Nr.4HS ♦ ZS. �ahrgaag Ausgabe B Nr. 201 Bezugspreis t ftillungsgebühr. Unter Kreuzband 1 Doulschland. Danzig. das Ellar- und ffliemelflcbiet sowie die ehemals deul- scheu Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxem dum 20,— M. für das übrige Ausland 27�- M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho» Slowakei Däne- warl. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der»Vorwärts� mit der Sonntags- beilage»Volk und Zeit�, der Unter- Haltungsbeilage»Helmwelt* und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� «tcheinl wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adrest«.- '' Vftm» vSojialOcmottal Abend Attsgabe Devlinev Volksblcitt ( 20 Pfennigs SluzcigenpretS, Di« achtgeipalten« NonvareMezril« dostet llv M„filrtac Anzeige»" da» settgebruckte Wort IM) M.(zu- lässt» zwei fettgedruckt« Wortes, sede» weitere Wort TO, Stellengesuch« und Schlasstellenanzetgeu das erst, Wort U— DU jede» weiter» Wort to Dfg, Worte über 15 Buchstaben iSHIen für zwei Worte, ffannlien-An- zeigen für Abonnenten getie is- TO. Dt« Preis»»erstehen sich einschließlich Teuerungszuichlaa Anzeigen für die nächste Nummer müsse» dt, S Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin EW 6b, Linden» straße ll. abgegeben werden. Geöffnet »on 9 lldr früh bis 5 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands Reöaktion und Expedition: SM 08, Lindenstr.Z Redaktion Moritzpla« 151 US— g? ,iscrn,preryer. �xditiou Morittpla« 1I7SS— S4 Montag, den Ä9. August vorwärts-verlag G.m.b.H., SM öS, Eindenftr. Z Ki't'ntt„>-'»4>«-v- Verlag, Expedition und Inseraten. ß'srrlriP't.r.rtirr. 11753—54 Gegen öie Rechtsbolsthewiften! Aufruf der Regierung.— Verordnung des ReichspräfideNten. Schon seit geraumer Zeit erfüllt es die Reichsregierung mit Lc- sorgnis, dob die ö f f e n t l i ch e a Sitten iu Deuischtaad immer mehr i n v e r f a l l geraten und die Grundlagen von Reich und Staat zu erschüttern drohen. In einer Zeit, in der alle Kräfte der Ration daran geseht werden müßten, die moralischen, sozialen und wirtschaftlichen Schäden des Krieges zu heilen, geht eine zügellose Agitation immer offener ans Werk, die politischen und staatlichen Fundamente zu untergraben, ans denen sich der Renbau des Deutschen Reiches erheben soll. Die Sprache der Presse, welche diesen unheilvollen Bestrebungen dient, wird von Tag zu Tag eindeutiger: sie zeigt, daß der Plan gewissenloser Elemente und Gruppen, die den gewaltsamen Umsturz der ver- fassnngsmäßigen Ordnung betreiben, in weitere Kreise des Volkes ge- kragen werden soll. Ossen und in rohesier Form wird in solchen Organen und in Versammlungen zu Gewalttaten an politischen Gegnern. ja zum ZNord aufzesorderk. Augenscheinlich halten die Führer dieser Bewegung die Zeit für gekommen, in der die Ziele nicht mehr verschleiert zu werden brauchen, sondern offen bekannt werden dürfen. Die deutsche Regierung wird von dieser Bewegung als ein Klüngel unfähiger, schwächlicher und nndentscher Politiker dargestellt, deren Beseitigung patriotische Pflicht sei. Reben und in den Parteien, die in parlamentarischer Opposition stehen, gewinnen in letzter Zeit Organi- salionen, vereine, Gruppen und Persönlichkeiten an Bedeuwng. die aus Haß gegen die demokratifch-republikanlsche Staatsreform offen zur Verachtung der Versafsuug und Uebertretnug der Gesehe ausfordern. Die Rot des Vaterlandes macht es zur doppelten Pflicht. mit harter Hand diesem Treiben teils gewissenloser, teil verblendeter Elemente entgegenzutreten. Eiu schwerer Winter fleht Dentschlond bevor. Roch lasten aus uns die schweren drückenden Folgen des verlorenen Krieges, noch ist Oberschleslea dem Reich nicht gesichert. Seine Rettung, für welche die Regierung seit Monaten zäh und nicht aussichtslos kämpft, kann durch einen offenen Ausbruch innerer Zwisiigkeilen in Frage gestellt werden. Der politische Kredit des Deutschen Reiches darf nicht erschüttert werden in einem Augenblick, in dem wir den Ansprnch aus Oberschlesien aus die Grundsätze der Demokratie begründen. Ebenso- wenig kann es geduldet werden, daß dnrch politische Unruhen die Wirtschaftskraft Deutschlands geschwächt wird, die zur Abtragung der schweren uns auferlegten Lasten auss höchste angespannt werden muß. Rur durch dauernde ungestörte Arbeit kann es gelingen, Reich und Volk über die schweren Zeiten hinwegzuführen, iu denen Teue- rung und steuerliche Höchstleistung nebeneinander hergehen. Zu dieser Lage des valerlaudes die Verfassung und die Gesetze antasten oder verächtlich machen, heißt eine zweite in Wahrheit erst vernichtende Riederlage und damit den Verfall des Reichs vorbereiten. Die Regierung ist deshalb entschlossen, das zu tun. was die Zeitumstände und die Provokationen der Gegner der Verfassung gebieterisch erheischen. Die Verfassung, welche die demokratischen Forderungen der Freiheit der Presse, der Vereine und der versammlungeu verwirklicht, gewährt zugleich die Mög- lichkeit, diese Freiheiten zu beschränken, wenn sie zur Beseitigung der Verfassung selbst und aller Freiheit schlechthin mißbraucht werden. Von dieser Befugnis, die dem Reichs- präfideuteu zusteht, wird durch den folgenden Erlaß Gebrauch ge- macht. Die Reichsregierung hofft und ist überzeugt, daß alle recht- lich denkenden und zum Wiederaufbau des Vaterlandes willigen Deutschen hinter sie treten und mit ihr zum Schutz der Verfassung und der Gese'- zusammenwirken. Sie wird mtt unerbittlicher Strenge gegen jede Auflehnung vorgehen und fordert alle Organe des Reichs und der Länder auf. in völliger Unparteilichkeit und ohne An- sehen der Person der Verordnung rücksichtslose Geltung zu verschaffen. Die Reichsregierung, gez. Dr. Wirth. Die verorünung. Aus Grund de» Artikels 48 der Verfassung des Deutschen Reiches wird zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheil und Ordnung für das Reichsgebiet folgendes verordnet: S 1. Periodische Druckschrifieo, deren Inhalt zur gewaltsamen Aenderuug oder Beseitigung der Verfassung oder verfassungsmäßiger Einrichtungen des Reichs oder eines seiner Länder, zu Gewalttaten gegen Vertreter der republikanisch-demokratischen Staalssorm, zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen oder gegen die innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen der verfassungsmäßigen Behörden ausfordert oder anreizt, können für die Dauer bi» zu 14 Tagen verboten werden. Gleiches gilt für perio- dische Druckschristen, deren Inhalt eine Billigung oder Verherrlichung solcher Handlungen darstellt oder die verfassungsmäßigen Organe und Einrichtungen des Staates in einer den inneren Frieden de« Staates gefährdenden Weise verächtlich macht. Da» Verbot kann bi» auf die Dauer von drei Monaten ausge- dehnt werden, wenn die Druckschrift nach vorherigem verbot nochmals gegen die Bestimmungen des Abf. 1 verstößt. Da» verbot gilt für da» gesamte Reichsgebiet und umfaßt auch jede angeblich neue periodische Druckschrist, die sich sachlich als die alte darstellt. Zuständig für den Ausspruch des Verbots ist der Reichsminister des Iunern, der die zum Vollzuge notwendigen Vorschriften erläßt. ß 2. Eine Beschlagnahme von Druckschristen ohne richterliche Anordnung ist außer in den Fällen des 8 23 Rr. 1 und 2 des Reichsgeselzes über die Presse vom 7. Mai 1874 auch dann zu- lässig, wenn der Inhalt der Druckschrift die voraussehung eines Verbots nach 8 1 Abs. 1 erfüllt. 8 3. Wer eine nach 8 1 verbotene Druckschrift herausgibt, verlegt. druckt oder verbreitet, wird mit Geldstrafe von 580 V00 Mark und mit Gefängnis oder mit einer dieser Strafen bestraft. 8 4. Versammlungen. Vereinigungen, Aufzüge und Kund- gedungen können außer den Fällen des Artikels 123 der Reichsver- sassnng verboten werden, wenn die Besorgnis begründet ist, daß in den Versammlungen usw. Erörterungen stattfinden, die zur gemalt- samen Aendervng oder Beseitigung der Verfassung oder verfassunqs- mähiger Einrichtungen des Reiches oder eines seiner Länder, zu Ge- walttaten gegen Vertreter der republikanisch-demokratischen Staats- form, zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen oder gegen die innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen der verfassungsmäßigen Behörden aufreizen, solche Handlungen billigen oder verherrlichen oder die verfassungsmäßigen Organe und Einrichtungen des Staates in einer den inneren Frieden des Staates gefährdenden Weise verächtlich machen. Zuständig für den Ausspruch de» Verbots ist der Reichsminister des Innern, der die zum Vollzuge notwendigen Vorschriften erläßt. 8 5. Wer eine nach 8 4 verbotene Versammlung usw. ver- anstalket oder In einer solchen verbotenen Versammlung usw. als Redner auftritt, wird mit Geldstrafe bis zu S00 000 M. und mit Ge- sängnis nicht unter einem Monat, wer an einer solchen verbotenen Versammlung usw. teilnimmt, mit Geldstrafe bis zu 100 000 M. und mit Gefängnis oder mit einer dieser Strafen bestrast. 8 6. Gegen ein verbot nach 88 1 und 4 und eine Beschlagnahme nach 8 2 ist die Beschwerde on einen Aus- schuß zulässig: die Beschwerde hat keiue aufschiebende Wir- kung. Die Mitglieder des Ausschusses und ihre Stellvertreter wählt der Reichrsat aus seiner Mitte. Der Ausschuß enl- scheidet in der Besetzung vou 7 Mitgliedern, die nach eigener freier lleberzeugung erkcnnen. Den Vorsitz im Ausschuß führt ohne Stimmrecht der Reichsiminister des Innern oder ein von ihm be- stimmler Stellvertreter. Die Beschwerde ist beim Reichsminister des Innern einzureichen, der sie, falls er ihr nicht stattgibt, dem Aus- schuß zur Entscheidung vorlegt. 8 7. Die Verordnung tritt mit dem Tage der verkündung in Kraft. Berlin, deu 29. Augost 1921. ver Reichspräsident. gez. Ebert. Der Reichskanzler. gez. wirth. Der Tannenberg-Rummel unö feme Zolgen. An verschiedenen Stellen Deutschlands ist am Sonntag der Zorn der Arbeiterschaft über das provozierende Treiben der blutbesudelten chakenkreuzler und Stahlhelmleute, die Hintermänner der politischen Meuchelmorde, zum explosiven Ausbruch gelangt. In Potsdam ist es dabei zu Zusammen- stoßen und leider auch zu Blutvergießen gekommen. Bei allem Verständnis für die Erregung der Arbeiter- schaft wiederholen wir die hier immer wieder ausgesprochene Mahnung, sich nicht durch unbesonnene Elemente von der Bahn der G e s e tz l i ch k e i t abbringen zu lassen, namentlich nicht durch solche, die aus dem Kampf gegen die Rechts- Putschisten und für die Republik einen Kampf gegen die Rechtsputschisten und gegen die Republik machen wollen. Soweit die sozialdemokratische Arbeiterschaft sich an solchen Demonstrationen beteiligt, demonstriert sie gegen die schwarz- wciß-roten Provokateure, aber nicht gegen die Or- gane, die von st a a t l i ch e r Seite zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bestellt worden sind. Wer zum Kampfe gegen diese aufreizt, versündigt sich an dem Geist der Veranstaltung. Zwei Arbeiter in Potsdam erschaffe». In Potsdam ist gestern Berliner Arbeiterblut ge» flössen. Eine Schlägerei, die zwisechn ein paar— nicht im Dienst befindlichen— Reichswehrsoldaten und kommunistischen De- monstranten entstanden war, nahm dadurch einen tragischen Aus- gang, daß der Schuvo-Wachtmeister Wolff, um die verfolgten Reichswehrleute zu decken, zwei der Verfolger totschoß. Die Opfer sind die Arbeiter Regen er- Steglitz und h e n s e l- Berlin. Der blutige Vorgang bedarf in seinen Einzelheiten noch der Aufklärung, es muß aber festgestellt werden, daß er als trauriger Einzelfall da- steht und daß im übrigen gestern keine Zusammenstöße zwischen der disziplinierten Arbeiterschaft und den Schupo-Mannschaften vorge- kommen sind. Die entschloffene einheilliche Abwehraktion der Arbeiter und Pazifisten hat die große militaristisch-chauvinistische Demonstration, die die vereinigten Reaktionäre für den gestrigen Sonntag in Pots- dam geplant hatten, unmöglich gemacht. Die Monarchisten hatten diesmal die Kinder vorgeschoben, um eine Neuauflage des Stadion» Skandals zu machen. Offiziell wurde die Sache als„Tannenberg. feier der Kreisverbände Potsdam, Angermünde und Luckau des Deutschnationalen Jugendbundes" aufgezogen.„Schirmherr" war chindenburg. Er, Ludendorff, Tirpitz, chelfferich und die übrigen Ab- götter unserer Monarchisten wurden erwartet. Nach dem Programm des„unpolitischen" Iugendbundes sollte ganz Potsdam einen schwarz- weiß-rotm Hohenzollernsonntag erleben. Das Glockenspiel der Garnisonkirche war in den Dienst der Sache gestellt, ein schwarz-weiß-roter Festzug durch die Stadt sollte den Rummel eröffnen, ein Fackelzug ihn beschließen. Da kün» digten die Arbeiter und Pazifisten eine Gegendemonsttation an, und der Aufruf des Potsdamer Gewerkschaftskartells, der drei sozio- listischen Parteien und der Friedensveremigungen hatte den Erfolg. daß der Potsdamer Polizeipräsident v. Zitzewitz in einer Bekannt- machung am Sonnabend alle Versammlungen unter freiem Himmel für den Sonntag verbot. Den Deutsch» rationalen mußte er es zweimal sagen. Sie sahen in der ersten Bekanntmachung nur ein Verbot der Arbeiterdemonstration, und so erschien am Sonntag ein« zweit« Bekanntmachung des Polizei- Präsidenten mit dem Text: Um Unklarheiten zu vermeiden, weise ich hierdurch ausdrück- lich darauf hin, daß unter das gestrige für heute erlassene Ver- sammlungsoerbot selb st verständlich auch die Tannen- b e r g f e i e r, soweit sie durch Veranstaltungen unter freiem Himmel begangen wird, fällt. Unter dieser in den Schaufenstern der„Hoflieferanten" aus- gehängten Bekanntmachung prangte ein Zettel ohne Unterschrift: Da die Tannenbergseier verboten ist, findet heute nachmittag 4 Uhr in der Luftschiffhalle eine Zusammen- k u n f t statt. Mit den Berliner Zügen kamen schon gegen Mittag viele Arbeiter mtt roten Bannern nach Potsdam. Sie erfuhren, daß wegen des Verbots des Polizeipräsidenten die iiy Freien geplanten Versammlungen nunmehr in Sälen stattfinden würden. Die bloße Anwesenheit der Arbeiter genügte schon, um das im Programm der Deutschnationalen vorgesehene schwarz-weiß-rote Flaggenmeer in den Potsdamer Straßen zu oerhindern. Die Väter der Potsdamer deutschnationalen Jugend trauten den Berlinern mit den zusammengerollten roten Fahnen nichts Gutes zu, und sie ließen die liohenzollernfahnen im Schrank. Nur in der Nähe der Luft- schiffholle hingen einige schwarz-weiß-rote Fahnen aus den Fenstern. Sie erregten den Zorn der kommunistischen Iugendgruppen und wurden eingezogen, nachdem es in einzelnen Fällen zu unsanften Auseinandersetzungen mtt den monarchistischen Fahnenmännern ge- kommen mar. Ueber die Einzelheiten des blukige» Ereignisses werden verschiedene Darstellungen verbreitet. Demonstranten, die sich als Augenzeuge» bezeichnen, schilderte» mir den Vorgang so: Ms &) vie Massen schon im Lustgarten versammelt waren, kamen als Nach- zügler noch Demonstranten der kommunistischen Jugend mit ihren Fahnen den Kanal entlang. Drei Reichswehrsoldaten, die sich nicht im Dienst befanden, kamen mit einigen jugendlichen Demonstranten in einen Streit, bei dem sich die Schuld wohl auf beide Teile gleich- mäßig»erteilt. Einer der Reichswehrleute entriß dann einem jugendlichen Demonstranten die rote Fahne und warf sie in den Kanal. Das erregte die Wut der übrigen Demonstranten, die an den Reichs- wehrleuten Rache nehmen wollten. Die Reichswehrleute flüchteten in das Gebäude der Oberrechnungskammer. Zwei waren schon ver- schwunden und der von der Menge bedrohte dritte wurde von zwei Schupowachtmeistern geschützt. Die Masse nahm nun gegen die Schupolcute eine drohende Haltung ein, zog sich aber schließlich auf Vorstellungen der älteren Ordner zurück. Im Gebäude der Ober- rechnungskammer hat der Wachtmeister in vermeintlicher Notwehr auf die ihn bedrängenden Demonstranten vier Pistolenschüsse abge- geben, durch die die Arbeiter H e n s e l(oder Franke II) und Rege- ner getötet wurden. Er selber wurde schwer verletzt. �rbeitervertreter beim Reichskanzler. Me die PPN. hören, fand heute mittag 12 Ahr im Reichstag eine Besprechung der Führer der SPD. und ASP. über gemein- same Forderungen an die Äeichsregierung statt, die als Folge der Cr- mordung Erzbergers im Laufe des heutigen Nachmittags dem Herrn Reichskanzler unterbreitet werden sollen. Ueber die Forderungen, auf die man sich geeinigt hat. verlautet bis zur Stunde noch nichts. Gelrennt von den beiden sozialistischen Parteien wird der Reichs- kanzler um Ahr eine Abordnung der Gewerkschaften empfangen. die gleichfalls bei der Reichsregiecung vorstellig werden wollen, um ihre Forderungen zu der durch die Ermordung Erzbergers geschaffe- neu politischen' Lage zu vertreten, ver Allgemeine Gewerkschafts- bund, die Afa und die lzirsch-Dunckerschen Gewerkschaften werden durch je zwei Führer in der Abordnung vertreten sein, der Gewerkschaftsbund u. a. durch Graßmann, die Afa durch Aushäuser und Süß. die Hirsch-Dunckerjchen Gewerkschaften vermutlich durch Neuslädt. Der Stänöige Ausschuß einberufen. Der Vorsitzende des 8. Ausschusses des Reichstages, Genosse Al e e r f e l d, hat diesen Ausschuß, der nach der Verfassung berufen ist. während der parlamentsfreicn Zeit die Reichsregierung zu kon- trollieren, zum Freitag, den 2. September, zu einer Sitzung nach Verlin eingeladen. Der Ausschuß wird die innerpolitische Lage, wie sie durch die Ermordung Erzbergers sich gestaltet hat, beraten und wahrscheinlich auch Stellung nehmen zu den Vorgängen In Rlünchen, insbesondere zu der Ausrechterhaltung des Ausnahmezustandes durch die Regie- rung kahr./ „Tannenberg"' in Oranienburg. In Oranienburg wurde schon seit Wochen große Reklame für eine Tannenbergfeier am Sonnabend,'den 27. August, gemacht. Gleich ein halbes Dutzend Größen war aufgeboten worden, um hier ihre Reden für die Verherrlichung des Krieges loszulassen, Strese- mann an der Spitze. Alles war so schön vorbereitet und sollte mit großem Tamtam in Szene gehen: an alles hatte man gedacht, um eine große Kriegervereinsfeier zustande zu bringen, nur an den Zorn der Arbeiterschaft nicht. Diese ging in großen Zügen gleich von der Arbeitsstelle zum Luisenplatz, und als um 5 Uhr die Feier ihren Anfang nehmen sollte, waren Taufende von Arbeitern ver- sammelt, die dagegen protestieren wollten. Es kam zu einem Umzüge mit roten Fahnen und entsprechenden Schildern, und es paßte sich, daß der Umzug der Kriegervereine mit seinem kriegerischen Gepränge mit Musikkapelle in die Mitte ge- nommen wurde. Diese räumten bald das Feld und wurden den ganzen Abend nicht mehr gesehen. Einem Burschen muhte dabei der Revolver abgenommen werden. Unser Zug ging weiter zu ihrem Festversammlungslokal. Vor diesem sollte eine Versammlung ab- gehalten werden: alles sollte in bester Ruhe abgehen, in das Lokal wurde nicht eingedrungen, nur auf der Straße sollte die VerHerr- lichung des Massenmordes nicht zu Schau getragen werden. Als nun ein Redner zu den Massen sprach, stimmte die Kapelle, natürlich eine frühere Regimentskapelle, kriegerische Weisen an. Diese Ver- höhnung ließ sich die Arbeiterschaft nicht gesallen, sie drängte die yiftorijche Schlagworts. Der französische Geschichtsforscher Arthur Chuquet mustert eine Reihe von Schlagworten aus der französischen Geschichte, von denen sich einige auch in Deutschland durchgesetzt haben. Man erfährt da allerlei über ihre wahre Herkunft. Da ist z. B. das Wort„Baris ist wohl eine Messe wert", das gern gebraucht wird, um ein Opfer der Ueberzeugung um materieller Borteile willen zu be- zeichnen. Daß es seinen Ursprung dem Uebertritt Heinrichs IV. von Frankreich zur katholischen Kirche verdankt, steht fest, aber nach Chuquet stammt es weder von dem König selbst noch von seinem Staatsmann Sully. Der französische Historiker leitet die Begrün- dung dafür aus den Charakteren der beiden Männer her. Das Wort hat in mancherlei Variationen auch später in der französischen Geschichte eine Rolle gespielt. So ist von Ludwig XVIII. gesagt worden, die Krone sei wohl eine Verfassung wert, oder auch, die Nationalkokarde bedeute für ihn, was die Messe für Heinrich IV. Der viel gebrauchte Ausspruch:„Niemand ist ein Held in den Augen seines Kammerdieners," ist wohl eine Va- riation de- Wortes, daß der Prophet in seinem Vaterlande nichts gelte. Während die Form, in der es meist gebraucht wird, von Madame Cornuel herrühren soll, sagt Montaigne ganz ähnlich: „Wenige Menschen genießen die Bewunderung ihrer Dienstboten". Daß der Ausspruch:„Nach uns die Sintflut!" von der Pompadour herrührt, ist allgemein bekannt, auch daß sie so sprach, um Ludwig X V. zu trösten, als er wegen der Niederlage bei Roß- bach bekümmert war. Daß die Pompadour dabei vorahnend auf 'die Ereignisse der Revolution habe hinweisen wollen, ist manchmal angenommen worden. In der politischen Polemik wird gern auch bei uns der Vorwurf erhoben:„Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen!" Das Wort bezog sich in seiner ersten Anwendung auf die Bourbonen, und zwar soll es nach Büchmann zuerst in einem Brief des Konteradmirals, de Panat vom Januar llgg zu finden sein. Wie Chuquet nachweist, ist es noch ein wenig ölier, da es bereits im September 17SS von Dumouriez gebraucht wurde. Mit einem„Kranken M a n n" ist die Türkei schon seit Jahrhunderten verglichen worden. Bereits 1730 glaubt d'Argenson on ihre demnächstige Auflösung, und ähnliche Aussprüche finden sich von Montesquieu und Voltaire an bis ins 19. und 29. Jahrhundert. Merkwürdigerweise kann Chuquet hier eine deutsche Quelle namhaft machen, nämlich ein altes Lied aus dem Jahre 1683, das beginnt: „Der Türk' ist krank..". während ein solches aus dem folgenden Jahr den Titel führt:„Sultans Krankheit". Dagegen wird für einen anderen Ausdruck, der nach allgemeiner Annahme russischer Herkunft ist, die französische Abstammung nachgewiesen. Es handelt sich um das Wort„Nihilist", das Turgenjew erfunden zu haben behauptet, und zwar mit der Erklärung, daß er es nicht als Vor- wurf, sondern als einzigen Ausdruck für eine historisch eTatsache auf- fasse. Thuquet weist nach, daß die Bezeichnung bereits zur Revo» Polizei beiseite, stürmte in den Garten des Lokals und die Kapelle und die Teilnehmer muhten fluchtartig das Feld räumen. Die Tannenbergfeier fand somit ihr verdientes Ende. Die tnegver- herrlichenden Kreise, die immer frecher und herausfordernder auch in unserem Orte wurden, mögen es sich eine Warnung fein lassen, daß die Geduld, der Arbeiter auch einmal ein Ende hat. Bürgerliche Korrespondcnzbureaus— besonders das von Sochaczewski— bemühen sich,' den Oranienburger Vorfall mittels schamloser Verleumdung der beteiligten Arbeiter in einen allge- meinen Diebeszug umzulügen, bei dem den Festteilnehmern Portemonnaies, Handtaschen usw. gestohlen worden seien. Diese Art Berichterstattung sei nur niedriger gehängt! Der Kapp-Rebell üarf nicht reüen! Magdeburg, 29. August.(WTB.) Ein« vom Verein für das Deutschtum im Auslande m Neuhaldensleben für Sonntag abend einberufene Versammlung, in der General von Lettow-Vor- beck über den Feldzug in Ostafrika sprechen sollte, wurde von den Anhängern der Linksparteien verhindert. Diese hatten bereits längere Zeit vor Beginn der Versammlung zu Hunderten den Saal besetzt. Da außerdem vor dem Versammlungslokal eine große Menschenwege eine drohende Haltung annahm, so daß Zu- sammenstöße zu befürchten waren, wurde die Versammlung abgesagt. Erst nach langer Zell trat wieder Ruhe ein. firbeitenüe Jugenü! Jugenügenossen! Die Republik ist in Gefahr! Die Ereignisse der lehken Tage, der Mord an Erzberger beweisen den Ernst der Situation. Als die junge Generation der Arbeiterschaft dürfen wir in diesen Stunden nicht müßig beiseite stehen. Die Erhaltung der Republik und ihrer demokratischen Verfassung ist die Vorbedingung für die Verwirklichung unseres sozialistischen Ideals. Sie gab uns die Mög- Nchkeit unseres Aufstiegs, sie gewährte uns als sozialistische Jugendbewegung die elementarsten Lcbensrechte, die uns der monarchistische Obrigkeitsstaat Jahrzehnte hindurch vorenthalten hat. Der Kampf der Arbeiterschaft ist unser Kamps. Das Ringen um die Republik ist das Ringen nm unsere Zukunft. Nehmt darum in Massen teil au den Kundgebungen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft am Mittwoch, den ZI. August. Demonstriert mit den Farben des Sozialismus und der Republik gegen den Meuchelmord und die Reaktion, für die Republik und den Sozialismus! hauptvorstand des Verbandes der Arbeiterjugeudvereiue Deutschlands. Virth auf öem Katholikentag. Auf dem Katholikentag in Frankfurt a. M. hielt der Reichskanz- ler Wirth am Sonntag eine beachtenswerte Rede, aus der wir folgen- des entnehmen: Wir begrüßen unfere deutschen Brüder am Rhein, die ge- duldig unter der Last der Besatzung seufzen, aber auch unsere lieben Lcmdsleute, die trotz schwerer Bedrängnisse Im Osten, im A b- stimmungsgebiet.in Westpreußen so herrlich offenbart haben, daß man sich ans Vaterland anschließen soll, nicht nur in den Tagen des Glückes, da ist es leicht, in guten Zeiten, sondern auch in den Togen de« Unglücke». Und auch unseren Brüdern im lieben Oberschlesieu rufen wir zm„Holtet fest am deutschen Vaterlande". Wir glauben, unter Berufung auf das Recht der Völker und das Selb st best im- mungsrecht noch demokratischen Grundsätzen, daß unsere Stimme nicht verhallen kann, wenn nicht ein neuer Todeskeim in Europa gelegt werden soll. Die oberfchlesifche Frag«, die ursprüng- lich als eine lokale Frage angesehen wurde, ist jetzt nach der Pariser Konferenz eine W e l t f r a g e geworden. Daher erheben wir heute bittend, mahnend und beschwörend unsere Stimme. Oberschlesien ist unsere Hoftnung, es soll deutsch bleiben und wir bitten unfere Volksgenossen auszuharren bis zum Tage der gerechten Entscheidung.(Lebh. Beifall.) Wenn die Grenzen des Vaterlandes erst festliegen, wollen wir es gerecht im sozialen Sinne aufbauen.(Lebh. Beifall.) Beschwörend müssen wir die Hände erheben, wenn in dem politi- fchen Kampf die blanke Waffe aufblitzt und lutionszeit im Schwange war, und zwar für gewisse Politiker in der Nationaloersammlung, die, wie ihre Gegner sagten, nicht nur ohne Religion, sondern auch ohne politische Erziehung und politisches Verständnis feien. Bei dieser Gelegenheit mag man sich daran erinnern, daß noch eine ganze Reihe weiterer Schlagworte und geflügelter Redensarten, die bei uns Bürgerrecht erworben haben, französischen Ursprungs sind. Teilweise gebrauchen wir sie in sinnentsprechender deuffcher Uebcrsetziing, wie das Wort vom„Ritt er ohne Furcht und T a d e l", den Beinamen des Bayard, oder die Ausdrücke, daß„der Appetit beim Essen komme", daß man etwas um jemandes schöner Augen willen tue, oder daß man für einen die Kastanien aus dem Feuer hole, Zitate, die aus Rabelais, Mokiere und Lafontaine stammtn. Andere haben sich in ihrer Ursprache in den weitesten Kreisen durch- gesetzt. So das„Enkant terridle", dessen Herkunft gar nicht mehr sestzustellen ist, ein Wort, das schon von Goethe in semer Leipziger Zeit gebraucht wurde, oder„E'ort pour l'art", das von Victor Cousin stammt und sich mit der Kunstausfassung, die es bezeichn«, über die Grenzen Frankreichs verbreitet hat, und schließlich der „C h a u v i n", der, wie er einen wesentlichen Charakterzug der französischen Nation bezeichnet, nicht so leicht in eine fremde Sprache zu übertragen ist. Man muß dem Französischen aber auch zuge- stehen, daß es durch die Kürze und Treffsicherheit seines Aus» drucks für Worte fremder Herkunft Prägungen geschaffen hat, die allgemein durchgedrungen sind. Steglitzer Schloßpark-Thkater:„Maria Magdalena." Das Wag- ms, inmitten der Hochsommerzeit, wo auf den Bühnen sonst ge- dankenloseste Amüsierkost verzopft zu werden pflegt, Hebbels düsteres bürgerliches Trauerspiel zu geben, stellt dem künstlerisch-literarischen Streben dieses Theaterunternehmens wie dem Abonnentenkrcife, auf den es sich stützt, ein ehrenvolles Zeugnis aus. Um die uns heute so fremd gewordene Dichtung, die, den engen Rahmen des über- kommcnen bürgerlichen Rührstücks sprengend, in der wunderbar ge- meißelten Gestalt des Tischlers Anton einen Typ von unvergeßlicher Geschlossenheit geschaffen, zu lebendigem Klingen zu erwecken, dazu freilich reichte die Kraft nicht hin! Der Meister Anton verlangt einen Darsteller, der den quellenden Bildern und Gleichnißreden des Alten in jedem Worte mitschwingende körperlich mimische Rcsonnanz ver- leiht. Man muh gespannt, gebannt an seinem Munde hängen, wenn das Gefühl des tragisch ausweglosen Verhängnisses, auf das das Drama abzielt, uns packen soll. Dies Zwingende blieb Herrn Kli� versagt, und so verdrängte in dem Eesamteindruck das peinlich Quälende des Schicksals das eigentlich Tragische. Das Spiel des talentvollen Fräuleins Fließ in der Figur der Tochter, die des Vaters Selbstmorddrohung in den Tod treibt, war sorgsam und ver- ständig durchgeführt, vermochte aber nicht die Art ver seelischen Er- schütterung, auf die es für des Werkes Wirkung ankommt, auszu- lösen. Sehr glücklich waren die Nebenrollen der kranken Mutter durch Jeanette B e t h g e und de« leicht zur Korritatur entartenden nichtswürdigen Schleichers Leonhard durch Hermann G r e i d ver- treten. Auch Herr A ch az als Sekretär stand seinen Man«,__«k,. der Mord eingreift. (Stürmisches Pfui der ganzen Versammln n g.) W.'r stehen schaudernd vor dem Ereignis der letzten Tage. Wir wollen unser Gebet allen denen widmen, die nach einem Leben der Arbeit in den Sielen gestorben sind, wie Gröber, Trimbs rn, Bur» l a g e. Ich danke den Glaubensgenossen und den Bürgern von Frankfurt sehr für den warmen Empfang. Die Begrüßung galt aper wohl mehr dem Kanzler als dem Finanzmini st er.(Heiler- keit.). Der Gemeinschaftsgedanke verlangt Opfer dem neuen Staat gegenüber wie einst dem alten, und diese Opfer sind notwendig, sie gibt es keine Rettung für unser deutsches Baterland.(Beiza-U Die rettende Tat erwartet die menschliche Gesellschaft nur dura) unsere Opferbereitschaft. Wenn ich morgen die Kabinettsitzung er» öffne, dann imrf ich in Ihrem Namen wohl sagen, daß tue llleuys- regierung auf das Vertrauen des katholischen Volkes bauen darf. (Lebh. Beifall und Händeklatschen.) Lassen sie den Mut nicht sinken. Wer mutig und arbeitssam ist, dem wird auch der Erfolg nicht feblen. (Brausender Beifall.) Eine Friedensmahnung PaeeMS. Aus den vielen übrigen Reden ist zu erwähnen eine Ansprache des päpstlichen Nuntius P a c e l l i, dessen Name bei der Frieden?» bemuhung des Papstes im Jahre 1917 viel genannt wurde. Cr führte in seiner Rede aus:. �, „Noch nie hat so lebhaft der Wunsch nach einem wahren Bölkerfrieden bestanden, nach einem Frieden, der über ms politischen Grenzen hinweg die verstehende imd versöhnende Bruderhand reicht. Möge die Versammlung nicht ausemmider- gehen, ohne ein Wort des Friedens und der Liebe laut und machtvou auch in die christliche Welt hmausgerufen zu haben, möge die Ver- famwlung ihre Beratungen nicht schließen, ohne den festen Wmen bekundet zu haben, auf dem Wege friedlicher Arbeit an de.. Wiedererstehen des Vaterlandes mitzuwirken. Erzbergers Seisetzung. Berlin, 28. August.(WTB.) Die Leiche des Reichsministers a. D. Erzberger wird nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, nach Berlin, sondern nach Bieberach übergeführt, wo die Beisetzung er t kommenden Mittwoch stattfinden wird. Die Beisetzung der Lem)« Erzbergers erfolgt hier in einem von der katholischen Kirchen- gemeinde gestifteten Ehrengrabe am Mittwochnachmittag. Die Anfbahrung. Oppenau. 23. August.(WTB.) Zu der für heute vormittag anberaumten Einsegnung der Leiche des Abgeordneten Erzberger in der Kirche zu Oppenau hatten sich u. a. eingefunden: Der badische Staatsminister Trunk, Reichspostminister Giesberts, die Mitglieder der badischen Regierung sowie fast alle Abgeordneten der Zentrumsfraktion des badischen Landtages. Die Bevölkerung des Hinteren Renchtales war in großen Scharen herbeigeeilt, um dem Ermordeten durch Teilnahme an der Einsegnunas- feier die letzte Ehre zu erweisen. Nach der Kirchenfeier wurde der Sarg vor die Kirche getragen, dort hielten Staatspräsident Trunk. Reichsminister Giesberts, Geistlicher Rat Schofer, der Führer der badischen Zentrumspartei, sowie zahlreiche andere Trauergäste warme Nachrufe, die das Leben und Wirken des Dahingegangenen würdigten. Alsdann wurde die Leiche wieder im Oppenauer Krankenhause am- gebahrt, von wo sie in die Heimat des Ermordeten, nach Bieberach in Württemberg, übergeführt wird. Sechs Geschosse. Freiburg i. Br„ 28. August.(WTB.) Bei der gestern nach- mittag erfolgten Obduktion der Leiche des ermordeten Abgeordneten Erzberger wurden im Körper sechs Geschosse gefunden und zwar im Kopf, im Hals, in der Brust und im Unterleib. Zwei Geschosse haben den Körper ganz und gar durchschlagen: Es wird berichtet, daß die beide« Täter wiederholt im Vorbei- gehen die Zimmer des Abg. Erzberger beobachteten. Das wurde auch unmittelbar, bevor sie am Freitag morgen in den Wald gingen, ge- sehen. Nach der Tat flüchteten st« in der Richtung nach dem Knie- b i 9 und fragten den Straßenwart nach der Wegrichtung. Die an- gesetzten Polizeihunde verfolgten die Spur der Täter ebenfalls, so daß die Fluchtrichtung feststeht. Das ganze Kniebisgebict ist van Gendarmerie umstellt. « Vis zur Stunde liegt noch immer keine Meldung vor. daß die Täler ermilkelk oder ergriffen sind. Die„Volksbühne" und die junge Kunst. Die Volksbühne in Berlin hat für das kommende Spieljahr eine„Sonderabtei- l u n g" eingerichtet, in die all jene Mitglieder einzutreten auf- gefordert werden, die Interesse für die Aufführung einiger noch unerprobter Werte von besonderer Eigenart haben. In den Veranstaltungen dieser Abteilung soll vor allem jungen Talenten Gelegenheit gegeben werden, sich aus der Bühne und vor einem Publikum zu erproben, in dem wirklich künstlerisches Interesse lebendig ist und das alle Kreise der Bevölkerung umfaßt. Die- jcnigen, die sich dieser„Sonderabteilung" anschließen, haben für die Teilnabme an jeder der geplanten Vorstellungen nur einen Beitrag van 7,59 M. zu entrichten. Aorgesehen ist die Aufführung von drei Werken: eins davon dürfte„Passion" von Paul Bau- d i s ch, ein zweites„Das letzte Gericht" von Karl Maria Becker sein. Die Vorstellungen werden in dem von der Volks- bühne bewirtschafteten„Neuen Dolkstheater" stattfinden. Die Berliner Volksbühne erwirbt sich ein Verdienst, indem sie auch solche Werke auf der Bühne zu bringen bestrebt ist, die sich nach ihrem ganzen Ebarakter zunächst noch nicht zur Aufnahme in den allgemeinen Spielplan eignen. Diese Vorstellungen versprechen eine weit wertvollere Förderung der jungen Literatur, als Ver- anstaltungen, wie sie seinerzeit etwa von dem„Jungen Deutsch- land" unternommen wurden. Der handstaud auf der Turmspitze. Den Passanten des Platzes vor der Kilianskirche in H e i l b r o n n bot sich dieser Tage ein An- blick, der nervenschwachen Personen für einen Augenblick das Biut in den Adern erstarren ließ. Da sah man an dem hochragenden Turm der 499 Jahre alten gothischen Kathedrale mit großer G"- wandtheit einen jungen Mann hinaufklettern, bis er hoch oben auf der Turmspitze angelangt war. Ohne sich im geringsten um die warnenden Zurufe der entsetzten Huschauer zu kümmern, machte der Waghalsige dort oben zwischen Himmel und Erde einen nach allen Regeln der Turnkunst ausgeführten Handstand. Nach glücklich voll- brachtem Kunststück stieg er, als ob nichts Besonderes geschehen wäre, vergnügt wieder zur Erde hinab, in dem erhebenden Bewußtsein, im Handumdrehen eine— Wette von 29 909 M. gewonnen zu haben. Orgelmusik. Im Dom findet am Donnerstag, 1. Seht, 8 Ubr, da» erste der von Walter Filcher veranstalteten Orgeltonzertc statt. Qrinhit! frei gegen Entncchme eines Piogramms.— Die erste Abendmusik dieles WintcrS veranstaltet Fritz Heitmann in der Ch a r I o tt e n b u r g e r G e d S ch t n i S- i i r ch e am Donnerstag, 8 Uhr. Walter Kirchhoff. der sich auf mehrere Jahre inS Ausland begiedt, wird vor der Abreise«och in der Staatsoper austreten. Mitttpoch singt er den.Tannhäuier". Neue Konzertsäle. Schmechten- und vrahms»Saal werden die beiden neuen Konzertsäle im KammermusikhauS, Lützowstr. 111/112, bc- nannt. das m der zweiten Hälstc de» September eräffnet wird. Der Schmechten- Saal hat über 809 Saal» und 7ö Podiumplätze, der Brahms» Saal 221 Saat- und 19 Podiumplätz«. Natorp über Taaore. Pros. Bau! Natorp, der Marburger Philosoph. kündigt eine bei DiedenchS erscheinende Schrift über Tagorc an. Während der Besuch für viele in Europa nur eine Sensation war. will Natorp ihn in seiner ganze» Einfachheit alt Menschen schildern, al» Beispiel und Mahne» zu brüderlichem Geiste. KunAgebungen üer Zentrumsparte!. Frankfurt a. M.. 28. August.(WTB.) Im Anschluß cm den Katholikentag fand heute nachmittag eine Sondersitzung der in Frankfurt anwesenden Vorstände der deutschen Zen- trumzpartei und der Reichstagsfraktion statt, in der folgender Aufruf beschlossen wurde: Mitglieder der Zentrumspartei! Der Abg. Erzberger ist einem ruchlosen Meuchelmord zum Opfer gefallen. Tief er- schlittert steht die Zentrumspartei an seiner Bahre. War doch sein ganzes Leben, seine Jugendkraft wie sein Mannesalter dem Dienste der Partei gewidmet. Wenige haben so rasllos und hingebend ge- arbeitet im öffentlichen Leben wie er. Erzberger stand im Vorder- > grund des politischen Kampfes, und wie ist dieser Kampf gegen ihn geführt worden? Nicht mit ehrlichen Waffen, mit leidenschaftlichem Haß, auch mit Lug und Verleumdung wurde die öffentliche Meinung vergiftet, und das Ergebnis ist der ge- m e ine Mord. Und die Folge für unser gesamtes Volk? Ver- wüstung der politischen Sitten, Verfall jeder Ordnung und auf- reibender Bürgerkrieg. Wir verurteilen jegliche Gewalt im Kampf der politischen Meinungen, komme sie von rechts oder links. Wir verdammen den politischen Mord. Wir warnen und beschwören unser gesamtes Volk: Laßt ab von aller politischen Leidenschaft, von aller persönlichen Verhetzung, bannt den Geist, der solche Früchte zeitigt. Wer es gut mit unserem Wolke meint, der bewahre es vor inneren Erschütterungen, der trete ehrlich auf den Boden der Der- sassung, die das deutsche Volk und alle seine Stämme in freier Selbstbestimmung sich gegeben hat. Für Verfassungskämpfe ist heute weniger Raum denn je. Aufbauende Arbeit sei der Wahl- spruch. Parteifreunde! Das Grab Erzbergers darf sich nicht schließen, ohne daß ihr in machtvollen Kundgebungen diesem Ge- danken Ausdruck gebt. Tretet zusammen in allen deutschen Gauen, um laut und feierlich Verwahrung einzulegen gegen jeden Kampf mit vergifteten Waffen, gegen die verhängnisvolle Meinungsver- hetzung, gegen jegliche Gewalttat! Gelobet einhellig, treu zu stehen zur Ordnung und Verfassung, eingedenk unseres alten Wahl, spruchs:.Für Wahrheit, Recht und Freiheit!" Die Vorstände der deutschen Zentrumspartei und der Zentrums- fraktion des Reichstags Herold, Ehrenvorsitzender. Dr. Porfch. Stegerwald. Hedwig Dransfeld. Vecker-Arnsberg. Hlutige Kämpfe in Westungarn. Wien, 29. August.(Eigener Drahtbericht de».vorwärts'.) Sonntag nachmilkag haben bewaffnete magyarische For- m a t l o n e n unter dem Kommando der berüchtigten Horthy-Gardisten Heisa» und Ostenburg und offenbar im Einvernehmen mit der ungari- scheir Regiervng. wenn nicht gar auf ihre Weisung den Vormarsch der deutschSslerreichischen Gendarmerie zur Besetzung des abgetretenen Gebiets bewassneien widerstand entgegengesetzt. In der Nacht zum Sonntag wurde das Gebäude der.Oedenburqer Zeitung' von Polizei und Ofienburg-Gendarmen gewaltsam besetzt. Sonntag nachmittag brachen bewassueteBandenin den Oedenburger Bahn- Hof ein, verhinderten die Abfahrt eines Zuges, zwangen Fahrgäste zum Verlasien'cher wagen und lähmten den ganzen Zugverkehr von dieser Stunde ab. Im Bahnhof hatte der Führer der„erwachenden Ungarn', der wasfeumörder Oberleutnant heisa», sein Hauptquartier ausgeschlagen. Gestern sollten die Dentschösterreicher nach Oedenburg kommen und heute nachmittag die feierliche Uebergabe siottstnden. Bewaffnete Banden unter Offizieren gingen nach Westen vor. Au zwei Orten kam es zu blutigen Gefechten mit der deutsch- österreichischen Gendarmerie, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gegeben hat. Von Wien sind nachts Verstärkungen ab- gegangen. Die ungarische Gendarmerie hak bi» zuletzt unter dem Vorwand von Requisitionen die brutalsten Erpressungen im Burgenland ver- übt. Der Ausschuß der dentschästerreichlschen Volksvertretung hat Ungarn das Angebot gemacht, über die künstige Grenze die Volksab- Mmmung im Burgenland entscheiden zu losten. Natürlich kann es eine freie Volksabstimmung erst nach dem Abzug der horthy-Banden geben Zn einer großen Versammlung in Wien erklärte Genosse Dr. Otto Bauer, das Burgenland dürfe nicht ein neues Elsaß- Lothringen werden. Wien, 29. August.(WTB.) Noch längerer Debatte faßte der Ausschuß des Aeußern«instimmig den Entschluß, an seinem Beschluß vom 13. August die Verhandlungen mit Un- garn nach erfolgter Uebergabe Westungärns an Oesterreich zu führen, festzuhalten. Der Ausschuß ermächtigte die Regierung, sofort nach ungestörter Uebergabe die in Aussicht genommenen VerHand- lungen mit der ungarischen Regierung aufzunehmen, schon heute aber der ungarischen Regierung mitzuteilen, daß Oesterreich den Abschluß des Vertrages anstrebt, in dem das künftige Verhältnis zwischen Un- garn und Oesterreich bereinigt, die Abgrenzungsfragen vorbehaltlich der Zustimmung der Signatarmächte des Friedensvertrages von St. föermain auf Grund der Willensäußerung des bur- genländischen Voltes selbst einer«ingehenden Lösung zu- geführt werden._ Ishii begründet fein vorgehen. Paris. 29. August.(WTB.) Der Sonderberichterstatter von havas teilt mit, daß in Genf Graf Js h i i heute der Presse eine Er« klärung abgegeben habe, in der es u. a. heißt, zwischen der ablehnen- den Antwort des spanischen Botschafters Ouinones de Leon und dem Zusammentritt des Rates feien nur noch sechs Tag« Zeit ge- wesen, innerhalb deren es notwendig war, von dem ganzen Aktenstück der oberfchlestschen Angelegenheit Kenntnis zu nehmen. Stach habe ein vollkommener Bericht für die Mitglieder des Rates ausgearbeitet werden müsien. Um sicher zu sein, daß die Mit« giieder des Rates an dem angesetzten Tage den Bericht in Händen hätten, habe er selbst die Redaktion des Berichtes in die Hand genomnren. Dieser Bericht sei einfach ein Expos« der Schwierigkeiten, auf die die Entschließung des Obersten Rates anspiele. Der Völkerbundrat werde,«he er von dem Bericht im Zu- sammenhange Kennwls nehm«, die Freiheit haben, über die Me- t h o d e n zu sprechen, die er zur Prüfung der Angelegenheit anzu- wenden gedenke. Havas berichtet weiter, daß der Bericht des Grafen Jshii morgen vormittag im Dölkerbundrat oerlesen und darauf sofort ver» äffentlicht werde. Der Bericht sei dem Vernehmen nach ein genaues Spiegelbild der oberschlesischen Frage. Ouinones de Leon und der chinesische Botschafter Koo sollen in Genf ange- kommen sein. B a l f o u r wird heute abend erwartet. eondon. 29. August.(WTB.) Reuter meldet'aus Genf über die heute beginnende Tagung des Bölkerbundrates zur Erörte- rung der oberschlesischen Frage. Man sei der Ansicht, daß es schwer sein werde, Uebereinstimmung zu erzielen. Man werde wahrscheinlich zu einem Kompromiß gelangen.(Die Vermutung liegt nahe, daß der Reuterkorrespondent in Genf damit die Meinung des britischen Vertteters Balfour wiedergibt. Red.) Genf, 29. August.(WTB.) Der Dölkerbundrat wird am Montag vormittag um 19 Uhr im Genfer Bölkerbundspalast zu' seiner außerordentlichen Tagung über die oberschlesisch« Frage zusammentreten. Der witzige Druckfehlerteufel hat in der Sonntagsausgabe der �Deutschen Tageszeiiung' aus dem �»eutschnattimalen Jugendbund' qinen.Deutschnanonalen JljdenbtrnÖ' werden lassen. Hakenkreuz- jchockschwerenotl______...:,'■•V■. GroßSerün Die kette um üen Lustmöröer. Ein driller Mord Großmanns vor der Aufklärnng. Den Nachforschungen der Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, den Händler G r o ß m a mn eines dritten Lustmordes zu über- führen. Außer im Falle der Emma N i t s ch e war es bisher nur gelungen, Beweismatenal dafür zusammenzutragen, daß auch die Frida Schubert, deren zerstückelter Leichnam im Oktober v. I. gefunden wurde, ein Opfer Großmanns geworden war. Jetzt steht fest, daß Großmann auch das 24 Jahr« alte Hausmädchen Johanna Sosnowski umgebracht hat. Di« aus Wartenburg in Ostpreußen stammende Sosnowski war im November 1919 nach Berlin gekommen und hatte zuerst bei einer Frau in der Neuen Roßstraße bis zum August 1929«ine Stellung inne. Später war sie dann bei einem Restaurateur in der Wallsttahe tätig. Weihnachten kam sie zur Entbindung in ein Krankenhaus. Seitdem hatte sie sich bei ihrem Bräutigam aufge- hallen, der sie zuletzt am 12. d. M. sah. Sie trug damals eine weihe Bluse und einen abgetragenen schwarzen Samtrock mit schmalen und breiten Tuchstreisen. Auch zwei andere bereits er- mittelle und am gestrigen Sonntag vernommene Zeugen hatten sie am 12. d. M. nachmittags in einem Lokal getroffen. Sie erzählte diesen, daß sie am Schlesischen Bahnhof einen alten Mann habe kennen gelernt, der viel Geld habe und dem sie die Wirtschaft führe. Bei dieser Gelegenheit zeigte sie auch«in Taschentuch, das als Monogramm eine Krone und darüber die Buchstaben E. B. trug. Auf dieses Taschentuch war sie besonders stolz und äußerte bei dem Vorzeigen, daß sie jetzt eine Gräfin geworden fei. Seit diesem Tage ist dann die Sosnowski nirgends mehr gesehen worden. Nun wurden bei Großmann außer den der ermordeten Nitsche ge- hörenden Kleidungsstücken noch verschiedene andere gefunden. Unter diesen befand sich auch der zerschnittene schwarze Samt- rock der Sosnowski und das Taschentuch mit der Krone. Danach unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß auch dieses Mäd- chen von Großmann umgebracht worden ist. Von den anderen Mädchen, die sich bei Großmanp aufgehalten hatten, wurden ebenfalls wieder einige ermittelt. Sie geben alle an, daß Großmann versucht habe, gegen sie gewalttätig zu werden. Die Kreiswahlleiter für öie Staöwerorönetenwahlen. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung außer der Wahl des Stadtwahlleiters auch die Wahlen der Kreiswahlleiter für die Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen am 16. Oktober vorgenommen. Für Alt-Berlin(Bezirke 1— 6) ist gemeinsamer Kreiswcchlleiter Stadtrat P o e tz f ch(Stellvertreter Stadttat Schünmg). In den Außen- bezttken wurden zu Kreiswahlleitern bestellt: Wahlkreis VII Bezirk Charlottenburg: Bürgermeister Scholtz(Stellvertreter Stadtrat Hirsch); Wahlkreis VIII Bezirk Spandau: StMschulrat Kramm (Stadttat Walter), Wahlkreis IX Bezirk Wilmersdorf: Stadttat Steinhoff(Stadttat Oppel): Wahlkreis X Bezirke Steglitz- Tempelhof-Zehlendorf: Bürgermeister a. D. und Stadttat B r o h m in Lichterfelde(Stadttat Dr. Lengner in Lichterfelde): Wahltreis XI Bezttk Schöneberg-Friedcnau: Stadtrat L o r n l e n(Stadtrat Mohs): Wahltreis XII Bezttk Neukölln: Stadttat Brumby(Stadttat Waldheim): Wahlkreis XIII Bezirke Treptow-Köpenick, Stadttat und Bürgermeister a. D. Dr. S p o r l e d e r in Adlershof(Stadtrat Wer- muth): Wahlkreis XIV Bezirk Lichtenberg-Friedrichsfelde: Bürger meister John(Stadtrat Dr. G r a« f f ne r): Wahlkreis XV Bezirke Pantow-Weißenfec-Reinickendorft Stadttat Dr. Stein in Pankow (Stadttat Äbrkhard in Karow). Di« Geschäftsführung ist den be- tteffenden Bezirksämtern übertragen; in den vereinigten Wahl- kreisen X, XIII und XV führen die größten Bezirksämter Steglitz, Treptow und Pankow die Wahlgeschäfte. * In zwei Vtrtr«tervea:sammlungen des 17. Kr eis es wurde zu der bevorstehenden Stadwerordnetcnwahl Stellung ge- nommen. Während Genosse Koblenzer der durch die Spaltung und des kommunistischen Agitationsbedürfnisses hervorgerufenen schwierigen Interessent) erttetung unserer Fraktion im Berliner Par- lament gedachte und ttotz Kamps gegen recht und links die Notwen- digkeit der Austechterhaltung der sozialistischen Majorität betonte, berichtete Genosse Arndt von der weniger positiven Tätigkeit der Bezirksfraktion. Unendlich bedauerlich sei, daß u. a. wegen mangeln- der Mittel das Kinderheim geschlossen, der dringend notwendige Bau einer Badeanstalt wiederum vertagt und der bewährte Moralunter- richt eingestellt werden muhte. In der Debatte führte Genosse Reich- Kaulsdorf Klage über schwerwiegende Mängel verwaltungstechni- scher Art und rügte die Einsetzung eines volksparteilichen Bezirksvor- stehers. Diese, und auch vom Genossen Klotz in der Arbeitsnach- weis-, Schulgeld- und Kommunolbeamtenfrage vorgebrachten Be- denken wurden vom Genossen John als in den Verhältnissen bedingt erklärt und eine Abstellung von Mängeln, fo weit es nicht bereits geschehen, zugesagt. Anerkannt wurde, daß den Angestellten des Ar- beitsnachweifes der größtmöglichste Schutz vor Ausschreitungen ge» boten werden muß. Die von einer Kommission vorberatene�Kandi- datenliste, in der die Wünsche der Außenbezirke weiteste Berücksichti- gung fanden und mit dem Kreisvorsitzenden Genossen Ernst Arndt als Spitzenkandidat, wurde einsttmmig angenommen. Forkgefehk Waldbrände. Die andauernde Dürre in diesem Jahre hat in den letzten Monaten fortgesetzt zu Waldbränden geführt. In der Umgebung von Berlin kam es gestern wieder zu einer Reihe solcher Brände, zu deren Bekämpfung in vielen Fällen die frei- ipilligen Feuerwehren herangezogen werden mußten. Besonders in den Wäldern der Umgebung von Frohnau, Stolpe usw. muhten mehrfach die Feuerwehren der umliegenden Ortschatten aufgeboten werden, um derartige Waldbrände zu bekämpfen. In den meisten Fällen ist die Entftehungsurfache der Brände in dem leichtfertigen Umgange mit Feuer im Walde zu suchen. Ein schlecht abgelöschtes .Lagerfeuer' von Wandervögeln, ein fortgcworfener Zigarrenrest usw. sind in vielen Fällen die nicht mit Sicherheit festzustellenden Ursachen solcher Brände. An die Besucher unserer märkischen Wälder kann daher nicht häufig genug die Mahnung gerichtet werden, in den Wäldern und deren Nähe keine Feuer anzuzünden, ebenso auch das Rauchen im Walde zu unterlassen. Falsche Steuererheber treiben besonders in den Bororten Berlins ihr Unwesen. Auf gefälschte Steuerquittungen kassieren sie bei Hundebesitzern die Steuern für die Hunde ein, die man ihnen auch in den meisten Fällen, da man keinen Argwohn schöpfte, aus- händigte. Gestern ist es nun gelungen, einen dieser falschen Steuer- erheber, einen Möbelpolier Willy Bogt aus der Müggelstraße zu Berlin-Lichtenberg, festzunehmen. Gleichfalls unschädlich gemacht wurden drei junge Burschen, die mit gefälschten Quittungen Versicherungsbeiträge erhoben. Einer dieser jugendlichen Bettüger war bei einer Versicherungsgesellschaft angestellt und hatte sich dort Ouittungzformulare und eine Liste der Versicherten an- geeignet. ver Woabiler Park wird nicht bebaut. Wir teilten kürzlich mit, daß der schöne Part auf dem Grundstück Alt-Moabit 117 in Gefahr stehe, durch einen Neubau der Oberpostdirektion der Allgemeinheit entzogen zu werden. Wie jetzt amtlich gemeldet wird, hat auf Ein- spruch der städtischen Baupolizei das Volizeiamt Tiergarten die Bauarbeiten auf dem Grundstück All-Moabit 117 verhindert. Die Beseitigung des Bauzaunes ist veranlaßt worden. weshalb keiu Späwertchr nach dem Osten? Großen Unwillen hat die Meldung«regt, daß trotz der verlänqerten Polizeistunde 54« noch.Strans berg, Ertve�Zotl�v, Königswusterhausen keine Aenderung erfahren soll. Da einzelne dieser Sttecken ohnehin einen sehr spährlichen Spätrer- kehr haben, sprechen wir die Hoffnung aus, daß die zahlreichen Wünsche, die auf eine Verbesserung des Verkehrs an diesen Sttecken hinzielen, nunmehr Berücksichtigung finden. Famillenkragödie in der Friedenstraße. Mit ihren beiden Kin- dern in den Tod zu gehen versuchte gestern die 49 Jahre alle Ehefrau des Besitzers B r a f ch: n aus der Frndenstt. 48. Noch einem Fa- milienftteit oersuchte die Frau sich mit ihrem Sohn Willi und ihrer Tochter Martha in dem Hause Fruchtstt. 33 mit Leuchtgas zu ver- giften. Ihr Vorhaben wurde jedoch noch ziemlich rechtzeitig ent- deckt. Alle drei Personen hatten bereits das Bewußtsein verloren, doch gelang es dem Arzt, die Mutter und den Sohn wieder ins Leben zurückzurufen. Die 9Jahre alte Tochter aber war bereits der Vergiftung erlegen. Die Elternbeirakswahlen in Britz am Sonntag hatten folgendes Ergebnis. Es erhielten Mandate an der I. Schule: die vereinig» ten Sozialisten 11(7), die bürgerlichen 8(7): an der 3. Schule: die vereinigten Sozialisten 17(11), die Bürgerlichen 9(5): an der 3. Schule: die vereinigten Sozialisten 6(h), die Bürgerlichen 7(4). (Die Ziffern in Klammern bedeuten den Ausfall der Wahl vom März 1929.) Wir haben also einen Mandatgewinn an der 1. Schule und einen-Verlust an der 3. Schule. Daß uns an der 2. Schule sämtliche Mandate zufielen, erllärt sich daraus, daß die Bürger- lichen eine ungültige Vorschlagsliste einreichten, die Liste der Sozialisten also nur allein zur Wahl stand. Bemerkenswert war die außerordentlich schwache.Wahlbeteiligung.— Welche Konfusion bei den Kommunisten herrscht, hat auch diese Eltcrnbciratswahl wieder gezeigt. Ja Neukölln, Lankwitz und anderwärts bestehen Arbeitsgemeinschaften zwischen SPD., USPD. und KPD. In Lank- witz fsigar mit Einschluß der Syndikalisten. In Britz sind die Kom- munisten vor längerer Zeit nicht nur ohne Grund aus der Arbeits- gemeinschaft ausgetteten, sondern sie haben sich auch offiziell nicht an der Elternbeiratswahl beteiligt. Ja, am Sonntag vormittag haben sie sogar ihre Mitglieder noch schleunigst dahin instruiert, daß diese auf keinen Fall zur Wahl gehen, also auch nicht für die sozio- listische Liste stimmen sollten. Aegypten in Berlin. Der Verein der„Berliner Presse' gab am Sonnabend im Zoo zu allerlei guten Zwecken ein Sommerfest (u. a. für das Goethe-Haus in Frankfurt a. M.), das das eine Zeit- lang drohende Gewitter nicht zu stören wagte. Vom Nachmittag ab unterhielten das Publikum zwei Militärkapellen, der Berliner Lehrergefangoerein fang Volkslieder, Tänze und Ballette erfreuten das Auge. In der Milde des Abends aber mit bengalischem Feuer und großen Scheinwerfern beleuchtet ein großer Festzug durch die von dichten Massen flankierte Allee gelassen:„Im Reiche des Pharao', ein Stück aus einem großen Film, den Ernst Lubitsch inszeniert. Aber nur die unmittelbar an der Allee Stehenden sahen die Einzelheiten, die Fernersitzenden tonnten nur die herausragen- den Standarten, Embleme und das in riesigen Sänften vorbeige- führte Königspaar und die Obersten des Gefolges erschauen. Wer kennt die Völker, nennt die Namen— alles, was in dem Riesenfilm mitwirkt, stellte sich zur Schau: von Dagny Servaes bis zum braun getünchten Statisten. Vorsichtige hatten sich den Zug schon ange- sehen, als er sich formiert« und die Tanzenden konnten die Künstler nachher im Marmorsaal bewundern. Draußen aber herrschte ein« herrliche Nacht, der keine Polizeistunde schlug. Druckfehlerberichklgung. In der Notiz„Wanzenbekämp- f u n g in A d l e r h o f'(in Nr. 495 vom Sonntag) muß es statt „nicht stadtbevölkerte Wohnungen' heißen:„meist stadtbevölkerte Wohnungen"._ Das Wetter für morgen. Trocken und überwiegend heiter, am Tage war« bei mätzigen südlichen Winden Grsß-öerllner parteinachrichtea. 2. StrtU lTiergarUm). Die für Dienetag bei Tr» inner angesetzte Kreistiorüatiti«- Mung findet am Mittwoch um 7'/» Uhr bei Berger, Zagaw-, Ecke Levetzowstr., statt. Um 8 Uhr abend»: Äreisvorfiandtfitzung. 7. Kreis(Eharlottenburg). Dienstag, den ZV. Augufi, abends 7", Uhr: Kreis- nertreternersammlung in der Aula der Schule Nostnenstr. 14. Tagesordnung! Auistellnng der Kandidaten für die Stadt- und Bezirlsnerordnctenwahlen. Ohne Legitimation lein Zutritt. ». Kreis. Wilmersdorf. Dienstag,.70. August, abends S Uhr: Erweiterte Kreisvorstandsfitzung bei JHIenfetd,(Süntzel-, Ecke UHIandstraße Tagesordnung: 3. Politische Lage. 2. Aussprach« über die Kandidaten. S. ffertigftellnng der Stadt- und Bejirlskaudidlltenlistcn.(Jrscheiiun dringend notwendig. Sängerchor SPD., Pankow. Wegen de» Sommerseste» am Konnodend. 3 Sedt., erschetnen alle Sangesbrüder mit Damen und Helfern am Dienstag, 30.Angust, abend»:----"----""~~---------- � 8! l|u;r.uicu Ufclt MU» UIIU �VlsCblV Ullt"V. dend» 7 Uhr, im Türkischen g-It. Pankow, Breitestr. Am Freitag. 2. Slptdr., i Uhr abend«, Ablieferung der Präsente zur Tombola im selben Lokal. Spott. Die Olympia-Radrenubahn wartete am Sonntag mit einem en Fliegerprogramm«auf. Die dänischen Amateure Brask 'ndersen und Erik'Kjeldsei» ttafen mit unseren besten Herrenfahrcrn Peter und Lehmann in einem Vierermatch zusammen. Der Däne Andersen erwies sich als weit überlegener Fahrer: er ging in drei Läufen zweimal als leichter Sieger durchs Ziel. Ein langes Rennen über 39 Kilometer, den Berolinapreis, gewann Stabe, begünstigt durch Radschäden seiner Gegner, vor Ostermeier, und ein Zweisitzer- Prämienfahren siel an die beste Mannschaft im Rennen Hoffmann- Hahn vor Krahner-Petti. E: gebttifse: Vier er match. 1. Lauf: 1. Nndcrsen. 2. Kjeldien, 3. Peter, 4. Lehmann: 2. Laus: 1. Peter. 2. Andersen, 3. iljeldfen, 4. Lehmann; 3. Lauf: 1. Andersen, 2. Kjeidsen, 3. Peier, 4. Lehmann. WesamlergcbniS: 1. Andersen(4), 2. Peter<7), 3. Kjeidsen(7), 4. Lebmann(12 Punklc).— Berolinapreis. J. Laus, 10 Kilometer: 1. Stabe. 32 Min. 42 Sek., 2. Oilermeier, 4, 3. Tadewald. 1490, 4. Schräge, 2200 Meter zurück: 2. Lauf, 20 Kilometer: 1. Stabe. 25 Min. 56 Seck., 2. Schräge, 100, 3. Oilermeier. 1220, 4. Todewald. 1390 Meter zurück. Gesamtergebnis: 3. Stabe, 30 Kilo- meter, 2. Ostermeier. 28,776 Kilometer, 3. Schräge, 27,700 Kilometer, 4. Tadewald 27,120 Kilometer.— Zweisitzer. Prämienfahren. 12 Runden. 1. Hossmann-Hahn, 6 Min. 11 Sek., 2. Krahner-Petti, 3. Schulz- NeinaS, 4. Techmer-HäuSIcr, 5. Naujotat-Meier., Trabrennen zu Ruhleben, Sonnlag, ZS. August. Bei den heuti- gen Rennen war Fahrer Großmann mal wieder der Held des Tages, der seine drei Fahrten zu Siegen gestaltete. Stall GiückSburg- Preis. 15 000 M. 2600 Meter. 1. SchlibS, lRückert). 2. Teulelsbart iBahr). Tot.: 27: 10.— Stall Glückauf- Prei». 12 000 M. 2500 Meter. 1. Mac Tregor sTrcuherz). 2. GradiSca siörube), 3. Ingrid Kuser fRingiut). Tot.: 96: 10. PI.: 44, 10, 24: 10. Ferner liefen: Eduard I, Kogenluft, Goldstern, Fred WilkcS jr., Baron Sphinx. Siegmund Silber. Maurice.— Schnuckchcn-Preis. 12000 M. 1400 Meter. 1. Huichabell(Grotzmann). 2. Ouaeker(Schulz), 3. Sudmill l (Laufenberger). Tot.: 21: 10. Pl.: 11. 11. 11: 10. Ferner liefen: Schmetterling, Truc Fox, Prinz Kuckuck, Jbiri» Onward. Heidemann. Frühauf.—Stall Wal- Preis. 10 009 M. 2400 Meter. 1. Abteilung: 1. Ediuhard (Lautenberger), 2. Friedensbote(Gläser), 3. DolkSlied(Höhne). Tot.t 34: 10. Pl.: 15, 18, 19: 10. Ferner liefen: Pollux. Brabavt, D»- borah W. Willh I, Mittowica, Holsteinerin II.— 2. Abteilung: 1. Anton(.«sprich), 2. Peter I(Bleis), 3. Korsar(Besetzt). Tot.: 16: 10. PI.: 11, 11,11:10. Ferner liefen: Aüertony.?)tui>anti, Hinbenburg II, Friedensbote l.— Stall Runkel-Preis. 20000 M. 2700 Meter. 1. ErocuS(H. Stbleusener), 2. Kuiertrud(Lemzer), 3. Sigurd fTreuberz). Tot.: 28: 10. Platz: 12. 12: 10. Ferner lies: Arche.— Stall Klausner- Preis. 20000 M. 2400 Meter. 1. Eonstantin« the Ereat(Groftmann), 2. Dornröschen N(Ringiu»), 3. Araber(H-ckert). Tot.- 17: 10, Plötz: 11. 12. 1«: 10. Ferner liefen: Zufall. Prachtmädel, Clara Bingen, Manteustel.— Stall Heico-PreiS. 16 000 M. 2400 Meter. 1. Albatros(RingiuS), 9. GllickSdirndl(Treuherz), 3. Harten- fc!S(Lichtcnscld). Tot.: 26: 10, Platz: 14. 15. 16: 10. Ferner licsen: LaSbelcr. Aktionär. Jupiter III. Karla. Erbschleicher. Alraune. Prekrna. Laim Barl— Stall Wicking- Preis. 15 000. M. 2600 Meter. 1. Die Beste(Grotzuraim), 2. Bingcu jr.(Lauteiibcrgerj, 3. Cheiiealand (Neuenjeld). Tot.: 29: 10. Platz: 15. 15. 14:10. Feencr liejen: Diretlor. sfoung CondUet. Amorette. B-mf P,�Hm5enburz II, KrregSfrerwilliger, tzojlakah Nil» Handstreich. Fibel. OeweMhoDbewegung Ergebnis der Kaufmannsgerichtswahlen. Don den bis jetzt gezählten 44 061 Stimmen entfielen auf den �tfa-Bund 23 086 Stimmen und 130 Beisitzer, woran der Zen- tralverband der Angestellten mit 21 706 Stimmen, das find 123 Beisitzern beteiligt ist, und der Allgemeine Ber- band der deutschen Bankangestellten mit 1380 Stimmen und 7 Bei- sitzern. Es entfielen ferner auf die Liste des DchD. 11 446 Stimmen, das find 64 Beisitzer, auf die der Kath. Kaufm. Vereine 867 Stim- men gleich 4 Beisitzer, des(BdA. 7473 Stimmen gleich 42 Beisitzer, auf die Liste der Versicherungsangestellten 969 Stimmen gleich 5 Beisitzer und auf die Liste des Reichsoerbandes der Bankbeamten 220 Stimmen und 1 Beisitzer.— Das endgültige Ergebnis dürfte nur geringe Aenderungen bringen. Auf den Sieg der frei- gewerkschaftlichen Liste kommen wir noch zurüt' Kampf in öer Gummi- unü chemischen Inüustrie. Im Einverständnis mit dem Chemiekartell hat der Berband der Fabrikarbeiter den bisher geltenden Lohntarif für die chemische Industrie, Sektion 1», Erotz-Berlin und Brandenburg, gekündigr. Am Donnerstag, den 23. August, fände!, mit dem Arbeitgeber-. Verband der chemischen Industrie Verhandlungen statt. Die Forde- rungen der Arbeiterschaft lauteten 1,25 M. Stundenlohnerhöhung für männliche, 1,30 M. für weibliche Arbeiter, außerdem Aufhebung der Fachgruppeneinteilung und damit Fortfall der unterschiedlichen Bezahlung. Schon aus den, Bestätigungsschreiben der Unter- nehmer ging hervor, daß die kommenden Verhandlungen benützt werden sollten, um die allgemeinen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Nach stundenlangen Verhandlungen legten die Unternehmer Gegenvorschläge vor, die eine Verhöhnung der Arbeiterschaft der chemischen Industrie bedeuten. Neben Wünschen, die dem Ueberstundenunwesen und damit der Durchbrechung des Achtstundentages Tür und Tor öffnen sollen, wurde der Arbeiter- schaft zugemutet, daß sie die minimalen Rechte des BRG. durch tarifvertragliche Regelung umgehen soll. Die Akkordarbeit soll allgemein eingeführt werden und allein vom Ermessen des Unter- nehmers abhängen usw. Daß bei den Verhandlungen die Herreu vom sozialen Gefühl für die schwerbetroffenen Arbeiterkreise trieften, ist selbswerständlich. Da man die Treue der langjährigen Arbeiter belohnen will, bot man nach dreijähriger Beschäftigungs- dauer eine Etundenlohusrhöhung von— 10 Pf. für ungelernte Arbeiter, 20 Pf. für Handwerker. Außerdem eine Erhöhung der Familienzuschlöge um 15 Pf. pro Kopf und Stunde. Arbeiterinnen und Jugendliche sollen keine Zulagen erhallen. Arbeller der chemischen Industrie, das Verhalten der Unter- nehmer muß wie ein Peitschenhieb auf Euch wirken. Neben den in letzter Zeit mit Wissen und Willen des Arbeitgeber- Verbandes gemaßregellen Betriebsräten jetzt die Verhöhnung und die Verschlechterung Eurer Arbeitsbedingungen. Ab 1. September beginnt für Euch eine tariflose Zeit. Gebt die richtige Antwort, seid des Rufs der Organisation gewärtig. Am Mittwoch, den 31. August, abends 6 Uhr, Sindet im»Dresdener Kasino", Dresdener Straße 96, eine Konferenz er freigewerkschaftlichen Funktionäre statt. Vollzähliges Erscheinen ist unbedingt notwendig. Kein Betrieb darf fehlen. Die Funktionärkonferenz der Gummiarbeiter findes am Mittwoch, den 31., nachmittags 5% Uhr, im Saal 5 des Gewerkschaftshaufes statt. Kein Funktionär darf fehlen! Zu den Emigungsbedingungen. In der Mitteilung der Vereinbarung mit den Organisationen über die Aufbesserung der Bezüge der Reichsbeamten, Angestellten und Arbeller hat sich in Ziffer 9 Satz 2 durch Versetzung eines Kommas eine Entstellung des Sinnes ergeben. Die Vereinbarung geht dahin, daß die Bezüge der volljährigen männlichen Angestellten gemäß Ziffer 2 der Vereinbarung erhöht werden, d. h. daß die Ge- samtbezüge der Angestellten in den ersten fünf Vergüwngsstufen des Tarifvertrages vom 4. Juni 1920 ab 1. August d. I. ebenso hoch sein werden, wie in der 6. und 7. Vergütungsstufe. Die Bezüge der weiblichen volljährigen Angestellten werden in den ersten fünf Ver- gütungsstufen mindestens"den Bezügen der weiblichen außerplon- mäßigen Beamten m den ersten fünf Dienstjahren entsprechen. Die Scharfmacher im Konditoreigewerbe. Sie sind wieder an der Arbeit und haben einen Vorstoß unter- nommen. Nicht nur, daß sie gemeinsam mit ihrer Schutztruppe, dem! Gewerkverein der Bäcker und Konditoren(H.-D.), der durch seine vom 1 Rotkoller befallenen Führer immer mehr und mehr die Rolle der Gelben übernimmt, den paritätischen Arbeitsnachweis zu Fall bringen wollen, auch in der jetzigen Lohnbewegung glauben die Unternehmer auf ihre Hilfe rechnen zu können. Bei den Verhandlungen über ein« Erhöhung der fetzigen Löhne waren die Arbeitgeber zu kleinen Zuge- ständnisien bereit. Sie mußten anerkennen, daß die Löhne beute vollständig unzulänglich find. Daß dem schon eine ganze Reihe Firmen Rechnung getragen und die Löhne freiwillig ausgebessert haben, ist wohl der beste Beweis dafür. Doch den Schcstfmachern, den Innun g sgewaltigev, ginge« auch diese mistmalen ZugestSnduiss« schon zu weit. In einer recht stürmisch verlaufenen Versammlung der Arbeitgeber wurden sie glatt abgelehnt. Man weiß nicht, wie man dieses engstirnige Verhalten der Unternehmer bezeichnen soll. Denn wenn man die Lebenshaltung der meisten Konditoreibesitzer dem Notstand ihrer Arbeitnehmer entgegensetzt, so kann nichts aufreizender wirken als dieser Gegensatz. Daß die Herren in der Lage sind, aus- reichende Löhne zu zahlen, werden diejenigen, die eine Konditorei besuchen, an ihrem Geldbeutel am besten feststellen können. Der Zentraloerband der Bäcker und Konditoren wird zu diesem provozierenden Verhalten in einer heute, abends 7/4 Uhr, in den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31, stattfindenden Ver« sammlung Stellung nehmen und weitere Beschlüsse fassen. Die Gewcrkschastsunterkommission Erkner und Umgegend schickte uns einen von einem»Zentralousschuß" ausgehenden Aufruf für die Rußlandhilf«, der außer von ihr selber von»SPD., USPD., VKPD." unterzeichnet ist.— Es wird Sache der Berliner Gewerk- schaftskommission sein, dafür zu sorgen, daß die Unterkommissionen sich an die allgemein geltenden Beschlüsse halten und nicht die Ein» heitlichkeit der Gewerkschaftsaktion durchkreuzen. Die Streiklage in Polen hat sich noch mehr oerwickelt. Die Ver- einbarung über den Abbruch des Eisenbahner st reiks, die dos Posener Streikkomitee mit der Warschauer Regierung abge- schlössen hatte, hat keine Billigung der Vertrauensmännerversamm» lung gefunden: die Versammlung wählte vielmehr ein neues Streik- komitee mit dem Auftrage, erhöhte Forderungen an die Regierung zu stellen. Die gestern mittag auf den Posener Betriebsstätten zum Teil erschienenen Bahnbeamten verließen nach einigen Stunden wieder den Dienst.— Der Streit geht auf Kongreßpolen über, und zwar auf die Bezirke von Kalisch, Lodz und Sosnowice.— Die Streiks in Warschau sollen durch Gleichstellung der städtischen mit den staatlichen Angestellten beigelegt werden. Verdaad der Buchbinder und Papierverarbeiter. Die für morgen 5 Uhr an- gekündigte Verlammlung der Etui- und Aartonnagenbranche fällt aus. Zilmschau. »Die Schrecken der weihen Hölle" werden im Mozart-Saal am Nollendorsplatz gespielt. Ein verworrenes, kitschiges Durcheinander. Erwähnenswert nur: dir Schlittcnsahrt durch die Schncewüste, die einzige schöne Nowrausnahme, und der Boxkamps zwischen den Nebenbuhlern— Voran ging das lustig sein sollende Spiel.DaS böse Gewissen' mit LeoPeukert. Verantwortlich für den rebalt. Teil: Viktor Schiff, Berlin: für Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: LorivSrts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor« rnaris-Bucbdruckerei u. Bertagsaultalt Paul Singer«. Co.. Berlin. Cinoi rrtr. 3 SeMerWMSMMM vekuksltungsttelle Berlin X B. 51, Cinlenltr. 85—85 Geschäftszeit von vorm« 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 185, 1289. 1987. 9714 Mittwoch, den 31. August, nachm. 5 Ahr: Gruppenversammlung der im Verband der Bureau-Jndustrie und dem Verband der Schreibmaschinenhändler beschäftiizton Schreibniaschincn-Ncparateurc im Lokal von Schirm, Charlotkeustr. 8. Tagesordnung: l. Stellungnahme zur Kündigung des Tarifs. Z. Verbands- mrgelcgenhesten. 3. Verschiedenes. Mittwoch, den 31. Augnsi, abends 7 Ahr: MMise VMMlMWM der Autogett- und Clektro-Schweiher im Lokal von Lievermapn, Reue Zakobftr. 1—3. Tagesordnung: l. Unsere Lohnbewegung. 2. Branchen- und Betriebs- ougelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mittwoch, den 31. August, abends 7 Uhr: ver?M»lW da MsikLMM im»Rosentholer Hof". Roseuthalerstr. 11/12. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Lohnabkommen. Z. Bortrag des Genossen S«itt Über: Lungentuberkulose. 3. Wahl des Gaippeiikassiems und der Sicoiforcn. 4. Gruppenangelegen- heilen und Verschiedenes. Die vertronenskeute ircffen sich eine* SBMfi Stunde seither zwecks Besprechung. Sie Ortsoerwaltnag. Soeben erschienen: SMwerlmiNmigMlisk! Jeder dem Handwerk Angehärige oder ihm Nahestehende k muß dies- Broschüre lesen. Portofreie Zusendung? j unter Boreinsendung des Betrages von Mark ck-Ust � Bestellungen unter Handwerk ond Planwirkschnft, j ktirchhain(Bezirk Kassel), Postfach. Korsette aus la Stoffen und in allen Preislagen empfiehlt Korsett-Fabrik Richard Necke 1. Geschäft; Berlin-Korlshorst, Treskow-Allee 83 2. Geschäft: B.-Lichtenberg, Nene Bahnhofstr. 36 Berlin, KomiaaiidanteEstr. 23 Ecke Alte Jakobstraßc 124 Bz üehrenstraße 54 7»/z Uhr: Das sensationelle Saison-EröflniiDgs- 8 Uhr: Belle-Ä u Jugend '"Icmbarß-fiaus� z H. Graft, Lmpr. 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SCHKFER Berlin-Wilmersdorf, Wilhelmsaue 36 Langsähilge bewähite Vertretungen in ganz Deutschland (Referat überdie Taktik der Kommunistischen internationale, gehalten auf dem III. Weltkongreß, Moskau, Juli 1921.) Inhalt: Das allgemeine Bild der Weltlage./ Die Theorie der holländischen Schule./ Die Erfahrungen der Massenkämpfe: a) Der englische Bergarbeiterstreik./ b) Der italienische Kampf, c) Der Dezemberstreik in der Tschechoslowakei, d) Die Marzaktion./ Die Losungen der nächsten Zukunft./ Schlußfolgerungen./ Schlußwort 86 Seiten. Preis broschiert 1,50 M., gebunden 6 M. Zu bezichen durch die Carl Bap U. Lis Hamburg 11 atzso* |: sowie durch alle Buchhandlungen und Organisationen der VKPi). Soeben erschien! Soeben erschien! tZ. Sinowjew Bericht über die Tätigkeit der Exekutive der K. I. gegeben auf dem III. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale, Moskau, Juni 1921 Inhalt: Einleitung./ Die italienische Frage./ Die französische Partei./ Die tschechoslowakische Frage./ Die skandinavischen Parteien./ England und Amerika-/ Die übrigen Lander./ Der nahe und der ferne Osten./ Die Frauen- und die Jugendinternationale./ Die künftigen Aufgaben der Exekutive,/ SchTt / Die künftigen Aufgaben der Exekutive./ Schlußwort./ Resolution zum Bericht, des Exekutivkomitees. !04 Seiten./ Preis broschiert 1.50 Mk., gebunden 6.— Mk. ••••••••••••*•••••••••••••••••••»•••••••••••••••«••••••••bee•••••• Zu beziehen durch die Verlaysbuchtiandiung Carl Hoym Nachf. Louis Gahnbley Hamburg 11 37S'b* I sowie durch alle Buchhandig. u. Organisationen der VKPD. Veröffentlichungen des Verlages der Kommunistischen Internationale Schriften von Karl Radek: Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches .(mit 6 Reproduktionen)........ M. 2.— geb. M. S.Theorie und Praxis der 2l/s Internationale.. 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