Abend-Ausgabe(-opk-nnis Bezugspreis» � Mert«IjShrl.M.- M. monatl. lO.-». � SnzeigcupretS, a A Wf fttilungMrtüpt Uitt««ten»ban>tie öBiSSSi Llf�Snl( Av ▲ v Ä\-A.N. �. Bfl toftrt SlSO I!.Sleln*«njel�ci Oeuifd;lan&, Tonzig. das Saar- and VSBBßayA NW>(. /M iflk iBllp, i"1"7 jnT)'. a. RH F da, frttgrdrucftr Wrri 1�0 ilL(j Meinelgebiet, sowie dir ehemals deut-_ Ä> j i ILWl �Hittk i 1HS& rwl»\ �äSkA/IK n*J|H> tofftg ,w»> iKtg.grurtt»'Borte),|rC lchen D-bi-te Polens. Oesterreich.|MI/ ��H Vy WU HH m«Ea MMM/. weiter,«ort u- M. SieUenaew H!■ HlW■£:■■■. I■( U Ir1•rfSsf«.'.'"V»�»7 Unw�aifÄ.eSlo�WM�»�WM»M»>WWWWWU»»WH»WWWWWWWWWWWH>MHBS»MMB�MWBM»>aW��WHW'�.___«ujuii— üiibjii—iii NeSaktion unü expeSttion: EM SS. Ltnöenstr.3 s,ÖM Qn ar,,*.,» laoi[ 1 vorwärts-verlag G.m.b.H., Ew öS, Linöenstr. Fernsprecher: Tlenstag, bCtt»30. August 19»! Fernivrecker- V»'-« Exv-di.in.««» J«.e»°.'en. U_—'f Expedttt-U M-rrtzplap l17a»—-.4__ I ilriXIrlL�L:«btciluiifl ggrjorifctilah U7Ö3-5» I Aufruf öer Gewerkschaften. Arbeiter, Angestellte unö Seamte! �eik Monaten reckt— täglich kühner— die Reaktion ihr Haupt. Da die politische Zerrissenheit und die dadurch enl- standenen politischen Verhältnisse die Durchführung der am 20. März 1920 mit Regierung und Regierungsparteien ge- lroffenea Vereinbarung hinderten, die notwendige Sicherung für den Bestand der demokratischen Republik also fehlte. glaubten die Reaktionäre, ihre Zeit sei gekommen. Die Republik und ihre Einrichtungen sind Gegenstand wahnwihigster Beschimpfungen und schwerster Angriffe. Ver- ansialtungen ehemaliger militärischer Formationen unter Teil- nähme von Angehörigen der Reichswehr münden in Verunglimpfungen und Bedrohungen der republikanischen Demokratie aus. ein gewisser Teil der nationalistischen Presse peitscht ver- steckt und offen zum politischenMord auf. Diesen hochverräterischen Bestrebungen und Handlungen gegenüber zeigen Organe der Justiz eine auffallende und aus- gesprochene parteiische Milde. Symptomatisch für die innere politische Situation Deukschlands find die politischen Morde, zuleht die an Gareis und Crzberger. Die Vertreter der gewerkschaftlichen Spihenorganisalionen richteten am 29. August an den Reichskanzler die mündliche Aufforderung, diesem schamlosen Treiben der Ratio- nalisten nachdrücklichst entgegenzutreten und alle Maßnahmen zum Schuhe der Republik zu ergreifen. Darüber Hai die Presse berichtet, ebenso über die Auffassung des Reichskanzlers, der rücksichtslose Beseitigung der eingetretenen Mißstände be- stimmt versprach und die Mitwirkung der organisierten Arbeitnehmer lebhaft begrüßt. Arbeiter, Angestellte, Beamte! Mit dem geschilderten Schritt eurer Vertreter kann es nicht fein Bewenden haben. Auch die jaikräftigste Leitung des Reiches wird die inneren Feinde der demokratischen Republik— die Rationalisten— nur solange und soweit niederhalten können, als sie unterstützt wird, von der überzeugten Mitarbeit der republikanisch gesinnten Bevölkerung des Reiches. Schart euch darum zusammen zum Schuhe der republikanischen Demokratie, vergeht, was euch sonst trennen mag, laßt allen Bruderzwist und vereinigt euch mit allen, die guten Millens sind, die Widersacher der Republik zurückzu- drängen, damit die Reaktion erkennen muh. daß sie einem ge- schlossenen Block des arbeitenden deutschen Volkes gegen- übersteht. Erfreulicherweise haben sich die Vertretungen der polt- tischen Organisationen der arbeitenden Klasse, die Parteileitungen der SPD. und der USPD. zu gemeinsamer Abwehr zusammengefunden. An unsere Mitglieder richten wir die Aufforderung, sich an den Protestaktionen, zu denen diese auf- rufen, vollzählig zu beteiligen. Es gilt die Sicherstellung der Existenz der Republik! Der vorstoaü öes Allgemeinen Deutschen Sewerkschastsbunöes. P. Grahmann. Die Demonstration im Lustgarten. Warnung vor radanlustige« Elementen. verlin. Z0.«,.gust.(WTV.Z Der Polt, eiprSsldeal Hot an den Gewerkschastsbnnd, den Gewerkschaftsring, die SPD., die USPD. und die SPD. folgendes Schreiben gerichtet: .Zn den heutigen Morgcnblättern rufen Sie zu einer Viasien- bemonstration am Mittwoch, den ZI. August d. 2-, nachmittags 4% Uhr, nach dem Cuffgarten aus. wie mir mitgeteilt worden ist. wollen Sie durch Ihre Ordner den Ausmarsch so organisieren, daß Störungen der öffentlichen Ruhe. Ordnung und Verletzung der Daun- weite verhindert werden. Ersahrungszcmäh erachtet ein Teil Ihrer Ordner jedoch feine Aufgaben mit der hinführung der De- monstrakionsteilnehmer nach dem Versammlungsort für erledigt. Da Sie mit einer Teilnahme von Hunderltausenden rechnen, mache ich Sie darauf aufmerlsam, daß die Zusammenballung derartiger Massen im Stadtinnern für die Beteiligten sowohl als auch für die öffentliche Ordnung eineschwereGefahr bedeutet, wenn nicht nachvecndignngder Demonstration die Teilnehmer durch Ordner unter Vermeidung der Bannmeile in ihre wohn- bezirke zurückgeleitet werden. Diese Ratwendigkeit ergibt sich ferner ans der auch Ihnen wohlbekannten Talfache, daß bei allen vlasfenansammlungeu sich radanlustige Elemente einfinden, denen von vornherein einem ordnungsmäßigen Verlauf der Veranstaltung nichts gelegen ist und deren ordnungswidriges Treiben zu verhindern eben- falls eine Aufgabe Ihrer Ordner fein muh. Sollten Sie hierzu nicht in der Lage sein, so bitte ich Sie, mir dies bis Vcitt- woch, den ZI. August, vormittags 10 Ahr, mitzuteilen, damit ich meinerseits die erforderlichen ZNahnahmen treffen kann." Wie wir hierzu erfahren, hat der Bezirksvorstand der Sozial- demokratischen Partei alle Anordnungen getroffen, um den An- forderungen des Polizeipräsidenten Rechnung zu tragen. Das gleiche ist von den Gewerkschaften und der Leitung der iiSP. zu erwarten. Die Teilnehmer an der Demonstration werden aber auch jeder einzelne dafür sorgen helfen, daß die Veranstaltung nicht durch radaulustige Elemente', in welchem Gewände sie auch auftreten mögen, gestört wird. Der Verbrecher auf Urlaub. Di« Tatsache, dah der ehemalige Fahnenjunker und spätere Stu- dent O l t w i g v. H i r s ch f e l d. der wegen seines Attentats auf Erzberger zu IS Jahren Gefängnis oerurteilt war, dann aber vom Staatsanwalt auf vier Monate beurlaubt worden ist, stellt sich als ein neuer Skandal dar. Alle Welt fragt sich, wie es möglich fein konnte, daß man den fanatischen Burschen vor Ablauf seiner gelinden Strafe auf Urlaub schicken tonnte., Heute weiß«ine Berliner Korrespondenz Einzelheiten darüber zu melden. Nachdem nämlich wiederholt Gnadengesuche abgelehnt worden sind, hatten die Eltern Hirschselds ein ärzttiches Gutachten eingereicht, daß der Verurteilte durch zwei Verletzungen im Kriege, einen Prellschuß an den Kopf, so schweren Schaden an seiner Ge- fundheit genommen habe, daß von einer weiteren Hast neue Ge- sundheit-störungen zu befürchten seien. Der Gefängnisarzt untersuchte Hirschfdd und schloß sich gutachllich den Feststellungen des Privatarztes insoweit an, daß er erklärte. Hirfchfeld habe durch die Gefängnishast körperlich gelitten. Ende Februar wurde Q. v. Hirfchfeld deshalb auf vier Monate beurlaubt und verließ, nachdem er noch an der Silberhochzeit feiner Eltern teilgenommen hatte, Berlin, um sich bei Verwandten auf dem Lande zu erholen. Er ist, wie wir hören, inzwischen auf mehreren märkischen Gütern gesehen worden. Im August pamder Urlaub des Verurteilten ab- gelaufen, doch stellie er sich den Gerichten nicht, sondern ließ durch einen Privatarzt erneut ein Gutachten einreichen, in dem ihm bescheinigt wurde, dah sein Gesundheitszustand sich noch nicht gebesiert habe, und daß eine Verlängerung des Urlaubs erforderlich fei. Der Generalstaatsanwalt verfügte dagegen, daß Hirfchfeld durch einen Gerichtsarzt sofort darauf zu untersuchen sei, ob er den zweiten Teil der Strafe antreten könne. Ganz gleichgültig, ob die Verdachtsgründe gegen Hirfchfeld in bezug auf den Mord sich bestätigen oder nicht, bleibt es eine u n- glaubliche Tatfache, daß der schon ohnehin so gelinde be- handelte Attentäter vor Ablauf seiner Strafe auf freien Fuß ge- setzt werden konnte. Die Fälle, in denen sonst schwer kranken Sirüf- lingen Urlaub bewilligt wurde, sind außerordentlich selten. Einem politischen Mordbuben aber diesen Urlaub zu bewilligen, ohne daß eine Lebensgefahr vorlag, erscheint direkt als eine Begünstigung, die nicht scharf genug zu verurteilen ist üer Suche nach den Nlö'röern. Freudenstadt. 30. August.(TU.) Dem Amtsgericht Freud.'nstodt hat sich am Freitag abend ein Schwarzwälder Tourist ge- stellt, mit dem die mutmaßlichen Mörder zwei Tage'ang zusammen in Liebenzell weilten. Er beschreibt sie als zwei„.Herren mit nord- deutschem Dialekt', die mit ihm kleinere Touren um Liebenzell machten und deren Hauptgesprächsthema die Person Erz- bergers und dessen angebliche politische Schädlichkeit war. Ton einer Absicht, Erzberger durch Meuchelmord zu hes-itigm, sprachen die Herren nicht. Äle Angaben über die Persönlichkeit der Täter sind so genau und klar, daß sie der Behörde eine zuverläsi'ge Grund- läge für die wetteren Ermittlungen geben werden. Verhaftungen in Berlin. verllu, 30. August.(MTB.) In. der M o r d s a ch e Erz- berger hat die Abteilung U des Berliner Polizeipräsidiums wegen Verdachts der Taterschaft zwei junge Leute T. und W. festgenommen. Nach der bestimmten Bekundung einer Zeugin soll W. am Sonnabend nach der Tat in einem Berliner Kino ficht- lich zusammengeschreckt sein, als durch die Presse die irrtümliche Nachricht von der Festnahme der Mörder Erzbergers bekanntgegeben wurde. Auf die Frage, ob W. denn die Mörder kenne, habe dieser seinen Freund als einen der Schuldigen genannt. Nach den sofort vorgenommenen polizeilichen Ermittlungen war T. in der für die Ausführung der Tat in Bettacht kommenden Zeit, nämlich vom 19. bis 23. d. M., von Berlin abwesend, auch W. weilte vom 25. bis 27. August fern von Berlin. Beide Personen haben einen A l i b i b e w e i s angetreten, der zurzeit der Nachprüfung unterliegt. Das Aeußere der beiden Festgenommenen trifft im ollgemeinen auf die bekanntgegebene Per- sonalbeschreibung der Griesbacher Täter zu. Bemerkenswert ist, daß der Festgenommene nach eigener Angabe in Berlin einen p o l i- tischen Nachrichtendienst für die Organisation„Oberland' unterhätt, deren Zentrale sich noch jetzt in Breslau befinden soll. Vis zur Revolution gehörten T. und W. der Kadettenanstalt »u Lichterselde au, und zwar zuletzt als Fähnriche. Die Unschuldslämmer. Wer am heutigen Morgen die Blätter der Rechten zur Hand nahm, der konnte ohne besondere Mühe die Wirkung der neuen Regierungsverordnung feststellen. Die großmäuligen Herrschaften sind auf einmal, wie es in ihrem Jargon heißt, „ganz klein imd häßlich' geworden, und zwar um so kleiner, je großmäuliger sie vorher gelärnst haben. Die „Deutsche Zeitung", die vor wenigen Tagen noch die wüsten Schimpfergüsse des„Miesbacher Anzeigers" voll Entzücken nachdruckte, hat plötzlich beschlossen, überhaupt nichts mehr zu sagen. Sie schreibt: Da wir nicht die Absicht haben, den Organen der Regierung den gewünschten Anlaß zum gewaltsamen Einschreiten gegen die „Deutsche Zeitung" zu geben, werden wir bis zu einer festum- grenzten Auslegung des„Verächtlich" auf jede kritische Behandlung der Regierungsmaßnahmen verzichten und bitten unsere Leser, sich selbst ihre vi einung zu bilden. Dieser Heldenmut ist uns nicht n e u. Hat doch das gleiche Organ am 10. November 1918, am Tage nach der Revolution, geschrieben: Die Verhältnisse zwingen uns, bis auf weiteres jede eigene Stellungnahme zu unkerlassen und uns zu beschränken, des einfache Nachrichtenmaterial wiederzugeben Was freilich die„Deutsche Zeitung" nicht verhindert hat,. am 15. Ottober 1919 dem deutschen Volk im Tone strafender Verachtung vorzuhalten, es oerdiene seinen jetzigen erbärmlichen Zustand, weil es i h m(dem deutschne Volk, nicht etwa der „Deutschen Zeitung"!) an Zivilcourage fehle! Jetzt wimmert die„Deutsche Zeitung" und schwört wie ein zu- fammengebroche�er Gauner auf der Anklagebank: Kein irgendwie verständiger Mensch auf seiten der nationalen Rechten, om allerwenigsten aber die Rechtsparteien und die nationale Presse haben daran gedacht, die republikanische Slaulssorm gemalt- sam zu beseitigen. Seht die'ErzHeuchler! Sie haben niedaran geda cht! Auch die biedere„Deutsche Zeitung" niemals, die sich wohl gar nicht mehr erinnert, wie sie mehrfach wegen offener Ausforde- rung zum Umsturz verboten wurde. Sie hat ganz ver- gessen, wie sie während der Unterzeichnungskrise von Versailles im Jahre 1919 den Grenzschutz Oft und General Hoffmann aus- zuHetzen suchte, nach Berlin zu ziehen und die Regierung zu st ü r z e n(Hoffmann war klug genug, die Noll? abzulehnen, die Lüttwitz später gespielt hat). Damals schrieb dos Blatt, das„niemals" an gewaltsamen Umsturz gedacht hat, unter der Ueberschrift„Der Worte sind genug gewechselt" höhnend folgendes: Es wird ja zu keinem Bürgerkrieg und zu keinem Blutvergießen kommen, denn es wird sich niemand finden, der dem Grenzschuh Ost bei seinem Zug aus Berlin Mderflattd leisten wird Und in dem gleichen Zusammenhang bekannte die„Deutsche Zeitung" offen: Uns trennte eine Welt von den Männern der Regierung Scheidemann. Wir haben nie den Ehrgeiz gehabt, diese Männer bekehren zu wallen, sondern wir hatten stets nur den Ehrgeiz, diese Leute zu stürzen: und diesen Ehrgeiz haben wir immer noch. Die„Deutsche Zeitung", die stets den gewaltsamen Um- stürz verurteilt hat, schrieb beim Tode des Kapp-Rebellen v. Kessel: Wenn Schlesien sich l än g e r hielt(nömlick m den Händen der Kapp-Rebellen. Red. d.„B.") als die anderen Provinzen, so war das ihm zu danken.>-.> Die„Deutsche Zeitung' war überhaupt immer ein feines und anständiges Blatt, auch wenn sie gelegentlich der Ab- stimmung über das Londoner Ultimatum schrieb: 221 Reichstagsabgeordnete haben in der Nacht aus Mittwoch ihre Stimmen für das jüdische Geschäft und gegen die deutsche Ehre abgegeben. Seht, das alles und tausend andere gleiche Dinge, die hier nur wegen Raummangels unerwähnt bleiben müssen, hat man plötzlich vergessen, man ist plötzlich zur verfolgten Unschuld ge- worden, man lamentiert wie der ertappte Schulbube: Herr Lehrer, ich war es wirklich nicht, ich sehe doch ganz wo anders hin...— Wir führen das in einiger Breite nur aus, um zu zeigen, wie rasch und leicht diese übermütige Gesellschaft klein zu bekommen ist, wenn sie nur eine energischeFaust spürt. Das ganze Hurraschreigesindel ist charakterseige bis ins tiefste Mark. Sobald es mit seinen Demonstrationen und Provokationen auch nur das geringste persönlich riskiert, kriecht es ins tiefste Mauseloch. Das gilt nicht etwa nur von der„Deutschen Zeitung". Natürlich beteuert auch die„Kreuzzeitung", die wohl bald wieder ihren Spruch„Vorwärts mit Gott für König und Vaterland" wie am 9. November 1918 vom Kopf des Blattes herunternehmen wird: Zu einer gewaltsamen Beseitigung der republikanischen Ver- fastung ist in der.Kreuzzeittmg' niemals avfgefokderl worden. Aber es ist selbstverständlich von dem Recht der Kritik Gebrauch gemacht ward«. p r Und heute früh, als das im Druck erschien, haben wir den lerst wenige Wochen alten Schrei der„Kreuzzeitung" nach dem General abdrucken können, der, wie weiland Napoleon den französischen Konvent, jetzt den D e u t s ch e n R e i'ch s t a g auseinanderjagen sollte.— Die„Tägliche Rundschau" beteuert: Die rechtsstehende ernst zu nehmende Presse einschließlich des Führers der Deurfchncitionale» haben den politischen Mord aufs schärfste verdammt. Sie bescheinigt sich damit, daß sieselbernichternst zu nehmen ist. Wie hieß denn das Blatt, das nach dem ersten Attentat auf Erzberger höhnisch vom„kugelrunden aber nicht kugelfesten Erzberger" schrieb, das sich darüber lustig machte, daß Erzberger zwei Kriminalschutzleute zu seiner persönlichen Bedeckung im Gerichtssaal hatte?— Es war— die„Tägliche R u n d s ch a u". Und gehört etwa die„Pommersche Tagespo st", das führende offizielle Organ der Deutschnationalsn Pommerns, nicht zu der„ernst zu nehmenden" dcutschnationalen Presse,, dasselbe Organ, das jetzt nach der Ermordung Erzbergers geschrieben hat: Der erste Gedanke bei Erhalt dieser Kunde mag wohl in wel- testen Kreisen ein gewisses Gefühl der vesteiung auslösen.... Jetzt entdeckt die„Tägliche Rundschau" plötzlich, daß die Kontrolloersammlung im Stadion eine Veranstaltung rein privater Natur war, der ganz Zu Unrecht eine politische Dedeutung beigelegt worden ist. Wenn die Generale Ludendorff, o. d. Goltz und Waldersee Brandreden gegen die Republik und die Regierung halten, dann wird dem„ganz zu Unrecht" politische Bedeutung beige- legt! So sehr hat noch kein sozialdemokratisches Blatt diese rechtsbolschewistischen Generale zu politischen Hans- w ü r st e n gestempelt, wie jetzt die„Tägliche Rundschau". Wir erlauben uns aber nach wie vor, diese Herrschaften doch für etwas ernster und' gefährlicher anzusehen.— Der„Miesbacher Anzeiger" ist nach der jetzigen Deuwng der„Täglichen Rund- schau" nur ein„Witzblatt, das man sich in seinen Muße- stunden zur Ablenkung von politischen Sorgen zu Gemüte führt". Auf einmal! Und noch vor wenigen�Tagen hat die Berliner deutschnationale Presse seine kotigen Anwürfe mit Behagen abgedruckt. So wird jetzt all und jedes von der Rechtspresie verleugnet, was sie noch vor drei Tagen mit grinsendem Behagen und höhnischer Aufgeblasenheit produziert hat. Petrus, der seinen Herrn dreimal in einer Nacht verleugnet, ist ein Waisen- k n a b e gegen diese charakterfeige Gesellschaft. Der General Wrangel mit seinen kaltschnäuzigen„ick dementiere mir" wird zum Schutzheiligen erhoben. Feige und charakterlas Das ist das deutliche Bild. Möge die Regierung daraus ersehen, daß man auf demselben Wege, wenn man nur will, auch einer deutschnah ionalen Beamtenfronde Herr werden kann. unter ihre Botmäßigkeit zwingen, Republik und Demo- kratie erdrosseln und das alte fluchbeladene monarchistische System wieder aufrichten wollten. Lebensmittelwucher, Stepersabo- tage und Meuchelmord seien ihre Kampfmittel. Dem müsse eine ge- schlossene Front der Arbeiter und aller republikanisch gesinnten Kreise entgegengestellt werden. Die Verordnung des Reichspräsi- denken sei zu begrüßen, doch wäre zu befürchten, daß sie gegen die Rechtsbolschewisten nicht Anwendung finden würde, wenn in Reichs- wehr, Bsrwaltung und Justiz, wo die schlimmsten Feinde der Re- publik säßen, nicht Remedur geschaffen würde. Es könne der Zu- stand nicht länger andauern, daß im Reiche der Zentrumsmann Wirth mit den Sozialdemokraten gegen die Mördcrparteien und in P r e u ß e n der Zentrumsmann Stegerwald mit den Mörderparteien gegen die Sozialdemokratie regier«. Diese Politik der Zweideutigkeit könne die Sozialdemokratie nicht länger ertragen. Kunögebung in Kiel. Siel, Zv. August. zun g samt, dagegen Festsetzung erhöhter Gebühren bei Inanspruchnechm« des Wohnungsamtes.— Mit dieser Forderung stimmte auch der Vertreter der Vermietwbeifitzer Schmidt(Berlin) überein. Rechtoanwall Bräuer(Düsseldorf) betonte, daß es sich bei der Gebührener- höhung um eine volkswirtschaftliche Frage handle. Bei einer Gebühren» freiheit belaste man mit den Kosten des Mieteinigungsamtes die Totalität der Mieter und nicht die der Vermieter, und ferner die Be» sitzer von Eigenheimen.— Baumeister Friedrich(Halle), Der- Mietervertreter, trat dafür ein, daß es in der Frage der Gebühren- -n Hebung bei dem billigen Ermessen des Einigüngsamts bleiben soll. Beschlossen wurde in dieser Frage, keinen Beschluß zu fassen, sondern die von den verschiedenen Seiten gemachten Anregun- gen dem Rechtsavsschuß als Materiol zur Bearbeitung zu über» weisen. In der weiteren Debatte wurde vorgeschlagen, zur Entlastung des Einigungsämt«« Mietstreitigkeiten von sekundärer Bedeutung Schied»- männern der Mieter und Bermieter zur Schlichtung zu überweisen. Aur Beisitzerfrage vertrat H« ck« r(Altona) als Jurist den Standpunkt, daß bei Amtsverweigerung der Beisitzer al« aus- geschieden zu betrachten ist.— Frau Wege(Berlin) wandte sich gegen eine Bemerkung des Vorsitzenden, daß die Frauen als Beisitzer beim Einigungsamt eigentlich ausscheiden könnten. Di« Wohnungs- frage fei eigentlich ein« Frauenfrage. Die Frauen urteilten viel objektiver und. sozialer denkend als die Männer. Sommer (Dresden) fordert« mehr Bewegungsfreiheit für die Beisitzer, und meinte, daß auch Untermieter Beisitzer fein können.— Der Vor- sitzende erwiderte, es könne gar keinem Zweifel unterliegen, daß der Untermieter unter den Begriff Mieter fällt und deshalb auch Beisitzer sein kann.— Albrecht t Berlin) forderte eine zeitgemäße Erhöhung der Gebühren für die Beisitzer, dmnir auch der werktätigen Bevölkerung hinreichend Ge» legenheit gegeben werden kann, sich an dieser Gesetzgebung zu be- teiligen. Zweifellos gäbe es im Wobnungswefm eine ganze Menge von Fragen, die von den Frauen besser beurteilt werden können als von Männern. Die einschlägigen Verordnungen müßten restlos den Beisitzern zugänglich gemacht werden. Der Schutz der Untermieter müsse einheitlich geregelt werden. Das Strafrecht des Vorsitzenden gegenüber den Beisitzarn könne nicht zugestanden werden. Gegen» über schwänzenden Mietern könne es nm die Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde geben. In der Frage der großen Reparaturen vertrat San» gen b« r g(Berlin) als Vermietervertreter den Standpunkt, daß . der Referent keine Lösung dieser Frage gezeigt Hab«. Niemal» dürfe die Reparaturhypothek vor der ersten Hgpothek rangieren. Das Geld müsse der Staat hergeben und die Hypothek dürfe im Grundbuch nur an einer Stelle eingetragm werden, wodurch der Realtredit nicht erschüttert wird. Die weiter« Debatte ließ erkennen, daß in der schwierigen Frag« der großen Reparaturen die Verständiguna-mögsichkeiten zwischen Mietern und Hausbesitzern sehr gerina sind. Sie wird aber auch noch den Rechtsausschuß des Verbandes beschäftigen. Der Vorsitzend» schloß darauf die Tagung mit der Fest- siellung,"daß sie den Boden eine» harmonischen und gedeihlichen Zu- sammenarbeitene gebildet hat. Folgende nicht als R-chttmien«mgenonnnene Grundsätze kSim«n als teilweises Ergebnis der Beratungen angesehen werden: Eine«ngllederung der Einigungsämter an dl« ordentlichen Gericht« oder die Abtrennung eines T«il» Idres bisherigen Aufgabenkreis unter Uebertragung an andere Stellen istnichtzuempfehlen. Di« Einiaungsämter sind im welentsichen unter Aufrechterhaltung fhres paritätischen Charakters und der Mitwirkung der gke>chb«rech- tigten Laicnbesitzer entsprechend auszubauen durch allgemeine über das ganze Reich sich erstreckend« Borschristen. Jnsbesonder« ist dabei die Unabhängigkeit der Vorsitzenden sicherzu- stellen. Ein« Nachprüfung der Entscheidungen im Rahmen der bisher entwickelten Spruchühung ist zu«rmögllchen. Insbelonder« ist«in Wiederaufnahmeverfahren gesetzlich zu regeln. Strafandrohungen gegen W o hnungsw»ch» k V« Art auch im veherbergzmgsweie» sind«ötig,______ GroßSerlw wenn man fich ma! 2. Klasse leisten will. Zuschlag gibi's unterwegs nicht. Nicht jeder, der auf den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen in der L. Klasse fährt, ist ein Krösus oder ein Protz. Manche Angestellte und auch 5)andarbeiter benutzen auf ihren Wegen nach und von der Arbeitsstätte notgedrungen die teuer« Z. Kiasse, weil sie den Ansiren- gungen täglicher Fahrten in der um diese Zeit stets überfüllten 3. Klasse nicht gewachsen sind. Auch bei Sonntagsausflügen hält mancher, der sonst nicht allzuviel in die Sm— e zu brocken hat, es für ratsam, sich 2. Klasse zu leisten, damit nicht aus der Heimfahrt die ganze Erholung schon wieder zum Teufel geht. Sparsame Leute entschließe» sich zu dieser Mehrausgabe erst, wenn sie auf dem Dahn- steig sind und mit Schrecken das Getümmel sehen, bei dem kaum auf Mitkommen z» rechnen ist. Für die Läsung der Zuschlagkarte, die zum U e b e r- gang in die 2. Klasse berechtigt, hat man nun etliches zu be- achten, was nicht jedem bekannt ist. Daß auf Monatskarten, Schüler- monat-korten, Wochenkarten, Arbeiterrückfahrkarten und Militär- karten der llebergang in eine höhere Waqcnklasse ausgeschlossen ist, wissen wohl die meisten Benutzer solcher Karten. Nebenbei bemerkt: einen vernünftigen Grund für diese Ausschließung wird die Eisen- bahnverwaltung nicht ansühren können. Roch weniger wird sie da- zu in der Lage sein bei der in weitesten Kreisen der Psoölkerung unbekannten Vorschrift, daß die zur Benutzung der 2. Klasse berechtigende Zuschlagkarte nur vor Antritt der Fahrt gc- löst werden darf. Du darfst nicht aus deinem bis zur Unerträglich- keit überfüllten Wagen der 3. Klasse unterwegs aussteigen, nun erst einen Zuschlag bezahlen und dann mit dem nächsten Zug in der 2. Klosse weiterfahren. Du darfst das selbst dann nicht, wenn Du deine Fahrt bei mäßiger Zugbesetzung in der 3. Klasse begonnen hast, unterweas umsteigen mußt und die für die Weiterfahrt z» benutzenden Züge in der bekannten Art überfüllt"<•'>, Ein Aus» flüaler. der an einem Sonntagabend bei der Heimfahrt von Nohns- darf nach e-u/oneberg auf Stralau-Rnmm elsburg umsteigen und für die Weiterfahrt in dem unerträglich überfüllten Ringbahn- zug die 2. Klasse gegen Zuschlag benutzen wollte, wurde kurz abge- wiesen:„Das gibt's nun n i ch t m e b r". Er bemerkt hierzu durchaus zutreffend, daß eine derartias Vort�risi da*» verleiten kann, auch ohne Zuschlag in die 2. Klaffe überzugehen und somit zu betrügen. Die Eisenbahndirestion Berlin sollte die sinnlose Einschränkung schleunigst aufheben. Warum balt sie übrigens nicbt mal für nötig, durch Ansällaa auf die Vorschrift binz'''neisen? In den Bestimmungen über die Personenbeförderung im Stadt-, Ring- und Vorortverkebr steht nur, daß Zuschlagkarten vor Antritt der Fahrt und vor Uebcrgang in die höhere Klasse zu lösen sind. Aus diesem Wortlaut wird kaum jemand folgern, daß ee sogar heim Umsteigen keinen Zuschlag gibt. Der �rauenmorö in üer Schon ensthenstraße. Die Wirtin der Erwordelen verhaftet. Zu dem Mord an der Verkäuferin Emma N e u m a n n wird mitgeteilt, daß die Ermittelungen der Kriminalpolizei schon bei der ersten Aufnahme des Tatbestandes und des Befundes zu einem ge- wissen Verdacht gegen Frau Hoffmann selbst führten, auf deren Aussagen allein man zunächst angewiesen war. Ins- besondere scheint das, was Frau Hofsmann über ihre Abwesenheit am gestrigen Vormittag sagt, nicht ganz z» stimmen, namentlich in den von ihr angegebenen Zeiten nicht. Dazu kommen Gerüchte, die im Hause umlaufen. Sie gründen sich ans das gespannte Verhältnis, das in der letzten Zeit zwischen Frau Hofsmann und ihrer Mieterin bestand und gehen daraus hinaus, daß Frau Hoffmann bei dem Verbrechen irgendwie ihre Hand im Spiel ge» habt haben soll. Alles das aber bedarf noch einer gründlichen Nach» Prüfung. Um allen Verdunkelungen vorzubeugen, nahm die Kri- minalpolizei Frau Hoffmann vorläufig in Haft. Bestimmt« An- Hallspunkt für ihre Teilnahme an dem Verbrechen sind jedoch noch keineswegs vorhanden. Weitere Nachforschungen und Zeugenver- nehmungen werden voraussichllich bald Klarheit bringen. » Zur Aufklärung der Derbrechen des Lust Mörders Groß- mann wurden auch heute Mieder mehrere Mädchen»er. nommen, die bei Großmann einige Tage sich aufgehalten hatten. Ein» dieser Mädchen befand sich in Untersuchungshaft und wurde au» dieser vorgeführt. Großmann selbst ist bisher nur wegen der Ermordung der Nitfche protokollarisch vernommen worden. Da bei ihm auch Kleidungsstücke des vermißten Dienstmädchen» Sosnowski gefunden wurden, so wurde er gestern abend kurz befragt, ob dieses bei ihm gewesen sei. Das gab Großmann auch ohne weiteres zu. wollte aber nicht wissen, wo da» Mädchen ge- blieben fei._ potsöamer Seist.' Die Art. in der s ch der Potsdamer Geist in der Angelegenheit der kollegialen Schulleitung der Berliner Schulverwaltung gegen- über ausgetobt hat, ist noch in frischer Erinnerung. Die Pots- damer Regierung glaubte eben die Zeit bereits wieder ge- kommen, um die alten Kafernenhofallüren gegenüber den„nach- geordneten Behörden" in Anwendung bringen zu können. Eine ge» radezu unerhörte Rücksichtslosigkeit scheint sie auch der wirt» schaftlichen Not ihrer„Untergebenen" entgegenzubringen. Di« Klogen über jahrelange Verschleppung von Gehalts- regelungen und Gehaltsnachzahlungen reihen nicht ab. Erst unlängst wurde uns wieder berichtet, daß eine Lehrerin in einem Berliner Borort sich seit einem vollen Jahre vergeblich um die Festsetzung ihres Dienftalters und die sich daraus ergebende Gehaltsauszahlung bemüht. Pas M l n i st e r i u m hat in der Erkenntnis von der wirt- schaftlichen Not, unter der alle Beamten heute zu leiden haben, den Regieruungen„möglichste Beschleunigung" anempfohlen. Dem Vertreter eines Bezirksamts, d-r sich hierauf berief, antwortete der Potsdamer Regierungsfekretär wörtlich:„Wir lassen uns nicht drängen, auch vom Minister nicht! Wir müssen die An- gelegenheit in oller Ruhe erledigenl" Wir haben nicht Vertrauen genug zur jetzigen Leitung de» preußischen Unterrichtsministeriums, um zu hoffen, daß hier in diese reaktionären Amtsstuben einmal das Donnerwetter hinein, fährt und den Geheimräten bis hinab zum Sekretär heimleuchtet. Wir würden sonst den Herrn Minister ersuchen, der Potsdamer Re- gierung einmal beizubringen, was„möglichste Beschleunigung", oder besser: was„sofortige Erledigung" heißt. Aber wenn nun end- lich hoffentlich der große Kebraus in der reaktionären Verwaltung beginnt, dann sollte man mit dem Potsdamer Geist in der R e- gierung seiner Vaterstadt anfangen! Wi« für die Wettkonzerne geworben wurde! Die jetzt zusammengebrochenen Wettkonzerne hätten wahrschein- lich nicht so viel Gläubige gefunden, wenn ihnen nicht allerlei Werber und Zutreiber geholfen hallen. Diese rührigen Mitarbeiter, die sich gewiß nicht um Gotteslohn abmühten, gingen manchmal mit einer verblüffenden Ungeniertheit zu Werte. Uns wird ein Brief vom 4. August 1921 zur Verfügung gestellt, der als Werbung für die Wettfirma Arthur Müller u. Co. (Inh. Carl Köhn) hinausging. Auf eine Chissre-Annonc« in einem bürgerlichen Blatt, die unter dem Schlagwort„W er will s e t n Gelb In zwei Monaten um 50 P r o z. erhöhe n?" eine lohnende Kapitalanlage in Aussicht stellte, meldete sich einer, und al» Antwort dam dieser Brief. Er ist geschrieben und unterzeichnet vo»»inem ,5t. Bartes. S t a d t s e k r e t ä r", der wohl die Annonee nicht aus purem Idealismus bezahlt haben wird. Besagter Bartel preist die„streng reelle Firma", die„auf ehrliche gesunde Art und Weise das Geld des Publikums stillschweigend vermehren will".„Ich selbst habe", versichert er,„bis dato 15 000 M. drin und kann nur jedem raten, wer flüssiges Geld zu licaen hat, dieirm Beispiel zu folgen". Schließlich erbietet er sich:„Sollte es Ihre Zeit gestatten, mich während meiner amtlichen Dienst- stunden— werktäglich von 8 bis 2 Uhr, Sonnabends von 8 bis 1 Uhr— zu besuchen, so wäre mir dieses sehr lieb, eventuell bin ich auch bereit, zu Ihnen zu kommen." Der Briefschreibcr hat«inen Bogen mit dem eingedrückten Stempel„Magistrat zu Berlin" benutzt, hat als seine Adresse durch einen der Unterschrist beigefüg'�n Blaustempel angegeben„S t eu erlasse VL. 0.17, fioqentojt- firaße 10" und handschriftlich hinzugesetzt„Telephon Magi- st r a t Berlin KOL". Auf einem beigelegten Prospekt der Firma Arthur Müller u. Co. steht handschriftlich„Vertreter R. Bartel"«rd auch hier ist jener Blaustempel seiner Steuerkosse daruntergesetzt. Daß Herr Bartel seine Kundschaft um Besuche in den orgl- l'chen Dienststunden bat und sie auf die Benutzung des dienstlichen Telephons hinwies, wollen wir hier besonders unterstreichen. De» „L o k a l, A n z e i g er", dem«in gleicher Brief vorgelegt wurde, knüpfte daran eine Betrachtung mit der sensationellen Ueberjchrist „E i n Z u t r e i b e r i m M a g i st r a t". Bei gedankenlosen Lesern dieses deutschnationalen Blattes mußte da? die Vorstellung warfen, daß der Magistrat selber in seinen Reihen einen Zutreiber der Weit- konzerne habe. Man sieht, daß der deutschnotionalen Sippschaft kein Mittel zu schafel ist, dem ihr verhaßten Magistrat etwas anzuhängen._ Die Polizeistunde in der Provinz Brandenburg. Der 0 b e r p r ä f i d e n t hat für den Umfang der Provinz Brandenburg gleichfalls neue Polizeistunden festgesetzt. Danach find Vergnügungsvork», sogen. Rummelplätze in der Zeit vom 1. Mai bis zum 15. September um 10 Uhr, in der Zeit vom 16. September bis zum 30. April um 8 Uhr abends zu schließen. Es bleibt den Ortspolizeibehörden überlassen, eine Verlängerung bis 10)1 Uhr nbends eintreten zu lassen. Theatervorstellungen und alle Dar- bietungen, die bei gewerbsmäßiger Veranstaltung einer Erlaubnis nach ss 83» der Gewerbeordnung bedürfen, sowie alle Lichtspielvor» führungen sind spätestens um 11 X Uhr abends zu schließen. Gast-, Speise- und Schankwirtschaften sowie Kaffees find spätestens um 1 2 U h r und Sonnabends um 1 Uhr nachts zu schließen. Die Ortspolizeibehörden in Orten über 10 000 Einwohner und in Bade. orten sind mit Zustimmung des Regierungspräsidenten berechtigt, bei nachgewiesenem dringenden Bedürfnis die Schlußstunde auch für die ijbriqen Tage bis 1 Uhr auszudehnen. Die Verordnung tritt mit dam 1. Seplember 1S21 in Kraft. Aus dem Reich deS Schöneberger Branddirektors. Eine Zusammenfassung der Feuerwehren Groh-Berlin» unter einheitlicher Leitung und Verwaltung ist bisher nicht erfolgt. Daher gibt es in den früher selbständigen Gemeinden um Berlin bei den einzelnen Feuerwehren noch allerlei k l e i n« M a ch t h a b e r. Zu ihnen gehört Branddirektor Floeter vor der Schöneberger Feuerwehr, mit dem der„Vorwärts" sich schon öfter hat beschäftigen müssen. Seit einiger Zeit schwebt ein Konflikt zwischen dem Vranddirek- tor und einem Feuerwehrmann, der die Behandlung durch diesen st eis rasch erregten Vorgesetzten als UN- gehörig empfindet, aber mit seiner Beschwerde weder bei dem Dezer- nenten des Schöneberger Feuerlöschwesens nocb bei dem stark ins Scbwarz-weiß-rote schillernden Bezirksamt Schöncberg irgend- welchen Erfolg gebabt hat. Ts handelt sich um das an sich nicht welterschütternde Bortommni». daß der Feuerwehrmann als Tel«. graphist die Frau eines anderen Feuerwehrmannes in dessen B-glei- tun? den Raum der Telephonzentrale hatte betreten lassen, obwohl die Frau nicht dienstlich darin zu tun halte. Der Vranddirektor, der hinzukommend das Veriehen bemerkte, stellt« den Telegraphisten in einem kosernenhofmäßig überlauten Ton zur Rede, so daß der Lärm dieses Anschnauzers bis auf die Straße hin- ausdrang und Passanten stehen blieben. Die Beschwerdesache. deren „Erledigung" ohne Vernehmung von Zeugen des Deschwer.deführers erfolgte, ist inzwischen zur Kenntnis seiner Berufsorganisation ge, langt. Zwischen Brynddirettor Floeter und diesem Feuerwehrmann besteht schon löngtr ein gespanntes Verhältnis, feit dem vorigen Jahr, wo der Feuerwehrmann in einer von anderer Seit« aus- gegangenen Beschwerdesache gegen den Branddirektor als Zeuae auftreten mußte. Damals wurde dem Brandd-rettor u. a. vorgemox» fen, daß er das Dienstouto zu privaten Fahrten be- nutzt habe. Zu unserer Verwunderung wird uns jetzt gesagt, daß diese Ungehöriakeit noch in neuerer Zeit sich wiederholt habe. Branddirektor Floeter habe im Dienstauto seinen Sahn vom Bahn- Hof ahaehost: auch habe er bei einer anderen Geleaenheit, mit seiner Familie van einer Reise zurückkehrend, das Gepäck in einem nach dem Bahnhof beorderten Dienstwagen nach Hause bringen lassen. Auch der schon früher aegen ihn erhobene Vorwurf, baß bei ibm Ordonnanzen nach private Dienstleistungen aueführen, kehrt setzt wieder. Vor der Revolution hatte der Feuerwehrmann als Ordonnanz eine Stellung, die manchmal der- jeniaen eines Offiziersburschen gl'ch. Da wurde von dem Feuer- w-hrmann für die Familie de» Vargefehten nicht nur d-r Haus- wirtfchaftsbedarf einaekauft nein, es soll in weiter zurücklieeenben Iabren sogar vornekommen sein, daß die Ordonnanz hals, die W"'che waschen und die Nachttöpfe raultragen. Die Revolution machte die- fen Zuständen ein Ende, wenigstens auf dem Papier. A's aber vor kurzem bei Branddirektor Floeter eine Hausangestellte erkrankt«, wurde ein Teil ihrer Arbeit von einem einspringenden Feuerwehr- mann übernommen. Er wirtschaftete in der Wohnung des Herrn Branddirektor» so eifrig, daß er einmal sogar— den Alarm verpaßte._ «Siedlung und Kleingarten", unsere illustrierte Beilage. liegt der heutigen Postauflage bei. Die Errichtung eines Zollamtes im verwolknngsbe'irt tichken- berq wird geplant. Das jetzt für Lichtenberg zuständige Zollamt be- findet sich weitab in Neukölln. Für das neue Zollamt sind vom Bs- zirksamt Räume des Knuss» Wilhelmstraße 9 zu Friedrlchsfelde in Aussicht genommen. Anaestrebt wird auch eine Straßenbahnlinie durch die Roeder-, Herzberg- und Siegfriedstraße nach Friedrichs- felde, Kirche. Das zukünftige Zollamt wäre dann vom Lichtenberger Industriegebiet bequem zu erreichen. Das Wetter für morgen. Berlin und ttwfeg»d. Silva» kühler, zeitweise kieiicr. aber«er, änderlich, bei wähigen iwilichrn biit nordwefillchen Winden. Keine erheb- lichen Niederschläge.___ Hrosi-Serliner parteinachrichten. Achtung. Frauen! Demonstration! jÄ Frau»», die nicht in den Betriebe» arbeite«, werde» besonder« ans» □ u'] mtrtfam gemacht, sich restlos an der Demonstration zn beteliigen. j-I Di« Bertretertnne» der Fronen: Hoppe. Ryneck. Schcibenhuber. Scholz. U Sch-oarzamt.gold«»-« Baad ist im««jirfslöretirtitt Zimmer 11 ,o h-den. J -r;-I'.J** I.T-'■»>.»n»r»T- MX*--- � r? 2. Actis. Tiergarten. Die für deute bei Tcitmper angeseilt» Kreisverstands- stgung niibrt um 9V, Ud« de««»«er, gago«-. Eck» L-vetzowstr-be, statt. Um» Uhr abend, erweitert« Krelsooestandssttzung. 22.«btellnne.«ll-«enoMnnen und«enotsen, soweit ste nicht mit ihrem Be- triebe b-monstri-ren,'reiten lud am Mittwoch, den 3l. August, dm Bauer. Große Frantsurter Str. l. Kein» bort sehten. 12«. Abteilung. Weißensee. Dt« für Mit«««»»ngesehte Mitgliederversammlung findet der Demonstration wegen erst am Donnerstag in demselben Lokal statt. GöWöiSschQstsbelvegung Protest See vsrwaltungsbeamten. Der Reichsoerbcind der Derwalwngsbeainten ersucht uns um Aufnahme folgenden Protestes:> Trotz der Höhe der von der Neichsregierung angebotenen Mittel latzt die Art der gewählten Verteilung erkennen, daß nicht die Ab- ficht, wirkliche bittere Not zu lindern, ausschlaggebend gewesen ist, sondern der Entschluß, die alte überlebte unsoziale Abstandstheorie der maßgebenden Geheimräte unter allen Umständen wieder durch- zusetzen. Ein Staat, der in der Lage ist, zur Beseitigung der Not- läge der höheren Beamten mit ZOOOO M. Jahresgehalt diesen Be- träge von 4000 M. und mehr zu bewilligen, muß auch den direkt hungernden Beamten der unteren Besoldungsgruppen, die schon längst wieder wie früher Frauen und Kinder zum Mitverdienen heranziehen müssen, die Mittel geben können, die ein bescheidenes Existenzminimum darstellen. Diesen Grundsatz hat die Regierung mit aller Entschiedenheit abgelehnt und damit bekundet, daß sie nicht unbestreitbar vorliegende Not beseitigen will, sondern daß es ihr ofenbar wichtiger ist, das Prinzip des alten Obrigtellsstaats wieder aufzurichten, der die unteren Gruppen wit allen Mitteln und mit oller Macht vor allen Dingen auch wirtschaftlich niedergehauen Hot.. Der Reichsoerband der Berwaltungsbeamten fordert daher den Deutschen Beamtenbund auf, solange jeden Vorschlag der Regie- rung zurückzuweisen, solange nicht ein Mindeftzufchlag für die Gruppen 1 bis S zugestanden ist. Jede Verhandlung mit den Vertretern des alten Systems wie Geheimrat Kühnemann und Geheimrat Erythropel müßte unter allen Umständen abgelehnt werden, da die unteren Besoldungsgruppen sich von diesen Herren nicht länger verhöhnen lassen wollen. Der Vorstand. Massenentlaffungen bei der Post. Man schreibt uns: Die Postbehörde nimmt wieder umfangreiche Kündigungen qor. Es werden meist äUere Leute betroffen, die eigenen Haus- stand haben und die die ganze Kriegszeit über draußen waren. Nach- dem diese Leute schon dadurch in ihren wirtschaftlichen Verhält- nissen schwer gelitten haben, sollen sie nun auf die Straße gesetzt werden. Als wir im Felde standen, wurde uns immer versichert: „Ihr seid des Dankes des Vaterlandes gewiß!" Sollen etwa diese finnlos vorgenommenen Kündigungen bei der Post der Dank sein? Von einem Arbeitsmangel kann nicht die Rede sein. Vielmehr ist jetzt Hochkonjunktur bei der Post, so daß jedenfalls mit Ueberschuß gearbeitet wird. Die Arbeiterausschüsse stehen diesen Entlassungen machtlos gegenüber, da alle Eingaben und Beschwerden gegen diese Härte nichts nütze. Es gewinnt jedoch den Anschein, als ob die Post von dem Stand- punkt ausgeht, daß kein Arbeiter berechtigt sei, im Postbetrieb be- schästigt zu werden, weil die jüngeren Kräfte bis zu 28 Jahren meistens zu Beamten gestempelt wurden und alle älteren Arbeiter al»„zu alt" und entbehrlich befunden werden. In Berlin werden auf diese Weise etwa 2000 Arbeiter der Arbeitslosigkeit preisgegeben. D» ist um so schlimmer, als es wieder dem Winter zugeht. Es wäre nach allem zu wünschen, daß alle Arbeiterführer und unsere berufenen Vertreter im Parlament dahin wirkten, daß die Reichspost ihre Massenkündigungen schleunigst zurückninunt. tragte die Organisation, nochmals Verhandlungen anzubahnen. Diese wandte sich durch Vermittlung des Herrn Polizeipräsidenten an die Arbeitgeber. Die Arbeitgeber erklärten sich zu Verhandlungen be- reit, bemerkten aber auch gleichzeitig, irgendwelche weitere Zugestand- nisse nicht zu machen, womit Verhandlungen zwecklos erschienen. Mit diesem Stand der Angelegenheit befaßte sich eine sehr gut- besuchte Versammlung am Montag in Boekers Festsälen. Der Re- ferent, Hermann Schulz, betonte, daß du. Arbeitnehmer den Willen zu friedlicher Verständigung durchaus bekundet haben und jetzt nach Erschöpfung aller Möglichkeiten hierzu den letzten Schritt tun, zum Kampf schreiten müssen. In der beabsichtigten Verhandlung hätten die Arbeitgeber nur darlegen wollen, weshalb sie über die Sätze des Schiedsspruchs nicht hinausgehen wollten. Eine solche Hin- ausschiebung der Sache habe jedoch keinen Zweck. Es sei unwahr, wenn die Arbeitgeber in einem Flugblatt die Sache nun so dar- stellen, als seien die Arbeiter daran schuld, daß es zum Kampf komme. In der Aussprache traten alle Redner für den Streik ein, der denn auch gegen wenige Stimmen beschlossen wurde, in der Form, wie wir auf der dritten Seite des Hauptblattes der heutigen Morgenausgabe des„Vorwärts" bereits berichteten. Deutscher Holzarbetter-Vcrband, Ortsverwaltung Berlin. Infolge der Demonstration werden die Bureaus morgen nach mittag um 2 Uhr geschloffen. Die Ortsverwaltung. Kaufmännische und Bnreau-Angestellte demonstriert! Unsere Mitglieder in den Betricbsvertretungen fordern wir Stand der Erwerblosigkeit. Im Juli ist die Zahl der unterstützten Erwerbslosen im r gesunken, nämlich von 315 458 am 1. Juli ai August. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungs. en 424 Reich weiter am 1 � empfänger betrug rund 206 000(gegenüber 244 000), die der weiblichen 63 000(gegenüber 71 000). Die Zahl der Zu- schlogsempfänger, d. h. der unterstützungsberechtigten Familien- angehörigen Erwerbsloser, stellt sich auf rund 300 000. Das Zahlen- bild kommt damit demjenigen vom Juni 1920 wieder sehr nahe. Im Vergleich mit dem ungünstigsten Monat dieses Jahres, dem März, ergibt sich eine Verminderung um rund 143 000 E r» werbslose und 168 000 Zuschlagsempfänger. Die Besserung ist insbesondere auf den Bedarf der Landwirtschaft zurückzuführen, der aber in einzelnen Gegenden bereits wieder ab- flaut, ferner auf die Entwicklung des B a u m a r k t e s, der aller- dings der Mangel an gelernten Bauarbeitern Grenzen zieht, sowie auf die fortschreitende Belebung einer Reihe von Industriezweigen, so des Textil- und Bekleidungsgewerbes, der Holzindustrie, der Metallindustrie, der Industrie der Steine und Erden usw. Sonach steht die Besserung des Arbeitsmarktes auf einigermaßen schwachen Füßen, da mit dem Beginn des Herbstes Landwirtschaft und Bau- wesen Arbeitskräfte wieder abgeben werden und der lebhafter« Ge- schäftsgang in der Industrie unverkennbar mit der Abwärtsbewegung der Valuta zusammenhängt. Auch muh bei der Bewertung des ganzen Zahlenbildes immer wieder daran erinnert-werden, daß eine sehr große Zahl von Arbeitslosen in den Notstandsarbeiten der produktiven Erwerbslosenfürsorge, also außerhalb der normalen Wirtschaft, beschäftigt ist, daß die beträchtliche Zahl der Kurzarbeiter, d h. der mit verkürzter Llrbeitszeit Arbeitenden, in den genannten Zahlen nicht berücksichtigt ist, und daß die deutsche Erwerbslosen- statistik vorläufig überhaupt nur die unter st ützten Er- werbslosen erfaßt, nicht aber diejenigen Erwerbslosen, die aus irgendwelchen Gründen Unterstützbng nicht erhalten. Zum Streik im Nahrungsmittel-Grosthandel. Der Schlichtungsousschuß machte am 24. August den Einigungs- Vorschlag, ab 1. August bis 31. Oktober folgende Löhne zu zahlen: Für Kutscher 300 Ä., Lagerarbeiter 295 M. und für Arbeiterinnen 1S5 M. Die Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen am 26. August lehnte diesen Einigungsoorschlag mit allen gegen zwei Stimmen ob, weil er den bescheidensten Anforderungen des täglichen Lebens nicht entspreche und bei der fortschreitenden Teuerung es unmöglich fei, eine Familie zu ernähren.& Versammlung beous- Jierdurch auf, sofort mit den Arbeitgebern in Ver- i n d u n g zu treten, damit die Betriebe am Mittwoch so rechtzeitig geschloffen werden, daß die Teilnahme der gesamten Betriebsbeleg- schaften an der Demonstration im Lu st garten um 4H Uhr nachmittags gewährleistet ist. Wir sind überzeugt, daß alle Arbeitgeber, die aus dem Boden der deutschen Republik stehen, dies« Forderung weitestgehend unter- stützen werden. Arbeitgeber, welche sich weigern, dem Ersuchen der Betriebsvertretungen nachzukommen, sind der Organisation um- gehend zu melden. Von diesen Arbeitgebern muß angenommen werden, daß sie mit den Bestrebungen der Reaktion sympathisieren. Die arbeitende Bevölkerung wird aus der Bekanntgabe dieser Firmen die notwendigen Schlußfolgerungen zu ziehen haben. Zentraloerband der Angestellten Ortsgruppe Groß-Berlin. ..Em kommunistischer Erfolg". Zu der unter dieser Ueberschrift in Nr. 402 des„Vorwärts" veröffentlichten Mitteilung erhalten wir vom Betriebsrat der Schwartzkopfffchen Betriebe eine berichtigende Erklärung: „Der Betriebsrat und die gewerkschaftlichen Vertrauensleute sind nach Stellungnahme zu den vom Mctallkartell vorgeschlagenen neuen Lohnregelungen zur einmütigen Ablehnung gekommen. Wenn einleitend von Braoourstückchen geschrieben wird, so können diese nur darin bestehen, daß die Belegschaft der Firma Schwartzkopft, Scheringstraße, in allen Situationen wie auch bei dieser Abstimmung ohne Rücksicht auf parteipolitische Orientierung einheitlich handelt. Die„terroristischen" Einzelfälle bestehen in der Auskunft über die Auslegung der neuen Vereinbarung, welche die Funktionäre den Kollegen gegeben hatten. Disziplinlosigkeit ist es sicher nicht, wenn Betriebsrat und Der- trauensleute zur Ablehnung der Vorschläge des Metallkartells kommen und der Belegschaft Ablehnung derselben empfehlen. Die Siegesfreude der Belegschaft bestand darin, daß der Be- triebsrat der Belegschaft ein Abstimmungsresultat mitteilen konnte, welches zum Ausdruck bringt, daß der weitaus größte Teil bereit ist, für seine Existenz in den Kampf zu treten und nicht, wie Ein- sende? des Artikels, öffentlich in der Preffe den Standpunkt der Unternehmer unterstützt. Die Leitung der Abstimmung lag in den Händen des gesamten Arbeiterrates und muß Einsender schon den persönlichen Mut auf- bringen, Unregelmäßigkeiten zu beweisen." Abstimmung vor Augen hakten, daß diesmal' durch ein« Ablehnung der neuen Zugeständniffe zugleich über die Frage des Streiks abge-. stimmt werde. Es muffe jedem Kollegen klar sein, daß er sich dies» mal mit der Ablehnung dafür ausspreche, den Kamps aufzunehmen. In der sehr lebhasten Diskussion wurde der Ernst der Situation von verschiedenen Gesichtspunkten aus besprochen. Eine Entschließung wurde nicht gefaßt. Der Branchenleiter gab dann den Geschäftsbericht. Es ist ge». lunaen, in verschiedenen Betrieben Verbesserungen zu erzielen. Der Graphische hilssarbeiterverband befaßte sich in seiner Mit- gliederoersammlung am letzten Freitag im Gewerkschaftshaus zu- nächst mit dem Ausschluß des Kollegen Krummrei. Es wurde beschlossen, den Hauptoorstand aufzufordern, den Ausschluß zu in» hibieren und K. in der Zahlstelle Berlin als Einzelmitglied zu führen. Das von einer Berlrauenspersonensitzung vorgelegte und fast einstimmig angenommene Ortsstatut wurde ebenfalls sanktio-- niert, nur mit der Aenderung des§ 6, der in neuer Faffung vor- sieht, daß Anträge auf Neuwahl der Angestellten eine Woche vor der entsprechenden Versammlung bekanntgemocht werden muffen und- zur Annahme eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist. Es er, folgten noch Mitteilungen über die von der Ortsverwaltung«inge- leiteten Schritte über einen Ausgleich in der Wirtschaftsbeihilfe für die Monate August und September. Im Kohlenrevier Ostrau-Karwin in der Tschechoslowakei kämpfen die Arbeiter gegen Lohnreduzierung, bei der von einer Kohlenprei?- Herabsetzung keine Rede ist. Dos Ostrauer Kommunistenblatt fordert das herangezogene Militär auf, sich nicht gegen die Arbeiter und zum Streikbruch gebrauchen zu lassen. ZogendabteiUulg de» geutraloerdande» der Asgrstelltea. Mittwoch: Sruvp« Südwest im Ortsbureou Belle-Alliance-Str. 7t10. abend« 7 Uhr.„Der Bauern- kriegt.— Donnerstag: Gruppe Rordofi. Schule Pasteurstr. 44:4«, abeuds 7 Uhr, Singabend._ Wictfäyaß Die Wellproduktion an Sohle. Im Jahre 1020 wurden laut„Dergwerkszeitung" insgesamt 1800 Millionen Tonnen Kohle gegen 1158 in 1010 au-,- gebeutet. Nach dem Londoner„Economip" betrug die Ausveule ur den letzten Jahren in Mill. Tonnen: 1010 1013 1014 1015 1916 1917 1018 1919 1020 1160 1342 1205 1196 1296 1345 1381 1168 1300 Der Anteil der Vereinigten Staaten an der Welt- Produktion, der vor dem Kriege 38— 39 Proz. betrug, stieg 1020 wieder auf 45 Proz. Die Weltproduktion verteilt sich auf die ver- schiedeneu Erdteile solgendermaßen: 1013 1020 Mehr-s- (Mill. t)(Mill. t) Weniger— . 531,6 601,8-s- 02,7 1,6 1,7+ 0,1 . 730,0 597,5— 132,5 . 56,8 73,8+ 26,0 8,3 11,8+ 8,5 . 15,0 119— 3,1 . 1342,3 Nordamerika.. Südamerika.. Europa-... Asien..... Afrika.... Ozeanien... Weltproduktion.' Gewerkfchastskommlssion Schöneberg. Nachdem verschiedene Mängel betreffs der Gewerbegenchtswahlen erörtert wurden, teilte Genosse Henkel mit, daß auch in bezug auf die Krankenkassen- wählen die Arbeiten ausgenommen werden müssen. Es hatte sich in der Derfchmelzungsfrage ein Zwischenfall zugetragen, in welchem Friedenau ein« Rolle spielte; er sei jedoch zugunsten der bis jetzt geführten Verhandlungen ausgefallen. Vorwürfe gegen die Schöne- berger Kaffc wurden von anwesenden Vorstandsmitgliedern als un- zutreffend zurückgewiesen. Genosse Schimanskn empfiehlt, derartige Fragen nicht immer vom politischen Standpunkt aus zu betrachten, sondern von dem einer Einigung. Redner zitiert ferner die bevor- stehenden Stadtoerordnetenwahlen und stellt fest, daß gerade jetzt alle Kräfte angespannt werden mühten. Um den von reaktionärer Seite juristisch ausgeklügelten Handstreich gegen den Berliner Magistrat abwehren zu können, empfiehlt er die Auf- stellung von Einheitslisten. In der weiteren Diskussion, in welcher die wirtschaftliche Lage, besonders die bevorstehende Teuerung ge- streift wurde, gelangte eine Resolution zugunsten der 10 Punkte des ADGB. einstimmig zur Annahme. Die Walzwerk-, Blei- und Drahtkabel., sowie papierrchrarbeiter und Arbeiterinnen hielten am Sonntag in den Sophiensälen eine Branchenversammlung ab. Als Hauptpunkt stand auf der Tages- ordnung:„Stellungnahme zum neuen Lohnabkommen." Nach einem Bericht über den Gang der Verhandlungen mit den Metallindustriellen, deren Ergebnis durch die Abstimmung der Ar- beiter und Arbeiterinnen verworfen worden ist, führte der Referent Schoodt weiter aus: Infolge der Ablehnung des Verhandlungs- ergebniffes kam es zu neuen Verhandlungen, die am Sonnabend stattfanden. Leider könne er das Resultat noch nicht mitteilen, da es noch nicht ganz vcrliege. Es werde aber schnellstens bekannt- gegeben werden und schon in den nächsten Tagen dürfte die Ab- stinunung darüber erfolgen. Werden die neuen Vorschläge angc- nommen, würden die Kollegen und Kolleginnen ab 1. Scptember'in den Genuß der Aufbesserungen kommen. Sie müßten sich bei der 1300,0— 42.3 In der Kohlenausbeute Europas siebt Großbritannien mit einer Produltion von 232 076 000 Tonnen an der Spitze. Es folgen DeutfSland mit 140 757 433 Tonnen Steinkohle. 11'634 000 Tonnen Braunkohle; Frankreich mit 24 300 000 Tonnen Steinkohle, 1000 000 Tonnen Braunkohle; Belgien mit 22 413 635 Tonnen Steinkohle; Tschechoslowakei mit 11 130 800 Tonnen Steinkohle, 10605500 Tonnen Braunkohle. Fast alle europäischen Länder weisen einen Rückgang in der Ausbeute auf. Diejenige Frankreichs ist 1020 gegenüber 1013 um 46 Proz. zonickgegangen. Inzwischen hat aber der Wiederaufbau der norvfranzöfischrn Kohlenbergwerk« erhebliche Fortschritte gemacht. Deutschland weist in der Ausbeute von Steinkohle einen Rückgang, in Braunkohle dagegen eine Mehr- Produktion auf._ Ein Getr ei derlnsfuhrm onopol in Rumänien. Der rumänisch« Ministerrat beschloß, daß in Zukunft der Staat das ausschließliche Recht der Ausfuhr von Weizen und Roggen hoben soll. Die Ausfuhr der übrigen Getreidearten wird freigegeben unter der Bedingung, daß jeder Exporteur dem Staat die gleiche Menge, die er ausführt, zum Höchstpreis zur Verfügimg stellt. Die Ausfuhrzölle auf Getreide werden aufgehoben-— Rumäniens Getreideaussuhr hat im letzten Jahre bedeutend zugenommen. Sie- betrug im Jahr« 1921 bis jetzt 745 665 Tonnen gegenüber 26 637 Tonnen im Jahre 1920. Mus aller Welt. Z?raue«word in Altona. Hamburg, 29. August.(WTB.) Die Ermittlungen der Staats- anwaltschaft Altona bezüglich eines Leichenfundes in Nienstedten haben folgendes Ergebnis: Am morgen des 26. August wurde am Elbstrand in Nienstedten bei Hamburg-Altona der Rumpf einer offenbar vor ganz kurzer Zeit getöteten Frau gefunden, an dem sich noch die Arme und Hände befanden. Die fehlenden Teile sind von sachkundiger Hand mittels eines scharfen Instrumentes vom Körper getrennt. Die Leiche befand sich in einem Wäschesack aus braunem Segeltuch, der an der Oberseite mittels eines Vorhängeschlosses ver- schloffen mar. Der Tod der Frau ist durch zwei tiefe Stiche ins Herz herbeigeführt worden. Di« Getötete wurde als die Ehefrau Klara Fründt aus Hamburg erkannt. Als Täter wurde der praktische Arzt Dr. Karl Fink in Hamburg, geboren am 15. De- zember 1889 in Nagold in Württemberg, ermittelt, der mit der Ge- löteten im Verkehr gestanden hatte und seit dem Abend des 27. August mit feinem Motorrade verschwunden ist. Verantwortlich für den redakt. Teil: BIltor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Td. öllotir. Berlin. Verlag: LorwSrtS-Berlag G.m.b.H.. Berlin. Droit: Vor- witrtS-Bnchdri.iteret n. BerlagSanstalt Voul Singer u. So., Berlin. LlndenNr. 3 ETI 1 Kreuz=, Silbers, Zobeif üchse von 175 Mark an Pelzhaus Jägermann»ÄTÄ 5:"™�"'°™. Damenhuthaus Soeben erschienen Stinnes SO. bis 60. Tausend | i|l IS I i 114 Brunnenstr. 114 Etfra-äRgebot i Joseph Cohn& Co. Mfä und seine öCOOOti Arbeiter Von Kurt Heinig Eine überaus interessante Schritt, die Hugo Stinnes Herkuntt u. Aufstieg schildert, sowie seine sanze ungeheuerliche Macht, seine Beteiligungen, Einflüsse und Operationen auf Grund eines reichen zuverlässigen Materials kritisch aufdeckt. Preis Z.SO Mark Buchhandlung Vorwärts Berlin SW 68, Lindensiraße 2 .»i f» einmal geprobt— immer gelobt. Feinster Geschmack: fteto frisch. Zu MwMMM* taufen t de» Ziqarrengeschäftcn usw. ,.„ Neue Bertaufsktellen richtet ein: O U r O M/l r®enccaUjcrtrifbC.H8tfer,t>ee!ln, U 44 I U V U» ci�feafcera« S«r.ZZ(Äg(t 3S61) QOLD Sifiber-f Platin-£ kauft Silber-Zentrale Adressen, Diktate, '» Verrielfäl- tlgungen übernimmt Adler, Frsbenstr. 21. Nollend. 1640. Metallbetten, SinhImlUrazen, Kinderbetten dir. an Private. Katal. HOA frei Eifenmbb-lf-brtk Suhl AlteHüte Umprefien und Äoderutflerea von Damen, und Herrenhute». Vor-Üql ll. billige Ausführung. prefferci HerüJ. FllCilS Berlin O 112. Irauifurter VDec 287. ladr,-preise Lieferung frei Haus ftaawMgB Hetali-Bettstelleü Kinderwagen, Bettfedern, Korbmöbel Fürst, Neukölln HermannstraBe öl Ecke Mahiower Str.* Fabrik f. Ruhebetten, Auflege. matratzen u. Feldbettstellen Nutzeisen Stabeisen, Bleche, T-Träger, U-Eisen, Rohre, Ketten, LagerbScke, Riemenscheiben, FuBstanzon usw. in verschied. Dimensionen haben abzugehen Natzeisenabteilung, Bln.-Nenköiln Weserstr. SSISO— Tel. Neuk. 4170 COHN& BORCHARDT Zentrale: Llebtenbers, Rittergutstr. 47/48 Telegr.-Adresse„Erzcobor". Tel. Uchtenbg. 846/547