Dr W e y l fU. Soz.) billigt« dem Minister zwar den guten Willen zu, zweifelte aber an der Ausführbarkelt ieines Programms. Er begründete nochmals ausführlich die Sozia- lificrung des gesamten Aerztewescns.— Eine Bemerkung des Aktzz. Dr. Beyer lSoz.) in einer der vorhergehenden Sitzungen gab heute nochmals Anlaß zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Dr. Beyer hatte gemeint, die Führer der radikalen Partelen sowohl von rechts wie von link» feien vielfach Psychopathen. Abg. Dr. Ouaet erwiderte «hm heute, er glaube allerdings, daß die sozialistischen Führer häufig psychopathisch veranlagt seien, worauf ihm die Sozialdemokraten auf die Person Wilhelms II. verwiesen, der gleichfalls Pfvchopath fei.— Abg. D a o l m e r(Dnat.) beschwerte sich daraufhin über das Ver- halten des Direktors des O s k a r- H e l e n e- H e i m s, das der Ausschuß neulich besucht hat. Dieser habe sich gleichfalls über die Psychopath ischen Eigenschaften Wilhelms II. ge- äußert. Der in seinen monarchistischen Gefühl"» qetrosfene Abge- ordnete sprach ihm die nötige Sachkenntnis ab und stellte in Aus- ficht, daß seine Fraktion die staatliche Unterstützimg für das Heim nicht bewilligen würde!(Dabei ist auf die pjychopathischen Eigenschaften Wilhelms schon von durchaus m o n a r ch i st i s ch gesinnten Kreisen hingewiesen worden!)— Weitcrberatung Sonnabend. Nationaler Selbftflagellantismus. Wir haben in unserer Besprechung des deutsch-omerikani- schon Friedensvertrages auf die bezeichnende Tatsache hinge- wiesen, daß einzelne rechtsstehende Blätter sich im voraus be- eilt hatten, zu behaupten, daß Deutschland zu einem neuen Schuldbekenntnis gezwungen worden sei. Wir stellten weiter auf Grund authentischer Mitteilungen fest, daß wäh- rend der ganzen Friedensverhandlungen mit den ameritani- schen Unterhändlern von der Schuldfrage mit keiner Silbe die Rede gewesen sei und daß daher von einem er- neuten Schuldbekenntnis nicht gesprochen werden könne. Ein Teil der heutigen Rechtspresse ist nun doch so ehrlich, mitzuteilen, daß der deutsch-amerikanische Friedensvertrag kein neues Schuldbekenntnis bedeutet. Die„Tägliche Rund- schau" schreibt: In der in dem deutsch-amerikanischen Vertrag gewählten � Fassung, die jedoch nur von Rechten und Borteilen spricht, liegt j daher ohne welkeres ein Verzicht auf ein Säiuldbckcnnlr.iz seilen» Deulschlands. Auch die„Deutsche Tageszeitung" äußert sich in diesem Sinne: Auf feden Fall ist aber festzuhalten, daß«In neue- Schuld-' bekenntnis nicht unterschrieben worden ist. Ganz entgegengesetzter Ansicht ist aber die„Kreuz- Zeitung", die sich mit dem Gedanken nicht versöhnen kann, daß dem deutschen Volke eine neue Demütigung erspart ge- blieben sein tonnte. Sie schreibt: Alles Drehen und Deuteln bringt ons nicht um die Tatsache herum, daß wir mit der Annahme des Präliminarfriedens uns aufs neue als die Schuldigen am Weltkriege bekennen. Das kann gerade jetzt, wo sich in manchen Ländern allmählich die Einsicht regt, wo die fleißige Propaganda in der Schuldfragc doch ab und zu aus srucht- baren Boden zu fallen scheint, besonders verhängnisvoll sein. Auch wird unseren Feinden durch das st i l l s ch w e i g e n d e neuen Anerkenntnis unserer Schuld wiederum dos Rück- grat gestärkt, und es ist anzunehmen, daß dies namentlich Frankreich polltisch auszuwerten versteht. Wir halten gerade aus diesem Grunde, viel weniger mit Bezug auf Amerika selbst die Unterschrift unter diesen Teil des Vertrags für höchst bedenklich. Auch der schwerindustriesse„Tag", der sich tags zuvor im voraus kräftig„entrüstet" hatte ist der Ansicht, daß ein erneutes Schuldbekenntnis vorliege und bezeichnet unsere gegenteilige Beweisführung als„logisches Akrobatenkunst- stück" und„Stimmungsmacherei"— ohne aber die Tatsache zu erwähnen, daß wir uns dabei in einer Gesellschaft be- finden, die ihm jedenfalls tausendmal näher steht als uns, und auf die wir sonst gern verzichten. Das andere im vor- aus„entrüstete" Blatt, der„Lokal-Anzeiger", nimmt zu dor Frage eigentlich gar keine Stellung, sondern redet nur um sie recht vorsichtig herum. Wie man sieht, sind sich die Herren Sachverständigen in Fragen der„nationalen Würde" über den Gegenstand ganz und gar nicht einig Die Regie hat diesmal im reaktionären Lager miserabel geklappt. Die unentwegten Konservativen erweisen sich jedenfalls als S e l b st f l a g e l l a n t e n, die eine anständige Behandlung der deutschen Republik nicht ver- tragen können. Im übrigen müssen wir betonen, daß, wenn der Artikel 231 des Friedensvertrages lediglich von der Kriegsschuld jener Kreise sprechen würde, die hinter der„K r e u z Z e i t u n g" und den„Tag" st e h e n, dann würden wir ihn jederzeit ohne weiteres unter- zeichnen. Frankreichs Gnttänschnng. Paris. 2S. Auaust.(EC.) Der„Temps" schreibt heute zum deutsch- amcri'anisl�en Friedensvertrag, daß Doroerhand- lungen zwischen den Bereinigten Staaten und der Entente wegen des Friedensvertrages mit Deutschland nicht stattgefunden haben. Die Bereinigten Staaten teilten auch den Ententemächten den Inhalt de» Vertrage» vor dessen Abschluß und vor dessen Veröffentlichung nicht mit. Sobald«in« der alliier- ten Regierungen eine Anspielung auf den wahrscheinlichen In- halt dieses Friedensvertrages machte, antworteten die Vereinigten Staaten, daß keine seiner Bestimmungen den Intcr- essen der Alliierten zuwiderlaufen werde.„Frank- reich." sügi der„Temps" hinzu,„ist nunmehr von der Ver- wirklichung der Hoffnungen, die es vor zwei Jahren hegte, weiter als ie entfernt. Stall der englisch-amerika- uüchen Garantien finde es nur einen Friedensvertrag, rn dem die Vereingten Stnalen olles, was Polen, Pchgien, Eisnn-Lothringen. die Tschechoslowakei und Dänemark betreffe, geiteichai haben. Frankreich halte on eine Wellallianz gedacht, und nun müsse es den Mut haben, einzugestehen, daß es fast isoliert dastehe. Natürlich hat sich j diese Aenderung nicht ausschlieglich durch Frankreichs Verschulden vollzogen, aber die diplomatische Lage Frank» reich? wäre vielleicht günstiger, wenn die Stimmen, die im Namen Frankreichs sprachen oder sich in Frankreich selbst erhoben, stets der Welt den Eindruck gesunder Vernunft, den Eindruck der Mäßigung und des friedlichen Gei- st es gegeben hätten, welcher in Wahrheit die Grundlage des Charakters der französischen Ras'e sei. (Eine späte Erkenntnis des„Temps", der übrigens selbst, mit Ausnahme einer ganz kurzen Periode nach der Rückkehr seines Aus» landspolitikers Jean Herbctte von einer Studienreise in Deutsch- land, bisher genau das Gegenteil von„gesunder Vernunft, Mäßigung und friedlichen Geistes" an den Tag gelegt hat. Die Red. des„Vorwärts".)_ Jshiis Ablichten. Genf. 2ü. August.(Von einem Sonderberichkerflatker von Havas.) Vicomle Zshil, derzeitiger Vorsitzender des Völkerbund- rakes, Ist heule vormittag in Genf eingetroffen. Desgleichen ist Paul h y m a n s eingelrossen. der den Vorsitz in den neuen Der- Handlungen zwischen Polen und Litauen führt. Sowohl h y m a n» wie auch da Eunha. der brasilianische Delegierte, verwahren sich dagegen, daß sie irgendwie um die Berichlerslattung der oberschlesischen Frage angegangen worden sind. Sie hatlen also gar keine Gelegenheit gehabt, eine» solchen Auftrag abzulehnen, vicomte 3 s h i i hat es a u s eigenem An- trieb übernommen, den vecichk über die oberschlesisch- Frage zu erstatten, weil er wußte, daß da Eunha in Royal zurückgehalten was und Hymans die Angelegenheit von Wilna vor sich Halle. Der Vorsitzende des VSlkerbundrales wird in dem Dsrichk, den er dem Rat erstatten wird, eine rein sachliche Vorstellung der Totsachen geben, in erster Linie die der Schwirrigkeilen, auf welche der Oberste Rat gestoßen ist. vlcomke Tshii bemüht sich In keiner Welse, in dem Bericht, den er in Genf ausarbeitet, eine Lösung der oberschlesischen Frage zu suchen oder irgendwelche vor- schlage zu machen. Das Schriftstück, da» er kommenden vton- tag seinen Kollegen vorlegen wird, wird zum Teil nur eine Wieder- gäbe bereits bekanntgewordener Briefe sein, zum Beispiel des Brieses von Brland an Vicomte Jshii und der Antwort Jshlis. Zum anderen Teil wird es eine Zusammenfassung der Schrift. stücke und Unterlagen sein, in deren Besitz der Bericht- erstatter ist. Nachdem der Vorsitzende und Berichterstatter dieses Schriftstück oerlesen hak. wird er seinen Kollegen da» wort erteile» zu einem Meinungsaustausch über dos anzuwendend« ver- fahren. Man ist der Ansicht, daß diese erste Verhandlung den Rat 2—3 Tage in Anspruch nehmen werde. Man ist sich in den Kreisen des Völkerbunde» ganz klar darüber, daß die ösfentllche Meinung aller Länder eine möglichst schleunige Lösung der ober- schlesischen Frage herbessehnt. Aber man scheint hier auch zu wünschen, daß die öffentliche Meinung sich auch ganz genau alle Schwierigkeiten der Aufgabe vergegenwärtige. Man fordert für die Mitglieder des Rates, die sich niemal» mit dieser Frage befaßt haben, da» Recht, sich eingehend zu unterrichten und reiflich zu überlegen. Die vorbereitende Arbeit wird für die Mitglieder des ' Rates die unbedingte Voraussetzung für die Unabhängigkeit ihre» Urteils sein. ?rlanü hat abgelehnt. London, 2(5. August.(Reuter.) 3n seiner Antwort aus da» britische Anerbieten sogt Vcvalero. er habe die Vorschläge der brilischen Regierung dem Dail Eirean(dem Sinn-Fein- Parlament) unterbreitet. Dieses habe sie einstimmig abge- lehnt, sei indessen bereit, auf der Basis einer„Regierung mit Zustimmung der Regierten" weiter zu»er- handeln. Nach einer weiteren Reutermeldung wird in der Antwort Devaseras on Lloyd George noch hervorgehoben, daß dos Dail Eirean zur Herbeiführung eines den Vorschlägen Devalcras«nt- sprechenden Friedens bereit ist, Vertreter mit ollen Vollmachten zu ernennen. 3apan geht nach Washington. Der japanische Dosschaft« hat dem Washingtoner Staatsdepartement mitgeteilt, daß Japan die Einladung zur Entwassnungskonferenz annimmt. Die Teuerungswelle, dl« als wirtschaftlich« Folge des verlorenen Krieges aufs neue über uns hereinbricht, erfordert den engsten Zusammen- schluß aller Arbeitenden in dem Bestreben, der Teuerung durch einschneidende gesetzliche Maßnahmen zu begegnen. Die So- zialdemokratie und Ihr Zentralorgan fordert zur Gesundung der Reichsflnanzen die Beteiligung des Reiches on den Gold« werten der Kapitalisten. Um sie geht der schärfste Kampf. Ihr müßt ihn führen helfen, indem Ihr für die Verbreitung der sozialdemokratischen Presse sorgt. Darum ans Werk! Werbt für den„Vorwärts". „vorwärts*. Ich abonniere den„Vorwärts" mit der illustrierten 5 Sonntagsbeilage„Volt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage;! |.Heim welt" und der tttäglich erscheinenden illustrierten Bei- / läge„Siedlung und Kleingarten" in Groß-Berlin < täglich zweimal frei tuS Haus für 10 M. pro Monat Sepicmber. < Name.......:■ Wohnung: Straße Nr. 5 vorn- Hof— Ouergeb.— Eeitenfl.—?r. links— recht». 5 bei_—--—----- OsVerMaftsboVegung Zu den Einigungsbedingungen. Die amtliche Veröffentlichung in unserer gestrigen Morgen- ausgäbe über die Vereinbarung zwischen der Reichsregierung und den Vertretern der Spitzenorganisationen der Beamten, Angestellten und Arbeiter enthält einen Irrtum. Ziffer 8 der angenommenen Bedingungen lautet richtig wie folgt:„Für die Beamten, die vor dem 1. August 1321 aus dem Arbeiterstand in das Beamtenverhält- nis übernommen worden sind, findet eine Anrechnung der aus Ziffer 1 sich ergebenden Erhöhung des Teuerungszuschlags auf die llusgleichszulage nicht statt. Ferner werden vom 1. August 1921 ab auf die Ausgleichszulage nicht angerechnet: a) Erhöhung der Bezüge infolge Versetzung des Beamten in eine höhere Ortsklasse. b) Erhöhung der Bezüge infolge Versetzung des dienstlichen Wohnsitzes in eine höhere Ortsklasse. e.) Erhöhung der Bezüge infolge Anwachsens der Kinderzahl. Dagegen wird angerechnet: d) Erhöhung des Grundgehalts bei Aufrückung in eine höhere Dienstaltersstufs und bei Beförderung. e) Erhöhung des Ortszuschlages wegen des Uebertritts in eine höhere Ortszuschlagsgruppe. l) Die durch die Regelung zu 2) und 3) bewirkte Erhöhung der Diätensätze. g) Erhöhung des Teucrungszuschlags, soweit sie auf die unter g, b und c genannten Erhöhungen des Grundgehalts-, Ortszu- schlags- und Diätengesetzes zurückzuführen sind. Es fehlten also die durch Sperrdruck hervorgehobenen Sätze unter a, b und c. Entscheidung über daS Ergebnis der Verhandlungen. Nach-dem Abschluh der zwischen Reichsregierung und der Ber- Handlungskommission der Beamten und Arbeiter stattgefundenen viertägigen Verhandlung haben die in Betracht kommenden ver- bände ihre zuständigen Körperschaften nach Berlin berufen. Die Tagungen müssen bis Dienstag abend G Uhr beendet fein, weil die neuen Bezüge mit größter Beschleunigung zur Auszahlung kommen sollen. Die ver- Handlungskommission hat sich ein m ü t i g bereit erklärt, den Mit- gliedern ihrer verbände die Vereinbarung zur Annahme zu empfehlen. Unteruchmerintelligcnz. Einem großen Teil des Unternehmertums ist nichts verhaßter als der Achistundenlag. Immer wieder versuchen sie. den Nap�veis ini führen, daß sie durch die Verlürzung der Arbeilszeit, die ein Sinken der Produktion nach sich ziehe, ruiniert werden. In der letzten Nummer der„Arbeilgeber-Zeitung', die ja immer, wenn auck iingeivoflt, reichliches Material zur Bekämpfung der kapitalistischen Wirtschaft liefert, wird das Ergebnis einer.mit anerkennenswerter Genauigkeit und Wissenschaiilichkeit" durchge- fübrien Untersuchung veröffentlicht, die dem amerikanischen„National Jndustrial Board" entnommen ist. Danach sind 43S Betriebe der verschiedensten Erwerbszweige, in denen die 48stttndige ArbeitS- Woche dnrchgefübrl ist. untersucht worden. Bei 87,2 Proz. dieser Betriebe sei die AcbeitZIeistung erheblich zurückgegangen, bei 8 Proz. sei sie gleich geblieben, aber in 4 vomHiinderi habe sie sich erhöht. weil die Arbeitsinetbodeir verbessert seien. GZ dürfte der„Arbcitgeberzeilnng" sehr schwer sein, die„Wiffen- schanlichkeir" der Untersuchungsmethoden nachzuweisen. Falls man da? Ergebnis anerkennt, wäre daraus letzten Endes doch nur zu schließe», daß die hier in Betracht kommenden Unternehmer nichts getan, um ihre Betriebe den Fortschritten in Wissenschaft und Technik anzupasten und daß der größte Teil der Unternehmer ent- weder nicht zu den intelligenten Leuten zu rechnen ist, oder aber sich n i ch t genügend um leine Betriebe kümmert. Beide» ist wenig schmeichelhaft für die»Arbeitgeber- zeitimg". Wir werden mit aller Kraft gegen die Verlängerung der Arbeits- zeit kämp'en, weil wir einmal wiffen, daß nur dadurch den besten FabrikationSmethoden Eingang verschafft werden kann und weil deren vernünftige Anwendung durchaus im Interesse der Arbeiter- schafl liegt, zum anderen anch, Iveil wir wünschen, daß daS Heer der Arbeitslosen nicht vergrößert werde. In einer Zeit, wo vielfach mit Kiirzichichten gearbeitet werden muß, kann an«ine Verlängerung der Arbeitszeit nicht gedacht werden und seder gewerkschastlich ge- schulte Arbeiter wird dahcr.auch die Leistung von Ueberstundeu ab- lehneir. Gegen den Achtstundentag kann überhaupt kein ernst zu nehmender Grund angeführt werden. Gerade Amerika hat u»S den Beweis geliefert, wie durch Anwendung rationeller Arbeits- Methoden die Produktivität gesteigert werden kann. In den Ford- Werken ist z. B. die FabrikationSzeit eines Benzinmotors von ? Stunden 61 Minuten auf 3 Stunden 19 Minuten herabgcdrückt tvorden, die Gesamtzahl der dort erzeugten Automobile stieg von 1789. die�bi? zum Jahre 1994 gebaut wurden, auf 759 999 im Jahre 1917. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter ist stets gewachsen, und trotz der Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden ist die Produktivität immer gestiegen. Für unintelligente, arbeiterfeindliche Uiiternelmier mögen solche Statistiken, wie sie von Zeit zn Zeit die„Arbeitgeberzeitung" bringt, eine angenehme Sache sein, die Arbericrschaft zieht andere Schlüsse «u? ihnen und erkennt, daß es notwendig ist. mit diesen der Pro- dukiion nur hinderlichen Unternehmern aufzuräumen, um die Lei- tiiug solcher Betriebe intelligenten und fortschrittlich gesinnten Leuten anzuvertrauen. Kündigung deS MetaNindustrie-AngeftelltentarifS. In einer Versammlung am Donnerstag abend im Deutschen Hot. Luckaner Straße, haben die Funktionäre des Afa-BundcS der MelallinSuitrie über?ie Kündigung des Metalltarifes beraten. Der Referent, Kollege Schikora vom Asa-Ortskarlcll, gab eingangs der Versammlung eine kurze Schilderung der gegenwärtigen Teue- rungsverhälmisse. Er untersuchte dann, ob der bestehende GehaltS- tarif den augenblicklichen LebenSnnterha Illings kosten entspreche. Er schilderte kurz die Notlage der Angestellten und legte i» sachlichen AilSführungeii alle gegen und für eine Küildiguiig deS Gehaltstarifs sprechende» Gründe dar. Die Metalltarittommiision des Asa-BundeS hat in eingehenden Beratungen sich mit der Frage der Kündigung beschäftigt und diese Funklionärvcrsammlung einberufen, um die Funklioiiäre die letzte Enlicheidung treffeu zu lassen. Nachdem bere.lS die in den einzelnen Organisationen borge- nommenen Aussprachen über die Frage der Kündigung gezeigt hatten, daß der übcrwiegende Teil der Aia-Mirglieder der Metall- Industrie die Kündigung deS TarireS verlangte, ka», auch ,n der gestrigen Versammlung in der Diskussion einmütig zum Ausdruck. daß die K n n d i g.u n g unter a t l e n U m st ä n d e n ertolgen rnüffe, wollten die Angestellten nicht restlos dem Elend verfallen Nach eingebender DiSkuision wurde eine dementiprechende Eni- schließinig einstimmig angenommen, die in den Schluß ausklingt: „Alle Versammelten sind sich bewußt, daß uurer dem heutigen Wirtschaftssystem eine wirtliche Verbesserung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage nicht zu erreichen ist und geloben,»eben dem Kamps um ihre nackt« LebcnSexistenz ihre ganze Kraft einzusetzen, damit da? jetzige Wirtschafissyilem schnellsten» in die Gemein- und BedarfSwinichaft überführt wird." Damit stehen die Angestellten der Groß-Berliner Metallindustrie wiederum eiumat in emer Lohnbewegung. Sie sind es nicht ge- weien. die der bekannten„Schraube ohne Ende" den ersten Anstoß gegeben haben. Nachdem allzu große? Entgegenkommen der Regierimg auf der eine» und maßlose Pxofilgier der Uniernehmer auf der anderen Seite mit vereinten Kräften dieselbe tn Bewegung gesetzt haben, bleibt den Angestellten nichts Weiler übrig, als alles daran zu setzen, einen Ausgleich herbeizuführen. Ein Veitrng zur KanfmannSgerichtswahl. Ein würdiges Mitglied des Deurschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes ist der Personolchef der Nationalen Automobilaktiengesell- schaft Bcrlin-Obcrschöneweide, Herr H e i d t k e. Er verweigert, wie uns mitgeteilt wird, den Werkstattschreiberinnen und-schreibern den Ausweis, der zur Wohl der Kaufmannsgerichtsbeisitzer notwendig ist. Trotz wiederholten Hinweises hat er b.s heute die Bescheinigungen noch nicht ausgestellt. Die betreffenden Kolleginnen und Kollegen sahen sich genötigt, die Wahlbescheinigung vom zuständigen Polizei- revicr stempeln zu lassen. Sie werden den Deutschnationalen am Sonn- tag bei der Wahl die rechte Antwort erteilen, indem sie die Liste des Ienlralverdandes der Angestellten wählen. Achtung, Kaufmannsgerichtswahlen! Die kaufmannsgerichlswahl am Sonnlag muß einen über- wälligcnden Sieg der sreigewerkschastlichen Idee bringen. Der Verlauf der Versammlungen, die sich mii der Wahl beschäftigten, hak gezeigt, daß nicht nur in den Kreisen der Mlglieder des Zentral- Verbandes der Angestellten, sondern weit darüber hinaus sich der Sedanke von der Notwendigkeit des überwiegenden Einflnffes des Zentralvcrbandes der Angestellten im Kaufmanns- gerlcht festgesetzt hat. Die Angestellten werden daher erneut auf die Wichtigkeit der Wahl hingewiesen. Vicht die reaktionäre Richtung des DtzV. und seiner Anhängsel, nicht das Sammelsurium der im SdA. zusammen- geschlossenen Harmonievereine, sondern einzig und allein die freie Gewerkschaft, der Ientralvsrband der Angestellten, ist Träger des Gedankens der Befreiung der Angestellten von dem 3 och des Kapitals. Darum wählt morgen jeder gewerk- schafklich denkende Handlungsgehilfe männlichen und weiblichen Ge- schlechts die Liste Zentralverbanö öer Angestellten t�fa). Vcrsicherungsangestellte zur Kaufmannsgerichtswahl. Zu einer wuchtigen Kundgebung für die Kandidatenliste des Zentralosrbandes der Angestellten fAfa) gestaltete sich die überfüllte Versammlung der versicherungsanzestellten in den Musikersälen. Der Verbandsvorsttzendc Kollege Giebel behandelte in eingehender Form die Stellung der Dcrslcherungsangestellten in diesem Wahlkampfe. Ueberzeugend wies er nach, daß gerade ange- sichts des schwierigen Tarifkampses der Versicherungsangestellten diese Wahl mit einem vollen Sieg der freigewerkschaftlichen Kandi datenliste desZentralverbandesder Angestellten enden müsse. Mit rauschendem Beifall unterstrich die imposante Versammlung seine Ausforderung, die wenigen Stunden für re st lose Werbearbeit auszunutzen. In der Aussprache oersuchte der Vorsitzende des Allgemeinen Verbandes der verstcherungsange- stellten sich gegen die Angriffe des Referenten zu wehren. Bis auf wenige Anwesende stimmte die Versammlung den Ausführungen der Kollegen Schmidt und D u b l i tz sowie der energischen Schlußabrechnung mit diesem Organisationszersplitterer zu. Der Kampfeswille fand in einer Resolution Ausdruck, die entschieden protestiert gegen das Llmosenangebot der Arbeitgeber bei den Tarifoerhandlungen. Ttreit bei Hermann Meyer u. En. Bei der Likörfabrik Hermann Meyer u. Co., A.-G., Watfftr. 11 bis 12, stehen die Detriebshandwerker und-Helfer seit Sonnabend, dm 29. August, im Streik. Wir bitten um strengste Solidarität. _ Die Streikleitung. Lohnbewegung im Fuhrgewerbe. Durch die erheblichen Preissteigerungen aller zum Sebensunter- halt notwendigen Artikel sehen sich die in den gewerblichen Fuhr- betrieben Groß-Berlins tätigen Schwer- und Leichtfuhrwerkskutscher genötigt, die bestehenden Tariflöhne per 31. August der Fuhrherren- innung zu kündigen Angesichts dessen, daß die Löhne tn dieser Gruppe gegenüber gleichartig gelagerten sehr zurückstanden, wurde «ine Lohnerhöhung von 85 M. wöchentlich aus die bestehenden Löhne von 299 M. für Schwer- und 279 M. für Leichtfuhrwerkskutschcr ge- fordert. Ln einer hierüber mit dem Vorstand der Innung am 13. d. M. gepflogenen Verhandlung gestand dieser eine Erhöhung von» Proz. zu. Di« sich mit diesem Ergebnis beschäftigend« stark besuchte Branchenversammlung lehnte mit Entrüstung das Angebot als viel zu gering,, den Preissteigerungen nicht gerecht werdend ab. Die Lohnkommission wurde beauftragt, no ch m a l s mit den Arbeit- gebern spätestens bis zum 28. d. M. in Verhandlungen zutreten. Die Anrufung de» Schlichtungsausschuffes wurde ab- gelehnt, da auf Grund der vorausgegangenen Lohnbewegungen keine guten Erfahrungen mit dieser Körperschuft gemacht wurden. Die versammelten beschioffen einstimmig, wenn di« nachgesuchte ver- Handlung kein befriedigendes Ergebnis zeitigen sollte, die Arbeit ein- zustellen, von den Arbeitgebern wird erwartet, daß sie sich zu größerem sozialen Verständnis als bisher durchringen, um den be- vorstehenden, in dos Wirtschaftsleben Berlins tief einschneidenden Kampf noch in letzter Stunde abzuwenden. TaS Trinkgeldunwescn. Die Gesellschaft für soziale Reform liefert zu diesem Thema fol- genden beachtenswerten Beitrag: Die alte Unsitte des Trinkgeldgebens findet auch jetzt noch ihre Verteidiger, die durchaus nicht einsehen wollen, daß doch schwer- wiegende Gründe vorhanden sein müssen, wenn die Hauptbeteiligten — das Bedienungspersonal— diesen Kampf immer wieder und selbst auf das Risiko geminderter Einnahmen hin aufnehmen. Wir wollen dabei einmal ganz von der Form absehen, in der im all- gemeinen Trinkgeld im Gasthause erwartet, herausgelockt, verab- reicht und entgegengenommen wird. Als schön und angenehm wird sie auch heute niemand bezeichnen. Wie steht es denn aber mit den Wirkungen der Trinkgeldsntlohnung auf sozialem Gebiete? Heute ist eine achtstündige Arbeitszeit die Etundnom Im Gastwirtsgewcrbe ist sie vielfach tariflich auf 10 und 11 Stunden täglich ausgedehnt worden. Die gastwirtschafilichen Angestellten haben sich ferner an allen größeren Orten als Ersatz für den Sonntag, der einer ihrer schwersten Arbeitstage ist, einen wöchentlichen Ruhetag erkämpft. Der ganz oder zum Teil auf Trinkgeld Angewiesene hat ein Interesse an unbegrenzter Arbeitszeit: je länger diese, um so mehr Trinkgelder. Eigen« Gesundheit und Familienleben kommen dabei vielfach zu kurz, wie das Aussehen vieler gastwirtschastlicher Angestellter beweist. Je länger nun aber das Bedienungspersonal arbeitet, inn mehr zu verdienen, um so mehr Interesse hat es daran, daß während dieser Zeit auch der ganze Betrieb uneingeschränkt im Gange bleibt. Wirt und Bedienung drücken aus das Küchenpersonal, um deffen Arbeits» zeit zu verlängern. Daraus folgt eins noch längere Arbeitszest für das Hilfspersonal, kurz die früher übliche 15 bis löstündige Arbeitszeit mit allen ihren üblen Folgen wird ebenso zur Regel wie die damit zusammenhängende ständige Uebertretung der sozialen Gesetze und Schutzvorschriften. So bringt der Egoismus der einen verschlech- terte Arbeitsbedingungen für alle anderen. Auch verschlechtert er die Arbeitsbedingungen der eigenen Berufsgenossen, denn der Trinkgeldempfänger sieht naturgemäß nicht gern Konkurrenten neben sich. Hier muß die Oeffentlichkeit«inschreiten, indem sie die Quelle des Uebels verstopft und das Trinkgeld als wirklich abgeschafft betrachtet.__ Veryandlnngen über die Tarife im Bergbau. Im Reichsarbeitsministerium begannen gestern die Derhandlun- gen zwischen de» Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen im Bergbau über die neuen Tarifreqelungen. Den Vorsitz führt Reichs- arbeitsminister Dr. Brauns. Tis Verhandlungen werden voraus- sichllich auch heute noch andauern. Verhandlungen der städtischen Llrbeiter in Sachsen. Am Donnerstag, den 26. August, fanden im neuen Rathaus zu Dresden Verhandlungen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeite» mit dem A r b e i t g e be r v e r b a n d Sächsischer Gemeinden über die Gewäbrung einer Teue- rungszulage(Brotzulage) an die städtischen Arbeiter statt. Nach längeren hartnäckig geführten Verhandlungen, in denen die Arbeiter- oerireter die Arbeitcrforderungcn zähe verteidigten, kam folgende Bereinbarung zustande: „Es sollen erhalten ab 1. August 1921 olle über 21 Jahre alten männlichen Arbeiter pro Stunde 1 M., weibliche und Jugendliche erhalten pro Stunde 79 Pf., Arbeiterinnen, die unterhaltspflichtig« Kinder zu versorgen haben, werden in der Teuerungszulage den männlichen Arbeitern über 21 Jahre gleichgestellt." Allen Bemühungen zum Trotz gelang es nicht, für das in Kost und Logis stehend« Personal der städtischen Anstal. ten gleichfalls eine Teuerungszulage durchzusetzen. Der Arbeitgeber- verband erklärte zum Schluß, auch für dieses Personal eine Teuerungszulage gewähren zu wollen, wenn die für die Reichs, und Staatsbetriebe sckwebenden Derhandluktgen für das in Frage stehende Personal eine Ausbesserung bringen sollten. Ferner wurde vereinbart, daß am 13. September die Vertreter der beider- seitigen Parteien nochmals zusammentreten, um zu prü- fen, ob und inwieweit eine Erhöhung der vorstehenden Sätze sich notwendig macht. Sollten die Verhandlungen im Reich für die Arbeiter höhere Zulagen bringen als die für den Freistaat Sachsen vereinbarten, dann sollen die GemeindS�rbeiter Sachsens den Betrag, um den die Reichszulaze höher ist, nachgezahlt erhalten. An den Verhandlungen nahmen auch Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes und der Maschini st en und Heizer teil. Die Organisationsvcrtreter stimmten der Vereinbarung zu und be- schlössen, diese ihren Mitgliedern zu empfehlen. An alle Holzarbeiter in Deutschland! Infolge des Kampfes in der Berliner Holzindustrie ist der Zuzug für Holzarbeiter aller Dran. chen nach Berlin gesperrt. Arbeiterfreundliche Blätter wer- den um Abdruck gebeten. Aus den Betriebsversammlungen gehen uns neuerdings fort- gesetzt Entschließungen über die Stellungnahme zu den Lohnbewe- gungen zu, die sich in der Regel an die Ortsverwaltungen der be- treffenden Gewerkschaftsorganisationen wenden. Mit �der Unter- breitung solcher Resolutionen an die Stellen, an dienst« gerichtet sind, ist ihr Zweck zunächst erfüllt. Uns ist es unmöglich, außer den Berichten über die beschließenden Mitglieder- oder Delegierten- Versammlungen, noch alle an diese gerichteten Anträge oder Ent- schließungen der Belegschaft jedes einzelnen Betriebes zu veröffent- lichen. Resolutionen der Belegschaften können daher nur in den Fällen berücksichtigt werden, in denen es sich um besondere Ange- legenheiten von allgemeinem Interesse bandelt. Die Redaktion des„vorwärts". Ehemalige Sicmensarbeiker! Am Mittwoch, �en 31. August, abends 7 Uhr, findet in der Linienftr. 83/83 im Sitzungssaal eine Versammlung der Gemahrezelten von 1919 statt. Stellungnahme zu unserer Klage. Die Ortsverwaltung. „Rußlandhilfe." Die Sammelliste Nr. 216 der Gewerkschafts. tommission ist als verloren gemeldet. Wir bitten, dieselbe anzu- halten und an die unterzeichnete Organisation, Zimmer 33, abzu- liefern. Deutscher Transperarbeiterverband. Bezirk Groß-Bcrlln. In Hamburg beschlossen die Heizer und Maschinisten der Groß- schiffswerften«in« Lohnerhöhung von 199 Proz. zu fordern. Um existenzfähig zu sein, müßten den Weltmarktpreisen gegenüber auch Weltmarktlöhne gefordert werden.— Di« Angestellten der Elektri- zitätswerke einschließlich des Werks Unterelbe beschlossen, den Tarif zu kündigen und für August und September rückwirkend«ine Teue- rungszulage zu fordern. In der westdcuischen chemischen Industrie hat der Fabrik. arbeiterverband das Tarifabtommen gekündigt. Gefordert wird in der Hauptsache eine Zulage zu den Stundenlöhnen von 2 M. Lohnbewegungen in Thüringen. Au« Gotha, Zeulenroda und aus Eisleben, wo die Holzarbeiter bzw. Tischler, und aus Schleiz, wo die Arbeiter der S p i e l w a r« n i n d u st r i« die Arbeit nieder- gelegt Habens sowie aus anderen thüringischen Orten werden Lohn- bewegungen gemeldet.— Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter von Weimar haben mit 1289 gegen 249 Stimmen beschlossen, in den Generalstreik einzutreten. Es handelt sich um den Kampf für die Teuerungszulage. Im Bezirk des sächsi'ch-lhüringischen Weberverbandes sind die Tarife der Arbeiter und die der Angestellten von den Arbeitneh- mern gekündigt worden. Di« Arbeiter fordern eine Lohnerhöhung von 3 M. für die Stunde für Arbeiter bis zu 29 Jahren und von 3.89 M. für die älteren Arbeiter. Die Angestellten fordern ein Monatsgehalt als einmalige Sonderzulag« und 59 Proz. Zuschlag zu den jetzigen Gehältern. Der Streik der Texkilarbeiker In Vordfronkreich(Lille, Roubaix und Tourcoing) dauert fort. In Lille fanden große Demonstrationen statt. In den Städten werden Volksküchen eingerichtet. «»kkhrsbund. Ssnntaz z Uhr im Gewerkscha>t-h->u-, cknzelufer 1.V1S, Saal J, Versammlung all» Reinmack'!-. Putz-, Earderabc- und Wartcfrauca vom gesamten Oderposidirektion-bezirl S-rlin. Der Stand unser» tohn. bewegung. Verantwortlich für den rcdakt. Teil: Dikl«« Schiff- Berlin; fllr Anzeigen: Tli. ÄlaNc. Pcrun. V»l!ig.- VorioäriS-Vrrtag S. m. o. H.. Berlin. Tru� ij< r. wSrlS-Vuchdruckcrri u. ZZcrlagsanüau V-nil Singer u. So., Berlin. Linvealtr. 3. Hl»»- 1 Vctioge._ jpmiiiiiiiilik�S� S 425 J 'UllllWIliWUlM JllllllllllllBlinifflllju R 495 i �llilllllllUlllillillillllllr M. Schulmeister jli!i»»iiinniiiiniiii|� & 37 5 M M«llwMill� Dresdener Straße 4 Kottbuser Tor 495~ %Ld